Nr. 133 Der Ekehener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SlehenerLamilienbliitter; zweimal wöchentl.Ureir- blalt finden Ureis Stehen (Dienstag unö Freitag); zweimal monatl. Landwirtschaftliche seitfragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gicsrcu. Annahme von Anzeigen für die Lagesntimmer bis vormittags 9 Uhr. Erstes Blatt 159. Jahrgang Donnerstag 10» Jnni 1909 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen Rotationsdrud und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Stcindruderet H. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulftrahe 7. Bezugspreis: monatlich 75 Ps., mertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch die Post M.2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pfennig, Verantwortlich für den politischen Teil: E. Anderson; s. Feuilleton und „Vermischtes" K. Neurath; für „Stadt u.Land" und.Gerichtssaal"-. E. Heh; für den Anzeigenteil: H. Beck. Die heutige Nummer umfahr 10 Seiten. Die innerpolitische Sage im Reiche. Von Professor Dr. M. Biermer. Es wäre verfehlt, ?,u behaupten, daß das Deutsche Reich sich in einer innerpolitischen Krisis befände. Die ausländische Presse behauptet das zwar, aber aus ihren Berichten geht mehr Schadenfreude als Wahrheitsliebe hervor. Das deutsche Volk in seiner großen Mehrheit steht in Sachen der Reichsfinanzreform durchaus auf feiten der Reichs regierung. Man sieht ein, daß eine großzügige Sanierung der Reichsfinanzen eine unabänderliche Notnrendigkcit geworden ist, und hält die Vorschläge der verbündeten Regierungen in ihren wesentlichen Richtlinien für zweckmäßige. Ich bin fest davon überzeugt, daß auch weite konservative Kreise und ein erheblicher Teil der Zentrumswähler diese Ansichten teilen. Ein Referendum, wie es die demokratische Schweiz hat, würde diese Auffassung bestätigen. Eine Reichstagsauflösung dagegen würde gar nichts nützen. In dem neuen Wahlkampfe, wo man mit den üblichen Vor drehungen und Verhetzungen arbeiten würde, würden bei den bürgerlichen Parteien voraussichtlich nennenswerte Verschiebungen nicht eintreten. Vielleicht verlören die rechtsstehenden Parteien einige wenige Sitze an die Liberalen, aber die Sozialdemokratie würde dafür auf Kosten der Linken in doppelter Stärke in den Reichs tag einziehen. Das selbstsüchtige Verhalten der konservativen Agrarier gibt den sozialdemokratischen Wählermassen ein vorzügliches Agita^ionsmittcl, und so würde wahrscheinlich die Linke des Blocks bei den Neuwahlen erheblich größere Verluste erleiden, als die rechte Seite. Jedenfalls bliebe bei einer Reichstagsauflösung der Block ebenso wackelig, wie er es bereits gegenwärtig ist. Tie Tatsache, daß die Mehrheit des Volkes blockfreundlich geblieben ist, ändert daran leider nichts. Es fehlt an einer zugkräftigen Wahlparole und die Blockparteien sind kümpf- inib wahlmüde. Es muß deswegen für ausgeschlossen gelten, daß die Reichsregierung an eine Auflösung des Parlaments und an einen Appell an die Wähler ernstlich denkt. Bon einem solchen unüberlegten Schritte kann heutzutage gar feine Rede sein. Wohl aber stehen wir nahe vor einer Kanzlerkrisis. Es wäre durchaus begreiflich, daß Fürst Bülow, dem die Konservativen, nachdem er uns von der Zentrums- Herrschaft befreit hat, treulos in den Rücken gefallen sind, die Zeit für herangebrochen erachtet, um für einen guten Abgang zu sorgen. Eine andere Wendung hatten viele davon erhofft, daß eine kaiserliche Botschaft die heillos verfahrene Situation zu retten suche. Es wäre aber für den Monarchen schwachmütig gewesen, wenn er sich nach den üblen Novemberereignissen des vor. Jahres zu einem solchen exponierten Schritte hätte mißbrauchen lassen. Man hat vielmehr für die Vermutung Grund, d/rß der Kaiser in Wiesbaden dem Kanzler kurz und bündig eröffnet yat, er habe nach wie vor zu ihm Vertrauen und hoffe, daß es dem Kanzler allein gelinge, die Finanzreform doch noch mit dem Block xuwege zu bringen. Was geschieht nun, wenn diese Erwartung sich nicht erfüllt? Vielleicht ist es zweckmäßiger, die Frage so zu 'stellen: Wie wird der Reichskanzler die kaiserlichen Tirek- liven in die Tat umsetzen? Zunächst hat er für dasjenige, ivas bisher geschehen ist, sich im Bundesrat Deckung zu verschaffen. Diese Deckung wird er unzweifelhaft bekommen, stm Bundesrat ist niemand für die Reichswertzulvachs- iteuer, die Kotierungssteuer, die Mühlenumsatzsteuer und den Kohlenaussuhrzoll. An diesem Widerstand scheitern >allein schon die klerikal-konservativen Anträge. Für den Lcksfee- und Teezoll werden dagegen die verbündeten Regierungen allenfalls zu haben sein. Und sehr wahrscheinlich ist, daß sie für eine erheblich stärkere Belastung des Tabaks in der einen oder andern Form eintreten werden. Da ohne ikrbanfallsteuer die erforderlichen Summen, die der Reichs- üskus unbedingt braucht, nicht herauskommen, und beim Wegfall der Nachlaßbesteuerung die Matritularbeiträbe bedenklich erhöht werden müßten, so wird der Bundesrat )eden- alls an der erweiterten Erbschaftsbesteuerung festhalten. Die Wertzuwachssteuer, die Mühlenumsatzsteuer, die ja gar keine finanzielle, sondern eine mittelstandspolitische Maßregel ist, und die besonders gefährliche Kotierungssteuer werden gegenwärtig im Schoße der Ministerien, wo eifrige Verhandlungen stattfinden sollen, tot gemacht. Diese un- , reifen und launenhaften „Ersatzsteuern" gelten schon jetzt als gefallen. So wie die Verhältnisse nun einmal in Deutschland, and namentlich in dem grüßten Bundesstaate, liegen, wäre rs ein verhängnisvoller Irrtum, zu glauben, daß die Reichsregierung die Konservativen als Regierungspartei dauernd ru^uschalten suchte. Liberale Phantasten sehnen zwar eine olche Wendung in der inneren Politik herbei, aber die 'Regierung kann nicht daran denken, denn sie hätte keine 'Nehrheit mehr, und ohne Mehrheit kann kein Staatsmann .afolgreich regieren. Man muß also mit den Konservativen, Die Preußen nach wie vor beherrschen, einen Kompromiß schließen und ihnen eine goldene Brücke für den Rückzug Hauen. In erster Lücke handelt es sich darum, die Erbschaftssteuer, mit der der Regierungsplan steht und fällt. Zu retten. Tas geht aber nur mit den Konservativen, nicht gegen sie. Ergo bleibt dem Reichskanzler nichts anderes »brig, als den landwirtschaftlichen Besitz, sofern er unTer Sie Nach laß steuer fällt, noch weiterhin zu privilegieren, und ihn, wie es der englische Minister Pitt seinerzeit gemacht hat, möglichst steuerfrei zu lassen. Daß das eine läü>erliche Ungerechtigkeit ist, namentlich in der Zeit, wo es dem landwirtschaftlichen Gewerbe, dank ganz kolossaler Opfer, die die Gesamtheit für die Agrarier gebracht hat, so gut geht, wie gegenwärtig, bedarf keines Beweises. Es handelt sich I einfach um eine neue Liebesgabe. Aber ohne Liebesgaben I kann man die Agrarier nicht mehr in guter Stimmung halten. Jeder Eingeweihte weiß, wie der Feldzug gegen die Nachlaßsteuer entstanden ist. Hier waren geheime Kräfte, die außerhalb des Reichstags stehen, wirksam. Ein bekannter konservativer Taktiker, der. dem preußischen Abgeordnetenhause angehört und