Nr. 73 Der Siehener Anzeiger erscheint tSglidh, aufeer •Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SiehenerZamilienblätter; zweimal iööd)entLKteis-. blatt fürdenKreir Sichen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land wirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gieße». Annahme von Anzeigen für die TageSnummer bis öormtmtg-e; 9 Uhr. Erstes Blatt ISS. Jahrgang Samstag L7. März 1909 Sietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen Rotat-onrdnick und Verlag der Vrühl'schen Univ.-Vuch- und ZteindruSerei H. Lange. Redattion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. Bezugspreis: monmUchTLM.,vierteljährlich ?Lk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.— viertcl- jährl. ausschl. Beslellg. Zeilenpreis: lolallbPf^ ausivärts 20 Pfennig. Verantwortlich für den politischen Teil: E. Anderson; f. Feuilleton und , Vermischtes E K. Neurath; für „Stadt u. Land" und „Gerichw- saal": E. Heb: für den Anzeigenteil: H. Beck. Die heutige Nummer umfaßt 18 Seiten. Frühling! Derr Reichs- und Landtagsabgeordneter Köhler- Langsdorf läßt einen Frühlingsrnf an seine Wähler erschallen, nicht in einer Versammlung, dazu fehlt ihm. wohl noch die Gelegenheit, sondern durch unsere Zeitung. Wir ergreifen in dieser Sache noch nicht das Wort, sondern eröffnen zunächst die D-skussion, stellen also den politisch interessierten Lesern unseres Blattes die Spalten zn sachlicher, nicht zu umfangreicher Aussprache zur Verfügung. Me Welt weiß, wie sehr es mir vom Bund der Landwirte, den Deutsch-Sozialen, ja gewiß auch von meinen Freunden in der Refornkpartei und nicht zuletzt von meinen Wühlern iibelgenommeu wurde, als ich einige Brieszeilen mit dem so verhaßten Pfarrer Korcll wechselte. Die Einen feinden darum mich an und rufen: „Sieh', nun aber haben wir ihn." „Nun aber ist es Zeit!" „Nu, aber raus." Denn Herr Diederich Hahn halte schon längst dem Gehege seiner Zähne die Worte entfliehen lassen: „Und der freie Franke fliegt auch bald." Es war in den Wandelhallen des Reichstags, und Hahns Gegenüber, das war Herr Dr. Böhme, derzeitiger Vertreter voil Marburg«. Mit den Deutsch-Sozialen und mir war's nun bald vorbei. Mer nicht gerade wegen dem, wie Herr v. Lieber- mmin mir schrieb. Das Maß der Sünden ihrer persönlichen Unfreundlichkeit gegen mich, nicht allein ihrer politischen, lvar längst voll geworden; und unsere beiderseitigen Anschauungen waren doch wie Tag und Nacht zu einander; einerlei wem von uns beiden man nun die Rolle des Tags oder der Nacht zuteilen möge. — Mit meinen Freunden, den Reformern, ist's schlverer fertig zu werden. Weil sie lein Vertrauen zum Freisinn zu finden vermögen. — Denn dort int Bund und. in der Wirtschaftlichen Vereinigung stcht's klar: Bauernpolitik auf preußisch- reaktionärer Grundlage. Der Junker, der Großgrundbesitzer, der Pächter: die Fü h r e r — und alle Andern haben fein stille zu sein und zu tun, was befohlen wird. — Nicht so die Anschauung meiner Freunde, der Refor- m e r. Eine durchaus freiheitliche G r u n d a n s ch a u - ung, wie sic sich einst in der Böckelschen Bewegung in Hessen kundgab, als Trägerin radikalster Bauernpolitik, einer Politik selbständigen Mi kielst an des. Ich hatte den Glauben, und mag ihn nicht fahren lassen, daß auf diesen Grundlagen mit den freiheitlich-gesinnten Gruppen ein Bund z u schließen iv ä r e; und da, meinte ich, wäre Pfarrer Korell der Mann dazu? --- ,,Ein naiver Glaube," so ruft mau mir zu. — Aber, ob cr's ehrlich meint? Das fragen auch meine Freunde, die Reformer. Das auch fragen mich toohl Tausende der sogenannten „nationalliberalen" Wähler im Kreise Bingen-Alzey. „Nationalliberal" freilich sind von ihnen keine 200. — Bauern, Bündler, Judenfeinde sind's auch hier. Und die zügelt auch Herr Dr. Osann nicht. Tenn gar zu verhaßt hat