Nr. 133 Zweites Blatt Mittwoch 9. Juni 1909 Gietzener Anzeiger Erscheint tS-N- mit Ausnahme des Conntogl. General-Anzeiger fiir Sberhefien 159. Jahrgang Die „Otetzener Kamliien^lätter- werben dem »Anzeiger* * viermal roöcben lich beigelegk. das „Kreisblatt fflr bei Krti» Liehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeit» fragen" erscheinen monatlich jreetmaL Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schea UiuversitätS - Buch- und 6teinbruderci. 8L Lange. Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^s>5L Redaktion: 12. Tel.-Adr^AnzeigerGießen. Zahrerversammlung der Zrauenhilfe der Evangelisch kirchlichen hilftvereinr. S. u. H. Berlin, 8. Juni. Unter zahlreicher Bet, ligung von Delegierten und Delegiertinnen aus ganz Deutschland fand heute vormittag im Sitzungs- saale des Herrenhauses die 21. Jahresversammlung der Frauenhille des Evangelisch-Kirchlichen Hilfsvereins statt. Kurz nach 9 Uhr erschien die Kaiserin in Begleitung der Oberhofmeisterin Gräfin Brockdorff und des Kammerherrn o. Behr-Pinnoiv. Nach Absingung eines Chorals hielt Pastor D. Nottebohm (Breslau) eine kurze Andacht. Sodann begrüßte Freiherr v. Manteuffel die erschienenen Ehrengäste, insonderheit die Kaiserin, und referierte kurz über die Arbeit des Evangelisch-Kirchlichen Hilssvere' und der Frauen- hilse, an die jetzt 1> 59 Vereine angeschlossen seien. Weiter referierte Frhr. v. Manteuffel über das Gedeihen des Mutterhenns zur Ausbildung von Schwestern in Münster und über die Fürsorge, welche für die Verbesserung der Stellung der Heimarbeiterinnen getrieben wurde. — Frau Oberamtmann Nicolai (Hammer) gab in ihrem Referat über „Versammlungen und Feste der Vereine" ein anschauliches Bild von der segensreichen Arbeit der Frauenhille. Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand der Festoortrag des Superintendenteii Brüssau (Paseivalk) über den Berus der Frau. Ter Redner führte aus, daß der Berus der Frau bis in die letzte Zeit auf die Haus- arbeit beschränkt gewesen sei. Die Töchter wiirden von ben Müttern mit häuslichen Arbeiten beschädigt. Die Zeiten haben sich geändert, und die heramvachsenden Töchter müssen sich jekt überwiegend einen Beruf suchen, zumal für viele Mädchen dieMöglich- keit einer Verheiratung nicht vorhanden ist. Wo soll das Mädchen diesen Berus suchen? In der sozialen Arbeit der Kirche, ivo es an tüchtigen Arbeiterinnen noch vielfach inangelt. Zwei Mahnungen sind dabei aber an die Frau zu richten, sie darf kein Salonsamaritertum treiben und keinen Sport mit der Barmherzigkeit treiben. Und iveiter ist eine gute Schulung der Frau, die sich den sozialen Werken der Kirche nndmet, nötig. Ein guter Wille und das warme Herz allein reichen nicht aus, denn die Arbeit ist ernst und schwer. Die Bestrebungen der modernen Frauenbeivegunq koiikurrieren in keiner Weise mit der Tätigkeit der Fran auf kirchlich-sozialem Gebiete, ^er Redner schloß feine Ausführungen mit dem Wunsche: Mögen eie Frauen zunächst Frauenpflichtlerinnen sein, die Frauenrechtlerinnen werden dann schon Nachkommen. Lebhaster Beiiall, an dem sich auch die Kaiserin beteiligte.) Frhr. v. Manteuffel schloß darauf die Versammlung. 6. deutscher gewerblicher Genosseuschastrtag. S. u. £). Berlin, 8. Juni. Unter zahlreicher Beteiligung begannen heute im Lehrerbereinshause die Verhandlungen des 6. deutschen gewerblichen GcnvssenschastStags, den der Hauptverband deutscher gewerblicher Genossenschaften nach Berlin cUnberufen hatte. Gleichzeitig sanden die verschiedenen Jachkonserenzen der einzelnen Berufsgeiwsscn- schaften statt. Nach einer Vorversammlnng am Montag abend wnrdc heute vormittag, die erste Hauptversammlung abgehall -n, die von etwa 120 Delegierten gewerblicher Genossenschaften bei verschiedensten Berufszweige aus dem ganzen deutschen Reiche beschickt war. - Die Verhandlungen des heutigen Tages betrafen in der Hauptsache Fragen geschäftlicher A- — Der Genvssen- schaftstag nahm eine Anzahl Referate entgegen, über di aber noch keine Beschlüsse gefaßt wurden. Es wurden folgende Fcagen behandelt: Wic^schafft sich die Kreditgenossenschaft ihre Betriebsmittel? Ueber Sicherstellung der Forderungen der Kreditgen isen- schaften, Ueber Erfahrungen mit dem Giro-- und Scheckve kehr, der in der letzten Zeit einen bedeutenden Aufschwung genommen bat. — In der Nachmittagssitzung referi • Verbandsdirektor Korthaus (Berlin) über die „Ausgaben r Rohstossgenossen- schaften in erziehlicher und geschäftticher Hinsicht". In scharfer Weise polemisierte der Redner gegen die Richtung innerhalb der national-ökonomischen Wissenschaft und deren Vertreter Wernicke, Sombart und insbesondere Fink, die sich gegen die Genossenschaftsbildung ausgesprochen haben. Als Pflicht der Genossenschaften bezeichnet es der Referent für die fachmäßige Ausbildung der Lehrlinge in hohem Maße Sorge zu tragen. Die Genossenschaft als ein Hilfsmittel, den schwachen Gewerbetreibenden aufzuhelfen, erleichtert und verbürgt dem Handwerker die Erhaltung seiner Selbständigkeit. Sie ist daher die stärkste Stütze des Mittel- ftandes. — In der Diskussion wurde eine stärkere politische Betätigung des Handwerkerstandes gefordert, in gleicher Weise