Nr. 196 Zweites Blatt Montag S3. August 1909 Erscheint täglich mit Ausnahme deS EountagS. Mcki Bronze-Relief des .Dem die Worte: Vision der Kriegervereinsbezirk Alsfeld der Kriegerkame- Mei und mit und Giess« IW Die „Wietzener gamlllenblätter“ werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt. daS „Kreisblatt fßr den Kreis Wietzen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeitfragen" erscheinen monatlich zweimal. 159. Jahrgang L t Rotationsdruck und Verlag der Vrüblichen UnwersUätS - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. sie eine rationellere Ausnutzung des Wagenparks gestatten sollte. Bald nach dem Zustandekommen dieser Gemeinschaft tauchten in Bayern Stimmen aus, daß Preußen seine schlecl)ien Wagen nach Bayern schicke und die guten bayerischen Wagen in Preußen! lausen lasse. Weiter wurde behauptet, daß Preußen mit den bayerischen Wagen seinen Wagenmangel zu decken suche und jetzt hat „Ter Eisenbahner", das Organ bed bayerischen Eisenbahner- Verbandes, herausgefunden, daß die bayerischen Wagen direkt gestohlen werden. Der böse Bruder Preuß soll die ftaatlid)en Abzeichen an den Wagen einfach entfernt und diese mit roter Farbe, dem offiziellen Anstrich der preußischen Wagen, überpinselt haben, um sie für die Bayern unkenntlich zu machen. Aber die bayerischen Eisenbahner haben den Schwindel doch gemerkt. Nicht weniger als 120 Wagen im Werte von einer Million Mark soll sich die preußische Eisenbahnverwaltung auf diese Weise zu Gernüte geführt haben. Für manche Kreise, die den bayerischen Patriku-- larismus in Erbpacht haben, ist das ganze natürlich ein gefundenes Fressen. Der Hintergrund für die tolle Geschichte kann nur darin gefunden werden, daß die bayerische Eisenbahnverwaltung einige Wagen zur Probe rot hat anstreichen lassen, weil in Aussicht genommen war, die rote Farbe allgemein bei den Wagen der Güterwagengemeinschaft einzusühren. .‘.'Mot , len ,3 Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e=s©51. Redaktion: 112. Tel.-Adru AnzeigerGießen. keine Keichreisenbahngemeinjchast. Während bei der Schaffung des norddeutschen Bundes Deutschen Reichstages große gemeinsame Verwaltungszweige Geltungsbereich für ganz Deutschland geschaffen wurden ..... während man auf dem Gebiete des Verkehrs die Postverwaltung I— abgesehen von den Reservatrechten Bayerns und Württembergs — zu einer Institution des Reiches machten, hat man diesen Schritt auf dem Gebiete des Verkehrswesens nicht getan. Was einmal versäumt, läßt sich schwer nachholen, und als im Laufe stieliges, einen Abschnitt aus der Rechenstunde: Das neue Schuljahr hat begonnen. Die Klassen sind neugebildet aus Gestiegenen, Nichtversetzten, Neuaufgenommenen. „Sie werden ihre Last bekommen, Herr Doktor, einige der Jungen sind im Einmaleins nicht fest," sagte der Lehrer der Klasse im Vorjahr. „Das hat nichts zu bedeuten, sie werden das Einmaleins auf der Quarta schon nachholen," erwiderte Oberlehrer Dr. F. Dr. F. hat die Klasse betreten und schreibt an die Schultafel: 1 = 1, 2=2, 3 = 3, 4 = 2.2, 5 = 5, 6 = 2.3, 7 = 7, 8 = 2.2.2, 9=3.3, 10 = 2.5. Er wendet sich zur Klasse, berührt die ausgeschriebenen Gleichungen der Reihe nach mit dem Finger und sagt: „Ihr seht an der Tafel 10 