Erstes Blatt 159« Jahrgang Freitag IS. März 1909 bis öomuttac^Tu^ Notationrdrnck und Verlag der vruhl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei 8. Lange, Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstratze 7. Anzelgente?!?'tz^Beck Nr. 60 Der Siehener Lnzei-er erscheint täglich, außer (sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SiehenerLamillenblätter; zwelittal wöchentl.Lreir- dlaltsürdenUreisSiehen (Dienstag und Freitag); zweimal ‘monntl. Landwirtschaftliche Seitfragen Fernsprech»Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen A iK BezugSprer». JKhBKt MW monatlich 75Pi., viertel- GietzenerAnzeigers General-Anzeiger für Oberhessen WZW • I » u.Land" und „Gerrchts- Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten. Die Manz- und Steuer-Uommission der Reichstags begann gestern die Beratung der Brausteuer. Berichterstatter ist Dr. Zehnter (Ztr.), Gegenberichterstatter Abg. Raab (Wirtsch. Bg-). Die Petitionen, die aus der Brauindustrie der Kommission vorliegen, haben fast durchweg denselben Inhalt. Sie führen gegen die neue Besteuerung die Belastung des Braugewerbes durch die Steuer von 1906 ins Feld, bei der die Ablvälzung infolge des Widerstandes des Publikums und der bevorzugten Stellung der kleinen Brauereien nicht möglich war. Dazu komme der erhöhte Gerstenzoll, die höheren Arbeitslöhne, Verteuerung der Fässer, die Antialkoholbewegung usw., Aktienkurs und Dividenden sind erheblich nirürf gegangen, an Aktienwerten sei ein Verlust von 30 Millionen Mark ein getreten. Sei die weitere Heranziehung zur Steuer nicht zu umgehen, so solle man es aus anderem Wege machen. Vorgeschlagen wird die K o n t i g e n t i e ru n g; was über das Kontingent hinaus gebraut werde, solle mit einem höheren Steuersatz belegt werden. Die Kontingentierung solle dann mit der Seit wieder verschwinden. Statt der Zehntelung wird die Zwanzigteilung im Gefäßmaßsystem empfohlen; weiter die Besteuerung der alkoholfreien Getränke. Statt der Malzsteuer solle eine Steuer auf das fertige Produkt eingeführt werden. Auf der anderen Seite aehen Petitionen für eine möglichst starke Biersteuer von Antialkoholvereinen aus; sie wünschen eine Begünstigung der weniger alkoholhaltigen Getränke. Ern Vertreter der Reich spartet erklärt die Zustimmung seiner Freunde zur Heranziehung des Bieres Die Staffel sei aber für die Kleinbetriebe nicht günstig ge- qenug. Die obergärigen Biere, die vorzugsweise Klein- betriebe sind, sollen steuerlich begünstigt werden. Der Redner erklärt sich nicht abgeneigt, auch bte alkoh olfreien Getränke zu besteuern; das sei ein Akt der Billig- leit und würde recht gute Erträge liefern. Für die Kon- ingentierung ließen sich manche Gründe geltend machen, •ober auch erhebliche Bedenken; er fei nicht geneigt, im gegenwärtigen Stadium der Verhandlungen auf die Kontingentierung einzugehen. Der Schatzsekretär erklärt die Besteuerung der al- Loholsreicn Getränke für sehr schwierig wegen der Unzahl kleiner Betriebe. Es würde einen Betrag von fünf bis qehn Millionen ergeben. Der Schatzsekretär verteidigt die von der Regierung vorgeschlagene Staffel als goldene Mittetstraße. 'Der Staffelvorschlag des Vorredners würde ein Minus von einer Viertelmillion ergeben. Rach diesem Vorschlag sollte die Staffelung 10, 12, 16 -j;nb 20 Mk. betragen, und zwar 10 Mk. von den ersten 350 Doppelzentnern, 12 Mk. von den folgenden 750, 16 Mk. tton den folgenden 500 und 20 Ml. von dem Rest. Die ^Staffelung der Regierungsvorlage beträgt 14 Mk. von den ttrften 250, 15 Mk. von den folgenden 12o0, 16 Mk. von den folgenden 1500, 18 Mk. von den folgenden 200 Doppelztrn. Binö 20 Mk. voll dem Rest. Bei den Heinen Brauereien mit jiner Verarbeitung von nicht mehr als 150 Doppelzentnern Malz beträgt die Steuer 10 Mk. der Doppelzentner. Ein bayerisches Zentrumsmirglied erklärt, schon 1906 grundsätzlich gegen eine stärkere Belastung des Bieres gewesen Abschrisistellekei eines Gelehrten. Aus dem Nachlasse des vor einiger Zeit verstorbenen Arosessors Heinrich Reimann hat Professor Dr. Heinrich Meisner int „Verlag der Harmonie" in Berlin den ersten Teil einer Biographie Hans von Bülow herausgegebeu. Das Werk stellt sich nach den in der Märznummer der „Süddeutschen Monatshefte" erfchieneneu Gegenüberstellungen des Musilschriftstellers Dr. Rudolf Louis £um größten Teile Lls ein Plagiat aus bent ersten Teile des Werkes „Hans iron Bülow, Briefe und Schriften", herausgegeben von Marie uon Bülow bar. Die Herausgeberin, Hans von Bülow Witwe, Freifrau Marie von Bülow, ergreift nun das Wort rin einem „offenen Briefe". Sehr geehrte Redaktion! „Ihre Anfrage, was cs mit dem kürzlich erschienenen Buche von .H. Reimann auf sich habe, das sich „Hans von Bülow, sein -A'ben und sein Wirken, erster Teil einer unvollendet gebliebenen Biographie des Künstlers" nennt, und wie es möglich sei, daß «in derartiges Werk ohne meine Teilnahme und Hinzuziehung L's enormen unveröffentlichten Materials, das ich be- sttze, erscheinen konnte, ist nur durch die Gegenfrage zu beant- r orten: Was ist auf diesem Gebiete in unsrer Zeit leichtfertiger Nüchermacherei überhaupt nicht möglich? Um meine Stellungnahme zu dem eben genannten Buche zu vrazifieren, bedürfte es nicht eines Briefes, sondern einer Broschüre. Tenn es bildet «in typisches Beispiel dafür, was im Vertrauen auf den Zeitmangel des modernen Durchschnittslesers und die dadurch gewotzn- leitsmäßig gewordene Oberflächlichkeit der Eindrücke gewagt werden kann. Es versteht sich von selbst, daß bei Abfassung einer Biographie, i Sie Anspruch erhebt auf wissenschaftlichen Wert, alle vorhandenen Quellen, also auch die gedruckten, herangezogen werden müssen. ; Sich aber so ausschließlich und so ausgiebig der gebnnften Vorlage zu bedienen, wie es Herr Reinrann getan hat, n-ämlich . m dcr Weise, daß in seinem das Leben Bülows bis zum 21. Lebens- ßihr schildernden Bande nur zu finden ist, was er von meinem ersten Briefbande direkt und indirektabgeschrie- ben hat — das ist ein Verfahren, welches genauer su ck-orak- tmisieren ich anderen überlassen muß, da die Sache mich zu nahe cikgeht. OJeftatten Sie mir daher, in Ziffern zu Ihnen zu stechen. Die ersten 61 von den 296 Seiten des Buches be- f'dfräftincn sich mit Bülows Vorfahren und Eltern, und zwar mit euer Vorliebe für Heraldik und einem Breittreten des Ahnen- iiib Familienmoments, die für jeden mit des Künstlers Ansichten hierüber Vertrauten einen Beigeschmack von Komik haben. Schon ir diesen einleitenden Kapiteln, die sich auf das „Familienbuch inrer von Bülow" (1858) stützen, finden sich entlehnte Stellen nd meinem Briesbande 1, ohne daß dieser Quelle dort Er- toihnung geschähe: dies geschieht nur durch eine auf ©ejte 8 . befindliche Fußiwte, die auf die Briefe hinweist Daß dieselben zu sein. Denjenigen seiner Freunde, die dafür zu stimmen geneigt wären, sei das sehr schwer gemacht infolge der Itarken Belastung der Süddeutschen durch das Besitzsteuerkompromiß. Die Zahl der Kleinbetriebe gehe zuruck, die Staffelung müsse weiter gezogen werden. Der obige Staffelungsvorschlag (des Abgeordneten der Reichspartei) begünstige die Großbetriebe. Der Redner ist kein Freund der Kontingentierung. Wolle man die einführen, dann seien auch andere Gewerbe bereit, die Steuern zu tragen, zum Beispiel die Ziegelindustrie; aber die Kontingentierung ist gefährlich. Die süddeutsche Produktion durch erhöhte Uebergangetabgabe zu treffen, sei direkt verfassungswidrig. Die obergärigen Biere verwenden vielfach Stärkezucker, der ohnehin der Zuckersteuer nicht unterliegt. Der Redner erklärt, daß er sich für seine Partei alles Vorbehalten mässe. Min.