Nr. 397 Zweites Blatt 159. Jahrgang Samstag 18. Dezember 1909 Gießener Anzeiger Eeneral-Anzeiger für Gberhesien Dtt JcwiHenblStter* werden dem bVnzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da« ELrelsdlaN fli bti Kreis Gießen" zweimal wochmilich Die „kandivtrNchastllchev Ml» htjei" erichemen monatlich zwennal. RsiettoMbrurf an» flerlog 6«i Vetdlfcho» Untoen'udtS» Buch» und Btemdrudetet, ÖL Lang«, •icfeen. Redaktion, ExoedMon and Druckerei: Schul» Prägt 7. Expedinon and Verlag e^» &L Jkfiafttxm:e^®112. LeU-Ad ru^lii-eiger^iev«. Der (Entwurf öe$ Reichrgesetzes über Öen Avsatz von Ualisalzen. Wolffs Telegraphisches Bureau erfährt: Die Preußische Regierung hat beim Bundesrat den Entwurf eines Reichs- gesetzes über den Absatz von Kalisalzen eingebracht. Danach dürfen Kalisalze nur durch Vermittlung einer Bertriebs- gemernschaft abgesetzt werden, der die Besitzer der förder- fähigen und der im Entstehen begriffenen Kaliwerke bei» treten können. Die Satzung der Gemeinschaft und die Iest- setzung der Verkaufspreise für das Inland bedürfen der Genehniiaung des Bundesrats . Mr Die einzelnen Kaliwerke werden von der Dertriebs- gemeinschast Beteiligungsziffern festgesetzt. Gegen die Festsetzung ist Berufung an eine Kommission zulässig, die aus dem Bundesrate und von den Interessenten bestimmten Mitgliedern besteht und deren Vorsitzenden der Reichskanzler ernennt. Besitzer von besonders ausgedehnten Abbaufeldern erlitten Zufaßbeteiligungen, toeld)c mit dem Wert des Durchschnittsabsatzes steigen. Für die nächsten fünf Jahre gelten die im neuen Kalrsyndikatsvertrage festgesetzten Be- -eiligungsziffern. Kaliabbauberechtigte, welche noch nicht mit der Anlage eines Kaliwerks begonnen haben, erhalten eine Entsä-ödigung, welche in der Gewährung einer auf vrund der Bvhraufschlüsse festzusetzcnden Beteiligung be- ltehü Dieses steigt mit dein Werte des auf ein Gemein- schaftswerk entfallenden Durchschnittsabsatzes und kann -urch Usbertragung auf Mitglieder der Dertriebsgemmn- sck-ast verwertet werden. An Stelle einer solchen Entschädigung kann der Berechtigte den Ankauf der Abbau- :echte durch die Vertriebsgemeinschast gegen Erstattung der krwerbskvsten oder des im letzten Jahre notierten durch- Icbnittlichen Kurswertes verlangen. Die Bertriebsgemein- Ick/aft kann an Stelle der Gewährung einer Entschädigung dem Berechtigten den Beitritt als Mitglied gestatten. Be- -ltchende Lieferrrngsverträge sind von der Vertriebsaemein- Haft zu übernehmen, soweit die Lieferrmgsverpflichtungen ^ucht über zwei Jahre hinausgehen. Die Geltungsdauer des Gesetzes soll zwairzig Jahre betragen. Skanüalszenen in der russischen Duma. Petersburg, 17. Dez. In der heutigen Abendsitzung in der Reichsduma erklärte der Abgeordnete Roditschef (Kadett) bei der Beratung über die Zulassung der nichtrussischen Sprache bei den örtlichen Gerichten, daß die Abschaffung der den ll-olen durch die Grundgesetze gewahrten Wahlrechte ungesetzmäßig gewesen sei. Diese Worte riefen bei der Rechten und zum Teil r^uch bei den Nationalisten unglaubliche Lärmszenen her- wor. Man klappte mit den Pultdeckeln und mehrere Nationalisten '.^brachen sogar ihre Pulte in Stücke. Der Präsident versuchte -cgeblich, die Ruhe wiederherzustellen und sah sich schließlich ge- ... üungai, die Sitzung zu unterbrechen. Darauf versuchte der Abgeordnete Timoschkin von der Rechten mit dein Kadetten Ad* t chenvw handgemein zu werden. Eine Prügelei wurde durch die Ordnungsbeamten des Hauses und durch die Freunde der beiden Abgeordneten verhindert. P'e t e r s b u r g , 17. Dez. Der Budgetausschuß . der Reichs- birna hat in geheimer Sitzung einstimmig die zur Reorgani- srtion des Heeres nötigen Kredite unverändert bewilligt. politische Tagesscbntt. Die Einigung des LinksliberalismvS. lieber das neue Einiaungsprogrcmrm der AnkZliberalen schreibt die „Natl. Korresp.": ,^Jn den Blättern der drei ,Richtungen ist es noch wie ein leises Fortzittern der Kämpfe, die dieses Werk gekostet haben mag. Den einen will die neue Firma nicht recht gefallen; die anderen seufzen hörbar über das Aufgeben alter liebgewordener Vorstellungen und programmatischer Sätze zugunsten des neuen Parteigebildes. Indes sind das Dinge, in die wir unö nicht zu mischen haben: intime häusliche Begebnisse, die uns nichts angehen. Immerhin bliebe anzumerken, wie dies Kompromrßprogramm, das nicht ungeschickt aus den Leitsätzen der Einzelnen das Beste zum Strauße windet, einen unverkennbaren Fortschritt aufweist in dem 2lbrücken von Lehrmeinungen, die durch Jahrzehnte zu dem GlaubenSsck)ay freisinniger Unentroegiljeit gcyört hatten. Da wird'unter Ziffer VI der neuen Konkordien- fvrmel staatliche Sozialpolitik wie etwas ganz Sellrst- verständlick)es gefordert und neben dem Satz, der die Erhaltung des Reichstagswahlrechts heischt, steht der andere, nicht weniger bedeutsame, von der noch zu erwirkenden Berücksichtigung der Minderheiten. Das scheint uns darzutun, daß die neue Partei (wozu aus ihrer Geschichte und Vergangenheit sie vielleicht manches verführen könnte) keine Neigung zeigen wird, in blutleere Theorie sich einzuspinnen und in Doktrinarismus zu verharren. Und das freut uns. Die uns überhaupt diese ganze Einrichtung ehrlich freut. Es ist doch wenigstens ein Versuch, dem Wirrwarr der Fraktionen und Frak- tiönd>en mannhaft zu Leibe zu gehen. Wenn die neue große Partei besser als es bisher ifjre