wie der Arbeiterstand, die Großindustrie und vor allem die Landwirtschaft sie betreibt. — Sodann sprach Verbandssekretär Knappe (Leipzig) über „die Finanzierung der Werkaenossenschasten und der Genossenschaften für Arbeitsübernahme". Seine Ausführungen gipfelten darin, daß nicht das Fehlen des Betriebskapitals, sondern schlechte Leitung, ungeschickte Operationen das Scheitern von Genossenschaften hcrbeiführen. — Ten Schluß der heutigen Verhandlungen bildete das Referat des beauftragten der Handwerkskammer Halle, Sekretär Blume, über „Tie Stellungnahme des Großgewerbes und dessen Organi'aiionen zu den Roh- stoffgenossenschaften". jedoch nicht die Zustimmung der Mehrheit. Auch ein Antrag des Bezirksverbandes 7 (Referent Metsche r - Danzig) dahingehend, daß der Verein in besonderen Fällen nach Maßgabe der von der Hauptversammlung zur Verfügung gestellten Mittel zinsbare Darlehen an solche Mitglieder, die mindestens ein Jahr dem Vereine angehörten, auf kurze Zeit gegen entsprechende Sickzerstellung geben solle, fand nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit. — Damit waren die Verhandlungen beendet und der Vorsitzende schloß die Tagung mit den üblichen Dankeswortcn. — Gleichzeitig mit der Hauptversammlung fanden die Verhandlungen der vier Versorgungskassen (Kranken-, Begräbnis-, PensionS- und Wittven- kasse) statt, die sich ebenfalls in der Hauptsache mit der Beratung und der Beschlußfassung über die neuen Satzungen beschäftigten. Die Satzungen wurden mit unwesentlichen Abänderungen nach den Vorschlägen der vorberatenden Kommission und des Direktoriums angenommen. Es wurde konstatiert, daß die Abschlüsse! bei allen Kassen günstig seien. Gegen die Geschäftsführung war nichts einzuwenden, so daß die Vorstände bezw. Verwaltungsräto und das Direktorium entlastet werden konnten. Neben den geschäftlichen Verhandlungen ging eine Reihe festlicher Beran stab tintgen für die Teilnehmer der Tagung und ihre Damen einher. Der Speisewagen. Es wird "heutigen Tages 'oiel bei uns reformiert und reglementiert, und man ist es schon gewohnt, von den Neuerungen nicht gerade Erfteuliches zu erroarten. Neuerungen bedeuten bei uns noch keine Fortschritte zum Besseren. Man denke nur an die Sortierungen des Ortsportos, der Telephongebühren, an die Ab- schaffung des Ankunftstempels, an die Verteuerung der Eisens bahnfahrkarte und vieles andere mehr. Ter neueste Rückschritt bezieht sich auf die Speisewagen. Wie man im Publikum über diese neue Verschlechterung unseres Eisenbahnwesens denkt, lehrt ein sehr interessantes Eingesandt in der „Kölnischen Zeitung". Dort schreibt ein Leser: „Da ich häufig in die Lage komme, den Speisewagen benutzen zu müssen und meine Erfahrungen nicht nur in Deutschland gesammelt habe, bitte ich um das Wort zu Ihren Ausführungen in Nr. 594. Ich bemerke voraus, daß ich seit dem von der preußischen Verwaltung erlassenen Rauchverbot den Speisewagen nur bann betrete, wenn es mir nicht möglich ist, kalte Küche mitzunehmen. Denn wenn ich im Speisewagen bie Mahlzeit eingenommen habe, will ich nicht gleich hinausgeschoben werden, sondern in aller Ruhe eine Tasse Kaffee genießen und eine Zigarre dabei rauchen. Tiefe Möglichkeit gibt in den andern Ländern und Staaten die Internationale Speisewagen-Gesellschaft den Reisenden, indem sie, wie auch früher in Deutschland, einer Teil jedes Wagens für Raucher bestimmt. Zweifellos hat die "-itznng der Speisewagen infolge des gänzlichen Rauchverbots abgenommen. Sie wirb aber noch mehr abnehmen, wenn bie neuen Vorschriften in Geltung kommen. Man will ben ReisenbeN dritter Klasse, die etwa von Metz nach Berlin reisen und während der ganzen Dauer der Fahrt in dem Speisewagen Platz nehmen, diesen Mißbrauch verwehren. Ganz recht. Anderswo, z. P. in Frankreich ist Vorschrift, daß die Reisenden zweiter oder dritter Klasse nur während der Mahlzeit Platz im Speisewagen erhalten; das ist weniger radikal, unb könnte auch in Preußen von ben Zugführern durch bie Kontrolle ber Fahrkarten im Speisewagen ohne große Störung unb Mühe überwacht werben. Es ‘tote sich bann auch bas englische System, bas bie Reisenben britteti Klasse in eine befonbere Abteilung bes Speisewagens verweist, ihnen birfür aber ben Vorteil gewahrt, baß sie für einen billigem Preis als bie andern Reisenden dieselben Speisen, aber mit einem Gang, etwa Geflügel, weniger, ausgetischt erhalten. Ihnen könnte man dann ein- für allemal ihren Platz in der Raucherabteilung anweisen, deren Benutzung man ihnen auch auf eine Zigarrenlänge nach der Mahlzeit gestatten sollte; bas wäre eine beut beutschen Publikum genehme Abweichimg von bemi englischen System. Ueberhaupt sollte bie preußische Verwaltung sich hüten, bas Kinb mit beut Babe auszuschütten. Sie hat seit zwei Jahren bie unangenehme Erfahrung einer starken Äbwan- oerung in die untern Klassen machen müssen, eine Folge der Fahrkartensteuer. Diese Abwandemng sollte ihr zur Lehre dienen, daß die Kundschaft der Staatsbahnen sich selbst zu Helsen weiß. Mancher Reisende hat 1907 die Erfahrung gemacht, daß es in der dritten Klasse der Schnellzüge sehr gut auszuhalten ist. Wenn etwa die Verwaltung jetzt glaubt, durch die strengen