-Direktor Kuhn bemerkt zur Staffelfrage, die Regierung habe vermeiden wollen, die Staffelung so weit auseinanderzuziehen, daß infolge billiger Pceisstellung den kleinen Brauereien die Abwälzung der Steuer unmöglich gemacht werde. Der Wortführer der Nationalliberalen erklärt, daß seine Freunde unter gewissen Kautelen bereit seien, der Brausteuer zuzustiinmen. Der Vertreter der Sozialdemokraten meint, die Steuer von 1906 sei auf die Wirtschaft abgewälzt worden. Die Arbeiter haben sich.geweigert, die Steuer zu zahlen und werden es auch in Zukunft tun. Es könne ein Boykott inszeniert werden, der den Ruin des Biergewerbes und des Gastwirtsstandes zur Folge haben werde. Die Sozialdemokraten sind für die Kontingentierung nicht zu haben, s i e lehnen überhaupt alles ab, die ganze Vorlage. Der Wortführer der Konservativen erklärt sich in der Hauptsache mit der Vorlage einverstanden. Der Schatz sekretär äußert sich bezüglich der Schankgefäße auf die Anregungen entgegenkommend. Er sei bereits mit den verbündeten Regierungen wegen Einführung der Zwanzigteilung in Verbindung getreten. Ein bayerischer Regie ru n g s v er tr e t e r bemerkt bezüglich der Uebergangs- Iteuer, daß Bayern allerdings seinerzeit im Wege des Kompromisses der Uebergangsabgabe zugestimmt habe. Mit einer Kontingentierung des Uebergangs bayerischen Bieres nach. Norddeutschland kann sich die bayerische Regierung nicht ein* * verstanden erklären. Für dte Freisinnigen gibt Dr. Wiemer zunächst die grundsätzliche Erklärung ab, daß die etwaige Zustimmung zur Erhöhung indirekter Steuern, ohne die allerdings gegenwärtig eine gründliche Finanzreform nicht möglich fei, nur unter der Voraussetzung erfolgen könne, daß in der zweiten Lesung der Finanzreform in der Kommission die Frage der direkten Besteuerung eine befriedigende Lösung finde. Die vorläufig beschlossene Besitzsteuer fei als ausreichende Regelung dieser Frage nicht anzusehen. Falls das Bier erneut herangezogen werde, müsse die Abwälzung ermöglicht werden, damit nicht Die Steuer als Sondergewerbesteuer wirke. Insbesondere müsse auch die Schädigung des Gastwirtsgewerbes vermieden werden. Aber der Kontingentierung könne nicht -.ugeftimmt werden. Schwere grundsätzliche und praktische Bedenken verbieten diesen Weg, zumal eine derartige Maßnahme auch zu einer unerträglichen Belastung des Konsums führen würde. Die Uebertragbarfeit der Kontingente würde durch die Art der Herausgabe zu einem einheitlich geformten Lebensbild gefügt finb, dessen einzelne auch nicht briefliche Teile Herr Reimann ausbeutet, ist nirgends Ausgesprochen. Uebcrhaupt ist der Punkt der Quellenangabe in diesem Buche ein interessantes Studium für sich. Als ein mit den Gesetzespa cagraphcn vertrauter Mann weiß Herr Reinrann, daß völliges Verschweigen der Quellen gefährlich wäre; so schiebt er kenn recht häufig seine Note: „B. Br. S.", als Theaterkulisse vor — seltsamerweise aber pflegt sie bei den wichtigsten, viele Seiten des Buches füllenden Entlch- inmgen zu fehlen. Ab Seite 61, Beginn der Biographie, bis zum Schluß Seite 296, also im Verlaufe von 235 Seiten gibt cs eigner Rcimannscher Abfassung ^üb er Bülow 12 Seiten, über Wagner 30 Seiten, über Liszt 1 Seite, über die 48 er politische Bewegung 7 Seiten. Wie weit die Exkurse über Wagner oder gar die Revolution von 1848 Originalarbeit sind und zum Thema gehören, mögen andere beurteilen *). Akzeptieren wir sie, so macht das zusammen 50 Seiten eigner Arbeit. Die übrigen 184 Seiten ocrteitcn sich so, daß 72 davon wörtlich aus „Bülows Briesen I" unb 112 Seiten indire kt daraus abgedruckt sind, d. h. indem die Jch-Form des Erzählers Bülow sich in die Er - Form des Erzählers Reimann verwandelt, ost unter Beibehaltung des Bülowschen Wortlauts, noch öfter aber mit willkürlichen Umstellungen. Da diese Mitteilungen ohne Belege wie „Räubergeschichten" klingen, bleibt mir nur übrig, sehr geehrter Herr Redakteur, zu bitten, sie nachzuprüfen. Wollen Sie „nach echter, aber guter, gründlicher Philologenart" — wie Herr Reimann (Seite 34) sagt — „die Objektive miteinander vergleichen" und von den dabei gewonnenen Eindrücken den Gebrauch machen, der Ihnen gut dünkt. ' Für Ihr Interesse an der Angelegenheit dankend, begrüßt Sie in ausgezeichneter Hochachtung Marie v. Bülow." *) Inzwischen stellte Professor Carl Krebs im „Tag" Nr. 46 vom 24. Februar 1909 fest, daß auch die Exkurse nicht eigne Arbeit seien, so z. B. die Seiten 76—80 über Wagner aus „GlasenopPs Wagner-Biographie" „entlehnt" seien. * — Slrindbcrg über sein Leben und Dichten. Man schreibt den „M. N. N." aus Stockholm: Eine Stockholmer Literaturrevue hatte — offenbar in der richtigen Vermutung, nur in dieser Form eine Rückäußerung von Dem welkst richtigen Dichter erhalten zu können — anläßlich Strindbergs 60. Geburtstages einen „offenen Fragebogen" an den Dichter gerichtet, in welchem dieser über verschiedene Einzelheiten aus seinem Leben, vor allem leine bisher wenig bekannte Jugendgeschichte, um Auskunft gebeten wurde. Strindberg entsprach den Wünschen der Zeitschrift und sandte ihr eine Anzahl Erinnerungen, die in mehrfacher- Beziehung Interesse verdienen. „Ich war sieben oder acht Jahck alt — so schreibt er il a. — als ich meinen et r ft en Sei bstmo rdversuch unternahm. Djie Veranlassung war erlittene Unbill; ich habe mich, nie dareinfinden können, fremde eine weitere Konzentration zum Großbetrieb zur Folße haben. Man solle nicht einen gesetzlichen Schutzwakl fun kartellierte Betriebe schaffen. In bezug auf die Staffel Hält der Redner die Gesetze der Regierungsvorlage im all-, gemeinen für richtig. Der Antrag der Reichspartei ent* ferne sich nicht weit davon. Die wirtschaftliche Entwick* hing werde auch durch die Staffelung nicht aufgehoben. Es sei aber zu erwägen, ob wirklich ein Betrag von 100 Millionen Mark vom Bier erhoben werden soll. Jedenfalls müsse verhütet werden, daß die Leistungsfähigkeit des Gewerbes gefährdet werde. Ein bayerisches Zentrums-Mitglied, Brauererbesitzer, erklärt, nicht alle Brauereien Wim-» scheu die Kontingentierung. Die neue Belastung vernichte das Braugewerbe. Der Zentrumsabgeordnete Müller-Fulda, bringt einen formellen