seinerzeit auch in der Kanalfrage den Ausschlag gegeben hat, hat die Führung hinter den Kulissen übernommen. Tie preußischen Konservativen fürchten nämlich, daß der Blockgedanke, der im Reiche bereits ein freies Vereinsrecht und die Börsenreform gezeitigt hat — sehr zum Schmerze der Reaktionäre und Agrarier — auch auf die preußische innere Politik zurückwirken könne. Ten preußischen Konservativen konnte es nicht verborgen bleiben, daß das höhere Beamtentum, das in den Ministerien sitzt und die politischen Geschicke des Landes zu leiten berufen ist, liberalen Resormgedanken mehr als früher zu- neigt. Aus dieser Strömung heraus ergab sich die Wahrscheinlichkeit einer gemäßigten preußischen Wahlrechtsreform, die ja bekanntlich bereits in der Thronrede feierlich angekündigt worden ist. Diese Ankündiguna gab das Signal ■,u der agrarischen Opposition und stärkte auch den länge Zeit zurückgedrängten Einfluß des aristokratischen Flügels im Zentrum. So entstand das neue konservativ-klerikale Bündnis. Will nun Bülow am Ruder bleiben und gleichzeitig die Konservativen zurückgewinnen, so bleibt nichts anderes übrig, als die Wahlrechtsreform fallen zu lassen. Tas ist zwar ein Schlag ins Gesicht der Liberalen, aber da es eine vorwiegend preußische Angelegenheit ist, so wird man diesen Schachzug in der Reichspolitik wohl oder übel mit in Kauf nehmen müßen. Das preuß. Abgeordnetenhaus ist ja licht schlechter zusammengesetzt, als die anderen bundesstaatlichen Parlamente mit freiem Wahlrecht. Zudem haben Oie neuerdings in das preußische Abgeordnetenhaus ge- ivählten Sozialdemokraten sich in ihrem ganz maßlosen Auftreten so bloßgestellt, daß ihnen gerade die Liberalen fortgesetzt scharf entgegentreten mußten. Auch unter den Liberalen wird es nicht wenige Leute geben, die eine Vertagung der Wahlrechtsreform verschmerzen können. Man spricht zwar so ettoas nicht offen aus, aber wer die wirkliche Stimmung kennt, glaubt nicht recht daran, daß die Liberalen eine übereilte Demokratisierung des preußischen Parlaments herbeisehnen, zumal ja unter der Regierung des jetzigen Kaisers dem preußischen Oberhause zahlreiche moderne, fortschrittlich gesinnte Elemente zugeführt worden sind. In den städtischen Kommunen hat der Liberalismus so wie so das Heft in der Hand, und die Kommunalpolitik ist für den kulturellen Fortschritt der Gegenwart viel wichtiger geworden, als die Staatspolitik. Alles, was hier angebeutet ist, beruht auf Vermutungen. Aber die Vermutungen haben mancherlei für sich. Die Erb- anfallsteuer und damit die Reichsfinanzreform kann, so wie die Verhältnisse nun einmal gelagert sind, nur durch Konzessionen an die preußischen Konservativen erkauft werden. Andere Möglichkeiten, die total zerfahrene politische Lage im Reiche zu klären und eine brauchbare Reichsfinanzreform durchzuführen, gibt es m. E. nicht. 4politfc$d?c Tagesschau. Die Zusammenkunft der Minister der Einzelstaaten zur Beratung der Ersatzsteuern für die Reichsfinanzreform, die ursprünglich am 8. 3uni erfolgen sollte, ist deshalb um einige Tage verschoben worden, weil die im Reichsschatzamt vorbereiteten Gesetzentwürfe bis zum Dienstag noch nicht ganz fertiggestellt waren. Zu den am Freitag und Samstag stattsindenden Beratungen der Minister werden, wie der L.-A. erfährt, auch die Mitglieder der Ausschüsse des Bundesrats für Zoll- und ©teuer» wesen uub für Handel und Verkehr zugezogen werden. Infolgedessen bunten die aus diesen Verhandlungen hervorgehenden neuen Steuerentwürse vom Bundesrat schnellstens erledigt werden können, so daß der Reichstag bei seinem Wiederzusaminentritt am 15. sie wohl sogleich vorfinden wird. In erster Linie wird den heute in Berlin zusammentretenden Ministern der Entwurf eines Reichs- Erbanfallsteuergesetzes vorgelegt werden. Da der Ertrag hieraus schwerlich 50 Millionen übersteigen wird, so sollen die noch fehlenden 50 Millionen in erster Linie durch eine Reichswertzuwachs- ftcuer auf Immobilien (etwa 20 Mill.) sowie durch eine Erhöhung des Effekten- und Wechselstempels .(etwa 30 Mill.) aufgebracht werden. Als Ersatzsteuern für die abgelehnte und wohl endgültig aufgegebene Inseraten- und Elektrizitätssteuer werden in erster Lime, wie schon bekannt, eine Erhöhung des Kaffeezolles und eine Zündhölzchensteuer vorgeschlagen werden. Außerdem ist noch eine andere Steuer in Aussicht genommen, über die aber bisher Stillschweigen beobachtet wird. — Den Berliner Abendblättern zufolge hatte der Reichskanzler gestern nachmittag eine längere Konferenz mit dem Staatsminister v. Bethmann, Frhrn. v. Rheinbaben und Shdow. Es sand vormittags in der bayerischen Gesandtschaft Vorbesprechung der in Sachen der Finanzreform hier eingetroffenen Bevollmächtigten zum Bundesrate statt. Es nahmen daran teil der bayerische Finanzminister Ritter v. Pfaff, der sächsische Ministerpräsident Dr. v Rüger, der württembergische Finanzminister v. Geßler, der badische Finanzminister Dr. Bonsell, der hessische Fnnanzminister Ta. Gnauih, der lippesche Staatsncknister Frhr. v. Gevekot u. a. Auch Reichsschatzsekretär Sydow und Finanzminister Frhr. v. Rbeinbaben hatten sich eingefunden. An die Besprechung schloß sich ein Frühstück beim bayerischen Gesandten an. An den heute beginnenden Konferenzen der Finanzminister wird dem B. T. zufolge der sächsische Ministerpräsident unb Finanzmmister Dr. v. Rüger nicht teilnehmen. Herr v. Rüger hat sich lediglich an den Vorbesprechungen beteiligt und hat gestern abend Berlin wieder verlassen. * Die Reisepläue des Zaren. Wie die Petersburger Telegraphen-Agentur erfahrt, steht iin beginnenden Sommer eine ganze Reihe von Begegnungen des Kaisers von Rußland mit fremden Monarchen bevor. An das Zusammentreffen de§ Kaisers Wilhelm mit dem Kaiser von Rußland in den finnischen Schären schließt sich die Erwiderung des Besuches des Königs von Schweden. Ende Juli ober Anfang August fleht die Erwiderung des Besuches des Präsidenten der französischen Republik und des Königs von England bevor. Etwas später reist der Kaiser nach Italien zur Erwiderung des Besuches des Königs Viktor Emanuel. Der genaue Zeitpunkt der letzten Begegnung ist cnbgiltig noch nicht bestimmt. — Auf ausdrücklichen Befehl des Zaren ist ber deu tsche Botschafter Graf Pourtales nicht, wie üblich, durch da§ Aiiswärtige Amt, sondern durch den Hofminister eingeladen worben, ben Zaren auf ber „Standort* zur Begegnung mit Kaiser Wilhelm zu begleiten, was als eine besondere Auszeichnung betrachtet werden muß. "*"U—L— ..... m ■!■■■■ »»» Deutsches Reich. Der Kaiser ist gestern abend nach Dallgow-Doberitz ab» gereist. 