Nr. 52 Erstes Blatt 159.Jahrgang Mittwoch 8. März 1909 Der »iehener Anzeiger Ä Bezugspreis: erscheint täglich, außer JEBBw W .Jaftk bWT W monatlick75Pß, viertel- Sonntags. — Beilagen: A Jr HM a. ▲ jährlich Mk. 2.20; durch «ysK4igA-* A#>A*tA*f H tt4AfAAV=;iÄ SSsin|r HOlIc 1 ZI II 1^1(1 EL zweimal monatl. Land- W B, H Hl H ® SB WL >KLBL Zeilenpreis: lokal 15Pl, wirtschaftliche Aeitsragen H ® ^y M 1F 81 ^y V ^^y auswärts 20 Pfennig. Fernfprech --Anschlüffe: WlJ® Mr Verantwortlich für die Redaktion 112, • * e® für den politischen Teil: •s» General-Anzeiger für Oberheffen UWU Annahme von Anzeige» V Zr ! • ’ ’ u. 2anb_unb ®erlchts- üir die Tagesnummer RHtattonzdnick UN- Verlag -er vrühl'schen Univ. yllch- UN- Ztein-ruckerei N. Lange. Ne-attion. Lxpe-ttion UN- Druckerei: Schulflratze 7. eiaenteil: 's Beck. bis vormrttags 9 Uhr. 0 K' Die heutige Nummer umsatztJ2feiten,___ s Die Ablehnung -er Nachlatzfteuer. Wie bereits in einem Teil der gestrigen Auflage des Gieß. Anz. mitgeteilt werden tonnte, war die Finanztommission des Reichstages gestern nach mehrtägiger Panse wieder zusammengetreten, mit den noch ausstehenden Beschluß über den § 1 der Nachlaßsteuer zu fassen. Er wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und des Freisinns abge- ^Mit der Ablehnung des § 1 der Nachlaßsteuer hat sich die Situation aber noch keineswegs geklärt, denn mit dem neuert, noch immer geheim gehaltenen Kompromiß der Subkommission, hat sich die Finanztommission gestern noch nicht besänftigt. Es l;eifct, die Freisinnigen hätten diese .Kvmpromißvorschläge abgc- lehut. Die Versuche, zu einer Verständigung zu gelangen, werden gleichwohl fortgesetzt, und es verlautet, daß sich die Finanz- tommijsion vielleicht schon heute mit diesen neuen Vorschläge befassen werde. Haben nun die gestrigen Verhandlungen der Finanzkommission auch noch keine Entscheidung gebracht, so sind sie doch für hie Beurteilung des zahlenmäßigen Standes der Frage der Nachlaßsteuer von Interesse. Nationalliberale und Reichspartei haben ausdrücklich erklärt, daß ilyre Abstimmung nicht als definitiv anzusehen sei. Wahrscheinlich mitt' man auf die Nachlaßsteuer in irgend einer Form zurückgreiftn, nachdem nun auch die von den Natioiralliberalen beantragte Reichsvermögenssteuer (Antrag Weber) abgelehnt worden ist. Auch die Erklärungen des Staatssekretärs Sydow sind von Interesse, denn sie scheinen anzudeuten, daß eine Verständigung vielleicht Über eine Erb- anfallsteuer möglich ist. lieber die gestrigen Verhandlungen sei Nachstehendes mitgeteilt : Dr. Weber erklärte für die Natronalliberalen : ,.Namens meiner Partei möchte ich nochmals konstatieren, daß wir nach wie vor die von Uns beantragte direkte Reichsvermögenssteuer für die bessere Form der direkten Heranziehung -des Besitzes erachten. Wir lehnen daher für diese Lesung unter ausdrücklichem Vorbehalt unserer Stellungnahme für die zweite Lesung die wir uns nach jeder Richtung hin gewahrt zu wissen wünschen, die Nachlaßsteuer ab." Die Erklärung des Vertreters der Reichspartei lautete: „Meine politischen Freunde haben die Nachlaßsteuer als eine ihnen unsympathische Steuer bezeichnet, der sie nut zustimmen können, wenigstens in ihrer Mehrheit, wenn sich nur auf diesem Wege die Reichsfmanz- rejvrm zustande bringen läßt. Da wir nun einen1 Antrag vorgelegt haben, der einen Ersatz der Nachlaßsteuer bringt, so werden wir jetzt gegen die Nachlaßsteuer stimmen, ohne daß wir dadurch unsere Stellungnahme für die Zukunft präjudizieren." Es' standen sodann zur Debatte der Antrag Weber Mit der Forderung einer Reichsvermögenssteuer und die Anträge Gamp unb Herold, die auf ine Heranziehung des Besitzes auf dem Wege durch die Einzelstaaten abzielen. Auf Antrag Weber wurde beschlossen, zunächst über die Reichsvermögenssteuer zu debattieren. Der Vertreter der wirtschaftlichen Vereinigung, der in den letzten Sitzung erklärt hatte, zunächst für den Antrag Weber aus Reichsvermögenssteuer stimmen zu wollen, erklärte heute, da ihm ein anderer Weg der Verständigung möglich erscheine, vorläufig gegen den Antrag Weber stimmen zu müssen, indem er die Bedenken hervorhob, die gegen eine Reichsvermögenssteuer sprächen, da nickst ledes Vermögen sich in seinem Ertrage gleiche und verschiedene Berufsgruppen ein verschieden hohes Einkommen aus demselben Vermögen zögen. Er erklärte aber seine Bereitwilligkeit, wenn im Lause der Beratung kein anderes positives Resultat zu erzielen sei, fick später wieder auf den Boden des Anttages Weber stellen zu wollen. Bon feiten der Freisinnigen wurde unter Zustimmung zum nationalliberalen Anträge das Zentrum an seine frühere Stellungnahme zugunsten einer Erbschaftssteuer sowie überhaupt einer direkten Besteuerung des Besitzes erinnert und hervor gehoben, daß die Gründe für die veränderte Stellungnahme nur politischer Natur seien. Es wurde besonders in dem Anträge Weber die Bestimmung über die Quotisierung der Steuer begrüßt, die als ein wichtiges konstitutionelles Recht einer alten Forderung der freisinnigen Parteien entspräche. Die Reichspartei sowie das Zentrum lehnten wie schon früher den Gedanken einer Reichsvermögenssteuer ab, da sie keinen Eingriff in die Finanzhoheit der Einzelstaaten zu tun wünschten. Für die Nationalliberalen wandte sich Dr. Weber gegen die neulichen Darlegungen des Finanzministers von Rheinbaben, der aus dem Antrag« Weber eine Erhöhung der preußischen Vermögenssteuer um 200 Prozent herausgereckmet hatte, Dr. Weber wies nach, daß einer Belastung Preußens mit 6/i0 des Neichsbedarfs die preußisckie Vermögenssteuer nur um zirka 140 Prozent gesteigert zu werden braudje. Er erklärte, daß gerade lvegen des Nichivorliandenseins einer Mehrheit für die Nachlaßsteuer die Nationalliberalen von Anfang an bemüht gewesen wären, einen praktischen Weg der Verständigung über die Heranziehueng des Besitzes zu finden, die man in einer Reichsvermögenssteuer gesunden zu haben hoffe. Gegenüber einem Vertreter der Sozialdemokratie', der an sich dem Antrag Weber zuzustimmen erklärte, ober daneben eine Heranziehung des Einkommens verlangte, wies Dr. Weder auf die jetzige Belastung des Eintommens der Einzelstaaten und Kommunen hin und verwies darauf, daß gerade in dem Staate des sozialdemokratischen Redners, in Hessen, die Kvpfbelasluna durch Einkommensteuer mit 9 Mk. gegenüber 6,44 Mk. in Preußen und 4—5 Mk. in den thüringischen Staaten außer Sachsen die höchste in Deutschland sei. Er wies nach, daß, wenn nach dem sozialdemokratischen Vorschläge der Gesamtbedarf durch eine Reichseinkommensteuer geschaffen werden sollte, He s se n sta tt der bisherigen 10Millionen Mark'37 Millionen M a r k aus der Einkommensteuer zu ziehen haben werde, was eine weitere Pflege der großen kulturellen Aufgaben des Einzelstaates unmöglich machen würde. Er bedauerte lebhaft den Umfall des Vertreters der wirtschaftlichen Vereinigung. Der Schatzsekretär erklärte, nach der heutigen Ablehnung per Nachlaßsteuer nicht weiter über diese Steuer debattieren zu wollen; behielt sich aber ausdrücklich