Nr. LV8 Dfitolbentofratie! entwickeln. H. K. Meteorologische Beobachtungen der Station Sichen Höchste Temperatur am 18. bis 19. Dezember 18. 19. 8,1 mm Schnee. 3,5 “0. 0,8 cC. nicht schützen. Nach dem Artikel I. des Ge Besteuerung betrcffptb, muß jeder Gewerl Niedrigste Nreverfchlag Patent des Bundesstaates, in dem der Betrieb ftattfinbet, versehen sein. Ta feststand, daß der Angeklagte zu der Patentlösung auf- gesordert wurden ist, hielt das Gericht die toati F-inanMmt an gesetzte Straie wegen Vergehens gegen das Orewerbesteuergesctz von 364,18 Mark — das doppelte der vorenthaltenen jährlichen Steuer — für entspreclzend. Zum Schluß wird zum Beitritt zur neuen Vereinigung ausgcfordert. Redaktion, Expedition und $ ruderet: Schul« straße 7. Exvedmon und Verlag: 51. Redaktion:^A112. Tel.-2ldr.: AnzetgerDteben. leuhmatzM: mit einem EL starben an: Zusammen: Tuberkulose Adergeschwulst Rückenmark-Ent- zündung Krebs Lebensschwäche Kinder Erwachsene: int vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr Summe 9 (6- 8 (5) 1 (1) — Anm.: Die in Klammern gejeeieit Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit aus von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Vermiicbte». *DeutscheNumenfürdeutsche Schneeschuh- Vereine. Wie aus den Salzungen und den Wettlau,-Einladungen des Schwäbischen Schneeschuh-Bundes zu ersehen ist, fyat sich der Bund Mühe gegeben, das allerorts auf- tauchendc -Ski-Kauderwelsch, wie z. B. die Skier, die Starter, den Start, die Senioren und die Junioren usw. tunlichst zu vermeiden. Wenn man bedenkt, wie die deutsche fugend beim Tennis- und beim Fußballspiel mit englischen Brocken um sich wirst, wird man gern zugeben, daß es nicht wünschenswert ist, wenn die Schneeschuhläuser nun in einer weiteren fremden Zunge, d. h. norwegisch, reden. Das beste Beispiel haben uns die Ausländer, in erster Linie Nansen gegeben, der sein berühmtes Werk in der Uebersetzung für Deutschland „Auf Schneeschuhen durch Grönland"'genannt hat. — Der Schneeschuhlauf soll in Deutschland immer mehr eine Volks-Leibes Übung werden; nxirum ihn also nttfr mü ü em deutschen Namen nennen, den feder mann versteht Ein Aufruf der konservativen Vereinigung. Die konservative Bereinigung, welche am Freitag abend iit Berlin zum ersten Male in die Oeffentlichkeit trat, und beren Schicksal innerhalb der konservativere Partei von den bevorstehenden Ausschußverhandlungen der deutsch-konservativen Parteileitung abhängt, läßt soeben einen Ausruf an ihre Gefolgschaft ergehen, in dem es heißt: „Die konservative Partei steht an einem Wende- vunkte. Die Gegner behaupten, daß die Geburtsstunde ber Reichsfinanzreform die Todesstunde der Partei gewesen sei. Wir verkennen es nicht, daß sie sich in ernster Lage befinbet, aber untergehen kann eine Partei nicht, deren Dasein eine dringende Notwendigkeit im politischen Leben unseres Volkes ist und deren Weltanschauung auf einem so festen Grunde ruht, wie die Weltanschauung der deutsch-konservativen Partei mit ihren bewährten Grundsätzen, wie sie im Tivoliprogramm enthalten sind. An diesen Grundsätzen halten auch wir fest. Wir sind keine Revisionisten. Christentum, Vaterland und Mo- narchie sind für uns Größen, die unrevidierbar sind. Weder an den Grundsätzen, noch