Nr. LIS 159. Jahrgang Mittwoch, 19. Mai 1909 Erscheint tSgNch mtt VuSnatzm« bei Gmmisgr. Dte „Steyener LmntltendlStter- werden dem ,Lnzetger^ dermal wöchentlich beigelegt, da« wEretsblati (fif ba Kreis Eietzeo- zwei mal wöchentlich. Di« ^Landwirlschastlichev Lett- fragen“ erscheinen monatlich -weimat. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhesjen ÄofffftmtSbrud enl Verlag bet VrÜbNch« UnwersitätS • Buch- und StetnöcudetcL 8t Lange, Dießen. Redaktion. Expedition and Druckerei» Schub» ftrafee 7. Expedttton und Verlag: 5L Redaktion: ^-^112. Tet-Adr^AnzeigerGieße«» -2 Deutscher Reichstag. 260. Sitzung, Dienstag, 18. Mai. Arn Tische des Bundesrats: b. Bethmann-Holltveg. Präsident Gras Stolberg eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 16 Min. Die Berner Uebereinkunft zum Schutze von Werken der Literatur und Kunst wird ohne Debatte in dritter Lesung erledigt. Das Patentabkommen mit NordamerUa. Es folgt die dritte Beratung des Abkommens mit Nordamerika über den gegenseitigen gewerblichen Rechtschuh. Die Angehörigen des einen Vertragsstaats sollen in dem anderen Vcr- tragsteile keinem weitergehcnden patentrechtlichen Zwang ausgesetzt sein, als im Heimatstaate. Abg. Dr. Stresemann (Natl.): Der Vertrag ist eine weitgehende Konzession gegenüber Amerika, obgleich die übertriebene amerikanische Schutzzollpolitik unseren Anteil am amerikanischen Markt immer mehr schmälert. Hoffentlich sorgt die Regierung für die richtige Vertretung der deutschen Interessen. Staatssekretär von Bethmann-Hollweg: Wir hoffen, daß das Abkommen in seinen Grundgedanken auch zu Verträgen mit anderen Staaten verwendbar sein wird. Den Vereinigten Staaten wird durch dieses Abkommen die Vorteile der Rechtslage gewährt, die gegenwärtig den Deutschen in den Vereinigten Staaten zustehen. Beide Teile werden durch das Ab- konnnen dagegen gesichert, daß durch die Einführung oder durch rigorose Anwendung des Aussührungszwangs der Verkehr gestört wird. Ich bitte den Reichstag, dem Abkommen zuzustimmen. (Beifall.) Das Abkommen wird in dritter Lesung unverändert an- genommen. DaS Münzgesetz wird auf Antrag deS Abg. Dove (Fr. Dg.) en bloc in dritter Lesung erledigt. Es folgt die dritte Lesung des Bankgesetzes. Abg. Dr. Arendt (Rp.): Nach den Ergebnissen der zweiten Lesung sehe ich davon ab, nochmals Anträge zu stellen und meine Ansicht nochmals zur Geltung zu bringen. (Sehr gut!) Ich bedauere, daß das Gesetz eine Gestaltung erhalten hat, durch die die Reichsfinanzinteressen gegenüber den Interessen der Anteilseigner der Reichsbank nicht genügend gewahrt sind. Ich bin daher nicht in der Lage, für das Gesetz zu stimmen. Das Gesetz wird gegen die Wirffchaftliche Vereinigung und einen Teil der Reichspartei unverändert angenommen. Ohne Debatte wird in dritter Lesung erledigt das Gesetz über die Verwaltung des Reichsinvaliden» und des Hinterbliebenen-Fonds. Die dritte Lesung deS DiehseuchengesetzeS. Abg. Struve (Fr. Vg.): Wir bedauern außerordentlich, daß alle unsere Abänderung?, anträge in zweiter Lesung aügelehnt wurden. Es wird nun alles von der Handhabung des Gesetzes abhängen. Wir richten an die Regierung die dringende Aufforderung, dieses Gesetz nur als Seuchengesetz anzuwenden und auf keinem Umwege das Gesetz dazu zu benutzen, die Grenzen künstlich zu sperren und protektionistische