Nr. 77 Zweite- Blatt 159. Jahrgang Donnerstag, 1. April 1909 Lrschetnt töflfid) mtt NuSnahme be9 Sonntag». S)ie „Eteßener ZamiltenblStter- werden dem »Anzeiger^ Dermal wöchentlich betgelegt, das „Kretsbloti fßr dev Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Feit- trogen" erscheinen monatlich zweimal. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhchen Rotationsdruck enl Vertag bet VrühNche» UnwersitätS • Buch- und StetnbrudeteL St Lange, Dreßen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße ?. ExpedlNon und Verlag: Redaktion:«-ZA1I2. Tel.-AdruAnzeiger(Sreßea. Deutscher Reichstag. 238. Sitzung, Mittwoch, den 31. März 1909. Am Tische des BundeSratS: v. Schoen, v. Bethmann. H o l l w e g. Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 15 Minuten mit einem Nachruf auf den vorgestern verstorbenen fürsten Carl Günther von Schwarzburg.Rudolstadt, der auch zu den Bundesfürsten gehört habe, die bei der Gründung des Reiches mitwirkten. Die Genehmigung zur Einleitung einer Widerklage gegen die Abgg. Dr. Mugdan (Fr. Vp.) und Kopsch (Fr. Vp.) wird erteilt. Der Etat dcS Auswärtigen Amtes. Die Beratung beginnt bei dem Gehalt des Staatssekretärs. Abg. Roeren (Zentr.) begründet eine Resolution, die den Reichskanzler ersucht, die erforderlichen Schritte zur Ausbildung des internationalen Gewerberechts einzuleiten, wonach die gewerbsmäßige Herstel- lung und Verbreitung unsittlicher Schriften UNd Bilder unteebrüdt wird. Die französische und englische Regierung steht diesen Bestrebungen sympathisch gegenüber. Deutschland hat alle Ursache, dafür zu sorgen, daß endlich dem Import von Schundliteratur ein Ende gemacht wird. Ballenweise werden unzüchtige Schriften und Bilder über die Grenze geschleppt, die Heranwachsende Generation wird dadurch schwer gefährdet. Man darf nicht von Rückständigkeit und Muckertum IPrechen, wenn man hier den Hebel der Gesetzgebung ansetzen will. (Beifall im Zentrum.) Abg. Dr. Müller-Meiningen (Fr. Vp.) beantragt, die Resolution dahin abzuändern, daß Erwägungen angestellt werden, in welcher Weise dem Handel mit unzüchtigen Schriften, Abbildungen oder Darstellungen begegnet werden tann. ev handelt sich nicht um eine Materie des internationalen Ge- werberechts, sondern des Straßenrechts. Die Herstellung ist ein nationaler «(tt, der nicht kontrolliert werden kann; eingeschritten muß aber gegen den Handel werden. Herr Roeren sieht auch in der deutschen Reproduktionskunst nur die Schattenseiten. Da-, vor warnen wir im internationalen Interesse, denn Deutschland steht mit an der Spitze der Popularisierung der herrlichsten Kunst- Ichatze der ganzen Welt. Wir haben alle Ursache, nicht einen uc uen Lex Heinze-Kampf vom Zaune brechen zu lassen. Wir brauchen leine Verschärfung des Strafrechts in dieser Hin- si^si- IDiit der asketisch-moraltheologischen Weltanschauung deö Z.iitrunis habeii wir nichts« au tun. Wir wollen die Sittlichkeit durch eine vernunftgemäße Erziehung der Jugend heben. Von einer Forderung der Sittlichkeit durch den Schutzmann versprechen wir uns blutwenig. In der diplomatischen Karriere verlangen wir völlige Gleichberechtigung. Es darf bei der Anstellung von Diplomaten nicht darauf gesehen werden, ob ihr Blut violett, lila, blau oder rot ist. Man sollte Gelehrte, Vertreter der Industrie, Männer aus dem praktischen Leben und den Parlamenten zur Diplomatie nehmen. Unser diplomatisches Korps muß erheblich verbessert werden, denn von jeder divlomati- Vottes'ab^" 1)0nQt immer baS Wohl und Wehe eines ganzen Staatssekretär v. Schoen: Ich fin.be den Antrag Müller-Meiningen empfehlenswert, ja sogar notwendig, weil die Fassung des Antrages Hompesch nicht ganz der Rechtslage entsprechen würde. Die Frage, ob es möglich wäre, mit auswärtigen Mächten eine Vereinbarung zur Bekämpfung des Handels mit unzüchtigen Schriften zu treffen, ist bereits 1006 hier int Reichstage erörtert worden, sie wurde damals vom Abg. Stöcker zur Sprache gebracht. Diese Anregung hat seiner Zeit dem Auswärtigen Amt Anlaß gegeben, mit den beteiligten iiilandischeii Amtsstellen in Verbindung zu treten Unsere Behörden sind seit langem bemüht, die Einfuhr unsittlicher Schriften und Darstellungen aus dem Auslande au verhüten. 0 Wo der Absender dieser Schriften ermittelt werden fonn, Mben wir regelmäßig Anträge auf Strafverfolgung gestellt Im Mm v. I. hat ui Paris auf private Anregung ein Kongreß gegen die Pornographie getagt, auf dem 82 Gesell schäften vertreten waren. Es war die Annahme berechtigt daß die französische Regierung auf Grund der Beschlüffe dieser Konferenz die Initiative zur Einladung zu einer amtlichen Konferenz ergreifen würde. Vor drei Wochen ist an uns die Anfrage ergangen, ob wir uns an einer solchen Konferenz beteiligen wurden. Wir haben sofort mit Ja geantwortet. Eine einmütige Resolution des Reichstags würde unsere Stellung auf dieser Konferenz stärken. Abg. Frank-Ratibor (Zentr.) bringt die Z i g e u n e r p l a g e zur Sprache und wünscht eine Vereinbarung mit der österreichischen Regierung über die Abschiebung der Zigeunerbanden aus Oberschlesien. Die Fremdenpolizei sei doch Reichssache. Abg. Graf Kanitz (Kons.): Den Ausführungen über die Zigeunerplage kann ich mich nur anichließen. Auch in meiner Heimat Oft Preußen wird sie sehr unliebsam empfunden. Banden von 20, 25 Köpfen bringen in die Häuser, brandschatzen die ganze