an dem Programm hat sich etwas geändert, und doch steht die Partei an einem Wendepunkte. Tausende von Mitgliedern haben unseren Vereinen den Rücken gekehrt. Ganze Vereine sind aus dem Verbände der Partei ausgeschieden oder drohen, verloren zu gehe,:. Unsere Führer haben Fehler begangen. Konservative Männer, weicht nicht von der alten Fahne! Die verkehrte Führung der konservativen Partei ist schuld an dem Niedergang, nicht ihre Grundsätze, nicht ihr Programm. Unsere Führer haben die Fühlung mit dem Volke verloren. Sie gehören fast ausschließlich den Meisen des ländlichen Großgrundbesitzes an. Wo sind unter ihnen die Mnner der Wissenschaft zu finden, 'wo die Vertreter der Industrie und des Handels, des Vkittelstandes, des kleinbäuerlichen Besitzes und des Arbeiterstandes'? Wir weisen es meit von uns ab, wenn man uns als Gegner des Großgrundbesitzes oder gar der Landwirtschaft im allgemeinen bezeichnet. Wir wissen es genau wie jeder andere konservative Mann zu würdigen, was der ländliche Großgrundbesitzer zum Heile unseres Vaterlandes geleistet hat, nrie wichtig die Erhaltung eines leistungsfähigen Großgrundbesitzes für unser politisches und wirtschaftliches Leben ist und was die gesamte Landwirtschaft für unser -Volk bedeutet. Unser Volkstum hat die starten Wurzeln feiner Kraft aus dem Lande, darum muß der Landwirtschaft der nötige^Schutz gewährt werden. Aber wir mißbilligen es, daß die ^uhrer des Bundes der Landwirte je länger desto mehr mne Politik verfolgen, (bie einen unheilvollen Gegensatz zwischen Stadt und Land hervorruft. Dir mißbilligen es, daß die Führer der konservativen Partei in eine geistige Abhängigkeit gegenüber dieser Richtung des Sunbeö der Landwirte geraten sind nnb sich bei den ernstesten fronen der Gesetzgebung immer mehr von einseitig agrarischen Gesichtspi'.nkten' leiten lassen. Unsere Führer haben durch Preisgabe bey Dlock- gedankens den Weg verlassen, auf dem allein eine erfolgreiche Bekämpfung der Sozialdemokratie möglich mar. Sie haben wirtschaftliche Sitter elfen dem großen nationalen Einheitsgedanken voraugestellt, tu dem die bürgerlichen Parteien mit dem Erfolge der B^e),terung im Januar 1907 in den Kämpf zogen. Die Gefahr, ut der die Partei steht, wird überwunden werden, wenn wir die gemachten Fehler aufdecken und den von vielen sausenden treuer konservativer Männer geoitligten Forderungen Mr Anerkennung verhelfen. Mehr Fühlung un.t dem Volke! Unabhängigteit gegenüber dem Bunde der -nnd-. wirte! Ausgleich zwischen Stadt und Land. ~o» Dom| Gießener Ltrastammer. )( Gießen, 18. Der. Die Ueberlieferung des Eemciudeziegeubocks $u Queck hatte ein Nachspiel, das dem Chauffeur H. D. am Schöffengericht Schlitz wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt eine Gefängnisstrafe von einem Monat einbrachte. Der Vater des Angeklagten hatte wegen der geringen Vergütung den Vertrag als Ziegenbockhalter gekündigt und die .Haltung des Backes wurde einem anderen gegen eine bessere Vergütung übertragen. Als der Bürgermeister in Begleitung des Polizeidieners in der Hoft.ite des Vaters des Angeklagten die Ueberlieferung vornehmen wallte, weigerte sich der Manu, den Bock Hera::, -ngeben, er behauptete, der Bock fei fein und wollte nur ein etwa 6 Wochen altes Türchen