Interessen zu vertreten. Selbst viele Landwirte stehen dem Gesetz ffeptisch gegenüber, weil sie schwere Schikanen befürchten. Trotzdem werden wir^dem Entwurf' zustimmen, weil er immerhin einen gewisien Schutz der deutschen Viehzucht bringt. Der Redner wendet sichgegenden Bund der Landwirte und besonders gegen den Abg. Dr. Hahn. Dieser habe mit seiner Behauptung, Professor Adolf Wagner sei in der bekannten Versammlung der Steuer- und Wirtschafts- reformer deshalb so heftig angegriffen worden, weil er die Herren mit „Ihr" anredete, Fiasko gemacht. Abg. Dr. Hahn (Kons.) bemerkt, er sei selbst nicht in der fraglichen Versammlung gewesen. Sein Gewährsmann, Herr v. Bodelschwingh, könne sich allerdings geirrt haben. Sodann tritt der Redner für die Politik des Bundes der Landwirte ein, durch die die deutsche Landwirtschaft zu ihrer jetzigen Blüte gekommen sei. (Großes Gelächter Abg. Stolle (Soz.) wendet sich gegen den Bund der Landwirte. Abg. Gothein (Fr. Vg.): Bezüglich der Versammlung der Steuer- und Wirtschafts- reformer nennt Herr Hahn heute nur ein en Gewährsmann; das vorige Mal sprach er von mehreren. (Hort! Hort! links.) Die Sache wrrd noch in der Presse weitere Kreise ziehen. Herr Hahn hat wieder die Gelegenheit ergriffen, um die Politik des Bundes der Landwirte in den Himmel zu heben. Diese Politik verspricht ja allen Bevölkerungskreisen das Blaue vom Himmel herunter. Sie hat zur Blüte der Landwirtschaft und der Industrie nichts beigetragen. Abg. Dr. Struve (Fr. Vg.): Professor Wagner hat einen Bries an Dr. Hahn gerichtet und einen zweiten Brief, einen « ° n t r ° l lb r i e f, an den Aba. Regier Wenn er von der Loyalität des Aba. Hahn überzeugt wäre, hätte er den Brief an Herrn Fegter nicht geschrieben. (Hört! Hört! bei den Freisinnigen.) Abg. Dr. Hahn (Kons.): Ich muß aber doch Verwahrung einlegen gegen die gan^e Art und Weise, wie Dr. Struve hier .poleminert. Da§ Gepflogenheiten, die behalten Sie güttgst in ^ren eigenen Kreisen! (Lebhafter Beifall rechts, Lachen links.) Im übrigen, was die Wertschätzung des Geheimrat Wagner anlangt so ist sie im allgemeinen bei den Parteien der Rechten und des Zentrums lebhafter als bei Ihnen, weil er in feiner tDirt)d)art- &en Meinung weit mehr mit dem ubereinittmmt, wa- wirticha.tt lich und steuerpolitisch von der Rechten, dem Zentrum und auch von den Nationalliberalen vertreten wird als mit ben Grundsätzen der Freisinnigen. Nicht ich habe die Poli.ik des Bundes ^r Landwirte in die Debatte gebracht; ich bin angegriffen worden, und da habe ich, nicht zum letzten Male, den Versuch gemacht. Ihnen und mehr noch den Herren im Lande, die ^hre Wähler sind und die wir hoffentlich Ihnen der Reche nach . ^nehmen werden i(Heiterkeit), auseinander zu setzen, daß die im Jahre 1902 ein- geschlagene Politik ein volkswirtschaftlicher Gedanke von uns war. Ohne das Intermezzo der Caprivischen Politik wären schwere Jahre der Landwirtschaft erspart worden und würden wir in unserer allgemeinen Entwicklung weiter sein. (Zuruf links: Das war die beste Zeit!) Ja, das war die beste Zeit für Sozialdemokraten rmd Freisinn, aber es war nicht die beste Zeit für die deutsche Industrie und für das deutsche Großkapital. (Beifall rechts.) Abg. Gothein (Fr. Vg.)', mit Lachen und Unruhe rechts empfangen, widerspricht den Aus. führungen des Vorredners über die