Splitter vermocht yaben, örtliche Querköpfigkeit niederzuhalten verstehen sollte und dafür zu sorgen, daß den schönen Dorten von gesanrtliberaler Gemeinbürgschast auch die entsprechenden Handlungen folgen — an unserer frenndnachbarlichen Gesinnung wird es nicht fehlen." * Dal preußische StaatSminikerium und die Wahlrechtkrefana. Die „Münch NeuesL Nachr." melden aus Berlin, gutem Vernehmen nach sei die vorgestrige Sitzung des preußischen Staatsministeriums den Erörterungen der Reform des Wahlgese tzes gewidmet gewesen. Es sei anzunehmen, daß die Thronrede zur Eröffnung des Landtages bestimmte Maßnahmen auf di.sem Gebiete amünb;gtn werde, so vor allen Dingen das direkte Wahlrecht. Eine ähnliche Mitteilung, die freilich etwas weniger bestimmt und etwas allgemeiner gehalten ist, bringt die „Frankfurter Ztg." Demgegenüber stellt die „Deutsche Tages.ztg " fest, daß grundsätzlich über die Beratungen des Staa sministeriums unverbrüchliches Stillschweigen bewahrt wird: Man darf deshalb vermuten, baß die Mitteilung der beiden süddeutschen Blätter auf Kombinationen oder auf Annahmen beruhen. Zu derartigen Kombinationen liegt aber eigentlich keine besondere Veranlassung vor, da das Staatsministerium gerade jetzt unmittelbar vor dem Zusammentritte des Landtages recht wohl über andere Gegenstände, beispielstveise über den Abschluß des Etats, beraten haben bann. Auch die Thronrede kann den Gegenstand der Erörterung gebildet haben: und daß dabei die Frage der Wahlrechtsänderung geftreift worden ist, kann als möglich bezeichnet werden. In kundigen Kreisen neigt man der Annahme zu, daß die Wahlrechtsänderung in der Thronrede nicht erwähnt werden wird. Das würde nur dann zweckmäßig sein, wenn die in der vorigen Thronrede in Ansicht gestellt m Vo b C- t njen z m Abschlüsse gelangt n>ären, lvas tatsächlich bis jetzt nicht der Fall ist. Bestimmte Andeutungen über die geplante Gestaltung des neuen Wahlrechtes sind, wie man uns versichert, in der Thronrede nicht zu erwarten. • Statistik der deutschen Reichs Pofi« und Telegraphenverwaltuug. Nach der soeben veröffentlichten Statistik für das Kalenderjahr 1908 hat sich die Geschäftstätigkeit im letzten Jahre wiederum erheblich erweitert, wenn auch in einigen Zweigen die Zunahme nicht so erheblich war wie früher, und im Telegraphenverkehr sogar eine Abnahme stattgefunden hat. Der Ueberschuß der Einnahmen über die Ausgaben, der im Etatsjahr 1907 um 22 Millionen Mark zurückgegangen war, hat sich im Etatsjahr 1908 um 9Vs Millionen Mark gehoben. ilüichstehend seien nach der ,^8oss. Ztg." die Hauptzahlen der Slaiistil mitaeteitt: Tie Zahl der Po st an stallen betrug im R i hspost-- gebiet (also ausfchl. Bauern und Württemberg 34 49J gegen 34 072 im Jahre 1907; bttjU kommen noch in den Schutzgebieten 173 (1907 156) und im AuSlande (Orient, Marokko^ China) 31 (31) Postanstalten. Tie Gesamtzahl hat sich mithin von 34 072 auf 34 490 oder um 418 d. i. 1.23 (1907 1.29) v. H. erljöht. Unter den Postanstalten im Reichs- Postgebiet waren 24 493 (23 283) mit Telegraphenbetricb. Es kam je eine Postanstalt auf 13.0 (1907 13 1) Sfnitr. und auf 1511 (1529) Einwohner. Amtliche Verkaufs stellen für Postwertzeichen gab es außer den Postanstalten 27 577 gegen 27 381 i. I. 1907, darunter 6479 (6548) an Orten ohne Postanstalten. Die Zahl der Postbriefkasten betrug 124 332 d. i. 2920 oder 2,41 v. H. mehr als im Jahre 1907. Postanstalten mit Schließfächern sind 687 (1907 592) mit zusammen 21082 (18 328) Fachem gezählt worden; die Zunahme mar also recht bedeutend. Dos Gesamtpersonal der Post- und Telegraphenverwaltung belief sich auf 288 725 Personen gegen 277 116 im Jahre 1907; die Zunahme war mit 11609 oder 4,19 v. H. wesentlich geringer als im Jahre 1907, in dem sie 15 334 oder 5 86 v. H. betragen batte. Unter dem Personal befanden sich 116613(1907 l 117b 1) Beamte, 123307 (117831) Untcrbrointe, 43 442 (43 148) außerhalb deS Beamtenverhältnisses beschäftigte Personen, 895 (898' Posthalter und 3468 (3488) Postillone oer nicht reichseigenen Po schaltereien. Unter den Beamten waren 20 140 weibliche gegen 17 826 L I. 1907 und 14 679 i I. 1906, so daß in 2 Jahren eine Zunahme« der weiblichen Postbeamten um 37 v. H. (tätige* funden hat. Die Gesamtstückzahl der von der Post beförderten Sendungen ist auf 7995 Millionen Stück berechnet gegen 7667 i I. 1907 und 7105 L I 1906, so daß eine Zunahme um 328 (1907 um 562) Millionen stattgesunden hat. Darunter befrmben sich 5670 (5435) Millionen Briefe, Postkarten, Drucksachen usw., 200 (192) Millionen Postanweisungen, 5.5 (5.5) Millionen Postauftragsbriefe, 1694 (1603) Millionen Zeitungsnummern, 210 (174) Millionen außergewöhnliche Zeitungsbcilagen, 237 (227) Millionen Pakete und 8,7 (0.0) Trillionen Briefe mit Wertangabe. Den .Gesamtbetrag der Wertangaben und des v.rmitt Len Geldverkehrs betrug 32 996 (32 980) Millionen Mark, ist also nur um 16 (im Vorjahr um 2590) Millionen Mark gestiegen. Die Gesamteinnahmen der Post- und Tile- graphenverwaltung beliefen sicd im Rechnungsjahr 1908 auf 623.38 Millionen Mark gegen 576.58 Millionen Mark im Jahre 1907, die Gesamtausgaben auf 576.58 MilL Mark, die Ausgaben um 37.23 Millionen Mark gestiegen. Tamit hat sich der von der Reichs-Post- und Telegraphenverwaltung erzielte Ueberschuß von 37.23 auf 46.80 Mill. Mark erhöht. '' -------- -L_ ..J'J-1" ' ...l,----- -l.S Gießener Strafkammer. )( Gießen, 