Nr. 289 General-Anzeiger für Gberhessen Rogge» 1) 157 (— ) 152 (— ) 151 (— ) ) Berlin Dezember 223.50 Weltmarktpreis e: Liverpool *) 21»fang, wenn nicht anders bemerkt, abends ujq 7 Uhr, (- (- Weltzdroi 2 itg. 62 P,g. Schtvarzdrot 2 4tg. 54 Pig, 170 (- ) 165 (- ) 171 (f 1) 165 (4- 2) 0 4) 1) t— (— 1) 3) 3) 3) 6) 1) 4) (- (- (4- (4- (- (+ (4- (- (-r Lrfchetnl täglich mit Ausnahme des Sonntags. (- (4- ( + (+ (4* (+ (+ Die „rietznlkr ^mnihenbiarter* werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich bcigclcgt, das „KtelsMatt für Öen Kreis «ie^en" zweimal wöchentlich. Tie „Landwirtschaftliches 5eU» fragen" erscheinen monallio) zweimal. ?»r ) IV,) ) 1) ) Haier 155 (— 161 (+ 223 (4- 6) 227 (4-21/,) 165 168 163 167V, 16o 1671/, 172'/, 1627, 158 (4-27,) (+ 6> (4-77-) (4-27,) 232'/, (4-27,) 234 (+ 3) (— 0.40). Chicago Dezember 183.10 (4- 14.70). Roggen: Berlin Dezember 166.25 (— O.iö), 'Diät 172.75 (4- 0.25). Hafer: Berlin Dezember 159.75 (4- 1.25), Mal 161.50 (4- 1.00) Mt. (Der Feiertage roegeit erscheint der nächste Wochenbericht erst Montag den 3. Januar 1910. Welzen lUU Jig. 23.2o—23.;,0 Dit. Roggen 100 Kg. 17.u0-00.00 Mt. Unter allen Umständen hat der fesselnde Vortrag dazu bei- getragen, klärend zu wirken, 5um Nachdenken über die behandelte, lür den Völkersrieden so ttridytige soziale Faage, anzuregen und sie davor zu bchüten, sie in unseren Kreisen leidxfcrhg zu bc- handeln, sie als unbeguem mit unüberlegten Redensarten kurzerhand abzutun. Ter vorgeschrittenen Zeit wegen kam eS nur zu einem Schluß- nrort des Vorsitzenden, der mit Dankcsworten auch für die 2x>r> tragenden die Verhandlungen als beendet erttartc. Rotationsdruck tmb Verlag der Brühl^che» UniDcrfuäiS - Bilch- und Skemdruckerel. R. Lange, Dietzen. Tie Marktpreise für Viel, und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotprcise am 20. Dezember 1909. 220 217 216 221 214 218 224 2227, 2277, 23o 2277, (- ) (4- 2) (4- 1) Königsberg Tanzlg Stettin Polen Breslau Berlin Magdeburg Leipzig Dresden Hamburg Hcuuiover Düsseldorf Köln Frankfurt aZ-DL Wlannheun Straßburg Stuttgart München Redaktion. Exveditton und Druckerei: Schul- stratze 7. Exvedinon und Verlag: 5L RedaktwruS-^ 112. Lel.-AdruAnzeigerGießen» 214 (-t- 223 (4- 224 ( + 3) 2) ) 17,) 27,) Ursache die Rcenschensreundlichleit haben. Tic Wirtschaststrisen fdeinen ihren Charakter zu ändern. Seil itLiu großen Krach von 1873 können wir von schlimmen Krisen nicht sprechen. Es kommen wohl Perioden der Abnahme der wirtschaftlichen Tätigkeit, der Ruhe, des Stillstehens. Auch jbcr Rückgang seit 1907 gleicht mehr der Ebbe nach der vvrausü gegangenen Hochflut, die Anzeichen eines neuen Aufschwunges Suchten M schon. Eine weitere Ursache der häunger vorkommenden ArbettS- losigbeit ist die starke Zunähme unserer Bevöltcrung und die Art ihrer Verteilung auf die Bodenfläche. Wir haben pro Jahr 8—900 000 Kopse an lieber schuß Der Geburten über die Sterbe» fälle. Tiefe Menschenzunahme bedarf lolmntber und dauernder Beschäftigung. Im Reiche müfjen jährlich 200 000 neue Woh- ttungen gebaut werden, um diese Bevöllerungszunahme unter» wtrinaen. Tie Existenz der meisten dieser Menschen ist gefährdet 161 1627, 157 158 161 162 157 163 165 165 160 167 1627, 168 170 172’/ 175 