Gegend, weiden die Pferde auf den _ Saaten usw. Energische Maßnahmen sind dringend wiinichenswert. Der Redner lenkt die Aufmerksamkeit des Staatssekretärs auf die vielfach unbefriedigenden Zustände an der P r e u ß i s ch. r u s s i s ch e n Grenze. Es fehlt an einer genügenden Zahl von Grenzübergängen. Besonders die 6.» Kilometer lange Strecke von Schirwindt bis Stallupönen hat gar keinen. Das führt zu großer Behinderung und Belästigung des Verkehrs. Staatssekretär v. Schoen: Ich zweifle nicht, daß die russische Regierung entgegen- lommen wird. Die Fremdenpolizei unterliegt allerdings der Auf- sicht des Reiches, aber die Sache selbst geht die inneren Behörden Mi. Die Nationglität der Zigeuner ist schwer festzustellen. Die Rcichsregierung wird sich aber alle Mühe geben, den deutschen Boden von dieser Plage zu befreien. Abg. Dr. Varenhorst (Rp.): ..Auch ich bin in der Lage, über die Zigeunerplage ein Liedlein flu fingen. Von Hamburg aus belästigen sie meine Provinz Hannover und zum Teil auch Schleswig-Holstein. Ich bitte den StaatLselrelär, sich auch dieser Zigeuner anzunehmen und ihre Nationaliiät festzustellen. Im Sommer sind sie eine wahre Landplage. Staatssekretär v. Schoen: Ich werde Veranlassung nehmen, die inneren Behörden auf bte Sache aufmerksam zu machen. Abg. Lehmann (Natl.) bespricht den Fall Kuhlenbeck. Die akademische Seite der Sache kommt für mich nicht in Betracht, sondern lediglich die nationale Seite. Kuhlenbeck merkte bald, als er nach Lausanne kam, daß lu das dortige Milieu nicht hineinpasse. Er würde Lausanne fe9t bald den Rücken gekehrt haben, wenn nicht der Großherzog von Baden, der während seines Aufenthalts in der Schweiz Kuhlenbeck immer zu sich kommen lieh, ihm nahegelegt hätte, daß es für Kuhlenbeck geradezu eine Ehrenpflicht sei, auf diesem schwierigen Auslandsposten auszuharren. Wenn jemand seinen Ehauvinismus in der Weise betätigt, daß er sich in Paris auf die Straße hinstellt und die „Wacht am Rhein" singt, und dafür auf den Mund geschlagen wird (Heiterkeit), so kann man solchen Chauvinismus nicht billigen. Aber man soll auch sein Deutsch- tum im.Aus lande nicht in die Tasche stecken. (Lebhafte Zustimmung.) Dem Professor Kuhlenbeck ist vom Bürgermeister zu Lausanne geradezu eine skandalöse Behandlung zuteil geworden. Auf das tiefste muß ich bedauern, daß sich deutsche Studenten in diesen Professorenftreit eingemischt und gegen Kuhlenbeck Stellung genommen haben. Für diese hätte gelten sollen: Right or wrong my country. (Lachen bei den Soz.) Sie verstehen ja davon gar nichts. (Sehr richtig! und Heiterkeit rechts.) Professor Kuhlenbeck gegenüber ist der Vertrag von der schweizertschn Behörde ohne weiteres gebrochen worden. Von dem Auswärtigen Amt ist er auf den Weg der Zivilklage verwiesen worden. Der Gesandte in Bern hat seine Pflicht nicht erfüllt. Er ist doch dazu da, die Deutschen im Auslande zu schützen. Den Professor Kuhlenbeck hat er aber nicht in Schutz genommen, obgleich dieser darum gebeten hatte. Abg. Eickhoff (Fr. Vp.): Die Regierungen sollten sich immer mehr bemühen, all. gemeine Schiedsgerichtsverträge mit den einzelnen Staaten abzuschließen. Dadurch kann manches Unheil im Keime erstickt werden. Dec Fall Kuhlenbeck ist unnötig aufgebaufcht worden. Herr Kuhlenbeck ist keineswegs etwa das Opfer eines Deutschenhasses in Lausanne geworden. Er ist wegen Jnsubordi- natlolt nach den gesetzlichen Bestimmungen entlassen worden, weil er sich an gewissen Hetzartikeln, die gegen die Universität Lausanne gerichtet waren, beteiligt hatte und sich dann weigerte, zu widerrufen. (Widerspruch rechts.) In der Untersuchung ist festgestellt worden, daß er an diesen Artikeln beteiligt war. Die Sache ist erledigt; ein anderer deutscher Professor ist bereits in seine Stellung berufen worden. Dec deutsche Gesastdte in Vern bat seine Pflicht vollkommen erfüllt. Abg. Pfeiffer (Zentr.): Der Fall ist. nicht erledigt.. Bezeichnend ist, daß der größte ö’einb des Herrn Kuhlenbeck, der deutsche Professor Herzen, Vorsitzender des Hilfsvereins für russische Anarchisten in Lausanne ist. (Lebhaftes Hört! hört! rechts.) Das ist doch kein Erzieher sur deutsche Studenten. (Zustimmung rechts.) Nicht etwa schweizerische Studenten haben gegen Herrn Kuhlenbeck Stellung ge- nommen, sondern reichsdeutsche. Das ist höchst bedauerlich. (Sehr richtig! rechts.) Ganz entschieden zu verwerfen ist es, daß Pro. fessor Ermann in Münster eine Broschüre gegen Kuhlenbeck geschrieben, mit der er ihm den Garaus machen wollte. Wir müssen bte nötigen Garantien haben, daß die deutschen Studenten in Lausanne durch die Berührung mit russischen Studierenden nicht moralisch beeinträchtigt werden. (Beifall i. Zentr. u. rechts.) Staatssekretär des Auswärtigen v. Schoen: Die Regierung ist durchaus nicht abgeneigt, Schiedsgerichtsverträge mit den Einzelstaaten abzuschließen. Wir haben einen solchen Sckstedsgerichtsvertrag bereits mit Großbritannien. Auch mit den bereinigten Staaten von Nordamerika hatten wir einen abgeschlossen. Es ist nicht unsere Schuld, wenn er nicht in Kraft getreten ist. Wir hoffen aber, daß die Schwierigkeiten, die sich in den Weg gestellt haben, überwunden werden können. Mit der Schweiz ist noch fein Vertrag abgeschlossen, aber unser Handelsvertrag enthält eine Schiedsgerichtsklausel. Das Auswärtige Amt hat schon seit langen Jahren die Praxis