und zum Teil verletzenden Vorschriften für die Benutzung der Speisewagen Deutscher Privat-Veamtenverein. S. u. H. Dresden, 8. Juni. Bei ben fortgesetzten Berhanblungen hanbelte es sich haupt- : sächlich um heben tsame Aenbemngen ber aus '50 Paragraphen ; bestehenden Satzungen, die infolge des am 1. Januar 1910 in : Kraft tretenden Versicherungsgesetzes erforderlich werden. Aus den während der Sitzung gegebenen Anregungen und gestellten Anträgen von allgemeinerem Interesse seien folgende hervor- aehvbeu: Aufnahme weiblicher Angestellter in den Verein. ' Redakteur Zippert (Tilsit) regte im Namen des Bezirksverbandes 7 (Rordost-Deutschland) und der Zweigveiieine Tilsit, Stolp, Neustettin und Chemnitz an, die Vorteile der Versorgungskassen des Deutschen Privat-Beamten-Vereins auch Hen weiblichen Privatangestelltcn zugänglich zu machen, und zwar durch Aufnahme in die Grundabteilung der Pensionskasse sowie der : Kranken- und Begräbniskasse. — Chemiker Anschütz '(Ludwigshafens stellt namens des Bezirksverbandes 9 zu 8 3 Abs. 2 der Satzungen folgenden Antrag: „Die Hauptverwaltung wird beauftragt, baldmöglichst statistisches Material über die Möglichkeit der Aufnahme weiblicher Privatangestellten in den Deutschen Privat-Beamten-Verein und seine Versorgungskassen zu beschaffen und der nächsten Hauptversammlung diesbezügliche Vorschläge zu machen." — Der Antrag wurde mit großer Majorität angenommen. Direktor Schmelzer gab darauf die Erklärung ab, daß das Direktorium bereit sei, in eine Prüfung der Frage einzutreten. Zur geplanten staatlichen Pensionsversicherung der Privatbeamten bemerkte Redakteur Winkler (Altenburg) unter Bezugnahme auf die Verhandlungen der ersten Delegiertenversammlung des Bundes Deutscher Redakteure, daß im Aufsichtsamt für Privatversicherung erklärt worden sei, vor einem^Jahr- zehnt sei an die Einführung der allgemeinen Privatbeamtenversicherung überhaupt nicht zu denken. Allgemein wurde in der Debatte für die Zulassung von Ersatzinstituten eingetreten. Es müsse bei den gesetzgebenden Körperschaften darauf gedrungen werden, daß die bestehenden Peu sionskasscn, soweit sie den Mindestleistungen ber Reichsanstalt entsprächen, aufrechterhalten bleiben unb bie Zugehörigkeit zu einer solchen Kasse von ber staatlichen Zwangsversicherung cnt- btnbe. Vom Verwaltungsrate aus wurde bazu betont, baß bie vom Deutschen Pcivat-Beamten-Vercin mehrfach zum Ausdruck gebrachte- Vermutung, daß das Inkrafttreten des Pensionsgesetzes für die Privatangestellteu nicht so bald zu erwarten sein würbe, nach obiger Erklärung zutreffend sei, wenn auch bas 'Reichsversicherungsamt für bie Beurteilung biefer Frage nicht oireft zustänbig sei. Der fraglichen Erklärung müsse dennoch Gewicht beigelegt werden, da angenommen werden tönne, daß sie ber Auffassung bes Reichsamtes bes Innern entspreche. Dem Verein tonne es nur erwünscht sein, wenn bie staatliche Versichrung! bald käme, ba dadurch ber Verein nur geförbert werben könnte. Die mit den Beitragsjahren fteigenben Renten einer staatlichen Versicherung könnten mit den von ben Beitragsjahren unabhängigen festen Renten einer privaten Versicherung nicht verglichen werben. Dabei müsse weiter beachtet werben, baß für bie staatliche Versicherung eine Wartezeit von 10 Jahren vorgesehen sei, währenb 'bie Versicherungen im Privatbeamten-Verein ohne jede Wartezeit abgeschlossen werden könnten und tatsächlich in den überwiegenden Fällen auch abgeschlossen würden. Uebri- gens bringe die Denkschrift auch zum Ausdruck, daß, wenn die Pensionsversicherungsbilanz einen Fehlbetrag ergebe, dieser durch Erhöhung der künftigen Beiträge ausgeglichen werden müsse. — Die Vertreter deS Zweigvereins Berlin, Generalsekretär I B e h r i n g und Prokurist Gontard, plädierten hierauf für die Möglichkeit, Zweigvereine mit mehr als 1000 Mitgliedern! in selbständige Bezirksverbände umzuwandeln. Der Antrag fand Beruf und Ehe. Als ich int Winter den Ausführungen ber Frau Fürth ans Frankfurt über Mutterschaft unb Beruf scharf entgegentrat unb bie Haltlosigkeit ihrer wirren Forderungen nachwies, da erhielt ich außer einer großen Anzahl zustimmender Briese auch einige gegenteilige. Ich unterließ damals eine Erwiderung, da ich mich in meinem Aufsatz klar genug für den Denkenden ausgesprochen hatte. Meine damaligen Ausführungen werden nun durch die folgenden, die sich mit meinen fast wörtlich decket!, auch von anderer Seite vollauf bestätigt. Im Berliner „Verein zur Förderung des Frauenerwerbs, durch Obst- und Gartenbau" hielt die Lehrerin Frl. Anna Blum einen Vortrag über das Thema: „Ist die Verbindung von Ehe und Beruf für die Frau zu wünschen." Hierzu führte die Vortragende u. a. aus: Es wird seine großen Schwierigkeiten haben, die Pflichten der Hausfrau, Gattin und Mutter, falls nicht Ueberbürbuny unb Üeberreizung bes weiblichen Organismus eintreten soll, mit einem Amt außer bem Hause von ihr verwaltet, zu oerbinben. Nach oben unb nach Unten wirb man in ber bürgerlichen Gcsellsckwst Konzessionen madjen müssen. Auf ben Höhen bes Lebens, ba, Ido hervorragende künstlerische ober bichterische Begabung bem Weibe bie Ausübung ihres „Berufs", ihres zweiten Lebens, zur