Nr. 149 Drittes Blatt 159. Jahrgang Dienstag 29. Juni 1909 vä Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheo Unwersitats - Buch- und Sleindruckeret. R. Lange, Gießen. Erscheint tSglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Gtetzener ^amllienblätler" werden dem .Anzeiger" ütermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeit- fragen" erscheinen monatlich zweimal. Redaktion, Expedition und Druckerer: Schul* straße 7. Expedition und Verlag: es») 5L $Reba!tion:e^ä?112. Tel.-Adr^AnzeigerGießen. Berufsinvalibität, Altersrente beim vollendeten 65. der Gesamtheit Opfer auferlegt. In einer besonderen Abteilung für Ehefrauen sollen sowohl die Ehefrauen der Privatangestellten, als auch die weiblichen Privatangesteilten. die sich verheiraten, Gelegenheit haben, sich durch Entrichtung eigner Beiträge eine Rente für den Fall der Witwenschaft oder des Alters zu sichern. Durch diese Vorschläge glauben sie allen Beteiligten am besten gerecht zu werden. ein Deutscher Ivar, etwa entgegnet hätte, daß man solche Mittel ja auch nicht gegen die Hunberttausenbe italienische Arbeiter an- wende, die in anderen Ländern nicht etwa Millionen hinterlassen, sondern den dortigen Arbeitern Konkurrenz machen. Vielleicht Vermischtes. _ * Ein indischer Nabob in Karlsbad. In Karlsbad ist unter den tausenden von Kurgästen gegenwärtig wohl der meiitbeftüuntcfte ein indischer Fürst, der Maharadscha von Gwali- dur, von dessen Reichtum man sich die ungeheuerlichsten 2üigc erzählt. Der indische Fürst weilt zum erstenmal im Abendlande. Fünf Aerzte befinden sich immer in seiner Umgebung. Aus nicht weniger als 80 Dienern und Dienerinnen besteht das Gefolge: zwölf Pferde samt dazugehörigen Eguipagen und sechs auf das eleganteste eingerichtete Automobile vervollständigen den Troß des Nalwbs. Mit dem Maharadscha reisen seine beiden Töchter, braune Schönheiten, in deren Begleitung er sich den staunenden Kurgästen Karlsbads tagtäglich zeigt. * Eine eigenartige Ehrung. 84 angesehene chinesische Kaufleute haben für den in Tsingtau amtierenden Oberrichter Dr. Crusen anläßlich seiner demnächst stattfindenden Verinöhlungs- feier vier bunte Glaslaternen und ein seidenes Ehrenschild als Hvchzeitsgabe beitininit. Auf dem Ehrenschilde sind vier chinesische Seichen angebracht, die auf deutsch Gerechtigkeit, Rechtschaffenheit, Unbestechlichkeit und Klugheit bedeuten. den Versorgungsbedürftigen .Hinterbliebenen aller Versichcrungspflichtigen — ganz gleich, ob männlich über weiblich, verheiratet ober unverheiratet — eine Unterstützung nach Maßgabe der vorhanbenen Mittel zuteil werden lassen. Als versorgungsbedürftig sind anzusehen: Kinder unter IG Jahren und arbeite und erwerbsunfähige Ehegatten, Eltern und Geschwister, die von dem verstorbenen Versicherungspflichtigen ganz oder teilweise unterhalten worben sind. 3. Für die Witwen aus Privatangestelltenkreisen eine Einrichtung zu treffen, welche nicht ausschließlich der Lebensjahre; Heilfürsorge. Nur hinsichtlich Hinterbliebenen-Versicherung gehen die Wünsche der Männer und Frauen auseinander. Letztere wollen - iitinfnruniaue ocelie rezi- jonocni vrn uvinycn jiuitiuiLtns maajen. yieneio)! Bewunderung das „paenmsularum müssen jetzt her- übersetzt aber einmal lemanb eigens für Herrn DAnnimzio und treren: die klassstchen Erinnerungen i h^ch Bar- seine Gesinnungsgenossen wieder einmal die alte Meißnersche Lesehalten, um die ßdftitttat des geheiligt ... & wirkt es,' buchgeschichte „Deutsches Schauspiel in Venedig", die bekanntlich Haren bedroht erscheinen zu um en. jait wminv «« » der Polizei die wertvollsten Dienste: gar mancher junge Mann, manches MLdche», die vielleicht in ihrer Jugend dem Elternhaus entlaufen sind, sind durch Hilfe der Heilsarmee ihrer Familie wiedergegkben und zu tüchtigen Menschen geworden. In dieser Weise erfüllen die oft geschmähten und verachteten Salutisten und .