- Erstes Blatt Samstag 18. Dezember 1909 159. Jahrgang Die heutige Nummer umfafet 24 Seiten. litif Iskuito ek r Leckerli. änfe * * * * * * * ♦ loekitrn* M Am ganz anbei an Wege wandelt Kart Laßwitz „Sterte n : a u, die Pfstrrrzc vom Nepeunsnroiid", nennt er fern neuestes * * * Bücher für den Weihnachtstisch. Die schöngeistige Literatur des Jahres hat sich in den lebten $$od)en rwch tüd)tig vernrehrt. Sabet tst auch die henische Lite- monatlich 7b"Li., viertel- jährltrt) 'Slt. 3.20, ourch Abhole- u. Ziveigstellen monnthcb 65 Bl., durch die Bost Bik. 2.—viertel- jährt, ausjcht. Beitellg. 3etlenprei6: lokal lbPs^ aiisiuärts 20 Pienniq. Lhetredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den polttilchen teil: Anglist Q6otv\, füt ,Feuilleton' und .Verinijchles* R. Neurath, füt .Stadt u. Vanb" und.Gerichts- 3 S Eine kräftige und dichterisch wertvolle Ziveckvichtung ist auch Hans Harts Hochschulroman Das heilige Feuer. (L. Staackmann. Qett^ig > Mu kühner Offenheit zeigt uns der jagend- tiche Verfasser die Kämpfe der Deutschen in Oesterreich, die T--..7- unb Gemeinheiten des akademischen Lebens, aber auch seine Schönheiten und Ideale. Und mitten in der fast betäubenden MengS von Geschehnissen und Personen steht ein junger jüdischer Arzt, bei sich aller NArtigkeit yim Trotz sein holdes Glück erringt, nachdem er im Kannst mit der PE fern Leben tollkühn (turfi Spiel gesetzt hatte. Tapfer nLe der Jude, ist das Buch, b^ 'n verföhnliäien Ar titeln wieder zurückkehren und reiflich bedenken, daß allzu scharf schartig macht. J-m Lager der Linken ist eine Einigungsbotschaft verkündet worden. Der Viererausschuß der drei linkstikreralen Parteien l)at seine Aufgabe, eine Einigung herbeMführen, gelöst. Vorgestern ist man mit dem Programm der „Deut schen freisinnigen Volkspartei" in die Oeffentlichkeit getreten. Höchst wahrscheinlich werden die drei beteiligten Parteien dem Entwttrf keine Einwendungen entgegensetzen Man darf sich dieses Ereignisses freuen. Je weniger zerrissen das Parteileben in Deutschland ist, um so besser sür des Reiches Wohl! 9iorb und Süd reichen sich die Hände, und der Reichsgedanke erljält neue Kraft. Das in seinen Grundzügen gestern von uns mitgeteille Programm enthält nicht viel Neues. Bemerkenswert ist, daß man für die Bundes stauten das Reichstagswahlrecht vorschlägt, für das Kornrnu ualwahlrecht nur eine „Beseitigung der K assenwichlen und der öffentlichen Stimmabgabe". Das Programm der Dem- schen Volkspartei forderte bisher das Retchstagswnhlrecht auch für die Gemeinde. Man kann nicht sagen, daß das neue Parteiprogramm einen ausfälligen W ite.morsch nach links darstelle. Beweis: das „Berliner Tagebl." hätte eine deutlichere Sprache gewünscht. Unb neben btt fern demokratischen Blatt stellt der „Vorwärts" in einem Kampfarttkel gegen den Freisinn diejenigen Forderungen zusammen, die in dem Programm nicht zu finden seien; neben der Reform der Kommunalwahlen: Trennung von Staat und Kirche, ♦ i t ♦ eacbe» ♦ en-ArN über den Arbeitsnachweis gesagt, und wenn das Pai Prinzip immer auf die Forderungen der praktischen Po genau passen soll, wenn auch entlegene, dem Kompromiß unterworfene Einzelfragen immer daran gemessen werden sollen, so wird es zwar viele Worte, aber wenig Taten geben. Die ,^reiMtg." bemängelt es, daß nabh dem Einigungsprogramm über Wchlbündni se der geschäftsführende Ausschuß der geeinigten Partei nichts Ku jagen habe; denn es heiße: „Wahlaufrufe und Wahlprogvamm für die einzelnen Lander werden von deren Parteiorganisation erlassen und dem geschäftssührenden Ausschuß mirgeteitt Bei Stich- ivahlen trifft die Organisation des Wahlkreises die Entschec- duno." Damit hätten, so meint das konservative Blatt, die sozialdemokra:enfreundlichen Gruppen der süddeutschen Demokratie und der Freisinnigen Vereiniguna die von ihnen geforderte „Bewegungsfreiheit" innerhalb der neuen Gesamtpartei errungen — zum Besten des Großblocks. Man tvird die weitere Entwicklung abwarten müssen. Höchst ivahr- scheinlich werden in der Praxis alte Meirmngsverschieden- heilen doch mitunter wieder erwachen, und einer oder der andere Führer wird unter dem gemeinsamen Band durchzuschlüpfen versuchen. Aber wenn auch für die nächste Zeit nicht alles erreicht werden kann, so könnte doch der neue Versuch für die Tätigkeit im R e i ch s t a g förderlich werden. Freilich, die 50 Abgeordneten der neuen Partei werden sich vor Augen halten müssen, daß sie noch keineswegs das Heft in der Hand haben, daß sie vielmehr bei den 397 Volksvertretern nur eine verschwindende Minderheit bilden. Abschaffung der Todesstrafe, Beseitigung der indirekten Steuern, Forderung des Maximalarbcitstoges u. dgl. mehr. Die Periode des Blockes ist an den Freisinnigen nicht spurlos vorübergegangen, und es berührt uns z. B. sehr angenehm, daß man auch für eine „Stärkung" des Reiches ist und dem Heere und der Marine mehr Gerechtigkeit widerfahren läßt, als es dem sozialdemokratischen Zentralorgan gefällt. Freilich: Statuten sind immer harmlos, hat der Abg. Naumann in diesen Tagen bei den Verhandlungen über den Arbeitsnachweis gesagt, und wenn das Partei- ver König der Belgier Alvert L Der neue König der Belgier, Albert I., steht im vierunb- dreißigsten Lebensjahr. Er wurde