Koutingentierungsplan ein. Stimmungsbilö aus dem preuh. Abgeordnetenhaus. Berlin, 11. März. lieber ein Kleines, und das große Werk der Beamtenbesoldungsreform wird vom Abgeordnetenhause bewältigt sein. Mit Ausnahme des Stempelsteuergesctzes, das noch in dcr Kommission einiger unwesentlicher Aenderungenj harrt, sind alle mit der Besoldungsreform zusammenhängenden Vorlagen verabschiedet: Die dritte Lesung des Wohnungsgeldzuschußgesetzes, des Gesetzes über das Kommunalsteuerprivileg der Beamten und die Novelle zum Einkommensteuer- und Ergänzungssteuergesetz wurde am; Donnerstag erledigt. Nun hat das Herrenhaus das Wort; wenn es, wie in Aussicht genommen ist, am 17. März zusammen tritt, wird ihm der ganze Komplex der Besoldungs- reformgcfeüe „tiorlicgen. Die Schlußlesung der Kommunal-' steuer-Privilegvorlage brachte nichts sonderlich neues; der Versuch der freisinnigen unb Nationalliberalen, auch bio Geistlichen von diesem Privilegium vdiosum zu befreien, schlug fehl, und es blieb bei dem Eventualbefchluß voni Tage zuvor, der die Aufhebung des Geistlichenprivilegs in eine allerdings nicht ferne Zukunft rückt. Das Woy* nungsgcldzufchußgefetz lief ohne lange Debatten vom Stapel« und erst bei der Novelle zu den Steuergesetzen gabs einige interessante Momente. Fast ohne Debatte wurde noch das Mantelgcsetz verabschiedet, dann wandte sich das Haus der neuen Geb ührenord ki ung für die Medizinal * beamten zu, die ohne größere Debatten in zweiter Lesung den Komm'isionsvcschiüssen gemäß genehmigt wurde. Am Freitag geht die Etatsdebatte weiter, neben dem noch nicht ganz erledigten Gestütsetat steht der der Domänen- und Forstverwaltung zur Erörterung. Lagcs-charr. Die Gewerbekommisfion des Reichstages nahm mit 13 gegen 9 Stimmen den vom Zekttrunf, der Dkrb- schaftlichen Vereinigung unb den Sozialdemokraten unterstützten Antrag auf Einführung des "A ch t u h r l a d e n s ch l u s s e s , Sankst tags um 9 Uhr, an; ferner einen Zentrumsantrag betv. die Beschränkung der Ärbcitszert in de n Kontoren mit folgendem Wortlaut: In Schreibstuben, Kontoren und Lagerräumen, welche nicht zu offenen. Verkaufsstellen gehören, dürfen Gehilfen und Lehrlinge höchstens 9 Stunden täglich beschäftigt irerben. Nack Beendigung der täglichen Arbeitszeit nmß ihnen eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 12 Stunden gewährt werden. Innerhalb der Arbeitszeit uruß den Gehilfen und Lehrlingen eine Mirtagspause von mindestens V/a Stunden ge» Willkür und Launen mit der Gemütsruhe des trotzigen Märtyrers zu ertragen, der nur auf feine Stunde wartet, um zwiefaltig Vergeltung zu üben. — Meine Mutter überraschte mich eines Tages, als ich mich an saftigen Pflaumen erlabte, die ich heimlich aus dem Obstgarten eines Nachbarn genommen hatte. Sie verwies mich mir strengen Worten und verkündete, daß meine Uebcltat ihre Strafe finden würde. Als zwanzigjähriger Student bot sich mir Gelegenheit, den Fruchtgarten jenes Nachbarir von neuem zu betreten, und ich benverFte sofort, daß hier alles noch genau so war, wie vor Jahren. Nur der Pftaumepbaum, dem ich meinen verbotenen Schmaus verdankte, 'stand entblättert da; er ivar bis in die Wurzelir verdorrt. Ich konnte nicht umhin, dem eigentümlichen Vorfall eine tiefere symbolische Bedeutung teizulegen, und als solckes steht das Geschehnis auch heute noch vor meinen Augen." Zu den stärksten Eindrücken aus seinen Jugendzeit rechnet der Dichter im übrigen den Tod seiner Mutter und die tyrannischen Erziehungsjahre ihrer Nachfolgerin, seiner späteren Sitefmutker. „Meinem Vater gegenüber beseelte mich stets das Gefühl der Feindseligkeit. Seine Schuld war es, daß meine Jugend im ganzen so düster und freudlos für mich dahin- schwmkd." Ucber seine ersten schriftstellerischen Versuche äußert sich der Meister wie folgt: „Das Versernachen ist von Hause aus gar nicht mein Metier: ich hatte als Jüngling mich zuweilen damit geplagt, aber dcr Erfolg war nur nicht hold. Ich suchte Ersatz im Dienste Thaliens, ging »um Theater und fiel durch. So gründlich, daß ich gleich von der Probe weg spornstreichs nach Hause eilte unb den Inhalt einer mächtigen Opiumflasche heruntcrstürzte. Aber mit dem Vergiften ging es auch nicht: man fand mich übel zugerichtet, aber im Grunde wohlauf stuf dem Sofa liegend und sorgte dafür, daß ich schleunigst aus dein Zimmer kam. Tags daraus fühlte ich, wie ein eigentümliches Fieber sich meiner bemächtigte: ein Traumzustand, der mich in Ekstase versetzte und mir schließlich halb unbewußt die Feder in die Hand drückte. Einige Tage später war das erste Drama vollendet, ein Zkveiakter, dem in Kürze ein Dreiatter und Fünf- atter in Versen (Harmonie) folgte - auch ein großes Kulturdrama, „Christus" betitelt, kam in Arbeit, wurde aber nur zur Hälfte fertiggestellt und als F-ragmenr verbrannt." Unter den fremden Dichtern und Dramatikern will Strindberg von den Vertreteon der römischen und griechischen Klassik die ftärfften vorbildlichen Impulse empfangen haben. Vor allem bewundert ec £rti), ebenso -Horaz, während ihn Homer schon auf der Schulbank aufs äußerste langweilte. Als Knabe schwärmte er für Andersens Märchen, die ihn auch heute noch in mancher Hinsicht als wundersstme Offenbarungen anmuten. In seiner Studienzeit enrpsing er neue bleckende Eindrücke nur noch von Victor Hugo und Charles Dickens, du chm speziell in Bezug auf die Pflege des stililtisä-en Ausdrucks vorbkldlkch erschienen und in der Tat zuletzt seine Lehrer unb Vorbilder werden sollten. “ Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. Tie Gew e r h a u s st e l l u n g des Vereins h i r s ch g e r e ch t e t Taunus jäger findet vom 3—7 April zu Frankfurt a. M. statt. einem ernte ci Goldene Kreuz mit Brillante«: Äatolme Zatnbtnatin au» Kodern, 52 Fahre m Dec Famuic M Ober- a. T scholl ui Tannjlabt. Margarete 'JÄci 1 >1 u■? t>rü#Dain. 50 Jahre IN dcr Familie M Gastwirt» wirtschaft. 1 •• Iungliberale Tagung. Am nächsten connta* inbet in Dar m ft abl eineVertreter-Versammlung des Fung- liberalen Landesverbandes für dal Grovherzagtum Hessen statt. Auf der Tagesordnung stehen: 1. AerdandSangelegen. heilen, wie AorstandSwahl :c. 2. Tie politische Lage in Hessen. Referent Ltadiv. Bangel-Dannstadt. Zu der Versammlung hat iebe8 Mitglied der dem Verbände an- geschlossenen Vereine Zutritt. Nachmittags 5 Uhr wird der Generalsekretär deS NeichSoerbandeS der Vereine der national- $ liberalen Jugend, Dr. Kühler aus Röln, in einer öffent- 4 Uchen Versammlung über .der IuugllberaliSmur und biffl politische Lage im Reiche, inSdes. die Alzey-Bingener Wohl* I sprechen. Zu dieser Versammlung ist jedermann willkommen. 