verfolgt, wenn Streitfälle zwischen uns und anderen Staaten auftauchtcn, den Gedanken des Schiedsgerichts in Betracht zu ziehen, und'wir haben auf diesem Wege schon unangenehme Streitfälle im Keime erstickt. Dec Zwischenfall von Casablanca ist auch in dieser Weise erledigt worden. Un Falle Kuhlenbeck. Von vornherein möchte ich Die rein akademische und die rein persönliche Seite gänzlich ausscheiderr. Sie gehört nicht vor dieses Forum. Ich beschränke mich darauf, zu erörtern, ob in diesem Falle den in der Schweiz lebenden deutschen Professoren genügender Schutz zuteil geworden ist ober ob unseren Vertreter ein Vorwurf trifft. Es hanbelt sich um drei Vorfälle 1. um einen schon drei Jahre zurückliegenden nächtlichen Zusammenstoß einiger deutscher Studenten mit der Lausanner Polizei. Ferner um eine Straßenkundgebung schweizerischer Studenten gegen Kuhleiibeck im April 1908, und drittens um die Absetzung Knhlenbecks. Die ganze Sache ist in der Presse sehr übertrieben worden. Bei dem nächtlichen Zusammenstoß ist ein Student sistiert worden, der sich besonders renitent verhielt. Beschimpfungen lassen sich nicht mit Sicherheit nachweisen, eine Fesselung der Studenten fand nicht statt. Der Fall ist völlig bedeutungslos und gab keinen Anlaß zu einem amtlichen Einschreiten. Im Anschluß daran fand ein Zusammenstoß zwischen Herrn Kuhlenbeck und dem Bürgermeister statt. Auch dieser Vorfall gab keine Veranlassung zu diplomatischen Schritten. Wenn hier in Berlin schweizerische Studenten mit der Polizei in Konflikt kommen, dann würden wir uns ebenfalls auf diplomatische Verhand- lungen deswegen nicht einlassen. Der zweite Fall entwickelte sich, weil ein Student den Professor Kuhlenbeck fragte, wie es mit der Anrechnung seiner Vorlesungen in Deutschland stehe. Dec Stu. dent wurde darauf von dem Professor aus dem Kolleg verwiesen. Kuhlenbeck schloß in diesem Semester vorzeitig seine Vorlesungen und suchte einen anderen Lehrstuhl in Deutschland. Bei Beginn des neuen Semesters kam es zu Ruhestörungen durch schweize. rische Studenten, als er seine Vorlesungen wieder aufnahm. Schließlich erfolgten Straßenkundgebungen gegen Kuhlenbeck. Man brachte ihm eine Katzenmusik. Kuhlenbeck wandte sich tele- graphisch an den kaiserlichen Gesandten in Bern mit der Be. schwerde, daß ihm von dec Polizei kein Schutz gewährt werde. Auf Veranlassung der deutschen Gesandtschaft verhinderte aber die Po. lizei eine neue Kundgebung gegen Kuhlenbeck. Unser Gesandter ist also seiner Pflicht nachgetommen. Außerdem wurde auf seine Veranlcsi'ung über das Verhalten der Polizei eine Untersuchung eingeleitet, aus der sich ergab, daß der Polizei kein Vorwurf zu machen war. Der Gesandte meinte aber, die Polizei hätte doch energischer sein können und gab der Erwartung Ausdruck, daß solche Fälle nicht mehr vorkoinmen werden. Es ist auch nicht mehr zu solchen Kundgebungen gekommen. Nun zum letzten Fall. Auf Antrag der akademischen Senats der Universität wurde Kuhleiibeck wegen Insubordination entlaßen. Nkaßgebend war bic Tatsache, baß er die Vorlesungen vor Schluß des Semesters eingestellt hat, und daß er in der Presse eine feindliche Stellung gegen die Universität Lausanne eingenommen bat. Kuhlenbeck verlangte auf diplomatischem Wege eine Entschädigungssumme; der kaiserliche Gesandte trat auch deswegen an die Schweiz heran, es wurde ihm aber erklärt, daß man keinen Einfluß auf den Kcm- ton habe, und daß Herr Kuhlenbeck seine Ansprüche gerichtlich geb tenb machen müsse. Auch in diesem Falle ist von feiten des Ge. sandten alles geschehen, was möglich war. Die Zahl der russischen Studenten in Lausanne ist nicht sehr bebeu. tenb. Sie hat sich schon erheblich vermindert, weil dieBehörden selbst schlimme Erfahrungen mit den russischen Studenten gemacht haben. (Hört! Hört! rechts.) Es ist nicht richtig, daß die Stuften einen unheilvollen Einfluß auf die deutschen Studenten ausgeübt haben, denn diese haben mit ihnen gar keinen Umgang. Professor Herzen ist nicht mehr Vorsitzender des rusiischen Komitees. Ob der dem Professor Kuhlenbeck gemachte Vorwurf der Kollegabtreibung rich. tig ist, kann ich amtlich nicht feststellen. Auch auf die Wieder, aiistellung Kuhlenbecks an einer deutschen Universität hat das Auswärtige Amt keinen Einfluß. Ich kann nur wünschen, daß die deutschen Studenten weiter wie bisher ausländische Universitäten besuchen. (Beifall.) Abg. Scheidemann (Soz.): Soweit ich den Fall Kuhlenbeck kenne, glaube ich, daß er besser beim Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb besprochen wird. (Heiterkeit.) Im übrigen interessiert uns das Schicksal von Hunderttausenden von deutschen Arbeitern, die im Ausland leben, mehr als das Schicksal des Herrn Kuhlenbeck. Herr Eickhoff ist heute für Schiedsgerichte eingetreten. Derselbe Herr aber hat unseren Antrag gegen das unsinnige Wettrüsten niedergestimmt. Aber eine Verständigung über die Flottenrüstungen wird kommen, weil sie kommen muß, wenn nicht der Krieg kommen soll. Das muß doch jeder Mensch mit gesunden Sinnen einsehen. England verfügt über ungeheure Reserven. Die Lage ist sehr ernst. Schon heute kann kein deutsches Handelsschiff ausfahren, wenn e§ England nicht erlaubt. Sir Edward Grey hat im Unterhaus offen ausgesprochen, daß England zu ei ner Verständigung bereit ist, falls Deutschland es will. Was sagt dazu der Reichskanzler, der ja schon