Zweites Blatt 1 FS. Jahrgang Nr. 78 Erscheint tSgN- mit Ausnahme des Sonntags. Die „viehener Zamilienblatter" werden dem „Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreüblotl für de« Kreis Sichen" zweimal n>öc nüich. Die „Landwirtschaftlichen Seit» fragte" erscheinen monatlich zweimal. Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Gberheßrn Freitag 2. April 1909 Rotationsdruck und Verlag der vrüblsich« Unwersiläts • Buch» und StembrudcteL R. Lange. Gießen. Redaktion, Ervedition und Druckerei: Schul- ftraße 7. Expedition und Verlag i 5L Redaktion:112. Tel.-AdruAnzelger(Äreßew Dcui^dher Reichstag. Abend-Sitzung. 239. Sitzung. Mittwoch, den 31. März 1909. Am Tische des Bundesrats: Frhr. von Schön, Schulz, Greitenbach. Präsident Gras Stolberg eröffnet die Sitzung um 8 Uhr 16 Minuten in Gegenwart von etwa 60 Abgeordneten. Der Etat deS Auswärtigen Amte-. Die Beratung wird fortgesetzt bei dem Kapitel ^Gesandtschaft e n u n d K o n s u! a t e. Beim Konsulat in Caracas führt Abg. Görcke (Natt.)' iBcschwerde darüber, daß ein Deutscher in Venezuela, der in seinen Rechten geschädigt wurde, beim deutschen Konsulat nicht genügend Schutz fand. Vielen Konsuln fehlt die rechte Liebe zur Vertre. hing der deutschen Interessen im Auslande. Abg. Frank-Ratibor (Zentr.) erkennt die Verdienste deS deutschen Konsuls in Tetinje an und wünscht weitere-Konsulate in Montenegro. Staatssekretär v. Schön hält die Errichtung weiterer Konsulate in Montenegro nicht für 'möglich. Abg. Görcke (Statt.) führt Klage darüber, daß in Frankreich ein Deutscher -u Unrecht als Spion festgenommen wurde. Staatssekretär v. Schön: Die französische Regierung hat ihr Bedauern ausgesprochen Abg. Everling (Statt.): Herr von Liebermann hat hier den Evangelischen Oberkirchen, rat angegriffen, weil er dem deutschen Pfarrer Langhof in Sa. loniki die Pension verweigert hat. Ter Oberlirchenrat gehört aber nicht vor dieses Forum, auch andere kirchliche Fragen nicht. Abg. Liebermann v. Sonnenberg (Wirtsch. Vgg.): Der Pfarrer ist ungerecht behandelt worden. Die Sache wird gerichtlich geklärt werden. Der deutsche Klub in Saloniki ist der Treiber und Hetzer gegen den Pfarrer. Aus diesem Klub war der Geistliche vorher ausgeschieden, weil durch diesen der .Simpli. z i s s i m u S" in die Hände der Konfirmandinnen gespielt wurde. Abg. Everling (Statt.): Die kirchliche Behörde hat große Langmut gegen den Pfarrer bewiesen. Sie ist mit Recht gegen ihn vorgegangen. Abg. Liebermann v. Sonnenberg (Wirtsch. Vgg.) : Recht unwürdig benahm sich bei der Sache der deutsche Dra. goman, der vor allem gegen den Pfarrer hetzte und ihn der- leumdete. Staatssekretär v. Schön: Der Pfarrer ist ein Mann von hohem Idealismus und Patriotismus, der sich mit den realen Verhältnissen nicht zurechtfand. Darum scheiterte er als Pfarrer und Lehrer. Er ist schuld, wenn in der deutschen Kolonie hi Saloniki ein bedauerlicher Zwiespalt entstanden ist. Der deutsche Dragoman hat zwar an die Angehöri. gen des Pfarrers Briefe gerichtet, die diese über die mißlichen Verhältnisie Langhofs aufklären sollten. Es geschah aber in wohlwollender Absicht. Zu einem disziplinarischen Einschreiten liegt noch fein Grund vor. Gestern habe ich eine Zuschrift au3 Saloniki erhalten, wonach die Darstellung des Falles, wie sie von den Frcun-, den des Pfarrers gegeben wird, übertrieben, entstellt und unwahr ist. Liese Zuschrift ist von den Vorständen des deutschen Klubs, der deutschen Schule und Kirche unterzeichnet. Abg. Liebermann von Sonnenberg (Wirtsch. Vg.): Der Staatssekretär ist einseitig informiert. Bei denallgemeinenFondS beantragt die B u d g et- ko m m i s s i o n, von den rund 500 000 Mark, die zur Entsen- düng von landwirtschaftlichen und Handeissachverständigen inS Ausland auZgcsetzt sind, insgesamt 200 000 Mark als künftig fort, fallend zu bezeichnen. Ein nationalliberaler Antrag fordert Wiederherstellung der Regierungsvorlage. Abg. Eickhoff (Fr. Vp.)) tritt für den Antrag ein. Abg. Vogt-Hall (Wirtsch. Vgg.)' empfiehlt ebenfalls den Antrag im Interesse der Landwirtschaft. Abg. Dr. Semler (Statt.): Eine gute Beratung unserer Konsuln in Handelssachen ist durchaus notwendig. Tie Berufskonsuln sollten sich aber auch möglichst selbst die notigen Kenntnisse in dieser Hinsicht aneignen. Die Handelssachverständigen haben eine große Aufgabe, sie sollten sie auch großzügig lösen. Abg. Erzberger (Ztr.)' foertritt einen Zentrumsantrag auf Umgestaltung der Institution der Sachverständigen bei Konsulaten. Staatssekretär v. Schoen: Dir begrüßen den nationalliberalen Antrag mit Freuden. Der Vorschlag des Zentrums wird sorgfältig geprüft werden. Der'nationalliberole Antrag wird angenommen, ebenso der des Zentrums. Dbg. Eickhoff (Fr. Vp.)' begründet einen Antrag seiner Partei, den Reichskanzler zu ersuchen, im nächstjährigen Etat auf eine Erhöhung des Fonds zur Förderung deutscher Schul- und UnterrichtS- zwecke im Auslande Bedacht zu nehmen. Abg. Dr. Görcke (Statt.)' erklärt die Zustimmung seiner Partei zu dem Anträge. Staatssekretär Frhr. v. Schoen begrüßt den Antrag. Wir hatten die Absicht, schon in diesem Jahre eine Erhöhung der Fonds zu beantragen. Die schlechte Finanzlage hielt uns davon ab. Eine deutsche Familienschule ist jetzt in B u d a p e st begründet worden. Die behördliche Genehmigung ist noch nicht eingetroffen, eine Ablehnung ist aber nicht zu befürchten. Die Schule soll auch unterstützt werden. Der Antrag wird angenommen. Der Etat de» Auswärtigen Amtes Wb erledigt. Ein Ergänzungsetat, der verschiedene Forderungen für den Erwerb von Grundstücken zu militärischen Bauten in Köln, Berlin usw. enthält, wird in erster und zweiter Lesung debatteloS angenommen. Abg. Singer (Soz., zur Geschäftsordnung): Ich beantrage Vertagung. Der verfassungsmäßige Termin zur Fertigstellung des Etats ist ohnehin versäumt. ES muß im Lande einen sehr schlechten Eindruck machen, wenn die Be- ratung so überhastet wird. Präsident Graf Stolberg stellt den Antrag zur Abstimmung. Die Vertagung wird abgelehnt. Abg. Singer (Soz.): Ich stelle fest, daß falsch abgestimmt wurde. Die Unter. Wtzungsfrage ist nicht gestellt worden. Ich bin um die Möglich- Seit gekommen. die Beschlußfähigkeit des Hauses anzu. Zweifeln. Präsident Graf Stolberg: Ich gebe das Mißverständnis zu. Es fand gerade ein Wechsel im Präsidium statt. Aber nochmals abstimmen können wir nicht. Der Etat für die Verwaltung der Reichs-Eisenbahnen. Es steht auf der Tagesordnung nun der Etat dec Verwaltung der Reichseisenbahnen. Abg. Schwabach (Statt.)’ erstattet den Kommissionsbericht. Von allen bürgerlichen Parteien geht ein Vertagungsantrag ein. (Gelächter der Soz.) Der Antrag wird angenommen. Donnerstag 10 Uhr: Kleine Etats. Schluß %11 Uhr. 239. Si hung, Donnerstag, den 1. April. Am Tische des Bundesrats: v. Breitenbach, Dr. S y d o w. Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um 10 Uhr 15 Minuten. Die Reichs-Eisenbahnen. Zunächst steht auf der Tagesordnung die zweite Beratung deS Etats der Verwaltung der Reichs-Eisenbahnen. Abg. Dr. Will-Straßburg (Zentr.) bedauert den Rückgang der Erträgnisse der Reichs-Eisenbahnen infolge der niedrigen wirtschaftlichen Konjunktur. Die Lieferungsverträge seien meist recht ungeschickt abgefaßt. Ganz verfehlt sei er, sich bei Lieferungen auf mehrere Jahre festzulegen. Man sollte die Verträge dem Reichstage zur Billigung vorlegen. Der Redner wünscht Erweiterung tx5 Bahnhofes in Diedenhofen und eine Generaldirektion für Metz. Leider warten die Beamten immer noch vergeblich auf Aufbesserung. Handwerker und Arbeiter sind zu gering besoldet. Abg. Böhle (Soz.) führt Beschwerde über das Verbot des Verkaufs foziakdemokrati- scher Zeitungen und bürgerlicher satirischer Witzblätter auf den Bahnhöfen. Der, Redner rügt eine Verfügung der Reichs.Eisen, bahnverwaltung, durch die den Eisenbahn-Arbeitern die Beteiligung an Wahlrechtsdemonstrationen bei Androhung der Entlastung verboten wird, und geht dann auf die Verhältnisse in den Eisenbahnwerkstätten ein. Das Personal ist überanstrengt, aber trotz aller Bemühungen ist eS den Arbeitern nicht gelungen, Erleichterungen durchzusetzen. Abg. Wetterle (Zentr., Els.) wünscht eine bessere Verbindung zwischen Paris und Wien durch das Elsaß. Dbg. Werner (D. Ref.) kritisiert das Verhalten des Kohlenshndikats der Eisenbahnverwaltung gegenüber. Die Eisenbahnverwaltung sollte nicht großkapitalistifche Unternehmungen, sondern mittlere und kleinere Gewerbetreibende mehr unterstützen. Bekleidungslieferungen Hal sie auch an Großunternehmer vergeben/ anstatt der einfachen Schneidermeister zu gedenken. Preußischer Eisenbahnminkster v. Dreitenbach: Wegen Eisenbahnverbindungen von Paris nach Wien ist Frankreich noch nicht offiziell an uns herangetreten. Ich habe aber in der Presse gelesen, daß solche Projekte schweben. Wir haben allerdings bis jetzt in erster Reihe auf die Verdichtung des Eisenbahnnetzes im Jnlande gesehen. Aber wir werden auch die Frage der Verbindungen nach dem Auslande prüfen. Es hat wieder die Kritik gegen unsere Verträge wegen Kohlenlieferungen eingesetzt. Der Beweis aber, daß diese für uns nachteilig sind, ist nicht erbracht worden. Tatsache ist dagegen, daß wir infolge dieser mehrjährigen Verträge 1908 einen nicht unerheblichen Gewinn gemacht haben. Die oster-, reichisch-ungarische Verwaltung fiat Verträge zu weit höheren Preisen abschließen wüsten. Die Konkurrenz der englischen Kohle wird schon von der Eisenbahnverwaltung in gewisser Weise ausgenuht. Dadurch ist es auch gekommen, daß wir in den Bezirken an der Nordsee und an der Ostsee billigere Kohle als sonst haben. Die gewünschte Berücksichtigung der kleineren und mittleren Handwerksmeister ist schon in ie-ber Beziehung immer erfolgt. Ich habe entsprechende Erlasse ergehen lasten. Einer Kritik der Eisenbahnarbeiterverhältnisse sehen wir mit Ruhe entgegen, weil wir in der Beziehung ständig vorwärts gekommen sind. Trotz des wirtschaftlichen Rückganges bat eine Aufbesserung der Löhne stattgefunden. Die Reichseisenbabnverwaltung bat für die Löhne jetzt mehr aufgewandt 2 148 000 Mk. Seit 1899 sind die Löhne um rund 21 Proz. gestiegen, seit 1904 um 16,81 Proz. Arbeiter haben wir in der schlechten Zeit auch nicht entlasten. Nur freiwerdende Stellen sind nicht wieder besetzt worden. Die Zahl der Schichten von kürzerer Dauer hat ständig zugenommen, und die Zahl der Schichten von längerer Dauer ist ständig zurück- Segangen. Von sozialdemokratischer Seite wird kritisiert, daß wir en Eisenbahnarbeitern verboten haben, an Wahlrechtsdemonstrationen teilzunehmen. Wenn wir die Eisenbahnarbciter vor solchem Unfug bewahren wollen, so ist das nur zu billigen. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Den Vereinen unserer Eisenbahner stehen wir absolut neutral gegenüber, wenn diese zwei Bedingungen erfüllen: erstens, wenn sie die Koalition nicht gebrauchen wollen zur Durchsetzung wirtschaftlicher Forderungen, und wenn sie sich der Sozialdemokratie fernhalten. (Zustimmung rechts.) Diese beiden Grundsätze befolgen wir rücksichtslos. (Bei. fall rechts.) Wir klären aber unsere Beamten und Arbeiter auf, daß, wen« sie sich Vereinen anschließen, die diesen beiden fundamentalen Grundsätzen nickt entsprechen, ihnen der Stuhl vor die Tür gesetzt wird. Daß sind wir schuldig dem Staate und den Aaatserhaltenden Parteien gegenüber. (Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Heckfcher (Freis. Dg.): Die 9t t d Carter-Literatur sollte von den Bahn- hofßbuchhandlungen entfernt werden. Sie ist schlimmer als Scharlach und Pestilenz. Dagegen ist das Verbot der sozialdcmokra- tischen Blätter auf den Bahnhöfen nicht zu versieben. Ein derartiges Verbot tut der Sozialdemokratie keinen Schaden. Die fo zialdemokratische Presse verdient auch die wärmste Anerkennung dafür, daß jtc mit aller Energie und mit großem Erfolge die Nick Carter-Lekture bekämpft. Abg. Dtorz (D. Vp.): Der Ausbau der ReichSeisenbahnen ist fa na* dem Westen zweifellos beschränkt durch die Vogesen. Keinerlei Schwierigkeiten bestehen aber, die Reichseisenbahn nach dem Osten hin aus- 3 «bauen. Man sollte hier nicht cm die Badische Konkurrenz denken. Gerade im Jntereste der süddeutschen Staaten wäre dieser Ausbau nach Osten hm notwendig. Abg. Schirmer (Zentr.)' bringt eine Reibe von Arbeiterwünschen zur Sprache. Die Eisenbahnarbeiter sollten auch unter das Arbeitskammerge,etz gestellt werden. Die Eisenbahnverwaltung schemt ihre Arbeiter nicht al» vollwertig anzusehen. Preußischer Minister v. Vrr'itenbach: Heber die Behauptung, daß wir unsere Arbeiter nicht als vollwertig cm sehen, bin ich geradezu erschrocken. Wir wlsten ganz genau welchen schweren Dienst unsere Arbeiter leisten muffen. Darum sind wir auch in jeder Beziehung bemüht, ihre Verhältnisie fiufoubetlen*. Unitx bflA NrbeitSkamMrLefztz Jöiwr bahnarbeiter nicht gestellt werden, denn die Eisenbahnen sind lern Gewerbebetrieb Sie unterstehen also auch nicht der Gewerbeordnung. Gerade in den Reichslanden ist diese Auffasiung von jeher vertreten worden. Schon vom Jahre 1874 liegt eine Entscheidung in dieser Hinsicht vor. Die Wirksamkeit der Arbeiterausschüsse wird von uns begünstigt. Ihre Tätigkeit ist im großen und ganzen zufriedenstellend. Die Zahl der Beamtenstellen wird vermehrt, wenn eS notwendig ist, aber nur, wenn es sich um eine besondere, verantwortliche Tätigkeit oder ein Aufsichtsamt handelt. Nach diesem Gesichtspunkte wird die Zahl der Beamten auch weiterhin vermehrt werden. Den gewerkschaftlichen Organisationen stehen wir wohlwollend gegenüber, lieber die Zensur auf den Bahnhöfen sind Klagen in den Reichslanden nicht erhoben worden. Bezüglich des Verbotes sozialdemokratischer Schriften muß ich erklären, daß ich nicht imstande bin, von meinem Standpunkt in dieser Frage abzuweichen. Wenn ein Bedürfnis vorliegt, die Verbindungen zwischen den ReichLIcmden einerseits und Baden und Württemberg andererseits besser auszubauen, so wird sickerlich darauf Rücksicht genommen werden. Anträge in dieser Richtung sind aber noch nicht cm uns gelangt. Wenn bei einer Erkrankung eines Arbeiters die ersten drei Tage nicht bezahlt werden, so geschieht das auf Wunsch der Arbeitervertreter selbst. Der Akkordlohn, der über den Durchschnittslohn hinaus- geht, wird einbchalten im Einverständnis mit den ArbeiterauS-, .schüßen und auf Grund einer Bestimmung der Arbeitsvertrage». Abg. Göring (Zentr.) bittet, den Ausbau der Linien Weißenburg—Pfälzer Grenze unb Münztal—Zweibrücken möglichst zu fördern. Von großem Vorteil für die Stadt Pirma s e n s wäre eS, wenn diese eine Verbindung