Erstes Blatt IS».Jahrgang Donnerstag 18. Februar 190» erscheint täglich, außer W cb* Bezugspreis: Sonntags. — Beilagen: v £^r v' monatlich 7bPi„ vierte.'- v i er in a I wömemlich 18 a j&k Ak WA. Ak A gK A g\K ' ^4 AA A H. jährlich Mk. 2.20; durch ssstöitnciicr zliKCGcr wirlschafUicheAeitfragc» W' -W^ U M VSV Z8 W >1 '3^' S3y Zeilenpreis: lokal 15Pf, ^ernsprech-Anschlüsse: W ■ g» w auswärts 20 Pfennig. für bte Redaktion 112, ^7 /^Av^ Verantwortlich Verlag u.Expedition bl . . . < A< V ah zIa IT <" ** für den politischen Teil: W.V General-Anzeiger für Gberhefsen UM bis ^näuM" uh? RytaüsnrbrvS und Verlag -ervrühpschen Unw.-Vuch- and StelndruSerel H. tauge. Beöaftion, Expedition und Druckerei: 5chulstratze 7. 8nzeigemeN'H?BeL Die heutige Nummer umfatzt 10 Selten, ---------- ■ — -.7.-. .-■- ■---- .--------- Vie augenbliSIrchen Aussichten der Reichsfinanzreform sind, wie man weiß, schlecht. Das Branntweinmonopol ist gefallen, baS Erbrecht des Staats muß als gefallen betrachtet toerbeit, da die Annahme durch das Mißverständnis zweier Zentrumsabgeordneten erfolgte und danach die Ablehnung in zweiter Lesung sicher ist, die Nachlaßsteuer tvird ohne Zweifel abgelehnt werden, die Zigarrenbanderole, An zeigensteuer, Oa*> und Elektrizitätssteuer werden desgleichen fallen. Was bleibt übrig- Die National- liberale Korrespondenz beantwortet alle die vielen Fragen, die sich aus dieser einen ergeben, in folgender beachtenswerter Weise: Heute liegt die Sache so, daß das Zentrum eine üuSreichend: Finanzresorm nicht machen wird, und da der Block als solcher nicht funktioniert, füllt Zweig um Zweig Und Herr Sydow steht da: ein entlaubter Stamm. Es ist bedauerlich, daß der Finanzreform von vornherein der große Zug fehlte, daß Vorschläge gemacht wurden, die ganz aussichtslos waren und das große Werk diskredierten (Gas-, Elektrizitäts-, Inseraten steuer), daß man Kompensationen anbot, die wie die Beseitigung der Fahrkartensteuer gänzlich überflüssig waren, da nur ihre Reform, nicht die Beseitigung in Frage kommen kann. Dazu nmßte das Fehlen eines Mantelgesetzes von vornherein als ein schiverer Fehler erscheinen. Das Mantel- gesetz hat sich bei der letzten Finanzreform so ausgezeichnet bewährt, daß es unbegreiflich ist, wie man aus kurzsichtiger Erwägung darauf'verzichten konnte. Dadurch entstand die Gefahr, daß die einzelnen Steuergesetze niedergestimmt wurden, ohne daß es möglich war, die Dissidenten beim Mantelgesetz unter den Gesichtspunkt der naticnalen Notwendigkeit der Finanzreform zu sammeln. Was nun? Ein Jahr ist beinahe verloren. Statt wachsenden Vertrauens unter den Blockgenossen, zieht Mißtrauen ein und die Parlamentarier, deren Ratschläge ungehört verhallten, sind nicht freudig gestimmt. Es wird der ganzen Energie der führenden Politiker bedürfen, um nicht dem In- und Ausland das beschämende Bild eines Scheiterns der Finanz- reform zu geben. Ein Hinausschieben der Entscheidung, ob eine direkte Steuer bewilligt wird oder nicht, ist für den Liberalisnrus nicht annehmbar. Den Konservativen mag es dienlich erscheinen, die Entscheidung hinauszuzögern; teils ihrer inneren Schwierigkeiten und der landwirtschaftlichen Woche wegen, vielleicht auch deshalb, um zu versuchen, auf diesem Wege die direkte Besteuerung überhaupt zu vermeiden. Wir können uns folgenden Plan der Konservativen denken: Zunächst werden die Konsumsteuern: Branntwein, Mer, Tabak und andere Konsumartikel, durchberaten, um aus diesen Steuerquellen 300 Millionen mit Hilfe des Zentrums und der Liberalen zu bewilligen. Dann wird man versuchen, diesen oder den nächsten Reichskanzler zur Annahme einer solchen par- ziellen Finanzveforrn zu bewegen, mit der Aussicht in einer späteren Zeit weiter zu reformieren unb der Notwendigkeit zunächst die fehlenden 200 Millionen auf Dtatrikulorbeiträge zu übernehmen. Man wird mit der Argumentation operieren, daß e8 doch sehr töricht wäre, einer theoretischen Schrulle, der direkten Besteuerung halber, ein Offert von 300 Millionen zurückzuweisen. Aber die Konservativen täuschen sich. Die Liberalen, einschließlich der Nationalliberalen, werden die Finanzreform nur unter zwei Bedingungen machen : einmal wenn der Gesamtbedarfund nicht nur ein Teil des Bedarfs des Reichs gedeckt wird; zum zweiten, wenn eine direkte Besteuerung des Besitzes erfolgt, lieber die letzte Frage muß Klarheit geschaffen werden. Die Lösung darf nicht hinauö- geschoben werden, sonst laufen die verbündeten Regierungen Gefahr, daß die Konsumsteuern, die noch nicht beraten sind, abgelehnt werden. Wenn die Finanzreform nicht zustande kommt, ist es gar nicht erst notwertdig, in eine Beratung der weiteren Konsumsteuern einzutreten. Man beginnt in den Kreisen der Liberalen unruhig zu werden; der Plan, die Entscheidung über die Besitz steuer hinauszuschieben, stimmt bedenklich. DaS einzige Mittel, die gegenwärtige Spannung zu lösen, besteht darin, daß Blockparteien und Regierung sich zunächst vor Beratung der Mer- und Tabaksteuer über die direkte Steuer verständigen. Geschieht dies nicht, so wird man erleben, daß zu den bisherigen Niederlagen des Herrn Schatzsekretärs weitere Mißerfolge treten. Jedenfalls liegt keine Veranlassung für die liberalen Parteien des Reichstags vor, der Taktik der Konservativen sowohl die Nachlaßsteuer als auch die von den Nationalliberalen vorgeschlagene und vorbereitete direkte Neichssteuer abzulehnen und alles auf Matrikular-Beiträge zu legen, weiter zu folgen. Es muß endlich reiner Tisch gemacht werden; die Liberalen haben gerade genügend Entgegenkommen gezeigt; nunmehr ist es Sache der Konservativen und derverbündetenRegierungenauchihrerseits den so oft betonten guten Willen in die Tat umzusetzen. Die Liberalen trifft keine Schuld, wenn die Reform scheitert. Die Liberalen müssen nur einig sein und standhaft bleiben. Stimmungsbild aus dem preutz. Adgeordnetrnhaus. Berlin, 17. Febr. Nur ein Pole und ein Freisinniger tarnen am zweiten Tage der Beratung der Berggesetznovelle im Abgeordnetenhause noch zu Wort: Herr Kapitza und Herr Wolff-Lissa. Und beide waren unbeschadet ihres grundsätzlichen Eintretens für eine reichsgesetzliche Regelung der gesamten Bergpolizei mit der Vorlage im großen und ganzen einverstanden. Spezifisch polnische Wünsche brachte Herr Kapitza kaum vor; wenn er die Regierung mahnte, die Wahl polnisch sprechender Sicherheitsmänner nicht zu erschweren, so war das ein Verlangen, das mit Herrn Wolff auch jeder andere Deutsche gutheißen kann. Solange ein großer Teil unserer Bergarbeiter nur das polnische Idiom beherrscht, können die Sicherheitsmänner ihrer Aufgabe nur gerecht werden, wenn ihnen auch mit den polnischen Bergleuten eine Verstänbigung möglich wird. Für die Unabhängigkeit der Sicherheitsmänner gegenüber den Gruben- verwaltungen, ober auch gegenüber den Bergarbeitern, legte sich namentlich der liberale Redner ins Zeug, und nachdem die Regierung mit der Einfügung dieser Arbeiterkontrolleure in den Bergwerksbetrieb einmal einer alten liberalen Forderung willfahrt hat, darf man hoffen, daß es in der Kommission gelingen wird, dieses Zugeständnis von de» Scl)lacken zu befreien, die ihm im