Gleichungen. Man spricht sie folgendermaßen aus: eins ist eins usw., sechs ist zweimal drei usw. Wer kann dies wiederholen?" Natürlich kann es jeder, auch Fritz Q., der eines Tages im Vorjahr von )einem Vater beim Mittagessen zwei Ohrfeigen erhielt. Das kam so. Der Rechenlehrer harre dem Vater erzähft, Fritz könne das Einmaleins nicht und habe dreimal in einer Stunde „7.9 ist 64" gesagt. Der Vater hatte das schon vergessen. Leider erzählte die Drittter von einem halben Dutzend Eier, das sie für 64 Pfennige gekauft, unh die jdi iss kau'»" SH* DU9ClÖ0f^ ren WaKA itn ete hiebet,.. »d 9 Uhr ' 'serer findet ein 6rs —Ter Vorvw r|ky n. Fran geb. Müller. IN Lin Interview mit Grviile Wright. Der Herausgeber der „Transeontinentalen Eorrespandenz" Latte eine längere Unterredung mit dem heute in Berlin eui- getroffenen amerikanischen Aviatiker Orville Wnglst, über die er uns, wie nachfolgend berichtet: „Orville Wright nähert sich in seinem Typus mehr dem Engländer wie dem Amerikaner. Er ist schlank und breit]d)uftng, feine grauen Augen verraten Energie und Nachdenken, und ec trägt ein einfaches, bescheidenes, liebenswürdiges W^en zur <5d)au. Nachdem ich mich mit ihm in eine gemütlick>e Ecke des Votel «Esplanade zurückgezogen hatte, schilderte mir der erfolgreiche Erfinder, wie unsäglict)e Mühe und Arbeit es ihn und leinen! Bruder Wilbur gekostet habe, zu dem so Hertz erahnten Ziele zu gelangen. Und trotzdem, fuhr er fort, bin davon überzeug. Laß wir noch vieles tun müssen, um linieren -wparat zu immer toeiterer Vervollkommnung zu bringen, 3mn Bcuviel^ hoffe ich recht bald die Geschwindigkeit noch steigern zu können, nie größte Geschwindigkeit, die ich bis jetzt erreichte, war 68,4 ^lometer pro Stunde. Ich glaube nicht, daß ich vermchen werde, gerade m Berlin einen Längen- und Geschwinchigkettsrc^rd zu brechen. Aber es ist dies nur eine Frage der nächsten Seit. <\br ^emptt- bofer Feld, das ich heute vormittag bri.ichtigtc, erlcheint mir ein qanz vorzügliches Terrain für die Ausstiege. >>a, ich gehe weiter, ich muß eingestehen, daß ich noch nirgends, weder in FEkreich Tocb in Amerika, ein so gutes Flugteld zur Verfügung hatte. Maschine, mit welcher ich mich dem Berliner Vublikumpraientteren soll, ist in Berlin gefertigt und ganz zu meiner Kftiebenhett ausgefallen. ES dürste Ihnen noch nicht bekannt stnn, datz ich euch die Verpflichtung übernommen habe, in Berlin einige Herren nn Fliegen vermittels unseres Apparates! ausz^biIben• . .Verven werden mir noch bezeichnet werden. ALem Wilbur ist gegenwärtig in Amerika mit berfefben Arbett.bMitigüEs ist dies dort eine Bedingung, welche die amerikanifche Regierung .uns gestellt hat und hängt mit dem Ankauf innerer amerckMnichen Valente durch die Regierung zusammen. Wie m^^^öckour übrigens telegraphiert, hat man dort den uns Sugewachtm preis ton 25 000 auf 30 000 Dollars erhöht. Wrr haben über Haupt die Freude, zu konstatieren, daß fast alle Zander, denen wir .unsere Patente angeboten haben, mit dem Aeroplan io zuMede stnd, daß sie auf unsere Angebote eingeben. So )tnd die Verhandlungen mit der italienischen Regierung : neben Periett ge- ttwrben, auch diejenigen mit der englischen nähern 1 ich.