Nr. 225 Zweites Blatt Samstag 25. September 1909 Gießener Anzeiger Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. General-Anzeiger für Gberheffen 159. Jahrgang Rotationsdruck und Verlag der BrühNschen UnwersitätS - Buch- und Steindruckerei. 9L Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und 5)ruderet: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e^s*>51. Redaktion:e^ 112. Tel.-AdruAn-eigerDteßen. Die siebener Zamillevblätter" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kretiblatt für den Kreis Siehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen 3ett- frogen“ erscheinen monatlich zweimal. Mit dem Dierteljahreswechsel naht wieder eine regere Zeit in der Politik und den sonstigen Tagesereignissen, und wir möchten die Leser darauf Hinweisen, daß unser Blatt mit seiner stetig steigenden A banne ntenziffer sich noch weitere Aufgaben und Ziele stecken wird als bisher. Die Berichterstattung soll auf allen Gebieten immer mehr vervollkommnet, erweitert und beschleunigt werden. Zu allen wichtigen TageSfragen werden wir bestimmte Stellung nehmen im Sinne eines von politischen Parteien und äußeren Einflüssen völlig unabhängigen Blattes. In unserer politischen Haltung leiten uns nationale Ziele, die Interessen des Volkes in seiner Gesamtheit. Landwirtschaft und Industrie erscheinen uns gleichwertige Faktoren im innerpolitischen Leben. Unsere ein- gehenden Berichte über die Verhandlungen des Reichstages werden wir auch künftig beibehalten. Auch der auswärtigen Politik werden wir ganz besondere Beachtung schenken, wobei wir die nationalen Interessen in den Vordergrund rücken werden. Im Feuilleton werden alle Ereignisse und Fragen in Kunst und Wissenschaft sachkundig besprochen werden. Zahlreiche Mitarbeiter versorgen uns mit reichem Nach, richtenmaterial. Der Unterhaltung dienen fesselnde und gediegene Romane, die nebst einer Fülle sonstigen Lesestoffes in den reichhaltigen viermal wöchentlich erscheinenden „Gießener Familienblättern" veröffentlicht werden. Diese Unterhaltungsbeilage wird vorzugsweise auch den heimatlichen Stoff Hessens und der Provinz Ober- hesien behandeln. Im lokalen Teil werden alle wesentlichen Vorkommnisse in Stadt unb Land schnell und zuverlässig berichtet. Den Sitzungen der öffentlichen Körperschaften folgen wir mit regem Interesse, wobei nötigenfalls auch gerechte Kritik nicht gespart wird. In allen Städten Oberhessens ist unser Blatt stark verbreitet, und demgemäß sind wir zur Vertretung der kommunalen Interessen der oberhessischen Stadt- und Landgemeinden besonders berufen. Für unseren großen landwirtschaftlichen Leserkreis sind die zweimal monatlich erscheinenden, fachmännisch geleiteten „Landwirtschaftlichen Zeitfragen" ein sehr beliebtes Beiblatt, besonders wegen der vielen praktischen Ratschläge, die darin für die oberhessische Landwirtschaft enthalten sind. Unsere verehrten Abonnenten werden hierdurch gebeten, das Abonnement für das neue, am 1. Oktober beginnende CUiartal rechtzeitig zu erneuern, damit später keine Verzögerung tm Bezüge der Zeitung eintritt. Alle Briefträger, unsere Zweigstellen und die Geschäftsstelle deS Gießener Anzeigers nehmen Bestellungen auf den Gießener Anzeiger entgegen. Neu hinzutretende Leser erhalten den Gießener Anzeiger bis zum Quartalsanfang auf «Wunsch gratis zugestellt. Die deutschen Gewerkschaften. In dem Septemberblatt des „Reichsarbeitsblattes" werden -ausführliche Nachweise über die deutschen Gewerkschaften im Jahre 1908 veröffentlicht. Bekanntlich gibt es in Deutschland drei