168 Weizen: Gctreide-Wochcnbericht der PreiSbericmnelte Des Deuocyen LanowirtschastsratS vom 14. liS 20. Dezember 1909. Tie wider Erwarten lfohen Zahlen der deutschen Ernte'statistik, wonach Weizen Mit 3 755 747 Tonnen diesmal ungefähr den gleichen (Ertrag wie im Vorjahre geiieiert hat, roäizrenb Die 'Jeggen- ernte mit 11348 415 Tonnen das vorjährige Rekordergebnis noch um 600 000 Tonnen überteiilt, Gerste 3ch0 (3,06), Hafer 9,13 (7,69) Millionen Tonnen auswrisen, haben die feste Stimmung cbenftnvatig zu erschüttern vermocht, als die gleid>'allls in der Becichtswvck>e verölsentlidsten beiinitüxn Ernteergebnisse der Bereinigten Staaten und Rußlands, in nxldjcn Ländern diesmal rund 8 Ui in tonen Tonnen Weizen mehr als im Vorfahre hervor gebracht worden sind. Tie Wirkung Dieser Zahlen, soweit Deutschland m Betraclst kommt, wurde roqentlieh burd> den Umstand abaeschoädst, daß man bisher zum großen Teile mit sehr schlechten Qualitäten zu tun hat, während bei Beurteilung der ainerifanijdjen Lmt> zahlen der starke Eigenverbrauch und die hohen Preise der Union, bei Rußland aber die bisherigen starken Exportleistungen in Erwägung gezogen wurden. Mit viel größerem Jntereise steht der gesamte Getreidehandel den argcntiniichen Ernteaussichten gegen* über, die sich infolge der im Süden des Landes herrfcheriben hergen und trockenen Witterung wieder ungünstiger gestaltet haben sollen. Tie Folge davon war nicht nur ein scharfes Anziehen der amerr- Eaniiü;en Preise, sondern auch ein lebhattes Eingveiien Westeuropas, rcoburd) die argentinischen Exporteure immer wieder zur Erhöhung ihrer Forderung en ermutigt wurden. An diesen Stauten war Diesmal aud) Westdeutschland in stärkerem L-lliße beteiligt Inlän- büched Weizen ist in guten Qualitäten andauernd knapp angeboten und ließen sich namentlich für foidjc höhere Preise durchsetzen. Ein ziemlich lebha.t-s Gesd-ä,t in Weizen eittwicte.te sich au( dem Lieserungsmarkte, indem die Tisparttär gegenüber dem Weltmärkte zu Stauten anregte und vers chiedentlich aua» Teckungen gegen Waren* Verkäufe vorgenommen wurden. Dem gegenüber bestand sur Roggen weder im Waren* noch im Lieferungsgeschält sonderliche Unternehmungslust. Auch bei Laser ist eine Besserung der Absatzverhalt- nisse nicht zu verzeichnen, wobei aber zu erwähnen ist, daß das Angebot teineimegä drängt und feine Qualitäten überhaupt wenig an den Markt kommen. Gerste war von Rußland fest gehalten, aber aus zweiter Harte stets billiger zu kaufen. Alais stellte sich infolge ungünstiger argaitini]'d;ei Berichte gleichfalls teurer, doch hatte das Geschäft bar in nur sehr mäßigen Umfang. Cs stellten fid) die Preise <ür inländisches Getreide am Arbeitslosenversicherung. . < . or Tie Großstadt lockt, der Arbeiter meint, da könne cs an Ar- 6cit5gelegenl)dt gar nicht fehlen. Rach der Zählung von 1895 jft m den Großstädten die Arbeitslosigkeit im Sommer viermal größer als der Reichsdurchschnitt, ganz besonders in Norddeutschland und im Königreich Sachsen. Am fchlimmften ilt das liebel für die ungelernten Arbeiter, ferner für alle üxnuarbeiter beiderlei Geschlechts und für gewisse höhere Arbeiter. Tie Mittel zur Abhilfe der Aroeitslosigkeit bewegen ncy zumeist, aber nicht durchweg, auf dun Gebiete der