Nr. 35 Zweites Blatt 159. Jahrgang Donnerstag, 11 Februar 1909 Erscheint Kgllch mit Ausnahme beS Sonntags. Die wÜtbtMr JemiHenblätter*’ werden dem .Anzeiger? viermal wöchentlich beigelegt, das „Kretsblatt für dev Krei* Lietzen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftliche!» Seit- fragen" erscheinen monatlich -wermal. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhesjen Rotationsdruck und Verlag der VrühNchea UntocrfuätS • Buch- und GtembructeccL St Lang», Dießen. Redaktion, Dxpedüion und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^@5L RedaktiomL^lIL Tel.-Adr^AnzeigerGießen« Deutscher Reichstag. 208. Sitzung, Mittwoch, 10. Februar. 2 Uhr. Am BundeSratstisch: v. Dethmann-Hollweg. Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung pünktlich 2 Uhr. Das Haus ist fchlvach besetzt. Der Etat beS Reichsamts des Inner«. (Sechster Tag.) Abg. Behrens (Wirtsch. Vg.) : DaS Vorgehen der Aerzte in Köln geht entschieden zu weit. Auch wer ein Anhänger des uneingeschränkten ÄoalitionSrechteS ist, braucht mit dem Verhalten der Kölner Aerzte nicht einverstanden zu sein. (Sehr richtigI) Ich glaube auch, daß ein großer Teil der Aerzte den Streik ihrer Kollegen in Köln mißbilligen werden. Das Streikrecht muß Halt machen, wenn eS sich um Leben und Gesundheit von Menschen handelt. (Sehr richtig!) Die liberalen Parteien, be- SonderS die liberalen Herren von der Waterkant, haben kein kecht, sich so sehr über die Maßregelungen von Steige r n in Oberschlesien zu entrüsten, wie eS Dr. Struve gestern getan hat. Er mag zunächst einmal dafür sorgen, daß von den liberalen Großreedern das Koalitionsrecht der Schiffs- offizier« gewahrt toirb. (Sehr richtig! rechts.) Eine Denkschrift über die Lage der reinen Walzwerke ist nicht notwendig; denn diese Lage ist bekannt. Die vertraulich gegebenen Geschäftszahlen, von denen der Staatssekretär gestern sprach, sind auch langst bekannt. Ich habe sic wenigstens dieser Tage in der »Kölnischen Zeitung" gelesen. Für staatliche Maßnahmen zu Gunsten der reinen Walzwerke find meine politischen Freunde zu haben. ES sollte aber auch etwas für den deutschen Erzbergbau geschehen, der sich in einer großen Notlage befindet. Besonders im Siegener Revier sollten Maßregeln ergriffen werden, um eine gesunde Entwicklung wieder zu ermöglichen. Der Siegener Erzbergbau hat vor allem schwer unter der Konkurrenz des Auslandes zu leiden. Auch dem Lothringer Bergbau sollte die Reichsregierung ihre Aufmerksamkeit zuteil werben lassen. Ueber die Arb c it e rvc r hält nisse im Ruhrreviere ist mit Recht Klage geführt worden. Das schwarze Listensystem muß auf das entschicdendste verurteilt wer- bcn. 6000 Arbeiter auf Wochen hinaus auszusperren, das kann niemals gebilligt werden. Sie bestehen aber nicht nur im west- fälischen Bergbau, sondern auch bei den niederrheinischen Hüttenwerken. (Hört, hört!) Diese haben sich gegenwärtig verpflichtet, allen Arbeiten:, die — wenn auch ordnungsmäßig — gekündigt haben, keine Beschäftigung zu gewähren. Hier handelt cs sich doch also nicht mehr uni eine Bestrafung des Kontraltbruchs, sondern um eine Aufhebung der verfassungsmäßig gewährten Freizügigkeit. Ueberhaupt muß ganz generell zu den schwarzen Listen gesagt werden, daß sich mit ihnen die Unternehmer ein Strafrecht anmaßen, das ihnen ganz und gar nicht zukommt, zumal sie sich als Richter in eigener Sache aufspielen. Die Ankündigung der Versicherungsordnung begrüßen wir mit Freuden. Der Forderung eines Neichsberg- gesetzcs stimmen wir zu. (Beifall bei der Wirtsch. Vgg.) Abg. Dr. Müller-Meiningen (Fr. Vp.): Wir haben eine Resolution auf Vorlegung eines Reichstheatergesetzes eingebracht. Veranlassung dazu gab uns der jetzt ausgebrochene Kampf zwischen den Bühnen» leitern und den Bühnenangestellten. Die Schuld an diesem Streit ist keiner Seite besonders in die Schuhe zu schieben. Es handelt sich um ein Stück sozialer Entwicklung. Das Patriarch«- lrsche Prinzip, das bisher beim Theater herrschte, gerät eben ins Wanken. Die moderne, soziale Idee geht nun auch an die Pforten der deutschen Theater. Es ist höchste Zeit, daß hier die soziale Gesetzgebung eingreift, daß endlich einmal auf diesem Gebiet nach dem Rechten gesehen wird. Ich gebe zu, daß der neue Vertragsentwurf der Bühnenleiter, der in etwas schroffer Weise von den Bühnenangestellten abgelehnt worden ist, keinen Fortschritt bedeutet gegenüber den bisherigen Zuständen. Die Bühnenangehörigen haben aber auch das Recht, dagegen zu protestieren, daß sich ein Gewohnheitsrecht heranbildet, das einmal zur größten Gefahr für sie werden kann. (Sehr richtig! links.) Die bisherigen Vertragsverhältnisse zeigen viele unwürdige Momente. Die ersten drei Wochen der Anstellung gelten einfach nur als Probezeit. Allerlei berüchtigte Klauseln spielen eine Rolle. Die Bühnenleitung hat alle Macht in den Händen. Sie kann die Angestellten ausnutzen und sie ohne weiteres auf die Straße werfen. Es besteht eine völlige Rechtlosigkeit der Bühnenangehörigen. Die Prefie hat genug Beispiele darüber veröffentlicht. Die Bestimmungen über den Vertragsbruch sind unerhört. Die Kontraktbrüchigen verfallen nicht nur einer hohen Konventionalstrafe, sie können auch auf noch drei Jahre lang boykottiert werden. (Hört, hört! links.) Die Bestimmungen sind geradezu unsittlich. Ein großer Krebsschaden sind auch die Agenturen. Hoffentlich gelingt es den Organisationen der Bühnenangehörigen endlich einmal, die Stellenvermittlung selbst in die Hand zu nehmen. Wie steht es mit der Regelung der Gebührenfrage bei den Theateragenturen ? Hat die Regierung in dieser Beziehung irgend welche Schritte unternommen? Die Konservativen verlangen Erhebungen über die ganze Frage. Aus diesem Stadium sind wir aber längst hinaus. Das Material liegt in Mafien vor. Darüber, daß Mißstände bestehen, kann doch kein Zweifel mehr herrschen. In der Zeitschrift der deutschen Bühnengenofienschaft werden zum Beispiel Schauspielerinnen angeboten, deren elegante Garderobe und schöne Erscheinung besonders hervor, gehoben wird, und zwar eine jugendlich-dramatische Schauspielerin für 80 Mark monatlich, eine erste Opern- und Operettensängerin mit herrlicher Stimme für 100 Mark, eine zweite Liebhaberin, bildschön, für 40 Mark im Monat. (Lebhaftes Hört, hört!) Eine erste Liebhaberin ist für 100 Mark zu haben. Naive und Sentimentale kriegt man noch viel billiger. (Heiterkeit.) Welcher Abgrund von Versuchungen und Lockungen schlummert hinter einem solchen Angebot! (Sehr richtig! links.) Hier liegt ein Abgrund von Unsittlichkeit. Wenn jemand die Unsittlich- leit ernstlich bekämpfen will, dann muß er dafür sorgen, daß hier etwas geschieht. Außerordentlich bedenklich ist auch die Ko st umfrage. Hinter den glänzenden Trachten und dem bunten Flitterzeug verbirgt sich das Elend und die Prostltutwn. Auch auf den internationalen Frauenkongrefien ist bereits anerkannt worben, daß sich der Luxus a u f b e r Bühne schon zum Paroxls- mus steigert. Dabei ist das Einkommen der Bühnenangehorigen im Durchschnitt außerordentlich gering. Nur wenige Bühnensterne haben 80 000 oder BO 000 Mark Einkommen. 