17. Dez Diebstähle en gros. Ein trauriges Bild der Verkommenheit einiger junger LeutS von hier zeigte eine sehr umfangreiche Verhandlung, die die Ab-' urreilung einer Anzahl hier verübter Einbruchs- und anderer Diebstähle zum Gegenstand hatte. In der Nacht zum 26. Sept, versuchte der 22 jährige, hier gebürtige Arbeiter W. Sch. mit den. beiden 18 jährigen Dausburschen L. D. aus Krosdorf und I. R. aus Fürstenstein und dem Handlanger A. H. von hier ein Seltcrs- wasserhäuschen in der Friedrichstraße, in das H. früher schon, einmal eingebrochen hatte, einzubrechen. Da ihnen dies ohne Werkzeuge nicht gelang, nahmen sie an einem Neubau Mauer- klammern mit und begaben sich an das Selterswasserhäuschen an der Ecke der Bahnhofs* und Liebigstraße. Während W. Sch Schmiere stand, lösten die andern den Kloben des Rollandens, zogen diesen in die Höhe und entroenbeten drei Kistchen Zigarren, etwa acht Pfund Schokoladezigarren und fünfzig Tafeln Schokolade; die Sachen teilten sie unter sich und verichcnkten sie teilweise. Später stieg D. mit dem gleichalterigen Schuhmachergesellen L. Sch^ von hier und einem gewissen E. von da, der aber im Laufe der! kleines Feuilleton. — Die Stadthalle in Mainz wird während des Um* brues des Stadttheaters, der int nächsten Jahre erfolgt, brein Direktor, Hosrat Bohrend, für Tbeaterausführungen über* lassen werden. Hoffentlich wird sich in Mainz genügend Theater- Drblifirm finden, um diese Riesenhalle, die wohl die größte in ^cutidylanb ist, wenigstens einigermaßen zu füllen. Dazu ist, wie ir.ir aus Erfahrung wissen, btc Schall Wirkung vvn der kleinen Dühno aus sehr mangelhaft. — Einsturzgefahr beim Straßburg-er Münster. Dan schreibt den M. N. N. aus S t raßbu r g: Schon seit Jahres- ftist laufen Gerüchte um, dem Straßburger Münster, diesem Herr* Liften Denkmal deutscher Gotik, drohe, ernste Gefahr durch hxnt* «hende Zerstörungen an einem der Hauptpfeiter, \ü datz schon Lenkungen vorgekornlmen seien. Der Straßburger Gemetnderat hü deshalb im April ds. Js. die Vornahme von RenovierungL- erteiten beschlossen, vom städtischen Bauamt wurde jedoch bisher Sehauptet. es liege fein Anlaß zu einer ernschaften Beunruhigung vor. Dieser Erklärung entgegen lezeichnele gestern der Do m b a u * meister Knauth in einem Vortrag den augenbllcklcchen Zustand des Münsters als durchaus besorgniserregend, wenn auch Jahre und Jahrhimderte hindurch keine Katastrovm engetreten wäre. Nach einer interessanten Behandlung der Boip «schichte des MünsterS erörterte der Vortragende eingehend die Äelastungsverhältnisse des in seinem Fundament crrrartnen Pfetlers und des benachbarten ersten Pfeilers des Hauptschiffes, danach weist der bezügliche Pfeiler mehrjackre Mehrbelastungen am, die Tusaminen mit bcin besondere wichtigen Seitendruck des Lurm- IttebpfeilerS als die Hauptursach e für die Zerstörung des Piei^s engcsehen werden müsjcn. Das Zerstörui'.gsioerk hat nch zunachi! bird> Risse vvn Westen nackt Osten bemerkbar gemacht. ^Knauth Pat diese feit mehreren Jahren genau bcooachtet und e* Iteilte ich heraus, daß sic in ganz kurzer Z eit z u n a h m e n. Ter Tucnipseilcr nebenan, dessen Belastung nicht in der öenrretmen erfolgt, zeigt eine Ausbiegung nach dem I n n e r n des Dünsters um etwa 8 Zentimeter. Der Ibiteriuchung Ker Fundameiite wurde unterhalb des ^mnnchserlers rn dem aus Haustein bestehenden Fundament klon eine schlammige Humusschicht Llsgesunden, die mit inieiartigen Unterbieduntgoi vielleicht den bitten Teil des Pfeilerfundamentes im Ouerichnitt dar stellt lAt Dieder herstell uugsarbeiten dürfen sich also nicht auf die Erneuerung bs Scyifispieilers allein beschräu^n, sondern es wird außerdem em solche Verstärkung des Turnrpjeilers, iirsdeiondere iemes anndamer'.ts, durd>geführt werden müssen, daß dieier dre iym durch die fttonftruftton des Bauwerks zugewiesene Belastung auch Wirklid) zu tragen vermag. Die ersten nnfsenichaMichen Autorr- t*tai habcn feig NeWMierungschw je Eie des TomLarnneisters lur möglich und durchführbar erklärt, so daß die Betonierung bald beginnen kann. Knauch sdüitzt die Dauer der Bauzeit auf zwei bis drei Jahre. — Tie merkwü rd i g sten Dramaturgen besitzt das Neue Theater in Halle a. S. Im Genossenschafts-Al- manad) vvn 1909 stand zu leien; „T. Oesbini, Bureauchef". Die Mitgliedschast wundert sich nickst wenig, daß ihr dieses wichiige Tirektionsmitglied noch nie begegnet war, bis sich herausstellde, der Name habe zu bedeuten: „Toes bin V*. womit der Direktor sich selbst als Bureauchef deklarierte. In dem eben aus der Presse kommenden Almanach für 1910 heißt der Bureauchef: „K. A n e r b a". Man wird nunmehr ohne übertrieben viel Aufwand an Scharfsinn lesen können: „Kaner da". — Fünf preisgekrönte Werke deutscher Schriftsteller. Das „Bureau Fischer" in Berlin- Friedenau, das lediglich Werke deutscher Bühnenschriftsteller in Verlag und Vertrieb nimmt, hat nun die, vorn Verlage im Früpiahr dieses Jahres für dramatische Werke ausgesetzten Preise zur Auszahlung gebracht. Die Preissumme wurde von Mk. 2000 auf Mk. 2400 erhöht. Den ersten Preis (Mk. 1000) erhielt die Görlitz er Schriftstellerin Emmy vvnPannewitz für ihr Schauspiel „Hinter K l o Herrn a u e r n". Der zweite Preis wurde vervoppelt. Es erhielten Mk. 600: der Lehrer Gustav Koh ne in Hannover für feine Komödie „Der Vorsteher von Holtebauk'" und feine Vvlkstvagödie „Um das Gewissen" unb Mk. 600 der