am 8. April 1875 in Brüssel jetoren. Sein Vater war der einzige Bruder des verstorbenen Königs, Prinz Philipp, Gras von Flandern, ans dessen Ebe mit der noch lebenden Prinzessin Maria von Hvhenzollern-^rg» mdringen zwei Söhne und zwei Töchter hervorgegangen sind. 5er älteste Bruder des neuen Königs, Prinz Balduin, fand 1891 einen gcl>cimnisvvllcn Tod unter Umständen, die der Oessentluch- jeit bis heule unbekannt blieben. Ter Vater starb int 9ZuDemba 1905 in Brüssel. I König Albert hat es verstanden, sich bereits als Thronfolger bei den Belgiern pv pu l ä r zu machen. Seine persönliche LiebenS- ivürdigstit, seine Abneigung gegen äußeren Prunk, die SäLicht- ijeit seines Auftretens haben ihm viele .Herzen gewonnen. Die Niiüenbevölkerung ü er bau ft ihm die Hebung der belgisckxn Hoch ieeii]d)erei durch Schenkung einer Reihe tun vorbildlich aus^ lM'listeten Fischerbooten, die den Namen „Ibis" tragen, und durch Einriästung zweckmäßiger Anstalten zum Räuchern und Verpacken der Fisck^c am Land. Auch für andere Gebiete des praktischen Lebens, besonders für technische Fragen, hat König Albert lebhaftes Interesse bekundet. In neuerer Zeit beschäftigte er sich mit dem Problem der Luftschisfahrt. Früher zog ihn das Eisenbahnwesen an. .Im belgischen Senat, in dem seit 1893 allen mündigen belgischen Prinzen ein Sitz zustcht, hat Köni^ Albert in den letzten Jahren wiederholt das Wort ergriffen. Biel bemerkt wurde lerne Rede vom Janu-or 1908 über die Notwendigkeit eigener oelgischer Schiffahrtslinien und den Nutzen einer kleinen belgischen Kriegsmarine. Gleich seinem Onkel hat er sich stets als Anhmrger der jetzt beschlossenen Heeresrosorm bekannt. Im übrigen beobachtete König Albert als Thronfolger in politischen Fragen stets hie Zurückhaltung, die für den konstitutionellen Staatschef Pflicht ist. Tie Popularität des neuen Königs ist durch seine Reise nach dem Kongo im vergangenen Frühlmg und Sommer stark ga- wachsen. Bei seiner Rückkehr wurde er mit Ovationen empfangen, wie die Belgier sie Leopold II. seit langen Jahren nicht mehr zuteil werden ließen. Bezeichnend sür daS Wesen des Prinzen und für seinen Drang, sich selbständig und unauffällig zu unterrichten, ist die wenig bekannte Tatsache, daß er stets die Reporter- karte einer maritimen Zeitschrift bei sich trägt: er Hal diesen Ausweis hauptsächlich dazu benutzt, sich die Häfen von Holland und Frankreich mit eigenen Augen und ohne fremde Führung aw zusehen. Ter nunmehrige Thronfolger ist Prinz Leopold, Ätester Sohn des Königs Albert und der Königin Elisabeth, der Tochter des bayerischen Herzogs Karl Theodor, der am 3. November 1901 in Brüssel geboren ist Ter jetzt achtjährige Kvon- prinz hat noch einen längeren Bruder, Karl, geboren am 10. Oktober 1903, und eine jetzt dreijährige Sclstvesder, die Prinzessin Marie. Tie Großjährigkeit erreichen die belgischen Prinzen mit ackstzehn Jahren. Brüssel, 17. Dez. Das Testament des Königs soll mit den Worten beginnen: ,Lch sterbe in der katholischen Religion, in welcher ich gelebt habe. Ich bitte um Verzeihung sür die Fehler, welche ich beging. Ich vermache das V e r m ö g e n, das ich von meinem Vater empfangen habe, 15 Millionen, meinen Kindern. Ich wünsche ein einfaches Leichen -,Be gängnis, nur gefolgt von den Persönlichkeiten des Schlosses." — Die Ehe des Verstorbenen mit der Baronin Vaughan, soll im Jahre 1905 in •Sait Remo im Einverständnis mit dem Papst eingegangen worden sein. Brüssel, 17. Dez. Aus allen Teilen des Landes laufen Nachrichten über die Anteilnahme der Bevölkerung an dem Tode des Königs ein. Tie Leiche des Königs wird, den Abendblättern zufolge, morgen abend pom Schloß Laeken nach dem Brüsseler Stadtschloß gebracht. Tie Beerdigung ist aus Mütwoch seftgesetzt. Am Donnerstag wird der Thronfolger, bei dem heute nachmittag das Ministerium erschien, um zu kondolieren, den Eid auf die Verfassung ablegen. Br üssel, 17. Dez. Der Senat und die Ka innrer traten heute nachmittag zu einer Sitzung zusammen. Ter Minister- pclitifd?e Wochenschau. Gießen, 18. Dez. Es ist stille bri uns geworden. Die Erörterungen über den Haushalt des Deutschen Reiches im Reichstag liefen auf ein Lob des Sck>atzsekretärs Herrn Wermuth hinaus, bem sogar der tritt klüftige Herr ErAberger im „Tag" seine Zusttmmuny ausdrückte. wird gespart, und die Regierung will mindestens auf einige Jahre ohne neue Steuern aus komm en Natürlich hat es an Redeströmen über die eirtfhveilen vollendete Rttchs.inanzre orm nicht gefehlt, aber die Stimmung der Parteien ist jetzt, in den Weihnachtsserien, im allgemeinen doch ruhiger als zuvor. Mit B: sriedi- gung kann man darauf zu rückblicken, daß trotz des Parteien- ^wiespalls über die deutsche auswärtige Politik gründlicher gesprock>en worden ist als früher. Ob die Regierung Kwar Die vom Reichstag geübte Kritik besonders in den Marol"ko- sragen sich nützlich machen wird, steht dah'N. Staatssekretär v Sck)ön scheint einstweilen noch au glauben, daß es seine dienstliche Aufgabe sei, den Franzosen schöne Komplimente ,yi machen und darüber zu wachen, daß beide Völker im Frieden leben. Indessen, daß in diesem Falle das 2lus- luärtigc Amt in erster Reihe die Pflicht hat, die berechtigten Dirtsck-aftlichen Ansprüche deutscher Reichsangehöriger zu unterstützen, ist vom Neickstag nicht nur, sondern auch von ier Presse lebl-aft genug den Staatsvertretern ins Gewissen «jerujen lvorden. Was im Reick)stag positiv geleistet tvurde, iist wenig. Man l)at die vorgesehene Summe für arbeitslose -Tübacarbeiler erhöht, und der Staatssekretär des Innern, .