E?w8=n3..8« Erstes Blatt ISS.Jahrgang Mittwoch 3. Februar 1S0S erscheint täglich, außer X Äfc Bezugspreis: Sonntags. - Beilagen: "Jr 1 2 ▼ ▼ monatlich75W„ viertcl- viermal wöchentlich M A A HKL W A A A Ak Ak A jährlich Mk. 2.20; durch GietzenerKamilienbiätter; M MM M WW /WÜV W W O 4> A MG Abhole- u. Zweigstellen “^©Ivnv HCl ZlHulün wirlschasUicheSeitsrage« M W W D M 'S®'' Zeilenpreis: lokal I5Ps^ Fernsprech. Anschlüsse: Illi »dW’^F V tA V ▼ auswärts 20 Pfennig hie die Redaktion 112, XSfl^SÄr Verantwortlich ZM General-Anzeiger für Oberhefsen WW Annahme von Lnze.ge« V * ’ •II u. Land" und »Gerichts- bis totmtaagTaTt)” ßotafiottsbnttf mti> Verlag dervrühl'schen Unlv.-Vuch- und Skinörudmi B. fange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schuiftratze 7. 25<6 Millionen Mark, so hoch beziffert sich nach einer Berechnung von William Bohd- Carpcnter, in der Münchener Allgemeinen Zeitung der gesamte Handelsverkehr zwischen dem deutsä-en und dem britischen Reiche. DaS entsprillst nach weiteren Berechnungen dieses Engländers, der als Autorität auf dem Gebiete der Sozial- und Wirtschaftspolitik gilt, nicht weniger als 1273 Millionen Mark jährlicher Arbeit^ lohne au die Arbeiter beider Völker. Yftdyc als 2 Millionen Mark pro Tag. Aus diesen gewaltigen Ziffern ist ohne weiteres zu ersehen, wie lebhaft die Handelsbeziehungen beider Sänber sind uns man sollte eigentlich meinen, daß schon das Handelsinteresse beide Völker einander näher bringen müßte. Das ist, wie man weist, nicht der Fall. Mle Wionarchenbesuche und schönen Reden, von der deutsch-englischen Stammesvcrwandtschast und der deutschen aufrichtigen Friedensliebe haben es ebensowenig vermocht, wahrhaft freundschaftliche Beziehungen zwischen Deutschland und England herbeizuführen wie die zahlreichen Besuche von Pastoren und Journalisten und dergl. mehr. Bis in die jüngste Zeit hinein ist es so geblieben, und wenn wir im Deutschen Reiche in den letzten Wocl)en und Monaten weniger vfsenkundige Unfreundlichkeiten von England ans erfahren haben, so ist das an sich noch kein Symptom der Besserung. Boyd-Carpenter meint, die ungeheure Summe täglichen Arbeitsverdienstes, die sich aus dem deutsch-englischen Handelsverkehr ergebe, würde von den Skribisaxen aus beiden Seiten der Mrdsee durch Verbitterung der Beziehungen znnschen beiden Ländern gefährdet. Das ist unzweifelhaft richtig, aber die psychologischen Gründe hierfür hat Boyd-Earpcnter leider nicht untersucht. Denn das ist doch klar, dast keine Zeitung aus reiner Bosheit ihre Hetze betreiben wird. Sie verlöre gar bald ihre Abonnenten, wenn sie sich mit den Ansichten ihrer Leser in Widerspruch setzte. Ein hervorragend begabter Verleger oder Redakteur wird freilich in mancher Beziehung das Publikum beeinflussen können, aber dieser Einflust geht doch nicht so weit, eine im ganzen Publikirm verbreitete Meinung umzustoßen. Darum ist jede Zeitung, welck>er Richtung sie auch angehören mag, im Grunde genommen nur das Sammelbecken der Meinungen eines bestimmten Kreises, das Sprachrohr für diesen Kreis. Wenn man also die Miststimmung verstehen will, die zwischen Deutschland und England nun einmal herrscht, dann wird man andere psychologische Momente heranzichen müssen. Sehr interessante I-ingerzeigc gibt in dieser Beziehung eine soeben im Eclair veröffentlichte Artikelserie über „Tas unbekannte England". Der Verfasser, der unter dem Pseudonym Wawerley schreibt, soll ein höheren Kreisen angehöriger Engländer sein. In dem erften seiner Artikel sagt er den franzö- sijä>en Freunden sehr derbe Wahrheiten. Man tut gut daran, auch bei uns auf diese Wahrheiten zu achten, denn sie erschließen das Verständnis zu Manchem, was auch uns bisher an den Engländern und ihrem Verhalten zu uns unbegreiflich war. Rur auf zwei Punkte richtet sich nach WaverleyS Meinung das Interesse jeder Nation in ihrer auswärtigen Politik: Auf die eigene Verteidigung und auf die eigene Vergrößerung. lind von diesem Gesichtspunkte aus kommt der Engländer zu einem Urteil, das für die Franzosen eine bittere Wahrheit und Erkenntnis enthält. Er erklärt die entente oordiale, so wie man sie von französischer Seite verstanden hat, für den größten politischen Fehler, der seit 1870 begangen worden sei. Er sagt offen, dast Frankreich 1904 trotz der für es so schimpflichen Jasck>adoniederlage und trotz der schlimmen Winkelzüge | während der südafrikanischen Krieges in einer politisch so günstigen Söge gewesen sei tote nie zuvor. England und Deutschland seien damals in den Kampf um die Vorherrschaft zur See und um den Vorrang im Wellhanoelsverkehr eingetreten, und England habe den Beistand Frankreichs unendlich nötiger gehabt als umgekehrt Frankreich die Hilfe Englands. Auch heute noch werde England mit und ohne Entente von der Geipensterfurcht der beutfdycn Invasion gepeinigt; diese Besorgnis spiegele sich in allen Zeitungen, Unterredungen der Staatsmänner unb. Generale und in Privatkreisen wider. Wie aber, wenn England nicht nur von der däordsee Ijcr, sondern auch an der ftanzösischen Küste das drohende Gespenst des Einfalls hätte auftaucl>en sehen? Die gebieterische Notwendigkeit für England, den „festländischen Soldaten" zu finden, den es zu allen Zeiten seine Kämpfe habe ausfechten lassen, die Unmöglichkeit, ihn anderswo als in Frankreich zu suchen, l-abe damals Frantreich eine ganz hervorragende Stellung verliehen. Es Ulte stolz sein und seine Bedingungen stellen können, sie wären angenommen worden. Es hätte dazu keiner besonders klugen Staatsmänner, keines Talleyrands und keines Metternichs bedurft, es hätte nur zuzusehen und abzuwarten brauchen. Statt dessen sei der erste Eröffnungsversuch der eng» Ufdjcn Regierung gleich begeistert Uno bunfoat auigtiuaiimen ivor» den. Die begeisterten dankbaren Franzosen feen dieselben Leute gewesen, die die Schmach von Faschioda erlitten, die ohne ein Wort des Widerspruchs geduldet hätten, dast ganz England aus allen Kräften jahrelang auf die luftigste und grvo>te Weise g-rank- reich, fein Heer und seine Behörden beleidigte und sogar so weit ging, die Sperre der Ausstellung im Jahre 1900 ins Werk zu setzen. Das smd, meint Waverley, wahrlicy zu schnell vergessene Zeiten: „England ist vor allem im reinsten Sinne des Wortes konservativ. Es hat keinen lebhaften, schnellwechselnden Charakter und änbert nur sehr schwer seine Gewohnheiten, seine Ge- bräuclje, seine Handlungsweise und seine zäh haftenden Gedanken. Seit 800 Jahren hat das englische Volk einzig und allein ein Gefühl der Verachtung, des Hasses und der Furcht gegen Frankreich gehegt." Es wäre töricht und hieste England ganz und gar verkennen, wenn die Franzosen glaubten, dast dies vor kurzem noch so lebheft gezeigte Gefühl aus dem konservativen Gerste des englischen Volkes spurlos verschwunden sei, blost weil Herr Teleassö in der Downing-Street seine Reverenz gemacht und König Eduard nacheinander Herrn Loubet und Herrn Falliöres in den Arm genommen habe. Aus dieser übertriebenen Freund- schaftsbeseugung gehe nur hervor, welche Besorgnis England für seine Stellung in der Welt empfinde. Den, Engländern aber, die nur die Starken achteten, hübe di e Haltung der französischen Vermittler der Entente im Grunde nur Verachtung eingeflößt. Als Ge- schäftsvvlk hätten die Engländer es wohl