vor, später wieder darauf zurückzukommen. Wenn es seitens eitles KvmMissionsmitgliedes bedauert worden sei, daß er- in der letzten Sitzung eine Ncichs- vermögenssteuer als unannehmbar bezeichnet habe, dann stelle er fest, daß er wälhrend der ganzen Beratungen sehr vorsichtig mit diesem Worte gewesen sei und daß er darum in vollem Bewußtsein jenes Wort gesprochen habe. Er könne foinsufügen, daß die verbündeten Regierungen fest auf diesem Standpunkt stehen bleiben würden. Ein Vertreter bei Konservativen lehnte dann gleichfalls den Antrag Weber ab, unabhängig von der Stellungnahme der verbündeten Regierungen, aus prinzipiellen Gründen gegen jede Schaffung einer Reichseinkommen- oder Vermögenssteuer. Aus eine Bemerkung eines sozialdemokratischen Mitgliedes erklärte ein bayerischer Bundesbevollmächtigter, daß die Bundesstaaten sich bisher noch nicht mit einer definitiven Ablehnung der Nachlaßsteuer abgefunden hätten. Ein Zentrums Mitglied richtete einen bemerkenswerten Appell an den Schatzsekretär, nach Ablehnung der Nachlaßsteuer nicht unwillig beiseite zu stehen. Es sei nunmehr nicht Sache der Kommission, Gegenvorschläge zu machen, sondern Sache der Regierung, nrit neuen Vorschlägen zu kommen. Er erkannte im Gegensatz zu früheren Auslassungen des Zentrums die angeforderte Höhe des Bedarfes int großen und ganzen an, sowie die Notwendigkeit der ganzen Reform. Er erkennt ferner an, daß die angeforderten Konsumsteuern nicht zu umgehen feien', und Grefzener Stadttheater. Das Blumenboot. Schauspiel von Hermann Sudermann. Ich komme nicht von dem Eindruck los, daß das Blumenboot seinem Dichter einen großen Namen gemacht hätte, wenn e§ vor 10 ober 15 Jahren, also etwa kurz nach der Ehre auf dem Spielplan erschienen wäre. 15 Jahre, ein herzlich kleiner Zeitraum, aber genug, um einen Heiligen von seiner tönernen Säule zu stürzen — und doch wieder so lang, daß man nahezu vergessen hat, daß Sudermann einmal ein Glaube und eine Hoffnung auf das Höchste war. Es ist eigentlich traurig, und im tiefsten Grunde betrachtet ist es tragisch, daß ein Mann, der wirklich ein Dichter ist, nicht über sich selbst und seine Schwächen hinauskommt. Wie anders ist der Sudermann der kräftigen ostpreußischen Junkerromane und der Sudermann des Theaters. Dort Leben, hier — Theater, Scheinkunst, vorgetäuschtes, zurecht gemachtes Leben, dem die Seele fehlt und die Notwendigkeit, das keine Hoffnung und keinen Halt in sich selber hat, das nur deshalb so ist, weil es der Dichter so zu sein gezwungen hat. Daß haftet ihm vom Roman her an, und wie er sich auch muht und wendet, er kommt nicht mehr davon los, es haftet ihm unauslöschbar an, weil es seines Fleisches und seines Blutes ist. So steht er mit trotzig gekniffener Stirne da wie ein Held, dem man die Hände gebrochen hat — und sein Wille geht weit, weit hinaus, weiter noch als vor 15 Jahren, wo ihm das Theater die ersten Lorbeeren bot und voller Hoffnung und Glauben mar. Damals, ja da mar man ja eigentlich noch so anspruchslos, so bescheiden; da roaren seine Probleme schon große, erhabene Probleme, die dem Parterre ebenso neu roaren, wie der Galerie, ebenso kühn und ebenso zielmeisend. Wer fragte nach der Seele, wo nichts um uns war, was Seele und Charakter hatte — wo alles erst nach Erhöhung und Vollendung strebte und noch arm und bloß mar bis ins Innerste, wo jeder Fetisch zum Halbgott wurde, weil er anders als alle die anderen mar im Kleinen, mitunter auch im Großen es zu sein schien, und doch nur ein Fetisch war, dem das Mark fehlte und die Seele. Aber man merkte es bald, denn andere kamen, die eine Seele hatten und einen größeren Willen, aber Sudermann merkte es nicht, bevor es zu spät war. Oder merkte er es überhaupt? Er kämpft und ringt, aber es fehlt ihm die letzte höchste Kraft. Und doch werden seine Werke einst höher gewertet werden als in diesen Augenblicken, wo alles auf eine Vertiefung und Veredelung des Seelenlebens hin- arbeitet. Wie ist da im Blumenboot Leben, äußeres allerdings nur, und Bewegung; wie scharf und klar wickelt sich die reiche Handlung ab, wie flott und munter rinnt der Dialog — wie stark sind einzelne Auftritte herausgearbeitet und wie fesselt und spannt der dritte Aufzug, und der vierte. Aber — und leider ist ein Aber dabei — wo sind hier Menschen? Menschen voll Kraft und Blut und einem menschlichen Pulsschlag? — Seine Bohemiens vielleicht, aber die anderen wohl kaum. Das sind nur Leute, die sich zur rechten Zeit immer auf einen Witz besinnen, stets schlagfertig sind, immer bereit und immer — Theater. Hinter jeder Figur steht ihr Schöpfer, die schützende Maske über sie zu halten, stets für sie einzuspringen, ihnen feine Laune, feinen Witz und feinen Geist mitzugeben — dankbare Rollen, die gut nach den Fächern geordnet sind, die man beklatscht, um sie zu vergessen. Es ist nicht anders; leider nicht. Und man bedauert den Dichter, der seine Grenzen weder sieht noch kennt — aber doch ein Dichter ist. Der Inhalt ist kurz der: Das Haus Hoyer und Wenderath hat es in schwerer Arbeit zu Ansehen und Reichtum gebracht, aber tvas die schwieligen Fäuste der Männer einbringen, das vergeudet die lockere Frau Wenderath, die nach dem Tode ihres Mannes den Baron Erfflingen, ihren ehemaligen Hausfreund, geheiratet hat. Unter ihrer „Erziehung" entwickeln sich ihre Töchter entsprechend. Tie älteste, Raffaela, heiratet den tüchtigen Mitinhaber des Geschäftes, der im harten Drang der Arbeit nicht genug Zeit für jic findet, was sie zu einer Liebelei treibt, an der ihre Schwester, die inzwischen ihren Vetter geheiratet hat, eifrigen Anteil nimmt. Beide Frauen unterhalten so in Herzensangst ihre heimlichen Beziehungen, die durch den Gatten der jüngeren schließlich aufgedeckt werden. Raffaelas Gatte schlägt den Liebhaber seiner Frau mit einem Schiffshaken nieder und verliert den Verstand, das junge Paar findet sich wieder zusammen; sie haben den Ernst des Lebens erkannt und verzichten auf das Fahren in Blumenbooten .... Die Ausführung, die zu Ehren Hermann B a k o f s stattfand, war eine der besten der ganzen seitherigen Spielzeit. Tie eingehende und tiefschürfende Durcharbeitung, die Bakof dem Werke hatte angedeihen lassen, und das flotte und sichere Spiel sämtlicher Mitwirkenden verhalfen denn auch zu einem außergewöhnlichen Erfolg, der aber daß ein bedeutender Teil des Bedarfes durch Heranziehung des Besitzes, und zwar zum Teil auch durch direkte Heranziehung durch das Reich befrfjafft werden müsse. Es gäbe gewiß Bcsitzartcn, bre ohne Eingriff in die Finanzhoheit der Einzelstaaten gefaßt werden könnten. , Von nationalliberaler Seite wurde ine veränderte Stellungnahme des Zentrums über die Höhe des Bedarfs fest- gestellt, und das Zentrum ersucht, nach Ablehnung der Regierungs- Vorschläge nunmehr zu sagen, auf welchem Wege es sich die Heranziehung des Besitzes durch das Reich wohl vorstelle. Auf die Aufforderung eines sozialdemokratischen Mitgliedes, an die Regierung, bei dem Vorschläge der Nachlaßsteuer fest zu beharren und int Notfall den Reichstag