Erstes Blatt ISS. Jahrgang Mittwoch 21 S 4 ■ e tS General-Anzeiger für Gberheffen =5 Die heutige Nummer umfaht 10 Seiten. KL gelotet lvurde, i|t von Leiche zerstückelt worden Tie war. » Günstigste ras £«S Otto Hessische k 1 ä'S' 55 7c C * Marokko. König Alfons ist nach Madrid abgereist, um dem Ministerrat zu präsidieren. Auck Ministerpräsident Maura hat sich aus Santander nach Madrio begeben. Tie Nachrichten aus Melilla machen Frosten Eindruck. Neue Verstäriüngen werden sofort über Malaga nach dem Riff abgehen. Augenscheinlich ist dec ganze Riff im Aufruhr. Spanien wird 50 000 Mann auf die Beine bringen müssen, um wirksam kämpfen zu können. Der Kampf bei Melilla zwischen den Spaniern und Mauren dauerte 12 Stunden: im ganzen waren daran 2000 Spanier und 6000 ?Nauren beteiligt. Diese bewiesen eine ganz hervorragende Taktik, indem sie unter guter Benutzung des Geländes durch Scheinangriffe die Aufmerksamkeit von der Stelle, wo der Hauptangriif erfolgen sollte, abzulcnkcn suchten. Tiefer begann gegen 9 Uhr abends. Trotz^des mörderischen Artilleriefeuers drangen die VUruren mit größter Todesverachtung durch die Traht- Gretzettev Stad.theater. Prima Ballerina. Operette in drei Akten von M. Reimann und Schwarz. Musik von Otto Schwarz. Hindernisse der spanischen Hauptstellung vor, so daß es an vielen Orten, auch bei den Geschützen, zum Handgemenge kam. General Marina war unaufhörlich in der vordersten Front und spornte die Truppen zum Aushalten in der Verteidigung an. Um 3 Uhr morgens war der Angriff abgeschlagen. Tie Streitkräfte der Marokkaner bei dem letzten Kampfe bei Melilla betrugen über 6000 Mann, während die Zahl der spanischen Truppen, die ihre Stellung verteidigten, sich nur auf 2000 Mann belief. Gin spanischer Unteroffizier, der von dem Feinde ictötet lvurde, ist von diesem ^ortgeschleppt worden, nachdem die ie Mauren versuchten, die Leichen - teile zu verbrennen: es gelang jedoch den Spaniern, den toten Kameraden dem Feinde abzujag^n. Auch die Marokkaner erhallen Verstärkungen, besonders von algerischen Kabylcn. Ter heilige Krieg ist proklamiert worden und ein kräftiger Widerstand der Marokkaner dürfte zu gewärtigen sein. Bei der Einschiffung von Truppen nach Melilla kam es in Barcelona zu Zwischenfällen. Junge Leute rotteten sich zusammen und zogen mit dem Rufe: „Rieder mit dem Krieg!" durch die Straßen. Die Polizei trieb die Menge auseinander und verhaftete mehrere Personen. 2.-! 3 Nr. 168 ?t-r Gießener Anzeiger «rscheinl täglich, außer tzonnlags. - Beilagen: i iconfil wöchentlich LießmnLamilienblliUer; -weiinal ivöchentl.llreir- tlaitiütdenllreisGietzen f. icnstag und Freitag); jwcimal moitatl. Land- virtschas!ljche3eitscagen slernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlagu.Expedition 51 Adresse für Depeschen: rinzetger Gießen. Annahme von Anzeigen isböi-Äck :ßg, Mittwoch u. Steil: bei \* sbäcker Noll, Mäusbur» Juli 1909 .rf.f sehr stürmisch. Die Haussuchungen bei der griechischen Bevölkerung werden von den türkischen Behörden energisch fortgesetzt. In der Umgebung von Kacallria beschlagnahmten Soldaten versteckt gehaltene Grao-Gewehre und verhafteten mehrere griechische Dorfbewohner. Ter neue persische Herrscher iit am Dienstag nachmittag unter großem Jubel der Bevölkerung aus Saltanata- bad in Teheran ecu gezogen u.io hat im Palais Wohnung genommen. Die Rationalisten und Bachliaren brachten ihm lebl-afte Ovationen dar. Ein Zwischenfall hat sich nicht ereignet. e =5.V Mein Lager von tüWM Mi Wd" ta Marken Dürkopp, Weil, Mars, Triumph „itundohneTorped«- Freilauf Garantie,verkaufen* heute, um * räumen, b°^ unter Preis. P«/. <5 _ S e u C " " 4)^ Sdäjj >ieSlciben nAÄh' die Pflicht, Garantien zu fordern, bevor sie die von chr verlangten Mittel bewillige. Ministerpräsident Eiern en- eeau wandte sich in scharfer persönlicher Rede gegen Del- ccrfse, indem er sagte, die Kammer möge erklären, ob Telcasse, welcher durch seine Politik Frankreich zu der Demütigung von Algeciras geführt habe, das Recht habe, einer Regierung den Vorwurf der Sorglosigkeit inbetreff der Vorbereitung der nationalen Verteidigung zu machen. DelcassS erwiderte mit heftigen Angriffen auf die parlamentarische Vergangenheit Clemenceaus und erinnerte an dessen feindselige Haltung gegen F-erry. Hierauf rechtfertigte Delcasss seine eigene auswärtige Politik. Sodann wurde zur Abstimmung geschritten und die Priorität der von der Regierung angenommenen Tages er Jourde mit 212 gegen 176 Stimmen abgelehnt. (Große Bewegung.) Ministerpräsident Clemeneeau und die übrigen Minister verließen den Sitzungssaal und boten alsbald gemein i am ihre Demission an. Präsident Falliörcs nahm die Demission an, ersuchte aber das ^babinett, einstweilen die Geschäfte weiterzuführen. Er bat Clemeneeau, über die politische Lage mit ihm zu