Erstes Blatt 159. Jahrgang bie Dcchsel- nod) die Die heutige Nummer umsatzt16 Seiten. durch ein» wieder erholen. . . CO I 'S P Q iS C2 2 2 1- 5 s s 368 = 25 Noch fi'chl ich in den Heimatlüsten Tie stolzen Knabenträume wehn, Seb surchilos mich vor Kamps und Klüften Hinaus ins laute Leben gehn . . Und fchwürens beul die Wandertauben, Tie über Heimasielder zichn: Nie würdens unsre Eichen glauben, Daß ich ein Gaukler worden bin. — Ter Gießener Konzertverein schreibt uns: Wie im Anzeigenteil vom 9. ds. Mts. mitgeteilt, findet die Generalversammlung des Vereins am 21. d. M. statt. Es erübrigt sich aber wohl, auf das abgelaufene Vereinsjahr an dieser Stelle nochmals näher einzugehen; jedermann weiß, daß in das abgelaufene Kon^rtiahr die Jubö- läumskonzerte des Akademischen Gesangvereins fielen, die einen Besuch der Hauptproben wie der Aufführungen aufzuweisen hatten wie kein Konzert ie zuvor. Tie verbündeten Vereine haben hier eine Probe ihrer Leistungsfähigkeit abgelegt, die als glänzend gelungen bezeichnet werden darf, und sich hierdurch zu den alten Freunden sicherlich eine große Zahl neuer erworben. Von morgen an werden die neuen Anmeldungen auf Abonnements eli-gegengmom- men; die kürzlich erschienene Abonnemei-.tseiuladung enihieit alles nähere und auch das vollständige Programm für die 10 Avonnementstonzerte des Vereinsjahrs 1 09 10. Ta die Abonnementspreise bis zu 40 Proz. gegen die Einzelpreise ermäßigt sind, empfiehlt sich die Entnahme eines Abonnements für jedermann, zumal die Karten jeden Inhaber zum Eintritt berechtigen. Auch sind sämtliche Plätze nummeriert und so billig, als es der Voranschlag nur irgend erlaubt. Tab ei hat der Verein gerade für das kommende Jahr besondere Anstrengungen gemacht, um das Beste vom Besten zu bieten. Wir lesen auf dem Programm Namen von Künstlern und Künstlerinnen, die von der Kritik übereinstimmend als ausgezeichnete Vertreter ihres Faches anerkannt sind. Ein vorzügliches Orchester, das des frankfurter Palmengartens, Tirigent Herr Kaempfert xn - 2 - 2 2.2? Av T y & Die spanischen Angelegenheiieu. In Spanien ist mon ruhiger und vernünftiger, als das tobende Ausland. Die Eröffnung der Kammern, die am gestrigen Freitag stattfand, ist ganz ruhig verlaufen. Die parlamentarische Mehrheit steht vollständig auf der Seite der Regierung. Von den Republikanern wurde der Versuch gemacht, die Angelegenheit Ferrer aufzurollen, aber es gelang ihnen nicht. Die Radikalisiert in Frankreich haben völlig den Kops verloren. Sehr belustigend ist, daß eines ihrer Blätter das Einschreiten der französischen Regierung gegen den spanischen Minister des Auswärtigen gefordert hat, weil dieser sich über die Pariser Straßknszenen abfällig geäußert habe? Der Minister habe, so meinst das Matt sich unbesuglerweise in die inneren Angelegenheiten Frankreichs eingemischt! Daß es sich gerade umgekehrt verhält, daß man die inneren Angelegenheiten Spaniens unbehelligt lassen sollte, das kommt dem Blatte nicht bei. Madrid, 15. Ott. In der heutigen Sitzung der Depu- tierit'en t am m er wurde zunächst das Dekret über die Eröffnung der Cortes verlesen und von der Mehrzahl der Deputierten mit Beifall ausgenommen. Sodann brachte der Unterstaatssekretär des Innern ein Hoch auf den König von Spanien und aus die Armee aus, in das fast alle Anwesenden begeistert einstimmten. Die Karli st en ließen nur Spanien hochleben. Gerbera (Republikaner) rief: „Es lebe Spanien, aber Spanien in Ehren." Darauf wurde Dato zum Präsidenten gewählt, der sich in seiner Ansprache in anerkennender Weise über die Truppen in Melilla und den General Marina aussprach. Die Republikaner riefen: Loben Sie die Armee, aber nicht Marina! (Widerspruch bei den Konservativen.) Der Präsident gedachte ' -*E ft r. - r- <7 = o 2 Annahme von Anzeige» v für die Lagesnummer Rotation$bni5 und Verlag der Vrühl'schen Aniv.-Vuch- und Ztemdruckerei R. Lange. bis vormittags 9 Uhr. ___ _________ beruht die Erpressung — wenn auch nicht in so gemeiner Form — oft auf Gegenseitigkeit. Hier naht sich ein Ehrsüchtiger, dort ein Krämerinteressent oder ein rühriger und löblicher Verein der Zeitung mit langathmigen oder kurzbeinigen Geisteserzeugnissen, und alle >ind zornerfüllt, kündigen die Freundschaft, wenn die Zeitung sich dagegen wehrt. Glücklicherweise haben wir in Deutschland trotz der vereinzelten Sumpfblüten, auf die jetzt jedermann hinge- wiesen worden ist, auch eine freie Presse. Sie soll nicht nur unabhängig von „oben", sondern auch von unten fein. Um diese freie Presse immer mehr zu verbreiten und die unfreie, zu.der auch das Sensationsgewäsch der Schmeichler trüber Volksinstinkte gehört, zurückzudrängen, dazu muß das Publikum immer mehr erzogen werden. 