nach der elsah-lothringiscken Grenze erhielte, und wemh von dort aus für die nötigen Anschlüße gesorgt würde. Geheimer OberregierungSrat Glöckner: Der Bau einer Linie von Pirmasens nach den Reichslande» wird durck die ungünstige Lage deS Bahnhofs in Pirmasens erschwert. Wenn aber die bayerische Regierung bereit ist, eine solche Linie zu bauen, bann werden wir schon für die nötigen Anschlüße in den Reichslanden sorgen. Abg. Behrens (Wirtsch. Vg.) , befürwortet die Erweiterung der Befugniße der ArbeiterauS- schiiße. Die Eisenbahnwerkstättenarbeiter sollten die Beamten- qualität erhalten. Erfreulich ist das wohlwollende Verhalten des Ministers zu den Gewerkschaften. Die amtlichen Stellen im Lande sollten sich nach der loyalen Haltung ihres ChefS richten. Abg. Emmel (Soz.): Der Ehef der Reichseisenbahnverwaltung erlaubt sich Ueber- griffe auf Gebiete, die ihn gar nichts angehcn. Seine Erklärungen können uns nicht befriedigen. Wenn verschiedene Organisationen die Erklärung abgcbcn ließen, daß sie auf den Streik verzichten, so hat dies keine Bedeutung, denn die Zeit muß kommen, wo die Eisenbahnarbeiter sich vereinigen werden und ihre berechtigten Forderungen durchsetzen. Ter Eisenbahnminister hat die Wahlreckisdcmonftrationen im Elsaß für einen Unfug erklärt. Die elsässischen Polizeibehörden waren vernünftiger als er, indem sie nicht so brutal borgingen, wie es der Eisenbahnminister gegen die Organisationen tut Vizepräsident Kaemps: Herr Abgeordneter, Sie haben gesagt, daß die Polizeibehörden im Elsaß vernünftiger sind als der'Minister (Heiterkeit), und daß er brutal gegen die Arbeiter vorgcht. Das ist un* parlamentarisch und ich ruse sie deshalb zur Ordnung. Abg. Emmel (Soz.): Im will mich also so ausdrücken, daß dem Herrn Eisenbahu- minister mit dem persönlichen Adel der Adel dev Gesinnung nicht gleichzeitig zuteil geworden ist. (Unruhe rechts.) Vizepräsident Kaemps: Wegen dieser durchaus ungehörigen Aeußerung rufe ick Siv zum zweiten Mal zur Ordnung. Preußischer Eisenbahnminister v. Breitenbach: Ick begreife vollkommen, daß es Herrn Emmel sehr unbequem ist, daß große Arbeiterorganisationen auf das Sititfrroit verzichten. Er sieht wohl voraus, daß die Bewegung toemfr fm sich greifen wird und daß feine Partei mit der Auffasiung, daS Streikrecht sei zuläsiig, bald vollkommen isoliert sein wird. Die E-iscnbahnverwcrltung schreitet vorwärts, und darauf lege ich daS Hauptgewicht. Ich betone nochmals, daß auch die schärfste Kritik an meinem Ohr nicht vorbeigeht, uyd daß ick die hier vorgcbrachten Beschwerden genau prüfen werde. Der Abg. Graf Stanih hat eine Bewegung zur Beseitigung der Kohlenausfuhr, tarne eingeleitet. Diese Bewegung hat tatsächlich dahin geführt, daß eine Reihe von Kohlenausfuhrtarifen aufgehoben wurden, und zwar die Ausfuhrtarife nach Frankreich, Italien und der Schweiz. Es ist also gerade baS erreicht, was GrafKanitz anstrebt. Der Abg. Behrens ist eingegangen auf die ^atiqfeit öer Arbeiterausscküsie. Nach den Bestimmungen über die Arbeiter- ansscküsse haben diese alle Jntercsien jener Arbeiter h» wahren, für die sie eingesetzt sind. W i r w u n s ch c n a b e r n i ch t, d a F die Arbeite rau8id)üffc untereinander in Der» bindung treten. Ick kann nur erklären, daß, wenn der Minister eine bestimmte Richtung einschlägt, sie von den unterstellten Behörden auch eingehalten wird. (Lebhafte^Zustimmung rechts.), Abg. Schirmer (Zentr.): Debet das Streikreckt haben nickt die Sozialdemokraten zu entscheiden, sondern die Eisenbahner selbst. Die Eisenbahn« Arbeiter wollen aber freiwillig daraus verzichten. Damit schließt die Aussprache. Der Etat wird erledigt. Der Etat für das Reichsschatzamt. Abg. Graf Kanitz (Kons.): < Herr Gothem ritt gestern unter der Heiterkeit deS HauseS auf meinem Schuster herum. (Heiterkeit.) Ich habe mich nur einmal im preußischen Abgeordnetenhause auf ihn berufen, als eS sich um gegerbtes Leder handelte. Da war er sackverständig. Sonst ist es mir niemals eingefallen, von meinem Schuster politische Lehren zu erbitten. (Heiterkeit.) Ick habe vor deni drohenden Zollerbobungen gewarnt. Herr Gothein Hal unserer Industrie einen schlechten Dienst erwiesen, wenn er meine Worte abzuschwächen suchte. Er hat wieder das lahme Pferd des Freihandels geritten. Auf vier Beinen ist es schon lahm, Herr Gothein wird es wohl noch erleben, daß eS ganz zu Fall kommt. (Beifall rechts, Lachen links.) Abg. Kaempf (Fr. Vp.): Wir gehen in frcihändlerischer Richtung vorwärts. An dieser Tatsache muß aller Widerspruch zerschellen. (Zustimmung links, Lachen rechts.) Wir sind auf dem besten Wege, Freihändler zu werden, bp Sie dazu kommen, Ihre Produkte zu exportieren. Wenn England unter »bet Krise stark gelitten hat, so liegt daS daran, daß es mit Nordamerika, von wo die Krise ausging, in engem Zusammenhang steht. Ich erinnere auch an die letzte Erklärung des Fürsten Hqtzfeldt, daß die Zeit vorüber sei, wo lediglich agrarische Interessen auf die Gesetzgebung und Verwaltung deS Reiches Einfluß haben durften, weil die ländliche Bevölkerung zurzeit nur noch ein Drittel der Gesamt- tzevöllerung auSmad}L _S)a3 DeutjHe Reich dürfe also nicht ledj^ Hg netfc acmtrffrfzx 3w1rn£rn regiert werden, ^rhr rrchÜL' ffiiberiprud; rechte., Alp. Dr. Arendt (Rp.): ,- Er soll kein Mißverständnis übet b t e Erklärung des ■ ftt£en 0atzf« irr irgend einer Lfrise dcn cmtt rinicitigcn oqra über 'So?. * gesprochen rourt.- aus Sofien anderer Seruf-'.änbe. ES ist immer die Richtschnur meiner volitischen freunde gewesen, datz wir b-: der «deseygebun^ die Interessen o^er Beru'Skrcise zu walrcn hätten, ur* daß wir also auch die Landwirtschaft nicht einteilig bevorzugen dürfen. Immer ifi ober auch von un^ betont worden, daß die Wahrnehmung der landwirtschaftlichen Zoteressen zo den wichtigsten Obliegenheiten einer staatS. eryolwntnm Politik gehört, un; tafc ohne die ausreichend Wodr- nehmung dieser landwirtschaftlichen Interessen etne gt':vi6Iid>c volkSwirtschasiliche Entwicklung m Deutschland unmöglich ist. (Sehr richtig! rrckto. Auf diesen Standpunkt hat sich auch Fürst Hatzfeldt gestellt. sBeifall recht».) Abg. Dr. «eber (Natl): ttit ftnd im Gegensatz zu den Ausführungen bei Abg. ■atmpf der Anstchr. dost die heutige Sitootion und die heutige Lage der Landwirtichofr auch der Industrie und dem Sandel im Reiche wesentliche Vorteile verschafft Hot. (Hört, hort! recktS.l Wir sind der Anstcht. daß bei unS die'elben Mißstände eingerillen wären. tr>t< in c *.! ufr-. daß die Entwicklung unserer Industrie einer viel 'cknell-ren ür-ns entgegengehen würde, wenn eS ander» wäre. Dir sind der Meinung.' daß die Landwirtschaft al» Abnehmerin der Induurie und auch für unseren f anbei dock- ein wesentlicherer und benerer Aatror in unterer ganzen wirtschaftlichen Industrie jetzt ist als da-Z früher bet Fall gewesen ist. (Beifall retftfl.) Denn die Gei.