S«eS£JJL„ Erstes Blatt ISS.Jahrgang Montag 24. Mai isrrs erscheint täglich, außer .jSjfcu Bczugsprcr s: sonntags. — Beilagen: j^ip HB nionackick) 7b Pf., viertel- sffibftmr i® wirtschaftliche Seiftragen w I j Mfir wy äy ifcrBy I »r VH L VLM Zeilenpreis: lokal IbPf^ Fernsprech - Anschlüsse: M Hf Hi W V auswärts 20 Pfennig, für die Redaktion 112, Verantwortlich WM General-Anzeiger für Oberheffen WM für bte Tagesnummer ha4 „ . „ v u. Land" und „Gerichts- bis vormittags 9 Uhr. noranonrdrua und Verlag der Sruhl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. Redaktion. Expedition und Druckerei: ZchMraße 7. fonl": E.peß: für den __iwrwirwrrrin nuMi . __________________________ ' 0 Anzeigenteil: H. Beck. Die heutige Nummer umfatzt 10 Seiten. Stimmungsbilö aus dem preutz. Landtage. „ . .. r Berlin, 22. Mai. Eine kleine Ueberraschung gabs am Samstag im Ab - geo r d n etenhause. Tie zweite Beratung der Novelle zum Stempelsteuergesetz erfuhr, als man gerade mit der nllgeTnetTien Besprechung fertig war und sich anschickte, zur Ernzelberatung uberzugehen, eine unerwartete Unter» durch einen Bertagungsb'eschluß des Hohen Hauses. Kompromiß, das zwischen den bürgerlichen Parteien bei den Besoldungsgesetzen abgeschlossen wurde, sollte auch bei dieser Vorlage wieder herbeigeführt werden.. Das gelang indes nicht, der Plan scheiterte an dem geringen Entgegenkommen der Rechten gegenüber der sinken. Ate Rechte suchte darauf ein Kompromiß mit dem Zentrum abzuschließen, und die Verhandlungen darüber ”0<7 j11 vollem Gange. Ehe sie zu einem Ergebnis geführt haben, möchten die Rechte und das Zentrum über die vielen Anträge zu der Vorlage nicht verhandeln, und dre sehr schwache Besetzung des Hauses bot dem .Konservativen v. Tilly den schicklichen Vorwand, die Vertagung der Etnzelbesprechung zu fordern. Tie Linke leistete leinen Widerstand — er wäre auch aussichtslos gewesen, und zudem war auch gegen die Vorhaltung, daß eine bessere Besetzung des Hauses einen flotteren Gang der Parlamentär. Maschine verbürge, nichts Triftiges einzuwenden. So gc- schah es denn, was man seit mehr als Jahresfrist kaum je erlebt hat und was früher die Regel war: Hm die dritte Nachmittagsstunde leerte sich der weite Saal. Tie Generaldebatte beschäftigte sich nicht sowohl mit dem nur unwesentlich von der Kommission geänderten Gesetzestext, als vielmehr mit dem Stempeltarif, den die Kommission gründlich umgearbeitet hat. H. a. hat sie einen Automaten- «stempel und einen Stempel auf R a d f a h r e r k a r t e n neu eingefügt, und den Stempel für Gesellschaftsverträge erheblich erhöht. Bei den Rednern der Rechten und des Zentrums fand die Arbeit der Kommission ebensoviel Anerkennung, wie sie bei denen der Nationalliberaten und Freisinnigen Bedenken erweckte. Für die Nationalliberalen sprach Dr. Lohmann, für die Freisinnigen die öcrren Wolfs-Lissa und Reinbacher. Vor allem wandten sich die drei Liberalen gegen die erhöhte. Besteuerung der Kapitalgesellschaften, gegen die Fahrradbestenerung und den Lustbarkeitsstempel. Aber auch an der Begünstigung des Großgrundbesitzes in den Beschlüssen der Kommission über den A ag d p ach t v er tr ags st em p e l übten sie scharfe und schlagende STitif. Nur summarisch eeinstweilen: erst bei der Einzelberatung der Tarifpositionen steht der eigentliche Kampf zu