Versicherung. Lei allen aber komntt in '-Bctradtf: 1. die Selbsthilfe der Jntere,lenken, also der Arveiter, 2. die Fürsorge öffentlicher Art, und znxrr entweder,des Staates oder der Gemeinden. Daneben steht die private tfuriarge ^rit B.ohl- tätiakettsckmrakter, auf die hier jedoch nickst eingegangcn_rocrbtm loll. hervorragende Gelehrte wie Wagner haben die ^rganiiatton aller Unternehmer nad) ihren Bernsen in Gettos,en, cyaften gedacht, welche für die Erhaltung aller ihrer arveitswien Arbeiter lorgen (4- 1.00). Mai 210.00 (4- 0.75). Budapest April 238.10 (4> 3.25). ' März 179.95 (+ 2.80). Pans Dezember 192.75 lut ringen. Tie Existenz der meisten die, er Mons , _ . , Lurch ihr unwirtschaftliches Verbalten. Sie fliehen das flache Land, und doch sind sie für die Landwirt!chaft so nötig, die alle ihre Kräfte zusammennelMen muß, damit wir in der Volks- ernährung nicht abhängig worden vom Ausland. Die Arbeitslosigkeit wütet aus diesen Gründen natürlich in den Großstädten am sckstimmsten. Die Arbeitslosigkeit beeutflußt höchst ungünstig das politische und sonftige Leben. Wer die Sozialdemokratie wirksam bekämpfen will, sucht der Arbeitslosigkett auf den Leib zu rücken, er muß helfen zur Lösung der Frage der ^^aitor v. Dodekschwing hat nach holländischen Vorbildern Arbeitervolonien gegründet, deren rmtmliQe Befchran ung aber nur den Charaiter eines Experimentes haben, .^n der Gegemvart erwägt man leb hast das Prvjett einer ftaah^cn ^lgeniein^n beitslosen-Bersickstrung. Tie Zahl^der A.rve^wsen ist nt land in der guten und schlecksten Jahreszeit nicht,o hoch, datz ba» Werk etwa von vornherein unausführbar er,chemen mutzte. jungen Arbeiter sind der Arbeitslofigkeit mehr aufgesetzt, als die älteren, wohl durch eigene Schuld, weil ne Arbeiter, welcher freiwillig ohne gute ^Eide die Aibelt vertteg, kann nicht Anfprückr erheben, weirn er wm arbeuslos nnw. Also aus solchen Beurteilungen wird viel 'snxu ^tstehen , ung der Arbeitslosen-Versickzerung steten v«le >-Av.erig»^n Mt- gegen, sie muß aber gefunden werden, mi|d)uU>ig ist, lann dock) durch bieien, der ihn g^r Nicht» angeht, arbeitslos werden usw. usw. . .. Zu der Ärbeitslosen-^>ersicherung nun; .en die IrDeitcr ieibit Beiträge leisten. Läßt fid) aber die Beiirag^pflicht ^r ckr^t- geber rechtfertigen'? Tas Reich hatte Zuichufie zu niachm., ojui Arbeiter und dem Arbeitgeber die Beitrage ertraglta^r -u Welche praktischen Versuche hat man oisher nnt der ArbLitswien-Versicheriuig gemacht und wie.MU» M Es Lrmmen in Betracht: 1. die Lerfuch. m a?m unö deutschen Städten mit teils fakultativer, wilu omigaror^r - fid)eamg; 2. das Genter System. Zufchuife werden gege^m ^u Arbeitslosen-Versict>erung der Arbeiter-^eriiisoerband-, - - soziale Selbschilfe der Arbeiter-Bern,s-Veroande: 4. die eines Sparzwanges als Er,atz für eine AroetLSlvi« Die Hauptversammlung der landwittschastl. Vereins für die Provinz Goerhessen. Ter schm erwähnte Vertrag van Prof. Dr. Läppe in Mar- fnrg über die Lösnng der Frage der Arbeitslosenverstcherung Latte etwa folgenden Znhatt: Es setzen fid) so viele Vorurteile fest, die der Lösung der Z-rag« nachhaltig entgegenwirken, so daß es nottvendig erschint, Sach- lickies darüber zu hören, um unbefangener sich ein Urteil bilden