1 •• Reifeprüfungen. Der Reifeprüfung am Landgraf Ludwig - Gymnasium unterzogen sich 21 Abiturienten. Auf Grund der schriftlichen Pritjungen waren 9 Schüler vom Mündlichen befreit. — Der Relleprüjung am Realgymnasium unterzogen sich 17 Oberprimanerr jecht waren vom Mündlichen befreit. •* Lehrgänge an der Gr0bh. Obstbau- und Landwirtschaftlichen Winterschutc zu Friedberg. Während deS Frühjahrs, Sommer» und derbste» finden an dcr - lu- ttnb Landiv. Wintersch verschiedene L.'hrgänge statt, die namenttich für die odllt '.u- ircibcnbc Bevölkerung von Bedeutung su für Baum- und Stragenwürter ivirb am Montag, 22. Vlörz, vormittags 9 Uhr. eröffnet und dauert im ganzen r, Wochen uu Frühjahr (vom 22. Marz ti 1. • « Sommer 1 und im Herbst Wochen. Für solche Ml» nehmer, die sich zu bernfSmässigen Bamn- und cirai.n- wärtern auSbilden wollen, ist der Kursus honorarfrei, on- < - dem können sie von den LandwntschaitSkammer-AiiS'chuüen bis zu 60 Mk. Beihilfe erhalten. — Vom 29. März b.3 3, April findet ein ttursu) hu Obstwein-Vraduzeuten iiatljl — Em Obstbaukurju« für Geistliche, Lehrer und lonr.iyi Arcunde deS Obst- und Gartenbaues wird vam 3.-8. Mai j abgehalteu. Ein zweiter Teil findet int Sommer, |C nach Uebcremkunst mit den Teilnehmern, statt. TaS Honorar ft r diesen Kurs beträgt 10 Ml., fik hessische Lehrer ist dnsetdi frei. Alle näheren Bestimmungen sind durch die Giohh. Direktion zu erhalten, die zu jeder weiteren AuSkuns! gern« bereit ist. Schöner, dem seither die pravisortiche Verwaltung T ichrerstelle an der höheren Bürgerschule übertragen 5 wirb mit Beginn beb LommerjeuiesterS von hier scheiden! sich in Gießen dem Studium dec neueren Sprachen wiM Die Stelle soll nun durch e neu jeminatijtisch g.d.10 Lehrer definitiv besetzt werden. ** Ring kämpfe im 0 1 0 s se u m. Vieler bciicgtc fica Neger Zack Lew iS; Da » war D.e Itrbaraidjuua der gotaja -Abend-. Bor iiDenülltem Hau- t. traten beide den Tcpvich. 3urtt bne übltdie Grifssudirn, mol« i ix* Neger sich oitnial» 1 «'rg ich Borstillungen nnnuiunt und nauubiebe nad» allen ffkgtin Det Shnn't auxMnlL Hin und der wogte der flamw, mobci Der .'ifflÄ nadi 20 Minuten grösttentiils rin \1ngiih ist, und burd) X)al>- Nelson und Genickmafjagen oeriudn, seinen G inrr mürbe ii machen Ter Bauer ifl ronüghd) mn Dem l’oncn uno Marien alle Angriffe mit seiner selbstlxwukten lädwlnbeii Miene. 3n D.t d2. Minute kommt Joiplcr wieder parterre, und der Ne-« wirst i'ick mit voller Strait auf tim. Bei bcm »werten r-cruE chlüpft der Bauer zur Seile und .lack Lcwis fällt schwer n'.st dar- Lest». Vidier nupt MM sofort au* und unter tosendem 3ui d > tzauseo rollt er den Sdm»ar»en aur beide Schultern Unter lin."* l-nmvelt der Neger von der Buhne und ohne Zweifel war er M 0risckerc. n^egen der Baver iicklltck ermatttir. Lrotz alldW gebührt Hitzler Die irbre. denn In er siegle wiederum lechmk WM Naturkran Borb7r kämpfte 3 t r c n fl c ntu J'^ a r f u f je n 20 nuten unentschieden und Sulina «off siegte über '^llm-k • 8 Minul-n durch £>Jlb-9irbo* Ansgeschieden au> bet K»* kurren» infolge -1 Niedetlaaen find T wotaczck, q r a dj। < t, p. d Kolben und Petlinok» \)eute beginnen bic 6* Li nur c wobei jeder äampr bi# ;ur EiUscheidung aib. jt.ärM» wird, (i» ringen beute Strenge Jack LewrS und Apollon-2ulmanM. •• Der Evang. Arbeiterverein ocranitaltet cm nächsten Sonntag tm Veieinslokal einen Vortragsabend, bei bem Mitglied L. Schäfer über Bergbau vteche» wirb. Tie Ausführungen werden durch Lichtbilder eiiäutflr werden. J Im hiesigen Bienenzüchterverein hält Herr Tiefet, Tarmstadt, Sonntag nachmittag tm Karlshof einen Vortrag über „Die Zukunft der Bienenzucht und deS B'enea- homga'. Herr Dickel gilt unter den Imkern DeutfcrlanrS al6 einer der bedeutendsten Fach'.cute, sodaß em guter Besuch in Aussicht steht. Stöhere» un Anzeigenteil. □ Klein-Linden, 10. März. Drei Unletbaltuefll» abenbe stehen unseren Caitoobnern bevor. Der Gesangverein »Harmonie* begeht am 12. März auf bei Burg nen Fomilienabeud bei Theater und Gesang. Tie Heimat- . ereinigung veraustattet am 14. März in brr ,t,el i’d)en indje- einen Lichtbilder-Vortrag über .Eine Reise mS he i'-Sk beim Ministerium deü Kunern fort. -21 bg Dr. Glass ing richtet zumichst an die Regierung das ürfudhn, ihre volle Aufmerksamkeit dcr Fürsorgen i'.i)..ng -,uzu 1,, nxmbcn und auf eine gesetzliche Regelung dieser roidttigcn »rage I Lcbadil zu sein. Bezüglidi deS zu ctmartcnbcn LrlSiiraizeng i.-icS n.ni'dit Ncducr auch eine Revision bed l'uni- ug, obuc nvuc trod)t )wr Bickieid 1 Liefrut sim auch bä den Vrumng'gebuMen Tann verlangt . Icbnci n,.;^ ,, i^nnübmcn rntden. Die tierarultdK Bor- Oütcubanbcld und redniertigt dieselben dem Vorredner gca nnbei. üö feien ». B im Odenwald in den testen 3abren 30 groüc Bauerngüter au:vrtauft und wn bat Guterdändtein Mtienuti worden, nmbei lu-üilid) viel Geld verdient wurde Gerade vicki dessiickc Händler hatten »ich vielfach an den ^suierschlächtereien beteiligt. Der Minister konstalieri. das; üdmiche Bestmunmigcn. wie jetzt in Hessen actreuen, auch in dm benachbarten Bundes staoteu bereit? bv[tebu-bcr bie Angelegenheit der NA' teftätigung M Bürgermei.icrS zu Rodg«, nwber er zumeist ferne aniätrigm Ausführungen wiederholt und^ dader 'o ins Breue ocU. daß die meisten Abg«rdneten .den . v» •j(> Jat,re bei Schuld:.eklor Di cünnio tu eben r bei Leidestem. a:danna »ack cw< 1 E5rndecke.i. 25 Fabre bet Heinrich M ri tn *iu±en^ ktnle ? »rn 3 au» Rödgen. 2d Fad e bet Cito Bclltngrodt in ^.rohc. ^aria f Toro U’’ St i ee au-» Tauernhrim. 2> Fahre bei Lilhclm Ban« ui Bingcnhnm. 3?pbie Link au» Haucwur • - • Fadre bet ."itou C '^nemierat Weiternochi in usbeim ^-i4rie b AT q u: titfcieU. 2" Fobrc bei t Upv Muth 1. m kr*tdl. Mar- Sappe» au.» Lauterbach. 30 Fahre tn ber ^.r.iiic bei i Bdbftm kruber in Lauterbach HJtboi.na elnawibe .»edier au« Treu a. b. Lumda. 38 Fabre bei »lirchenvor trücr Monrab 1 i£ill III in Tret» a. b turnen Gesuche um Berte.buna des | ..lövldnien re. lies" »um 11. Marz 1910, welch.n 1 fluna der •»■’i.intigen Biiraern-osterei ob.t Volr.eibebotöe tot»- gefügt fein mun. au. der berootgebt das Vic ngunHe« fto Die Berllibuna bee . <*olben.n tfr-uvee" enüllt -w. munen bl» löngfiene den 15 Aebniar 1910 bei bem -ber-stommerberT, | Frei derrn Riedefel »u ciienbad), in Torrnstobt emgtttid>t tetn. •• Erledigt >'t eine mit einem tath. Ledrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gememdeschule zu $1 oft beim. - Eine Sitzung des ProvinzialauSschusseS findet Mittwoch, 17. b«. MlS.. vormittags 1 .9 Jlbr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Gesuch deS Ernst Freund- lieb II. zu Alsfeld um Erlaubnis zur Erbauung e.ne» Wodn- ; i-aufr«. 2. Unterhaltung der Lahn auf der preutziich-beifiichen J LandeSgrenze bei Fnedelhausen. 