^llelujomädchen ein Stück Kulturarbeit, das man nicht unterschätzen sollte. Damit ist natürlich noch kein Urteil abgegeben über die religiöse Bedeutung der Heilsarmee. Daß diese bei uns in Deutschland gering ist, ist verständlich und ist ein Zeichen für den meist gesunden Sinn des deutschen Volkes. Ihre Frömmigkeit ist die methodistische und zwar in ihrem unerfreulichsten Extrem. Sie vergessen bei ihren religiösen „Feldzügen", daß derselbe Jesus, der sagte: „Nötigt sie hereinzukommen", auch das Wort sprach: „Man soll die Perlen nicht vor die Säue werfen." Sie bedenken^ nicht, daß sie durch ihr Drängen auf Bekehrung und ihre Bußbanksmethode viel heuchlerisches Wesen großziehen und andererseits viele Vernunstbegabte abftoßcn. Es konnte nicht der Zweck dieser knappen lieber sicht sein, em vollständiges Bild von Wesen, Zielen und Methode der Heilsarmee zu geben, sondern sie wollte bloß auf diese merkwürdige, in gewisser Weise neueste Erscheinung auf dem Gebiet der Kirchengeschichte aufmerksam machen. Man wird aus der kurzen Darstellung aber schon ersehen haben,, daß das Arbeitsfeld für die Heilsarmee vor allent unsere Großstädte mit ihrem Elend sind; ob sie daher hier in Gießen sehr nötig ist und ob sie Erfolge, haben wird, ist zu bezweifeln. Doch ist zu hoffen, daß die verständige Bürgerschaft Gießens dieser Gesellschaft, die durch ihre hervorragende soziale und damit nationale Wirksamkeit ihre Existenzberechtigung nachgewiesen hat, mit Achtung entgegenkommt; die Eltern werden gut tun, ihre Kinder von Störung der Versammlungen unb Verhöhnung der Mitglieder abzuhalten. Es wäre zu wünschen, daß Steins Garten sich am Mittwoch eines guten Besuchs erfreut und die Bürger unserer Stadt dadurch ihr religiöses und zugleich soziales Interesse beweisen. L. F. I eine Lieblingsgefchichte des Fürsten Bismarck war. Es könnte nicht schaden.... tqj? C-\ 1 i-n ? Ganghofer, der unter dem „Lebenslauf eines Optimisten" in den „Südd. Mtsh " aus Leben berichtet, erzählt in der neuen Julinummer dieser Zeitschrift Den wlgenden netten Schulrungenstreich: Im Sommer mnmal, da hafte ich neue Stiefel, die mich drückten Unterer ßust JE! ^t,erct Gunter, um dem schmerzenden Fuß em bißchen Luft zu vergönnen. Der verwünschte Kerl, ocr hinter mir ,ay, bemerkte die Lache und gab dem Stiesel einen fn kräftigen Futzpuss, dass die lederne Lokomotive durch alle Bankreihen hinausmhr und vumoernd gegen den Katheder ieftug. Loher guckte Mißbilligend aus seiner Höhe herunter ließ den U)!tter lc?-n Ä Hellen und sprach: „Wenn die Unters rlchtsstunde zu Ende ist, weroen wir das weitere sehen' Mir wurde schwul. Unb weck mein Banknachbar ein Stadtstudent njar, der Nicht weil vom Gymnasium wohnte, tuschelte ich ■ » »erlang hinaus und hol mer en Stiefel." Nach fünf Minuten war der Stiesel richtig da, aber es war nicht der rechte, den ich brauchte sondern ein linker. Ich kam aber doch hinein. Mit festem Willen vermag der Mensch auch naturwidrige Hindernisse zu über- winbem Unter wachsenden Schmerzen erwartete ich den Schluß S^ulstunde. „csnio!" sagte Professor Loher und stellte sich vor die erste Bant, heraus setzt, einer nach dem anderen'" w.er °n den Füsten hatte, durfte fortgehen. So leerte sich Bank um Bank. Al» ich herausttat, machte Professor Loher bei mir den auftallenden Handwink. Ich wollte rennen. Aber da fiel ihm,etwas .auf. „l^nghofcr! Halt!....Tu hast ja zwei linke «ttefel Mt! — .