50 Prozent aller Schauspieler haben weniger Einkommen als 1000 Mark. (Lebhaftes Hört, hört!) Von den 25 000 Buhnenangehörigen haben nur 10 Prozent über 3000 Mark Einkommen. Die großen Bühnenfterne können es sich Wohl erlauben, die Direkwren zu schikanieren, sie schädigen aber ihre weniger gut gestellten Be- rufsgenofien damit, denn cm ihnen läßt dann der verärgerte Direktor seinen Grimm aus. AuS diesen Mißständen müfien wir heraus. Ich denke mir eine Lösung, die auf den §§ 63 und 70 des Handelsgesetzbuches fußt, Es wäre schlimm, wenn wir die Schauspieler in die Gewerbeordnung hineinnehmen müßten. Im Jnterefie der deutschen Theaterkunde muß der gesetzgeberische Weg beschritten werden. Die Frage der Theaterkonzession und der Zensur muß endlich einmal geregelt werden. Darum verlangen wir ein Reichstheater- geseh. Vom Zensor haben wir hier schon uri gesprochen. »Strafe genug ist sein entsetzlich Handwerk". (Heiterkeit.) Bereits im Jahre 1886 ist von dem Abg. Miquel und Windthorft eine gesetzliche Regelung der ganzen Materie einschließlich der Zensurfrage empfohlen worden. Im Jahre 1901 brachten wir einen ähnlichen Antrag ein, und von keiner Partei wurden die bisherigen Verhältniffe verteidigt. Das Komische an der Theater, zcnsur ist ihre lokale Unberechenbarkeit. Einmal tappt sie hier- hin, ein andermal dorthin. In einem Orte gilt ein Stück als unsittlich und im anderen Orte nicht. Sie hat eine Fülle von Lächerlichkeiten geboren. Gewiß ist es besser geworden gegen früher. Aber damals war es auch schon bald zu arg. Der Zensor machte die tollsten Sachen, und oft brachte er gerade durch seine Abstriche die Unsittlichkeit erst in ein Stück hinein. In den Jahren 1900 bis 1903 schrien ja die Helden- taten des Zensors zum Himmel. Ich erinnere nur daran, daß im „Cyrano de Bergerac" die^Stelle gestrichen wurde, wo dem Lieblingshunde ein Klystier gegeben wurde. (Große Heiterkeit.) Ich erinnere an das Verbot bet »M aria von Magdala" von Paul Heyse, ein Stück, ba-5 ein Hymnus auf die Person Jesu ist. Es gibt noch eine Fülle weiterer drolliger Sachen, die Damals der Berliner Zensor sich zuschulden kommen ließ. Von den einfachsten Dingen bis zum staatlich konzessionierten königlich preußischen Jodler Otto Re unters im Wintergarten. (Heiterkeit.) Ich hoffe, daß der Ze"wx durch mein Lob nicht etwa üppig werden wird. Es kommen ja auch jetzt noch allerlei Unglaublichkeiten vor. So sind auch wieder bei dem Stück »Meißener Porzellan" von Hans von Kahlenberg eine ganze Reihe von urkomischen Abstrichen gemacht worden. Da kommt eine polnische Gräfin Potschinska vor. Sie hat von Friedrich dem Großen zu sagen: Decken Sie ihn, er schläft nur, mit offnem Munde wie ein Kutscher! Der offne Mund wurde vom Zensor gestattet, aber der Kutscher als Majestätsbeleidigung gestrichen. (Heiterkeit.) Nun hat sich der Unglückswurm von Zensor aber auch an Orte gewagt, wo er bisher nicht aufgetreten ist, nach Stuttgart und nach Hamburg. In Stuttgart hat man sogar ein Stück verboten, oas in Berlin voriges Jahr aufgeführt wurde. (Der württembergische Bevollmächtigte ruft: Das Verbot ist aufgehoben!) Dann freue ich mich, daß die schwäbische Polizei so vernünftig ist. Aber in Hamburg hat man wieder die „Teufelskirche" verboten. Die ganze Theaterzensur ist nur eine Reklame für schlechte Stucke. In Bayern wird in solchen Fragen ein künstlerischer und literarischer Beirat gehört, warum schafft man in Preußen nicht auch zum Ueßergange wenigstens eine solche Institution? Am besten wird jedenfalls die ganze Theaterfrage gelöst, wenn man energisch gegen die blöden Schaustellungen einschreitet und Volkstheater unterstützt, wie das Berliner Schillertheater. Dort kann das Volk selbst über die Stücke entscheiden. (Sehr richtig! links.) Es hat einen besseren Geschmack, als die Herren von der Rechten glauben. Man spricht viel von der großen Idee der Errichtung einer deutschen Nationalbühne mit einer Hochschule für Schauspielkunst. Wir stehen diesen Bestrebungen mit voller Sympathie gegenüber. Es ist notwendig, eine Hochschule für Schauspieler zu schaffen, wo der deutsche dramatische Vers unserer Klassiker gelehrt wird. Der dramatischen Kunst würden wir durch eine solche Institution einen unschätzbaren Dienst erweisen. Ich bitte Sie, ohne jede Parteispekulation einmütig unseren Antrag anzunehmen. (Lebhafter Beifall links.), Abg. Dr. Frank-Natibor (Zentr.) führt Beschwerde über die Handhabung des Sprachenparagraphen in Oberschlesien. Selbst im Ratiborer Kreise verhindere man in Versammlungen den Gebrauch der polnischen Sprache, obwohl 60 Proz. der Bewohner Polen sind. Die Leute lehnen nicht aus bösem Willen den Gebrauch der deutschen Sprache ab, sie beherrschen sie nur nicht. Wenn der Staatssekretär verspricht, gegen die Polen milder vorzugehen, dann will ich ihm herzlich gern sein Gehalt bewilligen. (Heiterkeit.) Abg. v. Dirksen (Rp.): Die s chwarzen Li st en haben, so Wenig sympathisch die Institution als solche auch sein mag, doch auch segensreiche Wirkungen, da sie die Kontraktbrüche wesentlich einschränken. Von sozialdemokratischer Seite sind verschiedene Fälle vorgebracht toor- den, wo die Eintragung in die schwarzen Listen zu unrecht erfolgt sein soll. Demgegenüber erklären die betreffenden Zechenverwaltungen, daß diese Angaben vollständig ungerecht sind, und daß nur ein bis zwei Fälle konstatiert wurden, wo die Eintragung wirklich ungerechtfertigt war. Wenn ich auch die Teilnahme für das Schicksal der Bergarbeiter verstehen kann, so darf dies doch nicht zum Unrecht gegen bie Arbeitgeber führen. Die Behauptung des Abg. Kulerski, daß Zechenverwaltungen selbst einen häufigen Wechsel der Belegschaften herbeizuführen wünschen, ist geradezu haarsträubend. (Abg. Kulerski: Das ist ziffernmäßig nächgewiesen!) Der Abg. Naumann hat behauptet, daß die Arbeiter häufig den Kontrakt unterschreiben, ohne zu wissen, was sie unterschreiben, daß daraus bie häufigen Kontrakt- brüche entstehen. Mir ist es unbegreiflich, wie ein erwachsener Mensch etwas unterschreiben kann, was er nicht gelesen hat. Minbestens müßte er sich doch eine Uebersetzung beschaffen, ober einen Dolmetscher geben lassen. Wenn er das nicht tut, io kann ihm weder der Staat noch die Gesellschaft helfen. Jeden- falls muß et aber, wenn er den Vertrag unterschrieben hat, die eingegangene Verpflichtung auch einhalten. Der Wunsch nach OÖffentlichkeit der schwarzen Listen hat ja etwas für sich, aber andererseits würden bann bie Zechenverwaltungen unb die einzelnen Beamten wahrscheinlich von den Arbeitern in Verruf erklärt und bei der herrschenden Erregung auch rein körperlichen Gefahren ausgesetzt werden. Deshalb ist es mir sehr zweifelhaft, ob sich die Oeffentlichkeit wird Herstellen lassen. Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg: Die Beschiverden des Abg. Frank werden geprüft werden. Gegenüber dem Abg. Dr. Müller möchte ich bemerken, daß der Erlaß von Vorschriften über den Umfang der Befugnisse und Ver- tflichtungen, sowie über den Geschäftsbetrieb der Stellenvermittlungen der Bühnenangehörigen L a n d e s s a ch e ist. In Preußen ist eine entsprechende Verordnung am 31. Januar 1902 erlassen worden. Im übrigen bin ich schon infolge der bei der Beratung der letzten Gewerbenovelle angenommene Resolution mit den Bundesregierungen in Verbindung getreten, über bie Frage, ob ein gesetzgeberisches Eingreifen in die Verhältnisse der Theaterange st eilten notwendig ist. Ich warte die Entscheidungen der Bundesregierungen ab, um auf dieser Grundlage und auf der Grundlage des mir von den Bühnenleitern unb -Angehörigen überwiesenen reichen Materials baldige Entschlüsse zu fassen. Die Frage, ob eine Aenderung der §§ 32 und 83a und b der Gewerbeordnung notwendig ist, unterliegt bereits der Beratung in den betreffenden Refiorts. Ich nehme an, daß durch diese Mitteilungen den Wünschen der Konservativen Rechnung getragen ist. Ich hoffe auch, daß Dr. Müller ein Entgegenkommen darin erblickt. Bei dieser formalen Lage, in der sich die Sache befindet, möchte ich heute die materielle Frage einer Reform des Theaterwesens nicht erörtern. Abg. Wieland (Südd. Vp.): Wir begrüßen es, daß endlich das große Werk der Versicherungsgesetzgebung zustande kommen soll. Wenn ter Wunsch nach Parität bei den Krankenkassen laut geworden ist, so ist daran die Unduldsamkeit der Sozialdemokraten schuld, die in vielen Kassen die Zweidrittelmehrheit haben, unb bie diese Macht auch ausgenutzt haben. (Sehr richtig!) Wenn die Bestrebungen der Sozialdemokraten auf Terrorisierung der Minorität ein Ende nehmen würden, so würde auch an der bisherigen Stimmenzusammensetzung nichts auszusetzen sein. Dic großen Erfolge der Berufsgenossenschaften erleimcn wir freudig an. Auch wir wünschen, daß die jetzt geltenden Bestimmungen über den Reservefonds eine Erleichterung erfahren. Der Mittelstand bedarf der kräftigen Fürsorge der Regierung. Darum begrüßen wir es, daß das „Handwerksblatt" durch einen Reichszuschuß gefördert werden soll. Wir haben auch weitere Wünsche für das Wohl des gewerblichen und kaufmännischen Mittelstandes, so vor allem umfafiende Einbeziehung in die Versiche- rungen, Beseitigung der Konkurrenz durch die GesängniSarbeit, Aenderung des Submissionswesens, Versicherung _ der Privatbeamten usw. Erfreulich ist, daß endlich das Gesetz über den unlauteren Wettbewerb gekommen ist. Die volle Sonntagsruhe in Handwerk unb Industrie muß, abgesehen von Notarbeiten, durchgeführt werden. Im Handel geht das aber nicht in gleicher Weise. Aus Württemberg ist eine Petition mit 12 000 Unterschriften aus allen Teilen des Landes an den Reichstag gerichtet worden, worin gebeten wird, es möge bezüglich der Sonntagsruhe im Handel bei den geltenden Bestimmungen bleiben. Die Landbevölkerung macht vielfach ihre Einkäufe am Sonntag. Durch eine völlige Sonntagsruhe im Handel würde der seßhafte Mittelstand schwer geschädigt und das Hausiererwesen begünstigt werden. Wir dürfen die Bewegungsfreiheit des Mittelstandes, der ein wichtiger Bestandteil des deutschen Volkes ist, nicht noch mehr hemmen. Gerade jetzt wird wieder viel Opferwilligkeit vom Mittelstand verlangt. Darum soll man auch auf feine Wünsche Rücksicht nehmen. (Beifall.) Abg. Graf von Kanitz (Kons.): Ich muß zum z w e i t e n M a l bei dieser Debatte sprechen, um die gestrigen zollpolitischen Ausführungen des Herrn Kaemps zu widerlegen. Er hat sich als ein erbitterter Gegner unserer ganzen Zollpolitik gezeigt. Aber die Verteuerung des ganzen Levens ist doch nicht eine Folge unserer Zölle. (Widerspruch links.) Schuld an der Verteuerung sind die gestiegenen Fabrikationskosten, die hohen Löhne, die gestiegenen Wohnungsmieten. (Widerspruch links.) Wir sehen ja, daß auch die WohnungSgeldzuschüffe, die wir den Beamten gewähren wollen, bereits wieder von den Hausbesitzern mit Beschlag belegt werden, die einfach die Mieten gesteigert haben. Die Rohprodukte sind ganz billig, aber die Fabrikation kostet zu viel, daher rührt die allgemeine Teuerung. Mit den Zöllen hat das alles nichts zu tun. Wenn wir jetzt unser Zollsystem aufgeben würden, so würden wir geradezu den Ruin des Landes herbeiführen. (Beifall rechts, Widerspruch links.) Auch alle anderen Länder bereiten sich vor, soweit das noch nicht geschehen ist, zum Schutzzoll überzugehen. Die Zentrumsresolution auf Gewährung von Einfuhrscheinen für die reinen Walzwerke usw. fordert im Prinzip nahezu die Zollfreiheit für Roheisen. Damit können wir nicht einverstanden sein, wir würden damit die ganze Roheisenindustrie vernichten. Auch bei der Behandlung der Frage der Einfuhr scheine für Getreide sind Herrn Kaempf eine ganze Reihe von Irrtümern untergelaufen. Es kann keine Rede bftüon fein, daß durch das System der Einfuhrscheine die Reichskafie geschädigt worden ist. Die Einfuhrscheine liegen im Interesse unserer deutschen Ostseehäfen, und sogar der frühere Königsberger sozialdemokratische Abg. Haase hat sich für sie ausgesprochen. Der Abg. Kaempf hat schließlich gestern auf das Anwachsen der industriellen Bevölkerung und auf den Rückgang der in der Landwirtschaft beschäftigten Personen hinge- wiesen. Das ist eben eine Folge der unseligen Handelspolitik Caprivis. (Lautes Lachen links, Sehr richtig! rechts.) Möchte sich auch Herr Kaempf endlich davon überzeugen, daß die Aera des Freihandels herbei ift. Hält Herr Kaempf aber am Freihandel fest, dann macht er sich zum Kompagnon einer Firma, die tatsächlich bankerott ist und nur nach außen hin ihre Leistungsfähigkeit zur Schau trägt. (Lebhafter Beifall rechts, lautes Zischen links.) Abg. Dr. Pfeiffer (Zentr.): Es freut mich, daß der Staatssekretär erklärt hat, daß die verbündeten Regierungen der Frage der Schaffung eines Reichs- theatergesetzes näher getreten sind. Nach dieser Erklärung dürfen wir hoffen, daß die Angelegenheit bald eine Regelung finden wird. Durch die Generalversammlung des Deutschen Bühnenvereins ist eine Situation eingetreten, die ich im Jnterefie der Sache selbst sehr bedauere. (Sehr