wieder spurlos verschwunden zu sein scheint? (Heiterkeit.) Aber es wird zu einem Aokommen mit England kommen, wie cS bei Marokko zu einem Abkommen gekommen ist. Aber damals, als wir die Friedenspolitik propagieren wollten, da ließ man unseren Genossen Jaures gar nicht nach Deutschland. Die Politik dürfe nicht in der Hasenheide gemacht werden. Aber wenn wirklich in der Hasenheide die Politik gemacht würde, man wüßte doch dann wenigstens, w o sie gemacht wird. Wo wird sie denn heute gemacht? In der Wilhelmstraße, in Potsdam, auf Corfu oder wo? Diese verachtete Hasenheidenpolitik aber ist Wort für Wort eingeiroffen, und heute streitet man sich darum, wer sie zuerst gemacht hat. (Heiterkeit.) Redner bespricht weiter das Kaisertelegramm an den Fürsten Radolin und verliest einen Artikel aus dem „März", in dem von einem „Eingeweihten" gesagt wird, nirgends werde so viel Zeit totgeschlagen mit Nichtig, feiten, als im Auswärtigen Amt. schließlich verlangt er, daß eine scharfe Grenze zwischen den Rechten der Krone und des Parlaments gezogen wird. Abg. Speck (Zentr.) betont, daß die Schweiz aufgrund des Handelsvertrags kein Recht hatte, in Sachen des Mehlzolls einen Schiedsspruch zu erlassen und bittet um Erleichterungen bei der Einfuhr von bayerischem Hopfen in England. Ministerialdirektor Dr. Körner sagt wohlwollende Prüfung zu. Mit der Schweiz werden wir zu einer Verständigung kommen. Abg. Dr. Strescmann (Natl.) bespricht unsere Handelsbeziehungen zu Nordamerika, die neu geregelt werden müßten, und führt Klage über von Amerika geplante Zollerhöhungen für Textilwaren. Diese Erhöhung werde vor allem die sächsische Jnbustrie treffen. Redner bittet um Auskunft, ob es richtig fei, baß das Auswärtige Amt die Firma Loewe gebeten habe, bei einer Bestellung von Patronen in Griechenland zugunsten einer österreichischen Firma zu verzichten. Die Bevorzugung des Abels bei der Vergebung der höheren Posten tönne nie man b leugnen. (Abg. Gans Edler zu Putlitz ruft: Sie werben ja erst nobilitiert!) Gewiß, damit bringt man aber zum Ausdruck, daß für höhere Posten der Name ohne bas vorgesetzte „von" nichts gilt. Auch barin liegt eine Zurücksetzung des Bürgertums. (Sehr richtig! links.) Unsere Diplomaten müfjen heute vielfach neben den eigentlich diplomatischen Fragen sich mit kaufmännischen Fragen, mit Brücken- konzessionen, Vergebungen usw. befassen. Da möchte ich fragen, ob unseren hocharistokratischen diplomatischen Vertretern, selbst wenn ich ihre besondere Befähigung zur Diplomatie annehme, nickt bas Einarbeiten in diese ihnen nach ihrer Kinderstube vollständig fcrnliegenben kaufmännischen Gesichtspunkte sehr schwer, wenn nicht unmöglich ist. Ein Beispiel sollte man sich an den amerikanischen Konsuln nehmen, die sich über alles informieren und ihrer Regierung über alle Fragen, die an sie heran treten, genau Bescheid geben. Schließlich möchte ich bitten, unseren Antrag anzunehmen, baß die in der Regierungsvorlage zur Entsendung von landwirtschaftlichen und HandelSsachver. ständigen ins Ausland geforderten Summen entgegen den Vorschlägen der Budgetkommission bewilligt werden. Sparsamkeit bei diesen Positionen ist durchaus nicht angebracht. (Beifall bei den Natl.) Staatssekretär Frhr. v. Schoen: Wir haben unser Augenmerk darauf schon gerichtet, daß die Begründungen der Vorlagen in Amerika auf Zollerhöhungen falsch und irrtümlich sind, und haben sofort baS Erforderlich getan, um diese Irrtümer aufzuklären und richtig zu stellen. Ganz ab- geschloßen ist diese Tätigkeit noch nicht. Wir sind sofort an alle deutschen Handelskammern herangetreten und haben gebeten, uns » ot1? ^,efern' bMen Irrtümern entgegenzutreten. SjiefeS Material der amerikanischen Vorlagen stammt doch nun aber ^wi niemand anders, als von ameritanischen Stonfuln. Unter dieiem Gesichtspunkt ist es mir nicht recht verständlich, wie Der ?■ » Stcesernanii uns die amerikanischen Konsuln als Muster Hirtstellen konnte, lieber den mitgeteilten Fall Lowe tanzt ich im fe Wuetn6fi(f leine AiiSkimst gebe- Ick kam>. nicht alle die hun- bette oder tausende Fälle i Korse haben. 53 wäre nur angenehm gewesen, wenn der Äbg. Ltrrsemann mid; vorher benack« richt,gt hätte, daß er diesen er y.:r cPra-b: Lrir-ger »iu 3Zur soviel ist nur erinnert; ■, eine .<•: i vor e:r ;en Zager ähnlichen Inhaltc äur± . - .! :ngen rrn. <▼, wir :?r flirrra Zäwe in einem Fall nicht d e : cV't Unterst :yun hatten werden lassen. Ter SB -rtret die« 7 F v.*a r t ir- <1urr-irfc-:" Amte ein und auS Wir haben n gclezcr.ruch auf diese rjer- tungflnoh) aitfmerfiom firrrod t. ' "■*. j r: etflärt: gei c ; das Legenteil von dem. war n der /jc.kung ftrht. ist roacr. > - hoffe, daß eß dieser Fall ist, den der Abg. Etresanann vor-, gebracht hat. Abg. Dr. Heckscher (Fr. Bg.): Es wäre wünschenZwcrt, daß rtr deutsch: Reichstag stb After und r i 11 p : t 1 aget :1 * 3 4 r ausländischen Politik beschäftigx. In d-.eker Beziehung wäre die E'niiihrung der .kurzen ?lr’raflen*, tue sich inEngland bewahrt haben, zu begrüben. Augenblick! * befahl sich ia die ÖcicfxiHi- ardnungßkoinrnissian damit, doch ist eß leider bisher nicht gelungen, für diese Neuerung eine Mehrheit zu finden. Tie AbrüstungS- ftage kann nicht zwischen Deutschland, sondern nur zwischen allen großen Rächten gelost werden. Das ist der Fehler der englischen Politik, dost fie sich nur mit der deutschen