beraten. pcter Kronen^ Tel 680 Süd-W Was Ausstattung und Darstellung zu tun vermögen, um einem neuen Bühnenwerk den Erfolg zu sichern, das war bei der gestrigen Erstaufführung der PrintaBallerina geschehen, nnd so ist es weiter kein Wunder, daß es auch Md dürftig und auch die Ausführung zeigt an keiner Stelle eine einigermaßen angenehme Fülle. Ein richtiger, schrnäch- tiger Operettentext, über dessen Albernheiten man hin und nieder einmal lacht. Die Musik ist ziemlich oberflächlich und im allgemeinen .tickst viel wert. Recht hübsch ist das Kuß-Duett, das Oalzerquartett und das Vorspiel zum dritten Mt. Da ist Lcurte und Melodik. Auch das Lied vom Hahn jifstl ganz Die Zuschauer unterhielten sich sehr gut, denn mit fMfe einer kunterbunten Verwechselung ist immerhin eine Mrütlick)e Spannung gewahrt, bie dann in einer schließlichen Verlobung chr gutes Ende findet. Leitung und Darstellung hattcn alles aufgeboten, was ton Erfolg sichern kamt, wie sich denn überhaupt die feit» irrigen Operetten einer ausnehmend guten Einrichtung zu eirfreuen hatben. Tie Bühnenbilder waren geschmackvoll iub farbenprächtig zusammengestellt und verrieten den fEigen Regisseur, der sich eine weise Beschränkung.aufzu- erlegert vermag. Fränzi G r o ß k o p f spielte die Prima Ballerina mit guter Laune und fand in Bruno Hildebrandt al8 schneidigenc Ziethenhusar einen tüchttgen Partner. Recht Msch und humorvoll, wenn auch etwas übertrieben, war Kichard Hel sing, der auch die Leitung hatte, in seiner trottelhaften Rolle als Roderich und Edgar Pauly als Wachtmeister. Lore Scholz war eine reize icke „alte Schachtel" und Gret-e Brill ein sehr nettes Mündel. Willy Sch wind war als Peter reck)! gut und brachte namentlich das Lied vom Hahn sehr hübsch zur Geltung. Von den ülrigen wäre noch Paul Urban als Ballettmeister zu er- wähnem Die von Lina Oldini getanzle Gavotte wurde sehr schön ausgeführt und fand auch sehr starken Beifall. Das Orchester lvurde von Alfons Mourot flott und sicher geleitet, und so vereinten sich alle Kräfte zu einem hübschen, freudigen Gelingen. N. Max Klingers Mrnumentü!gema!de. Dy. Leipzig, den 15. Juli 1909. Unter den glänzenden Festakten, die das Festprogramm der dreitägigen Universitätsjubelfeier in Leipzig vom 28 —30. Juli vorsieht, vermißt man mit einigem Staunen die feierliche Enthüllung des aewaltigen Wandbildes, das der gründlich erweiterten Aula der Universität von Max Klingers Hand beschert worden ist. Es ist einstweilen nur von entern Festakt in der Wandelhalle der Universität am Morgen des 30. Juli die Rede, bei dem das Standbild des Königs als Rektor mggnificentissimus (von Prof. Seffiter; enthüllt werden soll. Bon einer Feier in der Aula aber verlautet nichts — und doch bedeutet die Fertigstellung des Ricseubildes, an dem DLax Klinger feit drei Jahren malt, ein künstlerisches Ereignis von so weittragender Bedeuttmg, daß sie ganz von selbst als die Höhe dieses iocitangelegten akademischen Jubelfestes erscheinen müßte! In den neunziger Jahren bereits war die Regienmg an Klinger mit dem Austrag einer Ausmalung der Aula zum 500 jährigen Universttätsjubiläum herangetreten; cs zerschlug sich indes jener Plan, um erst vor etwa drei Jahren wieder aufeutaudjen und nunmehr feste Form anzunehmen. Seit jener Zeit arbeitete .Klinger an dem großen Wandbild, das zum erften Male seiner- lange gehegten Sehnsucht nach einer £ei|tung größten Stils auf dem Gebiete der Mowumen.almalerei Befriedigung gewähren sollte. Man hat ihn als den genialsten Graphiker des modernen Deutschlands gebührend gepriesen, hat seinem eigenartigen bildhauerischen Schaffen Aufmerksamkeit und Anerleunung aezollt — nur dem Maler stand mau zögernd und imeittschlossen gegenüber. Sein „Christus im Olymp", fein „Parisurteil", die „Blaue Stunde" regten in ihrer Zwitterstellung zwisclwn Monumentalmalerei und rein koloristischer Pointierung scharfe Diskussionen an, aus denen sich eine bündige Klärung des Urteils nicku ergeben wollte. Um so mehr lag es Klinger am Herzen, einmal in größtem Umfang darzutun, was ihm als Maler vorschwebte, einmal zu beweisen, was er auf diesem Felde künstlerischer Tätigkeit zu geben imstande sei. In dem ihm von der Stadt erbauten Atelier mackste er sich an die Arbeit, entwarf die Kartons zu dem zwanzig Meter langen, sechs Meter hohen Bilde, das er dann im Lause dieser drei Jahre vollkommen eigenhändig, auf alle sonst üblichen HUfskräste verzichtend, vollendet hat. Ende Juni ist nun die Rieseuleinwaud ans dem J-nterimsatelier in die Ank» über führt worden; dort legt Sthnger zurzeit die letzte Hano an sein Werk, immer noch ändernd und aroeitend an den Details und vor allen Dingen die harmomsckte Einfühntng in den etwas bunten Deforationsstil der Aulaarchr- te'tur überwachend. Das Gemälde, das 4Vs Met^r über dem Boden in die den