Nr. 20 Erstes Blatt 158. Aahvgang v L 3P?otttaö 25. Jammr 1908 Der Gtetzener Anzeiger «rscheinl täfllid), mißet Sonntags. - Beilagen: etc rin al wöchentlich OiebenerFamkllrnblStter; zweimal ivöcbentl.Kteis: rlaUfürdenttreisGiehrn ^Dienstag undFreiiaa); zweimal monall. Land» vtrtichaflliche Seltfragen f^ernfprech • Anfchlüfse: Ifn die Rednluon 112, Uerlafl u. Expedition 61 Adrefie tüt Depeichen: Alizetger Glicyciu Annahme von Anzeige« föi die TagcSilMiimer bis oorniillags 10 Uhr. —__ _ ä Bözugöpret): JSwlMr . rtN.- W •* ^ "** ' monatlich75'UL, oiertel» A -A K7 A AÄ A A Afik /K jKA tährüd) Tlt. 2.20; Öiirch fl jik jflk WS BB Jra3k ^WW) Abhole- iu Zweigstellen |M| IwHH o VI ■■ z sVl 1H flV Hr monatlich «SP?.: durch M M M W Lt> WM R1X N & M FW W W ti W W dieVost Mk.2.-viertel. MW W ö ggT WMM w W M W r-S W M MM W M pl V->V W fährt ausschl. Beitellg. W K W W g W Re W WV B- Wil W W Zeilenpreis-lokal 15Ps, W W KÄ W w M V M >4^ Nr y w ^\Z auswärts 20 Pienntg. n Jy öy Verantwortlich |V< A für den politischen Teil, General-Anzeiger fur Oberhessen WW NvtaNsnrdruck und Verlag der vrühl'schen Unlv.-Vuch- und SteindruSerel li. lange. «edaNIsn. Expeditien und vru-ierel- Schiilftratze 7. Die heutige Nummer umfafet 12 Seiten, ncreicn erhalten im Nahmen ihres bisherigen ftontingentd eine Er Mäßigung der Fabrikalstcuer eingeräumt 7) Die Rückzahlung von Beträgen bei der Ausfuhr von Spiritus findet nur in Höhe des dafür wirklich gezahlten Steuerbetrages statt. 8) ^ie #0* brikatsteuer kann unter näher festzusetzeuden Bedingungen gestundet werden. ,,, Unseres Erachtens sind diese Vorschläge im großen und ganzen durcliaus geeignet, der ^u.',lLinmiJ.on n s Unienage zu dienen. 6>eioinnen Sie doch überdies noch dadurch an Wert, daß der Verband der Spiritusinleressentcn unter Zugrundelegung einer zwischen 110—120 Mark gestaffelten g-abrilatneuer, einer De- naturierungsprümie von 5 Mark und unter BerückstchUgung des süddeutschen Reservats mit 7 Mark pro Heitolrter aus einer solchen Steuerreform einen jäl)rlicl)en Reinertrag von ca. 227 Millionen 'JJcaif herauSrechuet. Das wücoe ocgeiutuer den b.sheeigen Einnahmen ein Mehr von 107 Millionen Mark bedeuten, von dem gut und gern jährlich 7 Millionen für die Berzinsnug und Amortisation der Abiindungen und Entschädigungen verwendet iver- oen konnte. . , , n Ob die Subkommission diesen Weg geht, will freilich erst abgewartet werden. Vielleicht hat fich durch den Widerftaud, oen die konservativen der ^Rachtaststeuer und die Freisinnigen oem Branullvcinmotiopol cutgcgeusctzeu, die ganze innere Situation so schwierig gciLiitci, oast die -LUorri-nnnswit gar nicht mehr in öie Lage kommt, eine neue Vraniitweuisteuervorloge auszuarbeiten. Das Sturmlausen der Konservativen gegen den Neichskaiizler luiin jedenfalls darauf Inn, da st jie an einem Znitandekommen der Reül)sfiuanzresorm unter seiner Aegide kein Interesse mehr haben, oast sie lieber den Block in Stücke gehen und den Reichskanzler verschwinden sehen möchten, elje sie in die Rachlaststeuer willigen, ehe jie auf das Arauuliveinmonopol und das last not least au) jq§ Dreiklassenwahlrecht in Preußen verzichten. Warten wir ab, was die nächsten Tage bringen. Dc Nockes Ne ich. In der Ausgabe des Dofberichtes soll künftig eine Aenderung einlretcn. Soweit der Bericht die Polstische Tätigkeit des Kaisers betrifft, soll er fortan nur noch durch den Rein-s- Anzeiger, je nach Bedarf jioci bis dreimal wöchentlich der Oeffcnt- ticht'eii übermittelt werden. Dagegen wird die Berichterstattung über alle anderen hö,ischen Vorgunge privaier Natur, insofern sie )id) zur Verdisentlichnng in den Zeitungen eignen, auch weiterhin in oer bisher Ligen Weste erfolgen. Todesfälle. Der R e i ch s t a g s a b g e o r d ne t e für den Wahlkreis 18 Hannover, Senator Reefe (natl.) ist in Stade in der vergangenen Nacht gestorben. — Der ehemalige pol- u i f ch e N e i ca s t a g s a b g e o r d n e t e P r i n z C h a r t o r y s k i ist an Unterleibstyphus gejtorben. Der ostPreustische Städtetag hat an den Landtag eine dringende Vorstellung wegen der bollständiycn Besetiiguug des O-enieindesteuervorrechtes der Beamten, Geistlichen und Lehrer ge- richtet. . Aus der Werft des Vulkan ist am Samstag der kleine Kreuzer „Ersatz Jagd" vom Stapel ge.aujen. Das Schiss, das als erstes mit rein deulschen Turbinen ausgerüstet ist, erhielt in der Taufe den 9Zameit „M a i n z". Die Ausschmückungs-Kommission des Reichstages trat neuerdings zu einer Sitzung zusammen. An dem schon gc- jastten Beschlust, die Jank scheu Bieder zu bezahlen, ste aber nicht wieder im Sitzungssäle anzubringen, wurde nichts geändert. Jrn übrigen wurden die Verhandlungen der Kommifston |ür vertraulich erklärt. . Der Kreistag des Landkreises Aachen beschloß in seiner letzten Sitzung endgültig, am Dreilägeroach bei Rötgen in der Eifel mit einem ^lüoitenau'swande von 5,2 Millionen Mark eine Talsperre zu errichten, die zur Versorgung des Landkreises mit Trinkwasser dienen soll. Der Kreistag beledigt sich nut einem Kapital von 1530000 Mark, während der Rest der Aausumme von den 12 Gemeinden des Landkreises aujzubringen ist. Die Ablehnung der Branntweinmonopols. ak. Die Finanz- und Steuerkommission hat gestern den § 1 des neuen Branntwcinsteuergesetzes gegen die Stimmen der Kvn- strvaliven und Rationalliberalen abgelehnt und damit den Monopolcharakter der Vorlage beseitigt. Ja,'noch mehr: jie hat mit Hilfe einer Majorität aus Zentrum, Freisinn und Sozialdemokratie beschlossen, die Weiterverhandlung über die Vorlage einstweilen amszusetzen und eine Subkommission zu wählen, welche die Aus- Qabe haben soll, eine neue, sich aus dem Boden der reinen 'sabrilationssteuer bewegende Vorlage auszuarbcüen, für die ganz beslinuilte Richtlinien vorgesä-rieben worden sind. Es soll nämluy bn dieser Vorlage die bisherige Maischbottichsteuer, Materialsteucr imb Brausteuer fortsallen und an ihre Stelle eine derartige Er- to(jUng der Verbrauchsabgabe (als reine Fabrikatsteuer) treten, bast dadurch ein jinauzietles Erträgnis sichergestellt wird, welches um 1UO Millionen großer ist, als die v.s.