Nr. 92 Erstes Blatt 159. Jahrgang Mittwoch 21. April 1909 Der Siebener Anzeiger ä Bezugspreis: S“3g/KALA4A4/. ^ssintAizAiiAr 11 iiTAtnAr-““ blatt für Öen Kreis wiefjen WS LÄ V J & VfJp W gJ V"V4' -M ki-4 W £?! x£*lk M'Vr diePostMk. 2.—viertel- (Dienstag unb Freilaq); W W IgT W W pLt kW */ M W KZ M WWW W i^d. ausschl. Bestellg. NM General-Anzeiger für Oberhessen WW bis vörndttags" 9^uhr^ Rotationsdruck unt> Verlag der vrühl'schen Univ.-Vnch- und Steindruckerei R. Lange. Redattton, Expedition und Druckerei: Schulftratze 7. Anzeigen'tell^H." Eck. Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten. Der Kanzler und die ReichZfinünzrefonn. In der Angelegenheit der Rcichsfinanzresorin empfing der Reichskanzler gestern abend 6 Uhr im .sionareßscrale des Reichs- lanzlerpalais Deputationen aus Bayern, Sachsen, Baden, Württeru- lerg und Thüringen, sowie des Bundes der Industriellen. An rem Empfang nahmen teil: Die Staatssekretäre, Staatsim- "er ®. Bcthtnann-Hollweg und Sydow, soivie die Bevollmächtigten zum Bundesrat der durch die Deputationen vertretenen Staaten. Die Sprecher der Deputationen und die Mitglieder derselben roiirben durch Unterstaatssekretär o. Soeben dem Reichskanzler einzeln vorgestellt. Hierauf hielt der Vertreter Bayerns, Unterstaatssekretär o. Mayr, die erste Ansprache; ihm folgte der Vertreter von Sachsen, Professor Wuttke, sodann Graf Linden für Württemberg, Geheimrat Engler für Baden und Professor Anschütz für Thüringen, sowie Geheimrat Wirth für den Bund der Industriellen und Äommerzienrat Meilner-Stuttgart für die württembergischen Industriellen. Tie Ansprachen der Deputationeii an den Reichskanzler leitete als Sprecher der bayerischen Deputation Unterstoatssekretär a. D. u Mayr ein, indem er darauf hinwies, daß die Unterzeichner des Aufrufs, den er dem Reichskanzler überreiche, durch die Not des Augenblicks in patriotischem Empfinden uild Pflichtgekühl zusammeu- gesührt worden feien. Die Anerkennung von Staatsnolwendigkeiten für das Reich erheische gebieterisch Crbmutg in den Finanzen nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit und Zweckmäßigkeit. Der einzig gangbare Weg sei die ausgiebige Entwickelung' der Verbrauchs- besteuerung, insbesondere der alkoholischen Gelräuke uiib bes Tabaks, kinb gleichzeitig die besondere ausgiebige Besteuerung der Besitzeiiden mittels der Erbschaftsbesteuerilng. Redner gab dem '-Bemanen Ausdruck, daß die gesetzgebenden Körperschaften sich baldigst auf diesem Boden einigen möchten zum Heile des Teiitschen Reiches unb des deutschen Volkes. Professor Wuttke, Sprecher der sächsischen Deputation, führte in feiner Ansprache aus: Das sächsische Volk ist bereit, schwere Opfer für das Reich zu bringen. Die sächsische nationale Arbeiterschaft will die neuen indirekten Steuern tragen. Die besitzenden Stände Sachsens, welcher Partei sie auch angeboren, treten fast ohne Ausnahme für die Erbschaftsbesteuerung ein. Zu dem Reichskanzler hegen wir das Vertrauen, daß die finanzielle Selbständigkeit der Bundesstaaten geivahrt bleiben wird, lerner daß die Reichsregierung nicht eher nachgeben wird, als bis ihr die notwendigen Mittel bewilligt worden sind. Als Sprecher für den Bund der Industriellen führte Geh. KvmMerzienrat Wirth aus: Obgleich der Handel und die Industrie zur Zeit schlver zu tam^fen hat, sind wir doch dazu bereit, daS unsere dazu beizutragen, daß die Reichsfinanzreform zustande tummt. Wir setzen aber voraus, daß die neuen Lasten nicht haupt- sLchlich dem Handel unb der Industrie aufgebürdet werden, sondern daß alle Staatsbürger, von den Begüterten alle, ohne Ausnahme, irlso auch die Landwirtschaft, gleichmäßig herangezogen werden. 2ie Verbrauchssteuern und' die Erbanfallsteuer scheinen uns die einzig richtige Möglichkeit zu bieten, dem Reiche die erforderlichen Mittel zu einer dauernden Gesundung der Finanzlage zu ver- fHfctffen. Auf diese Ansprachen erwiderte der Herr Reichskanzler mit folgender Rede: „Meine Herren! Sie haben sich vereinigt, imt mir als dem obersten Beamten des Reiches durch Adressen unb mündliche Aussprache Ihre Sorge um die Reichsftnanz- refornt kund zu machen. Dabei treten Sie als Wortführer und Vertrauensmänner weiter Schichten des deutschen Volkes auf. Eie sind hier nicht erschienen als Sprecher bestimmter Parteien, tweil Sie mit uns allen, denen das Wohl des Vaterlarckes am Serien liegt, die Reichsfinanzreform nicht als eine Parteifrage! d-ürachten. Sie wollen vielmehr Ihve Kundgebung angesehen tevisien als eine Mahnung an die Parteien, sich mit dem Gedanken iwr nationalen Notwendigkeit dieser Reform noch mehr als bisher pi erfüllen und sich von der Einsicht in diese harte Notwendigkeit hmweglragen zu lassen über Zögerungen, Bedenken undTifferenzen. Rch sehe aber auch in Ihrer Kundgebung wie in den zahllosen Kundgebungen der letzten Wochen eine Reaktion des Volkswillens gitgen die Versuche, den Bedürfnissen des Reiches und der Staats- giisamtheit das Interesse bestimmter Gewevbezweige — ich denke iwr allem an den Tabakverein — entgegenzusetzen. Versuche, die g^mr Teil mit einem an Terrorismus grenzenden Truck geltend ginnacht worden sind, und gegen welche, wie ich sehe, die von den Semit aus Bayern überreichte Adresse mit gebotener Entschieden- Kleittcs Feuilleton. — Die schlechte Bezahlung der er st en musi kali- s hen Kräfte an vielen Hostheatern erweist sich aus folgendem Msfchreiben derDarmstädterHofdühne: „Tie Stelle eines 11. Konzertmeisters ist demnächst neu zu besetzen. Gehalt b i s z u A00 Mark." — Der Jubelfeier der Universität Leipzig zu latent 500jährigen Bestehen in den Tagen vom 28. bis 30. Juli mirb folgendes Programm zugrunde liegen: 28. Juli Begrüßung tor Ehrengäste in der Universität und Vorabend im Palmengarten. DM 29. vormittags 9 Uhr, Festgottesdienst in der Universitäts- ^cche zu St. Pauli, IOV2 Uhr Festakt im Neuen Theater mit eener Ansprache des Königs Friedrich August von Sachsen, tomn Gartenfest im Palmengarten. Am 30. vormittags 10 Uhr, ■ Festakt in der Wandelhalle der Universität, Festrede von Professor : Wilhelm Wundt. Mittags 12 Uhr, großer historischer Festzug ‘Dauer des Borbeizuges zirka zwei Stunden', abends Feftvorstel- 1 argen in sämtlichen Theatern und von 912 Ulyr ab Festkommers ■ t der von der Stadt auf dem Meßplatz errichteten Halle, in der i 11) 000 Personen Platz haben. Die Leitung aller Festlichkeiten 1 egt in den Händen der Prosesioren Binding (zurzeit Rektor-, Gue (Prorektor) und Köster, sowie des Elseransschusses ber Ztudentengruppen unter dem Vorsitz der Lausitzer Prebigergesell- i,haft (Societas Lusatorum sorabica), der ältesten Leipziger Kor- mration. — Der Umbau der Feste Koburg durch Professor Vodo Ebhardt ist, dem B. T. zufolge, beschlossene Sache. Ghardt ist in Koburg eingetroffen, um die Arbeiten einzuleiten: c nige Architekten sind mit den Vermessungen beschäftigt. In den Isltzten Jahren