>err Delbrück, Hal in sehr gewandter und überzeugender Weise dargelan, daß es der Regierung unmöglich sei, den lieplanten Zentralarbeitsnachweis im Ruhrgebiet zu hintertreiben, weil sie die Koalitionsfreiheit nicht nur der Arbeiter, sondern auch der Unternehnrer zu schützen berufen fei Die Besprechung über diese Frage hat wohl haupt- fächlich den demagogischen Zlveckcn des Zentrums gedient, j rs in den Kreisen der Arbeiter nad) Anerkennung lechzt. Da die Rechte einschließlich der Nationalliberalen zu der Auffassung der Regierung sich belannte, hatten die sachlichen >mo versöhnlichen Ausführungen des Herrn Delbrück umsomehr Erfolg. Die Konservativen wollen neue Kräfte sammeln. Sie Fiatten am 11. d. M. ihren allgemeinen Delegierten tag und danach auch in ben östlichen Provinzen ihre Parteitage. Wer geglaubt hat. die reformerijdi gesinnte „Konservative Bereinigung" werde in die Geschlossenheit der Partei einen fieil treiben, der sieht sich getäuscht. Der allgemeine Dele- qiertentag billigte das Vorgehen der Rechten bei der Reichs- finanzresorm, und es llang aus den Erörterungen sogar so «was wie Angriffslust heraus, die sich dann auch leioer in her Presse bemerkbar machte. Man darf zum Beispiel an einem Arttkel der „Kreuzftg." nicht achtlos vorübergehen, in dem von den Nationalliberalen verlangt w.rd, sie müßten, wenn ie wieder ein versöhnliches Zusammenarbeiten an» gebahnt werden solle, in aller Form ihre „Beleidigungen" gegen die Konservativen zurücknehmen. Wir hoffen, daß dies tnic eine nicht KU ernst gemeinte Cutgleisung des Blattes aen>c|en ist, denn ein solches Verlangen würde, wenn es «wa öfter wiederholt würde, nur aufreizend und verbit- Sernd wirken. Der sonderbare Anfall der ,^lteu^to."_ ist erfreulicherweise in der naiionalliberalen Presse nicht sehr j;arE beachtet worden, wenn auch die links stehenden Blatter löhnten und hetzten. Die ,Meuzztg." mag zu rhren früheren. Seinem inneren Werl nach bedeutendHöher steht Der BVrmrn- hiob, ein Roman von Hans Kyser. (0fneroki», verwenden Met von seiner Äedentung auch nicdl hm und wieder^>°rwen°en ^g^eb^ÄMe ‘ TbiM- einem guten Teile versckierzt. qegen das fceihge nervöse Geschichte cE ^Mche dte^egen^ li-nbe autzerordenttich aofalU, em llnterya (Lfta[ten gut ge- jchon Diel zu viele gibt, wenn auch einige (Litauen gut y^- phantastisches Märchen, das mit dem vvm Neptunsliwnde z«r Erde herabgekommenen Samen eines Rankenbaumes sich beschäftigt, mit dem „Sternentau", aus dessen Bluten die Jdonen, die lebenden Wesen einer besseren Welt, entschweben, die sich aber bem 5o lieber äuge des Menschen nicht entziehen können, so daß ihres Bleibens auf der Erde nicht ist. — Ein Gegenstück zu bem bekannten Werke Kurt Latzvitz: „Auf iroei Planeten" nannte die Voranzeige dies neue Werk; es wird manchen Leser geben, dem die Kunde vom Neptunsmond noch weit geistvoller unb duftiger erfdjeinen wird, als die Mär von den wunderbaren MarS- beuvvhnern. — In eine ganz andere Welt führt Friedrich Jacobsen in seinem Unter Hal tun gsuomon, T i e Lore am Dore, der bei W. Bubach u. Co., Derlin-Leip^ig-Wien erschienen ist. Ter geheimnisvolle Zauber, den die Kunst auf empfängliche Natmen ausübl unb der so oft junge, begeisderungsfäk>ige Menichen- finber aus der vvrgeFeichneten Lebensbahn reißt, beberrschl auch die Schicksale der Menschen dieses Buck»s Nicht jeder, der sich zu den „Brettern, die die Welt bebeuten", unwiderstehlich hin- aezogen fühlt, gehört zu den Auserwählten, denen Erfolge be- l;eben, und auch diesen wenigen, die, getragen von dem Jubel der Menge, doch einsam auf der Höhe ihrer Kunst stehen, bleibt meist das Glück fern, das ihr Herz ersehnt. — Mil warmer Ameil nähme wird der Leser der Erzählung folgen, die fv viele tiefe Lebensweisheü enthält. Im bunten Rock kommt Freiherr von Schlicht in seinem Militär-Roman Offiziere a. T. lB. Elischer Nachf., Leipzig.'- Ernst hi seiner Richtung und doch auch wieder voll lebendigen Humors Der das Schicksal mit fester Hand zwingende ehemalige flotte fltaxfllerieleutnant, die ebenso eigenartige, wie tapfere junge Teutschamerikanettn, bei ewig „in Erwartungen" lebende, sorglose kleine Elmholz, der verbitterte und zuletzt „kapitulierende" Rittmeister — alles das sind prächttg gezeichnete Mensckien. Es ist cm Sittengemälde, das der fruchtbarste Vertreter des Mttitä^ rvmans m feinen’, jüngsten Werke geschaffen hat. schön und überflüssig ist die häufige Verbindung zweier Lieder durch oder. Von hessischer Eigenart ist zudem sehr wenig zu merken. Da gibt Bock auf einer Sette mehr als hier das ganze Buch. Trotzdem ist das Werk recht fesselnd; der Schlutz fällt allerdings ab und daß eine der wichtigsten Verwickelungen rein äußerlich gelöst wird, indem die Frau aus dem Wagen stürzt, ist auch keine besonders geschickte Lösung. Ein guter Kern steckt aber in bem Buche, aus dem eine frische, wohltuende Luft entgegenweht Als Künstlerin steht diese Frau wett über Helene ‘ bei der die Feder flinker ist als die gar dürftigen Gedanken. lCbc ich mir Omptedas ftischen, fröhlichen Reiterton. In seinem Roman „D r o e s i g l" der bei E. Fleisä-cl erschienen ist schildert er das Leben eines reichen Bürgerlichen, der es sckstießlich zum Rttchsfteiherm bringt Auch hier ist viel Heber- flüssiges, aber es ist alles so liebenswürdig fttsch erzählt, datz man dem Dichter ganz gern zuhört, wenn er mit scharfem Blick in das Leben der Aristokratte eindringt, die er schon so oft mit unübertroffener Meisterschaft geschildert hat. ‘3(?inc bedeutendere Persönlichkeit scheint Lfltfdjex w sein, obwohl ihr bei Bachem tnJbtn ^lQ?u(T lei^ Jmmet räuber brängt^sick^die Verfasserin in I Hrä Leipzrä. erschienenes Buch ^Er erzählt >nn uns zu belehren; und sie belehrt ott kaUA. überall „von der lebendig sühlenoen Natur, von dersprechenden Pfla^e, als hessische Volkslieder gibt, sind nur w f feefcr un-' von bereu Konflikt mir bem fvnchenden Memchengeiwe Em bekannte Verse, die m ihrer Ikberffifle logar stören L-eyr un- oo Nr. 897 Ter Sletzrner Anzeiger erid/mi täglich, außer Sonntag«. - Beilagen: viermal wöchentlich LirtzenerLomilienblätterj -ivennai wöchentl.X»«ir» blati färben KrdsGicfjcn (Tiensiag und Freitag); zweimal monatl. Land, wirtschaftliche Seitsrazen sterusprech - Anschlüsse: für die Redaktion 113, MW General-Anzeiger für Oberhesfen bi« oormluagT^uh” 8ofaflott$önt(f und Verlag der vrühl'schen Univ.'vuch- und Stehbruderei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druderei: Schulstraße 7. !jI°zE,g«.n'te?i^Beck. Deutsche» Neich. In der Sitzung bin: Babischcn Zweiten Stammet am /heitafl beantwortete bet Minister deS Innern bic Anfrage, betreffenb bn- Einführung von Schiffahrtsabgaben. Ter Mmister gab eine längere Erklärung, in welcher er ben Stand- nuirft her Regierung, wie er m bet jäcksiscben unb bcbtfdxii Denkschrift nicbergelegt ist, roicbetholte, unb bemerkte, bah bic gegenwärtigen ^crhnnblnngen vertraulicher Art seien, unb bas Ergebnis Daher nicht nutgctcilt ivcrb.u könne. Der Minister schloß: Die l^roßb Regierung, wiewohl sie unverbrüchlich festhält an ihrer bunbessr'und! i dien (Mcünnunq, unb großen Wert legt aut bas tvorlbcflehen ber ' idberiacu guten Beziehungen zur Reichs- Icitung unb iur preus-inhen tHcflicrung, ist zu ihrem Bebauern außer Stanbe. o c m Anträge ber preußischen R c- Si e r u n g , n u ft i m m c n." Diese Erklärung wurde von ber ammer mit Lcbhattein Beifall aufaenommen. Der nlhcnburgitdic La notag nahm am Freitag den Schulgesetze ytwurs in zweiter ^eiung mu 26 gegen 17 Stimmen endgültig an. An bic Stelle deS auf feinen Wunsch in den Ruhestand verletzten General-Staatsanwalts Dr. I s c n b i e l ist ber oortragenbe Rat im Justizministerium, Geheimer Ober-Justiz rat Supper getreten Präsident machte von bau H Brä'ident btti Senats. 8* comlc öiuunus, und Der Präsident ber ’t-anmer, Eoorcn.-n. geben bem oSxntry. um den Verlust des lkönigs Ausdruck unb beantragen bic Vertagung bis u: bem Zeitpunkt, wu Der Ibrxmwlget ooc ben bcuen öüukai btt 'Parlaments Den krio au r Die Verwuung killen wett».__________ Die ©bftruftion im österreichischen Adgeordnereichau;. Wien, 17. Dez Im Abgeordnetenhaus beenbete um 12 Uhr mittags 1R D dH er a seine Rri)e zur Begründung seines Antrages nach dem gleichen Vorgänge nxf bei Den bisherigen Tringlichkeitsanträgen Sodann würbe die Debatte geschloßen. Srblnke nahm Darm das Schlußwort. Der gestern ringe» brachte TringlichkeitSantrar MtcI irmtbe in veränderter Form von dem Abg. »dramarz unb Ilbrzal ben einjelnen Klubs mit' geteilt. Die arbeitswilligen Parteien scheinen nicht abgeneigt >u sein, ber Frage bei Gcfchattsorbnungsänberung näher zu treten, sie stellen !edoch die Bebmgung, baß sämtlich. Dringlichkeitsantroge zurüdqczogen unb bas Bubgetprovifariurn und bas Ermächtigungsgesetz bis zum 23. Dezember von dem Abgeordnetenbaufe erledigt werben. Am Nachmittage wirb eine £bmänner*ftonferenj zur Erledigung dieser Frage abgcbaUcn werden. Ter Abg Srhinke erklärte in seinem in tschechischer Sprache gehaltenen Schlußwort, daß die Regierung und da- Präsidium des ixurirt, nicht aber die Slawische Union an ben gegenwärtigen Vorgängen schuld seien, behandelte bann eingehend bat Verhältnis zwilchen Rübenbauern und Zuderinbustriellen unb ctbat und erhielt um 5 Uhr eine Bause. Rach sieben stün diger Rede schloß ber Ahgeorbnete um 7 Uhr abends Tie Dringlichkeit des Antraa« wurde abgelehnt. Hieraus begründete Ehaloupka den nächsten Tringlichkeitsantrag, bet bic 9(ui« heoung ber Industriezölle, besonders ber Eisen.zölle, betrifit Gegen VfB Uhr abends ertönte von ber ersten Galette ein beleidig endet R u s gegen ben Redner Eholoupka, worauf von bem rechten Teile bet ^weiten Galerie stürmisch avolaudiert würbe. Zur selben Zeit wurde aus einem SNvbon von ber Galette gegen bie Bänke bet tschechischen Agrarier gespritzt, wodurch der Abgeordnete Brdlik getroffen wurde. Der Vizepräsident Zazvotka ordnete bie Entfernung ber Ruhestörer und bic Räumung ber Wale r i e n an. Zahlreiche sozialdemokratische Abgeordnete begleiteten die Verfügung mit lärmenden Protestrufen. Rachdem die Räumung vollzogen war, nahm bet Vizevräsibent um ’/<8 Uhr die Sitzung wieder auf unb ersuchte Ehaloupka