„Ja, Herr Profesfor, weil.... weil ich zwei mke habe." — „Gut! Weiter!" Ich machte flinke Beche Und ein Viertelstundchen spater erfuhr ich, daß Professor Lobcr als der letzte mit zwei Stiefeln draußen war, unter Kopfschüttelw sagte, „^.as ist aber doch ganz unerklärlich..." Am anderen Morgen, vor Begmn des llnterrichts, gab Professor Loher diese Erklärung ab. „Um aus die Sache von gestern zurückzukommen wenil einer von euch zufälligerweise zwei rechte Füße haben sollte' fann er den überzähligen Stiefel beim Pedell in Empfang nehmen " ^abci sah er mich an - unb schmunzelte ein bißchen. Zn der ydfflerc Turnstunde, als ich einen tüchtigen Sprung über Die flnllr-T- MHirkaß X-.. .. - .T. iUlTt wie viel bober wurdest du noch spimgen, menn Du keine Mißgeburt wärst' Mer zwei linke Fuße. " Er zog mein Haardach an seine Bestund versetzte mir emc Kopsnuß, die ich am andern Tag noch Staatliche penftonsversicherrmg -er privatangesteüten. _ Vor einiger Zeit ging durch die Presse die Nachricht, Vanptausschnßsitzung am 21. und 22. November 1908 über die wesentlichsten Punkte einer staatlichen Pen- swNsversichernng der Privatangestellten auf Grund der Vor- fchlage der -.amtlichen Denkschrift eine Verständigung unter den anwesenden Vertretern der verschiedenen Organisationen erzielt worden sei. Dieser irreführenden Behauptung gegenüber muß seitge,teilt werden, baß alle Vertreter weiblicher Privatangestelltcr bie von ber Regierung vorgeschlagenen, besonderen ^ctftnirgen an bie Frauen aolehnten, währenb die Vertreter ber mäunlick>en Privatangestellten sämtlich dafür strmmten. Infolgedessen haben sich nun die Verb. Kaufm. Vereine f. weibl. Angestellte, Frankfurt a. M., der Allg. Deutsck>e Lehrerinneu-Verein, Berlin, die Berufsorganisation der Krautenpflegerinneu Deutschlands und der Allg. Deutsche Verein für Hausbeamtinnen ,insgesamt etwa 31 000 Privatangestellte, d. i. zurzeit die Majorität der organisier ten weiblichen Privatangestellten! ziifammengetan, um in einer gemeinsamen Eingabe an '"as Reichsamt des Innern ^re Bedenken gegen die Vorschläge der 2. amtlichen Dent- und ihre Forderungen zur neuen Versicherung klarzulegen. Sie beanstanden die folgenden Punkte: I. Die Doppclversicherung, die insofern eine Doppel belastung der unteren Einkommenstufen bedeutet, als sie neben der bereits bestehenden Invalidenversicherung auch noch die Beitragspflicht zur Privatangestelltenversicherung einführt, und eine Gesamtabgäbe von 9—13 Proz. des Einkommens erfordert. H' einseitige Bevorzugung des verheirateten männlichen Privatangestellten, die in der Versorgung aller Witwen — auch der gesunden, arbeitsfähigen — auf Küsten der Gesamtheit zum Ausdruck fonunt, während die versorgunas- bedürftigen .Hinterbliebenen unverheirateter Personen beiderlei Geschlechts ganz und diejenigen verheirateter w.ftb licher Privatangestellten (Witwer) zum Teil leer ausgehen sollen. III. Die Stellung der Frauen in der Versicherung überhaupt und deren Klassifizierung in