Flotte befaßt und deren Abrüstung wünscht, um die anderen Flotten sich aber nicht kümmert. Für den diplomatischen Beruf ist es daß Haupt- erfordernis, daß der Diplomat ein Gentle- man ist Dazu ist aber nicht ---forderlich, daß er Aristokrat ist Natürlich darf er nicht in Gesellschaft Tabak kauen oder sich die Nase an der Gardine putzen. Aber um bad nicht zu tun, braucht man nicht eine aristokratische Kinderstube gehabt zu haben. E» muh endlich gebrochen werden mit dem bisherigen Usus Der Staatssekretär, der stchec den guten Willen hat, soll un- doch endlich Laten sehen lassen. Abg. GanS Edler zu Putlitz (Kons.): Wir haben in den letzten Jahren gesehen, daß eine ganz: Neihe von Leuten in die Tiploiiintie aufgcnommen wurden, ohne adlig zu fein. Man nimmt luatige Leute, wo man sie findet. Und das ist auch durchaus richtig. Darum sollte man doch end. sich aufhören, immer wieder dieselben Beschwerden hier vorzu- Bringen, die gar nicht mehr begründet find. Jedenfalls liegen die Verhältnisse bei unö viel günstiger alö in anderen Ländern. ES gibt auch Freisinnige unter den Diplomaten. (Widerspruch links.) Wenn das nicht der Fall ist, so konnte eS nur daran liegen, daß dce Freisinnigen erst feit ganz kurzer Zeit eine Polit.k verfolgen, die sic zur Mitarbeit an Negierungsgeschäften befähigt. (Heiterkeit.) Diejenigen, die glauben, daß sie ganz besondere staatsmännische Gaben haben, haben gerade am allerwenigsten. Daß hat man auch hier im Reichstage, wo doch die D l ü l r der Nation zusamn.cnkommt, erfahren. Abgesehen von wenigen staatsmännisckien Talenten, habe ich hier wenig diplo. malische Befähigung gefunden. Ich mutz gestehen, dah mich bad sehr enttäuscht hat. llnrichtig ist cd, da st die hohen diplo. malischen Stellen der hohen Aristokratie reserviert werden. (Beifall rechts.) btaatssekretär Frhr. v. Schoen: In den Grundsätzen, die für die Vorbildung b er Diplomaten festgelegt sind, wird auch gefordert, daß die wirtschaftlichen Kenntnisie mehr alv bisher berücksichtigt werden sollen. Bei der Auswahl der Beamten wird ohne alle Standes« Vorurteile vorgeganaen. Sicherlich kann die Führung der politischen Geschäfte durch schlecht unterrichtete Vertreter im AuSlande schwer geschädigt werden. Im wesentlichen sind aber unsere Vertreter nur auSsührende Organe, die allerdings die leitende Stelle beeinflußen können. Aber die Entscheidung liegt doch bei der Zentralstelle, an deren Kritik sie sich zu halten haben. Die neuen Grundsätze heben deutlich die Bedeutung der wirtschaftlichen Ausbildung hervor. Aber an allen wichtigen Stellen stehen unseren Vertretern auch bereits Konsuln, Generalkonsuln und andere Sachverständige mit ihrem technischen Rat zur Seite. Eß ist natürlich sehr schwierig, jemanden zu finden, der zugleich wirt- schastlich und politisch außerordentlich befähigt ist. Wenn der Adel in bet Diplomatie zu überwiegen scheint so darf nicht vergeben werden, daß 40 Prozent unseres diplomatischen Personals r am-.heu angehören, die erst fror wenigen Jahren geadelt wurden. Ein Privileg des Adels bestell also rät. Ti- P'crlen der Diplomatie wurden den Bürgerlichen nie- malß verschir'ien, sie sichen ihnen auch fernerhin offen. Gelange J an der Spitze des rkmteZ stehe, werde ich -wischen Adel und | Bürgertum keinen Unterschied machen. (Beifall.) ES .st r ck: , meines Amtes, bicem oder jenem xtanbe zuliebe oder zuleide zu bandeln. Meine Aufgabe ist ei vielmehr, Männer zu finden, nicht Salonhelden, die toirfl:cf nach IfTarokter und Kenntni"en eine Gc währ dafür bieten, daß sie dem Vaterlande nützliche Dienste leisten können. Betfall.' W,e «:e heißen, ob e: Prinzen, Grasen. Edelleute oder Bürgerliche sind, kommt gar nicht ir Betracht (Beifall.) Melden sich in Zukunft mehr junge Leute auS dem Bürgerstande, die zur Diplomatie geeignet sind, so sind f?e will. kommen. Leider find für manche jungen Diplomaten finanzielle 1 Zuschüsse erforderlich wegen der teuren Verhältnisse, d-.e in einigen Hauptstädten herrschen. Daß ist ein durchaus unerwün'chter, sogar, bedenklicher Zustand. Denn Sic zu feiner Beseitigung d:e Hand bieten wollen, fo nehmen tmr fie dankbar an. Bei der Besetzung j von Gesandtichaften laffen wir unS durch Anciennitätsrückficksten | nicht allein leiten. Reckst schwierig ist es, Personen aus diese Pe ten zu bringen, die ohne b'.plrmotnd» Schulung Erfahrungen und Kenntnisie besitzen. Al'o eß gibt :r meiner Berwallnng nirgends Vorurteile, keine Privilegien zugunsten irgend einer Gesell- schastsklasie. Ich hoffe, daß Sie bad Vertrauen zu mir buben, daß ich die bargelegten Grundsätze auch weiter Hochhalten werde. (Bei. fall.) Ich bitte, nicht jeder Anklage, die gegen die Diplomatie er. hoben wird, gleich zu glauben. Meist find fie sehr verallgemeinert und den Tfllfadxn nicht entsprechend. Tie Arbeit ist im AuSwär- tigen Amt so erheblich gestiegen, daß eine Vermehrung Der Beamten unbedingt notwendig ist. Denn ich sie im dieSjah. rigen Etat noch nicht gefordert habe, so war für mich die schlechte Finanzlage maßgebend. DaS AuSwänige Amt ist eine 3’«rbc ber deutschen Behörden gewesen und soll eS auch bleiben. Ich habe die Zuversicht, daß daß Au.wärtige Amt alö kostbares Vermächtnis einer guten Zeit und das Erbe de.