Rohguß der Vorlage noch an haften. Mer Anträge, die mit der Novelle in Beziehung standen, lagen noch vor, aber nur zwei Antragsteller legten Wert auf das Schlußwort. In der Tat war, was zu diesen, die Arbeiterkontrolle betrefsenden Anträgen zu sagen war, schon vorher in der Debatte ausgiebig gesagt worden. Das Gesetz ging dann mit den Anträgen an eine besondere Kommission. Der Bergetat, der dann aufs Tapet kam, brachte für diesmal auch nur zwei Reden aus dem Hause, und auch der Minister beschränkte sich auf ein paar erläuternde Bemerkungen. Dann aber, zum Schluß, gabs noch eine stellenweise etwas hitzige Geschäftsordnungsdebatte: Der Zehngebote-Hofsmann glaubte entdeckt zu haben» daß die Mstimmung über die Pfarrbesoldungsvorlagen in der zweiten Lesung geschäftsordnungswidrig, also rechtsun- giltig sei. Vergebens boten Herr v. Kroecher, Herr Paschs, unter deren Aegide diese Abstimmung zustande gekommen war, Herr Dr. Friedberg und andere Redner der bürgerlichen Parteien ihren Scharfsinn auf, Herrn Hoffmann von seinem Irrtum zu überzeugen; er bestand aus seinem Schein, diesmal auf dem Plateschen Kommentar, für Geschäftsord* nung. Je länger dieses Hin und Her spielte, umso Der* gnügter wurde das Hohe Haus. Praktischen Zroeck hatte de« ganze Handel nicht, denn angesichts der für jeden unpar* teiischen Richter klar zu Tage liegenden Rechtmäßigkeit der Behandlung der Pfarrergesetze war an eine nochmalige Ev- Öffnung der Zweiten Lesung nicht zu denken. Herr von Kroecher eröffnete den Volksbotcn noch die mit ironischem, Beifall aufgenommene Aussicht auf Abendsitzungen — „ber^ Etat muß ja doch fertig werden, meine Herren!" —, dann, leerte sich der Saal — später als sonst. Richard Shaufe über Kritif. Zu dem dieser Tage bei A. Hofmann u. Co. in Berlin erscheinenden Buch „Älus dem Musikleben der Gegenwart" von Dr. Leopold Schmidt, das gesammelte Aufsätze dieses befaimteii, tüchtigen Berliner Musikkritikers enthält, hat Richard Strauß die Vorrede geschrieben, die nicht nur deshalb allgemein interessieren wird, weil Richard Strauß der Komponist der „Elettra", wieder einmal im Meinungskampf des Tages steht, sondern auch weil man an den selbständigen Gedanken und offenen Worten dieser Vorrede erkennt, welch ein feiner Mensch und starker Künstler dieser viel angegriffene Dekadente" Richard Strauß ist. Da erklärt er als seine Forderung an den Kritiker: verlangt man nicht alles von der lieben Kritik! Ich stehe nicht an, zu bekennen, daß ein Berichterstatter seine volle Pflicht getan hat, wenn er, natürlich von vornherein mit allgemein wissenschaftlicher Vorbildung uni) künstlerischer Sachkenntnis und Empfindung ausgerüstet, in parlamentarischer Form seinen momentanen Eindruck den Lesern mitgeteilt hat. Inwieweit diese Augenblicks- eindrücke bauembe Geltung beanspruchen dürfen, darüber entscheidet ebenso wie über die kritisierte Kunstleistung ja doch die Geschichte." Strauß wendet bann das Wort: ,Mon seinen Feindei: faint man lernen" auch auf die Kritik an Und meint: „Ich kenne nichts Förderlicheres als die Kritiken eines Todfeindes, der von vornherein mit der Absicht zu- gehört hat, aus welchem Grunde auch immer, dem Autor am Zeuge zu flicken, wo er nur kann! Je schärfer seine Intelligenz ist, desto weniger werben ihm auch die verborgensten Schwächen entgehen, die der Begeisterte ober auch nur systematisch Wohlwollende bewußt ober unbewußt üb ersieht. Da es einem nun bekanntlich selbst am schwersten fällt, seiner eigenen Schwächen bewußt zu werden, so liegt der Nutzen des Todfeindes zur Förderung der Selbstkritik wo solche überhaupt geüb^ wird, auf her Hand." Dkan sieht, wie persönlich — Freund ober Feind — Strauß Kunstfrag^i ansieht; gar nicht artistisch. Er berührt das „interessciiite Verhältnis zwischen Autor und Kritiker": „Während die fubalfernen Vertreter der letzteren gewöhnlich glauben, sich durch Isolierung vom schaffenden Künstler ihre hohe kritische Unabhängigkeit zu bewahren, haben eS die kultivierteren Angehörigen dieses verantwortungsvollen, vielverkaimten Berufes stets für ihre Pflicht gehalten, im regen Verkehr mit den Produzierenden den notwendigen Einblick in~bie Werkstatt, in den Ideengang, voll —: „Was nun mein persönliches Verhältnis zur hohen und die Absichten der Schaffenden zu erhalten. Wie soll ein Kritiker beurteilen können, was ein Autor gekonnt hat, wenn er nicht weiß, was er gewollt hat? !" Diese Logik scheint uns nun nicht ganz lückenlos. Wir glauben, ein Kritiker kann ganz gut beurteilen, was ein Künstler gekonnt, weil er weiß, was er gewollt hat, wenn er nur sein Werk, das Dokument der Persönlichkeit, kennt, nicht den Mann, ober selbstverständlich bietet der Verkehr dem SfritUer, vielleicht auch dem Künstler, soviel künstlerische Anregungen und Förderungen, daß dagegen der Verlust der doch nur scheinbaren Objektivität gar nicht in Frage kommen kann. Als besondere Aufgabe weist Strauß der „normalen, theoretischen Kritik die Arbeit an der Theaterkultur des Publikums zu. „Solche Werke („Bausteine der Entwicklung), die es schwer haben, sich zwischen den Meisterwerken erster Ordnung und dem Schund — diesen beiden zugkräftigen Extremen, die die Freude des Publikums und Kritik betrifft, so bekenne ich kurz gesagt gern folgendes: sind meine Werke gut und von irgend welcher Bedeutung für eine eventuelle Weiterentwicklung unserer lieben Kunst, so werden dieselben, wenn auch nur als ehrenvoll erwähnt in nicht gelesenen Musikgeschichten, ihren Platz behaupten, trotz aller positiven Ablehnung von feiten bet Kritik unb> trotz gehässigster Verdächtigung meiner künstlerischen Absichten. Taugen sie nichts, so kann auch der erfreuliHsoe» Tageserfolg und die begeistertste Zustimmung der Auguren sie nicht am Leben erhalten. Die Makulaturpresse mag sie verschlingen, wie sie schon viele aufgefressen hat (tut sie auch, ob ich damit einverstanden bin oder nicht) und ich — ich werde chnen keine Träne nachweinen. Mein Sohn wird eine Zeitlang aus meinen Privatexemplaren pietätvoll meine Tondichtungen ab und zu vierhändig spielen, dann schwindet auch dies unb die Welt geht ihren Weg weiter!" der Theaterkassierer sind — zu behaupten, gerade sie bedürfen, weil in ihnen keine schöpferische Kraft von elementarster, schließlich allen Widerspruch niederzwingender Gewalt mächtig ist, der gewissenhaften Betonung ihrer Bedeutung und belehrender Hervorhebung der edlen Intentionen ihres Schöpfers." Und andrerseits „wäre auch eine Revision des in früheren Zeiten Anerkannten am Platze, eine genaue Prüfung, wieweit dasselbe noch in unserer Kulturepoche bestehen kann, damit man nicht zum Beispiel eine „Martha", einen „Robert den Teufel" kritillos passieren läßt, bloß weil unsere Großmütter sich daran erfreuten, während man an die talentvollsten Werte der Zeitgenossen den strengsten kritischen Maßstab anlegt, ohne zu bedenken, wie förderlich es für die Kultur wäre, wenn das Gitte zweiten und dritten Ranges den Blaß des Unwürdigen einnähme. Um unsere Theaterkultur wäre es besser bestellt, wenn die Werke eines Hermann Götz, Cornelius, Alexander Ritter, Berlioz, Spohrs „Iessonda", Webers „Euryanthe" — von