verstanden, wenn Frankreich seine Dienste um einen hohen Preis ihnen verkauft hätte, der Preis wäre bezahlt worden. Jetzt aber, wo Frankreich sogar noch selber zuzahle, hätten die Engländer für eS das Gefühl b c S geriffelten Händlers in petto, der einem harmlosen Kundendie „gute" Ware aufhänge. Für die sransösischen Staatsmänner, die aus Frankreich eine Art Vasallen Englands gemacht hätten in der eiteln Hoffnung auf einen Schutz, den jenes nicht gewätzreir könne, findet Waverley die bittere Bezeichnung Lakaien Englands. Auch für uns int Deutschen Reiche liegt der Schluß nahe, dast alle unsere Freundschaftsbeweise für England, vvm Feldzugsplane des Kaisers und der Dekorierung des Lords Roberts an rNuWeft der Akademischen Gesangvereins und der ttsnzertvereinr. i. Kr. lAm 19. Februar 1 verden 90 Jahre verstrichen fein, seit Dr. Ferdinand Simon Gastner in Gießen den gemischten Chor bildete, aus dem der „Akademische Gesangverein" erwachsen tft Ter Verein möchte diesen wichtigen Abschnitt seiner Ge- schichte nicht ohne gröbere Feier lassen, und seine fteundschasttichen Beziehungen zum „Gießener Konzertverein" ermöglichen es ifrm, die geplante Feier zu einem Musikfest auszugestalten, wie es Gießen noch nicht erlebt hat. An drei Abenden, dem 14., 16. imb 18. Februar, sollen gröbere Aufführungen stattfinden. Im Mittelpunkt steht Beethovens Messe, den Schluß bildet Schumanns Manfred. TaS erste Konzert bringt ein gemischtes Programm. Ter Einführung in dieses Konzert sollen unsere heutigen Bemerkungen dienen. Beethovens „Phantasie für Piano mit Orchester und Chor, Op. 80" eröffnet es. Eine Jubiläumsaufführung, denn am 22. Dezember 1808, also vor 100 Jahren, wurde das Werk zum erstenmal öffentlich zu Gehör gebracht. Beethoven selbst spielte das Klavier. Ueber die Schicksale des WerV in der Öffentlichkeit ist wenig bekannt. In Kretzschmars Führer durch den Konzertsaal wird eS nrerkwürdigerweise nicht analysiert. Das sieht beinahe wie Nichtachtung aus, die doch diese echt Beethovensche Schöpfung gewiß nicht verdienen wurde. Für jeden Musikfteund um ihrer selbst willen reizvoll, erweckt sie ein besonderes Interesse dadurch, daß sie uns die Erinnerung an den erst 15 Jahre später entstandenen Schlußsatz der 9. Symphonie förmlich aufzwingt. Nicht nur, daß das Hauptthema *) sich mit dem berühmten Thema der neunten so nahe berührt, daß man bei diesem nur von Umformung desselben Tongedankdns reden kami, sondern Grundidee und nrusikalischer Aufbau sind bis in bie Einzelheiten vergleichbar; nur trägt, was in der Symphonie in£ Grandiose gesteigert ist, in der Phantasie leichteren und lieblichen Charakter. Träumend sitzt der Dichter am Klavier, A^>errd gleiten die Finger über die Tasten. Bald formt sich die Melodie eines Adagios, von phantastischen Arpeggien unb glitzcrn- ben Läufen umrankt und bald überwuchert. Da wird das Selbstgespräch unterbrochen. In gehaltenem Allegro setzt der Baß der Instrumente ein. Es ist wie eine lei je Frage, die er an den Träumer richtet. In die Zwiesprach mischen sich die anderen Saiteninstrumente. Nun bringt, nach kurzem Zwischenruf von Oboen und Hörnern, der wie eine Aufforderung klingt, das Klavier das Thema, ein fröhliches, knapp gestaltetes Rttornell. Tie Flöte, vom Horn begleitet, übernimmt's. Ihr folgen die Oboen, dann die Klarinetten, schon in heitern Variationen, bei denen das drollige Fagott sekundiert. Nun gesellen sich auch die Streicher dazu, ober vielmehr, als sie die Bogen ansetzen, unb zwar zunächst nur einer aus jeder Stimme, da schweigen die Bläser, unb schweigt auch bas Klavier. Ader nicht lange bauert"5, bann ist der Chor der Instrumente entfesselt, und mit reichen Figuren läßt auch das Klavier sich wieder hören. Noch einmal überläßt der Dichter sich dem Sinnen: in einem weichen Adagio, das mit dem Hauptthema Fühlung hält, spinnt er seine Gedanken weiter. Da, lebhafte Marschtöne bei den Bläsern, Llllordc der Stteicl>er. Der Spieler horcht auf, mischt sich ein. Bald hat er die Führung. Mit originellem Einfall bringen die Bässe noch einmal das ftagende Thema. Jetzt eine kurze Ueberleitung, daun setzt, wie in der Symphonie, die menschliche Stimme ein, das Jnstrumertt, benf es gegeben ist, des Dichters Träumen zu reinster Gestaltung in melodischem Wort?) abzuklären: „Schmei- djelnb, hold unb lieblich klingen uns'res Lebens Harmonien, und dem SchSnheitssinn entschwingeu Blumen sich, bie ewig dluhftl", und wie es in sechs Strophen, im Geschmack an Schillers Ode erinnernd, weitergeht. Immer voller wird, bet verhältnismäßiger Einfachheit der musikalisck)en Umschreibung, der Chor, breit ausladend gegen das Ende, ganz an ?Rozarts Art erinnernd. Das Klavier hat öfter paufiert, noch öfter mitgerebet. Zum Schluß, nachdem die Stimmen verklungen find, eilt es, von den Jnstrunmnten begleitet, hinauf zu den höchsten Höhen. Bei der Erstaufführung geriet int Chorsatz das Orchester ins Schwanken. Beethoven, empfindlich wie immer, sprang auf, rief Halt und ließ den Satz noch einmal beginnen. Diese Jubiläums- erirmerung braucht sich nicht zu wiederholen. Herr Kapellnteister Reich wird sckwn dafür Sorge tragen, daß Herr Professor T r aut- rn a n n, der durch Uebernahme des Klavierparts seinem Verein die schönste Jubilüumsgabe darbringt, sich seiner schwierigen, dankbaren Aufgabe mit ungeteilter Aufmerksamkeit widmen kann. Nur ruhen darf er nicht, wenn er den letzten Ton gespielt hat. Jetzt gilt's am Dirigentenpult Erika Wedekind begleiten, die Nachtigall mit beu zierlichen Trillern und den perlenden Passagen. Ter leichte ttalicnisckie Gesartg soll den bei aller Frohheit doch schwerfälligen deutschen ablösen. Und bann kommt der Höhepunkt. Mozarts Figaro wird uns für wenige Augenblicke — so rasch rauscht die Ouvertüre vorüber — die Wonnen gottbegnadeten Künstlertums nacliempsinden lassen. Darüber braucht hier nichts gesagt zu werden, und auch bie Lieder, die uns Frl. Wedekind spenden will, mögen für sich selber reden. Nur von Der Sclüußnummer des Programms noch wenige Worte. Mit der Aufführung von Mendelssohns italienischer Symphonie wollen die Vereine hem Metster ihre Tankesschutd ab tragen, dessen Jahrhundertfeier wir am 3. Februar begehen.3) Wer heutzutage Mendelssohn bat Großen an die Seite ruckt, bis zu den jüngsten offiziellen Besuchen, wohl das (Gegenteil von dem erreichen ließen, >vas wir erwartet barten. Jetzt steht der Besuch des englischen KönigspaareS in Vertin bevor. Hüten wir uns davor, diesem offiziellen Besuche allzugroße Bedeutung bet- zulegen unb vergessen wir doch in unserem Verkehr mit den Engländern bei allen Freundschaftsbeteuerungen nie das geschäftliche, das Prinzip des dv ut des. Das widerspricht biellcidjt unserem deutschen Idealismus, muß aber fein. E. ÄÜ 21 «5 StaOt und Land. Gießen, 3. Februar 1909. * Ordensangelegenheit. S. K. H. der Groß- Herzog haben dein Staatsunnister und Minister der Jttstjz Lr. Karl Ewald und dem Minister des Innern Dr. Dr.