Hamburger Schriftsteller Ernst Eilers für sein Schauspiel „Peter Nissen". Der Sonderpreis von Mk. 200 für Einakter fiel Eberhard von Weittenhiller in Innsbruck für seine einaktige Tragödie „Klevpatra" zu. Für das nächste Jahr schuf das Bureau Fischer sechs Ehrengaben in der Gesamthöhe von 3000 Mark, die wieder am 15. Dezember zur Auszahlung gelangen. — Neue Nordpolarerpedition. Eine Dristsahrt über den Nordpol nach dem Vorbild des „Fram" plant, dem „Globus" zufolge, der Amerikaner Evelyn Baldwin, der Leiter der von Ziegler ausgerüsteten Expedilron nach Franz-Jvief- Land Vvn 1901/02. Tie Dauer der Reise veranschlagt er aui vier Jahre. Denselben Plan will bekannttich 2ümnti>fen zur Ausführung bringen. — Japanisches Spielzeug. In der Kunst, für ihre Kinder anregende und dabei ebenso einfach' als billige Spielsachen zu erfinden, haben es die Japaner weiter gebracht, als irgend ein Volk der Erde. Es sind »ast durchweg Arttkel, die nur wenige Pfennige losten und für Arm und Reich zugänglich sind, aber von einer Mannigfaltigkeit und einer Sinnigkeit, die ganz erstaunlich ist. Biele dieser winzigen Sächelchen sind dem Inventar religiöser Kultuszeremonien entnommen, kleine Holzhämmer, Miniaturtrommeln, Opfertifchchen, Mützen, wie sie die Schinto- priester tragen, u. dgl. mehr. Ein Bündel niedlicher Zinnglödchen an hölzernem Griff ahmt das heilige Suzi nach, das die jungfräuliche Priesterin beim Tanze vor den Göttern in der Hand schwingt. Masken und Puppen, die bestimmte Götter vorstcllen,. sind besonders häufig. Anderes Spielzeug ist dem Tierreich entnommen und zum Teil auf recht sinnreiche Weise beweglich gemacht. Sehr beliebt ist das Tombo (b. h. die Libelle), das nur aus zwei I-förmig zusammengefügten Holzstäbchen besteht und durch eine quirlende Manipulation dazu gebracht werden tarnt, wie ein Insekt birad> die Lust zu schwirren. Ein anderes heißt O^Saru (der ehrenwerte Affe): zieht man an feinem Schwänze, so läuft er flink an einer Schnur hinauf. Karu-wazassi, der Akrobat, ist eine Holzfigur an einer Schnur, die zwischen zwei fcherenartis verbundenen Dambusstäbchen gespannt ist: drückt mau die stabenden zusammen, so führt der Akrobat allerhand Turnkunststucke aus. Kvbiki, der Holzschneider, stelll einen japanischen Tischler miti einer Säge und einem Brettchen dar, der durch eine Schnur in Tätigkeit versetzt werden kann. Chin ist ein kleiner weißer Hund, der kläfft, wenn man ihn aus den Kops schlagt. Dann gibt e# winzige Spinnräder, die getrieben werden können, irdene Schildkröten, die im Wasser schwimmen, hölzerne Pfeifen, die beim Geblasenwerden ein Windrad in Drehung versetzen, Fächer in Bluinenfvrm, bewegliche Miniaturgruppen unb unzählige andere Dinge, die fast alle um eine Kupfermünze zu haben sind. Für Puppen haben die Japaner überhaupt eine große, fast abergläubische Vorliebe. Lebensgroße Puppen wurden, wie Lafcadio Hearn, der leider zu früh verstorbene feine Kenner japanischar Volkslebens, erzählt, früher oft wie das Kind vom Hause geholten; sie hatten ihre eigenen Betten, viele hübsche Kleider, bekamen! ihre regelmäßigen Mahlzeiten und der Glaube war verbreitet, daß es dem Hause Ungemach bringe, wenn man sie vernachlässige Manche dieser Puppen standen in dem Rufe der Wundertätigkeit und kinderlose Eheleute pflegten sie sich für eine Weile auszuleihen, weil sie dadurch Elternglück zu erleben hofften. Auch, letzt noch findet man in japanischen Familien den Glauben,^ daß eine Puppe, die lange Jahre in ein unb bemselben Hause gewesen sei unb mit bet Generationen von Kindern gespielt haben, allmählich zu einem beseelten Menschen würde. Hearn erzählt^ er habe einmal ein reizendes kleines Mädchen gefragt: „Du, kann beim eine Puppe leben?" — „Warum nicht?" war bie Antwort: „wenn man sie so recht von Herzen lieb hat, so wird sie leben." — Ob nicht unsere abenbländischen Kinder ganz ähnlich denken? •uÄtmaxhe."--' r ,'^uchr rtgr.*' una nidn ertnuteu Dexixn bcu:. nacht- in bit 615hallt oes ^t-vereut- durch das Dachten >'ker ein. Sie Kahlen 5c6uhe, wrntr mehrere *8aarr Bdmbe 5dmt rinnen, Absperriei! un/> eine schürz« im GJramrrorrte twm ctroc 110 Mark, (hmqr 2agr später nahmen die nämlichen 2ütgeJtagt. einem Dirt in der Ludwigsttatze einen kupfernen .'iaiet 'm Werte von 30 Mark gestohlen. Ter fteffcl 'oll -ich im befunden haben, tne Angeklagten brhauprcn aber, er habe vor her Wirrfivasc auf dem Äarrenspalier gehängt D 3(6 und D haben tn der gleichen Nach: der Bauhüttc eins Kauunrrrnehmers non Grotzen-Llnben, im Walde, einen Besuch abgesratttt. si- bestiegen vie Hütt,. in der sie Geld vermuteten, Dom Dach aus und Eugen mit Mauer klammern die Decke durch eucher .-üum Kontobuch !' 600 TmpranqS schein en und eirocd Brot. das nr nerzehrten 1 ihnen nichts in die Hände. Aus '.teiger darüber, oatz sie nun wie sie anfänglich annahmen, Gebrauch non Den scheinen machen konnten, zerrissen sie das Buch und warfen e- >n das Waner. In derselben 3ladu stieg en W sch. und D n 'nen Keller der Eltern des Sch zu Klein-Lind n durch ein Fenürr da- sie $er Turn werten, ein, und nahmen nu : ^laschen Brin Bier, Prruittiaft und eine Bürste mit. Am • Dtt stahlen W sch. und dem Mitangeklagten L. €di einen Rpck^ und eine Hose, bie «K iur Drei Mark abiepten; auch hat W Sck- ein.em Mitknecht etn Haar 3dmbc gestohlen. Am hellen Tage auf dem öffentlichen Marktplatz stahl L. nach vorheriger Verabredung mit L. sch. einem Telegraphcnarbeiicr, während sich dic'er mit Sch unterhielt, um die 9Iuimerhom!rii adzulenken, eine Tasche, in her sie Estwaren vermuteten Der kl inc Vorrat wurde Gemeinschaft' lich verzehrt und die Tasch.