- größten deutschen Staatsmannes feine Pflichten stets erfüllen wird. (Beifall.) Abg. Stadthagen ^Soz.) begründet einen Antrag, der Reichskanzler möge auf Aufhebung jener bundesstaatlichen Ministerialverordnungen hinwirken, die von ausländischen Arbeitern die Beschaffung entgelt- lieber Segitmationßfarien verlangen und fie im Weigerurigsfall mit Ausweisung bedrohen. Das ist ein direkter Bruck der StaalSverträge, die diesbezüglich vom Reich geschlossen sind. Tie Androhung der AuSweisilng ist eine Erpressung zum Zwecke der ßcreinbrmgunp der Gebühren, deren Einhebung bet Reichsverfassung widerspricht. Geheimrat Dr. von Frmwinv bestreitet, daß die Legitimationökarten-Derordnung mit den Staatsverträgen im Widerspruch stehe. Er bittet, den sozialdemokratischen Antrag abzulehnen. Abg. Dr. Arning I-9taff.)" bebauet! die Zurücksetzung deS deutschen Handels im Kongo- st a a t durch Verleihung von Handelsmonopolen an andere Staaten, besonders bedauerlich sei daS Kautschukmonopol. Abg. Graf von Kanitz (Kons.) fordert die Regierung auf, dafür zu sorgen, daß die drohenden französischen Zollerhöhungen in mäßiger Grenzen bleiben. Leider wird durch die neue amerikanische isrevision das günstige HandelSptovisorium von 1907 tatsächlich beseitigt. Wir stehen dieser amerikanischen Zollerhöhung ziemlich wehrlos gegenüber. Statssekretär Frhr. v. Schoen: Unsere Recht« und Ansprüche gegenüber dem Kongostaat sind auch unter dem neuen Besitzer vollkommen gewahrt. Wir haben auf die Mitteilung von dem llebergang bc-3 KongostaoteS an Belgien in einer Note zum Ausdruck gebricht, daß wir die Zu. sländc im Kongostaat nicht in allen Punkten hätten billigen können, daß wir jedoch das Vertrauen haben, daß Belgien für Abstellung tiefer M.ßstände fergtn wird I.' übrigen !ag Tein Grand vor. zu bezweifeln, baß der xeu- Besitzer Belbte bestehenden Verträge n:ck: nnehatten werde. Sir brauchten auch Belgien gege-Jtfr Mißtrauen nicht dadurch zu behnben, daß wir eine ausdrückliche Erklärung von Belgien verlangten: eß werden die Verträge innegehalten DaS bindert natürlich nicht, daß wir der In:-- - tue ' der Verträge durch d.-n neuen Besitzer untere Auf- mcrksamkc!: zuw-nden. und daß w r gegebenenfalls gegen e-.ne Berlrtzung d-erfelden Maßregeln ergreifen. An fcexr guten Willen Belgiens, mit Reformen in seinem neuen Besitz e:nzusetzen, irre audi an der Kraft, sie durchzuführen, haben wir keinen ötnieb, zu zweifeln. Abg. ». Ctrnen (Rp.): Eß ist ungebör.,«. die Arbeitgeber immer o!ß Ausbeuter kn« zustellen Tie Sozialdemokraten arbeiten freilich gern mit Superlativen. Staatsrechtlich ist die Legitimation-Verordnung burd*- au- zulässig. Daß freie Amerika verlang! cm Präsident H aas teilt mit, traft die Erste Stammer lämthme Beschlüsse der Zweiten Kammer zum Etat gutgeheiftcit hat, fo haft Differenzen nicht vorliegen. Nnr bezüglich einiger Ersuchen n'nrden '-'(eitheningni vorgeschtagen, über die der I-inanzausscl)uß beraten hnl .'I' 1 Mvlthan als Berillficrstatter führt mH-, zu >iap. -'>b Ci n m 11 n s 1 c 11 nsw . hatte das Haus eine Resolution angenommen, die Regierung zu ersuche», im nächsten Jahre eine Erlwlmng der Sclmlgeld' ilu eint» ten w lass n Ion 11, 0. m v rind n die bcabfid ligt n Mas;» stand nuht noch 111 he belastet luirb. Ter Anssdzuft beantragt, diesem Ersuchen bei; u st 1 m 111 e n. 'Tas HauS beschließt demyeinäft. Zum '.'litifel 75 a S ch'ta ch t v i c tzver si 6»e r un g trat die Erste 'M in in-1 cbi nfallS < in 11 di in Lamme» ein bänjbei hertzeizufülneii, ob eine SdUadtlfiehversidierung oder eine Bersid-erung q-rärn Maul und filaucnicudie im Interesse bn schußantrage, den Abg. Weber vertritt, auf dem friiljcrctt Be. fchlnffe zu beharren Zn äapitet 1401,2 Iratte die Zweite Manuncr den für ein Ticuil unb Wohngebäude in V. i d) geforderten Betrag neftridje” Die Erste Mammcr Hal erfudjt, diesen Poften tu den nicvstjäIrrigen Etat n ieder einzustellen Das Hau-> beschließt und) hier Beha 1 r c n auf bem ersten Bejchluft, um sich nicht für die Zukunft fest .wiegen Zu Kapitel 140 II,2 Da mm bauten ufw. beschließt bas .'örnto, beni Beschlüsse bei Ersten SVnnaner, beiügl. be» Ersuchen.' um Verbreiterung der Altrheine zu zu st l mmen. Tamil sind die Rückäußernngen ertebigt. Eine BerttRneNttuudgebung ffit t> e Aeßiernnz Abg. Reinhart verliest hiernach folgende Erklärung: M. S? ' Im Auftrage deS S«N i ore it ko n v c n t s habe id» folgende El näruug abzugeben: '?tad>bcin b.i-5 Budget numm lK feine Erledigung gefuitbi-n Hal, fühlen wir uns veranlaßt, dem MinistLnum für bie loyale Vertretung ber uer fa ssu 11 g md ft i n en R e d» t e ber Zweiten ilmitmtr bei der gestrigen Ver Handlung der Ersten K a in wer i m a m enallerPar teien des Hauses den Ta nkanSzu sprechen unb bie Minister unveränderten Vertrauens zn versichern. Ter Präsident stellt diese Erklärung zur Diskussion und konstatiert. bn nienuinb daS Won ergreift, einstimmige Zu- st immune. Vi-bh Bravo >>ünbeklatschen- Ta^ .Haus utnuui sodann twd> die 'I^ahl eines Mitgliedes 3um iv i ii an ; -i 11 sf d- u ft vor. meldKv Amt der Tr. G u V fleisch In-raumiid) nube:gelegt bat. Tr. Outfleisch wird mit _*s Stimmen nnedcrgewählt. Neun Zettel iwten iveift Beifall Tamit ist die Tagesordnung erledigt. Tic Sitzung wird gt- idMvüai und das Haus auf unbeftürante Zeit vertagt. Gießener Strafkammer. Gießen, 30. März. Vom Kinderfchutzgefetz. Kurz vor ®erbnaduni nrnri em schulpflichtiger Muabe alends nach b Ud» '''' ’ ' n • n in 21 warengescküst detroisi- > h f; c au weife lange SnestodKer^b < ’i ibabci d -n Jungen >-e Au'tröge erteilt batte Tr' xm ■; l. :r.tt, hd] tafba ach: •u haben, da sie doch ludy als **Utge)t 'Htc be-j- fraglidjcn betrachtet werden könne, uerurieilte sie bnS Sdroffciiqcridit juegen Mk., indem es nue-iührte, es fei nicht nötig, daß bie Angeklagte in filtern LohnverhaltniS zu in jraglidien Ok-fdinft gestanden habe, |ic sei bad) als zur Beauflichtignng des Betriebs ivährcnb ihrer Anwcscniieil auzu'ehen. Tie ’Jlngctlagte focht bas Urteil an unter der Angabe, ihre Mutter habe damals in Anwesenheit ihres ^tier oaters den Betrieb geleitet: 'ie selbst sei weder ,nr Leitung noch zur Beaussichtigting bestellt gewesen, sondern habe lediglich un beschält niitgeholfen. Tas BerusimgSgericht nahm an, dal; nd) bie Aimeklaglf nur gefälligteitshaldcr im (Geschäfte nutzbar gc macht habe unb in feinem Anstellungsverhältnis Itand, auch nidit zur Leitung ober zur Seauh'idUigung bcS GesäiäftS bestellt mar unb somit der S 151 ber Gelverbi-ordnnng nicht Platz greifen fömie. Tns Urteil nnirde aufgehoben unb eS erging Frei, prechnng. Der Rechtskonsulent. f Der in Reu.Isenburg wohichastc Schrciner I F. ans Kassel besuchte im letzten Herbst kurz nad) seiner^ Entlassui'g aus bem Gefängnis den ihm von früher bctaiinten schreiner R in Grünberg Im Lause bcS Gesprädi-s erfuhr F., daß fein ,'vratnb R eine Forderung an einen in Atzenhain wohnhaften Bergin.mn Hatte F, der audi gleichzeitig Rechtskonsulent ist, erbot sich, dem Bergmann iDcgcit der Forderung ;u sch reiben und sandle auch später dem R. eine Zessionsurkunde ,u, die et unter, schreiben sollte Ta er aber nidit gewillt war, die I-orbernng zu zedieren, lieft er F ohne Rachndil Rad' einigen Tagen erfdnen ,v. bei bem 3thulbner bezw dessen Mutter in Atzenhain ohne Borwissen des R. imb gab an. bie Schulb sei an ,I)ii zediert worben: er forderte beftnmntc .'luskunfl, wie bie Schulb getilgt werben sollte unb brohie nut st läge Ter Schuldner erbot sich, die 3(i5 Mark belragmde Sckmld in mbrlidvii Raten von .5<> Mark abuitragtm, womit iidi fehhcftlidi F lufrtcben gab. Er forbtric 11 -n die Uuterfd'rut auf bas von ihm vorgelegtc Schriftstück üfi weigert würde Um einer Klage aus dem Wege zu gehen und in >'• Mark abgetragen werben follt ir, untiTicutmcten h r Schuldner p.-ie- auch seine Mutter einen Wechsel über 218 J.Varf, den F ui Umlauf setzte Rach einigen Äoehen ging den Schuldnern von ,v. fine Nachricht zu. baft ber von ihnen unterzeichnete Wechsel demnächst burch die Post zur Vorlage gelange unb sie ibn eiiv den Wechsel nid t Ter Besitzer des Wechsel ?- erhob bann .stläge und die Leute hatten nut »dosten etuw 240 stNark zu zahlen. R. der sich mit dem Schuldner auf 3.3«> Mark ncinigt hatte, Abzahlung vrol ngiert n>erben sollte Hieraus, war zu ’tblieften. das; lieber der Gläubiger ber Ansicht n*ar 01c Schuld sei zediert, Wechsel ausgestellt hatte Beidi- in breit bann nach Reu Zenburg zu Zv unb inadgen ihm über sein Vergilt'u Vorhalt Er gab a«- iviifermaßcn zu, unredjt gehandelt zu baber. benn er venprad», • u erlangen, vergeblich waren, molgle Anzeige, deren Folge Anklage wegen Urkundenfälschung und Betrug war Der Ang-, klagte bedauptete, iwu seinem Freund R bie Forderung gfidxnft I ok».'unnen zu 1 oben, da »ie uir ibn doch aussichtslos hwesen beut*, von einer Zession feine Rede gewesen. Wenn das Ckrid't and) trage- gegeben, so tonitte doch nicht nn.rn.rn. rden, daß norben ist, da bock, der . k -«aut für den Betrug dasiet. ES ent, fiel somit bie Urhinbetudlrtiau-j; dagegen wurde der Angeklagte *.v.j :i Betrugt ju einer Uur , ' 0. b' l'.illt ' j Mcreoroloflischc Heovacht«»ge« der Station «icßen. März April 1909 TBavometev au’ 0° reduziert Temperatur bet Lust - H 55 Relative Windrichtung 2ilinbftärfe Welle» 31 9M 743.0 10,7 7,1 SW 4 Bciv. himmel 81 9M 741,7 11,1 7,4 75 V 4 . . 1 7» 740,5 9,5 7,3 63 sw 4 W • ii I Höchste Temperatur am 3C 1. bis 31. März =» 4- 13J • C. Rieb 1 laste . , 30. , 31. , * -F ü,4 • <» Telefonische Kursberichte dee Glesnener Anxelfeers, migeteilt von der Bank fBr Handel and Industrie, Gleeeen. Frankfarter Kür 3*/.•/• Keiehsanleihe. . . y ; do. ... M.90 3* ,•/» Konsola • • • • 3*. do. ...» **6.90 3* ,*/, Hessen .... 3l/,e|, Oberhessen 4 , i^eaterr. Goldrente . . 99 10 4*//,* »besten Silberrenle. 99.30 4", Ungar, uoldrente . . 94.H5 4e, Italien. Rente . 104.10 3* , Portugiesen Serie I . ö*'.6O 3*9 Portugiesen , III . 61.10 russ. Staatsanl. 1^06 9*60 4' japan. Staataanleibc '>5^*0 1", i onv.Türken von 1903 94JiO Türke nlose 147.60 t , Griech IL-nopol-Anl. • äO.25 4 . »essere Argentinier . H6.20 >' , Mexikaner .... 65.1 U 4 Chinesen .... 99.35 Aktien: Bochum Gnss ... 219. 0 Buderui E. W 110.40 Tendenz: fest Berliner Börse, < inad* E. B . . . . 173.70 ! >armst»dtcr Bank . . . — .- ’ 'eutaebe Bank .... 241 ?X) Dortnjunder-l ujon C. . . 59.40 Dresdner Bank .... lo&öU »e, 81. Marr. 1.15 Uhr. Elcktrix. Ixhmeycr . . . 120^0 Elektrix. Scbn«-kert . . . 121.90 h'jicbweiler Berrwerk . . 1H3Ä) GeUenkirehen Bergwerk 160 2G Uambnrg - Amerik Paket/. 110.90 Harpencr Bergwerk . . . 1W.60 LanrahOUe 191 83 \ordd Lloyd Übenchlea. Eieea-Industrie 96.25 Berliner Handelajre»- . . 169.40 Dnrmetldter Bank . . . 130.40 Deutsche Bank . . 