erwarten. Ein für die Liberalen wenig aussichtsreicher Kampf freilich, toenn das konservativ-klerikale Kompromiß zustande tommt und ihnen eine „kompakte Majorität" gegenüber stellt. Am Montag gedenkt man, nach der dritten Lesung des Berggesetzes, an die Einzelberatung zu gelangen. In knapp dreistündiger Sitzung hat das Herrenhaus am Samstag den ganzen komplex der'Besol- d u n g s v o r l a g e n erledigt. Unnötig, zu sagen, daß die Erste Kammer die Fassung des Abgeordnetenhauses am Ende doch, wenn auch mit einigem Widerstreben, guthieß. Nur beim Lehrerbesoldungsgesetz gabs noch eine ausgedehntere Debatte — die Folge eines Antrages der Oberbürgermeister, der die Staatszuschüsse für die Gemeinden, dem ursprünglichen Beschluß des Herrenhauses gemäß, in ihrer heutigen Gestalt beibehalten wissen wollte. Vergebens mühten sich die Bürgermeister von Hannover, Köln, Aachen, Minden und Essen, diesem Antrag die Zustimmung des Hauses zu gewinnen: Unter ihren eigenen Kollegen wurden Stimme n laut, die wegen der Gefährdung der ganzen Vorlage durch die Annahme des Antrages für die Fassung des Abgeordnetenhauses plädierten. Freilich ließen auch diese Stadtverweser, unter ihnen der Hallenser ■Ribe und der Königsberger Körte, keinen Zweifel darüber, daß sie im Prinzip völlig auf dem Boden des Antrages stünden, und nur der Not der Stunde gehorchend. Za und Amen zu den Beschlüssen der Zweiten Kammer fügten. Nachdem schließlich das Lehrerbesoldungsgesetz m der Fassung des Abgeordnetenhauses mit großer Mehrheit zutgeheißen war, erledigte das Hohe Haus die übrigen von der Kammer der Geineinen abgeänderten Besoldungs- gesetze in Bausch und Bogen: Einkommen- und Ergänzungssteuernovelle, Besoldungsordnung wurden ohne Tebatte en tloe und teilweise einstimmig genehmigt. Nur beim Mantel- gesetz, in das das andere Haus die Wohnungsgeldznschuß- »orlaae hineingearbeitet und die rückwirkende Kraft der Aesoldungsreform bis April 1908 eingefügt hat, gabv noch cm kleines Intermezzo. Herr v. Wedell-Piesdors, der Berichterstatter, erörterte noch einmal die Frage, ob die Ankündigung der Besoldungsreform in der Thronrede das versprechen darstelle, daß die Beamten und Lehrer die Zu- Cigen schon vom 1. April 1908 an erhalten sollten. Auf den Wortlaut der ^Thronrede und die staatsrechtliche Bedeutung von Gesetzesanknndignngen in Thronreden gestützt, verneinte er diese Frage unter dem Beifall des Hauses vTndweg. Tann ging auch das Mantelgesetz den Weg bunt bloe-Abstimmung und das schwere Wert der Besold.iiigs- refornt war endlich vollbracht. Am Montag steht der Etat inf dem Parlamentärifchen Programm. Die Zmanzkomimssion des Reichstages frtriet am Samstag zunächst in zweiter Lesung über den Entwurf ciires Gesetzes wegen Aenderung des Erbschastspeuergejetzes. Da- imd) sollten, wie bekannt, einige weitgehende Steuerbefreiungen ob Steuervergünstigungen beseitigt und andererseits für die Eni- ridjtimg der Steuer in gewissen Fällen und mit Wirkung auch für die Nachlaßstcucr eine gewisse Erleichterung geschaffen wer- ö bündeten Regierungen nach Pfingsten eine Novelle zum Erb- schastssteuergesctz vorlegen werden, die auch die Tcszendcnten- lieuer enthalten wird. Abg. M ommscn (Fr. Vg.) gab namens seiner politischen Freupde folgende Erklärung ab: Meine Freunde hatten die Absicht, zu der zweiten