Nr. 119 Zweites Blatt 159. Jahrgang Montag 24. Mai 1909 Gießener Anzeiger Erscheint täglld? mit Ausnahme des Sonntag«. General-Anzeiger für Gderhejsen Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei. R. Lange. Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion:«^gK 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen. Die „•U6id Hassantepe besetzt haben. Nach Heranziehung von Verstärkungen sei es dem bulgarischen Posten gelungen, Hassanleve zurückzuerobern. Auf bulgarischer Seite wnrde menmnb verletzt. Tie Ursache des Zwischenfalles ist noch nicht aufgeklärt. In politischeit Kreisen wird dem Zlvischeiisall mir lokale Bedeutung beigemessen. Gegenwärtig herrscht wieder vollkommene Ruhe. — Angesichts der Vorbereitungen, die griechischerseits für eine neue Bandenbewegung getroffen wurden, haben die Behörden die strengsten Maßregeln ergriffen, um die Banden zu vernichten und den Waffenschntuggel hintanzuhalten. und sind von demjenigen zu entrichten, der das Wiegen veranlaßt hat. Ten Verkäufern ist nicht gestattet, auf den ihnen gehörigen Wagen fremde Ware zu verwiegen. § 10. Von allen zum Verlauf aufgestellten oder ausgelegten Gegenständen ist ein Marktstandgeld an die mit der Erhebung betrauten städtischen Beamten gegen Empfangnahme von Quittungen zu entrichten, sobald die Verkäufer die ihnen angewiesenen Plätze eingenommen haben. 2. Tie Markkzett dauert dabei vom 15. April bis 15. Sept, einschließlich von 7 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags, im übrigen von 8 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags. 8 3. Zum Verkauf auf den Wochenmärkten zugelassen sind die sämtlichen im § 66 der Gewerbeordnung aufgeführten Gegenstände des Wochenmarktverlehrs. Tie Wochenmärlte sind aber vorzugsweise bestimmt zum Feilbielen solcher Erzeugnisse des Bodens, der Jedes laute marktschreierische Anvreisen sowie das Versteigern von Waren und Gegenständen aller Art Verkäufer ist auf dem Wochenmarkr untersagt. § 14. Tie Handhabung der Marktvlatzordnung Wochenmarkt liegt dem städtischen Marktmeister ob. hat die Zahlung der Standgelder zu überwachen. Tas Standgeld beträgt: a) für jeden Tag und jeden in Benutzung genommenen laufenden Meter Platz b) für den Verkauf von Marktgegenständen vom Wagen aus: für jeden Handwagen und jeden bespannten Wagen von weniger als 2 m Länge für jeden bespannten Wagen von mehr als 2 m Länge für das Verwiegen von Butter: für je 5 Kg. 8 4. Als Wocheumarktplätze werden zunächst bestimmt: a) der Lindenplatz für Pflanzen, Blumen und Samen. (Tie Gärtner, die außer vorstehenden Erzeugnissen auch Gemüse zu Markt bringen, können ausnahmsweise und soweit noch Platz vorhanden ist, auch hier zugelassen werden. » b) die Markllaubenstraße für Butter, Käse und (Ster, c) der Kanzleiberg iür Beeren, und Obst in Körben, d) der Brandplatz für Geflügel, Wildbret und Fische sowie Gemüse und Kartoffeln im kleinen, e) der Oswaldsgarten für Kartoffeln, Kraut, Obst, Heu und Stroh, Holz und Brennmaterialien auf Wagenladungen, f. die Marltlauben für die unter a bis d aufgeführten Gegenstände. Im Einvernehmen mit Großherzoglicher Bürgermeisterei kann obige Platzeiltteilung jederzeit geändert und können auch andere Plätze für das Feilhalten der Wochenmarktgegenstände bestimmt werden. Ter Marktverkehr aus anderen, als den nach diesem Paragraphen zuaelassenen Straßen und Plätzen ist untersagt. § 5. Tie auf den offenen Marktplätzen (a bis e des tz 4 Feilbietenden belommen ihre Plätze durch den Marktmeister nach der Reihenfolge ihres Eintreffens und in der Art angewieien, daß die Waren gleicher Gattung fidi tunticbst in denselben Reihen befinden, und der freie Turchgang nicht behindert wird. Tie Zugänge und Zufahrten zu den umliegenden Häusern müssen ireibleiben. Tie einmal eingenommenen Plätze dürfen ohne Erlaubnis des Markt-- meisters nicht gewechselt werden. Eine Stunde nach Schluß des Marktes muß der Marktplatz von Verkäufsgegenständeit und Gerätschaften aller Art vollständig geräumt sein. Tas Aufschlagen überdeckter Stände auf beit Wochenmärkten ist nicht gestattet. § 6. Tie gedeckten Marktlauben (f des § 4> werden je auf die Taner eines Rechnungsjahres meistbietend versteigert. Lauben, welche nicht für das ganze Jahr vergeben sind, werden auch auf kürzere Zeit, zum mindesten aber auf die Tauer einer Woche, an die Verläufer nach der Reihenfolge der Anmeldung zu der von der Bürgermeisterei festgesetzten Gebühr obgegebejL 'estimmt zum Fettbi und Forstwirtschaft, wie der Jagd und Fischerei, welche als Lebensmittel dienen, sowie von Blumen, Pflanzen und Samen, Tie Quittungen sind sichtbar zu tragen. Tie Entrichtung des Standgeldes ist den Aufsichtsbeamten auf Verlangen durch Vorzeigen der Quittungen ivährend der Tauer des Marktes jederzeit nachzuweisen. Wer sich bei der Kontrolle nicht im Besitz eines giftigen Ausweises befinde:, hat den dreifachen Betrag des geschuldeten Standgeldes zu zahlen. § 11. Für den Eingang des Standgeldes haftet die ihm unterworfene Ware, welche bei verweigerter Zahlung ohne weiteres mit Beschlag belegt und sofort auf Kosten des Zahlungspflichtigen an Ort und Stelle öffentlich gegen Barzahlung veräußert werden kann. Aus dem erzielten Erlös ist zunächst das schuldige Standgeld samt den entstehenden Kosten z:i decken, ein etwa verbleibender Ueberschuß ist dem Eigentümer der Ware auszuhändigen. $ 12. Außerhalb der Markttage und Marktzeiten ijl_ das Feilbieten von Gegenständen des Wochenmarktverkeyrs am Stand auf den vorgenannten offenen Verkaussplätzen verboten und nur in den gedeckten Marktlauben gestattet. Ausnahmsweise kann int Bedarfsfälle auch das Feilbieten von Obst und Bodenerzeugnissen am Stand an bestimmten anderen Plätzen der äußeren Stadt und an den Toren der inneren Stadt in jederzeit widerruflicher Weise gegen eine von der Stadtverord- neten-Bersantinliutg festzusetzende Gebühr gestattet werden. § 13. Gegenstände deS Wochenmarktverkehrs, welche an Markttagen ohne feste Bestellung von außerhalb hier eingeführt werden, dürfen vor Beginn der Marktzeit überhaupt nicht und während der ersten 3 Stunden der Marktzeit nur aus den dafür bestimmten und angewiesenen Verkaufsplätzen, also auch nicht int Umherziehen, feilgeboten werden. Ten von dem Marktmeister getroffenen Anordnungen ist bei Meidung der Wegweisung von dem Marktplatz unweigerlich Folge zu leisten. § 15. Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Marktordnung werden nach § 149 Ziffer 6 der Gewerbeordnung mit Geldstrafe bis zu 30 Mark und im Unvermögensfalle mit Hast bis zu 8 Tagen bestraft. Beig. Keller führt aus, die Abänderung der Wochenmarkt- orbnung sei namentlich dadurch veranlaßt, daß die elektrische Bahn die Verlegung des Geflügelmarktes vom Marktplatz und des Obstmarktes aus der Schulstraße notwendig macke. Außerdem solle in Zukunft wie in sämtlichen anderen hessischen Städten ein mäßiges Standgeld erhoben werden, um eine übermäßige Platzinanspruchnahme zu verhindern und den einheimischen Gewerbestand zu schützen. Tie sich anschließende ziemlich ausgedehnte Debatte dreht sich zunächst hauptsächlich um die Regelung der Kostvroben- Entnahme bei Butter. Stadtv. Wallenfels regt die Aufnahme einer entsprechenden Bestimmung an, bereit Fassung, nachdem die Stadtv. T r. Ebel, Löber , Troß, D r. Haber- koru und Beig. Keller gesprochen haben, der Marttlommis- sion überlassen wurde. Am meisten Anklang sand ein Vorschlag des Stadtv. Troß, daß die Vutterhändler ein reines Messer zum Abschneiden der Proben bei sich zu führen und die Proben auf ^reinem Papier abzugebeit haben. Dieser Vorschlag wurde vom Stadtv. Tr. Haber Io rn noch dahin ergänzt, daß das Messer in einem Glas mit frischem Wasser stehen sott. Stadtv. Jug Hardt regt eine andere Fassung des Satzes an, der für Gärtner, die mit Blumen bandeln, am Lindenplatz ausnahmsweise auch die Feilhaltung von Gemüsen vorsieht. Tem- entsprechend wird dieselbe Begünstigung auch für andere Leute zugelassen. Weiter wird auf Anregung des Stadtv. I u g h a r d t, die von verschiedenen Seiten unterstützt wird, für später in Aussicht genommen, Wagen 5um Kleinverkauf auf dem Brandplatz in der stilleren Zeit zuzulassen. Stadtv. Plank regt die alsbaldige Vergrößerung der für Marktzwecke zur Verfügung stehenden Plätze durch das Gelände gegenüber den Marktlauben an. Der Zwischenfall von Casablanca bat. durch W am Samstag veröffentlichte Urteil des Haager Schtedsgertchts seine friedliche Löfung gefunden. Man hätte vielleicht ein für uns günstigeres Urteil erwarten können, aber cs ist anzu er kennen, batz es in dieser Sache, wie sowohl die Köln. Zeitung als auch der Figaro feststellen, weder Sieger noch Besiegte gibt und daß ein bedrohlicher Zwist zwischen Deutschland und Frankreich auf ehrenvolle und friedliche Weise aus der Welt geschafft worden ist. Das Urteil des Haager Schiedsgerichts lautet: ,"3u Unrecht sowie mittels eines schweren und osfensichtlichen Versehens hat der Sekretär des kaiserlich-deutschen Konsulats in Casablanca den Versuch gemacht, Deserteure der französischen Fremdenlegion, die nicht die deutsche Reichsangehörigkeit besaßen, auf einem deutschen Dampfer einzuschissen. Ter deutsche Konsul und die anderen Angestellten des Konsulats sind hierfür nicht verantwortlich, fedoch hat der Konsul durch Unterzeichnung des ihm vorgelegten Geleitscheins ein nicht beabsichtigtes Versehen begangen. Das deutsche Konsulat hatte unter den vorliegenden Umstünden nicht das Recht, den Deserteuren deutscher Reichsangehörigkeit seinen Schutz zu gewähren, doch kann der in dieser Hinsicht von den deutschen Konsularbeamten begangene Rechtsirrtum ihnen weder als beabsichtigtes noch'als unbeabsichtigtes Versehen zugerechnet werden. Zu Unrecht haben die französischen Militärbehörden den tm Namen des deutschen Konsulats über die Deserteure ausgeübten tatsächlichen Schutz nicht soweit irgend möglich respektiert. Selbst abgesehen von der Verpflichtung, den konsularischen Schutz zü respektieren, berechtigten die Umstände die französischen Militär- Personen weder zur Bedrohung mit einem Revolver nod) zur Fortsetzung der den marokkanischen Konsulatssoldaten zugefügten Schläge. Den weiteren in den Anträgen der beiden Parteien erhobenen Ansprüchen (Auslieferung der drei deutschen reichsangehörigen Deserteure, die vom deutschen Sachverwalter Geheimerat Lentze verlangt wurde), kann nicht stattgegeben werden." Wie man sich an amtlicher Stelle in Berlin zu diesem Urteil verhält, lassen nachstehende Auslassungen der „Nordd. Allg. Ztg." erkennen. DaS offiziöse Organ schreibt: „Das in der Casablanca- Angelegenheit am 1. Mai dieses Jahres int Haag zusammengetretene Schiedsgericht hat heute — wie schon andcrweits gemeldet wurde — die Entscheidung gefällt. Der Schiedsspruch legt sich auf eine mittlere Linie zwischen der deutschen und der französischen Auffassung. Er geht davon aus, daß es sich um einen Konflikt zwischen zwei gleichberechtigten Gewalten handelt: Zwischen der Ansicht ausschließlich) deutscher KonstKargerichtsbarkeit über alle Deutschen in Marokko und der Ansicht gleichfalls ausschließlich französischer Gerichtsbarkeit über die Angehörigen der sranzö- fischen Fremdenlegion. Er führt aus: Daß sich der ftonflift nicht nach einer absoluten Regel, sondern nur nach den tatsächlichen Umständen des Einzelfalles entscheiden läßt. In dieser Hinsicht nimmt der Schiedsspruch an, daß, so lange die Angehörigen dcs Okkupationskorps das von der Truppe unmittelbar für dauernd und tatsächlich wirksam okkupierte Gebiet nicht verlassen haben, der militärischen Gerichtsbarkeit der Vorzug zukommt und daß demgemäß die deutschen Deserteure von der Fremdenlegion innerhalb von der befestigten und von französischen Streitkräften besetzten und bewachten Stadt Casablanca unter ausschließlicher französischer militärischer Jurisdiktion verblieben seien. Bei der zweifelhasten Rechtslage sei es nicht zu tadeln, meitit die deutsche Konsulatsbehörde gleichwohl den deutschen Deserteuren den von ihnen nackgesuchten Schutz gewährt habe. Da dieser Schutz offen- 6or unrechtmäßig war, hätten die französischen Militärbehörden sich Ibiaraui befchränkeit müssen, bic deutschen Deserteure an der Flucht zu verhindern und bis zur Lösung der Frage im Gewahrsam des 'deutschen Konsulats zu lassen, statt sich ihrer mit Gewalt zu bemächtigen. Die Deserteure hätten daher an sich zur Wiederherstellung des gestörten tatsächlichen Zustandes dem Konsulate zurückgegeben werden müssen. Bis zu einer endgültigen Enlschci- bung über ihr Schicksal sei aber von der Anorbnung einer solchen Rückgabe abzusehen. Der Schiedsspruch kommt nach alldem zu der schon bekannt gemachten Entscheidung. Diese gibt den beiderseitigen Angestellten in gewissett Punkten unrecht und eS werden ftd) die beiden Regierungen nunmehr, nach der hierüber früher getroffenen Verständigung, insoweit ihr Bedauern gegenseitig auszusprechen haben. Ties ist deutscherseits bereitwillig geschehen, da das Verfahren der deutschen Agenten hier — wie bekannt — von vornherein nicht in jeder Hinsicht als einwandfrei angesehen wurde und der gegenseitige Ausdruck des Bedauerns, soweit das Vorgehen der beiderseitigen Angestellten _ zu einer Beanstandung Anlaß gab, schon vor dem Schiedsverfahren von uns vorgeschlagen worden ist. Taß das Schiedsgericht die Herausgabe der deutschen Deserteure abgelehnt hat, mag im Interesse der davon Betroffenen bedauert werden, wenngleich diese, da s»: sich ihren militärischen Pflichten in der Heimat entzogen haben, keine besondere Sympathie verdienen. Sie haben sich ihr Schicksal lediglich selbst zuzuschreiben, da sie den Tienst in der Fremdenlegion, aus dem sie zu entweichen versuchten, freiwillig übernommen hatten. Für Deutschland ist es bet Aufnahme der Streitfrage im wesentlichen nur darauf angekommen, die Anwendung von Gewalt den Konsulatbeamten .gegenüber zurückzuweisen, wie solches ja auch vom Schiedsgericht verworfen wird. Uebrigens mögen die Rechtsfragen, die der Streitfall aufgeworfen hat uub die der Schiedsspruch selbst als sehr verwickelt und noch ungelöst bezeichnet, teilweise bei seinen Erwägungen ganz ausschaltet, die völkerrechtliche Literatur später nod) beschäftigen. Für die praktische Politik ist mit dem Schiedsspruch ein sehr unliebsamer Zwischenfall in einer würdigen, für die internationalen Beziehungen durchaus befriedigenden Weise gelöst worden. Tie französische Auffassung läßt sich aus folgenden französischen Prcßstimmen erkennen: Ter „Tcmps" meint, das schiedsgerichtliche Erkenntnis sei für beide Völker annehmbar und ehrenvoll. Frankreich und Deutschland behüten