überliefern. Ter Bürgermeister wollte gewaltsam in den Stall gehen; aber der alte W. vertrat ihm den Weg, weshalb ihn der Bürger- meister beiseite schob. W. ries seinem Sohn zu, der Bürgermeister habe ihn am Hals gefaßt, worauf der Angeklagte ein Sielscheid vorn Wagen löste und ries: „Wer meinen Vater angreift, i>cm baue ich auf den Kops, daß er nicht mehr heraus tömntt," und: „Wer mit dem Bock herauskammt, den schlage ich tot." Der Bürgermeister beauftragte den Pvlizeidiener, auf den Angeklagten zu achten, und bemerkte, er nwlle lieber fartgehen, sonst bekomme er noch Schläge. Tas Schöffengericht nahm an, der Bürgermeister sei durch die Drohung von einer Amtshandlung abgeholten wvrdeu, weshalb es Verurteilung aus § 114 Str. G. B. ein treten ließ Infolge Berufung des Angeklagten, der angab, er habe nur gesagt, daß er eher den Bock totschlage, als daß er ihn zum Stall hrnaus- lasfe, stellte die Straflammer fest, daß der Bürgermeister unrechtmäßigerweise Anstalten zum gewaltsamen Vorgehen gemacht hat, well die Frage, welcher Bock der Gemeinde gehört, zivilrechtlich zu entscheiden sei Ta der alte W. einen rechtswidrigen Angriff durch ben, Bürgermeister onucchm, und in diesem Sinne seinen Sohn verständigte, war dieser berechtigt, den Angriff abzuwehren. Wenn ihm dabei nicht zum Bewußtsein gekommen ist, daß er den Bürgermeister von einer rechtlichen Ausübung seines Amtes gewaltsam abhält, so konnte von einem Widerstand gegen die Staatsgewalt feine Rede fern. Das Urteil wurde aufgehoben, der Angeklagte ftcigefpoochen und die Staatskasse mit allen Kosten belastet, auch mit den notwendigen Auslagen des Angeklagten und den durch die anwaltliche Beleidigung entstandenen Kvsten, da es sich um eine Rechtsfrage handelte. Zwei zänkische Nachbarinnen, die schon längere Zeit in Streit leben, die Näherin M. Sch. und Witwe E. T. in Lauterbach, standen wegen gegenseitiger Beleidigung vor dem Schöffengericht. Tiefes stellte fest, daß die Zuerslgenannte in schikanöser Weise ihre Abwässer, statt in den zwischen den Häusern der Parteien Meßenden Kanal in die Hos-> rcitc ihrer Gegnerin schüttet. Bei enter solchen Gelegenheit schlug diese Zeinen Putzlumpen der dkäherin mehrmals um den Kops. Die Sch. erhob Prioatkluae wagen tätlicher Beleidigung, aber das Schöffengericht hrelt and} sie für schuldig, da es in dem Ausschütten von Wasser in die H-o freite ihrer Gegnerin und in dem Bespritzen des Hauses ehre Geringschätzung erblickte. Es kompensierte und ließ beide Teile straffrei aus gehen. Die Klägerin legte Berufung ein und wies noch, daß die Angekkrgte außer dem Schlagen mit dem Lumpen, auch noch beleidigende Acußerungen hat fallen lassen. Dagegen stand nicht sest, daß die Klägerin bei ber fraglichen Gelegenheit Wasser in den Hof geschüttet ober das Haus beschmutzt hat. Tas Urteil wurde aufgehoben und die Angeklagte zu einer Geldstrafe von 20 iDZarf verurteilt. Ein hartnäckiger Kläger ist ber Landwirt I. G. von Willofs, der den Landwirt K. R. dorten verklagt hat. weil er vor etwa fünf Jahren gesagt haben sollte, man solle sich von G. lassen, der habe doch seinen Sohn wegen eines Sittlichfeitsverdrechens angezeigt. Die Aeußerung des Angeklagten will der Klüger erst vor drei Monaten erfahren haben, |o daß die