Caprivische Handelspolitik und verliest dann aus dem agrarischen Handbuch: -Die veterinärpolizeilichen Maßnahmen müssen in dem Augenblick aufgehoben werden und werden aufgehoben werden, wenn der SeuchenNand im AuSlande die Einfuhrverbote nicht mehr rechtfertigt. (Sehr richtig! rechts.) Wir haben aber wiederholt den Fall erlebt, daß Seuchen vollständig im Auslande verschwunden waren, ohne daß die preußische Regierung auch nur eine Spur daran gedacht hat, die Seuchenschutzmaßnahmen außer Kraft zu setzen. DaS gleiche gilt gegenüber Frankreich. (Schlußrufe rechts.) Abg. Dr. Struve (Fr. Vg.): Exzellenz Wagner scheint seinen Schüler genau zu kennen, denn Dr. Habn saß ganz gemächlich im Foyer, statt von dem Brief Wagners hier Kenntnis zu geben. Abg. Dr. Roesicke (Kons.): Herrn Gothein, der der Meinung ist, daß in der Taprivizeit es der Landwirtschaft sehr gut gegangen wäre, kann ich der ganzen landwirtschaftlichen Bevölkerung als besondere Autorität vor- führen. (Heiterkeit rechts.) Wenn im Ausland keine Seuchen mehr herrschen, und wir sicher sein können, daß von dorther keine Seuchen mehr eingeführt werden, dann ist der Zeitpunkt da, wo wir auch ein Viehseuchengesetz nicht mehr brauchen. Da aber ein solcher Zeitpunkt nie eintreten wird, muffen wir e$ haben. (Gelächter der Freisinnigen.) Früher haben wir hier und da immer Seuchenherde gehabt, heute nicht mehr. (Beifall rechts.) Abg. Fegter (Fr. Vg.) bemerkt in bezug auf die Haltung des Bundes der Landwirte in Sachen der Futtcrzölle, daß im Kopf des Dr. Hahn sich die Ge- danken labyrinthisch verwirren müßten, da er es fertig bringt, sich in ein und derselben Rede sechsmal zu widersprechen. Abg. Dr. Hahn (Kons.): Ich habe keinen Vorwurf gegen Geheimrat Wagner gerichtet, sondern nur gesagt, nach dem was ich gehört habe, habe ich den Eindruck, daß er animos war. (Zuruf links: Das ist kein Vorwurf!) Herr Gothein verdient unseren Dank. Nach seiner Rede über die herrliche Caprivizeit brauchen wir in den fteisinnigen Wahlkreisen keine Versammlungen mehr abzuhalten, und keine Flugblätter mehr zu vertreiben, nur diese Rede zu verbreiten. (Heiterkeit rechts. — Lachen links.) Wie richtig unsere Politik war, zeigt die völlige Seuchenfreiheit Deutschlands, womit Milliarden an Vermögen für die deutsche Landwirtschaft sichergestellt sind. Das ist die Probe auf das Exempel. (Beifall rechts.) Abg. Gothein (Fr. Vg.) schließt seine Erwiderung unter allseittger Heiterkeit mit dem Rufe: Nun sei bedankt, du lieber Hahn! Abg. Wachhorst de Wente (Natl.) : Dr. Hahn hat am Sonnabend den Abg. Fegter und mich „Partikularisten in wirtschaftlichen Fragen" genannt. Wenn er der Ansicht ist, daß ich wirtschaftlicher Partikularist bin, d. h. in der Provinz Hannover, die in erster Linie eine viehzuchttreibende Provinz ist, für die Interessen der Viehzucht eingetreten bin, dann mache ich ihn darauf aufmerksam, daß der Slaatsminister v. Podbielski, mit dem er in agitatorischer Weise die Provinz durchzogen hat, daß dieser doch ganz sicher auf nationalem Boden stehende Minister sich als Vortragsthema in Hannover ganz besonders das hannoversche Schwein aus- gewählt hat. (Große Heiterkeit.) Abg. Dr. Hahn (Kons.)' Nach dem, was mir bis jetzt berichtet wurde, hat Herr Wach- horst de Wente die Politik des Bundes der Landwirte, die Sache des Zolltarifs, als einseitig