inneren Notwendigkeit machen, und in ben Arbeiterschaften, wo häufig genug bie Not bie Fran zum Miterwerb zwingt. Aber banarf) Tann bas Durchschnittsbild nicht geregelt werben. Die Lehrerinnen z. B., welche fanatisch bie Aufhebung bes „Zölibats" forbern unb dabei ganz übersetzen, daß bie Behörben auch feinem Manne neben bem Hauptberuf noch ein Nebenamt gestatten würben, bas ihn bermaßen in Anspruch nähme wie bie Ehe eine gewissenhafte Frau, stellen ihre Forderung aus einem sehr einseitigen unb unberechtigten Individualismus unb Egoismus heraus. Die Ehe und die bamit verbundene ftiedsame Seßhaftigkeit, die Behaglichkeit am häuslichen Herd führe dem Mannc für seinen Beruf neue Kräfte zu, eine größere eammhing. Für die Frau, die nun beiden Seiten gerecht werden will, bedeutet sie aber Zersplitterung und Aufreibung vor der Zeit. Die neuerdings oft gehörte Wendung: Nur die Frau werde lehrhaft frei sein, die auch in ber Ehe selbst versorgt, unb in ferner wirtschaftlichen Abhängigkeit vom Manne basteht, sei ins Gebiet ber Phrasen zu verweisen, denn bem Gatten unb Vater die Pflichten bes Erwerbs ber Fürsorge für Frau unb Kind akmehmen, müßte schwere ethische Verluste nach sich ziehen und das Verantwortungsgefühl bes Mannes Verminbern, bie Fa- ntUienbtmbe eher lockern als befestigen. Es sei grundoerkehrt, iür das Nebeneinander von Frau unb Mann in ber Ehe immer das Ausland zum Vergleich hcranzuziehen. Das Leben bes Deutschen wurzle seinem tiefften Inhalt nach eben in einem gemütlichen und traulichen Familienleben, dessen Mittelpunkt die Hausfrau ist, nicht in einer Hotelexistenz. Aus der gesunden Ent- wickelimg unseres Volkes 'läßt jenes sich nicht so ohne weiteres ausscheiden. An den Vortrag schloß sich eine rege Diskussion, in der ii. a. eine junge Dame die Meinung aufi'tellte: „Die Gesellschaftsdame, die von Vergnügen zu Vergnügen eile, oder im Gegensatz zu ihr, die pedantische Scheuerfrau, die aus dem Putzen und Abstäuben nicht heraiiskäme, sei doch wahrlich kein nachahmenswertes Frauenideal und einer „ganzen Persönlichkeit" könne man nicht zumuten, daß sie sich durch Ehe und Haus ausgefüllt fühle." Darauf entgegnete Dr. E. Mensch: Mit 'dem Begriff „ganzer Persönlichkeit" werde heute in der Frauenwelt recht viel Unfug getrieben. Ganze Persönlichkeit sei in erster Linie solche, die ihre Pslicht hie. Treue und gewissenhafte Pflichterfüllung sei aber meist ba ausgeschlossen, wo man sich in großsprecherischen Verheißungen unb Tiraben zu viel zumute. Der Staat, welcher verheiratete weibliche Beamte en mässe bulbe, verfalle bem wirtschaftlichen und sittlichen Bankerott. Karl Neurath. * — E. v. Possart (München) in Gießen. E. von Possart, ber unerreichte Meister beutscher Vortragskunst, ber wie kein anderer jebe Möglichkeit klanglicher Abstufung unb seelischen Ausbruckes aus ber beutschen Sprache herauszuholen weiß, wirb, wie schon mitgeteilt, am 11. Juni in ber Aula auf Einladung einen Vortragsabend abhalten. Im ersten Teil des Abends wird er die neue Schöpfung der österreichischen Dichterin Enrica Freiin von Handel-Mazzetti: „Deutsches Recht, ein mittelalterlicher Bolks- sang aus Stadt Steyr, in vier Abteilungen", vorgetragen. Enrica von Handel-Mazzetti ist. zuerst bekannt geworden durch den Roman „Meinrad Helmperger's denkwürdiges Jahr", von dem Peter Rosegger schrieb: „Nie noch hat mich ein Buch so wild mit sich fortgerissen, das Gehirn so sehr gespannt, das Herz so sehr er- fchüttert." Ihr zweiter Roman, durch den sie in weiten Kreisen Aussehen erregte, war „Jesse und Maria". Eduard Engel, der in seiner Geschichte der deutschen Literatur der Dichterin ein eigenes Kapitel widmet, erklärte „Jesse und Maria" für das künstlerisch bedeutendste Werk unserer erzählenden Dichtung im letzten Jahrzehnt, ja vielleicht gar im letzten Menschenalter. Beiden Werken reiht sich die Ballade vom Deutschen Recht würdig an. „Dieses Gedicht zeigt", sagt ber feinsinnige Schweizer Dichter I. V. Wid- ntann, „baß bie Dichterin auch bei anmutig ftieblichen Stoffen bie wahrhaft unvergleichliche Lebenbigkeit in ber Darstellung zu Wirkungen zu steigern weiß, bie mächtig an bas Herz bes Lesers rühren." An anberer Stelle nennt er ihr Talent „von ber Art einer jener islänbischen Springauellsäulen. Etwas elementar = unbänbig Lebenbiges sucht in leidenschaftlichen Phantasieergüssen ben Ausweg." Ebenso anerfennenb äußern sich über Handel's Dichtku Th. Aknin, fara Viebig, K. Busse, Ebner-Eschenbach, Ricarba Huch, Julius .jart unb Diele anbere. Wer cs weiß, wie Possart ben warmen, golbigen Ton ber Märchenstimmung mit ebenso Vollenbeter Meisterschaft im Herzen bes Hörers wieber erklingen zu lassen vermag, wie er es erschauern macht in ben Szenen bramatisch höchster Spannung, ber wirb sich ben Genuß, von E. v. Possart jene Dichtung vorgetragen zu hören, nicht entgehen lassen. Ueber Wilh. Busch noch ein Wort ber Einführung zu sagen, erübrigt sich. Unb boch wirb so manchem Hörer nicht nur bas eine ober andere Gedicht der Vortragsfolge unbekannt sein, es wird ihm Busch nicht nur in manchen Gedichten als ein neuartiger, ernster, ja tiefsinniger Dichter entgegeu- treten, auch in den altbekannten Versen enthüllt