aufzulösen, für welchen Fall die Unterstützung der Sozialdenrokratie der Regierung in Aussicht gestellt würde, erklärte der Schatzsekretär, zu seinem Bedauern diese Unterstützung ablehnen zu müßen, da er keine Aussicht hätte, für den größten und wesentlichsten Teil der Reform in einer größeren Belastung der Konsumsteuern irgendwie Unterstützung durch die Sozialdemokratie im Wahlkampf erwarten zu können. Der Antrag Weber wurde sodann gegen die Stimmen bet Nationalliberalen, Freisinnigen und Sozialdemokraten ab g e» l e h n t. Die Kommission vertagte sich dann auf morgen. politische Tagesschau. Serbien und Oesterreich-Ungarn. Die Freude an der diachgiebigkeit Serbiens war verfrüht. Die gestrige Meldung ist nämlich unrichtig, in der es hieß, daß Serbien infolge der russischen Note auf territoriale Entschädigungen Verzicht geleistet habe. Neue Belgrader Berichte behaupten sogar, daß bisher dort keine Neigung zur Annahme der russischen Vorschläge bemerkbar sei. Tie serbischen Rüstungen werden fortgesetzt. Die 9)tobilijierung einer dritten Division wurde angeordnet, der Grenzdienst ist verschärft worden, der Telegraph mit Beschlag belegt, die Leistungsfähigkeit der Eisenbahn aus das äußerste angestrengt. Recht kriegerisch mutet auch die Rede an, ine König Peter gestern bei der Hof täfel zu Eliten der neuen Arogw- rung gehalten hat. Der König kündigte die Begnadigung! sämtlicher politischer Verbrecher in dieser Rede an. Die Verhältnisse, fuhr der König fort, seien zweifellos schwer, er und sein Volk blickten ober vertrauensvoll in die Zukunft. Möge, sagte der König, von jetzt an unter uns jede Uneinig Feifl schwinden, damit wir alle wie e i n M a n n, von gleich großer Liebe zum Baterlande getragen, uns zur Wehr seiner bedrohten Zukunft setzen. Ich bin überzeugt, daß die aus anerkannten Patrioten zusammengesetzte Regierung in der Sage und gewillt fein wird, die in sie gesetzten Hoffnungen zu reckst- fertigen. * Beilegung des turkifch bulgarischen Konflikts. Das russisch-türkisch-ungarische Finanz-Abkommen, woran Fürst Ferdinand von Bulgarien in Petersburg lebhaft initgcarbeitet hat, ist zustande gekommen. Danach erlischt die türkische Kriegsschuld an Rußland in Höhe von 125 Millionen Franks, wogegen Bulgarien sich verpflichtet, Rußland 82 Millionen zu zahlen. Ten Rest der Kriegsschuld in ööfc von 449 Millionen erhält Rußland durch ein französisches Bank-Institut bar ausbezahlt. Die Höhe der Verzinsung ist noch nicht bekannt. Der heute in! St. Petersburg eintreffende türkische Minister des Aeußern, Rifaat Pascha werde das Abkommen unterzeichnen. Damit wäre denn auch der türkisch-bulgarische Konflikt ebenso ftiedlich beigelegt, wie kürzlich der österreich-türkische. zweite Kammer. Darmstadt, 2. März. Am Ministerttsche: Staatsminister Ewald, Finan^minister Gnauth, Geh. Staatsrat Krug von Nidda, Geh. Rat Tr. Becker, Ministerialräte Lorbacher und Süssert. merklich nur dem beliebten Benefizianten und Len übrigen Darstellern galt Die Leitung, die von Bakof meisterhaft geführt wurde, hatte nichts unterlassen, um eine in sich geschlossene, großzügige Aufführung herauszubringen. Schon die ganze äußere Einrichtung war hervorragend; die Kneipe und besonders das Gartenzimmer mit dem erfreulichen Blick in den Park waren geradezu mustergültig. Auch die Darstellung ließ nichts zu wünschen übrig. Hermann Bakof gab den ernsten, arbeitsamen Brösemann mit der ausgezeichneten Charakterisierungskunst, die ihm so sehr eignet und schuf eine hervorragende, untadelige Gestalt, die schon in ihrem stummen, Spiel von ausgezeichneter Reife war. Nicht viel weniger ist auch von den übrigen Mitwirkenden zu sagen. Edgar Pauly als alter, gebrechlick)er Kommerzienrat war sehr gut; Clemens Roden als leichtherziger Fred spielte mit edlem Feuer und wohliger Leidenschaft und wußte seine Rolle sehr wirkungsvoll bis zum letzten Auftritt auszubauen und zu steigern. Rolf Ziegler als Baron und Rudolf Goll als Graf boten ebenfalls gut ausgearbeitete Leistung. Besonders gelungen war der Auftritt zwischen dem werbenden Grafen und Thea, der in seiner einfachen, schlichten Darstellung einen großen Eindruck machte. Anni R ö b e r spielte die „gerissene" Thea mit hinreißendem Schwung und leidenschaftlicher Bewegung, die um so anerkennenswerter ist, als gerade ihre Rolle einen beständigen Stimmungswechsel verlangt und ganz bedeutende Anforderungen stellt. Gleichen Schritt mit ihr hielt Claire Albrecht als Raffaela, die sowohl als schüchterne Gattin wie als glühende Liebhaberin von artsgesuchter, tadellos abgestimmter Feinheit war. Die Baronin wurde von Grete Höcker mit vollendeter Künstlerschast gegeben, die es verstand, den unsympathischen Charakter der alternden Kokette menschlich zu mildern und zu beleben. Auch die Darstellung des Zwischenspiels ließ nichts zu wünschen übrig. Besonders zu erwähnen sind: Willibald' Völcker, Paul Kohlmann, Max Kronert, der ausgezeichnet charakterisierte, Helene Achterberg und Io .Hove n. Hermann Bakof, der bei seinem Austreten lebhaft begrüßt wurde, wurde durch eine Reihe von Blumenspenden ausgezeichnet. Bedauerlich ist es, daß die vorzügliche Aufführung nicht wiederholt werden soll, obwohl es sich sicher reichlich lohnte. Karl Neurath. In btt vom Bitze Präsidenten Tr 5 d) m 111 um 9' i Uhr fci^fhurtcn Sivnnq nrirb iorort mit btt ^eneralbrbatte über ben nie rt ablehncu, ionl fte i>t ote Berhöttuiste Oft iitelnaaken ein- greife und deren itruccfran in ^tan udlr »in Zaditen.» t torutc er rbeniail» nicht bruirroorten, da sie für viele X'anbnriri vethclNtmröooll werden ipüroe. Tri Redner nfiirt- iich dann flcfloi die Reich^kolonurlpvsttik Tic vielen Millionen, bic man für Afrika brauche, hätte man viel besser für eine «dunbr wamato• Politik verwenden und namentlich zum Ankauf von Grostarund besitz benutzeii fomtm, oannt statt der jetzigen cn 20000 Grund besitzer etwa 5 Millionen Bauern am heimatlichen Boden teil haben tonntm. Tie uingste Wahl in Alzen Bingen habe dar «Irtan, voa« o bf beulet, wenn der arme Mann eine riqciie 3d>olli beiitzl Tiefe Wo bl ii-*be nnug bo. Tic habe I-eroinm, baß alle ioüifllbrmofioii'dk’ Agitation scheiterte, weil bte Wähler dort zwar alle nur wenig beiiBei, ab« r doch meist ihr Stückchen Grund rmd Boden hab ,, und deshalb fufi als ftaat-erhaltende Bürger fühlen. Ber dem hessischen Bcamtenapparal müsse entschieden nirl/c gespart roaoeu; c« sei doch notorisch, daß sich der w,-.tfluS ,,roßte Teil der Bevölkerung in Lessen mit viel weniger Ein- fxmtmm begnügen müsse, ah dir Beamten, die sich dabei auch keuierlet Sorgen um ihre Zukunft zu madun brauchten. Die Wasserwerk: in den X'andortcn seien gcimß sehr dankenswert- .teulturanlogen, aber der Staat müsse daiür sorgen, daß bei der Anlage solcher Werke den Gemeinden reiner Wein emgeschenkl werde, weil die Gemeindevertreter nicht immer in der Lage seien, bic scnanjielle Tragweite zu übersehen Der Redner trat sodann mit großer Entschiedenheit für die Einführung emcr Wehrsteuer rin, hätte man eine solche Steuer schon bei Beginn