Die heutige Nummer umfatzt 10 Seiten. werden, wenn Bosnien und die Herzegowina volle oder wenigstens halbe Souveränität unter der Kontrolle Europas erhielten. Die rechtliche Grenze zwischen Oesterreich-ilngarn und dem Balkan müssen die Save und die Donau bleiben. Wenn Oesterreich-Ungarn seine Mission, eine Verbindung des germanischen Volles mit den romanischen und slavischen Völkern herzustellen erfüllt habe, so könnten die Batkan- taaten sich um dasselbe scharen, nicht aber, wenn es Gewalt anwenden wolle. Der Minister hat schließlich der Slupsch- tina, da in der Entwickelung der internationalen Lage ver- chiedene Momente eintreten könnten, in welchen die serbische Negierung volle Handlungsfreiheit haben müsse, ihr das Vertrauen auszusprechen. (Wiederholter stürmischer Beifall Händeklatschen bei den Jungradikalen und Fortschrittlern und ostentatives Schweigen bei den Altradikalen.) ipoUtitzehs £agc$‘id?aue Serbien und Oesterreich-Ungar». Serbien hat seine kriegerischen Absichten offenbar noch keineswegs begraben. In der serbischen Slupschtina erklärte der M i n i ft e r des A e u ß e r n, M i l o w a n o w i t s ch, in Erwiderung auf die Ausführungen mehrerer Redner, die Rechte des Serbenvolkes seien durch die Annexion Bosniens 'unb der Herzegowina schwer verletzt. Dank dem Patriotismus von Montenegros Fürsten und Voll sei in dieser Frage ein serbisch-montenegrinisches Einvernehmen zu stände gekommen. Die Bestellung Oesterreich-Ungarns als Wächter gegen die Eroberungsgelüste Rußlands auf der Balkanhalbinsel, bis die Lage auf dem Balkan sich befestigt haben würde, zeige, daß die Mission Oesterreich-Ungarns provisorisch war. Sie sei nunmehr beendigt, da die Bürgschaft für die Unabhängigkeit der Battanstaaten g:sa,a,sen und es vollkommen klar sei, daß Rußland aus dem Balkan keine aggressiveit Absichten verfolge. Jetzt müsse gegen Oesterreich-Ungarn das Gleichgewicht verteidigt und ihm der Weg zürn Aegäischen Meer versperrt werden; Oesterreich-Ungarn müsse aus hören, ein Galtanstaat zu sein. Eine Besserung der durch den Ber- lürer Vertrag geschaffenen Verhältnisse könne nur erzielt parlanwntanfd?c* aus Hejjctt. Anträge. Vvm Zentrum liegen loigaibe Anträge vor: Abgabe von Laub aus den fiskalischen Waldungen: Die Negurung möge Anordnungen Irenen, daß das in den fiskalisd)en Waldungen sich ergebende Laub, so weil es jüi die ücmusebamreibcnde Bevölkerung nouoerwrg ist, an sie gegen billige Vergütung abgegeben wird. Die Fürsorge kür W a n d e r a r m e soll aus folgender Grundlage gesetzlich geregelt werden: 1. Die Fürsorge^ erstreckt stch aus die, die den Bedingungen zur Gewährung der Siations- Verpflegung entspreck>c'n (mit Wunderschein vascheue Wanoeiarrne) und aus die, die die erforderliche ßegitinuitlon nicht beibringen können (obdachlose Wegpflege). 2. Keine Verpflegung darf ohne entsprechend« Arbeitsleistung gewährt werden Zu diesem Zweck ist die ErrichMng von Wandecarbeitsstälten hcrbeizuführen. Es ist dahin zu wirken, daß die Obdachivsen angerviesen werden, durch entsprechende Arbeitsleistung an beit Kreis der zur Herbergs- verpilegungs-Berechtigten cinzutreten. 3. Alle Fürsorgemaßregeln müssest dahin gerichtet sein, die noch arbeitsfähigen Wandcrarmcn ntöglichst rasch wieder einer geregelten Tätigkeit zuzuführen. Deshalb ist durch engen Anschluß an die Arbeitsnachwcisanstaltcn dafür zu sorgen, daß allen Arbeitswilligen möglichst passende Arbeit vermittelt wird. Anderseits ist jede Art Arbeitsscheue oder Land- streicherei durch geeignete Zwangsmittel energnch zu bekümpjen. 4. Alle entstehenden Kosten werden durch den Staat und die größeren Kommunalverbände (Provinz, Kreis) getragen. Di? V e r s i ch e r u n g der D i e n st b o t e n g e g e n Krankheit soll durä) Gesetz für das Großher^gtUm einheitlich geicgeli roerbeit . . Maßnahmen gegen die Arheitslostgkert. Zur Bekämpfung der gegenwärtigen Arbeitslosigkeit möge die Regio rung von der Kammer ersucht werden: 1. Die zur Ausführung vorgesehenen Aroeitcn schleunigst in Angriff nehmen zu lassen und, soweit erforderlich, durch Rotstandsarbetten Arbeilsgeleaen- heit zu schaffen. 2. die Kreisämter anzuweisen, ihren Bedarf an Stratzeitdeamaterial durch Einrichtung von Steinkwpfbuden und Beschüftiguna von Arbeitslosen zu decken; 3. bei staatlichen Arbeiten in erster Linie inländische Arbeiter zu beschäftigen; 4. bei allen staatlimen Unternehmungen und Arveitsoergebungen nach Möglichkeit die am Ort des Unternehmens ansässigen Geschäftsleute zu berücksichtigen. Falls ausivärtige Unternehmer zugezogen werden, diesen zur Aufgaoe au machen, daß sie möglichst die am Ort des Unternehmens ansässigen Arbeiter bei duftigen. _ Die Errichtung eines Güteransd)lußglei,es von Gonsenheim na d) Finthen soll dte Regierung durch Verhandlungen mit dem preußischen Eisenbahnminister erstreben. Au gleiche Art soll auch die Errichtung einer Personen-- und Güter- Haltestelle bei Kostheim eräugt werden. Wegen Erbauung einer festen Rheinbrücke zwisd«n Bingen und RüdeS he im sollen Verhandlungen mit der preußischen Regierung eingeleitet werden. , Das Ueberfahren der Station Bingen durch einzelne Schnellzüge, insbes. Zug 112, soll beseitigt werden durch Verhandlungen mit dem preußischen Eisenbahnminisbertum. cWcgen Der Station Mainz—Kastel wird ein ähnlicher Antrag gestellt.) Die Witwen-unoWaijenveriorgungderVolks- s ch u l l e h r e r gesetzlich neu zu regeln, wird durch einen weiterem Antrag erstrebt. m t Beförderung von Obst. Durch Verhandlungen mit dem preußischen