-tzgebung in Veracht kommt, so sind wir gewillt diese Stelluna der Land, wirtschaft und damit die volksw-risckaftlick? Entwicklung zu unterstützen. (Beifall recht» und bei den Ratlib.) Abg. Graf Sanitz (Sons.): Von einem Export von Getreide kann keine Rede Tein, fr'r haben keine Veranlanung. mit unseren Prinzipien zu brecfym und Freihändler zu werden. (Beifall recht».) Abg. Soempf (Fr. vp.): Der Kreibondel wird seinen Weg finden. < Abg. Dr. Arendt (Rp.) bespricht die Verwendung der Gewinne ouS der Sillervrögung. Diese Gewinne sollten auch zu allgemeinen 3toat4-nu5gabc:i öcr» sendet und nicht lediglich dem Betriebsfonds zugeführt werden. Staatssekretär Tr. Subow: Den Gewinn au» der Ausprägung von Scheidemünzen nicht tu den laufenden Ausgaben, sondern zur Verstärkung — sagen wir — de? Reichs vermögens zu verwenden, ist ein Gebot ter Solidität. Tie Silberprägung bot nicht den Zweck. Ern. nahmen zu schaffen. Tarum must mich künstio an dem Prir-'w feftgefidllen werden, den Gewinn au» biefct Prägung dem Betriebsfonds zuzuführen. Abg. Dr. Weber (Nall): Auch wir würden es al» eine unsolide EtotSpokitik nnfefen. toenn man die Neberschüsse auS den Prägungen dauernd als Cm- »ahmeposition einstellen wollte in dem Sinne deS Abg. Dr. Arendt. Abg. Erzberger (Rentt.): f»err Arendt hätte sich seinen Vorstoß schenken sollen, er ist ganz unangebracht. Staatssekretär de» ReichSschatzamt» Tr. Subow: Von 1902 bi» 1907 wurden die Münzg-winne für die lausen- tzen Ausgaben verwendet, während das bi» 1902 wegen der schlechten Finanzlage nickt der Fall war. Warum sollten wir zur alten Hebung nickt zurückkehren? Der Etat de» R e i ck S s ck a d a m i » wird erledigt, ebenso ohne Debatte bet der Neichöschuld. Bei den Zöllen, Steuern und Gebühren fordert Abg. De Witt (Zenfr.) die Einführung eine; R i t r i t zoll e ». Hoffentlich führen die Verhandlungen, die in dieser Ansicht eingeleitet sind, bald zum Ziel. Der Zoll schadet niemandem, aber er nützt vielen. Ter «ebner bespricht eingehend die Verwendung de» Nitrit». Staatssekretär Dr. Svdow: Sie haben gewiß in Ihrem ganzen Leben noch nickt soviel über Nitrit gehört, al» in den letzten Minuten. (Heiterkeit.) Die Frage eine» '.'htril^cUv ist im Fluß. $ic Verhandlungen sollen möglichst beschleunigt werden. Abg. Tove (Fr. vg^ spricht sich gegen den Nitritzoll au». Abg. Speck (Zentr.): ^ckutzwll ist auch für die Industrie notwendig. ES wäre w'Mckastl-.cher Selbstmord, wenn wir den Schutzzoll aufgeben würden. Da» E t a t « g e s e tz wird ohne Debatte erledigt. Damit ist tzie zweite Lesung de» Etat» beendet. Die Tagesordnung ist erschöpft. Eingegangen ist eine Interpellation der Sozialdemokraten wegen der Ritzstände bei den WtUoen. unb Waijen- taflen der Unternehmer. Da» Hau» vertagt sich. Nächste Sitzung: Heute 4% Uhr: Dritte Lesung be» Etat». Schlutz 8K Uhr. WF* 240. Sitzung, Dann er»tag, L April. Am BundeLratstisckc. v. Betbmann-Hollweg, bau Ctnem, c. Schoen. Sydow, Derudurg, AraetZc, v. Soeben. Präsident Gras Stolberg eröffnet die Sitzung um 4% Uhr. Aus der Tagesordnung steht die dritte Lesung de» Etat». In bet Generaldebatte ergreift baS Wort Abg. v. Dannenberg (Welfe): Ich bin ein Neuling in die'em Hause, und ich must sagen, tl hat mich manches m den letzten Tagen frappiert. tHcilerkeit.) i^ewählt worden ist die Mehrdei.- bei den Hcutentottenwablen unter der Parole: Gegen Zentrum. Polen. Welfen und Sozioldemo. traten I Davon dort man jetzt nichts mehr, sondern man hört nur noch von den 60n Millionen Steuern. (Heiterkeit.) Ich hatte drei reichstrcue Bewerber gegen mild. Ader von den Hotten, totten sprach (einer mehr. < Heiterkeit.) Jeder sprach von den 5'00 Millionen Aber keiner sagte: Wählt mich, und dann zahlt ihr die 500 Millionen, sondern jeder sagte: Wähl: mich, bann zahlen die andern die dOO Millionen. (Troße Heiterkeit.) Moncke von de« Herren, die die Steuern bewilligen werden, können, wenn üe beim Reiar-kanzker youcibcftlteren, sagen: Moritur te Mlotant! Heiterkeit. Di meisten werden n:±t wiedcrkebrcn. Der Redner polemisiert im weiteren Verlauf feiner Rede gegen den Fürsten Bülow und verteidigt den ?3elfrnftanbpunft er macht lange biftotifdi • i!ue>nbtungtn. Als er auf den W-ener Kongreß zu sprechen iommt. :;.crt ft* dtzt grotze Unruhe des Hauses zu lauten cd; ' frn. Cr setzt aber urlctrrt seine Rede fort: Wenn der 8tc cii-kanzler i ächste.>_ oieder einmal nach Rom fährt, bann mag er dar.-:, denken, daß Canossa auf diesem Dege liegt. 'Hciterke:: ' T k . gepriesen Bunde i.cue zu Oenerrc:* bai die Sonntag.» ge.;-ra tr. Prag . «fr ver ; dern können. ^Gelackter.) Abg. Dr. Amin, (Nakl.): Ich habe die Rode bei Vorredner» (Bott sei Dank nick: ganz ange.iar:. Aber eine Lefiete Rechtfertigung al« die Roe de» Lorrecner» könnt: c» für ber Standpunkt be« Reichskanzler- nickt geben. Nur auf ten Krücken der Sozialdemokraten •J: ber Vorredner hier emgejogen. EL wird nie ander» cm nxlr> scher Abgeordneter w den Reichstag gewählt werden. (Beifall b. d. Mehrheit.) Damit schlietzt die «eneraldi»kusstov. Beim Etat de» Reichstag» frgt Abg. ®raf OpverSvorf (Zentr.) dem vräsidenten erneut die Herausgabe einer Geschichte bei Reichstag» an sein .warme» Vatertzerz'. (Heiterkeit.) Beim Etat de» Auswärtigen Amtes sagt Staatssekretär v. Sckoen auf eine Anregung bei Abg. «örcke (Satl.) die Berettstellung von Mitteln für d e Rückkehr m:Uelofer Deutscher au» dem Sul- loude nach der Heimat zu. Beim Etat de» R eichSamt» bei Innern kommt Abg. Sachse (Soz.) erneut auf die vertrauliche Versammlung der Derksintercsscnten in Berlin zu frredicn, die die .Bergarbeiter.Ztg.' zu veröffent- licken in bet Lage war und die ber flbg. David bereits am Dien«, tag oesprocken hat. Außerdem ticktet er eine ganze Reihe sozialpolitischer Fragen über den Bergbau an den Staatssekretär. Abg. Kölle (W irisch. vg.) fragt an, wie e8 mit der Erledigung der vom Reichstag angenom. mcncn Resolution n egen einer Ergänzung des Unieisiutzungö- wohnsitzgej.ye? hinsichtlich der Sanbetarmen stehe. Staatssekretär v Bethmann.Hollweg: ES sckweben Erhebungen, die aber noch nicht zum Abschluß gekonlm.'n find. Verschiedentlich ist Die Vorlegung neuer statistischer Truck fachen gefordert worden. Ich werde die Wunsche er, füllen obwohl mandc Abgeordnete schon über zu viel Drucksachen, material Hagen. Hinsichtlich eines R e i ch S b e r g g e s e tz e S kann ich heute mich nur auf meine Erklärung bei bet Radbod- Debatte beziehen. Wenn von sozialdemotra:>sä?cr Seite behaup. tet wurde, ich lasse mir von den Bergherren den M o p f waschen, so kann ich nur erklären, daß ick mit weder von den Bergherren, noch von den Sozialdemokraten den Stopf waichen lasse. Herr Sachse hat mit eine ganze Reihe von Vorschriften ge, macht und Anweisungen gegeben. Ick werbe mich aber durch feine beweglichen Ausführungen nicht einschüchtern lassen und untere Sozialpolitik so weiter fortführen, roie ich eS für richtig halte. (Beifall.) Tie neue VersicherungSordnung wird morgen dem BundeSrat zugehen. Abg. Dr. Fleischer (Zentr.) fordert besckleunigte Vorlegung eines R e i ch S t b e a t e r g e- ,'ctzes. In dieser Forderung |tnb sich Diihnengenonenichaft unb Bühnenveretn, die jetzt auf dem Mriegofuijc stehen, einig. Abg. Günther-Sachsen (Fr. Vp.) weist die Angriffe des Abg. GieSbef.S auf die Zeitungen, die eine A b o n n c n te n v e t s i che r u n g eingerichtet haben, zurück. Gerade eine dieser geschmähten Leitungen habe die Witwen von Radbod weit über ihre Verpflichtung hinaus unterstützt. Der Etat deS ReichLamtS deS Innern wird erledigt. Vor Beginn der Beratung dcS M i l i t 5 r e t a t » vertagt da» Haus den Rcjt der 3. Lesung bei Etats aus Freitag vormittag 9 Uhr. ____ _ .. - politische Cagciicbott. Ter