Jung-Deutschland, das es noch schwerer hat, sich ein bescheidenes Plätzchen in einem deutschen Spielplan zu erobern, ganz zu schweigen — öfter auf dem ständigen Repertoire zu finden toären. Es ist doch sicher fein erfreuliches Zeichen, daß innere Thoaterspielpläne so ständig zwischen Werken wie „Tristan" und „Meistersingern" einerseits, „Mignon" unb „Pajazzi" , nbererseits abwechseln. Strauß schließt — seine Kritiker würden sagen: effekt- — VraßkontraHaeckel. Zu diesem mit HeftigkeiL geführten Streit ergreift jetzt (Theimer Medizinalrat Pn^ fessor Dr. Wilh. Roux in Halle, der Begründer der tierischew Entwicklungsmechanik, das Wort, um im „Tag" folgendes zu erklären: „Dr. Braß werrdet sich gegen die von Haeckel mehrfach gebrauchte Methode, von einem bereits durch viele: Tatsachen gesicherten oder von Haeckel als gesichert beurteilten Prinzipe ans, noch vorhandene Lücken deduktiv zu ergänzen und diese bloß tonstruierten Ergänzungen dann umgekehrt als weiteres induktives Beweismaterial erscheinen zu lassen. So entstanden z. B. die von Haeckel interpolierten Bilder der Affenembryonen. Diese Methode ist nicht zu billigen. Viel gewichtiger ist der andere Fehler Haeckels, bafr er bei seinem kühnen, berechtigten FortschreUen die Grenze nicht erkannt hat, roo seine Deduktionen zu weit über das» erfahrungsmäßig Ermittelte, ja über das überhaupt Ermittelbare hinai'.sgehen, unb baß er jeben anbers Denkenben als geistig miuberroertig hinftellt ober gar seine bona sibes anzweifelt. Aber es ist unzulässig unb ebenfalls ein Fehler, einen Mann, dessen Arbeit die Wissenschaft einen großen gewaltigen Fortschritt verdankc, nur nach feinen, wenn auch gleichfalls großen Irrtümern zu beurteilen, ihm diese am Abende seines Lebens in übertriebener, gehässiger Weise vorzuhalten, statt das Große, was ihm die Wissenschaft Der* dankt, anzuerkennen. Das Werk, an dem Haeckel sein Leben Jflrft BGIoro nnö die deutsche kandwittschaft. Auf dem Wbifen de beut’*;« Landniirtschac:5rareS ?• SUÜ64 findet irür't -3ü(oni 7 nd »olgende . • i*t< Hoheüer'' Sterne Herren' RU Irlich -n-..?c fett > Srurbm mit den berufene» Vertret er» :•■ c i :tid. n Lane ^irdäa : su verleben, üt mit tu enter lieben Gewohnt ut g^worr r 3(h l^bc idimettlid; bedauert, im veraanqcrren Iahrc meont einer Un DcPlubfr« biercon *u müllen Acku Jahre iinb oer ftc n, ieübtm ich van ernen Mole al- Rerchslaniler vor . - ner irano. Eine crrtqnwretdK ^eit, eine Zeit, erfüllt von *anu> und Sitti, von Sturm und ronncnidiein, heu da -.'chen uv brm mXen *43crtrage, den ich Seiner Sceieftdl dem trauer■ eU .Hn- fanzler qrboltnt habe — es roar in Homburq dpi per X? b- rböchnc .... ftunmunq zu meinem wo lü erwogen en landwirtschaftlichen Pro- .iramrn, umtnrfier Schutz, Erhöhung und Bindung der l^ctreibe- uno Biedtöll- 3m drnar 1901 sagte ich 3bnen: 3«dem t b eer Landwirtlchnit zu bellen trachte, erfülle ich lediglich meine -licht: es fei eine ^flieht des Rctchskan-let-, lüt einen Beruf u sorgen, welcher einem so grol.cn Teil unserer erwerbstätigen so vitaler Beceutung fei für die 1 Inabkingigteil des Lanbe« nad? au fern nne für seine innere Wohlfahrt. 2*m Programm von vom- buxg und den vor Ihnen 1901 entwickelten Änid-auungen bin ich treu geblieben bi- zu diesem Augenblick und werde ich treu bleiben, io lange ich mein schwere- Amt führe. 4.o4 bauert Dielleidjt noch Unger, als mein.- Wegner hosten ^Lebhafter Beifall' Meine verren! Meine oerebricn Herren Borredner, der Grat Schwerin- und der Freiherr von Soden, haben in ihren beredten und ausgezeichneten Worten, für die ich ihnen aufrichtig dankbar bin, auch erinnert an die eminente Bedeutung des landwirt,chatt- '.ichen Gewerbe- für unsere Wehrkraft, für unsere Machtstellung nach auben. Was fk in dieser Beziehung gesagt haben, unter- »djreibe ich vollkommen, und, meine Herren, weil ich die Bedeutung der Landwirtschaft in vollem Umfange anerkenne, weil ich oie Wichtigkeit des inneren Marktes nicht verkenne, die sich gerade letzt, bet unkender industrieller Kvniunktur, wieder gezeigt hat, weil ich durch starken und 'lcheren Ballast das Staats,dßfs bc- loahren, weil ich m miSgleidjenber Gerechtigkeit auch der Landwirtschaft den ihr gebührenden Anteil an staatlicher Yürsorge »uteil werden lassen wollte, deshalb habe ich mein landwirtfkhast- tiches Progranmr ausgestellt und dnrchgeiührt. Ich habe es durchgeführt trotz aller Widerstände und Schwierigkeiten, die mir hierbei von vielen Seiten — von links und auch von rechts — gemacht worden sind fiöraoo. Ich habe hierbei auch nickst auf Dankbarkeit gerechnet, das must man nie in der Politik, sondern ich habe einfach meine Schuldigkeit alS leitender Minister getan. Wern und dankbar will ub aber doch hierbei hervorheben, dast ich stet- die Unterstützung des Landwirt,ckwftsrates gefunden hab?, und die freundliche Anerkennung, die mir der Bor sitzende dcS Landwirtschaftsrates soeben gespendet bat, die hat mich gefreut. Immer kann man ja alS küenocr Minister auch nicht den Beifall ieiner Freunde haben, tHeiterkeit.s Ich bin auch gar nicht wenn rr mdilrd) und ernst vvrgebracht wird. Als der Bundesrat seine Borfckstäge zur Reichsfinanzreform ernbrachte, war er fitb wohl bemüht, dast er auf allgemeine Zustimmung sicher nicht zu rechnen hibc und einzelne Projekte recht-, einzelne links nicht gefallen würden. Aber, meine Herren, wir sollen auch aus der Gcichichte lernen: Groste Reiche find zugrunde gegangen an der Umabigfcit, ihre ,Finanzen zu ordnen: insbesondere ist unicr altes deutsches Reich — Graj Schwerin hat soeben daraus btngetnicfni — zugruiide gegangen an Uneinigkeit und mangelnder Ops'erwilligkeit, die eine Ordnung unseres Finanzwesens vereitelten in derselben Zeit, nro England und Frankreich sich zu geordneten Finanzen und damit ;u starken Staatswesen durchrangen. Wir sind, Golt Lob, noch in der Lage, aus der ganzen Misere glatt und vollkommen heraitSzu- lommen, wenn, wir nur wollen, meitn wir uns so zufaininenfinden, »oie die Grüße der Aufgabe es unbedingt erfordert. tZusUmmung. Bon der Losung der Finanzreform Öflngt die Ehre, bte Wohlfahrt, die Macht, die Sickferyert des Landes ab. Gras Schwerin hat mit Recht die Derdienste unseres Kaisers um die Erhaltung des Friedens hcrvvraehoben. Mit voller Befriedigung hebe ich hier in erster Linie den Besuch des englischen »lönigspaares hervor, dessen würdiger und schöner Berlauf nicht nur bewiesen hat, toi-1 sehr den beiden Herrsdrern ein gute- Verhältnis zwischen ihren Reichen am Herzen liegt, sondern der auch den beiden Völkern Gelegenheit bot, zu zeigen, dast sie freundliche und gute Beziehungen tu einander zu unterhalten ivünschen. Tiefer Besuch und ferner das Abkommen, mü der französisdnn Regierung über Marokko, für das ich mit dem ausgezeichneten Vertreter der französischen 910' publik an unserem Hose, Herrn ttümbvit, eine, wie ich glaube, für beide Teile ehrenhafte und praktische Form gefunden habe, haben un Westen den Horizont geklärt. Wir haben Grund zu der Annahme, dast es bei friedlichen Gesinnung unb den freund lichen Bemüliungen aller Mächte gelingen wird, auch im Osten Mc Wolken zu zerstreiten. Aber um den Frieden des Reiches —■■".