sortzufahren. Der Abg. Ehaloupla beeil bete nach 12 Uhr nachts seine Rebe. Darauf wurde bic Debatte geschloßen. Die (Mtiieralrebner verzichteten auf das Wort. Der Abg. Stanzek nahm sodann da- Schlußwort. Wien 17. Dez Zn der heute abend abachaltcnen Obmänner -Konferenz wurde eingehend die Angelegenheit ber Geschäftsvibnungsrclvrm erörtert. Tie Vertreter der beutsch-sreiheitlichen Parteien bt(tauben darauf, daß vor der Beratung der Angelegenheit bic Tagesordnung unbedingt freigegeben werben mufft. Tic Dcutfch-Radikalen, die Ruthenen und die Tsdzechifch Radikalen uabwrn einen entschieden opooiitionclleii Standpunkt gegen die Gcichäftsorbnungsrcform ein, ivabrenb die Polen unb bic Christlich Sozialen iic für bringend notwendig erklärten Der M i n > st e r p r ä f i b c n 1 appellierte an die Mon feten.t gleichzeitig mit der dringend notwendigen Gcid)äftsord- nungSreform das Budgetproviforium unb das handelspolitische Ermächtigungsgesetz noch vor Weihnachten zu erledigen, nxiv bei gutem Willen möglicl' sei. Dr. Adler erklärte, die Sozial- bentofraten seien unbedingt für die Erhaltung des Parlametilaris- mu»; Ä r a in a c r 6 führte aus, man dürfe der Slawischen Union nichts Unmögliches, namentlich bic bedingungslose Zurückziehung ber Dringlichkeitsantrage zumuten. Die Konferenz endete be- schlußlvs, sie soll morgen vormittag 11 Uhr fortgesetzt werden. Die Obmänner Uontereiiz der arbeitswilligen Parteien betraute einen Funferausschuß, mit den Obstruktionspailcicn Wegen des Antrages .itrek-Äromarz in Derlianblung zu treten. Oesterreich große» Aufsehen erregt hat unb es steckt mehr darin, als mir augenblicklicher Wert. Gin tüchtiges Buch gibt uns auch Gustav Frenssen.ÄlauS Hinrich Baas. Das wie Die übrigen Werke des vollstemers m Grotes bekannter Sammlung von Werden zeitgeno'siicher SchriitsteUer erschienene Bud rührt uns diesmal in die Welt ber Reeder unb .'tauiTcute, btt es mit ber längst betonnten Äunft idnlberr Deutsche Arbeit unb bcutichc- ztÄnncn im bet in bem BuüL rmr bichtertschc Anerkennung, nie bem Buche selbst zur Ehre gereicht Die alte vausa ist vererben. auS neuer Start haben wir uns eine neue geschaffen unb ber deutsche ftuufmtnm war es et elfter Lmie, ber ne gtfdxifien bat ülaus Hinrich Baas klrngt Didf ad) an Jom Uhl an, aber in gewissem Sinne ist es bock ein QOtfidrrüi darüber hinaus Jedenfalls ist Frenssen unserer besten einer. Als ein wichtiger Sulturabrchnitt erscheint Heinrich Sohn- no vs neuestes Buch. Grete Xi en A, Leben unb Erlebnisse eines Gvoßstabtkrnde-« iW. Baensch ui Dresden ) Rvoiane bieler Art haben wir ieü hnn Erscheinen des Tagebuches einer Verlorenen zvmlich viel auijunwint Su> rmanns Lieb unb Cmpteraj Mimie itnb bie G pielpunve dieser Literatur. Trvvtem verdient Sohn reod Buch besonbere Beachtung Für die ^rlio.-rziehung unb b« Iugeiidfürfvrge kann es em Lehrbuch werben. Denn was wir and) irr Jugend geben, es ist alles vrxd!k>#. wenn wir ihr dein - Ideale geben Die imicrhdc St'blfahtt Hebt hoher als bic auhere. Darum verdient auch Da# Buch, via gdeicii >u werden. Gm sehr empfehlenswertes Sammel wer! b-rutfefiar Rovelleu in I beoboi 1 v ; u ■? bauer, ? e u 11 A es B a u e r n - tum. Band l Aus bem Urborn unserer Vollslraft. Illustriert von Richard Pfeiffer-München und iViau Ortrud PfeMer-Korrh Vertag von W. Schenke, S reichen. Gin Hocherfreuliches Buch! Gedichte und Erzählungen aus dem beutichcn Baneriileben von unseren bedeutendsten Sdjninullern »Anzcngrubei. Baumdach. Dicdenchs. Fraungruber. i^oitdelf, Jensen, Hebbel, Krausbauer, Lilicneron. Otto Ludwig. '‘'lügge, Rosegger, Reuter. Schuren. Still in g. Strauß-Tomen, Phüipoi. vrmt Zahn u al bietet es bar: Weise und reist Okbantcu. unierührbare Freude an den Menschen, irtfubc^ an ben Tieren und den Bflanz- u Der Natur, an zufriebenes SicbbtidKibcit mit stillem Glück am ixtmaaxn Herbe! Wir möchten Allen, benen im Sturm oes Redens die Liebe jur Scholle nichi verloren ging, bcc rur die Schöichaz und das Walten o ?«at»r rin o» ... . Auac unb n aninstc .Iiilerncnional* a) Frankreich, b) Rnßlgnb, «*. England, d Tencschland. e) Oesterreich, bearbeitet von Loder. 3. .Givnita*, Walzer von Waldteufel. 4. Fürst Bnloiv-Marsch, von Waiuken. • • Pfarrpersonalien. Der Großheroq hat bem Pfarrassistenten Hugo Scharmann zu Kastel die eoangcl. Piarrstelle zu Ober-Inqelheiiu übertragen. Lehrerpersonalien. In den Ruhesland versetzt wurde der Oberlehrer an ber Gemeinbeschule zu Nie- c er-Olm, AUH. Büchler . auf sein x)tod)iudten, unter Anerkennung seiner mehr als .lOjährigim treuen Dienste, der Lehrer an der Gemetitdeschule zu Berstadt, .Hch. Äilh. Büttner, auf sein firachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, und unter ü>erleihung des Silbernen Kreuzes bes Bendienstarbens Philipps des Groß' mutigen mit der Ä'rone. Ucbcrt ragen um rbeam 14. Dezember b. I. bem Schulamtsospirantwi Albani .üuurab STu nkel aus Brensbacl) eine Lehr erstelle an ber Gemeindeschule zu F-ränkisch-^rum'bach, dem Schulamtsaspiranten Friede. Herth aus Langen eine Lehrerstelle an der Gc- meindeschule ,zu M(ad)t- unb Mast- Ausstellung Frankfurt a. M. wurden 1irt mÜ 400000 SH. angenommen. Der fünfer soll bei Ämeri- faner Morgan sein. Treysa, 17. Dez. Ein Unglücksfall, dem der Hilf-bremsec Matua aus Frankfurt a. M. zum Opfer fiel, ereignete sich nach der ,Frkf. Ztg.