-ecige steuereimiahnu nus dem Branntwein. Selbstverständlich müstte dabei anf die verschiedenen Produktionskosten der einzelnen Brennereien, sowie an. die den süddeutschen Staaten zugestandenen Reservatrechte Rücksicht genommen und überdies eine wesentlich Herabsetzung der Schulingentsspannung von 20 Mark in Erwägung gezogen werden. Dast die Herabsetzung des Branntweinzwischenhaudelsmonopi ls, durch welches allein den landwirtjchajtlicyen Brennereien ihr bis irriges Privilegium gesiä-ert werden konnte, in agrari|tf)en iCstiien üiel böses Blut machen wird, ist klar. Wohl stellte sich auch . seichsick'atzsekreiär Dr. Sydow schützend vor die bisherige Kvn- fangeniierung und das Monopol, indem er betonte, dast ohne ste bet Kaiupj aller gegen alle entbrennen müstte und die süddeutschen : [ejeruate nur durch Aufrechterl-altung der bisherigen Liebesgabe rn Höhe von 20 Mark geschützt werden tönnlen. Aber daran lasten u ie Beiatungen der Kvmmijsion ihre Abstimmung schon jetzt feinen Zweiiel, dast, wenn es überhaupt zu der Verabschiedung einer neuen räranutweiusteuer im Reichstage kämmen soll, diese einen wesen.Uch anderen El-arakter tragen wird, ais ujn oie Sydowsche Vortage wrsah. Zentrum, Polen, Freisinnige und Sozialdemokraten, zu bencn gewist noch einige Reichsparteiler und Ratioualliberale rammen werden, haben im Reichstag so sehr das Heft in Händen, ba f|mr eine Vorlage, die sich in den der Subkommstsion vorge- L-ichueten Linien beioegt, Aussicht ans Annahme hat. Wie im einzelnen die überaus schwierige Materie ber Jörannb tveinsteuergesetzgebung zu ordnen ist, wird Sache der Subkom- Million {ein. Vorschläge hierzu sind bis in die lüngstc Zeit hinein so viele gemacht worden, dast die KomMissionsmuglleder mir Hieb nicht in Verlegenl>eit kommen tonnen. Am mastvollstcn ben landwirtschaftlichen Brennereien gegenüber ist vielleicht der- jcnige, den der Reick)stagsabg. Frhr. v. Gamp in der Zeitschrift „Das deutsäie Volk" macht. Da er aber noch an der Monopolisierung des Zwischenhandels mit Branntwein festhält, wenn er auch seine Härten mildert, kommt er jetzt nicht mehr in Betracht. Dagegen hat, wie wir meinen, das Projekt, wclcins der Verband deutscher Spiritus- und Spirituoseninteresfenten Mitte November Lern Reichsscliatzsekretär unterbreitete, alle Aussicht, den Ver- Iiandlungen der ^uofbntnuiiion einigermaßen zur vrichtiu-imr zu Lienen. Es waren hier in der Hauptsache folgende Prmkte vorgesehen: H) Erhoben wird nur eine einzige ©teuer in Form einer Fabrikat steuer beim Ucbergang des Spiritus in den Verkehr, wie das na auch die Kommission will. 2) Die bisherigen Vergünstigungen »ous dem Konlingent fallen fort, woran nach den Bejchlüsjen der tLommijsion wohl in vollem Umfange nicht zu denken ist, so dast xs sich 3) nicht um eine vollständige Abfindung der Kontingents- Ihrennercien, sondern um eine Entschädigung in gewisten Grenzen nu handeln braucht. 4) Den landwirtschaftlichen Brennereien bis 6(00 Hektoliter Jahreserzeugung, ferner den Qualitäts- und Ma- tierialbrennereien wird eine Ermäßigung (Staffelung) gewährt, iö) Um die Ausdehnung des Verbrauches von Spiritus zu gewerb- Ilichen Zwecken zu fördern, ist für die Denaturierung eine Prämie gu gewähren. 6) Die süddeutschen landwirtschaftlickien Bren- 2Lus!and. Neuer russischer M a r i n c m i n i st e r. Der bisherige Gehilfe des Marineministers, famtreabmiral Wojewodski, wurde zum Marineminister ernannt. MildeRichter. Der russisck)e General Alexejew wurde vom Maiinegcricht von der Anklage der Erpressung jreigesprochen, aber für sclmldig befunden, als Marinestabsoliizler willwend des Krieges mit Japan zu der englischen Firiila 5)otchk.st Beziehungen unterhallen und von ihr 9500 ätubcl erhalten °u haben. DaS Urteil lautet auf Dienstentlassung und die gewtzmästigcn Folgen sowie auf eine Geldstrafe von 1050 Rubeln. Ferdinands G l a n b e n s w e ch f e l. Nachrichten aus Sofia zufolge beabsichtigt Fürst Ferdinand sich tn diesem Sommer in Tirnowo zum Zaren von Bulgarien krönen zu lasten und zum rusiijchen Glauben überzutretcn. . v n. A u s China. Durch ein erlassenes Edikt wird Liang Tun Pen zum Prufidenteu des Wai.vupu ernannt. . InWashingtvn wuroe der Schiedsgerichtsvertrag mit Brasilien unterzeichnet. _______________ Ans 5-taOi uiiö Gietzen, 25. Ianucir 1909. PreirauSschreiben. (Wiederholt, weil bei der ersten Veröffentlichung durch eine unbeachtet gebliebene Korrektur ein sinnentstellender Absatz stehen geblieben war.) Der Vogelsberg hat sein Winterkleid angezogen, und Schnee und Eis liegen über Feld und Flur. Pflug und Egge ruht, und der Landwirt geht seinen häuslichen Beschädigungen nach, mit alles sür die koininende Feldarbeit vorzubereiten und sein Vieh und sein Haus in guter Ordnung zu halten. Für sich selbst hat der Lanowirt jetzt wieder mehr Zeit, als in den arbeitsvollen Tagen des übrigen Jahres. Um den warmen Ofen schart fich die Fannlie, sanimeln sich Freunde und Bekannte, um Meinung und Erfahrung zu tauschen, um alte Erlebnisse zu besprechen, die längst einmal gewesen sind. Da fällt manches schwere Wort und manche gute Geschichte wird erzählt aus ernster und heiterer Zeit, von Krieg und Siegen. Die Zeit geht dahin und mancher, der vieles zu erzählen wüßte aus seinem und seiner Freunde Lebe-n, nimmt es mit sich ins Grab, wenn feine Zeit dahin ist. Da nun,viele dieser Erinnerungen es verdienen, der Nachwelt überliefert zu werden, haben wir uns entschlossen, unseren Lesern wie int vergangenen Jahre so auch in dein ' laufenden einige Preisausgaben zu stellen, die der ober* hessischen Eigenart ent.prechen und für unsere Mitarbeiter sowohl, als auch für unsere Leser von größtem Interesse sein dürsten. Außerdem haben wir z. T. solche Aufgaben 1 gestellt, deren Inhalt nur den alten Leuten noch gegen-- ' wärtig ist und die es wert sind, der Allgemeinheit erhalten zu bleiben. Als wir im vergangenen Jahre zum erstenmal mit unseren Aufgaben au die Oeffeutlichkeit traten, haben sie ! weit über das hessische Land hinaus Beachtung und Anteil^ i nähme gefunden. Männer und Frauen aus allen Kreisen der Bevolterung haben im Verein mit uns gewirkt, haben । Anregungen und Fingerzeige gegeben, um unseren Bestrebungen immer mehr Boden zu erobern und alle Kreise I unserer ländlichen BevöNerung zur Mitarbeit zu gewinnen. Gicszener AonzertVereLer« v. Kanrmermusik-Matinöe. Das gestrige Konzert in der Neuen Aula gab dem leider nicht besonders zahlreichen Publikum Gelegenheit, einen Sänger von nicht alltäglicher Bedeutung zu hören. Herr Nicolaus Naumow verfügt über ganz gewaltige Stimmittel. Sein weicher, wohlllingender Bariton ist namentlich in den mittleren und höheren Lagen von einer seltenen Schönheit und Reinheit. Die Tongebung verrät eine ausgezeichnete Schulung. Die Aussprache ist gut, wenn ruch nicht immer deutlich. An den Russen erinnert die Aussprache nur wenig, und man muß schon sehr scharf acht geben, um etwa bei den Silben en oder zu Anklänge an das Russische herauszuhören. Was das beste an diesem Sänger ist: er hat Empfindung und zwar keine bloß künstlich angelernte. Darum gelang es ihm auch so vortrefflich, aus den vier Brahms'schen Liedern den ganzen, eigenartigen Stimmungszauber hervorzuhvlen. Und wie fein rith zart verstand er es, auch den Worten der Dichtung Ausdruck zu verleihen. Liszts „Vätergruft" mit der zum teil mystischen, zum Teil grausigen Stimmung fand durch ihn ebenfalls eine hübsche und verständige Wiedergabe. Am schönsten fand ich aber den Vortrag von Schuberts ^Prometheus". Wie sich hier das scharsgeschuittene blasse Asketengesicht des Sängers belebte und rötete vor innerster Teilnahme; mit welcher Kraft schleuderte er hier seine lachenden Unverschämtheiten dem Gotte hinauf: „Ich Dich ehren? Wofür?". . . . „Hier sitz ich, forme Menschen nach meinem Bilde, ein Geschlecht, das mir gleich sei, zu leiden, zu weinen, zu genießen und zu freuen sich, und Dein nicht zu achtens Jedes Wort eine ganze Geschichte menschlichen Leidens und Wollens, eine Anklage und eine Rechtfertigung. Für