Fenstern gegenüberliegende weltliche Längswand der Aula cin- gejügt und von wrinthischen Pilastern flankiert ilt, geht unmrttel- bar 'in die Heimat des Klingerschen Schaffens zurück, es zaubert oie großen Zeiten des alten Hellas heraus- Aber das Charak- Dsutsches Reich. In österreichischen Blättern wird ein Besuch des deutschen Reichskanzlers bei Kaiser Franz Josef ungetündigt. Es ist richtig, daß Herr v. Bethrnann-Holl- weg sich mit der Absicht eines solchen Besuches trägt; über den Zeitpunkt der Ausführung aber steht noch nicksts fest. Ebenso ist noch nicht bestimmt, wann der Reichskanzler seinen Wunsch, sich dem König von Italien vorzustellen, ausführt. Vermutlich erfolgen beide Besuche int Herbst. Der Kais er ließ dem Fürsten Bülow ein prachtvolles Blumen-Arrangement überreichen. Tas Fürstenpaar ist am Dienstag vom Parkhotel in Kleün-Flottbeck nach dem Dampfer Augusta Viktoria gefahren, um morgen die F^hrt nach Norderney anzutreten. Sie kehren Mitte September für wenige Tage nach Klein-Flottbeck zurück und begeben sich dann nach Italien, wo sie den Winter verbringen werden. Von verfch-iedenen Zeitungen ist die Nachricht verbreitet worden, daß die preußische Staatseisenbal)nverwalrung beabsichtige, in Eit- und Personenzügen die Frauenab- teile äbzuschasfen. Wie die „Nordd. Alla. Ztg." erfährt, ist von einem solchen Vorhaben nichts bekannt. Bei der gesttigen Reichstagsersatzwahl im zweiten pfälzischen Wahlkreise (Neustadt a. H.) fielen auf Dr. Oeh 1 ert (Ver. Lib.) 9105 Stimmen, auf Huber (^oz.) 8384 Stimmen, auf Dr. Lehmann (Bd. d. Landw.) 2487 Stimmen und auf Sieben (Ztr.) 7056 Eitimmen. Eine Reihe Ortschaften steht noch aus, doch dürfte Stichwahl zwischen Dr. Oehlert und Huber erforderlich, sein. Das älteste Mitglied der bayerischen Kammer der Reichs- räte, General der Infanterie von Fri-es, ist im 86. Lebensjahre gestorben. Die Nnanzkommission der württ. Ersten Kammer hat einftimmig beschlossen, von der Denkschrift der Regierung über die Bildung eines deutschen Staatswagenverbandes Kenntnis zu nehmen unter folgeilder Erllarung: Die Kommission sieht in dem Verband einen ersten Schritt auf dem Weg zu einem engeren Zusammenschluß der deutschen Eisenbahnen. Sie ersucht die Regierung auf die Errichtung dieses aus nationalen Volks- Die Nordlandsahrt der Kaisers. Die „Hohenzollern" ist am Montag nachmittag 5i/2 Uhr tei schönstem Wetter, von der Festung und dem Panzer< I sch ff sjiorge mit Salut empfangen, in Bergen eingetroffcn I Lnb rin ihrem gewöhnlichen Platze vor Anker gegangen • ’akurzem Besuch des deutschen Konsuls Mohr und des -ommaudanten Generalmajor Rissen bestieg der Kaiser s iie Swaluppe, um den gewohnten Besuch bei seinem alten » Bekannten, dem Schirmfabrikanten Eriksen, zu machen. Bei | .ier Landung geriet die Schaluppe in den Schären fest, mrde jedoch sckinell iviedet flott, ohne sichtbaren Schaden I -enommen zu haben. Der Kaiser verweilte zwei Sttmden Eriksen. Um 8 Uhr ging der .Kaiser wieder an Bord V 5n ig Haakon traf um 12i/j Uhr in Bergen ein, wo | ,-r vom Minister Treutier und dem ehemaligen Minister ich eisen an der Station empfangen wurde. Der König .. nafon stattete alsbald dem Kaiser an Bord der „Hohen ( allein" einen Besuch ab, den der Kaiser sofort erwiderte. A 1 n 1 Uhr gingen die Majestäten an Land. Um 2 Uhr ; „ab der König zu Ehren des Kaisers auf Floeien bei | ’ ergen ein Frühstück. Bei der Frühstückstafel brachte König jaaton in einer kurzen Ansprache/seine Wünsche für einen \1 i igenehmeri Aufenthalt Kaiser Wilhelms in Norwegen zum I ins druck! und trank auf das Wohl seines Gastes und auf |l .aö der kaiserlichen Familie. Der Kaiser dankte für den II iftfreicn Empfang und sprach seine besten Wünsche aus ir Norwegen und sein Königshaus. Llm Abend fand ein I Tiner an Bord der „Hohenzollern" statt, zu dem außer |l utm König Haakon und seiner näheren Umgebung auch • üiaatsminister Attchelsen und Konsul Mohr geladen waren. 1 Der Kaiser fährt am Donnerstag mit den: König auf || her Bergens bahn bis zur höchsten Gebirgs-Station Finse. Der Sturz öcs französischen Ministeriums. Das Ministerium Clemeneeau, das sich seit 20. Oktober -H f 06 — eine für französische Verhältnisse ungewöhnlich lange U tdt — im Amt befindet, ist gestern zirrückgetteten. Es > : nrzte, weil ihm die Kammer bei der Absttmmn.ng über die I Il iitersuchungsergebnisse der Marinekommission ihr Ver-, -men versagte. Die entscheidenda Kammersitzung rnrhrn Wsslgenden Verlaus: In der Verhandlung über die Marine hat endlich der ■ lllarineminister Picard das Wort ergriffen; er wendet ■ : d) gegen den Pessimismus, der besonders im Bericht der 5 1 itersuchungskommisfion vorherrsche, und bemüht sich, den .