versicherungspslichtig Berufstätige (weibliche Privatangestellle) und versorgungsbedürftige .Hausfrauen (Ehefrauen von Privatangestellten). Sie schlagen dagegen vor: 1. Die Privatangestellteil-Versicheriing als eine Abteilung der Neichsinvaliden-Persicherung zu schaffen, so daß die Beitragszahlung in ber einen von ber Versicherungspflicht in ber andern befreit; bie Beiträge nach bem Durchschnitt von 6 Proz. bes Einkommens auzu- setzen unb zwar, mit 4 Proz. beginnend, progressiv bis 8 Proz. ansteigen zu lassen: den Reichszuschnß zur Rente beit Einkommenftufen bis 2000 Mk. nach wie vor zu gewähren. 2. Den Beiträgen entsprechend auch bie Leistungen an die Versicherungspflichtigen unb deren Hinterbliebene gleich zu bemessen. In Uebereinstimmnng mit den männlichen Privatangestellten fordern sie für die Betreffenden selbst: Invalidenrente beim Eintritt ber Deutschensurcht m Italien. Rs. Rom, 24. Juni. vie Heilsarmee. Cs wird uns geschrieben: Kommenden Mittwoch wird bie Heilsarmee in Gießen auf- treten. cie wird natürlich großes Aufsehen erregen und eine jcit lang das allgemeine Gesprächsthema bilden, vorausgesetzt, dap man ihr das nötige Interesse entgegenbringt. Manck-er von ans hat vielleicht noch nie einen Heilsarmeesoldaten gefeint, weiß nnnt einmal von der Existenz solcher Individuen: die Kenntnis andrer erstreckt sich nur ans die Kenntnis des berühmten Sieges- ftedcs: „cd)on wieder eine Seele" ... Die Wenigsten sind wirklich orientiert über Wesen, Ziele und Erfolge dieser „Sekte". Uud doch ist cs eine Binsenwahrheit, daß man über eine Sache nicht eher spotten und verurteilen i>an, als bis man sic mit Verständnis und Teilnahme studiert und sich durch Augenschein von ihrer Unbrauchbarkeit überzeugt hat. Grade bei der Beurteilung der .Heilsarmee müssen Vorurteile zerstört werden und hier gilt das Wort: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkenne n." Es sei hier eine kurze Skizze über Ausbreitung und We,cn dieser merkwürdigen religiösen Bewegung gestattet. Gestiftet ist sie von dem 1829 geborenen methodistischen Erweckungspicdigei^ William Booth. Er erzielte durch seine Predigst n große Erfolge, und als ihn die „Neue Methodisten- Vcreinigung", der er angehörte, wegen seiner exzentrischen Predigt- woise nicht mehr austreten ließ, zog er auf eigne Faust, im Verbauen auf Gott, predigend umher, wobei ihn seine Frau Katharina lebhaft unterstützte. Als sie auf ihren Fahrten 1865 nach London kamen, fiel ihnen die Not und das sündige Treiben der Massen sehr auf^die Seele, daß sie sich entschlossen, ihr Sehen fortan nun der Belehrung derer zu widmen, die das Evangelium von sich wiesen, sie wollen bie von den „Zäunen und Landstraßen nötigen, hineinzukommen". So entstand die „Christliche Mission für Ostlondon", ein freikirchliches methodistisches Unternehmen, das unter den Verkominensten und Verbrechern aller Gattungen eine lebhafte Tätigkeit entfaltete. Durch die absolutistifche Leitung von Booth und durch die Kainpsesbegcistcrung bekam die Sache immer mehr einen militärischen Anstrich. Schon im Jahre 1877 nannte inan in Freundeskreisen Booth wegen seines Organisationstalentes und seiner gebietenden Stellung den „General". Im selben Jahr gab dieser seinem Unternehmen, das ständig wuchs, den •Dünnen Heilsarmee i Salvation armi)). Aus den Lokalmis- sionsstationen, die bis dahin von jungen Männern unb Mädchen beaussichtigt wurden, wurden Korps unter Leitung