Nr. 138 Zweites Blatt ISS. Jahrgang Mittwoch, 16. Juni 1909 Erscheint vlgllch mit Ausnahme bei Sonntag!. Die „Gießener FamMenblStter- werden dem .Anzeiger* Viermal wöchentlich betgelegt, dar „KreUblott für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die .Landwirtschaftlichen bett» fragen" erscheinen monatlich zweimal. Giehener Anzeiger General-Anzeiger fSr Oberhessen FkotattonSbruck et! Vertag der VrühNch« UniverfttLtS»Buch- und GteinbrudeceL 8t Siege, Dießen. Kedaktion, Expedition tmb Druckerei: Schul» ftraße 7. Expedition und Verlag: 5L Redaktion: ^^112. Tei.-Adr^AnzeigerGießen» SS Deutscher Reichstag. 261. Sitzung, Dienstag, 15. Juni. Am Tische des Bundesrats: v. Bethrnann-Hollweg, Frhr. v. Brandenstein, Graf Lerchenfeld, Dr. F i s ch er u. a. Das HauS ist gut besetzt. Präsident Graf Stolberg eröffnet die erste Sitzung nach den Pftugstferien um 2% Uhr mit einem Nachrufe auf die während der verstorbenen Abgeordneten Schellhorn (Natl.), Schmidt- Hall- (yc. Vp.) und Goldstein (©03.). Das Haus ehrt ihr Andenken durch Erheben von den Sitzen. Die mecklenburgische Verfassungs-Interpellation. Auf der Tagesordnung steht die Int Freisinnigen und Nationallib erpellation der ---- .. ationalliberalen, Dr. Pachte (Fr. Vg.), Linck (Natl.) und Reichsgraf von Bothmer (Fr. Vg.): Was gedenkt der Herr Reichskanzler zu tun, nachdem 1) tne in dem BundeSratsbeschlutz vom 26. Oktober 1875 ausge- sprachen« .Erwartung", es werde den Großherzoglich Mecklen- burgischen Regierungen gelingen, eine Aenderung der bestehenden DLecllenburgischen Verfassung mit dem Mecklenburgischen Landtag zu vereinbaren" — nicht in Erfüllung gegangen ist, mrd 2) die von dem Stellvertreter deS Herrn Reichskanzlers am 24. Januar 1905 zum Ausdruck gebrachte Annahme, es sei »ganz ausgeschlossen, daß die Mecklenburgischen Regierungen es aufgegeben haben sollten und die Mecklenburgischen Landstande es auf die Dauer ablehnen könnten, eine den modernen Anforderungen der Zeit entsprechende Verfassung in ihrem Lande herzustellen" — U' wenigstens soweit die Mehrheit der Mcklenburgischen Ritterschaft in Frage kommt, als irrtümlich erwiesen hat? Abg. Dr. Pachnicke (Fr. Vg.) begründet die Interpellation. ES ist dem mecklenburgischen Volke eine zeitgemäße Verfassung auch von der mecklenburgischen Regierung versprochen worden. Aber es ist bei dem Versprechen geblieben; denn der den Ständen vorgelegte Regierungsentwurf hält an dem alten reaktionären Grundsatz fest, daß die politische Befähigung am Portemonnaie zu erkennen ist. Der ganze Ent- Wurf war der Ritterschaft auf den Leib zugeschnitten, er war eine Sünde wider die Zukunft und brachte nur geringe Verbesserungen gegenüber dem bestehenden Zustande. Aber selbst diesen Entwurf brachten die Ritter mit 291 gegen 65 Stimmen zu Fall. Sie wollen überhaupt keine Verfassungsänderung, sie wollen weiter herrschen und ihre Herrschaft mit niemandem teilen. Wo bleibt da die so oft betonte Bauernfreundlichkeit dieser Herren? Wo blieb der Bund der Landwirte? Für die ganze Frage gilt das Wort: Cherchez l’interet! Die Macht der Mehrheit macht sich wieder geltend, die rücksichtslose Ausnutzung der Macht, wie sie sich auch in der Finanzkommission gezeigt bat. (Lachen rechts und im Zentr.) Aber die Konstitution hat die ganze Welt erobert, sie wird auch vor Mecklenburg nicht stille stehen. (Zu- stimmung links.) Ohne eine zeitgemäße Verfassung ist Mecklen- bürg kern moderner einheitlicher Staat. Mecklen- bürg ist eine staatliche Dreiheit. Im Domanium herrscht der Großherzog absolut, im Ritterschaftlichen die Ritter, die mit dem Großherzog nur durch Privatvertrag verbunden sind, und die sich für ebenso „bon Gottes Gnaden" halten, wie der Großherzog, und dazu kommen noch die Städte. Das ritterschaftliche Recht kann käuflich erworben werden. Das höchste Recht, das Recht auf Gesetzgebung, kann man kaufen. Bei jeder Verkaufsanzeige eines ritterschaftlichen Gutes wird besonders auf das damit verbundene Mandat hingewiesen. Die bestehende Ständeversamm. lung untersteht noch dem alten guten Rechte. Man kennt keine Tagesordnung, keine Rednerliste. Jeder redet, wenn es ihm ankommt, oft mehrere Herren zu gleicher Zeit. Die Türkei hat ihre Verfassung, auch Persien ist so weit, nur Mecklenburg allein ist noch zurück. Dadurch wird die wirtschaftliche Fortentwicklung des Landes gehemmt, die Entwick- lungsmöglichkeiten werden nicht ausgenutzt. Die ganze Verwaltung ist voll Umständlichkeiten. Kein deutsches Land ist so dünn besetzt, wie Mecklenburg. Man würde sich einer Täuschung schuldig machen, wenn man behaupten wollte, daß die Not der Landwirt- schäft die Ursache sei. Nein, die Schuld liegt daran, daß der Bauer nicht Herr auf seiner Scholle ist, daß der Wildschaden ihm das Da- sein