Hauptgruppen von Arbeiterorganisationen, die Hirsch- Duncker schon Deutschen Gewerkvereine, die mit der Sozialdemokratie eng liierten Freien Gewerkschaften und die hauptsächlich mit dem Zentrum und den Christlich-Sozialen zusammen arbeitenden Christlichen Gewerkschaften. Der Zahl der Mitglieder nach stehen unter diesen die Freien Gewerkschaften weit voran. Sie zählten im Fahre 1908 62 Zentralverbände inth 11024 Vereine mit 1831731 Mitgliedern, während dem Gesamtverband der Christlichen Gewerkschaften 3212 Ortsgruppen mit 260 767 Mitgliedern und den Deutschen Ge- werkveretnen 2095 Ortsvereine mit 105 633 Mitgliedern angeschlossen waren. Alle drei Hauptgruppen hatten im Berichtsjahre fast ht gleicher Weise unter der wirtschaftlichen Depression zu leiden; sie hatten sämtlich einen Mitgliederverlust zu verzeichnen, während andererseits infolge des Arbeits- Mangels die Ausgaben für Unterstützungen — Streikunter- Nutzungen ausgenommen — stark wuchsen. Bet den Freien Gewerkschaften erfolgte gegen das Borjalw eine Abnahme an Mit- gliedeni um 33 775 (= 1,81 Proz.), bei den Christlichen Gewerkschaften eine solche um 9804 (= 3,6 Proz.) und bei den Dmtschen Gewerkvereinen ein Rückgang um 3331 (— 3,2 Prvz.). Dagegen stieg bei den Freien Gewerkschaften der Betrag der Arbeits- foferamterftüfcung auf den Kopf von 3,36 aus 6,19 Mark, der Betrag an Rechtsschutz und sonstigen Unterstützungen von 6,97 ruf 10,92 Mark. Bei dar Christlichen Gewertschalten ergab nck eine Steigerung dieser beiden Unterstütztmgsarten von 0,26 auf 0,70 bezw. von 2,58 auf 3,69 Mark, bei den Lirs^Dunckerlchen Gewerlvereinen von 1,41 auf 2,83 bezw. von 2,48 aus 3,8o Mark pro .Kopf. Umgekehrt sank die ^>tteikurtterstutzung bei den Deutschen Gewerkvereinen von 1,97 aus 1,23 Mark, bei ben Christlichen Gewerkschaften von 2,71 aus _ 1,61 Mark und bei bat Freien Gewerkschaften gar von 7,62 auf 3,4-, Mark pro Kopf. Neben diesen drei großen Organisationen gibt^es dann mich iwch 'eine Reihe unabhängiger Vereine, darunter sind mehrere, die sich christli'ciß nennen, ferner mid Kellner- verbände, ein Zentralverband des technischen Bühnenpersonals und der Allgemeine deutsche Diusikerverband. Dies smd im an ganzen 21 Verbände mit 135127 Mitgliedern. Außerdem aber sind in den letzten Jahren noch die so- ^nannten gelben imd v aterländi s chen d. r be iter- organisationen entstanden. Nach dem „Reichsarmttsblatt setzen sich 'die vaterländischen Organisationen, deren ewerr- 5ereine im engeren Sinne sind. Die Zahl der Mttglleier Ht im letzten Jahre von ^979 auf 19 677 gestiegen. Die zahlenmassige Bedeutung dieser "e ist also noch nickt sehr gross, -ta» Königreich Sachse -eichsten an vaterllindischen vereinen, ts zählt deren 18 20 Mitgliedern: das sind also [alt ine Hälfte der Gesan .. Unter den im Königreich Preutzen gestehenden 15 Vereinen zählt nur der Verband reichstreuer Jr- feiter zu Magdeburg mehr als 1000 Mitglieder 1-73 Xie reichstreuen Bergarbeitervereine befinden sich zum überwiegenden Etil üt der Provinz Schlesien. Bon den gelben 91 rbeiterbereilten gibt es 79 mit einer Mitgliederzahl von 65 338 (1907 48 713). Die meisten von ihnen (60) sind Werkvereine. Die Einnahmen betrugen ooA 000, die Ausgaben rund 270 000 Mark, das Vermögen rund 380000 Mark. Die Gelben Gewcrkvereine haben ihre größte Bertretung im Königreich Bahern gefunden, dem Bundesstaate, von dem diese Bewegung ausgegangen ist. insgesamt beträgt hiernach die Zahl der organisierten Ar- detter jeber Schattierung am Ende 1908 2 421950. Ta die und Betriebszählung von 1907 rund 10,7 Millionen Ar- beiter in Industrie, Handel und Berkelir festgestellt hat, so ist mehr als der fünfte Teil (22,62 Proz.