- in den Schorgraben geworfen. W Sch. und D und auch verdächtig, in das Kontor einer hiesigen Getreidehandlung einfl^brodK" ui iein. doch wurde mangel- Anhaltspunkte keine Anklage erhoben; übrigen- sollen die Ang? klagten noch weiterer Diebstähle verdächtig iein. In dem zuletzt genannten Falle wurde Mundraub für vorliegend erachtet, Da oie Angeklagten angaben, sic hätten es nur aui Estwaren abgesehen; die Ausfuhrung der Tat und das Verhalten noch derselben sprach für die Ni lNigkeit dieser Angaben, soweit die Ang klagt'n noch al- jugendlich iu bejeichnen sind, wurd- angenommen, dast sie die zur (rrPnnhiid der Strafbarkeit erforderliche Einsicht besessen haben (ttertn W Sch wurde weq>-n cturt chweren und drei einfachen und ritte« Versuck>s des Diebstahls auf eine Ge- samtstrase Don 9 Monaten Gefängnis rrlanni Der am meisten beteiligte und tzouvtanstist t V T bekam für neun Fälle di aus 16 Monate und 5 Dockten lautenden Gefängnisstrafen auf 1 Jahr reduziert; austerdem erhielt er wegen Mundraubs 3 Wochen .vaft. Die uier Fälle des A H. wurden mit I Monaten Gc fän^nis geahndet und V sch. bekam für fünf Fälle 10 Atonal? ;6etSngnis und 3 Wochen Haft. Der als der Verführte betrachtet-’ und am wenigsten beteiligte I. R erhielt wegen eines Diebstahls unb eine- Berfuck S zusammen 17 Tage Gefängnis Auster d-m fuletztgenannteii ind sämtliche Angeklagten in Haft es wurde de-halb icdein rin Monat Untersuchungshaft ungerechnet, wo- bei zunächst Die Haftstrafen für verbüstt erklärt wurden (5nl- oegen der früberni Annahme wurde nicht für erwiesen erachtet, hast sich die Angeklagten zu einer Bande lufommengcrottet haben, um bei jeder Gelegenheit Diebstähle auSzufübren und davon zu leben Es wurde vielmehr angenommen, dast sich die Angeklagten " de-mal aufs neue entschlossen, wenn sie einen Diebstahl aus- rühren wollten. Laintlickie Angeklagte und die Ztaat-anwaltschan erkannten das Urteil als rechtskrattig an. 3nei fngendliche Abenteurer wollten nach her mferreichiKhrn 'Grenze. wie he angaben T:r 12 jährige B M. von Homberg ist mit einem neunjährigen straf - unmündigen Mameraoer auf ixm Maulwun-fang gewesen In ihrer Reiselust verabredeten iic, ihre Schulzeugnisse zu säl'chen und diese als Legst, man susvapiere zu verwenden Ihr Reisegeld glaubten sie an der Kasse her Haltestelle Wäldershausen zu finden. ^>te schlugen mit Steinen so lange an das Fenster der Haltestelle, di- es natfmb und fte es durch Hineingreifen öffnen konnten. Von den am bem Tische befindlichen Schreibmaterialien langten ne vom Gesim»e au- verschiedene herau-; doch mit der eisernen Kassette, in bei >>ch übrigens auch nur 2 Mark befunden haben sollen, wustln H- nichts anzmangen, weshalb sie weiter zogen 'sic trieben sich die Rächt durch herum und wurden an der Station ‘tttcberX^emünben inrtgriagt. Der Angeklagte, der von seinem Lehrer als sehr verlogen gefebüth-rt wurde, ichch die Schuld auf hen jüngeren 'inmuanen und dieser wieder aus den Angeklagten. Es stand fest, dast der eine mit dem Tun des andern einverstanden war und e- de-Zalb nicht darauf au kam, wie sich jeder an der Arbeit beteiligte Der Angeklagte wurde zu einer Woche Gefängnis wie ein ülarmorbilöroert entsteht schildert Vroiei'ir Adolf Brüll in dem Deihnacht-heft der Hall»' nwnotsschrift ,/Lar > imd Süd" Ter Bildhauer, dessen Mommsen- lenfmal erst ojr lurzem in Berlin enthüllt wurde, läßt sich in einem Briefe an den Herau-geb.'r folgendermaßen vernehmen - Sehr geehrter Herr Doktor! Sie möck teu einige Aufnahmen veröffentlichen, die versckie- ixn< Stadieii in der Entwickelung meiner letzten Marmorarbeit darstellen, unh ich soll den Irrt laut schreiben. Tafl liegt mir gar nicht, aber weil ,armer wieder die Prraae an mich gerichtet wird ..Wie macht man denn io etwas m ‘Piarmor". nehme ich an. das ine Antwort hier auf von meinem Interesse sein wird, und will versuchen, sic zu geben. (5? gibt vii-ich edene ’Retdod.’n, eine in Ton modelliert, und in Gips abgeam'enc Plastik in Marnwr zu übertragen, und di» tenurmfte und hon den meisten Bildhauern an gewendete ist: die Tcarrorarbett en einen geschickten Marmsrbildhauer zu wr- toetHm. tiefer vertraut neuerdings btt ranze Arbeit einer Ma- scknne an, die. auf dem S »stein des Storchschnabels beruhend ihre Arbeit io vorzüglich versteht, dast der Bilddau-r ben einen Milli- mchcr starken Ileberfchust an Marmor, den die Maschine an der Dbtrflädx ftrh.-n last, ohne Müde mit Raspel und Sandpavier artiemcn unb 10 bie Arbeit vollenden kann Mühsamei mar be 'Herr Meldade. tne darin bestand, dast brr Tiamwrurbriter mit drei Iirkeln, durch .Qreu;i±!ag van jttrt Punkten aus und Iteienbcitimmung durch den dritten 3trkl, nach und nach Punkte in bem Marmor durch iVartarbcurn des »ontn» fifimt. btt ben aui dem ivmabell mu Bleistii; an- ae^ebentn genau ennprach n Eine mübiamc und sorgfältige Ar. brit, wem, man b-t>-nh. dast bie Punkte, über da» ®an»c ver. trilt, in Iwiichem nimen von ein bis drei Zentimetern gen nnr.:en werden müikn eine SNavenarbeit! Rochdem bie Punki stcden unb brr ^iwn mu dem Iahneisen von em m ;um anb ::; entfernt nl. bnrimt die Aus üdrun^. d,e w edecum meistens dem geichickren Marmorarb.iter uverlassen wird, ber uch miuni an das Modell Mit Diese t- iden Mett» den nxmbe ich bei Denkmälern an; bitit bte eigen -.nbtge AuS'ichrung brr gwsten iytgur.11 würde hier >u rnel Jen unb Statt erfordern. Ader SSp'c unb Hände mache ich selber 'Kun zu, bniren. ältesten unb schwierigsten Methode: dem freien Ausbau en ohne Maschine und ohne Punkte mr-r rueft vdnr Hmsnnibrl frei rack brr 'Jiaiur Das kann ber fluntla ran selbst unb retcb r mir an innen »men. idealen W.