verbittert. Bahn frei! für die moderne Entwicklung. Die Schulverhältnisse sind elend. Eine in die Wege geleitete Reform scheiterte an dem Fels der ritterschaftlichen Selbst- Herrlichkeit. Auch die Herren auf der Rechten geben sicherlich int geheimen zu, daß kein Land auf die Dauer ohne Verfassung bestehen kann. Man meint aber, es handle sich um keine Reichs-, sondern um eine Landessache. Das ist unrichtig, das Reich hat das lebhafteste Interesse an der Frage. Auch der Bundesrat hat sich schon damit beschäftigt und sich also für zuständig erachtet. Der Reichstag hat das Recht, die Initiative zu einer Aenderung der mecklenburgischen Verfassung zu geben. Helfen bundesfreundliche Vorstellungen bei Mecklenburg nicht, dann muß ein Reichsgeseh kommen. Staatssekretär von Bethmann-Hollweg: Tie mecklenburgische Verfassungsfrage ist bereits so oft und so ausführlich im Reichstag erörtert worden, daß, wenn man von der Schilderung der gegenwärtigen mecklenburgischen Zustände absieht —und da§ werde ich selbstverständlich tun — neue Gedanken kaum mehr vorgebracht werden können. Daß die Verfassung Mecklenburgs fortgebildet wird, wünschen große Parteien des Hauses, und auch der Bundesrat hat seine Ansicht >n dieser Beziehung in dem bekannten Entschluß vom 26. Oktober 1875 festgesetzt. Wie bei dieser Gelegenheit, so hat auch heute wieder die Frage, in welcher Form dieses Ziel zu erreichen sei, eine besondere Rolle gespielt. Der Herr Vorredner legte ersieht- lich großes Getoicht darauf, von seinem Standpunkt aus darzulegen, daß vermittelst der sogenannten Kompetenzkompetenz das Reich jederzeit in der Lage sei, eine Aenderung der Verfassung vorzunchmen. Rein wissenschaftlich, juristisch mag es nicht ohne Interesse sein, das Für und Wider in dieser Frage zu erörtern. Aber ich darf cs mir versagen, auf die Einzelheiten dieser Seite der Angelegenheit einzugehcit, einmal, weil die Reichsregierung wiederholt ihre Stellung zu dieser Frage hier ausgesprochen hat, vor allem aber deswegen, weil im Vordergründe doch die politische Frage steht, ob das Reich sich entschließen würde, seine Machtsphäre gegenüber dem inneren Versa s s u n g s r e ch t der Einzelstaaten anders abzugrenzen, als es in der Verfassung vorgesehen ist — wobei dahingestellt sein kann, tvelcher Weg dabei zu beschreiten wäre. Eine derartige grundlegende Aenderung unseres Verfassungsrechtes vorzunehmen, liegt nicht in der Absicht der verbündeten Regierungen. Tas hindert aber die verbündeten Regierungen nicht, gegenüber den Vorgängen, die sich gegenwärtig und seit mehr als Jahresfrist in Mecklenburg abspielen, an der Erwartung festzuhalten, die in dem Entschluß von 1875 ausgesprochen ist. (Großes Gelächter links.) Die verbündeten Regierungen wissen sich hierin eins mit den großherzoglich mecklenburgischen Regierungen, welche ihrerseits den festen Willen bekundet haben, die Verfassung in beiden Bundesstaaten auszubauen, und sich dadurch nicht Haven beirren lassen, daß sie auf Widerstände gefloßen sind, die sie bisher nicht haben überwinden können. Einem endgültigen Scheitern der mecklenburgischen Verfassungsbewegung kann der bisherige Verlauf in keiner Weise gleichgestellt werden. (Erneutes Gelächter links.) Die Entschiedenheit, mit der die Regierungen die Frage ausgenommen haben, und die Entschlossenheit, mit der sie daran festhalten, zeigt, daß sie die begründete Hoffnung hegen zu dürfen glauben (schallendes Gelächter links), eine Fortbildung der Verfassung mit dem Landtage zu vereinbaren. Gerade der gegenwärtige Augenblick bietet deshalb auch den verbündeten Re. gicrungen keinen besonderen Anlaß, an der Erfüllung ihrer Er. Wartung zu zweifeln, wobei sie den Wunsch haben, daß eS der Großherzoglichen Regierung gelingen möge, die langumstrittene ;s.rage m naher Zeit zum Abschluß zu bringen. (LauteS Gelachter links.) Mecklenburgischer BundeSratSbevollmächtigter, außerordentlicher Gesandter Frhr. v. Brandenstein verliest folgende Erklärung: Die Mecklenburgischen Regierungen halten eine Abänderung oer bestehenden Landesverfassung, welche neben Angehörigen der bisherigen Stande auch durch Wahl von Vertretern der gesamten Bevölkerung eine Beteiligung an den mecklenburgischen Staats- angelegenbeiten, insbesondere an der Gesetzgebung und der Feststellung des, Haushaltsplanes ermöglicht, für ein dringendes Bedürfnis. Sie haben deshalb den Ständen auf dem außerordentlichen Landtage einen ihrer Auffassung entsprechenden Verfassungs- entwurf borgelegt. Eine Einigung über diesen Entwurf ist freilich bisher noch nicht erzielt worden. Der eine Stand, die Landschaft, hat zugestimmt, der andere Stand, die Ritterschaft, abgelehnt. So bedauerlich dies borläufige Ergebnis ist, so kann es doch bei der schwerwiegenden, tief in