besuchte der Herzog gemeinschaftlich mit Professor (Ähardt die Feste, um dort die beginnende „Renovation" in Augenschein zu nehmen. Wie wir seinerzeit gemeldet haben, will der Herzog von Sachsen-Koburg-Gotha die alte «Feste zu seinem Wohn- sch umgestalten lassen; hoffentlich wird das historische Bild nach Möglichkeit geschont. — D a s T h e a t e r i n S 0 n d e r s h a n s e n lvird unter b-mt neuen Fürsten eine vollständige Aenderung erfahren. ; E; wird wieder wie im Anfang des vorigen Jahrhunderts direkt vom Hoftnarschallamt geleitet und die Truppe wird in Sondershcrusen-Rudolstaht und Arnstadt spielen, da diese beit Stellung nimmt. Wir haben ja von allen 'Seiten gehört, I wie die Vertreter dieser Interessen die Oeffentlichkeit mit ihrem | Widerspruch erfüllen und immer wieder verlangen, daß man sie, gerade sie unter allen Umständen schonen soll, wo doch Ansprüche an die Opferwilligkeit des ganzen Volkes gestellt werden müssen. Es bereitet mir eine wahre Genugtuung zu sehen, wie sich das öffentliche Gewissen dem Einreißen solcher Unsitte entgegenstemmt und ich fühle mich dadurch 'bestärkt in meinem Vertrauen in den guten Geist des deutschen Volkes, der auch diesmal in dieser die Zukunft unseres Volkes so tief angehenden Frage nicht vergeblich nngerufen werden wird. Auch ich bin mit den Herren aus Sachsen der festen Ueberzeugung, daß unser Volk aus der Misere der Vergangenheit gelernt hat, daß es die Kraft des Reiches nicht wie in jenen alten Zeiten gelähmt wissen will durch die finanzielle Ohnmacht, die die Ohnmacht aller staatlichen Betätigungen bedeutet. Ein Volk, das wie das unsere an Schafsens- kraft und Schaffenslust sich von keinem anderen übertreffen läßt, kann auch vor schwereren Opfern nicht zuruckschrecken, wenn, es gilt, sich die Schaffensmöglichkeit zu sichern durch eine finanziell gesicherte Reichsgewalt." Mit Recht drängen Sie, meine Herren, auf eine rasche und gründliche Erledigung der Reichsfinanzreform. Es ist der ein- mütige Wille der Verbündeten Regierungen, die Lösung der Frage noch in dieser Session des Parlamentes herbeizuführen. Der Reichstag wird nicht auseinandergehen, bevor er enbgiltig zur Finanzreform Stellung genommen hat. Wie soll die Reform sich im Einzelnen gestalten? Die Herren aus Thüringen halten, wie ihre Adresse betont, nach wie vor die Vorschläge der Verbündeten Regierungen für eine im Ganzen und Großen geeignete Grundlage zur Verständigung. Auch ich, meine Herren, habe mich von dieser Zuversicht nicht abbringen lassen und bin gerade durch den Gang der Erörterungen im Reichstage und in der breiten Oeffentlichkeit mehr und mehr darin bestärkt worden. Gewiß werden die Verbündeten Regierungen sich nicht auf jedes Stück ihrer Vorlagen versteifen. Nachdem sich leider ergeben hat, daß für die Besteuerung von Gas, Elektrizität und Inserate keine Mehrheit zu erlangen ist, so werden die Verbündeten Regierungen diese Vorlagen fallen lassen müssen. Für die Lücke muß Ersatz geschaffen werden. Ich bin zwar heute noch nicht in der Lage, hierüber bestimmte Mitteilungen zu machen, ich habe aber dahin gewirkt, daß sich die Verbündeten Regierungen in den allernächsten Tagen endgiltig über die Stellung schlüssig machen, die sie zur Frage der Erwtz- steuern für die zweite Le>un.g im Reichstage einnehmen wollen. An den leitenden Gedanken und an den Hauptstücken des großen Werkes aber hatten die Verbündeten Regierungen fest. Man hat in den letzten Wochen vielfach gehört, eine Hauptfrage bei der Finanzreform bilde das Problem, die Linke in Sachen der Branntweinbesteuerung und die Rechte in Sachen der Erbschafts- abgaben umzustimmen. — Gewiß war es ein Fehler, den Vorschlag der Verbündeten Regierungen betreffenb den Zwischenhandel des Reiches mit Branntwein a limine abzulehnen. Mehr und mehr zeigt die Debatte, daß hier der von der Regierung vorgeschlagene Weg am besten zum Ausgleich führt zwischen dem finanziellen Interesse des Reiches und den Interessen der Produzenten. Die doktrinäre Verfechtung eines Prinzips kann uns hier nicht weiterbringen. Das Schlagwort, wider alle Mouv- pole, verliert seine Bedeutung im Zeitalter der Kartelle und Trusts. Heute darf die Parole nicht lauten, für unbedingte Ge- iverbefreiheit und gegen das Monopol, sondern sie hätte lauten sollen, für das Staatsmonopol statt des Privatmonopols, für das Staatsmvnopol, das 100 Millionen, die wir als Steuerertrag vom Branntwein allseitig erwarten, am schönsten auf bringen kann, die sogenannte Liebesgabe beseitigt und allen Interessen gleichmäßig gerecht werden würde. Und wie steht es mit dem Ausbau der Erb sch a f t s ab g a ben? Hier ist es nicht so sehr die nüchterne Bettachtung der realen Tatsachen gewesen, die große und angesehene Kreise im Lande zu ihrer bisher ablehnenden Haltung veranlaßt hat, vielmehr haben Besorgnisse hereingespielt, die sorgfältiger Prüfung nicht stand halten sollten. Ich gebe die Hoffnung nicht auf und Ihre Kundgebung bestärkt mich hierin, daß auch die Landwirtschaft erkennen wird, daß sie sich mit der Ausdehnung der Erbschaftsbesteuerung wird abfinden können. Auf der N a ch l a ß st e u e r werden die Verbündeten Regierungen nicht bestehen. Da aber der Besitz nach fast allgemeiner Uebereinftimmmig in Höhe des aus der Nachlaßstener veranschlagten Bettages an den neuen Steuern beteiligt sein muß und eine andere gerechte, zweckmäßige und gleich ertragreiche mbhmwwhm; n nn rin Wfig—a—MBMKgr-maT- drei Hoftheater unter eine Leitung kommen. In jedem der drei Orte wird nur während mehrerer Monate im Jahr gespielt. Demnach wird das Personal bas ganze Jahr beschäftigt sein. — Das Schlachtfeld von Tannenberg ist in den Besitz des Fiskus übergegangen. Der Domänenfiskus hat, nach einer Meldung aus Königsberg i. Pr., das Rittergut Grünfelde int Kreise Osterode erworben. Auf dem Ge lände dieses Gutes wurde im Jahre 1410 die Schlacht, die gewönlich nach dem Nachbarorte Tannenberg benannt wird, zwischen dem Deutschen Orden und den Polen geschlagen. — Die deutsche Pathologische Gesellschaft, die vom 15. bis 17. April in Lei pzig unter dem Vorsitz von Professor Weichselbaum-Wien im Pathologischen Jn- stttut der Universität tagte, hatte dieser 13. Hauptversammlung wiederum ein reiches Programm zugrunde gelegt. Außer den Referaten von Professor Schmidt-Zürich und Professor S t ö l z n e r -Halle über Rhachitis wurden 88 Einzelvorträge gehalten, in denen Vertreter der medizinischen Wissenschaft aus allen Teilen der Welt, aus Oesterreich, der Schweiz, aus Amerika, Rußland, Japan usw. Spezialthemen behandelten. — Autobiographie von Friedrich Paulsen. Unter den Nell-Erscheinungen des Verlags Eugen Diedrichs in Jena werben Jugenberinnerungen von Friedrich Paulsen, die unter dem Titel „Aus meinem Leben" in etwa einer Woche erscheinen werden, angekündigt. Paulsen selbst charakterisiert diese Erinnerungen in 'olgenden Worten: „Ich befinde