von „Offizieren" Bald wurden „Kadettenjchulcn" zur Ausbildung von „Offizieren" eingerichtet: es traten nun auch weibliche Soldaten und Offiziere sog. „Hallelujamädchen" auf den Plan. Beim Verpflanzen ber Bewegung nach Amerika 11880) nahm bie Armee Uniform l teilweise rot, in Deutschland jetzt blau) mit Abzeichen an. Vom Jahr 1880 ab erscheint auch das Organ der Verciniguna „Der Kriegs ruf" (War Crh>. Trotz mancher Widerstände von Polizei unb Publikum gewannen Booth unb seine Anhänger in Englaird immer mehr Boben Da ihr Plan in, die ganze Welt „zu Jesu Füßen zu legen", io schielten sie ihre Sendlinge nach Frankreich, Schweden, besonders aber suchten sie die englischen Kolonien heim. Deutschland, bei dem sie den wenigsten Anklang zu finden fürchteten, nahmen sie 1886 in Angriff. Im November lcgt-n sic die erste Station in Stuttgart an. 1890 faßten sie in Berlin festen Fuß, bald erzielten sie dort sölchc Erfolge, daß sic ihr Hauptquartier hin verlegten unb eine Kadettenschule errichteten. Im Jahre 1890 zählte man in Deutschland schon gegen 10Ö Korps. Die gewaltige Ausbreitung der Heilsarmee erklärt sich hauptsächlich daraus, daß sie, seitdem sic zur Eroberuna des Auslands auszog, neben ihren religiösen Tendenzen sozialpraktische Aufgaben zu lösen versucht. So haben sie sich in hervorragender Weise in der Fürsorge für entlassene Gefangene verdient gemacht. In Hamburg existieren drei sog. „Männerheime" ber Heilsarmee, Heime für sog. „gefallene" Mädchen, sonstige Ashle und Versorgungsanstalten hat die Heilsarmee in Menge gegründet. In Köln z. B. leistet sic Tie englische Deutschenfurcht scheint auf die Italiener ansteckend gewirkt zu haben: doch tritt sie hier in noch groteskerer Form auf. Während man icnseits des Kanals sich vor deuftchen Panzerschiffen, Landungskorps und „Zeppelins" fürchtet, gerät man auf der Südseite der Alpen in Angst vor den deutschen und österreichischen Besuchern des Gardasees. Will man nicht an schnöde Spekulationen der letzthin wie Pilze aus dem Boden geschossenen Jrredentistenblätter auf die chauoinistifchen Leidenschaften der urteilslosen Menge glauben, so muß man auf eine verblüffende Deutschenfurcht aus dem lauten Echo schließen, das cm Alarmruf des Schriftstellers Giulio de Frenzi erweckt hat. -Lte stetig wachsende 3abt der nordischen Gäste an den herrlichen Usern des größten italienischen Sees, der nördlich m österreichisches (steviet hineinragt, namentlich die starken Kolonien von Germanen an den klimatischen Kurorten des Südwestusers, wo attsahrlich neue, deuftch geführte und benannte Gaststätten entstehen, Landhauser und gemeinnützige Institute und Anlagen gefchasscn werden, kauen die Jtalicmissimi nicht mehr ruhig schlasen „äne ftalieiiuche Icatlo- nalität am Gardasee ist bedroht", rüst De Frenzi, und em Ehor publizistischer Stimmen betet ihm den Notschrei nach. o,ab.baut einer so starken Hebung des Fremdenverkehrs, die überall nut Genugtuung begrüßt werden würde, sich der Wohlstand in oen betreffenden Gegenden sichtlich gehoben hat, daß sie wie beiVerhetzungsapostel selber hcrvorhebt, „setzt zu den reichsten strichen Italiens gehören, daß allein der 16 Kilometer langen Userstrecke von Salo bis Gargnano nach zuverlasslgm ^tzEen ,chc fremden Gäste jährlich 4 Millionen Lire zurucklaiftn , wird nicht Stber' llmftaitb angcfehem ®enn, tme Wta entdeckt hat geht es beit Lanbleuten ber Gegenb so gut, bah sie bin Gewinn