^cm Abschluß. Für dieie Sachen, fügt Orville Wright herzttd) lachind hurzu, sorgt übrigens unser lieber Manager Mr. Berg bestem- Fch lernte heute Ihren Herrn Major von Par.eval kennen, und Ä hoffe, daß mir während meines Berliner Auienthaltes twch die Freude beschert sein wird, mit dem Grasen Zeppenn.s"iammen 5i treffen, dessen Arbeit und Erfolge ich außerordentlich verehre und Hochschätze. < «y -k«. Miß Wright, die Schwester der beiden Fliegenden Bruder, beiden. Mit dem ersten hat es gemein die gewählte Sprache, die tein Uneingeweihter versteht und die daher manch armem Schüler alle Schulbänke hindurch wie Spanisch klingt, mit der andern hat es nicht gemein, daß es greifbaren Nutzen hätte. Ein wichtiger Teil dieser Sprache ist das „sunkttonale Denken", das wahrscheinlich einen Gegensatz zum vernünftigen Denken bildet. Dabei kommt es darauf an, das Selbstverständliche mit einem solchen Wust von Begriften und Vorstellungen zu umkleiden, unter denen sich der gewöhnliche Verstand nichts vorstellen kann, daß das Selbstverständliche nun eben nicht mehr selbstverständlich ist. Dann fehlt bald der halben Klasse, vielleicht auch drei Vierteln, das Verständnis, und der ernste Mathematiker, der sie unterrichtet, darf mit Beftiedigung sagen: Die Klasse ist dumm und faul, es ist eine schlechte Klasse. Die Jungen haben keine mathematische Begabung. — O ja, die Begabung ist da, der Lehrer hat sie nur noch nicht entwickelt. Freilich eine Begabung, die die neunte Symphonie komponiert, den Faust dichtet, die Sixlina malt, das Gesetz der Schwerkraft entdeckt oder auch nur das Pulver erfindet, die kann man nicht von allen Schülern verlangen. Auf der Schulbank wird aber auch nicht entdeckt, sondern gelernt, nicht geschaffen, sondern angeeignet. Und doch verlangt man bei Extemporalien in 60 Minuten eine Entdeckung oder es gibt ein Mangelhaft in Mathematik. Was ist nun dagegen zu tun? Das behandelt unser Sckyilmeister in der anziehenden Darstellung, die wir eben nachzubilden versucht haben, in Abschnitten über Beanlagung, Extemporale, Anschauung und Logik, mathemattsche Sprache, Rechew- teidit verwundet. Auch die Bevölkerung nahm an der Verteidigung teil. die ihren Bruder Orville nach Berlin begleitet bat, erzählte sodann von ihren Empfindungen, als sie mit ihrem Bruder Wilbur ihren ersten Aufstieg gemacht habe: Es war ein wunderbares Gefühl, so über Felder und Wiesen, Häuser und Menschen dahtti- gleiten zu können! Man fühlt sich so frei und erhaben, und ich habe auch nicht das kleinste bitzchen Furcht gehabt. Und mit Stolz und Siebe blickt Miß Wright nach ihrem Bruder Orville, als sie sagt, daß sie eine furchtbare Angst 'gehabt habe, daß Orville sich von den Folgen seines Sturms nicht öartig wieder erholen tarnte, um persönlich Wetter an dem großen Werke wirken zu können. Zum Glück aber, bemerkt Orville, ist die Geschichte gut abgelaufen, und ich bin völttg wieder hergestertt: ein gutes hat die Sache sogar noch gezcit-,. : ILenn schlechtes Wetter kommt, fühle ich das schon um ein paar Stunden voraus. Und das ist für einen Älviatiker doch gewiß wichttg!" Deutsches Reich. Die kaiserliche Familie ist am SamAag nachmittag in Wilhelmshöhe wieder eingetroffen. Der Reichskanzler von Bethmann-Hollweg hat sich zum Landaufenthalt