-rkcn aus üben. wenn er s kann. Diese Aide re veisc. di txm den Griechen unb ,pater kun Miche'.angel.' und and > n Äendinanc m.tfrrrn mit Wvter M«ttenchall geübt rurbr. macht den nnirr erst -r.i irL ':;£H,auvr, • ~K '-"deren ,md «oteilcure. ' tagt Jltvli Hildebrand mit Recht. ■Sesxiriax man oai L^arnwr eLDtU» oazo uzege Udnnur bann brgunu erst m Schwelgen irti> bi? höchste Sun -x b?. ’annprfning, zugleich erne anregnibe und friyr an strengende Tä: : im. Denn Der Marvxir brxzu.'fr. icküvcre b ebe, unb nur rui eftr Jaust kann ihn z.vmzen. trrn Bestes herzu geben, unb boa ist es. als neue er «ich brr Erlöiung Wenn mm es i.'wtt gebracht bat. yrmt erii verstebt man bi (Stör* MichelangrioZ 923» -und beugt sich Dur dm m tim:’. i .-velcke bis ins tiefste Inner bringende Stimmung in feiner» L'-erken? Es ist mern-m An'ichr nach Spielerei, nach letzt ix . eh ter bef oben ter tiedt mit oen cfro unnrrncT, angefthtcfrtr Aarr ebung Stimmung tu 'rtiden Da^ kann mir Emp u düng unb St nrmun.7 .-ewotr Dilettant. Ader wie Mickrlange; trotz vollenderer »rinr. ,ur 5eti'. Dringend«- zu icharfot. baut Meistenchast. und bas ist unirervUch Jum -ur Sache Die -ilteste Methode, feint Coebanfai. ober bei »er Emp' u düngen, ui Marmor zu übertragen, wurde cj gehandhabt, bai man itd» bei kampln erren Snurüifm ein kleines aber aeokll >7 sf^nodell au4 Sacks jfca Dm midjtz, um wt wenig Zirkel- mriiunaen über ben Marrnorbtock richtig bisvDnjrren za 'onntn Tenn ber Bwck hat meist seht uttre-gelmiBige #"Var;n. und mar hat her jiafzen wegen Hriatnr vorsichtig -u prüfen, ab ba3 was man schaffen will. n»ch nt ihm citbaltm. iir Seim groben chauen mit dem Svitzeiien und veta tnerpiund nun iynrn-cr muß man natürlich am meisten aurnaikn: beim eine Unrichtig l.n der Meipclführung, die iith iehr neck ber Lag-rung des Material- richten must, fann btf ganze Sache verderben, öerab im Anfang nt d.-e isesahr des Verhauens am .rrShkui, tt*n. man unwillkürlich fast in Dut g-rät über bie Zähigkeit /mb ^ideri'renstigkeit des Marmors :J.— yocirren mu den Svitzeiien angetxnuer iurd. L at man das Ckmie mit bem Hahneuen an, und erst, wenn ba- geich.hen, nimmt man mögtick ft schöne '.Qatur zum Modell. Vaiher lann es niemand in der nächsten Umgebung deS Arbeitenden ausdoUcn, weil die loS gesprengten Marmorfchrotteit mu ulchcr Vehemenz durch den Raum laufen. Daß sie mitunter Aensterfchciden durchschlagen Jetzt beginnt Die Vollendung mit dem scharren, schmal an frlach -n, mu Raspel imd Sandl>ivier, unb dabei kann es entern n ?bl begegnen, das man sich in innr selbstaeichafiene Gestalt verliebt 'ann den armen Pygmalion durchaus verstehen Äenn ich nun meine letzte Marmorarbeit, eine IrbmegraFk' irigur, in nebenstehanden Abbildungen veröfsentliche. io liegt es mir abiolut fern, mich auch nur für einen klein im Michelangelo zu ballen. Die Verossemlichung geschieht aus Gründen die ich anfangs angab, unb idi füge nur hinzu, oaij dic 1 letzte oder üngste Arbeit ohne Hilfsmadell enntanben ist Si war ver hältnismüßig leickd; denn sie hat nur eine Ansicht, die ich, mit Sohle aui den Block leichnete und dann freihändii nach der Natur ü-'Ucnbete, so dast der Marmor bis auss Aeusterste ousgenutzk nuroe. >)ch laollte nur eine Stimmung geben und Formvollendung genresen. Darum gebe ich dem L>eri auch keinen 'ta-nen, sondern macke es wir die Musiker, nenne es „DpuS 100", und wenn ich das Gluck haben sollte, dast meine Arbeit, wenn aiüh nur aus nx’iiigc Beschauer, ähnliche Empfindungen auslöst, rnte ite mich im Schassen erfüllten, dann bin ich zufrieden unb braudre weder eine gute, noch — eine schleckste ftritit Mit bestem Grütze -36t Adolf Brütt. Dcrimiditcs. * Der „g er ö st eie" Tast. Der „Gridiron-Club" in Washington, dessen Mitglieder hauptsächlich Journalisten sind, ist eine ganz einzigartige amerikanische llnstitutwn, ber bas Recht der freien Rede und des rücksichtslosen Spotts, gerade den Mächtigsten gegenüber, auf sein Banner geschrieben hat. Alle Gäste dieser Bereinigung sind zugleich ihre Opfer, denn fte werden auf dem „Rost" der Satire unbarmherzig weich gesotten und müssen gute Miene zum bösen Spiel machen. Wie sich früher Noo'evelt von diesem Club gern sein eigen Bild im itharibeleudUftm Spiegel ber Karikatur vorführen liest, so ist auch Taft ber Einlabung gefolgt unb hat vorigen Sonnabenb mit dem Vizepräsid-mlen Sherman. bem Sprecher des Repräsentaraenhauses Cannon und anderen hohen Beamten an einer Sitzung teilgcnommcn 'behaglich fast bei Präsident in der feierlichen Versammlung und liest all die bunten Verkleidungen, Belcuchtungsefsekte, Szenerien, ben ganzen tollen Fastnacht-ulk witziger Laune an u.