der allgemeinen Wehrpflicht eingenchrt, und diese Summen zur Besser- )tdUmg deS Svldatenstandes verwendet, so würde damit den Sozialdemokraten viel Wind aus den Segeln genommen worden fein. Tie Ausführungen Ulrichs am Samstag feien nur für 'Wahlagitationen berechnet gewesen, Tr Cfann habe ihm aber ba^ Beste vorioeggenommen. Zur Wahl in Alzey-Bingen meint Redner, die Einheimischen hätten dar, Resultat vorauSgesebcn. müde geworden und habe sich bei den vielen bauernfreunblicbcn und agrarischen 3»mvatl,ieverfid>eruiigcn des Derrn Horcll einfach gi sagt: Tie Botsd-ast tot" ich n»obl, allein mir fehlt der Glaube Tic Wahl am 2li. »"vcbriiar sei eine Quittung für die wahrkxift konfessionelle Letze unb »ur die beispi in’. r Alin ic national und in zweiter X'imc liberal, aber die Polttik der ?ungliberahn mache ei nicht mit. i Oatiung bei der AussteUung des Staatshaushaltsplanes die ar-iue Reuanfoidcrung znrudm'stelli nabe. Wenn Abg. Tr. Osann die »tcgicrmig darauf btunxe«, daß man zu viel akademisch gebildete Beamte verwende und eine Anzahl Stellen auch mit nicht aka demischen Beaintcn besetzen könnte, so wolle er zugeben, daß das ln-rechligt ersd'euien könnte, namentlich bei den akademisch gebildeten C^crichtsschri-ibern an den Landgerichten, den Hammern für Strafe und Zivilsachen, uw Assessoren als Gerichdssd-reiber verwendet lvcrden. Tamit würden aber Eripanussc kaum erzielt werden» denn oie eventl. anstelle der ^Issessoren zu verwendenden Aktuariatsa^sisirtiten erhielten ein Otefrilt von 1800- 3000 M., bi Affessorcn 2100 2700 M bezogen, <•- r Durch fdmülöflclKilt also für beide Hategviieii *2500 '.IK betrage, wozu . u tat Hiniftcnten noch J. >1 Ui n f i VCbg. Bett habe die starke Zunahnie der Schteibgehilfen beklagt, 'für welche die fwtwcndtgen Mehrfvrderungen 60250 M. bc tragen. Diese Erhölpmg finde aber ihre (ürfläuing hauvtsLchlid, in der Auniülung der Schrerbgelplfen in höbete (vehaltsüufen. ,rür neue Stellen lunrbcit nur cn loüOO M benötigt, und iroa-., [Weil eine Anzahl unbesoldeter Sdweibkräste ui Wegiall gckotnrmii sei. Seit 1870 seien bic Bezüge der Sckrribgehllfen um 84 Prosent rtböbt wurden, lieber die von zioci Äsorreöitcrit .ur Sprache g brachte Frage des Schleper Oklbeo bemerkt der Redner, daß dte bei Dem gräflichen Rentamt üblichen Lohnmarlen eine Art ßaip lungdamvei'ilna an die Rrtttkammern bildeten Tie Regierung habe schon 1905 eine eingehende Untersuchung darüber nnftclkn lassen, vb diese Lohnzahlung geyetl den § 115 der Gewerbe vrdnung verstoße. Rach den Ermittlungen sei aber kein gewcrb lieber Arbeiter mit btewn Lohnmarken bezahlt ivorben, so daß feine vandlmbe zum Einschreiten vorlag. Spater fei auch bei QderÜaal-anivalt von Gießen nach mit einer Untersuchung bc aus tragt ivorden, die ebenfalls ein negatives Ergebnis hatte. Tic Bestimm un gen des Münz red, ts konnten hier nicht in Frage kommen, auch der § 146 des Rcictisstrasgesepbnchs nicht, da es sich nicht um eine Nachahnumg von Münzen handle. In n>iciücit von Polizei- Wegen eventl. , iiigeschriltrn werden köniUe, unterliege der Entscheidung des Ministerunils des Innern. Ter Minister beswucht bann die Angelegenheit Erbach Erbach und führt aus, bah bic Hnanlvruchnadme des Armenrcd'ts d i dem aupcrorbcntlich hohen Wert deS Strcilobtekts über 30 Millwneu Mark und bei dem geringen Einkommen des Petenten iea. 1700 M begründet gc torfeit fei Dem Bedangen des Abg Ulrich, das; er ' Redner als Iustizminister hier eingreisen sollte, könne er keine Folge geben. Betreste der Wahlrechtsvorlage spricht der Minister bic Vofsnung unb die Ueberzcuguna aus, bah bic Borlage, bte demnächst eingebracht werde, zustande kommen werbe und zustande kommen inüffc. (Beifall.- Finanznuntster O'nauth bemerkt zunächst, bah er bei den Wichtigen Ministerbesprechungen in Berlin nicht fehlen durste: bte Besprechungen seien aber Durdxuro vertraulicher Natur gc« tocsen. Cb seine persönliche Teilnahme daran in den Einzel leiten für Dessen von Vorteil gnvcscn sei, werde erst die Kinauzresorm selber zeigen Im allgemeinen könne er sagen, daß die Grossh. iHegicrnng in erster Linie oie Besteuerung des Besitzes in iwrm einer Besteuerung ber Erbschaften und Nachlässe für das acetg- nctstc Pwiekt zur Tiirchführung der tnnantueform hält lieber alle Einzelheiten müsse erst eine Berstandiaung ertolgcn Es habe ihn, den Minister, gefreut, dost Abg. Tr. Cfann für bic Notblaftstcuer ein getreten |fi und er er ho'n- viel von dessen Ern- tluh auf seine Parteifreunde. Tie 'Tnribrnbtung einer Retd)S- ein kommen- und ReichSvermogenssteuer habe sich als unannehmbar ergeben: die Antrüge Olanu>-L»ervld im Reichstage würden einen Eteuerzuschlag von 18—20 Prozent erfordern und schliess lich bic Mnanznok bc> Reiche- in eine Himnrzitot ber Bundesstaaren verwände In Sie wurden auch einen Eingrif, tu die (nnancbJbcu der Einzclstaaten lndeuten und den föderativen iSliaraftcr des Reicl>es gefährden. Bezugs. deS L»aupwv ran schlag- bemerkt der Mmister, er fluivne mit dem L»auS darin überein, bah derselbe raftt unerfreulich iet TaS darin oorgeschtne Mehr an direkten Steuern ioerde auch fidyrlid) entgehen, dagegen fei das (Ergebnu’ ber Eisenbahnüberscl ü'ie n«Qbr)diemiid> iwch zu hoch i>erani(hlar tvn l’u'bgiu m ieui m U« . iigt wurde, nachdem Mflhicnncicn War. datz denelbc mdi c. ial>-lub.ai s.- Tas »lr. ami .vtub berg habe in dieser Saö hui >a .» r.nr f: o.-hanoelt Tie Sic* tfirnuig werde auch i"t k • ; > nun - i*. - ••• '* teitn.’vbun i daran lesthalten, tast Bürg rm.rü»r und ren Ctch; rtrrter «16 Äcnvülln- staatlicher khu: tdi:u der Regierung bas Red: «rnix: lIU ’ . ‘ auSzufudien. sie könne das Bi' Utaungt-r > Cl /J, ■ Jvrnrfach^ betrachten, oder die B.-'-i: jung ven ? t cr-vi ' Dahl abhängig merfen. BezLgl bc# Schlitz« Ovalle# bemerkt der Minister, bah bei den borratit Mmtzen doch nicht im-moe von Oklb ge'paxfzu werden könne: ein oolrzeiltcbes vmidnennt irürb’ cc*cit'.*# fern. Es komme auch brniu, bah bie 3aM der mu »olchen Münze» entlohnten Arbe ter immer geringer werde. Es werden i B nur nochdn m SMitz fetber rangen u»o ainiiiiaen Lanb unb «■‘anrnorheuer mu b^ien Lovnmark n bclaDIt: auch •Krüner l ilt bif .icbiimfl bam t für einen Mihstano anb glavo:. oah iich Wer au* güti’diem ISeflc Icubtct em 'naignng erueien lassen tnrrie »Segenüber Ti Lianns B'rrvurs. bar. tu viel in: 3 taale .regten" wire unb ine Lokal ob »rd hohe CjcmcinDeitniem, ruilnxub tet fiSkalifd>e i^runddefitz fast feineriä Rechte besitze Statt der vielen Dorgc)dXagcnen ReuhSstcuetn hätte Redner eine kräftige Umsatzsteuer gewünselst u. s. f. Tir (^encralbcbattc luiro um 1 * * 4 5 * * * 9 * 11 * * * * 16.2 Uhr abgebrochen. Nächste Sitzung Margen früh 9 Uhr. 21us 5t«öt itnö Land. 0>ichcn, 3. März 1909. •• Tageskalen der für Mitwoch, 3. Diärz: Stadt- t h c a t e i: Rokoko. Anfang 7 Uhr. ** Für die Sitzung der Stadtverordneten- Perfammlung am Donnerstag, 4. März 1909, nachm. 4 Uhr, ist folgende Tagesorbimng vorgefehin: 1. Wieher einführung des Herrn ziommerzienrat HLyligenstaedt als unbesoldeter Beigeordnoter. 