M tonnen. _— Taß viele deutsche, schweizerische, andere aus- ländifche Städte sich mit der Frage freiwillig praktisch beschäftigen, beweist, daß ein Bedürfnis zur ArbeitÄosenversicherung twrlicgt Wie die Frage zu lösen ist, wird sich durch ine praktifchen Bov- versudfe mit der Zeit ergeben. Ter Sieimer beginnt einleitend: Die Frage der Arbeitslosig- feit und, der geeigneten Mittel zu ihrer Bekämpfung, insbesondere der Einführung einer Versicherung gegen die nachteiligen Folgen dieses Uebels, steht im Mittelpunkte der sozialen Fragen unserer Zeit. Kein soziales Hebel ist so furchtbar ch seinen Wirkungen für die davon Betroffenen. Keinem Hebel ist eine solche Verbreitung, eine solch Häufigkeit der Wiederkehr eigen. Keines ist schwieriger auf seine Hrsachn, feinen Umfang zu prüfen. Abhilssmittel find fast unmöglich xu finden. — Auf wirtschftlichr Arbeit aller» verschiedenster Art beruht unsere gesellschaitlich Ordnung. Jene liefert alles zur Befriedigimy der materiellen und geistigen Bedürfnisse. Werden erheblich Teile der Arbeiterschaft außer Arbeü gesetzt, fo beginnt sofort die Sorge um das Allernotwendigste zum Leben. Die Arbeitslosigkeit eines TeUs der Arbeiterschft reißt andere mit in den Strudel, wie die notwendig gewordene Eiw ßrilung einer großen Unternehmung andere ähnlich Unterneh- nrungen zum Stillstand nötigt Die Arbeitslosigkeit verbreitet sich wie eine Krankheit Sie bildet eine Gefahr, die auf irgend einem Wege beseitigt werden muß. Es hat zu allen Zeiten Arbeitslosigkeit gegeben, das Wandern auf den Landstraßen ist schn in längst vergangener Zeit ein ZeiclstN der Arbeitslosigkeit gewesen. 'Ter Riwner verbreitet sich über statistisch Zahlen, die entstanden fini> aus der Zählung der Arbeitslosen zu verschiedenen Jahreszeiten und in don verschiedenen Gewerben. — Früher litt der Arbeiter nicht sofort durch eine eiritretende Arbeitslosigkeit. Er war meist seßhaft. In jener vatriarcktolischn Zeit war der Arbeiter nicht so hilflos wie heute. Wenn sich beute die Fabrikwre schließen, fehlen die (ijnftenynittel dem Arbeiter und dec Familie. Sie liegt auf der e-tra&e und hungert. Zwischen Ar bett er und Unternehmer besteht heute ein reines Geld- und Kündigungsverhältnis. Tas ist für den Arbeiter schlimmer als für den Arbeitgeber. Tas Vertrauen zwischen beiden leidet. — Tie Arbeitslofigkeit bat verschiedene Ursachen: Caisonarbeitslofigkeit, entstanden durch das Aushören der Arbeit zu bestimmten Zahrcszeiten. — Betriebe werden plötzlich unerwartet eingestellt, Bergwerke, Steinbrückw, Sandgruben; Konkurse, Sub- hasvationen, Todesfälle können Ursache sein. Trotzdem sich so viele neue Arbeitsgelegenheiten geboten haben in der chemischen, elektrischen Industrie, m der Fabrikation von dtähmasd)inen, Fahrrädern, Automobilen, siiid die Arbeiter kor Arbeüslosigkeit auch ohne ihre Schule nicht sicher. Andererseits sucht der Arbeitgeber lerne besten Arbeitskräfte an sein Unternehmen zu fesseln. Daher i)ie Wvhlfahrtseinrichtmrgen. die in ,i>er Regel auch als Mit- letzten Marttlage in Aiark pro 1000 kg je nach Qualität, wöbet das Mehr ( + ) bezw. Weniger (—) gegenüber der Vorwoche in Klammern () beigefügt ist, wie folgt: Weizen (— ) (- ) (- ) (— ) i- ) öeit, im letzten Triucl des