ündrtlck dieses Berichts zu mildern. Im weiteren Verlauf 4 )cr Beratung errtärte Emmmruel Brousse, Frankreich habe ■ '.r' Milliarden für die Marine aufgewendet, besitze aber in ■ Lahrtzüt feine Marine. Als Heilmittel schlägt der Redner H;)»r, die Politik aus der Marine zu verbannen. Sodann dlte Delcasss eine herbe Kritik an der Flottenpolitik 1 ter hrei vorhergehenden Minister. Er erhob Sen Vorwurf, « teß für den Bail kleiner Schisse und für die häufige Aende- jj :mg der Pläne für die großen Kreuzer und durch schlechte || ^'llswahl der Schiffskessel große Vergeudung getrieben wor- 1 ten sei. Die Regierung habe ihre Pflicht verletzt, indem sie glicht geeignete Maßnahmen getroffen habe, um Unglücks- 11 falle wie bet der „Jena" zu verhüten. Die Kammer habe teristische ist und das prachtvoll Künstlerische dabei: nicht die Menschen spielen hier die Hauptrolle, sondern die Natur, die in einer ganz wundervoll konzipierten und aufgebauten Landschaft vorüberzieht. Links schweift das Auge über ein in Sonne und flimmernden Lichtduft getauchtes blühendes Jnselland, schim- membe Gestade heben sich aus dem tiefblauen Archipel, ein Land ewiger Schönheit und Jugend breitet sich aus. Nach rechts zu schließt sich der Grund, hohes Gebirge umrahmt eine waldige Wiese, aus deren Vordergrund ein ticfdnnkler Teich mit sckpm- memben Lichtern hervorleuchtet. In diese Landschaftsdichtung sind nun zwei Szenen aus dem geistigen Leben der Blütezeit Griechenlands hmeingeflochten. Links Homer auf erhöhtem Felsen - sitz, einer Schar von sitzend lauschendem Jünglingen in erotischer Begeisterung mit weitausgestreckten Armen seine Gesänge zitierend, während vor ihm, aus den Fluten heraus, Aphrodite, den blauen Schleier lüftend, empocsteigt. Rechts auf der Waldwiese zwei ernste mäckstige Gestalten: Plato und Aristoteles, denen ein junger Schüler die Ankunft des in voller Rüstung Herbeiellen den Alexanders des Großen ankündet. Es ist also eine VerharrlicchinJ des griechischen Geisteslebens, die Klinger in diesen 37 Gestalten hat geben wollen, und dieses Thema paßt ja für die akademisck-e Oertlichteit, für die es geschaffen, vottrefllich. Dennoch, dem Künstler Klinger mar es nicht um Gedankenmalerei zu tun — er wollte vor allem als Maler wirken, daher dies UebeiTuiegen des Landschaftlichen über das Figürliche, daher auch dies Hervortreten des koloristischen Elements, das dem ganzen Bilde seine besondere Wirkung gibt. Es sind ftöhliche, starke, ungebrochene, prachtvoll weinarrderklingende Farbenakkorde, die auf dieser Leinwand aufbluhen, sie fesseln das Auge, ehe es noch daran benfr, sich die tieferen gedanklichen Reziehurrgen Har zu machen. Und doch liegt zugleich ein monumentaler Rhythmus der Linien in der großzügigen Gliederung des landschaftlichen Aufbaues. Deutlich sieht man mut, wohin Klingers malerisches Streben drängte — er hat in diesem llniversitatsbllde, darüber kann gar kein Ztveifel sein, eine Höhenleistung der koloristisch beseelten Monr- mentalmalerei vollbracht, die seinen Ruhm auf eine neue und breitere Basis stellen wird. Die Leipziger aber haben alle Ursache, dessen bei ihrer Jubiläumsfeier gebührend eingebenf zu sein. * — Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. Die ftühere Leiterin des schleswig-holsteinischen Museums für vPrrländische Altertümy, F-räulein Prof. Mestors, ist in der letzten Nacht im Äebensj'r.bre in Kiel gestorben. — Der siebente Kongreßon xht in einem Au^.hn und Mannschaften. die dem drsurtren, ihre Adrrss? fmrKi Hörigkeit unter Kn gäbe bc« t irrer < Skabron und ihrer g üiegiment bis längftvuv l". für Iuiiiäu em Hoch aus die Veteranen au«. — Hungen. 21. Juli. Bezüglich de« Schuld«u«» nüge zeigte. Nachdem em Fräulein mit einem passen de» Erdicht die neue Fahne dem Verein übergeben hatte, foil bie Weihe durch den QrtSgeistlichen statt. Sodann begatu da« Volksfest. Tie Pausen wurden durch schöne »Gesänge der Gesangvereine von Nieder-Lhmen und Weiter-Hain a iS -efültz. Später brachte Kamerad Mässig von Nüdding«hausen noch 'Bntrbm» Tno tvmnianba bei Regiments tvenbet der klassischen Philologie zu habilitieren wünscht, nxrb am Mittwoch, 2l. Juli, um 6 Ubr in der Heinen Aula feine Probevorlesung über »Die Technik der ariüopbant» schen Komödie holten. •• Ae gim c n l . s u b i l a u m Das Leib-Drogo- n er-Regiment Nr 2 4 ?. öroßh Hej' in Tarmuabt iw-gcbt am V Iauuar 1910 die Frier seines LOsäbrigeu - u n ge n zu r Re ck» t-a n wa l - s cha s t Am Er ’X-bcr.rbmen und : ; 30 Vereine, alle mit ,i- Freiherr b. qul genwhlL Em reicher Tamenllor verschönerte de, schenck zu Schweinsderq zu Gießen bet dem Amrs- - —. . * 3 geeicht £'iuierbad), am 7. Zull wurde der »rubere ReckUS- anwalt J^riebr. K«rl Ft i che r ;ti.. < m Weihei eb, und dann ergtiN nach den üblichen Begr.i'zuntzM : n1J V.T“Ä b~ Cn«. uni »«" Mchuffc» bor C^noffm um ben .rfbll-e:r^ 1 : M ’ X 1 1 ... ,zu dicken, Termin am 26. Juli, nachmittags -U'chz-'t'ü au« ganz Europa. Vom 1. August an llr.chm ,, in Justiz; Ghcroestegules Unterricht. 