die Vorttags- kunst Possarts so manchen neuen geheimen Reiz. E. v. Possart .ist im allgemeinen mehr als Tragöde großen Stils bekannt; wer ihn aber als Rabbi Sichel oder Advokat Berent gesehen hat, kennt ihn auch als Meister fein-humoristischer Vorttagskunst unb es ist schwer zu sagen, ob nicht gerade diese Kunst jetzt fast noch seltener geworden ist als die der pathetischen Rollen. Possart wirb in wenigen Jahren seinen 70. Geburtstag feiern. So viele Künstler haben, auch wenn sie, wie Possart mit seinem jugend- frischen Organ, ihre jüngeren Genossen weit in den Schatten stellen, allzu früh von der Oeffentlichkeit Abschied genommen. Wie man heute von Klara Ziegler, der Münchener Fachgeuossin Possarts, als von einer nicht mehr erreichten Künstlerin des deutschen Vorttags mit stolzem Erinnern spricht, so wird man in nicht allzu ferner Zeit an Possarts herrlicher Kunst sich nur mehr in der Erinnerung erfreuen können und der wird sich glücklich schätzen, der ihn noch gehört hat. — Johann Sepp. Der in München gestorbene Professor Johann Nepomuk Sepp hat ein Alter von 93 Jahren erreicht. In Tölz 1816 geboren, machte er nach seinen Universitätssttidien eine große Reise in den Orient und wurde später Professor der Geschichte in München. Ter Lola-Montezhandel kostete ihn 1847 mit sieben seiner Kollegen seine Stellung, die er erst nach einigen Jahren wicdererhielt, um wegen persönlicher Zwistigkeiten 1867 wiederum auszuscheiden. Er war einer der letzten Abgeordneten zum Frankfurter Parlament, in dem er eine prenßenfreundliche Haltung beobachtete. Später hat er noch dem Zollparlament von 1868 unb ber bayerischen Kammer angehört und sich stets als Vertteter der deutschen Einheit betätigt, ohne aufzuhören, ein guter Bayer zu sein. Im Auftrage des Reichskanzlers Fürsten Bismarck unternahm Pros. Sepp anfangs ber 70er Jahre eine Reise nach Tyrus, um nach ben Gebeinen bes Kaisers Friedrich Rotbart zu forschen. Wissenschaftlich ist Sepp auf verschobenen Gebieten tätig gewesen: Religionsgeschichte, bayerische Geschichte sowie Topographie unb Lanbeskunbe von Palästina, wo er loieber- l)oIt wellte, hat er in zablreiclzen Schriften bearbeitet, stets mit kraftvoller Betonung seines Stanbpunkkes unb mit eigenartiger Aufladung. o Kl eine Chronikaus KunftundWifsenschafh- Den 80. Geburtstag seierte am 7. Juni Geh. Medizinalrot Pro^nor Dr, meb. et phll. Ebuarb Pflüge: in Bonn. birrd) STT^nbe dritter -lasse die Abwanderung za vermindern, so dürste sie sich tauschen. v6e ist schon inbezug an» Speisewagen »no,el 7 leg Lern entart worden, und mehr roirb die Mebrzojl der Reisenden ffsch nicht gefallen lassen. Ter „passive Widerstand" bar nach dem Rauchverbot begonnen und dürrte.sich nun noch centärfcn. Tie LUbrrüUung Der spevcnxigcn aus gewissen Beredtn, in In- Lustri bezirken, durch Reisende, die nur »wi'chen einer oder zwei Llat'LN'ri verkehren, steht, wie auch die Der Abteile Der I) jüge selbst, aus einem anoern Brett. Wenn jcmanD von Äöln nach TuiSbucg reisen und nm Zeit va sparen, seine Mahlzeit im 3uge ennebmen will, soll man es ihm dann aber verwehren 3d> glaub', oah auch Die Absperrung der Speifewaaen bi- 20 Minuten nach Abgang des Zuges von der Aniangsttation verfehlt t icne Uebcnüllung wären andere Mahregeln zu ■ -11’ ■■ -inor-fc-r Aus und £and. Gießen, 9. Juni 1909. - Ltadttheater. Im heutigen Blatte veröffentlicht die Tircktion das nähere über die demnächst stattsindenden I Lperettenvorslellungen dcS Nauheimer Ensembles und bittet gleichzeitig um möglichst frühzeitige Bestellung. Unter bcu Mitwirkcndcn befinden sich wieder einzelne vorteilhaft Bekannte, wie Frl. Großkopf und Herr Hofopernsänqer Hildebrandt. Neu sind für Gießen die Soubrette Frl. Gabrella vom Apollotheater in Berlin, der Tenorbuffo Schwind von München und der Eharakterkomiker Hel sing vom Hostheater in Oldenburg. Tie Direktion hat übrigens die Absichi, auch einige Mitglieder des Emser Kurtheaters — daS, wie wir gestern initteiltcn, am 1. Juni mit glänzendem krfolge seine Spielzeit eröffnet hat — hier spielen zu loffen. •• Behördliche 'Anerkennung der gemein- nützigen Rabattsparvereine. DerDerband sächsischer Rabattsparvereine hatte an daS sächsische Ministerium I I. i n c;nc Eingabe gerichtet, in dcc unter Bezugnahme auf die Erhöhung der Gehalte der Staatsbeamten gegen den Z u s a in m e n s ch l u ß d e r B c a m t c n s ch a s t z u \X o n s u m - und sonstigen wirtschaftlichen Vcr- cinigungcn Stellung genommen und auf die Schädigungen deS Kleinhandels und des Kleingewerbes durch derartige Gründungen mit der Bitte hinge wies en wurde, die Beamtenschaft aufzrifordern, Konsum- unb_ Ivirt- schaftS-Bereinigungen fernzubleiben und sich statt dessen der von den Rabattsparvereinen getroffenen nützlichen Emricht- ungen zu bedienen. Hierzu bemerkt daS Ministerium des Innern in einer Verordnung: Ta die Wünsche befl petitionierenden Verbandes als nicht unberechtigt anerkannt werben müßten und die sogenannten 'Jlabint- gcnossenschallen, deren -Milqlicdcr baizahlenden «Lusern einen be- Himmlcn, bei der Gcmctndesparlasse bar ausziizahlcnden Rabatt znsicherlen, nach den bisherigen Eriiihruiige» durch Förderung Der B a i e i n k ä u s e u n d E i n s ch r ä n k u n g d e S verderb- 11 ch c II BoraunwesenS IN der Lat seaen reich wirkten, io sollten die Behörden im Sinne der Bestrebungen des Verbandes sächsischer Rabattsparvereine verständigt werden, (.