so und so oft angeführt. Jetzt sagt er, er hat die Forderungen des Bundes der Landwirte unterstützt. Dann hat er also heute den Weg nach Damaskus gefunden. (Lachen links.) Abg. Wachhorst bc Wente (Natl.): Wenn ich in meiner Eigenschaft als Vertreter der nationalliberalen Partei der Provinz Hannover die vom Bunde der Landwirte unter Führung des Abg. Dr. Hahn getriebene Polittk auf das allerschärffte zu bekämpfen Gelegenheit gefunden habe und Kritik zu üben am Bunde der Landwirte, so glaube ich, in vollem Rechte zu sein. Wenn Herr Hahn mir jetzt sogar ein Lob erteilt, so kann ich mir denken, wie schwer eS ihm ist, ebenso schwer, wie wenn die Verhältnisse ihn hier rmd da zwingen, einen Nationalliberalen zu unterstützen. Das sind Stimmungen, die den Fuchs beseelen, wenn er im Winter Mäuse frißt. (Große Heiterkeit.) Damit schließt die Generaldiskussion und damit auch diese Aussprache, während deren die Redner sich in fortwährendem Kampfe mit dem Präsidenten befanden. Es folgen noch persönliche Bemerkungen. Abg. Dr. Hahn (Kons.)': Ich habe nach den SB orten des Herrn Wachhorst de Wente festgestellt, daß er die Forderungen des Bundes der Landwirte unterstützt. (Lebh. Widerspruch links, Abg. Wachhorst de Wente: In manchen Fällen!) Im übrigen bin ich derjenige, der durch meine Erklärungen zu seinen Gunsten ihm in den Reichstag hineingeholfen hat. (Lackien links.) Damit schließt diese Aussprache endgültig. In eine Spezialberatung wird nicht eingetreten. Das Vieyseuchengesetz wird e n bloc angenommen. Es folgt die dritte Beratung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb. Abg. Werner (Reformpartei) beantragt en bloc-Annahme. Abg. Tove (Fr. Vg.) widerspricht und beantragt, im § 3 die gestern gestrichenen Worte „tatsächlicher S(rt" wieder e i n z u f n g e n. Es soll also be. straft werden, wer in der Absicht, den Anschein eines besonders günstigen Angebots hervorzurufen, wissentlich 'wahre und zur Jrresiihrung geeignete Angaben tatsächlicher Art macht. Geh. CberregirungSrat Tungs unterstützt den Antrag Dove- Abg. Roeren (Zentr.) bittet um Ablehnung. Der Antrag wird ab gelehnt und das Gesetz und er. ändert nach den Beschlüssen zweiter Lesung angenommen. ES tritt am 1. Oktober 1909 in Kraft. Der Bericht der ReichSschuldenkommission wird entgegengenommen. Für die Rechnungen wird Entlastung erteilt. Die Rechnung der Kasse der OberrechnungS- lammet für 1906 wird in zweiter Lesung genehmigt. Es folgt die zweite Beratung der Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben des o st a f r i k a n i s ch e n und s» d w e ft. afrikanischen Schutzgebiets für 1901. Die Kommission beantragt, die nachgewiesenen Etats. Überschreitungen und außeretatsmäßigcn Ausgaben zu genehmigen, zwei Titel aber zu b e a n st a n d e n, nämlich 192 800 Mark für den Bau eines Hellings nebst anschließender Ufermauer und 127 400 Mark für die Herstellung eines Molenauerarms im Hasen von Swakopmund. Abg. Görcke (Natl.) empfiehlt die «Beanftanbung. Selbst die Kolonialverwaltung habe nichts davon gewußt, daß die Helling gebaut wurde. Auch wegen des Baues des Molenquerarms sei sie von den Swakopmunder Beamten nicht gefragt worden. (Hört! Hört!) Warum habe man die Schuldigen nicht zur Verantwortung gezogen? Die Dean- standungen würden eine erzieherische Wirkung für die Kolonial, beamten