2 ft? Das freche Spottlied, in dem ein Junker des Narren Liebe zu dem Rittersräulein verhöhnt, zerwühlt ihn bis ins Innerste. Mit festem Schwertschwung z-rschlagt er ihm den Mund, und wie einen Narren läßt ihn der Kurfürst richten: er wird ausgepeitscht. „Er ist ja unter Narr! Unehrliche Strafe soll er tragen, damit des Kurfürsten Gnaden den bewunderten Spielmann nicht verliert, ^e Seele — wer fragt darnach! Da gibt sich der Narr selbst den Tod. Jetzt begreift der Kurfürst; er hat eine Menschenwürde vernichtet, weil er sie immer nur im Narrenglanz gefeben hat — und so ist er der Gerichtete. Mutvolle Lebendigkeit wogt in dieser Dichtung, die Rittner kurz vor seinem Weggang von der Buhne verMt hat; markig und frisch und nicht ohne Humor ist feine Sprache, wirksam gesteigert die Handlung, «icher und überlegt die Technik. Aber das Bedeutsame an dem ‘.werfe ist der ehrliche, kraftvolle Mann, der in fernem Mittelpunkt steht, der eherne Wolftiarr, mit feinem urdeutfchen Gemüts und es ist wohl feine Nebensache, daß gerade er vom Kurfürsten Schutz für Luther erbittet. Eine stählerne Bauernnatur wie Luther ist auch dieser Spielmann. Seit langen Jahren endlich wieder einmal em leiohastiger Mann auf der Bühne, der mitten im Leben wurzelt. Kurt Gühne -ciang in der Darstellung dieses seltenen Menschen eine wahre Prachtteistung. Leider konnte er, wegen einer Unpäßlichkeit wohl, sein klangvolles, ge- schmeidiges Organ nicht voll ausnutzen, aber die Jnnerttch- teit und Innigkeit, mit der sich der Künstler in seinen Wolfnarren hineingelebt hatte, mit der er die seelischen Schwankungen mimisch belebte, machte diese zufällige Behinderung saft vollständig vergessen. Fräntt Koch, seine fürstliche C "'liebte, erschöpfte ihre Rolle vollkommen uni) bie katzenarüge Schmiegsamkeit, die in stetiger Liebesmr- zückung samwlgenbe Seele biefer Frau, sand in ihr eine vorzügliche Tarstellerin, der selbst der etwas perverse Zug ausnehmend gut gelang. Hermann Bakof gab die Raub- > tiernatur des Kurfürsten wesentlich gemildert wieder, und 'S - ffp.- §2* Hl schuf so eine recht sympathische Gestalt. Kerry Taub a l stattete den edelmütigen Grasen von Lppel nicht nur mit seiner schönen, vornehmen Erscheinung aus, sondern gab dem Charakter dieses leimigen Mannes eine anmutenbe Vertiefung, die allen Beifalls wert ist. Edgar Pauly spielte den geckischen Kaspar mit flottem Behagen und auch Paul Urban fand sich sehr gut in seine Rolle als Zunftnarr, während sich Rudolf Goll als Hofpoet keineswegs wohlzufühlen schien. In seiner Pose vor dein Kurfürsten war er ausgezeichnet. Auch die übrigen Mitwirken- ben sanden sich unter KUrt Gühnes temperamentvoller Leitung zu einer schönen Einheit zusammen. Daß der letzte Auftritt Wolsnarrs zu früh erfolgte, wußte Kurt Gühne sehr geschickt zu verschleiern. K a r l N e u r a t h. Die Ferrer- Epidemie, die aus Spanien hervorbrach und sturmschnell sich auch über ganz Deutschland verbreitete, spricht nach dieser Richtung hin Bände. „Die ganze Welt ist ein Klagehaus." Auch uns tut der arme Ferrer leid, obgleich wir, ebenso wahrscheinlich wie die „Voss. Ztg", bas „Berl. Tgbl." und zahllose andere linksliberale Organe, nicht genau wissen, was 6er Mann eigentlich war und tat. Sicher ist, daß er ein Freidenker war und in seinen Schriften revolutionäre Gesinnung offenbarte. Was war aber bas Vorspiel biefer Tragöbie? Als Spanien in Marokko Schwierigkeiten begegnete und mobilisierte, ba brach im Juli die Revolution ans, und in der Hauptstadt Kataloniens wurde ein Leben und Treiben inszeniert, das jeder Beschreibung spottet. Schlimmer wird wohl auch in der persischen Schrecke ns st ad t Täbris nicht gehaust worden sein als in Barcelona. Aufruhr, Kirchenschanbung, Branbstistung und Mord — das alles kann doch noch nicht vergessen sein. Dann kam der Rückschlag; die Regierung wurde des Aufstandes .Herr und begann ihren Strafseldzug, der wohl auch viele Unschuldige traf und das Land unter unverständigem Druck seufzen ließ. 1200, nach einer anderen Be- rechnung sogar 2000 Prozesse gegen Revoluttonäre wurden anhängig gemacht. Der gegen Ferrer weckte das weiteste Aufsehen. Tie gesamte öffentliche Meinung, so heißt es in einem offenbar ganz objektiven Berichte aus Barcelona, sah in Ferrer den Anstifter und Leiter der revolutionären Bewegung. Sollte er, der nachweislich die Revoluttonäre aller Länder fortgesetzt mit Geld unterstützt hat, in bei ^Schreckenstagen Sieh gm: nicht gerührt f)Wn? Die Ferreraner fragen nicht da-, h ach. Ans der Kriegsgerichtsverhandlung wurde nicht so viel berichtet, baß man für bie Gerechtigkeit bes Tobesnrteils sich verbürgen kann; sollen wir in "Deutschland uns darüber aufregen? Haben die Jungtürken, denen die Sympathie der Freidenker gehört, in Konstantinopel anders gehaust, als die Gewalthaber in Spanien? Wurden die Galgen mit den Gelangten nicht tagelang zum Schaustück? Wie behaglich, sogar mit einem gewissen Wohlwollen, wurde geschildert, daß die baumelnden Leichen im Winde wehten, und niemand siel es ein, daß wohl auch ein Unschuldiger die Strenge der raschen Justiz gefühlt haben mochte! Und nun dieses Tränenmeer um Ferrer, um Hekuba! „Tie Reiterei sprengte in. türmen Attaken ein. Die Menge wich -.urück, folgte aber den Gardisten sofort, als sie zu ihrer AufsteUung zurückkehrten, und bediente sich der P s (alterst ctne , her Bauziegel und der Eis en niet en, die ne aus den gxziij len, int ^>tn.uiiy»iiv=> iv uu>aHMn»., 4.05 tt 11 *3 h X C** mende Gas wurde angezündet und die haushoch empor» fragenden Flammen beleuchteten fürchterlich das Toben der ent- fesselten Haufen, die aus Bäumen, Bänken und Klosks Barrikaden a u s t ü r m t e und sie nach teer Zeit ebenfalls! a n - zündet. Tie Wagen, die sich auf den äußeren Boulevards zeigten, wurden mit Steinen beworfen, stellenweise nrit Straßenbeivrcnii - ungsschlauchen begehen. _ Zwei Omnibusse, aus denen man die Reisenden aussreigen ließ, wurden in Brand gesteckt und cm» geäschert, ehe die herbeieilende Feuettvehr sie wscl-cn konnte." Die „Voss. Ztg." berichtet es aus Paris, unb -tote gab es babei auch. Alles internationale Freiheitshelden! „Hoch Ferrer", „nieder mit Alsons!" Ein deutsd^es Blatt hat sich auch in Verwunderung darüber ergangen, baß das yurnane England