einen zu hervorragenden Teil des gemeinsamen Gutes der menschlichen Zivilisation, als daß sie burd) nebensächliche Vorfälle hervorgerufene Kämpfe nicht mißbilligen sollten. Sie haben die Verpflichtung, alles zu tun, um sie zu vermeiden. Tas deutsch-französische Abkommen über Marokko war der erste Schritt auf diesem Wege, aber man sollte gar jtirfjt abwarten, daß Angelegenheiten wie die marokkanischen Streitigkeiten, die Schwierigkeiten betressend die Kvngo- Kamerun-Grenze und der Zwischenfall von Missum-Missnm gütlich beigelegt werden müssen. Man sollte sie durch ehrliche Vereinbarungen hintanhalten und so den beiden Ländern überflüssige Aufregungen ersparen. — Ter „Figaro" schließt sich der Aeuße- rung der „Kölnischen Zeitung" „es gibt in dieser Sache weder Sieger noch Besiegte" an und sagt, es bleibt nur ein Beispiel von zwei großen Völkern, die einen Beweis von gegenseitigem guten Willen gegeben haben, um einen peinlichen Zwischenfall ttn denkbar bester Weise zu regeln. Es ist überaus nützlich, sich ein solches Beispiel stets vor Äugen zu halten. § 7. Tas Betasten der unverhullt zum Verkauf ausltegenden Nahrungs- und Genußmittel, welche ihrer Art nach ein sofortiges Verzehren zulassen, ist dem kaufenden Publikum untersagt und darf von Verkäufern nicht geduldet werden. Beim Verpacken von Nahrungs- und Genußmitteln int allgemeinen darf nur reines Papier — wobei auch Zettungspapier zugelassen ist — verwendet werden. Bei Verpackung solcher Rah- rungs- und Genußmittel, die nicht völlig trocken sind, oder eine auch nur teilweise fette ober überzuckerte Oberfläche haben, darf nur sauberes unb ungebrauchtes Papier, bas weber gedruckt nod; beschrieben ist, verwendet werden. § 8. Tas Mitbringen und Umherlauscnlassen von Hunden während der Marktzeit ist verboten. § 9. Zum Verwiegen von Marktwaren und insbesondere auch zum Verwiegen der Butter sind auf den Marktplätzen städtische Wagen ausgestellt, deren Benutzung den Verkäufern und Käufern gegen die tarifmäßigen Gebühren sreisteht. Tie Gebühren betragen: K'itznttg Ser StaStVerorSneten. Gieüen, 21. Mai. (Schluß.) Ter Entwurf der abgeänderten Wochcnmarktordnung lautet: § 1. Am Dienstag, Donnerstag und Samstag jeder Woche findet in Gießen Wochcnmarkt statt. Deutsches Neieh. Der Kaiser und die Kaiserin sind mit der Prinzessin Viktoria Luise und Gefolge Sonntag früh um 8 Uhr 39 Minuten auf der Station Wildpark eingetroffen. Die angebliche Wicdervermählung des Herzog-Regenten von Braunschweig. Nach einer Mitteilung von maßgebendster Stelle ist die von Berliner Blättern gebrachte Nachricht von einer angeblich bevorstehenden Wredervermählung des Herzog-Regenten Johann Albrecht vollkommen erfunden. In dem Befinden des Kardinal-Fürstbischofs Dr. v. Kopp in Breslau ist gesteru abend eine ernstliche V e r s ch l i m m c r u n g cingetreten. Der Begründer der Hamburger See warte, Wirkl. Geh. Admiralitätsrat Pros. Dr. Georg v. Nennt aß er, ist schwer erkrankt. Sein Zustand ist besorgniserregend. Todesfall. Ter Reichstagsabgeordnete für den Wahlkreis Pfalz 2 (Neustadt-Türkqeim-Landau-Edenkoben), Weingutsbesitzer W. Schell Horn-Forst (Pfalz), (natL), ist gestern früh 5 Uhr infolge Lungen- und Rippenfellentzündung gestorben. — Ter nunmehr verwaiste Wahlkreis ist seit 1868 in den Händen der Nationallibcralen, trotzdem wird es bei der nächsten Ersatzwahl wahrscheinlich zu heißen Kämpfen kommen. Schon bei der 'letzten Mahl kam das Zentrum in die Stichwahl; auch die Sozialdemokraten find in diesem Wahlkreise sehr stark. Dem Präsidenten des Reichstags, Grafen zu Stolberg-Wcruigerodc, sind zu seinem 50jährigen Dienst- jubilaum zahlreiche Glückwunschtelegramme zugegangen: vom Kaiser, vom Vorstände dcs Reichstags und aus den Regicrungskreisen. ArLslauH. Der 0 st e r r e i ch i f ch e L h r 0 n f 01 g e r Erzherzog Franz Ferdinand und der Erzherzog Franz Salvator werden in diesem Fahre den deutsch en Mcmooern beiwohnen. Prinz Heinrich von Preußen wird, wie die Budapester Korrespondenz meldet, am 9. Juni zu einem zweilagigen Aufenthalt in Budavest eintreffen. Zur p v l i t i s ch c n Lage in Ungarn. Auch ungarische Kreise, die bisher optimistisch gesinnt waren, geben 511, daß die Lage ernst und Jjcbcntlid) sei. Man beginnt an die Ernennung eines Bcauucnministeriums zu glauben. Die Königin von Holland unternahm Samstag vormittag zum erstenmal seit ihrer Entbindung einen Spaziergang in * harten des Palais: bann folgte eine Spazierfahrt im Wagen. Auch bic neugeborene Prinzessin Juliane war im Garten. Eine nt a r 0 l" t a 11 i 1 d) c Son der gesandt schäft ist in Marseille ciitgclroffcn unb unter militärischen Ehrenbezeugungen von Vertretern ber Bchorben und des Ministeriums des Auswärtigen empfangen worden. Stadtv. H a b c n i ch t bemängelt, daß bei dem jetzigen Wagen- systcm das Publikum zu lange auf das Verwiegen warten müsse Vtellcicht empfehle fidj bic Anfmaffung einer Tezimalwage. Von anbercr scitc, namentlich Stadtv. 2 r. H a b c r £ 0 r n , wird die Beibehaltung der jetzigen Wage befürwortet. Auf eine Anregung des Stadtv. T r. Ebel wegen Zulassung von Marktlchtrmen wird vom Vorst tz enden nütqeteüt, daß Nw em Bedürfnis hierzu bis letzt nod) nicht hcrausgefkellt habe. Der Viehmarktplatz hat sich, wie Beig. Keller mitteilt, beim letzten Markt zu klein erwiesen. Da man noch, nicht weiß, wie sich die Verhält- mtte durch das neue Reichsgewtz, das vor wenigen Tagen vom Reichstag^ angenommen wurde unb eine räumliche Trennung zwischen scklachtho! unb Vichhof Vorsicht, bic Verhältnisse gestalten! 1 ft Ut ’b 1000 Quadratmeter provisorisch hcrgci 'Ztabtv. Plank bestätigt, daß der Marktplatz tit seiner jetzigen Ausdehnung viel zu klein ist und teilt mir. in Hänblertreiien bestehe der Wunsch, eine Stelle zur Abwickelung von Gescharren m einem gedeckten 'Htnim einzurichten Beig. Keller tit der Ansicht, daß man mit Rücksicht auf die ungewisse Hage für letzt von der Errichtung eines gedeckten Raumes Abstand nehmen solle. Stadtv. Trost meint, auch mit der jetzt vorgeschlagenen Vergröberung sei der Platz noch nicht groß genug. Man werd« die Tiere kaum unter bringen können, von einer Vorführung könne aber keine Rede sein. Tic Schranken sollten nur um den Blatz herum errichtet werden, damit sie den Verkehr nicht hinderten. Tic Einrichtung einer Geschä'tsstellc «olle man nicht kurzerhand ablehnen. sondern die Händler einmal darüber hören. Beig. Keller teilt mit, dast mit der vorgeschlagenen Per- grösterung der Marktplatz 4500 Quadratmeter grob sei. Tos sei wohl als ausreichend zu betrachten. Stadtv. Löber führt aus, wenn die Barrieren auf dem Platz wegfielen, fei der Platz wohl ausreichend, fodast man vorläufig nur die 1000 Quadratmeter mehr einrichten solle. Stadtv. Wallenfels ist derselben Ansicht und halt auch die Errichtung eines besonderen Geschäftsraumes für überflüssig. Stadtv. Trost ist der Meinung, dast der Austrieb und Abtrieb des Viehes an derselben Stelle stattfinden könne, da er doch nicht gleichzeitig vor sich gehe. Tcshalb sei die Anlegung eines chaufsicrien Wege- wohl überflüssig gewesen. Nach einer Mitteilung deS Beig. Keller, dast die Ehaussee von der Versammlung feinerzeit genehmigt worden sei, wird dem Vorschlag zugestimmt, den Platz um 10000 Quadratmeter provisorisch zu vergröbern. Die städtische Anleihe. Angebote lagen um : 1. Benennung der bietenden Bankhäuser. 