nach Hohenfinow begeben. Zur Dienstleistung beim Reichskanzler während dieser Zett ist der Gefandte von Flotow besttmmt, außerdem werden in Hohenfinow mehrere Bureaubeamte zur Verfügung des Reichskanzlers sein. Steuersätze für ausländische Automobile. Gegenüber dm in ben beteiligten Kreisen entstandenen Zweifeln, betreffend die Steuersätze für Kraftfahrzeuge ausländischer Besitzer, erklärt die „Nordd. Allg. Ztg.", daß die Zweifel nicht begründet feien. Die Vorschriften über die Stempelabgaben und Erlaubnis- kartm für Kraftfahrzeuge haben aus Anlaß der'Durchführung der Reichsfinanzreform keine Aenderung erfahren. Berggesetz. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz betreffend die Abänderung des allgemeinen Berggesetzes unter bem Datum des 28. Juli 1909. Prinz Bernhard zur Lippe, Durchlaucht Rittmeister a. D, zuletzt Eskadrvnchef deS Husarenregimmts Nr. 14, wurde mit seinem Patent und der Uniform des genannten Regiments bei den Offizieren ß la suite der Armee wieder angestellt. Die Wahl des Bürgermeisters Schnakenburg in Altona zum ersten Bürgermeister Altonas ist b e ft ä t i g t worden. Ausland. Ter ehemalige holländische Kolonialminister Idenburg ist zum ©euer algouuerneut von Niederländisch-Jn- dien ernannt worden, nachdem der Gmeralgouverneur von Heutß demissionierte. Der neue Generalgouverneur wird sein Amt im Dezember antreten. Steuererhöhung in Fr an kreich. Zur Balancierung des Staatsbudgets und zur Deckung der wachsenden Ausgaben der Arbetterpmsionskassen beabsichtigt der Finanzminister einige Genußmtttelsleucrn, namentlich auf Alkohol, zu erhöhen. Ferner ist ein Gesetzentwurf in Ausarbeitung zur besseren Ausnutzung der Erbschaftssteuer. Zur Kretafrage. Der türkische Ministerrat beschloß, die griechische Anttvortnote als befriedigend anzusehen und beschäftigt sich sodann in längerer Beratung mit der letzten Kollektivnote der Schutzmächte, ohne jedoch einen Beschluß zu fassen. Es heißt, der Arbeitsminister Noradunghian habe feine Entlassung gegeben. — Nach Depeschen aus Canea übermittelte das Exekutiv-Komitee den Konsuln der Schutzmächte eine geschrie - bene Erklärung, inderdie Aufrechterhaltung des Stätusauo verbürgt wird, damit die internationalen Truppen wieder ein- geschisst werden können. — Tas zweite russische Stationsschiff hat die krettschen Gewässer bereits wieder verlassen. Ein spanischer Militärtransport i|t von Mauren, die aus dem Innern Verstärkungen erhielten, angegriffen worden, wobei die Spanier zwei Tote und sechs Verwundete hatten. Am Freitag nachmittag um 6 Uhr 30 Min. eröffneten die Riffleute ein heftiges Feuer gegen die Spanier. Es entspann sich ein Kamm, der bis 2 Uhr morgens währte. Ein Artillerist wurde Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Gberheffen >nd lbech j Leiters. 