mich in der Vage, von einer glücklichen Jugend zu berichten. Und dann droht dieser Darstellung wenigstens die Gefahr nicht, daß sie ihren Gegenstand in der heute so beliebten tragischen Pose des verkannten und vereinsamten Kindes und Knaben zeigt. Ich bin in einem rechtschaffenen Bauernhaus ausgewachsen, von einem vortrefflichen Lehrer in die Schule genommen und in fröhlicher Gemeinschaft gediehen. Von alledem möchte ich einiges erzählen, in der Hoffnung, daß der günstige Leser für eine Welt, die nun im Versinken ist, einige Teilnahme gewinnen wird." Besitzsteuer mit besserer Aussicht auf Annahme im Reichstage zur Zeit nicht vdrgeschlagen werden kann, so müssen wir an der Ausdehnung der Abgabe auf die nächsten Verwandten in Form einer Erbanfalls steuer sesthalken. Auch der Landwirtschaft nahestehende Autoritäten geben zu, daß die vorgeschlagenen Sätze ertragen werden können, und daß die landwirtschaftlichen Interessen schon in den Regierungs- Vorschlägen berücksichtigt worden sind. Werden doch zwei Drittel bis drei Viertel der deutschen Landwirte von der Steuer überhaupt nicht betroffen. Die Landwirtschaft sollte aber auch nicht vergessen, daß sie unter einer Gesetzgebung lebt, die mit der größten Gewissenhastigkeit ihre gesamten Interessen fördert und am Herzen trägt. Ich persönlich nehme es durchaus nicht leicht, in dieser Frage mich in Widerspruch zu manchem alten Freunde zu befinden. Aber auch nach reiflichster Erwägung kann ich von der Auffassung nicht abgehen, daß die erweiterte Erbschaftssteuer ein Opfer an konservativen Grundsätzen nicht involviert. Ich begrüße es, daß große Teile der konservativen Partei zu derselben Auffassung! gelangt sind und verweise dafür auf die Beschlüsse der fimser- vattven Partei in Sachsen. Ich meine auch, daß die Stimmen aus dem Mittelstände bei der Rechten des Reichstages nicht ungehört verhallen sollten. In keiner Weise aber vermag ich die Bedenken zu teilen, daß ein aus allgemeinen Wahlen hervor- gegangenes Parlammt wie der Reichstag gerade mit der Erbschaftssteuer Unheil stiften könnte. Solange die Sozialdemokratie nicht Bundesrat und Reichstag beherrscht, solange besteht nicht die Gefahr konfiskawrischer Ausbeutung dieser Steuer. Sollten aber einmal dre Sozialdemokraten die Geschäfte in die Hand nehmens — in den nächsten Jahrhunderten wird man das nicht erleben —, so würden die Erbschaften daran glauben müssen, ob die Sozial- demottatie die Deszendentenbesteuermrg vorfände oder nicht. Mit dem Vorwurf des Sozialismus soll man uns also nicht kommen. Vor dem brauchen mir uns so wenig zu fürchten wie es Fürst Bismarck tat. Ich bleibe also der Ueberzeugung: Was in den verschiedensten Ländern der Welt, was in den Hansestädten und in Elsaß-Lothringen, in deutschen Kantonen der Schweiz, in Oesterreich-Ungarn, in England, in Frankreich in Jahrzehntelanger Hebung zu keinem Mißstand unb keiner Erschütterung des Familiensinnes geführt hat, das tvird auch in Deutschland, wenn sich die Wogen gelegt haben, als eine erträgliche Steuer angesehen werden, unb spätere Generationen werben die Erregung unserer Tage in dieser Hinsicht kaum noch begreifen können. Aber mit ber Branntwein- unb Erbschaftssteuer frage ist es nicht getan. Daß bas Bier uns 100 Millionen mehr bringen muß, barüber ist man sich allgemein einig. Unb was ben Tabak betrifft, sö wirb es trotz aller Agitation babei bleiben, baß alles, tvas ber Tabakverein in biefem Falle gefehlt hat, wieber gut gemacht werben muß burch einen Gesetzentwurf, ber bent sozialen Charatter ber Steuervorlagen Rechnung trägt, ben wohlhabenben Raucher höher belastet als ben unbemittelten unb ber Staatskasse einen) Bettag von 75 bis 80 Millionen mit Sicherheit zusührl. Ich brauche es kaum auszusprechen, baß ich auch mit Ihrem! Verlangen bezüglich ber reinlichen Scheidung zwischen Reichs unb Bunbesstaatlichen Finanzen burchaus übereinstimme. Tie Geschichte der Matrikularbeiträge ist eines der lehrreichsten Kapitel unserer Finanzen. Was als Notbehelf und UebergangsmaßnahmL gesckwffen worden ist, hat sich im Lause ber Jahre zu einep ständigen und immer komplizierteren Eiirrichtung entwickelt. Daher haben weder das Reich noch 'die Bunbesstaaten ihre Rechnung geftmbeu. Die ganze jetzige Situation legt auf bas Berebeste Zeugnis bafür ab, baß bic beiben IjcLDorragenbften Persönlichkeiten, bie sich mit ben Reichsfinanzen beschäftigt buben, Bismarck unb Miquel, vollkommen Recht hatten, wenn sie bas Reich nicht bauernd zum Kostgänger der Bundesstaaten werben lassen ivoltten. An ben Folgen der Matrikularabgaben, an dem unbestänbigen) Element, bas in ber Einuahwebewilligung burch bie Reichsstände lag, an bem Mangel eigener ausreichenber Einnahmen ist das alte heilige römische Reich siech und morsch geworden unb zu Grunbe gegangen. Die große Ausgabe, die Miquel sich gestellt hatte, war in Preußen eine reinliche Scheibung zwischen ben; Finanzen der verschiedenen öffentlichen Körperschaften durchzuführen und dafür zu sorgen, baß sie alle in zweckmäßiger Weise ausreichenbe Einnahmen erhalten. Die Entwickelung geht nunmehr in der Richtung einer Scheidung der Einnahmequellen des Reiches von denen der Einzelstaaten, nicht in wechselseitigem) Uebereinander- und Jneinandergreifen. Das ]ogenannte Besitz- steuerkoinpromiß ist von anfang an nichts als ein Hilfsmittel ober eine HilMonsttuktion, eine Notbrücke gewesen. Die Oeffent-» lichkeit ist sich rasch unb einmütig ber Gefahren bewußt geworben, bie aus seiner praktischen Durchführung für das ganze Gefüge unseres Finanzgebäudes erwachsen würben. Dies spricht mit besonderem Nachdruck auch die Adresse der Herren aus Thüringen aus. Wenn Sie die Unterstützung ber Verbündeten Regierungen und des Reichskanzlers für die Beseitigung dieses Kompromisses verlangen, so ist dieser Teil ihrer Mission erfüllt. Die Verbündeten Regierungen werden die Einzelstaaten nur bis zur Grenze von 50 Millionen Mark, das heißt mit 25 Millionen mehr als bisher, in der Gestalt der Mattikularbeittäge an dem Gesamtbedarf beteiligen. Ich erwarte also, um kurz zusammenzufassen, von der Finanz re form das Folgende: Sie soll aufbringen 500 Millionen. Sie soll diese Summe, abgesehen von 25 Millionen! Mark neuer Matrikularbeiträge, aufbringen in der Form reichS- eigener Einnahmen unb zwar, wenn bie Fahrkarten steuer in verbesserter Form bestehen bleibt, mit 350 bis 360 Millionen Mark vom Korffum unb mit 90 bis 100 Millionen vom Besitz. Bei den Konsumsteuern sollen Branntwein, Bier und Tabak rund 280 Millionen Mark bringen, weitere 70 bis 80 Millionen Mark sollen durch die fogenannten Ersatzsteuern, über die sich der BunbeS- rat dieser Tage schlüssig machen wirb, aufgebracht werben. Die Nachlaßsteuer wirb in eine Erbanfallsteuer umgciDanbelt. Durch- zu führen ist bas Werk noch in bieser Tagung. Meine Herren, als vor einem Jalfi'e von bicsem ober jenem) Die Reichsfinanzresorm als