Eisenbahnminister soll versucht werden, zwecks Hebung des beutfdjen Obstbaues für einheimisches Obst möglick)sl niedrige Bahnfrachtlarife zu bekommen. Wegen der G e m e i n d e st e u e r - E n t s ch ä d t g u n g für dte hessischen Beamten der Eisenbahngemeinschast stellt das Zentrum einen ähnlichen lAntrag rote die National- liberalen. . „ ,, t ProportivnalwahlderfabrenundWahl pflicht. In der neuen Wahlrechtsvorlage soll die Regierung das Pro- portionalwahlversahren für das mrnze Land und die Wahlpflicht ovrschen. Für den Fall, daß die Kammer diesem allgemeinen Ersuchen nickst zu stimmt, soll das Pvoportivnalwahl verfahren wenigstens für die Städte Mains, Darmstadt, Offenbach, Worms und Gießen mit ihrer Umgebung eingeführt werde«. Anfragen. Folgende Anfragen sind ul» iu»t vo« den Nationalliberalen Vergrößerung des Ftdetkommtßgutes des Fürsten Isenburg-Büdingen. Zwischen dem Fürsten Isenburg-Büdingen unb den Einwolmern von Büdingen, sowie den umliegenden Gemeinden siltd Streitigkeiten wegen Vergrößerung des Fideikommißgutrs ausgeorochen. Hat die Regierung zur Schlichtung der Streitigkeiten bereits Schritte getan und ist sie bereit, Auskunft zu geben, welchen Erfolg die,e Schritte ^Verhältnisse der Gemeinde Ober-Sensbach: Sind der Negierung die Verhältnisse bekannt, die zu großen Disscrenzen Mischen der Forstverwaltung und der Gemeinoe- Vertretung und den Gemeinde-Angehörigen in Ober-Sensvach geführt haben, und welche Mittel hat die Regierung zur Ausgleichung dieser Streitigkeiten getroffen? , Wohnsitz der O s ftziere des tu Matnz-Kaste l neu zu formierenden Pionierbataillons Ist es richtig, daß den Offizieren des in Mainz-Kaftel neu zu for° nuei-enben Pionierbataillons gestattet woroen ist, ihre Wohnung ui Biebrich zu nehmen? Wlll die Regierung nicht durch geeignete Vertändlungen mit dem Generalkommando des 18. Armeekorps ober dem Kriegsministerium diese durch nichts zu reckst fertigende Schädigung der olabt Ätainz-Kusiet aozuwenven suchen? (Eine gleiche' Anfrage hat das Zentrum euigcbradjt.) Gas- und LlLttrizitätssteuLr. Bei der starkenOppo- Das Zentrum fragt an: Veruntreuungen des srüherenNotarS Link aus Dieburg. Was gedenkt die Regierung zu tun, um die durch Die Veruntreuungen des Notars Link aus Dieburg GeschaöigiLN, so weit sie unterstützungsbedürftig sind, zu unterstützen und vor gänzlicher Verarmung zu bewahren? (Eine ähnliche Anfrage liegt von den Sozialdemokraten vor.) E r r i ch t u n g einer Haltestelle Weisenau an der Bahn Mainz—Worms. Auf dem verflossenen Landtag ist von Der Kammer an die Regierung das Ersud)en gerichtet worben, bei dec Eiscnbahndirektion Macnz dahin wirken zu wollen, daß in Weisenau eine Haltestelle für Personenverkehr, soivie Einrichtung der Eilgutbesurderung für Stückgüter errichtet werde. Wie weit sind die Verhandluirgen hierüber gediehen? Einreihung von Mombach in die Secvisklasse B. (dringlich): Ist es der Regierung bekannt, daß der Stadtteil Plomback) dec Stadt Mainz entgegen der seitherigen Hebung in Die Servis klasse D gesetzt werden soll, mährend NiaiitA im übrigen ui der Servtsklasse B steht? Was gedenkt die Regierung zu mu, um diese sdstvere Sdjäbigung der ötabt Mainz und der iS -Nombach stationierenden Beauiten zu verhüten? Bon den Sozialdemokraten liegen folgende Anfragen Dur: Eingriff der Eisenbahmdirektion Mainz in das freieSelbst- b e st i m m u n g s r e ch t ihrer BeamtenundBediensteten. Ist es dec Regierung bekannt, daß die Eisenbahnoicektion Mainz ihre Bediensteten veranlaßt, aus ücc in Mainz ueftehenixn Spar-, Nousum- und Produktions-Gcnossensd-aft auszutceten? Was ge- dr-nkt die Regierung gegen den ungesetzlichen Eingriff der Eisen- vuhnoerwalcung in das freie Selbstoestimmuugscecht der Be- biensteten und Arbeiter zu tun? Bau einer Bahn von Gustavsburg nach Goddelau. Ist die Regierung geneigt, Auskunft darüber zu geben, ivie weil die Voraroeiten für den Bau einer Bahn von Gustavs- bürg über Ginsheim, Trebur, Geinsheim nach Goddelau gv- öiehen sind? Einsprüche gegen Wahlmänuerwahlen. Mahlmäune rwa h i in o m u aa). (R rheinhessischer Wahlbezirk.) Hermann Wolff protestiert gegen die Gültigkeit bet Wahl Der 12 Wahlmänner in Dtombach mit folge über Be- gcüitbung: Die erste Partei (das Zentrum. Red.) erhielt einmal 417, neunmal 416, einmal 415 und einmal 414 Stimmen, die greife Partei (die Sozialdemvtraten) sechsmal 414, fünfmal 413 uni) einmal 412 Stimmen. Die Stimmzettel der ersten Partei waren so dünn, daß die aufgeoruckten Namen vollständig durchsichtig waren. Ein Wähler wurde zurückgewiesen, weil auf seines Namen bereits gewählt sei. Eine halbe Stunde später wurde er wlebet zur Wahl gerufen. Ein Wähler hat an ber Wahl teil- genommen, alpte daß er vorher 3 Jabre in Hessen wvhnie, sechs haben gewählr, tcotzvem sie nicht die hessische Staatsangehörigkeit besitzen und ein weiterer Wähler hat das Wahlreckst ausgeübt, twtzdem er seit dem 12. Mai 1908 nicht mehr in Dtombachl wohnt und dort polizeilich abgemeldet ist. Wahlmännerwahl in Wtxhauseu undSchnep- oenhausen (13. starkenourgischer Wahlbezirk. Vorstellung voS Philipp Heusel II. in Wixhausen und des Zvhs. Zimmermann in Schneppenhausen gegen Die dortigen Walpmumnerwahlen. In Schneppenhausen wurde die Wahl des Philipp Schmidt VI. zum Wahlmann durch den Wahlkommissär für ungültig erklärt, weil er nicht in dem Verzeichnis der zum Wahlmann wählbaren Personen ausgesuhrt sei. Einer Anzahl Wählern gegenüber, die die Listen w..l)reno der Ofsenlegungszöit einsahen, hat der Bürgermeister