- Jng. Ernst Braun die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihnen vom ftönig von Preußen verliehenen KronenordenS 1. Klasse erteilt. •• Natalie Lie bknecht, die zweite Gattin' deS verstorbenen Führers der Sozialdemokratie Wilhelm Liebknecht, ist gestern in Berlin gestorben. Die Verstorbene war die Tochter des Hof- und Gerichtsadvokaten Reh in Darmstadt, eine Verwandte des bekannten Freiheitsmannes Pfarrers Weidig aus Butzbach bezw. Obergleen bei Kirtorf und Schwester des jetzigen Landtagsabgeordneten für Alsfeld, Rechtsanwalt Reh daselbst. Sie ist 69 Jahre alt geworden. •• Ein Jubiläum. Am Freitag, 29. Jan., hatte sich eine stattliche Zahl neuer Schülerinnen — auch früherer — der Alice-Sch ule nebst ihren Angehörigen auf der LiebigS- höhe versammelt, um das Jubiläum der 20jährigen Wirksamkeit der Vorsteherin dieser ?lnstalt, Fräulein Oberlehrerin Möser, zu feiern. Frau Geheimrat Gebhardt eröffnete die Feier nut einer Ansprache. Dian fand sich bald in frohester Stimmung bei Kaffee und Kuchen zusammen und die anspruchslosen Darbietungen der jungen Damen trugen zum Gelingen des Ganzen ihr wesentlichstes bei. Frl. Clol; und Frl. Kutscher überreichten als .Vergangenheit und „Zukunft einen prächtigen Blumenkorb und eine wertvolle Radel, und taten ihr Bestes, um zwei Theaterstückchen, von denen im zweiten hauptsächlichFrl. Zö'rb, Frl. E. Kutscher und Frl. Velten für den Erfolg sorgten, zum Gelingen zu verhelfen. Frl. Li st mann und Frl. Letz in g füllten die Pausen zwischen- den beiden Stücken durch eine temperamentvolle Wiedergabe von Keler-Aelas Lustspielouoerture für Klavier zu 4 Händen aus. An die abwechslungsreichen Darbietungen, deren geschicktes Arrangement öaS Werk von Frau Siegel war, schloß sich ein Tänzchen. ** Frauertpfkichleit iu der Mäßigkeitsbewc- gung. Der am 1. Febr. im Eiithornsaale von Frau Prof. Götze aus Braunschweig gchaltene Vortrag über soziale Frauenpflichten in der Mäßigkeitsbewcgung erfreute sich eines zahlrciä)en Bcfuck)s. Die Rednerin gab zunächst einen kurzen llcbcrblid über Ursprung und Entwicklung des Gc- danketts, die Frau aus dem engeren Kreis der Familie in eine öffentliche soziale Tätigkeit herausttöten zu lassen. Eine besondere Aufgabe habe sie zu erfüllen in der dem Verständnis! riskiert freilich, daß ihn der Musikverständige ob seiner Zurückgebliebenheit hart a^tläßt. Wir werdeit ja sehen, wer Recht behält. Mit stillenl Vergnügen kann man es sclwn jetzt verfolgen, wie die Konzertberichle, die von Säkularaufführungeil Mendels- sohnfcl)er Werke erzählen, auf den Ton gestimmt sind: wir hätterr doch nicht gedacht, daß so viel dahinter sei. Es müßte doch auch mit merkwürdigen Dingen zugeyen, wenn diese quellende Melodik, dieser fesselnde Rhythmus, diese sieghafte Tonsprache nicht mehr den Weg zu unseren Herzen finden sollte. Gerade diese Vorzüge sind nun in der ^-äur-Symphonie allen erkennbar vereinigt. Ich möchte daraus wetten, daß Jeder, der sich nicht verstockt, von den frifd>€n, vorwärtsdrängenden Themen des ersten Satzes fortgerissen wird. Angenehm beschäftigt uns das Lied ohne Worte, das im zweiten Satz mit starker Anlehnung an den „König von Thule" angeftimmt wird. In die Zeiten des altväterischen Menuetts versetzt uns der dritte Satz, musikalisch musterhaft gearbeitet und bei aller Einfachheit doch voller Abwechslung. Und in bleitdendem Gegensatz dazu der lebensprühende Saltarello, mit dem in immer lvachsendem Tempo das Ganze schließt. Er soll den ftöhlichen Abschluß eines genußreichen Aoends bilden, deffen Devise die gutgemeinte Schlußstrvphe der Kuffnerschen Ode bilden mag: Nehmt denn hin, ihr sckwnen Seele:«, Fwh die Gaben schöner Kunst. Wenn sich Lieb' und Kraft vermählen. Lohnt dem Menschen Götterkunst Eine in Beethovens 9rack)laß ausgeftmdene Liedkomposition (Seufzer eines Ungeliebten) aus früherer Zett enthält bereits dasselbe Motiv. 2) Der Text stammt von Christian Kuffner und würde für das schon vorhandene Thema gedichtet. s) Vergl. den Aufsatz in Nr. 19 der Gieß. Familienblätter D. Red. — Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. Der Stuttgarter Goethebund legte gegen das polizeiliche Verbot der Tragödie „Die ersten Menschen" von Clio Born - g r ä b e r Verwahrung ein. Es sei em Versuch, die Thcaterzensur m Württemberg emzustihren. Die Freiheit des künstlerischen Schaffens und das Recht des Publikums, eine ernsthafte Dichtung kennen zu lernen, dürfen durch unzulässige, unbegründete behördliche Eingriffe nicht verkümmert werden. — Der Musik- k r 11 l k e r und Vorsitzender des Brüsseler Konservatoriums Felis ist im Alter von 97 Jahren gc ho eben. — Ter Aero - Klub von Amerika setzte crnen Preis von 10000Dollars aus für eine internationale Luitwettfahrt zwischen N e jö - Dort und Albany über eine Strecke von 140 englischen Meilen. VötiltxcL Kreise .mmc: mehr »ugängl chon M. zkcttSortsegrurL pmÄrfft als Mutter ihrer heranwad-'^nden Sinbcr, vor Eltern ihrer Löhne, denen namentlich im Amckkuß an rinkentl'ch: Trinl* litten unA ben bannt verbundenen '.l.koeolrv: ^brauch Ichircr?, wit- unter rhrnanz ' spätere- ^eben ver?in'mde €d>äbiiunfl Aächterin der Mäßigkeit und guten Litte sein in dem gesell'chan- lichen Verkehre, in dem immer noch zu lehr d.e ialsche und öktfle* arntut verratettdc Meinung verbreitet sei, nur der '^enuß aldhol- haltiger Getränke vermöge b** Stimmung und oen Gast k>er Unterhaltung zu heben Vorbildlich nnrke Ern'achhert und Maßhalten im herrschaftlichen ’öanir aus Tiensthnien und andere dort Leben zur llachahme ul tcn Brauche gar L'tdv <7 neigt feien. *. eine dritte nxrbe bald noch errichtet werben. Ttc er forderlichen Mittel für diese Einrichtungen teten ,m ivesentlichen durch sog. Bwckensammlungen aufgebracht worden, btc in der Tat nicht- andere- seien, als die Sammlung und der Berkaus aller in den größeren^ Haushaltungen ausgespeicherten überflüs'igen unr> abgängigen Sachen, wie alte Kleider und aridere Gebrauchgegenstände, bic b.m Berein unentgeltlich zu dem gedachten Zwecke überlassen würden. Tabci sei es überraschend, wie fast al» wertlos erscheinende Tinge dankbare Abnehmer und Käufer fänden Schon von dem ersten Iahre habe diese Sammlung einen Reingewinn von etwa 2000 Mk. aoge- lootfen. WaS hier nur auszugsweise und skizzenhaft angedeutet werden kann, führte die Rednerm in einer formvollendeten Sprache und in einem zu Herzen gehenden Tone aus unter Einflechttrng rlebniss, und Erfahrungen, btc von ihrem selbstlosen und liebevollen Wirken ;«'i,g.'n 3n feinsinniger S< wußte sie bem Hörer btc Zeichen bet Zett zu beuten und mit mahnendem Ernst wies sic auf die, unserem BolkStum brohenben rchenrat D schlosser tut mit eindring- n der Rcdneritl bn, worauf ber von ?viau Tro? 1 jiab nd durch t n Vorsitzenden i n 1. n lau re in die Rednerin geschlossen ivurdc. ♦ ‘ Sitzung der vereinigten Kör k0 mmissi0nen. and ■ 10 fall. im Hotel Viktoria hier eine Versammlung ba obcrhi-ssischen .Uörkommiiiwnen statt, au der außei den Ler • 11 des 211 iSamter und Kreisveterinärämter 26 .Wrkomm 1,1 ionSmitgl 1 eder tcilnahmcn Ten Vorsitz führte Land- iagSabg Korell. Rach AuStansch der Erfahrungen, die bei der Handhabung her im Von obre vereinbarten (Grundsätze über die Durchführung der rtörgescüajte gesammelt wurden und im kommenden Zaine Verwertung finden sollen, lvird mit besonderer Lebhaftigkeit über bau Alter bet anzukürenden Faseltierc verhandelt .' - rstand, den bi Heraufsetzung des Alters durch den vor jährigen Beschluß in manchen Kreisen hervorgerufen bat. gab abl hnenbe Verhalten lchei ZüäuerkreiiV gegen eine Erhöhung bei Altersgrenze wm den nadjgcl'iüit Diele (Gründe sind namentlich: Verkauf guter Faseltiere uitfirrhalb Lberhesfcns vor Erreichung des torrdbigen Alters und damit eine Benachteiligung der Zlidster bei späterer Verkaussmöglichkeit, bü besondere Sch oigung der Herdbuchzüchter durch die Herdbuchführung leicht nacküveiSbarett Alter-, aiigebudie Schwierigkeiten, die Die Haltung älterer Bullen in Vrivalstallen bereitet ’i'lad) reiflid-er Prüfung dieser Ein waiide kommt die Vers«mnlung mit vollständiger Emmütigkcit . . ■ r 1ht, das die Entwicklung und Förderung der Landes sucht über den Interessen der Einzcl-Üdster stehen muffe und läßt taher die Altersbestimmung bestehen, nad) der Simmentaler Bullen mit 16 Monaten, Vogelsberger Bullen mit 18 Monaten, Eber nut b Monaten und Ziegenböcke mit 7 Monaten angefßrt werden dürfen und nur bei besonders guter Entwicklung und cinwands- irrirv Beschaffenheit bei den Faseltieren aller Tiergattungen bis zu einem Monat an der Forderung nachgelassen werden kann. unnen der Züchter soll Dünn die Einführung von A u1 ä u >. 