120 englische Geistliche sind gestern abend von Cuxhaven in Hamburg eingetroffen. Auf dem Hauptbahnhofe wurden sie durch ein besonderes Hamburger Komitee, das ihnen zum Teil bereits auf der „Meteor" bis Dover enlgegengefahren war, begrüßt. Die abgehauene Hand. Die Stadtverordneten bmt Breslau haben ben Antrag des Magistrats, dem Bierfüller Franz B i e w a l d, dem am 19. April 1906 bei einem Skraßenkrawall von einem Schutzmanue eine Hand abgehauen wurde, für die Zeit Dom 28. Oktober 1908 bis 30. Jun: 1909 die gerichtlich festgesetzte Entschädigung von 4128 Mark aus dem Hauptextraordi- narrum zu zahlen, angenommen und 'gleichzeitig beschlossen, eine Petition wegen Aenderung der Gesetzgebung an das Abgevrdnetcn- haus zu richten. Generaloberst Freiherr von der Goltz bestätigte dem Berliner Korrespondenten der Neuen Freien Presse, daß in den letzten Tagen zum ersten Mal an ihn eine Aufforderung der türkischen Regierung gerichtet worden sei, wieder in ihre Dienste zu treten und zwar sei dies vor einigen Tagen in mündlicher und vorgestern in schriftlicher Form geschehen. — Es ist bedauerlich, daß Deutschland sich noch immer dazu hergibt, der militärische Lehrmeister frember Länder zu werden, die das von uns gelernte früher oder später einmal nrieber gegen uns an- wenden können. Wie machen es demgegenüber die klugen Japaner? Dem japanischen Blatte „Jiji" zufolge hat 'Japan beschlossen, tn Zukunft keinem Chinesen zu gestatten, Militärdienst 'in der japanischen Armee zu nehmen. Die nationalliberalen und freisinnigen Mitglieder der Reichsfinanz-Kommission werden, wie die liberale Korrespondenz meldet, an der am 12. Juni statt findenden Sitzung der Kommission zwecks Feststellung des Berichtes» teilnehmen. Ausland. Aus dem Haag. Von der Absicht eines Besuches der Königin und des Prinzgemahls am englischen Hose ist hier einstweilen nichts bekannt. Botschafterwechsel. Aus Kreisen, die dem öfter» rerchisch-unganschen Botschafter Grasen Berchthold nahe stehen, wird mitgeteilt, daß er nicht mehr lange auf seinem Petersburger Posten verbleiben wird. Kreta. Die Schutzmächte einigten sich, die Truppen voiN 1. Juli ab von der Insel Kreta noch nicht zurückzuziehen. Die Gemeindeumiagenreform im Finanzausschuß. Nachdem die Mitglieder des Finanzausschusses gestern noch einmal unter sich hie prinzipielle Frage, ob die Besteuerung nach dem gemeinen Wert ober bie Besteuerung nach dem .Ertrage vorzuziehen sei, eingehend besprochen hatten, wurde dasselbe Thema heute in Gegenwart der Regierungsvertreter, Minister Dr. Brau n, Geheimeräte Becker und Best und Obersiimnzrat Dr. Gläs- fing, einer weiteren gründlichen Erörterung unterzogen. Abg. R er nhart wünschte zunächst iioch einen Nachweis über die Wirkung der Grundsteuer nach dem gemeinen Wert gegenüber ber gegenwärtigen Besteuerung und zwar auf Grund verschiedener Probebnspiele aus den drei Provinzen. Er wies auch auf bie bedenklichen Folgen der badischen Gesetzgebung Hin, wo schwere Fälle von ungerechter Belastung bei Annahme des gemeinen Wertes allein zutage getreten seien. Die landwirtschaftlichen Vertreter Dr. W e b e r und Brauer, die prinzipiell auf dem Standpunkt ber Besteuerung nach dem gemeinen Wert stehen, halten es doch für richtig, bei besonderen Verhältnissen und bei Grundstücken, bie dauernd land- und forstwirtschaftlichen Zwecken zu dienen be- stemmt send, auch den Ertragswert zu berücksichtigen. Geh. Rat Becker sagt Erfüllung des Wunsches des Abg. Reinhart zu Abg. M o l t h a n wünscht, daß bie Probebeispiele recht bald vorgelegt werden mochten, damit die Fertigstellung des Gesetzes noch ws zum Jahre 1911 ermöglicht werde. Abg. Ulrich wünscht ebenfalls in besonderen Fällen eine Berücksichtigung des Ertragswertes. Abg. Dr. Gut fleisch 'führt aus, daß in Baden nur die Haus- und Grundbesitzer zu Klagen über das Gesetz Anlaß hatten, denen der gesteigerte Wert in der Stadt sehr fühlbar werde. Minister Braun erklärt namens seines Ressorts, daß von ihm nicht unbedingt baran festgehalten werde, den gemeinen Wert a l - lein bei der Grundbesteuerung heranzuziehen, es müsse nur die richtige Formulierung, wie der ErtragÄvert in besonderen Fällen berücksichttgt werden solle, gefunden werden. Es wird somit Aufgabe des Finanzausschusses fein, sich für diese Fälle einen geebneten Vorschlag auszuarbeiten. Nachdem Abg. Ulrich ftun die Frage des Schutdenabzugs zur Sprache gebracht, sprach Geh. Rat Becker seine Meinung dahin aus, daß diese Frage ganz unabhängig von der Besteuerung nach dem gemeinen oder dem Ertragswert sei. Die von ihm vorgetragenen Zahlen hätten auch ergeben, daß die Landwirtschaft nach dem gemeinen Wert nicht weniger belaßet werde. Abg. Dr. Osann betonte, daß man im Linne der Anregung Dr. Webers doch bei der Grundsteuer vielleicht die Ertragsmomente berücksichtigen könne. Abg. M v l t h a n halt eine Verständigung mit der Ersten Kammer unter allen Umständen für notwendig und deshalb sollte die Anregung, das Er- tragsmoment bei der Grundsteuer gleichfalls zu berücksichtigen, nicht von der Hand gewiesen werden, besonders bei solchen Fällen, in denen der Ertrag des Grundbesitzes mit dem gemeinen Wert m einem MitzverhalMis stehe. Schwierig sei aber, eine Formel ju linden, um den Ertrag bei Aufrechterhaltung des Prinzips des gemeinen Werts zu berücksichtigen. Minister Braun erklärt,' datz die Regierung noch ferne Stellung dazu nehmen könne, daß !tc, a^.r die Anregung nicht von vornherein für unannehmbar^ betrachte Weiter kam noch zur Erörterung, ob nicht die Steuer- Treitjeit solcher Feldparzellen, die als selbständige GemarkungS- parzellen mitten im Gemeindegrundvermögen liegen, aufgehoben ober abZelost werden könnten. Geh. Rat Becker wies auf die /Schwierigkeiten hin, wenn das Gesetz mit einer so diffizilen ? werden würde ; er könne jedoch ia Abwesenheit des bei den Beratungen des Bundesrats in Berlin weilenden Finanz, minifter: lerne b*ftimmtc Stedum dazu nehmen Abq. Dr. Scb-T id)(m vor, saß in elfter Lm,e bcr Fisfus auf seine Ok- Markung recht- Derxidrttn ober dieselben ablmrn lassen solle. Er beharr- darauf, naß die Fra«e mit dein Gesetz geregelt werde und behalte sich einen ent orcchenden Antrag vor. ' _-L*r Ausschuß nnrd seine Beratungen am Mittwoch nächster Woche rert- seyen Hauptversammlung der veutfchen Kolonialgesellschast. 2. u v Dresden, 9 3uni 3n Gegenwart des Königs Friedrich Anqun von E achten trat heute vormittag die Hauptversamnilung brr Deutschen Kolonial-Gesell schatt zusammen. t,en Vorsitz führte der Heriogreaenl von Braunschweig, Johann Albrecht vonMccklenbura, neben dem auch itin Bruder, der Afrikareisende Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg, den Verhandlungen beiwohnt 3u Beginn der Verhandlungen nahm der Prä,ident verzog regent Johann Albrecht das Wort »u folgender Animachc: Meine Herren! Mit freudigem Herzen sind wir der Einladung gefolgt, unsere Tagung in der schönen Hauvtsladt wachsens ab zuhalten. Aber diese Stimmung wird noch besonders gehoben durch die hohe Auszeichnung, daß Seine Majestät der Sättig Friedrich August derselben beiwohnt Tas ist nicht nur eine ' ftitc Beweis, Dqk Sachsens König gleich seinen unvergehlichen Vorgängern unsere Bestrebungen anerkennt, iic zu fördern sucht und unseren Arbeiten das regste Interesse cutgegenbringt. Möge und dies ein neuer Ansporn sein, beharrlich auf dem betretenen Wege weiterzuschrciten unserem groijcn Ziele entgegen! Wie eifrig das Leben in unseren Abteilungen pulsiert, wie der Kolonisationsgedanke immer weiter um sich grein und die Anteilnahme für alle die Schutzgebiete betreffendcii Fragen noch mehr