bis dahin dem Bauer der Freisinn sich gemacht in allem deutschen Land. Weil Bauernfeind und Freisinn gleichbedeutend geworden waren, so wie in Polenland „protestantisch" und „preußisch". Weil überall, und die Zeit daher, wenn es galt, dem Bauern die hilfreiche Hand zu reichen in der schweren Not, die ihn gefaßt hatte, der Freisinn und die Demokratie dein Bauer versagten, und nur Hohn und Spott auf Lieser Seite über die „notleidenden Agrarier", die „Brotwucherer", aber keine Hilfe zu finden war. — Das war die Entwicklung eines grobep Fehlers, den her st a r r s i u n i g c Eugen Richter gemacht hatte, als es galt, int Jahre 1879 dem Rufe Bismarcks zu folgen: Schutz der deutschen Arbeit, d'e m deutschen Gewerbe und Handel und auch dem Bauernstand! — Verbissen in gelehrten Doktrinen und Theorien, vergällt durch gehässige, persönlich-politische Kämpfe, irregeführt durch die schlimmen Mächte von Handel und Börse, endete so der Freisinn und die Demokratie in unfruchtbarer V e r n e i ti u n g; und das Vertrauen zu ihnen schwand im .Volke von Wahl zu Wahl. M u ß denn das sein? Ist denn die große Mehrzahl der Wähler, besonders im Hessenland, wirklich so ganz und gar preußisch-reaktionär gesinnt, als es nun den Anschein hat? War in den siebziger Jahren die größte Mehrzahl aller ; hessischen Wahlkreise im Reichstage denn nicht durch frei- gesinnte, demokratisch gerichtete Männer vertreten? — Und .eine konservative Partei nach preußischem Muster hatte doch .niemals im Hcssenlande Boden fassen können? — Warum nun alles so anders? Oben sagte ich's schon, llnb hier sage ich's nochmals: Weil der Freisinn und bic Demokratie zu einer Partei des Großhandels, der Börse, des Großkapitals, der -Städte, und dazu unter der Führung des in einer Aufdringlichkeit verhaßten Judentums, in den An sch a un ng en der Wähler sich entwickelt hatte. — So stand es, so steht's heute noch. Und wer hilft dem Volke, das nicht allein nach Brot, sondern auch nach Freiheit und Selbstbestimmung lechzt, aus diesem Elend, heraus? Doch die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Und schon verkündet sein Brausen den nahenden Frühling. Nag's auch der Pfarrer Korell nicht sein; gewiß ist's nicht her Pfarrer 'Naumann. Zu sehr ist ihr Herz, ihr Sinnen -und Trachten noch befangen in den Jrrgängen der letzten Jahrzehnte. Zu sehr bestimmt noch das Judentum, das •allein über den Geldbeutel der Agitation verfügt, all ihre Maßnahmen. Doch regt es sich in allen Gauen des Reichs, jllnö selbst einzelne Erscheinungen in den linksliberalen Parteien geben mir die Zuversicht, daß nun bald, die Vorherr- Mast der Kampf, Kopsch, Hermes im Freisinn zu Ende geht. Es ist nicht nötig, da'.tz der Schutz des Bauern st an des, auch durch hohe Zölle, ausschließlich den preußischen Reaktionären anheimgestellt bleibt. Auch int Freisinn will's Frühling werden; und darum ist es bemerkenswert, was die „Kleine Presse" schreibt: (Nr. 70 v. 24. März 1909.) „Der entschiedene Liberalismus muß freilich noch mehr als bisher Fühlung mit dem flachen Lande finden. Dazu kann auch die liberale Presse beitragen, indem sieneben den Konsumenten-Jntere'ssen den gerechten Forderungen derBauern ihre volle Aufnterk- samkeit zu wend et. Bei allem Kampf gegen junkerliche Begehrlichkeit muß sie bestrebt sein, dem schweren Ringen des Bauernstandes um das tägliche Brot helfend und fördernd zur Seite zu stehen. Denn es ist eine gut liberale und demokratische Politik, dafür einzutretcn, daß der ehrlichen Arbeit auf dem Lande ebenso ihr Lohn werde, wie in der Stadt. Wenn diese Erkenntnis allenthalben zuin Durchbruch kommt, wird und muß es gelingen, die starken Ströme demokratischen Denkens, die bisher von den Land- bündlern auf den ostelbischen Sand geleitet wurden, nutzbar jU machen für eine fortschrittliche Gesamtentwicklung