-leichzeitig weist das 'JWiniftcrium daraus hin, dasr gegenüber den Bestievimgen zur (Gründung von Beamten-EinkanlS- und «onsuin- vereinen seitens der Beböibc» völlige Neutralität zu beobachten und der Wellbcivcib von Konsumvereinen gegen den KausmannS- stand und das .Kleingewerbe weder mittelbar noch unmittelbar zu begünstigen sei. Namentlich sei der Verwendung von Amtszeit zur ehienamtlichen Erledigiing von VereinSgeschusten sowie der etivaigeu Vlitbenutzimg von Tiensträumen sÜr derartige Vereins- zwecke entgegenzutreten. Diese Ansicht sollte sich nur, so sagt .Der Manusakturisl', bei allen Behörden Bahn brechen, dann würde auch einmal von einer Förderung deS TetaillistenstandeS durch Behörden geredet werden können. Bis letzt sind solche Fälle aber zu selten. •• ZeitungSmanuskriptc sind Urkunden. Nach einer Entscheidung deS Reichsgerichts ist sowohl dem Manu- skript eines Zeitungsartikels wie dem eine« Inserats der rechtliche Charakter einer Urkunde zuzuerkennen. Der Einsender eines Artikels oder eineß Inserats unter falschem Namen macht sich also einer Urktindenfälschimg schuldig und kann dementsprechend bestraft werden. ** Ter grüßte Schleppdampfer aus dem 9i 1) c i n macht eben seine erste Bergfahrt. Ter Tampser ist für die Vereinigte Reederei und Sclileppschiffahrts-i'-k sellsämit in Frauknirt a. M.. vorm. Küppers, auf bet Schiffswerft von G.-br. Suchfenberg in Mülheim am Rhein erbaut und arbeitet mit 1400 Pferdekräften. Er ist 84 Meter laug, über den Radkasten 20 Meter breit und hat einen Tceigaug von 1.34 Metern, der bis zu 1.20 Meter durch Leicht en: ng der Kohlenladung für die Maschine verringert werden tanu T^r riesige 3chleppdampfcr Hal 6 Schlepp- lübue im Anhang, die zusammen 140 000 Zentner Mahlen, Stückgut und Petroleum geladen hatten. Mit dieser gewaltigen Ladung könnte mau etwa 7ol) E4scnbahnwaggons .füllen. § Hcrchenhain, 8. Juni. Etwa zehn Luftballone wurden gestern in der Zeit von 12—4 Uhr mittags hier gesichtet. x Nidda, 8. Juni. Am 4. Juli soll hier das Be- zirkskriegerfesl dcS Bezirks Nidda der Kriegcrkamerad- schaft Hassia stattsinden. ES ivird cm Festzug durch die Stadl veranstaltet mit mehreren MusikkorpS, Fesljungsrauen, den verschiedenen Vorständen und 19 Krieger- und b anderen Vereinen NiddaS. Aus dem Festplatz — der sog. GänS- weide — werden dann Gesang mit Reden abwcchseln, woraus Konzert, Tanz und Volksbelustigungen folgen werden. ? Vom Vogelsberg, 8. Juni. Ungemein großen Schaden haben die Schnee- und Ei Sm assen deS ver- floffenen WmtcrS in den Ficht en beständen angenchlct, indem die Spitze der Bäume z»im größten Teile glatt ab- gebrochen rourbc. In ben neu augepstanztcn Beständen treibt der Fichtenrüssclkafer sein ZerslürungSwerk. Z- AuS der Wetterau, 7.Jiini. Em großes Länger- frsl soll am 27. und 28. Ium in Gambach stattsinden auS Anlaß deS üOfährigen Bestehens des Gesangvereins ,Harmonie 40 Vereine mit 1300 Sängern Haden schon ihr Erscheinen zugefagt. M a i ig . s. Juitt Eine Luftschifferabteilung ist aus den» Giofuii Saude zu einer sechswöchigen Hebung zusammengetreteu Die Hebungen haben iniolge der B Stift üngssest gleichzeitig mit der Tagui'g des hessischen Baderverbandes. n. Srofdorf, 7. Juni Ein großes Serf. die Zusammenlegung der Feldmark Krofdorf-Gleiberg, wird in nächster Zeit beendet. Die in Betracht kommende Fläche umfaßt etwa 10 000 Parzellen bei insgesamt 2500 Hektar, worunter 406 Hektar Gcmeindewald abgehen. Die Plan ! egung erfolgte bereits im I-thre 1903. 'xadx § 2 unt» 3 des Kosten Gesetzes vom 24 Ium 187.» sollen 12 Mk Regulie rnngslpsteu für jedes Hektar erhoben iwrben. Allein die G^neralkommission zu Düsseldorf hat bi? Soften bis aus ii Mk. ermäßigt, die Der Staat bezieht und baiür die Kosten Tür alte Arbeiten brr Beamten und Boniteure tragt Tie Tagelöhne, foiric die Kosten für &*ge* mtb Waben bau tragen zum überwiegenden Teile Staat. Provinz und jkrris Ttcicnigen 4*mctnbcn, bei denen bie ßuiammenlegung ui Angriss genommen ist, bürsen hofien, baß ihnen T ie bis ’/i« ber Kosten vergütet werden. Gießener Strafkammer. }( Gießen. 8. Juni. Tiebstahl im Rückfälle. El« hiesiger Kohlenhändler sah. wie ein Mann mit einem gelullten 3arf seinen Lagerplatz verließ. Ta der Verdachts nahe ag, er habe ihm Kohlen entwendet, stellte ihn der ffoblenbänMcr zur Rede, woraus der Mann zunächst den Tiebstahl bestritt, ihn aber bann Augab unb sich unter Angabe seiner Wohnung „Salier" nannte. Tic Feststellungen ergaben, daß es sich um den hier roobn halten Arbeiter F L. aus StomborT bandelt, der itegen TicbsiablS mehrfach bestrasi ist unb der um die nämliche Zeit von einem Trockenplätze Strümpfe entwendet Hal Zu seiner Entschuldigung konnte er nur Vorbringen, er habe geglaubt, die Bestohlenen seien mit seiner Handlungsweise einverstanden. Ties war jedoch nicht der Fall, sonst würde keine Anzeige erfolgt sein Ter Angeklagte wurde wegen TiebstaHlS im Rückfall m^zwei Fällen zu tc drei Monaten Gefängnis Derart eilt imb die Strafen auf drei Monate unb 14 Tage reduziert. Gleiches Los traf die E. F. Wwe. von Riri'cld. 3tc bat einem Straßenwark eine Reisigwelle von dem Holzlager «eholt und zwar rote sie lagt, in der Annahme, der Ztroürniüart sei damit einverstanden. Dieser hat ihr aber weder cm solches Recht je eingeräumt, noch war er mit ihrem Tun ein • verstanden, denn er zeigte bie wiederholt vorbestrafte Angeklagte an, was ihr, da Rückfall vorliegt. 