richtig!) Man hat den Arbeitnehmern den Fehdehandschuh hingeworfen und ihnen den Brotkorb höher gehängt insofern, als man ihnen verboten hat, an Benefizvorstellungen zugunsten der Kafie der Genofienschaft teilzunehmen. (Hört, hort!) In rechtlicher Beziehung stehen die Angehörigen des deutschen Theaters schlechter als jedes anderen Berufes. Gewiß, es gibt ein Bühnenschiedsgericht, für das ein freies Wahlrecht besteht. Aber wenn der Direktor die Mitglieder des Gerichts für befangen erklärt, verliert es seine Zuständigkeit. (Hört, hört!) Deshalb wünsche ich, daß das neue Theatergesetz auch die Frage der Gerichtsbarkeit regelt. Außerdem wünsche ich, daß die Paragraphen des Bürgerlichen Gesetzbuches, die die Verstöße gegen die guten Sitten behandeln, den Bühnen- angehörigen in vollem Maße zugute kommen, was heute leider nicht der Fall ist. (Sehr richtig!) Bei den Vorarbeiten zu meiner Broschüre „Theaterelend" sind mir 6000 Fragebogen durch die Finger gegangen, und bei der Bearbeitung dieses gewaltigen Materials bekam ich den Eindruck, daß sich hier in Wahrheit eine Tragödie abspielt, die Schrecken und Mitleid zugleich auslöst. (Sehr gut!) Auf der Generalversammlung des Bühnenvereins ist gesagt worden, oaß die Verhältnifie ja nicht so en .en, fcdfi die Ihmbiflunfl; nu1: 11 auf Wc6rit- " । zu verteilen 'ft- (L'eb^aiter ^chliMN feien. Ich plauhe, daß der 3ntenbcrt eine» Hoflheater». btt auf den Höhen der Menschheit wandelt, bk Dinge mit ganz andren Äugen sieht, ok em Schauspieler, der drangen in cet Provinz mit einem Direktor za hui toi, defien künstlerische und moralische Qualitäten sehr zweifelhaft fein können. (Lehr ruhlifl!) 60 Prozent der Bühnen- tMgehLrigen tetuienen weniger wie VM Mark. Bon ttefepi tiklt muffen die Sühnenangeh 7 pSteuererhohnng zu tragen Ta ist es nun gut, daß das dinitsche Volksvetntögett einmal einer Berechnung unter zogen wird Ta o tut A r n 0 l d S t ei n nt a itu -Bü cher in einer soeben bei Ctto Elsner in Berlin erschienenen Bro^ schirre: er berechnet dort das Volksvermögen Deutschlands, Frankreichs, Eitglands und her Vereinigten Staaten von Amerika und kommt zu Ergebifissen, die nicht unbeträchtlid) von dein abtueid)cn, was man bisher als richtig angenommen hatte Auf Grund gewissenhafter Prüfung findet er folgendes B i s h e r hat es geheißen: 200 Milliarden deutsches Volksvermögcn, 200 Milliard. Volk-Vermögen ^ranfreidio iutt> 250 Milliarden VvlkSver- miigen lffroßbritanniens. I e tz t b c i fH e S. .'150 Milliarden deutsche s Volks vermögen, •.*.'10 Milliarden französisches und höchstens 300 Milliarden britisches Volksvermögen Das sind Unterschiede! Hier n ad) luärr also daS deutsch c Reid» s d) v n heute d a s reichste Land in Europa Der Verfasser berechnet dann noch, wie eS itt zwanzig fahren lieißeu wird imb gibt für diese Zeit folgende 'lahlen - 600 Milliarden deutsche-, 300 Milliarden französisches nnb 438 Milliarden britisdws Volksvermögen. ferner l*ered>net er die Einwohnerzahlen, die heute jur Deutschland 6.3 Millionen, für ^ran kreid) 39 Millionen, für Großbritannim 43 Millionen be- tragen, auf x:, 40 und >3 Millionen Da- sind Zahlen, bie allerdings mit Vorsicht anf-nnehmen find, aber tut Zu- fammcnhait mit den iibugeii Beredmungen durchaus geeignet sind, das heutjdK Volk ans feiner politischen und win fdwftlidkii Verdrossenheit heran zureißcn und ihm u Leigen, daß seine lOfährigc Arbeit seit der Gründung des Teutfdnn Reiches nicht umsonst wai Beachtensnnrl ist nod) ui der Sdunt Slcrnmmm Vudvis bte Feststellung, das duli> iu:. .. nun :et u buflrieilen Tütigkrtt di a n b m t r t f er 1 f t 11 • litten ha' , sie sei nicht oerr. *•: -r uotben oder c. wie in Großbritannien, Riukjchru: na tun fähigkeit habe fid) vielmehr nad) Minrgc und Güte ihrer Er Zeugnisse und ihr Reid)tum infolge der Äertsteigerung dieser Erzeugniffc und dadurch auch des ländlichen Grundbesitzes entsprechend den Fortschritten der Industrie entwickelt. Tie Entwicklung der Industrie war für sic die Grundlage dieser günstigen Entwicklung. Die gesamte landwirtschaftliche Produktion wird heute auf jährlich 15 Milliarden geschätzt gegenüber einer industriellen und gewerblichen Gütererzcugung von etwa 36 Milliarden, eine Leistungsfähigkeit der Land wirtschaft, die der Hälfte der industriellen und gewerblichen sehr nahe kommt. Ein Zufall fügt es, daß setzt gleichzeitig mit den interessanten Mitteilungen Steinmaun Büchers auch die preußische Stcuerübersicht für T.)08 bekannt wird. Tie, Ziffern, die sich einem dort darbteten, sind keineswegs un interessant. Rad) der Steuerübersicht, die dem Abgeordneten- Hause zugegangeu ist, beträgt für das Jahr das veranlagte Einkommen der preußischen Zeusiten 12795101910 Mk., ist also gegen das Vorjahr um 8,91 Prozent gestiegen. Von der (Gesamtsumme entfallen auf bic Städte !)035676 257 Mk., auf daSLand:3 7)9 125 653 Mk Tas Durchschnittseinkommen stellt sich auf den Kopf der Zensiten in bcn Städten auf 2402.22 Mk., auf dem Üanbc auf 1777.20 Mk., überhaupt auf 217.7.24 M k. Tas veranlagte steuerpflichtige Einkorn- 11t en der Zensiten mit me hr a 15 3000 M I men beträgt 5450975235 Mk., ist also gegen das Vorjahr um 5,72 Prozent gestiegen. Es sondert sich nach den für biefe Zensiten befonbers zufammengestellteu Einkommensquellen wie folgt: Aus Mapttalücrmögen 1701 988 022 Mk., aus Grunbvermögen 1233 155 337 Mk., aus Handel, Gewerbe und Bergbau 1832635812 Mk., aus gewinnbringender Beschäftigung 1622 125 270 Mk. Tas gesamte steuerpflichtige Vermögen, also nicht das Einkommen, sondern der Kapitalbesitzder Zensiten in Höhe von 91653297197 Mk. entfällt auf die Städte mit 58 416 423 968 Mk., auf das Land mit 33 206 873 229 Mk. Tav Turchfd)nlttsverniögen stellt fich daher überhaupt auf 60 997.69 Mk, in den Städten auf 80161.36 Mk, auf dem Lande auf 42932.72 Mk. Interessant ist die Feststellung derrcich stcst Städte Preußens: so beträgt das Turchschnittsvermögen in Ehar- lottenburg 192104 Mk. (feit 1907 um 11000 Mk. gestiegen', in Frankfurt a. M. 186 286 Mk., in Wiesbaden 169 302 Mk., in Titffclborf 154 771 Mk-, in Wilmersdorf bei Berlin 154 277 Mk, in Essen 142 707 Mk., in Bonn 141963 Mk, in Berlin 139 956 Mk. Tas steuerpflichtige Vermögen der sämtlichen Zensiten ist um 9,21 Milliarden Mark gegen 1907 gestiegen. Es besitzen 100 000 bis 200 000 Mk. 5,32 p S? , 200000—50000" Mk 2,88 v. d, 300000 1 000000 Mk. 0,84 v. H, 1—2 Millionen Mark 035 v. H , mehr als« 2 MMionen Mark 0,21 v. H. oder 3083 Zensiten Einkommensteuerfrei, rocti das Einkommen weniger als '.»00 Mk. betrug, blieben insgesamt 19 932981 jtopfc vder 52,42 v. H der Bevölkerung, banott 7*254 729 Städter und 12 678 252 Landbewohner Ter im ersten Augenblick erschreckend hohe