'Angebotener Ueber- nahms- Kurs •/ Verzinsung der noch nicht abgehobenen Betrage: I. 2, 3. 1 5. 6. Dresdner Bank - Frank- furt a. M. Delbrück, LeoLCo.-Berlin, Mitteldeutsche Kreditbank-Berlin, L. 8l E. Wertheimber - Frankfurt a. M. Di^konto-Gesellfch. -Frankfurt a. M., Bleichroder- Berlin, BamberqerLC o.- Mainz, Ephraim Meyer LSohn-Hannover,Nord deutsche Bank Hanibnry, L. Pfeifscr-Kassel, Süddeutsche DiSkonto-Gesell- schast-MannHeim, TL TL Warburg & Eo. yam- burg, I. Herz-Gießen Königliche Seehandlung- Berlin Bank für Handel und In- dustrie-Tarinstadt, Rom merz- u. TiSkonto-Bank, Nationalbank f Tcutld)- land-Berlin, I. Dreyius A (so.-Franksnrt n. TL, Veit L. Homburger- Karlsruhe Deutsche Bank (nod) nicht eröffnet, weil nur bedingt zu öffnen) 100,07 100,37 99,02 99,07 99,42 99,47 100,28 99,45 100,05 17i % rmterRcichSbank mindestens 2'/f, höchstens 4°/,. 17, % unter Rcichsbank, höchstens 4 "Zobel 4®/e Verzinsung. wie vor, ohne Kaution. 10 0 unter Rcichsbank, höchstens 4e/o- wie vor, ohne Kaution. 17i % unter Reichsbank, höchstens 4°/e- Verzinsung nach Bedingungen. 10 o unter Reichsbank, höchstens 36/». Wie der Vorsitzende ausjuhrt, ist auf Wunsch des Mini- fieuums bei Finanzen der Termin, bis zu dem die Anleihe unkündbar fein soll, vom 1.3uli 1919 auf den 1. Juli 1916 gekürzt worden. Mit dieser Abänderung, die auf den Mure der Anleihe keinen Entlaß haben dürfte, ist die (Genehmigung des Mini- steriumü gesichert Tie sviminz komm iss ion schlägt vor. das günstigste ; jefübrh, anzunehmen. Stadtv Löber ist der Ansicht, dast das Ergebnis der Anleihe vielleicht noch günstiger getvesen sei. wenn man zu einer anderen 3cit, etwa 1 Wochen vor Ausgabe der letzten ReichS- und preustischen Anleihe, an den Markt berangetreten wäre. Stadtv. Trost spricht sich ähnlich aus. Auch die auf Wunsch des Ministeriums erfolgte Abänderung des Termins der Unkundbarkeit. sowie die Vorschrift weizen der Verzinsung habe vielleicht ungünstig auf das Ergebnis eingewirkt. Der Vorsitzende hält^das Ergebnis für austcrordcntlich günstig Tie Anleihen der Stadt Gicsten ständen ieyt außer ordentlich bock im Kurs und das Angebot auf die neue Anleihe sei im Verhältnis ;u diesem gegenwärtigen Kursiven wnentlick besser, als man hätte erwarten dürfen. Stadtv. Em melius erflärt, dast rin besseres Resultat nickt zu erwarten gewesen sei und man vollauf zufrieden fein könne. Stadtv. Wallenfels spricht sich ähnlich aus Dem Antrag der Finonstommission wird hieraus einstimmig zugestimmt Tie Lieferung der Anleihe-Urk.rnden und Ziusbogen wird der Firma H. Kühn zum Preis von 1170 Mk übertragen. Verschiedenes. DieOmnibusgesellschast bat im letzten Jahr ein Defizit von 4866,69 Mk. welcher Betrag ihr in Form eine: unverzins lichen Tarlchens von der Stadt zur Verfügung gestellt wird Ter L a l dw i r tcha f t s o l a für 191" ist nach feiner Ausarbeitung durch die Sberjörsterei vom Stadtv. Tr Sim m e n a u e r geprüft worden Aus Antrag der forst- und lanbir Teputatüm wird er unverändert gutgeheißen. Einige Holzabgabcn aus der Hand im Gesamtbetrag von 919 Mk finden Genehmigung. Stadtv. Tr. Ebel regt an, demnächst den Enttvurf der Städteordnung einer Besprechung zu unterziehen. _Tcr V o r sitzende teilt mit. dast er nach einer Beratung der Stadtebürger meister über die Stadteordnung hierzu Gelegenheit geben wolle. Eine Anfrage des Stadtv Fann wegen des Schicksals der Eingaben brr Bauhandwerker zum Snbmii'sionsveriahrcn ivtrb vom Vorsitzenden bahm beantwort, t. oast^ic der Baudepu tation Dorliegen und in einer ber nächsten Sitzungen beraten werden sollen. ' , -----------—--------- --------S9 Aus Stadt nnd (and. Gießen, 24. Mai 1909. von der elektrischen Ltratzenbahn. Ein bedeutungsvoller Tag ist heute für die Entwickelung unserer Berkehrsverhaltnisse: Tie ersten Schienen für die elektrische Straßenbahn treffen hier ein Mit ihrem Legen soll alsbald begonnen werden und da nach dem Ergebnis des lanbespvlizcilichen Prüfungstermins hinsichtlich der Kon- zessionserteilung keine Verzögerung zu erwarten ist, wäre alles gut und die Bahn könnte spätestens mit dem 1. November ds. FS. den Betrieb aufnchmen, tücntt die leidige Rofettenfrage nicht wäre. Nur etwa die Hälfte der in Frage kommenden Hausbesitzer hat bis jetzt ihre 3uftim tnunfl zur Anbringung der Rosetten erklärt. Es ist aber bei dem allezeit hier betätigten Bürgerfinn anzunehmen, daß auch die übrigen das gemeinnützige Institut, das zwar allen Einwohnern, aber doch vorzugsweise den Hausbesitzern der von der Bahn berührten Straßen Nutzen bringen wird, durch alsbaldige Erlaubniserteilung zur Rofettenanbriitgung unterstützen lüerben. Wenn nicht in den nächsten Tagen diese Frage erledigt wird, kann die Inbetriebnahme der Bahn kaum vor dem nächsten Frühjahr, ober jedenfalls nicht mehr in diesem Jahr stattsinden. Ta die LmnibuSaescllschaft unter allen Umständen spätestens am 1. November ds IS. den Betrieb einstellt, wäre somit unsere Stadt gerade in der wichtigsten Geschäftszeit des Jahres ohne jedes regelmäßige öffentliche Verkehrsmittel, ein Zustand, der gewiß niemand erwünscht sein wird. Wie wenig übrigens Bedenken gegen die Roscttenanbringung gerechtfertigt sind, geht daraus hervor, daß in zahlreichen auswärtigen Städten Rosetten an öffentlichen Gebäuden angebracht find, ohne daß irgendwelche Schäden entstanden find. So befinden fich z. B. an zahlreichen Kirchen Rosetten, in Frankfurt a. M. au der Kat Hari nenkirche, Garnifon- kirche, Weißfrauenkirche und Paulskirche: in Mainz : Licb- frauenkirche und Johanniskirche: in Mannheim: Jo- hanniskirche, Herz-Jesukirche, sowie an zwei wird?en in Neckarau; in Heidelberg: Heiliggeistkirche am Markt (3 Wandrosetten) und Providenzkirchc; in Köln : Kolumba tirche (2 Rosetten für Straßenbahn und zwei für Bogen- loznpenaufhängungcu >, Maria-Hnnmelsahrtskirche. Auch am Kais erlichen Schloß in Wiesbaden ist eine Straßenbahn-Rosette angebradst, ohne daß der Kaiserliche Hausherr irgend ein Bedenken gehabt oder das Schloß Schaden gelitten hätte. ** Das erste weibliche Mitglied eines Lchrcr- vercinSvorstandcS in Hessen hat der Gießener Lehrervereln am SamStag gewählt. Die Lehrerin Emma Weitzel wurde aus Antrag des Vorsitzenden Valentin Müller einstimmig in den Vorstand gewählt und soll den Schriftführerposten erhalten. •• Kinderlieber-Ab end am 22. Mai. Zwischen zwei musikalischen Unternehmungen, von denen sich die etne ein älteres als hundertjähriges Heimatrecht erworben bat, das andere zu den begehrtesten zu zählen ist, hol sich am SamStag ein Kinderlieder-Abend keck hinemgedrangt und trotz Maien- (oft mit einem vollen Erfolge abgeschloffen. Wehte cS doch auch rote Maicnluft und aufkeimendes Leben vom Podium herab entgegen und die kleinen Tarnen und Herren darauf, der hoffnungsvolle Nachwuchs unseres Akademischen Gesang- Gießener Stafcttbcater* Zar und Zimmermann. Komische Oper in 3 Akten von A. Lortzing. DaS gestrige dritte Gesamtgastspiel deS Großh. HoftbeaterS und der Hosmusik in Darmstadt bescherte dein Gießener Publikum eine formvollendete Wiedergabe von Lortzingü Meisterwerk. Humorvolles und Sentimentales find im „Zar und Zimmermann* innig verbunden und gewähren dem Zuhörer und Zuschauer einen Genuß besonderer Art, wie er uns Heutigen fast