gegen den Justizmord feinen Einspruch erhoben habe. Welche Torheit, zu glauben, Eng- lang habe bei seinen politischen Mastuahmen jemals von reiner Gefühlsduselei sich leiten lassen unb um ein Menschenleben diplomatische Schritte unternommen! In feiner marokkanischen Unternehmung kann Spanien gerade auf Englands heimliche Unterstützung rechnen, unb wir wüßten nicht, welches Interesse bie Briten hätten, tarn Kabinett Maura Schwierigkeiten zu machen. Wir können uns jedoch recht wohl beulen, baß für den von ber beutscheu Skaudal- prefje versorgten Teil ber öffentlichen Meinung ber Ferrer- Rummel noch nicht ertebigt ist. Vielleicht kommt jetzt eine ■3eil der „Protest-Resolutionen", in denen es der Deutsche so weit gebracht hat. Mau muß den Ferrer-Schmerz austoben Iahen, auf tränenvolle Verzweiflungsausbrüche folgt stille Resignation: „Hör auf mit Deinem Gram zu fpielen". Ter extreme Liberalismus wird sich auch von diesem SckMge Nr. 243 Der Siebener An;e»-er erscheint täglich, außer Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich SietzenerKamilienbiätter; zweimal roöd)ent(.Krei$i blatt färben Kreis Sieben (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. £anb« wirtschaftliche Seitfragen Fernspreck - Anschlüsse: für bie Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen; Anzeiger Gießen. ~ = ?<2 r r- v ** e» ,, C ~<2 C* z n ® -Z-- 0 « 5c'=£ polittscbe Wochenschau. Y * Gießen, 16. Okt. Klatschsucht und Skandal, eiuseittae Stimmungsmache und scknese Urteile sind in dieser Woche so arg ins Kraut geschossen, daß es schwer wir^.aus dieseni Meer des Irrtums aufzutauchen. Etwas Nützliches gab es meist nicht in hin §Da war das Wahlergebnis in Koburg, das in den bürgerlichen Gruppen die widersprechendsten Urteile hervorbrachte. Die Haupt-Beteiligten, Nattonalliberale und Freisinnige, waren zwar überrascht von der Tatsache ihrer beträchtlichen Stiimneneinbnße. aber nirgends tonnte man au . ihrem Lager einen verständigen Artikel über bte Wurzel be Uebels zu Gesicht bekommen. Die beiden gleich starken bürgerlichen Gruppen in Koburg verloren je 1000 stimmen. Tie beideii Tausende waren zur Sozialdemokratte uber- aelaufen. Man sollte meinen, die Lehre sei eindringlich aenua Wer nach dem Fall der Erbschaftssteuer tm bürgerlichen Lager nach ber Auflösung bes Reichstages ge- rufen hatte, kann durch kein Ereignis besser widerlegt werden Die Wähler der Mittelparteien sind — das hat sich wieder einmal gezeigt — nur durch sanfte Bande an- ■inanbergetettet, unb nur die extremen Parteirichtungen stellen in allen Fährnissen einen sicheren Boden dar: „Dcvs ewig Gestrige, das immer war unb immer wieder kehrt." Die iluftuierenben Massen der gemäßigten Zonen in der Politik werden nur durch gute Führung, starke Persönlichkeiten, msammengehalten. Die Sache des Liberalismus ist groß unb gut, aber wie schleckst wirb sie geführt! An ferner -pitze sollte bie Intelligenz fitzen, die sich nicht durch schone Borte unb phantastisch weite Ziele betören läßt, sondern Die Macht-Tatsachen ins Auge faßt unb bie Brücke zum Nächstliegenden beschreitet. Die eifernde Rebe, die ganze Finanzreform von oben bis unten txniae nichts, ist den 't/ialdcmokraten natürlich besser zum Heil ausgeschlagen, its den Liberalen, von denen man irgend eine Tat er» ,artet hatte, da sie doch bei der dringenden Notlage des Reiches zur Mitarbeit anfänglich so bereit gewesen waren. 3b die Schattierung links- oder rechtsliberal war, erwies sich bei der Entscheidung als gleichgilttg; daß die auf der Linken stehenden Herren noch lauter gegen das zustande gebrachte Finanzgesetz gewettert hatten, hielt auch bei ihnen die Wähler flucht nicht auf. Es gibt nur eine Lehre aus diesem Vorgang: Der Liberalismus muß ein Feld bauen, auf dem er auch wirtliche Früchte hervorbringt; feine Be- lenne.r werden nur durch besonnene Führer zufammen- gehalten, die auch in schwerer und ernster Lage nicht in verzweifeltem Händeringen sich ergehen, sondern dem Boden das abringen, was er hergibt. Was aus der Erörterung über den Dahselprozeß gewonnen wurde, ist toenia unb könnte doch viel sein. Der ,'Vampf gegen die Skandal- und Sensattonspresse wurde allenthawen laut verkündet, am lautesten von den Blättern, die eben in behaglicher Breite bas Tageserlebnis ber „Lebewelt", Ruhm und Ende der Gräsin Sttachwitz, ihrem zart- 'ühlenden Publikum verkündet hatten. Jeder hat seine Zeitung, die er verdient, und man braucht, solange es nod) die Legionen der Klatsck)basen gibt, die mit dem Lesend) das ' prikelnde Spamrungsbedürsnis empfinben, über biese Schmutzgefchichte absolut nicht viel Worte zu machen. Tas Änsehen ber deutschen Presse wird GictzeneV Stafctffyeater. Nnrrenglanz. Ein Spielmannsdrama von Rudolf Rittner. Rudolf Rittner, der als Schauspieler einer der gefeiertsten Lieblinge der Berliner war, hat in seinem Drama ’igenc Erlebnisse zu einer gewaltig packenden, tief ergreifenden Dichtung gestaltet, bie, trotz all ihrer Schwächen von einer ungewöhnlichen Kraft unb Begabung zeugt. In 'iefem oft harmlos naiven Spielmonnsdrama, bas manches Geschehnis auf falschen Voraussetzungen aufhaut unb auch jeelifdi nicht immer begrünbet ist, glüht eine Seibenfdjaft und eine Seele, die alle diese Mängel vergeflen laßt und -ins machtvoll mit sich sortreißt in die Stürme einer bedeutenden Künstlernainr. Wolf, der Dichter, den die eigen» süchttge Laune eines Fürsten zum Hofnarren gemacht hat, Aeser Mann, deß sttotzende Bauernkraft den für]tlid)en A-ranen das Blut „brühwarm in die Fingerspitzen" treibt, t iefer Held, dein bie Landsknechte zujubeln, er geht an den Vorurteilen der Gesellschaft zugrunde. Das Beste, was er gibt, es (ist bezahlt, seine Seele, sie ist bezahlt. . . „Er ist doch unser Narr'." sagt das Fräulein, das nachts lüstern zu ihm schleicht, und bann einem anbeten die Hand reicht, um dem Spielmannskind einen „ehrlichen Namen" zu geben. ,,Herrenverguügen ist Naubtiersreude." Vergeisttgt und verfeinert hebt sich die Idee des Werkes weit über seinen geschid;tlichen Rahmen hinaus und wird zur Tragödie des Schauspielers unb bes Künstlers überhaupt, der einer im letzten Grunde verständnislosen Menge fein ganzes Wesen enthüllt, der hoch über ihr triumphiert, unb als Mensch dock) scheel angesehen wirb. Ta wird dem „Narren" feine geliebte Kunst zur Schmach, ein Ekel erfaßt ihn vor sich unb vor ber Welt und ergreifend klingt seine ganze Seele in seinem letzten Lied: Piui Schmach: ein Gaukler bin ich worden, Psui Schmach — Noch dröhnt daheim der Wind von Worben Um unfern Fels hoi rauh und jach, Noch klingen Torie-sqlockenlöne Zu meines Baiers Walde bin, Tarin, den Kovi voll Glut und Schone Als Kind ich einst gewandelt bin . . Noch rauschen von den Sängen nieder Tie alten Bäche kalt und El u- Und singen traute, erni: Sieoer Vom Wald, der ewig tfi u.iD war . . iS -«tt V"a -Ä. '2 » O d N ff 2- ? M o 2 vi ^3 v» »j) L? - Z. Z. Samstag 16. Oktober 1909 «ezng»prer»: monatlud7öPi.,viertel- a jährlich Ätk. 2.20: durch 'Hbbele- u. Ziveigsiellen X ; i *■ -f monadich 65 Ps.: durch M hA S-u 3T dieBoslMk.2.-vienel- Svi jal)rL ausschl. Beilellg. -f''»jA ZeilenpreiS: lokal 15'BU «kd auswärts 20 Piemug. x=.'<3 v Ehesredakteur: A Goeq. ‘ Verantwortlich lür den _ voliuschen Teil: August Sberhchrn K-ss 6 II u.Land" und „Gerichts- Redattion, Expedition und Druckerei: Zchulstrntze 7. ^.zejgente^^^^Beck. weder durch die Dayfel- nod) die keimende nal-en Bauplätzen fanden. Nach kurzer Zeit waren die Laterne Bruhii-iG-schichte irgendwie erschüttert. Die Zeitungsleser p sa hle nieder geworfen, die^ B o ule o a rd o a u ip c? werden d-s Nachdenken lernen, weiter nichts. Uebrlgens g-r' en S^u'igzk.rrrc umgM... SA- n fort faner habe während »einer Krankheit :. Uhr auf dem B o r n st c b t e r - Feld c ein, nm einigen Flügen £ r Dille Wrights beizuwohnen. Erbitte Wright vollführte trotz des widrigen boeigeu Windes außerordentlich gut gelungene Ausstiege bis zu einer Höhe von 150 Metern; nächsten Jahre finde nach Sachsen statt. Pariser Flugwoche. Juvisy, 15. Okt. Bei dem heutigen Wett fliegen gewann Graf Lambert den 1., 25000 Frcs. betragenden wirkkick Schuldigen nickt kannte, habe er einfach drei beliebige, aan; uniauwig Neger mit lnumann*n bestraft Ge^en den an-iuLIic ,'ckuldigv' Dffi» er wurden i. Zt «ehr deftige Angriffe wegen dieser vermemrsicken ("*reueltaten erhoben Die vorgesetzte Beerbe leitet- eine llnter.uckuug ein und es ergab fick, faß der Kaufmann Müller, der in lUntrnin tätig gewesen mar, als Absender des Brteies n .xtrfich: tarn Bev^r ut bic eigen clidre Berdandlung einqeneien wurde, geb der Recktistond des Angeklagten die (Erttärung ab. daß er die Beschuldigungen gegen .vau vtmait» Sckeun mann nicht aufrecht erhalten könne unb diese» um Enlickv'dl^una bitte. Er hobt den Bries im Fieber geschrieben und gar nickt b:r Absicht gehabt, ihn abzusenben. dies den gcitcrn zwischen Polarforscher und Professor Dr. Her- b e s e l 1 Beratungen über die arktische Luftschiffexpedition statt-, besonders wurden das ülima und die Etsverhaltnisse im Polarsomiuer besprochen, die von Nansen als sehr günstig für Luftichisse geschildert wurden. Er stellte seinen Rat und seine Mitarbeit zur Perfüguitg. Eine Aktiengesellschaft für Luftschiffahrt. Dresden, 16. Ch. Aach einem Vortrage des Direk- tors Eolsmann beschloß gestern eine Versammlung, in allen sächsischen Städten Werbekomitees für eine Aktiengesellschaft für Luftschisfahrt einzusepcu. Eols- nung ieines Mutes und |einer Au v baue. unb weil r ii Erster das Sternenbanner auf dem Jot nurmv i .nu mb. das Bürgerrecht der Stadt inrli ivb lhiiDcrfitäts*tTacbrid?tcn. Technische Hochfchule zu Tarmiiabt. Die Uebergabe bet* Rektorates durch Geh. Banrat Pro'ehor Walde an den neuernannten Rektor Proieifor Dr. Schenk findet am Dienstag, IP. Oktober, oormittagv 11'/, Uhr, in der Aula statt. schnittswert eines foldjcn Fettes betr xgt 20 Mark. Sorg' taltig getrocknet unb verpackt gelangen btc Felle auf beit Leipziger Markt, den einzigen Crt bei Welt, wo sie richtig gefärbt werben können. Buchara liefert alljährlich etwa etne Million Felle. Roch wertvoller als diese ist der fo* genannte Brettschwanz, der von „ungeborenen" Lämmern tierftammt. Dieser irreführende Ausdruck ist bei Anlaß äu der Legende geworden, daß zur (Weminnung dieser Felle baa tragende Muttertier gcfifvaditet werde Es handelt «ich ledoch nur Früh- oder Fehlgeburten der 2d mm er, her- Dorgcmfen durch das sehr rauhe Wetter bei zentral aiiatiidien Steppen, dem die Tiere während der in bic " onate März und '.’tpni fallenden Otebunageit schunlos irciegegebcn sind. Tiefe Lämmer sind so schwach, daß sie wemge Stunden nach der t^buri sterben würden; matt nimmt dcslmlb die Rotschlachtung vor, und diese Tiere Mavrib, 13. Ch. Ju der bcuirve 2i*O’ be4 Senates entbot o-r front) nt Den in . .arokko lätnprtntkit Zruupen inen .ixgar find eine Reihe von Tarnen gewonnen wo den, deren zfiiiistlerfchaft an Unmittelbarkeit des Emp findens, Temperament unb Charakter wie