bestimntt erklärt, daß d^r Gewählte in dem Verzeichnis stelle. Der Bürgermeister scheint entioeber die Wähler im lln-> kmren gelassen zu haben oder die Behaitptung mehrerer Wähler ist richtig, daß der Gewäblte unter einem anderen (falschen) Beizeichen in dem Verzeichnis der Wählbaren aufgesuhrt ist. Nach seiner Steuerleist ing ist PH. Schmidt VI. als Wahlmann wählbar und es ist durchaus nidti. vorgesä>rieben, daß der gewählte Wahlmann im auigdieuten Verzeichnis ber Wäl)lbaren stehen muß. In Wixhausen betrug die Majorität der gewählten Wahl- männer nur 6 bezw. 4 Stimmen. An der Wahl haben 4 Wähler tetlgenommen, die die hessische Staatsangehörigkeit nicht besitze^. Dorstellunge» der Gefangenen Wärter der Haftlokale, betreffend Besserung der Gehalts- und P e n s io n s v er h ä l t n i) s e. Ihr Gehalt beträgt zur Zeit 1000 Mk. bei freier Heizung und> Beleuchtung, der in 12 Jahren erreichte Höchstgehalt 1200 Mk. Unter yimuciS auf ihren anstrengenden und verantwortungsvollen Dienst bitten die Gesuchsteller hinfichtlid) ihrer Gehalts- und Penfionsverl)älMisse um Gleichsteltung mit den Gefangenenwar- tem an den größeren Strafanstalten (deren pensionsfähiges Höchstgehalt 500 Mk. höher ist). Vorstellung des Deut sch nationalen Handlungsgehilfen verbau des, Ortsgruppe Gießen, betr. die Verordnung über das Verhangen ber Schaufenster an den Sonn- unb Feiertagen. In der mit aussührlid)er Begründung versehipien Vorschrift wird gebeten, dem Ersuck-en der hefsisd)en Detaitlistenvereine um Aufhebung des Artikels 227 des heftischen Pvlizeistrafgefetzes, nad} ban an Sonn- und Feiertages Die S-dyaufenfter während bestimmter Stunden verhängt (em müssen, keine Fürsprache angedeihen zu lassen. VerleihungDerZivllstaatsdienerqualttat und Einreftmng in eine entsprechende Beamtenkategorie (Kategorie der technischen Lehrer an höheren Sästilen) erstreoen in einer Vorstellung die Lehrer an der Gewerbeschule in Worms. Die deutsche Tnrnerschast, der Zentralausschuß zur Förderung der und J.igendspiele in Deutschland unb ber Deutsdie Ä,urnlehrer-Vi'rein erstreben in einer Vorstellung unter Beifügung einer Denlschrisi uno eines Aufrn,rs, in dem bie Notwendigkeit einer geregelten Körperpflege für die Jugend des Volkes im 14.—18. Lebensjahr in Aw- lehnung au die allgemeine Fortbildungsschule bargetan wird, eine staatliche Fbrderurig dieser Bestrebungen. Vor allem wird in Der VorstCtMng Wert darauf gelegt, daß alboalb bei den be- steheriden Fortuildungssd-ulen ein praktischer Anfang mit der Ein- sührung geregelter Körperübungen genwcht werde. Diese ließe ]iü) am ursten unb einfaaisten baourd) sördern, daß den Genteiitben bie Einfüyrung warnt empfohlen uitb grundsätzlich die Bereit- wüligkeü ausgesprochen würbe, ihnen die bisher zu ben iCoftew Der Fortbilbungsschule.t staatlich gewährten Zujck)üsse auch für Die Kosten der Mufühcung d.. Turnens uno spielens zu bewilligen. Die körperliche uno sittliche Ertüchtigung der schul* ent la || enen Jugend bildet eine der notwendigsten Fürsorgeau^ gaben der ,Gegenwart. Sie kann aber .mit AuSjW auf Erhole Einr Novelle zum Strafgesetzbuch. Durch bie Presse ging kürzlich die Rieldung, daß dem Bundesräte demnächjt eine Novelle zum Strafgesetzbuch vor- gelegt werden soll. Diese Meldung wird nun in der.Köln Zig,- bestätigt. Damit findet em Verlangen, das in der Presse unb im Reichstage oft genug ausgesprochen worden tsi, feine Erfüllung. Es hatte sich nämlich schon längst als notwendig herausgestellt, gegen einzelne, besonders schwer- wiegend« Niängel deS Strafgesetzbuches noch vor feinet allgemeinen Revision, die naturgemäß längere Zeit in An- spruch nimmt, Abhilfe zu schaffen. Der erite Entwurf des zu künftig en deutschen Strafgesetzbuches soll allerdings, wie mau hofft, noch m diesem Sommer fertig werden, aber 'bis dieser oder ein verbesserter Entwurf Gesetz wird, kann immerhin noch geraume Zeit vergehen; es ist also unter alle« Umständen freudig zu begrüßen, daß die Wohltaten eines derbefferten Strafgesetzbuches so weit wie irgend möglich schon früher üürlfain werden sollen. Wie die ^Lölntsche Ztg." erfährt, geht das allgemeine Bestreben der jetzt in Betracht Ivmrnenden 9tovelle daraus cms, eine Ditlderung des „ziveifellos stellenweise vorhandenen plutokratischcn Lharakters unseres Strasgcsetzbucksts zu veranlassen, so beim sogen, kleinen Diebstahl, eine Ber- schärfung der Strafe» bei einzelnen, bisher hinter den Forderungen des allgemeinen Rechtsbewußtseins zurück- gebliebenen Nohellsvorgeyen: der Kindermißhandlung und der Tierquälerei." Bisher war die geringste Strafe bei Diebstahl ein Tag Gefängnis, beim Mckfalle 3 Rtonate Gefängnis, bis zu einem Jahr Zuchthaus. Man denkt hierbei unwillkürlich an die arme Frau, die auf der Straße ein Stück Kohle aufgelesen hatte oder an den mittellosen Berliner Arzt, der bei grimmiger Winterkälte einige wertlose Stücke Holz aufgelesen und mitgenommen hatte. Beide wurden — eS ist noch nicht länge her — dafür mit Gefängnis bestraft. Was die Verschärfung der Strafen bei Roheitsvergehen ?vetrisft, so denkt man hierbei an den mancherlei Mißbrauch 'der elterlichen und erzieherischen Gewalt gegen Kinder, an die so häufig gar grausame Behandlung der Stiefiinder u. ähnl. m. Bei Tierquälerei waren bisher 6 Wochen Haft die höchste Strafe, eine viel zu müde Strafe, wenn man in den Zeitunaen von der fast täglich zunehmenden Roheit ^egen Tiere hört. Erst dieser Tage las man die entsetzlichen Schilderungen über Massenverstümmelung von Fröschen. Eine solche