unseres Vaterlandes." Berlin, int Reichstag, den 25. März 1909. Köhler-Langsdorf. Stimmungsbild aus dem Reichstage. Berlin, 26. März. GS war naturgemäß, daß sich das Interesse der Abgeordneten weit mehr als auf die zur SBerahntg stehenden Etatspositionen und Vorlagen auf einen Punkt konzentrierte, den der Präsident freilich nicht auf die Tagesordnung gesetzt hatte: nämlich aut die Frage nach der Fortexistenz des Blockes und der voraussichtlichen Dauer seines Bestandes. Der Abg. Träger gab die Antlvort darauf, zuverlässig und unbestreitbar: er svrach bom „verewigten" Block und dieses pythische Wort löste gleichermaßen stürmische Heiterkeit beim rechten Flügel des Blocks wie beim linken und bei dem schon lachenden Tritten, den einstweilen noch in den Antiblock verwiesenen Parteien. Herr Träger machte diese Bemerkung in einer Rede zum Au to m o bi l g e sc tz , das heute in zweiter Lesung beraten und durch Annahme der Kom- missionsbcschlüssc der Regierung in einer Fassung präsentiert wird, die das Zustandekommen dieses Gesetzes mit seinen ganz erheblichen Sicherungen gegen Automobilgefahr und Unfallschäden gewährleistet. Freilich hatten die Parteien eine Reihe weiterer Wünsche znrückstellen müssen, und der greise Wortführer der Frei- ,innigen prägte in feinen humorvollen Darlegungen das hübsche Wort von dem blutenden Herzen, das zu einem unentbehrlichen Körperteile int Parlament geworden sei. Wie Träger, so kenn- zeick neten auch die anderen Redner den Ztompromißcharakter dieser Beschlüsse, insbesondere Prinz SckMenaich-Carolath, der das Verdienst der Vaterschaft an diesem Gesetzgebungswerke beanspruchen darf. Morgen findet schon die dritte Lesung statt und wiitd vermutlich nicht mehr viel Zeit erfordern. Heute hatte der Reichstag' vorher noch die Etatberalung um ein gutes Stück gefördert durch Erledigung einer Reihe streitiger Positionen aus den in den letzten Wochen verhandelten Etats und 'durch Verbandlung der,Etats des Pensions- und Jnvalidenfonds. Tie Budgetkom- mission hat hierzu eine Reihe von Grundsätzen ausgestellt für die Anstellung im Kanzlei- und Subalterndienst. Das Plenum des Reichstags übermittelte sie den beteiligten Verwalttingen und es ergab sich zwischen Reichstag und Regierung völlige Ueber- einstimmuug über eine Regelung, die namentlich den aus den Kreisen der Militäranwärter oft genug und dringend geäußerten Wünschen gerecht wird. Stimmungsbild aus dem preufe. Abgeordnetenhaus. Berlin, 26. März. Noch eine Woche, bis zum nächsten Freitag, will das Abgeordnetenhaus verhandeln, ehe es in die Osterferien geht. Und für diese Woche haben Seniorenkonvent und Präsident ein reichliches Arbeitspensum auf dem Tisch des Hauses aufgestapelt. Vor allem soll die erste Lesung der N e b e n b a h n v o r l a g e noch vor den Ferien bewältigt werden, und auch der Etat soll bis auf den Kultus - und den Ansiede lungsetat in zweiter Lesung unter Dach kommen. Man hat sich nolens volens mit der unerquicklichen Tatsache, daß der preußische Haushaltsplan für 1909 nicht rechtzeitig fertig wird, endlich abgefunden, und die Konsequenz dieser Erkenntnis war ein Antrag Eiffa, der in das Etatsgesetz einen Jndem- nitätsparagraphen für die zwischen dem 1. April und dem Tage der Verabschiedung des Etats notwendig werdenden Staatsausgaben einfügen will. Diesmal verzichtet man also auf ein besonderes Notgesetz. Auck) dieser Antrag, den das Haus am Freitag an die BuügetkomMission verwies, muß noch vor der Vertagung erledigt werden. Herr v. Zedlitz begleitete diesen Antrag unter der Zustimmung des ganzen Hauses mit dem wohlangebrachten Hinweis auf die neue Enttäuschung, die das Nichtzustande- kommen des Etats den Beamten und. Lehrern bringe, und lebhafter Beifall folgte seiner Anregung, den Enttäuschten mit einem Vorschuß auf die kommenden