■ ■■■■■■_____■___g* lang unermüdlich gearbeitet hat, die Deszendenztheorie und ihre Bedeutung für die Beurteilung der Stellung des Menschen wird durck, noch vorhandene Fehler und Lücken dieser Lehre ün allgemeinen nicht mehr beeinträchtigt werden können. Dagegen wird diese Lehre int speziellen gewiß noch viele Wandlungen durchzunuuhen haben; und zumal die von Haeckel stets unverstandene und mit unzutreffenden Argumenten belampste EtttwicklungSmechanik ist berufen, neue Faktoren und Wirkungsweisen, die an der phhletischen und ontogenetischen Entwicklung beteiligt waren und beteiligt sind, uns kennen zu lehren und dainit unsere Kenntnis über das Entwicklung-geschehor zugleich zu berichtigen und toffentüd) zu bereichern. Prof. Dr. Dilh. Rou^, Halle." — Eine Neugestaltung der Promotions- destimmungeu der Berliner medizinischen Fakultät ist soeben in Kraft getreten. Die Hauptänderungen bestehen in einer wesentlichen Verringerung der Gebühren fomie in einer zeitgeinätzen Vereinfachung deS Promotionsaktes. Die Verbilligung tp recht erheblich, sie beträgt etwa ein Drittel der bisherigen (Gebühren. Nicht minder freudig wird von den beteiligten Kreisen der Wegfall derThesen und der gesamten öffentlichen Disputation begrüßt roerben, die vorder dem PromotionSakte voranging. Die Berliner medi- -inische ftahiltät ist damit dem Vorgänge der philosophischen gefolgt. Der Promotion Sa kl vollzieht sich fortan im Senatszimmer statt in der Aula, der Dekan und der Doktorand erscheinen dabei in schwarzer Kleidung (also nicht mehr int Talar ober im FrackAuch sonst enthält die neue Promo- rionSorbnung mancherlei Äenberungen im einzelnen. Hervorheben möchten nur, baß jetzt zum Gegenstanbe ber Dissertation, abgesehen von allen medizinischen Fragen, auch alles gewählt werden kann, waS aus dem Gebiete der Naturwisscnsdxiften eine lehrreiche Beziehung zur Medizin al» Wissenschaft und Kunst bat — Ernst Wildenbruch Erinnerungen ver- öffeniheht Oscar Blumenthal in der ,.N. Fr. Pr." und erwähnt dabei einen Ber», beit er dem Heimgegangenen vor wenig Monaten widmete: ^it Tonen, wie aus Glockenerz geschlagen. So trafst du unser Her; in jungen Tagen. Ist» anders heut', die Schuld liegt nicht an dir — Nur daran, daß du jünger dlie • al ivir ga .'(fcirmre tmb gegen alle DechfeENle sickerzustellen. ist nicht nur bu milttärr -1, ''andern aud> bu nnanr-dle Srrr.rdxm erforderlich. Cm Weg :ur Verständigung kann g-rnnden werden, weil et gefunden werden must ^Zustimmung. Und auch bte t'anbmir: ' •: soll nicki vergessen wie sehr gerade sie unier unseren ,'cklcü.ten «rreditverhältn'sen in Reich und Staat *,u bat, w.lcheu Nachteil ihr bi: un» auf gedrungene T^Fottt- cclitiJ gebracht hat. Die Hauptaufgaben. bte großen Aufgaben, tu sich bte deutsche Landwirtschaft idfcUt bat. td» erinnere nur mein Glas. Ich danke Herrn a'en Schwerin-Löwitz aufrichtig für seine freundlichen Worte. Ich oanke Ihnen allen für bte lieixn^iüürbige Aufnahme. Ich trinke auf bas Wohl frr deutschen Landwirtschast unb ihrer Vertretung, des deutschen Lanswirtschastsrates. Ter LandwinichaitS- tat lebe hock, die bcuiiüie Landwirtschaft sie blühe und gedeihe!" politifebe Cagofcbatu Kaiser Wckhel» anb Frankreich. Von Zeit zu Zeit taucht immer wieder da» Gerüche auf, baß ber deutsche Kaiser unt dem Ober Haupte Frankreichs eine Begegnung Haden werde. So auch jetzt wieder. Die nicht immer zuverlässige Wiener Allgemeine Korrespondenz mellxr, daß die wiederhait angekündigte Begegnung des Kaiser» Wilhelm nut ban Präsidenten Falliörcs im Sommer doch erfolgen werde. Ohcnoar hauoelt es sich auch bieseSmal wieder um eine bloße Kombination. In das Gebiet ber ihontbination ist auch ein anderes Gerüche zu verweisen, als wenn der Kaiser urrb die gesamte deutsche Arm« int Jahre 1905, bei ber MarvkLoasiärc, den jfrieg gewollt hätten. Die Köln. Ztg. tritt jetzt diesen im Matin verösfentiickrteu Gerüchten entgegen und schreibt anscheinend offiziös: Tor Kauer habe stets befriedigende Beziehurtgen zu Frankreich al» erstrebenswertes Ziel der deutschen Politik de trachtet. Mehr jach sah die Lage sehr unfreundlich auS, indessen Haden die für die bcutfdje Politik wirkt ich maßgebenden Personen einen Krieg mit Frankreich nie als roünfdicnSTüert betrachtet. Die deutsche Armee mifche sich nickst in die Politik ein. Wer die Stimmung in dec Armee als kricgs- un» angciffSlustig darstelle, fälsche sie in frwoier Weise. Die bas ReichStagsprafibmm geschnitten toatbt. Der Wolfssche Draht hat am Samstag verbreitet: die Absage des ReichStagSpräsidenten Grafen Stolberg zum Galadiner beim Besuche des englischen Königspaares in Berlin fei erst in zwölfter Stunde erfolgt, so daß eine Ladung seines Stellvertreters nicht mehr möglich gewesen fei. Wir müssen leider bekennen» so bemerkt hierzu nun die Natl. Korr., daß trotz dieser inspirierten Richtigstellung der Fall für uns reich an Seltsamkeiten bleibt Wie seltsam schon, daß Graf Stolberg-Wernigerode erst im letzten Augenblick seine Absage an das Hofmarsckstrllamt ergehen läßt, obgleich bereits lange vorher feststand, daß er mit Rücksicht auf die Krankheitsfälle in seiner Familie den Festlichkeiten würde fern bleiben müssen. Wie seltsam auch die differenzierte Behandlung, die man dem Landtagsund dem Reichstagspräsidium augcdcihen zu lassen beliebt Bei der Galatafel find die Präsidenten der preußischen Häuser zugegen unb werde:;, wie sich das gehört, auch vorgestellt. Zum Hofball — baa ist richtig — ist bann auch das ganze Reichstagspräsibium gelabeu. Ader die beiden Herren bleiben Mauerblümchen. Kein Mensch küm- nteri sich um sie; niemand empfindet die Verpflichtung, die Herren, die schließlich doch die offizielle Vertretung des deulschcn Volles repräsentieren, dem englischen Gast vor- zustellen. Ob ähnliches wohl in irgend einem anderen kon ftitutioncflcn Lande, in Oesterreich, Italien, von England gar nicht zu reden, möglich wäre? X Wladimir von Rohlanb f. Der Onkel des Zaren dtikolaus, Großfürst Wladimir Ale- randrowitsch ist gestern in St. Petersburg plötzlich geswrben Ter Tod trat plötzlich ein infolge eines Asthma leidens Der Gro^» fürst toar seit drei ©od>en leidend und fühlte seit gestern morgen ein Unbehagen: er nxic jedoch die ganze Zeit bis zu ferner letzten Stmwe nicht bettlägerig. Großfürst Wladimir hat ein Alter von 62 Jahren cureidjt Er war vermahlt mit der Herzogin Marie von Mecklenburg-Schwerin, die im Gegensätze zu anberen mit russischen Gwßfurstcn vermählten deutschen Prinzessinnen ihrem lutherischen Glauben lange Jahre treu geblieben war. Ihr Uebccttltt zur rrrfjochen Jhctfre ist aber schließlich dock) er- mlgt Ter älteste Sohu von Waldimir Aleiandrvwmch ist der Gwßfürst Shjrill, der sich vor einigen Jahren mit ber früheren Großherzogin Melttta von Hessen vermählt hatte. Aus 5taOt unö (anb. ®lesen, 16. Februar 1909. * * Tageskalendar tür Tounersiag, 18.Febr.: 8. 3ub i - lSumSk onzert des toieycner Koiueriverems zum VOiahriqen StiftungSfeft deS Ak. Gesangvereins. Rachm. 6*/t Uhr im Stabi- iheater. • " Land esu irr vers ität An Stelle des Professor» der neueren Geschuhte Dr. F. Rachfahl ist der Berliner Privatdozcnt Tr. Gustav Roloff an die Landksuniversität berufen worden. " Vom Großh. Hofe. 