und mehr wächst, bezeugt die »rgelegt werden sollen Ich begrütze dieses frische Leben in unserer Gesellschaft mit aus richtiger Freude Tas verflossene Jahr ist nicht ereignislos für uns vorübergcgangen. Am 3 April konnte in Dar es Salaam das Tcntmal Hermann v WitzmannS enthüllt werden, des großen uncrichrockenen Airikasorschers, der zum ersten Male im schwarzen ic des deutschen Schwertes erprobt hat und 1 unserer Gesellschaft für ferne, erhalten bleiben mH nicht nur in orr Heimat, sondern auch an den Stätten seines Wirkens. Was dieser deutsche Forscher und .ftricgcr uns errungen, mögen Fleiß und Energie des beundjen .ftmiimanud und Ansiedlers uns bewahren. Unsere rtolomcn sind nicht schl'-chter als Vic anderer Länder: alle ohne Ausnahme zeigen rin kräftiges Wachstum Ueberrafchend schnell hat sich Süd west asrika von dem Wrorrcn Schlage, den ihm der Aufstand versetzt hat, erholt l in Beweis dafür, daß auch der Deutsche kolonisieren kann. Die Kolonien sind, Darüber tarnt kein Zweifel bestehen, ein wichtiger Faktor in unserem Wirtschaftsleben geworden. Tie Erkenntnis hiervon hat sich auch bereits in allen Schichten der ng ' i.i <.111'1 verschafft Wer noch zweifelnd beiseite steht, den gilt es zu uberzcugeu. Hier haben wir em Tätigkeitsfeld für untere Gesellschaft Seien wir daher Pioniere des kolonialen einigendes Glied zwischen unseren Mitbürgern brausten und in der Heimat, und greisen wir belicnb ein, wo etwa her Staat versagt Ter Herzog wandte »ich bann den gesckiil lscheu Angelegenheiten zu und begrüßte lebhaft das Ausschreiben tur die Herstellung eines Mongroveexlrakles, der dem Leder eine möglichst helle Farbe gibt, so das; eS auch unter dem Einfluß des £id>tr4 nicht nachdunkelt Dieses Preisausschreiben hat feine (yi ledigung gefunden, indem das Preisgericht von den eingegangenen Lötungen zwei als den Bedingungen entsprechend bezeichnet hat Leutfche Aolonialgesellschaft hier eine wertvolle kolonial virtschaftlich Anregung geben konnte, io verdanke sie daS in erster Linie ihrem Elirenmitgliede Oldemeyer, der m dei uneigennützigsten Weife die Plittel für das Preisausschreiben zur Berfügnng gestellt habe. Im Anschlust an die sehr beifällig aufgenommene Ansprache des Herzogs dankte Freifrau v. Nicht Hofen (Berlin der Deutschen .Uolonialgesellschaft namens des Deutschen Frauenbundes für die Kolonien für die dem Bunde gewährte Unterstützung. Die tHcbncrm gab einen kurzen Hebei blick über die Tätigkeit des Frauenhundes in bezug ^auf die Ent sendmig von Frauen und Mäbclien nach Deutsch»^üdwestafrika und Mimitidiou. — Hierauf legte der Herzog den Geschäftsbericht vor, der zunächst davon Kenntnis gibt, daß ber Gedanke eines geineinuützigeu Bodentrebitinstitnts und eines LanbamteS für Dentich-Südwkslasrika weiter im Auge behalten wirb. Tie lieber siedlung deutscher Frauen und Mädchen nach Südwestafrika und Kiaulschou hat auch im verflossenen Jahre weiter »ugenommeu ES konnten 180 Personen freie Fahrt nach Swakopmund oder ein Zuschuß zu den Reist kosten bewilligt tuerben. Im Jahre 1906 war u eck 108 und 1907 insgesamt 175 Personen In der Haupt jad>e ivareil es Familienangehörige und Freunde der Ansiedler, die die Ausreise nach den Schutzgebieten antraten. Ader auch die HinanSlenduU', von Tienstmabchen Imi zugenommen, und zwar erfolgte die Uebcriiedlnng unter dem Schutze des Frauenbundes für die Kolonien Mit Schluß des Jahres 1908 waren insgesamt 682 Personen mit Unterstützung ber Deutschen kolonial geiellschaft nach Deutsch Südwestafrika ubergesiedeU And» nach Tiingiau find einige liebeniebhniflcn mit Hilfe der Gesellldian ersolgt. Eine Rücksprache mit dem Molomalamt iührte dazu, das, sich das Mnloinalamt bereit erklärte, Reichslagsabaeoibnete und anbeie Personell, die Auskunft verlangen, wo ein Bedürfnis nach der Riedcrlaf'ung eines deutschen Handwerkers vorliegl, an bie Zentralauskunstsstelle für Auswanderer zu verweisen, die bei Deutschen .ftalomalgescllicha't untersteht. — Der Mitgliederbestand ist gegen das Boriahr wiederum gestiegen und zwar von 3b 9.>t> auf 38 508 3u den elf (Vauverb.inben sind int Berichtsjahre drei neue hinzugekommen, so dast jetzt 14 bestehen. Die Zahl der Abteilniigen stieg um 8. Neue Abteilungen bildeten -:di u. a in Ansbach, Blankenburg a. H, Borkum, Hann Münden und Nom, sowie in den westlichen Bororten Berlins und ZerdN EingegMigen sind die Abteilungen in FriNwangcn und solche in Lothringen und Cftöreuncu Nock, wie vor stehen mit der Zahl b.-r Mitglieder an ber Spitze: Berlin-Charlottenburg, Dresden. Bremen, Köln, Halle. München Breslau. Frankfurt a. M. »mb Danzig. Im Auslande bestehen 8 Abteilungen, in den beund» u Sdnibätbieun 15, int Inlanbe 378 Die Werbetätigkeit der Wc- kllidxitt war int verflossenen Jahr eine sehr rege, es wurden viele Vortrage zum Teil unter Benutzung von Lichtbildern und kinematographifchen Vorführungen gehalten. Eine Sammlung kolonialer Produkte hat bie Zentrale begonnen Die ZerUralaus- hru ft Aitel le für Auswanderer ist in diesem Geichansiahre ut 11 339 A-dllen um Auskunft von Auswanderung-lustigen ersucht worden. Unter den fremden Auswanderuitgsgebieten waren namentlich tue von BrajUten nut 1676 Anfragen im Bordergruu e Tann folgiu Argentinien, bie Bereinigten Staaten, Kanada und Chile. Nach der Benlisangehörigkeit waren unter den aniragenden Aus- wanderung-lustigen imcbcrum die Handwerker am zahlreichsten Anträgen flammten von Pen'onen weiblichen ifteichleckfts der imb zwar vorwu-glich von we,b! - m Tiennperional lleberall imb neue Zw., muskunftüstellen g ;tbet worden Tic Einnahmen der iHcielbcbatt betrugen 310 023,76 Mark, die 'Aufgaben 272864.90 Mark. In Den Voranschlag wurden 309 500 Mark eingestcNt uub genehmigt. Hierauf nahm bie Versammlung den Bericht des Vorstandes über die gestrige Bornanbsnmmg entgegen. Aus dieiem Be. r,cht ist noch zu entnehmen: Zur Förderung des Tabakbam m beu brutschen Kolonien bat das Ehrenmitglied bei Teut'chen tfolomalgeienidwh, Herr Dlbemeber ^Bremen folgende Preis» ffuigabe gestellt: Für ein Mtndestauautum von 100 Zemneru aut einer Pflanzung m deutschen Kolonien gcwach'eneu Tabaks, das in Bremen als brauchbares Teckinaterial anerkannt wird und am Bremer Markte einen ausreichenden Preis erzielt, um genügende Rentabilität für dauernde Iornctzring des Anbaues xu versprechen, lieber die Erfüllung der x8< hinaungen bat die Bremei Handelskammer nach Anhörung dc Wirtichaitlichen AuS'chui'eS der Mvlontalgeiellidiait. bei Äo!jnialnurtfcbahlidien Uomucr xv. urteilen buv zu cntulu iben Te Preisausschreiben ui iur fünf Jahn iiüdi dessen Verönentlichung in ftrafr. Tie Aus za. ng der Preissummc 3000 Mk erfolg: durch de ^olonralqesellschoft Ferner hat ein -m Königreich Sadrien ansässiger Geograph bie Summe von 5000 Mark zur Verfügung g-uclli, die dazu d enen soll, Arbeiten der roi''>mdxrthd)en Landeskunde un'.rer Schutz gebiete anzuregen uno zu fördern. Es sollen inner halb der nächsten Drei Jahr«' mit drei Precken von 2500, 1500 und 1000 Mark geogravhi'che Tarne!langen ganzer SdiuDgebte:.