> der Arbeiter- ' cha 1 t organisiert. Von den Arbeitgebern dagegen ist nur wenig mehr als ein Awanstigstel organisiert. Lin weiterer Sieg der Spanier? .Nach einer Pariser Meldung sollen die Spanier bei Melilla einen neuen erfolgreichen Vorstoß gemacht haben. Allem Anschein nach wird auch der Protest Muley Hasids den Spaniern keine Scl)wierigkeiten bereiten, denn das diplomatische Korps scheint unentschlossen zu sein, und der französische Gesandte ist den Spaniern bereits mit einem Rundschreiben- beigesprungen. Wenn nur Muley Hafid den Ka- bylen keine Hilfstruppen sendet! Paris, 24. Sept. Die „Agence Havas" meldet aus Melilla: Die bei Ataleyon liegenden spanischen Truppen beschossen heute vormittag Nador. Der Feind ist entmutigt. Man hofft, daß der Krieg bald beendet sein wird. Zahlreicl)e Marokkaner, die unterworfen wurden, sind heute aus dem Markt in Melilla eingetroffen. Tanger, 24. Sept. Der französische Gesandte Reg- nault richtete in seiner Eigenschaft als interimistischer Doyen des diplomatischen Korvs in Tanger dem üblichen besonderen Gebrauche entsprechend an d.ie übrigen diplomatischen Vertreter ein Rundschreiben, worin er seiner Meinung über die Beantwortung der Protestnote Muley Hafids Ausdruck gibt und jeden einzelnen Gesandten ersucht, auch seine Anschauung sogleich auf dem Rundschreiben kundzugeben. Die Aeußerung Regnaults hat folgenden Wortlaut: Ich erachte, daß für die angeregte Frage das diplomatische Korps nicht zuständig ist und daß die Frage ausschließlich zwischen der spanischen und der marol^kanischen Regierung erledigt werden muß.__ 29. Jahresversammlung öe$ deutschen Vereins für Armenpflege und Wohltätigkeit. München, 23. Sept. Im schön geschmückten Saale des alten Rathauses wurde heute die 29. Jahresversammlung des Vereins durch den Vorsitzenden Stadtrat Ludwig-Wolf (Leipzig) eröffnet. Den ersten Gegenstand der Tagesordnung bildet das Tl)cma: Zwangsmaßregeln gegen Arbeitsscheue und gegen säumige Nährpflichtige. Der Vertreter der Hamburgischen Armenverwattung Direktor Tr. Lohse erstattet den Hauptbericht: den Mitbericht hat Stab trat ©am ter (Charlottenburgl übernommen. Lohse hat zum Zwecke näherer Ausklärung Fragebogen versendet, die von 38 Städten beantwortet sind, und in denen die Ergebnisse der Anwendung der geltenden Strafgesetze darzustellen versucht ist. Das Strafgesetz oder seine Anwendung durch die richterliche Praxis versagt völlig. Weiter schildert Lohse die Anwendung des Arbeitszwanges, der zum Teil gute Erfolge gehabt habe, wenn auck) in Hamburg, wo das Gesetz erst sehr kurze Zeit besteht und das letzte Jahr von sehr ungünstigen wirtschaft licken Verhältnissen beherrscht worden ist, von Erfahrungen noch nicht recht die Rede sein könne. Eingehend erörtert er bann die reclstliche Zulässigkeit solcher Maßregeln, deren Bedenken er nicht verkennt und die er unter allen Umstünden mit genügenden Sicherheiten für die persönliche Freiheit versehen wissen will. Er glaubt daher die Amvendung eines solchen Verwaltungsverfahrens als ein geeignetes Zwangsmittel gegen das genannte Hebet betrachten zu sollen. Stadtrat Sam ter stand schon ftüher und steht auch jetzt in ausgesprochenem Gegensatz zu der Auffassung der Verwalttmgs- praktiker, wie sie in dem Bericht von Lohse zum Ausdruck kommt. Auch er wünscht zwar Zwangsmaßregeln gegen Arbeitsscheue und säumige Mhrpflichtige: er hält aber das Verwaltungsversahren für