241.00 I'eul*-b-A itoVBdaäcr iwik« i erklärt WiV, W, er mit ibm MiM 2cr i* tote ausgesetzt m®- nid’cm rin,« 5 pritdi ic Lcrujuugsvm^ SeldilüüM * m Anlatz, to i-M ,g des Urteil M Bekanntmachung. Freitag, 2. Avril, nachmittags 3 Uhr wird das Abfall bolz von den städtischen Bäumen und aus den Anlagen vor dem Friedhof, auf dem Vutljcrbcrg, im Larchenwaldchen tn der Kaiser Allee und auf dem Trieb meistbietend versteigert. Die Zusammenkunft ist auf der Licher Straße am unteren Friedhosseingang. /3 Gießen, den 30. März 1909. . Großherzogliche Bürgermelsteret Gießen. I. B.: Keller._ Oftcr-Artikcl euwffehlt in größter Auswahl als Tchokoladenbasen und Eier Zuckerhascu und Eier Marzivanbascn und Eier Karronazebascu und Eier Biskuitbascu und Eier Haiengruvveu gefüllte Körbchen usw. 1911 Ludw.Töll,AoMtmi Schokolade und Zuckerwareu- Fabrikation :: Marktftr. 32. Aktiva. Kassa .... 1707.99 Waren-Konto. . 12 660.94 Inventar . . * 257.04 Debitoren . . . 4 651.83 bie tvir bet Svs. 6c9en ein» Ä' tott ”tn II. WM zulßl rkkzilAanllHZ&b Jöei echte [ClA MAGGI- Würze mit dem Kreuzstern u. lassen sich nicht durch „billigere“ Nachahmungen locken. Gebr. Michel Inh-: Aug. Michel Walltorstrasse 29. K 35/09 Bie/a Donnerstag, 22. Avril l. Ä, nachmiltags 3 Uhr soll in unserem Amtszimmer das Grundstück: Fl. 2 Nr. 2308;/IW,: 270 qm Hofreite links der Ebaussee den Ebel. Friedrich Butt u. den Ebel. Theodor Zutt zugeschrieben versteigert werden. Gießen, 17. März 1909. Groß». Ortsgericht I. 21.: Thomas. 1 500.— 2 729.64 2 727.45 2 280.— 4 260.61 19 277.80 Laudwirtschaftlicher Konsum-Verein, c. G. m. u. H. zu rvatzenborn-Steinberg. 1975 H i r z.Schäfer.L ei cht. BRAUBACH & HSCOERFärb™ - Chem.Wasclianstalt. Grösstes Geschäft dieser Branche im Großherzogtum Hessen. Gegründet 1848. * Uqber 30 Jahre am hiesigen Platze. Unsere Lieferzeit ist die kürzeste, die mit nur erstklassiger ) Arbeit vereinbar ist. Seltcrsweg 79 a, Tel. 627. Neuen weg 4, Tel. 553. _____________G r o s._____________ K 31/09 Donnerstag, 29. Avril l. 7»., imdjni. 3 Uhr sollet! in unserem Amtszimmer die den Aug. (Mottl. Stnniee zugeschriebenen Parzellen: Fl. 1 9ir. 12437/h.:350 qm Hofreite auf dem Gartseld. Fl. 1 Nr. 12448,n : 44 qm Grab« garten daselbst versteigert werden. Gießen, 17. März 1909. Großb. Ortsgcricht 7^. A.:Thomas. ie°ond > . . 111'5? jabn ■ ’ , . 1 ig.O) Berfteigeruug. Montag den 5. Avril lsd. Js. nachmittags 3 Uhr sollen im städtischen Psandlokale Seltersweg 11 dahier die wegen rücksländ. Gemciudesteueru gepfändeten Gegenstände: 11984 Möbel aller Art, mehrere Wagen, 2 Kassenschränke, vier Stollen Linoleum und viel. And. versteigert werden. G em mecker, Pfandmeister. K 22/09. iB5/3 Donnerstag den 8. Avril 1901), nachmittags 3 Uhr, werden auf hiesigem Ortsgericht tnc vordem Namen der Firma Gebr. Zutt stehenden Parzellen der Gemarkung Gießen: , „ 2/137,1 = 373 qm «VOfreite ltnks der Ehaussee 2/145^^401 qm Grabgarten das. 2 145,9 — 241 qm HofreUe das. 2/2517)0 —14 qm Weg rechts der Ehaussee aus die herrschaftliche Wiese 2/2544/io = 907 qm Hofreite das. 2/2-54,6 = 864 qm Hofreite das. 5/15331/ioi = 298 qm Hofreite auf der Weißerde 5/153-7ioo = 193 qm Grabgarten daselbst 5/153«/ioo 282 qm Grabgarten daselbst 5/153-71« — 270 qm Hofreite das. 23/14710 — 2682 qm Acker am Galgenweg 23/147/io = 526 qm Grabland das. 23/15 — 3418 qm Acker daselbst 23/41=1198 qm Acker am Galgen auf die Ehaussee und Marburger Straße 23/42 = 118-5 qm Acker daselbst 23 43 1254 qm Acker daselbst 23/44 = 1677 qm Acker daselbst 23/50 — 847 qm Acker daselbst ^751 = 1000 qm Slcker daselbst 23 52=1272 qm Acker daselbst 23/53 — 958 qm Acker daselbst 2353,5 -- 958 qm Acker daselbst 23/54 = 4309 qm 2lcker daselbst 23 55 = 1535 qm Acker daselbst 23,257 = 2197 qm Äcker am grünen Weg 23/267 = 1552 qm Acker daselbst 24/1 = 866 qm Acker in der Lichtenau aus den Fluth- graben am Wismarer Weg 24/2 — 2277 qm Acker daselbst 24/79=1411 qm Acker am grünen Weg 24/80 = 1300 qm Acker daselbst 24/81 = 1574 qm Acker daselbst 24/82 = 1367 qm Acker daselbst 24/84 = 1734 qm Acker daselbst 24 85 = 1650 qm Acker daselbst 24/104 - 1629 qm Acker links am Badenburger Fußpfad aus den Fluthgraben 26/169 = 1579 qm Acker auf den Fluthgraben 27/37 = 917 qm Acker an der Steinkaute gegen die Hohl 2/230*7100 = 270 qm Hofreite ltnks der Chaussee 2 230*7i,„ - 169 qm Grabgarten daselbst 2-230*7ioo = 172 qm Hofreite das. 23/62 ---- 926 qm Äcker neben der Ehaussee auf den Galgenweg 23/63 -1393 qm Acker daselbst öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 4. März 1909. Gr. Ortsgericht Gießen. Gros. Kartoffeln. Ein Posten vr. Sveisekarwffel sehr billig abzugeben. 1902 Tel. 235 I. Werse! Sonnenstr. 6. Gin neueö Icilhtcs Mijlsrd Ein neues leichtes Halbvcrdect mit abnehmbarem Bock, Ein neues leichtes 2 fit». Halb- vcrdcck zum Selbstkiltfchieren Ein saft neuer Landauer Ein älterer Landauer Mk. 250 Ein gebraucht. Eouv6 Mk. 550 Ein sehr gut erhaltenes Lan- daulctte, sehr billig. August Kilbinger, 1944j Seltersweg 79. , . ■ • ' 86.^ 169» ser-v-t s- Bank ' * 0. IV. 'j 'M Grimma Schühpytz HEq ViuJ'rtu » Leder, njMw w D) (U Achten Sie darauf und verfangen Sie nur___ jJItmann Giessen, Plockstr. 14-16 Verkauf auch ccKtn Bar. Lieferung diskret und franko. Seltersweg 79 August Kilbinger Grösstes Kinderwa erwagenlager am Platz. Restaurant „Zum Anker“ Tieinstra^e 23 lifirrnrtmmpn finfip Übernommen habe. Neu eingetroffen: Kinder-Häubchen Baby - Kleidchen Knaben-Kittel Kinder-Strohhüte 19R1 R. 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