Nr. «3 Redaktion. Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^öl. Redaktion:^sGI12. Lek.-Adr.:AnzelgerGießen. Drittes Blatt 159. Jahrgang Dienstag 16. März 1969 Erwelnt mU AuSn->l,m° bei Sonntags. MaäA a. A, Aa SolationäOru» und Verlag b« Stü. Id;« .Anzeiger* viermal wachen lich bcigelegt, das tiy- ö N yßx fÜ,D ® J ISL, „Kreisblatt ffit den Kreis Ziehen" zweimal w LF eh w ▼ V wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeit- /■» < fragen“ erscheinen monatlich zweimal. @CltCtüb4H^l^t fUf O)ffCtl 5. Handlungsgehilfentag für Hessen und Hessen-Naffau. th. Gieren, 15. März. Ter gestern in Steins Garten abgehaltene 5. Handlungs- g ehilfentag für Hessen und Hessen-Nassau Ivar von 200 Teilnehmern besucht. Der Vorsitzende S ch e l l i n - Frankfurt a. M. sprach seine Freude aus, daß als Vertreter der Provinsial- Direktion Negierungsrat Welckcr erschienen sei, um dm Beratungen bcizuroohncn; er teilte mit, daß der Bürgermeister und die Beigeordneten der Stadt Gießen, der Verein deutscher Studenten, Minister Dr. Braun-Darmstadt, der Notional-Oekornun der Landes - Hochschule Pros. Tr. Biermer, die Rcichstagsabgeordneten Graf Oriola, Buchsieb und Dr. Osann am Erscheinen verhindert seien. Hierauf sprach Herr Vorholz-Hamburg über die Frauenarbeit im Haudclsgewerbc. Die immer mehr übcrhand- nehmende Beschäftigung weiblicher Kräfte im Handelsgewerbe habe, nrie er ausführt, dazu geführt, daß immer mehr männliche Angestellte erwerbslos und bei den noch beschäftigten jungen Leuten die Gehälter immer mehr herabgedrückt werden. Hierdurch komme es, daß tüchtiger düachwuchs zurückgchalteir würde, weil eben die .Konkurrenz der Frauen das Fortkommen der männlichen Angestellten mehr und mehr in Frage stelle. Damit ivürde der Handels- ftanb in seiner Intelligenz herabgedrückt. D-ies dürfe im Interesse der Wohlfahrt des gesamten Volkes nicht geschehen. Während die Zahl der weiblichen Angestellten im Handelsgewerbe in den Letzten Jahren rasch in die Höhe gestiegen sei, sei die Zahl »er Frauen in gewissen Erwerben, die iljyer Eigenart mehr ent- Iprechen, gewaltig zurückgegaugen. Es bestehe eine förmliche Mrt liach Dienstpersonal und Hausbeamtinnen, wie dies die Michs- itatiftil in Zahlen riachiveii'e. Tas in diesen Berufen fehlende Angebot an weiblichen Kräften sei in das Handelsgewerbe ein- gedrungcn und drücke infolge der Bedürfnislosigkeiten der Frau ms die Gehaltsverhültnisse. Dabei liege im Handelsgewerbe für die Beschäftigung weib- icher Kräfte, bis auf sehr wenige Ausnahmen, kein Bedürfnis vor. Ser Grund, weshalb mehr junge Mädchen beschäftigt würden, ei, daß ihnen eine geringere Entlohnung zuteil würde, als männlichen Kräften gezahlt werden muß. Es lasse sich nicht bestreiten, aß der Handel von den weiblichen Kräfteir keine besondere Geistcs- rbeit, feine neuen Ideen für den Fortschritt des Handels erwarten tonn. Durch das immer stärkere Eindringen weiblicher Hilfskräfte übe deshalb der Handel nur Nachteil. Dieser Ansicht habe erst i den letzten Tagen ein bedeutendes Facholatt, bei" Konfektionär, dadurch Ausdruck verliehen, tim dem esi mitteilte, daß in den größeren . väusern die Absicht besteht, das weibliche Personal zu vermindern -mb in allen Abteilungen wieder männliches Personal einzustellen, weil feststehe, daß Verkäufer dem Käufer gegenüber viel mehr c-ewanbtheit an den Tag legen und viel mehr Einfluß bei der undschaft ausüben, als die Frau es vermag. Redner geht baim .'»rauf ein, wie gesundheitsschädlich die altgestrengte Arbeit im Kandels gewerbe für die darin arbeitenden jungen Mädchen ist. Tie Krankenkassen hätten