Vortrages zur Bahn und C5 entstand die Idee I vorzeitig eine Suldtstuchc un, Gegensatz zu der )d pg geichuuchten Arveitswien-Verjichcrung. | Landjluchl. Tic Stadt Bern Hal im Jahre 1893 zuerst eine fakultative Versicherungskassc crridjtet für jeden der dort tätigen scltweizerischcn Arbeiter gegen einen fUtonatSbetrag von 40 Cent., der in Siebt» marken form entrichtet wird. Arbeitgeber find zu Beiträgen nicht gezwmtgtn. Die Stadt haftet für ein etwaiges Defizit der Kasse bis ui 7000 Frk. — Unterstützung ivird nur an die Mitgliü>er bezahll, die 6 Monate lang beige steuert Haven und nur für Arbeitslosigkeit in den Monaten Tczemder bis Februar und höchstens zwei Dionate lang. Tas Tagegeld beträgt für die ersten 30 Tage 1 Frk., Familienväter lVa Frk. Für den zweiten Monat wird es vom Ä assen vor stand festgesetzt. Keine Umerstützung wird oo währt, wenn bem Betreffenden eine Versd-uldung nachgewiescn wird. — Ter Erfolg war eine spärliche Beteiligung an der Kasse durch die Arbeiter, dagegen eine enorme Beanspruchung der Kaste durch die Mitglieder. Von 354 Mitgliedern meldeten sich im ersten Winter 216 als arbeitslos. 50 erhielten Arbeit zugewiesen, die übrigen erhielten Unterstützung. E in Ver su d) des M an 10n5 Basel-Stadt, eine obligatorische Versicherungstaise zu gründen, blieb in den Anfängen stecken. Ein gleichartiger Versuch in Zürich scheiterte ebenfalls. Eingeführt wurde eine obligatorische Versicherung in der Stadt S t. Gallen am 1. Zuli 1895. Im Jahre 1897 mußte sie aufgehoben werden, da sie unter ganz irrigen und willkürlichen Voraussetzungen ins Leben gerufen war. Im Teutfchen Reich wurde die erste ArbeitÄosen-Ver- sicherung in Köl n im Jahre 1896 alsStadtlö.nisdje Vcriiä)erungs' lasse für den Winter in fakultativer Form gegründet. Die Italic wird wesentlich durch Zuwendungen der Stadt unö reidjer Mensd)en- reunde erhalten, da die Beiträge der Mitglieder noch nicht die Lälfte der Ausgaben decken. Im Jahre 1905 hatte die Kasse 1596 Mitglieder, wovon 1271 sich im Winter als arbeitslos meldeten, darunter 864 gelernte Bauarbeiter. Auch Leipzig hat seit 1904 eine gleichartige Kasse, hinter der mehrere Vereine stehen, doch mit sehr geringer Mitgliederzahl. Neuerdings haben Straßburg und Mülhausen im Elsaß je eine Versicherung gegründet, die eine Anwendung des sogen. Genter-Systems darstellt: auf Gemeindebeschluß im Jahre 1901 wurde ein städtischer Arbeitslosen-Fonds gegründet, aus dem alle Gewerlschasten Zuschüsse in der von ihnen betriebenen Arbeitslosen-Versicherung erhalten, jedoch nur bann, wenn sie sich gewissen Anforderungen unterwerfen. Die jährliche Dotation des sjonds durch die St ad. beträgt jetzt 23 485 Fick. Dieses System hat in 27 belgischen etiibten, in 36 französischen, in 9 niederländischen (darunter Amüerdam, Sang, Utrecht), in 7 luxemburgischen, ferner in Bologna, Venedig und Genf Nachahmung gesunden. Tie Zuschüsse betrugen in Gent im Maximum! 