-h voruberziehen, der die Polttik und beionbcr» ihn selbst zum Gegenstand hatte Sein Vorgänger wurde dabei recht kräftig gegen ihn ausgespielt und ihm 'war nicht sein Lieblingsgericht Opos'um, aber dafür ein riesiger Kuchen serviert, der in den Saal bcreuigexolLt unb vor ihm auf- gestellt wurde „Was ist das für ein Luchen?" fragte ber Vorsitzende. „Ein Roosevelt-Kuchen", war die Antwort und dabei zerbarst bie Kuchenkruste und aus ihr kam die lyestall niic-4 stämmigen Mannes hervor, in eine Khaki-Uniform gekleid.t, bereit riesige Brillengläser und blendende Zälmc keinen Zweifel bgrnb’r liesten, welchen Inhalt bet Kuchen sasttc. den man Taft vor- setzte. Sehr lustig war die Schar der Suffragette-, die eine grobe Pauke trugen und mit dem Ruf: „Stimmrecht für Frauen'" in den Saal mcmchierten, gefolgt von ihren demütigen Ehemännern, die eine gewaltige Lobrede zu Gunsten ihrer besseren Halsten halten mutzten Die Suffragette- wollten da- ganze Diner über da bleiben unb waren sehr ausdringlich, bis der Präsident befahl, Magenpumpen herbeizubringen, um ihnen damit bie nötige Nahrung bciiubnngen Da geben sie eilig Fersengeld, um von an beten »pvastmachetn abgelösl zu werben, und io ging es sott im lustigen Reigen das ganze Mahl über, von den Ämtern bi- zum Kaffee. * Bewunderung. Brandhuber tber zufällig „Schiller" in die Hand bekommt leienb: ..Wohltätig ist des Feuer- Macht"): „Ah, da- war a g'scheiter Kerl!" Spielplan 6es Neuen Giehener Staöttl?eaters. Direktion: Hermann Steingoetter. Sonntag den 19. Dezember, nachmittag- 3", llbr, bet kleinen Trednt. unter Mitwirkung der Novelle des bief. Jnt.-Regiments: Kmber - Vorstellung : ,®Urt)enbröl'fl/ Weidnachtsniätcheii in leck- Silbern von C. A. Gätner. Ende ä'. Ubr. Abends 7', Uhr. bet flemen Preisen: .Der fidele Sauer.' Ende IO1 . Ubr. Dienstag bm 21. Dezember, abenbs 6 Ubr: 9. Dienstag-Abonnements Vor- fieQimq: .Die Hofen des Herrn von Bredow ' Sdiotilciel m fünf Aickziigen nach Willibald Alert- von Rom Tow-ka. Ende lll Ubr. Thmvod) den 22. De-einber. abends 7 llbr: 9. Mittwoch-Abonne- ineni-Poriteklimg: .Gebildete Sken'chen.- Ende 9' . Ubr. Dainsiag Den 25 Dezember l. Weibnachts'eiettag», abends 7' , Ubr, bet iteiDÖbnlidien Precken: .Die Holen des Herrn von Bredow/' Ende W'/. Ubr. comuna den 26. Dezember i2. Weibnachk-teieriaaz nochmittaa- 3'. llbr, bei Volksoreifen: Kinder. Vorstell,mg: .SadÜBthfn/ Ende Ü> , Ubr. Ade.i^ 7'/, Ubr, bei arrröbiihcbfn Preisen: .olotteumanöver.' Ende 10 Uhr. Montag den 27. Dez., nachmittags 3‘ Ubr, bet kleinen freuen, unter Mitwirkung ber Kapelle de- biestgen Fn'anierie-Negiment- : Riiiber-Soi-irlluna .AschendrSoel.' Ende &'/, Ubr. Abends 7' , llbr, bei geivöontutren Vrcikii, unter Mitwirkung der «aoelle bei dies. Fn'.-Regimeul« .Preztosg." Sdhoufpiet in 4 Au'zügen von Pius «lex Wolff. Ende 10' , llbr. Lianöcl. — Konkurse in Hessen, lieber bas Verwögen bei Maklers uud Wini Ph-1. vasstnger in dabnde, in wurde aui 10. Tez da*Konk rsveMadrei, erößnet Reckt,viaknkant pol.mner m "liebe: • Clm wurde ; n, Konkursverrvgtter eniani'L Äonfuri- torberunaen sind bti zun- 1 Jan. be, dem .Imrigrriebt R-eber- Lim aujumelben. — Heber das Vermögen dec Akam H tst IL von 2«, dbecken wurde am 7. Dez das Konkursoefadreu er ofiwu Rechtsanwalt Dt. v. Hetmott tn serieS.eic wurde u>m RonfnrvDfrwulter ernannt Kw knte'ordei : u smd bti Mn, 10. 3oil bei bem Amtsgericht ^etverg uiui.uic.öe.L - Ucber ia, Beru^geu d« Frtebrta, Hetz ooa Letd decken wurde am 7. Dez. iHärltt. 'a* r.oiituzioerNibrre eröffnet Ser ^ewisanwau ti. 0. n rmebberc wurde :mu KankursVerwalter ernannt c.c orbfrungnt Hnb bis »um 10. Jan. bei bem Amtsgericht F ulbfri elbeiL — liebet das Vermögen des Landwirt u übler* Ludwig Roos von Letddecken wurde am iS if. KonkutsveMabren eröhue: Reck.»a„wati Tr. v. ivi ncu -i •nebberi wurde zum Konkursverwalter enidimt. Ron', t-'oebtt- tilgen und b,4 jinn 10. Fau. bet bem Amtsgericht .'neb.ern M. neiden. — lieber das Vermögen des M rde- undKot.u' andteri Markus -.'ömentbal zuBönftadt rombe am 11. J, ,'ufuv6o pro 100 P'd 'chnnieores O d>i en. eon-CeoLi-M yoQfUddiiae, auiaemästele. höchsten Schlachiivene., höchstens 6 Jahre alt 41—46 75*-Ä) 43 Junge, fleischige, rutn autgema'ietc und .ilieie ausgeniauet«...... 37—38 71—74 38 "laBig genährte junge und gut genährte allere......... 29—35 62—70 83 Bullen. UoOfleiidiifle, ausgewachsene, höchsten Schlachtweriei........41—42 t>8—70 41 Färsen, Rübe. yodfleticbige auigeinäfiete Färsen höchst, ccbladjnoeiiee........ 89-44 70—78 41 UoUfleilrtnqc au-geinästete Rübe höchst. Schlacht wertes dis zu 7 johrtn . . 34 — 37 8»»-70 85 Keltere gusgeuiastete Rühe und wenig gut eutwickette jfmaereKübe u Färieu 80—3! »^r—84 31 Mästlg genährtc Rune und Färsen . . 34—27 43-54 25 Halber. Feinste Mast- (Lolluiilchinast) und beste Saugkätber......... 44 - 60 74 —32 47 Phnlere Mast- und gute Saugkälber . 3^—42 ftl-7» 40 Geringere Saugkälber.....83—37 63—84 35 Schale. Dlaflläinmer und jüngere Masthamniel 85—UO 7U-00 36 6 di id e 111 e. Vollsteischige Schweine bi» zu 2 Zentner Lebeiibgewicht....... 68—59 74—76 58 Vollsltischige Schweine über 3 Zentner Lebendgewicht....... 67-69 74—76 58 vollsteisckuge Schweine über 21/, Zeiitner l'ebeubgeiDtcbl........ 64—57 70—73 66 FetlschiDeine über 8Zentner Lebenbgew. M—57 70—78 65 n 73 « 89 74 « 6? 61 73 67 61 70 74 74 71 n --------------------— Meteorologische veodachtun,-c-i . . 1909 Bliionieter auf ue reduziert Temperatur ber Lust 1t 5- Z CO -Z ZI Windrichtung V r $ Dl iä Wetter 17. 2“ 7441, — 1,9 35 88 s 2 9 Tiinstla 17. 9“ 789 2 — 1 8 36 M8 SSE :o B«d. ‘^unrr 18. 7W 728,6 1,9 4,9 93 8 rt 10 e e Höchste Lemveratur am 16. bis 17. Dezember — 1.9 ' dhebugfre , , 16. . 