Anttagssrift gewahrt ist. Tas Schöffengericht nahm aber an, die Strafverfolgung sei verjährt, da die Sache schon über fünf Jahre zurückliege, weshalb es das Verfahren unter Belastung des Klägers mit den Kosten, einstellte. Trotzdem der Kläger ein Urteil der Sttafkammer vorliegen hat, nach dein die fragliche Acußernng nicht strafbar ist, erhob er Berufung. Da die Zeit der Aeußerung nicht festgestellt werden konnte mtb her Angeklagte sie and) bestritt, wurde das Urteil deS Schöffengerichts bestätigt. Was als gewerbliche Niederlassung anzipehen ist, entschied die Sttafkammer in der Sache gegen den Kaufmann R. D. aus Wetzlar. Tas Schöffengericht hatte den Angeklagten, der die Wafserlcitungsarbeiten in Mittelseemen ausführen ließ, ohne int Besitze eines Gewerbepatents für Hessen zu sein, freigesprvchen, weil es annahm, er habe keine gewerbliche Niederlassung im Großherz-ogtum gehabt. Nach den Feststellungen des Berufungsgerichts war der Angeklagte durch einen Bauführer vertreten, ber in einer Wirtschaft zu Mittelseemen ein Zimmer gemietet hatte, in dem er seine schriftlichen Arbeiten erledigte, Arbeiter entnahm und entließ mtb deren Auslohnung vornahm. In dem Schasstaü des Wirtes hatte er Baumaterialien mtb Gerate untergebracht. Er hat zwar den Stall nicht gemietet und auch nichts dafür vergütet, doch kommt es nach Ansicht der Sttaf- icnnmcr hierauf nicht an. Daß hierin eine gewerbliche Niederlassung zu erblicken ist, war dem Gericht nicht zweifelhaft. Ter llmftanb, daß der Angeklagte als preußischer Untertan belehrt worden sein will, es würde eine Doppelbesteuerung bedeuten, wenn er ein Geweroepatent in Hessen loste, konnte ihn vor Strafe politifcb« (Eagesfcbau* Die deutschen Interessen in Marokko. Auf die letzten Erklärungen des Staatssekretärs von Schoen im Reichstabe, oie bekanntlich mit Recht scharfer Kritik begegnet • sind, veröffentlicht das Mannes mann schc Minen-Syndikat eine Darstellung des Verhältnisses, der wir das ^Nachstehende entnehmen: „Unser Syndikat ist als deutsche Gesellschaft mit dem Sitze Berlin und der Zuständigkeit deutscher Gerichte, wodurch den Beteiligten eine vorurteilssreie Recht iprechung gesichert ist, begründet worden. Tie „Union des mines Mccroccrines" bagegen ist eine französische, in Paris angemeldete Gesellschaft, deren deutsche Teil- Haber bei etwaigen „Mißverständnissen" auf französische Rechtshilfe gegen Franzosen angewiesen wären. Es kann also kein Zweifel darüber herrschen, daß deutsche Interessen bei dem deutschen Syndikat besser gewahrt werden können. Bei der Mannesmann-Gesellschaft ist ferner die absolute Mehr heilt des Kapitals in den Händen von Reichsdeutschen, die Dreiviertelmehrheit in den Händen von Deutschen und Deutsch-Lester- reichern, und es ist Vorsorge getroffen, daß das Verhältnis nicht zu Ungunsten der Deutschen verschoben werden kann. Bei der „Union" dagegen beträgt die deutsche Beteiligung weniger als ein Drittel. (Wir haben bereits mitgeteilt, daß Krupp mit 10 und Thyssen mit 5 Prozent an der „Union" beteiligt ist. D. Red.) Die Folgerungen daraus sind sehr einfach zu ziehen. Dis deutsche Gesellschaft hat es kraft der deutschen Mehrheit in der Hand, die großen Aufträge an Bergwerks- maschinen der heimischen Industrie zuzuführen; bie