eine gvoße nationale Aufgabe bezeichnet wurde, da haben routine Politiker gelächelt unb erklärt, eÄ werde nicht gelingen, ein Steuerprogramm populär zu Machen, umsoweniger jcmehr Steuerzahler von ben Wirkungen bettofseck werben müssen. Daß heute die Reichsfinanzreform als nationale Ausgabe nichl nur allgemein anerkannt, sondern daß sie vopulär geworden ist, weil man erkennt, daß in ihr eine Stärkung des Staates nach innen unb nach außen und damit auch eine Förderung unserer wirtschaftlichen Kraft liegt, ein Aufstreben nach höheren Zielen, bafür finb Sie lebendige Zeugen. Jeder Tagj ber Verzögerung bedeutet eine Vermehrung unserer Schuldem, einen Verlust an Eimrahmen, eine Erhöhung der Schwierigkeiten, eine Einbuße an Reputation. Die Arbeit wirb ben Mitglieber« des Reichstages erleichtert werben, wenn ihnen aus den Der* id; ich ernten Kreisen ber Bevölkerung bie Versicherung entgegen* ktingt, baß sie bei ihrer Pflichterfüllung auf bie Bereitwilligkeit; der Oeffentlichkeit rechnen tonnen. Indem Sie, meine Herren, dies hier und in dieser Stunde mit Würde unb Bestimmtheit zurnk Ausdruck brachten, haben Sie sich für das große Werk unb mH! ba5 . । jr.c Vaterland ein Verdienst cnwrbat mtb i'tnb seines Tank s iuf.et!" Tic Ausführungen des Roickskanzlers wurden von allen An wesend, n mit lebhafter 3uftimn:ung aufgenommni uni> ^jcliad) bur ctzc n Anw der Scheich Ucl Islam sei hierinr, da das Schermtgesetz bie Abdan Tung des „Sohnes des Propheten" nicht kennt Außerdem würben die Anmaiichtruppen baburd) ber Rotwenbigkeit überhöhen, die geheiligte Person des Khalifen anzutasten, was unoermribüd) wäre, wenn ei niibl abbaiifte. In direktem Widerspruch ;u diesen Meldungen berichtet ein : legramm aus Konstantinopel, daß gestern ein außer ordentlicher Ministerrat stattgefunden habe. Zur Beratung stand bie innere Vage, der Einmarsch bei Mazedonier und ber Umstaub, baf einig« Provinzen Anatoliens und der europäischen Türkei da- fetzige Mobinctr nidrt anerkennen. Es wurde mitgeteilt, baß ui Adana bie Ruhe wieberhergestellt sei und baß in Antiochia neue Umr ebrochen seien Dei Ministerrat trat mehrfach mit beit Truppen von Tidjatalbidja telegravbifd) in Verkehr. Vier Minister erklärten, daß alle Addankungs- und A b * setzungsger nch t e des Sultans auf Erfindung beruhten. Der Sdwick llel Islam erklärte wörtlich: Von einer Absetzung ist gar keine Rede. Trotzdem ist an dem Einmarsch ber Mazedonier nicht zu zweifeln, da bereite nvifdsen der Leitung und dem KriegSministerium Verhandlungen idnuebcn, in welcher zvornt ber Einzug ftattfinben soll. Rasim bat aus Wunsch des Wrok- veiirs seine Demission zurückgezogen. Auch ber i^roßvesir soll demissioniert und seine Demission wieder zurückgezogen haben. Wie nach anderen Meldungen verlautet, befindet sich ber Sultan nicht mehr tni V’hlbij fonbern in einem anocren Schloß. AuS .Konstantinopel heute in Sofia cmgctroffaic Depeschen besagen, daß bie i u n g t ü r k i s ch e n Truppen i n St onstan - tinovel ohne Blutvergießen eingedrungen finb und ben Bildiz umzingelt haben Der Sultan soll auf einen russischen Dampfer geflüchtet sein. Eine Bestätigung ber Rachricht bleibt abzuwarten. Wie ber „Renen freien Presse" aus Konstant mopel gcuielbet Wirb, willigte ber Sultan vorgestern abenb auf bringende Vor- stellungen bc«5 gesamten Slabinctio nach anfänglidier Weigerung schließlich in die Mbanknng, wenn sein Leben garantiert wirb. Die aus Saloniki erwartete Antwort dürfte bereite eingetroffen fein und bedingungslos lauten. Ihn eine etwaige Flucht des Sultans auf feiner Jacht zu verhindern, und um das Leben des Sultans zu schützen, verbleibt die Flotte vor Besckikiaich. Gestern um ' -10 Uhr nachts hatte ber Großwesu eine eineinlialb- ftünbige Audienz beim Sultan in Anwesenheit bes PalastsekretärS. Die Abdankung 'Jlbbul Hamibs und bie Thronbesteigung Reichid Efsendrs bürsten zwischen Heute unb morgen amtlich verlautbart und zur öffcntlKbm Keimtnis gebracht werben. Watz ist nun die Wahrheit? Ter Anmarsch ber Truppen. Tie herannmrschiermde Armee schob gestern nacht ihre Avantgarde bis .iriathane vor, so daß Kouslanniwpcl nunmehr fast ein- gekreist ist. In Sparta knie treffen jetzt Militärzüge ui Abständen txm vier Stunden ein. Tie 17. eclomher Jäger haben sich nachts ohne Sckwc,rstreich der Pa krönenfabnk und der Pulver magazme von Zejtvun Bournou bemächtigt. Tie ganze V.'ilmt steht nunmehr unter dem Eberbefehl Pcrteto Paschas Rach Mn tciUntgeu aus dem X)auingunmcr fall kein entsch idendcr Schritt toitrntüimnen werben, ehr 10000 Mann btiponibel und, was noch 3 Tage bauert. Ein Efnzier der Anmarsch-Armee beruhtet, man habe Beweise dafür, daß ber ') \ l b i ; die Truppen de stv che n habe. da einige komiteetreue Jager. die von den meu tauben .'himerabcn schlecht behandelt nun:en. itd) ,u den Salo niTiern geflüchtet und zugegeben Haben, daß jeder Mann .» Pfund erhalten habe. Ok'icrn rnrh zv^m etwa 150 Mann der Tafchkischla 'faser,ie mit klingendem -spiel in bester Ans-, u», ng bvit mazedonischen Truppen entgegen, um fuh ihnen anznid.u :;ai Es ist noch nicht be tarnt, welche Aufnahme fte gesunden l>Uxi-.. In der Kammer waren gestern vormittag etwa 50 Abg ordnet' versammelt. Eine Sitzung 'and^ nickt statt. Eine^ gleiche Zahl Abgeordneter befanb fick bei den Truppen tn San Stestino, ivo in einem Älubblai beraten roirb. Qli der iungturfnd,en Panei angehörig Abgeordnete, iämtUck in Mazedonien gewählt, »ollen von Sophias nach ihrer Ankunn in Sau Stefano ermordet worden sein Ein Aufruf an die Konstantinopeler Garnison In einem Manifest an den (fkncralnab der Armee forde.. t r Eberkonnnandierende der iungtnrkifch.ii Truppen, Gener l Viteni Pafckia, di' Wiedereinstellung aller Effi ziere in ihre früheren i 'mmandos und die einzelne Verewigung ber Soldaten unb Unteroffiziere vor dem .'laib ul Islam. Ferner verlangt oiv Manifest bie Angabe bcrienigen Spione unb Individuen, w iche bie Soldaten zur Meuterei verleitet hoben. Tas Manifest schließt mit "ber Versickerung, baß, wenn biese Bedingungen durch die Trurven in Konstantinopel aiigenommeii und tn? Seetruppen einen wirklichen Gehorsam zeigen würden, während die jung türkische Armee Handelt, Niemand etwas uigefügt werden würd? Ter Eberkonnnandierende fordert den Ebes des i p a n i k. In London ivurbe auf einer Versammlnng in Bonrnemonlh zngimsten eines angemcffcncn Alarineprogramnies eni Brie, des früheren Kommanbanlen der Kanalstotte, Lord Charles Beresford, verlesen, in dem er die Versammlung zu ihrem Versuch, bas Volk über die au§ ber mangeln deu Kriegsbereitschaft Englands ermachsenben Ge» iahten auizukläreu, beglückwünscht unb sagt, es würbe eine Panik entstehen, wenn bas Lanb bic ga >izc Wahrheit fennen würbe. Au- Stadt und Land. Gießen, 21. April 1909. Tageskalenber kür Mittwoch, 21. April: Burger- öerfammlung, veranstaltet vom Biirgervereiu unb vom Lrte- gcrocrbeDcreiii, abenbö 81/, Uhr im Einhorn-Saal: Vergebung öffentlicher Arbeiten unb Lieferungen. (Referent: SyiibiknS Engel dach - Tarmftabt). •• Aus dem Militär-Wochenblatt. Für den 2. LehrkursuS vom 15. April bis 5. Mai 1909 zur Jnfantene- Schieß schule fominanbicrt: Hauptm. Schroeder, I.