nachgewiesen, wie erschrecklich der Prozentsatz der mit Lungen- und Nervenkranheitcn solche Bleichsucht ^chasteten weiblichen Personen im kaufmännischen Beruf gegen» "ber andern Berufen ist und mit Recht verlange Dr. Heller- Danrburg, daß die Eltern, die ihre Töchter dem. Harrbelsstande zu- fckhren wollen, sie erst ärztlich untersuchen lassen sollen, ehe Re sich an ihren Kindern versündigen. Die .Kenntnisse, die bas nutge Mädchen im Handelsgewerbe erwirbt, hätten für ihre spätere Lebensaufgabe als Gattin und Mutter wenig Mert, die hierzu -chorderlichen Kenntnisse könnten die jungen Mädchen viel besser bei einer Besckstrftigung im Hause über bei Arbeiten der sozialen Fürsorge erioerben. Mit einer gesetzlichen Kürzung der Frauen- arbeüdicit aus 8 Stunden, wie man es tun mancher Seite für- "-ere, sei wenig getan, es sei nötig, in breiter Oeffentlichkeil über toie Frage aufklärend zu wirken. Aber auch die sitttichen Gefallen der Mädchen, die im Handels- erwerbe besänftigt werden, seien sehr groß. Man müsse es verurteilen, wenn die Handelsschule für wub- < che 2lngestelkte in Mainz ein Zirkular an die Chefs erläßt, itiorin das Verlangen gestellt wird, ihre ausgebildeten Zöglinge -.1 beschäftigen, weil diese billiger arbeiten als rnanliches Personal. FS sei Tatsache, daß alte ergraute Hartdlungsgehilfen unter dem ttorgcben schleck)ter Geschäftslage entlassen werden und daß nach U Wochen mit einer andern Arbeitseinteilung junge Mädchen an 4 re Stelle gesetzt werden. Es sei beschämend, daß z. B. in Heppenheim die Zahl der männlichen Llngestellten im kauf- mätmischen Gewerbe infolge der Annahme von weiblichen Kräften io» zurückgegangen ist, daß die Gcjal)r bestand, daß die bärtige OrtS- ffMPPe bes Deutsch-iutttonalen Handlnngsgehüfenvcrbanbes sich ickcht halten könne. Rebner fordert obligatorische HauShaltungsschnlcn von Staatsluvgen, damit die jungen Mädchen wieder dem lKuslichen Beruf zngcführt würben. Es sei eigentümlich, baß alle anbeven kaus- rrännischen Organisationen auf bem Stanbpunkte stehen, man müsse d:uch eine bessere Ausbilbung der Frauen im kaufmännischen Gewerbe dafür sorgen, daß diese in ihren Gehaltsforderungen anspruchsvoller werden und als Heilmittel Fachschulen für weibliches Personal verlangen. Man vertrete bie Ansicht, baß, wenn bte Mäbchen wie bie Leltrlinge bicse Fachschulen besuchen müssen, der Zubrang nachlassen toerbc. Die Erfahrung habe aber gezeigt, daß burch solche Fachschulen ber Zudrang von Frauen im kaufmännischen Gewerbe sich noch verstärkt hat. In Franksurt besuchten diese Schule, die 5 Jahre besteht, im ersten Jahre 200 und im letzten Jahre 900 Schülerinnen. Es sei diese Art der Ausbildung von Frauen für den Kaufmannsstand entschieden zu bekämpfen. Jedenfalls dürften solchen Sckwlen keinerlei staatliche oder femmunole Mittel zur Unterstützung zufließen. Auch an andern Plätzen habe sich ein starker Zudrang der Frauen zunr Handelsgewerbe und fcamit eine lohrckrückende Tendenz für die Männer ergeben. Ter Gehilfenstand ist nicht etwa bildungs- feindlich, er will eine durchgreifende Fachbildung, aber davei darf es sich nur um einen Lebensberuf hcnrbcln, den nur der Mann erwählen soll. Deshalb soll Staat und Gemeinde keinen Pfennig bergeben, ünmn es sich darum handelt, kaufmännische Facksichulen für Frauen einzurichten. Cs sei anzuerkennen, daß der Ausschuß ber 2. Hess. Kammer die obligatorische Haushaltungsschule gefordert lmbe. Dieser Forderung solle man sich anschließen. In Sachsen habe cs sich gezeigt, daß die Hmishaltungsschulen es fertig gebracht hoben, eine Vermehrung von 10 Prozent des