Prozentsatz von 52,42 Prozent derjenigen, die ein Einkommen von weniger als 9"U Mark haben, wird aber erst verftiinblidi, wenn man beachtet, daß sich unter dieser Ziffer auch die noch nicht erwerbsfähigen Ninder. Ehefrauen, die Söhne nnb Töchter wohlhabender Leute, bte ein eigenes ZinSeiukommen nicht haben, Milttärverfonen und Strafgefangene mugerectmet find Bcrztoeifelt ist jedenfaUs, wie man aus allem erficht, die finanzielle Lage des deutschen Reiches keineswegs E. A. ” ■ -11 Zlenöerung öts hessischen Zlschercigesetze;. ! Tas . dKTctflqcD rom 27 April 1881 beftunmt tn Artikel 14**, > ;id) eines Fuchcrcifrcvelc litchi jchuld'fl «acht, wer in schiffbaren Strömen und Flüs f e n mit der ein- fad)cu Handangcl ftidit Dieser Vorschrift lag di'* Auffassung ui Erundi, es könne der Fischerei in größeren Flüssen durch das Angeln ein nennenswerter Schaben nicht uigriüat werden Tiefe Auffassung Kal sich indessen infolge der Vervollkommnung der Angelgeräte al? uiibaübar invirsen Zudem machte snv der Umstand unamieneb'n iiihlbar, das; e» nicht immer zu verhüten war. daß tatsächlich neben dir zugelassenen eiiüadxn .^aubangri verbotene iöcräte benutzt wurden. Tic Regierung brachte deshalb bereits auf b.mi 30. Mondtag einen (^cifpaitnnirf ein. wonach der Artikel ix dos Fischereigefetze» aufgehoben sein sollte. Tiefer 6,esetzentwurj blieb sowohl auf biesem wie auf dem folgenden Landtag uiicrlcbigt. Inzivischcn ist von luciltrcr Vorlage abgesehen worden, da die reidwgesevlichc Regelung der Ange- lepimbrit in Aussicht gestellt nrorbrn war Tiefe Aussicht lr- steht ietzt nicht mehr und es erscheint ange;rigt. her Bcrufsfifcherei den nunschenswerten 3dmr. gegen di ibr an-5 brr Rngetsreihnt ernachsenden Schafen durch land,*»geietzllch>* VorichriNen ;u gr- ipdbreH. Tiex- kann gesdieb.ii. otzn> rag c< rrforht rltd* 1« den Artikel 18 aufnihed n unb bannt daz Angeln in schiffbaren Stcvmen und Flüssen durä' aitbcic als bif Berechtigtn gän;- lick zu verbieten, nämlich dadurch, daß hierfür schriftliche Er hiubnio der Verwalnmgsbel.orve nornridiricb«*n wird Eine ähnliche Lösung ist bereit» anläßlich der Verhandlungen der Zweiten Mamnicr über die Vorstrlluna'N Or- Mainur AngclNude betr den Angelsport int Groß Ker wgtunt Hessen unb den Angelsport im Rhein im Gebiet des Größter ogtnms Helfen nl? möglich an gedeutet ivorocn Ter nunmehr norkiegendr En Mur) ficht die Ausgabe bezahlter Fisckereikorten vor. hon deren Besitz bte Br jugnis zum Angeln in fannboren Strömen und slüfsen durch andere als bie Berechtigten, ebenso aber auch die BesugNi^ ;um Fischen nbervaupt ui öffentlichen bewässern burd) RidUberechtigte bedingt fern soll Auf diese Weife wird gleichmäßig den Zn- ter essen brr Beruf snscher unb der Sports,sd>er. aber auch den Zntcressen der Fischcreiaunichl gebient sein Die Mischern karten werden hon den >trn»ämtcni bis zur Taupi inrs Zähre» ausgestellt. Hierfür ist eine Abgabe in Höhe hon 5,8 ober 15 M vor - geicbcn, ic nachdem bei 'J?arfn'u(hcnbc f.-inen WoKnfiß oder bau- ernben Aufenthalt im Großv.erzoqNnn, un »brigen leutichlaud oder auRcthalb des Reiche bat Bei einer lv.ültwkriwkwu'-r bet Startr von mcnigei als drei Monaten ermäßigt fid) h:r Abgabe aut 2,1 nnd 10 Mark s&o r* it(b nicht nur um ha# .Zischen mit t er erntachen Handangel in schift baren Strömen und lassen hantelt, darf bic 8arte nur mit Zuttiuimnng de« Berechtigten ausgestellt werden i^sdräftsnnfädigkeit im Sinne be* Börarrlichen Gesetzbuches unb bte Unfähigkeit arm Pachten einer .rtüftcret schließen den Besitz der ihidicreitnrtr au»; die Ausstellung der Marte Tann werter verweigert werden, wenn tattaiben vorliegen, bic die Annahme recht fertig en, daß 1 ic mißbräuchlich iverde verwendet werden Ver'onen. cu- in ihrer Gefchaftsunlähigk it m Sinne des Burflerlilven ,Gesetzbuches beschrankt iuib. bedürfen zum Besitze der Marti der iustimmnnq des gesetzlichen Vertreter — *lmn Schluß enthalt der Entwurf bte crivrberhrfKn Slraibeftim- mungen. ■ "■ 40 Jahre ycssische StaaNfteuerftatiftit. Vor 40 Jahren bildete, n d. lärmst 3i|t", im tffrost- Herzogtum Sxffcn der Grund und Boden nebst Gebäuden die Hcniptsteucrguclle des Staates: denn diese Grundsteuer erbrachte im Fuhre 1869 <»8 Prozent des Gesawlbeträges der direkten Steuern, während auf die Personalsten er nur 20 Prozent und auf die (Gewerbesteuer 12 Prozent entfielen Zm Fahre 1870 schncNte durch IbnivaiiÖlung der Personal- steuer in Einkominensteuer die letztere von 20 Prozent auf 36 Prozent des (Yesamtsteucrbetrages cmvor und bat jetzt, im Fahre 1908, die Höhe von 76 Prozent erreicht In« zwischen war nämlich, in den Fahren 1885, 1896 und 1901, die Progresfion der Einkommensteuer wiederholt verschärft worden Ferner wurde bic Oh-unb- unb Gewerbesteuer nebst der erst im Fahre 1885 eiiigefühttcn Kopitalrentknsteuer im Fabre 1901 durch die Vermögenssteuer ersetzt, die jetzt ungefähr 24 Prozent des Steuerbetruges rinbringt. Taß sich die Einkommensteuer, ähnlich wie in Preußen usw, ium Rückgrat des Steuersnstems ausbilben konnte, verdankt l'ic dein überraschenden Lachs tum des Volkswohlstandes, denn das Einkommen btt hessischen Bevölkerung ,physische Personen) ist von 166 Millionen Man im Fahre 1870 auf 550 Millionen Mark 111 1908 gestiegen, so daß sich das Einkommen vro topf her Bevölkerung von 202 Mark auf 137 Mark erhöhte oder, auf einen Steuerpflichtigen berechnet, von 780 Mark auf 1559 Mark. Einen tieferen Einblick in bte Einkommensoerhältnisse der Bevölteri iig erhält man jedoch erst, wenn man untersucht, wie sich die niederen, mittleren und l)öheren Einkommen im Laufe der Zeit der Zahl nach verschoben haben. Man kann dann folgendes feststellen: Die Zahl der Pflichtigen mit einem Einkommen von ‘JOD bis 1700 Mark ist in den letzten 40 Jahren auf das Dreifache gewachsen; die Pflichtigen in den mittleren Einkommensklassen, also ungefähr bis zu einem Einkommen von 8000 Mark, haben sich verdoppelt, und die Zahl der Einkommenspflichtigen mit über 8000 Mark ist auf das 4- bis 6 fache gestiegen. So weist z. B. die Einkommensgruppe von 30 000 bis 100 000 Mark im Jahre 1870 nur 77 Pflichtige, im Jahre 1908 dagegen 5'31 (physische) Pflichtige auf. Diese Steigerung der höheren Einkommen ist sicher nur zu einem kleinen Teil auf genauere Einschätzung zurückzuführen und entspricht in der Hauptsache den ver- önberten Wohlstandsverhältnisscu, so daß die staatliche direkte Steuerlast, die heute 11.32 Mark auf einen Bewohner Hessens beträgt, weniger hart empfunden wird, als vor 40 Fahren, wo auf den Kopf der Bevölkerung mir 7 bis 8 Mark Steuern kamen. Hess. Verein für ländliche heimatrpslege, wohlsahrt- und Aunstpslege. — Friedberg, 10 Febr. Im Saal des „Hotel Trapp" fand beute