- oder einzeln r großer natürlicher Landschaften prämiiert w.rden. Tew ost auikanischcn Siedlimgs'onbs würd' au» Bcicknuß des Votttand . erneut d»e Summe von 10000 Mark luarhihrt Ter ah* 1 Betrag wurde für das geplante M .dchenheini in fteetrnanshoov bewilligt. Hierauf trat die Versammlung in die Beratung der vorliegenden Anträge ein. Gründung eines Kreisoereins für länöl. fieimatpfiege im Kreise Giehen. Eine stattliche Verfammlung tagte gestern im über iitÜcn Saale des Hotel „Schütz' unter dem Vorsitze des lf>eheimerat Dr. Brcidcrt. Aus fast allen Crtcn des Preises waren (*k*meinbe6caniten, Bürgermeister. Pfarrer, Lehrer usw. crfchienen. (^eheimerat Tr. Breidert betonte die Notwendigkeit der SximatDflege, für die in auch großes Interesse vorhanden sei Auch auf der Bürgermeisterver ammlung sei die Sad>c freudig begrübt worden Haupt- leljrer Storch - Butzbach hielt hierauf einen Vortrag über „Heimat- und AunftpHege auf dem Lande". In der Liebe zur Heimat muß die Vaterlandsliebe nmrzeln Unser Volkstum nimmt Schaden, wenn ihm der Nährboden, die deutsche Heimat, genommen wird Unsere großen Männer, wie Bismarck, Moltke u. a, haben ihre Schaffenskraft und -Luft in der Heimat geholt. Wir muffen den Gedanken abwchren, daß das Gluck in der Großstadt wohne. Ter Landbewohner oll teilnehmen an den Gittern des Fortschritts und der Aidtur. Die ländliche Eigenart im Baustil muß erhalten bleiben. Tie Fachwerkbauten mit den überdachten Torbogen, bie trauten Einrichtungen mit den alten soliden Möbeln und Geräten sind hcirnallickier als die kalten Stein bauten, die mit Fadriltvaren ousgeftattet sind Das ländliche .Handwerk muß neu belebt, alte Möbel dürfen nicht als altmodisch verkauft werben, sonst kommt es vor, baß ic bcr Bauer in bcr Großstabt roicbcr als Schmuckstücke >cr Salons finbet. Ein Schmuck bcr Heimat ist bie Blume n p f l e g c vor bcu Fenstern unb in ben Vorgärten Tas Schulhaus barf kein kalter Steinkasten sein, es muß ich bem Torfbild anpasfen. Tie Erhaltung bcr Tracht ist ein Hauptpunkt bcr Heimatpflege Unsere Lanbestrachten sinb schöner als bie moderne frcinbländische Alctbung, sie ist gesunder, volsstümlicher, deutscher. Was an bcr Volkstracht lästig ist, muß schwinden, bas Gute unb Schöne muß bleiben. Bei Trauungen sollte dem iuiigcn Paar ein Bild aus der Heimat überreicht werben. Einige Aenbcrungcn unb Umformungen in unserer Volkstracht sind nötig. Es müßten ft' u r f c für Klciocrmacherinnen eingerichtet werben, bic sich bic Verbesserungen aneignen Bei Festlichkeiten würbe jebermann bicjc ftlcibcr sehen unb sicher nachmachen. Die Trägerin bcr schönsten Tracht müßte durch Preise ausgezeichnet werben. In bic Spin u- st üben hat sich wohs mand)er Unfug cingeschlichcn, ober das darf kein Grund sein, sie anfzuheben Sie sollten Voltssingschulen sein, und durch schöne alte Volkslieder die Gassenhauer verdrängen. In dem landioirkscluifllichen Be triebe sollte dieImterei nicht fehlen, denn zu bcr eigentlichen Torfmusik gehöre auch bas Summen ber Bienen Tas landsck aftliche Bild muß seine Schönheit behalten durch Erhaltung bcr Hecken, Raine unb Büsche: sie bieten zugleich Schutz für bic Vögel Tic hervorragcnbste Stätte zur Heranbildung des Volkes ist bas Torf am Erlenbach. Au daltenber Beifall lohnte ben Rcbncr. Gchcinterak Fey-Friebbcrg sprach über „Ztvecke unb Ziele bes hessischea Vereins für länblich' Heimatpflege" Aus bcr Fülle bcr Aufgaben, bic zu lösen sinb, möchten wir nur folgenbe hervorheben: „Erhaltung bcr Neigung bcr Lanbbcvölkcrung zum bäuerlichen Berufe. Vorkehrungen gegen den Arbeiter mangel. Beseitigung der iyftäitbc int Gesindeverding wesen. Fürsorge für bic Lanbarbcitcrfamilie Förberung der Torfhandtverker. Pflege guter geselliger Unterhaltung in volkstümlicher Weife. Einrichtung von Gemeinbc- unb Bürgerabcnbeii Iugcnbfürsorgc. Hauswirtschaftlichc Unter Weisung der Mädchen. Verbesserung der Krankenpflege unb der Armenpflege Verbesserung bes (4afi und Schankwirt schaftswesens iBeschränkung der Zahl und Beseitigung Auswüchse Pflege der heimatlick>eu und Dorfgescm dcS hconatlichen Sprach- imb Lieberschatzcs Heimat- imo ftunstpflcge zur Wahrung der Eigenart der La>»dl'em'tte- rung und ihrer Wohnstätten Betonung dieser Pflege in den Landschulen Erhaltung ländlicher Sitten und Gebräuche. Erhaltung bcr Volkstrachten. Förberung bcr Heimatmuseen Oteftaltung ber Bauten und Torsanlagen in ben für bas Laub pafienben Formen. Schutz zur Er Haltung bcr ')uiturfd)önl)cit bcr Otemarfungcn: Belebung unb Förberung bes Verständnisses hierfür, insbesondere auch in bcr Lanbbcvölkcrung selbst. Schutz der Lanborte gegen Ueberslutung mit künstl rischem und literarischem Sdzund" Es gilt nunmehr, im Gefolge bes beutschen Vereins, in Hessen bic zerstreut tätigen Mräftc zufammenzufassen unb >n gemeinsamer Tätigkeit >u vereinigen Für ben Verein gilt cs ferner. Mitglieder zu locrben vom Lande, bic ja bie Hcimatpslcge in erster Linie angebt Es hanbelt sich um bic geiamte ländliche ftiiltur. bie Er hititung wirtschaftlicher Filter, bic bas Lanbookk besitzt Städtische unb länblidw ftu!tur gehen verschiedene Wege (gesetzlich kann man nullt Stabt unb Land über einen S imm scheren, rmc es leider in industriellen Bi trieben geschient Tiefe Anficht ift auch in den maßgebenden ftrcucn i-*ßt vorhanden dank ber Tätigkeit der Heimatpflegc Mehr Heimat- und .ftimftvflcge müssen bic Schulen unb Fori bllbungsfchulcn üben, sic müssen bcr Jagend Auge und Sinn für die Heimat öffnen Tas Land wird und muß der Jungbrunnen ber Stadt bleiben. Tic Laiidflucht hat in ungesunder Weise zugenommen Wie im ft reis Friedberg, so herrscht auch im .ftreife Gießen lebhafte-' Interesse für die Heimatpflege, das zeigt die ft-reishaushaltungsschule. bic Einführung der Naturkunde in den Fortbildungsschulen und btc ("runbung eines VolkssSngerdundcs, m dem da. Volkslied gepflegt wird Wir alle muffen helfen, das OHüd auf bem Laube zu fördern ^Lebhafter Beifall.) Geheimerai Dr. Breidert spricht beiden Rednern den Tank aus. Biirgermeister ft r ä m c r - Steindach begrüßt bic Anregung zur Gründung eines Sreisvereins und hofft auf fein .mstanbckommcii Profefsor Dr. H a u p i svricktt namens Des Vereins für Volkskunde feine Freude über die Gründung aus unb hofft auf ein segensreiche- ^fammcnarbeucn Tie Grün du n g des ftreisvcreins wurde alsdann b e j d) l o f i e n. Ter Verein hat den Zivcck, die auf materielle und geistige Förderung der ländlichen Bevötkeruna gcrKbrcten Bestrebungen in Hessen zu unterstützen und zu pflegen. Tazu bient: Förderung der Dohlfahrtseinrichtungen, $*nverhmg bcr dabei gemachten Erfahrungen, Anregung neuer Woblfahrlseinrichtungen Dung einer AusiunnsfteUe und Fachbibliothek. VeröftenttÜbungen und Verbreitung von Truck- fthnften. Veraiiftattung von Vorträgen und Versammlungen Ter Verein ist ein fttciDDctcu: mit eigenem Vermögen sein S.Y wird von bcr erfreu '.'