11’ 1 a ui i c 11 entgegengcwirkt werden, die den Judi • tein zuteil werden soll, die Fabeltiere von anerkaniu guter Be schaüenleit nid« vor dem körfähigen Alter antzcihalb der Provinz verkaufen, foitoern spät« an 0 ^ernrr wirb den Züchtern empfohlen, cnhpu'dKnb den erhöhten Aufzucht.'kosten höhuc Preise cinmfübrcn, die die (Gemeinden mit Rücklicht aut die bessere Gebranchsfäbigkcit des Zuchtmaterials lerntcti mlcnen müssen Um in der Erreichung der gesteckten irh zu kommen, wird außerdem erwoqtn, t als Zuck tmethode erwählt haben, nicht die Vorlage eures AbstammungSnadzweiscS verlangt " zunächst dahin, Duü al- Rein züchttierc nur solche an-useveu sind, die in die Herdbücher ■ 'i-' tvatuirt:ter eingetragen sind, dost bet der Abkorung von Faseltteren aut den .Vorscheinen der Vermerk gemack.t wird, ob sie bient ad> für Gemeinden mit Rein zücht verwendbar sind oder nicht Ein großer Mißstand in der ng wird in dem bäuiigeii Wechsel in der Zusammen fctzung der Ankauiokommissionen und der dierburch bedingten viel, fadyn UnersahrenI eit vieler Ankaui-kommission-mitglieber erblickt, we-hakb man die Bildung ständiger Faselankau'ükvmmtssionen die au- bewahrten Viehkenuern zusanimengcsein find, für eure 9l?flUvciibigfcit hält. Da die Bildung solcher Kommissionen nid't xm Videnpruch mit der Landgemeinbeordnung steht, sollen die Qk meinben yi euian Vorgehen tu dieser Hinsicht aufg«arbert werden, '.»i’aeh einer gegenseitigen Verstänbiguiig über den Zeitpunkt der X'cibbudi- und Hauptkoruiigcn wirb die Veriammlung gegen 6 Uhl geschlossen. "Die Maul- und Klauenseuche ist nußgc* gebrochen in Saalhof, Kreis Moers, am 1. Februar. -i- Klein-Linden, 2. Febr. In dem DasihauS zur .DeutschenEiche* hieltDr. Laubenheimer vomHygienischen Institut in Gießen einen Vortrag über »Tuberkulose, eine Volk-krankheit". Ta in unserem Orte diese Krankheit häufig vorkonunt und in den legten Jahren besonder- Gehirn- tuberkulöse viele Todesfälle unter Kindern verursachte, so war da- Thema gewiß recht zeitgemäß. Leider war dec Besuch ,richt sehr zahlreich. Au der Hand siatrslischen Material- und mehrerer Tabellen ivies der Redner auf die große Ausbreitung der Tuberkulose hin. Tann ging er ans die Bekämpfung der Krankheit näher ein und hob hervor, daß Lust, Licht, Sonne und Reinlichkeit die besten Mittel zu ihrer Eindämmung seien. Seit einigen Jahren werde sie so stark bekämpft, daß sie obnehme; hierin geschehe besonder- m Hessen viel. Im Anschluß an die Ausführungen führte dec Redner nad) eme Anzahl von Lichtbildern zur besseren Vecan'chaullchuug der verschiedensten KcankheuSci.- vor. Schlo''ec Sche rr dankte dem Redner für den nut Beifall aufgenommenen -J ertrag. = Sternberg, 2. Febr. Ter Gesangverein .Jugendfreund* friert Samstag den 6. Februar sein 21. Stiftung-fest, verbunden mit Gesang-- und theatralischen Aufführungen. Ewige schöne Lichtbilder ,9lu* der Jugend- Kit* werben den Humor drS Publikum- wecken:^auch die Musikkapelle Harnisch wird zur Verschönerung deS Feste- dazu beitragen, den Besuchern einige recht angenehme Stunden zu bereiten. Muschcnheim, 2. Febr. Am Montag wurde bet Brunnen z u unserer Wasserleitung twn den Bet tretern de- -reiSantt- und te« Krei lesundheitSamtS eingeschen unb die Anlage für gut befunden. Brunnen liefert täglich nahem 800 Kubikmeter Äa.ser, Bic.»eicht gelangt es oer Be- hötde, daS ubericküsfige Wa.ser an unuLegtnbe ivememden zu liefen«, tn Betraaü kommen Birklar. LangSdorf, ArnSöurg: für sämtliche Beteiligten wurde diese gemcinünne Anlage eine Verbilligung des 2La-serS bedeuten. TnS Projett einer elektr. Lichtanlage für unsere C'emeinbe wird einng des twisten, und mich diese Anlage findet bei den rnnften Bewohnern freudigem Anklang. Tie Kran für dreie Lichtquelle wiro ober mcht die Mujchenbeimer Mühle ivenben, sonoein die Tamvfnwtkeret Karl Eller IL, der auch daS Pumpen für die Wasserleitung übernommen hat. ? Berstadt, 2. Febr. Gestern morgen wollte der schon seit einiger Zeit leidende Schreiner 2)1 aller sich in Den ersten Stock ferner Wohnung begeben. Wahrscheinlich bekam ec einen Schwindelaufall und stürzte über da- Treppengeländer in den Gang, wo er besinnung-lo- liegen blieb. Heute mittag ist der 69 Jahre alte Mann seinen Verletzungen erlegen, ohne da- Bewußtsein wieder erlangt zu haben. w Frankfurt a.M , 2 Febr. In der heutigen Stadtverordnetensitzung teilte Oberbürgermeister Tr. AdickeS mit, daß e5 dem Magistrate gelungen sei, einen neuen Vertrag mtt den beixn hier vestchenden Ga S g e se11 s cha f te n zu vereinbaren. Tanach verzichtet die Stadt auf *n Bau einer eigenen Gaswerks, erhält aber dos fstecht, die bestehenden und bis 1959 konzessionierten Gaswerke schon im Jahre 1939 zu erwerben. Sic erwirbt für 2 Millionen GaSaktieii zu 105, bekommt eine estc Rente von 90000 'Start Ünd bis zum vollendeten Umbau der Frankfurter GaSsabrik neben her bisherigen Bruttoabgabe lährlid) 150000 Mark, sowie Verbilligung der öffentlichen Beleuchtung. •• Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Tie in der gestrigen Nummer enthaltene Nachricht von der Veranstaltung eines GesaugoeremS Sänger« krauz, bie ein Truckfebler nach Wetzlar verlegte, ist von Watzenborn zu batieven. — Ter Gemeinderat von A p v e n - b c i in bewilligte auf Anregung deS Schulrats Dr. Zang ■ Bingen bie Mittel zur'ErteUuug des Turnunterrichts in der obligatorischen Fortbildungsschule. — Die Unter- u d) u n g über den Mord an dem Landwirt Johann G e 1 st vom Sd)aff)oi bei Oder-Kcinsbach, die estrig betrieben wird, hat bis fetzl (ent positives Material bezüglich des Taters ergeben. '2hid) die Arbeit mit dem Bluthund war ergebnislos, ba das inzwischen eingetretene Schneeivctter em Arbeiten unmöglich gemacht hat. Der städtische verwaltungrbericht für <907. n. Der Abschluß der Stadtkasfe stellt iid> für bie Be- tricb»rcd)nung mic folgt: Einnahme 2507 15*2,47 M., Ausgabe 2852 267,59 M. Ter Rest von 154 b84,88 M. besteht auS 114 337,55 M. barem Borat, 2568 M. Vorlagen und 7 779,06 Mark Ausständen. Die Vermögensrechnnng hatte an Einnahmen 2 385 099,30 M. unb an Ausgaben 14*21816,28 M. zu bet- zeichnen. Von den 963 283,02 M. Rest sind 946 953,01 M. bar vochandcii uno 16 330,01 M. Ausstände. In das Zahr 1908 würben 896 326,73 M. bereits srühcr bewilligter aber nod) nicht verausgabter Gelder