deutsche Kai'er und Fa^ioreS. Die gestrige Meldung von einer bevorstehenden Begegnung des deutsä en MaiienS nut Falliöres ist, wie vorausjnieb.n Ivar, ui dieser Form nicht richtig An hervorragender stelle teilt das Variier Journal auf Grund guter Informationen mit, dast mal' in ISlnicc Liuc» ieg-3 geneigt fei. einer ,o tv.d .ujen Angelegenh.il ie die Begegnung d.s französischen Staatscheis mit lK*m deut men .aifer den Anich.in der Jm^ioviativn zu gebew Daher sct cs usgeschlossen, das; diese Begegnung im ^tiife diescs^Monats statt ildcn werde. Tagegen gewinnt der Boncklag des ,viieitenJ.llberl oil Monato, den deutschen Kaiser, Fallieres und andere Staats e'S anläßlich der Einweihung des Lzeanograplnichen Mu'euinc ad) Monaco einzuladen, an Bedeutung. T ese A"cfthmicit :u£riH ntrocfcci im Herbst 1909 oder im Frühjahr 1910 stattNnd-.m ha dahin sei reichlich 3cit, das Blaterial für bic Ansipmel^ or,übereilen, die vielleicht von rotier Tragweite für b.c Kim .»iaelung der europäischen Geschichte der nächsten Zeit werden I i'ann. • Steuermogelei Wie plannuißig Steuermogelei getrieben wird, acht ous ssint I et hingen hervor, die Bros. Delbrück int Aprilheft der „Preu. I lüd en Iah.bücher" bringt. Er schreibt da u. a.: Ein Edelmann uft dem L?stcn erzählte mir, daß eine ihm nahe verwandte a.ainc I in (Mut besitze von weit über einer Million Äcrt; 'ie habe daran11 e 0000 Mark Hnv-sthekenschulden und iet veranlagt zu W Mar. 'inkommensteuer Ein Ziegeleibesitzer in der Br.'vlnz Branden I urg wollte bei einer 29.fr .fahrtsanstalt eine Hypothek aumehniii ind wies zu diesem Bel-ase nach, daß er eine Fabre-.'etnnalkme von st)00O Mark lab. Er erhielt daraufhin bic Hypothek, nach he i I der wurde festgestellt, daß er Einkommensteuer für 4500 Mark ahle. Ein Landschanbeamter auo Schiesielt berichtet mir von mein Landw.it einen Fall von thnlicher Drastik und fügt hinzu »aß er au-o seiner dortigen Erfahrung mrnbciiciti hmhia »rälli »ieftr '?(rt mittcilcn könne. Ein nur p.r onlich als zuverläsiig la unter Herr in Bommern schreibt mir, er sei auch einmal Xitglled der BeranlagungSkommis'ion in seinem streife gewesen mb habe da folgendes erlebt: Ein Gutsbesitzer deklarierte 18 Mk frtraa vom Hektar und kam nut dieser Deklaration, nachdean r seine 3d:ulNn abgezogen, auf »ast gar keine Steuer Man 'erhandelte darüber und die Ä’ommiiibn setzte ihn auf den ("rund euertemertrag vvn 1862,21 Mk. für den Hektar. einigen I ragen d--klarierte em Bauer aus demselben Dorf 82 Mk nrr den .vftar: „3d: denke," roarf der CDl»nein in d.w jhmtmii’wn cm ,bcr JMkii ist dort so mi'eradel. daß bloß 18 re v 21 Mk crauäbmmcn„ja," sagte die Majorität, „das ist es ia eben i der Separation traben die Bauern die fetten Stücke bekommen ind die ^loßgrundbentzer Nh llnland' 3m nächsten Jahre ar der Herr' der nbcrtlühige ,3raacn stellte, nicht mehr K-.aheb der >lmnmi"ion. Em anderer Herr, zugleich Landwiri! . rü »hm die CdertAu.Heü. wie ue dort geübt wurde, zu senr ußucl" Em behercr Beamter aus einer anderen t^egntb von .\uitmrrn schreibt nur: ..idroßirundbesitzer. deren Hausstand, ge- ellschacklicher Au'ivand, Bergnugung4r •« en u'w einen Aunvand on 200(11 Mk unb niet. ,r ordern, werden kaum al» mittlere »tarnte mit 1500 t.v 1800 Mk Cingeichätzt. ia es kommen Fülle or. daß kaum die Gren-o be» Einkommen mu 000 Ml. er» d t w. d. um zur Einkommcnilener derangezogen ;u werden.^ (Gärung in »er serbischen Armee Äntz Belgrad kommen r ?.r Nachrichten von einer lUtgeb» chen Oktrura :i bei Arme. . . x?bei ö:r u m:re Kronprinz >e:ne ne Militär Diktatur .tablictai tännf^ 3n Nrsch und Mnrgn' u.ir wurde eine weit ver iweig te C f n • ic rr er»' Am ö. , ung emdeckt, b<< 'ich de ffiutbronung bet Dmiastie ,um Ziele \ ■ Uu 11 '.n > ■ .; ;e | vertäuet. Die Lage idvtnt sehr bedenklich unb bei >itzma Bester I wird . .. ilcichi ’rül.r abdanken müsse», al» a bisher selbst ge- 1 rr«ft Stadt und Land. M». * * Tagetzkalender ha Freitag, 2. April. Stabt« thealer: ,voaqner au« Wiesbaden, Lauer auS Tarm'tadt, Bauer cu5 Nieder-Modan unb Hochgesand au« Mannheim zu RegierunqSdaumeislern. Charaktererteilung in Afrika. €. St.jp. der Großherzog haben dem Stan. SlationSleiter Mtschlich zu Kele-Kralscht in Togo den Eharakler al« Pros, erteilt. • • RegierungSrat. S. K. H. der Großherzog haben dem Generalrezeptor de« Mainzer Unioerlilöts- unb Slipendienfond« Finanzamtmann Hofmann den Charakter als RegierungSrat erteilt. - Erledigt find: Die Stelle des Bezirkskassier« der Großh. BezirkSkasie Lich, die Stellen von zwei Der« mesfunqSasftslenten bei Großh. St ata ste ra ml, die Stelle eine« Haupt st eueramtSassistenten bei Großh. Hauptsteueramt Mainz. RuheliandSversetzung. Se. ttgl.Hob. der G^oß- herzog haben den Oberförster ber Dberjorflerei Stirtorf, Forst» meifter Wiener zu Ätrtorf, auf sein Rachinchen auS dem Staatsdienste entlasten und ihm auS diesem Anlaß da« Ritterkreuz 2. Klasse mit der Krone de-S Verdienstorden« Philipps deS Großniütiaen verliehen. — Die Stelle ist zur Wieder- besctziing ausgeschrieben. * * H ö h c r c s S ch u l w e s e n S. ft'. 5? der L*oBbcr»og haben den Oberlehrern Dr. Bernd eck am Landgraf Lud- wigS-G ntnaiium ’,u tÄcßen, I r Tiv 1 nasium ;n Mainz, Rektor FSrme« an der h [ iterbad», Gebhard au der Aug ti.jmnafiunt und Realschule) zu Friedberg, Tr Hcußel ?ai der Oberrealfchule zu Wornt», Soffmann an der Aiealschule zu .Zeppenheim, Tr. fr rast am R.algl'tnnasiim ind der Oberrealschule zu Gießen, Dr. Ärae mer am 26olfgang Ernst-0'ymnasium zu Büdingen, Krauß am mnasium zu WormS, Lampa - an Nr 'Jlugufru G.)innasium und Realschule) ;u Ariedberg, iebrtch an der Realschule zu Michelstadt, Matthes an dein Osker- anmnasium zu Mainz, Dr. M aner an dem Oskergnmnasluin »rainz, Dr. Ro l l an der Reat'chule zu Bulfr'ack' 1 in der Oberrealschule zu Darmstadt, Tr. Schlot t mann nn i^nnnasium zu Offenbach, Dr Schmidt an der Äugu üinerschulc i^nmnasium und :Kralfdiule zu Friedberg, lupfen am Realgymnasium zu Mainz S< I Augustincrschule iO-nmnasium und Realschule zu Friedberg, Tr. 111 e n b u ch c r am Realgnmnafinm zu '! 13 ö r 6 an der höheren Bürgerschule . - Tr 3 n l a ii f am Tsierg'.nuuainim zu Mainz den ' lab Professor verliehen, ferner den Pfarrer Llxl an? '."iom* I menheim zum Oberlehrer an dem Ludwig NH?org>er Augustmerschule j »tta, 2r. heußel ossmanil an der am Reolghmnasüun Kraemer am agcn, Krauß am der Augustinerschule berg, Licbrick an h es an dem Öfter» 'em Oitergijmnai'üim uduhbach, Roller ir. Lchlottmann mid t an der Augu- • )uld zu Friedberg, >z. Lerner an dec ’ .schult! zu Friedberg, ‘ um zu Mainz, Mor ; ii M-Fienburg und Mainz den Charak.er .ner Äxt aus Mm- udlvig Georgs-Gym- , !sannmüller aus ii Realgmnasium zu als Professor, sowie um Zeichenlehrer an t. Turdi Entschließ. rtinem mürben die Brück in Lingen, rinz, Freitag in g, ü e in m e r in leiuschmidt in M, KüNer in nn Mb,Tetzner ) in Mnz,DrLüV stadt, Lcheerer vt iitzinMJMburo, • -iker in LfsenbaS Sukarest und Bett« irnannt. nz.-l-Auilchusj- ,ng d!i gemt#1' -r,Rosbach. ÄÄK techmM g nlSf S [ai* - aU.r T riften Unter- Lliirichung" bt ‘SgsS ich zu UM sichere- idißUNS in den EAjcht vergesst" t' ^ 2 Mung ter mt ebeiter fj ijünunitc selbst chbildung de" nie F'k'^/ ^-Lüd. ®ie ü ^eiitW g, m«" giöB«". “ von b< .2toädi9 "" n( fn>» "e8b„ ’**!