3. Gesuch de» FohS. Ecktt 1 Altenstadt um Erlaubnis zum Betriebe einer Schank- J Das Befinden de S russischen M i u i st e r p r a s i. deuten. Wie die PetciSdurger relegrapheu-Ageutur cuabrt, tfi der Gesuiidheiiomsiaud bet nm Montag cttranfien Mimsterprast- deuten Lloliwiu behiebiqenb; die Erkrankung beliebt in einem un-1 tont vast er an Der -Vaud der Beioeste Die 'Jiuia>uioiqunflrK bedeutenden Oniiiiiibiinqso rozev befi unteren -teils der xc(btcn £rW cntschieden »urüthveifcn mutit und dast beisnders Die von ttuuge und leichtem Husten. _ Idem Hebncr tN>rgcbrad)ien Beschulrden gegen den »rciconnmajut Der neue a in c 111 a n i f d) e 3 0 U t a 11 f. Ter .Aisozialcb I ^nd andere tüd)tigc Bcantte voluumDig ungercchliertigt seien, t reü* wird auß A.'asbi»igion von autoritativer Seite mitgeicilt, I juctDc noch seiner heutigen Darlegung bei ganzen ssaajpcr- bet neue Lari'-Entwurf enthalle folgende Vorschläge: Tie 3»dcr-, nun nicht mehr auf Diese luige zurückkoimnen uip nrunc Blei- und lliipfei-ZbUc btcibcn nnoernnDcri. Eisenerz koniiiit nui Ibtmi nrtcii ^.3 HauscS übcrlaifcn, ob es richtig lei, DüB Oie Freilisic: Scoieneu- und Nohltahl-Zölle werden wesenllich gfo« Crb hier immci ivxCDcl Sachc:i ixn$ringe, von Denen berabgclctit; für Gewebsiofse sind adaeskiiste Zollsätze voigcfehrii; er nur in cinfeitigfter Weise durch feine Parteigen.stien mtomtirrl für Seiden- und Baumwollstoffe semster Qualität tritt eine Zoll- morden fci. Beifall.) . . Lrhobung em. yftg. Lutz Hut Die von ter Regierung gegen Die Wftterau»- __________1------------- - ----------gg"‘ schlachtungen erlassenen ')J 1 afntahmen nicht für genügend und macht llCHliUIC alOCltC Kammer. vcrsckiCbeiic weitere Boischmge in Dicfcr luaming. Dann benagt Darmstadt 11 März rHebncr bic Lemenat auf D.in taube, trnrdi tveldK Daß ^eran fdiievpunq von Scuck/en und anMeiiDen Krankheiten, wie Blat> lern und Pocken, mit fick Man sollte für eine belfere Entrolle und Impfung an der Grenze Sorge trogen. ES wurden auch vielfach gam itnbraudü’are Leute ins Land biiuingelaffcn «ehr cm-imfd',1 nxiTcn ähnliche Bestimmungen pir Die Giuiuhrung aufl- löndischer Arbeiter in Helfen, wie sie Preusten bereits getrosstm Dcutfcbe» llcicb. Ter kaif er hat gestern vor .Zt.ag den Bortr^g bed ।OTbnnng xie Regierung trage nch auag nu ra »«vu». » Rcichskantters entgcgengenommeu iGmuindeitarer^e, den bandel zu.b^^n »nd zwar ms Aenoerung der 31 r a t g e s e tz b u ch e S 3« ber hu 40 Vot. 00 Gewinn, Bringe eine ioldK ^leuer ou Guver aertnaen Sitzuna DeS i undesrats wurde dem Enlwuri des anSschlacktungen dann nichts ein. ,0 werbe sich oewnders oie vie> «eiter# betniieb bic flenbening bes Tlr-igej-Ybuche- > jur.« bartb«--»r»dli viel zu wunsck)en übrig, kranken. Bezugtid) deS Geictze» über Die LterNuwadwstcuer bnnat Pennrick betont bic Notwendigkeit einer Nevstton NeDner verschiedene Wünsche aus Berbesierung vor, ebcnio 'ounicht "(x , .pid utl.c ^IC Braiü'Mrfici»crungvü.inmer, worauf O-c er 1 insichtlich der Heranziehung der Städte m provinzial- unD I . . c .-t bnf; eine Regicrung-vorlage über Die .stiei.lastcn eine bessere Regelung. 3>" HuuUick au' die luitguen BrandversichcrungSgesetz ^an mit Dem Ausbau Der BotkSwshlfahrt bezüglichen 15 tonne Dem Lob ^7 id,neller vorangcfckrittcn wert auf Diel? Mafien nickt zusttminen, und Halle: Die ertskrantenka,en das auf Anregung des Geheimen :hat Tr. Tietz errichtete aiddhcDcu für vorteilhaster xtc tdilcdihlte Art stellten aller I enill|illUn fut tu- Jnberfuloicbcbüiujfung. Tie Übrigen Ai s wieder beseitigen sollte. Ter Redner ivenbrt fick bonneinliehcnd u (t)t^ugfn ^Teifed ÄormS und bleiben bei der im Hause iut Frage Der g-seplicken Regelung des Baiurrbciterschupe», die UnnÄ auf Der Tribüne mwerchmDlich noch tmniei nickt erfolgt sei: bdoiibcro notig fei die Bestimmung I Wolf wendet fick zunachit zur fyragc Der Guterauö- itbix die ,nage. »vem Die Ausübung Der >bontrolle übettragei, > wr(d; letztere er ebenfalls aufs Tiefste beklagt, n xbrii solle 3u beklagen fei, das, die Regierung eine Vustüe I Besteu xiiitg deS ivesvinnes aus Dem Guterdandel werd- • 1 .er .Irbesten b\'ld1'11' mdll jeiner 'Jiii.idit nach Den Tarn nickt nur nickt anerkannt, sonder.i wgar Durck '"r Ber- <;a,nsvl unI ^uurn verboten nvrDen. aber natüt.id) nickt, halten da» juimnDelonimi u bc^flben verhindert habe. H.Dner I “ «. .,d)C oieiebäft DeS Gut unakicrs. 3nüctieff der Reblaus- u.dangt bei bei ^wrth injpehion d'e At'stelttoig ein^ gröbnm ^uiu,ung lvcrtll. seitens Der Behörden vierfach zu ipeit gegangen, Anzahl von Gelnllen ans dein irbeiteiflanb ,mua/‘n.r ^$L|tnotb-cklutz besvrtcht Redner - - - - - iP-■ 1T' -------------------------- lieb im Hinblick auf die Vorkommnisse in Mainz I <1115 «r i<30t Uttö iLCillu» Abg. Reh führt ans, die Nicktbestatigung jozialdemokratiichei | Gießen, 12. März 1909. Beigeordneter und Bürgermeister bilde einen Verstoß gegen de w laaettalenbet für Breilag, den 12. März. Gtabt- Bmafiuna und muffe deshalb entschieden verurteilt werden. Wenn f « 9 V.e Lck.uuagler-. An'ang « Ihr. Der Vorredner Die Matznahmen der Regierung gegen die Guter- ^"^.„'einde-^r auenveretn: Vortrag deS eerrn Pro' »cklackterei tu Hellen Dankbar lUierlninc, fo iei Dem zwar bin I R ü ficktlick des gewerbiidten Güterdandels zn.zustimmen. aber ander 1^- oa,,an' , itit# dürfe man nicht verkennen, daß durck zu fcharte Mastregeln . ®rn. auch der reelle Guterhandel geldbäbigl werde -iic RegterungS-1 ** )n Audienz empfangen wurde u. a. Pro Verordnung vom 27 Juni 1906, betr den Handel mit ländlichen I fcfsor Dr. Sch wall v. . Grundstücken bellpe einen gefunden Hern, aber sie gdx zu weit. I •• E rn a n n t wu r D e Der Foritastisient bet Dem^rorst- nainrntlid) die Dazu rrlaffcnr Gegänzu» i. und stelle fid» teilw ife I pkrmesfungS- und Ta^ationsbureau, CtU) st 0 ch zu Tarm- iu vkgenfab zu bei betr. Bestiminnng dcr Rc»a sg.werb orDnunn Redner beklagt 3um Scklust, dast bie Diebalteverbdltnufe der strc,. rtrjte und der streisamstenzarztc nock» immer keine befriedigende Regelung erfahren hätten , auch eine andenoeitige Regelung der Impsbestimnuuigen fei erforderlich. Minister Dte Innern Brau n gibt eine nähere Darlegung über die Mahnadn- n der Rcgtcrmig bezüglich des gcwerbsmäingcn kaler Nationalliberaler. 3 ft Bülow- Stellunfl erschüttert.-' xle „Naltonulzcitung" tritt dem in di^lomati'chen Streifen auf- getauchten (fruchte entgegen, die Stellung des Reichskanzlers Fürsten Bülow fei erschüttert. Hieran i|t kein wahres Wort. ________________ , .... _ ___\-- -------— Ausland. rittoniSAmtSmüdigkeit. TaS Gerücht bestätigt sich, datz Der Minister Des AnSwäriigen, Tittoni, an semer Temisüou lesthält. Lein Nachiolger Dürste der bisherige Botschaster in London, eangiuliano, sein. Röntg Eduarü wird heute tn Pau erwartet. Ter Monarch, Der sich des besten Wohsteins erfreut, gedenkt die »zahrt von Biairitz nach Bau im Automobil zu machen. Er wird in Van den gingen Brights beiwohnen, für die er lebhasteS Fntereste In einer von der Lanbwirtfchaftskammer ichen befreit Der nächste Markt findet am Rindvieh inld 355 Schweine. :ü Gemüse ist. »8/1 Grofih. Obstbau- uni rcrschule zu Friedlm.- icrs unb Herbstes finden a v. Winterschule zu Frieds namentlich für die obilk- itung sind. Ter erste fiutjsj wird am Montag. 