aus" bcm^Frembenverkchr nicht brauchen «genau ^emaß der Logik der Irredentisten, bie argunicntieit. fallen ist sicher vor Kriegsgefahr, baß es ben Dretb.mb nicht brauchy. „Ter wirtschaftliche unb ethische ^nftntz ber Deiftschen im Gardascegebiet ist nicht mehr eine Drohung[ bie Evasion ist eine Tatsache," ruft To Frenzi. Es verschlagt mch,', b Italiener, ber sich um Eatull und eirniio /uwEft zehn Deutsche kommen, bie in klassischer Begeisterung die unter Oelbaumen ocr steckten Ruinen der „villula" des Dichters au !u^en «nb mit Bewundenmg ba# „paeninsularum ftüularumw . Die Forderung des Akkgemeindefindens war iiberrafdienb. M ainz, den 30. September 190b'. Ich versehle nicht, Ihnen mitzutetlen, daß ich Ihr Präparat „Bioson" für mein Magenleiden nebst L-anvachezustä'.iden gebraucht habe. Die iichftiche Sicigexung des Avpctits, welche schon nact) lucnigcn Tagen eintrat, sowie die Förderung des allgemeinen Wohlbefindens waren geradezu jiber- rafchend und kann ich daher „Bioson" jedem ähnlich Leidenden nur auss marinste und beste empfehlen, und bin gern bereit, jcbcrniatui Auskunft darüber zukommen zn lassen. Mit aller Hochachtung Heinrich Schlößmann, Schlojsergane 30. Unterschrift beglaubigt, lUlaina, den 30. September 190b. gez. Stein, Gerichtsmann Großh. •»en. Orisgerichl Mainz. Man lese die Urteile der Proseiwren und Aerzte und überzeuge sich, daß Bioson das beste, billigste, angenehmste, rascheste Mittel ist, um die gesunkenen Körperkräne bei Jung und Alt zu heben. Erhältlich 1 . Kilo 3 Mk. in allen Apo- tbeten, Drogerien. [pi« liefert billigst vrühl'sche Unioersitätr-Druckerel. H. Lange, Gietzen »■ ■ -■jjr-| ■ II ■■■, |II Illi 11 n I. Mil wenn in einem Lande, dessen öffentliche Bilanz zu ihren Haupt-1 Pfeilern die Einkünfte aus dem Fremdenverkehr zählt, den Gastwirten, Gemeindebehörden, Verkehrs- und anderen Vereinen ein! Vorwurf daraus gemacht wird, daß sie erhebliche Summen für Straßen bauten, öffentliche Anlagen, hygienische Einrichtungen, UnterhaltungS- und Verschönerungszwecke ausgeben, daß Gasthöfe deutsche Namen tragen, daß deutsche Zeitungen überall aufliegen, ja, daß das Eisenbahn- und Tampferpersonal den Reifenden auf Deutsch — horribile bictu! — Auskunft erteilt. Gabriele D'Annunzio, zu dessen Reklamemitteln gegenwärtig auch irrebentische Deklamationen gehören — was ihn nicht hin- bert, beim österreichifclicn Botschafter zu fpeifen — hat einem- Ausfrager seinen Widerwillen gegen die beklagte deutsche Invasion nicht verhehlt. Nach ihm ist sogar der landschaftliche Charakter der Seeuser bedroht, und zwar durch den „gothifchen Stil" der von den Deutschen erbauten Hotels und Villen, die nicht nach Italien passen und „mit den schönen horizontalen Linien des See" in Widerspruch seien. Vermutlich meint er Bauten im Tiroler ober Schweizer Stil. Aber auch wenn „gothische" Lanb-- häuser, Kirchen, Kapellen, Hospitäler, Schulen, Vereinslokale unb andere errichtet sein sollten, so müßte man fragen: warum kann am Gardasee nicht schön sein, was am Vierwaldstätter-, Genfer- und Starnberger See schön ist? Was hat die Architektur, die in jeder Form und überall etwas Natursremdes ist, mit den Linien der Landschaft zu tun ? Hat nicht auch Italien, wo im Altermm die horizontalen Grundlinien der Architettur überwogen, bie Gotik eingeführt? Welchen Stiles sind bie berühmten Tome von Mailand, Siena, Orvieto, Florenz? Ter Dichter war so gütig, zuzugcben, daß man die Polizei