'Prinzessin Marie zu SolmS-HodcnsolmS-Lich ist n. ix. Darm st. Ztg. am Dienstag nachmitiag 3 Uhr 30 Min. im Auto ün Neuen PalaiS cingctcoffcn und hat daselbst Wohnung genommen. * * In Audienz empfangen wurden von S K. H. bem Großherzog il a. Ma;or HoöS und Major Großmann vom Infanterieregiment Kaiser Wllhelm (2. Großh. Hess? Nr. 116, Regierungsbauassessor Schön van Gießen, Pfarrer Deike von Rendel unb Pfarrer AnbreS von Groß-Karben. * * Erledigte Le hrer stellen. Tre mit einem koth. Lehrer zu besehende Lehrerstelle an ber Gemeinde- schule zu Fahrenbach. Die Lehrerstelle an der Falb. Schule zu Hammelbach. Die mit einem katb. Lehrer zu besetzende zweite Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu fi i r f dt b a u f e n. Tie mit einem kallr. Lehrer zu deseheirde Zweite Ledrerstelle an der Gemeindeschule zu Mörlen- dach. Die mit einem eoang. Lehrer ;u ^setzende erste Lehrerstelte an der E^meindefchule zu Ettingshausen 'lr. -ießen Mü der Stelle lil Organisten iinh Lektor- dienst verbunden Dem Fürsten zu SolmS-Hobeniolm. Lieh stedt daS PräfentationSrecht zu. Die mit einem eoang. Lehrer zu besetzende vierte Lehrerstelle an der Gciweindc schule zu Grünberg. Die nrit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an ber Gemeindeschule zuSerngeS. Mit der Stelle ist Organisten- und Lektordienst verbunden. -Tie Reichstag »wadl in Bingen-Alzen. TaS endz-.li ge Wahler vbm? ist nach ber amtlichen Feststellung : Pfarrer R o rell (freisrnnige DolkSp.) 8004 Stimmen, Stadtrcchner liebe l (Zentrum) ^612 Stimmen, proklischer Arzt Tr. Decker (Slaltonoatberat) 5910 Stimmen und Redakteur Adelung (Sozialdem.) 1558 Stimmen; zersplittert waren neun Stimmen. Im ganzen wurden 22 093 Stimmen abgegeben. Tie Stimmenzunahme der Jreisinniaen beläuft sich auf 1719 Stimmen, während das Zentrum S32 Stimmen gewann. Die 'Jintiona(liberalen und bet Bund der Landwirte verloren 67k» und die Sozialdeworraten 361 Stimmen. Der Termin der Stichwahl ist noch nicht bekannt. Auch die .Rallib. flortefp.* hält den Lieg Korell» für wahrscheinlich. - Der Landesverband der deutsch sozialen Partei für Hessen hält am Sonntag, 13. Mörz, eine LandeSversammlung in Frankfurt ad. ReichSlagS- abgeordneter Tr. Böhme wird über die ReichSnnonzresorm, Amtsrichter Dr. Mahr-Darmstadt über die polnische Lage in Hessen referieren. •* Reformversuch an unseren höheren Lehranstalten. Hatbamllich wird 5«übtet: Im Mai v. I. wandte sich die Ortsgrurwe Darmstadt de» Realschulmannerverrüis an Gwßh. Ministerium des Innern, Abteilung für Sdjulangticgcn* bcitcn, mü ber Bitte, an einigen höheren Schulen des Landes Re^vrmversud« ün Anschluß an die Meraner Beschlüsse btt Gesellschaft deutscher Naturwrscher und Aerzce anikllen zu lassen. In höchst dankenswerter Weise ist diesem Gesuch entsprochen worben, indem angtorbnet wurde, daß von Cfbmi 1909 an am Realgymnasium Da rmstadt (einem Coetus und ber Cberrtalfdjule zu Mainz Rcformversuche der gtwmf'chren Art durchgrjührt werden. Nach den diesem Versuche zugrunde zu legenden Plänen, deren endgültige Festlegung übrigens noch vorbchalttn bleibe sott der bwlogi'che Unterricht durch alle Klassen durchgeführt und eine Neugeswlkung des natunmfftnidxiftlicbnt Umcmdx», in ban die Selbftüiigfeü der Schüler vnchr gepflegt werden soll als seither, durch Einführung von Sdiulerübungcn bctbtigtführt werden. Tre Neueinfuhcung der Biologie m den oberen Klaisat erfolgt am Realgymnasium im wesentlichen aus Kosten des Lateinischen und der Mathematik, an der Oberrealschule auf Kosten der Mathematik. An der Oberrealschule zu Maütz wird voraussichtlich der franzöfische Unterricht künftig in einem Coetus schon in Sexta beginnen. — Sonnt ist eine erfreuliche Reform unseres höheren Schulwesens eingeltüet, von der wir nur hoffen wollen, daß sie gute Erfolge zeitigt " In Bezug aus SchulhanSneubanten geschieht wohl in keinem anderen hefüchen Hrcne mehr als in unserem Kreise. In den letzten fünf Jahren sind mindesten» 20 Neubauten entstanden. Der KrriSschularzt hat im vorigen Jahre drei Viertel aller Lchulhäufer inspiziert. AuS seinem Bericht geht hervor, daß noch manche» zu tun bleibt AlS dringende Neubauten sind für 1909 unb 1910 Schul- Häuser zu Eberstadt, Bettenhausen, Nonnenroth, Garbenteich, Steinbach, Londorf, Allendorf o. d. Lumda, RutterShaufen und Hungen vorgesehen. Die Bauten zu Eberstadt, Ruttershausen und Hungen werden in Kürze begonnen. • • Eine Bahnhofs-Besichtigung. Vorbehaltlich der Genehmigung der Eisenbahnbehörde wrrd Professor A eg tlc mit den Studierenden der Bauingenleiiralstellung von Dec Darmstädter Techn. Hochschule am Samstag, s. Macz, einen Ausflug hierher unternehmen zur Besichtigung deS Personen- und GütcrdahuhofeS. • • Zwei größere Vorträge wird morgen und übermorgen der Psychologe Herr Reichel im Saale des FelsenkeUers veranstalten. Der erste für Freitag befummle Vortrag ist ausschließlich nur für Herren und behandelt bal Thema: »TaS Geschlechtsleben." Der zweite am SamStog nattfinbenbe Vortrag ist nur für Damen und bezieht sich auf daS Thema: »Liehe unb Ehe." In ganz Süd» und Westdeutschland, zuletzt auch im Rheinland und im Elsaß, hielt Herr Reichel dieselben Vorträge, die überaus günstig beurteilt werden. Besonders die populäre und habet doch rücksichtsvolle unb dezente Behandlung deS Stoffes verschaffte »hui den allgeiucinen Beifall der Zuhörer sowie persönliche TankcS- bezcugungen von den anwesenden Samen, ein Beweis, daß man allmählich m immer weiteren Kreisen diesem hoch wichtigen Thema die wünschenswerte Beachtung schenkt. Es wird sich empfehlen, pünktlich zu kommen, da bte Vorträge anderwärts sehr starken Besuch hatten. (Siehe Inserat) * * Im Kolosseum ist feit gestern ein neues Programm zu sehen, das im allgemeinen recht gut ist und fick» namentlich auch für Fomitienbesuch empfiehlt. Zunächst; produzierte sich eine redn nette Stinberbarftcllerin, Johanna Easpersen, die in Tou unb Haltung bas naiv-kindliche gut zu treffen wußte. Dann kamen die Schwestern Felsen horst, die mit Anmut unb Geschick ranzte« unb langen. Sie fanden, ebenso wie bei ihrem zweiten Auftreten. lebhaften Beifall. Auch der X'umonft Brandes darf den beiferen seiner Oiatning beigcrcdjnct werden, zunwl er daS Interesse des Publikums z»i fesseln versteht, ohne zotenhaft zu werden. Die Soubrette Küthe Wal lau bietet iu ihrem mehrfach wechselnden Kostüm immer etwas schickes unb ihr Gesang fanb lebhaften Beifall. Einen in Der Tat prachtvollen Lu stakt boten bic vier Silber- ftetne, drei Damen und ein Herr. Sir arbeiteten sicher und elegant und boten in ihrer geschmackvollen Kostümierung unb Ausstattung immer ein schönes Bild. Der zweite Teil des reichhaltigen Programme wurde durch mehrere charak- teriftifche Tanze einer temperamentvollen iugendlichen Tän- ;erüi eingetetut, bic auf dem Programm »richt genannt war. Bertha unb Fritz Branb fangen bann sehr nett und tn ber Darstellung recht charakteristisch einige Duette ftnti- tnental-humoristifchen Inhalts. Emil Merkel bot interessante mimische Darstellungen. Mit verblstsfendee Schnelligkeit vollzog er