Aufbesserungen beizuspringen. Tie Regierung verhielt sich leider völlig passiv. Sonst wurde noch ziemlich ausführlich über das Gesetz betr. die Haftung des Staates usw. für Pslichtnndrigkeiten von Beamten verhandelt; nachdem die Rechte zunächst gedroht hatte^ das ganze Gesetz zu Falle zu bringen, wenn man die Schuloerbände nicht von der Haftpflicht für Schülermißhandtungen befreie, besann sie sich hinterdrein eines .besseren, und das Gesetz, dem der Nationalliberale Boisly und die Freisinnigen Cassel und L i p p m a n n bei manchem Einzelbedenken doch den Ruhmestitel eines bedeutenden Fortschritts nicht versagten, passiert glücklich die zweite Lesung. Eure Reihe kleinerer Vorlagen und Einzeletats brachten nicht viel Weiterungen, und bei der Novelle wegen Erhöhung des Kapitals der Preußenkcrssc kam man nicht über den Kommissionsbericht des Referenten hinaus. Erft am Samstag wird die Volksvertretung dazu ihr Sprüchlein sagen. Kätzttng -er SraStverovdneten. Gießen, 25. März (Schluß.) Voranschlag für 1909. Ta wir die wichtigsten Zahlen ans bem Voranschlag schon mitgeteilt haben, bringen wir nachstehend nur noch die 511 den einzelnen Titeln gemachten Beanstandungen und Wunsche. Titel 2, Gebäude. Stadto. Huhn ersucht, in Zukunft einen Ueberblick zu geben, welche Kavilalanlage den Mieleinnahmen abzüglich der llnter- hallungskosten der vermieteten Gebäude gegeiiübersteht. Ta dies teilweise unmöglich ist, weil die Bauten z. T. uralter städtischer Besitz sind, soll in Zukunft der Wert der betreffenben Baulichkeiten in der Rubrik mitgeteilt werden, was der Vorsitzende zusagt. T i t e k 4, Waldungen. Hierzu liegt ein Gesuch des Forstwarts Geisel wegen Gehaltserhöhung vor,'das zur Vorberatung an die Kommission geht. Titel 5, Elektrizitätswerk. Stadtv. Kru m m wünscht Auskunft darüber, warum der pensionierte frühere städtische Angestellte Wille nicht die Erlaubnis zu Jnstallationsarbeiten bekomme. Ter Vorsitzende will in der nächsten Sitzung Auskunft darüber geben, und bemerkt, Herr W. habe sich bei dem seinerzeitigen ablehnenden Bescheid anscheinend beruhigt. Titels, Märkte. Eine Anfrage des Stadtv. Krumm, ob da? Verbot der Schweineeinfuhr aus Preußen für den hiesigen Markt wieder aufgehoben fei, wird von Beig. Keller bejahend beantwortet. Titel 14, Volks - und Fortbildungsschule. Stadtv. Dr. Ebel fragt zu der Position „Verbesserungen an der Zentralheizung der Stadtknabenschule" an, ob die Zentral Heizung seither schlecht gewesen sei; ferner, welche Grundsätze bei der Auswahl der Bücher maßgebend seien, die an die aus der Schule entlassenen Schüler zur Verteilung gelangen. Der Vorsitzende teilt mit, daß bei der Heizanlage die Kessel einer gründlichen Reparatur, vielleicht auch einer Erneuerung bedürften. An die Schuler würden dieses Jahr dieselben Bücher verteilt, wie letztes Jahr. Sie seien damals von der Stadtverord- neten-Versammlung bestimmt worden. Stadtv. W i n n hält die Pflasterung deS Bürgersteiges vor der Schule an der West-Anlage im Interesse der Schule und der Reinlichkeit für erforderlich. Oberbürgermeister Mecu m bemerkt dazu, daß von der Schulleitung bis jetzt feine Anregung in dieser Richtung gekommen sei. Stadtv. H a b c n i ch l möchte den Hof derselben Schule frisch befieft haben. Titel 16, Realgymnasium und O b e r r e a l s ch u l e. Stadtv. trüber weist auf das ständige Anwachsen des Bedürfnisses nach neuen Schulgebäuden hin und hält es aus diesem Grunde für wünschenswert, daß baldigst eine Vorlage wegen Verwendung des alten Kliniksgebäudes gemacht werde. Wenn c5 sich um ein jo großem Kapital handle, dürfe man die Sache nicht aus die lange Bank schieben. Der Vorsitzende erwidert, er habe ja schon jrüber der Ver- famntluitg niitgctcüi, was bezl. der alten Klinik beabsichtigt sei. Die Deputation sei gegenwärtig mit her Lache