-R. 116 bie OberltS. Raabc, J.-R. 117, v. Oertzen, J.-R. 115. " Ernannt wurde Ludwig Korbacher zum Verwalter an der landw. Versuchsstation zu Darmstadt. ** I n den Ruhestand versetzt wurde der Lehrer an der Gemcindcschule zu Rieder-Hilbersheim Jak. Schopp auf seilt Rachsuchen, unter Anerkennung feiner langjährigen treuen Dienste, und ihm aus diesem Anlaß das Silbe nie Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen mit der Krone verliehen. " Für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung am Donnerstag nachmittag 4 Uhr ist folgende Tagesordnung aufgestellt worden: 1. Mitteilungen. 2. Baugesuch des 6mt( Koch für SelterSweq 75 3. DeSgl. des Friedrich Amend für die Neustadt. 4. DeSal. ber Finna Wallenfels u. Sauer für Blcichstraße. 5. DeSgl. beS Georg Klarl für Marktplatz 5. 6. DeSgl. des Heinrich Winn für Neustadt. 7. Einfriedigung des Grundstücks Wetz- fietngaffe 31. 8. Vergebung der Dampfkesielanlage für den Schlachthof-Neubau. 9. Vergebung von Arbeiten und Lieferungen. 10. Herstellung eines DeSinfektionSraumeS für die Sanitätskolonne. 11. Feldbereinigung in der Gemarkung Gießen links der Lahn; hier: Chaussierung von Abfahrten unb Feldwegen. 12. Verlegung von elektrischen Kabeln nach dem Gelände bei der Aktienbrauerei. 13. Ankauf von Straßen- gelänbc von Cvfar Gutmann. 14. Ueberfchrcibung ber Weg» oarzelle Flur VI Nr. 141 auf die Geweckfchaft Gießener Braunsteinbergwerke. 15. Miete für das in her Frankfurter Straße von Frau Dietz emchtete SelterSwasterhäuSchen 16. Gesuch beS fozialbemokralifchen WabloercmS um liebet» laftung des LswalbSqarlenS. 17. Entwässerung ber Siechen- anstatt. 18. Errichtung eines weiteren Volks sch ul- Kaufes. 19. Gesuch des Karl Werth um Erlaubnis zum SchankwirifchaftSbetrieb im Ham'e Riegelpfab 39. *♦ Äun ft herein In der Ausftellimg im Turmhaus werd eine Äolleftion des T^alers Alois Penz - Frmrd- iurt ausgestellt. Benz, dec geborener Eestcrreichcr ist. studierte in Weimar und Paris mit größtem Erfolge. Rack einem Studium bereifte er einige Jahre Italien, nndibem .vätütc er Frantfurt als Wodniitz, roofclbft er sehr be!a:mt i»t Er bat in Franknin, Italien, wie in feiner österrrichi- idben Heimat große künstlerische und materielle Erfolge er rungen und durfte auch in Gießen sehr intfteffieren. Außer ?uirr «ollctiion gelangen nur noch einige Porträt- Don innerer einheimischen Künstlerin Marie Zeichner zur Ausstellung '• „W i e k a ms in A l z e n»B i n g e n Der Ra i 'nalliberale Verein schreibt uns: linier diesem Titel ift eine 4S Seiten starke Broschüre von Parteisekretär "'reupner in Worms erschienen, die auf Grund einwandfreien Materials die Aahlvorgänge in dem Wahlkreis Alzen-Bingen beleuchtet. Tie Schrift -st allen, die sich für die Wahl- Vorgänge in jenem Wahlkreis in ter ef fiert haben und sich noch dafür interessieren, sehr ;u empfehlen Sie ist tu den hiesigen Buchhandlungen zu haben Siehe Anzeige ■ ‘ Befitzwechfe 1 Herr Jakob Baer bat bad Hau» Markststraße 29 für 8-5000 M! erworben. Das Anwesen wurde vorn Vorbefitzer für 52000 Mk vor ca. 10 Jahren vorher stand hier eine alte Scheuer, die damals abgebrochen wurde erworben Interessant ist dieser Befitzwcchfcl namentlich insofern, weil bie Stadl Gießen hierbei wob! die erste Wertzuwachssteuer einstreichen kann Weni gehören bic Hunde? Im Besitze des gestern wegen .Hunbediebstabls ni Untersuchungshaft gc- nommenen Tagt ohne rs Leonhard Eisinger, hur, fanden sich noch zioei Hunde, über deren Erwerb er fick nicht genügend aiisznweisen vermag. Ten einen, ein junger gelber Spitz mit schwarzen Ehren, will er im Februar l. Is. von einem Unbekannten gekauft haben. Ten anderen — ein gelber Rattenpinscher — will er im März I Je geschenkt bekommen haben Tic rechtmäßigen Eigentümer der beiden Hunde wollen sich bei der Kriminal-Abteilung des Großh. Polizeiamts melden. * * Unfug. In der Nacht auf den 20. I. Mts wurden an einem Neubau in der Wicfenstraße 24 Fenftcrfckreibcn zertrümmert. Der Geschädigte hat 20 Mk. Belohnung für Ermittelung des Täters ausgefetzt ♦ * Herrenloses Fuhrioerk. Am 14. 1. Mts. bat ein junger Mann, angeblich Reisender von Marburg, m einem hiesigen > ehöste ein Pferd mit Break cingc angegeben, cs am anbcrcit Tage abholen zu wollen, tk? jetzt Hal er sich nicht wieder sehen lassen Vielleicht trogen diese Zeilen zur Ausllärung ber Sache bei. * * s)i o t m c n b i g t e i t ber Fleischbeschau bei Haus 1 rf)lad)tungen. Unter biefer Sv'tzmaike schreibt bic „Illuür landw. Ztg ", Ergnn des Bundes der Landwirte, wärllick wlqcnbe „In dem Ertc Wahmbeck Prov Hainwven mürbe kärstick von tinem Landwirt ein Schwein gefd indncl. Ta bekanntlich in der Provinz Hannover bie .Hausschlachtuiigen, ivenn fick vor oo.r nadi ber Schlachtung keine Merkmal zeigen. meld:c bie isenun tauglichkcit des Fleisches ausichließeu, n Finnen untersucht werden, wurde bas Schwein nicht deickain Toni Trichine,ifchouer kam aber, nack Mitteilung von A. Gavel Ht ber „Deutschen Fleischbesdiauci Jfitung", bas T ter io ve, bäd tig vor, baß er einige Stücke und Ergnne dem Fle,schbe»'ckaurr,« welcher in einem eine halbe Stunde entfernten Eric irotnu, vorletzte. Tiefer erkannte hoditzradige Tuberkulose und mackke tintgcu, also aud’ bic in hvgieni'dier Hinsicht a-'i ihrlicksten. ha» sind bic .HauS'cklachtnngen, dem llnicriudnina«m>onfl unterlir.i n, branden mir nicht weiter zu erörtern, seit Jahren haben irr bas an unzähligen Bcifpielcn iiatbgcmicffn. Allein btr Ctr tnhnmg bes ttutersuchiingsuvantzc '(heiterte fast überall en brüt Widerstand bet Agrarier, deren Einfluß in Preußen bekanniUw nicht klein ist. Umsomehr ist es onuierfenncn, daß man fui) auch hier der besseren Erkenntnis nicht verschließt * * Der verkannte Spucknavf. Rach ber 'Brämiuruni anläßlich einer lanbroirtid’afthdirn Ausstellung labt per Herr Kreisrat bie glücklichen Besitzer ber prämiierten Fiveidörner tu einer gemütlichen Zusammenkunft in bic Bierholle, bic 'üb beutfche Bebienung hat, ein. Der Bach Krebba st's Hannes. bO'cu Stoll ben ersten Preis cingcbradit hatte, bunte neben dem iow: ct 100*5 gefürchteten, aber heute mit bei besten Laune ausgestot- tctai gestrengen Herrn ber Spitze bes KrcifeS gehen unb ioa«u an feiner Seite Platz nehmen Balb war man an dem rub- ttgen Thema, ivi angelaiitzt unb der Bach-Krekbast's Hannes führte das Wort, oei nur burd) eine döie Angeioohnbeir ber Haiine« spuckte näe- lich zur Bekräftigung feiner Vorträge nach tebem Toy aus - unterbrochen würbe. Er tat bieö natürlich nach feiner recklnr Seite hin, baut an ber nnberen saß bet Herr ürcierai An Wunsch dieses Herrn betmn aber sehr bald unser tuckttger Lanks- aifliin einen Svuckuepf aui die rcdxc Säte gestellt. Tods fäue» ihm dessen Zweck nicht recht cinuilcuditrn, beim nun vuckc er plötzlich nach ber anderen Seite Als ihm audi dorthin em solches Gciaß gestellt ivurbe, spuckte er Richtung mürbe balb ein britter Svucknapi auigeswllk. Dies ro« bem .Hannes benn hoch etwas zu störend uno mit cnerarcher "'icnr. i an: „Wann Tou doos Ting do litt alletveil eweck doust, weiH Gott, eich fpeutz Der eneann!" ? Hungen, 21. April, liniere Volksschule er hick: mit Begriin des neuen Sdiuliahres eine weitere Alafff- so daß jetzt insgesamt -1 Klaffen vorhanden find, von dencr lede 2 Jahrgänge ausnehmen soll Tic neue Lebrerstckle die burdi bie Bildung der 1 Klasse nötig wurde, wird burd Lehrer Grünig aus Stvckftadt a Rh. versehen Tie der Schüler ist in stetem Steigen begriffen; cs mürber . : stier ausgenommen Der Uiiiorruf)t - Klaffe wirb di- zur Erbauung bes neuen Schulhaufes t» Rat Haufe ftattfinben. 