Gefühlsroheit, Tiere so furchtbar zu quälen, kann nicht streng genug bestraft werden. Des weiteren sollen in der Novelle die Deleidigungs- ftcafen erhöht werden, ferner soll der sogen. Wahrheits- "Leweis eingeschränkt werden, um die unnölige Hereinziehung intimster Familienvorgänge zu verhindern. Man denke an den Moltkeprozeß. Die Novelle soll dann auch noch Bestimmungen über die Erpressung im Lohnkampfe enthalten. Die „Köln. Ztg." erinnert hierbei daran, daß die Strafsenate des Reichsgerichts die Frage bejaht hätten, ob koalierte Arbeiter, die die ihnen gegenüberstehenden Arbeitgeber durch Drohung mit Niederlegung der Arbeit oder ob anderseits koalierte Arbeitgeber, die ihre Arbeiter durch Drohung mit Entlassung zu Zugeständnissen in Beziehung auf Lohn- und Arbeitsbedingungen bestimmen oder zu bestimmen versuchen, auf Grund des § 253 Str. G. B. wegen Erpressung oder Erpresfungsversuch zu bestrafen sind. In der Literatur, wie bspw. in der Schrift von Tischendorf über Koalitionszwang unb Erpressung im gewerblichen Lohnkampfe wird diese Stellungnahme des Reichsgerichts recht scharf kritisiert, unb die „Köln. Ztg." nimmt wohl nicht mit Unrecht an, daß diese Kritik nicht ohne Einfluß auf die Novelle geblieben sein werde. Ans den oben gemachten Angaben kann man schon ungefähr ersehen, in »velcher Richtmtg die Verbesserungen unterer Strafrechtspflege in der Novelle zu fud)cn sein werden. E. A. Nr. 8 Erstes Blatt 159. Jahrgang Montag 4. Januar 1909" Der Oiehener Anzefg« ä LxzugSprei»: erfchriiu täglich, außer UÄ V monatlich 7SPi^ viertel» • Sonntags. - Beilagen: ▲ Sv a a. a. Jk a a /tu /Hu A Ak A jährlich Nik. 8.20; durch ää Ä # AM Aw flitf AI Af ää VjIVnv Ilvl AUwttvls wirtschaftliche Seiifrager» M 'Nr W v ” auswärts 20 Pienniq, Fernsprech - Anschlüsse: V. M DM Verantwortlich für die Redaktion 112, *9 zSlk < Tf ** für den politischen Teil, MZ? General-Anzeiger für Oberhessen WM notßHonsöruS und Verlag der vriihl'schen llnlv.-vnch- und Stclntrutferel R. fange. Redattlon. Expeditisn und Druckerei: SchuRlratze 7. bis vormittags 10 Uhr. 1 litten, die mcht allem voll oen tu0l.cn, lonutin amy von bett La,Worten, die mit Gas und Elektrizität bereits oeriehen sind, gegen die Gas- unb Elektrizitälssteuer besteht, fragen wir bet bet Regierung an, welche Stellung sie hinftchtlich bicser Steuer im Bundesrat eingenommen hat. itUE aufgenotmncn werden, wenn hier 3tcnt unö tüttncinbe nnt den freien. Bestrebungen künftig eng Hand in öonb gehen, ^crhermeifter Ludw. Specht in Darnrstadt bittet in einer Vorstellung um Rückerstattung non 457,70 Mk. Stempel- gebühren. Der Betrag ttmrbc bei einem Hauskauf be^ihlt, der umsträndehalber durch gerichtlichen Vergleich rückgängig wurde. Eine Änzabl O b e r l e h r e r in Darmstadt und Darms bitten unter ausführlicher Begründung um airderweitr Regelung ihres Besoldung^ cstenstalters. Es wird ersucht, im Rahmen der Bestimmungen des Besoldungsgesetzes bei Bemessung des Dienst- alters der Antragsteller die trüber austerordentlich große Zahl der provisorischen Dienststellen und d:e dadurch verursachte un- gewöhnsich lange Tauer der Verwendung szeit in angemessene Berücksichtigung zu ziehen. Die hessischen Beamten her ehemaligen Main Recko r-Babn ersuchen um Getnährung eines Wobnungs- qeldzuschusseS, damit sie endlich in den Genust des den hessischen Staatsbeamten gesetzmijig ustehenden Wohnungsgeldzuschusses, rückwirkend vom 1. April 1907 ab, gelangen. Die erforderliche Summe betrögt choa 12 000 Mk. Zweiter internal. Kurs der gerichtlichen Psychologe und Psychiatrie zu Gietzen vom |3. bis |8 Kpril 1909. Das definitive Programm des zweiten internationalen Kurses, dessen wir schon vor einiger Zeit Ermahnung taten, liegt nunmehr vor. Es führt eine größere Anzahl lußerft interessanter Vortragsthemata an und verspricht die Behandlung einer Reihe von hochaktuellen Fragen auf dem Gebiete der Kriminalpsychologie und der gerichtlichen Psychiatrie. — Die Gegenwart verlangt bekanntlich dringender denn je zuvor nach einer Eindämmung antisozialer Strebungen. Tie erste Grundbedingung eines erfolgreichen Kampfes ist aber das richtige Verständnis für die psychologische Eigenart derjenigen Elemente, welche die öffentliche Sicherheit beeinträchtigen und gefährden. Nur an der Hand der Erkenntnis der Bedeutung des Momentes der Heredität, der individuellen Veranlagung und ihrer Anomalien, des Milieus, etwaiger krankhafter Störungen des Seelenlebens lassen sich rationelle Maßnahmen gegen verbrecherische Handlungen gewinnen. Dieser Auffassung neigt die moderne Rechtsprechung sich mehr und mehr zu, und ebenso erhält sie täglich mehr Bedeutung für die Handhabung des Strafvollzuges. Um den Anforderungen entsprechen zu können, welche in dieser Hinsicht die Gegenwart stets intensiver an sie stellt, bedürfen Richter, Staatsanwälte, die an Straf-, 'iiesserungs- und Erziehung'anstalten -tätigen Aerzte sowohl wie Lehrer und Beamten eingehender Studien und Ersah- ungen in den Wissensgebieten der Psychologie, der Kri- minalpsychologie und der Soziologie, endlich auch der Psnchv' Pathologie. Tie wichtigsten hier in Betracht kommenden Gesichtspunkte zu erörtern, die Ergebnisse der Forschung zusammenzufassen, stellt sich der Kurs als Aufgabe. — Wir heben von den Thematen folgende hervor: die so- zialett Ursachen des Verbrechens, der Schuld- begriff, Lornbrosos Lehre vont geborenen Verbrecher, die Wahnvorstellung als Kausalmoment antisozialer Handlungen, K'rimi^ nalpsychologic und Fainilienforschuug, verminderte