Angebots für Stellen im Haushalt herbeizuführen. Folgende Resolution wurde hierauf mit allen gegen eine Stimme angenommen: „Der 5. Handlungsgehilfentag für Hessen uird Hessen-Nassau stellt mit Bedauern fest, daß die wirtschaftliche Lage der männlichen Handlungsgehilfen in den letzten Jahren eine nennenswerte Besserung nicht erfahren bat, da HKöer die Gehälter trotz des ge- l'untencm Geldwertes gestiegen sind noch die Stellenlosigkeit um einen Grad geringer geworden ist. ,Eine der Hauptursack)en dieser Erscheinung-muß in bet erheblichen Annahme der Frauenarbeit im Handelsgewerbe erblickt werben, bie tns heute jeher Regelung entbehrt. Infolgedessen erklärt bet Handlungsgehilfentag eine Stellungnahme der Frauenarbeit gegenüber für rwtwendig und bekemtt sich zu folgenden Grundsätzen: a) Für die Frauenarbeit im Hanbelsgewerbe liegt, abgesehen von lucmgen AusnaljMen, ein Bedürfnis nicht vor. b) Ein Nutzen für die Allgemeinheit Tann ihr nicht zugc- spwchen werden. c) Dagegen sind die Schäden, welche bie Betätigung der Frauen im Handelsgewerbe ben Frauen selbst infolge bet vielen gesundheitlichen, sittlichen und echisck-en Nachteile, den Männern durch Lohndruck und dessen Folgen zusügr, bedeutend. d) Das Volkswohl fordert gebieterisch eine Einschränkung der Frauenarbeit iur Handelsgewerbe, dafür Ausdehnung der Tätigkeit der Frauen in solchen Berufen, die der weiblichen Eigenart und Natur entsprechen. e) Obligatorischer kaufmännischer Fortbildungsunterricht für weibliche Hmidelsangesttllte ist zu verwerfen, weil er das Angebot weiblicher Arbeitskräfte im Handel steigert. f) Dafür sind obligatorische HauShaltungs- (Fortbildungs-) Schulen zu schaffen und mit allen Mitteln zu unterstützen, um alle weiblichen Personen bis zum vollendeten 18. Lebensjahre für ihren natürlichen Beruf als Frau und Mutter vor- zubereiten." Nach einem Referat des Vorsitzeitden Schellin -Frankfurt a. M. über die Pensionsversicherung der Poivat- angestellten nahm die Versammlung folgende Resolution einstimmig (in: „Der 5. Handlungsgehilfentag für Hessen und Hessen-Nassau erklärt auss neue die dringende Nvüveudigkeit der Schaffung einer ausreichenden PensionS- und Hinterblievenen-Versorgung für die Privatangestellten und nimmt mit Acstiedigung von den Worten des Staatssekretärs Exzellenz Dr. v. Bethmann-Hollweg Kenntnis, daß alsbald ein Gesetzentwurf auSgearbcitrt und veröffentlicht werden soll. Indem der Handlungsgehilfentag bittet, diese Arbeiten nach Möglichkeit zu beschleunigen, richtet er an das Reichsamt des Innern das Ersuchen, in dem Gesetz folgende Forderungen zu berücksichtigen: a) Versicherungspflichr für alle Privatangestellten ohne Unter» schied des Gehalts und Gescksiechts vom 16. Jahre ab, jedoch mit der Maßgabe, baß das Höchsraehall für Bemessung pon Beiträgen und Leistungen 5000 Mark beträgt. b) Nach ein getretener Bcrussinvalidität ober ohne Bedingung nach dem 65. Lebensjahre Berechtigung zum Bezug einer Rente, bereit Höhe nach zehnjähriger Wartezeit mindestens 20 Prozent beträgt und nach spätestens 40 Versicherungsjahr en bis auf mindestens 50 Prozent des versicherten Durchschnittseinkommens ansteigt. c) . Witwenrente in Höhe von 40 Prozent der Jnvaliden- ober Altersrente. d) Waisenrente von ein Füirftel ober ein Drittel bes WtNven- geldes für einfache oder Doppelwaisen. e) Aufbringung der crforbcilidtcit, auf 8 Prozent des Einkommens geschätzten Mittel durch Deüräge der Arbeitgeber und Angestellten je zur Hälste. ß Aufrechterhaltung der bestehenden Invalidenversicherung. g.) Verbot von Ersotzinstituten. h) Entschädigung siir