2. Mitteilungen. 3. Baugcsuch der Eisenbahn-Betriebs-Inspektion II für frankfurter Str 4. Baugesuch des Ludwig Ott für den Schifsenberger Weg 5. Baugesuch der Iirtna Winu L Eo. für den Wismarer Weg. 6. vfefud) des Wtltielm Seipp 111. um Genehmigung zur Errichtung eines 5Mhnerstalles in seiner Sandgrube an her Marburger Straße. 7. Borgartencinsrichigung des Otto Steck, Hammstr. 14. 8. Aufstellung von Sclutlbaracken. 9. Verbretterung des Strahenkreu.zes Bahnhofstraßc'Liebig straße; hier Geländeerwerb vom Hauptsteueramt. 10. Unter Haltung unb Prüfung der Brückenanlage in der Verlange rung der I-riedrichstraße über den Oberhessiscl>en Bahnhof. 11. EteWährung einer Entschädigung an den P) Anton Geißner zum Caf#wirtsd-aftsbetrieb für Plockstr. 9. •• Personalien. Wie un8 rnitgdeilt wird, war dem zum 1. April nach Friedberg versetzten Hochbauausscher freudenberqer bereits vor mehreren Jahren mit Dekret L:e dortige Stelle übertragen rooibcn, die er icboch wegen oorübergehonder Venvendung in Greßen bisher noch nicht angetreten hatte. e# Land- und fotftro. BerufSgenoffenschaft. Tie Umlage der verufSgenosienfchast für dos Jahr 1908 be- tiägl 948 507,95 Mk. Hiervon sind durch Barzufchlage zu erheben 3348,00 Mk., während 945 159,95 Mk. auf die dettragSpsllchttgen Steuerkapitalten umzulegen sind. Da bie Gesamtsumme der beitragspflichtigen 8teuerfapitalien emschl. dec bec 9kbenbettiebe 8 317 726,8 (Bulben (14 §58 960,3 Mk.s beträgt, so ergibt sich em AuSf'chlag von 11,37 Pfg. auf ben Eulden Eteuerkapital <6,63 Pfg. auf die Mach. •• Nochmals bic Reichstags-Stichwahl in Bingen - AlzeN Nach amtlicher Feststellung würben insgesamt 28811 Stimmen abgegeben Hiervon entfielen auf ben Landtagsabgeorbncren Philivv Uebel - Tieburg Zentra 11927, auf den evangelischen Pfarrer Adolf korell- xinigflättcn »reif. Bokkspartei» 10884 Stimmen. — In- wischen war bekannt, daß bas Versprechen ber ZentrumS- partei, im Jahre 1912 sofort für einen natioRallibcralen standibaten eiuzutreten, nicht vorbcbaftloe gegeben l Nack einer Mitteilung des Wormser .^cntrumsblatte- muß nämlich der nationaliideralc ."audidat. wenn er bic tentrumSilimmcn haben will, alle bie Bedingungen et- idllcn, bic dr.: mal an Tr. Becker gestellt und von diesem nickt beantwortet würben. Ta5 muffen ja schöne Bebin- gunpen fein, bie selbst der Zentrumskreunblidx Tr. Becker nicht untehchrieb! Ten mitionaUiberalcn Wöhlern des Wahlkreises Bingen 21 Ixen bat man von diesem Teil des famojen Wadlhandcls leine Kenntnis gegeben, sonst würden sie wodt kaum daraus cirigegangen sein, letzt einen echten Zentrumsmann zu ’vahlen. um dafür 1912 einen Naiional- lUtrflmontJr.cn au bekommen -Dec hef fiiche Landet L*ehretoeceir. zählte cm Anfang des Jahres 1909 in lufl Beziel 4vereinen 3328 Mitglieder. 106 Hiehc als im Jahre Deiner. — Ferienaiisichuß ber Etubentenschafi. In ber am Ircitag, 26. Fede., abgcbolicnen Sitzung M Ge- flint-Au-schiiffeS ber Gießener Studeiuenschast mürbe bcc FerienauSschuh gkwahlt unb zioac als Vorsitzender etud. ihil. Heine. Rausch, als Schr.ftwarl *tnd. phil. Otto Arnold unb als Kassenwart stud. med. denL Rubols Lmd. •• Slabtlheotec. GS fei darauf b.ngeiviescn, baß die heutige Aufführung von ,Rokokobie letzte der beet unter obigem Titel zusammenqefaßten mieccRantcn Emaktec ist. Die Fort dr l dun gSf chu len bec Lanborie tnb Ende des Monats Fcbruac nach vocauSgeganqenen Lchlnßprüfungen geschloffn: worben. An mehreren Schulen fanden Prüfungen durch bie Kreisschulkommifflon statt, fo in Cucdborn und Cbec-’öeilingcn. - Vom R a ifec Wilhelm-Regiment. Gestern (Dienstag) hielten sechs ftompagnten nnfertfl Regiments zwischen lllein-Lmden, Allendvef, Lützcümben und Suter- Hofen eine größere Feldbienst Übung ab. Das Gefecht war hauptsächlich am ölüenborfer Wäldchen. Die Regiment:- mustk holte bie Kompagnien um 11 Uhr in Klein-Linden ab. -InternationaleRinokämpfeimLollosseum. Ter neu eingetroffen- deutsche Mcisterringcr Georg Strenge uhrtc sich gleich vorteilhaft ein. indem et den bedeutend schwerer n Holländer van der Rothen m 8‘ • Minuten durch bawxltcn ArmsaUgrifs bcitcgte. ^ack Lcwio Amerika kämpfte mit A pol 1 o n de kiokn'it- Belgien 20 Minuten unentschieden Während dcS 2 Ganges zog iidi bet Neger, bet beim Publikum schon miß liebig ist, vorn SchicdSgerichi eine Verwarnung zu. 3 Bet Warnungen iieben den Ausschluß nadi sich Zum Schluß Hegte Sulmaiioss, ein ehemaliger Jurist, über »'rarttet «Elsaß in 13 Minuten durch Uruecgnn von vorn mu Eindrücken dec Bcückr Heute MitM'och tilgen: Str. ngc ^Apollon bc Eollosst, Sui manofi-TiDoracicf unb Jack Lewis-Ftack4t. " Der Fall Reif. Die Straikammei hat befchloffen, den Schuhmacher Reis aus ©cimb bc« $ 211, alfo wegen vorsätzlichen DlordeS, anzuklagen. •• Ter Milteldeutsche Kaninchenzucht - Verband hielt am Sonntag in EsfecShaufen eine Delegier t e n v e r s a m m l u n g ab, bte sehr gut besucht war. Tie VerbandSauSstellung in Garbenheim würbe auf ben 18. April festgesetzt. ES wurde beschlossen, aiißnotjiuflweife auch die Deflügclzuchtvereme des Atcifefl Wetzlar zur Ptamiicrung zu- zulasten. Die AerbandSdiplome, golbeie und silberne Mebaillen sollen sofort am Tage der Slueftelhuig auSgeteilt ivetbni. * Anschließend an ben Telegicrtentag hielt Profesior Schmidt einen Vortrag über daS Verhältnis der Nager zum Menschen, über die Nützlichkeit des llaninchenS unb über bie Kaninchenzucht, die jedermann zu empfehlen sei. O lllein-Linden, 1. März. Zn unserer Gemeinde würben durch freiwillige Spenden für eine Kanz - unb 21 Harbecke 200 Mark, für Süditalien 25 Marl am gebracht. = Großen-Buscck, 2. März. Am 28. Febc. d. Z. veranstaltete die Stenographen-Gefellfchafl Gabels- bergerGießen gemeinschaftttch mit deni Stenographenoercin GabelSbecger-Grün berg einen 2lu6f lu ß hierher, um bei» ncußcgtüiibctcn hiesigen Verein einen Besuch abzustattett. Mitglieder der verschiedenen Vereine folgten durch bumo- rismche unb Gefangdoorträge dafür, daß bald die richtige Stimmung herrschte. 2luch der Tanz (am zu feinem Recht. Man trennte sich mit dem Wunsche nach öftecer ÜBiebec- holung solcher Zufammeulünfte. U BcrSrod, 2. Marz. Zm Zeichen deS oorlfchrittS steht auch unser kleines Dorf. Wafferleitung und Kanalisation wurden im Sommer 1908 erbaut unb jei,l wird bcc Anschluß on das Elektrizitatowe ck X! iu beeg erstrebt. Die Gcmembc will sich an ben Strang Lißberg— ^rünberg anschließen. -t. Stockheim, 1. Marz. Fn Ranstabt wurde vor einigen Tagen eine Ortsgruppe bes Deutschen Flotten- Vereins gegrünbet. Es soll demnadzst ein Vortrag gehalten werben über bas Tljema: „Warum muß Deutschland, eine starke Kriegsflotte haben?" — In Dauer nhc »m geriet am Satüstag der Cxiftwirt Schmidt beim .f'oUidineibcn m bie zkreisfage, bic ihm Tau men und ;ieiflcfuifler von bcc Hand trennte. Ter Mann mußte sich in die -ttinik nach Gießen begeh«!. K B. Darmstadt, 2. jebc. Tie Beisetzung ber beide» Opfer bec Rodelbahn am Samstag gründete sich reute uachnnltag zu einet aubecocbenihchen TiaueifiuiOgcbuiig. tzm den viihiani und 9tifion«pfa::er 5 i f e n | d) e t eine erschünernde Ttaiierrebe. Tann dewezie stch em langer Traurrzug zum Bahnhof. Hinter bem Reichen wagen. Der mu jatjUofen sträi^e» geschuiückt wat, tuurOe da« Reup e Del Pediotbeuen gestihet. Als Oec Sarg am tdütetbabnbef in oea Eisendabn oageu genüge t wurde, gab bie (f.irenpaxave üec 21c- nQecie ebcidaU« drei Ehrenfaloen ab. Tie Bci'etzung de» Bee ewiflien nnbex m Hennaniurdurg tu Harniover flau. Der Bee» licclene war em Sohn bc« Ersten ciaaieanroall« unb LoMbrnde« De» Bereui« ber Kunstfreunde ui Den Ländern am Rhem, De» uU- . cuncaii u. Neben in Vbten S-n!"7^ < rats wird streng gei Paris 3. 