Lesung Anträge einzubringen, um die Besteuerung des Crbanfalls an Deszendenten und Ehegatten in das bestehende Erbschaftssteuergesetz ernzufügen. Ta nunmehr sest- stcht, daß die Reichsrcgierung eine entsprechende Vorlage einbringen wird, haben wir von der Einbringung dieser Anträge abgesehen,, umsomehr, als cs für die Mitglieder der Kommission — wenigstens wie die Liberalen ihre ernste Aufgabe auffassen — nahezu unmöglich ist, derartige Gesetzentwürfe in so kurzer Zeit auszuarbeiten. In ähnlicher Weise äußerte sich Abg. Tr. Weber (Natl.): Nachdem der Schatzsekretär soeben noch einmal erklärt hat, daß die verbündeten Regierungen gleich nach Pfingsten einen Gesetzentwurf über eine Erbansallsteucr vorlcgen werden, halte ich die Weitcrberatnng des vorliegenden Entwurfs für zwecklos. Seine Bestimmungen stehen in engem Zusammenhänge mit dein abgelehnten Nachlaßsteuergesatz. Wenn an deren Stelle nun eine Erbanfallsteuer treten soll, so ist es angebracht, die Beratung des vorliegenden Gesetzentwurfs auszusetzen bis der neue Entwurf der Negierung vorliegt. Abg. Groeber (Zentr.) ftimmt dem zu, bittet aber durch eine Entscheidung über die Vorlage diese formest zu erledigen. Abg. Tr. Wiemer (Fr. Vp.) spricht gleichfalls für eine formelle Erledigung. Materiell werde freilich nichts geändert, da der Regierungsentwurf ja demnächst an den Reichstag gelangen werde. . Bei der Abstimmung wird die Gesamtvorlaqe gegen die Stimmen der Linken, der Reichspartei und der PZirtschaftlichen Vereinigung abgelehut. Letztere hatte infolge einer Verwechslung der Vorlage dafür gestimmt. Es folgte die Beratung des Antrages Tr. Weber und Genossen, der einen weiteren Ausbau der Erbschaftsbesteuerung enthält. Ter Antragsteller führte aus, er halte trotz Ablehnung des Erbschaftssteuergesetzes die Resolution aufrecht, um festzustellen, I wer in der Kommission für und gegen den Gedanken einer Erbanfallsteuer auf Deszendenten und Ehegatten stimmen werde. Er erwarte, daß die verbündeten Regierungen einen solchen Entwurf auch dann dem Reichstag vorlegen würden, wenn die Resolution jetzt in der Kommüsion abgelehnt würde. Er erbitte von dem Staatssekretär eine Erklärung darüber. L-chatzsekretär Tr. S y d o w bestätigte darauf noch einmal, daß er den verbündeten Regierungen Vorschlägen werde, den Entwurf einer Erbanfallsteuer gleich nach Pfingsten dem Reichstag vorzulegen. _ Abg. Groeber fragt au, wie die Antragsteller sich die Steuersätze denken und was eventl. steuerfrei bleiben soll. Abg. Tr. Weber bemerkt demgegenüber, daß er in der Resolution erleichternde Bestimmungen über Schenkungen bei Lebzeiten bei Kindern und Ehegatten deshalb vorgeschlagen habe, weil gerade Zentrum und Rechte, ebenso wie die Nationall-.be- ralen stets betont hätten, daß bet einer Besteuerung der Deszendenz nach jeder Richtung möglichste Erleichterungen vorgesehen werden müßten. Die Resolution wolle die Regierung nicht auf bestimmte Einzelheiten festlegen, das sei bei einer Resolution ja niemals der Fall. Nachdem nunmehr die Wirtschaftliche Bereinigung ihr vrinztpieiles Einverständnis mit einer Ürbansall- fteuer erklärt habe, aber wegen einzelner Forderungen der Resolution und weil der Schatzsekretär eine Vorlage bereits zugesagt habe, gegen die Resolution zu stimmen entschlossen sei, ziehe er in Erwartung, daß die