1 Frck per Tag und 50 Frk. per Jahr für jeben Empfänger unb niemals mehr als bic eigene Leistung ber Gewerkschaft, in der Regel bis zu 50 Prozent berselben. Zur Hnterstützung bei Arbeitslosigkeit infolge von Streik bars ber städtische Zuschuß nicht verwenbet werden. Seine Höhe richtet sich teils nach berienigen ber Gewerkschafls- leistttng, teils nach bem slatsenstanbe des izonds. Erlangen hat für 1909 einen gleidtortigen Versuch gemacht. Auch in M ünd) en wirb bic Einsuhrwig bes Genter Systems geplant. Im Berliner Magistrat hat emc eingesetzte gemischte Deputation sich mit der Frage beschäftigt unb beschlossen, bem Magistrat bie Einberufung eines deutschen Städtetagcs zum Zwecke der Erörterung der Lösung der Frage zu empfehlen. Mainz und W 0 r m s haben erhebliche Summen für Notstandsarbeiten bewilligt Außerdem soll in Mainz, wie pro beweis schon im vorigen Winter geschehen, eine Barunterstutzung besonders der Stutenarbeiter erfolgen, bei deren Kontrollierung wiederum die Gewerkschaften zugezogen werden sollen. Tie freien Gewerkschaften haben sich auf dem Stuttgarter Kongreß 1902 für eine umfassende Anwendung des Genter Systems erklärt. Entweder bas Reich oder die Einzelstaaten oder die Gemeinden ober- bie HnfallLerufsgenossenschaft sollen ber gewerk- Ichaftlichen Arbeitslosen-Versicherung finanzielle Beihilfe gewähren. In brei Staaten, Frankreich, Norwegen und Dänemark, hat das Genter System eine gesetzliche Grundlage unb Regelung erhalten. In Bayern, Baden und Hessen süid vor kurzem die Regierungen ber Lösung ber Aufgabe näher getreten. Auck> bie Landtage dieser Staaten, ebenso wie der Prenß. Landtag und verschiedene Städte- tage haben sich eifrig damit beschäftigt. In Baden hat bic Regierung in einer ausführlichen Tenkschritt ausgesprochen, bie Befürchtung, daß den Gewerkschaften burd) das Genter System viele Anhänger zugetrieben würden, habe sich nirgends bestätigt. Tas Genter System sei an Umfang und organisatorischer Durchbildung allen anderen Ericheinungen überlegen. _ In Hessen sind durch die Regierung die größeren otabte des Latides aujgefvrdert worden, sich über die Frage ber Arbeitslosen- Versicherung zu äußern. _ . . Ein iiiteinatwnaler Kongreß hat am 3. Juli d. I. in Paris hi ber umstrittenen Frage auf Anregung belgischer unb französischer Sozialpolitiker feattgeiunben. Im September 1910 soll ber nächste im Haag ftattfinben. Für Deutschland hat am 6. November eine Vorbesprechung stallgeiunden, in der ein engerer Ausschuß gewählt wurde, welcher mit entern Ausruf zur Beteiligung hervortreten wird. Am 20. November haben bie verschiedenen nationalen Komitees gemeiniam in Paris getagt, inn den nächsten .>ttmgreß oorzubereiten. Auf deutscher Seite gehört u. a. Graf Pofad-.wsky dem Komitee an. Tie Arbeitslosigkeic ist mit ReckN die Geißel der Kulturwell ge- nmmt worden. Sie ist bas böiefte aller sozialen Hebel. Unsere moderne Gesellschaft ist für die Folgen der Arbeitslosigkeit mit verantwortlich. Tiefe Verantwortung ist außerordenllick) ernst und schwer. Sie zwingt dazu, sich unausgesetzt mit der Löiuug der Frage der Arbeitslosigkeit 511 beschäftigen. Tic Schwierigkeiten der Lösung dürfen nicht abschcecken, sie sind feine unüberwinbltchen. Bor allem darf bie Lanbwirtschaft ihre Sympathie bissen Lösungs- versuchen nicht versagen, wie einer Sack)e, die sie nichts angehe. Tie Leutenot auf dem Lande wird durch bie städtische ArbeitsloseTi-Versichenmg, die doch immer nur einen Notanker bieten lann unb wirb, weder größer noch geringer werden. Wohl aber hat die Landwirtschaft bei