schon fretnb geworden ist. Wir sind schon so sehr an d»c schwere Kost Wagners und Straußen- gewöhnt, daß wir bei Lortzing Auge und Ohr erst besonders cinftcQen müssen, um sie für die Schönheiten dieser Kunst wieder cmpsindlich und empfänglich zu machen. Schade, daß bie Gattung der komischen Oper unb der Spieloper in neuerer Zeit so vernachlässigt worden ist. Sie hat unsere Eltern und Großeltern so sehr entzückt, und wenn man sie recht verstehen will, hat sic mich u n 8 noch mancherlei zu sagen. „Tas Gute ist leicht, alles Göttliche läuft auf zarten Füßen*, dieser eilte Satz der Aesthettk Friedrich Nietzsches läßt sich auch auf LoitzingS Musik onroenben. Man nennt unS Deutsche schwerfällig, aber auf Lortzmg trifft daS sicherlich nicht zu. Gerade das Leichtfüßige und Elegante m der Musik LortzingS wurde auch in der vorgestrigen Aufführung unter der Leitung Kittels ganz besonders glücklich heroorgehoden. Besonders zn loben waren dieseSmal Sie Chöre. Sie leisteten wirfhth Hervorragende:. Unübertrefflich gelang ferner das Sextett im zweiten Akte („Zum Werk, das wir beginnen*). In ber Maske sehr treffend unb charakteristisch unb gesanglich gut disponiert, bot Herr Weber einen ganz ausgezeichnet.n Zaren. Sein Lieb „Scn'i spielt id) mit Szepter, mit Krone unb Stern* rief draujcode BeifaUSstürwe bcrvor, so ba-j sich der Sänger zu cm« Wicberholiuig dcS letzten Verses veranlaßt sah- Eine liebreizende Marie war Frt. Zeiller. Sie war darstellerisch vortrefflich und gesanglich bezaubernd. Den MargniS von Chatcauncus sang He« Wolf geradezu phänomenal. Sein hohe« C war von ganz außergewöhnlichem Glanz. Ter Sänger erntete denn auch schon bet offenen Szenen lebhaften Beifall. Eine wahre Prachtleistung war endlich ber Bürgermeister bc6 Herrn Riechmann. Sem trockener Humor kam zur besten Geltung. Tie übrigen Sänger unb Darsteller fügten sich in ihren kleineren Rollen dem Ganzen sehr glücklich an. Die Inszenierung durch Herrn Oberregisieur Val deck bot eine Reihe prächtiger unb stimm- ungSvoll« Bilder; besonders wirkungsvoll war b« Aufbau befl ersten Aktes. -n. (Siebener Rorizertverein. X 3. Kammermusik Abend. Mit einem sehr interessanten, genußreichen und in jeder Hinsicht roohlgelungcncu Kammermusikabend schloß gestern das Kcmzcrtiahr. )nt Mittelpunkte her rein mufitolucbc:; Darbietungen frnnb Meister Handn mit seinem herrlicher Konzert in E dur für Violine unter Begleitung von Klavier Violinen, Viola und Äuntrabm Ite Solopartien fpiett Herr Redner geradezu binrei ich oi Herr« Prof. I rau t mann, T owissohn 1 G r.e iteipei (2. ('icigc •, K a 11 c r e r (Violn und 5c U r e ch t ,erde« and) au epileptisdien Anfällen leiden follL batte i'tn, uuß«- halb der Einfriedigung uad) einer tiefen Stelle gewagt und versank alsbald. Cbgleid) er sosort herausgebolt wurde, hatten die angcftelltcn Wiederbelebungsversuche lanee Crsolg. * ♦ Verhaftet wurde gestern vormittag ber lag- löhner Heinridt Hartmann hier wegen Sittlid)keusvler abgchaltcn wird Au bem Kursus nehmen 24 Mädchen teil. Tic Herren verweilten 1‘ • ötun- den in dem Unterridttslolol «Zur Tcutfcheii Eiche". Von Klein Linden begaben sich bic Herren nadi Allen- b o i f ab Lahn, um brn Parallclkursus zu befidttigtn den Fräulein Webell bort abhält, er ist von 17 Möddien besucht Geheinierat Tr Eisenl, ut h sprach seine größt, .iuftk* bcnheit über bic Einrichtung ans unb fonftaticrl» daß bas neue Institut sich auss beste bewihrt und Rachanmimg verdiene Aud> 'loftprobcn sanden itati Tu* Leistungen ber Kursusteilnebnlerinnen waren über Erivarten giwsttg Tu* Hausbaltuiigsschule würbe vor vier Fahren ms in 1 , Crtcn statt Welcher Beliebtheit sich bu* Neuemrich- tuitg erfreut, geht auch bora ts hervor, bar. bic Nachfrage nad) den Kursen so groß ist, baß voriges Jahr cm Parallel- kurfus.eingerichtet unb eine zweite Lehrerin angenommen würbe Für bas Winterhaldiahr liegen bereits mehrere Vorzüge seines glänzeuben Spiels traten auch gestern wieder ins beste Lidst. Auch die übrigen Herren leisteten, «me bereits erwähnt. Ausgezeichnetes. Schub»*« - Quintett (op. 114) mit den reizvollen Variationen zu dem bekannten Liede „Tic Forelle' sand ebenfalls eine fehr feinsinnige Fnterpretation durch die Herren Trautman n.'l ebner, H e g a r, N a 11 c r e r und Seltrecht, ebenso oas - meinem Empfinden etwas gar zu harmlose Quintett von (Koetz. Es fehlt dieser .Komposition nicht an musikalische» Sdwnheiten, aber besonders originell erscheint einem bri« erstmaligem Hören die Erfindung des Meisters hier nickst. Eine besondere Freude wurde dem gestrigen Konzert' Publikum ourd) zwei weiteren Kreisen wohl noch wem» bekannte Melodramen, bereitet zu benot Herr *5 aDr Hammer bie Worte sprach Man kennt ia xvrrn iW* ha nun er in Gießen schon von früher her unb weiß ih»g sdwtzcn, aber bas, was er uns gestern bot, ivitb minW ood) auch wieder neu unb überraschend vorgekommcn fe® IRan wirb gerade hier in Gießen geneigt fein, Vergleiche wische» ihm und Possart oder Wullner anzustcllev. ui» n cer Tat erinnert vieles bei ihm an diese btibcrt vtxoV meiner der Rezitation Bamhamtucr verleugnet nbeste» nlch feine Eigenart keinesivegs Einem sprudelnden O»tU strich gibt der «üitftler sein innerstes Empftnb.n nneber. ,ib er crauidt durd, seine urspriingliche Krajt und Frische. Je sein vermochte er es, brn Sommerwalbessvuk in & eumaitn» „Pan' zu charakterisieren, wie innig und bejj' 1) gestaltete er Alex Ritters „Graf Walther und bie Salb* . au" iTiditung von Dahn aus. Es war mit einem Sorte n neue, großer unb fchöner Erfolg Banrhammer» ui icßen. Die K'.avierbeglcitung hatte auch in ben Mclobrame» rrt Proi. Trautmann übernommen; eine recht an* . . vnb< Aufgabe Herr Pro» Trautmann erledigte fu* mtt unter tfierfdiaji Tir Anschlag war von g.mz h'rvorüber Reinheit und Sd)önhcit. —u—. Anfragen nach Kursen vor, so z. B. aus Großen-Buseck, Beuern, Bersrod, Tors-Gill, Eberstadt, Muschenheim u. a. In Oberhessen hat das Beispiel des Kreises Gießen bereits Nachahmung gefunden. Im Kreise Friedberg besteht ein gleiches Institut etwa 2 Jahre und vor kurzem haben auch die Kreise Alsfeld und Schotten die Errichtung einer Wanderhaushaltungsschnle beschlossen. Es steht zu erwarten, daß über kurz oder lang aus diesen Schulen obligatorische Fortbildungsschulen für Mädchen entstehen, wie sie bereits in Baden eingerichtet sind. m. Danbringen, 24. Mai. Gestern fand hier im ^aale des Wirts Wermar eine stark besuchte Versammlung zwecks Gründung eines freisinnigen Vereins statt. Privatdozent Dr. Bogt aus Gießen hatte in dankenswerter Weise ein Referat über die „Finauzreform" übernommen und seine Ausführungen fanden stürmischen Beifall. Von den Erschienenen erklärten sich sofort 30 bereit, dem zu gründenden Verein beizutreten. Eine weitere Versammlung soll iiach Pfingsten stattfinden. 