22. Sii dauert im ganzen 8 Wch 1 Tischflasche nur 20 Pfg. Warum macht Knorr-Sos das große Aufsehen???? Weil sie unerreicht im Geschmack ist. Weil sie bei mindestens ebenso großer Ausgiebigkeit viel billiger ist als ähnliche Fabrikate. Weil sie überhaupt die vorteilhafteste Würze für Suppen, Fleisch und seiner Pflicht. In Ausübung dieser Pflicht habe er aufyr dem) Medizinalrat,Dr. Haberkorn tic vernommenen weiteren Sachver^ ständigen oorladen lassen und er müsse sagen, dos; deren Bekundungen doch ein iv.senttich anderes Bild ergeben hoben, als das schriftliche Gutachten, das bei den Alten liege. Er erwartet, daß die Geschworenen rrnbeeinflußt durch den Abscheu und un-- beeinflußt durch die öffentliche Meinung, die die Sachlage nicht so genau kenne, ihren Spruch fällen würden. Cs folgt die Rechtsbelehrung durch den Vorsitzenden, woraus die Gesckxwvrenen sich auf 31 Stunde^zur Beratung zurüctziehru. Die Spannung ist unterdes int Saat aufs Höchste gestiegen, lautlose Stille tritt ein, als der Gerichtshof und die Geschworenen wieder ihre Plätze einnehmen. Ter Obmann Stadtverordneter Brück verliest darauf beit Spruch der Geschworenen, der die Schuldsrage auf Mord Vergne i n t, dagegen die Fragen auf schuldig des Sittlichkeits-» verbrechens und der Tötung a-tzs Jj 214 des Str.-G. bejaht. Ter Angeklagte Wird in den Saal zurückgeführt und der Spruch der Geschtvorenen verlesen. Er nimmt ihn gleichgültig entgegen. • Oberstaatsanwalt Lang beantragt, gegen den Angeklagten wegen des Sittlichkeitsverbrechens 10 Iabre Zuchthaus und wegen der Tötung aut lebenslänglich^ Zilchchausstra'e zu erkennen, dein 'jlngeHagten auch die bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit abzuerkennen. Der Perieidiger, Rechtsanwalt Fischer, erklärt, die Höhe der Straft in das Ermessen des Gerichts zu stellen. Reif, der das letzte Wort erhielt, sagte wörtlich: „Hochgeehrte öerren! Ich hatte gar nicht die Absicht, einen Mord zu begehen." Tas Urteil lautete dem Antrag des Staatsanwalts gemäß wegen SittlichkeitSverbrechens auf 10 Jahre Zuchthaus und wegen Tötung auf lebenslängliche Zuchthausstrafe. Gießener Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung für Hessen am Samstag dein 13. März: Meist trüb, teilte erheblichen Niederschläge. Im Norden des Gebiets und in höheren Lagen Nachtfrost, sonst milde. Schwache nördliche Winde. In den oberen Lagen der Mittelgebirge Schneedecke von wechselnder Höhe. Schibahn stesienweise gut. kleine Tagc^dtrontL Im 53. Lebensjahre narb '.Ulchoooluan und Kreisschulin- svektor B iima r der veidienstvolle und un ganzen Hessen- und Thüringerland bekannte Vorsitzende des hennebergüchkn und hessischen Gesebiehtsveteins zu Schmalkalden. Der Große Rat von Basel bewilligte 100 000 Frks. zur Förderung der Rhttnschissahrt als Unterstützung den Firma Fendel und 80 000 Frks. zur Anschaffung eines elektrischen Krahns für die Hafenanlage. Wie von der svanischen Grenze berichtet wird, hält die s v a n i s eh e Zensur sämtliche Telegramme auf, die über die ernfte sanitäre Lage in Madrid berichten. Der Typhus greift immer mehr um sich. Alle Hospitäler sind überfüllt. Im St. Johannes-Hospital werben 300 TyphuS-- fvanfe verpflegt; auch der Bürgermeister Pen al ist an Typhus erkrankt. Im Nantucket Sund fand bei dichtem Nebel ein "ernster Z u s a m in e n st o ß der beiden amerikanischen T a m p f e r „Horatio Hall" und „Timock" stall. Ter Tampser „Timock" nahm die Passagiere des schwer beschädigten „Horatto Hall" auf, der unterging. Ter Dampfer „Timock" fuhr nach B o sto n weiter, begann aber plötzlich zu sinken. Alle gn Bord Befindlichen, wurden gerettet. * L. Friedberg, 11. März. Heute gingen die unter ttn Vorsitz des Geh. Ober-SchulratS Scheuermann statt- ttndenden Prüfungen der Klasse la des hiesigen Lehrer- «minarS zu Ende. 19 Seminaristen beteiligten sich daran, fe wurden auf Grund des schriflltchen Examens vom münd- 30 unb 31. März statt; am letzteren Tage auch Pferbe- und Krämermarkt. ss Marburg, 11. Marz Aus dem heutigen Schweine- m a v f t bedingten die geforderten hohen Preise trotz des großen Angebots ein flaues Geschäft. ES kosteten kleine Ferkel 30 - 50 M., Läufer 60—80 Mk., größere Ware 100—140 Mk. das Paar. Die Zufuhr belief sich auf 860 Stück. le. Frankfurt a. Ak., 12. März. Heu- unb Strohmarkt. Angefahren waren 16 Wagen Heu unb 2 Wagen Stroh. Bezahlt wurde für Heu Mk. 3.50—3.80, für Stroh (Kornlangstroh) Mk. 2.60-2.80, Akaschinensiroh Aik.0 00. Die Zufuhr erfolgte aus den Kreisen Dieburg, Büdingen und der Umgegend von Nidda, Tendenz fest. — Verein für chemis che Industrie, Mainz. Wie die Verwaltung mitteilt, ergibt der Abschluß für 1908 einen Ueberschus; von 860 852 Mark, im Vorjalw 805 244 Mark, wozu 120 000 Mark Vortrag wie im. Vorjahr kommen. Es soll nach den üblichen Abschreibungen wieder eine Dividende von 11 Prozent auf das erhöhte Aktienkapital vorgeschlagen werden. Markte. Gießen, 12. März. Viehmarkt. Bei dem am 9~unb 10. März abgehaltenen Markte waren aufgetrieben 1449 Stück mitgegangen, sonst hätte inan Spuren an der Leiche finden müssen. Anzeichen von Geistesstörung seien von niemand an R. wahr- genommen. Sein sonderbares Benehmen beim Untersuchungsrichter sei ein ungeschicktes Simulieren gewesen. Es sei festgestellt, daß R. weder epileptisch noch hysterisch sei und es läge kein Anlaß vor, dem Angeklagten den § 51 des Strafgesetzes zugute kommen zu lassen. Er sei bei der Tat weder im Zustande von Bewußtlosigkeit noch in krankhafter Störung der Geistestätigkett gewesen. Er fei vollkommen verantwortlich zu machen. Nach der Pause wird die Oefientlichkeit ausgeschlossen und Prof. Tr. Tanneinann gibt sein medizinisches Gutachten ab. Einleitend bemerkt der Sachverständige, daß er in Uebereinstim- mung mit Medizinalrat Dr. Haberkorn die Ansicht vertrete, daß ter § 51 Les St.-G. nicht anwendbar sei und daß der Angeklagte sich, nicht in einem Zustande der Bewußtlosigkeit oder krankhafter Störung der Geistestätigkeit befunden habe. Dagegen müße er die Ausführungen des Tr. Haberkorn, die die Täuschung der Psychiatriker durch Simulanten hcrvvrhebe, zurückiveisen. Seine Mo liegen wüßten geistig Kranke sehr genau von Simulanten zu unterscheiden. Es sei begreiflich, wenn man in weiten Kreisen der Bevölkerung entrüstet sei über die beispiellos rohe Tat, auch er verabscheue das Verbrechen, dies dürfe aber nicht abhalten, die dunklen Lichter, die Dr. Haberkorn den Geschworenen vvft- gcführt hat, etwas zu mildern. Er werde versuchen, den Richtern Reif menschlich näher zu bringen. Man finde häufig besonders bei starkem Kindersegen in einer Famitte, daß die Nachqeborenen vom rechten fffiege abwichen. Man müsse annehmen, daß bei den ganzen Verhältnissen die Eltern des R. nicht mehr voll zeugungsfähig gewesen seien, wozu bei der Mutter jedenfalls buch schwere Arbeft und ungenügende Ernährung hinzugekommen sei. Wenn der Angeklagte anfänglich durchaus tüchtig gewesen sei, so beweise das gar