beschäftigt und die Vorlage werde bald an das Plenum: gelangen. Stadtv. Dr. Ebel hält den Vertrag zwischen der Stadt und und dem Staat für die Stadt in finanzieller Beziehung für sehv ungünstig. Er wolle in dieser Beziehung keine Aenderung an- regen, sondern nur den längst ,iit der L. Kammer von ländlichen! Abgeordneten gemachten Anssührungen eiitgegeiürctcii, die auf eine weitere Verschlechterung dieses Verhältnisses hin Zelten. Der Vorsitzende bemerkt dazu, daß mai^ angesichts dcr Tatsache, daß die ständige Vergrößerung dcr schule im Interesse des Landes erfolge, der Frage näher treten solle, ob man! nicht dieser Vergrößerung, bei der die Stadt bat Hauptanteil der Kosten zu tragen habe, Einhalt gebieten könne. Stadtv. W i n n tragt, ob für die auswärtigen Schüler das Schulgeld nicht erhöht werden könne. Der Vorsitzende erwidert, darauf werde der Staat nicht eingehen, da es sich um eine Staatsschule handle. Stadtv. Petri meint, für außerhessische Schüler könne vielleicht eilte Schulgelderhöhung erreicht werden. Stadtv. Krumm warnt davor, in dieser Beziehung ein böses Beispiel zu geben. Man solle auch bebenten, daß durch die Schüler der Stadt gewisse Vorteile gebracht würden. Stadtv. Dr. Ebel hält das Beitragsverhältnis zwischen Stadt und Staat nicht für richtig, eine Schulgelderhöhung wolle er auch nicht. Stadtv. Dr. Gntfleisch warnt davor, gerade letzt eine Anregung zu einer Aenderung zu geben.. Durch das Land gebe der Ruf nach einer Erhöhung des Schulgeldes 'der höheren Schulen und der Finanzminister batte sich dazu bereit erklärt, wenn dia Anregung vvm Landtag komme. Alle Übertreter der größeren Städte hätten sich dagegen ausgesprochen. Er habe nicht die Meinung, daß man dem Frnanzmiuister neue Einnahmequellen suchen und die Gesetze Dorbereiten solle und es komme gewöhnlich nichts gutes dabei heraus, wenn der Minister seine Nase in etwas stecke. Titel 18, Ge werbe schule und Ortsgewerbeverein. Stadtv. Löb er weist darauf hin, daß die alte Gewerbeschule zum größten Teil leer stehe, man solle für eine zweckmäßige Verwendung sorgen. Man hätte z. B. die Volksschulllassen dort unterbringen können, für die man jetzt die Schulbaracken errichte. Ter Vorsitzende bemerkt dazu, dte Räume feien schon für Schitlzwecke vorgesehen, wenn man int nächsten Jahre für neue Klassen Raum schassen müsse. Man habe zunächst die Schulbaracken wieder aufgestellt, weil diese besser für Schulzwecke seien, wie die alte Gewerbeschule. Titel 21, Denkmäler. Stadtv. Dr. Ebel bittet, beim Kriegerdenkmal nicht so mit dem Wasser zu sparen, denn es sei als Brunnendenkmal gedacht. Der V 0 r s 1 tz e n d e erwtdert, er habe deshalb schon mehrfach Verfügungen an das Wasserwerk gerichtet, aber bis fetzt noch keine Besserung erzielt. Titel 22, gemeinnützige Zwecke. - Krumm regt an, an das Volksbad an der Lahn "ue Abtellung für Frauen anzugliedern, was mcht mehr als oOO Mr. erfordern werde. Die Anregung geht an die Baudeputatiou. ^ladw. Dr Ebel fragt, was es mfr den 50 MI. Beitrag äum Wettbewerb für schöne Ausschmückung der Balkonc und Vorgarten auf 1 uh habe. Der V ,0 r sitzende bemerkt dazu, es Ijanbte sich um er tu: öj>n den buitgen Gartnern geplante Einrichtung,. die Stabt tonne größer« Lp^er für die Stluu! bringen, ftfrrigena Er halte bei der en waren Älinitebau bald in Angriff genommen wird. Titel 64 net i ndailtige Beran Vorsitzende tritt mit, böfe die nur m. an fiih nicht* sehr e die Z o 111 i r . t» cuDarten fein. v-cicbä’tibelcb e4 Reiches 'IbhiOc zu ktafirii, Io tragen t j
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Eisenbahn . . . Gotthard bahn . . Ix>mbard Eisenbahn. . Oestcnr. Suatsbaha . . Pnnce - Henri - Eisenbahn
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April und 1. Juli 1910
Tic Berfainmlung fpridit einstimmig ihre Zustimmung hieraus.