1 diter. gelegt im Auftrag des Großherzogs, der Hassia und des Kreises Alsfeld. Das Denkmal ist seiner Umgebung harmonisch angepaßt und in schlichter, wohlgefälliger Form ausgeführt von dem Bildhauer Jobst-Darmstadt. Es kostet 3650 Mk.; der Bezirk hat 3000 Mk. aufgebracht, das übrige spendete der Großherzog und die Stadt Romrod. Auf mächtigen Cteinauflagern zwei Löwen, in der Mitte ist das ~ Groß Herzogs Ludwig IV. Darunter stehen i ruhmreichen Führer der hessischen Di- Ist Mathematik Hexerei? Einen herzerguickenden, mit dem leibenswürdigen Humor des gereiften Schulmannes wie der überlegenen Ironie des bedeutenden Mathematikers geführten Krieg beginnt gegen die heute alleinseligmachende Lehrweise ein bei Herder zu Freiburg i. B. erschienenes Schriftchen: Ist Mathematik Hexerei? Von einem preußischen Schulmeister. Daß der Verfasser seinen Namen nicht nennt, sondern sich Bescheiden nur einen Schulmeister nennt, tut dem Werte der Schrift keinen Abbruch. Sie ist, wie der „Posthorn"-Mit- arbeiter der Köln. Ztg. sagt, ein Trostwort für die Schüler und die Eltern der Schüler, die in der Mathematik „nicht mitEommen". „Der Junge ist nun einmal für Mathematik nicht beanlagt. Sprachen, Geschichte, deutscher Aufsatz kann er ja ganz gut. Aber das Teufelszeug Mathematik!" Der Vater kann seinem Tertianer auch nicht Helsen, trotzdem er von Berufs wegen doch einige Mathe- matt k können müßte. Da ist z. B. ein Baumeister und sein Schwiegervater ein Landmesser a. D., aber beide können die Aufgabe mit den Dezimalbrüchen nicht lösen. Und es ist doch eine so fchöne Aufgabe mtt vielen eckigen und runden Klammem, mit Addition, Sbtrakiion, Multiplikation und Division, kurz eine Aufgabe wie sie in Wirklichkeit nicht vorkommt und wie sie daher auch weder dem Baumeister noch dem Landmesser in ihrem Berufe je begegnet ist. Ein anderer Terttaner hat seine geometrische Konstruktton nicht herausbekommen. ,La, aber warum hat dir denn dein Vater nicht geholfen?" — „Mein Vater hat sie auch nicht herausbekommen." Ter Vater war Dirichlet, Gauß' Nachfolger in Göttingen! Weiersttaß, der Meister der Funktionentheorie, hat unserm Schulmeister erklärt, er habe einmal an einer irgendwo in der Reifeprüfung gestellten geometrifchen Aufgabe dreiviertel Stunde geseffen, wohlgemerkt, als er noch Gymnasiallehrer in Braunsberg gewesen sei, also von Amts wegen der Lchulrnathe- mattk näher gestanden habe. Der Schulmathematik! Was ist denn das für em Gebilde? Jst's Wissenschaft oder istis eine Hebung des Verstandes fürs tägliche Leben? Es tlt keines von Lin Denkmal für Ludwig IV. D Romrod, 22. Ang Heute wurde das Denkmal für Ludwig IV. in Verbindung mit dem Bezirks fest des Hasfiabezuks Alsfeld eingeweiht. Unser Städtchen prangte im schönsten Festschmuck, Ehrenpforten begrüßten die Gäste. Besonders schön geschmückt war das Großh. Schloß. Vormittags war Kirchenparade, um 1 Uhr wurde der Festung am Schloß ausgestellt. Es beteiligten sich daran 42 Vereine aus allen Teilen des Kreises Alsfeld mit etwa 1500 Mann. Um 2 Uhr fand die Enthüllungsfeier statt. Lehrer Julius Gremm hielt die Begrüßungsrede, besonders bewillkommnete er die Vertreter deS Finanzministeriums Oberforstrat Grünewald und Baurat Paul, Kreisrat Hölzinger-Alsseld, die Vertreter des Hassia-Präsidiums Medizinalrat Dr. Vogt- Butzbach und Kammerdirektor Dern-Assenheim. Er dankte allen, die zur Vollendung des Denkmals mitgeholfen haben, besonders dem Hassiabezirk Alsfeld. Das Denkmal solle zetgen, daß die Hessen in Romrod ihrem Führer 1870/71 Treue zu halten wissen und ihm ein ewiges Andenken bewahren. Die Festrede klang in ein Hoch auf das geeinte deutsche Vaterland aus. Der