2 23. Mai. Eine junge Dame von hier kam beim Radfahren am Himmelfahrtstage so unglücklich zu Fall, daß sie einen Arm brach. — Da der Unternehmer Funk 'die Abbruchsarbeiten am Brauhause umständehalber nicht weiterführen konnte, wurden sie einem Bauunternehmer in Dillingen übertragen und sollen morgeii wieder aufgenommen werden. In 3—4 Wochen hofft man, damit fertig zu sein, worauf die durchzuführende Straße vollendet wird. [] Marburg, 23. Mai. Trotz der sengenden Sonnenglut hatten frch heute Tausende von Festbesuchern aus allen Teilen Hessen-Nassaus und aus Hessen hier eingefunden, um sich an dem in einem Seitentälchen der Lahn, in Bad Marbach, stattsindenden, von der wirtschaftlichen Bereinigung des Reichstags veranstalteten großen hessischen Volksfest zu beteiligen. Die Vormittagsstunden benutzten die fremden Besucher zum großen Teil dazu, sich die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu betrachten, gegen Mittag jedoch fluteten die gewaltigen Menschenmassen nach den etwa 30 Minuten entfernten, von hohen bewaldeten -Bergen umgebenen Festplatz in Marbach, wo sich bald ein besonders durch die vielen Hessentrachten hervorgerufenes farbenprächtiges Bild entwickeln konnte. Zwischen den hellen Gewändern der Städter bemerkte man die verschiedenen hessischen, Hinterländer, niedertwssischen, Schwälmer und oberhessischen Volkstrachten. Die Begrüßungsansprache hielt der Reichstagsabgeordnete des Wackre.ses Maiburg- Kirchhain-Frantenberg, Dr. Böhme, später sprachen der Reichstagsabgeordnete Liebermann v. Sonnenberg, der Vertreter des Wahlkreises Homberg-Fritzlar, der der k Freiheitskämpfe der Deutschen vor 1900 und 100 Jahren gedachte, ferner der Reichstagsabgeordnete Bindewald vorn Wahlkreis Alsfeld-Lauterbach^chotten, der des Hessenlandes und Hessenvolkes Treue lobte, sowie Generalsekretär Hennigsen aus Hamburg. Das Fest schließt morgen abend mit einem großen Feuerwerk.___________________ hessische Anwalütammen Darmstadt, 23. Mai. Die Mitglieder der Anwaltskammer für Hessen hielten gestern eine außerordentliche Versammlung ab, in welcher die Regelung der Rechtsverhältnisse der Anwaltsgehilfen und sonstigen Bureauangestellten den Hauptgegenstand der Beratung bildete. Justizrat Dr. Fuld-Mainz und Justizrat Grünewald -Gießen erstatteten ausführliche Referate über diesen Punkt der Tagesordnung und nach eingehender Erörterung lvurden die von der Kommission in Vorschlag gebrachten Anträge angenommen. Darnach wird in allen Anwaltsbureaus völlige Sonntagsruhe zur Pflicht gemacht. Die Schreibstuben sollen nicht nur am Sonntag für den Verkehr mit dem Publikum geschlossen sein, sondern es ist auch überhaupt verboten, an Sonn- oder Feiertagen irgendwelche Schreibhilfen zu beschäftigen. Es sollen auch an Sonntagen weder Klienten empfangen, noch ihnen in der Regel irgendwie Ratschläge erteilt oder Mitteilungen gemacht werden. Der Maximalarbeitstag für Bureauan- gestellte wurde auf neun Stunden festgesetzt. Bezüglich der Kündigungsfrist wurde bestimmt, daß auch bei den auf unbestimmte Zeit erfolgten Engagements eine mindestens vierwöchige Kündigungsfrist zur Anwendung kommen soll. Ferner soll jedem Bureauangestellten im Laufe des Jahres wenigstens ein einwöchiger Erholungsurlaub gewährt werden. Weiter wurde noch beschlossen, auf die Errichtung von geeigneten Fachschulen in Mainz, Darmstadt und Gießen hinzulvirken. yejsiMr Richterverän^ ** Gießen, 24. Mai. Der Hessische Richlervercin hielt am Samstag in Frankfurt seine 10. ordentliche Hauptversammlung, zu der 63 Mitglieder erschienen waren. Der Justiz Minister hatte sein Fernbleiben in einem liebenswürdigen Schreiben entschuldigt. Die Zahl der Mitglieder ist auf 227, die Auslage der vom Verein herauSgegcbenen Hessischen Rechtsprechung auf über 700 gestiegen. Die Versammlung nahm zunächst eine Neufassung und Abänderung der Bcreinssatzungeu vor. Die K a m m c r v c r h a u d- langen über den Justizetat führten zu einer längeren Aussprache, die mit einstimmiger Annahme folgender Resolution schloß: Bei den Verhandlungen der Zweiten Kammer der Landstände über den Justizetat haben in den letzten Jahren einige dem Anwaltsstande angehörige Abgeordnete an der Tätigkeit der Organe der Rechtspflege in steigendem Maße in einer Weise Kritik geübt, daß, ttotz cingeftrcuter anerkennender Worte, der Eindruck entstehen mußte, als sei es in unserem Land um die Rechtspflege allgemein schlecht bestellt. Die hessischen Richter sind weit davon entfernt, das den Abgeordneten zustehende Recht zur Kritik an sich bestreiten zu wollen, erkennen auch berertwillig an, daß auch in Hessen in einzelnen Fallen zu Ausstellungen Veranlassung gegeben sein mag. Die stattgehabten Erörterungen überschreiten tedoch nicht nur nach Art und Maß, sondern auch in der Form derart den Rahmen einer sachlichen und gerechten Kritik, daß sie nicht nur von den unmittelbar Beteiligten, sondern von der Gesamtheit der Justizbeamten als eine schwere und unverdiente iVräufung empfunden werden. Ter Hessische Richterverein hat mit Bedauern wahrgenommen, daß diesem Mißbrauch des Rechts den Volksvertretern von keiner Seite entgegengetreten worden ist, er legt daher seinerseits dagegen Verwahrung ein und richtet an Großh. Ministerium der Justiz die ehrerbietige Bitte: 1. unveranlaßte und unbegründete Angriffe auf die Tätigkeit brr Justiz- beamten zurückzuweiscu; 2. die Kammer zu ersuchen, Beschwerden der Regierung so zeitig mitzuteilen, daß sie in der Lage ist, bei der Verhandlung int Plenum der Kammer den Sachverhalt unparteiisch darzustellen; 3. im Falle die Abgeordneten solche Mitteilungen nicht machen, Gelegenheit zu nehmen, auf diese Beschwerden in der Kammer geeignetenfalls auch dann zurückzukommen, wenn dies von den Abgeordneten unterlassen wird. Zur Wahlrechtsvorlagc, die das Verbot der Wahl der Amtsrichter innerhalb ihres Dicnstbczirks bcibchaltcu will, wurde beschlossen: Der Hessische Richterverein erblickt in der Bestimmung des Art. 15 Abs. 2 der Gesetzesvorlage die Landstände betreffend eine mit dem Geist des allgemeinen Wahlrechts im Widersprach stehende und, nauf) dem Uebergang 5um direkten und geheimen Wahlrecht, Nicht mehr zu rechtfertigende Beschränkung der staatsbürgerlichen Rechte der SoTalbcamtcn, insbes. der Amtsrichter, wie sie in keinem andern Wahlgesetz enthalten ist, und beauftragt deshalb den Vorstand, in geeigneter Weise auf Beseitigung dieser Bestimmung hinzuwirken. Im Interesse der Fortbildung der Mitglieder und somit im Interesse der Rechtspflege erachtet es die Versammlung für geboten, daß den Richtern und Staatsanwälten nicht nur durch Erteilung von Urlaub, sondern auch, wie dies chei den Medizinalbeamten, den Strafanstaltsbeamten und Oberstaatsanwälten seither schon geschehen ist, durch finanzielle Beihülfen der Besuch der internationalen Kurse für gerichtliche Pshch 0 l 0 gie und P s h ch i a t r i e in Gießen und anderer derartiger Ausbildungskurse ermöglicht wird. Heber die Strafprozeßreform erstattete Staatsanwalt Dr. Schneider- Mainz einen interessanten Bericht. Nach einem kurzen Referat über die Besoldungsreform wurde wieder Frankfurt als Ort der nächsten Hauptverfamm- lung bestimmt. Nach mehr als vierstündiger Dauer wurde die Versammlung, die wieder Zeugnis ablegte von der Einmütigkeit, die im hessischen Richterstand in allen wichtigen Fragen herrscht, geschlossen. Die Teilnehmer vereinigten sich dann zum Mittags- mal tiii Festsaale des HolA Drexel.