3. (BVa 4. Der Bürgermeister D% DS/3 B3/» Fürstlicho Obcrsörfterei. Gießen, den 26. Februar 1909. Großh. Hochbauamt Becker. Mehrere größere Lagerplätze Wie gedeckte Hatten llllö Stallungen idiort zu uemieten bei m Andreas Euler. Oregttral-DrKhtmeLdttirgen. Paris, 3. Aäarz. Der Matin meldet aus Belgrad: Der russische Gesandte in Belgrad begab sich gestern zu dem Minister des Acußerri, um freundschaftlich aus Serbien einzig wirken, damit die serbische Regierung auch weiterhin die bisherige ruhige und korrekte Haltung beibehalte. Jin Laufe des gestrigen Nachmittags fand ein Lkabinettsrat unter dem Vorsitz des Königs statt, der bis 7 Uhr dauerte. Das Ergebnis des Kabinetts- Rutz- und Brennholz-Lersteigcrung der Fürstlich Solms - Braunfels'schen Oberföcsterci Hungen in dem Distrikt Lollarer-Kovs bei Hcibertsbauseu. ES sollen versteigert werden: Ateitag den 5 März 1901), von vormittags 9 Uhr an: GO Fichten «stamme 9 bis 12 Mtr. lang, 12 bis 20 cm Durchm. — 9,84 Am. 770 FichlenDerbftangen 8 bis 12 Mtr. lang, 6 bis 11 ein Turchm. — 26,48 Fm. 3u Sparren, Lciterbäumcu und Baumstaugeu geeignet. 149 Rm. Buchen Reiser. Die 3uiammentunft ist am Heibertshäuser-Feld. Hungen, den 1. März 1909. Friedensaussichten nicht gewinnen roürden. Belgrad, 3. März. Der Matin meldet aus Casablanca: In Mazagan erhielt ein französischer Arzt einen! Dolchstich von einem fanatischen Araber, der die Flucht ergriff. Aus dem Süden des Schauja-Gebietcs wird große Aufregung unter den Eingeborenen berichtet. der Unterzeichnete. Tretö a. Lda., den 2. März 1909. Großherzogliche Ooerförsterei DrctS. Schneider. ft Ä 6™ ■ Rüsselsheim m. I I je W I Nähmaschinen, Ul ■ !■ Fahrräder, Motorwagen Man.verlange Preisliste. W» Gießener Strafkammer. )( G. iesten, 2. März. Wilderei im grasten Maststabe betrieben vier Bewohner von Lollar. Seit einigen Jahren fiel den hier wohnhaften Jagdpächtern der Gemarkungen Lollar, Taubringen und Alten-Buseck der geringe Wildstand auf und es bestand für sie keinen Zweifel, dal; in ihrem Revier unberechtigt gejagt wird. Von Schäfern, Gendarmen und den Jagdpächtern wurden mehrfach verdächtige schüsze gehört; man fand Schlingen, 'Aufbrüche von Hasen und Rehen und obwohl Leute in verdächtiger Weise auf dem Felde ge,ehen wurdeii, fehlte es an Anhalispunklen auf bestimmte -Lätcr, ms ttiu zweiten Weihnachtsfeiertage ein junger Mann von Alten- Buseck eine förmliche Treibjagd beobachtete. Er erkannte dabei den Taglöhner F. aus Lollar und setzte die Gendarmerre in Kenntnis, die zur Verhaftung schritt. Mrz darauf wurde auch sein Bruder, der Schuhmacher W. F. sestgenommen und aus Grund seiner Angaben wurde die Verhaftung der Hüttenarbeiter H. G. und D. R. verfügt. Im Laufe der Untersuchung legten sünttliche Beschuldigte Geständnisse ab, auf Grund deren noch der Wildbrethändler A. H. aus Atainzlar, an den das Wild abg^etzt wurde, in Untersuchungshaft kam. dbach den Angaben der^ Angeklagten wurde gewöhnlich der Sonntagmorgen zu der ^reib- jagd benutzt. H. F. begab sich auf den Anstand und liest sich das Betr.: Unterhaltungsarbeiten an staatlichen Gebäuden. Nachdem in den letzten Jahren eine größere Anzahl von Neubauten zu den seitherigen Gebäuden hinzugekommen ist und außerdem nach dem erstmaligen Auslosungsverfahren einige Meister infolge der großen Anzahl von Meldungen bis jetzt nicht zur Ausführung von Unterhaltungsarbeiten gekommen sind, erscheint eine Neueinteilung der Gebäude und Ncuaus- losung der Meister in dem Baubezirk I Gießen-Stadt begründet. Im Einverständnis mit Großh. Ministerium der Finanzen, Abteilung für Bauivesen, kündigen wir hiermit ge^ mäst Abs. 11 der Bedingungungen für die Bewerbung um die Unterhaltungsarbeiten in staatlichen Gebäuden und für die Uebernahme dieser Arbeiten die bestehenden Vertragsverhältnisse. Bekanntmachung betr. der Neuverlosung ergeht demnächst. Das ist eben eine böse Zeit, Frau Müller - jetzt nicht mehr Winter und doch auch nicht Sommer. Wer da nicht fest ist, hott sich leicht einen tüchtigen Knacks. Dem Himmel aber sei Dank — bei mir ist alles gesund. Ich habe stets Jays ächte Sodener Mineral-Pastillen im Haus und bei mir hören sie nie einen Husten und so recht erkältet jpid nur nie. Fays ächte Sodener sind eben wirklich kleine Wunderdinqer. Und billig: nur 85 Psg. die Schachtel, die man überall kaufen kann. Lassen Sie sich aber unter keinen Umständen irgend eine Nachahmung aufhängen, sondern verlangen Sie immer ausdrücklich die achten von Fay. (ss-/i Nutzholz-Versteigerung. Donnerstag den 11. März d. Js., von vormitt. 10 Uhr ab kommt im Saale des Gastwirts Will). Amend Hierselbst aus den Waldungen der nachbezeichneten Gemeinden folgendes Holz zur Versteigerung: 1. Klein-Rechtenbach. Nadelholz: 23 Stämme III. Kl. — 7,68 Fm., 54 IV. Kl. = 9,95 Fm., 17 Stangen I. Kl. u. 27 Nm. Nutzholz. 2. Weidenhausen. Eichen: 2 Stämme II. Kl. ----- 3,98 Fm., 3 III. Kl. ----- 1,84 Fm., 4 IV. Kl. ---- 0,92 Im. iu cheirn gehalten. Paris, o. Ääörz. Der Akafin meldet aus Casa- klärt, daß Serbien weder in direkte Verhandlungen mit Oesterreich eintreten noch von seinen Forderungen ablassen können werde, eine definitive Entscheidung über die letztere den Großmächten überlasse und erwarte, daß die Mächte Rücklicht aus die Lebensbedingungen Serbiens nehmen werden, da sonst die gedreht unb ut ihm hätten namentlich die Nationalliberalen sogar das absolute Budgewerweigerungsrecht der 2. Kammer be- tritten. Im Dezember 1908 hätten bann Regierung und Na- tiona(liberale wieder den Standpunkt vertreten, daß die 2. ttammcr das Budgetverweigeruiigsrecht habe. Es sei aber ein Fehler, zu glauben, daß diese Fragen maßgebend für die Einführung der direkten Wahl seien. Die 2. Kammer sei sich über eine ganze Reihe von Fragen nicht einig, so z. B. die Frage der Vermehrung der Hess. Städtemandate, der Kautelen bezüglich des Wahlrechts usw. In allen diesen Fragen seien namentlich die Nationalliberalen höchst unzuverlässig. Wenn die 1. Kammer in die Art des Wahlverfahrens zur 2. Kammer hereinreden wolle, so sei dies znrück- znweisen, denn cs gehe sie gar nichts an, wie die 2. Kammer gewählt werde. Zum Schluß erörterte Abg. Reh nocl) einmal das Verhältnis der Freisinnigen zu der nationalliberalen Partei; er erinnerte an die weitgehende Unterstützung der Nationalliberalen durch die Freisinnigen bei den Reichstagswahlen von 1903 und 1907 und wies darauf hin, daß man bei den Reichstagswahlen