feine Verwandlungen vor den Augen DeS PnblikuvlS unb bic gezeigten Personen waren säst fämt- Uch sehr ähnlich Den meisten Beifall fanden außer bem ulten Kaiser der Komponist -Souia, C’- af Zepvelin, Max^ milian Harden unb Fürst Eulenburg Amh an bic Dnrstel- ung bev Herrn Direktors magre ber .Künstler sich mit ziem- '.ichen Erfolg heran. Ton Schluß de- Proizramms bilden die Vorführung.u einer ganzen Zaren familie im Walde, tie der Trcffeunn Martha Bellvcrtc alle Ehre machen i nd alle drolligen f.c Lalla« btt Z-S Der ziveu- . i wt W 5 d-n M" jtnMt (.n [i#i ,-nd-n * $w. i iS«8'' iest- ~ erschienene Publikum zeigte durch lebhaften Beifall seine Zufriedenheit mit dem Gebotenen. "Preisgekrönt. An der Ausstellung her Mitteldeutschen Reise Vereinigung zu Wiesbaden beteiligten sich drei Mitglieder des Gießener Brieftauben Klubs mit 10 Tauben, wovon eine Täubin des Herrn %. Geisse junior in der vierten Klasse mit dem 3. Preis prämiert wurde. Wer der Landstraße sein Augenmerk widmet, dem entgeht nicht die große Anzahl der Ha ndw e rks burschen, die alltäglich die Landstraße begehen. Vom richtigen Stromer bis zum gut gekleideten Gesellen, dem man ansieht, daß er noch nicht lange die Werkstätte verlassen, vom abgerissenen Fechtbruder bis zum anständigen Arbeitslosen — alle Stufen der Handwerksburschen sind vertreten. Die große Zahl i't eine Folge des schlechten Ganges unserer Industrie und unseres Gewerbes. Daß unter den wandernden Gesellen aber auch recht zweifelhafte Elemente sich befinden, zeigt daS grobe Betragen mancher dieser Burschen. = Klein-Linden, 18. Febr. Unser Turnverein, der in diesem Jahre auf ein 20jährige§ Bestehen zurückblickt, beabsichtigt im Juni oder Juli ds. IS. ein größeres Fest zu feiern und zwar ein ächt turnerisches. Die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Da der Verein keine eigene Turnhalle besitzt, so kann das Winterturnen nur in beschränkter Weise ausgeführt werden. DaS Turnen, das vom Oktober bis Ende Januar ausgesetzt war, wird nunmehr bis zum Eintritt warmer Witterung im ^Bernhardtshäuser Hof" abgehalten. Der am Samstag statlsindende karnevalistische Abend mit Tanz im »Bernhardtshäuser Hof* verspricht recht gelungen zu werden. Außer humoristischen Vorträgen kominen zwei huniorlstische Sachen zur Aufführung, die man bis je§: hier noch nicht gesehen hat O V i l b e l, 17. Febr. Die Bezirkssparkaffe „M a t h i l d e n- ftif t* Vilbel erzielte einen Reingewinn von fastllOOOML Die Spareinlagen betragen rund 4,5 Millionen Mk., bei Reservefonds stieg auf 150 000 Mk. — Die Mathilden- stistung für die Provinz Oberheffen hat 1500 Mk. für wohltätige Zwecke, in erster Linie für Kleinkinderschulen, vorgesehen. + Elpenrod, 17. Febr. Der Förster Jäger hat jüngst auf der Hochzeit eines seiner Söhne eine originelle Familienphotographie anfertigcn lassen. Auf diesem Bilde befinden sich außer den Jäger'schen Eltern sieben ihrer erivachsenen Söhne in Uniformen. Sie haben alle gedient, drei davon stehen noch unter der Fahne. Tas Bild sieht aus wie ein pures Soldatenbild. O Schotten, 17. Febr. Um dem Zigeuner. Unwesen im Vogelsberg mehr zu steiiern hat das Kreis- amt eine Verfügung erlassen und Gendarmerie und Octs- polizei auf strenge Handhabung hingeiviesen. Tas Hegen der Zigeuner als Musikanten in Spinnstuben usw. ist verboten. 2. Ulrichstein, 18. Febr. Die jüngste Sitzung des Eisenbahnkomitees, die im Verein mit den Vertretern der interessierten Gemeinden für die Ohmtalbahn hier statt- faud, hatte zum Hauptgegenstand ihrer Verhandlungen das Aufbringen der noch zum Bahnbau erforderlichen Summe von 185 000 Mk. Zur Bewilligung dieser Summe herrscht aber in den beteiligten Gemeinden wenig Geneigtheit. Man i't mit dem Ausbringen der Eisenbahnlasten seither schon in den Gemeinden an die Grenzen gegangen. Ober-Ohmen bemüht sich, das neue Bahnprojekt dahin abändern zu lassen, daß für Ober-Ohmen eine Güterabfcrtigungsstelle vorgesehen wird. Wie verlautet, wäre diese Gemeinde bereit, hierfür einen Betrag zu zeichnen. Es ist indessen sehr zweifelhaft, ob das endgültige Projekt nochmals einer Veränderung^unterzogen wird. Auf die Einmündung der geplanten Bahn von Groß- Felda nach Ruppertenrod braucht keine Rechnung mehr ge- macht zu werden, da dieses Projekt nach den letzten Be- schlüffen deS ErsenbahnkomiteeS zu Alsfeld doch mehr als fraglich ist. Auch die Ohmtalbahn läuft noch nicht. — HartmannShain, 16. Febr. Bei der heutigen Jagdoerpachtung wurde daS Gebot von 505 Mark erreicht; der seitherige Jagdpreis war 211 Mark. Die neuen Pachter sind Rentier Diehm aus Lauterbach, Fabrikant Weiß aus Frischborn und Kaufmann Weiß auS Frankfurt a. M. x M a i n z, 17. Febr. Für öle diesmalige Fastnacht ist ein außergewöhnlich reiches und lustiges Programm aufgestellt. Ter Mainzer Volks- und Liederdichter Jean Tremmel hat ein Urgelungenes Fastnach-sstück: „Babbel nit! oder Was kitzelt's mich an de Fuß" geschrieben, das in Gegenwart des Karrreval- lvmitces am Freitag abetü> im Leadttheater feine Aufführung durch die Künstler dec Bühne und Mainzer Narrhallefen erlebt. In den Pausen werden Cllorlieder gesungen. Am Samstag nachmittag erfolgt auf dem Th.atcrplatz der Einzug der Rekruten für die Garden, die durch ihre Umzüge und durch ihr Lagcrleben einen besonderen Anziehungspunkt bilden. Sonntag, Montag Und Diimstag besorgen ihre Kapellen frühmorgens das große Wecken i dann kommt am Sonntag vormittag der Kindermaskenball in der Stadthrlle. Mittags ist die Schiffstaufe der „Mo- guntia" auf dem Theaterplatz, nachdem der Sta«llauf vorher auf dem Karmelitenplatz stattgefunden hat. Der Nachmittag und Abend bringt karnevalistische Konzerte tn der Stadthalle, vor der jetzt mit dem Ausschlagen des Karnevalsjahrmarktes begonnen wird. Am Nlontag um 11 Uhr ist der Triumphzug der „Mo- gantia" mit vielen Gruppen. Am Abend vereinigt der berühmte Montagsball alljährlich viele Tausende in der Stadthalle. Am Dienstag sind Straßenbinzerte und abends Ball in der Stadthalle, während Mitwochs tic Fastnacht begraben und bei Einbruch der Dunkelheit auch verbrannt wird. h. Hermann st em, 16. Febr. Die seit zwei Jahren an der unteren Dill eifrig betriebenen Regulierungsarbeiten waren noch nicht beendet und nun gilt eS, den Schaden auszubeffern, den die jüngste Hochflut angerichtet hat. Rach oberflächlicher Berechnung handelt es sich für die Gemeinden Wetzlar und Hermannstein um mindestens 30 000 Mk. Nicht dabei ist der Schaden, der am privaten Eigentum durch Verschlämmung usw. angerichtet worden ist. Hinen traurigen Anblick gewähren die Ackerfelder an dem rechten Dillufer, deren Ackerkrume auf weite Strecken hinweg geschwemmt wurde. () Marburg, 17. Febr. In einem Geschäftsraum eines Hauses in der Wettergasse entstand heute früh durch Umfallen einer Lampe ein Brand, der eine Alarmierung Äer Feuerwehr nötig machte. Nachdem man die Bewohner Les Hauses mittelst Leitern von einem Balkon aus gerettet Hatte, tonnte das Feuer erstickt werden. GericbtsßnaL. KS. Darmstadl, 17.Febr. (Sine interenarrtepttrteiDoIinidse Vrwalbeleidimmasklage aus Offenbach beidiäfttgte heute die Stra'- kawmer als Beiusimgsiustaiiz. Der nnnonariiberalc Sladtverord. A o hm batte in einer öffentlichen Versammlung die '-äehauptuug getan, daß ein sozialdemokratischer Sladweiordneter städtischen ^iots, der für die Aermsten der Armen bestimmt war, durch seine Eigenschaft als Stadwerordneter billiger bezog als diese Aermsten. und daß infolgedessen verschiedenen der letzteren die “i^erung von verweigert werden mußte. 