.Kitgltcbcrrfqammlung bf- stimmt Ter Vorstand dar» besondere Crlsgruppen gründen. Tie ftreisgruppc regelt ihre Finanz unb Vermögensvcr- l altniffr selbständig. Sie ift selbständige» Crgan des Vereins. Der iahrlid)c Beitrag beträgt für EinzeUnitglieder mindestens 1 Mk Zahlreiche Anwesende erklärten ihren sosonigen Beitritt. Es erfolgte bann bic Dahl eines vorläufigen Vorstandes: es würben bestimmt: Tckan Strack- Leihgestern Regu- rnngsrat Tr. '.92 erd-Gießen, Haiiptkcbrer Bach Großen- tuiben (Schriftführer, Pfarrer Schulte- osten Linden. Pfarrer H e p d i n g-Haufen, ftommer ienrot Ga l l besten. Schulrat ft l c i n s ch in i b t-Gießen, Bonrat lieh m-Gieße», bic Dürgcrmciftcr Fcnbt - Hungen, ft ramcr-Stctnbad, Benner Trais, Holler- übi r Hörgern, btc Lehrer Schwcitze r - Udenhausen. Schneider - icuchelheim. Boßler ftlcin-Linden unb V. Muller- Gießen k. 1 ..... Aus Stadt und Land. Gießen, 10. Juni 1909. TageSkalender: 1. ?lbonnenients - Konzer: in clr.nl (Borten, auSgehihrr von der ReglmentskapeNe unter Leitung t<\ Musikdirektors R i a u B c. .R o I o f f c u m : Konzert, Feuerwerk. • • Fronleichnam. Unsere katholische Gemimde beding henk in der üblichen Wecke daS Fronleichnamsfest, einen ber bedeutendsten katholischen Feiertage. Durch Pabst Urban begonnen und durch Clemens V. feit 1311 allgemein em- geführt, wird der Tag. dessen Mittelpunkt bic prächtige Prozession ist, zürn Gedächtnis an die Wandlung, bie der Fronleichnam, .Leib des Herrn*, in der Hoilie vollzieht, allgerc n gefeiert. • * '^farrperfonalicn. S. ft H der (ftroßhetzog hat am 5. ^uni d. I. dem Pfarrer Qfcorg Bccke 1 zu (itu- n i n g e n bic cvang. Pfarrstellc zu Säbel, bem Pfarrer ">corg Ber nbeck j»u Hutzbvrf bie cvang. Pfarrstelle zu iberd und dem Pfarrvcrwaltcr Wilh Ohmen die cvang. Pfarrstellc daselbst übertragen. * * Auszeichnun g. S ft H. der Großherzig b,r'. am 29. Mai d. I. bem Fabrikarbeiter Johs Bücking IX in AlSfclb, in Diensten bcr Firma Tdeobor ft öfter dafelvi:, das Allgemeine Ehrenzeichen mit ber Inschrift „Für treue Arbeit" zum 2. Juni 1909 verliehen • * 91 n6 bem Militärwochenblatt. Nochwcckun^ der im 1. Vierteljahr 1909 bekannt gewordenen Todeü'al'e pensionierter Offiziere: v. Wisfmann, (Ben. der Inf. z. T.» zuletzt Gcn.-Lt. unb ftommanbeur ber ©rogl). £ftff. (25.) Ti — Diirch Verfügung beS KricgSminifteriumß: ft ü b n (l Darmstabt), Oberapotheker deS Vcurlaubtenslandeg, d.c -Abschied bewilligt. • • Eine große MendelSsohnfeier wird ber Mitteldeutsche Volkssängerbund am 1. August hier obhatten. * * Fischerei. Mit Dem 9. Juni gino die am 10. lpn( 6eflonnnie Frühjahrsschonzeit nn -uicbr n den (*rbt i n des Rheines, bc-5 Maines, des Neckar- unb der Lahn yi Ende M Schariach - Erkrankungen unter ber Zügen» unserer Stadt haben sich in diesem Jahre nicht unerhetl d) vennehrt. Während im Jahre 1907 53 Scharlach-Erkravk« imgcn vorkamen, entwickelte sich die ftrankhett iüie folgt: 1908: 1. Viertel 31, 2. Viertel 24, 3. Viertel 22, 4. Viertel 36 Fälle; 1909: 1. Viertel 62, Monat April 20, Mi.tt Mai 33 Fälle. Rach ben bisher vorliegenden Erkronkunqm für Juni ist eher eine Zunahme, als eine Verringerung W ftianfenbeltanbeb zu erwarten. Noch den Beobachtungen heft fest, daß die -Ausbreitung der ftrantheit daher rührt. Sah Le ft ranken zu viel besucht werden und der Ansleckungsstock dadurch von HauS zu HauS getragen wird. Will man dec ftrankheit ivirkfam begegnen, so ist strengste 3folterunfl notwendig; ftrankenbefuche sind unter allen llmfiönben venneiben. Aber auch bie Angehörigen einer Familie, m Cxt die ftrankheit auSgebrochen. sollten unter allen Umsiande» ihren Verkehr möglichst ernichranken. • * Geflügelzucht. Ter Provmzialverband der Geck ügelzuchtoercine in Oberhesfen hielt gciieni im Restaurant Aoval eine 'Sitzung ab, m der 22 Vereine vertreten worev. ES wurde unter anberm beschlossen, am 5. Juli b I m Bad-Nauheim eine LanbeS-Gcsliigel-AuSstellung. m Schollen die Provinzral-Geckügel-AuSstellung und im Oktober Ö. I. i« 1'Meßen eine Bezrrks-Geflügel-AtiSftellung, mit einer Gartz:- unb Obstbau-Ausstellung verbunden, ftattsinden zu loiitn. Für die Gießener 9hi6fteUunq m stein- Gatten oder 6« LicbigShöhe m Vorschlag gebracht. ' Besitz w e ch s e l. W»e nn- milgeteilt wird, hat Rechtsanwalt Dr. Spahr dos Anwesen der Thaer'chc^ Erben nicht für l(i5 000 Mark sondern für 78 200 Mack gekauft. • • Warnung vor dem Grnuß von Eis' oft kann man bic Beobachtung machen, bift ftiuber den Ers- n ageit nachlaufen und ein Studthcn Lis ,u erhaschen mdxi Man» der iftenuß dieses naturlifhcn Eises an ftckr schon der i^-efundhert schädlrck^ sein, so iit dies jetzt bei bcr hcinex Witterung uoev nmsomchr her Fall In ber Tai sind xx • v • rr rgrfommex, incldft auf den Genuß solchen Eues rnriickzufuhren srnd Tic Eltern unb Lehrer werben deshalb gut tun. die ihnbrr davor zu warnen •4. Rödgen (. Der Zuhörerraum ist. mit Angehörigen der russischen Kolonie dicht besetzt, hast vorgesührt. Bor Eintritt in die Verhandlung stellt R.-A. Cohn den Antrag, anstelle des als Dolmetsckier geladenen Sekretär Höhne einen anbereii und zwar den Schriftsteller Buchholz als Dolmetscher fungieren zu lassen. — R.-A. Tr. Liebknecht begründet diesen Antrag damit, dast Höhne als Beamter des hiesigen russischen Konsulats und der Gesandtschaft mit der poli- lst.chen Polizei fnmpathisiere und daher die Annahme berechtigt erscheine, daß seine Uebersetzungen nicht ohne Tendenz sein werdeit. Ter Vorsitzende verhält sich diesem Anträge gegenüber zunächst ablehnend und erklärt, daß sich das Gericht auf keinen Fall dazu bereitfinden lassen werde, den Prozeß zu einer Sensationsaktion 3ii gestalten. — Ter Gerichtshof gibt aber dem Anträge insofern Itatt, als neben Höhne auch Buchholz als Dolmetscher zugelassen wird. Tie Angeklagten, die sämtlich deutsch sprechen, sind bisher noch nicht bestraft. Ter Angeklagte Uzaltzow hat bisher in Leipzig Theologie studiert. Kerpen und Kawan haben das Technikum in Mittweida besucht, die übrigen studierten in Dresden. Nach dem Eröffnungsbeschluß werden die Angeklagten au her Mroszan beschuldigt, von Mitte Juli 1908 bis Ende März 1909 in Dresden und anderen O-sten an der Ausland- organifation der russischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei teilgenommen und zwar teils als Vorstände, teils als Mitglieder der Verbindung, und deren Dasein, Verfassung und Zweck der deutschen Staatsregierung verheimlicht zu haben. Mroszan wird der Beihilfe dazu beschuldigt. Dem Angeklagten Kerpen wird zur Last gelegt, dem Vorsitzenden der in Mittweida bestehenden Zweigorganisation, dem Techniker Hermann Heine, Beihilfe geleistet zu haben, sich seiner Bestrafung zu entziehen. Es wird hierauf in die Vernehmung der Angeklagten eingetreten. Auf eindringliches Zureden des Vor- litzenden gibt der Angeklagte Grimbladt, der Vorsitzende der hiesigen Geheimorganisation, die Erklärung ab, dast er in Paris sowohl wie in Basel für die 4. Konferenz der über das ganze Ausland verbreiteten geheimen Organisationen zur Unterstützung der russischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei eine Deckadresse benutzt habe, und zwar Konstantin Deckabrew. Eine zweite Deckadresse Platonowo habe es nicht gegeben, weder bei ihm noch bei seinen Parteigenossen. Grimbladt bezeichnet sich als russischen Sprachlehrer, er spricht fließend deutsch und verbreitet sich sehr gewandt über die Organisation der russischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Er stellt es entschieden in Abrede, daß die Verbindung in Dresden irgendwie selbständige revolutionäre Ziele verfolge. Ebenso wenig sei die Organisation eine geheime, ^ic in der Verbindung gelesenen Zeitungen, Broschüren und sonstigen Drucksachen könne man in jeder Buchhandlung kaufen. Er selbst sei nicht Vorsitzender der Dresdener Ortsgruppe, sondern nur einfaches Mitglied. Tie Zusammenkünfte hätten sich zwar nicht in der breiten Oeffentlichkeit abgespielt, trotzdem sei nichts geschehen, was eine Anklage aus 8 128 rechtfertige. Mitgliederbeiträge seien von den Mitgliedern nicht eingefordert worden. Auch der Angeklagte Kerpen bestreitet in gewandter Darstellung, der Leiter eines interimistischen Bureaus der Dresdener, Leipziger, Braunschweiger, Jenaer und norwegischen Ortsgruppen gewesen zu sein. Einer Deckadresse Platonowo habe er sich im allgemeinen nicht bedient. Märkte. ke.F ra n kf urt a. M., 10. Juni. (Telegr. Orig.