0 Laubach, 20. Aval. Tie PuppenhauS-Aus- ucllung un hiesigen Schlosse lieferte an 2 Tagen für dieKlem- linberschulc 100 Mk. -j- 62 Mk. = 162 DU. Wie man sagt, istk« Gebot von 700 Mk. auf das HauS erfolgt, doch eS soll vol' her zli Wohltätigkeitszwecken noch bei anderen AuSstellunger gezeigt werden. — Bei der gestrigen Neuaufnahme der Tchüler traten 18 als Schüler des Gymnasiums em. barunter 7 in Sexta, worunter auch die beiden ältesten Löhne des verstorbenen Grafen. Ta vor Ostern 12 Abiturienten verzeichnet wurden, durfte die BefuchSziffer des Gy«' uafiumS sich etwas erhöhen. V. Friedberg, 20. April. Ruckdon der praißucke Landtag in 2 Lesung als 1 Rate 1on heute an bis auf weiteres für den Fuhr- und Radsayr- rerkehr gesperrt. Gießen, den 20. April 1909. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. I. V.: Bilo. Prozeß Moltte-Hartzen. Berlin, 20. April. Vor der 4. Strafkammer des Landgerichts I sand heute die Wiederaufnahme des Beleidigungs-Prozesses Mo l tk e-H a r d e n statt. Tas öffentliche Interesse an dieser Affäre scheint fast gänzlich geschwunden zu sein. Um '9,35 Uhr eröffnet Landgerichts-Tirektor Lehmann die Sitzung. Tie geladenen Zeugen werden vorläufig entlassen, ebenso Graf Kuno Moltl'c, der aus gesundheitlichen Rücksichten der Verhandlung ! richt beiwohnen will. Bei Beginn der Verhandlung erbittet • 3111415vat Bernstein das Wort nnd erhebt den Einwand der Unzuständigkeit des Gerichts und der Unzulässigkeit Verfahrens. Aus diesen beiden Umständen, bitte er das Vcr- mhrcn einzustellen. Bernstein teilte darauf mit, daß die Par- • leien eine Art Vergleich geschlossen hätten, der der Staatsanwalt- schäft zugesteltt itmrbcit ist. Tiefer Vergleich lautet: Herr Harden iioiederholt die s. Zt. vor dem Schöffengericht und vor dein Landgericht abgegebene Erklärung, daß er in seiner Wochenschrift den grafen Kämo von Moltkc nicht der .Homoftpuellität beschuldigte. • Äraf Kuno von Moltke akzeptiert diese Erklärung. Beide Teile iind der Uebcrzeugung, daß sich irach dieser Erklärung jede Be- loeisaufnahme erübrige. Datiert ist das Schriftstück vom 19. März 1909 und mit der Unterschrift der beiden Herren der Staatsanwaltschaft am 22. März zugestellt worden mit dem Bemerken, das; die beiden Parteien gegen eine Einstellung des Ver- sahrcns nichts eiuzuwcnden hätten. — Der Gerichtshof beschließt aach kurzer Beratung, den Antrag der Unzuständigkeit abzulehnen. Ls wird in die Verhandlung eingetreten. Der Oberstaatsanwalt Grrginal-DvahtmeLSttirgen. Wien, 21. April. Das „Neue Wiener Tageblatt" erhält von informierter Seite Mitteilung über den beabsichtigten Ban von Dreadnoughts. Es besteht bekanntlich der Plan, nach Genehmigung durch die Delegationen vier solcher Schisse 511 bauen. Die Kosten eines solchen Schiffes werden aus 55 Millionen veranschlagt. Tie günstige Beschaffenheit der österreichischen Küste gestattet, daß Oesterreich mit zwei Dritteln der Flottenstärke Italiens diesem gleichtomme. Im Besitz von vier Dreadnoughts könne Oesterreich einer kriegerischen Eventualität ruhig entgegensehen. Konstantinopel, 21. April. Tie Situation i st unverändert. Die Salonikier Truppen sollen, wie es heißt, morgen, Donnerstag, einen Eilmarsch vollziehen. Der Kommandant Nasim Bey hat demissioniert. Ter Kontre- Admiral Said, der an den Dienstag-Ereignissen mitgewirkt hat, ist geflüchtet. Tie Gerüchte von der angeblichen Ermordung des Fürsten Samos bestätigen sich nicht. Wie man dem „Osman. Lloyd" aus Aleppo tele-: graphiert, wurde die gesamte christliche Bevölkerung von K i r k h a von Mohammedanern massakriert. Der Stadtpräfekt i,slj mit vielen Stadl- Repräsentanten zur Begrüßung der Salonikier Truppen abgereift. Korfu, 21. April. Wie es heißt, wird Kaiser Wilhelm demnächst Olympia besuchen. Infolgedessen werden dort die nötigen Vorkehrungen getroffen Königin Alexandra und die Kaiserin-Witwe von Rußland werden ebenfalls erwartet. Dagegen werden weder der Zar noch König Eduard Korfu besuchen. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Großen-Linden für 1909 Rj. Iliegt vom 23. d. Mts. cinschl. während 8 Tagen zur Einsicht und Entgegennahme etwaiger Einwendungen bei uns Bekanntmachung. Der Gemcindekassc zu Krofdorf ist ein Postscheckkonto unter Nr. 2291 Frankfurt a. M. eröffnet worden. Krofdorf, 19. April 1909. Bekanntmachung. Die Gleisverlegungsarbeiten für den Bau ber städtischen elektrischen Straßenbahn sollen öffentlich vergeben werben. Die Bedingungen sind während der Dienststunden in dein Amtszimmer der unterzeichneten Verwaltung einzuschen. Angebote, unter Benutzung der dortselbst erhältlichen Vordrucke, sind bis zum 29. Avril d. IS., nachmittags 3 Uhr, verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, an genannter Stelle einzureichen. Dem Angebot sind Empfehlungen über bereits ausgesührte Gleisver- Verrnstzcbtes. *' König Viktor Emanuel an der Stätte des Erdbebens. Eine bezeichnende Episode von dem jüngsten Besuche des Königs von Italien in den von dem Erdbeben hcim- gcsuchtcn Gebieten wird in der Vita erzählt. Als der König in ^cilla eintraf, eilte ihm eine jammernde, wertende Menge entgegen. „Nieder mit der Camorra, wir wollen Hilfe und Beistand !" so tönte cs aus der Schar. Tier König war erschüttert, ermahnte die Leute zur Geduld und suchte sie zu beyuhigcn, aber kaunt hatte er auf seinem Wege die Piazza Matriee erreicht, als ihn eine neue Menge, die nach Tausenden zählte, mit lauten Hnscrufcn empfing. „Hilft, Majestät, und nieder mit den Dieben, die das Geld der nationalen Barmherzigkeit stehlen." In diesem Angenblick stieg ein junger Arzt, der Dr. Alfredo Gatto, aus die Schultern seiner Nebenleutc und mit lauter Stimme rief er dem König entgegen: „Majestät, wenn Ihr Besuch den Gefühlen entspringt, die in Ihrer Seele leben, so hören Sic auf die Stimme eines bescheidenen Arztes, der die Tränen und den Schmerz des Volkes gesehen hat, das unter der Verwaltung einer hohen und niederen Eanrorra bedrückt und ausgesaugt wird." Ter General- tnsvektor der Polizei wollte den Redner bei den ersten Worten unterbrechen, lebhafte Protestrufe ertönten; der König aber näherte sich deut Ärzte, bat ihn, jetzt zu schweigen unb erklärte ihm, daß er gern seine Mitteilungen empfangen wolle. In der Tat ließ der-König, nachdem er sofort an Bord seines Schiffes zurückgekehrt >var, den jungen Arzt mit einem Boote zu sich kommen und unterhielt sich mit ihm längere Zeit. Im Lauft des Gespräches sagte Tr. Gatto zum König, während am Ufer das Volk sich drängte und dein Monarchen laute Huldigungen darbrachte: „Majestät, sehen Sie aus dieses ausgehungerte, bedrückte Volk, das selbst in der Stunde seines Leidens noch Huldigungen findet und den Zorn unterdrückt, der cs gegen jene erfüllt, die nichts weiter tun, als sich um ein Vertrauensvotum der Kammer zu bemühen." 