übertragen. Das Vermögen der Stabt betrug am 1. April 1908 23 186 475,09 M., die Schulden 15 538 597 07 M., io daß sich ein Verinögensnberschuß von 7 647 878,02 M. ergibt. Tas Dcrmögcn verteilt sich auf Aktiv- kapualien 216892,84 Marl, Vorlagen für die Kanalisation 3 366 713,17 M, Kasscvorrat 1 118 167,90 M, Wert der Mo- bllien 305 000 M., Wert der Okbäubc 3 579 511,07 M., Wert der verpachteten Feldgüter 1873 987,30 M., Wert der burd) die Stabt bewirndmftcten Feldguter 1018062 M., Wert der Waldungen 3 920000 M., Wert der öffentlichen Plätze 229 000 Mark, Wert dec nutzbaren Rechte 20 000 M., Wert deS dem Ilieatervcrein. Überlassenen Grundstücke- 168 000 M., Wert der Grundsdicke des StadtcrweiterungsfondS 3 169 321,91 M., Kassevorrat desselben 76 306,98 M., Aktivkapllalien der Armenkasse 254 771,66 M-, Wert des GrnndbLsitzeS derselben 229 140,26 M., Wert deS Gaswerkes 1 450 000 M., Wert des Wasserwerkes 1000000 M., Wert deS Elektrizitätswerkes 1 200000 M. Die Sdiulbcn vertellen sich auf bic Stabtfafie 10158 973,24 M., Stadterweitrrungsw nds 1 999 771,43 M., Aimienkaffe (Lti'tungs. kavitalien» 45 713,33 M., Gaswerk 730991,99 M., Wassertocrk 1 463 372/36 M., Elektrizitätswerk 1 139 774,72 M An Sttf- tungSkapitalsen stehen außerdem 129571 M. unter städtischer Lerwallung, darunter 4 494,86 M. bei der Armenkasse. An Gemeindesteuern würben 120 Bro-. Zuschlag ;ur Einkommensteuer unb 240 "Lroz. Zuschlag zu den Grundzahlen bet Realsteuer erhoben Veranlagt waren zur Grundsteuer 3090, zur Gewerbesteuer 1625, zur Kavitalrentcnsteuec 1062 unb gur_ Einkommensteuer 7592 Personen. Bon letzteren waren 6059 in ter 2. '■'Abteilung (weniger als 2600 M. Emkontmen' und 1533 in her 1. Abteilung. Bon 30 000—100000 M. versteuerten 31 und über 100000 M. 4 Steueroflichtige. Te/ GesamtauSichlag an c emeindesteuern bezifferte sich aut 942 506-04 M., wozu eine x?iad)trag5erf)cbung von 47 357,17 M. kam. Tie Gemeinbesteuer- Erlässe tniolge Einsprücheii gegen die Stantssteuer beliefen sich auf 30 400,20 M , die uneinbringlichen Gemelndestcuerti auf 12867,93 Mark. ES wurden ferner miterhoben je 10 Droz, evang. und kath. Aircktensteuer — 58 386,76 bzw. 6 102,24 M. An Oktroi gingen 128 108,80 M. ein, 4 738,30 M mehr alS im Voranschlag i orgcid'en war. ES mürbe an Cftroi vereinnahmt für Schlachtvieh 41 032,28 M., Fleisch, Fleifchwaren unb Wild 4 490,59 M., Brennniateriallen 44 757,98 'DL, Mühlenfabrikate unb Safer 4 686,03 M., Oktranfc 33 141,42 M. Nack Abzug von 13 165,04 Mark Rückvergütungen unb 9 089^9 M. ErhebungSkosten, verbleibt ein L?ktroi-Rernertrag von 105 853,28 M. Bezettelungen würben 30 598 Stück ausgestellt gegen 29 561 int Jahr 1906; davon 2051 (2066 am Walltor, 3630 3389) am Neuenweger Tor, 11 535 (12115 am Selterstor und 13 382 (11991) am Neustadter Tor. Wegen Ucbertrctung der Dftroworfdzrvttn wurden 70 (1906 : 58) Anzeigen erhoben. An Besitzwechselabgaben kamen vom 13 Auq. 1907 bis Ende März 1908 13 389,90 M. zur Erhebung, während an den Staat 401,10 M. ErhebungSkosten au bezahlen waren. T« E-rtrag der Hundesteuer belief sich auf 8360 M. aegen 798*) M. tm Zähre vorder. Für Er Hebung-ko stet» und al- uneinbringlich gehen 916,17 (797,61) M. ab. viestcner Strafkammer. )( Gieße», 2. Febr. Der Lnkel aal Amerika ist ba, tnetz e- anfang- Dezember v. in Heuchelheim er bezahlt alles. 11 nb feiten war bie Wirtichast „zur E' en bahn" io rollgeviropst alS in bie,en Tagen, selbst Leute, die oer Wert sonst n-.‘ sah. ianben sich al- Gäste ein Tatsächlich hatte sich dort c.u nobler Herr rnlogtert, brr sich ,'ehr freigiebig zeigte. Er bette sich als Bierbranereebesitzer Busch aus Sunburg vorgestellt unb wollte ut der Umgebung um Bierabnebmcr werden, weshalb 'k- itwi (uit eine grötzet Zeche nicht ankam, zumal er al- Jung. grelle über an Vermögen opn bald 100000 JR. nermgte." Er wollte bei dreier E^leqenbert nach mit seiner Schwester, die rmt cinm Lanbrcr verlobt in. feine an den Pfarrer *.n eteinba® verheiratete Schwester besuchen. Senn der ..Lnkel" von einer Tour zurückkommend sich m der Virtscho't zeigte, so war >ie hn 3:urm qciüllt 4tnl> Bier. Lern unb Limonade floß rn Strömen; tie besten Zyanen flingr:- kistenweise fort unb abend- machte man »ich in Tarnenbekanntschan bei Sekt gemütlich Am zweuen Tage machte tr mu einem bet bem Vier nwbnmb*.n Monteur einen Gang hierher unb da er angeblich feiner, lieberneder und feinen Koifer m einem Restaurant lurüdgelaiien hatte, über!. »; ihm der Wirt fein LodencaoeS und ein Paar Lederbandsdmhe. llnterwrg» erklärte er bem Monteur, er habe dem Sirt bte große Zeche bezahlt, sein Geld ginge tur Neige unb er bekomme am nächsten Tage rinnt größeren Oxibbctra] durch die Post iugq'dndt, er möge ihm doch bis da tun 20 Mark leihen, er gäbe ihm am andern Tage das Dvvvelte dafür. Der Monteur, dem die» verdächtig vorkam. war io rorfiduig, ihm zu bemerken, er habe erst am nächsten Tage Zahltag, Dod> wolle er ihm 3 Mark, bie er noch besitze, geben Tropoem unirbt eine 3tdx in Höhe von 8 Mark gemacht, bic dec Monteur begleichen mußte 3pät abenbt- sah ihn ber Wirt an diesem Tage noch iurückkommen: doch am andern Morgen schien er arg lange zu schlafen unb al- der Wirt in b - iah. mußte er nach b • > • > annehnen, fein Cjait liege noch darin unb schllne Ak- aber die MutagSstun't heranbrach und der „Lnkel" immer noch nüht kam. iah der Wirt genauer nach unb gewahrte, daß die Bettdecke o geschickt »uianmengeroUt war, dap man an nehmen mußte, e- liege noch icmanb un Bett. ..Lnkel Busch" war aber vcr- chwunden unb mit ihm das Cave und die Handschuhe, die zum Selbstkostenpreis berechnete Zeche in Hohe von 164 Mark zurück- lassend. Erne UnDorrthttglcu hatte et aber begangen und dieses v er hals zur baldigen Feststellung 'einer Personalien und zur Ber- Haftung. Er batte nämlich in der Wirtschaft mit einem Bc'en- binber einen Vertrag auf Lieferung von 200 Bef en abgeschlonen unb habet eine auf den Namen G. D. F . Knecht an» Elfoff lautende Znvalibenkarte vormtzeigt und habet bemerkt, dies 'eien bie Papiere eine- untreuen Knedckes ben er zur Anzeige bringen wolle. Man nahm deshalb mu Recht an, es feien dies ferne eigenen Papiere getreen unb bic Feststellungen ergaben, baß er am Tage bes Eintreffen- in Heuchelheim, nach Verbüßung einer ihm wegen einer Reihe von Betrügereien -uerkannten Strafe, aus ber Zellenstrafanstalt Butzdad» entlaffen worben war. Ter Angeklagte wlll von ben Schwindeleien nichts wissen, da er sich bet seiner Ankunft in Heudtelheim sofort betrunken habe unb rodb- renb seiner ganzen Anwescnhett dorten nicht nüchtern geworden sei. Gegen diese Annahme spricht aber sein Verhalten. Ta Bettua im wiederbollen Rückfall vorliegt, setzte da- Gericht für ben Betrug zum Nachteil des Wirte- eine Zuchthausstrafe von 1 Jahr 6 Monaten an: bat Betrug bem ?.