nachmittag eine iehr gut besuchte Versammlung des Hessischen Vereins für ländliche Heimatpflege, Wohlfahrt- und Kunst'pflege statt, die von dem Vorsitzenden, Geh. Regierungsrat F e ij mit herzlichem Willkommengruß eröffnet wurde. Insbesondere begrüßte er den Provinzialdirektor Geheimerat Tr. Breidert, Bürgermeister Baurat Stahl, die Vertreter verschiedener K>eisämter, des Hess. Tiakonissenvereins, des Hess. Vereins für innere Mission, des Rhein-Main-Verbanbes und des mittelrheiniichen Vereins sür Volksbildung. Tie Versammlung sei die zahlreich besuchteste, die der Verein bis jetzt hielt und solle auf verschiedenen Gebieten neue Fingerzeige und Wege bieten. — Provinzialbirektor Geheimrat Tr. Breidert begrüßte die Versammlling im Namen der Provinz und versicherte, daß die Provinz die Bestrebungen des Vereins gern unterstützen werbe. Tie Gruße der Stadt Friedberg überbrächte Bürgermeister Bau- rat Stahl. Von dem'Vertreter des Ministeriums des Innern Ministerialrat Dr. U s i u g e v rvar eine Begrüßungsdepesche eingetroffen. Den ersten und Hauptpunkt der Tagesordnung bildete das Thema Volksunlerhaltung auf dem Lande, das Pfarrer Vogt- Reichelsheim i. d. Wetterau mit einem längeren Vortrag eingeleitet, dem folgende Leitsätze zugrunde lagen: I. In unserer hastigen Zeit, wo die Strömung nach der Großstadt volkstümlich geworden ist, geht viel gesundes Volksleben verloren; Volksgist tritt meist an dessen Stelle. Welche Segnungen und Reize, Schönheiten und Vorteile nun gerade das Landleben in vieler Beziehung gegenüber diesen Städten aufzuweisen hat, bleibt einfach den Leuten vom Lande verborgen. Die Liebe zur Heimat fällt so allmählich dahin, zumal auch alle, gute Sitten sterben, und ein fast völlig andersdenkendes Geschlecht heramvächst. Tic der Volksnnterhalning dienenden Sitten haben auch hier und dort ihr Gewand gewechselt, so die „S pinn- stube", welche heute vielerorts auch „Gesellschaft" genannt wird. Diese ist je nach der sittlichen Höhelage der einzelnen Gemeinden einznschätzen. Wo man die Svinnstnben verbietet, begeht man ein Verbrechen am Volke, indem man ein Stück echten Volkslebens tötet, anstatt die Auswüchse zu treffen. Die Teilnehnter der älteren Hausbewohner an diesen Jugendversanimlungen bietet die beste Gewähr einer gesunden Jugend- und Volksunterbaltung. —. Ein Stück geselligen Lebens auf dem Lande bereiten sich auch die einzelnen Familien durch gegenseitige Einladungen an den Winterabenden oder zum „Schlachtfeste". Tie verschiedenen Vereine, lute Krieger, Gesang, Turn-, Musik-, Gewerbcverein usw., pflegen ihrem Namen und Zweck entsprechend, bestimmte Gebiete des Volkslebens, wobei jedoch die Volksimterhaltung mehr oder minder nur in der betreffenden "Art zur Geltung kommt. II. Um dem eindringendeil und vorhandenen VollSgifte noch wirksamer entgegenzutreten sind noch andre Wege zu beschreiten. Tas Alte und das in den verschiedensten Formen des Landlebens Gegebene muß. mit neuem Geiste durchdrungen werden, der erfüllt ist mit heißer Liebe zu unferin Volke und der Heimat. Segensreich für Herz und Gemüt wirken allgemein verständliche Vorträge. (Orts-, Familien, Heimatsgeschichte, bedeutende Minner und Frauen, Sagen Und Legenden, Berge und Burgen, Flüsse und Städte, Kriege, und Friedenszeiten, Geisteskämpfe und Weltanschonungen, (Ättdeckungeu und Erfindungen usw. An jeden Vortrag bat sich eine, freie Aussprache anznschließen, die in Schlichtheit und Offenheit manches vertieft und weiter ausbaut. Nötig für solche Vorträge ist ein „Frageka st e n". Turch die darin niedergelegten Fragen gewinnt man einen gewissen lleberblick über dos vorhandene In tcreffe und womit sich unter anderem die Volksseele beschäftigt. Ein sehr willkommenes Hilfsmittel für Vortrag und Anschauung ift bet L i ch t b i l d er a p p a r a t. Vieles wird hierdurch den Zuhörern verständlicher und prägt sich tiefer ins Gedächtnis und Gemüt ein. Möglichst viele Leute sind zur Mitarbeit an dieser Volkssoche heranzuziehen. Ties geschieht z. B. durch Vor les en lehrreicher Erzählungen oder klassischer Stücke mit entsprechender Rollenverteilung, vor ollem aber durchs „Dorf- t Heater". Ter Geschmack in dieser Beziehung ist vielfach verdorben, zumal frier und frort zweideutige Stücke, ja Schmutz auf die Bühne kommen. Durch echte Volksstücke, verbunden mit sittlichem Ernst und sonnigem Humor, ist die ideale wirkliche Bedeutung des Theaters für die Volkserz.'ehung und Volksunter- haltung darzulegen. Die von Volksfreunden ins Leben gerufenen „Wandertheater" dienen wohl als Vorbild, aber die eigene Mitarbeit der Ortsbewohner wird hierdurch beiseitegeschoben, was im Interesse her zu erstrebenden Volksunterhaltung nicht erwünscht sein kann. Als Höhepunkt der Volksunterhaltung gelten die „Gemeindcabende" — die Vollversammlungen der Ortsgemeinde - , welche verschiedenartig gestaltet werden können. Alls die Mithilfe der in Betracht kommenden Vereine ist zu sehen. Tas Volkslied, entsprechende. Musik, der Vortrag, womöglich Licht- bildervortrag, das Dorstheater nsw. kommen frier öffentlich zur Geltung. Ein Teil der Tvrfseele wird gleichsam zum Schwingen gebracht. Für eine wirklich gute Volks bibliothek ist zu sorgen. Ter Bolksunterhaltung und Vertiefung der Liebe zur Heimat und Vaterland, zu allem Guten und Hoheitsvollen dienen auch die, in der besseren Jahreszeit unternommenen Wanderungen nach wichtigen Städten und Gegenden. Auch hier ist es, wie bei den Schulspaziergängen, der Anschauungsunterricht, welcher Herz und Geist erfreut. Tie Schulspaziergänge müssen vermehrt werden, doch ist den Lehrern dabei Haftpflicht abzn- nehmen. Es ist Pflicht der O r t s b e h ö r d e n , diesen Bestrebungen der Volksunterhaltung freundlichst entgegenzukommen, Pflichten jedes V o l k s f r e n n d e s oder VolkserzielierS, für die Volksgenossen und die Heimat in der jeden gegebenen Eigenart nach Kräften zu wirken. Pfarrer und Lehrer müssen vor allem in diesem Sinne wirken, denn sie sind für das Volk und das Volk nicht für sie da. Mit der rechten Volksunterhaltung ist die Heimatpflege erwachsen. Nach dem mit lebhaften Beifall aufgenommenen Vortrag bat der Vorsitzende, int Sinne der Ausführungen des Redners die Sache m den einzelnen Dörfern in die Wege zu teilen, namentlich Pfarrer, Bürgermeister und Lehrer sollten dies tun. Ties könne am besten geschehen durch Gründling von selbslänbigeu Ortsgruppen des Vereins, die eveniuell vorn Verein auch finanziell unterstützt werben. lieber die Landkrankenpslege referierte der Vorsitzende. Er nilirtc dazu folgendes aus: Es mutz als eine hervorragende Ausgabe der kirchlichen und Gemeinde - Organe in Verbindung mit den Aerzten auf dein Lande attgesehen werden, überall