- Bericht des "Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen Viehmark t- preise. Zum Verkaufe standen: 53 Ochsen, 00 aus Oesterreich, 5 Bullen, 0 aus^Oesterreich, 102 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 931 Kälber, 162 Schafe und Hammel, 937 Schweine, 1 Ziege, 4 Ziegenlämmer, 2 Schaflämmer. — Bezahlt wurden für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen: 1. Qualität 76—78 Mk., 2. Qualität 69—72 Mk., 3. Qualität 58—62 Alk.; Bullen: 1. Qual. 63—65, 2. Qual. 58—60; Kühe 1. Qualität 72—74 'Ulf., 2. Qual. 60—62 «DH., 3. Qual. 46—48 'Ulf., 4. Qual. 00—00 Alk., 5- Qual. 00—00 Mk. Bezahlt wurden für das Pfund Schlachtgewicht: Kälber 1. Qualität 95 dis 98 Pfg., Lebendgewicht 57—58 Pfg., 2. Qualität 76—86 Pfg., Lebendgewicht 45—50 Pfg., Schlachlgew. 65—70 Pfg.; Schafe: 1. Qual. Schlachtgew. 80 bis 00 Pfg., 2. Qual. 70—74 Pfg. Schweine: 1. Qual. 68—69 Ps., Lebendgewicht 53,5—54,0 Pf., 2. Qual. 67—00 Pf., Lebendgewicht 53,0-00,0 Pfg., 3. Qual. 60-66 Pfg., Lebendgewicht 00-00 Pfg. Geschäft bet Hornvieh und Kleinvieh gedrückt, Uebersland unbedeutend. Limburg a. d. Lahn, 9. Juni. Frucht markt. Durchschnittspreis pro Dlalter. Roter Weizen (nassauischer) 21,80 Mk., weitzer Weizen (angebaute Fremdsorten) 00,00 Alk., Korn 14,50 All., Gerste: Futtergerste 11,00 Mk., Braugerste 0,00-00 Alk., Hafer 9.25—0.00 Mk., Erbsen 0,00 Mk., Kartoffeln 8,00-0,00 Alk. 9t. B. Darm stadt, 8. Juni. Der zweite Tag des Kammermusrkfestes brachte das mit größter Spannung erwartete Auftreten des bekannten französischen Komponisten Saiut-Saens. Der Abend war ausschließlich fetnen Kompositionen gewidmet. Der 74jährige Komponist begleitete mit unermüdlichem Eifer und steter Liebens- würdigkett. Den größten Eindruck hinterließ das Klavier- (Cuintctt A-dur, in dem der Komponist mit unübertreff- ^cher Meisterschaft den Klavierteil spielte, von den Herren Havc m an n, Borne mann, Delp und Andrae aufs hefte begleitet. Recht gut war ferner eine Sonate für Biolon- ccUo und Klavier, wobei sich Herr Hegar - Frankfurt als vollendeter Cellospieler erwies. Bei den Liedern entzückte j$ran Tilly Cahnbley-Hinken mit ihrer frischen Stimme. Reinbold v. War 1 ich schnitt weniger gut ab nl'5 gestern, sein Organ war auffallend spröde.' Trotzdem toar der Abend ein großer Erfolg, der Beifall sehr stark. Namentlich der Gr oßher z o g zeichnete Saint-Saens aus. Infolgedessen spielte der Gast noch eine Reihe von Walzern unt) leichten Salonstücken, die zwar weniger musikalischen Wert, aber desto mehr von jenem französischen Esprit besaßen, der- stets fesselt und entzückt. R.B. Dar m stadt, 9, Juni, lieber die Ursache des großen ch 1 a u d Unglücks in der Maschinenreparaturwerkstätte der Main'Neckarbahn haben die angestellten Ermittelungen bisher noch ternc Au Klärung gebracht. Aus der Brandstätte ereignete sich heute Vormittag ein s ch w eres 11 n g liird, indem zwei Schmiede namens G ü n t h c r aus Arheilgen und Baumann aus Weiterstadt, durch beit Einsturz eines Kamins schwer verletzt wurden; außer Schädelbrüchen erlitten beide auch innere Verletzungen. Mainz, 8. Juni. Tas großzügige Projekt einer elektrischen Uebie r (anb 5 en t r a l c für ganz Rhei n h e s- fen ist. nun gesichert, nachdem zwischen den Kreisümtern Worms, Oppenheim, _ der Kulturinspektion Mainz und der Rheinischen Lchnckert-Gefell>ck)ast, sowie den Siemens-Schuckertwerken ein Vertrag abgeschlossen wurde, wonach 100 Ortschaften einen Verband zur Errichtung eines Grnppenelektrizitätswerkes bilden. Die Zentrale kommt zwischen Osthosen und Rhein-Dürkheim. . * Mainz, 8. Juni. Die Theaterbaukommission hat in ihrer gestrigen Sitzung einstimmig beschlossen, mit den Arbeiten zum Umbau des Stadt t h ea t ers nach Schluß der konnnenden Spielzeit, also int A vri 5 1910, zu beginnen. Die voneinander abhängigen Umbauarbeiten verlangen, daß zunächst der zur Aufnahme der neuen Treppen erforderliche Vorbau in Angriff genommen ivird und dann der gleichzeitige Umbau von Bühne und Zuschauerraum erfolgt. Als Bauzeit werden die Theater- fenen 1910 und 1911 bestimmt, da im Interesse des Theaterbetriebes und der Bequemlichkeit und Sicherheit 'des Publikums Dmt einer Vornahme von Arbeiten während der Spielzeit Abstand genommen werden soll. OWetzlar, 9. Juni. Heute tagte int hiesigen Schützengarten die General-Lehrei konfcrenz für den Kreis Wetzlar- unter deut Vorsitz des Krcisfchulinspektors Trauthig. Im Mittelpunkt der Tagesordnung standen die „Pädagogische Forderungen und Weisungen für den Unterrichtsbetrieb in ben preußischen Volksschulen". Hauptlehrer H ö ch st - Burgsolms und Scheidt aus Leun waren zu Referenten bestimmt. Die Konferenz kam zu dein Entschluß, daß jede Stosfüberfüllung der Lehrpläne der Volksschule zum Nach- icil gereicht. Die Kinder müssen mehr als bisher zur Selbst- lätigfeit angeregt werden und die mündliche Zusammen- sassung muß als Grundbedingung des Unterrichts gelten. Seminarlehrer Delliu stellte sodann mit Kindern des -dritten Schuljahres Orientierungsübungen an und suchte sie mit Hilfe der Windrose in das Kartenverständnis einzu- sühreu. sl Marburg, 9. Juni. Tas Sch öffengericht verurteilte heute zwei Studenten wegen nächtlicher Rühe- störung und Widerstands gegen die Staatsgewalt zu 120 Üezw. 39 Mk. Geldstrafe. Der eine der Angeklagten hatte •(inen Polizeibeamtcn an der Kehle gepackt. x Biedenkopf, 9. Juni. Im Wald bei Friesen- agen im Sauerland wurde die vom Wild schon halb Zerfressene Leiche eines fremden Mannes gefunden. — Wie aus der Berleburger Gegend gemeldet wird, herrschen ioort in den letzten Rächten Kä l tc grade. Die Feld fruchte sind vielfach erfroren. W. Kassel, 9. Juni. Tas nach dem Entiotirse des Archi- rkten Karl Roth - Darmstadt .mit einem Kostmtauswand von >rei Millionen 'Diart neu erbaute Rathaus wurde heute sei erlich ingeweih t. Frankfurt, 10. Juni. Einem Kaufmann aus Straßburg Turbc gestern, während er int Hauptbahnhof eiitgeschlafen war, ‘ein Portemonnaie gestohlen. Ein Polizeihund verfolgte iien Dieb und der Hund sprang einen jungen Burschen an, in !essen