haben. Staatssekretär Dernburg: Die Beanstandung ist etwas sonderbar. Die Beamten sind mit voller bona tidc vorgegangen. Vielleicht Ivaren sie etwas unvorsichtig. Wenn wir ein Exempel statuieren wollen, dann muffen wir auch die Gewähr des Erfolges haben. Sollen tmr titer, fünf Jahre einen Prozeß führen, um dann festgestellt zu sehen, daß der Mann optima fide gehandelt hat? Ich warne da? Haus vor einem verfehlten Schritt, den ein so hoch stehender Körper, wie der Reichstag, nicht tun sollte. Abg. Erzberger (Zentr.): Wir sehen auch bei diesem Falle wieder, wie das Geld in Afrika verpulvert worden ist. Man kann nicht derb genug gegen diese Mißstände auftreten. Es ist doch unerhört, daß ein ganz gewöhnlicher Beamter Bauten auf führen kann, die Hundertausende kosten, ohne daß er sich dabei um BundeSrat, Reichstag oder sonst, wen kümmert. Mag er auch im guten Glauben gewesmi fem. Wir müssen zum Ausdruck bringen, daß unser Budgetrecht nicht ungestraft von jedem beliebigen Beamten verletzt wird, ^.eshalv bitte ich, den Antrag der Kommission anzunehmen. Staatssekretär Dernburg: Der betreffende Beamte hat keinen eigenen neuen Bau aus- geführt, sondern nur bei einem vorn Reichstag bewilligten Bau sich einer Ueberschrcitung schuldig gemacht, die er im Interesse deS Baues für unerläßlich hielt. Abg. Erzberger hat 'elbst dem Beamten, der übrigens kein ganz gewöhnlicher Beamter ist, sondern ein Baurat, der durch viel mehr Examen gegangen ift aI8 fo mancher andere, die beste Rechtfertigung erteilt, als er sagte, daß er in gutem Glauben gehandelt haben mag. Abg. Dr. Görcke (Natl.): Der Herr Staatssekretär hat — wenn ich fo fagen darf noch niemals so ungeschickt gesprochen wie heute. Präsident Graf Stolberg: Herr Abgeordneter, Sie wollen damit wohl fagen, her Herr Staatssekretär habe wenig geschickt gesprochen. (Große Heiter- teit.) Abg. Dr. Görcke (Natl.): Die bona fides deS Beamten haben wir nicht bezweifelt, aber eS ist bei deutschen Beamten nicht üblich, daß sie auf eigene Faust handeln und sich nicht um den Bundesrat und Reichstag kümmern. Das darf auch nicht einreitzen. Abg. Erzberger (Zentr.^ polemisiert nochmals gegen den Staatssekretär. Staatssekretär Dernburg: Ich habe nicht die Verletzung des Budgetrechts durch ettten Beamten decken wollen, sondern ich habe bloß die OpportunitätS- frage erörtert, ob gegen den Beamten eine Regreßklage eingebracht werden soll ober nicht. (Der Staatssekretär bittet den Abg. Ledebour, der Zwischenrufe macht, ihn nicht zu stören. Ledebour ruft: Sie machen ja doch nur Redensarten.) Präsident Graf Stolberg ruft den Abgeordneten Ledebour zur Ordnung. Abg. Ulrich (Soz.): Für jede Dummheit seiner Beamten tritt der Staatssekretär ein. Schon in der Kommission hat er versucht, uns durch seinen glatten Schmus einzulullen. (Große Heiterkeit.) Graf Stolberg: Bitte, wählen Sie doch andere Ausdrücke. (Erneute Heiterkeit.) Abg. Ulrich: Wir lassen unS durch feine Redeblüten nicht beeinflussen. Der heillosen Wirtschaft mutz ein Ende gemacht werden. Abg. v. Oertzen (Rp.): Wir werden dem Kommissionsantrag zustimmen, behalten unS aber zur dritten Lesung einen Antrag vor, wonach wir die Etats- Überschreitung mißbilligen, eine gerichtliche Verfolgung der Beamten aber ablehnen. Der Kommissionsantrag wird einstimmig angenommen. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Präsident Graf Stolberg beraumt die nächste Sitzung auf Dienstag, den 15. Juni, 2 Uhr an: Interpellation auf Aenderung der Mecklenburgischen Verfassung. Der Präsident teilt weiter mit: M. H. Es ift mir soeben eine telegraphische Einladung vom Oberbürgermeister Gauß aus Stuttgart übergeben worden, die folgenden Wortlaut hat: „Stuttgart. Die hiesige Stadtverwaltung hat die Absicht, die Mitglieder des Reichsiags zu einem Besuch der Stadt Stuttgart im Anschluß an die Besichtigung des Zeppelinschen Luftschiffes einzuladen. (Allseitiger Beifall.) Wir beehren uns, dem Präsidium hiervon vorläufig Mitteilung zu machen mit der Bitte, uns von der Zahl der Teilnehmer sobald wie möglich Kenntnis geben zu wollen. Oberbürgermeister Gauß." (Lebhafter Beifall.) Der Präsident entläßt dann das Haus mit den besten Wünschen für die Ferien. Schluß gegen 5 Uhr. ID**/, dringend*» Kill* »Icher anxutreffen B*. Gr<>»»h. Pollxrlamt. K- t.hart. Temperatur am 17. bis 18. Mai Höchste Niedrigste 17. 18. ein daß es ein besseres, wohlschmeckenderes bekömmlicheres Malzkafsce- UH 3GH 720 3» 8Q8 934 149180 48' 576 (Nachdruck verboten.) (Ohne Gewähr.) (Nachdruck verboten.) (Ohne Gewahr.) 150 [30001 ?01 357 79 iai [1000] 77 629 706 829 043 48 8471 548 637 9106 106 357 74 966 93 11068 112 [30001 88 1 5634. 411 19 731 I < 157373 972 12(03 90 99 414 59 Ml 159- । 463 13lf5 401 M6 54 744 13000) 541 *51 18 86 TO* 75 16010 410 21 73 837 17126 350 17586 174 84 ZOo 73 882 23o»* 106 24151 ■ 1 '09 12 63 628 3« 790 24"'.» [500) 83 9 9; 3 540 705 I0O0] 04t 26049 183 219 671 797 033 ' 1000] v! 15 316 40040 40 901 H55 185167 544 9t 704 *T ■ 45119 0 495 521 *« *07 46W #2 76 77 188001 .77 47)00 [SIIOO] 90 [yo] 92 13000) 561 52t em 791 492)0 13 131 50" > 2114 46 470 [ 600 | 331 66 653 972 5 1 007 91 8»7 601 10 . 67 52103 (1000] 18 83 311 349 560 434 576 IM 193304 194'76 633 60 884 Ml 774 1 95 142 41 2OO<*0i i ' 436 390 169 87 U 611 1* l<0 M 3V 612 <7 l 873 'a34 l*0| 20836 13 241 571 652 *434 T! 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Sin idi erkalte: dann genügen fertig bi» ♦ ♦ \ebn PauiUen. alle analenden Erscheinungen auhubebes. ♦ ♦ ♦ vab tdi einen 'chmeren . nüen ■ ♦ ♦ ♦ b' '•c• Milch und in ein t ■ 2nntben bin ich wieder m der .‘Reibe, -avS achte roöenci tonen nur S3 Pig die /> * ♦ ^djamiel und inan kaust sie m allen ‘.Ivoibrten, Truaertrn ♦ ♦♦ und Mineralwasierbandluiigen i*»"i I.’JWJ] .07 618 778 MC 019 15*07 59* 7.1> «0 64 888 M3 155<«« 45 RO*!S 219 4*5 nf 81679 6A)I 96* 82231 534 RI.'73 321 321 61 TU 645 717 8 *333 M? träge, nxreben btc 80 ra bte 80 fc nad) den ÄoimnifTwn-3- w' »3 [SOn] 247 M ISO1»1 »i 737 69014 82 16» 153 1500) 165" a 101 4b 900 '> 76 £>0 734 [SÜOO] 95» 197175 ' L55 "34 * 1 ' »6? 914 19 31 145100 5 47 64 848 96 a>0 796 oll l*6ci. IN 3ll 400 515 683 741 851 929 70 [500] 1*7438 ,500] M 668 M» 1*8047 116 54 «o? ' 00] 149:<7 [*»] 61 74 (|r. Pirach, A*terweg 3*. — l>r. W»«le, Ahctttrxwe 11. 947 207 3.4 ISOOO] 410 «34 7S4 »2 72 882 [30.) I 73 '.«5 C08 S75 1500 93t [500] 93 152'3» 65 .'.'I 51 41f* » 522 M2 153 '6 »0 ?>-s ^ninilicn«21ncbriditcn. Geburten: Herrn ^Rechtsanwalt Keil und Frau in Büdingen Sohn. i s • t 964 NO 2163 r, '2 7." 7.1 Hufl 3125 31 42 50 29» ; 133 u 54 4'6 7» : 15 *14 135 174 i r I- 977 130142 157 ' 138017 149 N * <4* 73; «. 282'*' -eo *<171 146 4 422 ri 1.7 40 280?' 