Zurechnungsfähigkeit, die Geistes- Körungen im Strafvollzug, die Kriminali- tätderIugen bliche nu uddie Jugendgerichts» l öse', strafrechtliche und soziale Beziehungen des AlkoholismuS, daS Gefängniswcsen, die. Wahl des Vormundes im Hinblick auf die Prophylaxe der antisozialen Betätigung Geisteskranker und Geistesschwacher, Psy ! chologie der Aussage und Tatbestandsdiag-> n o st i k usw. usw. Der erste Kursus dieser Art, zu dem sich ' die Professoren Sommer, Mittermaicr, Tanne mann von hier und Aschaffenburg-Köln vereinigt hatten, fand hier statt im AprU 1907 und versammelte weit über 100 Herren deutscher, österreichischer, holländischer, schwedischer und russischer Nationalität in den Mauern Gießens. Der Umstand, daß das Interesse an den zur Besprechung kommenden Thematen inzwischen noch erheblich überall angewachsen ist, läßt hoffen, daß abermals insbesondere aus juristischen und gerichtsärztlichen Kreisen eine erhebliche Anzahl von Kursteilnehmern Gießen in der dritten Aprilwoche aufsuchen wird. Au» Stadt und Land. Gießen. 4. Januar 1909. Gedenket der hungernden Vögel! ES ist eine bekannte Tatsache, daß die meisten Vögel inr Winter nicht durch Erfrieren, fonbent durch Mangel an Nahrung zu Grunde gehen. Tie Fütterung der notleidenden Vögel hat dann besonders einzusetzen, wenn Glatteis, Rauhreif und starker Schneefall ihnen die natürlichen Nahrungs- guellen, besonders die Risse und Fugen der Baumrinde, die .Löcher und Furchen des weichen Acker- und WiesenbodenS, verschlossen hat. Eine geeignete Futterstelle, die durch eine Bedachung geschützt werden kann, ist überall zu finden. Wo ein Garten fehlt, da tuts auch der Balkon oder das Fensterbrett. Als bestes Futter bei Frost haben sich die sog. Futterküchen bewährt, die man suh aus einem Gemisch von Hanf, Mohn, Sonnenblumcnkcrnen, geriebenen Weck- und Brotresten mit ausgelassenem Rirtdertalg selbst herstellen kann. Der Talg wird zuerst am Feuer flüssig gemacht, dann in einem Topf m die Mischung aufgegossen und tüd) tig umgerührt. Nach der Erstarrung kann der Kuckten zerteilt den Vögeln namcnt- lid) morgens an der Futterstelle gereicht werden. • Die NeujahrStafel am Grosth. Hof sand am SamStag Abend 7 Uhr in den Festräumen des alten Re» sidenzschloficS zu Darmstadt statt. Tie hier akkreditierten aus- wärtigen Gesandten, der preußische außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister, Frhr. v. R ückcr - Jenisch, der österreichisch-ungarische Gesandte Erz. v. Callenberg, der bayrische Gesandte Exz. v. Ritter, der russische Ministerresident von Doubenüky und der großbritannische Geschäftsträger Mr. Harford, ferner die drei Minister, du- «Generalität, der Rektor der LandeSuniversität Professor Dr. Barthalomae, die Präsidenten der Landeskollegien, bic Präsidien beider Stündckammern, der Oberbürgermeister u. a. nu, . im Ganzen 74 Personen, nahmen daran tc:.. Zu beiden «Seiten des GroßhcrzogS faßen der prcr.s;.jche und der oiicr- 4 rcichijch-ungarijche Gesandte, dem Gcoßherzog gegenüber StoatSm lniüer Ewald. Die Tafelmusik stellte die Kapelle deS 25. Artilleriekorps. — Ordensverleihung. S.K. H. der Groß Herz oa Haben dem Major Frhrn Schenck zu Schweinsberg im Leibgarde - Infanterie - Regiment (1. Großh. Hess.) Nr. 115 das Ritterkreuz 2. Klaffe des LudewigS-OrdenS verliehen. •• Die Reichstagsersatzwahl für den verstorbenen ReichStanSabgeordneten Keller im Wahlkreis Bingen» Alzey findet sicherem Vernehmen nach am 16. Februar statt, lieber die Kandidatenausstellunq ist noch nichts bestimmtes zu melden. Gegenwättig verhandeln die Zentralleitungen der freisinnigen Volkspartei und der Nationalliberalen in Berlin über eine gemeinsame Kandidatur des tm Wahlkreis ansässiaen freisinnigen Gutsbesitzers L i ch t e n ft e i n, des früheren Präsidenten deS rheinhessischen landwirtschaftlichen ProvinzialvereinS und jetzigen Vizepräsidenten der Land- kvirtschaftSkammer. der von 1890 bis 1896 den Wahlbezirk Ingelheim im hessischen Landtag vertrat. Die Nachricht von einer gemeinsamen Kandidatur deS früheren Staatssekretärs Grasen PosadowSky war ohne jede Grundlage von einer Berliner Korrespondenz verbreitet worden. • • Lehrerpersonalien. Uebertrogen wurde dem SchulamtSaspiranten Phil. Boppert aus Mölsheim eine Lehrcrstelle an der Gemeindeschule zu Jügesheim. — Erledigt sind: Eme mit einem kathol. Lehrer zu besehende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Heusenstamm. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Oppenrod. Mit der Stelle ist Organisten- und Vorleserdienst verbunden. — Die unkündbare Anstellung wurde den kommissarischen Eisenbahnassisteuten (Weichenstellern l. Klasse) Albert Wenzel zu HerSfeld nnb Wilhelm Rei nhardt zu Nidda; den Zugführern Karl Gorr und Karl Haas zu Gießen, Adolf Schuchardt zu Grebenhain-Crainfeld, Hch Kornmann zu Kirchhain, Otto König zu Laubach und Peter Stammel zu Nidda; dem Bahnhossauffeher (Weichensteller 1. Klasse) Otto Weber zu Freieuseen; den Weichenstellern 1. Klasse Wilh. Müller zii Hungen, Heinr. Kratz zu Burg- und Nieder-Gemünden, Wilh. Dörner zu Gießen, Karl Luh zu Großen - Linden und Karl Schneider zu Nlücke; dem Stcllw-rkSweichensteller Karl Weirnann zu Hungen; den -Lokomotivführern Wilhelm Lückhardt und Georg Ganster zu Hanau, Wilh Müller zu Gießen, Karl Uhl zii Betzdorf, Christian Oberheim zu Siegburg. Jakob Brückner zu Homburg v. d. H., Gustav Reiß und Jakob Krummeck zu Frankfurt a. M.; dem Lademeister Johann Müller zii Frankfurt a. M.