der engen Verilea-tung der Interessen von Stadt und Land ein selb, räudiges Jitter esse an der Sd)afsung wirtschaftlich unb sozial gesunder Verhältnisse in ihren städtisäton Abnehmerkreisen. Sie wirb aber ferner auch stets ein- gebenf sein müiien, baß sie nicht bloß iljrer selbst willen auf ber Seit ist, sondern baß sie ein Glied des großen Ganzen unsereo natwnalen Bolksgememschaft hübet unb daher den Blick aus das Weite, Große unb Ganze gerichtet halten muß. Niemals bars cm Gesühl der Bitterkeit oder gar des Hasses gegen bie menschenverschlingende Grvßstabt bie Landwirte öahin beeinflussen, in die hilfreiche Hand — fei es des Staates oder wessen sonst — zu fallen, bie den durch die Arbeitslosigkett in das Elend verlinkenden Unglücklid>en einen Hall geben will — das wäre weder ethisch, nott) christlich, noch siaatsechaltend, noch antisvzialistisd), noch deutsch. c v <• - - berechtig kett und Veritandnis fordert die So rang ucicr ichwie- rigsten aller sozialen noch zu lösenden Fragen in allen Streifen unieres Vaterlandes. Pkoch.en sie ihr von netten unserer Landwirtschaft in red:t reidjem Maße zu Teil werben! Mit diesem Aufruf icoteb der Redner seinen Vortrag, für den bic Zeit leider zu kurz beme un war. Tenn unsere Mitglleber aus ien nörbha'-en streu m ber Provinz mußten zu einer etwas frühen Drittes Blatt 159. Jahrgang Dienstag Ä1. Dezember 1909 Gießener Anzeiger Spielplan der vereinigten Zransturier Stadttheatrr. Opernhaus. Dienstag den 21.Tezemoer *): .Ljeylck Mittwoch den 22. Dez., abends 7,7 Uhr: »Jung Habenichts unö das Sllberpriiizetzchen." Tonnerslag den 23. Dez.: „Die geschiedene jZrau." Freilag den 24. Tez. geschlosfen. Lamsiag den 25. Tez., nachm. l,-24 Uhr: .Jung Habenichts/ Abends 7 Uhr: ,Jzeyl>" Sonnlag den 26. Tez., nachm. 7,4 llhr: »Jung Habenichts.' Adcuds 7 Uhr: ,Tannhäuserck Montag den 27. Tez., nachni. 7,4 Uhr: ,Jung Habenichts.- Abends J/,8 Uhr: ,Tie geschiedene Frati." Dienstag den 28. Tez., nachm. 7,4 Uhr : ,Jung Habenichts." Abends 7 Uyr: ,Aida." Aiittivoch den 29. Tez., nachm. 7,4 Uhr: »Jung Habenichts." Abends 7,8 Uhr: .Salome." Schausplclhaus. Dienstag den 21. Tezemdec*): ,5rau Warrens Gewerbe." Mittwoch den 22. Tez.: „Laniris der Jtarr." Tonneislag den >3. Tez. tUraufsührung): „Tas Konzert." Lustspiel m 3 Allen von Hermann Bar. Freitag den 24. Tez. geschlofien. Samslag den 25. Tez., nachm. 3*/, Uhr: ,Tle fremde Frau." Abeiids 7 Uhr: .Taniiis der 9iarr." Sonntag den 26. Tez., nachni. 37, Uhr: ,Im weißen Rößl." Abends 7 Uhr: ^Tas Konzert." ültentag den 27. _ez.: „Uriel Alosta." Dienstag den 2b. Tez.: »Das Konzert." Mtttwoch den 29. Dez.: ,2-as Lionzert." Höchste Schlachtviehpreiie m Jrantiurt a. 2)1 Fleischpreise in Gießen Ochsen Kälber Schweiiie 50 Kg. Schlachtgewicht 43—46 -Pik. Kg. Schlachtgew. 52—57 Pi. 7, , , 587,-60 , Kg. 76-34 Pfg. 7, , 72-76 , 7, , 80-96 , Getreidepreise in Aiannheim Brotpreise in Gießen 2 !§Z lZ sSi sss * L Z 5: ^5 S k-i ?s- -ZL 6 "5 «S 5ir5J«Scr« s I fr B ä k I ?t«s L coo ?« E Se a C$co ^8 « « X- 5 K jq ?/ 6* e 5 L 2 = 5 5 E 0) c Die Preise und schon jetzt zur Besichtigung ausgestellt v 1 1 unter den Kleinen macht unsere "5ÜT 0 s - cir. o z 5 2Z € 5 I *- 5 cö S. 6< = . 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