die Einrichtung einer georbneten Land- krankenpslege in die Hand zu nehmen, um dadurch der ärmeren Bevölkerung auf dem Lande eine, hinter den stadtischeit Einrich- lungen nicht allzuweit zurückbleibende Fürsorge zu gewähren. Es ift anzustreben, daß die Mittel hierfür durch Entstellung von Zuschüssen in die Kirchen-, Gemeinde- und Kreisvoranschläge, bureb Stiftungen, burefr Beiträge von Hauspflegevereinen und sonstige Gaben beschafft werden. In Bezirken' mit Heinen und wenig leistungsfähigen Gemeinden erscheint eine bezirksweise lkreisweiie) erfolgende Fürsorge durch Bezirks-vanspflegeoereine ratsam. In Bezirken mit größeren und leistungsfähigeren Gemeinden sind örtliche Hattspstegevereine zu bevorzugen. Tie Bestrebungen, welche auf den Zusammenschluß aller Landkrankenpflege Organisationen zu entern Verbände int ganzen Londe abzielett, und die durch eine von dem Verein für Innere Mission^ gewählte Kommission vorbereitet werden sollen, oerbieneit alle Förderung. Hierbei sollte insbesondere auch die Frage geprüft werden, in welcher Weife der Landkrankenpflege weitere Mittel zugeführt werden können. Tie Unterbringung der Krankenschwestern in eigenen Gebäuden, in denen auch Räume für Kranke, die zu Hause nicht gut verpflegt unb in Holpilälern nicht untergebracht werben können, vorgesehen werden sollen, erichemt für größere Landorte erstrebenswert unb ist, wie verschiedene Beispiele zeigen, auch erreichbar. Tie Einrichtungen der „Cbarlottenvflege" in Stuttgart zur Beschaffung von Hilfsmitteln für die Kranken- und Wochenpflege sind als muster- giltig zu bezeichnen und es tft deren Benutzung zu empfehlen. Ter Vereinsoorstand ist bereit, Bestellungen auf Sanitaksschränke, 23er- banbfaften, Wochenvflegekörbe u. L w. zu vermitteln. In der Diskussion ntachte Prof. Schöll-Friedberg auf die Schwierigkeiten aufmerksam, die der Einführung dieier Einrichtungen entgegenftehen, namentlich bezüglich der Unterbringung der Krankenschwestern u. s. w. Um alles, was sowohl auf diesem Gebiete, wie auf dem Gebiete der Gemeindeunterhaltung wüttschenswert ift, gut unterzubringen, empfiehlt sich die Errichtung uon Gemeindehäusern, die voll der bürgerlichen ober von ber kirchlichen Gemeinbe errichtet werben können. Ter Redner beschrieb ein solches Gemeindehaus des IHäheren. Ter Geschäftsführer des Main-Rheiil-Verbandes V o l k-Frank'urt, ging auf die finanzielle Seite des Baues solcher Gemeindehäuser ein und empfahl, im Anschluß an das Bestreben ber ländlichen Turnvereine, eigene Turnhallen zu bekommen, zum gemeinsamen Bau von solchen Gemeindehäusern 511 schreiten. lSchluß folgt.) Dresden, 10. Febr. Tie 58 Jahre alle Kaunnannsehe'rau Gebhardt in Dresden - Blasewitz hat ihr 1 4jähriges Dien ft in ädchen int Laufe eines halben Jahres fortgesetzt mißhandelt. Sie bemitzte hierzu meift einen Rohrstock ober eine lederne Klopfpeitsche, zuweilen auch einen Besenstiel. Wiederholt nötigte die Frau das Mäbchen, sich auf die Zimmerdiele niebcrzulegen, sie setzte sich dann auf seinen Rücken, entblößte das Gesäß unb bearbeitete letzteres mit der Klopfpeitsche. Das Mädchen wurde durch diese Behandlung so nervös, daß es nachts im Schlafe vor Angst aufschrie. Schließlich ging es mit seiner Mutter zum Arzt, der über den Fall so entrüstet war, daß er die Mutter zur Erstattung der Anzeige an die Behörde veranlaßte. In ber Verhandlung vor dem Schöffengericht mürbe festgestellt, baß die Dienst- Herrin durch das Mäbchen off gereizt worden war, da es'sich naschhaft unb verlogen und so unsauber zeigte, daß eS Ungeziefer bekam. Tie Angeklagte ist zudem hysterisch. Sie ist leicht aufgeregt unb hat auch vor einiger Zeit sich mit Phosphor zu vergiften versucht, konnte jeboch durch ärztliche Hilfe noch gerettet werben. Sie ist schon einmal wegen Mißhandlung eines früheren Dienst- boten in Untersuchung gezogen worben; letztere würbe indes seinerzeit wieder emgeffellt. In einem andern Falle zahlte sie 500 Mk. an die Verletzte, die dadurch bewogen wurde, von ber Stellung eines Strafantrags abzusehen. Tas Gericht nahm auf alle diese Umstände Rücksicht. Es sah von einer Gefängnisstrafe ab unb verurteilte die Angeklagte zu t a u f c n b Mark ® c l b ft r a f c. Vermißtes. * D i e Elektrizität hat schon seit einer Reihe von Jahren auch in der Schiffahrt die mannigfaltigste Verwendung gefunden. Auf dem neuen Riesendampfer „George Washington", der zurzeit sich auf der Werft beS Vulkans in Stettin für dem Norddeutschen Lloyd int Ban befindet, werden elektrische Anlagen, entsprechend ber Größe des Schaffes, in besonderem Umfange gemacht werden. So Werben alle Räume mit elektrischer Beleuchtung und alle an der Bordwand besegelten Zimmer 1. Klasse, mit Ausnahme der des Hauptdecks, mit elektrischer Heizung versehen. Tie übrigen Räume erhalten durchweg Dampfheizung, ausgiebigste Lüftung und alle den höchsten Anforderungen entsprechenden sonstigen Einrichtungen. Außer der natürlichen ist noch eine künstliche, durch alle bewohnten Räume verzweigte Lüftuug vorgesehen. Hierfür werden an Bord 24 Stück elektrisch betriebene Zentrifugal- Ventilatoren ausgestellt, die imstande sind, dem Schiffe 3000 Kubikmeter frische Luft in der Minute zuzusühren. Außerdem werden in la.lleit Gängen, Zwischendecksräumen usw. zahlreiche Utley-Ventilationsfenster für ausgiebige Lüftung sorgen. Beleuchtungszwecken dienen im ganzen etwa 1100 elektrische Lampen. Die. Erzeugung des elektrischen Stromes werden 7 große Dampf- Tyuamomaschineu bewirken, von denen 6 int Hilssmaschinenr aum und eine auf dem Saloudeck ausgestellt werden. Diese letztere soll insbesondere zur Rotbeleuchtung, wenn der .Hilfsmaschinenraum durch irgendwelche Umstände unter Wasser gesetzt sein sollte, dienen. 