die alten überkommenen, eingewurzelten Verhältnisse des Landes eingreifenden Gestaltung des Reform- Werkes und bei der unter den Parteien weit auseinandergehenden Beurteilung der Regierungsvorlage als ein endgültiges Scheitern der Verhandlungen nicht angesehen werden. Die Großherzoglichen Regierungen wollen daher das Vertrauen nicht aufgeben, daß auch dw Ritterschaft in rechter Würdigung der auf die Verfassungs- anderung hindrängenden und das Wohl des ganzen Landes be- rührenden Verhältnisse sich nicht dauernd der Einsicht auf eine Reform verschließen kann. Von der Auffassung geleitet, daß für die ruhige Fortentwicklung des Landes die Durchführung der Reform aus eigener Kraft und im Einvernehmen mit der der- zeitigen Regierung auf das dringendste erwünscht ist, halten beide Regierungen sich für verpflichtet, keinen Weg unversucht zu lassen, um zu einer Einigung zu gelangen. Sie haben daher von neuem Verhandlungen mit den Ständen eingeleitet. Die Großherzoglichen Regierungen sind fest entschlossen, das in Angriff genommene Reformwerk fortzusehen und es zu einem dem Wohle des Landes entsprechenden Ergebnis durchzusühren. Auf Antrag Dr. Wiemer (Fr. Vp.) wird die Besprechung der Interpellation beschlossen. Abg. von Normann (Kons.) verliest folgende Erklärung: Im Namen meiner politischen Freunde habe ich zu erklären, daß wir an unserem Grundsätze, nach welchem Verfassungsange- legenheiten der Bundesstaaten allein von diesen selbst zu regeln sind und nicht den gesetzgeberischen Faktoren des Reiches unterstehen, nach wie vor festhalten. Sonach erblicken wir in der Einbringung der vorliegenden Interpellation eine die Zuständigkeit des Reichstags überschreitende, im Resultat dem Herrn Reichskanzler eine Verletzung der versa ssungsmäßi. gen Rechte der Einzel st aalen zumulende Maßnahme, deren Verhandlung wir für .unzulässig hallen. (Beifall rechts, Lachen und Heiterkeit links.) Abg. von Oertzen (Rp.): Auch ich habe namens meiner politischen Freunde zu erklären, (Schallende Heiterkeit bei der Linken), wenn Sie darüber lachen, so kann ich nichts dafür, aber das ändert unsere Auffassung nicht, also wir sind der Ansicht, daß das Reich nach der Reichsverfassung nicht berechtigt ist, in die Verfassung der Einzelstaaten gesetzgeberisch einzugreifen. Wollte man dem Reiche ein solches Recht einräumen, so würde das Reich auf- hören, ein Bundesstaat zu fein und den Charakter eines Einzel, staates annehmen. Fürst Bismarck, der große Gründer des deutschen Reiches, hat diesen Standpunkt stets vertreten. Die Einschlagung des gegenteiligen Weges würde die Schöpfung des Deutschen Reiches in seinen Fundamenten erschüttern. Bei der Gründung des Deutschen Reiches hat jeder Bundesstaat große Opfer an seiner Selbständigkeit und an seiner Souveränität im Interesse des großen Vaterlandes gebracht. Diese Souveränitätsrechte sind aber nur insoweit auf das Reich übergegangen, als die Reichsverfassung dies ausdrücklich ausspricht. Die ReichSver- fassung hat aber nicht dem Reich das Recht übertragen, die Ver. fassung der Einzelstaalen von sich aus zu regeln. Die Inter. Pellation stehl trotz ihrer vorsichtigen Form im Widerspruch mit den verfassungsmäßigen und tm Interesse der Einigkeit und Erhaltung der Einzelstaalen, sowie auch des ganzen Deutschen Reiches notwendig zu beachtenden Grundsätzen. Wir können uns daher nicht auf eine sachliche Debatte über di« hier angeregte Frage einlassen. (Lachen und Heiterkeit links.) Vizepräsident Dr. Paasche erteilt dem Abg. Linck (Natl.) das Wort und bemerkt: Ich mochte aber die folgenden Redner bitten, sich doch an die Bestimmung der Geschäftsordnung zu halten, wonach nur Abgeordnete, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind,, das Recht haben, ihre Rede zu verlesen. (Heiterkeit links, große Un- ruhe rechts.) Abg. von Oertzen (Rp.): Zur Geschäftsordnung! Vizepräsident Dr. Paaschc: Ich habe bereits dem Abg. Linck das Wort erteilt, ich kann Ihnen das Wort zur Geschäftsordnung jetzt nicht geben. — Durch diese Worte wird die Unruhe auf der Rechten außerordentlich gesteigert. Von mehreren Abgeordneten wird dem Präsidenten zugerufen: Unerhört! Eine unerhörte Beleidigung! Ein Abgeordneter ruft: Das ist ja Bosheit! Die Abgeordneten der Rechten haben sich sämtlich von ihren Plätzen erhoben. In der allgemeinen Erregung gehen die Worte des Abg. Linck lautlos unter- Vizepräsident Dr. Paaschs wendet sich zur Rechten: ES ist keine Bosheit, und das find keine unerhörten Beleidigungen. Ich habe einfach auf einen Paragraphen der Geschäftsordnung aufmerksam gemacht. Der Herr Abgeordnete von Oertzen hat nicht etwa eine Erklärung seiner Partei verlesen (lebhafter Widerspruch rechts), er hat nicht gesagt, daß er im Namen seiner Partei eine Erklärung