technischer Reife vor her schärfsten Kritik die Feuerprobe beftanorit hat. ^lautirinnen: Frau Rider Possarl, Frl Iffln Ren und Cltsa vetfi Bockemehcr, dann Steft i^eper, die Budapester Btoli- nisttn. und Susai'ne Metcalfe, eine Sängerin, von der ein Dr Wi-llner schrieb, baß er nock nie etwas so vollenbetes in Tonbtlbinui unb Ertrag gehört habe, eine Sängerin, die von der Stritt! in .vollanb einmütig über btc bekanntesten Konzertsängerinnen unserer Zeit gestellt wird, sind für bic Konzerte des Vereins diesmal gewonnen worden Reiche und erlesene (^luin'e stehen also bevor Daß es außerdem gelungen ist, einen modernen Meister der wompofition: Pros Mcu Roger aus Leipzig zu gewinnen, der zusammen mit xxim Äarteau eigene Werke zum Vortrag bringen imb auch als Solist spielen wird, jei hier nochmals bc- sonders hervorgehvben. Dürfen wir bock barauf hotten, das unser Broich er zog luib unsere Großherzogin, bereit Besuch anläßlich des Wohltätigketts Basars vom 13. bis 15 November I9o9 bcvorftcht, auch dieses ÄJitjert Marteau Siegel am II. November 19o*i besucken wiid Einem guten Branche folaeiib bat der Verein feine knnst'.erischen ch.iste Midi im Bilde ausgestellt, was gewiß allseitiges Zitteresse finden ivird. Rewyork. 1 ' Okt Tr. Eook wurde heute von einem Ausschuß des t'cmcinbttatf m« Rathaus geleitet, wo ihn bei Bürgermeister empfing und ihm eine kunstlerttch au O diese Leutnants' ; abends (ßericbtsfaaL 11 Marburg, lb. Okt. Eine wegen 'Levgehen gegen das fiürsorgegejetz angellagte Frau erging sich heule vor der Stra'- kammer mit überlauter Stimme tn groben Beleidigungen gegen dir Richter. Tie Frau foU auf ihren Geisteszustand unterfuchi «verben. Basel, 15. Cft. Der im April wegen Fälschung von B^uibilderii und deren V<-rkaut zu vier Monaten Gciangm viTurtriltc Munirmaler Ruedisuehli wurde ui zweiter Zn. Hijnj irrigefprodicn, icbodi ui den Holten bciangclogen, xad Qkndjt na bin zwar bi» Lorl egcn vvu Fälschungen an, der Nachweis der Läterschast aber sei nickt erbracht. Bäume pflanzen, io stehen bereits bic Shcisbäinuc hoch darüber und die Anlieger miissen das Btlanzcn eben lassen. Stäinen aber die Bäume oui die Siiöfcitc der Slraße zu sieben, jo wäre die Straße bcicbnttci und die Anlieger könnten zu beiden Seiten Baume vflaiizen, ohne daß jemanb bcnadjtciligt wäre. Vielleicht lms noch? — Bad - 91 qubeim, 15. Okt. Bis gestern sind 80987 Kurgäste angenommen, wovon an genanntem Tage noch 1271 anwesend waren. Bäder wurden bi3 zum 14. Oktober 408 383 abgegeben. v. Fronhaufen a. d. Lahn, 15. Okt. Am vorigen Riontag wurde aus unserer Torsstraßc die 67jahrige Witwe Schnabel von einem Automobil überfahren. Heute Nacht ist die Frau in der Klinik zu Marburg gestorben. X H o f - A l t e n b e r g bei Wetzlar, 15. Oft. Ter Austrieb zur Zungweide war dieses Zahr sehr stark. 57 Tiere haben während der Sommermonate die Vorteile des Weidcganges genossen. Trotz der ungünstigen Wüterungs- verhäliiiisse haben sämtliche Rinder ein vortressliches Aussehen und lein Tier ist eingegangen. Der Besuch hat von Zahr zu Zahr zugenommen. “ Kleine Mitteilungen aus Hessen und den R a d) b a r st a a t e n. Tie neu erbaute Kreis st raße Helden» berge n—to6-Rarben Ist für den Verkehr ireiqegeben. — Anstelle deS seitherigen Bürgermeisters Schließers ist der Landwirt cheora Dörr IV. von Orleshausen zum Bürgermeister gewählt worden. Verpflichtung und Tiensteinweljung hat am 29. Sept, staltgei unden. sobmm brr un R«fi gefallenen Offiziere mb Mann'ckaften wrroeigeru >nn Ruvublika".r . I überfliegen bis icyt 40 Milloncn Vci ZahreSfchlusse 68 Millionen erreichen Barcelona, 15. Cft. cherückt, daß in Barcelona »wei Franzosen füfüiert worden feien, wird für vollständig unbegründet erklär! , , . Baris, 15. Oft. Der radikale „Siecle" erhebt schonen Einspruch gegen btf tadelnden Bemerkungen, wclcke der spanische Minister des AeußTren, Allen de Salazar, einem Zuterviewer gegenüber über die Pariser St ratzen« kuudgebungen gemacht bat. Ta-: Blatt erklärt, daß diese Bemerkungen eine unzulässige Einmischung in die inneren An- grteg en betten Frankreichs bilden und gibt der votinung Ausdruck, daß bic französische Regierung die gebührende Antwort als Zeuge vernommene vaupnnann Sckeunemann bekundet, baß alle Angaben br? Briefes erfunden feien. Er habe niema'..- eine fttroary Frau gehabt imb würde dies für ferner unwürdig perli» der Abgevrbneir - ' euren tbm lugegauqcnen Bries, tu dem dem XXuurtnum:*. erteilen werde _ Triest, 15. Cft Während der heutigen Lttznng desLand » tage- hielt der liberal-nationale Abgeordnete Rascovich eine Gedächtnisrede für Ferrer: alle Abgeordneten erhoben sich von ihren Situn. Der Redner schloß mitjict Aussordcrung, Hwn Zeichen der Trauer durch Berla'scn des Saales btc Sitzung umnögltck zu machen. Tic Abgeordneten brachen in lauten Beifall aus unb verließen ben Saasi___________ 2his Stadt un> Coitö. Gießen, 16. Oktober 1909. Ein landwirtschaftliches wcmcindcleriton für Hessen wird demnächst von der t^ioßh Zentralstelle iür Landesstatistik herausgegeben werden Ucber den Zweck dieser Beröfsenttickung macht die Zentralstelle iotgenbe Mitteilungen: 1. Wir wollen die M S g l i ch k c 11 ; u E i n z e l s o r s ch u u g c n geben Bei den seitherigen Berösfentlichungcn beschränkte inan sich aus Sparsamkeitsgründen zumeist auf bic Wiedergabe der Zohlen für die K reife Da aber die landtvirtschaftlichen Verhältnisse ,n demselben >kreis sehr verfdiiebeu liegen können — man denke r B an ben Kreis Bensheim, ber Ebene und Gebirgsland zugleich umfaßt —, so iß es tu vielen Fällen unerläßlich, auf die einzelnen Gemeinden zurückzugehen 2. Wir wollen ferner >u Lokalforschungen anregen, indem wir hierzu die uötigen statistiscl>en Unterlagen darbieten. Wir glauben, daß Wir hiermit auch den Bestrebnngen, die )id) ans die ländliche Wohlsahrtspflege erstrecken, entgegrnfommen .