21 us Stadt und Sand. Gießen, 21. Juki 1909. Tic Cftroicinnabmcn 190M 09. Der Bericht über den Ertrag der Verbrauchsabgaben für das abgelaufene Jahr ist erschienen. Tanad) ist eine Einnahme von 126 291.71 Mk. zu ver, ichnen, 1816 Ml weniger al« im L^orjahr. An Rückvergütung für Wieder ausfuhr wurden bezahlt 1^'' 15 Mk., 331 11 Mk mehr zu verzeirtineu ift. Im Einzelnen stellen sich die Einnahmen (44 757.9«: — ‘11? 70 i'Jif), von Mühlenfabrikiten und > vif er 6166 32 Mk 4686 03: 180.29 Mk. , von 0 -tränken 17 ' III FleisclHvarcn 2361.6.3 Mk. U*>61 37 Mk. , Brennmaterial (87624 Mk , Mühlenfabriklite und Hafer 2080.38 M.iixrrf (2321 H9 Ml , l''-'♦tuiile 63/1.50 Mk. (594001 Mk. . m die Milittirverwaltting für Fleisch und Holz 2159 Mark (1KO 11 - Tie Frequenz an den einzelnen Toren acht an- den vorgckomnienen Bczettelungen hervor; sie hellru sich Walltor '2136 Sfnk, Neustadtertor 13521, Neu- wogertor 3192 und Selterstor 12 116 Stück. Wegen Öktroi- iibcrtretiniflcn brunchten 45, V geigen geani 70 im Borjahr erhoben werden: cs tarn zu keiner gerichtlichen Entsckiciduiig. Nach den Darlegungen des Oktroi Insvektors Maier hat im letzten Rechnungsjahr ein vermehrter Fleischkonsum tu unserer nicht staltgefundeu, vielmehr ist der Per- brmud) von Fleisch, wenn man die starke Vermehrung der BevAleruug burd) Iuzug berucksirtnigt, zurück,gegangen. Das Herein bring en von frischem Fleisch lägt von Jahr zu Jahr nad>. Dies hat seinen (Mnrunb in der Umfttnbild)Feit, mit ber die Na Untersuchung des von auswärts e.nqc- fuUrteil Fleisches i>erlniiit>en ist Die ^ndmeyger, die in ".lesien Fleisch untrrbringen wollen, müssen es erst in da - dilndNiKni briugni Ter Mickgang der Einnahmen aus 'Brennmaterial trotz des langen und kalten Winters findet seine Begründung in ber Tanache, daß 190> 09 die Backstein- bremtcrei infolge des ^vck.us der Bautätigkeit saft ganz ruhte, wozu noch Eingehen der Brauerei «Friedel unb Aspriou kommt. Tie Einnahme aus Getränken schließt mir einem Weniger von 197.Xo4 Mk. (von Wem allem mit 167(164 Mk ab Für ben Ausfall von Fnedel u. Afprwii bringt bie Bieruicberlage von Justus Hildebrand-Pfting- stobt Ersatz. •• Die Großherzoglichen Herrschaften bc- qabm sich heute mit den beiden Prinzen-3öhneu auf etwa bnei Wochen zum Besuch des Prinzen uno der Prinzessin Heinrich von Preußen nach Hemmelmark bei stiel. Wie tue „Turmiuibbtr Zeitung" Iwn, begibt sich S. 6 ber i"roßt»erzog von dort aus zur leihtahmt an dem i tnossen, so hart biet aurf) wohl für den Emen ober H» beren fein mag, sich dabei bescheiden würden P. Schlitz, 19. Juli. Am Sonntag fand hier ernt Feucrwehrübung ber sämtlichen Wehren bd - d' litzcr vanbe« ft'tt. Es waren außer der hiesige, 16 Wehren, (»OO Mauu, mit ihren (Geräten angetrcten. außev> dem waren sehr viele Führer von Wehren au« dem st'rech ^nu»crbad) erfchienen rs war wohl ben Bewohnern des Bezirks unb ber Stadt Schliß noch nie ein berarhqrl Zchauspiel geboten worden Die Besichtigung erfolgte durch die obere VernoltuugSbel>ördk unb den Feucrw» hrmsp krsr bc - streises. Nackidem in <^ef imtererziercu flattgriunbei. schloß sich eine praktische Hebung ber einzelnen 3rriMi »m, wobei bie Zcn genau festgeslellk wurde, in der icM störp zürn spritzen fertig itxn Tie Leistungen waren PioM mit 4! Zrhmbcn, Schlitz mit 50 Sekunde mib an beregn' r- angriff der gesanilen Wehren auf einen vorher bcfiuitmini Stadtteil. Alle llebun cn fanden das größte Lob der Bs» Hörde Tic Mannsrlmften bereinigten sich i ccrauf im Zaul- bau Guntrum zu einem aernuilicheu Iusammensem ntü Könzerl, unb mich diese JVcicr verlief sehr schön. Tem Hukutachermeister Ioh ichn würbe das Ehrenzeichen f*n 25jährige Dienstzeit verliehen. Bad-Nauheim, 2V. Juli teilte begann aif bem Golfplatz am Fraucmvald ein die ganze Woche dauern» des internationale« Golf-Wettspiel, nachdem erst kürz- lid) die mehrtägigen Tennis JBettfpide tm Park beenv; worden sind. -- Gegen 60 Studiereiibe der Medizin von bei Marburger Universität beiuditcn in diesen Tage« unter Führung von Geb. Medizinalrat Pros. Dr. Moritz unser Bad, um dessen i inrubtuugcn zu fhibieren. Es i< bereits das dritte Mal in dieser Saison, daß angcbridä Mediziner ,u Studien-wecket hier weilten. Bor einige, Wodfen beehrten die Universitäten Jena uno Heidel» berg das Bad durch einen Besuch. Beim 5 ßanttläp ston;ert der ö roßh. sturknreNe Windcrstcm £rd eftm Leipzig erhielte die noci) jugendliche mitwirkende Solist» die Bivlinvirtuosiu Earlotla St »ibenrauch - Pans, eine, reichen Erfolg. Worms, 19. Juli. Heute früh wurde in ber Räbe bet Straßenbrücke die weiche eine« Unbekannten aul bem Rhein gezogen, die schon längere Zeit im Wasser gelegm ' aben muß Ta die Beine mit einem Strick zusammenae- bunoen