den Sänger besteht gerade hier leine geringe Gefahr, die Gefahr nämlich, der gewaltigen Wucht des Dichter- tvortes die rein musikalische Schönheit um der höheren Wirkung willen zu opfern. Herr Naumow verstand es ober, beides zur vollen Geltmtg zu bringen. Das ist c^htos Llustlerijches Empfinden. Sehr zu loben war bei den Liebern die verständnisvolle und diskrete Klavierbegleitung des Herrn Professors Traut mann. Außer der Klavierbegleitung bei den fünf umfangreichen Liedern des Programms und einer Zugabe spielte Herr Trautmann auch in den beiden Trios und in der Sonate von Brahms mit. Eine ganz außergewöhnlich anstrengende technische Leistung, bei der man Herrn Trautmann nicht einmal am Schluse des Konzertes auch nur eine Spur von Ermüdung anmerkte. Das Spiel war wunderbar rein und exakt von Anfang bis zu Euve; aber das ist noch das geringste Lob, das man Herrn Trautmann nach dem gestrigen Konzert spenden kann. Sein Vortrag zeigte echte künstlerische Beseeltheit und eine erf-chöpsende Klar- heit der Interpretation, die das Anhvren seines Spiels zu einem hohen Genuß machte. Die beiden übrigen Mitspielenden, die Herren Adolf Redner (Violine) und Johann es Hegar (Cello), wurden von ihren Freunden vor undnach jeder Progranim- nummer mit Applaus begrüßt. Im 3. Satze des TrioS in G-moll von Goetz gefiel mir Herr Redner neben Herrn Trautmann ganz besonders gut. Herrn Hegars Spiel litt hier wie auch namentlich in der Sonate op. 38 von Brahms ganz beträchtlich unter einer gewissen inneren Zerrissenheit. Herr Hegar, dessen Spiel ja technisch korrekt war und es weder an Ausdruck, noch an Empfindung fehlen ließ, vermochte es nicht immer glücklich eine bestimmte Stimmung bis zum Schluß fest zu halten. Diese unglückliche Art des Vortrags wirkte natürlich auch auf Herrn Redner ein und beeinträchtigte ein wenig die Wirkung feines Spiels. Nur, wo die Violine es vernwchte, sich frei zu entfalten, wie eben im oben erwähnten Trio von Goetz, kam sie zu voller, schöner Geltung. Einen ganz reinen und ungetrübten Genuß gewährte Beethovens Trio in B-dur. Diese herrliche und namentlich in ihrem Schlußsätze so abwechslungsreiche und interessante Komposition wurde von allen drei Spielern meisterhaft wiedergegeben. Ich habe Herrn Hegar noch nie so gut spielen hören wie gerade in diesem Trio. -v Aus unbetreteiien psadeu Chinas. 6. Vonrng der cücseilschcm für Erd- und Völkerkunde. Dem Vortragenden in der letzten Veranstaltung dieses Winters, Dr. Georg Wegener aus Berlin, verdanken die Mitglieder der Gefellschast für Erd- und Völkerkunde schon manchen genußreichen Abend. Versteht er es doch meisterhaft, in fesselnder Weife interessante Bilder von Land und Leuten vor dem Auge der Zuhörer vorüberziehen zu lassen. Auch für diesmal hatte er ein Gebiet ausgewählt, das feine packende Wirkung auf die Zuhörerschaft nicht verfehlte: Die seit nahezu 100 Jahren von keines Weißen Fuß betretene und zum Teil gänzlich unerforschte Provinz Kiaugsi int Stromgebiet des JangtjeUang. Diese gewaltige Wasserader ist bis Hankau, einer Strecke von Hamburg bis Budapest, von den größten Schiffen befahrbar. Roch bis Jt- schang verkehren kleinere Dampfer, und nach Uebcrtoin». düng der oberhalb dieses Platzes liegenden Stromschnellen wäre eine schiffbare Flußstrecke von 2400 Kilometer Länge hergestellt. Welch bedeutenden Anteil daher der Jang- tfeiiaug einst bei einer kommerziellen Erschließung deS Landes haben wird, tritt noch besonders hervor, wenn man bedenkt, daß seine Uferlandschaft zu den dichtest bevölkerten Teilen Chinas zählt und durchweg uraltes Kulturland darstellt. Schon jetzt bildet der mächtige Strom mit seinen vielen, meist schiffbaren Seitenadern eine Verkehrszentrale von ungeheuerer wirtschaftlicher Bedeutung. Dr. Wegener bereiste dies Gebiet int Jahre 1901, beteiligte sich an dem verunglückten Versuch einer deutschen Firma, mit eigens gebautem Dampfer die Stromfchnellen oberhalb Jtfchang zu überwinden, wobei er nur das nackte Leben rettete und wiederholte die so unterbrochene Reife in den Jahren 1906/07. Die Provinz Kiaugsi umfaßt daZ Flußgebiet deS Kankiang, dessen Wasser zur Zeit der Schnee schmelze an seiner Mündung durch den angeschwollenen Jangtsekiang zu dem Pojang-See abgestaut wird (zehnfache Größe des Bodensees!). Am Unterlauf des Stroms liegt die bedeutendste Stadt Nantschang mit etwa 300006 Einwohnern. Die Bewohner der Kanebene sind kleinwüchsig, mit etwas stumpfsinnigem Gesichtsausdruck, entwickeln abetf damit die ungehobenen Schätze an Erlebnissen, Geschichten, Sagen, Liedern u. a. zu Tage gefördert würden. Wer immer sich an unseren Preisaufgaben beteiligen will, soll uns willkommen sein, und wie im vergangenen Fahre werden sich wobl auch diesmal die Pfarrer und Lehrer zu Anregung und Hinweis, zu Rat und Hilfe bereit finden, löcnn es gilt, merkwürdige Begebenheiten zu erzählen oder Vie geeigneten Leute zu ermuntern und zu beraten. Jeder, der Zeit und Lust hat, seine Kenntnisse irnd Fähigleiten in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen, ist UNS willkommen, mit was und auf welchem Gebiete cs auch immer sei. . Nach unseren Erfahrungen im vorigen Fabre scheint uns die jetzige stille Zeit am geeignetsten zu sein für den Landmann, um Betrachtungen und Erwägungen anzustellen und prüfenden Untersuchungen nachzugehen. Wir haben deshalb jetzt erst unsere Preisaufgaben gestellt und zwar erheblich mehr als im vergangenen Jahre, denn die da- tnaligen zahlreichen Bewerbungen haben uns mit guten, freudigen Hoffnungen erfüllt. Wir stellen diesmal sieben Preisaufgaben; vier allgemeiner Natur und drei für die landwirtschaftlichen Streife, die hoffentlich alle eine reiche Ausbeute ergeben. Wir beabsichtigen also Preisauszeichnungen zu verteilen: A. PreiSanfga-ru allgemeiner Art. 1 . für die besten Schilderungen von Hochzeitssitten und -Gebräuchen, möglichst in eine Erzählung eingeslochten^ 2 . für unterhaltsam geschriebene Berichte über die Ereignisse im Jahre 1848 und ihre Wirkung tit den einzelnen Gemeinden; 3 für gute Darstellungen aus der O r t s g e s ch i ch t e, d. h der Entwickelung, den Wandlungen und Ereignissen, denen der Ort im Lause der Zeit unterworfen war; 4 für Schilderungen der Erlebnisse und Tätigkeit von Oberhessen in Paris. Wir betonen, daß wir hierbei großen Wert auf selbständige Ausarbeitung legen, doch stellen wir es dem Ermessen eines jeden anheim, diese Ausarbeitungen in hoch- deutscher Sprache oder oberhessischer Mundart abzufassen. Die vorstehenden Arbeiten unterbreiten wir allen unseren Abonnenten in Stadt und Land, die folgenden dagegen sind der Natur der Sache nach vorwiegend für die ländliche Bevölkerung bcftimniL B. Landwirtschaftliche Preisfragen. 1. Wie wirken Geiz und Bersch wen d u n g bei den: Füttern der Milchkuh? 