^eimatgetnhl kann nur do Wurzel schlage«, wo Heimalkuude gepslegt wirb. Wie siebt cs jedoch hiermit aus? Wollte »tck jemand bisher über die landwirtschaftlichen Verhältnisse seiner Heimatgemcinde unterrichten, so war er in einer üblen Lage, da die Nachweise fehlten. In Zeitungen findet man hie und oa einen Anians zn Orts- befchreibimgen ES ist schade, daß solän immerhin nnrtoollc Mitteilnngen nickt planmäßig gcsommett und einheitlich verarbeitet werden. Natürlich ut es ausgeschlossen, daß unser Antt die Gemeinbebeschreibung selbst übcnumntt Dazu würde es schon an ber erforberlicheu Zeit fehlen Unser Amt wirb aber bemüht sein, llmfdmu nach Personen zn Italien, die gewillt und in der Lag find, Ortsdcsdireibuugen zil übeniebnien Air uiürbcn uns freuen. Wenn sich aus diese Zeilen hin geeignete PenSnlich feiten hierzu melden wollten. Wir waren gerne bereit, mit Rat unb Tat Unterstützung zu gewahren, insdesonbere würden wir oud) ciiigebenberc Auszählungen, z. B über den Anda» in ein- »einen (äcmrtnben, die zur Ergänzung der vorhandenen Zahlen dienen könnten, übernehmen. Wir beulen natürlid) in erster Linie an eine Crlsbeschreibnng vom tandiviltsckastlicken Gesichts puukl aus, bemerken jedoch, baß auch ein gewerbliches Gemeinde lertfon in Bearbeitung ist und bald Nachfolgen wirb. Erwünscht muß <•. also natürlich sein, in ber Cn.beschreibuna die land wirtfdiaitlidien unb gewerblichen Verhältnisse zu verbinden, denn tim dann ergibt sich ein ausrcickend klares Bild Uebrigeus mußten nickt nur die heutigen Berhältnisjc dargestettt werden, sondern eS wäre, soweit es eben noch mag lick ist, anck auf bic früheren Zeiten zurückzugreifen, um den Gong der Entwickelung zn veranschaulichen. Wahrt. daben. sevalschc LchskW ierplatze zu iLann- lgen Bettsliegen gc^ 1 Frcs. betragenden J der Lustschiffahrt -000 Frcs. icruf. Das prcch > ft hat eure Lei- metjiteixv ÄrM bw erui zu inchen. Malten für Gattenmd Dahlem Frauen irben, sollen sie in i teilnehmen dürjen Mtnereiclcven bei erforderlich, immci ; vor dem Besuch bi: Gießener /Dctteröienft. DoranSsichtlickc Witterung für Helsen am Sonntag den: 17. Cttobct. Ziemlich trüb Zeitweise Regcu. Kähler. Börsen-Wochenbericht. — Frankfurt a. M., 15. DTt. komme viclmryr darauf an, in den Hörern die Fähigkeit jur elbstandigen Analyse und Beurteilung literamcher Kunstwerke auszubildcn. . ..... . -L . «« * Teure Hasen. Cun rheinischer Grossindustrieller hotte eine Jagd gepachtet und wurde von einer verwandten Tarn«? gebeten, ihr doch and) einmal einen Hasen zum Selbsltoslenpreis abzulasscu. Einige Tage später bekommt sie den Hasen zugeschickt und dazu folgende Abrechnung: Jagdpachr 600 Marl, Jagdausseher 100 Marl. Wildschaden .^0 Mart, Patronen GO Mart, Schmerzensgelder 450 Mark, Summa 1260 Mark. Erlegt wurden 23 Hasen. Selbstkostenpreis also 54 Mark 78 Psg. Kleine Tagcechronik. Der Jubiläumsrektor der Berliner Universität, Professor Dr. Erich Schmidt, der mährend seiner Antrittsrede gestern einen Ohnmachtsanfall erlitt, befand sich am Abend wieder bedeutend besser. Tic Nachricht, daß die Besatzung des bei der Doggerbank gescheiterten Fischdampsers „A d o l f" gelandet sei, beruht auf einem JrrtumbeiderAufnahmeeinesFunken- telegramms. Tas westliche Tennessee wurde gestern von einem Tornado 'heimgesucht, wobei verschiedene Personen umkamen. Biele Personen wurden verletzt, mehrere Ortschaften sind zerstört. _____________________ Orrginal-Drahtmeldringen. Tte Rückfahrt des Parjeval III. Stuttgart, 16. Ott P a r s e v a l III ist heute vormittag 8.40 Uhr in Cannstatt aufgestiegcn. Er fuhr langsam gegen heftigen Wind nach Stuttgart, wo er über der unteren Stadt kreuzte. Um 9 Uhr wandte er sich nad) Norden zu, um über Heilbronn nach Frankfurt zuriuk- zufahren. Verkauf marokkanischer Bergwerke an Deutschland. Paris, IG. Okt. Ter „Matm" meldet aus Oran, in Melilla verlaute, der Sultan Mule» Hafid habe die Bergwerk e im R i sgebiet, die die Ursache des spanisch.marokkanischen Konflikts sind, an eine deutsche Gesellscha st verkauft Tas Blatt fügt lstnzu, junihid) ict gegen oen Berkmtf nichts einzuwenden, da Spanien die Bergwerke nur von dem lyingeridrtcten 3lvghi erworben habe. Dennoch lverde oder die marökkanisclie Frage hierdurcl> niZ^ verwickelter, da zu den sonstigen Wirren noch eine spanisch-deutsche Frage kommen werde Melilla, 16 Okt. Die M arvkkaner griffen gestern die spanischen Borposten bei Tagnina an, wurden aber nach längerem Kampf zurückgeschlagen. Unruhe in Barcelona. Barcelona, 16. Okt. Gestern abend wurde ein Geschäftsinhaber durch eine B o m b e t ö t l i ch v e r l e tz t; der Täter wurde verhaftet. Weiter entstand in einer Kaserne eine Bombenerplosion, durch die mehrere Soldaten verletzt wurden. Es war ein A t t e n t a t gegen den Generalkapitän beabsichtigt, die Bombe ging jedock) vor dessen Eintreffen in der Kaserne los._______, right SSL i^ekmen Sie täglich eiu Likörgläschen Dr. Hommel’g Haematogen nnmittelbar vor der Hauptmahlzeit! Ihr Arjctit wird reger, Ihr Nervensystem erstarkt, die Mattigkeit verschwindet und körperliches Wohlbefinden stellt sich raschest, ein. Warnung: Man verlange ausdrücklich den Namen Dr. Hommel. D6/, fern dann die durch prachtvoll glan^mde Morr^ctchnmrg uSoezeichneteu Brcilschsuanzfelle, jw deneu es lahrkch o etwa 50 000 Stück gibt Sce srno noch tserwoller als rsianer und kosten 30 Mark das totud. rVucksachen aller Art Bbb25^ liefert In jeder gewünschten Ausstattung preiswert die Brühl’sche Universitäts-Druckerei, Schulstr. 