287179 3C3 «: •01 744 Ivo 1OP 4 110-34 i« 4»i : i- * 112'15 »44 'iS 072 213"8 271 '.-I 76 425 5*7 I5«n *38 • 2*7133 * l-mol 17 .' r. 72S «> *.11 4 ' 55 -f 2*8 47 II t I W) 63 402 10 95 51 250" 461 77 *7 555 • -ol 1. 252oi7 )] *02 44 4 76 561 «30 :« »in 2 lfi-.it 3 ui3 248-''* Citcrartfcbe». — S herlock Holmes a l s Erzieher von HanS £>nan, mit einem Borwort von ?)kchtsanwalt Tr Halpert. (Berlin 1909. Selbstverlag.) Der Autor unternimmt cd, in dem vorliegenden Bändchen einer verbreiteten Ansicht enrqegenzutreten, der nämlich, hast in der letzt aller Crten üirftretenben, viel gelesenen Detektiv literatirr die eigentliche Wurzel der Kriminalität der Jugendlichen zu finden sei. £)nan bestreitet das energisch. Er fährt aus, baß die eigentlichen Ursachen zu dem Anwachsen des Verbrecherprolc tariats überhauvt und des mgcnblidien Aachwuchses insbesondere ganz wo anders ;u suchen feien Er gräbt, nach den Entstehungs- ursachen des Berbveckiens forschend, der Teczendenz solcher Ber brecherkinder nach imd kommt da ui Resultaten, die dem Alkohol als BolkSvergister hart zu Leibe gehen . . vvanS Ausführungen über dieses Thema sind ebenso bemerkenswert, mir die von anton taticer Statistik gestützte Behauptung einer allzu leichten und häufigen Bestrafung der Kinder deren Lektüre auch in anderen ist Indianer und Detektivgeschichten bilden, ohne dast Eltern und Erzieher daran Anstoß nahmen. «10 77S 123'1.» (10* 1.6 S6 (10001 »7 »49 586 7M DO) •*' W 12*1*9 <7* X* 641 ‘91 9» 125'73 »4 » .W 31 85 44- Qx kl 725 SM 126«21 33 IS» "1 Viele Säuglinge schreien oft Tage und AäMe. weil He an Blähungen leiden, ivetdie durch die in groben Älumpen gerinnende »ubmilro im Darme der Kinder verursacht werden. Gibt man il» Nahrung einen .’Uifav von ..«ufefe* zur Milch, so wird Deren ttzerinnung iemflodincr. Tic Warunnen Dören aus, die Kinder de kommen wieder ihren ruhigen Schlaf und gedeihen. 69 646 785 644 063 MO) 717 1 •*! «TI 45 64 16 *41 <51 «K> 760 (50«, 66 »11 132 67 - 41. *t* 77 10. Ziehung 5.KI 220 Kgl. Preuss. Lotterie Ziehung vom 18. Mal vormittag«. Nur die Oy Innr über 240 Mark «Ind den bclrelfendcn Nummern In Klammern belgcfüirt Dictcorologiidic ^cob irtjtimflen der Statioii Gießen.' 150171 296 375 63 151 ' 61« 797 153697 15*114 21» 155 .7 ini *> y» «71 7*3 158007 (9 771 m «c.4 7631» rr «M 74: 7x 133 «► I •»* 286« 337 233 Dcrmtjcbfcs. • Eine Trauung auf hoher See begingen der jkaoitaii Hermann Richard Aas und -näukin Sterte Lovhie Borner aus Staranger Aach einer Mitteilung Der „Südwend Hon " konnte das Haar wogen der Mqt der .kil in >.ngtand die «otwenot» > .. kurzerhand emidiLn";. Dir Trauung aut einem kleinen Schl-vvdampser vornehmen zu lassen S,e fuhren Drei englische Meilen weit von Tvne ent* int in die Nordsee hinaus, wo Bastor Manien von der dänischen stirche in Newcastle die Zeremonie in aller ADrm vollzog * Ter NolumbuStag Zm ReorLfentantenhau'e zu Washington ist ein Antrag gestellt worden, den Tag der Entdeckung Amerikas zu einem staatlichen Hesttagr zu erheben Bekanntlich ist der 12. Oktober im Staate Newnork bereits in letzter Session zum staatlichen Feiertag erhoben worden und trägt den Namen „Tag des kvlumbuS". 85'13 47 -TO 1 . - 87043 114 88 • '45 431 »24 >X>) 900 « »4 *5 306 |jO0) 483 569 CO* . 