3 Monate Gefängnis cuttrug Unter Ausschluß der Leffentlichkeit wurde gegen den in Assenheirn ansässigen Bäckernistr W. K. aus Wöllstein wegen Verführung eines noch nicht 16 jähr. Mädchens aus Erbstadt. das bei ihm in Tiensten stand, verhandelt. Wie das Gericht bei der UrlcildDcrtünbigung bekannt gab, handelt es sich um cm unbescholtenes und besonders unerfahrenes und beschränktes Mädchen, das in sexueller Beziehung noch nicht so aufgeklärt war um zu wissen, was bie von dem Angeklagten an ihm verübte Handlung zu bedeuten habe. Mit Rücksicht auf die schweren Folgen — das Mädchen ist kürzlich Mutter geworden — erkannte das Gericht auf 4 Monate Gefängnis. Treue Freunde. Seinen Mitgefcllcn bcstoblen bat der 3 diu hm. A K. aus Bil lingen. Er benutzte die Abivescnhcit des Genannten nm sein Hand werkszeug und verschiedene Mlcibcr mitzunehmen, auch verschmähte er ein Paar zur Reparatur gebrachte Stiesel, für die sein Meister auftommen muß, nicht. Als alter rückfälliger Tieb konnte er ber Versuchung nicht widerstehen, als er sich allem zu Hause sah. Tas Gericht diktierte ihm 1 Jahr 3 Monate Zuchthaus zu und sprach ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre ab, indem es straf ersdstoerenö hervorhob, daß sein Mitgescltc dadurch in große Ber legenheii gebracht wurde unb nur durch Aufwendung größerer .sloflcn wieder Ersatz schassen konnte. Ter militärischen Kontrolle entzogen. Im Lause des Jahres haben die mit der Kontrolle der Wehr pflichtigen betrauten Behörden der Staatsanwaltsdmst mitgeleilt, daß acht Wehrpflichtige, die sich zuletzt in der Vrovin.^ Cbcrbcfku ansgchalten hatten, lieh zu den Rcviiionen nicht gestellt haben Ihr Aufenthalt konnte im Deutschen Reich nicht ermittelt werden, weshalb angenommen werden mußte, sie haben das Bundesgebiet verlassen, um lich dem Eintritt m das Heer bezw. der Flotte zu entziehen: oder daß sie, nachdem sie das militärische Alter er reidit haben, nicht zurückgekehrt sind Es erging deshalb An klage gegen sie wegen Verletzung der WeHrpslidst B czüglich des einen mußte Einstellung des Verfahrens erfolgen, da fcftgcftellt wurde, daß er mit Tob abgegangen ist. bie übrigen wniden burd) Veröffentlichung in den Zeitungen dczw Anschlag an Die Gerichts täfel öffentlich geladen und einer, dessen Aufenthalt tu Amerika ermittelt worden ist, wurde durch Bennittelung des Konsulates geladen. Ta zum Termin keiner erschien, wurde jeder zu 150 Mk. Geldstrafe verurteilt und da- im Inlandc befindliche Vermögen, soweit es zur Tcduug von Strafe und Kosten ersorderlich ist. mit Scidilag belegt. Ein Pechvogel. Taß auch ein Schneider Pech haben kann, zeigte eine Ber handlang wegen Bettelns. Ter wegen Bettelns häufig bestrafte Schneider B W. aus Heubach Hatte in Vilbel eine Bettelstrafe abge martit. Rach der Entlassung war sein erster Gang m die Wohnung eines G ndarmen, bei dem er, ohne zu wissen, bei wem er sich befindet, bettelte. Die Folge war eine alsbaldige Festnahme und m -• Schöffengericht erkannte diesmal neben der 14 tägigen Haststrafe, aus Ucbcnvcnung an die Londespolizeibehörde. utmol das Schöffengericht diese Maßnahme als das wirksamste Mütel gegen die Bettler und Landstreicherplage, b1? in der dortigen Gegend außerordentlich lästig empfunden wird, erachtete Berusung-gcrickst hatte umsomehr Veranlassung. daS von dem Angetlagien angcioditrne Urteil zu bestätigen, als daß es sich um sonstiger Gewalttätigkeiten beltrüft ist und m Ausübi BettelbcrusS nicht ganz bescheiden Pie Norsu-Lompagny vor Gericht. S. u. H. Köln, 7. Juni. Unter dein Vorsitz des LandgerichtSdirektors Tr. Easper begannen heute vor der ersten etraffammec des hiesigen Landgericht» die Verhandlungen in dem Monsterprozeß gegen die Gründer und Vtanager der logenmmtcn Korsu-Eompagnn. Wie schon inttgeleili, hatte vor einigen Jahren die Firma Tntguenne m Namur von den Behörden der Insel die Konzeiüon erhalte», auf einem größeren Territorium moderne Vade- und 3pieleimid)tungen zu schassen. Tie Konzession ging schließlich an die m Brüsiel gebildete Korfu-Eom- yagun über, die in ihren Reklamen die tollste» Deriprechungen »iachte. um Käufer für die Aktien der Eompagmi Hera»z»loanbet»kammcrsekretar a. T. Rammt(n, Raidmann Zimmermann. Oberkellner Jo'orbmg, Agent Jungman». sämUlch aus Köln, Rmdmcnm Turne zTorlmunk), »auhnann Cberreüer lGodesbera . E s und 8V Zeuge» unb Lachverslundige geladen. Tie Anklage vertritt Traat-ranw. Tr. Muide. Tie Verteidigung 'ühren d,e Rechtcunwälle Tr. üll«berg unb Julius Tleoer tBerlm», >ow,e bie Kölner '.Hecht, aniralle yiebemann, Tr. Hoste und v. E olie». — Tu es sich ausschiießluh um Wcch'el- u»d andere '"eidge'chäite handelt, verfallen die PerdandUmgen bald nach Eröftnm,^ löo- tichster Langweiligkeit, die u'oyl