Zusage des Schatzsekretärs sich erfülle, für letzt die Resolution zurücl. Es folgt nunmehr die zweite Lesung des Gesetzentwurfs über das Erbrecht des Staates. Dazu liegt ein Antrag Mommsen und Genossen vor, in Artikel I Nr. 1 den Absatz der Regierungsvorlage: „Die Großeltern haben bis zu ihrem Tode die rechtliche Stellung des Vorerben" als ö. Absatz wieder einzufügen und in Artikel I Nr. 7 die Regierungsvorlage wieder herzustellen. Ter Antrag und Artitel I werden gegen die 10 Stimmen der Nationalliberaleii, freisinnigen Fraktionsgemeinschast und Sozial- demotraten abgelehnt. Es entspinnt sich darauf eine kurze Tebatte über die Bedeutung der Vorlage. Von konservativer Seite wird das „tiefe Niveau" der Vorlage betont, von der Linken dagegen der hohe moralische Wert derselben. Ein Widerspruch gegen die sofortige Gesamtabstimmung wird nicht erhoben. Die Vorlage wird bei dieser Gesamtabstimmung gegen die Stimmen der Linken abgelehnt. Nächster Punkt der Tagesordnung ist die zweite Lesung des Gesetzentwurfs betr. Abänderung des Schaumweinsteuergesetzes. Hierzu liegt ein Antrag Fuhrmann vor, der von den National- liberalen, Freisinnigen, Polen, Wirtschaftlichen Vereinigung und Konservativen mitiinterzeichnet ist. Ter Antrag geht u. a. dahin, das; Schaumwein bei einem Preise der Flasche von nicht mehr als 2 Mk. mit 0,75 Ml., von mehr als 2 Mk. und nicht mehr als 5 Mk. mit 1 Mk., von mehr als 5 Mk. und nicht mehr als 7 Mk. mit 2 Mk. und von mehr als 7 Mk. mit 2,50 Mk. für icbe Flasche besteuert werden soll. Ter Eingangszoll für Schaumwein beträgt 150 Mk. für einen Doppelzentner. Abg. Fuhrmann (Natl.! begründet seinen Antrag im einzelnen. Tie geänderte Steuerskala entspreche einem einmütigen Wunsche der deutschen Schau.mweininduftrie, die sich durch die Einwanderung der französischen Sektindustrie in Teutschlaud bedroht fühle. Hauptsächlich sei cs nötig, die in erster Lesung beschlossene rückwirkende Kraft aufzuhebcn, die dazu geführt habe, daß der ganze Handel stocke. Es sei den Fabrikanten unmöglich, von dem Händler einen Revers zu erhalten, der diesen zur Nachzahlung der Steuern verpflichte. Tarum beantrage er einheitliche Nachbesteuerung von 0,50 Mk. und das Jittrafttreten des Gesetzes mit dem Tage der dritten Lesung im Plenum. Er bitte um Annahme seines Antrages, da man, wenn man einer Industrie eine neue Last auferlege, sic möglichst nach den Wünschen der betreffenden Industrie ausgestalten müsse, wenn der finanzielle Effekt babe£ber gleiche bleibe. Abg. Speck (Zentr.1 findet es eigentümlich, daß eben gefaßte Beschlüsse der Kommission gleich wieder abgeändert werden sollen. Wenn eine Nachsteuer erhoben werden soll, müsse sie progressiv gestaltet werden. TaS aber ist nicht möglich. Der Redner befürchtet von dem Anträge Fuhrmann eine Mindereinnahme. Staatssekretär S y d o w empfiehlt den Antrag Fuhrmann. Eine Mindereinnahme sei nichts zu befürchten, zu erwägen fei, ob für kleine Sekte bis zu 1,25 Mk. nicht eine Nachsteuer von 25 Pfg. genüge. Abg. Fuhrmann (Natl.,: Es ist gar nicht verwunderlich, wenn man jetzt nach wenigen Wochen die Beschlüsse wieder völlig umstößt: beim wir besinden uns jetzt in der zweiten Lesung, in der Abänderungsanträge nach jeder Richtung berechtigt >ind, vor allem hier, da sich wieder einmal gezeigt hat, daß die Gcjetzes- ma^erci „aus dem Handgelenk", wie [ie sn ersten Lesung bei der Schaumweinsteuer ftattaefurtben hat, ihre großen schatten» I feiten hat. Es ist selbstverständlich, daß man so bald wie möglich Beschlüsse umstoßen müsse, die zweifellos in einem gelviffen Uebereifet gefaßt feien. Tic Anregung des Staatssekretärs sei sehr beachtenswert, und er nehme diese Anregung als Abänderungs- antrag zu seinem Anträge auf. Abg. Speck (Zentr.