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Herr VenibaiD caljmann, beide in Bad Nauheim — Herr Wilhelm Weber ui Bntzda b. — lirau tfui SOI .**» M. » *477 1 1 6"' l»l 67 r?3 34TO 89* TOI MS 1170?4 StimmuwflsbUb «es Oe« prtifc. 3bgt»r6acter»- ' Berlin, 18. Mai Der Rvmetenparaqraok, 8VfderBerggesetznovcll — Eometenparagrupb, weil sich an den bec S 80 f Tchtveif txm nicht wetriger als 18 Unterparagrap’ien, ' bis 80 fs, mrschliestt beschäftigte am Dienstag das A b geordnetenhaus sMndcnlang Mik dem Ergebnis, das dieser die Sicherheitsmänner und ArHeiterausjchusse vor- febenbe Paragrarch, der Wern und Stern der gonvn Novelle, avgelehnt wurde? Aber es war keine ernstgemeinte Ad lehnung, sondern eine, die lediglich aus einem formalen ftrunbe erfolgte. Ehe über den Paraqravhen abqeitimini wurde, tmrrden die bayi gestellten Anträge erledigt Und da passierte es der Rechten, dast sie ven ehern (ich einem Zenlrumsanlrage wHnnmte, der die Sicher Heils man ncr und Acbeiterau schusse nicht nur für die unterirdisch betriebenen, sondern für alle Bergn^rke fordert. In dieser Hassung erschien der Paragraph der Rechten und den Nationallideralen unannehmbar, und so stimmten denn die beiden Kvnser- baüorn und die nationafiiberalc Fraktion unter stürmischer Heiterkeit des Hohen Hauses bei der Endabstimmung gegen ihn Man ließ sich natürlich durch diese rein formale Ablehnung des Paragrapchen nicht stören uno beriet die Sä>weisparagrapl>i'n, die den 8 80 f zur Voraussetzung haben und ohne ihn völlig in der Luft schweben, getrost weiter liebet die ersten drei Uulerparaqraphen, 80 fa bis 80 sc, kam mau ,edvch nicht hinaus, denn fast an jeden Satz lnupste s'ch nichl mir eine ausgedehnte Debatte, sondern auch ein Rattenkönig von Anträgen Ihrer wiiren eine fo’ibi* Hülle, aast selbst einem so geistesgegenwärtigen und üeschästskundigen Präsidenten wie Herrn v. strücher, cs fdilienlid) nicht mehr möglich war, sich in dem Tohuwabohu der Präsident sich zu guter letzt an das Holte Haus mit der Bitte lvenden, ihm bei der Entwirrung dieses Wusts von Anträgen beliililid) zu sein. Ten >>auptteil der Diskussion bestritt der National liberale Dr. Beumer, der in ausführlicher Rede energisch für die Ävmmissionsbeschllisse eintrat und dadurch die Unterstützung des Ministers und der Redner der Wed^eit fand Desto entschiedenerer Ablehnung begegneten die Ausführungen des Natioualliberalen bei dem Sprecher der Freisinnigen, Wolff-Liisa uno den Rednern des ent rums, der Sozialdemokratie und der Polen. Namentlich der b'enosfe Leinert und der Zentrumsmann Hironowski gingen geyen Tr. Beumer [dKirf ins Zeug, und namentlich die persönlichen Bemerkungen der Gegner nad) 5d)luf) der Tebatte waren stark gepfeffert. Schließlich, nad) ,’eitraiibcnoer VCbitimniunq über das gute Schock Au 190160 411 7?5 M I !-•<' 1 51 M 191057 11' 1 77 4 «31 ^0] M- 192 0 llOfiol *3 97 SM »» 200 ' » 166 [t । irwiol 201 4 t . 202m-- 7» ;*> M4 «ol 7« 2O3i v.’ > *i« *" >'■ 20*ni) in* 457 5 * -.•> f5«l *41 *^9 *1? 20tz>4 54 7 4» «66 145 545 6.9 771 97 •2 77 156132 217 3" .:.'9 49 45b 364 9- ' . 747 - il 158? 7 XV. 59 »69 IBS' > 344 79 |.’Ai| 7» «4 6«! 75» O6'i 1000) 162-9 05 I N) II« 52S .11 (301'1 h?l -V. 163SW »90 -’.l «* ISOOO) 84 7M 'Il lß*l"7 MO 75 762 9"5 165'02 30 HS* [500] 97'.' 107144 *31 12 197 614 1500] 7-1# 874 034 108 7- 505 43 ! 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