waren unb die Lsich. an der Nase und am hn!ei Tberschenkcl bedeutende Bcrlctzungen auiweist, so bantzM es sich lebcufaU« um das Opfer eine« verbrechens - US Aller de« Geländeien imrD auf 26 di« 30 Jahre Itjchätzs I) Marburg, 20. Juli. Nach dreitägiger Tauer l)d gestern ein historische« Marburger Fest, da« sog. Ba chfc l -><•« Keherbach-Viertels, sein Ende erreicht. D'e Br.vo« -ese« Stadticil« feiern eie« Fest von 6 zu 6 Jahren z-l nnnerung an bie llebeiivälbung ber Netzerbach in M gleichnamigen Straße, Vie sich ,etzt al« schönste PeomeniW Jlatburg» von ber Sl> abethkirche an bi« in« Tal der M«. dach i:ebt Am Sonntag nachmittag zog em Festzug, bd ? :rd» die 1300 festlich geschmückten Schulkinder, btt Mri vertreten waren, reijtnb au-sah, unter ben Klängen M '"ligen Marburger L edchm« .Der Neyerbach tm vuiojeT nadi bnn am Walbabhanqe liegenden Fctplatz hinter ><• 3ahimof, wo Kaufmann Schneider einen historischen 4käck» bltrf auf die Bedeutung de« Feste« unb bie Ketzer dach, M ’*on 'm 12. Iahrhunveri genannt wirb unb eng mit Ni ^schichte Marburgs verknüpft ist gab. Gestern hirUel "ücqec unb Studenten aus der Ketzerbach einen FrühschspP» i) uii6 bann wurde wieder jum Festp.'ay gezcgen. — hncktz w.ird- hier in Anwesenheit deS Regrerungspra ^nten Grckes Beimloift der 27. Verdand«tag der Hessis chen «aifp eilen»Sc»ossenschaftze, eröffnet, lieber 1000 Irle» flirrte sind h equ erfehi. nen. Bemerkt fei, daß bie GrüntzWH ! ,!"rt uchen Vßni« jborf in bic Wege geleitet iierben s«L - ......V l’T> Prinz Heinrich - Fahrt IM. OPEL bei München ss9,7 Verlag von Emil mit mit Wetter-au -• , V ______ Cfoilo hpT und die sich daran schließenden Teile der Rhön Fritz Kremer. B-'Vt Heute Sieger Erster Erster Zweiter Dritter Fünfter, der Gesamtklassc, ebenso Sechster, Zehnter der Gesamtklasse u. Gewinner d. Wanderpreises d. Schn eil i gkeitsp rüf ung Guben-Krossen d. Schnelligkeitsprüfung hei München d. Schnelligkeitsprüfung Einrichtungen zurmsdmaltung ÄeaUerNahrunqsmittel Sltbflciitf), Pfund 38 Psg. Stalbuciid), Pfund 40 P,g. Triebplatz. Täglich Verkaui von #r* rriicfacu Kirschen. -SB! Mai^. Gießener Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung für Hessen am Donnerstag dem 22. Juli: Reuerdihgs Trübung, später and) Regen, Abkühlung. Westliche Winde. gierten 'Jlppreturarbcitcv nun größten Teil Ersatz emgestelll worden ,sl, kann der c « e r a (ft r c i f für die Arbeitgeber als erledigt Deter Ganter vor Gericht. S. n. H. M ü n d) e «, 20. Juli. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 21. Juli. Schweinemarkt. (Org.- Tel. des Gieß. Anz.) Zum Verkause standen 16^5 Schweine. Bezahlt wurden: für Schweine 1. O-ual. 76—77 Pig., Lebendgewicht GO,u bis 00,0 Psg.; 2. Qualität 74—76 Psg., Lebendgewicht 59,0—59,5 Pig., 3. Qual. 68—73 Psg. Geschält gut, Ueberstand gering. SstiasH Marburg. Donnerstag abend von 6 llbr ab, Fortsetzung des 'WX L^edskegeSiss. 1-Uhr „Stechen", msAikhe"id Preisverteilunq. Grösste Anloinobil-ZnverUssij- Leiislalirl der Sell. OPEL M Leute begann c die ganze Woche bau® spiel, nachdem cntR tipiele im Park bw; ende der Medizin m : eiuchten in diesen w# inalrat Prof. Tr. A gen zu studieren. - ■ Zaison, daß angeh« >r weilten. Bor cO ii Jena und Leid ich — Seim 5. H Winderstein M iche mitwirlende SO benrauch-Par's,e- Soeben erschienen: Illustrierter Wegweiser durch den 108 Konkurrenten. OPEL gewann fast die Hälfte aller Preise. Adam Opel, Rüsselsheim. OrSgLnal-Drahtrnel-ungen. Neustladt a. b. $., 21. Juli. Nach der amtlichen Berechnung erhielten bei der gestrigen Reichstags' e r s a tz w a h l O e h ler (natL) 8854, Lehman n (B. d. L.) 2088, Sieben (Zentr.) 7129, S? über (Soz.) 8300 Stimmen. Also istStichwahl zwischen Qehler und Huber erforderlich. Paris, 21. Jüli. In politischen Kreisen ist vonOinem K a b i n e t t der r e p u b l i k a n i l ch e n R e k o n st r u N i o n die Rede, das die Links-Republikaner bis zu den Prv- gressisten und der äußersten Linken mit Ausnahme der geeinigten Sozialisten umfassen wird. Als Nachfolger Glemeneeaus werden genannt: Briand, Pvincaro, Millerand. Auch Barlhou hat Aussicht. Bezüglich des Portefeuilles des Aeußern herrscht unter allen Abgeordneten Ernigkeit in dem Wunsche, Pichen zu behalten. Wie verlautet, beabsichtigt Präsident Fallieres, darauf hin zu wirken, daß der Marineminister Picard dem neuen Kabinett erhalten wird. Es heißt jedoch, daß dieser ein solches Angebot ablehnen werde. Es scheint sicher, daß bei ber Neubildung des uabinetts bas Staatssekretariat für Pvtt und Telegraphie zu einem selbständigen Ministerium erhoben wirb und daß diesem das Arbeitsministerium angegliebert wird. Iustizminister Briand erklärte J-our na listen, baß er entschlossen sei, dem neuen Kabinett nicht beizutreten. Als Nachfolger bes Finanzministers Caillaut werden Porncare, Rouvier und Doumer genannt. Buenos-Aires, 21. J.'