3ebe der 7 Dynamos soll 1000 Ampere bei 110 Volt Spannung leisten. Auch zur Bequeinlichkeit für die Reisenden, sowie zur Sicherheit des Schiffes wirb die Elektrizität auf dem „George Washington", der am 12.Juni d. I. in die Bremen- Pew-Borker Postdampserliitie des Rorddeutschen Lloyds eingestellt werden soll, die ausgiebigste Vcrmenduug findet!. Elektrische Klingelleitungen führen von allen Salons, den Kammern 1. unb 2. Klasse unb den Kammern der SchiffSbesatzitng nach den Pantrvs. In den RanchsalonS und int Wintergarten sind elektrische Zigarren^ anzünder, in den Passagierkammern 1. und 2. Klasse Anschlüsse für Brennscherenwärmer unb Windräder vorhanden. Auch die Bootswinden, Proviantwindcn erhalten elektrischen Antrieb, nm stets betriebsfertig zu sein. HanSet. *’ Konkurse in Hesseu. lieber beit Nachlaß des am 2. Dezember 1908 verstorbenen Schmieds Georg Schmidt zu Weiterstadt roitrbe am 25. Jan. bas Konkursverfahren eröffnet. Gerichtstgxator Ernst Wolfs zu Tarutstabt würbe 311111 Konkttrsverwalter ernannt. Konkurssordcrnngen sind bis zum 13. Febr. bet bem Amtsgericht Tarmstabt II auzumelbeu. — lieber bas Vermögen ber Witwe beS Landwirts Ehristoph Ludivig Schaffner III. Christine geb. Dörr in W 0 l f s k e h l e n wurde am 26. Jan. das Konkursverfahren eröffnet, da sie zahlungsunfähig ist und ihre Zahlungen emgeffellt hat. Rechtsanwalt Dr. Neuro t h in Groß = Gerau wurde zum Konkursverwalter ernannt. KonkurSforberungen find bis zum 13. Febr. bei dem Amtsgericht Groß-Gerau mi.mmelben. — lieber den Nachlaß ber Eheleute Johann Baumgärtner unb Katharina geb. Kröhling in Sulzheim würbe am 22. Jan. bas Konkursverfahren eröffnet. No- tariatsgehtlfe Jakob Streuber m Niebcr-Saulheim wurde zum Konkursverivalter ernannt. Konkursforderungeit sind bis zum 1. März bei dein Amtsgericht Wörrstadt auzuinelbeit. — lieber bas Vermögen bes Georg 3 t c i b , Ackersmamt und Barbier in Kö,tger n fr e i m wurde am 5. Febr. das Kontursverfahren eröffnet, da der Gemeüischulbtter den Antrag auf KoukurSeröffmmg gestellt hat und nach seinen Angaben und bem von thm ausgestellten Verzeichnis bes Vermögens Zahlungsun'ähigkeit vorliegt. Notariatsgehit'r V embb in Oppenheim mürbe zum Konkursverwalter enumm. Konkursforderungen sind bis zürn 22. Febr. bet bem Amtsgericht Oppenheim aiizumelbeit. K 0 h l e n v e r b r a u ch e r g e g e >t b a s K 0 h l e n m 0 n 0 p 01. Die Hanbelskammer zu Bielefclb ersucht um Wiebergabe ber sol- genben Alitteilungeit: „Mit Rücksicht darauf, baß bic neuen Offerten ber Kohlenhaubelsgesellschafl mir unwesentliche .Herabsetzung ber Kohlrupreise uafiveifen, ist von ber Hanbelskammer zu Bielefeld ein gemeinsames Vorgehen der Kohlenverbraucher in Aussicht genommen, um eiitweber eine weitere Herabsetzung ber vou ber Kohlenhanb.'lsgesellschaft vorgeseheneii Preise zu erwirken, ober aber um Kohlenlieferungsverträge mit außerhalb bes Syndikates stehenden Zechen in die Wege zu leiten. Im Interesse der Verbraucher liegt es daher, vorläufig bei der Vergebung von Lieferungsaufträgen sich eine gewisse Zurückhaltung aufzuerlegen. Tie V'arktpreisc für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotprcisc am 8 Februar 1909. Familie «-Nachrichten. Höchste Schlachtviehpreise in F r a n k s u r t a. M. Fleischpreise in Gießen Ochsen Kälber Schweine 50 Kg. Schlachtgewicht 73-76 Mk. 1, Kg.Schlachtgew. 90—95 Bf. '/, „ „ 70-72 „ 7» Kg. 76-84 Pfg. '/, , 70—78 , V, „ 80-90 y Getreibepreise in Mannhei m Brotpreise in Gießen Weizen 100 Kg. 22.75 - 23.00 Alk. Roggen 100 Kg. 17.25—17.50 Mk. Weißbrot 2 Kg. 62 Big. Schwarzbrot 2 Kg. Ü8 Pfg. Geborene: Herrn Ingenieur Walbow unb Frau in Wetzlar ein Sohn. Verlobte: Fräulein Lina Kohler mit Herrn Heinrich Hos- inanii, beibc in Zell. — Fräulein Anna Gunbershausen mit Herrn Bertholb Gernanb, beibe in Wetzlar. Gestorbene: Herr Konrab Zorn in Offheirn. — Herr Johannes Weitz in Bad Nauheim. — Herr Friedrich Schmidt in Büdingen. — Herr Konrab Weitzel in Strebenborf. — Frau Wilhelmine Doll, geb. Scheich, in Darmffabt. — Herr Karl Aguntius in Tolgesheim. — Herr Karl Roth in Espa. — Frau Anna Elien- thal. geb. Weibe, in Marburg. — Herr Friebrich Marquarbr in Wetzlar. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Februar 1909 । Barometer auf 0° rebuziert Temperatur ber Lust Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Winbrichtung Winbstärke Wetter 10. 2« 736 2 1,3 4,3 85 ESE 2 Bed. Hinimel 10. 9« 736.7 1,4 4,8 94 s 4 11. 715 738,2 empevc 0,8 4,6 94 NE 2 w • § höchste 2 1 1 1 itur am 9. Febr. bis 10. { febr. = = 4- 1,7° 6. Niebrigste , , 9. „ , 10. v = — 3.6°C. Telefonische Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Giessen. Frankfurter Börse Sja’/o Reichsanleihe . . 96.70 3% do. . . 87.50 3y« % Konsols .... 96.70 3% do 87.60 3y °/0 Hessen 96.40 °/2°/n Japan. Staatsanleihe 96.00 4% Conv.Türken von 1903 94.50 Tiirkeulose 147.90 45» Griech. Monopol-Anl. . —.— 4% äussere Argentinier . 88.00 3°/o Mexikaner . . . 65.50 4 >5% Chinesen .... 98.80 Aktien: Bochum Guss 223 00 Buderus E. W 112.00 Tendenz: ruhig. Berliner Börse. 11. Cauada E. B. . , . . . 173.90 Darmstädter Bank . . . —.— Deutsche Bank .... 246.50 Dortmunder-Union C. . . 62.00 Dresdner Bank .... 152.40 Tendenz: ruhig. ,11. Februar, 1.15 Uhr. Elektriz. Lahmeyer . . . 119.50 Elektriz. Schuckert . . . 121.75 Eschweiler Bergwerk . . 186.50 Gelsenkirchen Bergwerk . 188.75 Hamburg-Amerik. PakctL 113.60 Harpener Bergwerk. . . 192.25 Laurahütte ..... 204.25 Nordd. Lloyd 92.00 Obeischles. Eisen-Industrie 97.00 Berliner Handelsges. . . 174.00 Darmstädter Bank « . .131.60 Deutsche Bank .... 246.20 Deutsch-Asiat. Bank . . 137.20 Diskonto-Kommandit. . . 189.69 Dresdner Bank .... 152.50 Kreditaktien .... 200.60 Baltimore- und Ohio- Eisenlahu ..... 111.60 Gotthard bahn —.— Lombard. Eisenbahn . . 17.80 Oesterr. Staats bahn . . . 144 75 Prince-Henri-Eisenbahn .121.00 . Februar. Anfangsknrse. Harpener Bergwerk. . . 192.60 Laurahütte 203.50 Lombarden E. B. ... 17.80 Nordd. Lloyd 92.20 Türkenlose ..... 147.60 Das Beste ist stets das Billigste. Wie für jedes bekannte und eingeführte Präparat, so wird auch für Scotts Emulsion eine Reihe von mehr oder weniger minderivertigen Nachahniungen geboten. Hierüber laufen täglich Klagen bei uns ein, zumal nach Gebrauch dieser Nachahmungen der gewünschte Erfolg ausgeblieben ist. Deshalb sollten alle Eltern, die es gut mit ihren Kleinen meinen, wohl überlegen, ob es nicht vorteilhafter ist, das in allen Fällen bewährte Originalpräparat Scotts Emnlfiou «zu nehmen, und ob sich nicht auch hier der Spruch bestätigt: das Beste ist stets das Billigste. Mau verlange daher ausdrücklich: Scotts Emulsion mit unserer brannten nebenstehenden Fischer- scheu Derlahre-St schUtzMaNe. v»/, Extra Verkaufstage für (sine fßezttßkllt w (Bu xu betrete. Dii Emaille 72 (Vfieaträaet Drück Psg. 90 Schüffel» eMd)64iruU»r, 1.55 W8. 5& 42, 28, VfB. » 48, 32, L.V5 ölt Lßa L2C, Vffl. Maderbecher Stück Pfg. 72 28 Ctm., Drück Psg. Wafferalafer, O Butterdoscu. Stttp L2 schlug 13' ‘45 m. ^abnboritrnhc W. Gienen 7 2 tunten. Stück Psg. *4 VolUr. 2omuao»rath: Marburg drrlj Kleiderbügel. Reibmaschincu, ML 140, IM, lüichSkatteu, Vtg. 48, Lücheuwagen, ML 176, *«Hnf Wichsbürsten, Psg. L, 42 72 €birüu»rocber. Psg. 40, Anffbanke Stück Psg. Mbl. jiotr &SS3S?a 95 Sie Beachtung der Lchaufeustcr ist sehr zu empfehlen “ *cl M ni5 JÜT Ili Marktstrasse 17 Rittergasse 8 OUtl iUiiDciwlne 4. ?,u vermieten fliuif-0H?rnd)e iliciTdiiebcncti $trllen=($rludh' 3u verkaufen Mietrseluche (Offene Stellen •••'-- - iv - ßH Stück Psg. Stück Psg. 58 48 20 die vor Lalatftebe Teigichüsscla 12 32 10 32 fiaffeefanneu floefole m. 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