- auf dem hiesigen Bahnhof. Der Eilgüterzug Rc. 1017 fuhr beim Umsetzen von GlerS 2 nach GleiS 6 dem im Gleis 7 haltenden Güter- zug Nr. 6729 in die Flanke. Bier Wagen entgleisten. Matua war als Schlußdcemsec tätig und wurde beim Zn. sammenstob erdrückt. Der Matenalschaden ist unbedeutend und der Betrieb nicht gestört. uoriDchstze irttb ttemfte Gemeinde tag Lrep« Letztar, zUjrayt, vat die Zusam vre nlegunq der Feldmark m emrm Areal von 151 xxfcn ausgesührt. Tabei iwnhe btt Motwrat^m anci Äiesenfläche von 44 Sxttax ün «hcdtal durchgetühn, was 12 000 Mark Xtoflrn verursachte. Wal>- Kwvin^ dd 9000 Mnrk ^vöHrte, feiftertc der Lreis eine Beihckse ^ 600 Mart. Ferner -xtt um"er Torichcn sich t»n tau -ü^utoetbcaib rUtcuti-rchcu gelte rau mrü ein Schul Haus er- laut. Tie Gemeinde erhebt 125 Prozent Zuschläge yir otaatg» eiiiLmmeuitKuer und 175 Prozent zu den REcucru. CanOtpiriicbafL ll Die Ernte in Lessen-Nassau. Nach den setzt vor- liegenden Ergebnissen stellt sich die Ernle in Hessen-Nassau vro Hekiar und Tonne gerechnet gegen das Vorjahr wie foigi: Llnier- weiten: 56 22b ha Anbaufläche (gegen 65 244 in 19o8) ergaben 111 <74 t (gegen 131 206 in 1908); Sommerweizen: 8817 (1020) ba Anbaufläche ergaben 8506 .53 4) t: Wnuerroggen: 145 183 (143 393) ba. Anbanttäche ergaben 3 0561 (265602) t; (Sommerroggen: 654 (719) ba Anbaufläche ergaben 865 (852) t; Sommergerste : 23 837 (23 323) ha Anbaufläche ergaben 47 248 39 266) t; Haier: 162 885 (147 736) ba Anbaufläche ergaben 345 352 (258 847) t; Kartoffeln: 87 077 (85 9951 ba Anbaufläche ergaben 1 391 553 (1 105 800) t: davon waren erkrankt 4,8 5,4) Prozent; Kleebelt: 44 194 (45 030) ha Anbaufläche ergaben 216153 ("261 037) t: Luzernehell: 5354 (5537) ha Anbaufläche ergaben 82009 (86 715) t; Wieienheu: 181655 (181 189) ha Anbaufläche ergaben 581 679 (823 737, t Rcichsgcrichtsbricf. > Nachdruck vrrbvdm.) I. 'S. Leipzig, Dezember 1909. Aushebung eines Bierlieferungsvertrags unb Grundstückskaufs wegen Verstoßes gegen die guten Sitten. Langfristige Dicrlieferungsverträge sind des örteren schon wegen Verstoßes gegen die guten Sitten für nichtig erklärt worden. Immer kommt es jedoch we'enttlh ans die Umstände des einzelnen Falls an, welche Auflassung ein solcher Vertrag erfährt. Es ist deshalb von Interesse, den borficgeubeii Rechtsstreit der Wirtsleute W. zu Mainz mit der Hofbierbrauer er Schösser Hof und Frankfurter Bürgerbrauerei Aktiengesellschaft, Zweignicderlassung Mainz, milzuteilcn. Die jetzigen Kläger sind Eigentümer eines durch stauf von her Hofbrauerei Schäffer Hof zum Preise von 93 534,39 Marl erworbenen Grundstückes. Sie hallen sich verpflichtet, die in dem Grundstück bestellende Bierwirtschaft fortzubelreiben und das nun Ausschank Uno zum Vertrieb 'tommenbe Bier wahrend der Dauer von 20 Jahren ausschließlich aus der Brauerei her Beklagten zum Preise von 16 Mark pro Hektoliter (Erhöhungen ües Bierpreises sollten entsprechend Platz greifen) zu beziehen, 'luch sollten die Stieger die Verpflichtung für Mieter der Wirt- ck>aft oder etwaige Rechtstlachfoigcr mir übernehmen und eine 'tonventionalstrasc von 10 Marl für jedes aus einer anderen Stauer ei bezogenes Hektoliter zahlen. Diesen Vertrag fochten die ■'Häger als gegen die guten. Sitten verletzend an und begehrten Nick)tigerklärung uub Rückgängigmachung des Kaufs. Das SaubgeridiL M aiirz gab her Klage statt. Die Berufung der Beklagten wurde n tm O b e r l a u d c s g e r i ch t Darmstadt zurückgewiesen. G -zeit. das Urteil des Oberlandes- gerichts hatten die Beflagtcn Revision beim Reichsgericht eingelegt. Der zweite Zivilsenat, des höchsten Gerichtshofs erkannte jedoch auf Zurückweisung der Revision. In den reichsgerichtlichen Entscheidungsgründen wird dierzu folgendes dargclegt: „Beide Vorderrichter geben zutreffend davon aus, baß für die Frage, ob ein Rechtsgeschäft gegen die guten Sitten verstößt, das Volksbewutztscin und die icrociiigcn An- ichauungen deS Verlehrslebens matzgedcnd sind (wobei von besonderer Bedeutung fein kann, welchen Ni'derschlag diese An- ichauuugen in der Gesetzgebung, so in der Gewerbeordnung, ge- 'unden haben), und datz für die von diesem Gesichtspunkt aus an- -^stellende Sarrtnlnng des betreffenden Vertrages dre Gesamtheit aller un Zeitpunkt des Vertragsabschlusses vorhandenen Berhältnijsc entscheidend ist «Entscheidungen des Reichsgerichts Bd. 63 Seite 391). Dementsprechend haben die Vorderrichter auch den hier vorliegenden Vertrag in eingehender unb zusammensassender Würdigung aller Umstände geprüft und sind dabei zu der Feststellung gelangt, daß der Vertrag em t» sonders harter und läftrgcr, drückender, di e Be wegungsfrei- beitder Käufer übermäßig unb auf bic Dauer von 21 Zähren beschrankender sei: daß der Verttag, trotz der natürlich anzuerkennenden Derttagssreiheit, das Maß der Willensbildung unb der Beschränkung der ocr - sönlichen Freiheit nach dem gesunden Rechtsbewußtsem des Volkes weitaus überschreite Ein Rechtsirrrum ist m diese» Darlegungeu rricht zu erkennen (Akt. Z. II. 402/08 Oern-ischte». * Das neue Hvftheater in Meiningen, daL von Hosbanmeister Behlen erbaut ist, wurde gestern abend mit einer Festoorstellung feierlich