Die geplanten ‘Torifanberungen und so la reoilton noch zur Beratung sicht, dürfte drüben fainn eine 'lärkerr
Gemeindesteuern
95x40
86.1
95.40
3n dem gestrigen Bericht über die Stadtverordneten Benamm lang in nnolg
Ztadtv 3 u g d a r d l tagte nicht, daß wegen zn hoher Einschätzun geil Einsprüche erwlgt seien, 'onbern wegen zu niedriger.
and Industrie, Giessen Frankinrtrr Hör
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2h ’I .rz. I 15 I bt.
Elckt.ru. L-xbmeyer . . . Elektriz Schnckert . . Elchweiler Berrwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg. Amerik Paket! Harpener Bergwerk .
LanrabOttc . . . N»rdd Lloyd . . . . Oberschi es Ei vn-Industrie Berliner Randi Darantldter Bank . . . Deutsche Bank . . Deutsch-A-iat. Bank . . Ihekonto-Kommandit . • Drcvlntr Bank . . •
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Börsen L^ochcnbericht = Frankl nri a end iv ? die Benrieilun«
dJietcoroloflifdic 'Seobnd)tintficH der Ltativn (Uitfccn.
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gesehrn irr lülb fragt, -v \ 100 000 Mk. oefdkUn iolk
ITO-O 127. Ii 70
nicht iür richtig .
•3tabn> Tt Gutfleiich fc^nati
von 84) Mk. ergebe
Stadtv t^rünewatd mag i nut' du »eg uh eine
Aufnahme einer Anleihe.
Tic Finanzkom in ission hat den oklbbi'barf der Stadt für die nächste Zeit aui 3* Millionen festgestellt Sic schlägt die Aufnahme einer Anleihe in dieser Höhe vor, die mit I Pro; verzinst und mit 111 Pro; zuzüglich der gesparten Zinsen ge tilgt werden soll Eine Million soll am I Juli verfügbar sein, je eine halbe Million am 1 August, 1. -Oktober, 1 Januar 1910,
Xnhattlutfne di.Aer reichSgeien irioig haben werde. Er fragt
£bcrbürgrrmriftrr Mernm envid'rt, der
am 2ö. biS , 2ö. -
M3 86 86
Hunde halte er für eine Quälerei. Tie Anlagen tolle man
»01 13180
Wie in den Bereinigten Staaten dac> Wiitfcha't rieben durch bic ^arvretaini behindert wird, so bildet für die deutsche EcjchästSli eil ;nrzcit auch die c t cti o f i n a n i r c f o r m einen Faktor, der allem- halten groBe Znrüdlmltiina bewirkt. Tic Schivierigkenen, die bei •He’ovm bereitet wer den, Iahen die innerpolmidien Pertiälti.ife recht unsicher erscheinen und vertraut man auch daraus, dast e* gelingen
u* Erörterungen nbtt bei, gu'uerc Unter- inen sonnt auch die
Telefonische Kursberichte
Giessener Anzeigers, mitceteik von der Bank fUr Handel
PubliluinS ansarten.
Titel 53, Hundesteuer. Grünewald stellt mit Stadtv
Ä nF I Rüsselsheim m.
DM W I Nähmaschinen, U I W» WM Fahrräder.
Motorwagen
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einig, so ich halten blettt, d, jimtal die nifl dir,WU-
Tennoch laflci: einzelne Anzeichen eine leichte Belferung im Wirt» schalte leben Amerikas eifennen. To tft die Zahl der n'idenutzttn .riQchtwagen in letzter Zeit nicht »iinvesentiich zuriickgeaanaen.. Ine Eisenbahnen verzeichnen steigende limnabnien und auch der Import von Rohstosteu ist in der Znnadiue begriffen, iva» unmerhm aui eine Belebung der inbuftrieUcn Tätigten auf einigen Webtet« < schiiesteii lästt. Einen Hemmschuh für die AniwaN^beweauug bilden
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politische Ihr
müsse man di weiter, Ent vickl 2tabtp r ü n e io a l b . •> nütu geglaubt bat, bemerk,, daß
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nicht frei herumlaufen bilrien, fondcrn an der Xifinc zu führen find, .für Begründuiig führt er aus, feine Stabt von der Gröste OMcih'iix- höbe hinsichtlich der Hunde solche Zustände tvie wir. Die 3trauen würden vvn ihnen beschmutzt, Ixtrnilose -Lvazier- ,zanger belästigt und die Anlagen ruiniert. Er halte das führen dec Hunde auch iur humaner, denn dann würden ote Hunde besser gepflegt und richtig gefüttert, ivährcnd sie letzt uieliad) ihre Nah- rung an’ der Strane suchen mutzten. 'Tut Maulkärbe lege er keinen Wen Au afthethischm und Sicherheitsgründen solle man Ieinem Antrag zustimmen.