__ Landespserdezuchtverem. FC. Mainz, 23. Mai. Ter Landes-Pferdezuchtverein hielt heute seine 3 2. Generalversammlung in der Stadthalle hier ab. Ilm 11 Vs Uhr eröffnete Oekonomierat Müller- Neuhof bei Gießen, der 1. Vorsitzende, die gut besuchte Versammlung, der Oberbürgermeister Tr. Göttelmann-Mainz und Landesökonomierat Müller-Tarmstadt, anwohnten. Oberbürgermeister Tr. G ö 11 e l m a n n überbrachte Grüße der Stadt Mainz und dankte dem Verein, der mit Rat und Tat Mainz bet dem neuen Unternehmen den Pferdemarkt unterstützt habe. Der Vorsitzende gedachte hierauf der im Jahre 1908 verstorbenen Mitglieder Heinrich Bender-Griedel, I. S. Bieber-Niedereschbach, Bürgermeister Törr-Leeheim, Georg Frey-Wolfskchlen, Peter Keim III. Hechtsheim, August Koch I. Griesheim, Geh. Kommerzienrat Lautern-Mainz, Christian Leonhard-Okarben, Peter Mark I. Hainstadt i. ■£)., Jakob Metzger IV. Tornheim, Ludwig Michel- Babenhausen, Oekonomierat Anton Schmitt-Bretzenheim, Tr. Schneider-Worms, Ferdinand Sprengel-Lad-Nauheim, Jakob Stephan III. Rohrbach und Generalleutnant v. Wachter-Darmstadt, außerdem der langjährige, verdienstvolle 1. Sekretär des Vereins Rittmeister a. T. Naegele-Darmstadt. Ter 1. Schriftführer Major a. D. Freiherr v. Starck- Darmstadt berichtete über die Wirksamkeit des Vereins. Nachdem das Weiterbestehen des Landes- Pferdezuchtvereins beschlossen worden war, wurde durch Verhandlungen mit der Landwirtjchaftskammer festgelegt, in welcher Weise ein Zusammenwirken mit dieser zur Förderung der Pferdezucht in Hessen stattzufinden habe. Ta das Körungswesen und die Führung des Pserdestarnrnbuchs gesetzlich der Landwirtschafts- fammer zugefallen sind und demgemäß auch die Veranstaltung von Schauen sowie Marktschauen und die dabei stattfindenden Prämiierungen unter Mitwirkung der Organe des Landes-Pserde- zuchtvereins vorzunehmen, zumal letzterer namhafte Zuschüsse zu den Prämiierungen zur Verteilung an seine Mitglieder zu leisten sich verpflichtete. Diese Zuschüsse haben im Berichtssahrc betragen: Für die Provinzial-, Kreis- und Bezirksschauen 2920 Mark, für die Pferdemärkte außer Tarmstadt 1750 Mark. Tiefe Zuschüsse werden auch in Zukunft geleistet und noch erhöht werden. Tie vom Verein unterhaltene Fohlenweide zu Tieburg mußte mit dem 1. Oktober 1908 eingehen, da die seither zu deren Unterhaltung gewährten Staatszuschüsse der Landwirtschaftskammer zufließen, die mit letzterer wegen Uebernahme und Weiterführung der Weide gepflogenen Verhandlungen aber zu keinem Resultat geführt haben. Tie Provinzial-Fohlenweide im Tiergarten bei Hungen ist im Besitz der Landwirtschaftskammer übergegangen, der Fohlentummel- platz bei Bickenbach besteht nach wie vor. Ter Stand der Mitglieder im abgclaufencn Jahre war 1871, davon entfielen 990 auf die Provinz Starkenburg, 616 auf Oberhessen und 265 aus Rheinhessen, 40 wohnen, außerhalb Hessens. Tie Jahresrechnung ergab in Einnahme und Ausgabe 14 007,51 Mark. Sodann erfolgte die Genehmigung des Voranschlags für 1909 mit 10100 Mark in Einnahme und Ausgabe und eine Besprechung über Schauen und Prcisvcrteilung. Oekonomierat T ett- Weiler- Wintersheim hatte einen Antrag hierzu eingebracht, daß auf den Schauen die für Pferde zucrkannten Preise sofort anSgezahlt werden. Eine längere Diskussion knüpfte sich an diesen Antrag. Bemerkt sei, daß die Geldpreise seither zur Hälfte anSgezahlt werden, die andere Hälfte aber erst nach einem Jahr, in welcher Zeit der Züchter noch int Besitz des prämiierten Tieres sein muß, dies gilt auch für prämiiertes Rindvieh, Schweine und Ziegen. Oberlandstallmeister v. W i l l i ch und Ockonomic- rat Fritsch- Dilshofen redeten dem Antrag das Wort, während Oekonomierat Walther- Lengfeld ihm entgegentrat und ihn für eine „Bankerotterkläriing der Viehzuchtsbestrebungen in Hessen" bezeichnete. Ter Antrag gelaugte zur Annahme und der Vorstand wurde ersucht, ihn der Landwirtschaftskammer zur Berücksichtigung zu empfehlen. Ein Antrag Tettweiler-Wintersheim, der besagte, daß die Ehrenpreise für jede Provinz bei den Schauen geteilt werden für warm- und kaltblütige Pferde, wurde dem Vorstand zur Prüfung empfohlen, außerdem bestimmt, daß in Zukunft der Jahresbericht nicht mehr im Truck erscheinen solle. Nachdem als Tagungsort 1910 Friedberg für den Fall bestimmt worden, daß im kommenden Jahr die Landesausstellung nicht in Gießen stattfindet, in diesem Fall ist Gießen gewählt, schloß der Vorsitzende 11 _> Uhr die Versammlung. Gerechtstzaat. R. B. 'S a v m ft a b t, 22. Mai. Das Kriegsgericht verhandelte gegen den Vizewachlmeislcr Otto Krebs vom Leib- Garde-Trag. Regt. Nr. 24, der feit 12 Jahren im Dienst steht und sich bis fetzt tadellos geführt hat, wegen S 0 l d a t e u m i ß h a n d- lung in zwei Fällen. Die Verhandlung endete bezüglich des einen Falles mit Freisprechung und in dem anderen Falle wegen dienstwidriger Behandlung eines Untergebenen mit der Verurteilung zu 3 Tagen gelinden Slrreft. Beide Fälle liegen schon längere Zeit zurück und bilden die letzten der vielfachen Strafverfahren, die infolge der Verurteilung des Dragoners Platho emgeleitet wurden und der, vermutlich um sich zu rächen, gegen eine Anzahl Vorgesetzte und Kameraden allerlei Beschuldigungen erhoben hatte, die sich zumeist als unhaltbar oder stark übertrieben erwiesen. In dem ersterwähnten Fall hatte ein Dragoner ein Paar Stiefel un- vorschriftsmäßig auf der Kammer abgeliefert. Krebs warf ihm diese ivieder zurück, ivobei einer dem Dragoner an den Kopf fiel und eine leicht blutende Wunde veranlaßte. Das Gericht nahm an, daß hier nicht eine Absicht, sondern em unglücklicher Umstand obwaltete. In dem anderen Falle hatte Krebs einem Dragoner im Keller beim Kohlenabliefern ein paar geringfügige Püffe versetzt, die nur als dienstwidrige Behaudluiig angesehen und wie er- ivähnt mit drei Tagen gelinden Arrest geahndet wurden. Die Verteidigung führte Rechtsanwalt Dr. Osann. C h c m nitz, 23. Mai. Im M 0 r d p r 0 z e ß gegen das 17jährige Dienst in ä d ch e n Martha K 0 m p r 0 s aus Waldheim erkannte die Chemnitzer Strafkammer gestern auf 12 Jähre und eine Woche Gefängnis wegen Raubmords. Die Angeklagte hatte das mit ihr zusammen im Cafe Humboldt in Frankcnberg bei Chemnitz angestellte 21jährige Tienstmädchcn Menzel im Schlafe durch neun Beilhiebe getötet und seiner Ersparnisse beraubt. LuftschUahrt. — Verwendung v 0 n P a p i e r b e i m L u f t s ch i f f b a u. Tr. Wagner von der „Vulkan" - Werft und Oberingenieur v. R a b i n g c r haben einen neuen Lenkballon entworfen, der eine Kombination des starren und unstarren Systems darstellt. Rach der „Umschau" soll dabei P a p y r o 11 n in aufeinander gelegten Schichten, abwechielnd mit Geweben, eingewalztem Gußstähldraht und'Klebstoff verwendet werden. Dieses mittels besonderer Wickel- maschmeu angefertigte und gegen Feuchtigkeit geschützte Material soll nach den Brech- und Reißunterjuchuiigen der Erfinder dauerhafter als Aluminium und Stahl sein. Der Stoff wird dann zu Röhreii gewalzt, aus denen das Ballongerippe nach einem Zellen- system angefertigt wird. Rohren wie Zellen werden mit Gas gefüllt. Kopf und Schwanz erhalten eine Kappe. Die Gondel, die einen Benzinmotor für Marschfahrt und einen Benzinmotor für forcierte Fahrt erhalt, ist vollständig geschlossen. Ter Gasverbrauch soll äußerst mäßig sein. Ter neue ^Baustoff soll überhaupt noch überall da eine Zukunft haben, wo Stabilität und Leichtigkeit des Materials eine Rolle spielen. DaS erste Luftschiff dieser Art soll in einer Größe von 9000 Kdm. — in seinem Aussehen wird es sich an das Zeppelins anlehnen — 60 bis 70 Km. m der Stunde zurücklegen. Leichte Transportfähigkeit gestattet auch die Landung auf festem Boden. Kleine Tagedchronik. Der älteste sächsische Bildhauer Heinricht HaehneL ist in Dresden am 22. Mai int Alter von 85 Jahren gestorben. Auf der internationalen Kunstausstellung in Rom erhielt den Müllerpreis von 11000 Lire Professor Sartorio für sein Bild „Monte Circoq". Der Union Pacific - Ueberland - Expreßzug wurde unweit Omaha von vier Banditen an geh alten. Sieben Post- beutel mit Gold wurden gestohlen. Die Räuber entkamen unerkannt. In Favara — Provinz Palermo — wurde die Familie des Gutsbesitzers Puggeo, bestehend aus Ehemann, Ehefrau und Schwester des Ehemannes, ermordet. Wahrscheinlich liegt ein Racheakt der Maffia vor. fnärtteL fc. Frankfurt a. M., 24. Mai. (Orig.