ein.gen>eihr. Kurs nach 7 Uhr erschien der Herzog mit feinet Gemahlin, Freifrau von Heldburg mst den fürstlichen Gästen. Das Theater war zum größten Teil von geladenen Gästen, Mitgliedern der Presse, Sck/riftstcllern und Bühnenleitern gefüllt. Rach einem Hoch gut den greifen Herzog erfolgte _bie 2hn Führung von Wallensteins Lager ün alten Meininger Stil. Die Aufführung der ersten vier Akte von Schillers Piccolommini bildete den zweiten Teil der Festvorstellung. Mü einem Hock auf den Herzog schloß die Feier. Die Stadt war reich geflaggt und abends festlich beleuchtet. * Riesengasometer. Das Unheil auf der neuen Hamburger Gasanstalt legt die Frage ne he, ob mit der Errichtung großer Gasometer überhaupt b sondere E'e.ahren verbunden sind. Bohrend früher die Gasbehälter auch der bedeutendsten Ansichten nicht übir b fix* bnc Größen l.inausgingen, find seit etwa 25 Jahren wahre Rief endest älter gebaut morden unb immer mehr in die Mode ge'.om- men. Die größten Berliner Gasometer fassen auch heute noch nicht über 80000 Kubikmeter, und es sind schon aaiiy kolossale Gebäude zu ihrer Aufnahme nötig. In England und besonders in London aber sind feit den 80er Jahren viele Gasbehälter n>ett über 100 000 Kubikmeter groß errichtet worden. Sie sind unvergleichlich billiger zu bauen und erfordern einfachere Bedienung und Uebermachung, als eine Reihe von kleineren. Daher ihre Belieb.hrifl Der größte bestehende Gasometer dürfte ein sechsteüigcr, d. h aus sechs telestopförmig ineinander schiebbaren Glockenringen bestehender Behälter in East Greenwich fein, der 90 Meter Durchmesser und etwa 65 Meter H she in g fülltem Zustande befitzt. Alle diese englischen Rcesengasometer haben keine Häuser, sie sind unbedeckt und bestehen ganz aus Eisen, sind also unverbreitnlich. flttm ist 'bei der Hamburger Katastrophe von »iner Explosion gesprochen worden. Das dürfte aus unzutreffender Berichter,.a hing beruhen. Gisbehäcker „explodieren" nicht, auch wenn sie bersten. Das überzeugendste Experiment, das der Erfinder der Gasbeleuchtung seinen zweifelnden Zeitgenossen vorführte, war, daß er die Wand des Behälters mit der Spitzhacke durchschlug und das ausströmende Gas mit einer Fackel ent^ündefe. Wenn die Gasglocke von einem Gebäude umgeben ist, so können sich bei Unachtsamkeit und undichtem L-ehäl er in dem Gebäude explosive Mischungen bilden. Aber die Hamburger Behälter scheinen, wie die englischen, frei gestunden zu habui. Wenn benachbarte Häuser so nahe liegen, daß die ausströmenden Gase bei defektem Behälter fie teilweise erfüllen, so ist auch tn ihnen eine Explosion möglich, die fick) daun als Zerstörung auf den G-asometer forlpflanken kann, dieser selbst aber kann immer-nur lecrbrennen und die nächststehenden Personen durch S. ich'lamm en bedrohen. Um einen solchen Zusammenhang scheint es sich in Hamburg zu handeln. Es ist aber Unrecht, bann von einer Explo ion der Gasometer zu sprechen und damit weitere Kreise in Schrecken zu setzen. Schreiber dieser Zeilen wohnt in nächster flckihe einer Gasanstalt und denlt nicht daran, oarum die mindeste Ge ahr zu befürchten. Aber man sollte die Hamburger Katastrophe allerdings zum Anlaß nehmen, nicht andere Gebäude allzunalw an Gasbehälter zu bauen, um sie vor der Gefahr einer Anfüllung mit Gas bei schabha-l. werdendem "Behälter zu bewahren. Im übrigen sind chfenstehende Behälter ohne Zweifel noch harmloser als überbaute. ok. Suffragettesim Jahre 1738 Szenen, die lebhaft an das Gebaren der heutigen Suffragettes erinnern, haben such un Jahre 1*738 m der englischen Hauptstadt abgespielt, als das Haus der Lords mit Einstimmigkeit den Beichluß faßte, unnütze Besucher auszuschließen unb damit vor allem das schöne Geschlecht meinte. Die LordS hatten aber nicht mit einigen besonders rabiaten Vertreterinnen des Ewig-Weiblick)en gerechnet, die sick) durchaus nicht „unnütz" fühlten und dies gar deutlich demonstriere» wollten. Diese Amazonen der Parlamentstribüne trugen durchweg glänzende Ramen. Die Herzoginnen von Queens- borouqh und Ämaster, die Ladies Weslinoreland, Eobham, hanntton und andere versammelten sich schon um neun Uhr morgens an der großen Parlamentstüre und lachten den ehrenwerten Sir William oaunberfon aus, der ihnen mehrmals respektvoll den Parlamentsbeschluß mitteilte. Darauf gaben die Lords, die im Hause tagten, den Türhütern strengen Befehl, die Damen um keinen Preis ein zu lass err und ine Türe fest verschlossen zu halten, der Hunger werde sie wohl von dort vertreiben. Bis fünf Ulyr abends blieben Die Damen unentwegt, indem sie abwechselnd unaufhörlich derart gegen die Pforte schlugen und stießen, so daß die Lords sich in ihren Debatten kaum verständlich machen konnten. Kurz nach fünf Uhr aber hörte der Skandal auf, es blieb eine halbe Stunde lang still und stumm, und als die Lords. erleick>ternd aufahnenb, den Befehl gaben, die Tür zu öffnen, stürzten die sich der gelungenen Kriegslist freuenden Amazonen herein, drängten die Soldaten zurück, nahmen auf der Galerie die besten Plätze ein und gaben durch ebenso ungenierte als geräuschvolle Aeußerungen deutlich zu erkennen, wer von den Rednern ihren Beifall hatte und wer nicht. Handel. Düsseldorf, 17. Dez. Der Ävhlen- und Kvks^ markt lag fest. Auf dem