7 Ertrage des Zirek- tc Versammlung, in ’ 1 für eine Aktien^ t einzusetzen. Laß- J Zeppelins im statt. □ tr. 5,00—6,00 Tit., l'itlch ver L'iter -w Ma.. 'Sekvrraur ver ^lüct 10—15 Big., ver Zentner Mk. 0.00—0.00., Aevlel per Zn. 10—20 Mk., Birnen vcr Ztr. 10—15 Pik. 9lii||c 100 10 “ ZZtz! r •0 n n c uw? i?,nt Sbieiea ■?ernabA\^ satjtta ÄS? ii ,'hin sei, er Q'1 einer Naben Sfyib i. ** Avscklo^ rsche. Es gibt butt Einer seltsamen > t des Wirtshauses > teinbamm in Hani in deren Dachkanunc- Logis aui'gcidN'i schon zu wieberholl«! n die Ltellenvermitt' ch dem we elte, baß erjiM lieft auch bte W Beamte begaben sla chte vollauf beitattg. 5 corpus behcti ba J ins WirtstioBF Briefkasten,fccr Ueöaffion* (Anonyme -lnfragcn bleiben unberücksichtigt.! H S. 78. Ein vebamnienkurfiis wird am 1. Februar ab- schalten Tie Kosten belaincn sich, falls sie von Kemcindcu bc- ^ahtt werden, aut 200 Mk. und für private Teilnehmeriiiiien auf 300 Mk. __________________ L"/ Ma fan. ^oseisor Dr. her- ^ustschifsekpebition > dte Etsderhältnisse '>^sehrgünsiig ' stellte seinen Ra: — Das schöne Mädchen von A n - i o. Ter Unter Msminifter Rava, der Generalditektor der ttaltemscheu Altertümer Corrado Rrcct, der Ttrettor bc» National- 3 der Thermen, ein königlicher Notar der ivurst ! qi, ,.wei Journalisten und znxr Photographen haben ' am 0. Ott ob er int großen eaat der Villa Aldobrandtni ci 9(n*io ruioinweugesunden, um nach jahrzehntelangem irei"^n^ endgültigen Ueberganfl des ichöne» Mädchens Lj it Auf,io an den Staat zu voll'tehen. Der streit um ne Statue, eine der köstlichsten aller Zeiten, hat seit der rt ihrer «siudung, seit 1K78, gedauert und das unickM- a.re Kunstrverk der Oeffeutlichkctt vorenthalten, -tte lachte dieser Stattie ist schicksalsreicher als die de.' LaoFoon •’T der Venus von Milo. Im Dezember 18 r8 suchte ein n chtburer Sturm die Ruinen am Vorgebirge Anzio heim: i, tc die lange Jahrhunderte hindurch bisher standgehalten, Sen zusammen. Durch einen lolchen Einsturz wurde ..'dieser Sturmnacht eine Nische bloßgelegt: darin stand, uuleuchtend, unberührt und bespült von den Wellen des , eres das Marmorbild der m ein Htmatton gehüllten ^ngfrau. Die Statue wurde, da sie auf dem Gebiet der - lurlie Mencaeci gesunden war iit deren ^lla getragen 6 von den Besitzern eifersüchtig beNTachü Tier Jahre . -chher gerieten die Meneacei in stuanzielle Schwierig eiten d verlausten die Villa mitsamt der ötotue den Aldobran- L ii. Diesen, derer derzeitiger Verlreter^der genannte Für i..im ist, wurde vom Staat sogleich die summe von 4-dOOOL , e für das Kunstwerk geboten, aber ersolglos, denn cmdere Ingebote winkten.. Das glänzendste machte ein Amerikaner, eine Million berzählen wollte. Mletn dav italienische , setz das die Ausfuhr bedeutender Kunstwerke verbietet, i4 diesen Kaiif nicht zustanoe kommen; als davon. ver- , Itcte lmtten tahremug -wer Karabinieri nichts andere^ Lm tun' als das schöne ^Lädchen von Anzro zu bewachen Inter diesem Zustand litten alle Beteiligten, er war aus L-. Tauer unhaltbar, und schließlich eittsastoß sich die Fa- n (ie Aldobrandini, das Angebot des Staates anzunehmeu. . mmr die- allerdings gewissermaßen eme Kapitulatton, t, er Chiai hat dafür die (Genugtuung, sich von der ^efsent- ",leit als Bewahrer der italienischen Ideale usw. feiern - lassen. So wird denn setzt die lstrrliche Statue nach I. mer Vcrborgensustt unter starker Bedeckung nach Rom migeführ. werden und dort im Thermenmuseum einen ,-r schönsten Säle für sich erhalten. Unter dem Einflüsse der Berschicdun n, die sich am Geldmärkte vollzogen haben, bewegte sich das Geichän m ruhigen Bahnen. Don emer stärkeren Verstimmung über die Berstet- fung der Geldsätze war nichts zu ver>puren ^»ohl Ut in dm letzten zwei Wochen eine Eutlastnug des Marktes em- getreten, allein desseti günstige Versagüng ist nur wenig. ins Wanken aeolntmen, da Abschivächungeti der Tendenz bald wieder einer Befestigung wetäten mußten. Tas Vertrauen, das; wir uns auf dem W-ege einer Gesundung des Wirtichaitslebens ve- sinden, ist kaum ersckstittert worden. Erstamtlich war, mit welcher Äelassenl>eit der Markt die Diskonterhöhung der Reickis- bank auf 5 P.ozent, sowie die Erhöhung der englischen Bauttate aus 4 5buozetit ausgenommen bat. Man war aui diese Rcaßnahmen schon vorbereitet und es erfolgten vielfach Nealiiationeii, aber die Abgabeir resultierten zumeist nur aus Sirenen ber ^ixfulation, während das Brivatkapital nur wenig Migung ueripm-te, seinen Besitz zu veräußern Dennoch sollte man die Ontwickelung der (^eldnerhältnifse nicht ignorieren. Der Hoffnung, das; es möglich sein werde, mit dem fünfprozentlgen Danklatze bis zum Mlüc des Jahres auszukommen, hat Reichsbankprasidimt »aveusteiN Ausdruck gegeben Viel wird davon abhängen, tote die internationalen Geldverhältnisse sich werter Lestalteu besonders, welche Ansprüche Amerika erheben wird. L.as zur Beurteilung der Rewiiorker Börsenlage so wichtige tägliche Geld, das bis vor kurzem noch zu 2 Pro.zent und darunter zu haben war, ist ncuerdrirgs bis auf 5 Prozent und darüber, gestiegen Unter diesen Umständen