verlesen will. (Lebhafter Widerspruch, erneute große Unruhe.) Wenn Sie glauben, im Recht zu fein, so gebe ich Ihnen anheim, von dem geschäftsordnungSmäßigen Mittel der Beschwerde Gebrauch zu machen. Abg. Linck (Natl.) spricht unter fortgesetzter allseitiger Unruhe und kann sich auch im weiteren Verlaufe nicht verständlich machen. Zwischen verschiedenen Abgeordneten der Linken und der Rechten wird lebhaft verhandelt, ebenso finden Besprechungen einzelner Abgeordneter mit Dr. Paasche statt. Vizepräsident Dr. Paa sche läßt sich daS Stenogramm der Rede des Abg. von Oertzen kommen. Abg. Linck (Natl.) spricht im Sinne der Interpellation und erklärt, er wolle eine Skizze der tatsächlichen Zustände in Mecklenburg mit ihrem dunk- len Hintergründe geben. Er führt weiter aus: Es ist unglaublich, daß eine solche Herrschaft, wie sie jetzt in Mecklenburg zu finden ist. Überhaupt noch bestehen rann. Die Reick-regierung hat ein dringendes Interesse daran, daß es in Mecklenburg zu anderen Zustanden kommt, ja, sie hat die Pflicht, für andere .Zustände zu sorgen, sonst macht sie sich mitschuldig. DaS Reich ist auch staatsrechtlich befugt, hier einzugreifen. Möge daS Reich von dieser Befugnis Gebrauch machen. Freilich soll man nicht leichtfertig von Reichs wegen in einzelstaalliche Verhältnisse eingreifen. Aber ausnahmsweise Verhältnisse erfordern eine ausnahmsweise Behandlung. Die communis opinio geht dahin, daß die Verhältnisse in Mecklenburg unhaltbar sind. In Mecklenburg handelt es sich um eine Anomalie. Dort ist die Reaktion in Permanenz erklärt. Die konservativen Her- ren mögen hier den mecklenburgischen Landesherren beistehen. DaS ist doch echt konservativ. Auch das Zentrum kann hier in dieser Frage feine so oft betonte Neigung für konstitutionelle Verhältnisse betätigen. (Beifall links.) Mecklenburgischer Bundesbevollmächtigter außerordentlicher Gesandter Freiherr v. Brandenstein: Meine vorhin verlesene Erklärung wird Ihnen den Willen der mecklenburgischen Regierung ausreichend kundgelan haben, so daß ich weitere Darlegungen nicht zu machen brauche. Nur muß ich die Ausführungen des Vorredners als Uebertreibungen hinstellen. Auch der Abg. Pachnicke hat die Schulverhältnisse in Mecklenburg viel zu schwarz gemalt. Ich war früher in Preußen Verwaltungsbeamter und konnte auch dort praktische Erfahrungen sammeln. Nach meinen vergleichenden Beobachtungen kann ich aber sagen, daß die Verhältnisse bei uns nennenswert nicht anders sind, wie in gleichartigen Bundesstaaten. (Große Heiterkeit und Hört! Hört! links.) Sie würden sich darüber wundern, wie gut oft bei uns die Schulausbildung ist, nicht nur in städtischen Schulen, sondern auch in ritterschaftlichen und Do- minialschulen. Ich habe bei uns einen Stamm hervorragender ausgezeichneter Lehrer kennen gelernt, der so Tüchtiges leistet, daß ich nur wünschen kann, daß es in ganz Deutschland ebenso ist. (Lebh. Beifall rechts.) Der Abg. Pachnicke hat auch 6c- mangelt, daß der Kleingrundbesitz bei uns nicht genügend vertreten sei. Wir treiben dabei eine innere Kolonisation, die der grotzc Staat Preußen mit größtem Interesse verfolgt und nach vielen Richtungen hin beachtenswert und nachahmenswert gefunden hat. Vizepräsident Dr. Paaschc: Ich muß auf die vorige Angelegenheit mit ein paar Worten zurückkoininen. Es ist bisher immer üblich gewesen, daß Erklärungen, die namens einer Partei abgegeben werden, auch verlesen werden. Ich habe daher Herrn von Normann, der erklärt hat, daß er namens seiner Partei folgende Erklärung abzugeben habe, in keiner Weise unterbrochen. Ich habe auch Herrn von Oertzen ruhig aussprechen lassen. Aber nachher, nachdem er seine etwas längere Rede — ich habe sie nur als eine Rede aufgefaßt — zu Ende geführt hatte, habe ich wörtlich nach dem Steno, gramm gesagt: „Ich möchte aber nunmehr die Herren bitten, die der deutschen Sprache genügend mächtig sind, nicht weiter Reden zu verlesen." Ter Ausdruck war scherzhaft gemeint. Ich habe bann noch hinzugefügt: „Ich brauche diese Worte, weil sie sich in der Geschäftsordnung befinden. Es handelt sich hier aber nicht um eine Erklärung, sondern um eine Rede." Der Anfang der Rede des Abg. von Oertzen lautet: „Auch ich habe namens meiner politischen Freunde zu erklären." Dann kam große Heiterkeit infolge eines Zwischenrufs des Abg. Ledebour, wie mir gesagt wurde, und dann fuhr der Abg. von Oertzen fort: „Durch das wenige, was ich gesagt habe . . . also wir sind der Ansicht . . ." Er hat in keiner Weise gesagt: „Ich habe namens meiner Partei folgende Erklärung abzugeben." Er mag die Absicht gehabt haben, ich habe es nicht so aufgefaßt. Er hat meiner Ansicht nach eine Rede gehalten. Ich habe auch nicht etwa, um irgendwie zu monieren, gesagt: „Ich bitte die Herren, nun