.ti. Argentinien sandte dem bolivianischen Gesandten seinen Paß und berief den eigenen Gesandten aus La Paz zurück. zweiffung seiner Zurechnungsfähigkeit — Die Vernehmung des Angeklagten Gmiter wird hiermit geschlossen inti) der Angeklagte .smuftnann Kurt Hamburg veriwmmen. Im Dezember 1907 . eröffnete mir Derr Ganstor seine Ideen. Ich fiedelte nach Zürich , über, engagierte dort die Sd>reiber und batte das Bnrcan zu , bcnunitfitigcii. Von den Verträgen mit dein Schriftsteller J-leck, der Druckerei nsw., trotte ich keine Ahnung. Lromburg Iw ft reitet } cntsd>ieden, im Einverständnis mit Gamer gehandelt «i haben: er habe nur als Angestellter gehandelt. — Dors.: Sie haben sich auch LTObnrd) strafbar gemacht, daß Sie die Unterschrift unter die Reklamebriefe seichen. Auf Veranlassung des Verteidigers Meyer- stein werden dem Angeklagten (Kanter die Fragen vorgeicgt, ob Vamburg von dem Vorhandensein der Verträge mit fried’ und der Druckerei wußte, ob .'Hamburg ein Gewinnanteil versprochen war und ob .Hamburg über den Inhalt des 3u)inanS informiert war. Otimter beantwortet alle Fragen mit -Jlein. Hamburg sei lediglich der Ausführer seiner Aufträge gewesen. — Damit schließt die Vernehmung deS zweiten Angeklagten und es wird in die Zeugenvernehmung eingetreten. Güteragent Kron he im (Berlin) beumbd, er kenne Ganter seit drei Jahren. Er halte Ganter für einen äußerst tüchtigen Geschäftsmann, der aud) nod) eine große Zukunft habe. Im Sommer 1908 trat Ganter mit dem Ansuchen an den Zeugen heran, ihm 100 000 Mk. gegen Verpfändung einer Hypothek zu verschaffen. Ter Zeuge bat den Betrag hergegeben. Auf Befragen gibt der Zeuge noch werter an, daß er ebenfalls einen Neklamebrief erhalten, sid) aber dadurch nicht beleidigt und geschädigt fühlte. — Ter Zeuge, der leidend ist, wird hierauf entlassen. Nach der Mittagspause erfolgt die Vernehmung des „e>d)rnt- stellers Georg Fleck (Charlotteirburg, der folgendes bekundet: Ich las s. 3t. eine Annonce in einem Berliner Blatt, in der ein Schriftsteller zur Absafsung eines fnulstbringenden Romans gc- fud t wurde. s)Zatürlid) könnte ich nicht wissen, welche Reklame Ganter ins Werk setzen würde. Der Zweck des Buches sollte lediglich der fein, die Mängel der Anschauungen, die in gennpen politischen Kreisen herrschten, zu rügen. Es wurde ebr Vertrag geschlossen, laut dessen mir ein Gesamthoiwrar von 25 000 Mk. zugesichert wurde. Im Vertrage war vereinbart worden, daß id) für alle Konsequenzen, auch für die ftrafred)thdron Folgeri, aufzukommen hätte. Tie Unterlagen, die id) besaß, genügten mir auch, um für alles einzustehen. Es wurde besprochen, daß das Bud) in guter Ausstattung heraus kommen sollte. Die Proben, die mir Vorlagen, waren nach jeder Beziehung annehmbar. Ern Beisitzer richtete an den Zeugen die Frage, ob er einzelne Stellen des Romans uad) Intentionen des Herrn Ganter verfaßt habe. Ter Zeuge bestätigt dies. Staatsanw.: Sie erhielten doch mehrere Briese von Ganter, in denen Ihnen dieser seine Unzufriedenheit ausdrüclte. Zeuge: Ich habe die Briefe stets nur so verstanden, als wollte er als Kauimcmn mit seiner Zufriedenheit nickst heraus- rücken. Angell. Ganter: Ick; bitte den Zeugen zu fragen, ob er nickst auf mein Verlangen einige Stellen ausmerzte, da ich eine Majestätsbeleidigung darin erblickte. Ter Zeuge bestätigt dies. Der Gerid:shos erörtert sodann die Frage, ob der Zeuge Mauermeier, der sich zur Zeit aus der Hochzeitsreise in Hamburg besuchet, als Zeuge zu laden sei ober ob man sich mit, der Verlesung feiner Aussage begnügen könne. Der Gerickstshof beschließt nach kurzer Beratung SOiaucrntcicr ju laden. Es gelangt sodann Zeuge Baumstr. Döbler (Berlin, zur Vernehmung. Dieser gibt an, den Angeklagten durch ein Zeitungsinserat kennen gelernt zu haben. In diesem suchte Ganter eine .Hypothek auf fein Münchener Grundstück. Der Zeuge gab das Geld dazu her. Dann sei Ganter, im Dezember v.J zu ihm gekommen und habe ihm erzählt, da st er fajnc>l 20 000 Mk. brauche. Er habe ihm auch den Zweck an- gcgebeit und ihm den genauen Sachverhalt des Rekkametricks dargestellt, wie er zur Zeit der postalischen Beanstandung lag. Ich habe ihm 20000 Mk. geliehen und bis heute 16 000 Mk. zurückerhalten, bin aber für den Rest gedeckt, da Ganter mir die gesamte Villeneinrichtuiig verpfändet hak. Ter Zeiige wird sodann entlassen. Aks nächster Zeuge wird Rechtsanwalt Sa n d e r lAugs- bürg) vernommen, der ebenfalls einen Rei'lamebricf von Ganter erhielt, ihn aber sofort als Schwindelreklame erkannte., dagegen habe seine Mutter, eine 65jährige leidende Dame, ine böicftcn folgen durch den Empfang feines Briefes erlitten, «re fei vor Er regnng unwohl geworden, habe sich zu Bett begeben wollen, sei dabei von einer Ohnmacht befallen worden, und gegen einen Stuhl geschlagen. t m f In später Abendsdmde wurden die weiteren Verhandlungen ,b ®ti|em. "»°ekd?q"1 hü «'übLaj bas ' dm it!