Stabil' über kann diesen AuOführnngen nicht beipflichten. Die Beruureinissung der Ltrotzen besemge man damit nicht, deshalb drauche man keine Polizclverordnung
Stabil1 Mr um in meint, man nehme zu wenig Rücksicht aut bi'* Hunde alv Steuerzahler Tas ständige Anbinden kleiner
utgepoh iverdai
________ . Bürgermeisterei möpe baldmöglidpt
vor legen, wonach Hunde aut ösientlichen Ltratzcn und Plätzen
Berschiedenes.
Auf Borichlag der Bürgermeisterei luirb beschlossen, die Ge schaftsroumc de's H o ch b a n a m t e S und bev Armenamtes . möglichst auch noch 'bic des ArbeitSvathweises, in das Hans Aste »weg 0 zu verlegen, in dem tid, auch schon das städtifthe Dies bau amt bcnnbel, und d'mentiprechend bic letzigen Rrntme zum 1. £tlobcr d 3. ui lündigeu.
Auf Antrag der tUhlcnlrinbler wird beschlossen, in Zukunft auch bei der Ausfuhr von Braunkohlen und Braiuikobleii briletts mite Oktroi sttückvergütung ciiirrrtrn zu lassen, wenn nriti bestens 10 Zentner täglich auSgefuHrt werden.
de. U n i v r r f 11 ä t bin. datz in dem Ltaatsvoran
o c v b a 11 n i i i c icfahcbhd) eine (Peschait-l clebiing enr.ivten la ; u
Piwaidivkonio 2 . Proz. ? L
handhabt Da die Wine gegen diese Unsitte inachtloS jeien, müsse die Polizei streng einschreiten Er sei selbst ein grober Hunde» einer Beeer Angeleg-Iihert abnwrten. '.brigens bi ei: .irntungsnot ; ? nreauna. die alte XtimF üaung 4J s.eilen, tollen Ion ui.it Aussicht voroandcn ist.
ivutjdjohUchcii PeihäUnisse vorcist noch recht mibiird) man doch d.e poffinuig heget', bar, wenn der,^rteke , and) eine Besserniig un ^ntichattSlebeii eintteien wi von Ainerikn ;n erwart ende Anregung nach Eiledie (aviiicDHion nicht anvbleiben dürste unb auch bic in
tolle den Leuten die Freude an den Hrutden nicht nehmen imd die Tierpflege habe auch einen gewissen ethudjen Wert.
sctabtv i dt a t i it a e b t spricht sich ubnlidi ans Teni Hund» uniug aut den Anlagen könne man durch bessere Aussicht steuern.
2tabtv Dr. Ebel meint, wenn man die Hunde unschädlich Tür die Anlagen machen nmlle, tonne cs nur durch die beantragte Polizeivecordiiung geschehen. cd)on aus ästheth,'dien Bünden >olle man baiuv sein, di.- Hunde an brr L’etnc zu fübrat Der Platz vor der llnipersitätsbibliotdek sei geradezu ein Hundekatino Was auswärts in grotzen Stabten durchführbar sei, müsse auch ltier gehen.
ctabtv Wallenfels steht ganz aus dem Standpunkt beS Etabw. Ohnnenxtlb Die Hunde gehörten zu ihrem Sxmi und hier tonne man »ich vor Hunden kaum aui den Bürgersteigen bewegen.
■Etabtv i' rünewa 1 d meint, man tonne die Frage tndtt so behandeln, mk man von tedem .inzelncn Hund^t»esitzer ivrech.. sonder,i von dem Ltandvimkt aus. datz die Belästigunacu bürd' die Hunde ein Uniug teieik Tie Stabt sei dort' auf ant’enn O'chi : i* wrtg'schritn n deshalb solle sie cS and) hier tun. Som Ältetbiidk'ii gcmnbbeiilitten unb vom ^ianbpunft der 'Sicherheit LUS empfehle sich euu solche B^rordnung.