-Sachsenhausen, säiut» lich in der preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschast, verliehen. * • Zum Schreibgehilfen wurde Karl Michel auS Vilbel bei der Bezirk^asse Vilbel ernannt. • * Im Gesells chaft Svere in ist daS Amt des ersten Direktors mit bcin 1. Januar von Geh. Iustizrat Gebhardt auf Professor Tr. Fromme übergeqangen. * • Deu, Gesangverein „Harmonie* ist auf seine an Se. Kgl. Hob. den Großherzoq gerichtete Gratulation zum Neujahrsfeste ein herzliches Danktelegramm zu- qegangen. Man lese den Gießener Anzeiger größte und reichhaltigste Tageszeitung Gberhestens mit bei Beilagen .Lamittenblätter", „Landwirtschaftliche Settjragen" unö öem Kreisbiatt für Öen Kreis Gießen. Auflage über 13000 Expl. Alle Briefträger, unsere Zweigstellen und die Geschäfts» stelle der Gießener Anzeigers nehmen Bestellungen au| den Gießener Anzeiger entgegen. *e Zum Mord im Gießener Stadtwald. Nachdem die Vorstrafen und Akten deS wegen dem Lustmord am Schüler Abel verhafteten Schuhmachers Wilh. Reif ein- gefordett sind, hat sich herauSgestellt, daß Reis die 8 Jahre Zuchthaus wegen einer auf ganz gleiche Art wie hier au8- geführten Untat erhalten und verbüßt hat. Dem damals vergewaltigten Kinde hatte Reif den Mund während der Tat zugebunden und die Hände auf dem Rücken zusammen- qeschuütt; eS konnte aber durch die Nase noch atmen und entging so dem Erstickungstode. — Steinberg (Kr. Gießen), 4. Jan. Der Turn- verein ,®ut hielt gestern in seinem VeremSlokal eine gut besuchte ®eneralüerfannnhmg ab, in der einstimmig beschlossen wurde, daß der Verein im Juli d. I. sein erstes Stiftungsfest verbunden mit Fahnenweihe feiert. — Friedberg, 3. Jan. Die Geschäfte der BekleidungS- branchen, der Manufaktur-, Mode-, Wall- und Ktirzwaren. der Buch- und Schreibmaterialien- und die der Kolonial- ivaren-Handlungen müssen vom Januar ab um 8 Uhr abends für den Verkauf geschlossen werben. An Samstagen und an Tagen vor Feiertagen sind die Geschäfte bis 9 Uhr geöffnet. Die anderen Ausnahmen werden durch die neue Verordnung nicht berührt. A Decken bach, 2. Jan. Der NeujahrSmorgen brachte den vier Gemeinden unseres Kirchspiels eine Ueberraschung denn wie der Blitz verbreitete sich die Nachricht, daß unser allgemein beliebter Pfarrverwalter Heberer. der erst etwas über fünf Monate hier amtiert, ohne seinen Wunsch als Pfarrassistent nach Mainz versetzt und schon heute seine Abschiedsrede halte. Man schüttelte allgemein die Köpfe und jagte sich, daß der fortgesetzte Psarrwechsel die größte Cchä- bigung für dos kirchliche Leben der Gemeinde sei; denn man hatte nnt Recht gehofft, baß der Bau eines neuen Pfarrhauses. bas jetzt im Rohbau vollendet ist, dem Pfarrwechsel für längere Zeit cm Ende bereiten würde. Wie eS scheint, geht eS aber im alten Gleise weiter, denn der junge Geistliche, der jetzt aus Rheinheffen hierher versetzt ist, wird schwerlich in unserer Gemeinde bleiben wollen. Darmstadt, 3 Ian Neben bet Neujahrstasel bei Hofc 'and gestern, wie alljährlich, in dem Fcstsaal des ..Hotel zur Traube", eine bürgerliche Neujahcs- täfel ftatt, bic sehr zahlre^ besetzt war. Du: Feier galt glerryzctrrg auch der Einweihung des Neu- und Umbaus, durch den dieses älteste und vornehmste Gasthaus in Darmstadt bedeutend vergrößert und mit allem Komfort der Neuzeit ausgeftattet worden ist. Im Lauf des Essens gab Hofbuchdruckereibesitzer H. Hohmann einen Neberblick über die mehrhundertjähiTige Geschichte des Hotels und toastete auf den Inhaber, Herrn Adolf Reuter und Familie, worauf dieser mit herzlichen Dankeswvrten erwiderte. Auf Anregung der Darmstädter Pressevertreter wurde später zum Besten der Verunglückten bei der Erdbebenkatastrophe auf Messina eine Tellersammlung veranstaltet, die über 70 Mark ergab. 7. Sitzung Großherzoglicher Handelskammer (Sieftcn für die Streik Gießen, Alsfeld und Lauterbach. Protokoll-Auszug. Giehen, 9. Dezember 1908. Anwesend sind die Herren: Kommerzienrat Heichelbemü Türbeck. Grünewald, £>oo4. Ihrinfl. Klmqlvor, Münk er, Ram.!vech Rinn, Rohr, Rübl. Kommerzienrat Schirmer, Wallach. Zurbuch, sowie der Enndikus. In Abwesenheit deS Herrn Kommerzienrat; 5loch führt Herr Kommerzienrat Heichelheim den Vorsitz, welcher zunächst seiner Freude darüber Ausdruck giebt. daß die seitherigen Mitglieder der Kammer fämtlid) wiedergewählt worden sind. Alsdann wird in die Beratung der GelekeSvorlaaen, betreffend die Reich4finanzre'orm. einaeireten. ES referieren über die Tabak- banderolesteuer die Herren Kommerzienrat Schirmer und A. Klinqsoor und über die Erhöhung der Biettleuer Herr H. Jorma- Von Herrn Stammler liegt ein schriftliches Referat über ba5 Zwischenhandel- Monopol mit Branntwein vor, welches zur Verlesung gebracht wird. Der Syndikus erstattet über die übrigen Steuervorlagen Bericht. Nach lebhafter Debatte wird die in Nr. 291 des Greß. Anzeigers bereits mitfleieifle Erklärung zum Befchlune erhoben. ------— ■■ ■■■ - 1 -------». - । Eisenbahri-Aeiturrg. Bad Wrldungen-B uhlen. Tie BetriebSerott- nutifl der Neubaustrecke Bad Wilduirgen-Brchlen, die zum 1. Fanuar tn Aussicht genommen war, findet erst am 1. Februar 1900 statt. töcricbtfiaal. B.