ungesetzlich: erhebt schwere sittliche Siebenten dagegen und erachtet es auch für völlig unwirksam. So kommt ©amter dazu, das Verwaltungsverfahren völlig zu verwerfen und zur Bekämpfung des Hebels eine andere Stellung des Delikts der Versäumung der Nährpflicht im Strafrecht zu forbern. Sie solle aus dem Abschnitt „Uebertretungen" her ausgenommen und den eigentlichen Vergehen eingeordnet, statt den Schöffengerichten den Sttaskam- mem überwiesen werden. Auch müsse es zulässig sein, die Nachhaft durch Heberweisung an die Landespolizeibehörde auszusprechen. Die Vollstreckung müßte allerdings durch Gesetz und ihrem erzieherischen Zwecke gemäß geregelt werden. Es lagen verschiedene, den vorgetragenen Gesichtspunkten entsprechende Anträge vor, von denen die folgenden mit großer Mehrheit angenommen werden: 1. Der D. V. erachtet die Ueberweisung in eine geschlossene Anstalt mit Arbeitszwang rm Wege eines gegen Mißbrauch zu schützenden Verwaltungsverfabrens als das geeignete Zwangsmittel gegen Arbeitsscheue und Versäumnis der Nahrpslicht von Eltern gegenüber ihren Kindern unter 16 Jahren unb von Ehemännern gegenüber ihren Ehefrauen, und empfiehlt deshalb dringend, daß reichsgesetzlich, jedenfalls aber durch Landesgesetze der armenpvlizeiliche Arbeitszwang in allen Bundesstaaten, in denen er noch nicht besteht, zur Einführung gelange. 2. Die Versammlung erachtet die gegenwärtigen Sttaf- bestimmungen gegen Arbeitsscheue und gegen säumige Nährpflichtige nicht Tür ausreichend und setzt eine Kommission von sieben Mitgliedern ein, um zu den Bestimmungen des bevor- stel-enden Entwurfes eines neuen Strafgesetzbuches, soweit sie das Armenrecht berühren, Stellung zu nehmen. Den zweiten Gegenstand der Tagesordnung bildet die Schulspeisung. Helene Simon (Berlin) ist die Berichterstatterin. Ter Schwerpunkt der bisher über diese Fragen gepflogenen Erörterungen liege in dem Gegensatz von Schulpslege und Armenpflege. 2Bam Kinder ohne Frühstück in hie Schule kommen oder ein warmes Mittagessen zu Hause nicht zu gewärtigen haben, so wollen die Vertreter der armenpflegeriscken Richtung diesen Mangel nötigen^ falls durch Gewährung entsprechender Hnterstützung ersetzen. Hier würde die Schule nur die Stelle sein, an der der Mangel beobachtet, nickt aber beseitigt würde. Wenn aber Unterricht unb Erziehung in der Schule wirksam sein sollen, so dürfte bie Aufmerksamkeit der Kinder nicht durch leiblichen Mangel gehemmt oder beteiligt sein: die Vertreter der anderen Richtung fordern daher auch, daß die Schulbehörde unmittelbar helfend eingreife. Unter ben diesen Zustand veranlassenden Umständen, der wirtschaftlichen Lage der Eltern, der außerhäuslichen Erwerbsarbeit der Mutter dürfe das Kind nicht leiden: wenn zwischen zwei Hebeln, der Ver- mutberung des Verantwortlichkeitsgefühls der Eltern und dem Nahrungsmangel der Kinder, zu wählen sei, so bleibe das erste noch immer dc s kleinere Hebel. Bei der Speisung handelt es sich um die Grundformen der freien und der entgeltlichen Speisung und nach der Zeit der Mahlzeit um das erste Frühstück für Kinder, die ganz nüchtern: zur Sckmle kommen, um das zweite Frühstück und um die Mittags- mahlzeit. Wie sich diese Formen im einzelnen entwickelt haben, wie nach und nach eine erhebliche Zahl von Städten zu irgend welckcn Formen der Schulspeisung übergegangen und, legt die Berichterstalterin ausführlich dar. Tie Grundlage ihrer Darstellung bildet eine von der Zentralstelle für Volkswohlfahrt veranstaltete Erhebung, die anberweit in dem Bericht von Kaup, „Die Crnährungsverhälttiisse