*?onteur gegenüber sollte mit 9 Monaten Gefängnis geahndet werben, diese Strafe wurde in 6 Monate Zuchthaus uw gewandelt unb mit 3 Monaten in Anrechnung gebracht Für btc Unterschlagung be- Capes, dessen Besitz er übrigen- bestritt, soUte er 6 Monate Ge ängn.S b.kommen bte in Zuchthaus verwandelt mit 3 Monaten in Zusatz gebracht wurden, so daß sich eine Gesamtznchthaus strafe von 2 Jahren ergab. Gesetzlicher Bestimmung gemäß mußte auch glrickreitig auf Geldstrafe erkannt werden, bie im '.Vtinbe ft betrag von 150 Mark angesetzt, bu sie aber uneinbringlich ist, in 10 Tage Zuchthaus umgewandelt, burd) die llntersuchung-sha't für verbüßt erklärt wurde, Tie Tante an? England könnte man die Buchhalterin A I. aus l^otba, eine geschiedene Ehefrau Schulz, nennen, die sich ui einer diesigen Wirtschaft ähnlich wie der „Lnkel" verhalten hat. Sie gab an, sie befinde sich auf der Rückreise zu ihren Eltern, die sich au schein Schis» beenden : sie habe eine große Reise vor unb sei im Besitz einer Fahrkarte nach Vlissinaen. Sie wolle nad) Sdiottfanb nnb Jr- . Ixxbe aut rincc Bank einen Scheck eingelöst unb trage eine große Gelbsumme nach. Ihrem Wunsche, eine Annanasbowte an- tusetzen, wenn sie auch ein „Pfund" koste, konnte nicht nadtge kommen werben, weshalb sie fich zufrieden gab, a!5 die Wirtur 10 Flaschen Wein ä 2 Mark brachte. Alle anwesenden Gäste wurden zehrfrei gehalten, unb einem Gast, der befahlt halte, mußte bic Wirtin das Geld wteber zurückgeben Sie sprach von einem1 Pensionat in Weimar, wo sie beultd> gelernt I)abe unb erklärte, sie habe eine sdiöncs Leben, ihre ztoei Jungen feien Secfabctlett un? )ie btaudiv sich um die Erziehung nidn zu kümmern, habe eS als felw reiihc Miß auch nidu nötig Ihr Storni fei ertruntat und habe ihr zu ihrem Reichtum auch nod, ein ncsiges »Berit Hütter lassen Im gebrochenen Deutsch bemerkte sie, es sei ihr Angst, mit dem vielen Gelb zu reifen, weshalb sie es vorziehe, in der Wirtschaft zu übernachten, doch sei ihr da- angewiesene Zimmer nicht nobel genug. Als sie zur Begleichung der Zeche, die sich auf über 25 Mark beiter, oufgeforbert würd'-, bemerkte j nein Schrecken das Fel'! n Geldes uvb wollle sich au» die Suche machen: btc Wirtin kam ihr aber mit einem Sckmtzmann zuvor^ worauf fn- auf bem Polizeiamt zugestanb. kur; zuvor auS einer ctraianftalt in Weimar entlassen toorben unb mittellos zn sein Bei der Scrbanblung schob sic die Sdjulb >iut bic Wirtin, die bie Sadxit umrumeiorbeit aufgetraaen habe, was jeboch bestritten ivurbe. AuS Vorstrafakten wurde sestge- stellt, baß sie in Weimar in einem Restaurant ähnliche Schtotnde- leicn verübt bat. T-ort gab sie sich als Besitzerin Twcbrerer Häuser auö, erwartete ihr Automobil zur Spazierfahrt unb bestellt - .in Verlobung-essen i'ür 80 'Berioitrn n. a m. Trotzbem sich die Angeklagte wegen Betrugs tm Rückfall briinbrt. sah do- Gericht von ba Zuchtbau-sttafe ab unb erkannte auf 10 Monate Ge- iängnis. Sittlichkeil^verbrecheu. Ein 55 »aßnget Invalide anS Wellerselb, bet sich än vier verschiedenen Sidixfren unter 11 Jahren mehrfach tn unsittlicher Weise verging, wurde wegen Sittlichkrit-verbrechenS zu zwei Jahren Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. (hericboiaal. -e. T ar mstadt, *?. Febr. Tie hessische Anwaltskammer verhanbehe gegen ben Reckusauwaki Rtgntr an« Butzbach, der ihm überirageiie AuuSgeschäste etulach unerledigt liegen gelassen batte. Ta» urteil lautete auf Amtsenthebung, fldjner war zur Verhandlung nicht erschienen und treß sich auch nicht vertreten. vermischte». * Zu ben Aufräumungsarbeiten in Mefsirra wird dem Vernehmen nach, rut Lommando ber Straßburger Pioniere ui ber ersten Hälfte diese» Monats abgesandt nxrrbcn. — Tie bei Ealtanifetta tm Innern von Sizilien gelegenen Schlamm-Vulkane entwickeln feil dem 28. Dezember eine ungewöhnliche Tätigkeit Ring» um ben Fuß ber Vulkane baden sich große Erdspalten gebildet, denen Gase und Dämpfe entsteigen. — Der Deputierte Dr. Giuseppe Michell in Parma beabsichtigt, für bie Bibliothek der Stadt Messi na alles zu sammeln, wa» in de» Tagen der Katastrophe über die Statt geschrieben worben ist Er bittet daher, tbnt geeignetes Material zu Mberitnben. — Felsstürze auf der Strecke Roavel—Reggw »wischen den Stationen Bagnara unb Scilla machen ben Eisenbahnbetrieb auf acht be- vierzehn Tage n n m ö g 1 i ch. • Eine recht ergötzliche Geschichte erzählt die .Tübinger Ebromk'. Ein 9äi erlein steht vor Dee Freurepvc bc-3 Tübinger Äaibauinettbau^ und betrachikt ftaunnib den darauf angebrachten (meetibtn Atlas mit der Erdkugel au< dem Rucken. Ltstnbar kann er sich die Bederuuni vieler Figur nickst recht auslegen. Er bittet deshalb einen gerade oordeigevenben Weuigärmee um Hidflävung. Tiefer gibt bem Baucin, ohne sich lange zu be- sinnen, 'olgeubc Ertlärnug .Tcs »lchr der yerhü«. Ter bau' iolla b’ ctabikdiitiba vorn altn m» neue Rar aus uuler lraga, afret Dia icnb fogar nit da öetfule» z'fchwcr g'ioeu. Jegi baut je fe» Stanbbilb nut v'r Sctnildakuge! i:f an Buckel do ma g'ftcllt, daß d Stabirat, wenn fe u** Rathai r ganget, jebccmal dra g inahnt wend, daß bia Schulder, wo \t gemacht heut, sogar für da Herkules z' schwer send, q'schweiga für ons Bürger." — „So, so", meinte das Bäuerlein, des muß i doch au meim Schultes verzähla, so a Mendle könnt uff onserer Notbausstaffel au nix schada," und verständnisinnig schmunzelnd gingen Bauer und Weingartner ihres Weges. * Tie Tochter des Sackträgers. Was hat die verwaiste Tochter eines Londoner Sackträgers mit König Karl II. tinb der Schlacht bei Worcester zu schassen, die im Jahre 1651 cmsgefochten wurde ? Auf die absurd klingende Frage gibt ent vor kurzem in London verhandelter Rechtssall Auskunft. Nachdem Cromwell die Sckwtten trotz tapferer Gegenwehr geschlagen, suchte Karl sein Heil in der Flucht. Croinwells Reiter untren ihm auf ben Fersen, aber ein Landmann Richard Penderel verbarg den König ün dichten Laube einer Eiche. Im allgemeiiten war der heitere Zyniker Karl weder dankvar für empfangene Dienste, iwch rachsüchtig wegen erlittener Unbill, ober gegen die Familie Penderel zeigte er sich erkenntlich und setzte ihrem Haupte und einigen anderen Familienmitgliedern insgesamt sechs Rentett ans, zwei von 100 Bf. St. jährlich, vier von 50 Pf. St. Die Renten erbten sich durch Generationen fort. Vor einiger Zeit erschien bei einem Londoner Rechtsanwalt die Frau eines Tro schien tütschcrs und teilte iljm mit, sie lyaoe vor neun Jahren die Tochter ihres verstorbenen Bruders John Richard Penderel bei sich ausgenommen, um sie vor dem Armenhause zu bewahren. Run habe sie in den Zeitungen etwas von einer Penderel-Sliftung gelesen, und sie erinnere sich auch, daß ihr Bruder zuweilen von einem aus den Tagen Karls II. stammenden Vermächtnis gesprochen habe, doch habe- sie immer geglaubt, die Rente sei mit seinem Tode verfallen. Der Rechtsanwalt tat die erforderlichen Schritte und die kleine Waise wurde als Ervin der Rente anerkannt, die ein Pfund wöchentlich beträgt, also viermal so viel wie die jüngst eingeftihrte Aiterspension. Zugleich Wurüc ihr und ihrer mildherzigen Tante der nicht erhooene Betrag der Rente, der sich aus mehrere hundert Pfund belief, ausgczahlt. Der erste Teil des Gvetheschen Spruches, daß Vernunft Unsmn wird, trifft bei diesem Vermächtnis zu, daß 'aber Wohltat Ptage wird, werden die Penderels nicht ohne (äru'nd bestreiten, * 3540 Prozent Kommunalsteuerzufchlägc. Die kleinste selbständige Gemeinde in Preußen dürfte die in unmittelbarer Rahe des Truppenübungsplatzes Weißenburg bei Posen belegene Gemeinde Llgiewnik sein. In dieser Gemeinde wohnen außer der Pächterin des staatlichen Gutes bret Bauern, ein Fleischermeister und ein Händler. Vor etwa drei Jahren erfuhr baä Dorf durch die Eingenreindung der Probstei tiljoiuica eine recht unerwünschte