-Telegr. des „Gieß. Anz.") Amtliche Notierungeii der heutigen Fruchtmarktpreise. Weizen Alk. 26.00—26.25, Kurhessischer Mk. 26.00—26.25, La Plata Mk. 26.25—27.25, Kansas Alk. 00.00-00.00, Roggen (hiesiger) Mk. 18.25—18.50 Gerste (Wetterauer) 9)1 f. 19.00—20.00, Frankenfelder Mk. 19.00—20.00, Hafer 18.75—19.50, MaiS Mk. 18.00—00.00. Weizenmehl 9)lk. 34.50—00.00, 00—00, 2. Qualität Mk. 33.00 bis Mk. 00.0', 3. Qualität Mk. 31.00-00.00, Roggenmehl 0 Mk. 26.50—27.00, 1.Qualität Mk. 23.50—24.00, Weizenkleie Alk. 10.75 bis Mk. 11.00, Roggenkleic Mk. 11.75—12.00. Maiskeime Mk. 00.00 bis Mk. 00.25, Franken, Pfälzer, Nied Alk. 19.75—20.25. Alles per 100 Kg. ab hier. fc. Frankfurt a. M., 24. Mai. (Tctegr. Orig. - Bericht des „Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen V i e b m a r E t- preise. Zum Verkaufe standen: 689 Ochsen, 72 aus Oesterreich, 80 Bullen, 0 aus Oesterreich, 1082 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 603 Kälber, 237 Schafe und Hämmel, 2104 Schweine, 1 Ziegen, 0 Ziegenlämmer, 00 Schaflämmer. — Bezahlt wurden für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen: 1. Qualität 74—77 Alk., 2. Qualität 69—72 Mk., 3. Qualität 58—62 'Mk.: Bullen: 1. Qual. 61—63, 2. Qual. 57—59; Kühe 1. Qualität 70—72 Mk., 2. Qual. 58—60 Mk., 3. Qual. 46—48 Mk., 4. Qual. 00—00 9)1 L, 5. Qual. 00—00 Mk. Bezahlt wurden für das Pfund Schlachtgewicht : Kälber 1. Qualität 95 bis 98 Pfg., Lebendgewicht 57—58 Pfg., 2. Qualität 89—94 Pfg., Lebendgewicht 51—55 Pfg., Schlachtgew. 70—75 Pfg.: Schafe: 1. Qual. Schlachtgew. 77 bis 78 Pfg., 2. Qual. 70—74 Pfg. Schweine: 1. Qual. 67—68 Pf., Lebendgewicht 53,5—00,0 Pf., 2. Qual. 66—00 Pf., Lebendgewicht 53,0—00,0 Pfg., 3. Qual. 62—65 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. Geschäft bet Hornvieh mittelmäßig, Ueberftanb unbedeutend, bei Klcmmel) gut, fein Uebcvnanb.____________________________________ kirchliche Nachrichten. Israelitische Heügionsgcmcinöc. Gottesdienst in der Synagoge (Süd-Anlage). Mittwoch den 26. und Donnerstag den 27. Mai 1909: Wocheufest. 1. Tag: Vorabend 7.45 Uhr. Morgens 8.30 Uhr. Predigt. Nachmittags 4 Uhr. 2. Tag: Vorabend 9 Uhr. M 0 r gens 8.30 Uhr. 9lad)mittag§ 4 Uhr. Festesausgaitg 9.20 Uhr. Voraussichtliche Witterung für Hessen am Dienstag dem 25. Mai: Veränderliche Bewölkung. Warm. Nur noch vereinzelte Gewitter. Original-Drahtlneldungen. R. B. Darmstadt, 24. Mai. Tie Zentralstelle für V 0 l k s w 0 h l f a h r t begann heule unter Anteilnahme von mehreren hundert Personell aus ganz Deutschland hier ihre dritte Konferenz unter Vorsitz des Staatsministers a. T. Möller. Begrüßungsansprachen hielten Minister Braun und Bürgermeister Dr. Glässiug. Ter erste Beratungs-, gegenständ betraf die Fürsorge für die schulentlassene Jugend. Trier, 21. Mai. Hier traten gestern die Vertreter der F l a t t e n v e r e i n e der R h e i n p r 0 v i n z zu einem Verbandstage zusammen, der sich insbesondere mit der Stellung des Flottenvereins zur Reichsfinanzreform beschäftigt. Nach einer dieses Thema behandelnden Rede des Großadmirals v. Köster wurde einstimmig eine R es 01 u - tion angenommen, worin die Vertreter des deutschen Flottenvereins der Rheinprovinz ihre Bereilwilligleit erklären, das Präsidium energisch bei der Verfolgung seiner Ziele zu unterstützen. Sie erblicken gleich ihm die nächstliegende Aufgabe des deutschen Flottenvereins darin, dafür einzutreten, daß die Finanzreform trotz aller Schwierigketten in großzügiger Weise als eine nationale Sache durchgeführt wird, damit die erforderlichen Mittel beschaff, werden können, um unsere Wehrkraft auf die Höhe zu bringen. Brüssel, 24. Mai. Dem klerikalen Patriot zufolge hat König Leopold von Londoner Sachverständigen das Silberzeug der königl. Schlösser von Brüssel abtarieren lassen. Es befinden sich darunter Stücke von großem Wert, u. a. Geschenke der Herzogin von Kent an den ersten König der Belgier. Man glaubt, daß der wöuig beabsichtigt, auch dieses Silber zu veräußern. Paris, 24. Mai. Petit Parisicn bringt folgendes Telegramm seines Korrespondeuten in Venedig: Tie K a i s e r i n - M u t t e r v 0 n Rußland, die in Begleitung der Königin Alexandra von England in Venedig weilte, hat gestern angeblich auf Grund wichtiger Telegramme aus Petersburg und Rom unter fluchtähulichen Umständen die Abreise angetreten. Eine bedeutende Polizeiabteilung besetzte die Zugänge zum Bahnhof. Bei verschiedenen ver- dächttgen Personen fanden Haussuchungen statt. Al" die Kaiserin im Bahnhof erschien, erscholl aus der Menge Pfeifen und Johlen. Beflügelten Schrittes stieg die Kaiserin die Bahnhofstreppe hinaus und bestieg eiligst ihren Wagen. Dte eigentliche Ursache zu dieser eigenartigen Ab- ahrt ist noch nicht bekannt. Paris, 24. Mai. Zu dem m i ß g lü ck t e n S ta p e 1- lauf des Panzerschiffes Tanton wird aus Brest berichtet, daß der Verdacht besteht, der Stapellauf sei böswilliger Weise dadurch verhindert worden, daß ein Balten auf deu Gleitschlitten, auf dem das Schiff in das Wasser gleiten sollte, gelegt worden sei, wodurch das Weitcrgleiten des Schiffes plötzlich unterbrochen wurde. Eine umfassende Untersuchung ist sofort eingeleitet worden. fnit bester LÄutz gegen Krankheit ist außer Sauber^ hftn c,nc ...c,tnmri,e' regelmäßige Ernährung. Zu .nHwveine kluge .Autler das Aestle'sche Kittderniehl, eine „ olckll verdauliche und gern genommene 9tahruna, s?»äC?c„?lCx^ euiSn Äst Darm - unö Magenkatarrhen schützt und das Entwöhnen der Säuglinge bedeutend erleichtert. V -,: • V e r I: Suse Roth in Giessen. Verlag von Emil Roth'» illustrierter Führer Xr. 2 = Das Lahntal = von der Lahnqucllc bis zur Mündung nebst den Seitentälern in ihren unteren ::::::und mittleren Stufen :::::::: Bearbeitet von (»M/# Heinrich Lucrjfcn, Rektor von Wetzlar. R". XVI. 226 2euen Mit zirka 100 Illustrationen in Farben brück. Plänen. 4 Kärtchen und einer „rohen Ueberlichtötartc. Hochelcg. Älusstattung. — Preis in Lcinenband Mk. r.—. iu vermieten lumcnftT. 48 Wohnima lLtube. Kammer und .Studie nm ,4uoehdr) ai O'Wr Wieleck. Stoviiu Ankauf geh. Kleider. Stiefel. Uniformen au hohen Ureilen Hut ’ZDhitroodi am Ulatze 2c6rtftl. filitfleb. um. F. Z. G. 8110 an den Äteh Anz. Packkiften m jeder Ohdfjc und Anzahl au tauten flciuttu. Aug. Ackermann. Möbl. Zimmer lM81 Möblierte .3 mit u. ohne ‘Oeniion au uerm. illndenvlat» 11. MlMmr«^m Rülil. 3imnitt4ui°i^M7i. 033281 Möbliertes Zimmer mit besonderem Eingang zu vermieten Sbelltrahe 11a van Motoevad Veutiico Ökrfnroulmcr Motorrad, :18 Kilo. 1'. 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