17. , ä — 8,3'' 9lieverschlag: — 4,7 wm Schnee Telefon:sche Kursberichte des Glesneoer Anzeirers« mitgeteilt von 4er Dank für H»a4* nnd T«,)netrU »nu.'lier WkihllW - Weck S^ud. Richtei* Cluviciv» u.u , passende Marktstrasse 24 26 la. frische Eier und Butter sowie pr. Pfund Sultaninen, Helle, 5ö u. 45 Pf. Rosinen, gr., belle, 50 u. 40 Ps. Korintben, entstielte, 35 Pfg. alle anderen Artikel billigst. H. F. Nassauer, Neuenweg 15. (6810 Mitgl. der Rabau-Lvaroereinig. Sie husten nicht mehr bei Anwendung der eckten Eucalbvtns Menthol Bonbons, p. Pak. 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Dezember, abends 8 Uhr, findet in der Turnhalle, Steinstraße 3, die diesjährige Weihnachtsfeier des Lehrlillgghcms statt, wozu die Schüler der Kaufmännischen Fachschule, deren Prinzipale und Angehörige freundlichst eingeladen werden. v“/u Ter Vorstand. frei*. Gail’scbe Feuerwehr. 1. Weibnachtoieiertag im Saale des .Hotel Gros-Herzog" Weihnachts-Feier mit Abend-Unterhaltung» Uniform: Tuchrock und Lcutze. [v»/, Gäste können durck die Mitglieder eiugeführt werden. Anfang abends 8' ? Ubr.__Ter Vorstand. Gcjaiiftvcrciil „Hkitcrkcit". Giessener freiw. Feuerwehr Unsere diesjährige = Weihnachts - ^eier = »erkunden mit Ucberreickuug der Diplome für 15-jitbrige Dienstzeit findet am Sonntag dem 19. lsd. Mts., abends 8 Uhr, im Saale detz Hotel Einhorn statt. S'.'ir laden btermit unsere Mitglieder nebst «Familien zu dieser Feier freundlichst ein. Uniform: Tuckrock. w1 */*) Der Vorstand. Weihnachts Feier mit Verlosung und Abend - Unterhaltung am 2. Feiertag ans der „Liebigshöhe". v“/„ Anfang abends 81Z. Uhr.__________Ter Vorstand. padümerieu u. Toilettemittel reichhaltiges Lager in allen Preislagen 6661 Adler-Kediz.-Drogerie, Seltersweg 39 Otto Schaaf. Lotterie-Verein Stadt Frankfurt Bahnhofstraße 15 Bahnhofftrahe Ist Sonntag den 19. Dezember 0*$* Weihnachtsbescherung 09647 Freunde und Gönner dei> iZü87 Am 2. Weihnachtsfeicrtage Rnbc‘u5ai2c,nem Tanzverg'ntig’en ftait wozu freundUchst einlabet Wilh. Boeder, El _ tLastbaus ^Zur Stadt Wichen", Londorf. ___Xtt" Amana nadimtttniv* 4 Uhr. “tru Plastische Kunstfiguren M. Wtz' Giessen = Seltersweg 30 e= empfiehlt sein groeae* Lager sämtlicher opfcta) IrlM. -- ■■■' auf Paneelbretter etc. =- -■ <3409 gerahmte und unqerahmte Bike" und Rä' mchen gut geeignet kill' Preise zu Wcihnacbtsvorlosungen. Kulante, prompte und fachgemässe. Bedienung. Fenster u. Fensterscheiben werde i billigst rt p ariert THEO SCHAEFER. Glasermeister, Tiefenweg 19. Amtlicher Teil. WWW Zelranntinnchnng. Betr.: Feldbereinigung in der Gemartung Gießen links der Lahn. Tic Versteigerung der Massegrnndstücke findet an Ort und Stelle: Mittwoch den 29. Dezember 1909 statt. Zusainmentuuft vormittags 8'^. Uhr am Ende der Stadt auf der Straße nach Lechgestern, woselbst auch die Versteigerungsbedingungen bcfanntgep.cBen werden. Friedberg, den 13. Tezember 1909. Der Grobherzogliche Feldbcremigungskommissär: Schnittspahn, Grusch. Mreyamtmann. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Trolle für das Rs. 1910 liegt vom 20. d. Ncts. an acht Tage lang zur Einsicht offen Trohe, den 17. Dezember 1909. Großher^ogliche Bürgermeisterei Trohe. Schm tdt. 6S14 Amtliche BekliüütmüchMgeii Ler Ltadt Gießen. Dotreffend: ^ellillereiriigung in der Gemarkung Gießen hnfß her Die nachstehende Bekcutntmachung bringen wir hiermit zur ösfentlicken Äenntnis. Grehen, den IS. Dezember 1909. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Betreffend: Wie oben. Dte Versteigerung der Mastegrundstücke findet an Ort und (-stelle: Mittwoch den 29. Tezember 1909 statt. — Zusammenkunft vormittags 8V, Uhr am Ende der Stadt aus der Straste nach Leihgestern, woselbst auch die Versteigerung^ bedingungen bckanm gegeben werden. ' Bu', Friedberg, den 13. Tezember 1909. Der Grostherzogliche Feldbereinigungskommissär: gez. 2 a> n i 11 f n c b u . Cirosth. Ureioaintmaiui Nachstehende Gegenstände und ttt den Straßenbahnwageit liegen geblieben und können bei.der unterzeichneten Verwaltung gegen genügenden Ausweis in (fnwiann genommen werden: 1 Snazierstock. 1 Hobel und 1 starton Kinderwäsche. Elektrizttätswerk und Strastcnbahn der Stadt Gießen. ________________________________2 ' olte._________________________ B “/» LMischer MhnrniBiilichuieis Gieße». Slsterwcg 9. lGeschäftsstunden von 8—1 und von 3—6 Uhr). 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Eo lucben Ärbeir: 1 L-vengler und^onstallateur, 1 schneider, 1 Zimmeruurun, zwei Tapezierer. 2 Sattler, 1 Schreiber, 6 Schreiner, 2 Wagner. nn^apnrf?PrJ^,lo^rK'-3 ^kiuichlosier, 1 Weißbinder. 2 Anstreicher •<"L2? rer' 2 (gnenoreber, 1/ Tagelöhner, 2 HauSburschen. : 2 Lautmadchen, 1 Mleibermatberiu, 1 Näheriin 2 Dtenstmadchen, 1 Haushälterin. J ' Lehrltnge: 1 Schlößer. Wer Gewich v-v vSC FW /A Paar ( ) Damenhandschuhe unr Udelloee Qnditlten, in ecbwart. weiss and farbig. teiis Tnkot, teils gestrickt, kurse and lense Form, in eilen Grossen Ein ganz besonders preiswertes Angebot, Zam Aassueben Peer Schulstrasse 4 A. Salomon & Cie Schahtrne* 4 25, 50, 75 „ Carl Schunck Seltersweg 52 Seltersweg 52 Äte HHk|RtakL Weiese Ilcrrenkrecei Stück 65, 50, 45, 3t, 25 Pfg. Weisse Wensebetten Pear 70, 58. 42 Pfg. Weisse Merviteure Stück 86. 65. 54 bis 28 Pfg. Kerblgr Uerrenkracen Stück 38, 35, 28 Pfg. Krawatten, nur neuftste Fasson? 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