Vergrößerung, da deren Probst weder zur Staats- noch zur Gemeindesteuer herangezogen und von dem Organisten, dem ftirdtenbieitcr und den sieben Arbeiterfamilien nur wenig an Gemeindesteuern herausgeholt werden kann. Ta der Witwe eines Waldwärters vom Bezirksausschuß jährlich 120 Mark ArmenuMerstützung zugebilligt sind und acht andere Personen die gleiche Armenunterstützung verlangen, haben die Steuerzahler, dre mit zusammen 35 Mark Einkommensteuer veranlagt sind, allein an Armenlasten ca. 1100 Mark aufzubringen, wozu sie sich außerstande erklärt haben. * Erst die Pflicht, daun das Vergnügen. Rosalie (die soeben als junge Frau die Kirche verlassen, zu ihrem Gatten): „Äber '2intsn, weshalb kommst du denn nicht, worauf wartest du denn noch'?" — Der Neuvermählte (Schutzmann): „Einen Augenblick, liebe Rosalie, aber ich sehe da einen Radfahrer ohne Ätummer, den muß ich erst noch schnell aufschreiben!" EZngesanvt. (Für Form und Inhalt aller unter die,er Rubrik siebenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Herr M. K. hat recht: es gibt keine sozialdemokratischen Konsumvereine! Politik ist ja allen derartigen Vereinigungen verboten. Nur fonberbar, daß bet den in Frage stehenden Vereinen (mit Ausuabme einer Anzahl ländlicher, bei der die Genossen noch nicht genügend „aufgeklärt" sind!) der Vorstand st e t ö aus ganz waschechten Soci besteht und dem entsprechend auch dafür sorgt, daß als Angestellte nur «Genossett^ bineinkommen. Man fragt sie natürltch nicht nach ihrer Parielzugehörigkett, aber man weiß schon so Bescheid! Der Name paßt also doch so ziemlich! Em. « Es scheint bei uns in Gießen allmählich Gepflogenheit zu werden, erst n a ch Beginn der Vorstellung den Zuschauerraum unseres Theaters 511 betreten, wodurch natürlich das ganze Haus gestört tuirb. Auch am Sonntag war das in solchem Maße der Fall, daß ein großer Teil des stimmungsvollen Selbstgespräches Rautendeleins tast verloren ging. Obgleich nun jeder halbwegs unterrichtete Theaterbesucher tvissen sollte, daß derartige Szenen von dent Schauspieler nicht mit voller Stimmkraft gesprochen werden dürfen, herrschte eine starke Unruhe, die auch den ganzen Abend über anhielt. Ware da nicht auf irgend eine Art Abhilfe zu schaffen? , Ich möchte an dieser Stelle einmal ein Wort für die Briefträger reden, betone aber gleich von vornherein — namentlich der Postverwaltnng gegenüber —, daß es mcht auf irgend welche Beeinflussung hin gejchieht, sondern daß ich aus eigener Initiative handele, gestützt auf die von mir angeftellten Beobachtungen. Zunächst wäre es eine Erleichterung für die Briefträger und eine Bequemlichkeit für die Briefschaften-Empfänger, wenn in jedem Hauie Briefkästen angebracht winden, am besten gleich unten — innen — am Hauseingang, wie es in anderen Städten erngeführl ist, natürlich für jedes Stockwerk ein besonderer Kasten; ist hierfür keine Neigung vorhanden oder stehen besondere Bedenken uiid Schwierigkeiten im Wege, so liegt es im Interesse eines jeden Hausbewohners, wenigstens vor den einze neu Stockwerken Kästen ait- zubrnigen, in die der Briefträger die Postsachen eimvirft, was er icöesinal durch kurzes Klingeln oder Klopien anzeigt. Ein Haupt- iahör — und das geht die Postverwaltung an — für die Erleichtere ung des Botenganges und für die schnellere und zuverlässigere Zustellung der Postsachen aber ist es, daß die Bestellung der einzeliien Bezirke möglichst lange in Händen derselben Beamten oerbleibt; doch ist dabei zu beachten, daß die Verleitung der Bezirke möglichst gleichmäßig sein sollte, und möglichst zu berücksichtigen ist die Ent° fcrnung des Bestcllbezirkes vom Postamt. Ehe z. B. der Brie - träger," der die Moltkestraße nsw. zu bestellen hat, mit der Ausgabe der 'Sachen anfangen kann, hat er erst einen Weg von mindestens einer Viertelstunde zurücklegen müssen. Gerade dieser Botengang ist dabei noch sehr ausgedehnt und verzweigt, umfaßt er doch die Moltkestraße. Roonstratze, den Großen Stemweg, die Kaiserallee vom Ludwigsplatz bis zum Schiffeuberger Weg und diesen bis zur Gartenstraße! Also keine fortlaufende Linie, sondern ein beständiges Hin und Her! Wenn auf diesem Botengang die Bestellung oft — namentlich wenn Stellvertreter des eingewöhnten Beamten sie besorgen — lange Zelt in Anspruch nimmt und der Empfang der Postsachen sich verspätet so ist das nicht ein Verschulden des betr. Beamten, sondern lediglich eine Schuld des Umfanges des BesteUbezirkes. Für solche Bezirke wäre dringend eine Teilung nötig im Interesse der Post sowohl als der Bewohner der betr. Straßen. hb. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 3. Febr. Schiveinemarkt. (Org.« Tel. des Gieß. Anz.) Zum Verkaufe standen 1175 Schweine. Bezahlt wurden: für Schweine 1. Dual. 70—71 Pfg., Lebendgewicht 56,0 bis 00,0 Pfg.; 2. Qualität 69—00 Pfg., Lebendgewicht 56,0—00,0 Pfg., 3. Qual. 64—67 Pfg. Geschäft mitlelmäig, Ueberftanb unbedeutend. Gießener Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung für Hessen am Donnerstag den 4. Februar: Trüb und regnerisch. Mild. Starke westliche Winde. Orrginal-Drahtinelöuirgen. Köln, 3. Fror. Der „Köln. Ztg." lvird aus llesküb unter dem 2. d. Mts. gemeldet: Anckliche Nachrichten. geben bekannt, daß die an der Grenze stehenden regulären Truppen von ihrer Regierung M e l i n i t bo m b c n erhalten haben. Die türkischen Kreise sind hierüber sehr erbittert. Bei Kuatowo drangen bulgarische Banden in türkisches Gebiet ein. Zu ihrer Vernichtung sind Truppen abgegangen. Friedrichshafen, 2. Febr. Ter Kommandeur des Luftschifferbataillons Major Groß und Hauptmann Wiener, die mit einem Feldwebel und 4 Mann gestern hier an gekommen sind, bleiben einige Tage hier, um mit dem Grafen Zeppelin eine Vorbesprechung über die voraussichtlich im März zu crtoartenteit Ausstiege des Z. 1 zu halten. Ter Feldwebel und die 4 Mann übernahmen die mckitärische Bewachung des Luftschiffes in der Reichsballonhalle als Ablösung der Landjäger. Im März werden mehrere Offiziere und 75 'Kann des Luftschiffcrbataillons nach MannzeN Eontmciu Die Arbeiten an dem im Bau befindlichen Z. 2, der sich in der Landhalle befindet, schreiten rasch vorwärts. Der Ballon Z. 2 enterscheidet sich von seinem Vorgänger Haupt-- sächlich dadurch, daß er das Hccksteuer hinten erhält und daß die Propeller shitt der bisherigen 3 nur 2 Flügel erhalten. Das Geräusch der Flügel wird dadurch bedeutend vermindert werden. Wien, 3. Febr. Der neue Vorschlag der russischen Regierung, die 82 Millionen der bulgarischen Entschädigung an die türkische Negierung mit jenem Betrage zu kompensieren, welchen Rußland von der Türkei als Kriegs-Entschädigung zu fordern hat, wirb in Wiener offiziösen Kreisen als? wenig aus sicht S voll bezeichnet. Mait erblickt darin das Bestreben Rußlands, den früheren Einfluß auf Bulgarien wieder z u gewinnen, bezweifelt jedoch, daß Bulgarien daraus eingehen wird, weil es in dem jungen Königreich eine Partie gibt, die besorgt, daß Bulgarieit durch Annahme deS Vorschlages zu sehr ins Schlepptau Rußlands kommt. Noch mehr zweifelt man an der Zustimmung der Türkei. Auch andere Mächte könnten Eiitwendungen erheben. Paris, 3. Febr. Aus Pons iur Departement Hßrauld wird berichtet, daß zwei mit dem Ballon „Rsve" aufgestiegen e Luftschiffer Fave und Achard in der