-) der einen Antrag auf Erhöhung des Zolles gestellt hatte, zieht diesen mit Rücksicht auf das Verhältnis Deutschlands zu Frankreich zurück. Nunmehr gab Abg. Dr. Paasche (Natl.1 namens seiner Freunde folgende Erklärung ab: Meine Freunde werden in der Mveiten Lesung an der Gestaltung der einzelnen indirekten Steuern wie bisher Mitarbeiten, obwohl für uns eine Belastung des Volkes mit etwa 400 Millionen Verbrauchsabgaben, zu der wir bereit sind, nicht angängig erscheint, ohne eine allgemeine Besteuerung der Besitzenden und Leistungsfähigen speziell durch eine Erbschaftssteuer. Wir sehen aber die jetzigen Beschlüsse ber Kommission nicht als endgültig an und werden unsere End- abstimmnng im Plenum von der Gestaltung dieser Besitzsteucr abhängig machen. Abg. Tr. Wiemer (Freis. Vp.): In der ersten Lesung der Kommission haben wir die Beratung der indirekten Steuern mit der Brausteuer begonnen. Wir haben für die Erhöhung der Brau- fteuer gestimmt, nachdem eine vorläufige Verständigung über das Besitzsteucrkompromiß zustande gekommen war. Wir haben aber seinerzeit bestimmt erklärt, daß wir nicht in der Lago fein würden, der Erhöhung indirekter Stenern zuzustimmen, wenn nicht eine uns befriedigende direkte Besteuerung von Besitz und Vermögen beschlossen wird. Tie Kommissionsbeschlüsse zweiter Lesung hinsichtlich der Besitzbesteuerung genügen uns nicht, find nicht als eine gleichmäßige Besteuerung des Besitzes anzusehen. Ich. kann deshalb die Zustimmung meiner Freunde in der End- abstimmung int Plenum zu den indirekten Steuern nicht in Aussicht stellen, wenn nicht hinsichtlich der direitcn Steuern eine durchgreifende Aenderung der Kommissioitsbeschlüfse int Plenum erfolgt. An der Beratung der EinzelbestimntuNgen in der Kommission werden wir uns, wie bisher, beteiligen und etwaigen Anträgen zustimmen, die eine Verbesserung der Beschlüsse erster Lesung bedeuten. Bet der Abstimmung über den Antrag Fuhrmann wurde im Absatz I die Steuer auf Schaumwein bei einem Preise der Flasche von mehr als 7 Mk. auf 3 Mk. bitter, ihm als Berichterstatter ber größten Gesetze über bas Finanzwesen unb bie bireften Steuern sowie bes Branntweinsteuergesetzes boch einige Tage Panse unb Ruhe zu gewähren, ba er sonst nach Zusammentritt bes Plenums nicht in ber Lage sei, bie Berichte, ohne bie Beratungen bes Reichs-. tages aufzuhalten, fertigzustellen. Diesen Wünschen würbe von ber konservativ-klerikalen Partei gegen bie Stimmen ber Freikonservativen, Liberalen unb Sozial- bemokraten nicht entsprochen. Dieses Vorgehen würbe mit Rücksicht auf bie Uebcrlastung der Referenten von einem Kommissions- rnitgliede als rücksichtslos bezeichnet. Es wurde beschlossen, bie nächste Sitzung Dienstag 10 Uhr vormittags abzuhalten. Nunmehr beantragt Dr. D a v i b (Soz.), heute nicht in die Verhandlung über die Brausteuer einzutreten, ba bie Fachleute der Fraktionen nicht zur Stelle, seien. Abg. Dr. Paasche: Dieselbe Majorität, die uns gestern überstimmt hat, wirb ia auch vermutlich bas ganze Reichsfinanzreformgesetz zustanbe bringen. Wir müssen uns überlegen, ob wir überhaupt noch materiell mitarbeiten wollen. Die Majorität beschließt entgegen bem Antrag Dr. David, bie Verhanblungen über bie Brausteuer heute noch Zu beginnen. Die §§ 1 bis 5, bie von der Sierbereitung, vom Gegenstanb ber Brausteuer, von ber Herstellung bierähnlicher Getränke, vom Hanbel mit Bierextratten unb bergt., von ber Besteuerung ber Essigbrauereien unb vom steuerpflichtigen Gewicht hanbeln, würben unter Annahme einer größeren Zahl von AbäuberungsanträgeN die jedoch keine wesentliche Umgestaltung bringen, angenommen. Bei 8 6, der bie Erhebungssätze ber Brausteuer enthält, würbe bie Beratung abgebrochen unb bic Fortsetzung auf Dienstag 10 Uhr vertagt. — Dienstag nachmittag bürste bie zweite Lesung ber Tabaksteuervorlage beginnen. Aus Stafct und Land» Gießen, 24. Mai 1909. Kirchenrat Friedr. Aug. Roescherr t. Am 21. Mai erwies eine ungewöhnlich große Trauerversammlung dem Senior der hessischen Geistlichkeit, Kirchenrat Roeschcn zu Winnerod bei Gießen, bie letzte Ehre. Pf. Scriba-Wetterfelb hielt in ber Kirche bt(£ Trauerrede, worin er unerschütterliche Treue als Grundzug des Charakters bes Verstorbenen bezeichnete. Dekan Wagner segnete bie Leiche ein. Der Orts- und Kirchcnvorstand, sowie ber Kciegerverein von Bersrob, dessen Ehrenmitglied ber Verblichene war, legten am Grabe Kränze nieder. Gleiches taten unter längeren Ansprachen Kirchenrat Schrimpf- Buhbach als Vertreter de? Hessischen Pfarrer-DereinS und Pfarrer NieS-Melbach im Namen dec Lntheri'chen flonfcrrrt: 5iir Oberheffen, der ry. RoeSchen drei Jahrzehnte hindurch prändiert hatte. Der Gesangverein eröffnete und schloß die Trauerfeter durch gut auSgeführte Lieder. F. A. RoeSchen war geboren in Ob r-Roßbach al4 Sohn deS Großh. LberiörsterS August RoeSchen. einen, alten Rämprtr von Jena und Waterloo (als preußischer Iägerleutnant). Dessen Vater war 1793 als preußischer Hauptmann bei Kaiserslautern gegen die Franzosen gefallen. Kaum 10 Jahr alt, verlor F. 91. RoeSchen den Vater, der von Wilddieben tödlich verletzt wurde. Von 1842 biS 1845 besuchte er daS Gnnmasium zu Gießen. Don 1845 bis 1848 die LandeSunwersität: 1846 nahm er teil an, Staufenberger Auszug. Von 1849—51 wirkte er als Hauslehrer in Londorf im Haufe ferne« späteren Schwiegervaters, des Rentmeisters Engel, von 1851—54 als Pfarr- vermalter in Mittelsee men. Am 27.Oktober 1854 wurde er Pfarrer in Winnerod. In dieser Stellung blieb er 56 Jahre, bis zum Tode am 17. Mai aktiv. Obgleich persönlich duldsam, war er doch ein eifriger Lutheraner. Wenn andere gerichtete Theologen im gastfreien Hause diskutieren wollten, pflegte er zu sagen: Kommt, wir wollen den .Erlkönigs, oder ein ähnliches Lied, singen. In weiteren Kreisen war er auch bekannt durch sein Lehr-Institut, wo er zwei Jahrzehnte lang zahlreiche Schüler für die oberen Klaffen höherer Lehranstalten vorbereitete, 4 sogar bis zur Maturitätsprüfung. Auch literarisch ist er tätig gewesen (als Historiker); auch verdankt man ihm hübsche Kompositionen (1897—99 gedruckt). Meisterhaft spielte er die Guitarre. — Außer 1879 nie ernstlich krank, ist er sanft ein- geschlafen. Seme 5 Kinder überleben ihn. Die allgemeine XIlebe und Verehrung trug ihn zu Grabe. Er ruhe in Frieden 1 — N. e • • Ordensverleihungen. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben dem Postbaurat a. D. Geh. Postrat Adolf Perdisch in Frankfurt a. M. das Ritterkreuz 1. Klaffe mit der Krone deü Verdienstordens Philipps des Großmütigen und dem Mitglied desOrtSgcrichtS Offenbach Wilh. Grüne- wald in Offenbach die Krone zum Ritterkreuz 2. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmutigen verliehen. • • Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Lehrer Fak. Ehr ist zu Groß-Rohrheim die Lehrerstelle an bei Gemeindeschule zu Grolsheim; dem Lehrer Friedr. Göllner zu Grolsheim eine Lehrerstelle au der Gemcindschiilc zii Groß-Rohrheim. • • Erledigte Lehrer stellen. Erledigt sind: Eine nut einem eoangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Biebesheim. Die mit einem eoangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Haisterbach. • • Russische Gesandtschaft. Rach einer Mitteilung der Russischen Gesandtschaft am Großh. Hofe an das StaatS- ministerium ist Baron Pilar von Pilchau von der Kaiserlich Russischen Regierung als Geschäftsträger bei der Großh. Regierung akkreditiert worden. "Maßnahmen gegen die Schundliteratur. In der Schul-Abteilung des Hess. Ministeriums des Innern findet am Donnerstag dem 27. Mai eine Sitzung statt, in der Maßnahmen gegen die sogenannte Schundliteratur besprochen werden sollen. Zu der Besprechung sind, wie die .Darmst. Ztg/ hört, verschiedene Herren geladen, die sich für die Sache interessieren. "Das Kinematographen-Theater hat seine Pforten am Selteröweg geschlossen, um nach der Bahnhofstraße in daS Hau« des Herrn Aug. MontanuS überzuzichen. Der dort durch Umbau gewonnene große Raum wird fnl- gerecht für seinen neuen Ziveck hergcrichtet und bietet Platz für 250 Sitze. Am Freitag nachmittag wird das neue Lokal nut einem interessanten nnd sehenswerten Programm vor geladenem Publikum eröffnet werden. " Tie Maul- und Klauenseuche ist in Deutschland z. Zt. fast gänzlich erloschen. S,c herrscht nur noch in einem Gehöft in Oberbayern und tn vier Gehöften im Unter- Elsaß. O Wetterfeld, 22. Mai. Tie zwischen Geistlichem und Lehrer herrschenden Streitigkeiten sind m letzter Zeit zwischen den Gemeindebewohnern zum Ausdruck ge-1 kommen, so daß die Hilfe der Polizei beansprucht werden mußte. So sind am Hause des Gememderechners, sowie am Dampfsägewerk die Fenster emgeschlageu worden, in vandaluchcr Weise ist in dem Pfarrgarten gehaust worden. Fast samt- liche. etwa 10 Fahre alte Zwergbäume sind vernichtet, die Kronen sind abgebrochen, die Stämme in der Mitte durch- hackt, die Fruchtäste abgebrochen; eine Anzahl Mirabellen- bäume ivurde abgebrochen, so daß ein bedeutender Schaden entstanden ist, Daß bic Täter in der Rächt vom 19. zum 20. d. M. entdeckt und der verdienten Strafe entgcgengesührt iverden, ist der Wunsch der hiesigen Bevölkerung. Der Sranlturtcr Sesangsweltjtteil. Frankfurt a. M., 22. Mai. Um 10 U|)r trafen der Kaiser und die Kaiserin, Prinzessin Viktoria Luise und Prinz Oskar mit den Damen und Herren ihrer Umgebungen in der Festhalte cm. nwseldst Prinz und Prm- v-mit Friedrich Karl von Hessen idjon vorher erschienen waren. 