9lut Verlangen des jozialdemo^ llatischen Parteiorgans erklärte dann der Redner, daß die Sladlv. L-1 a d t m u l l e r und Falke diesen billigen Koks bewgen hätten. In der daraus angestellten Beleidigungsklage gegen Bohm wurde vom Schöffetigericht feftgefte(lt, daß die beiden Kläger tatsächlich zirka 200 Zentner Koks zum Preise von 1,60 Mk. aus der Gasanstalt bezogen hätten, während er für die Armen zum Preise von 1,80 Mk. abgegeben wurde. Gasanstaltsbeamte sagten auch aus, Ite hätten angenonnnen, daß den beiden der Koks nur wegen der Eigenschaft als Stadtverordnete zu dem billigeren Preise gegeben werde. Die Kläger behaupteten dagegen, schon lange vor dem Winter mit Direktor König auf dessen Ansuchen einen Vertrag auf billigere Kokslieferung abgeschlossen zu haben. Das Schöffengerichi hatte den vom Beklagten angebotenen Wahrheitsbeweis für erbracht erachtet und Böhm von Strafe und Kosten sreigesprochen In der heutigen Verhandlttng vor der Strafkammer erklärten die beiden Kläger, daß sie zu einem Vergleich bereit seien, wenn bu Beklagte feine schon früher gegebene Versicherung wiederhole, daß er die Kläger nicht beleidigen wollte und wenn er einen Teil bet Kosten übernehme. Nach etwa zweistündiger Verhandlung gelang es den Richtern, einen Vergleich dahm zu Stande zu bimgen, daß Böhm erklärt, nicht bttz Absicht der Beleidigung gehabt zu haben und daß er d:e Kosten seines Anwalts übernimmt, während die beiden Privatkläger sämtliche übrigen Gerichiskosten tragen. Berlin, 12. Febr. In dem Totschlags-Prozeß gegen den Agenten und Portier Otto Pfänner, der beschuldigt war, ieuie Ehefrau aus Eiferlucht hinterrücks erstochen zu haben, fiel die Beweisaufnahme durchweg zu Ungunsten des Angeklagten aus. Das Urteil des Gerichts lautete auf 4 Jahre und 6 Monate Zuchthaus. 91 o r d h a u s e n, 17. Febr. Das Schwurgericht verurteilte heute Nachmittag nach ziveitägiger Verhandlung den Tienstknecht Joseph p e i m b r o d t aus Jiengelrobe wegen Ermordung der beiden Kinder seines Tienstherrn zum Tode und dauerndem Ehrverlust. M ü n d) e n , 17. Febr. Die Revision des wegen Unter« 'chlagung von 30 000 Alk. von dein Augsburger Militärgericht zu '-'st Jahren Gefängnis verurteilten Lberzahlmeisters Körber iv..rde von dem Oberkriegsgerlcht nicht nur zurückgewiosen, sondern oie Strafe noch dadurch verschärft, dap em Ehrverlust von 5 Jahren ausgesprochen wurde. Landsberg a. Warthe, 16. Febr. Tas Schwurgericht verurteilte zwei Maurerlehrlinge, die einen 17jährigcn Kollegen in angetrunkenem Zustande erschlagen und den Körper tn ü.e Warthe geworfen hatten, zu 8 Aronaten bezw. Jahren Gefängnis. * Ein Erdbeben hat mehrere Ortschaften der persischen Provinz Luristan zerstört. Mehrere taufend Wohnhäuser sind eingestürzt. Tie Zahl der Toten wird auf 6000 geschätzt. Einzelheiten fehlen noch. — In Smyrna erfolgte ein h e f t i g e s E r d b e b e n. In P h a c e a und M e n e m e n sind mehrere Häuser eingestürzt. — In ganz Portorico wurden heute schwere Erdstöße von 20 Sekunden Dauer verspürt. * *EiueEpidemie. lieber der Reichshauptstadt lastet wieder eine trübe Wolke. Daß der Verüber der ersten Ueber- falle auf Frauen und Mädchen heute oder in den nächsten Tagen gefaßt werden wird, kann man nicht gut bezweifeln. Aber es ist zweifelhaft geworden, ob man cs bloß noch mit einem Unhold zu tun hat. In verschiedenen Stadtteilen ist das Mordinstrument gegen wehrlose Frauen gezückt worden. Aus dem Wahnsinn eines einzelnen scheint eine Epidemie geworden zu sein. Tie Blätter hatten spaltenlange Berichte über die einzelnen Ueberfälle unb auch das Ge- chick der Opfer gebracht. Das schien zur Warnung und zur Auffindung des Täters notwendig; die Hilfe des Publikums wurde von der Polizei geradezu angerufen; diese allgemeine gespannte Teilnahme, die Sensation, die die Vorgänge erregten, scheint dort, wo der Boden für perverse Gelüste vorbereitet war, unheilvoll gewirkt zu haben. Die Suggestion, die bei der Hinlenkung der öffentlichen Aufmerksamkeit auf einen Punkt einzutreten pflegt, scheint auch hier gewaltet zu haben; sie züchtet verdorbene Anlage und heimliches Gelüst zur Tat empor. Man muß, ich hüten, dieser unheimlich waltenden Kraft durch irgend etwas Vorschub zu leisten. Es soll nicht behauptet werden, daß gegen diese Forderung gefehlt worden ist. Offenste Nachrichten über die tatsächlichen Lorgänge scheinen auch uns das Richtige zu sein; je nüchterner die Tinge behandelt werden, desto besser. Bloß nicht sie mit einem Sck)leier )es Geheimnisses umgeben! Tenn gerade unter ihm könnte >er Schimmer von Romantik, den bekanntlich die perversesten Unholde und Wahnsinnigen ihren Gelüsten zu geben lieben, vielleicht noch am ehesten Bestand haben. Aber freilich sollte die Berichterstattung auch nicht unnötig in die Breite gehen. Kleine Tageschronik. _ In N e u ft a b t a. H. ist Kommerzienrat Adolf A b r e f ch, Besitzer einer Großinühle, in der Badewanne tot au’gefunden worden. Der berbeigerufene Arzt stellte fest, daß Vergiftung durch Kohlenoxydgas vorliege, die durch die Undichtigkeit des Ofens hervorgerufen worden sei. Der „Kölnischen Volkszeitung" zufolge ist am 15. Febr. zirka tausend Ruhrbergleuten gekündigt worden. Innerhalb des Kohlensyndikals soll eine weitere Förderungsemschränkung erwogen werden. Um das PreiSrauchen, das am Niederrhein immer mehr um sich greift, nacn Möglichkeit zu verhindern, haben die Stadtverordneten von Obenkirchen die Erhebung einer Lust-« barkeitssteuer und täglich 100 Mark für derartige Rauchfeste beschlossen. Ter Düsseldorfer Bezirksausschuß hat jetzt diesen Be- chluß genehmigt. Die oerflofiene Nacht hat in Würzburg ungemein heftige Schneefalle gebracht. Tie Straßen und die Umgebung sind hoher mir Schnee bedeckt, als vor dem lebten Hochwasser. Der Kronprinz traf gestern in Seehausen in der Uckermark ein. Die Teichverstopfung ist wieder fortgerissen. Der Aland beginnt wieder zu steigen. Pioniere halten die Brücken von Seehausen frei. Die Beustertorbrücke ist in Gefahr. In der Ortskrankenkasse zu Rummelsburg sind etwa 2000 Mk. gestohlen roorbeiu Vilbur und Oroille Wright werden schon im Sommer Flugversuche tu Berlm unternehmen. Tas erste für den Eisenbahnfähcdienst zwischen S a ß nitz und Trolleburg bestlmmte Toppeischraubenfährschiff ist auf der Werft des Vulkan vom Stapel gelaufen und „Deutschland" getauft worden. Von den rn der Kohlengrube tnWe st - Stanley ver- chutteten Arbeitern sind 3 2 gerettet, die übrigen sind jedenfalls verloren. Bisher sind acht Leichen geborgen. tyattöcL " Konkurse tn Hessen, lieber den Nachlaß des am 10 Olovember 1908 zu Bad-Nauhei m verstoibenen Wilhelm H n ii |t e i n wurde am 5. Fcbr. aut Antrag des Nachlaßi'stegers Kaufmann Philipp Nlüller zu Bad-Naiihetin das Konkursverfahren "rosttrek, da der Nachlaß überfchnldet ifL Kaufmann Phtlirw '1'1 silier zu Bad Naitheun wurde 511111 Konkursverwaiter ernannt. Konknrswrderungen sind bis zum 6. 