gegen das deutsche Unwesen kaum anrufen könne. Er wünscht, .daß man die verständnislosen Nordländer durch Belehrung und gütliches Zureden auf ben richtigen Weg bringe. Sollte indessen dies nicht verfangen, so gebe es ein anderes, einfaches und sicheres Gegenmittel: „Man^schafft iamtliche Fremde auf ein Floß und . versenkt sie, wo der See am tiefsten ist; obendrein kann man, wie , gegen bie Fische, noch einige Tynamitpatronen verwenben." — Es ist leiber nicht gemeldet worden, daß ber Ausfrager, ber reisDlatt rar den Kreis Gienen 0 ± SP ti) s n> A e# ü $ ■e #» r? •j*» 'S •X, •u* o s . rt - *? 'M A ’S CI ~ O >2 C — -b.L Kx e fr - o - £2®’’ :2?>X " c o = •= ty — rc. Z«ZZ ■^■8g 2f“Q 77 z> - AAL %e<. b =i? ZS u ir. ~rS' c X D - ? X= ° 85 z: = . ca o t? s'--£:=,5 E, 2 O «i!sS = 5*i = Hili i “■£ « >» - 2 = C *= "?e ~A = •- ■? Z = -c 1_ ■e . - ~ c. - - ’S ü«i s -SS 2 c X' ''DZc •> a'Z~ = z: -=* -r— - — » s 5 <= i?-c c - £-1 r ?i £ =„?/«•= e-J. - .5 E = ;^133 = O ._ X-. ™ - - ._ £ : — >7. — X ■? « E ~ j ~ - •— a 2 *rv w -S 5V — 5 - = - K - v Ac •: £ □£ t ~ t C - o -7 r ?:a» = Der Beitritt zum ist für jeden in tateJanW oder Indostrie »M!!p Deutschen eine Plltti der Äerliatag. Mitirlicdrr weiften. Iss*/, l»»nivnkofTer: Audiübrung: Irtnfl bod) breit 5,2ein 5,3cm M »> 56 111 gleicher 2luS- ‘Tlucrübrunn in eigener Wcrfitälte unter rociloebcnb iier (Garantie für ab'vlule <*flltbarfett. :w. Mltiit ßilhinnrr 2vezialaeichaft für^etieartikelaller ZlUjl.MlIUlRgll, ^irt, 2cltcreroefl 7v Tclcobon 27K. Vvinrn VetnenbcAiin. I Bimel. 2 »>cm prmm MeNinafchlÜster, starke 85 ■ Vcbcrnnne 11. tVicfüimcrfcn. bc 00 „ imimncm lyinfüH unb tvndibrctt. X, .. X> W Mk. 24. 26 M .Y» 56 ReitritUerkUh untren und Beiträge. werden von der Bank für Handel und Industrie, Berlin XV. 58. Schiukdplatz 1—4 und deren t>Amllichen Niederlassungen, sowie von allen deutschen Bankstvllen entgctfrnffe.nominen, die sich durch Plakat hierzu bereit erklären. Auch Freunde der Bestrebungen des Hausa-Bundes können II 42 Yem bi . Mk 22.— hibhmn *.O - 42 - .Y, - 2h.— 21 iticrtinunn aller Ncikartifcl in bekannt iohbet ■lerrcnkeffcr McmIg. 4»icmbdi. Grösste und bedeutendste Soc: e‘fabr.< für Gas Badeöfen. Verkauf nur durch die Inatallationsgeechafte. — Kata ege kosten oa Vaillant’s Wand-Gas-Badeöfen ,Geyser* u. automat. Heisswasserapparate Joh. Vaillant ° Remscheid. Hack- u. Häufelpflüge pcritbicbcnev Lvltemc cmpücblt :B79 J. B. Häuser -icuftadt ö6 Telephon <>oo -iodhetmer Str. 42 ■ 4 berodbrt nch nun A 1 tülU mehr Hrtfrr <« tiL I ^oirwancr iMünchen» I ftnatl fltnnihu bc>ru'mtn. um4»k' uuSRtl in bei J.H.l'uhrs soiutenitt.25. [hv*-- Ortsgewcrbcvcrein. ___ _ J_J—j— j— _ - —1_| _U_^|S-^- ~ir fij — — —-I- * — General-Versammlung Mittwoch, .30. 3uni, abends 8' . Uhr im Otewcrbehan». Tage»-Ordnung: 1. Jahresbericht: 2. NechnimgSablagc; 3. Voranschlag f. 1909; 4. Vomandswahl: 5. Verschiedenes. Zu zahlreicher Beteiligung ladet etn v*/e) Ter Vorstand. Germania - Gasherde empfehle mi biOiaücn Vrciien ITsV» | Loch Kocher, fürdke .W500 m m von Werk 12.— an. Ludwig Kröll, Plockstr. gr nitgHrd der Rnh*tt-*p*rvrreInlcnng. “W Unser gesamtes Tuchlager für Anzüge, Hosen u. Ueberzieher unterstellen wir einem • Rdumungs-Verkauf • zu ganz erheblich herabgesetzten Preisen. Einegrosse Partie Reste.rninz wesentlich unter l'reis NB. Rabattmarken werden trotz der Preisermh igung in | üblicher Weise gewährt. 3638 ■ ILouis Trefi <& Co. Tachge*