%.* » öttv t» in bet Äntfc p'u d°- -,SsS sksy !‘w reichung der Ehrenmitgliedschaftsurkunde erfolgen soll. Jin Interesse eines glatten Verlaufs der Festlichkeit wäre allseitiges pünktliches Erscheinen sehr erwünscht. ** .Klolosseurn G i eH e n. Der 1. April brachte ein vollständig neues Programm. Dem .Humor ist besonders Rechnung getragen. Da ist Vor allen Dingen das ganz vorzügliche S ch m i 1) - P r e ch t e l - E n s e m b l e, eine Künst- lergrnppe, die sich durch sonnigen Humor Verbunden mit burlesker Komik' auszeichnet. 3ic brachte gestern abend die Burleske „Die alte Schachtel" mit stürmischem Erfolg zur Aufführung. Die Hauptfigur des Stückes bildet.Karl Schmitz, eine getreue Kopie von .Hartstein oder Dünnes, eine echte rheinische Erscheinung in Wort und Bild. Eine wirk- fanic Stütze erwächst ihm in Hans Prechtel. Doch auch die übrigen 10 Mitwtrkenden passen sich dem Ensemble prächtig an, so das; die zweiaktige Burleske ihre Wirkung nicht Verfehlt. Ader auch das Spezialitäten-Programm ist vorzüglich gewählt, erwähnt seien nur der urkomische Sprech- Jongleur -Lums, der es vorzüglich Versteht, das Publikum im Lachen zu halten. Re n er d 2 rm e s son, genannt die Brillanten-Köuigiu, ist eine fesck>e Erscheinung und hat einen gut pointierten Vortrag. Alles in allem, es ist ein Programm, das jedem Besucher zu empfehlen ist. ** E r st e r Hessischer S a n i t ä t s k o l o n n e n t a g Am 16. Mai wird sich in Darmstadt eine Anzahl Männer zusammenfinden, deren Wirkungskreis räumlich voneinander getrennt ist, die sich aber als zusammengehörig unter dem Zeichen deS Roten Kreuzes anerkannt haben. Um neue Erfindungen und Einrichtungen rascher zum Allgemeingut zu machen, und ferner eine zweckmäßige, einheiiliche £r- gan isation des Rettungsdienstes zu sichern, haben sich die Sanitätskolonnen Hessens zu einem Verbände Hessischer Sanitätskolonnen Vereinigt. Die Hauptkolonne Darmstadt ist bei der Arbeit, diese Tagung d.er Sache entsprechend und der Stadt würdig zu gestalten. '**. Im Ki n em a t o g raph, dem Theater lebender Bilder, gibt es für die kommende Woche, heute beginnend, ein besonders effektvoll zusammengestelltes Programm. St. Kklda, seine Menschen und Bügel, sind interessante Naturaufnahmen. Die lebende Zeitung stellt einen originellen neuen Trick dar Als humoristische Nummern sind zu nennen: „Tie Liebe macht erfinderisch" und „Ter verliebte Dichter mit der schönen Müllerin". Prachtvoll koloriert find die Episoden „Elastische Verwandlungen". Für die Freunde des Dramas wird „Ter Vergessene" vorgeführt. Ter Weihnachtsmann und der kleine Schornsteinfeger sind rührende Szenen, an denen gewiß groß und klein sich erfreuen werden. ** Die A u s stellung der Schülerarbeiten der Großh. G e w o r b e s ch u l c im Gewerbehaus ist sehenswert und für weile Kreise lehrreich. Schon die Anordnung wirkt günstig auf den Besucher, und selbst der Nichtfachrnann freut sich über das vielseitig Gebotene. Ein Besucher schreibt uns darüber: Ein Rundgang durch die Ausstellung zeigt uns zuerst die Arbeiten der 3. Klasse. Hier finden wir die ersten Arbeiten im geometr. Zeichnen, bei denen auf den praktischen Beruf der einzelnen Schüler besonders Rücksicht genommen wurde. In der Baukonstruktionslehre dieser Klasse sehen wir die Verbände in Modellsteinen ausgeführt und bann erst zum besseren Verständnis der Schüler danach gezeichnet. Die darstellende Geometrie nach der neuen Lehrmethode ist stier gleich ganz im 1. Semester erledigt, was früher 2 3 Semester in Anspruch nahm. Auch erblicken wir zum ersten Male in der Unterklasse die Bautormen int Anschluß an die heimatliche Bauweise durchgeführt, alles nach Skizzen und Vortrag der Lehrer. Tie Ausstellung der 2. Klasse beginnt mit der Baiitonstruttions- lchxe in recht großem Maßstab im Anschluß an die vorige Klasse. Hier finden wir einzelne Trevvestteile, Kandel casten und ein voll gläubig durchgearbeitetes Landhaus in Modell ausgeführt. Sehr sei allen werden dem Fachmann die Werkzeichnungen in großen Maßstäben für Werkstatt und Bauplatz, die in Blei- und Buntstift gefertigt sind. Auch die Baufornren finden wir vorteilhaft ler fetzigen Zeitströmung angepaßt. Ein einfaches Projekt einer Echlosserwerkslali sehen wir neben dem Entwurs einer Wartehalle •in allen Details gezeichnet und veranschlagt. In der 1. Kläffe ift von allen Schülern ein Projekt mit allen Einzelheiten im «ußeren und inneren Ausbau durchgearveitet und bargeftellt. Zur Beranicstanlichung des Unterrichts halten wir die zu den einzelnen ^nlw ii nitgefertigte^. Modelte vortrefflich geeignet. Weiter erblicken wir den Entwurf zu einem Dienst- und Wohngebäude für einen Straßenmeister, das int Maßstab 1:25 mit allen De Kails und Kostenanschlag durchgeführt ist. Besonders gefällt uns, Laß die Schattenlehre bloß in praktischen Beispielen angewandt ist, wie man sie int Leben braucht. Anschließend an die Bau- farmen der 2. Klasse schauen wir liier die für die Praxis not tzoendigen kleinen Projekte und zwar nicht in den sonst üblichen Lilderartigen Darstellungen, sondern in Werkstatt- n. bureaumäßige' Ausführung, denn man sieht in allen Zeichnungen sämtliche Maß Verhältnisse. Die in der Praxis vorkommenden gebirgigen Ter- »ainplanierungsarbeiten sind in anschaulicher Weise zum Ausdruck gebracht. In der Baukonstrnktionslehre ist in dieser Klasse eine praltiiche Dachschiftung in einem größeren Maßstab in Modell dargestellt. Die Fachklasse für Maler machte Entwürfe nach Blät tent und Blumen, fertigte danach Schablonen an und hat diese dann auf größeren Bogen ausschabloniert. Die einzelnen Blätter und Blüten sind in Plastelin modelliert und erregen allgemeine Bewunderung. Auch der Unterricht in der ^-chattenlehre und Perspektive wurde in dieser Abteilung besonders gepflegt. Die Schlosser, Glaser und Schreiner Und mit allen in ihrem Berus »orkommenden Arbeiten vertraut gemacht. Wie uns von dem 'Anstaltsleiter versichert wurde, sind alle Arbeiten ohne jede Vor- llage nach Vortrag und Skizzen der Lehrer angefertigt worden. In allen übrigen Unteinichtsfächern ließ ein Blick in die Die Inlette erlernten, daß in Deutsch, Rechnen, Buchführung, Statik, Mechanik, Algebra, Geometrie etc. Leiter und Lehrer der Anstalt -ihre Pflicht getan haben. Die Ausstellung dauert noch bis zum -l. April und wir wollen nicht versäumen, unser Handwerk und Lessen Freunde daraus aufmerksam zu machen. Auch Eltern, dic A;xe Söhne künftighin dem .Handwerk zuwenden wollen, mögen lich überzeugen davon, daß hier gründlich gearbeitet wird. '* Polize.lkommissärPrüfung. Tie im Februm L 3 zu Darmstadt abgehaltene Prüfung der Polizei- Loinmissariatsaspiranten hat Polizeigehllfe Alex Karnbach «an erster Stelle bestanden. #w Pferde markt-Lotterie. Die Hauptgewinne der ßiefjenet Pferdemarkt-Lotterie fielen wie folgt: Der erste nach Stumpertenrod, der 2. nach Nieder-Weisel, 3. nach Bellersheim, 4. und 5. nach Gießen, 6. nach Schotten. 