der Vellsschulkinder" (Berlin 1909) »erarbeitet ist. Von den 525 Gemeinden mit mehr als 10000 Einwohnern haben 487 bie Anfrage beantwortet, von denen wieder 281, d. h. 38 Prozent, irgendwelche Einrichtungen batten. Der Umfang und der Auswand ist sehr ungleich, aber auch die Organe der Hilfe sind sehr verschieden. Während in München die weit ausgedelmte Schulspeisung eng mit der Armenpflege zusammenhängt, bandelt es sich in Stuttgart um eine bewußt schulhngienisckre Maßregel. Ziemlich allgemein wird aber die Speisung selbst da, wo sie durch Organe oder aus Mitteln der Armenpsiege erfolgt, nicht als Armenuuterstützuug mit ihren Folgen betrachtet. Vielfach sind es, wie in Berlin und Hamburg, Privatvereine, die die Speisung begonnen haben, und die von bet Stadt unterstützt werden. In Berlin, das in der Höhe der Unterstützmig vor einem Jahre den Sprung von 3000 auf 100 000 Mk. gemacht hat, bereitet sich eine Kommunalisierung mit entschiedener Tendenz zur schulpflegerischen Erfüllung dieser Aufgabe vor: auch in Hamburg sei eine Neuregelung beabsichtigt. Dann folgte als Mitberichterstatter Armenpslegschaftsrat Berndl (Münck>en), der die Einrichtungen der Münchener Suppenküchen schilderte, die auf- den Llusgang des 18. Jahrhunderts und den damals weitberühmten 9tamen des Grasen Rumsord zurückführen. Heute werden in 19 Anstalten 530000 Portionen mit einem Aufwand von fast 70 000 Mk. verabreicht, an denen zu einem großen Drittel die Armenpflege beteiligt ist. Die Speisung dauert von Oktober bis Juli und erweist sich für viele Familien als äußerst wohltätig. Auch komme er, der Redner, aus seiner reichen praktischen Erfahrung dazu, nicht die Schulspeisung allein, sondern im Rahmen des Bedürfnisses die allgemeine Armenspeisung zu fordern. (Lebhafter Beifall.) Am Schluß einer lebhaften Debatte wird eine Reihe von Leitsätzen verlesen, die von verschiedenen Setten zur Abstimmung empfohlen werden, und zwar neben den in gekürzter Fassung vor- gelegten Vorschlägen der Berichterstatterin noch solche von Kir ch e n r a t Schlosser-Gießen und der Herren Meyer und Seydei. Doch wird beschlossen, von einer Abstimmung über Leitsätze Abstand zu nehmen unb es bei der durch die lehrreichen Berichte und Die eingehenden Verhandlungen geschaffenen Aufklärung und Belehrung bewenden zu lassen. Aus Stadt und Land. Gießen, 25. September 1909. * ' Schillerfeier in ben hessischen Schulen. Die Ministerialabteilung für Schulangelegenheiten hat an bie ihr unterstellten Behörben ein ?lusschreiben gerichtet, baß bie Schulen ben 150. Geburtstag Schillers am 10. Nov. b. Js. entsprechend feiern sollen. Es wirb empfohlen, bie letzten Vormittagsstunben bes genannten Tages in einer ben bc- ionberen Verhältnissen der Schule unb Klasse angemessenen Weise bem Anbenken Schillers zu wibmen unb burch be- lehrenbe Ansprachen unb Vortrag geeigneter Gebichte ben Schülern unb Schülerinnen bas Bilb des Dichters lebendig zu machen. Auch für bie älteren Schüler unb Schülerinnen bet Volksschulen, besonbers aber für die Schüler der Foct- bilbungsschulen ist eine bem Lebensalter angemessene Feier zu veranstalten, cd. an einem früheren ober späteren Tage. Sollte man in einzelnen Orten eine größere Feier beabsichtigen, so ist der Schulabteilung eine entsprechenbe Vorlage zu machen. • • In ber nächsten Sch würgerichtSperiode werben nachstehende Fälle zur Verhanblung kommen: Montag, 27. September, vormittags 97» Uhr, gegen bie Dienstmagb Maris Nahrgang von Nomrob wegen KinbeSmorbversuchs unb Aussetzung. Die Anklage vertritt