'Ter König drückte dem jimgeit Arzte mehrmals die Hand und versprach ihm, sich um die Untersuchung der Zustände persönlich zu kümmern, die der Sprecher ihm geschildert hatte. D c r Stu hl des Präsidenten. Aus Washington wird berichtet: Präsident Tail ist ein peinliches Mißgeschick zugestoßen. Der Präsidentenstuhl, aus dem er den Sitzungen bc5 Ministeriums beuvohnt, hat dem durch die llebersülle der Staaw- geschäire belasteten, aber auch sonst nicht geringen Gewichte Tafts nicht widerstehen können und brach zusammen. Zum Glück gelang es Tast, noch beizeiten ailfzuspringen, sodaß ihm ein Stlirz erspart blieb, der seiner Präsidentemvürde vielleicht Abbruch getan halte. William Taft ist übrigens an Zwischenfälle dieser Art gewöhnt. Denn im allgemeinen sind die Stühle nicht bnrant berechnet, cm Körpergewicht von 240 Pfund zu tragen. Bittere Ersahrllngen haben ihn vorsichtig gemacht, und seit geraumer Zeit bringt er allen Sitzgelegenheiten nicht unberechtigtes Mißtrauen entgegen. Ehe er sich setzt, pflegt er den Stuhl mit scharfen Blicken zu mustern nnd wenn er sich dann niederläßt, so geschieht das sehr langsam und zurückhaltend, sodaß sozusagen die Betastung deS Stuhles nur progreßw gesteigert ivird. Wenn schon am Anfang der Stuhl aus schmerzlich ausstöhnt, verzichtet Tast gewöhnlich sofort die Beguemlichkeit des Sitzens. Aber oft kommt es vor, daß erst am Schluß der schwierigen Operation der „Niederlassung" der Sessell leise ächzt; dann kann man den korpulenten Präsidenten mit bewundernswerter Elastizität aufspringen sehen. Uebung macht auch hierin den Meister. * Studenten unter sich. „Sag' mal, was machst du denn den ganzen Tag''" - „Ich? Ich^warle ans den Ersten!" ^ls 5 Lmren münden hier und sind mit 217 Zügen belastet. 1900 Achsen sind täglich im Ein- und Ausgange zu behandeln. Das Eiupfangsgebäudc und naincntlich die "Bahnsteige sind Kur Bewältigung des starken Verkehrs nicht groß genug. Auch bte Bahnsteiggleisc reichen nicht aus. Auch der Raum sur den Ortsgüterverkehr ist unzureichend. Deshalb kommt der gesamte Rangier- und Güterbahnhof südlich nach Fauerbach zu. Tie Gesamttosten für die Ausführungen belaufen sich auf 6 950 000 Mk.; für Gvundcrwerb sind schon ''68000 MI. Ter Hessische Staat gibt dazu 653 000 Mk. und die i s eilen unb b c r Nachbarstaaten. In Schlitz feiern am 25. April die Heinrich W e v p l e r Eheleute (im Grund) das 50jährige Ehe- jubiläum, beide gesund und verhältnismäßig rüstig. — Tie vrenßisch-hessische Eisenbahngcmeinschaft beabsichtigt am Bahn- ho s Kran ich stein für 58 Eisenbahnfanrilien Wohnhäuser zu errichten. Tas erforderliche Gelände ist bereits envorben und soll mit den Arbeiten in Bälde begonnen werden. — In der Gemarkung Klein-Krotzenburg ist in einer Kapelle ein Einbruch verübt worden. Tie Tür wurde erbrochen und der Opferstock geplündert. Der Täter konnte noch nicht ermittelt werden. — In bem Anwesen zum „golbencn Stern" zu Michelstadt, gegenüber bem AmtsgerichtSgebäube, brach Groß feuer aus unb brannte das Wohnhaus, Scheuer unb sämtliche Nebengebäude nieder. Vermutlich liegt Brandstiftung vor. Der Schaden beläuft sich aus ungefähr 20 000 Alt. flBcrtcbtsgaaL Karlsruhe, 20. April. Tas Schwurgericht ver> u r t eilte gestern den 19 Jahre alten Jasser August Redinger aus Eutingen wegen schiveren Diebstahls und vorsätzlicher Tötung Ni 10 Jahren 8 Monaten Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Redmger hatte den 74jahrtgen Bürgermeister Steudle in Eutingen, nachdem er versucht halte, ihn 511 bestehlen, in ber Scheuer überfallen und getötet. .‘Straft b u r g , 20. April. Vor dem Kriegsgericht der 29. Tuvision in Mülhausen wurde gestern und heute gegen den Ritt- mciitcr der 3. Eskadron des Jägerregiments Nr. 5 Grafen von G e r s d 0 r f verhandelt, der durch vorschriftswidrige Behandlung und fortgesetzte Beleidigung den Einjährigen Block zum Selbstmord getrieben, ferner durch verschiedene Acufterungcn den Vater des Einjährigen beleidigt hat. Ter Angeklagte loar zuletzt 8 Wochen vom Dienst suipendiert worden. Tie Beweisaufnahme ergab, daß der dreitägige Mittelarrcst, der dem Selbstmorde voraufging und als unmittelbares Motiv angesehen wurde, nicht vom Angeklagten, sondern vom Oberleutnant Engelmann verfügt worden war. Auf der anderen Seite wurde erwiesen, daß der An> geklagte sich zu persönlichen und antisemitischen Gehässigkeiten! habe Hinreisen hissen. Tas Gericht nahm nur einen einzigen Fall von Beleidigung, begangen durch den Ausdruck Judenjunge oder Judenlümmeft als erwiesen an und verurteilte den Angeklagten zu z w e i T a g e n S t u b c n a r r c st. Bezüglich der an- beren Punkte erfolgte Freisprcchung. । Mark notiert wurde. Der Preis für Spelz ging von 22,12 Mk. pro Doppelzentner im Februar auf 23,53 Mk. int März hinauf. — Jin Mörz 1908 hatte er 21,89 Mk. betragen. Wie bei Weizen ist der diesjährige Preis demnach wesentlich höher als in der Bcrglcichszeit 1908. sticht ganz so erheblich wie Weizen und Spelz ist Roggen im Preis gestiegen. Ter Preis belief sich bei einem Ilmsatz von 92 723 Doppelzentnern durchschnittlich auf 16,61 Mk. gegen 16,14 Mk. im Vormonat und 18,57 Akk. im Vorjahre. Das Vorjahrnivean ist mithin bei Roggen noch nicht erreicht. Ter höchste Roggenpreis wurde in Bayern mit 21,60 Mk. pro Doppelzentner bezahlt, der niedrigste in Hannover mit 14,80 Mark. Der Preis für Gerste stellte iich int März bei einem Umsatz von 23 783 Doppelzentnern an 59 Marktraten durchschnittlich aus 07,18 Mk. gegen 16,52 Mk. int Februar. Der Märzpreis 1908 hatte 16,38 Mk. betraget. Es ergibt sich demnach auch für Gerste eine beträchtliche Preissteigerung gegenüber dem Vorjahre. Am höchsten stand der Gerstenpreis in Bayern unb Baden, wo er 24 Mk. betrug, am niedrigsten int Rheinland, wo ber Preis für den Doppelzentner bis auf 13,30 Mk. herabging. Auch der Preis für Hafer übersteigt den vorjährigen ansehnlich. Hier zeigte sich der höchste Preis in Bayern wo er bis 22,73 Mk. binaufging, ber niebrigfte mit 12,70 Mk. ergab sich im