'März bei dem Amtsgericht Bad-Rauhenn auzninelden. — lieber das Vermögen des Fteifch- warenHändlers Heinrich Spießer in Mainz wurde am 8. Febr. das Konkursverfahren eröffnet. Rechtsan,valt Winkler in Mainz wurde 511m Konkursverwalter ernannt. .Xonkursforoer- ungeu sind bis zum 28. Febr. bei dem Amtsgericht Mainz anzu- melden. — Uebcr das Vermögen des Adolf Baum von Hungen ivurde am 8. Febr. das Konkursverfahren eröffnet, da der Geinem- schuldner seine Zahlnngen eingestellt hat. 'Rechtsanwalt Sand, m a n it zu Hungen wurde 311m Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 6. Aiarz bei dem Amtsgericht Hungen anzumelden. — lieber das Vermögen der Leopold Reinhardt Witwe in Darnistadt, vertreten durch die Rechisainvälte Tr. Aiaiuzer und Dr. Wolf in Darmstadt, wurde am 12. Febr. daS Konkursverfahren eröffnet, da die Gemein- ichuldnerin ihre Zahlungen eingestellt und Kmikurserösstiung beauflagt hat. Rechtsanwalt Dr. G ebner in Tarmstadl wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zmn 1. 'März bei dem Amtsgericht Darmstadt I anzumelden. — Adler Fahrradwerke uoim. Heutcich Kleher Aktiengesellschaft Frankfurt a. M. Ter Abschluß pro 1907/08 weist einen Reingewinn von 1870050 Mk. einschließlich 193 029 Alk. Dortrag von 1906/07 aus gegen 1894 021 Mk. inkl. 261959 Mk im Vorjahr, nachdem die Absckjreibungen mit 693597 Mk. (im Vorjahre 758 767 ML), die Handiungsunkosten mit 816 240 Mk. (686 796 Mk.) gekürzt und dem Telkrcderekontv 25 000 Mk. (wie im Vorjahre) zugeführt worden sind. Der AnssichtSrat hat beschlossen, der auf den 11. März 1909 einberufenen Generalversammlung der Aktionäre die Verteilung einer Dividende von 25 Pwzent, wie in den beiden Vorjahren, vvrzuschlagen uni» die Zuweisung von 50000 Mk. an den Pensionsfonds der Beamten und 25 00 Mk. an den Fonds für Wohl jahrtseinrichvmgen, oeides wie im Vorjahre, zu beantragen. Nach Aozug der ffcatul- unb vertragsmäßigen Tantiemen verbleiben 186 303 ML, die auf neue Rechnung trorgetragen werden sollen. Die Divektwn hat berichtet, daß die Aussicksten auch für das laufende Jahr recht zufriedenstellend sind. — Preisbewegung. Der Kupferblechverband hat eine Preiserhöhung von M. 4 auf 152 pro 100 Ko. vorgenommen. Märkte. fc. Frankfurt a. 9)1., lb. Fevr. (Letegr. Orlg. - Bericht des „Gieß. Artz.".) Amtliche Notierungen der heutigen Biehmarki- preije. Zum Verkaufe stailden: 28 Ochsen, 00 aus Oesterreich, JO Bullen, 0 aus Oesterreich, 105 Kühe, Fersen, Stiere und Rmder, 960 Kälber, 157 Schafe und Hammel, 1039 Schweine, 6 Ziege, 2 Ziegenlämmer, 5 Sckia'lämmer. Bezahlt wurden für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen: 1. Qualität 75—79 Mk. 2. Qualität 73—74 Mk., 3. Qualität 58—60 ML; Bullen: 1. Qual. 64—66, 2. Qual. 60—62 ; Kühe 1. Qualität 70—72 Mk' 2. Qual. 59—61 9JIL, 3. Qual. 47—49 Mk., 4. Qual. 00—00 Mk? 5. Qual. 00—00 Mk. Bezahlt wurden für das Pfund Schlachtgewicht : Kälber 1. Qualität 90 bis 95 Pfg., Lebendgewicht 53—57 Pfg., 2. Qualität 78—86 Pfg., Lebendgewicht 46-52 Pfg., Schlachlgew 65—68 Pfg.; Schafe: 1. Eluat Schlachtgew. 70 bis 00 Pfg., 2. Qual. 58—60 Pfg. Schweine; 1. Qual. 71—00 Pf., yebenbgeiutcbt 56,0—00 Pf., 2. Qual. 70—00 Pf., Lebendgewicht 55,0-00,0 Pfg., 3. Qual. 64—68 Pfg., Lebendgewicht 00 —00 Pfg. Geschäft bet Hornvieh gut, kein Uebeiftanö, bei Kleinvieh gut, kein Ueberftanb; bei Schweinen mittelmäßig, Ueberftaitö unbedeutend. x Kirchhain, 16. Febr. Auf dem heutigen Rindvieh- markt standen riind 300 Kühe, Rinder und Kälber zum Verkauf. Tas Geschäft ging schwach. — Dem Schwetnemark waren' etwa -.00 Ferkel und Käufer zugefahren. Es kosteten 6-8 Wochen alte Ferkel 28—34 Mk., Läufer 40—60 Mk. per Paar je nach Größe und Qualität. Limburg a. b. Lahn, 17. Febr. Fruchtmarkt Durchschnittspreis pro Malter. Sieter Weizen (nassauischer) 17,60 ®lf weißer Weizen (angebaute Frembsorten) 16,50 Mk^ Korn 12,zO Alt, Gerste: Flittergerste 9,60 Ml., Braiigerste 00,00-00 Mk^ Hafer 7.50—0.00 'Mk., Erbsen 0,00 All., Kartoffeln 6,00—0,00 Mk. FasnrLien-Nachrichten. Geburten: Herrn Wilhelm Tröster unb Frau iit Butzbach eine Tochter. — Herrn Heinrich Römer unb Frau ui Schlitz em Sohn. Verlobte: Fräulein Flora Bossi in Lugano (Schweiz) mit Herrn Jiilliis Mütter m Bad Rauhem,. — Fräulein Warte ©reb mit Herrn Heinrich Lerch, beide in Eifa. — Fräulein Katharine ^eipel in Köddingen mit Herrn Martin Keißner m Schellnhausen. — Fräulein Lina P'eil in Erbenhaufen mit Herrn Heinrich Braun- roih in Maulbach. — Fräulein Luise Hesse in Adors (Waldeck) mit Herrn Karl Wittich in Nteder-Geinünden. — Fräulein Agnes Laux tn Koblenz mit Herrn Ludwig Vrtel in Wetzlar. kirchliche Nachrichten. 3sraciüi|a)c Beiigionssemeinöe. Gottesdienst in der Synagoge (Süd-Anlage). Samstag den 20. Februar 1909: Vorabend 5.4» Uhr. Aiorgens 9.00 Uhr. Predigt. Nachmittags 3.30 Um. Sabbatausgang 6.40 Uhr. Gießener Wetterdienst. Voraussichtliche 'Lvitteruug für yeneu am Freitag den 19. Februar: Meist heiter unb trocken. Nachts Frost, am Tage mild. Ruhig. Griginal-DrahtmelSnnsen. R.B. Darmstadt. 18. Febr. Infolge des Ablebens des Großfürsten Wladimir ist eine achttägige Hoftrauer angesetzt worden. Tas für morgen abend festgesetzte Maskenfest bei Hofe ist infolgedessen auf den 17. März verschoben worden. Konstantrnvpel, 18. Febr. Nach hier eingetroffenen Meldungen hat in Kaifa eine von Agitatoren aufgehetzte Volksmenge das dortige österreichisch-unga- rischeKonsulatangegriffenundmit Steinen bombardiert, österreichische Waren ins Meer geworfen und onstige anti-österrcichische Demonstrationen begangen. Der österreichische Botschafter überreichte deshalb der Psorte eine Verbalnote, in der ein Entschuldigungsgesuch des dortigen Gouverneurs, Entschädigung für die vernichteten Waren owie Bestrafung der Schuldigen verlangt wird. 1 Bei Bleichsucht und Blutarmut, Schlaflosigkeit empfiehlt es sich, HiGIOPOX, das neue auf elektrischem Wege hergestellte Eisenpräparat zu gebrauchen. 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Adolf Metz, Rechtsanwalt Qi essen im Februar 1909. «»»♦«»#«*T«******»*»***»iAr.re!f. per P,d. 16 'Via., un Ausschnitt per Pfund 20 Psa. trifte iw Sritiriftr ver Pfund 15 i'ffl. 3tot|un|rii 45 Piß. idioilrn 40 Pi«, ^riitftolkn Illi Ps|. trifte iriur Geringe ver Pfund 1< Psg. Gebr. Berdux Solouialwar- Delikateffen u. Liid fruchte. vabndoiitrake 27 Tclcpbon 231. Lebendfrische Schellfische allerfeinltc Delikates? Tyare sind einaetroffen bet 1196 Georg Wallenfels Marllviav 21 Telefon 40 nenemiber der Engelavolhele. FaioriiioiDS Frühjahr 1909 —— treffen Ende d. Monats ein Beslelltüif]en'SJUn‘^s? ISalomontCie. Zlartoffeln Prima 3pciictartor|eüt imagnum bonuirn ganz anr.iunL tm Kochetu ZalaitartoficUL Paulsen Juli empfiehlt btUia frei Haus (26 J. Weisel Lonnenttr. 6. Telephon 235. Obstbäume!! Kein Bann? MindertnaM! Kein Baum krumm'. Jedes StOck fehlerlos'. ferner Vanmichulartikel aller oorkommendcn Arten, alle! In annulliert allerbester Qualität Jllusir. 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