von 1912 indessen an den Stichwahltag in Alzey-Bingen denken solle. Schließlich forderte er zu eifriger Arbeit aus, daß der Wahlkreis Gießen 1912 das wieder werde, was er früher war, eine Hochburg des wahren Liberalismus. (Lebhafter Beifall.) Justtzrat Metz gab nach Tankesworten an den Redner seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß die Reichstagswahl im Jahre 1912 im Sinne der Ausführungen des Referenten vorgenommen werde. Er führte sodann aus, daß die Nachteile, die der Eisenbahnvertrag für Hessen im Gefolge hatte, einzig und allein den National- liberalen zu verdanken habe. Er verbreitete sich dann über die lMische Steuerreform, die bezüglich der Staatssteuern wenig Unterschiede hinsichtlich der Steuerleistungen gebracht habe. Drückend seien aber vor allem die Gemeindesteuern und bereit Reform sei dringend nötig. Sodann erinnerte Justizrat Metz daran, daß die Verfassungsreform von 1872, die die Adeligen aus der 2. Kammer brachte, ohne jedes Zugeständnis an die erste Kammer vor sich gegangen fei. Das sei auch jetzt wieder möglich, wenn Regierung und 2. Kammer vom rechten liberalen Geist erfüllt seien. (Lebl)after Beifall.) Prof. Urstadt wies auf die Unzuverlässigkeit der nationalliberalen Partei hinsichtlich der Wahrung der Volksrechte hin und betonte die Gefahr, daß die Verfassungsänderungen kommen könnten, ohne daß man das direkte Wahlrecht behalte. Dem könne man vielleicht durch einen allgemeinen Petitionssturm an die 2. Sammer begegnen. Weiter regte er eine das Verhalten der Nationalliberalen in Bingen-Alzey mitzbilligende Resolution an, sowie eine Sympathiekundgebung für Korell. Schließlich forderte er ebenfalls zur eifrigen Agitationsarbeit auf, damit die Stadt Karl Vogts und der Wahlkreis wieder entschieden liberal würden. (Lebhafter Beifall.) Justizrat Metz unterstützte die Anregungen des Redners und forderte namentlich die jüngeren Kräfte zur Mitarbeit auf. Abg. R e h hielt es für ausgefchlassen, daß die von der Regierung vorgeschlagenen Verfassungsänderungen ohne die Wahlrechtsvvrlage Gesetz werden könnten. Er glaube übrigens nicht, daß die Nationalliberalen heute noch dem sag. Glässing'schcn Kompromiß zustimmen würden, denn sie hätten bei dieser Preisgabe von Volksrechten von den Neuwahlen schwere Verluste zu befürchten. Sie sowohl wie die Bauernbündler fürchteten die direkte Wahl, sonst wäre es nicht begreiflich, daß viele von ihnen der von der Regierung unter allen Umständen geforderten Vermehrung der Städtemandate widerstrebten, die durch die Entwickelung durchaus notwendig sei. Nach iveiteren Mitteilungen von Oberlehrer Klein und Stabtv. Tr. Ebel, der sich namentlich über Organisationsfraaen verbreitete, wurden die bereits gestern mitgeteüten beiden Resolutionen einitimmig angenommen und ebenso ein an Pfarrer Drrell zu schickendes Begrüßungstelegramm einstimmig gutgeheißen. Abg. Reh über die politische Lage m Hessen. Die Monatsversammlung des freisinnigen Vereins am Montag im (£üfe Ebel war außerördentlich gut besucht. Auch eine Anzahl Damen waren erschienen. Der Vorsitzende, Justizrat Metz, er- i öffnete die Versammlung, indem er namentlich die Mitglieder, . bce ieitljerigen nationalsozialen Vereins, die in den freisinnigen i Verein übergegangen sind, herzlich willkommen hieß zur gemein- : famen Arbeit. Sodann widmete er dem verstorbenen Parteiveteranen Kommerzienrat !>loch einen herzlichen Nachruf. Tee Versammlung ehrte dessen Mdenkeu. durch Erheben von den Sitzen. Ter Redner des Abends, Landtagsabg. Justizrat Reh, ergriff bann, mit lebhaftem Beifall begrüßt, das Wort zu seinem Vortrag über die politische Sage in Hessen. Ausgehend von ba Fusion des nationalsozialen Vereins mit dem freisinnigen Verein betonte er die Notwendigkeit des Zusammenschlusses aller wahrlmft liberalen Elemente Hessens zum Kampfe gegen die Reaktion die bei uns leider durch eine sich liberal nennende Partei, die nationalliberale, verkörpert werde. Wie seiner Zett bei der ö-ragc der Bestätigung sozialdemokratischer Beigeordneter habe die Auslieferung des alten liberalen Wahlsitzes Alzey-Bingen an^das Zentrum gezeigt, daß die Nationalliberalen Hessens feine e>pur von Liberalismus mehr haben. Ihr Vorsitzender, Abg. Tr Osann, habe zwar in diesen Tagen große liberale Worte in der Kammer gesprochen, aber den Verrat an der liberalen Sache in Bingen- Alzey habe er durch sein Schweigen gebUligt. Dieses illiberale Verhalten der Nationalliberalen werde bei den nächsten Reichstagswahlen 1912 jedes Zusammengehen mit den National liberalen ausschließen, indes, auch in Gießen (lebhafter Beifall), es fei denn, daß diese den freifinnigen Kandidaten unterstützen wollten. Sodann erörterte der Redner die schlechte Lage der hessischen Finanzen, die hauptsächlich in den Mmdererträgen der hessisch-preutzi,chen Elfenbahngemeinschaft begründet sei. Bedenklich sei namentlich auch das Wachsen der hessischen Staatsschuld, die nunmehr lo Millionen an Zinsen erfordere. Tie Herstellung des Gleichgewichts im Staatshaushalt sei mir möglich durch die Verwendung früherer lleberschüsse und Heranziehung des Ausgleichssouds. Auch die Stempelsteuer-Einnahmen seien um 700 000 M. zurückgegangen. Ta die Einnahmen des hessischen Staates nicht toejentlief) erhöht werden können, müsse man überall die größte Sparsamkeit malten lassen. Tie bis jetzt vorgeschlageneu Befserungsmittel, Einschränkung des Beamtenapparats und Erhöhung des Schulgeldes an den höheren Schulen könnten im besten Fall einige Hunderttauiende erbringen, während es sich bei dem Fehlbetrag um Millionen bandle. Der Redner besprach sodann Den hessisch-preußischen Eisenbahnvertrag im Sinne der betaiuücn Grooß'schen Broschüre Danach wird die hessische Teilungsziffer auch heute noch nach den durch die preußischen Verkehrsumleitungen gewaltsam herabgedrückten Reinüberschüssen der hessischen Bahnen berechnet, so daß in 10 Jahren Hessen 33 800000 M. zu wenig empsing. Aet Verkehr nimmt jetzt wieder feinen natürlichen Weg über bk hessischen Strecken, unb Hessen mußte erheblickje Aufioendmigen machen, um bicfeii Verkehr bewältigen zu können, ohne baß sich die hessische Teilungszifser wesentlich erhöhte. Deshalb sei die Forderung einer Revision des Gemeinschaftsvertrags berechtigt und man dürfe wohl von Preußen erwarten, daß es angenchts dieser offenbaren Ungerechtigkeit in eine Revision des Vertrags im Sinne einer Aenderung der Teilungsziffer willige. Leider sei bis iefct in dieser Beziehung gar nichts geschehen. Eine wichtige Frage sei ferner die Neuordnung des Gemeinbesteuerwesens, bic durch die Reform bet Staatssteuer bebingt sei. Tie 1904 von der 2. Kammer einstimmig angenommene Reform sand nicht bic Zustimmung ber 1. Kammer unb es ist zu befiirchten, baß bic zu eriuartenbc neue Vorlage ben Wünschen ber 1. Kammer entgegen- tommc. Eine wichtige Frage sei bann die Wahlrechtsreform. Die birettc Wahl würbe von ber 2. Kammer mit immer fteigenbcn Mehrheiten gefordert, zuletzt gegen 4 nationalliberale Stimmen. Wenn man in ber Sache noch nicht