2. Wie kann mau am besten recht viel Futter verschwenden? • Wieviel Arbeitszeit losten uns die Wege von Hof zu in Feld und von Parzelle zu Parzelle? Die Beurteilung der uns zugeheuden Bearbeitungen der vier ersten Aufgaben erfolgt durch die Redaktion, in Gemeinschaft mit mehreren Sachverständigen, die der landwirtschaftlichen Preisfragen hat Professor Dr. Gisc- vius gütigst übernommen. Die Lösungen der Arbeiten sind bis zum 10. Mürz an uns einzusendeu, lvvbei zu beachten ist, daß nur die eine Seite jedes Blockes beschrieben sein darf. Die besten Arbeiten werden wir genau wie im vergangenen Jahre mit ansehnlichen Geldpreisen belohnen und in unseren „Familienblättern" abdrucken, bczlv. in unseren „Landwirtschaftlichen Zeitsragen". Sämtliche Arbeiten gehen in unseren Besitz über und werden bei einer etwaigen 'Veröffentlichung angemcs.en vergütet. Wir erwarten eine recht lebhafte Beteiligung unb hoffen, daß uns recht viele wertvolle Arbeiten zvgehen. -h ganz bedeutenden Handelsgeist. Die Flußschisfahrt ist auf das vollendetste ausgebildet. Wo selbst die flach gebauten Dschunken nicht mehr verkehren können, baut der Chinese Bombusflößc, die er, im Wasser watend, am Zugseile fort- bewegt. Den großen Fischreichtum des Zlanliang beuten die Bewohner aus durch genossenschaftliche Ausübung der Nctzsischerei, durch Anlage ausgedehnter Fischreusen und Fischsalleu und endlich mit Hilfe abgerichteter Kormorane. Der Ackerbau bcfdiräiift sich in der Hauptsache auf den Anbau von Reis. Wo dieser unmöglich, wird Weizen und, cm Süden, Zuckerrohr gepflanzt. Da die Reisfelder während der Wachstumsperiode andauernd unter Wasser stehen müssen, sind sie möglichst eben angelegt und mit festen Dämmen umgeben. Luellenreiche Abhänge werden ter raffiert, cingedämmt und dann von oben bewässert. Auch sieht man überall Hebewerke uralter Konstruktion in Tätigkeit, um den Feldern die notwendige Feuchtigkeit zuzu^ führen. Daneben haben die Dämme auch noch eine verkehrstechnische Bedeutung. Da eigentliche Straßen unbekannt sind, so wickelt sich der qcjamtc Verkehr auf Fußpfaden ab, die über die mit Steinplatten belegten Dämme führen. Das einheimische Verkehrsmittel ist neben der Sänfte für den Personenverkehr der Schiebckarren, desien praktische Bauart beim Fortbewegen großer Lasten unglaubliche Tagesleistungen ermöglicht. Die Dörfer liegen idyllisch in Hainen von Weiden, Tamarisken und Kampferbäumen versteckt. Tcc herrschende Religion ist die Lehre des Konfutse, dessen Tempel oft Altarräume von künstlerischer Wirkung besitzen. Taß ein starker Sinn für einfache, in der Gliederung kräftig wirkende Architektur vor- hanben ist, zeigten die zahlreichen Abbildungen von gewaltigen Brückenballten, Gildenhäusern, Mandarinen-Pa- lästen usw. Die Reise ging über den zivcitgrößten Ort der Provinz, Kantschau, wieder nach Rantschaug zurück und erreichte hier ihren Abschluß. ♦ — Kleine Tbronik auö >r unü und Wissenschaft ■ter Herzog der Abruzzen reift ar u r -r IciKc nad) Kalkutta und wird ip.itcthu’ c* ' lcroktul* • .. > . . ' , ' land und Italien haben b.s zctzt ic brr*. ang. meldet. • • TageSkalender für Montaq, 25. Jan.: Vertrag von Tr. Strecker au5 Bob Nauheim m bet hiesiaen CrtSqruDDe des Bundes beuticher Bodenrekormer: lieber die eibtkhen ßrunblaqcn bet yobenreform*. Abends 8'/, Ubr im .Grotzhetzog von Venen . Verband mitkelthein. DolkSbildunaSvereine. Monlao abend 8', Ubt; Bortran von rrtift D unkt e r-^ranken- bouien: Ta? Innere der Erde und die Hebung chtet Schatze. Lokal: Turnhalle an oct Stemstraße. — Ordensangelegenheiten, ec. Kgl. Hob. der Großherzog haben demKulturinspektorBaurat v.Boehmer in Mainz die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm vom König von Preußen verliehenen Roten Adlerordens 4. Klasse erteilt und dem Bahnwärter in der Hestisch-Preußi- scheu Eisenbahngemcinschast Konr. Jost zu Rieder-Lhmen auS Anlaß seiner Versetzung in den Rudcstand daS Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift ,Für treue Dienste' verliehen. • • Lehrerperfonalien. Uebertragen rourbe dem Schulamtvaspiranten Gg. Brunner anS Kirch-Brombach die 2. Lehrerstclle an der Gemeindeschule zu Sandbach. — Erledigt sind: Eme mit einem eoang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindescbule zu Crumstadt. Mil tue Stelle ist ein Teil des Organi'tendiensleS verbunden. Die mit einem eoang. Lehrer zst besetzende Lchrerüelle an ber tSemerndeschule zu Georgcnhausen. Mit der Stelle iit Organistcndlensl verbunden. Dem Herrn Grafen von Schlitz, genannt von Görtz, stcht daS Präsentationsrecht zu. - S. M. Schiff .Mainz'. In Gegenwart be* Vertreters deS Rcichsmarmeamts, Kontreadmiral Rollmann, oes fommniibierenbcn Generals v. Heringen und der Spitzen der Behörden fand am SamStag mittag 12 Uhr auf der Werft des Vulkans der StapeÜauf des kleinen Kreuzers „Ersatz Jagd' statt. Die Taufrede hielt Oberbürgerinerster Dr. Güttelmann aus Mainz. Das Schiff erhielt den Namen .Mainz". Es ist das erste deutsche Kriegsschiff, das mit rein deutschen Turbinen nach dein Si;ucm der Atk- qcmcinen Elektrizitätsgesellschast ausgerüstet tft 9!ach der Tarife brachte Dr. Güttelmann ein dreifaches Hurra auf den Haifcr aus. * • Magna cum laude. Der wissenschaftliche Mitarbeiter der Optischen Werke von Ernst Leitz in Wetzlar, von Jgnatowski, hat an der Landesunioersttat mit dem Prädikat „summa cum laude“ zum Dr phd. promoviert. • • Schulkinder unb Gottesdienst. Anläßlich eines SpezialfalleS hat die oberste Schulbehörde unseres Groß- berzogtums in Erinnerung gebracht, daß nach dem hessischen Schulgesetz Schulkinder zum Besuch des Gottesdienstes nicht gezwungen werden können und daß dementsprechend eine Bestrafung wegen Nichtbesuches der Kirche durch Geistliche, Lehrer und Lehrerinnen verboten ist. • • Stadt Heater. Am kommenden Donnerstag den 26. Januar findet wegen AuSsalls der Marburger Vorstellung ausnahmsweise hier eine Aufführung statt und zwar wird unter Assistenz der Regimentskapelle die Poffe „Der Schwiegervater" oder „Die beiden Reichenmüller" bei Volkspreiscn gegeben. — Neuerdings sind bei bei* Direktion wieder verschiedene Referate über auswärtige Aufführungen der elsässischen Komödie 91. DmterS „Die Schm uggler' eingcgangen, die übereinstimmend den großen Erfolg deS Stückes lonstaticren. Namentlich die Abenteuer deS Schmugglers .Sperber' — die Figur hätte dem Hauptinann von Köpenick als Vorbild dienen können — erregen überall stürmische Heiterleit. DaS Stück, das morgen Dienstag zum ersten Mal aufgeführt luirb, soll durch alle 9lbonnc:ncnt6vor» stellungen gehen. DaS Innere der Erde unb die Hebung ihrer Schätze, lieber den Vortrag, der heute zum Besten der Opfer von 'Diabbob gehalten wird, lesen wir in den .Breisg. Nachr.": .Einen hochinteressanten Vortrag bot Diplom - Ingenieur Dunckler im Kaufmännischen Verein. Referent zeichnete zunächst an der Hand prächtiger Lichtbilder den Werdegang der Erde imö verschaffte sodann den» geistigen 'Auge des Zuhörers und Zuschauers einen tiefen Blick in die Gewinnung Der Schätze des Erdmnern. Es wurden so einer Kohlengrube (aktuell btsonderS durch das neuerliche Grubenunglück in Westfalen) und einem Silberbergwerk (Freiberg i. S.) Besuche abgestattet und iu einzelnen Bildern die Ausbeute be» Kupfers, deS Goldes und des Eisens, sowie zuletzt des Salzes gezeigt und durch treffliche