keine längeren Reden mehr zu verlesen." Wenn Herr von Oertzen sich durch meine Bemerkung verletzt gefühlt haben sollte, so bedauere ich das. Das war nicht meine Absicht. (Beifall rechts. Auch Abg. v. Oertzen gibt seiner Befriedigung durch einen Beifallsruf Ausdruck.). Abg. Frohmc (Soz.): Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß der Reichstag in dieser Frage kompetent ist. Die Verfassung selbst ist der beste Beweis dafür. Es muß dahin gewirkt werden, daß in allen Bundesstaaten des Deutschen Reiches die Freiheit des Volkes ge- währleistet wird, damit es sich weiter entwickeln kann. ES bedarf in Mecklenburg des Eingriffes des Reiches, damit die dort herrschen- den kulturwidrigen Zustände ein Ende finden. Der Redner führt diesen Standpunkt weiter aus. Abg. v. Treuenfels (Kons.)l weist die Vorwürfe gegen die mecklenburgische Ritterschaft zurück. Die Interpellation ist nur eingebracht worden, um den Agitations- muhlen neues Wasser zuzuführen. Sie ist ein agitatorisches Machwerk. Wir wollen eine Verfassungsänderung, aber sie muß innerhalb der Landesgrenzen vollzogen werden. Tas Reich bat damit nichts zu tun. Preußen läßt sich ja auch nicht in feine -Gelegenheiten brenn eben. Die ganze Interpellation ist nur et_n, Mätzchen, durch das die Sache keinen Zoll vorwärts oder rückwärts gebracht wird. K»rr ?a rWicM btc Besprechung. Die Inter- pellation ist erledigt. v Mittwoch 2 Uhr: Die neuen B e s itz st e u e r v o r l a g e n der Regierung. u Schluß nach 6% Uhr. zehn 3nbrc wtüoüct 3!ci!d)ptcife n> (Bitten Rfl. 76-84 Wg. Ochsen arm. 15. 0-71 /, Brotpreise in - Haa«*l de« 118J0 88.90 37 do. lltF» Mexikaner 181 irr mangelhaften .taute un vielte Den öutc tciucr r un nicht mehr auf- Zer 2üigeflagtc (Hübe gefüttert xa an Die die 95.25 86X> . 226/0 . 110.00 Kälber Schweine «.» 1M.W 13U8 158 ‘ »Al« Börse. . 180.70 . 182.40 . 242,3-' . . 153J Wj» 172t» 1»» -41JU 15IJ> Teil eine» der Zwisd engeichon Canada E B. Parmv.idter Bank . Deuuebe Bank Do rtn. und *r-Union C. Dresdner Bank . . Tendenx: le* 90.80 •JöA5 50 Rfl. Schlachtgewicht 74—77 Mk. f, Kg. Schlachtgew. V» 98 <5l. Ion nt Burca nm unolflc schiech: j ige wh ett schon wurde, in Dem rd> jroei Kenner ünö 1 ne auch an o 16 JanL Anfan^Unr» Harpener Bergwerk . . LaarahdUe . . • • lx>n-barden KB...« N«r!d Lloyd . . . . Türkenluee . . • • • (Viicficncr Straffammer. (Hießen . VtcrD war bereits zur Erde gefallen und fonnh stehen. enter Der Gäste ,nchte e» mit in stognak zu Harfen, so daß c« ndi wieder stellen konnte, will die Pferde an dem iragltdkm Tag in Der Höchste Schlachwicbpreiie in Frankfurt a. Bl. l»!.^ 1772 1186; 1*0. * haben - es habe ihm aber kein QklD mehr zur Beringung gelianDiit, N»eshalb er einen Mitarbeiter beauilragl haben will, iid) der Ziere anzunedmen: auch habe er geglaubt, sein Zicnstherr würde bald in der Wirtschaft eint reffen, uni die Ziere zu versorgen Dos Beruiungsgeridn bewertete sein Verschulden nicht io idimer wie infolge Unterernährung fdimad) waren: zum mindesten waren Meteorologische '^Zeovuchttii'gcn der Station tt»jeften. *'L*L Chinesen . . Aktie»! Bochum Gum . . Buderus E. W. . • Tendenz ruhig. Berliner Tie Marktpreise für Bieb nnd frucht und die Giestener Fleisch, nnd Brotf»reifc am 14. Juni 1909. politische Tagesschau. (fin devt^ch englischer Zwischenfall. Tine aussehenerreg.ndc -ifäre, auch nolitiirfic Folgen tei tiqen kann, wirb in Petersburg« bip.omatvdicn Nrei en aut Da:- lebhafteste erörtert. Zwischen den dortigen Bofchaflern Zeutsch lanos und Englands, dem Grafen fourtalcs und Sir Ittbur Ricolson, ist eine ernste Reibung entstanden, die in >oig ndem LorioU ihren '.-runs haben ioll. (Sin Bot'cha, srat brr .ng!' chen <8ctiefNi|t tat in einem privaten (Gespräch einige DcfpetticrlidK Aeusterungen über Die deutsche Politik Zer zufällig in Derselben Gefell schau amuc'enbe bayerische rndte ölrar Mon machte oem deutschen Botschafter von den Worten des englischen Ztplomalen Mitteilung Graf PourtaleS erstattete darüber offiziellen Be richt nach '-Berlin und Das deut'che .luewärnqe Amt liest in Vnndon gegen das Verhalten des Botschaftsrates Vorstellung erheben. Zer Botschaftsrat wurde aus Petersburg abberufen, erhielt aber eine emflustreiche und hervorragende Stellung in der verwnlichen Um gebung König Eduards. 3n der nächsten Zeit schon ioll der io gemastregelte Zwlomat wieder auf seinen Posten nach Petersburg Ui rüd fr breit und es ist zu besorgen, dast die flftärc mfolgebeiien wieder auf lebt und noch peinliche Situationen herbeiführt. Wenn sich diese Meldung bewahrheitet, dann erscheint die ,,Zeutschfreund- ilchkett" des englischen Hofes doch in einem recht eigentümlichen _ Ibbunfd wu ersuchte ibn böslich die Vorhänge cbiunetairn aber iefcte nur ernste Miene auf und sagte fp; Berantwortlich i. V.. für ('öerichtssaal E. Änomo«. für Stadt und Land: Karl Peurath. ____ 8‘ ,•/, Beichsanleihn. do. 3Vee/e Konsole • . HeM-n . . • • • 3l/,eL Oberhe***n . • . <•', Oceterr. Goldrente . . 