Bezirksvorsbeher Stumpf feierte die Dankbarkeit und patriottsche Begeisterung für bedeutende Männer des Volkes, z. B. hinsichtlich des Grafen Zeppelin. Er schiDert den Großherzog Ludwig IV. als ein Bild unerschütterlicher Pflichttreue, als tapferen Soldaten und ruhmvollen Führer der hessischen Division 1870/71. Die Truppen waren mit Recht stolz auf ihren Führer, und als Großherzog errang er sich die größte Beliebtheit seines Hessenvoltes. In Romrod, wo er so gerne weilte, entstand daher durch den Bezirk Alsfeld das Denkmal. Der Bezirk wurde durch hochherzige Spender und die Bauabteilung des Finanzministeriums unterstützt. Es ist in Oberhessen das erste Denkmal für Ludwig IV., ein Wahrzeichen der Anhänglichkeit an den Truppenführer. Die Liebe zum Vater hat sich auf den Sohn, den jetzigen Großherzog, übertragen. Begeistert wurde das Hoch auf den Lanoesherrn aufgenommen. Darauf fiel die Hülle vom Denkstein. Kreisrat Höl^inger verlas ein Te le gr a mm des G'roßherzogs, in dem er dem Bezirk Ms selb für das "Denkmal dankte und bedauerte, zur Feier nicht kommen zu können. Oberforstrat Grünewald übernahm nach kurzen Dankesworten das Denkmal in den Besitz des Großh. Hauses. Der Vertreter des Hassia-PräsidiumS, Medizinalrat Dr. Vogt-Butzbach überbrachte die Glückwünsche der Hassia und sprach dann über die Entwicklung des Kriegervereinswesens. Am 10. Febr. 1872 wurde von 4 Vereinen die Hassia gegründet und Ludwig IV. übernahm das Protektorat, heute zählt der Verband 60 000 Mitglieder. Am 18. Juni 1896 wurde gelegentlich der Einweihung des Kyff- hänser-Denkmals der große Deutsche Kriegerbund geschloffen, der 27 000 Vereine mit 2V2 Millionen Mitglieder zählt. Die Rede klang in ein Hurra auf den Kaiser aus. Nachdem noch der Parademarsch angenommen worden war, bewegte sich der Festung, voran Schulkinder und Festdamen, nach dem Festplatz. Mn Denkmal wurden Kränze nieberber 70er Jahre Bismarck diesen Gedanken mehrfach anregte, stieß er bei den Bunoesstaaten auf Widerspruch, während er wohl zur Zett der Begeisterung, als das neue Reich proklamiert wurde, vielleicht größere Geneigtheit gesunden hätte. Dazu kam auch, baß infolge des riesenhaften wirtschaftlichen Aufschwunges, der nach der Einigung Deutschlands einsetzte, die Eisenbahnen eine großartige Einnahmeauelle geworden waren, so daß man es den Amdesstaaten nicht verdenken konnte, wenn sie sich einer derartigen Milchkuh nicht begeben wollten. Man hat auch in der Folgezett mehrfach von Berlin aus in dieser Richtung eingesetzt, aber immer ohne Resultat, nur den einen Erfolg konnte man einheimsen, daß Hessen sich anschloß. Auch die Versuche, mit anderen Bundesstaaten Betriebsgemeinschaften benufteUen, scheiterten, selbst der Gedanke einer Wagenge- nieinschaft fand vielfach lebhaften Widerspruch, und doch liegen die Vortctte einer derartigen Gemeinschaft auf der Hand, denn eine ungemeine Vereinfachung des ganzen Betriebes, größere Ausnützung des Wagenparkes und vor allem ganz beträchtliche Ersparnisse würden sich einstellen. Aber man will nicht, weil bei manchen Bundesstaaten der Gedanke vorschwebt, bet einer derartigen Regelung durch Preußen benachtettigt zu werden, und weil man darin eine Vorstufe zu einer großen Reichseisenbahnverwaltung