« n " “nb W« O«ttt 01 S t übet btn "»-! "tat® burtbtt- ann b-!-- O.b,s e’n zumeist au? i $lil bet& vchulhausneubcmz, de- io hl den Bewohnern t- och nie ein derart sichtigimg erfolgte k den Feuerwehrinivit. exerzieren slattgefunte ber einzelnen 2pch It wurde, in der is- Mftungen waren K künden nitd andem rauf folgte ein Br inen vorher W?///r ia§ größte Lob ber 1 m sich hierauf im Sc hen Zufammenfm r erlief fehr schon. Ti de das Ehrenzeichen s: Schluß des ersten 2'crhandlungstages. | ©S werden nunmehr die Hüften, die dem Angeklagten durch 1 •inen Rcktamelrick erwachsen sind, erörtert. Nach der Angabe des I iqeklaqlen kostete der Truck des Buches Mk. 56 000 'Mk., das P.t>rto 40 000, die Schreibqedühren für die Öerstellung der Cfferten । 0 OOO, das Papier 10 000 und der Versand 10 000 Alk. Die >mme der Unkosten betrug bemiiad) 186 OOO Mk. Ganter sagt crauf auf Befragen aus, daß die Verhandlungen wegen Truck- .'iiiiia des Buches ziemlich langwierig gewesen seien. Schließlich crnahm die Firma Schuh u. Co. in -München die Herstellung der i-fjer für 56 886 Mk. 12 Pf., wozu noch 555,61 Mk. für Packpapier i I w- kamen. Tie Firma hat auch den ganzen Betrag bis ul einige hundert Mark erhallen. — Bors.: Wie kommt es nun, , £ic die Bücher mit dem Llufdruck „zweite Auflage" versahen? • a§ entspricht doch nicht ehrenha'ten buchhändlerischen Gevflogen- eilen. — -Angekl.: Allerdings muß ich hier dem Herrn Vorsitzenden ei Dflid) le»; allein, da die ganze -Art und Weise meiner Idee was I ißergewöhnliches darstellte, so mußte id) auch hierin vom Wege -c Usance abweicben, und dann war es and) Berechnung von mir. Bors.: Es sollte also so aussehen, als ob die erste Auflage schon rod) kurzer Zeit vergriffen fei. — Angekl.: Diese -Meinung ivollte L allerdings gelten lassen. Es ist aber tatsächlich eine erste Aus- ,ie von 25 bis 30 Exemplaren gedruckt worden. Lieber den Ber- reb der Cffcrlenbricfe sagt Ganter: Ich setzte mich mit renom- Werten Spediteuren in Verbindung, die die Briefe zur bestimmten ctiinbe und Minute der Post übergeben sollten. 9lm 17. Dezember 908, abends, sollten sie die 2lviie für die Trtsbuchhändler mit den ?eiu'gsbedingungen des Buches verichen Am 18. Dezember, abends, oCIten die frankierten Briefe befördert werden, und am 19. De° eruber, dem „großen Tage", sollten die Bücher an die diese vec- Inngcnbe» Buchhändler gegen Sofortige Barzahlung ausgehandigt nerben. Man sieht, daß der beabsichtiate Trick em wohldurchdachter nur noch gegen 10 000 Atari' bares Geld hatte, wandte ick» mid) an den Baumeister Döbler in Berlin, den id) in meinen *3Can völlig einweihte und der mir 20 000 Mark lieh. — Es s langen mm die mit der Postverwaltzuug gepflogenen Korre- jeondenzen zur Verlesung. — Bors.: Wir wollen nun einmal Miellen, Herr Ganter, Sie hatten beabsichtigt, eine auster- wohnliche Reklame auszuführen. Angekl.: ^as war allerdings meine Absicht, ich w-ollte jedoch durchaus nicht das damit imcnbjemanb beleidigt oder gekränkt iverden sollte. Ich glaubte clkerdings, daß die, die die Briefe erhalten, zum grötzten Teile ntd) bad Bud) laufen würden, rechnete ober vor allem damit, Ech das Buch bitrri) das nvtivendigerweise entstellende Tages- spräch' viele Käufer finden müsse. — Bors.: Herr Ganter, leimen Sie sich nunmehr des Betruges, refp. des Betrugs- rsuchs sckwldig? Angekl.: Nein, &etr Direktor, ich habe djt die geringste Absicht gehabt, mich gegen das Strasgeietz- ich zu vergehen. - Staatsanwalt: Wie sind fnct. t'-b» ierkt st'- juet^ Wege 9^, mü T® ^°n?e&Hm%W9Ä6etg «on Karl Neurath. Hercmsgegeben von Mitgliedern des Vogelsberger Hbhenklnbs. 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Im übrigen nahm die Versammlung den i-.ichen Verlauf wie diejenige in Mainz heute vormittag. - Ein Mann ließ sich in einer Goldlvarenfirma drei ofldene Ketten zur Auswahl in seine Wohnung bringen, ls der Angestellte der Firma dahingekommen war, verließ • das Zimmer mit den Ketten, um sie angeblich jemand i zeigen und schloß das Zimmer ab. Darauf verschwand • ’ Der Wert der gestohlenen Ketten beträgt 300 Mk. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den tachbarstaaten. Ter Wiederwahl des Herrn. Appel zu iidjclau zum Bürgermeister der Gemeinde Michelau wurde i - B e st ä t i g u n g erteilt. — Zwei Westerwälder Dörfer, veim- l,'rn und Ehrlich, die in das Gebiet der geplanten und sinan- II gesicherten, großzügigen Nistertalsperre fallen, werden vom :l bboben verfchwinden. auf iiwrgen vertagt. Luftschisfshrt. wie mU Zirkdn Qllcr studentischen Vereinigungen liefert zu mäßigen Preisen die Brühl'sehe Univ.-Druckerei. 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