4*/.*/. Oesterr Silberrente. ♦•/, Unrar. Goldrente . . <•, Italien. Rente . . . 8’/. Portugiesen Serie I . 3*1, Portaziesen . III . 1' //, raas. Steatsanl. UNÖ 41,,* , japan. Staataanleibe 4*/, Con ».Türken von 1903 ■ 41. Griech Monopol-AnL . 4*, i'i«3ere Argentinier . boruvnial in zwei Zeile geschult: >uiamnu:Lic'C6tc Mannscha t De? Ei nm er Futzballklub vn i ) s*port u st ball Vorgang rn _ lange ich denken Jcnn, wir ,a Vur^au'enstern 3d) kann also Elehtrii. Lahtneyar . . > Klektri*. Schock art . • Kachweiler Bergwerk . . Gehen kirebeo Bergwerk Hambarjr - Amerik Pak ad. Harpener Bergwerk. . . I,aarah(!tte . • • Nordd Lloyd ... Obefiehlee- Ewen-Indaatrie Berliner Handehceo. . . Dannatldter Bank . . . Deute-be Bank ... . Deiteeh-Arial Baak . . Dhkonte-Kommandu . . Dresdner Baak . . . • Krediuktieu . . . . Baltimore- und Ohle- K Im obahn . . . • Gottherdbahn . . . • Lombard. EieenUkn. . • nerterr. Staatebahi . . . Prinee • Henri - Eijeabahi « 7n- von ör Roch Deute zeigt eines Der Lo, ^eibbvoi X Ma. 6»*, x t;. Schioarzdrot 2 Mg.b* ■ ficcr und Flotte. Das Marine^DerordnungSblatt veröffentlicht eine Allerböchste Crbre, nach welcher dir Schulschiffe „Uloir* und „Charlotte" au-j den Listen der Mrieqssdnffc gestrichen werden. sre iiidit geeignet, einen solchen Transport auszuführen, zioar ein Versdmlden des Angeklagten vorlag. Die Sache aber ganz anderes Bild ergab als am Schöffengericht, wurde s? a int rate m eine OJeiDiirafc von 10 Mark umgew ndrlt und Berufung Dc4 Jlngeflagten im übrigen zurückgenneien. Beleidigung. Zer Schlosser Maip. X. iu Tre - * a f» ÜDa bat Den Schloita trrbr. W in Mainzlar wegen Bel- iDignng verklagt, weil er ihm nachgesaat batte, er bebe dert Betriebsleiter Der fravrik m Mainzlar, in bei beide arbeiten, einen Halunken, iHauner imd Stnybuoen genannt .'Us s)l. von Dem Betriebsleiter über Die '.leugerung gebürt wurde, beitritt er diese und bemerkte, ö. habe gelogen und wenn er dieses beichwöre, leiste er einen Meineid W. Heide der Beleidigung für überführt, es komven'iette aber und lies; beide straffrei ausjtehen Infolge Berufung entsdned die Strailamnier dahin, dast beiden Parteien der Sdnty des 8 193 zur Seite Hebe und sic freigesprochen werden müssen, da V Dem Betriebsleiter die Angaben unter vier Äugen gemacht bat und N. seine ileufertangen fallen liest, als er zur Rede gestellt wurde und sich verteidigte das Der :Äut De Rodan gegenüberUegr, seine nackten verdan Scheiben Nnd wenn einmal etn Beimter em Vartitrlor kübnen Marcel Provost, Bordänae verlangt, weil ihn ? Sonne blendet, antwortet man ibm unwirsch-: „Unmöglich, verr' Än diriem Fenster sind iuxb Niemals Vorhänge anr- Telefonische Kursberichte Giessener Inielgers, mitpeteilt von der Bank flr and Indeetrle, Gleesen. Frankfurter Börse, 16. Juni. 1.16 Ihr Bei Woflcnlatarrbee brr i^rronfhieneM biuu verdauliche >at»iiii:g , ege den werden >vel«de dem «orver au Dem ican viele *-abi*iD-*t iiHübtt. Als »olchc ^iabren# tn - ur,, \u eui,"edlen, oa dnsespncht Dann weiter Die anderen Stein i vorlagen und weist bezuglid) der Redusunjicher - beit auf Dem Gebiete Des Spielautomatcnwesens Darauf hm, Dast Den Gastivirten nur DringcnD ju raten sei. Die Spielautomaten zu entfernen. Wegen die A n i m i c r kn c i p c n wurde aud) im letzten Geschästsiahie der Mnmpi weilergeführt. * Zie Aussichten auf AbauDerung Der BundeSratSVerordnung von 1902, belr. Die Ruhezeit der (^astivirtsgchilfcn, haben fid) leider nicht gebessert. In Der Tr in kgel de r f r a g c steht Der Verband nad) wie vor auf dein Standpunkt, dast nwbl iiicmaiiD imstande sein werde, dir Trinkgelder abzusdiaffeii. 3m Kampfe gegen die Genossenschaft Deutscher Zonsetzer wurde eine endgültige gendulichc Ent|d)Cidung noch nicht erzielt. Auf Seiten bet Abstinenzler sind netinenswerte Erfolge im GefdiästSiahre nidn ;n verzeichnen. Zer Heilsarmee, Der besten Verbündeten Der Abstinenzbewegung, wurde entgegen getreten, indem ihr auf Anregung des Verbandes das Betreten der Wastlokalc zwi-cks Verkaufs lx^s „KriegSrufes" verboten wurde. — Sodaim erstattete B r a u n iBerlin- den Kassenbericht. Danach sdstiestt Die Verbandskasse in Entnahme und Ausgabe mit 68602 Mark ab. Dao Vermögen des Verbandes beträgt 696 700 Mark und ist bei der Reichs bank deponiert. — Zur Frage Der Gründung einer Altersrenten nasse beschlost Die Versammlung, lediglich Dic bisherige UntcrftüÄungSfasse weiter aitszubaucn. Es folgten Beratungen über LtatutenanDeningeii. Als Ort der nadiiteu Tagung wurde bereits heute Danzig gewählt, für 1911 ist Braunschweig in Aussicht genommen. vunde^Tiirnsahri. ? ü a u f e n , 14. Juni. Trotz der ungünfljacn Witterung beherbergte nnjer Törtchen am Sonntag viele Walte, die fid) zur Feier dc4 4. Bundes T u i n s e ft e s be» 2abn-Zimsberg-Tnrnerbiinde4 versammelt hatten. Unser äusterst rühriger Turnoerein hatte alles aufs beste vorbereitet, bi« auf da« Festweltei. Zer unaufhörliche Rogen beeinträchtigte die Ucbimgen fehl. Um IS Uhr eröffnete Turnwa.i Schmidt- VaunCbad) die Kanipsrichtersitzung und stellte fest, dast 113 Wetniinei gemeldet traten. 