Wetter gekommen ist, so lag dies vor allem an dem Widerstand der 1. Kammer, die als Käutelcn für die Einführung der direkten Wahl die volle Gleichberechtigung der 1. Kammer mit der 2. Kammer hlnfichtttch des Bndgctrechts unb eine Erweiterung ihrer Rechte bei ber Steuergesetzgebung forbert. Die Regierung ging in ihrer neuen Vortage zwar nicht so weit, kam aber doch ben Wünschen ber 1. Kammer im wetten Maß entgegen. Tas von ber Regierung der 1. Kammer in ber Vorlage zugebilligte Recht, über die einzelnen Bubgct- vofttionen absttmmen zu können, wurde von den Freisinnigen abgelehnt, da man zu einer Erweiterung ber Rechte der 1. Kammer nickst einwilligeu könne. Auch ber Abänberung bes Artikels 7o der Verfassung, ber bei Durchstimmung beiber Kammern über Gesetzesvorlagen anstelle ber einfachen Mehrhett bie Zweidrittelmehrheit vorsah, kann bic freisinnige Partei Nicht zustimmen, da damit die jetzt vorhandene Rdöglichkcit, daß die 2 Stanuncr auch gegen ben Willen ber 1. Kammer Gesetze annehmen könne, in Zukunft, nicht mehr vorhanben fei. Im Jahre 190a habe bie ganze Kammer biefen Stanbpunkt geteilt, eben) o auch noch 190 <. Im Jahre 1908 hätten aber alle Parteien außer ben Sozialdemokraten und Freisinnigen diesen Standpunkt verlassen und auch bie Regierung fei in dieser Frage vor ber 1. Kammer zuruek- gewichen. Der letzte Lmibtagswahlkampf, habe stch nm diese. Fragcii Holzverfteigernngen. Mont^dcu 8^März^ vornlittags non 0'^.Ubr ab. aus den Distrikten ■öaimbuch, Buchwald k. : stamme: Elche 3. AL (43 cm Mittendurwrn.» 1 Stück — 0,41 Fm., . 4. 3 Stuck 1,19 Fm.; Tcrditangen: Fichte 1. Kl. 2 ^tud knüvvcl, Rm.: 8 Kiefer; ferner an Brennholz-, «»eiter, Rnu. 2A Buche, 16 Eiche, 28Kiefern (rund); Knüppel. Rm.: 6b Buche, 60 Eiche, 2 Asve, 242 Kiefer; Reisig. Rvi.: 470 Buche, 533 Kiefer, 240 Fichte; Stöcke, Rm: 20 Buche. 8 Eiche, 29 Kiefer. Das zerstreut fitzende Dürr- unb Wmdsallholz wird nicht oor- gezeigt. Zusammenkunft am Eingang des Dtttr. Hambuch. Dienstag den 9. März, vormittags von 10/« Hbr ab, aus den Distrikten Scheid c u. b und Todtenberg a: stamme. Elche 1. Kl- (61 cm Mittendiirckm.i 1 Stück - 0,70 Fm, 2. Kl-^o0-o9 cm) 2 Stück - 1,17 Fm, 3. Kl. (40-49 cm) 2 ^turt - Lto Fni., 4. Kl. (30-39 cm) 3 St. -= 1,32 Fm; Kiefer 3. Kl. (30-39, ern) 6 hatterui 9 Laufrauen, 2 Laufmädchen, 1 Fllcksrau, 2 Waschrrcuien, 1 Kinder- fräulein, 1 Hausmädchen. . t , Lehrlinge: 1 Schlaffer, 1 Enendreher._____________________ 1 II. Kl. — 1,74 Fm., 1 III. Kl. ---- 0,54 Fm. und 32 Rm. Nutzholz. Buchen: 3 Stämme II. Kl. — 4,50 Fm. u. 11V. Kl. — 0,99 Fm. Nabelholz: 18 Stämme III. Kl. = 10,91 Fm., 16 IV. Kl. = 2,98 Fm., 145 Stangen I.—III. Kl. und 18 Rm. Nutzholz. 5. Vollnkirchen. Eichen: 8 Stämme II. Kl. -----14,62 Fm., 10 III. Kl. = 6,41 Fm. und 7 Nm. Nutzholz. 6. Hochelheim. Eichen: 6 Stämme II. Kl. = 10,39 Fm., 1 III. Kl. ------ 1,23 Fm. unb 3,5 Rm. Nutzholz. Die Herren Förster Müller-Niederkleen, Both-Bollnkirchen unb Schüler - Klem-Rechtendach werben die Hölzer auf Verlangen den Kauflustigen zeigen und nähere Auskunft erteilen. Groß-Rechtenbach, ben 1. März 1909. 2 Rm. Nutzholz. Hörnsheim. Eichen: 5 Stämme II. Kl. ----- 8,99 Fm., 20 III. Kl. ----- 13,64 Fm., 2 IV. Kl. ----- 0,52 Fm. und 2 Rm. Nutzholz. Lützellinben. Eichen: 2 Stämme I. Kl. — 11,19 Fm., Ardeitsvergebung. Die Einrichtung einer Zentralheizung in dem neuen zweitLassigen LÄulhause zu Lollar soll im Wege öffentlichen Angebots vergeben werden. Die Angebotsunterlagen liegen auf dem Büro des Unterzeichneten, Zimmer Nr. 18 während den Dien|tstunden zur Einsicht der Interessenten offen, auch sind dieselben von dort gegen Erstattung der Selbstkosten erhältlich. Angebote mit ErläuterimgSbericht sind nut entsprechender Aufschrift versehen, verschloffen und portofrei bis spätestens Montag den IS. März d. I., vormittags 10 Uhr auf Großh. Bürgermeisterei Lollar einzureichen. Die Ausführung der Anlage hat im Monat Ium d. I. zu erfolgen. Gießen, den 23. Februar 1909. Der Großh. Kreisbauinspektor des KreiseS Gießen. B24Z> I. B: K albfleifch. Wild von den andern zutreiben. Soweit bic Beute nicht gleich geteilt würbe, fand man Absatz bet H., ber für Rebe 6—8 Mark bezablte, mährenb ihm bic Hasen für 2 Mark überlassen wurden. Die Pirschgänge, die H. F. Werktags vvrna'.,.n, waren auch sehr ergiebig: fcftgcftelltcrmaüen wurden im Oktober nnb November l. I. an H. 15 Hasen nnb 7 Rebe abgefetzt, abgegeben von dem) selbstkonsumierten Wilde. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß bedeutend mehr Wild erbeutet wurde, als die Angeklagten zuge-- stehen: auch dürften mißcr H. F. auch andere Wild erlegt haben, wofür ber Erwerb mehrerer Gewehre spricht. Trotzdem mehrere ber Angeklagten im letzten Herbst außer Arbeit waren, besaßen sie Gelbmittel, woraus geschlossen werben mußte, baß sie bas Wilberil gewerbsmäßig betrieben. Bei H. F. würbe ein Geivehr und ein blutiger Rucksack beschlagnahmt, dabei sand man einen größeren Vorrat von Draht, ber mit ben auf bem Selbe gefunbenen Rehfchlingen übereinftimmte. Ten Tratst will F. aber zum Binben von Neisigwellen benutzt haben unb er bestritt, Schlingen gelegt zu haben. Zugestandenermaßen hat H. F. einen unwiderstehlichen Hang zur Jagdausübung: er fühlt sich erblich belastet, da sein Vater unb Großvater Wilberer waren unb auch sein Urgroßvater leibcnschaftlicher Jäger war. H. gestand zu, gewußt, zu haben, baß bas von ihm erworbene Wild mittels strafbarer Handlungen erlangt war. Für das Gericht stand fest, baß bezüglich aller Angeklagten Gewerbsmäßigkeit vorliegt. Strafcrschwerenb kam bie lange Zeit ber unberechtigten Jagbausübung in Betracht. H. F. würbe zu 2 Jahren Gefängnis unb G. zu 1 Jahr 3 Mo^ naten verurteilt unb beiben die bürgerlichen Ehrenrechte auf 3 Jahre ab-iejprochcii. W. F. bekam 10 unb N. 6 Monate Gefängnis. Allen Angeklagten würben 5 Wochen Untersuchungs' haft angerechnet. Da auf gewerbsmäßiger Hehlerei Zuchthaus ruht, ttaf H. bie härteste Strafe, nach Ansicht bes Gerichts mit Recht, benn hätten bie Wilberer keinen Absatz gefunben, so würbe sich bie Lust am Jagen boch geminbert haben. Es würbe bie Minimalstrafe von 1 Jahr Zuchthaus für genügenb erachtet unb ihm bie bürgerlichen Ehrenrechte auf 3 Jahre aberkannt. Ein Monat Untersuchungshaft würbe auf bie Strafe angerechnet. Dos bei F. beschlagnahmte Gewehr unb ber Rucksack würben ein- gezogen. _ ___ Voraussichtliche Witterung für Hesse» am Donnerstag dem 4. März: Fortdauer des mäßigen Frostes. Veränderliche Be- wölkuiig. Vereiiuelt Schneestille, NörC'liche Winde. Grüber frei#- Veib) Trletboe *44 ÄUiBteritr. 3•-»* ir roirb sicher tto2dmafß unb ba» übrige ramm, ausrrbtm tum 1. Avril au ötrm. «156 Vubroiaüi «i. II. tdbet fidber Rovlläule und deren Brut Gl. SO luiruu. suuni. «mRvv vcb. dcufl, Lollar. I u. OltiS an den Ukcfc IUu. erd. Veth niiff. fiiiiif-05crmije Vcischredcues 311 ucrmictrn (Offene Strürii $tclkhe(fl>elitdir n der Wabelbbcrget Dteno- nrapble wirb Damen und Herren iftntntt frei! ein C. 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