-B. Schuldig und doch nicht strafbar! In Dietesheim bet Offenbach halte im Jahre 19U7 ein Kaufmann, resp. Kleinfabrtkant S. Konkurs gemacht und war infolgedesfen wegen Verdachts deS Vergehens gegen die Konkursordnung unter Anklage gestellt worden. Ta er c-3 unterlaßen hatte, ordnungsmäßig Bucher zu führen, und andere strafbare Anhaltspunkte nicht Vorlagen, so wurde S. nur wegeit einfachen Kon« kursvergehens zu einer kleineren Geldstrafe verurteilt. Vor kurzem hat nun S.. wahrscheinlich von Gewissensblffen getr-iebeir, bei her Staatsanwaltschaft das Geständnis abgelegt, daß er bei diesem Konkurs in der Absicht, die Gläubiger zii schädigen, mit Hilfe mehrerer anderer Personen eine Anzahl von Vermögensobjeklen beiseite geschafft habe; er gab auch die betreffenden Verionen näher an. Trotz dieser selbst eingestandenen Straftat, die sich als betrügerischer Bankerctt auallfiziert, ist die Staatsanwaltschaft nicht in der Lage, gegen S. strafrechtlich vorzugehen; das Vergehen mufr vielmehr aus rechtlichen Gründen straffrei bleiben. Tas Reiche - gericht bat nämlich stets dahin entschieden, daß KonkurSverfehlun.i - unter sich in Ideal-Konkurrenz flehen und nach § 73 des Str.-l' (3uiammcntreffcu mehrerer strafbaren Handlungen! nur em;i und zwar mit der schwersten Strafe für die betreffende 61t-i geahndet werden könne. Da nun wegen des Konkurses bereits . rechtskräftige ^Bcrurieikmq von der Strafkammer in Tarmstadl < folgt ist (durch die erwähnte Geldstrafe), so muß nach dem L- kannten strafrechtklchen Krimdiatz „No bis in idem“ eine Aburteilung 'regen des selber eingestandenen bctrügectitpen Bankerottü unterbleiben. Gegen die früheren Helfershelfer deS S. ist dagegen zur Vrüfuilg der Sache Untersuchung emgeleitet worden. lyieteoroloflifdie *^cobtirt)tmiflen der Station Gießen. । । > । • । Höchste Tenrperalur am 2. Jan. bis 3. Jan. «= — 0,7 • C. Niedriaste . , 3. , w 3. w = — 2.7 eC. Januar Baromeier am 0” reduziert Temperatur der Vuft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung £ s Ä i Wetter 909 3. - 7651 — 0.5 4.3 96 S 8 Beb. Himmel 3. 9" 7659 - 0,6 4,2 96 SB ■) 4. 7" 766,3 — 0,9 1,3 100 still still - • Telefonische Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitteteilt von der Bank für Handel und Industrie, GiesNcn. Frnnkfnrter Bör»e, J. Januar. Lin Uhr. EJektnz. Lahmeyer . . . 117.00 Elelrtriz. Sebnckert . . . 117.00 Esebweiler Bergwerk . . 188.60 Gelsenkirchen Berirwark 192.00 Hamburg-Amerik. Paketl 113 20 Harpener Bergwerk. . 195.60 3X6/e Reichsanleihe . . 94 701 3% da. . . 85 90 3)4*1, Konsole .... 94.80 A% do 85.70 3%*f, Hessen 93^0 i^e/6 Oberhessen . . . — 4 % Oesterr Goldrente. 98 00 4*/e 96 Oesterr. Silberrenta 97 50 4 9» Ungar Goldrente . . 92.70 4?» Italien. Reute ...-- 39» Portucriesen Serie T 58 70 3H Portacrieseu „ III 60.00 4X6/, rusa.Staatsanl. 1905 07 25 4)4°/» japau. Staatsanleihe 93.50 19» Gonv. Türken von 1903 93.30 Türken! ose 144.00 1% Giiech. Monopol-Anl.. 43 10 4 96 äussere Argentinier . 86.10 ö°/e Mexikaner . . . 63.70 i)»7, Chinesen .... 98.30 Aktien: Bochum Guss 224 50 Buderus E. W 112.00 Tendenz: fest. Berliner Börne, 2 Canada E. B. . ... 177.70 • 'annstädter Bank . . . —.— Deutsche Bank .... 243.40 Dortmunder-Union C. . . 63 2u Dresdner Bank . . . 148.50 Tendenz fest. Laurahtitte 199.50 Sordd. IJoyd . ... 90.80 Obeiechlee. Eisen-Industrie 96 75 Berliner Haudeltkres. . . 169.60 Darmstädter Bank . . . 127 90 Deutsche Bank .... 243.80 Deutsch-Asiat Bank . . — — Duskonto-KommandiL . . 181.00 Dresdner Bank .... 148 00 Kreditaktieu ... 195.60 Baltimore- und Ohio- Eiseulahn 110.80 GolUiardbahu Lombard. Eisenbahn . . lb.20 Uestarr. Staauoaiin . . . 14350 l'nuce-Heun-Eisenbahn 123.40 Januar. An’anoskuria. Harpener Bergwerk. . . 195.60 i.anrau ulte .....199. .0 um harten E. B. ... 18 JO Nordd. Lloyd 905 > 1 ürkenluse 144 90 W. Hemieberg, Zürich Direkte Beznjrsquellc vou Seidenstoffen jeder .krt, ______Schon verzollt! — Veriangen Sie Muster! —II III II ma UM4K&ÄBTfM STI1 1— Geschäfts - Empfehlungen “«1«« vrühl'Ichc Unioersttäti-Vruckeret, Siebe». Die tieftrauernden Hinterbliebenen Giessen, Neuenweg 17 114 Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Die trauernden Hinterbliebenen eb. Reufs Magdalene Bergen Giessen (Hofmannstr. 4), Heuchelheim, den innigsten Bank Giessen, den 2. Januar 1909, 120) Lina Bo Im und Kind Giessen, den 4. Januar 1909 Familie L. Sehmilt Familie Chr. Arnold, sagen innigen Dank uar 1909 Die Beerdigung findet statt Dienstag, den 5. d. Mts., nachm. 3 Uhr des alten Friedhofs aus. Danksagung*. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem uns betroffenen herben Verlust sagen in seinem 65. Lebensjahre in ein besseres Jenseits abzurulen, Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer guten Mutter, Schwester, Großmutter, Tante und Schwiegermutter Frei! Pfarrer Auguste Nmsch, geb. Bähr Das neue Bett. Hochfein rot, dicht Daunenköper, große l'/z-schläfrige Ober- und LUuerbetten und zwei Kissen nut 17 Psd. Hatbdaunen, Partie, weil kleine öeUifQiben, das Nebelt nur Lllk. 30.-. Dasselbe Bett mit Daunendecke Mk. 35.—. rZ-eimies herrschaitliches Daunenbett Mr. 40.—. Zweischläfrig kostet jedes Bett Mk. 5.— mehr. Nichtge» saUend Geld zurück. Slatnlog frei. hyVc Bcttenfadrik A. & Hl. Fran kröne. Cancl, 9* BäiBägstea* VZstssn bei sss"/,, solid. Bauart, leicht. Bedieung, geringen Betriebskosten, günstigen Zahlungsraten. HrenWik Oberursel Aktion-Gesellschaft. OBERURSEL b.Frankt.a.M Die Beerdigung findet Dienstag, den 5. Januar, mittags 21/, Uhr von der Leichenhalle des neuen Israel. Friedhofs aus statt Oberurseler Präzisions- Benzin-, Benzol-, Gas Motor (Modell 1909). 2. schwarzem Cacheunr oder anderem schwarzem Stoff zu Mäd- chenkleidern, , 3. farbigem ülanell zu Unterrocken zu vergeben. Angebote sind unter Berschluv. von Mustern, — auch zu dem SVutter für die Knabenanzüge — bis ikateUeuS 1».. Januar 1909 verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, die bie anbtetenbe ßirma nicht erkennen lassen darf, an das sptabtudjc jltmcnamt, Neuenbaue 25, emzurelchen. Gießen, den Ä. Dezember. 