sieht. Dieser Tage hat in einer Zuschrift an die „Nordd. Allg. Ztg." der auf dem Gebiete des Verkehrs rühmlichst bekannte Regierungsrat a.D. Endres in Mannheim den Zusammenschluß sämtlicher deutscher Bahnen auf föderativer Grundlage empfohlen und dabei mit Recht folgendes geäußert: „Damit könnten große Ersparnisse erzielt werden. Vor allen Dingen aber können wir hohe Vorteile für unsere ganze Wirtschaftspolitik nach innen und außen erringen. Der Verkehr könnte trotz Steigerung mehr zusammen- gesaßt, der Betrieb vereinfacht und verbilligt werden. Auch viele Züge, die jetzt nur aus Konkurrenzrücksichten gefahren würden, könnten Wegfällen, Umwege, Material und Personal gespart werden. Der Wettbewerb der deuttchen Bahnen unter sich würde aufhören, und der gegen das Ausland könnte um so erfolgreicher ausgenommen werden. Es ist aber notwendig, rechtzeitig einen Vertrag mit Preußen abzuschließen, ehe man dazu gedrängt wird. Süddeutschland muß rechtzeitig daran denken, wirttchaftlick>e Vorteile zu erringen, sonst wird es immer weiter zurückgehen im Verhältnis zu Norddeutschland. Wenn Süddeutschland nicht zu- sammengeht, wftd seine wirtschaftliche Zukunft gefährdet n>crben." Davon will man aber nun, wie in der „N. A. Z." des näheren dargestellt wftd, in Preußen nicht viel wissen, nachdem man mit seinen eigenen Vorschlägen bisher so trübe Erfahrungen gemacht hat. f)ärr „für ein bundesfreundliches Zusammenwirken der deutschen Staatseisenbahnen auf dem Gebiete des allgemeinen Verkehrs und Beftiebes, wie noch jüngst bei der gemeinsamen Regelung der Verkehrslettung im Güterverkehr, werden Preußen jederzett eintreten". Dieser Standpunkt ist sehr bedauerlich, und man kann, wenngleich man die Erbitterung in Berlin verstehen tarnt, den Berliner Stellen den Vorwurf nicht ersparen, daß man jetzt in dieser Hinsicht etwas partikularistisch denkt. Mag man auch schlechte Erfahrungen gemacht haben, so sollte man doch im Hinblick aus die Wichttgkett der Angelegenheit und die Vorteile, die hierbei für alle Teile herausspringen würden, von der Er- strebung einer Reichseisenb ahngemeinschaft nicht ablassen. Eine recht heitere Entdeckung, die aber doch des trnften Hintergrundes nicht entbehrt, haben einige bayerische Blätter gemacht, nämlich die, daß bayerische Güterwagen gestohlen werden. Und der schlaue Spitzbube soll niemand ande-rs fein als die preuß ische Eisenbahnverwaltung. Nun kann man ja dem preuß,isckien Fiskus einen gewiffen, sagen wir mibe, Erwerbssinn nicht absprechen, ihm aber nachzusagen, datz er sich an bayerischen Güterivagen bereitere, ist doch etwas reichlich chart. Die Mordgeschicbte ist aus der Güterwagen gemein, chaft entstanden, die f. 3t. mit so viel Freuden begrüßt wurde, wett stunde, Brüche, Gleichungen, Potenzen, Wurzeln, Logarithmen, geometrische Aufgaben und über den Funktionsbegriff. Brr, rote langweilig, wird der Leser sagen. Er erlaube mir, anderer ...einüng zu sein. Zum Beweise wähle ich etwas sehr Lang- Br’Ä |df & ne flleine Tagcschronik. t« tth ncfcf'i i’rtau :nh berat Edrrx^rr mnbn* den Hiilnd der. r'eiönenilichuni fiilwncronldxr Briefe Handel in *o 4 81» 1OU» 8.S', 13 -- 13, "20 es y*, 6. 19 ■ 19. 4#UjO HMD n.7» iäJd 24!.*# Berliner Höne. 23 Aa