bestehende, durch das neue Gesetz aber gefährdete Pr ivatversick)erungen. Der Handlungsgehilfentag ist der Ueberzcugung, daß die entstehenden Lasten sowohl für Arbeitgeber, wie Angestellte nicht imerträgliche sind, und erwartet von ber Sicherung der Zukunft eines volkswirtsckmftlich bedeutenden Standes eine Hebung ber Arbeitsfreubigkeit der Angestellten unb ein weiteres Gedeihen von Handel und Industrie." Nach einer .Mahnung, an das gesamte im kaufmännischen Gewerbe beschäftigte Personal, sich zu organisieren und zwar noch mehr, als es bisher geschehen ist, schloß der Handlungsgehilfentag, den der Deutsch-nattonale Handlungsgehilfeuverband einbcrufen, hatte. Die nächste Tagung Hübet in Kassel statt. Sport. — Fußball. Ain Sonntag spielte die 1. Mannschast de? Gießener Fußballklubs von 1900 in K ö l n gegen die 1. Mnnnschast des Bonner FußballvereinS (Vorrunde um die Meisterschaft des Westdeuischen Spielverbanbes). Man glaubte allgemein a» eine hohe Niederlage der Gießener Mannschaft, noch dazu Bonn gerabe in diesem Jabre wolil mit die beste westdeutsche Klasse repräsentiert; doch es fam anders Tie Gießener Atani'.' schait, welche Sonnlag vorher gegen Kassel jo versagt hatte, zeigte sich diesmal im besten Lichte. Namentlich die Verteidigung spielte mnstergiltig und mir mit dein knappen Resultat von 3:0 Toren konnte Boiin das Feld behaupten. Tie 2. Mannschaft des 6)ießener FußballkinbS von 1900 spielte gegen die 1. Mannschaft des Gießener BallspielkluvS und zürn erstemnale seit Bestehen beider Vereine mußte sie ihrem Gießener Konkurrenten bas Feld mit 4:2 Toren überlassen. Ballspielklub stellte eine ganz neue Mannschaft auf, deren Hauptstärke in ihrer Schnelligkeit liegt. Ter Platz war in sehr schlechter Verfassung, beide Mannschasten konnten daher ihre Krä'fle nicht voll enlroufcln, weshalb wohl auch baS Resultat für das Stärkeverhältnis beider Aiannschaftcn nicht maßgebend sein kann Kleine Tggeschrontk. * Einen eigenartigen Tob fand ein junges Dienstmädchen in Altendorf nächst Köln. Beim Schreiben eines Briefes an ihren Liebsten wurde sie in bet Nacht von Krämpfen befallen unb schlug mit dem Kopf so heftig auf ben Tisch, daß ber Tod eintrat. Am Morgen sand man sie als Leiche vor dem unvollendeten Brief, bie Feder in der erstarrten Hand. Zu der burch einige Blattcr gehenden Notiz von ber 25 er« Haftung russischer Studenten m Dresden wegen' Gchermbündelei erklärt das „Dresdener Journal", baß eS der Dresdener Polizei gelungen sei, bas Bestellen einer über ganz Westeuropa verbreiteten geheimen Verbindung im Auslande leben der Nüssen zur Unterstützung der russisch-revolutionären Zlrbeiler- Partei aufzudeckeu. In der Törpedowerlstalt F r i e d r i ch S o r t wurden mehrere ber 25 Zlr. schweren Torpedoköpse gestohlen und bet einem Althäubler in Kiel verkauft. Der mutmaßliche Dieb rourtc verhauet. In Murca, Provinz Tras os Monte? (Portugal) griff her Pöbel das Steuerbureau an, bemächtigte sich der Wertgegenstände und setzte das Haus in Brand. Der Polizei gelang es, bie Ordnung wieder herznstellen. Der norweoiiche Tomvier „MaScpt". der beiduibigt in. 9i n t - t er b am eintraf, bohrte gestern das deutsche Segelschiss „Margarethe", bas auf dem Wege nach Hamburg war, tn ben Grund. Die Mannschaft der „Margarethe" ist mit Ausnahme von 6 Mann umgekommen. Ern Urteil von berufener Seite über den Wert des Bioson. Hydrotherav. Anstalt der Uniuerfüät Berlin (Stlin. Wochen- schr. Nr. 20, 1904). „Mit einer einzigen Ausnahme wurde Biofon von allen Patienten längere Zeit hindurch sehr gern genommen. Die betreffenden Kranken waren zum größten -ici! annm. Mädchen und Frauen in teilweise sehr reduziertem ErnäbrungSzuilande, zmn Teil auch mit Lungensvitzenafsetüoncn oder solcher wenigstens verdächtig. In allen Fallen hat das Präparat gute Dienste getan, indem sich sowohl das Allgemeinbennden als auch der Krättezustand und daS Körpergewicht hoben. Die Zunahme des Körpergewichts betrug im Durchschmrt 2—3 k# innerhalb 2—3 Wochen. Man lese die Urteile der Professoren und Slerzte unb überzeuge sich, daß Bwson das beste, billigste, nnqencbmitc Mittel ist, nm rafdj bie av- funtenen Llörperkräste bei Jung und Alt zu heben. Erhältl. V, Sltlo 3 Mt. in Avvtheken, Drogerien. (d1S/1 Die LösmZ eiiles ulten Problems. 1756 bis 1909. Nicht nur in Laienkreisen, sondern selbst unter den "llcrzlen ist wohl allgemein die Ansicht verbreitet, daß bie Bestrebungen, durch sogencurnte kinrstliche Nähmnittel die Ernährung zu fördern, in engem Zusammenhang mit ber 9 änzenben mobernen Entwicklung der Heilkunde unb Chemie I-inben unb demgemäß erst ber allerjüngsten Zeit ange- l rten. Die Forschungen medizinischer Historiker haben jedoch bie interessante Tatsache zutage gefördert, daß schon tat vielumfassende Geist des großen Preußenkönigs Friedrich lwrz vor Begtnn des siebenjährigen Krieges den Problemen b*T Nährmittelfabrikation nachfor'schte. Es erscheint von kieltnrhistorischem Jntdresse, ^u vergleichen, welche Verschie- bunheit die damaligen und bte modernen Bestrebungen auf» Misen, zumal da hierin zugleich die Ursache liegt, warum Siir älteren Versuche fein greifbares Resultat förderten. ES war ein in Frankreich, wahrscheinlich von Par- mimtier, erfundenes Nährpulver — poudre d'aliment —, jcv Friedrich bent Großen wert erschien, erprobt und nach- MahmL §u_ werden. Als das erstrebenswerte Ziel galt der Dcflige Ersatz der 9ialjrung in der Weise, „daß ein Mensch jat und mehrere Tage ohne weitere Nahrungsmittel sicy r)alten sollte". Dem entsprach auch die Anordnung ber Ersuche, die so üorgenommen ivurbeit, daß man „einen Hsizicr und dreh Grenadiere von verschiedenenc Appettt inb uttgleicher Komplexion, mit völliger F^ldeguipage, ä glich zwey Meilen marschieren und noch außerdem mili- iänische Hebungen anftellen ließ, ohne sie währenddem mit tvas anderem als gedachtem Pulver zu unterhalten." Es spricht in gleicher Weise für den Optimismus der Gimber wie auch für bie „Komplexion" ber frieberizianischen Militärs, daß ber zur Untersuchung der Angelegetthett be- teilte Ausschuß anfänglich den Eindruck gewann, die gc- ieiiigten Erfolge entsprächen den gehegten Erwartungen. Md erkannte jedoch £>er mit nüchternem Blick begabte hindurch auf5 eingehendste beschäftigt. Bekanntlich ist kein Geringerer als Justus von Liebig als einer ber ersten der F-rage naher getreten, die Nahrungsmittel speziell für Zeiten der Not direkt durch Nährstoffe zu ersetzen. Die Erfahrung hat jedoch gelehrt, daß diese Auffassung der Nährnttttel- frage unzutreffend ist. Die Versuche des Alten Fritz, bie übrigens auch ber Marschall von Sachsen wieberholte, und bie ältere Liebigsche Auffassung sind insofern auch heute noch lehrreich; denn aus dem Scheitern aller dieser Bemühungen können wir die Lehre ziehen, daß auch bei der Herstellung eines Nährmittels nicht ein konzentrierter Ersatz der gewöhnlichen Nahrung als erstrebensnx.rles Ideal vorschweben soll, sondern daß hier die Wissenschaft vor eine ganz andere Ausgabe gestellt ist. Es gibt drei Klassen von Nährstoffen: die Fette, die zuckerbildenben Stoffe unb bie Eiweißftoffe. In den Nahrungsmitteln finden wir die Fette und die zuckergebenden Stosse rein unb von bester Beschaffenheit: das Eiweiß bagegen ist in den natürlichen Nahrungsmitteln^ nicht rein vorhanden, soirdern stets von vielen anderen istofsen begleitet, die für das Eiweiß die Rolle des Ballastes oder ber Verunreinigung spielen. Daher ist speziell für ein reines Eiweißpräparac ein natürliches Bedürfnis vorhanden. Die Aufgabe, bie d.ie Ernährungslehre nun stellt, ist also in erster Linie die, em reine» Eüveiß darzustellen, bas geeignet ist, auch von ben zartesten Verdauurrgsorganen werben. Eine zweite, weit höhere Aufgabe besteht aber darin, außer den Körperzellen auch gleichzeitig ben 9ieroen» zellen bie wichtigsten Nährstoffe zuzuführen. Der wichtigste Nervennährstoff ist nun bas G'lyeerophosphat, der wirksame Kern ber Lecithine. Neroenmihrstofs mit reinstem Eiweiß zu einer wertvollen innigen Veroinbung zu vereinen, war die höchste Aufgabe, die bte Ernährungslehre stellte, und diese Aufgabe ist nunmehr gelöst: Seit zehn Jahren sind wir in dem glücklichen Besitz eines Nährmittels, bas nach dem heutigen Stande ber diätetischen Wissenschaft die Sten an ein solches zu stellenden Anforderungen in ertrefflichem Maße erfüllt. Es ist das Sanatogen, welches soeben einen zehnjährigen Siegeslauf durch die Welt der Kranken und Schwachen vollendet har. Ochte Ueber- treibung dürfen wir bas Sanatogen als ein wertvolles und kostbares Nährmittel bezeichnen: es besteht nämlich aus reinstem Milcheiweiß und jenem wichtigsten Nervennährstoff, bem Gchcerovhosphat. Diese beiden Stoffe sind im Sanatogen chemifch miteinander verbunden und vermögen so besonders leicht eine kräftige Wirksamkeit auf den geschwächten menschlichen Organismus zu entfalten. Der beste Beweis ist der Erfolg. Wie jener historische Mißerfolg den Denkfehler der älteren Auffassung von den Nährmitteln dartut, so beweist anderseits ber im Lauf eines Jahrzehnts errungene ungeheure Erfolg bes Sanatogen^, daß die Hauptziele der künstticheii Ernährung gegcnwärttg burch das Sanatogen erreicht sind. Wie bei dem heute Glichen regen Gedankenaustausch nicht anders zu erwarten ist, sind die Lerofientlichungen und die zustimmenden Aeuße- rungen aus maßgebenden Kreisen außerordentlich zahlreich. Mehr als 120 aus|ührliche Abhandlungen in medizinischen Rettungen unb 8000 direkte Zuschriften von Aerzten be- schafttgen stch mit ben günstigen Resultaten der Sanatogen- Wirkung. Tte wichttgsten Aeußerungen dieser Art sind in Form einer vornehm ausgestattelen illustrierten Broschüre neuerdings zusammengefteltt, die von den Sanatogsn- Werken, Berlin SW. 48, Interessenten gern kostenlos zugesandt wird. König, „baß die Magazine und KontonicrungSquartierc doch! leicht ausgenommen unb dem Säftestrom einverleibt zu würffamer zur Erhaltung der Soldaten sehen". Es fd)ien «u«« -- t.n.t.x ihm daher „nicht ratsam zu seyn, durch solche Arbeit längere Zeit und Kosten verpulvern zu lassen". Die leitende Idee bei diesen Versuchen war, wie er-oähnt, stets, ein Rähr- pulver zu gewinnen, das in vollem Umfange die gewöhnliche Nahrung ersetzen könne. Dieser Gedarrke aber, der zu Friedrichs Zeiten vielleicht vorwiegend aus militärischen Gründen einer näheren Prüfung für wert erachtet wurde, und der noch einem Juies Verne nur Anlaß zu phantastischen Spielereien bot, hat in der Folgezeit die ersten Naturforscher, die seine medizinische und vollSwirlschaftliche Bedeutung mit klarem Blick erkannt hatten, viele Jahre r Vaillant’s Patent-Gas-Badeöfen und etil* Bcmscbeld. c*7, Neubeziehen gutes Glas Bier Wer ein (KM (1521 Schupp, QjürßeriucH'tcr. 34 r Wo- . "• - - ttt.. r rr- ! 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