AuSführtingen erläutert. Besonders die Salzgewinnung bot eine Reihe prächtiger Land- schastsbilder, die allein den Besuch des Vortrages gelohnt hätten. Anhaltender Beifall lohnte Herrn Dunckler für den gebotenen Genuß.' — Die Stenographen-Gefellfchaft .Gabels- berget* hielt am 22. d. MiS. ihre Hauptversammlung ab. AuS dem Bericht deS Vorsitzenden war zu entnehmen, daß im abgelaufenen Veremsjahr eine rege Tätigkeit geherrscht hat. Von Mitgliedern der Gesellschaft wurden in 1908 bei auswärtigen Wettschreiben im ganzen o Ehren- vreise, 26 erste, 7 ziveite und 1 dritter Preis errungen. Die Mitglicderzahl stieg von 48 auf 104. Tic Unterrichtskurse waren sehr gut besucht. Nach dem Geschäftsbericht wurden die neilBn Statuten durchberalen und genehmigt. Tie Vor- standSwahl halte folgendes Ergebnis: KreiSamtSgehilfc Lenz 1., Prokurist H. Sian 2. Vorsitzender, Max Wolf und H. Müller Schriftführer, K. Plank Rechner, W. Pcppler Bibliothekar, K. H. Kuhl, A. L'tcckel und Fr. Schneider Beisitzer. ** Selbstmord. Rentner L. hier schnitt sich am 23. L Mts. morgens in seiner Wohnung die Kehle durch unb brachte sich auch einen Stich in den Unterleib bei. Er mürbe in die Klinik gebracht, starb aber bald an den Verletzungen. L. war geistig nicht ganz normal und stand fchon lange unter Vormundschaft und dürfte er die Dar im Zustande geistiger Umnachtung ausgeführt haben, da andere Motive nicht vorzuliegen scheinen. ** Geheimnisvoller Schuß. Als am 23. l. Mts. der Realschüler Berlin aus Großcn-Buseck mit noch zwei Kameraden morgens zur Schule ging, verspürte er unweit der Schule auf einmal Schmerzen im Bein. Tie Untersuchung ergab, daß im Bein die Kugel eines Tcschürs sich befand. Die Schüler wollen unterwegs in der Anlage mal einen rbmadw’i Bnall gehört haben und vermuten, daß | die> her Schuß gewesen ist, der den Berlin traf. Die eitern sollten u. i g daran» sehen, daß Kinder derartiges l gefährliches Spielzeug nicht führen, leider kommt es nur zu häufig vor, daß Knaben solche TeschinS in ben Tasche^ mit sich tragen. • • Erdbeben-Erinnerungen au5 Heilen. Am 22. Februar 1796 entstand zwischen L:ch und Steinbach ci* Erdbeben von solcher Heftigkeit, daß sich m der Nähe dc« SceS in der Lichtung nach Alvach zu daS Ackerland hob und senkte unb ein heute noch deutlich erkennbares wellensürmiges Aussehen bekam. Eiwähnung verdient auch daS Erdbeben vom 4. November 1787, daS Angst und Schrecken von Mannheim biS Gießen verbreitete. Im cinzeluen lesen wir in einer alten Chronik darüber folgendes: In Kürnbach erbebte die Erde um 3 Uhr morgen» und in einem Keller singen die erschütterten Fäsier so an zu rinnen, daß Gefäße unleigestellt werden mußten. In Lliederbeerbach schivankte um 3 Uhr alles in den Häusern. Um 1 Ubr erzitterte die Erde; in Darmstadt war die Erschütterung so heftig, baß daS donneräbnliche Getöse alles in Furcht und Schrecken setzte. Am 7. November erzitterte die Erde abermals. In Eschollbrücken hörte man ein starkes Getöse, gleich dem eine« schweren Wagens, der über ein Pflaster rollt, und gleich darnach erfolgte em starker Erdstoß, der die Hauser in Bewegung setzte. Düster war der Dunstkreis um Groß-Umstadt und kein Lüftchen regte sich, als plötzlich um 3 Uhr morgens ein starkes Beben, begleitet von einem heftigen, plötzlich aufbrausenden Erdwmd, entstand unb die festen Hauser so erfchülterte, daß die Fenster klirrten und die Türen, krachten und von dem Geräusch die Leute auS dem tiefsten Schlaf erwachten. 0 Klein-Linden, 24. Januar. Ter kleine Daniel Klein war im Eise eingebrochen und in dem tiefen Weiher schon zweimal untcrgelaucht. Mit größter Mühe gelang cs dem 13 Jahre alten Wilhelm Neith, ben bereits Verschwundenen an der Hand zu fassen und wieder über Wasser zu bringen. Andere halfen bann das Rettungswerk vollenden. — Leihgestern, 22. Jan. Die Vorbereitungen deS hiesigen Gesangvereins Liederkranz zu seinem am 3., 4. und 5. Jiili d. I. slattftndcnden 46jäbngen Jubelfeste verbunden mit nationalem Gesangs wett st reit sind tn vo'Icm Gange. Da gerade in unserer Gegend die Kunst deS Gesanges sehr gepflegt wird und in weitem Umkreise ein weiterer Wettstreit nicht veianstaltet wird, schciut die Beteiligung sehr groß zu werden. Der sestgebende Verein scheut keine Mühe, daS Fest einheitlich und würdig zu gestalten. Die Gemeinde begrüßt dieses mit Genugtuung und dem Verein find heule schon kostbare Preise in Aussicht gestellt. == Beuern, 22. Ian. Der Gesangverein „P o l i- hymmia' hier beabsichtigt am 13. und 14. Juni, sein 40 jähriges Stiftungsfest zu feiern. In 2lnbelracht deS langjährigen Bestehens des Vereins und BckanntsemS im Umkreis, verspricht öaS Fest eine regen Beteiligung. s. Lollar, 24. Ian. Gestern fand auf Veranlaffung deL OrtsgewcrbevcceinS Lollar und Umgebung ein gut besuchter Vortrag über drahtlose Telegraph ie unb Röntgenstrahlen im Saale ,zur Traube' statt. Der Vortragende, Herr Kaiser auS Groß-Zimmern,' stellte m seiner Einleitung einen Vergleich zwischen der Zeit von heute und vor hundert Jahren auf und beleuchtete dabei namentlich oie gewaltigen Errungenschaften in der Physik. Im welterci Verlauf seiner AuSsührungen machte Herr Kaiser die ZuhocL mit den beiden genannten Ersindungen bekannt. Reicher Beifall lohnte ihn für seine Ausführungen. r. Londorf, 24. Januar. Ein Leiche nzug, wie ihn Londorf wohl in langen Jahren nicht gesehen hat, bewegte sich heute durch unfern £rt Wachtmeister Scholl, welcher in der Nacht von Donnerstag auf Freitag nach elfwöchigcm schwerem Leiden im 'Jitter von 39 Jahren gestorben ist, wurde zur letzten Ruhe bestattet. Sein Gerechtigkeitssinn, fein humanes und besonnenes Wesen in und außer dem Dienst sichern ihm ein dauerndes, ehrendes Andenken. Scholl war neun Jahre als Gendarm hier. O Laubach, 24. Jan. Dem Vorstand der Konzert- unb VortragSvereinigung schuldet daS Publikum für bat Zustandekommen bcS gestrigen Konzerts der Tno- vereinigung Trautmann, Hcgar und Redner größten Dank. Der künstlerischen Leistung lauschte cm großes Publikum, darunter die gräflichen Herrschaften von hier und auS Arnsburg, die recht zahlreich erschienen waren, DaS wunderbare Adagio, sowie die Finale, baS Trio, elegant und tadellos durchgcführt, erhebt sich über jede Kritik. Ebenso waren die drei Solis, vom Konzertmeister Rcbner auf der Violine ausgcführt, bewundernswert. Die Gavotte in E-dur von Bach mit ihren schwierigen Doppelgriffen, sowie der Brahm- sche Tanz m B-dar waren in größter Schönheit wieder- gegeben. DaS Publikum sparte nicht mit seinem Beifall und wiederholte Bravorufe dankten den Künstlern. Auch die gräflichen Herrschaften sprachen am Schluffe ihren Dank ben Vortragenden aus. FC. Vilbel, 22. Jan. Gestern abend sand im .Kühlen Grund' eine von hiesigen Landwirten und Gcweibe- treibenben gut besuchte Versammlung unter dem Vorsitz öcS Gemcinderats Fink - Vilbel statt, die Stellung nahm gegen die von der Gemcindeoertretung eingesührte Wertzuwach S steuer, die sich zwischen 4 biS 30 Prozent bewegt. Sämtliche Redner, Pcioaticr Karl Hinkel, Poilsekreräk Lotz, Baunnternchmcr