verflossenen Nacht von einem Sturm überrascht wurden. Der Ballonkorb wurde gegen einen Felsen geschleudert unb beide Insassen wurden getötet. Petersburg, 3. Febr. Die ton den Fürsten Obolemskh und Urussow für die Befreiung Lopu chins onerierte Kaution ist abgelehnt ioorben. Der Prozeß dürste in etwa einem Ako not vor sich gehen, doch glauben die Juristen, daß die Anklage wegen Hochverrats unhaltbar ist. Unentgeltliche Arbeitsveimitielung. LMischer MeitsUchmis Achen. (Sartcnstraßc 2, Zimmer 2. Es können eingestellt werden: a. bei hiesigen Arbeitgebern: 1 Kontorist, 1 Eifendreher, 1 Steinmetz, für Marmorarbeit, fünf Dienfunädchen, 1 Kindermädchen, 1 Waschfrau. b. bei auswärtigen Arbeitgebern: 1 Schneider, 1 landw. Knecht, 5 Steinmetzen für Hartgestein, 1 Polsterer und Tapezierer, 2 Kaffeetöchinnen, 2 Zimmermädchen, 2 Kindergärtnerinnen, 2 Kinderpstegerinnen, 3 Dienst- mävcheu, 2 Servierfräuleins. ES suchen Arbeit: B8/» 2 Handlungsgehilfen, 1 Schreiber, 1 Wagner, 1 Glaser, 1 Spengler, 1 Buchbinder, 1 Schuhmacher, 4 Steinmetzen, 3 Maschinisten und Heizer, 6 Bauschloster, 1 wtaschinenfchloner, 1 Bäcker, ein Lackierer, 1 Weißbinder, 1 Müller, 2 Tapezierer, 2 Schweizer, 5 Schreiner, 2 Fuhrtnechte, 7 Hausburschen, 2 Ausläufer, 3 land- wirtsch. Knechle, 16 Arbeiter, 8 Lcmstrauen, 3 Laufmädchen, 1 Fttckfrau, 2 Waschfrauen. ______Lehrlinge: 1 Schlosser.______________________________________ Bekanntmachung, die Lefeholznutzung in den Waldungen der Stadt Gießen betr. Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kenntnis, daß nach einem Beschluß der Stadtverordneten-Bersnmmlung diejenigen Abteilungen der Waldungen der Stadt Gießen, in welchen Holz fällnngen staltnnden, bis zum 15. Avril d. Is. von der Leseholz Nutzung ausgeschlossen sind. Diejenigen Personen, welche entgegen dieser Bestimmung beim Holzauflesen in den erwähnten Waldbe- x irren betroffen werden, haben Bestrasung auf Grund des Forst- ftrafgesetzes zu erwarten. Gießen, den 30. Januar 1909. B8/, Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. ______________________Mecu m-__________ Bekti»,nisi,°»chnnq. Bei der am Montag dem 8. Februar L stattfindenden Holrversteigerung im Distr. Langetoh werden statt 751 Rm. Buchen- schetthotz I. (£L nur 75 Rm. I CI. versteigert. Erchelsdorf, den 2. Februar 1909. (B8/3 Großh. Oberförsterei Eichelsdorf: ____________________Man n._____ Arbeitsveraebnug. Die zur Ernrichtmig zweier Zecken im Polizeigefängnis in der Sandgasse erforderlicheii Schreiucrarbeiten sollen Montag, den 8. Februar ds. IS., vorm. 10 Ubr öffentlich vergeben werden. Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf vorgeschriebenem Formular, das daselbst erhältlich, sind bis zur genannten Stunde an uns abzugeben. — Zuschlaassrist 14 Tage. Gießen, 2. Februar 1909. Städtisches Hochbauamt. B*ft) __________ Gerbet. Holzverstetgerung im (Sletzener Sradtw ld. . Donnerstag, den 4. Februar 1909 vormittags 9V-2 Uhr beginnelid, werden in den Waldungen der Stadt Gießen in den Distrikten Aue, Faulerbodcn und Forttgartcn versteigert: 132 Rm. Buchenicheiiyolz 146,7 „ Eichenscheitpolz 12 „ Hainbuchenichettholz 3 „ Kiefernscheuholz 31 „ Buchentnüppelholz 111 „ Etcheuknüppelholz 5 „ HainouchenLuüppelholz 1 „ Aspen 37,3 „ Buchcnstockholz 26 „ Elchenstockholz 1920 Wellen Buchen-Reuig 2590 „ Eichen-Reisia 20 „ Fichten Reuig . „ , Die Zusammcnkuust ist aur der Llcherstraße am Jorithcms Hochwart. Gießen, den 30. Januar 1909. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. I. B-: Keller. B»/, : ■■ ■ ** '. - FremillHerstcheriiilg Donnerstag, den 4. Februar, nncvmittags 2 Ubr, versteigere ich Neustadt 55, Bieker- schen Saal: |735 Alehrere vollständige Betten, Sofas, Tische, Spiegel, Stühle, Nachttische, Kommode u. Kleiderschränke, sowie mehrere Küchen- geratschaften. Die Sachen s. noch sehr gut erhalt. Versteigerung findet bestimmt statt In Vertr. d. GerichtSv. Geißler: Mori, Gerichtsoollz.-Afp. Heringe Stck. 5 Pfg. Bismarckhcringc Stck. 8 Pfg. Rollmöpse Stck. 6 Psg. Cclmrbütcn v. D. 90 u. 60 Pfg. Rufs. Sardinen ä Psd. 45 Pfg. Sardellen ä Pfd. 2 ÄU. Stets frifche Bücklinge Eapern lose u. in Gläfern 0711] 50 u. 35 Pfg. Elch. Reuter. Ludmigsplatz 4. (0723 Täglich frische Durchin. m. 7,79 Fm. Eichenstämme von 50 — 59 cm Eichenstamm (varunter 14 Rm, Küferholz) Die Zahl der Mitglieder betrug Ende 1907 Während 1908 gingen zu Konsumverein, E. tz). m. u. H. zu Großen-Lindeu. 40—49 30—39 Eichen- Kiefern. ten= iten- Während 1908 gingen ab Stand der Mitglieder Ende 1908 Eichen^ Kiefern- stiutz- und Sekfischk Marinade, Räucherwarc und Goldftiche. Ji. Simon Telefon 614. Walltorstr. 43. Das neue Bartpstegemittel SHcpuwwelSm giebt dem Barte jede Form ohne zu ließen, ohne Brenneisen unb ohne Bartbinde, hergestellt v. C. D. Wunderlich, Hockief., Nürnberg, zu 1 iVlt u. 2 AU. p. Fl. bei W. Kitbiugcr, Drogerie, Gießen. ID\J Fichten- ,, Buchen-Stockholz Eichen- „ E.s gibt nichts besseres bei Müdigkeit u. Appetitlosigkeit als meinen Släbr- unb Kräftigungs-Likör. [351 */i Fl. Mk. 2.50 - Fl. DU. 1.50 Germania-Drogerie : Carl Seibel ^cüchste Nähe des Bahichoss und Klmiken. Telefon ML 36 3 1 61 58 5 30 28 1 13 4240 3770 30 50 „ Erlen- „ Die Zusammenkunft ist auf der Grünberger Straße an der 8. Schneise. Gießen, den 3. Februar 1909. B8/J Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. I. V.: K e l l e r._______________________________ 3 ■£< 1 1 1 6 7 69 5 24 18 9 50 51 2450 3870 1300 7 13,8 , Buchen-Knüppelholz , Eichen- , , Kiefern- „ Wellen Buchen-Reisig o Eichen- , u Kiefern- , Rm. Eichen-Stockholz Holzversteigerung in bat Walbungeu der Gemeinde Wieseck. Freitag, den 5. Februar d. Js., vormittags 10 Uhr beginnend, sollen in den Distrikten Badenburger Wäldchen und Dürrloch nachoerzeichnete Holzsortimente versteigert werden. , 1,94 „ 0,96 , 0,39 , 2,78 — 0,33 — 4,68 töbet fidier Kopfläuse und O deren Brut. Fl. 50 Pfg. Adlet*-Medic.-Drogeriep1 Settersweg 39. Otto Schaaf. „ Kiefern- , 2 , Fichten- r Die Zusammenknnst ist auf der Straße nach Lollar am Distrikt Badenburger Wäldchen. Wieseck, den 28. Januar 1909. Kiefernstämme „ 25—29 Eichen-Derbstangen mit Flchten- . r Rm. Buchen-Scheitholz n Kiefern- „ n Fichten- h Wellen Buchen-Reistg 149 5 154 3 151 HoLzverfteigerung im Gießener Stadtwald. Montag den 8. Februar 1909, vormittags 91/* Uhr bc# ginnend, werden m den Waldungen der Stadt Gießen in den Distrikten Hochwarte, Heingesbodeu und Zollstockswaldchcu versteigert: 82 Fichtenderbstangen mit 9,13 Fm. 109 Rm. Buchen-Scheitholz Bilanz am 31.1 Aktiva. M. Warenvorrat 4599.50 Kasscnvorrat 1712.60 Debitoren 2985.64 763) 3JL 9297.74 Iczcmber 1908. Passiva. M. Ausgenommene Kapitalien 1800.— Mitgliederguthaben 1485.— Reservefonds 1409.14 Betriebsrücklage 1345.04 Dividenden 3258.56 Rt. 9297.74 Auguste Lenz, geb. Petri. Giessen, den 2. Februar 1909. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden meines lieben Mannes sagt innigen Dank Großherzogliche Bürgermeisterei Wieseck. S ch 0 m b e r. (688 Der Direktor: Johs. Hankel II. Der Rechner: PH. Pirr III. Der Lagerhalter: Georg Muhl. Im Zeitalter der Surrogate 0713) Äleine Svolmunn fofort au ucrmictcn. Rodheimer 2 trotze 36. hör, Ift foiort oder später au 3cäbere8 Asterweg 5ll, I. r, au OCT- eucnroenl). 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