ist nickt ausgeschlossen,,da» die Rewtzörter Börse bald größerem EntlaskungsbedürM's ent- gegeugelst und das würde auf die europäischen Markte zuruck- wirlen Solckw Erwägungen trugen viel dazu bei, ber&Verm IcUioit Zurückhaltung aufzuerlegen, zumal andauernde ^ckwache des Kiwsermarrtes und ein leichtes Abflauen am amerikanischen Roheisenmartt gemeldet wurde., Denwoch war mau Nicht geneigt, den ungünstigen Momenten größere Einfluß emzurauinen. Man richtete vielmehr die Aufmerksamkeit vorwiegend aui die Besse- r ii n g s e r s ch e i n u n g e n i m W i r t s ck a s t s l e b c n , von deum namentlich die leichte Befestigung des Kohleumarkte^, die PreiS- erböhungen für Stab- inib Walzersen, sowie die aus England gemeldete Preiserl-öhung für Träger erb* -oeodachtung 1 andern "illc diese Meldungen genügten, um die xuversichtlime Stimmung auf dem MontanmaiTkt aufrecht zu erhalten wo sich die .flurse nach vorübergeheiider Abschlvächung wieder nach,obeni bewegten. Auch Bankaktien konnten sich behaupteii NN V mb lick auf die bisher befriedigeiiden Geivinnresultate der Banken und die Aussicht auf eine weitere Besserung der Erträgnisse.^ Bahnen verehrten in ziemlich fester Haltung, dagegen hatten Schis l a t§a ttien unter G-ewHinabgaben zu leiden. Bon bl ass a - ndu str i e papieren waren Elektrizitätswerte und Wlerwerke Metzer begünstigt, im übrigen blieben die Um,alze begrenzt He^suckc und fremde Fonds neigten infolge ^r Bersteisung der Geld- sätzc vorwiegend zur Schwäche. Privatdrsoonr ■> , i... Spielplan 6cs Neuen Siegener Staötiiieams. Direktion Hermann Stemgoelter. Sonntag den 17. Oktober, nachmittags 31/, Uhr, bei kleinen Preisen „O diele Leutnants." Ende 53/4 Uhr. ÜlbenbS 71/, Uhr bei gewöhnlichen Preisen, unter Rünvirkung der Siauclle des hie! ^n'anlene-Regiments: Gastspiel von s^rl. Lucie (tzorgi und Alberi Piatzlau aus Frankinrl a.'M. Znni crftenmale: „-ter sidelc 'n wer" Operelle in 3 Allen von Viklor Leon, Musik von Leo sv-all. Ende gegen 10'.', Mu. Dienstag den 19. Oklober, abends 8 Uhr' 3. Dienstag'Abonnemenl--Vorsleüung: „Iw .silurjetzcl. Ende 10 Uhr. Mitlwoch den 20. Oktober, abends 7 Uhr: 2. Mut- ivoch-Abonnenient-Vorstellnng: w(£in Sonimernackitstraum." Ende 9» Utzl. Freitag den 22. Oktober, abeiids 8 Uhr: 4. ^reltag- Abonnenlenl-Vorstesiung - „Die fremde Frau." (La femme X. . . Ende 10'/, Uhr. Märkte. ,n , «ieften 16. Okt Marktbericht. Auf heutigew Wocke^- n.mtte foftete: butter pr. lifb. 1.20-1.30 -Bit., Wnewier 1 «4. 9—10 Big., Enteneier 1 tot 0 Psg., Krise kw' St 6 8 H, Erbsen p. Pid. 00—00 Pfa., Linsen v. Pfd. 00—00 Lfg., Dauben pr. Pr. 0,80-1,00 Mk., Hühner pr. St hOO—1,60 ^hne m. Stuck 0,80—1,80 Pik., Gänse vr. Pid. 60—70Pf., Enten pr. totilck 1,80 bis 2,20 Mk., Ochsenfleisck vr. Pfd. 76—84 Pig., .Nutz- und Biinbfleifd) pr. ®unö- 70-80 Plg., . 8chw->n-fl-i ch uv. Pfund 80-90 Psg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfd. 96 Psg., Sfalbflcijcb pr. Pfd. 70-74 P'g., .vmnmelsleisch pr. Pfd. 60-84Pfg. üarlosseln pr. 100 Kg- 4.50-o.o0 Mk., Zirnebeln per * Tennyson und der Prinz v o n W a l e s. Der i-ickster des Eiroch Arden, dessen Geburtstag sich am 6. uug- m hundertsten Male jährte, war em äußerst Menschen- ■ iilieiter Poet. Er haßte die breite Masse und lebte fast eru H Il.es Jahrhundert zurückgezogen auf lernest herrlichen sii'ungen ,;u Jushwatcr auf der Insel Wight und zu ■ I verworth bei Haselmere in Surrey. Hohe Ptauern und 8 n.j>te Hecken entzogen ihn dort den Blicken der Neugierigen, > ' dessen ungeachtet aber doch fast täglich vor dem Tore Trten, um den großen Dichter von Angesicht zu scheuten. I Manchmal spielte Tennyson diesen gar zu Lästigen einen 81 iK ibfcbcn Streich, indem er einen alten Diener, der ungefähr ( me Figur hatte, die ckarakteristtsche Samtjacke anlegen B ließ und den breitkrämpigen Äul und ihn dann vor da^> l'or schickte. Er selbst fuhr einige Augenblicke spater un- 8 erfannt im Wageii davon. Nur durch besondere Emust ■ voar es überhaupt möglich, in die unmittelbare Jiabe des cksichters zu gelangen, denn die Dienerscyaft batte verenge 3$') ntoeifung, jeden Fremden nn er bittlich abzuweisen, aa W.rngnete es sich denn eines schönen Tages, daß auch dem । rinzen von Wales, dem jetzigen König Eduard, der dem N Achter settie Aufsvarttuig machen wollte, das -vor vor 8 ui Nase zugeschlagen wurde und zwar mit dem Bemerken: k sp, wieder einmal ein Prinz von Wales. Den faulen 8 Sckwindel len neu wir nun nachgerade." Durch Zufall hatte I Tennyson die etwas erregte Auseinand ersetzung mit an 8 gehört und eilte nun schleunigst dem Pnuzen nach, der | a rf diese Weise dann doch noch empfangen wurde. — -ben | a „nid zweier ansechilicker Besitzungen konnte sich Tennyson • i heigens ruhig gestatten, denn die Einkünfte, die er aus I innen Dichtungen zog, waren recht bettäckstlich. ^Schon 8 acks ganz junger Poet erhielt er eine Ehrliche totaats- J d enfwn von 4000 Mark, die Dichtungen aus dem fttcije ibn- Artussage braditen ihm i pater eine fahr lick, e Reute I Dum 80 000 Mark, und „Enoch Arden" soll ihm tm ganzen hj )UlTau die erkleckliche Summe von 620 000 Mark aogeworsen hot ^flinCI1 stkü w> ^uic- ■ä von lin,c ,^1^ l aus demAx ;r.bcr 8les, ckige'' '^Lebens g W l?Sc ?fr W ocke lüft- W kN- ich die st ' «|5 k»11111’: qcw«1^ d-k »S StzAS rih so l^,ü. h ,r lva" — Jedes Paar liefert in Bezug auf Qualität und Freis dea Bewi eis hoher Leistungsfähigkeit Strampf Saxonia gestrickt. 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