1908. Die Armen-Deputation der Stadt Gießen: BVi Steller. ________________ Schwägerin und Tante Emma Schecker Danksagung. Allen Denen, die uns bei dem uns betroffenen schweren Verluste so herzliche Teilnahme erwiesen haben, sagen wir hiermit unsern innigsten Dank. im Alter von 35 Jahren sanft entschlafen ist. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: August Scheeker. Giessen (Schützenstr. 8), den 3. Januar 1909. Die Beerdigung findet Mittwoch den 6 Januar, nachm. 3 Uhr von der Kapelle des neuen Friedhofs aus statt. twa-i Todes-Aussig*®. Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dass nach langem, schweren Leiden heute nachmittag 3 Uhr meine hebe Krau, unsere gute Tochter, Schwiegertochter, Schwester, m jtoci oeiuoigui >u#n|iud une nune» 1 rÜillfl Ti Ml forte, sowie mit Zirkeln aller studentische« A' IVIl Vereinigungen, liefert zu mäßigen Preise» vrühl'sHe UniverMäts-Vruckerei. Schulftratze 7 Submissions-Holzverkaus. Die Stadt Grünberg beabsichtigt 62 Fstm. Fichten- Bauholz, welches leicht von dem Borkenkäfer angegriffen ist und zwar: 10 Stück III. Klasse mit 16,42 §stm. Inhalt 18 „ IV. „ , 20,75 , 38 , V. , , 24,80 „ auf dem Submlssionswege zu verkaufen. D>e Stämme von 14—37 Elm. Durchmesser und von 10—26 Mtr. Länge sind sämtlich entrindet und ohne Rinde gemessen. Termin hierzu ist bestimmt auf den 20. Januar L I-, vormittags 10 Uhr und wollen Käufer ihre Offerten schriftlich. nut der Aufschrift .Holzverkauf", bis zur genannten Stunde auf Großh. Bürgermeisterei emreichcn, woselbst dieselben im Beisein erschienener Bieter geöffnet werden. Später einlaufende Gebote finden keine Berücksichtigung. Das Holz kann vorher auf Wunsch durch Forstwart Büttel । vorgezeigt werden. Grüuberg am 4. Januar 1909. Großh. Bürgermeisterei Grünberg. Heute nachmittag 4 Uhr entschlief sanft nach längerem Leiden unser innigst geliebter, unvergesslicher Gatte, Vater, Grossvater, Bruder, Schwiegervater, Schwagei und Onkel Herr Gustav Bergen im 67. Lebensjahre. Statt besonderer Anzeige. Verwandten, Freunden und Bekannten die schmerzliche Mitteilung, dass es dem Allmächtigen gefallen hat, unseren lieben Gatten, Vater, Bruder, Grossvater und Onkel Deibel Sonnebora Betrifft: Die Anschaffung von Kleidern für arme Konfirmanden in 1909. Bekanntmachung. 3ur Bekleidung armer Konfirmanden zu Ouern 1909 ist die Holz-Versteigerung ^im Muscheuheimer Gemeiudcwald. Donnerstag den 7. Januar 1909 soll folgendes Holz versteigert werden: 129 Fichlen-Stämme 12—21 Mtr. Länge = 38 Fm. 672 Frchten-Derbstangen 13—20 AUr. Länge = 34,91 Fm. 170 Fichten-Relsstangen — 2,20 Fm. 2 Kiefern-Slämme 12—13 Mtr. Länge — 2,60 Fm. 1 Rm. Eichen-Scheit 2 9tin. Buchen-Knüppel 3 Rm. Eichen-Knüppcl, 2 Rm. Kiefern-Knüppel, 10 Rm. Eichen-Reisig, 15 Rm. Fichten-Reisig, 8 Rm. Fichten-Stockholz. Anfang ist Vormittags 10 Uhr im Hinterwald. Muschenheim am 31. Dezember 1908. Großh. Bürgermeisterei. e 4 Becker. /f.enen den Tagelöhner Karl & Jumel, geboren am 1b. £ftbr. 1881 zu S ch ii 13, Kreis Lauterbach, ist die Untersuchungshaft wegen Betrugs verhängt. Berhaitung und Ablieferung in das nadjite GerichtsgesüngniS und Mitteilung zur Str. Pr. L. Nr. Hanau, den 29. Dezember 190t£ _____ Der AmtSauwalt. Berftetgerung. DienStag, den 5. Januar d. I., nachmittags 2 Uhr, versteigere ich Äteustadt 55 dahier gegen Barzahlung: 1121 1) Eine Kanne Varf. 2) 3 Pferde, 1 Rollwagen, 1 Hahr- rad, 1 Kassenschrank, 1 Eisschrank, 1 Pianino, 2 Laden- theten, Sckuhwareu, 1 Gasherd, 1 Nähmaschine und Atöbel aller Art. Versteigerung zu 1 findet beitunmt, und zu 2 teilweise stau. Born, Gerichtsvollzieher. SLä^ti^e Haare im Gesicht, an den Armen, entfernt sicher u. schmerzlos Prof. Dr. Gruucwatvs EntüaaruugS- vutvcr. Doie 1*501UL Alleinverk. Pelikan-Apotkeke,$treuäPl2 D ii "Ä B R Wl? WL ■ ■■ II WM UMM K chlittschuhe Flufrunq: neuesten j SRarsBrnsterg einfachste E Mitein in W.cjba: ca35oqnlagi Systems J ‘ Betrieb | Bedienung 'Prima •• • Referenzen Maschine G.ml sind die Preise - bis zur Hälfte des verkausswertes - herabgesetzt. Montag den Lien lanuor 1QÜQ meines d meines ML großen erkauft Zur vurchsührung gänzlicher Uäumung des noch vorhandenen hochmodernen Lagers in CVS KaadlirbeitMille non Mulm Miiirn Giesteu, Süd-Anlage 7. Der Unterricht in allen Handarbeiten, sowie Kunst- arbeiten beginnt Montag den 4. Januar 1909» ftür Auswärtige ganze oder teilweise Pension im vanie. ^^Maschinenfabrik Rhein und Lahn Gauhe, Gockel &C^ _ Oberlahnstein. Hebezeugs jeder Art, W T Antrieb nach Wunsch. ip Laufkrane,Drehkrane, Portalkrane; Keller-und Speicherkrane,Lasten-Aufzü&e, Windenz ^^!a^henzüge^remswerke^Bai^Ma^hmet\BavrGerate^ Aird mischll iSrfauo rein. - Die Proben zu den JubilLums-Äouzerteu vom 14. bis 18. Februar 1909 finden jeden Montag und Freitag ^bend m der Aula der Universität statt. Allseitige» Erscheinen dringend erbeten. Nächste Probe: Heute. Holzverfteigerung Touucrstag den 7. Tlauuar, vormittag» von 10 Ubr ab werden au» Den >rctbettlid) Ji. u. W. Von Lcduubar gen. MUchltng'icher, Qsericrlvacbo LrZaldnugcu verue»gert: Stu»> icoerterNm.: 1 @u-.»e; Scheuer Nm.: 144 tbudjc, 26CritUc, ttuüvvel Nm.: 136 rbudje. 1 Hamhuchc, 44 liicbc; Rcmg Sim.. 4öü «uchc, LIO Eiche, 3)Urle, 40 diebicitio6ncniionacn), Sructe Nm.: 38 Buche. LS Eiche, 3 iZrchre. jufauimen£unh am Jagdbäuochcn. Grvtch. crorfhuartafpitant tiuwn zu LraiS