Oberstaatsanwalt Lang; bie Verteidigung führen bie Rechtsanwälte Justizrat Katz unb Kaufmann. Dienstag, 28. September, vormittags 9 Uhr, gegen ben Maurergesellen Heinrich Weisel von Fauerbach v. b. Höhe, wegen SittlichkeitSverbrechens. Anklagevertreter: Staatsanwalt Neuß; Verteibiger Rechtsanwalt Juslizrat Metz. Mittwoch, 29. September, vormittags 9 Uhr, gegen ben Taglöhner Karl Oeding von Lauterbach wegen Meineibs. Anklagevertreter GerichtSasiessor Neuroth; Verteibiger Rechtsanwalt Dr. Leop. Katz. Donnerstag, 30. September, vormittags 9 Uhr, gegen ben Steinbrucker Wilhelm FraaS von Lengfelb wegen Sittlichkeitsverbrechens. Ankläger und Verteidiger wie im vorhergehenden Fall. Freitag, 1. Oktober, vormittags 9 Uhr, gegen den Gemeindeeinnehmer Karl Schäbbel L von Altenschlirf, wegen Verbrechens im Amte. Anklagevertreter Gerichtsassefsor Neuroth; Verteidiger Rechtsanwalt Scheer in Lauterbach. * * Zum Fall Kreuz. Wie wir schon mitteilten, ist leider der Fahnenträger des 3. Bataillons unseres Regiments, Vizeselbwebel Debus, am Donnerstag zu Marienburg im Westerwalb seinen Verletzungen erlegen. Die Leiche würbe in bie Heimat nach Eberseschbach, bezw. Dillenburg verbracht, wo am Sonntag nachmittag bie Beerbigung ftattfinbet. Man hat bem Musketier Kreuz, ber in Darmstabt in strenger Haft gehalten wirb, Mitteilung gemacht, baß er burch seine schwere' Tat einen Menschen getötet hat, boch soll bieS aus ben Täter äußerlich keinen wahrnehmbaren Einbruck gemacht haben. Der gegen ben eigenen Unteroffizier von Kreuz geplante Racheakt hat nach besten Gestänbnis barin seinen Grunb, baß bieser ihm vor einem Jahr zu brei Tagen Arrest verholfen habe. Er will ben Gedanken, sich deshalb zu rächen, bie ganze Zeit mit sich herumgetragen haben, boch bestreitet Kreuz, baß es seine Absicht war, jemanb zu töten. Tatsache ist weiter, baß m Großseiffen ein Zivilist bem Kreuz einen Zivilrock geliehen hat, ben bieser bei ber Tat getragen hat, um nicht erkannt ;u werden. Die kriegsgerichtliche Verhandlung des Falles findet, da es sich um em schweres Verbrechen handelt, am Sitze des Gerichtsherrn ber Division, also in Darmstabt statt. ** Einen Blumenflor von entzückender Schönheit > bieten zuteil die Philosophenwaldwiesen inr schmucke tausender von Herbstzeitlosen, die an arme t* ff ist ein ton cd - all, ^crgflu 22. in brr. verkehrten 3ufl eingefbegrn!' 1 9 ty Ibl^O 46L&O II 1' S6W 12120 12,9 12,6 10,9 Canado HB... Danutadiar Boni . Doatacbe Boni . Dortmunder-Voten C. Dreedturr Bonk . 21U>> saub iu<.;o ma» 112 ue '.M* 20,0 763,4 168 763,4 13,2 KtMBbake .... Gottkardbaha Lombard. Hntlutai • •e*t ^en Men.dimhai, dieses neuen Z unon anvricn ötnije Iftonaic vor ieinem Tode würbe ibm ron dem deuiilhcn rlomul in Madras mttgdrilt, daß er in den Ken8 tute» itambattai Permoa-ns gelangl fei, oder der alte ’Juuic&ler nngeite ltdk irgend eine 2krbmbun$ mit der Außenwelt auuunrtTmoi und starb einsam und pcrlaiwu von icder £)ilf«, nnc er gelebt. • Ter richtige schnaps für Buben. Irgendwo im Rhrintil traten opt einiger Zeit in cm Rcraurant ein paar Bürschchen, kaum drei Säie doch, ließen den t^rl^bnbetbmmen und beirr Uten ledes gwßartig einen cchnaps. Ter Wirt, cm nnhiger 'iRann, gebt dann ober lächelnd zur Türe dinaus. um, ime Die Herrchen meinten, das Berlaiigte zu holen. 