1. nach Gießen, 8. nach Fauerbach v. d. H., 9. nach Friedberg, 10 nach Gießen, 11. nach Maar, 13. noch Gießen und der 14. nach Friedberg. — Zu dem gestrigen Pferbemarkt- Bencht sei noch nachgetragen, daß auch ein von Bäckermeister Teibel vorgeführtes Pferd einen Ehrenpreis erhielt. — Queckborn, 1. April. Am 30. März d.I.leierten der BelriebSteuer des Gießener Wasterwerks Maschinenineister Walte» und seine Ehefrau das Fest der silbernen Hochzeit. Hierzu brachte die Gesangs-Abteilung des Nadiahrer-VereinS dem Jubelpaar ein Ständchen. Grün berg, 31. März. Gestern abend hielt Marine- pfarcer a. D. VZangemann ans Leipzig in der hiesigen Ortsgruppe des Deutschen Flottenoereins einen sehr gut, auch von Damen besuchten interess. Vortrag über die Entwicklung Japans, insbesondere über seine Entwicklung zur See im Vergleich zu Deutschland. Der Vortragende gab meistens I selbst empfangene Eindrücke wieder. Er stellte auch Vergleiche an zwischen den Japanern und Chinesen und erklärte die Ursachen, den Verlauf und die Folgen des japanisch- chinesischen und des russisch-japanischen Krieges. Die Ausführungen wurden zum Schluffe durch sehr gut gelungene Lichtbilder unterstützt. X Nieder-Bessingen, 1. April. Nunmehr hat sich die Gemeinde entschlossen, ein neues Sch ul Haus zu erbauen, es ist zu rund 25 000 veranschlagt und soll Herbst 1910 vollendet sein. — Unsere Bahnstation an der neuen Bahnlinie Lich-Grünberg ist im Bau begriffen, in zwei Monaten soll die Eröffnung erfolgen. '? Echzell, 1. April. Hier wurden vergangene Woche etwa 15 Gänse und Enten, hiesigen Einwohnern gehörend, tot aus der .Horloff gefischt. Wie durch eine Untersuchung nunmehr nnzweiselhaft festgestellt wurde, handelt es sich uni Vergiftung. Da es wertvolle Zuchttiere sind, die auf diese Art verendeten, ist eine strenge Untersuchung eingeleitet, und es wird festgestellt werden, ob die Vergiftung auf Böswilligkeit oder eine andere Ursache zurückzuführen ist. O Laubach, 1. April. Zu Ehren des an das Realgymnasium nach Gießen versetzten Oberlehrers Pros. Oßwa l d fand gestern abend eine Abschiedsfeier im „Schützenhof" statt. Prof. Oßwald war seit 16 Jahren al5 Lehrer für Prima am hiesigen Gymnasium tätig. Die besten Wünsche begleiten ihn und seine Familie nach der benachbarten Heimatstadt. — Schäfer Spuck tritt nach mehr als 40jähriger Dienstzeit in den wohlverdienten Nuhestand, für den ihm die Gräfliche, sowie die städtische Kaffe je eine kleine Pension ausgesetzt haben. Schäfer Kripp, seither auf dem Gute Obersemener Hof, übernimmt dessen Dienst.— Der Fußqendarrn Volpert wurde heute als Postassistent an das Postamt in Mainz versetzt. " Neu-Ulrichstein, 1. April. In der Arbeiter- kolonie Nen-Ulrichstein befanden sich am Ende des Monats März 100 Stellen- bezw. Arbeitslose. Den 32 Zugängen im Laufe des März standen 46 Entlassungen gegenüber, so daß sich die Zahl gegen den Vormonat um 14 vermindert hat, was als eine Folge des Frühlingseintritts zu betrachten ist. Von den Entlassenen gingen in Stellung durch eigenes Bemühen 1 und durch die Kolonie 2, auf eigenen Wunsch wurden 31, als arbeitsunfähig 1, wegen Kontraktbruches 8 und wegen Krankheit 2 entlassen, iöährenb ein Insasse in feine Familie zurückkehrte. Von den 100 in der Anstalt Verbleibenden waren 53 ungelernte dlrbeiter; 23 stammten aus Hessen und 22 aus Hessen-Nassau. L Friedberg, 1. April. Ans dem Jahresbericht der Großh. Augustinerschule (Gymnasium und Nealschule) für 1908/09 ist zu entnehmen, daß 32 Lehrer und 6 außerordentliche Lehrer tätig waren. Die Schülerzahl betrug 549 (darunter 6 Schülerinnen) gegen 560 des vergangenen Jahres; davon waren 441 Evangel., 63 Kathol. und 45 Israel. Aus Friedberg selbst waren 269, aus anderen hessischen Orten 262, aus nichthessischen Orten 12, aus außerdeutschen Staaten 6. Das Gymnasium besuchten 278 Schüler, die Nealschule 271. Das neue Schuljahr beginnt Dienstag, 20. April. — Ein kleiner Eisenbahnunfall fand in der Nacht auf Dienstag statt, indem ein Zusammenstoß zwischen einer Lokomotioe und einem abgestoßenen Güterwagen stattfand. Die Lokomotive wurde fo beschädigt, daß sie außer Dienst gesetzt wurde. Vilbel, 1. April. Der Gemeinderat iinterzeichnete gestern abend die Verträge mit der Stadt Frankflirt über Anlage der elektrischen Straßenbahn Frantfurt- Vilbel und Einführung der Gasbeleuchtung vorn städtischen Gaswerk in Heddernheim. Von den an» wesenden sozialdemokratischen Vertretern venvergerte nur einer ne Unterschrift. Die Verträge bedürfen jetzt noch der Genehmigung der Frankfurter Stadtverordneten und der hessischen Behörden. RB. D a r m st a d t, 1. April. In dem L u rn v e n m a g a z r n von Wolf Strauß, ein großes dreistöckiges Gebäude, auf dem Ballonplatz, brach heute äbeud gegen 8 Uhr Großfeuer aus, durch das die unmittelbar angrenzende Kaserne des Leib-Garde- Rgts. 115 und die Stadtschule schwer geiährdet wurden. Das Militär war alarmiert und sämtliche Mannschaften blieben zum Ausrücken bereit. Die gesamte Freiwillige Feuerwehr nahm das Feuer in Angriff, doch mußte sie sich auf die Rettung der anliegeichen Gebäude beschränken, was auch nach ea 2'Stunden gelang. 'Außerordentliche Rauchentivicklung erschwerten die Lösch- und Rettungsarbeiten, die die ganze Nacht fortbauerten. Leider ging es nicht ohne Unfall aus, 3 Feuerwehrleute wurden durch Einstürzen des Daches verletzt, darunter einer sehr schwer; er erlitt Arm-, Bein- und Schädelbruch und wurde durch die Sanitäls- kolonne ins städtische Krankenhaus gebracht. Eine Frau erlitt Rauchvergiftung, sie wurde ebenfalls nach dem Krankenhaus verbracht. £ Dutenhofen, 1. April. Hauptlehrer i. P. Schiefe r st e i n wurde heute unter zahlreicher Beteiligung beerdigt. Die Gemeinde, die Schulen, der Kriegerverein, Turn oerein und Gesangverein, die Lehrer des Kreises Wetzlar and der angrenzenden hessischen Orte gaben dem bewährten Schulmcmne das letzte Geleite. Hauptlehrer Schieserstein lvar 1840 zu Hochelheim geboren, erhielt seine Lehrerausbildung ^u Düsseltal und "trat 1860 in Dutenhofen in den Schuldienst, wo er bis zu seiner Pensionierung am 1. Oktober 1906 — also 46 Jahre — wirkte. K'reisschulinspeltor Pfarrer Geibel hielt die Grabrede über 1. Korinther 13, 1$. Der Gesangverein und der Lehrerchor sangen am Grabe mehrere Chöre. Warburg, 1. April. Heute sind es 25 Jahre, daß das Schlachthaus der Metzgerinnung in Besitz genommen wurde. Aus diesem Anlasse haben die Angehörigen des Metzgergewerbes eine Erinneruugsfeier arrangiert, die gestern abend mit einem Fackehug der Gesellen und Kommers eröffnet wurde. Heute nachmittag um 3 Uhr fand in dem geschmückten Schlackuhos eine Feier statt. Außer sämtlichen Metzgermeistern der Stadt hatten sich die Vertreter der Behörden uni) eine Anzahl Berufsgeuossen aus den Nachbarstädten eingefunden. Während die Iägerkapelle konzertierte, wurden die Einrichtungen des Schlachthoss besichtigt und auch zugleich das Schlachten zweier Ockisen Dorgefübrt. Es schloß sich dann ein Festmahl mit nachfolgendem Ball ui den Stadtsälen an. — Rektor Schenk, der heute fein 50jähngeS Berufsjubiläurn begeht, steht nicht int hiesigen, sondern im Schuldienst der Nachbarstadt Frankenberg. X. Hanau, 1 April. Wie in der heutigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung mitgeteilt wurde, ist vom Magistrat beschlossen wordeii, den mit Direktor Albert Steiftet- aogeschlossenen Theaterpachtvertrag nach seinem Ablauf auf weitere drei Jahre nut verlängerter Spielzeit zu erneuern. — Die vorliegenden, von den sozial- demokraAschen Stadtverordneten eingebrachten Anträge, dir sich gegen Direktor Steffter wendeten, wurden in nicht- öffentl. Sitzung