Taschen das gestohlene Portemonnaie gesund en wurde. Kleine Tageschronik. In Cornthal (Württemberg) imtrbc der Bahnassistent Huber von einem 19 jährigen Schlosser, der sich im Zuge ungebührlich benommen hatte und dessen Personalien festgestellt worden warm, auf dem Heimwege über fallen und mit einer eisernen Stange niedergeschlagen. Der schwer verletzte 93c- amte ist seinen Verletzungen im Krankenhause erlegen. ftattgefunbenen Generalversammlung wurden die Satzungen festgelegt und der Vorstand gewählt. Vorsitzender wurde Andreas Bönsel II., Turnwart C. Euler. = Schlitz, 9. Juni. Tas vierjährige Söhnchen des Arbeiters Ludwig Alles geriet in einem unbewachten Augenblick an den Kochherd, wobei die Kleider Feuer fingen. Das SÜnb ist stark verbrannt. An feinem Aufkommen wird gezweifelt. - Bern? hausen, 9. Juni. Die seit einigen Tagen vermißte Witwe Adam Bachmann von hier wurde in der Schlitz gelandet. ■ Nidda, 9. Juni. In großer Lebensgefahr schwebte dieser Tage ein Tienstmödchen, das im .Hofe feiner Herrschaft Wäsche aushängte. Während dieser Beschäftigung sank ihm plötzlich der Boden unter den Füßen ein und es versank in die Tiefe. Ein alter, nicht mehr gebrauchter Brunnen befand sich nämlich im Hof und toar mit einem eisernen Teckel bedeckt. Wahrscheinlich war der Rahmen murb geworden und so brach der Deckel ein. Die Hilferufe des Mädchens wurden nicht aehört, bis ein üi der Nähe wohnender Handwerker durch" die sonderbaren Rufe aufmerksam gemacht, hereilte und das «dchen im letzten Augenblick noch rettete. Der Angeklagte erklärt die Heimlichtuerei damit, daß die tut Aus lau de, auch ui Deutschland lebenden russischen Staatsangehörigen ständig von russischen Polizeispitzeln umgeben seien unb deshalb aus Gründen der Selbsterhaltung zu solchen Vorsichtsmaßregeln gez.'vungen waren. Ter hiesigen Polizei damit irgend etwas Gesetzwidriges verheimlichen zu wollen, habe nie in der Absicht der Gruppe oder ihrer Mitglieder gelegen. — Dev Dr. Cohn darüber Auskunft geben St 'Ncht von der deutschen ober ruff,scheu Polizei oder von ^^!?ken ober cvitzeln oeranlatzt worden sei, gewissen Personen un Hnterejse einer besseren Ueberroad'img Unterfirnft zu gewähren ober ibneu )old>e doch zugewiesen habe. Zeuge stellt jede Beziehung »ur beutirfnm ober rusti7chen Polizeibehörde im angedeuteten Sinne entheben in Abrede, ebenp), baß ferner Zeit der berüMigre Griginal-DrahtmeLörrrsgen. Berlin, 10. Juni. Im Beisein einer großen Menschen- ineiigc begann gestern nachmittag nm 5 Uhr die P r i n z H ein- r i tb fahrt. Von 113 gemeldeten Wagen waren 109 erschienen. 4.cr Start war in der Mitte der Tempelhofer Chaussee. Tie Wagen fuhren in Abständen von einer Minute. Prinz Heinrich war nicht erschienen. .. Baros, 10. Juni, lieber die hiesige Stadt und Umgebung ilt gestern ein schweres U 11 m e t t e r niedergegangen. Schwere Hagel vernichteten die gesamte Ernte. Auch mehrere Personen wurden durch Hagelkörner verletzt. Paris, 10. Juni. In Toulon wurden die Versuche mit der .d rah tl 0 sen Teleph 0 nie heute beendet. Der Kreuzer ,,E 0 n d 6" hatte von der 166 Km. entfernten Station aus noch deutliche Mitteilungen erhalten. 52 011 bon, 10. Juni. Zum Jubiläum der Königs-Dragoner, deren Chef der Kaiser ist, sandte S. M. ein herzliches Telegramm an die Offiziere, denen er jederzeit siegreiche Waffen wünscht. Loudon, 10. Juni. In Motherwell in Schottland fant es zwischen K ath 0 1 iken und P r 0 te st a n t e n , die id) schon seit längerer Zeit befehden, zu einer Schlägerei, wobei 5 Personen erheblich verletzt wurden. Polizei mußte einschreiten und die Streitenden auseinanderjageu. London, 10. Juni. Die „Times" meldet aus Teheran: Gestern sand ein Ministerrat statt, der bis spät in Me Nacht dauerte. Auf der Tagesordnung stand die russische An I ei he. Tie Mehrzahl der Minister lehnte es ab, ein diesbezügliches Abkommen zu unterzeichnen, mit deut Hnweis darauf, daß jede finanzielle Abmachung dieser Art ohne parlamentarische Genehmigung dem konstitutionellen Prinzip zuwiderlause. Infolgedessen wurde der Plan einer Anleihe vorläufig fallen gelassen. Rußland und England werden sich erst nach Zusammentritt des Parlaments nut der Reorganisation der persischen Finanzen beschäftigen. ' 1 M a drid, 10. Juni. „Jmparcial" kündigt als F 0 lge ber Erhöhung des französischen Zolltarifs euren franzo-ttch-,panischen Zollkrieg an. Tas Blatt richtet an die panischen Landwirte den Ausruf, den Kampf gcaeu . BoIItartf aii^urteOnteii, der der spanischen Laudw'irt- chaft den Todesstoß versetzen würde. )0- Juni. Ta trotz aller lleberwachun ck h •5r-$rfU^t°.Ttry ^ler nut ben auntänbifdicn Atbanefeu in bEch-m Verkehr steht, wirb ferne Ueberführung nach bei cnicl Rhobus numnehr^in ernstliche Erwägung gezogen Konstantinopel, 10. Juni. Sofort nach i E treuen bes Generalobersten von ber Goltz werben große M a növer stattnnben, die 14 Tage bauern sott-i, B ° Oebenburg, 10 Juni. Längs der Trau wurde gestern mt Kvmitat Zala em starkes nch wieberholenbes (rrbbeben 0^ f»urt. Viele .Hamer ivetfen klonende Risse auf. ™ (ScriditsfaaL Darmstadt, 9. Juni. Tas Kriegsgericht ber 25. Division verurteilte beit Gardisten Erhard Lottes aus Stammbach vom 115. Garde-Jnfanterie-Rgt., der beim Baden im Woog einem Lkaugewerbeschüler das Portemonnaie mit 4,20 Mark Inhalt entwendet hatte, wegen Diebstahls zu 2 Monaten Gefängnis unb Zersetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes. Weiter rmrbc der Baufchlosser Karl Schleimk 0 fer aus Arheilgen wegen Gehorsamsverweigerung als Landwehrmann und wegen Widerftanbes zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt. Nach einer von 1 un am 19. April besuchten Kontrollversaminlung, damals noch los 12 Uhr nachts unter dein Militärgefetz stehend, hat ber Angeklagte auf der Ortsstraße in Arheilgen in betrunkenem Zustand Ackärmt, der Aufforderung eines Geitdarmen, heimzugehen, nicht Folge geleistet und dann einen Polizeidiener mit einem ßeber= reinen gemißhandett, ihm auch eine schwere Kopfwunde zugefügt. Seheimbundprozeh gegen russische Studenten. S. u. H. Dresden, 9. Juni. Vor ber zweiten Strafkammer bes hiesigen Landgerichts heil mn heule unter Vorsitz des Laiidgerichtsdireklors Dü r b. i g der leirtrt Köhler Telephon 274 Elite-Tamen-Blas-Lrchcster Programm 2D Pfg. AbonnemeniSpreiS für Möbel Ttreflion Alber« Rappmann. Steins Sorten 20 Mk 17 Mk. Linoleum not- 0PW> Möbl. Zimmer biüin au vermieten. (gtcimn.ahe 37 111. Sonnenschirme 04164] Schön möbl. Zimmer billig zu verm. OaiierAllee 4, Moni. Gebrüder Waag Numerierte Plätze zu 4, 3 u. 2 Mk. Ein Preisc bet PW: (D*/a irtliskartc l Mk. Seltersweg 58 Seltersweg 58 an 04319 villettb Mt. 1.25, 1—, 0.50 3356 lern Subcbi immer Wohnung mit iör. Gartennnteit und allem Welt Anlage 3h- 8352) "4t c« weg 2 im Vabcn werden. 3348 c r hä u fe. Wietgeluche M'llepGel uchr i (Offcnf Strftfu MMMMc ycrcihc Aerlchiedencs Bu Oernneten Uhr Borverkauf bei Ernst Lballier, Drunkalienbandlung, Telephon 671. Studentenkarten 75 Pfa., letztere auch bei Herrn Hauvverw. Ritter. 13 Mk. 9 Mk. 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