F. 21. Schmidt, Gcmeinderat Ebert, sprachen sich entschieden gegen diese unpopuläre Steuer au8, die die Bautätigkeit und den Jmniobilienhandel hier völlig lahm gelegt habe. Eine Resolution wurde einstimmig on- genommen, die besagt, daß eine Eingabe an die hiesige Gc- meindeoertretimg gelichtet wird, welche die Anshcbnng der seit dem 16. November 1908 m Vilbel eingeführten Wert- zuwachsstcuer energisch fordert. r. EinartSHausen, 23. Ian. Der hiesige Gräflich Affenheim'sche Forster Gg. H. Karpf wurde pensioniert, nachdem er 55 Jahre im Dienste dieser SLandesherren gc- standen hat. Im Jahre 1844, als die Grafen noch exekutive Gewalt halten, wurde Karpf als Rcntcidicncr nut eurem FadreSgchalt von 60 Gulden, 2 Stecken Brennholz unb alle orci Jahren eine Uniform angcftdlt. Wohl feiten hat eia Mann mit solcher Rüstigkeit schlechte und gute Zeiten übered! und nie den Humor verloren. Roch heute nimmt Korps als Neunzigjähriger an den Wcltbegebenheitcn mit Jnlerejfe ieil, er Cann seine Zcllung nicht entbehren und liest sie noch ohne Brille. In der Gegend ist er als obcrhcs'ischc Type gern gesehen, er weiß auch immer etwas zu erzählen. L« - ie-, Tt« W z ciii irl *n! ? chlag 1 ■ . • . pon $ vi 7eü«"ii Si . -14 9'f | labl 9 . o 9. 1 ■ r -i .kck ] • --T< i . »11 fc<; ‘ v'nflt1 •tn den qtS. deu .:4t fit * ^HLndell A mit vn (tinnin'll1 ’iDl > jberbaupt t u Lnge fit desie .\inbrotd •)tbm 1 künftig ' Ludmiss' flfbenh Zahne! fchan im Sire ur küdingt rähndKt Vertrag gcncinm Ssi Mai ßr>e fl! flrüe bt (fiejtifl WS -D, l-fltl tin T'ttt SrjeitttU Ul t> li.mcdtni Lrgckwsf X auf B, Copland der ooin 6ng erfu *r 8ufu »4« gt r-r-cn. - f'ellchast Km einz schick. t DO. 6 «°til ?I6 T: 4 bc r | am 2( H-y ic:; LI»;1-! t jV Lch ■ -« ooc : - ?. » : Sag trtc.11 Hochzeit. Das Eyick'-aar, das ru;tua uiu> gejunD tlt, mm in 91. Lebensjahre. — In Seelbach brannte die bei dem ij Auer vvr 14 Tagen gerettete Scheuer des Gutsbesitzers Kraft n ieber. — Aian bcaosicytigt für den tziegierungsoezirk Kassel eine !5rüppelheilanstalt zu errichten, die den Llnstalten Hepl>ata a Vermischtes. ♦ In Tottenham, einer Vorstadt von London, wurde von zwei Ausländern ein Automobil, in dem zwei Angestellte einer Kautschutfabrik mit dem Wochenlohn für die Arbeiter saßen, angehalten und die Angestellten durch Revolverschüsse verwundet. .MGGGTGGGGGGGGGGGGDT Man lese den Gießener Anzeiger größte und reichhaltigste Tageszeitung Cberhchens. Auflage über UOOO Expl. flUe Briefträger, unsere Zweigstellen und die Geschäfts- stelle des Gießener Anzeigers nehmen Bestellungen auf den Gießener Anzeiger entgegen. 1-rüppelheilanstalt zu errichten, die den Anstalten öeplhiia irr. Treysa angegliedert iocrden soll. Eine kürzlich aufgenommene Statistik besagt, daß im Gebiet des ehemaligen Kurhessen 875 verkoppelte, vollsinnige Kinder vorhanden sind. — Zn der Dyna- !Ni t f a b r i k zu Wü r ge ndo rf bei Dillenburg flog em Sprengöllager in die Lust. Zwei Mann wurden getötet r.!d einer schwer verletzt. — Die Stadtverordneten von Hom- K Eisoff©r5s extra billige Verkaufstagel N vom 23. bis 31. Januar 1909 — bsefesB ast Auswahl und FfeESwisrsisgixsit bis jetast Unerreichtes» Besichtigen Sie gefl. die in den Abteilungen auf Tischen liegenden extra billigen Waren. Der Nachlass aut viele Artikel ist 20 bis 60 °/oe bur g v. d. S>. genehlnigten in ihrer letzten Sitzung die Einführung der Wertzuwachs steuer, und der Magistrat wurde mit der Ausarbeitung einer entsprechenden Vorlage beauftragt. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 25. Jan. (Orig.-Telegr. des „Gieß. 21115.") Amtliche piouerungen der beuligen Fruchimarklprei, e. Wetzen 'Dlf. 21 -5—21.50, Zlurhessischer Mk. 21.50—00.00, La Plata Mk. °4.U0—24.50, KausaS 9)if. 24.26—24.75, Roggen (hiesiger) Pik. 17.25—17.50 Gersie (Wetterauer» Pik. 18.5O-ln.5O, Franken- selber Alk. 17.50—18.00, Haler 16.50—17.50, Mats Alk. 17.^5—17.50. Weizenmelil Alk. 31.50-32.00, Ou—00, 2. Qualität Pik. 30.50 bis Aik. 31.00, 3. Lnolitüt Alk. 29.00—30.25, Roggenmetzl o Pik. 27.75—,8.00, l.Qualltät Alk. 26.75—27.00, Weizenklele Pik. 9.75 bis 'JÄL 10.00, pioggeuklele Alk. 10.50—11.00, Matskeune Pik. 12.50 bis Pik. 13.50, Kraulen, Pfälzer, i)iieb Pik.00.00—00.00. Alles per 100 Sig. ab Ijiev. ic" Frankfurt a. M., 25. Ian. (Telegr. Orig. - Bericht des „Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der tzeuligen Biebmarkt- v reise. Zum Verkaufe slaudeu: 417 Ochsen, 106 aus Oesterreich, 43 Bullen, 1 aus Oesterreich, 899 Kühe, Fersen,^Stiere und Riitdcr, 227 Kalber, 387 Schale und Hammel, 1642 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegenlämmer, 00 Scha'lämmer. Bezahlt wurden lür iOO Psund Schlaclugeivtcht: Ochsen: 1. Qualität 75—78 Mk., 2. Qualtlät 68—70 ' Alk., 3. Qualität . 8—60 Mk.; Bullen : I. Qual. 65—67, 2. Qual. 62—63; Hübe 1. Qualität 68-70 Alk., 2. Qual. 58—60 Mk., 3. Qual. 46—48 Mk., 4. Qual. 00—00 Mk., 5. Qual. 00—00 Mk. Bezahlt wurden für das Pfund Schlachtgewicht: Kälber 1. Qualität 90 bis 95 Pfg., Lebendgewicht 53—57 Psg., 2. Qualität 74—85 Psg., Lebendgewicht 47 56 Pig^ Schlachtge'iv 66—60 Psg.; Schale: 1. Qual. Schlachlgew. 70 bis 00 Pfg., 2. Qual. 58—60 Psg. Schweine; 1. Qual. 72—00 Pf., ^'l'eu'dgewlchl 56,5—57 Pf., 2. Qual. 70—71 Pf., Lebendgewicht 5 ,0-00,0 Pfg., 3. Qual. 65—67 Pfg., Lebendgewicht 00 - 00 Plg. Aidjäü bei Hornvieh mittelmäßig, Ueberslaud unbedeutend, bei Hlemuiet) gut, kein Ueberstaud. Vachbar staaten. In Borsdorf feiert am 1. Februar Bürgermeister Weiß sein 25jäl)rigcd Dienstjubiläum. — Eec am 20. Januar in Frankfurt a. ,M. wegen verschiedener Schwindeleien verhastete Gutsverwalter Wilhelm Horning aus lx.'lmstedt war bis 15. Januar d. I. auf dem Hosgut Utphe bei Hungen tätig. — Am 9. fycbruar d. I. feiert in Hähnlcin dar Gemeinderat Kramer mit seiner Ehefrau das Fest der diaman- leien Hochzeit. Tas Ehepaar, das rüstig und gejunb ist, stehl 4- Dutenhofeit, 22. Jan. An der Lahn bezw. aus den ,v iftaus gedehnten Wiesen stellen sich zu allen Jahreszeiten seltene Sjgel ein, die zur Freude der Bogelsreunde ost längere Zeit unsere Gegend beleben. Im zeitigen Frühjahr ist cs der Kiebitz, D-stcher hier eintrifft, um im breiten Wiesengrunde zu nisten. !! um ittelbar nach der Heuernte sieht man große Scharen Störche, dhc in den berieselten Wiesen ihre Nahrung suchen. Jetzt, zur tSiteren Jahreszeit wird unmittelbar am Flusse die wilde oder Tackente beobachtet. Dieser äußerst scheue Vogel liefert ein ftrobl= meckendes Fleisch und wird daher von dem Jager mit Vorliebe mtfolgt. Auch die höchst seltene Trappe wurde schon wiederholt angetroffen. X Hanau, 25. Jan. Der Antrag der Stadt Hanau mf Vermehrung der Vieh markte beschäftigte den Vorstand des Vereinsausschusses der Landwirtschaftskammer, botr vom Regierungspräsidenten um eine gutachtliche Aeußer- tnng ersucht worden war. Unter der Voraussetzung, daß sich buc Auftrieb im Laufe der letzten Zeit vermehrt hat, soll n chts gegen die Vermehrung der Vlehmärkte eingewandl weben. —> Ein 18jähriger Ausläufer der Quarzlampen- gotsellschaft erhielt den Auftrag, 2600 Mk. bei einer Bank- jrnna emzuzahlen. Er unterschlug jedoch den Betrag und sl 'ichtete. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Peter § burg, 24. Ian. In dem Prozeß vor dem russischen M a r i n e g c v i ri) t gegen den General A l e x i e io ist gestern das Urteil ge'ällt ivorden. Ter Angeklagte wurde von der Anklage der Er preis nn g ' r e i g e s p r o ch e n , aber kur schuldig bc° iunben, als Alarinestabsofsizier während des Krieges nut Japan zu der englischen Firma Horchliß Beziehnngen unterhalten und von ihr 9500 Rubel erhalten zu haben. Tie Richter verurteilten ihn unter Ausschließung vonr Militärdienst zu z e h n l a u s e n d R u b e l (Geldstrafe, an deren Stelle un Unvermögensialle 1 Jahr Ge- ängnis lrut. Tie Verurteilung machte auf den Angeklagten wie das gesamte Publikum eine» niederschmetternden Eindruck. Als Alexejew das letzte Wort erhielt, bezeichnete er die Anklage als einen Verleumdungsakt und sich als unschuldig. rantzeruniversilät und zinanzaurfchuh. Neber die Verhandlungen des Finanzausschusses über die Landesuniversität liegt in Nr. 3 folgender offenbar aus der Feder eines Abgeordneten stammende Bericht vor: Eine längere Debatte entsteht bei dem Kapitel Landesuniversität. Hier liegt ein Ersuchen des Ausschusses an die Regierung vor, eine Kommission, bestehend aus Vertretern der Regierung der beiden Kammern sowie einer nicht hessischen Universität zu, ernennen, die mit der Prüfung der Frage der Erhöhung der staatlichen Einnahmen aus der Universität Gießen betraut wird. Geheimer Rat Weber hat Bedenken gegen die Gleichstellung der Pftege- gelder in den Kliniken der Universität mit denen anderer Krankenhäuser. Hier komme in Betracht, daß in den Kliniken die Kranken als Unterrichtsmaterial für die Studierenden dienen. Auch müsse man dafür sorgen, daß nicht durch unliebsame Neuerungen tüchtige Lehrkräfte vertrieben und damit die Frequenz der Hochschule verringert wird. Die Mehreinnahmen der Kliniken überstiegen in den letzten Jahren die Mehrausgaben. Gleichwohl sei,die Regierung bereit, eine mastige Erhöhung der Pflegegeldsätze im nächsten Etat vvrzuschlagen, nachdem man zunächst mit der Hochschule hierwegcn in Verbindung getreten sei. Minister Braun kann sich mit dem weiteren Vorschlag, einen Teil der Kollegien- gelder für die Staatskasse zu beanspruck)en, nickst einverstanden erklären, ebenso wenig mit dem Verlangen auf eine Herabsetzung der Honorare für Operationen zu drängen. 2ne Bildung einer bepuderen Kommission errege Bedenken, weil daraus eine gewisse Hilflosigkeit der hessischen Behörden geschlustfolgert werden könne. Aba. Molt hau ist von der Regierungsantwort befriedigt und erklärt, dast der Ausschuß auf der Bildung einer besonderen Kommission nicht beharre, nachdem die Regierung die Erhöhung Der Pflegegeldsätze zugesagt habe. Die Klage über die ungewöhnliche vöhe ärztlicher Honorare für Operationen, auch in anderen Kliniken mehren sich. Abg. Dr. G u t s l e i s ch regt an, in Einzelfällen, wie sie vom Abg. Brauer für Gießen beklagt wurden, den Weg der Oessentlichkeit durch die Presse zu beschreiben, wenn Dies auch möglichst zu vermechen sei. Der Redner bedauert den unlauteren Wettbewerb Preustens, das Professoren, die einmal einen Ruf nach einer vrrussischen Universität abgelehnt, für alle Zukunst für dieselben abweist. Damit würden den Hochschulen der kleineren Bundesstaaten die besten Lehrkräfte entzogen. Finanzminister Gnauth macht daraus aufmerksam, dast man bei der technischen Hochschule einen Teil der Kollegiengelder für die Staatskasse wohl beansprucht. Die Giestener Klinrken erfordern einen jährlichen Staatszuschust von 326 000 Mark, ganz abgesehen von Den Gehältern der Professoren und der Verzinmug der Millionen für die Klinlkneubauten. Stadt und Kreis Giesten, die den größten Vorteil von den Kliniken haben, müstten größere Opfer bringen; andere Städte müßten Millionen für ihre Krankenhäuser auf- wenden. Neben der ZLich'icht auf die Blüte der Universität komme auch die Rücksillst auf die Finanzlaae des Landes in Betrackst. Nach weiterer Debatte, in welcher Abg. Dr. G u t f l e t s ch seine grundsätzliche Zusttmmung zu den Anschauungen des Ministers bekundet und hofft, daß die bevorstehende wirlschastlickst Entwicklung Oberhessens auch die Heranziehung der weiteren Kom- munalverbände erleichtern werde, damit sie der Stadt Giesten nacheisern, wird die weitere Beratung auf Montag vormittag vertagt. Reue E.ddeben. Infolge der Erdstöße, die sich am Samstag ereigneten, ist bet Tunnel zwischen Villa San Giovanni und Scilla ein» gestürzt. Die Ei, enbahnverbindung ist infolgedessen am Nachmittag unterbrochen gewesen. Die neuerlichen Erdstöße riefen eine große Verwirrung unter den Einwohnern hervor, die durch die Meldungen aus Kiem-Asien noch bedeutend vergrößert wurde. Ueb er ein neues, stark es Erdbeben melden die Apparate der seismographischen Station Darmstadt-Jugenheim, daß die Erschütterungen in einer Entfernung von etwa 3000 Kilometern in Der ytiu/tung Suc-ost (Jeftiiajer Teil von Kleinasien) stattsanden. Die Bewegungen setzten um 3 Uhr 55 Minuten mit einem scharfen Stoße ein; das Maximum war um 4 Uhr 12 Minuten. Einzelne Stöße in Zwischenräumen von oft mehreren Minuten erfolgten bis gegen 5 Uhr. Die Ervstößc waren so heftig, dast der Seismomerer der Potsdamer Erdbebenwarte zerstört uurüc. Die Erschütterungen socken bedeutend heftiger sein, als die von Messina. In der Nähe von S m y r n a wurden viele Erdstöße verspürt, deren Gewalt aber nicht sehr gjrj& war. Dagegen war auf Chios die Erderschütterung sehr stark. Die Bevölierung eilte an das Meeresufer unD mwcke frvie Hmser. (kai^beuen fehlen vorläufig noch, nur aus Saloniki liegt eine Meldung vor, nach der in Phokea, Bockjve und zahlreichen andern Orten eine große Anzahl von Gebäuden zerstört und viele Menschen g c t ö t e c wurden. Für MeMua-Reggio sind eingegangen: . t M Bei Großh Kreisamt Gießen: Gemeinde Annerod (gesammelt durch Polizeidiener Schäier) Mk. 52.50, Bettenhausen 23.—, Utphe 16 20. Zusammen Mk. 91.70. ^schinz. , * u«b St/ M n r,d> • [cnnbQtt§ wT ?ob * '‘ent Qlldl s»en,ötSä ‘9ft und lote, Decken Doil ns und ’in^, llrnM zu rmnen *ilcberbeerbaA Ws '°7°- fi.-t.r8 .“ftaau|tnbtn febmn»' *«<■ d°b di. 2 kleine Twiü ui bent tiefen zzch., getaj ", den bereis . ^QHen und wieder über en drim das giethingix ^ie ^orbereilunrien bei lni 8“ ieinem am 3., i ^jährigen Jubelfeste vei- oeltstreit sind in vollem Seejenb die Kunst des Ek. 