'ie Maiesiäten wurden von Cberbürgcrmciftrr Dr. AdickeS in eie HoNoge geleitet, wiederum von Faniaren und einem dreifachen, ir man u Hurra des die große Halle füllenden Publikums begrüßt. Johann begami bat Beftfingen der hmrtai und k&iai Gruppe. < fangen in dieser Gruppe die Vereine „Eoncordia" Aacdcn, Harmonia" xlochcn. Berliner Lehrrrgesangoerein. Berliner jdiincrvermi «„ecnlia Melvdio"). Dortmunder Männergesang- Verein und der Lehrergesongverem 'Dortmund. Mit Spannung envnrtet, trat während des heutigen leptcn en i. hiri r. berliner Ledrergesangvereiu auf. der denn l • icn Wettstreit den Kaiierpreis errungen hat. Beifall > ,'oii dem Verein schon beim Betreten beo Podiums entgegen, t' lonoers, tUv der Bors ende rosset den mit der Kauerkette erschien, lim d i Berluter Lehreigesangverein entsprach den Erwartungen. " eu .ii gelungenem Vortrag des Preieliedes «olgten ais i lo igetvävlte höre ..'.Kni- - sciiönnes Glück der Erde" von Franz Samverk und ..Lüvvu'v u tlde vsnveqcne Fagd". ersteres mit tiefer 'Wiuiunt. Irbterix'- mit kriegerischer Verve, beide mu gleicher imvonierrnder Sicher hkit iwrgetragen. Stürmischer, nicht enden- v llender Beifall, an dem sich auch der yof beteiligte, lohnte den man» aus der Reil shaupi>i..di ibct'.wethdxnpenc ,ß auch v i.'iitv der Lehrer Hahn <1. Jab erlitt cincu var sogar eher ein erneut tu Abflauen zu konstatieren, was nur vor- übergehenb sein mag, aber Benlimmung erzeugt. Ter Stahl- weiksverband hatte im verflossenen Mo trat einen recht unbe» friedigenden Venand, in den Probnkt n A ist er mit 361 669 T. 136 142 T. gegen den März iutüJgfbltebcn und 7287 T. gegen den April v. V Taß die Eisenindustrie nicht ausreichend besckiajtigt ist, gebt auch daraus hervor, Daß der Koksabsab recht fdmxdGj »st. daS rhein.'westsal. Kohlen'.niblkai kann den Ko tercich in diesem Monat nur 36 Prozent anstatt der beschlossenen 60 Prozent abtiebmcn. Ter Kohlcuabsab ist etwas besser, immerhin vergrößern sich Die Läger und m Belgien sah man sich genötigt, partielle Preisermäßigungen vorzunebmen. Ta bie In tuftrie bestrebt ist, ihre aus iveit höhere Produktion emgerlchtet.n Betriebe nach Möglichkeit auszuniiven, und der beimiftbe Bedarf augcutluiUd) nirgends groß genug ist, um die Werke ausreichend iu bqdMittgcn, entsteht aui dem Weltmarlt natürlich schärfere Konturreiiz und diese führte zu einer Ermäßigung der Träger- preise. Andere Brauchin liegen weniger ungümug als die Mon- tanuiDui:ric, msbes. sind Die Spinnereien andauernd gut beschüstigt. auch Die Elektrizität sindukrte bat nicht zu [lagen. Daß Die Lage der Indu-rne s.m immerhin gehoben bat, gebt aus Der Steigerung der t£i|5ord;r «e Dom A'ovember v I. te* ganz reicht. Das Interesse o Sivifa' nenoublikums bat ich «zwischen au* diesem Ge.-eke ir er '.n m Maße luaaombrt. wodurch bi* Äurif der V km -7 rre. . 36 SW 4 ; 63 W 4 1 7d W 4 1 1 ?. biS 23. Wlai = " 23 " - Somienichem Be>v. Hunmei V 27,8 ®c. r 10,2 ®c. Telefonische Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitgcteilt von der Bank für Handel nnd Industrie, Giessen. Franktarter Hörup, 24. Mai, I I » I hr. S1/,*/« Reichsanlcihe. . . ,Ja |,a 3 •/. do. ... M.5) 8*/.*/• Konsols • . • • ' ,-‘n 3°/, do. .... V6.k»5 8*/,*/. Hessen ..... WAO 3*/, L Oberhessen ... 4e/0 Oesterr. Goldrente . . 10>, 25 41 /*’/. Oesterr Mlbencnte. 10^ 4’/, Ungar. Goldrente . . —•— 4e e Italien. 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