Rheinland. HanSet. — Die Preise der Getreide am deutsch eit F r u ch t m a r k t c. Diese Preise hatten int März durchweg eine ■Steigerung zu verzeichnen, während sie in der gleichen Zeit des Vorjahres gefunkelt waren. Besonders ist der Weizenpreis in dtc Höhe geschnellt, hauptsächlich im Zusammenhang mit der Preistreiberei an der Chicagoer und Ncwyorker Frachtbörse. Er stellte sich int März bei einem Umsatz von 67 289 Doppelzentnern int Durchschnitt für 60 Marktorte auf 22,24 Mk pro Toppel- zcntner gegen 20,88 Mk. im Februar. Ter höchste Weizenpreis wurde im März in Württemberg mit 26 Mk. verzeichnet, während der niedrigste Weizenpreis in der Provinz Hannover mit 16,80 Betreffend: Die Unfallversicherung der in land- und forstwirtschaftlichen Belriebcu beschäftigten Personen: hier: Beitrags- leiftmig für 1908. BekamrSmachlmg. ., , Die Heberolle über die Beiträge zur land- unb sorstwirt- »chaftltchen Berussgertoffem'chaft für das Jahr 1908 aus den Gemarkungen Gießen und Schinenberg liegt von heute an wahrend vierzehn Tagen auf der unterzeichneten Bürgermeisterei zur Einsicht offen. Innerhalb einer weiteren Frist von zwei Wochen, nach Ablauf der Offenlcgungsfrist, kann der in der Heberolle als beitrags- pflichtig in Anspruch Genommene gegen die Beitragsberechnung bei den: Vorstande der land- und forstwirtschaftlichen BerufSgenössen- schaft Einspruch erheben n. S 15 der Verordnung vom 31. Mai 1902). Gießen, den 20. April 1909. b21/4 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. 3. 25.: Keller. Märkte. -th. Gießen, 20. April. Der heute ausnahmsweise aus Oswalds Garten abgehaltene Viehmarkt hatte einen Auftrieb von 1250 Stück Großvieh und etwa 250 Kälbern. Auf dem Vor° markt waren diesmal schwarz-bunte Kühe in großer Anzahl vorhanden, die bei guten Preisen schnell verkamt wtirden. Der Markt begann heute das erstemal um 6 Uhr früh unb wickelte sich schnell »ind glatt ab. Die ihr Vieh austreibenden Handelslercke freuten sich über den schönen Platz, der einen festeren Untergrund hat als der frühere Marktolatz, klagten jedoch darüber, daß besoitders beim Auftrieb die Anordnungen in allpt schrossent Tone erteilt wurden. Man ist der Ansicht, daß die Beamten Rücksicht darauf nehmen sollten, daß Rindvieh weit schwerer zu lenken ist, als z. B. Pferde, und daß es nicht böser Wille der Händler ift, wenn sich Unordnungen beim Auftrieb zeigen. Tas Geschäft in Milchtieren war sehr gut, es wurden die Preise des letzten Aiarktes bezahlt. Im Gesck)äft mit Fettvieh hält die Besserung, die sich seit dem letzten Märzmarkte zeigte, an, ohne daß jedoch eine Besserung der Preise sich zeigte. Ter Kälbermarkt verzeichnete Bedarf und guten Handel, an dem sich auch die Gießeiter Aletzgcr beteiligten. Die Preifc erfuhreir gegen den Markt vor Ostern einen kleinen Rückschlag, doch mürbe die Ware immerhin noef) hoch bezahlt. Für Fahrochseii war verspätete starke Nachfrage, so daß die wenigen vorhandenen Paare hoch tm Preise standen unb tciliucije von den Käufern am Markt gleich mit Gewinn weiterverkauft wurden. Jungvieh >var am Markt nur schwach vertreten unb sand sehr schwer Abnehmer. Bezahlt mürben für Kühe, frischmclkenb unb tragend, das Stück 1. Oual. 500—560 Mk. (einzelne schöne Tiere dis 600 Mk.s, 2. Qual. 400 bis 475 Mk., 3. Qualität 300 bis 375 Mk. Gehandelt mürbe ber Zentner Schlachtgewicht: fette Rinder 1. Qual. 71 bis 73 Mk., 2. Qual. 68-70 Mk., fette Kühe 1. Qual. 63—65 Mk., 2 Qual. 60—62 Mk., Kälber 1. Qual. 72 bis 76 Mk., 2. Qual. 65—70 Nik., 3. Qual. 57—62 Mk. Gangochsen würben zwischen 850 bis 1050 Mk. das Paar in mittlerer Ware abgegeben. Der 'Markt würbe fast ganz geräumt. Fette Ochsen werden in ber Gegend in 1. Qual, mit 76 — 77 Mk., 2. Qual, mit 73—75 Mk. der Zentner Schlachtgewicht bezahlt. fc. Frankfurt a. M., 21. April. Sch weine markt. (Org.- Tel. des Gieß. Anz.) Zum Verkaufe ftanben 1341 Schweine. Bezahlt wurden: für Schweine 1. Qual. 68—69 Pfg., Lebendgewicht 55,0 bis 00,0 Pfg.; 2. Qualität 67—OOPsg., Lebendgewicht 54,0—00,0 Pfg., 3. Qiial. 62—66 Pfg. Geschäft gedrückt, Ueberstand imbebcuteiib. Gießener Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung für .tzesjeu am Donnerstag dem 22. April: Meist trocken, wolkig. Nachts kühl. Westliche Winde. Arbeitsvergebung. , -'-'nttwoch den ^8. April vormittags 11 Uhr öffentlich vergeben werben. und Bedingunaen liegen während der slFVr-.en uns zur Emnckt onen. Angebote auf Vordruck "nd spätestens bis zmn vorgenannten^ Zeft- puntt vcrichloyen lind mit entivrcchender Aufschrift versehen an uns einsureichen. - Zufcklagsftist 3 Wochen. , 9CU ‘ß^nd Gießen, den 19. April 1909. 14 Städtisches Tiefbauamt. Braubach. °!>r° 4 e sein,,", bfhir 11 lntc^iier?9c l' tarie tQts ^chiier Unter Sk ' SZK i ke - Im Befike . ^tftnger, k ‘«"Sitte,1 einen, ein Mgc > »Jill er tm Hen. Den andem U er im Mz ^mäßigen Eigens )et Kriminal-Abteile Die Arbeiten und Lieferungen zur Erbauung eines Empfangs- gcbaudes auf Bahnhof Ehringshausen (Oberhessen) sollen vergeven werden und zwar: Los 3: Dachdeckerarbeiten Los 4: Nlempnerarbeiten Los 5: Tischler-, Schlosser- und Glaserarbeiten Los 6: Anstreicherarbeiten. Zeichnungen und Angebotsmuster liegen im Geschäftsgebäude' der unterzeichneten Inspektion und der Bahnmeisterei Burg- und Rieder-Gemünden zur Einsicht aus. Die Angebotsmufter ohne Zeichnungen können von der Inspektion für sämtliche Lose, je 0,75 M (Postanweisung» bezogen werden. Tic Angebote werden am 11. Mai d. Js., vormittags 11 Uhr, ’ im Geschattsgebaude der Inwektion geöffnet. y Zuschlagsfrist 3 Wochen. Lauterbach, den 20. April 1909. d«/ Großh. Eifenbahn-Betriebsinspektion. den 20. l. Ms. töufe ^Fe -4 Fensters^/ 20 Mk. Belohnung;„- :f- Am 14. l. ndcr von Marburg/ t!t Break eingestellt 1 blwlen zn wollen. ?. Mn. Vielleicht ttte idic bei. Id’beidjo bcihc.^ narfc schreibt die „Jt ldlpirte, ivörtlich roljö noücri wurde kürzlijk : et. Ta bekanntlich llte lgcii, weilii sich7 zeigen, welche die tzsj , nur auf TrichinÄ s Schwein nichi kfrji Mitteilung von itung", das 2ier p M ! rgane dem FleisMmi j ntfemlen £tic ibcrkulose und motbU/?- as Schirein teilweise ifc mmligc Unterjuckun^dü!: 1(15 generaliiierte Tcki I 11/tt) Die 'Surit ocmä- en &cmiß folrfienW' '■ loltnschm, dab lamtlie [erltcllt würden."^Da.: bau“: Daß die W wrn'AW it Mbmmz der M illt, wem färntiiih?*' sünjicht yejW«. te -iüchungsMHMM , Seit jeiteitc B uWJJJ Lun in ISreußtnW erfennen, dal; ridllicßt. . . ,vf. Nach du Ausstellung - ää'B ,'treues gthenu . '--AL! LM udiicn. »»rtuiW SS*“'* c.«h versehen- ie bei «"»“'"fnoi"'; -ch;e0S $ EßH. ■ "l^ei'che"?, - VS-äM 1 Neustadl 21. 2082 IB»'. 12380 und stets zu haben. Babnhofftrohe 54- 2388’ i02714 (jRanfarbei. Stenographie der (Babelsberger schen in andgane 17. 02629) Lukrative (ss*7< Möbl Zimmer | Hotel Victoria. 028241 Lievlgstrafte 31. I. Gebe. biic. 102830 gesucht. 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