'ciiein Umkreise ein weiterer litciut die Beteiligung sch; Verein scheut keine Müht, i gestalten. Sie Gern« mb dem Verein sind heul! eiieQt. Gesangverein „Poli- 3. und 14. Juni, sein 40 feiern. In Anbetracht dct ins und Bekanntjeins ir» regen Beteiligung. iern sand auf Veranlass^ nd Umgebung ein gut t;< lose Telegraphie uti ,jur Traube* statt. Tli Grosi-Znnmem, stellte u zwischen der Zeit von Heus beleuchtete dabei namenllii bet fßtflfir. Im weitete c Herr flaifer bie Zuhoi jen bekannt. Neichec B igen. Ein Leichenzug, w Men nicht gesehen rt Wachtmeister ßchost .nerstag auf Freitag naö in Alter von 39 tzahn Auhe bestattet, » und besonnene^ Wesen n ,m ein dauerndes, chrende- [bte als öendarm hier. Der ^ jonit" * ** ni « W|t l'(5 i Mit dem geraubten Geld sprangen nun die Räuber auf einen Straßenbahnwagen, desseir Führer sie durch Vorhalten der Revolver weiterzufahren zwangen» Während der Fahrt gaben sic dann auf den Wagenführer und die Passagiere Schüsse ab, durch die einige Personen verwundet wurden. Als die beiden Räuber verfolgt wurden, töteten sie sich selbst. * Schiffsunfälle. Der Dampfer der White Starlinie „Re Public^' kollidierte im Nebel bei Nantucket im atlantischen Ozean mit dem italienischen Damvser „Florida", die bei dem Zusammenstoß selbst erheblich beschädigt wurde. Die „Baltic" der White Star-Linie nahm die Passagiere und die Mannsckiast der „Republic" an Bord. Die „Florida" brachte ihre eigenen Passagiere nach Ncuhork. Vier Passagiere der „Republic" kamen bei dem Zusammenstoß um. Der Dampfer gilt als verloren. Die „Republic" hat etwa 470 Passagiere mtb ctiva 300 Mann an Bord. — Der Fischdampser „Montag" wurde bei Rotersand von dem Nordenlwmer Fischdampser „Elsaß" angerannt und ist gesunken. Der Kapillm und der Maschinist des Fischdampseis „Montag" wurde von dem Fischdampfer „Nereus" gerettet Die übrigen sieben Mann der Besatzung sind ertrunken. Kleine TageSchrontk. In den ® c f ä n g n t i i e n von Kiew, Woronesch und Jekalerinoslaw wütet der Flecktyphus in erschreckender Weise. Tie volitiscben Gefangenen sterben masseubast. Unweit von I o h n st o w n in Pennsylvania kollidierte Samstag krüh der Üleiv-Vork-Lt. Louis-Schnellzug. 50 Personen sollen dabei umgekommen sein. Tie Hnngersnot in Kleinasien nimmt bedenklichen Umfang an. Zahlreiche Peisonen sind bereits Hungers gesiorben. In Princeton in dlew'Iersey wütet eine furchtbare F e u e r s b r u u st. Tie berühmte Universität ist bedroht; sämtliche Studenten helien der Feuerioehr bei den Rctiungsaibeiten. Ter Schaden ist bereits sehr groß, doch ist bisher noch lern Lerlust an Aienschenleben zu beklagen. Spielplan der vereinigten KranHutter Stadtthearer. (rtpernhuuL. Montag den 25. Jan. geschloffen. Dienstag den 26. Jan^ abends 7 Uhr: ^Hoffmanns Erzählungen." Schauspielhaus. Montag en 25. Jan.: „Jloberi und Bertram.* Dienstag den 26. Jan.: „Tie Dame mit den Lilien." Abends 7 Uhr. -cm Vorstand der M«t- das Publikum fut ’ Konzerts der Tri ./at und Nebner M '? lau'chte em großes P» baVftritif Ebenso war« nicht «A ?" Auch b!! mnilung w nfli’' hott, bie krte Leck' 't'.lcckiiNg * Prozent tff &&& L v * ! 6i! der lAuouyme Ausragcu blctbcn uubcrückst-ft, dessen Höhe er doch gar nicht kennt. Im Jnteresie de§ Handwerkerstandes dürfte eS doch angezeigt sein, daß Be- ri)iirbcn und Gemeinden solche traurigen SubmissionSofserteu . nflig gänzlich unbeachtet lasien, weil andernfalls reelle LubmissionSofferten undenkbar sind. Lorbach, 22. Januar. Der Kriegerverein gxdenkt im Laufe des kommenden Sommers das Fest der I Fahnenweihe zu begehen. Die Vorbereitungen dazu sind B jckhon im vollen Gang. Als Festplatz ist eine bequem erreich- b*)ce und hübsch gelegene Wiese am Dorfausgang nach Mödingen hin gewählt. Die Lieferung der Fahne wurde der I rllihmlichst befonnnten Fahnenfabrik in hannöverisch Münden | ü: -ertragen. Als Festtage sind der 4. und 5. Juli in Aussicht Zxnommen. Achtung! TeBegramml Bitte lesen! Auf nach GIESSEN, Bahnhofetraeie N-. 31 hn Hofe rmd Neben rrehKaden des Re«tanrantf Solmser Hot, RahnhofNtra«se INr. 31. Von Dienstag den 26. Januar bis Montag den 14. Febrnar, täglich Riesen-Massen-Verkäufe E m aille-W aren aus den grö«*ten Emalllr-W’erken Deutschlands. 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Car3 Uorgj aass ESfcsrfeSd. | ▼en 3 Uhr nachmittags an werden «Imtlicbe bei mir gekauften Sachen franko ins Ham geliefert. 677 Mein Riesen-Emaille-Lager befindet sich nur Bahnhofstrasse 31. Kein Kaufzwang I Rur 3 Wochen C -------------- Ei treffen In nächsten Holzverfteigernng. Freitag den 20. l. MtS. soll im Grüninger unb Dors-Giller Markwald folgendes Holz versteigert werden: > 84 Fstm. Eichen - Stämme von 26 bis 60 cm Durchmesser I 7 , Buchen- , r 30 , 69 , , .178 , st'chten- , , 39 , , 7 , K-efern- , ,26 r 39 , , 9 ssichten-Derbstangen 26 Rm. Hiesern-Nutzknüppel, 3 Meter lang. Die Zusammenkunft ist vormittags 91/. kN»r an der Straße Dors-Dill— Garbenteich bei Hol) Nr. 10. Das Eichen- unb Buchenholz kommt zuerst zur Dersteigerrmg. Srüttinften, den 24. Januar 1909. Grofth. Bürgermeisterei Grüningen. ____________________________Grlbert._______________________(676 Nuhholz-Vcrstcigerlmg. SamStag den 30. l. MtS. wird im hiesigen Gemeindewald folgendes Nutzholz versteigert: In der Eichcnhardt 31 Eichcnstämme mit 42,26 Fstm.. sämtlich sehr schöne Schnltti'tämme für Möbel-Schreiner und Glaser geeignet, und einige Rm. E'.chen-Scheit. Im Läuse! 236 Nadelholzstämme mit 91,28 Fstm., 25 Eichenstämme mit 6,62 Fstm. Im Revier Hungerberg 103 Nadelholz, stamme mit 38,07 Fstm., 55 Stangen I. ÄL, 101 DL HL, 180 in. Kl., 106 IV. KL Der Anfang ist des morgen« 10 Uhr in der Eichen. Hardt am Eichenstammholz. Bei ungünstiger Witterung findet die Versteigerung auf dem Gemeindehause statt. Fraukcnbach, am 22. Januar 1909. Der Bürgermeister: Schmidt. (578 Goetheschnle, Offenbach a.M. Militärberechtigte Brioatreal- und Handelsschule, nevbunbcn mit Borschule und Pensionat. Prospekte durch die Direktion. es"/, Verein der Hausbesitzer, Hiessen. < Die diesjährige ordenil. Generalversammlung ftndet Donnerstag, den 28. dsS. MtS., abends 8'/, Nbr, im Saale des Oötcl Schütz mit folgender Tagesordnung statt, wozu ,«lr nufere Mitglieder ergebenst einladen. Der Vorstand. Tagesordnung: L Jahresbericht. 2. NechnungSablage. 3. Aenderungen der Statuten 8 6 jährliches Ausscheiden von des Vorstandes. 4. Borttandöwabl. 6 Referat de» Herrn Rechtsanwalts Naab über Metvertrag und Hausordnung. . 6. Verschiedenes.______________________________________________(v*/, BrzuOverrin Gießen 908 Anmeldungen zmn Bezug von gkslhllitlkyfHi Breiinhch fomie Briketts inüflcn bis zum 1. Wcbruar 1909 eingereicht fein. Stur Mitglieder erhallen Lieferung. Anmeldeformulare flnb zu baden bei: 0495 I. Dorüveuden: Rechner: GeschäftSflshrer: 6- LLagucr, Ör. Tkrcndcnberger, Heinrich Schön, Gtetnltrage 12, L Ltebigstrafte ßs. Liedigstrabe tiö. Lästige Haare hn Gcstcht, an den Armen, ent» kvnt sicher u. schmerzlos Dcpclo Dose Mk. 1.50. 1102 »dler^Droacrie, LeltcrSweg 39. Otto Gchaal. 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Januar 1KÄ Aitiaug 7 llhr. 13. Mltt^och-AboniL-Vorstellal Fest-Vorstellung zum 50. Geburtstag Seiner Majestät des Kaisers. Bei festlich erleuchtetem Haust. ----Fest-Oovcrtnrc — ouSgeftihrt von der Kapelle des Znsanterie • Regiments -4aller IlSilbelm" (Ar. 110) unter Leitung des Grofth. Mui»' dtrektorö Kraufte. „Wallensleins Tod“ Trauer-viel in 5 Auszügen voi Friedrich von Schtller. Anfang 7 Uhr. Ende gegen 9V, IW ,Nach der Mittwoch-Borstelluog bült ein Omnibus in der Anlage, der spätestens 3;J0 Uhr nach der Bahn tahrt. SDSSSSSSS»