nichts, denn es kommt öfter vor, daß Straftaten lug endlicher Personen durch das Eintreten der Eltern ja der ganzen Familie ausgeglichen werden, ohne daß Jemand etwas davon erfährt. ^Inwieweit R. bereits krank gewesen sei, würden die andern Sachverständigen, die R. behandelt hätten, berichten, besonders Tr. Siefert, der unter seinen Fa chge.no ssen eine her vorragende Stellung einnehme, sei ein zuständiger Beurteiler. Professor Tanne mann kommt dann an der Hand der Straftaten des R. zu der Ueberzeugung, daß R. ein habitueller Sittlichkeitsverbrecher sei, der eine besonders starke sexuelle Veranlagung besitze. Tie Psychiatriker hätten schon öor' Jahren verlangt, daß solche Lleute nicht wieder freigelassen würden. Es gäbe viele Fälle von abnormer Sexualität, wooei selbst gebildete, geistig hochstehende Personen alles vergessen und zum Verbrecher werben; Seiner abnorm starken Veranlagung ist auch R. untere legen. Zweifellos sei er auch ein minderwertiger Mensch und diese beiden Umstände seien bei Beurteilung in Betracht zu ziehen. In Hebereinftimnunig mit Tr. Haber körn halte er die Tat für keinen Lustmord, aber auch eine Ueberlegung sei ausgeschlossen. Auf Befragen bemerkt Prof. Dr. Tannemami, daß nach seiner Ueberzeugung R. sich in einer solchen Erregung befunden habe, daß er die Folgen seines Handelns nicht ermessen konnte, Tr. Freising-Wehlheiden hat im Jahre 1904 den Angeklagten in der Haft beobachtet; er hält ihn für geisteskrank und da er auch Verfolgungsideen bemerkt habe, veranlaßte er seine Ueberführmig nach Halle, wo er von Tr. Siefert für geisteskrank erklärt wurde. Tie Ansicht Tr. Haberkorns, daß die Ge- fangenenwärter den Anstoß gäben, um ungebärdige Insassen als angeblich geistesgestört einer Irrenanstalt zu überweisen, sei irrig. Gerade die Wärter hielten jeden befangenen, der geistige Störungen zeige, für einen Simulanten und möchten gern auf ihre Art mit fötalen Leuten fertig werden. Privatdozent Tr. Siebert erklärt R. sei in jeder Beziehung ein rätselhafter Mensch. Schon seine pathologische Gestalt gebe zu denken. Als R. in seine Anstalt Fant, habe er Verfolgungs- ibeen gezeigt. Ter Zustand habe sich mit der Zeit gebessert und man habe R. auf sein Verlangen wieder in die Anstalt geschickt. Tr. D e l b r ü ck - St. Georgen bei Bremen hat den Angeklagten ebenfalls als Geisteskranken behandelt und schließt sich den Ausführungen Tr. Sieferts an. Beide Sachverständigen erklären, daß sie über den jetzigen Zustand R's. kein Urteil abgeben können. Tr. Tanneinann, der ebenfalls auf Antrag der Verteidigung geladen war, erklärt auf Fragen des Rechtsanwalts Fischer, daß er nicht glaube, daß der Angeklagte zurzeit geisteskrank sei unb daß er auch nach längerer Beobachtung zu keinen andern Ansicht kommen werde. Tamil ist die Beweisaufnahme geschlossen und die Mittagspause tritt ein. Um 4 Uhr wirb vorn Vorsitzenden die Verhandlung wieder eröffnet und die Öffentlichkeit zugelassen. Saal und Gallerie sind im Umsehen gefüllt. Ten Geschworenen wurden folgende Fragen vorgelegt: 1. Ist der Angeklagte schuldig, mit Gewalt an einer Person unter 14 Jahren unzüchtige Handlungen vorgenommen, oder zur Verübung ober Duldung unzüchtiger Handlungen dieselbe verleitet zu haben? I 2. Sind mildernde Umstände vorhanden? 3. Ist der Angeklagte schuldig, vorsätzlich einen Menschen getötet zu haben und hat er die Tötung mit Ueberlegung ausgeführt? 4. Ist der Angeklagte schuldig, den Knaben vorsätzlich getötet zu haben, um ein Hindernis zu beseitigen, oder um sich der Ergreifung zu eittzielien? 5. Ist durch die unsittlichen Handlungen der Tod verursacht Worben ? ■ 6. Ist der Angeklagte der Körperverletzung mit tätlichem Erfolg schuldig? Tie Schuldftage 6, die Frage 2 nach mildernden Umständen bet Frage 1 siitd auf Antrag des Verteidigers gestellt. Hierauf nimmt Oberstaatsanwalt Lang das Wort zur Altklage. Tiefes Mitleid mit den armen Eltern, die ihr Kind auf so schändliche Weise verloren haben, bemächtigte sich der Gemüter, als man dies Verbrechen erfuhr. Tas Entsetzen unb das Mitleid darf jedoch den Richter nicht hindern, mit kalter Ruhe das Urteil zu fällen. Ter Staatsanwalt habe die vornehme Pflicht unparteiisch zu untersuchen und zu handeln und auch die milden Gesichtspunkte heranzuziehen. Nach dem Gutachten der Sachverständigen Medizinalrat Tr. Hab er körn und Professor Tr. Tanne mann liege der 8 51 des Str.-G. nicht vor und der Angeklagte fei daher für sein Tun voll verantwortlich zu machen. Oberstaatsanwalt Lang erörtert dann die rechtlichen Gesichtspunkte, die zu den verschiedenen, an die Geschworenen gestellten Fragen geführt haben und tritt dann dafür ein, daß die Frage 1 glatt zu bejahen sei. Tas die vom Verteidiger beantragte Frage nach mildernden Umständen von den Geschworenen verneint werbe, halte er für selbstverständlich. Zur Frage 3 übergehend bezweifelt er, daß die Tat mit Ueberlegung verübt sei und weift darauf hin, daß die Geschworenen mit der Bejahung dieser Frage die Todesstrafe aussprächen. Bei Mord wie beim Todschlag müsse der Vorsatz vorhanden sein. Mord liege ater nur vor, wenn die Ueberlegung hinzukomme. Man hat die Tat des Angeklagten anfänglich als einen Lustmord gekennzeichnet. Medizinalrat Haberkorn habe aber schon in seinen Ausführungen dargetan, was als Lustmord anzusehen fei. Der Befund der Leiche, die keine äußere Verletzung gezeigt hat, beweise, baß kein Lustmord vorliege. Das Geständnis halte er zwar nicht in allen Punkten stir wahr, aber es ist doch möglich, daß R. den Knaben bedroht hat. Man weiß, daß der Angeklagte bet seinen früheren Sittlichkeitsverbrechen ebenfalls zu Drohungen gegriffen hat, aber trotzdem sei kein Moment nachweisbar, das für einen Riorb im Sinne des Gesetzes spreche. Kein deutsches Schwurgericht dürfe einen Menschen zum Tode verurteilen, der des Mordes nicht überführt sei. Ter Oberstaatsanwalt bittet deshalb diese Frage (3) zu verneinen und R. der -Lötung eines Menschen nach § 214 des Str.-G. schuldig zu sprechen, folgen Sie, meine Herren Geschworenen, meinen Anträgen, |o mutz ich eine lebenslängliche Zuchthausstrafe beantragen und der Angeklagte ist für die Zukunft unschädlich gemacht. . Ter Verteidiger Nechtsanwalt Ötscher bemerkt, daß Wohl leben die Gefühle des Abscheus über die Tat des Angeklagten teile, aber das entbinde ihn, den bestellten Verteidiger nicht von Wochen. Für jolche ö Bigen Saum* und Lltt- -t Kursus horiororsrci, w ;. - SSoni 29. bti Obstwein« Proöu^tsten statt. Uidje, Lehrer unb fonW mrb viM 3.