(fieridibiaal.
i Marburg, *26. März Wegen Beleidigung bc
LandratS Mammernlverrn nthrn. rdicnf ,u schweinsberg als Bortitzeiiden der Lteueri'inichayungs-.stomnu"ion itanben heute der dorf vor der Strafkammer Ter Bürgermeister hatte gegen feine Steuervcianlayung vellamiert unb al: die xommtiiion >,ch eines Tages bei 'Jibtcl vertraulich erkundigte, ob er beni Bürgermeister Kapital schulde, zeigte ersterer diesem das Schtetben Ter Burger meiste, und Nhiel meldeten nun dem Landratsamt zurück, datz man so eine hinterlistige Ofcmeinbeit wohl von emem Detektiv bureau. nicht aber von einer staatlichen Behörde erwarten könne Das Lchötiengericht in Rauschenberg hatte gegen den A. aui 30 Mk. uno gegen den Büigermcister aur 100 Mk^ Orlöftrc'e erkannt. Das Latidgeridst erhöhte die Strafe auf 50 bzw. *200 Mk
Der Borst tz e h ö c will demnächst nuidx'ii. w> es bezüglich bei Hunde ui hatten nnrb.
CiUrariidKi.
- - Aus Goethes Tagebüchern AuLgetvahlt unb her ausgegeben von Hans töerbard t*rar. Eloetbes Tagebiidrer, bereu lange Reide das Owtlx 3d)iller flrdnD venvabrt. wnren. da sie nur in der groben i^etmarrr Ausgabe enthalten und, weiteren Kreisen so gut wie unbekannt - in einer AuKvadl die id,?n durch bu- gewaltige Tvülk* des Lto'fes geboten war, wird nun eigentlich 5um erstenmal diese Quelle bdcMtrn Reichtum.' ersdstVisen. B^'n der frühesten Weimarer Zett an bis wenige Tage vor feinem Tode, gelegentlich zunächst, dann dis zu strenger Regel matzigkeil. tit iGoethe in »einen Tagebuch-m d ttrnlrn B kenntiii'se über seni inneres Takm unb sein Berhättw ut Mi
den im Inseratenverlag in Lerpi'g crichicnen gestellt und mit Erliuiteruuacn veised«' .
tagung der Steuern für bic Ltatst gegen bic vorlau .g e n Minna
Titel 23, ^iratzenunterballung
Staow Krn mm will wissen, ob die 2tratrut>r>r-rfkitcr -i Lai uh tme bic ?i uneber der 2traRenfehrer nichts zu arben n brauchten
Ter Bor sitzende teilt mit, datz sie Mitarbeiten sollen mw Lnetz aud» tun . _
Weiter bemängelt 2tatstv strumm, datz die eiabt iieute evr taffe, trotzoeiu die '^hrtolonnen fast nie vollzählig ?eim. xrr Oberburgcrmnster solle ote der "ohne brr einzclnru
•jhcbcitii prüfen, damit sie nicht von bat Unterbeamten willkürlich festgesetzt werden tonnten. v
Trr Bo rsitzende cnmocil, datz cne Lohri re snetzurm durch hen 2 tobt bau meister erfolge, der sich »ehr darum bcfummerc Tn die Löhne in der 1 riDatinbuftrie zunuetoingen, sei angeroa! norden, t>av aud) die itaftf b> Vol nr Irerabsetzen möge. Er habe aber angrotomt, datz d'-'s nicht geschehe.
Ztabtv Winn bemerkt haiu, datz in b r Bauinduitne von einem Herab«rehen der Löhn-- nichts zu bemerken sei.
Titel 24 , Strafe cnreiniqung.
Etodtv ltzrn newa ld fuhrt aus, datz die Kebeichtubmhr bei uns nidit auf der oalr b>n ;jett Üfhr, Die jair stehricht mribeit>abrun.i benutzten (Grafet seien zwar »ehr verichieden unb intercisonk, trugen aber beim lintleeren weentttch tut otflub* «irtnRrfrlimg au’ r*n Strotzen hei In anderen Stabten »ei durch £rtdü , Abends 7'., llbr
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„Hnsarenfieber“
Vuitimel in 4 Akten von (Kultes Sadelburg und Richard Skowronnek
Anfang?/, Uhr. Ende geg 10 Udr tiiiiit irr iiidirit IW'H am Sonntag dem L April 19t9