französische nicht. Die beutschc Gesellschaft würbe ben Erzimport durch deutsche Reedereien nach Deutschland leiten; die ftanzösische nicht. Die deutsche Gesellschaft würbe einen großen Bebarf an deutschen Ingenieuren, Chemikern, Werkmeistern, Vorarbeitern haben, die ftanzösische nicht. Alles käme Frankreich zugute — und die nach den Worten des Herrn Staatssekretärs etwas verschämt an- godenteten „auch sehr namhaften deutschen Interessen" innerhalb des ftanzösischen Syndikats toärcn nicht namhaft genug, um bas verhindern zu können. Ueberbies ist bas französische Synbikat fast ganz in ben Händen von Eigenverbrauchern, bie das Erz vorzugsweise eigenen Betrieben zuführen würben, währenb bie Ausbeute aas ben Bi an nesm an n-Min en bis auf die letzte Tonne der deutschen Gesamtinbustrie zugute käme." juch, das Wort „Slc" als „Schi" einzubeutschen, ist wohl gemackck worben; er wirb aber aus Achtung vor bem norwegischen Ursprungswort mit Recht vielfach ab gelehnt. Wozu auch Berbeutschunaen von Fremdwörtern künstlich suchen, wenn man im „Scyneeschich" — ähnlich wie im Schlittschuh — ein treffendes deutsches Wort hat? Auch iu diesem Winter wirb wieder eine Aiuahl neuer Schneeschuh Vereine entstehen, und es wäre freudig zu begrüßen, wenn bei ber Wahl der Namen von bem no'. weaisch-englischen „Ski-Club" abgesehen würbe. Schneeschuh-Verein, Schneeschuh-Abteilung, Sck>neeschuh-Berbanb usw. sinb gute deutsche Namen, die unbedingt vorgerogcn iverben sollten. — Möchte doch dieser beachtenswerte Vorschlag, den ber Stuttgarter Emil Schalter in ber Zeitschrift des Allgemeinen Deutschim Sprachvereins macht, überall befolgt werben. Denselben Stanbpunkt vertritt and) ber hiesige Schiklub, ber mit Llus- nahme seines Namens alle Frembwörtcr aus seinen Satzungen ausgeschieben hat. Im münblichen Verkehr hört man übrigens viel häufiger Schneeschuhe, Hölzer, Bretter u. ä. sagen als Schi. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion bem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) lieber die Entwicklung Gießens brachte der Gießener Anzeiger einen Artikel „Aus den Tagen der alten Post". Wohl jeder alte (Siebener, der diese Zeiten und die Entwicklung Gießens bis zur Jetztzeit initerlcbt hat, freut sich des Aufschwunges der Stadt und es wird der Wunsch eines jeden Gießeners sein, daß sich unsere Vaterstadt in gleicher Weise weiter entwickelt. Aber die hohen (Stempel ft euer it bei Verkäufen von Immobilien liegen wie ein Alp auf der Weitereutwickelung. Wer kann heute noch etwas kaufen? Wer früher 20U0 Mark besaß, konnte sich schon ein Haus erwerben. Heute gehen diese 2000 Mark für Stempel drauf. Der Bauhaudwerker, der die gauzen Jahre hindurch den größten Teil der Häuser aus eigene Rechnung gebaut hat, kann doch nicht immer weiter bauen, wenn er nichts oer- kanfen kann. Kurzum, die Stempelsteuer ist ein sehr schlecht durchdachtes Gesetz. Sie bedeutet den Niedergang des Handiverks und ivie Flnaiizminister ®iunit() iu der Kammer mitgeteilt hat, hat das Stempelwesen einen Fehlbetrag von 800 000 Mark ergeben. Das ist verständlich, denn roemi nichts verkauft wird, dürfen die Stempel noch so hoch sein, sie brkugcu iiichts ein. Es wäre nur zu wünschen, bie alten Stempelsätze kehrten ivieder. Ter Herr