Eifenmarkt bleibt die Haltung bei ruhigem Geschäft fest. Für Stabeifen lassen sich veremzeE höhere Preise erzielen. Gießen, 18. Tez. Marktbericht. Aut heutigem Wochen- maifte fouete: Bruier pr. Pid. 1.20—1.30 Mk^ Hsilmereier 1 Sh 9—10 Big., Enteneier 1 St 0 Psg., Mäfe pr. St. 6—8 Pi., Erbien p. Pid. 00—00 Pia., Linfeu v. Pid. 00— 00 Pfg., Tauben pr. Pr. 0,80—1,00 Alk., Hühner pr. Ct. 1,00—1,60 Alk., Hähne pr. Stück 0,80—l,80Mk., Gänse pr. Pid. 60—70 Pf., Eliten pr. Stück 1,80 bis 2,20 Mk„ Lcl.fenfleijch pr. Pid. 76—84 Pig., Lluhfleifch pr. Pid. 60 P'g., Rliidfleifch pr. Pfiurd 70—74 Pfg., Schweinefleisch pr. t-mub 80—96 Pfg., Sduneincfleijch, gefalzcu, pr. Pid. 96 Pjg., ^all'fleifch pr. Pid. 72—76 'big., DanunellieOfh pr. Pid. 60—80 Pfg. jiarlosseln pr. 100 Äg. 5.50—0.00 Atk., Ziviebeln per Ztr. 5,00—6,00 Ack., A,ilcb per Liter 20 Pig., A.^e>ßkram per Llnct 10—15 'l'Sg., per Zentner Dtk. 0.00—0.Ö0., Aepiet per Ztr. 10—18 Alk., Birnen per Ztr. 10—15 Mk. Riisje lüO Stück 40—50 big., per Ztr. 0—00 Mk. Marktzeit pou 8—2Uhr. Amtlichei Wetterderichl. Oeffentliche Wetterbien st st eile Gießen. Allgemeine Wetterlage heute morgen 8 Uhr. Von Cüdwesten her ist im Lauie des gestrigen Tages rafch ein krä'tiges Dieibrud- gebiet herangezogen uub lagert heute ntoroen vor der Rhein- münbimg. Es hat m der iflacht lebhafte Südwinde unb Tauweltcr mit Regen uub Schnee gebracht, auch in den Bergen. Dagegen ist auf der 'Jloröfeite des Wirbels über Nordenropa itärfere St alte eingetreten, die heute auch in Ostdeutfchlanb uod) anbauert. — Das westliche Tieidruckgebiet wandert nordwärts und bringt uns Westwinde uub neue Abkühlung. Schneebericht. UcberaU in ben 'Dtittelgebirgen Tauwetter unb Regen, Schnee pereift, für Schi ungünftig. WeueraiiSsrchten in Hesscli am Sonntag dem 19. Dezember 1909: Vielfach Schnee, wieder kälter, starker Rordivest. GrLgLnaL-VrahtrnelSungen. Die Dauerfitzuvg des österreichifchen AdgeordneteuhauseS. Wien, 18. Dez. (Abgeordnetenhaus.) Um 6 Uh« früh hatte der Abg. Stanjek feine Rede beenbel Vcach ihm begann der 2lbywrduetr Dürr iso t zu sprechen Die Sitzung dauert fort. r. * Köln, 18. Dez. Der „Köln. Zta." wird aus Tanzes gemeldet: Die Untersuchung icegen der Ermordung der deutschen Frau Kcale hat einen früheren eingeborenen Dieurr der Ermordeten schwer belastet. Stott Karten! Die glückliche Geburt eines prächtigen Jungen zeigen hocherfreut an Dr. Mäurer und Frau *£7 6815 Clara, geb. Eichenauer. 3 Worms , den 16. Dezember 1909. Stuhl-Schreinerei Ph. Henkel Sonnenstrasse 14 empfiehlt sein bekannt reichhaltiges Lager in allen Fassons von Stühlen. Anszieh-, Küchen- und Sophatischen. Kinder- tiMchen n. -Stühlen. Banerntiechen, Spiegel. Etagere«. Handtuch-u.Garderobeuhaltern.Pannelen. Falibäaken and Papierkörben zu ausnahinsweis sehr billigen Preisen. ------- Eigene Stuhl-Fabrikation. 16456 schnellsten- besorgt. Das Flechten, sowie alle anderen Heparaturen an Stühlen Taschentücher in hervorragend. Auswahl in all. Preislagen bei A. Salomon & Cie. Christbäume trifft Montag noch eine große oenbung erslklasfiger Ware ein. Neuen Baue Nr. 7 oeeu Iodauuesftraße Nr. 3 iegenüher d. Neuen Stadtchearer. Ich empfehle meine 16161 Knnstschlciferei n. Polieranftalt im Auf arbeiten von Bestecken, owü sonstigen Tafel- u. Suchen Geräten. 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Biele trifft das schwer, viele sind bovvelt geschabiw- De müssen ihre entliehene Schuld an bte verkrachte Kasse sofort abtragen unb den Stuten von 2300 AU. »wch dazu. 9bir her, welcher in den Verhalt mssen hier wohrtt. kann die Größe des Unglücks recht beurteilen. Viele gerinne Leute haben Geld eingelegt: sie ver licren schon feit 2 Fahren ihre Zinsen: unb haben sie Geld notig, so müssen sie es leihen gegen hohe Zinsen, haben also dadurch hoppelten Schaben in der ohnedies wirtschaftlich ernften Zeit. Biet haben wir veriuclu um zu helfen und dankbar erkennen wir an, daß auch die Montur5öerwaltunq mit mogltchiler Schonung norgehen will. Ebenso hotte der Staat Unterstützung tn Aussicht gestellt: freilich tonnte sie um der.Monfcouensen willen nur gering fein und nur unter bestimmten Bedingungen gewahrt werden, deren Erfüllung tnheo kaum möglich ist, diese Hoffnung ift deshalb als gescheuert zu betrachten. Die Gemeinden felbit gehen mit Bürgschaftsleistung bis an die äußerste Grenze ihrer sinanziellen Kratt. Trotz all dieser Maßnahmen bleibt das Unglück in 'einen Folgen noch sehr groß und es ist ganz geioiß kein Unrecht, noch weniger ein nicht reiflich überlegter Schritt, wenn wir uns an die öffentliche Mildtätigkeit wenden mit der Bitte: ^Helft une!" Aus den ein- gebenden Geldern wird ein Fonds gebildet, aus dessen Erträgnissen Beihilfen an bedürftige Kassenmitglieder in Notfällen von einer Kommmion gewährt weiden, die aus dem Großh. Kreisrai Boeck- mann und 2 vom Krersausschuß zu bestellenden Mitgliedern gebildet wird. Weihnachten ftefct vor der Türe. Ihr, die Ihr in ruhigem Besitz Eures Vermögens lebt, habt ein mitfliblend Herz und eine offene Hand, daß in unsre Sorgenzett em Strahl helfender Nächstenliebe fallt und wir hoffnungswoder in die Zukunft schauen tonnen! Fürst Woligaug zu A'enburg und Büdingen in Büdingen. 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