'Rath einiger Zeit lehne er mit Milch und Brot zurück. Er ürliieret ihnen aus dm Tisch mit der ^cmrrkumi „Das ist Euer schnaps!" Mit bo1 . M&80 . .62.70 Tendeni; tert, ober wir Mil. Berliner Börse. ». SopUeber. Antongokerwa Börsen B)ochcnbericht. Frankfurt a. M., 24. Lept. Die vauisebewegung der deutschen Börsen nimmt ihren Laut Wie sehr die weitere Auswänsbetvegung der Kurie centartet war, beweist der Gleichmut, den die Bönc gegenüber der TislonterHöhung der Reichsbank an den Tag legte, und der Umstand, daß btc Börse nur noch auf solche Ereignisse reagiert, die die Tendenz günstig deeinslussen. Auch vom Publikum gelangen tagtäglich zahlreiche Aaufordcrs an den Markt, so daß ihre Ausiunrung die ilutic steigern muß. Wenn btc Diskonterhöhung der Si. ich » baak ohne Eindruck gcblseben ist, io kommt dafür in Betracht, daß man durch das twrangeqangtne Unlieben des Privatoiskonts und die zunehmenden Ansprüche an dir Reichs bank genügend vorbereUet war, überdtcs für den verbsl cm 1 > iger Diskont nicht» Außergewöhnliches bedeutet. Immerhin häue die Warnung der Bankleitunq doch mehr Auf- mrrtmmkit verdient, aber d,e Anregungen, die anocrerscus die Aufmerksamkeit der Börse m Anspruch nahmen, waren so groß, dan auch die Mahnung ungehört verhallte. Unter diesen Anregungen war vor allem der Abschluß des Phönir, der die Zuversichtlichkeit noch weiter steigerte. Das Werk, das mit am stärksten unter der Ungunst der Bcrhältnisse zu leiben batte, bat Der Börse eine lieber rajchung gebracht, indem die Absänuß- uhrrn erkennen ließen, daß es dem Phömi dank bet Einholung großer Auftrage in den legten Monaten gelungen in. die vorherigen Ausfälle auSiuglrichen. Tabei wurden Abschreibungen i und Bortraa reichlich bemessen und die Dividende entsprach durchaus den Zinern der Büaui Wenn unter diesen Umständen das h- Meteorologische ^eodischtuttgen der ctatieii Wichen. 26. Septeiebw. 1.13 Ute Hlektrii. Ixhmejer . . . K’.ektm. b«*hurkert . . . L».thw«il«r B#nr*eri . . Gelenkin? hol Krgoerk . Homburg - Ae«rik Pökelt Horpeoer Bergwerk. . . I^urohtitu . .... - » . Nordd Lloyd . Dbersebko Kiwo ladurtrie Iteriieer Hoadetego» . . l>erm«tidter Boek . • . l'cuUrhe Boek . . [>tntiek • Amol. Book . . l'iekmito - K-'T.moedlt . • Dradaer Baak . . . • Krrditaktioa..... Boltheoce- ued Okto- *** ------------—---- Telefonische Kursberichte dee tlwieaer Aaielgera, mitgeteilt «6 Jahre all. sicher Sira c 74. — 21. '.Inna Lavier, nunubcu Stellen so massenhaft cufrr tat. daß sie da- noch sommerliche Liesengrnn mit einem lila 3d)ki*r überdecken. Ter nasse Sommer scheint der (Fntnndl^n; der V'lan^e besonders flünftifl gewesi n yi sein. « ne*, mit Johanna Güssinger in Selters. — Unul SchrÄsr. Sauw-rcke: in Herten, mit Mana Seipel in Gießen. — 22. narl Raufmann in Jranf’urt a. M.. mit Lutte MüUer m Gießen. - veinnch i^ogd. tZuhnnann, nut Elisabeth E^rück, geb. xrambg^ beide in Gießen. •cberc«. 5
L September 0*5 • schlechte Ausrede. Irtan: „Mit hast du t-orgematbt, einige ^agc in dir .‘Üpcn zu fahren, doch bin ich dahinter pr- komnlcn, daß du dich emige iagc in iterlin hcrumgctrieven ball?' — Matte: „Sei nicht bös, liebes Weihcrl, ich bin da am Bahnhof U4 10 04.0.» V4.2) h»JU KMb 0*10 kuo »4*0 EigkNkltch war es dock furrhtbar ulkig! Denken Sie sich em Nemes (WaHbeu» Tie «at rube ** butdjnaktrn buftt erkalte,en Men'chen üt<**uAt I* j atzen e: Ät*rr* tkifttüm aus dem ■Red-al bann nach einet, bann ernte derer und ichl.esilich Iah die eanv «cteiUtei« da and lurW t*dMiüen. Und was 'all Utz Jtznen lo»ew. auch m* «tert hat «achieU von der Erkaltuna erbaiiL ur.b bante « doch nur den 2ebenem, die eben «u den not»takte» Keiteremnsiien eebdrtn JaoS schte Zobenrx taatt *■ •ar * Ol» m jebtr Ärotbetc Traten« and Mmerateten ■■■•______________________________________________ " M - ’ h •« Tgchnikum Bingen rütmlni , ihler. MKn " t« <.n« t««r«nx TtoWW^ ' _____ bei Epcperiabnen mit dem Aeroplan portJbtuf» Inn burtmu *ie| Rof:u”ie -ib aus einem pemlich starken »eroebt aesertrgt. das Init und warm zu gleich ist tmO daher vor irter Wöllmn m der .treten turuhen aus weichem VokUloß. Schierer türicn beim fliegen nicht getragen werken, da sie sich in die L>ie nor. Hrhllrphoke. »etertnu l>r. Schäfler. 