2 öhr - Taubringen wurde als EhrenpieiSturnci zugelassen. Aachdem der Festzug auf dem 3est- plan angclangt >var, begrünte Bundesoointzender Zaubert- Wieseck die Erschienenen. In dem Wbach je »Yi, 20. Wilh. Ott-Rui ter s bauien. Ludw. :HcinbarDt-'2lllenDou k 2ö, 21. Aua. Pfeiffer-^aunsbach, <Äust. WeUcr-Wlstinai ic 24, 22. Heinrich ElooL-Grvsteii-Buseck, Sudw "^rote-Dollar, Wilh. T>etz- Mamzlar, Ludw. Schlund "'auieii, Karl Pelton Wmieudom je23' .. 23. Vuöiu. Pfeiffer-Hauusbach 23 Bunkte ,7uv da. ^ahr lutü bat sich der Turnverein Oden Haufen um das BundeÄte't be- woiben. Neuster d's Louvre, das durch D*t Zecke eine vermischtes. • Zer Vorhann Bevor er ’.vmanDiditct wurde, war Marcel Vr4vost. das rüngnr Mitglied der „Academie ,'vrfin- Caije' , als Ingenieur tra srinan-mminerium beschönigt Vir ;>atte Daiu.izs, io erzählte er jüngst einem Journal nun. ein Bureoii, das nad) Der Rm De Rivoli, g.genüber Der Ruc De Rohan hinaus ging. Za? ernrig Fenster Arbeit?umuiert n>c: Der obere Lingesandt. irrür ttorm und Inhalt aller unter Dieser Rubrik stehenden Irr*, übernimmt Die Redainon Dem Publikum gegenüber fneerir. Verantwortung. nriebberg, 14. Ium (^ui eiqculuinlime-) lierbauri se-.g: unfer jetziger ReichStaaSabgeordueler Bra< C r I o l a zu Sfibeabci". Sonst ivor eS üblich, wenn schwierige politische fragen den tag besck'äitigten, dast die 2lbgeordneten sich mit den Wählern ,nr» Wahlkreises versamincllen, um über Die verstossene Sitzungiperio«-« Bericht zu erstatten, bezw. Die Ansicht ihrer Säbln über bie chw-benden Vorlagen zu hören. Bet der eminent wichtigen Vo:- lag>e, ,vie e: Die »ttnanzooilage ist, bat es Der Herr S^raf nicht ein mol nir notig gefunden, lein klerikal koufeivatio-agrarrfles Her, vor seinen Sählern anszuschütlen, höchstens daß er 'ich einmal im engsten fireife einiger Wetterauer Bstiidler au-gesprochen bat. Ve Der im Irühjahr stattgehabten Versammlung des 'Jlationtilhbeiden Vereins von ganz Heften in ©ifmbetg ivar auch Der peri täte als uattonoUiberaleä Mitglied Der Partei ringelnde- i* hatte ieDod) nicht Den Blut gehabt, dort zu eifchenie* rrp. r. traute sich nicht, feine kleiikal-koufecvatwe dlnfchauung in d«. natlonalliberalen Versaminlimg zu vertreten. tu einer iaru • oeifaimnlung, deren TlitglieD cv ist. Und Dieser Tlaun net k Mandat, trotz gegenteiliger Ansicht von HO Prozent ferner L'ählrr. aus, im 3abre Des Heils 1909. Tast er alles, nur nicht nat ^ir.’- liberal ist, wustten die niciften Wähler fchon lange, das; er abec D;e Kühnheit besitzen würde, ostelbische Politik im Herzen De« landes zu treiben, mit anderen Worten, dast er Dem weiimik gretzten Teil feiner Wähler ihre Rechte verliimmem Hilst, Da« barme erwartet. Wenn wir un« noch der süstlichen 'Worte De* veu.i (Braten au« der Wahlzeit erinnern, wo er i ganzer Kraft die Rechte meiner Wähler zu ivahren ivlfte". 'ch utiD* mit aller Macht dahin wirken, Die Vebcn wir von ihm zu halten haben. Jft da. 3tue Tlittel!tan«ipeüiif. Herr o\raf, ivelche Sie bei der letzten Wahlperiok' ufrfrr.utv unter,tützeii zu wolle:-. ? Wir niten Dem Herrn SratleiDerHändler einen 'änuig zu erichwindeln Bei einem Kaufmann verlangte et 500 Stück Zigarren, die er an geblich für einen ReifenDen abholen sollte und einem Metzger- meister schwindelte er 20 Pfund Jyftt ab. Das er nach seinen Angaben entern Friedberger Metzger bringen sollte. Zn einet (Härt nerci suchte er iid) eine Anzahl üränzc aus, rnd.mr er unwahret weife angab, seine Mutter sei in Atiedberg gestorbene er liest aut Sdsteifen Widmungen Drucken unD ver,uchtc eine Todesanzeige aufiugelcn Bei Der kürzlich stattgehabten Verhandlung sriegen dem (Bericht Bedenken an Der Zutechnunysfähigkeit des wegen Betrugs unter Anklage gestellten B. auf, weshalb beschlossen wurde, Den Angeklagten Durch einen SachverÜänDigen begutachten zu lassen Zicier stellte fest, Dast Der 28 jährige Angeklagte, der wegen aller erdenklichen Straftaten insgesamt etwa >0 Monate Gefängnis verbüht bat, schon von Jugend auf sch) und Dast sein grilliger Zustand zuneit auch ntd'l m einer solchen Verfassung ist, dast der Angeklagte für seine Handlungen fttai rcrf)t(id) verantwortlich gemacht werden könnte. Sein Geiilcs zuftand wurde als franfbaft im Sinne des Gesetzes bezeichnet und icinc freie Willensbcstimmung bei Bcgeliung Der Strastaten^must.e für ausgeschlossen erachtet werden. Es mutzte deshalb Frei s p r e ch u n g erfolgen. Diebstahl. Der vielfach wegen Ziebstahls vorbestrafte Schmiedegesekle 3ol). ("Vrb. Ml. aus Lemgo Lippe Tctmolb) hat zu Romrod, wo er bedienstet war, zwei Enten, die für den Besitzer einen Wen von 60Mk. repräsentierten, totgeworfen tmD sie dann für 1 Mk. an die Haushälterin Elise Lenz in tKomroD verkauft. Ersterer wurde wegen Rückfallsdiebstahls unD letztere wegen Hehlerei unter Anklage gestellt. Während M. geständig war, leugnete Die i.’