-8. M XM M Lomner. st m: 'M. Dütz Honorar si r Wche Lehrer ist ta#» ,aen sind durch bie M jcöer weiteren Auskunft s«r Der Zoll Reis vor den Geschworenen, in. th:. Gießen, 11. März. Zn der heutigen Verhandlung sind die vom Verteidiger ge- kbciten Sachverständigen erschienen. Mehrere Zeugen bekunden |üx- Sache nichts wesentliches. Ter 11jährige Start .Köhler i .ilftt, baß er den Angeklagten am Bescherabend mit schmutzigen Ediuben und Knien gesehen habe. Die Wirtin Ruhl sagte aus, daß Reif am1 Weihnachtsabend it ihrer Wirtschaft war. Wegen seiner Reden sei sie fortgegangen. <-E.it er kam Steinbrecher, der sich mit R. unterhielt. R. sagte hlbt'i, ihm folge Jedes, ob Bube ober Mädchen unb erklärte, daß ( Zerstreuung brauche. Er jchien sehr aufgeregt unb trank die lgnen Gläser sehr rasch bintcreinanbcr aus. Ter Angeklagte beleckt, bie Aussage der Frau käme ihm recht wunderbar vor. Ter Schneidermeister Steinbrecher kennt R. schon von ihrem ersten Aufenthalt in Gießen. Er habe in seiner Familie r cfebrt und stets den Eindruck eines vernünftigen, braven Men- : 'm gemacht unb den ftinbern öfter Leckereien gekauft. In der Mschen Wirtschaft kam die Rebe auf bes Zeugen 16 fährige iochter, unb R. 'meinte, St. solle sie ihm noch 4 Jähre aufheben, lärmt wolle er sie heiraten. R. fei ein Prahlhans,. Er habe bei S.m&l erklärt, er sei aufgeregt. II. a. äußerte er noch, kein Gerichts- bn könne ihm was sagen, er sei gescheiter wie diese. R. fönito I yfftas Wein getrunken haben, betrunken sei er nicht gewesen. Oskar Sippel beobachtete bei Ruhl, daß R. hastig trank inii aufgeregt war. Der Wirt Euler bekundet, daß R. am heiligen Abend ! bei ihm ein Glas Bier getrunken und bemerkt habe, er vLifie sich zerstreuen. R. sei ihm durchaus nüchtern erschienen!. Ter sachverständige Prof. Dr. B o ß (Chirurg) aus Frank- Vti a. M. hat R. am 27, Febrl wegen eines Ohrenleidens in iiuier Klinik aufgenonimen und Anfang Mai als geheilt ent- bfitit. Ter Mann, hat auf alle, bie mit ihm zu tun hatten, den (iiibruct eines nicht ganz normalen Menschen gemacht; er war riLrrisch, mißtrauisch und hatte alle möglichen Wünsche. Auf Be- ifiujeu des Medizinalrats H a b c r f o r n erklärt Prof. Tr. V o tz, । habe an R. leine Sinnestäuschungen ober Wahnibeen wahr- ie Aljcy-Vingener Wähl' ] ist jedermann wistkomimr r Reifeprüsimg am Lanl, unterzogen fich 21 Abi- »riftlichen Prnjnngen warn i_L - Ter Reijeprüfnng ar sich 17 Oberprimaner; jch H '^berufenen Versaminlung sprach Prof. Gisevius-Gießen ..der ^Praktische Maßnahinen zur Hebung des Braugerften- ft.aueS". Ein Komitee, das durch Landwirte aus der Um- I hegend gebildet wurde, soll Erhebungen über den Gerstenbau I o kranstaiten und die nötigen Beratungen pflegen. (D Laubach, 12. März. Der hiesige Ortsgerichts- । ann Philipp Heinrich Stoß erhielt gelegentlich seiner goldenen Hochzeit am 6. d. Mts. das Bild des Groß- erzogs mit eigenhändiger Unterschrift nebst einem Glück- uuunschschreiben. Darmstadt, 11. März. Die Stadtverordneten-Ver- lammlung lehnte die Einführung einer Besitzwechsel- > ftteuer in der Stadt Darmstadt ab, stimmte aber der Em- D hrung einer Wertzuwa chssteuer zu. Darmstadt, 11. März. Tie Beisetzung des Leut- mts Charles de Beaulieu, des dritten Opfers des Unglücks auf der ^kodelbahn an der Ludwigshöhe, fand heute nachmittag unter Beteiligung einer großen Menschenmenge statt. Mainz, 11. März. Gestern fand im Eisenbahn- »a pektionsgebäude die Eröffnung dec Angebote für den Bau rnr neueJi Rheineisenbahnbrücke statt. Es hatten i;.f) vier deutsche Werke beteiligt. Tas niedrigste Gebot kam IniDii der Süddeutschen Brückenbauanstalt auf Gustavburg mit 2 240 000 Mk. Ter Zuschlag ist noch nicht erfolgt. WormS, 10. März. Wie aus zuverlässiger Quelle Dedautet, hat sich bei nochmaliger llutersuchung gegen den bei dem Patronendieb stahl zu 6 Monaten Gefängnis iitnb Degradation verurteilten Wassermann dessen Un» Mild ergeben. Tatsache ist, daß er auS der Haft entlassen io lirde. Marburg, 11. März.' Prosi Tr W e i d e n m ü l l e r, 'ftbremnilglied des Plnlologenvereins von Hessen'Nassau unb i^aldeck ist hier im Atter von 66 Jahren g e st o r b e n. — Au - lelle des am 1. Mai in den R u h e st a n d tretenden llnwersitats- e nbanten Rechnnngsrat Beckmann tritt der seitherige Kassen- io ntrolleur Iona s. — Frankfurt, 12. März. Heute abend 10,34 Uhr, ir ifft der Kronprinz und die Kronprinzessin hier ii n, um im .Hippodrom den Reiterfesten beizuwohnen, X Hanau, 11. März. Dle Stadtverordneten-Vel- ia nnnlung erhöhte das Gehalt des ziveiten Bürgermeisters üild, das bisher 6000 Mk. steigend von 3 zu 3 Jahren uni je 500 Ml. bis 7500 Mk., um 1000 Mk. unter gleich- jeriligec 9lbänberung der Gehaltsskala, die sich nunmehr auf ;000—8500 Mk. stellt. Wiesbaden, 11. März. Anstelle der Verordnung i iser den Automobilverkehr ist eine weniger scharfe uorbnung erlassen worden, die die Innenstadt freigibt, iic Außenbezirke dagegen mehr absperrt. — Tie Todes- jubrt auf der Rodelbahn am Chausseehaus mußte üirch ein 15jähriger Schlosserlehrling unfreiwillig mit- ncicheu. Er wurde bei der rasenden Fahrt des Toten- st^fschlittens von diesem unterwegs angesahren und mit- ßeaissen. Der Junge erlitt eine schwere Sehnenzerreißung -in Fuße. Original-DrahtinelSungen. Berlin, 12. März. Tie „Post" meldet aus Petersburg: Im Kriegsressort entwickeln die Intendanturen eüte fieberhafte Tätigkeit. Unauffällig werden die Truvven irt den außerdeutschen Grenzgebieten verstärkt. Die Gouverneure erhielten Geheimbefehle, die Staatsarchive und dick Reichsbankkasscn zu schleuniger Versendung in das Innere Rußlands bei einer eveittlwtten Mobilinachung bereit zu halten. Berlin, 12. März. Die Morgenblätter melden aus Wien: Nachdem am Mittwoch eine li/zstündige Unterredung des Thronfolgers mit dem Frhrn. v. Aehren- thal stattgefunden hatte, wurde gestern int Kriegsministeriumi eine Beratung der Generalität abgehalten, zu der alle kommandierenden Generale eingetrofien waren. Wien, 13. März. Tas Frerndenblatt meldet, daß die serbische Zirkularnote durch die unklare Textierung aus- falie. Einer Ergänzung bedarf sie deshalb, weit sie die seit fünf Monaten gegen Oesterreich gemachten Rüstungen außer Acht stiftt. Paris, 12. März. General De'Ferron hat n>egen! seiner die Offiziere der Kolonialregimenter gehaltenen Ansprachc: einen Verweis erhalten. Ter Äriegsminifter versucht durch besondere Maßregeln die stark erschütterte Manneszucht wieder herzustellen. niieum LihlerbejiM d e Uebeosflhmlg des «eW Dtcbcr Mlntt, u stsrÄ ftusqeichl^n FraS- S*1 Suij* ,r»in hält ÄSs s?»r> Äyft «"SB 0 TW , Der 'hnern 14 ^laci fleiie >n§ V >" Eine tein r 1 . 7Cimbc,0 ‘nuf b(C \ sä-1 fneii 1 f tot Stadtbekannt niedrige Preise! 58 A"'"VX™““” S Stadtbekannt grosse Auswahl! Icldee otel zur TreeWLj Kaffee 1 40, 1.60, 1.80 p. Pfd. Zz.-arditr,kM ,.| V. Tedirrt, zraifer Allee 15. Kakao 111« au vertäuten. torhbanf Sirtebarbdbain. 6 Zimmer t- J>$te L. Steinhäuser gesucht. 21erbannra' ISM ] jii üüieicru irr TW r «einimpft u berat.. eine tuchuge | 5 Zimmer Die von i>rnu Baumgärtner US wen au vermieten A. Lcdmtdl. BvMnardftrafee JX KOLOSSEUM nzfäsarfletsntan Mi eigt suche (Offene Strikt Peischiedenes 3n v er!r nilsen Bn vermieten Schülervorstellung. Wallensteins Tod“ Herren. 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