1 kiuaart 9. nelautet. -- —-—————————— 3n den Zchatzhausern öcs zerstörten Messina. bH Millionen au Aftertcn und ' iniickfachen ruhen in Den fünf verschiedenen Depots, den „Vohlen der Miltämm" von Messina, in ixnat das herrenlose Wut. das unter den Trümmern ber unalücNichen Stabt gefunden nnirbc, aufgespeschert und sorg- sültrg bewacht wird. Reben dem kolosialim Depot von «runden, die nicht fi'nntlidK Üßcrtaci' muiitk- dorsteilen. Ivie Maschinen. Massen, Bildern, etalueu, '2iud)n:n, Stoffen, Lösche, $bi|ihnitrumcntnt, Jabniitk-xn nsw. sind in fünf nriinim Depots die ißtrtgMfli' irdnbc, Bar»v Id imb Äertpavnre, Wvlb und Jimvlcn, unter ,i-'bracht Jette von ihnen, so UbiiiVrt fir en« iSttinlxilrr des liorrierr 6' JuiUfl, brr sic ,'ingsl besuchte, eridk*tnt Ivie ein Leid Hous ofH-r audi ww ein 'Ikiletwftonu wir chnaäuszeit. Rings n Eisenmarkt, ein erstmaliger «.naeM auf aneon b? Sdnottabitblu? der Union m England, btc Erhöhung der bei- hrttS '»Hib Z'nkprcse und die trotz der angesammelten Borrate nicht Ä ZÄTm X Ä) I unafmfnge Entwicklung des «npsermarkte. Lvmptomc be# Jotr .inn-denMitiiru und versiegelte Pakete mu ^'bmucksachen, deren mngs her ro i Tt | d> a f 111 Millwnen angenommen Ju Iausdlcben können, wenn eure Börienbewegunci so gründlich allen tünf Devot» l«en gegen 10 Millwnen in Banreld. Mil- a"genu»t wird, wie b.es iutk.I ^chtetzt Ter danfsetenden lioneu in Nentenp.ivieren. ;> Millionen tu '^erlgeaenswnden und allerdings kommt zu stallen, datz Gnga- austerdem die vielen verschtossenen i4rlbi(tx.:nfr und ctipa MMX1 }“u‘,nl* ®nflf’id)to bet nod) J’*1”’*0 nernegdte Paßte, deren wertvoller Jnbolt noch nicht genau ^«rkt S au» leine cjioierigl'eittii tlbM. lodstz cs ®H«Ihrn- feftgeitdlt ist Alles m allem kann man iu den 10 Millnn.u delitzern leid» gemacht "nrd. ihre betrdchtlrchen Er^zagements .in r'imüelktm J^rrten imnbeftrn.' die gleiche Lumme für die l durchzuhalten. Veronbers lebhaft ging es auf bem M o n t a n - noch nicht adgeschützlrm, .m ganzen al so etwa 80 Millionen markte zu. auf dem sich die Spekulation zeMveib fialhrrt Ttdmnt. Und dreie -chö^. b.c deute in den Depot, lagern, gebdrdete «»ch andere Jn duKrtrvapt c r e würben lebhaft bilben mn einen Teil von den Sieichuun rn der begrabenen Stadt: ItekanN und im Stunt baauhn »t Bo u kaktien wurden eben- balei banbelt es sich hier lediglich um den privaten Ve'itz.I^lls_ höher bezahlt. Bon Tra nspo rt werte nerd'clt sich Nickt auch um ine reichen si.rchenjchöde und die jkik-tümer brr pur -chofohrtsaktien das Jntereiie an0 amerikanische Bahnen 'Mflnfm, gie sofort ihren Bentzern iv-.eder »unlxfte^lxn werden waren begünstigt, wahrend das W.ichd't in österrrtchuchen Bahncn tonnten. Eine ganze Berwalrungsbch, id man- zur ^ichtrn. i und «was ruhiger lag Jät heimliche und fremde «r o n ds herrschte Cicnung dieser c«ttioe notig Dazu komm:, daß u. kt^der ed.-nialls nur geringes Animo Privatdiskonto .H«** I - - - ... , . , A nie ptde Millwnen noch aus schütt und Trümmer ans Tages-1 ^amilicti«namricrtcti. licht {texten nvrben' Messina n*ar eine Der w«bl!rn skadt ! Verlobt. 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