., von dem unredlichen Erwerb Kenntnis gehabt erhaben, trotzdnn M. behauptete, er habe sie über die Herkunft der Ziere aufgeklärt. Za schon wegen des geringen ÄanfvreiseS angenommen werden mutzte, dast der Angeklagten Der (vedanke habe kommen müssen, die Tiere konnten auf unredliche Art erworben worden sein, inustte Venirteilung erfolgen. St. wurde zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt, während Die L. mit ö Zagen durchkam. Freigesprochen mangels BeweiieS wurde Der hier wohnhafte Zaglöhner Äch. H. aus Saasen von der Antlage Des SittlichkeitSverbrediens. Seine 7rrau und feine Tochter hatten ihn unter verdächtigen Umständen bei ein jährigen Mädchen gesehen Im Borverfahr belasteten ihn feine Angehörigen wie auch da-? Kind in hohem aß )n Handlung war das (tierid)t aber auf Dic alleinige Aussage de- üindes angewiesen, da die Angchonaen des Angeklagten von dem ung Gebrauch machten Tu- Aus sagen Des .stindes waren nicht geeignet, ein verurteilendes Er tirnntius darau' zu bauen, weshalb zugunsten des Angeklagten eittf chic den wurde. Wegen Tierquälerei hatte das Schöffengericht Vilbel den Arbeiter Gg. ^rbr. G in Frankfurt a. M. zu einer Haftstrafe von 14 lagen verurteilt und ihn gleichzeitig meqcn Ihbertretung in eine Geldstrafe von Mark genommen, weil er übernad)t einen Wagen unbeleuchtet auf offener Straße hatte stehen lassen. Infolge jemcc Berufung wurde festgestellt, daß er tnm Frankfurt einen Möbeltransport nach Friedberg ->>i bewerkstelligen hatte Er bat:,- zwei alt | ii, schlecht genährt waren Fn Mlot nenn konnte er nicht mehr weiter fonnnen, weshalb er die Vn-rde absvannte Er stellte sie unabgeschirrt in einen Stall und fuhr nach Frankfurt zurüd. Zie Pferde waren wohl vor 2dMväd)t zugrunde gegangen, w, in- «ich nicht einige in der fraglichen - ichatt befindliche Gäste ihrer an' nomm (Retreibepreife in Mannheim Weizen 100 ttg. 27^3-0.000 Mk. Rogaen 100 Rg. 19^0-19.75 Mk. geht nicht, Herr Prevost, an diesem sehen, und irti bekäme einen Rüticl " ..3ilikoot"d herunter unD legte sie in einen Aftenidnanr Scic dies«. Die für einen Staatsbeamten geradezu unerhört :oor. • r.? n 1 w — •• •• Juni v ~ — — — e ** * ** so.i S = V -5 1 •C 1909 3 UQ »dUl> inv U X «c - Lerswcg zwischen Goethestraße und Wottengassc von heute cm bis aus weiteres für jeglichen Fuhr- und Radfahr- verkehr gesperrt. Gießen, den 15. Juwi 1909. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Reinhart. Danksagung. Für die warm empfundene herzliche Anteilnahme an dem uns nochmals getroffenen schweren Verluste, ■ sowie für die zahlreichen Blumenspenden sagen wir unseren innigsten Dank. Kaehruf. Am 10. Juni 1909 verschied in Neuhof bei Fulda unser liebes Mitglied Hans Käufer aus Er war uns stets ein lieber Kollege, eifrig und pflichtgetren in seinem Berufe, dessen Opfer er geworden ist. Möge ihm die Erde leicht werden ! Die Vereinigung Giessener Klinizisten. Verbessertes im Gebrauch billigstes Seifenpulver. Erleichtert bedeutend das Waschen und ist ohne Zusatz von Seife und Soda zu gebrauchen. UeberaU erhältlich. Paket 25 Pfg. Alleinige Fabrikanten.- HeaKel & Co., Düsseldorf. Vergebung von Bamrbeiten. 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Freie Wahl unter den Bewerbern bleibt vorbehalten. Gießen, den 8. Juni 1909. E-o, Der Großh. Kreisbauinspektor des Kreises Gießen. I. B.: Kalbfleisch. Dixin Fnßschweiß Wolf, tomi^c ^•ükc. Creme „Medetur“, Schacht. 4u Pfg., bat sich tausendfach bewährt. Allein echt- (2954 Pelikan-Apotheke, Krcuzvlatz 2. Datnenkoffer: Ausntbraug. Itmfl hoch W£_ Vrima VcmenbcAUfl, 4 Bügel, 2 80cm 53cm SB cm S7- prima Mcfftngfchlöffer, starke 85 , 54 , 54 r 25- Lederarrnc u. Memngeckon, be- 90 , 55 „ 55 „ 28.- fvanntem Einsatz und ,Vachbrett. 95 , 56 „ 56 „ 30.— Herrenkoffer 80cm lg. 40 cm hch. ä5cmbr. Mk.2L— m gleicöet Aus- 85 „ 41 , 55 „ „ 24.- nihrunq 90 „ 4Q „ 55 _ 26,— Vnfcrtllmng aller Aeiscartikcl in bekannt solider Ausführung in eigener Werkitätte unter weitgehend Her Garaune für absolute Haltbarkeit. 3465 'Kllfl flilbinorr für Reiscarttkel aller sirt, ^elterkweg 79, Telephon 276. 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