Finanzminister würde dann keinen Fehlbetrag inehr feststellen können und unser Gießen würde sich bald weiter auswärts Jentrum! Zurück zum alten Blockgedanken gegen diel und jedermann richtig ausspricht, lvas von bem normeai- ^lifTrhwrnFrvrtio i#/ scheu Worte „Ski" nicht gesagt werben kann? Dieses müßte onnähernb niestfälisch „s^chi" gesprochen werben. Der Ber- Dritte- Blatt 15S.Jahrgang Montag 20. Dezember 1909 Erscheint Eg ch nahm« des Sonntags. A /A xA AA A ** Rotationsdruck und Verlag ber Brühfschen «e CntmoHMt«- w°-d-n bem B ZHß feZfiT «>1 >x 9W Ä>f O f Unw--su<^. Buch. m.b wlvnvliu — — wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit- m traten" eifdjeinen manatlic^ ,n)eim.L (5 CH € t G l=H CT sÜk Auf bie verschiebenen Eingesanbts wegen Aeirberung ber Ferien in ben höheren Lehranstalten Gießens hatte es sich erfreulicherweise unter ben Vatern geregt unb viele Eltern werden wohl mit freudiger Genugtuung von ber Mitteilung Kennl- nis genommen haben, baß auch ber Bürgerverein sich bet Sache annebmen wolle unb noch vor Weihnachten eine Sitzung abhalten werbe, in ber biefe wichtige Angelegenheit biskuliert »verden solle. Mil mir werben gar viele Ptütter, benen auch bas körperliche Wohl ihrer Kinber am Herzen liegt, seither gewartet haben aus bie beftimmte Ansage bieser Versaniinlung; wir sinb bent Enbe bes Jahres nun schon nahegerüdt unb noch ünnicr hort man nichts bavon. Wie vielen Müllern aber würbe bie schönste WeihnachlS- freubc bebeuten: bie gewisse Aussicht auf vernunftgemäßere Ferien- ciuieilung! Wie alle bie Jahre her werben auch bies Jahr viele Eltern roiebec ben ungiinftigen Einfluß bes übcrlongcn SchullertialS auf bie Gesunbheit ihrer Kinber beobachten; besonbers bei beiten, bie an manchen Tagen 7 Schulstunden haben unb baburch gezwungen sinb, bie Adenbstunben zur Grlebigung ihrer Hausarbeiten zu benutzen. Unb manche Ellern waren gezwungen, ba sie bie geistige Spannkraft ber Kinber Nachlassen sehen, sie von ben Nach- mittagsstunben bispensieren zu lasten, um Zeit zu gewinnen für bie körperliche Erholung ber Kinber. Wir sollten boch mehr unb mehr unser Augenmerk ‘Darauf richten, baß bie heranwachsenbe Jugenb eine Erziehung erhält, bie ben Körper stählt unb bie Nerven gesunb erhält, bamit sie später ben immer schwerer werbenben Kampf ums Taseiu mit frischet Kraft auinehmen kann. Ich glaube, es ist kein unbilliger Wunsch, unb manche Eltern werben ihn teilen, baß neben bet geistigen Ausbilbnng bem Sport nnb körperlichen Hebungen ein breiterer Raum im Sdjulplan gewährt werbe. Wenn man bie letzthin veröffentlichte Statistik ber Militärtaugllchkeil übersieht mit ihren erjchreckenben Zahlen von Kurzsichtigkeit unb sonstigen Fehlern ber von ben höheren Lehranstalten abgegangenen jungen Leute, bann wirb einem bie Frage nahegelegt: Ist bie englische Erziehung mit ihren vielen, ben Körper stählenben Turn- iinb Spielstunben nicht bie bessere, um tüchtige Menschen zu erziehen ? Tenn nur in einem gesunben Körper kann ein gefunber Geist wohnen. Eine Mutter. rvöcheiüt. Uederfichi der Koöesfäat 16. Stabt Siche«. 50. Woche. Vom 5. bis 11. Dezember 1909. (Einwohnerzahl: angenommen zu 31 100 (infL 1600 Mann Militär). Sterblichkeltsziffer: 15,0 °/(y, nach Abzug von 6 Ortsftemben: 5,0 °f