Verölen. Der Zuschauerrüum war gut besetzt. Gericbtssaal. Mainz, 31. Mär;. Der Svarkassenbuchhalter Scheuer, der der städtischeu Sparkasse 21000 Mart unterschlagen hatte, nurde heute von der Strafkammer zu drei Jahren G c sä.u g - Nis unb drei Jahren Ehrverlust verurteilt. Sechs Wochen der Untersuchiiugshast' wurden angeredynct. Hamburg, 1. April. In der Berusungs-Verhaudlung wurde Kavitäuleutnaut Lier se ina nit aus Schöneberg, der wegen Beleidigung d:s N e g e r p r i n z e n A qua zu 30 Mark (Mbu strafe verurteilt worden war, f r c i g e f p r o ch c n. Zeppelins Fernfahrt nach München. Zeppestu landete, wie wir gestern abend durch Aushang bekannt gaben, gestern nachmittag um 3 15 Uhr bei Lioching in der Nähe von Dingolfing in Nicderbaiern sehr glatt. Die lange erwartete Fornscrhrt ist also^ausgefüi/rr itrorbcit. Es ist Zeppelin aber nicht gelungen, aus der Theresienhöhe, wo der greife Prinzrcgcnt Luitpold, Prinz Ludwig von Bayern und eine ungeheure Menschenmenge den Lenkballon erwarteten, zu landen, weil ein heftiger Südwestwind den „Z I" nach Oberföhring trieb, wie wir sckwn Hestern Mitteilen konnten, lieber die nur kurz gemeldete Ankunst in München liegen noch folgende Drahtnachrichten vor: M ü n ch e n, 1. April. S. iVc „Z. I" war von den Münchener Kirchtürmen seit 8 Uhr 10 Minuten sichtbar, wie er in der Mhe von Augsburg kreuzte, und traf kurz nach 9L'i Uhr in -München ein. Auf der Theresienwiese hatte sich eine ungeheure Menschen mässe angesammett. Der PrinzreHent, der Hof, und der Genecalstab waren anwesend. Das Lustschifi harte den Weg Ravensburg-Biberach längs der Bahnlinie eingeschlagen. Als die ersten Böllerschüsse ertönten, brach das Publikum in einen unbeschreiblichen Jubel aus. Tausende von Taschentüchern winkten ben Luftschissern ein herzliches Willkommen zu. Das Surren der Propeller war deutlich vernelynbar. Der „Zeppelin" machte zuerst eine Wendung gegen das Stadtinnere zu. Tas Publikum stürmte hinter dem Lnstlchiff drein, das die FralientürmL in einer Höhe pon 150 Meter umkreiste und dann nacks Oberwiesen- seid flog, um zu landen. Da aber der Wind immer stärker wurde, war dort eine Landung unmöglich. Das Luftschisf wurde immer weiter nach Osten getrieben. Ein Exttazug der Lustschifferabteilung ist ihm' Kachgesahren. Pioniere sind ebensalls abgegangen. Nach Ansicht verschiedener Sachverstäiidiger wäre, eine Laiidung aui der Theresienwiese möglich gewesen: sie scheint wegen der Gefahr des Aufenthaltes auf ungeschütztem Platz unterlassen worden zu sein. Erdingen, 1. April. Zeppelin I versuchte nach Umkreisung des Erdinger Moos eine Landung herbeizufuhren, was er in einer ausgeworfenen Depesche cmküiidigte. Ilm V-4 Uhv befand sich das Luftschiff bei Kronwinkel, 1,75 Kilometer nordöstlich von München, in der Nähe von Landshut. Bon Landshut ist iOlüitär abgegangen, da dort eine Landung versucht werden soll. Nach mancherlei Versuchen gelang die Landmrg her Loiching. Kleine TageSebrontk. Botschaftssekretär Graf De y m wurde bei einem Spazierritt in einer Vorstadt Konstantinopels von einem Wegelagerer mit einem Revolver bedroht. Da der Graf keine Waffe bei sich hatte, gab er seinem Pferde die Sporen, fo daß die Schüsse fehl gingen. Elite herbeigerufene Kavallerie-PatroniIle ftreistc die Gegend ohne Erfolg ab. Gebeimerat Hergesell und Pwfessor Pannwitz weilten gestern in M adrad und hatten Besprechungen mit den Behörden über daS am P i c von Teneriffa zu errickteiides Observatorium. Abend reiften sie auf eine Einladung des Fürsten von Monako nach Monte Earlo zum internationalen Kongreß für* wisienfchafiliche Luftschiffahrt, den Geheimerat Hergesell leiten, wird. Märkte. Gießen, 1. April. Viehmarkt. Bei dem am 30. und 31. März abgehaltenen Markte waren aufgctriebcit 1816 Stück Rindvieh und 503 Schweine. Bei dein am 31. d. MlS. statt- qcfunbeueit Pierbemarkt waren alpgetrieben 309 Werde und 8 Fohlen. — Ter nächste Viehmarkt findet am 20. und 21. April d. IS. statt; am letzteren Tage auch Krämermarkt. A Gründe r g , 1. April. Obwohl unseren heutigen Oster« ui a r 11 weniger günstiges Welter begleitete — Sturmwind mit Aprilsfchloßen herrschte — halte ber Biehmarkt eine starke Ankahrt in Juugschweiuen. Trotz des guten Angebots ging der Handel flott bet recht hohen Preisen. Bezahlt wurde für bas Paar Ferkel geringster Sorte im Durchschnitt 55—65 Mk., bessere 68—75 Mk. iind beste 80—35 Mk. In Hinsicht der vorjährigen weniger ergiebigen Kariofielernte nimmt diese hohe Preisstufe Wunder. Ter Rindviehmartl war schwach befahren. Der Handel ging gedrückt. fc. Frajnkfurl a. 'M., 2. Avril. Heu- und Strohmarkt. ^Ungefähren waren 10 Wagen Heu und 1 Wagen Stroh. Bezahlt wurde für Heu Mk. 3.50—3.70, Stroh Mk. 2.50—0.00. Die Zufuhr stammte ans Oberhesseu und den Kreisen Tieburg und Gelnhausen. Ter Markt war schnell geräumt. Hjehener Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung für Heven am Samstag dem 3. April: Meist heiter. Nachts Frost. Am Tage geringe Trübung. Nördliche Winde. OrrginaL-DrahtsneLdrrnnen. Landshut, 2. April. Das Reichsluft'schiff mit dem Grafen Zeppelin an Bord ist von seiner Landungsstelle bei Landshut wieder aufgestiegen (nm 111/1 Uhr) und nach München gefahren, wo es zwischen 1 und 2 Uhr emtreffen dürfte. Leipzig, 2. April. Ter frühere sozialdemol'rcttische Reichstagsabgeordnete Julins Seifen ist gestorben. Paris, 2. April. Nack einer Meldung des Mattu beitätigt es sich, daß König V i k t o r E rn a n u e l die Einladung des dürften von Monakko annehmen wird und nach Moualko reist, wo zu gleicher Zeit voraussichtlich auch Sinnig Eduard von England eintreffen wird. Paris, 2. April. Der Syndikats-Verband des Seine-Departements hat einen Aufruf an alle Arbeiter, Arbeiterinnen und Angestellte erlassen, am 1. Mai einen 24ftünbigen Generalstreik ins Werk zu setzen, da die Teilausstände sich als zwecklos erwiesen hätten. London, 2. April. Daily Telegraph meldet aus Belgrad: Der Minister des Aeußern, Mllowanowttsch,, erklärte in einem Interview, die Lösung Der Salfanirage sei für Serbien nicht ganz befriedigend. Es wäre vielmehr der Wunsch Serbiens gewesen, die Angelegenheit vor eine Konferenz zu bringen, obgleich eine solche dasselbe Resultat gehabt haben würde. Paris, 2. April. „Echo de Paris" erklärt, ermächtigt zu sein, die Meldung von einer geplanten Zusammenkunft zwischen dem deutschen Kaiser und dem Präsidenten Fallieres in Monaco zu Dementieren. Die Ankündigung sei ein tendenziöses Manöver, Denn wenn selbst Die historischen Grün De nicht mehr bestanden, nm Bedenken gegen eine solche Zusammenkunft zu rechtfertigen, so würde der Truck, welchen TeutschlanH gelegentlich Der Orientkrise auf Rußland ausgeübt hat, allein genügen, um Die Regierung Der Republik zu hinoern, einen Schritt für möglich halten zu können. Der in Petersburg als tatsächlicher Verrat ausgesaßt werden könnte. Auch die anderen Pariser Morgenblätter, lvelche Beziehungen zur Regierung unterhalten, erklären dic Gerüchte sür unbegründet. Paris, 2. April. „Petit Parisien" meldet au5 London: Tas englische Künigspaar iverde auf seiner Mittelmeerfahrt eine Zusammenkunft mit Dem i tal. Königspaar in Neapel haben, wo es als Gast des Herzogs und Der Herzogin von Aosta weilen wird. 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