auch bte nächsten eiencb» Tage, loelcbe ber Prozeß wahren soll, anhalien wird. Emleuend wiirb« von ben Verteib.gern für eine Anzahl Angeklagte der Einwand der Ulizu'lanbigkci geltend gemocht. Tas bricht lehnte diesen Einwand ater ab, da e4 der Meinung ivetr, daß nach der ror der Sertanblimg edolglen Aiesschetdimg eirxjduer Fälle die Anktere- punkte nunmehr zusammengehören und gegen alle Angeklagte m Gesamtheit oerha>idelt werden köimte. — Ter Er^^miugsbeichhch wint den .'Inaeklagten vor: Betrua. Urkiwdenlälschuno. Umer- schlagung und Verchen aegen das Aktieiigesetz in etiva 6u Fällen. Tie febr langwierigen Vernehmungen der Anaeklagten zur tct- ional'eü'telluna wurden durch einen ZwiichensaU umerbiochen, da ein Phorograov mH feinem Aoparal :m Zuhörerraum erschien, um obatogravhi'che Au'nahmeii jn machen. Er wurde vom i-sr- sitzenden aus dem Saale verwiese». Tann begann die $er- itehnnuig der Angeklagten, bie die nächste» zwei b:6 drei Loge in* Anspruch nehmen bunte. Tie Angeklagte i behaupten sämtlich. in keiner Weile gegen die gdetzlichen Be'timmimgen vergangen zu habeir. --------- - ■ - Vermifcbtcs. • Die Berniöchtnissc Ehanchards Au s Ban# rnirb gemeldet: Ter Schaulust, die hd) aus da Begradm» des Multimillionär- Ehaudiard im 5alc Ludwig XV. freute, rft rin#* kleine Enttäuschung bo'dxrt morthrn Cb- wohl das Testament erst noch eröfinrl werden wird, steht doch bereits seft, daß es zwar ein Lrichcnbcgaiigi'rs flrof,cx Stils, aber fein Maskenplq mir rasierten und tpfrü nr.cn en Leuten und geschmürkten StaatSkarosjen geben nnrb Tte Nachrichten, die über die Feier bi?her m die Preise lanciert worden, sind auf die irrtümliche Anssaisuim einiger , spräche zuruckzusuhren, die Ebouchard mit den Ticektorcn eines Bccrdiguugsinsntutes Hane Ter Wen der dem Staat vermachten Runstsct.ätze betragt über 20 Millionen Wie ba* ..Echo de Paris" erfährt, hat Ehauchard innen intime» Freund, den bcfaimten Politiker t^corges Lengues. der wiederholt Minister gewesen ist, zum Tehamcntsvollsireckcr ernannt und ihm einen Betrag von 13 Millionen vennack'? Einem anderen intimen Freund, dem bekannte» ühefrebat* teur des „Figaro" E!astou Ealmette hinterließ er zwe, Millionen und beauftragte ihn gleichzeitig mit der Crgant- sation seines Leichenbegängnisses Märkte. — K a r t v j s e l markt- Bericht vom 7. Juni IM Friedberg iHesse»): iHok* Sorte 'JJlf. 2.25—2Ji>. Ttagmim bonum 2.75—2Bo, weiße runde 2.25—2.40, Gelbsteifchige, rote. 2JW b,S 2.90. iveiße 0.00—0.00. graiiksuct o. M.: Rote con< 'BIL 2.70—0.00, Mogmirn boiim» 2.90—iveiüc nuihe 2.70-ti.uu, Wclbflcijdngc, blaue,3.25-0.00, iveiße 3.25. Wiesbaden: Magmuu bomtui 0.00, iveiße runde O.Oo, Gelbfleifchige rote O.Ou. . a i, a- h t i m: Magumn bonum Mk. 3.10—3.20, weiße runbe 0.00, (Mb- fleiidu :<• blaue 3.25, rote 0.00, weiße 0,00—0.00. Hol»: Aste 3 ov tcu 2.85, ü)! agil um bomim 3.60 - 3.85, weiße runde EvO-tM 6>clbflcnct)ige blaue 0.00 —0.00, lote 3.65—9.00, weiße 0.00-M» Tori m ii n d: Rote Taber O.OU—0 00, andere xoic Tone i uw bij U.OO, l’iagnum bonum 3.65—3.0'. iveiße runbe 2.80-UM Gelbffeischige blaue 0 00-0.00, rote 4 9U-0.U0, weiße 0.09-M Öugcii i. W.: Rote Taber Ak. 0.00, nitberc roie 0.00 - 0.00, Magnum bonum 3.50—0.00, iveiße runbe 2 80-400. Gelbff. rote 0.00—0 00, »veiße 0.00—O.Oo. 2 astig -P laidt. N-ic Taber 0.00—0.00, andere rote Sorten 4.30—0.00, Magnum bouum 3.30—0.00, weiße innbc 3,60-u 00, ' Zclbileifchige, blaue u.iX) Li; i) oo, rolc O.Oo—0.00, weiße 0.00—0 00. Frankenthal (Piol" Role Sorten 2.60— 0.00, Atagnum bonum 2.75—0.00, iveiße n< > 2.60—O.UU, lstelbffeischige blaue 0.00—O.OO, rote 4.25 3 •/. do. ... 37 •/, Konsole .... 37, do. .. . . "5.70 ... 3‘/,7. Oberhessen . • . — 47, Oe’terr. Goldrentn. . 10500 4l/»e . Oesten. Silberrente. 99.70 47. Un^ar. Goldrenle . • 95.70 4*, Italien. Rente . . . — 8*/, Portnrieaen Serie I . 62.50 3*/, Portugiesen , III . 68 90 47,7* nus. Staatsan 1. 190$ 98.80 47,7. jspan. Staatsanleihe 96.10 47, ConT.Türken von ItoS 93.lv Türkenlose . ... 144.40 4’, Grieth. Monopol-AnL . üO.30 4*, süssere Argentinier • 89.00 o*. Mexikaner .... 68.70 4*/■*/. Chinesen .... 99325 Aktien) Boehnm Guss..... 225 Buderus E. W.....110.10 Tendenx: rubig. aber fest. Berliner Börse, Canada E.B.....IML»>’ Darnutldter Bank ■ • • 132.10 DeuUebe Bank . . . 241.7» Dortmunder-Union C. . . — — Dresdner Bank .... 153.1V F.lektri*. Ixhineyer . . . Elektri*. Sehnekert . . . Eachwdler Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk . ' Hambnrg-Amerik Paketf. lx‘*' Hsrpener Bergwerk. . . Lsnrahfltte *** N'ordd Llojd ..... -‘l-v* Obenuehlea. Eisen-Industrie Berliner Handels Klarer^ .Sein. Hie Klarer^ cingeteilt in Abschnitte von M. 5000, 2000, 1000, 500, 300 und 200 mit Zinsgenuss vom 1. Juli 1909 ab Verstärkte Tilgung und Gesamtkündigung bis zum I. Juli ISIS ausgeschlossen, üistie^eaälso^e Cpe^ütbcmlk L. & E. WeB*§ßieämber. Berlin, Frankfurt a. M., Giessen, im Juni 1909. mark 3500000. mündelsichere 41° Anleihescheine der Stadt Giessen m 1809 werden zur öffentlichen Zeichnung aufgelegt am Sonnabend den 12. Juni d. J. dem Bankhaus© Beibrück Leo & Co., der Mitteldeutschen Creditbank, dem Bankhaus© Philipp Elimeyer, der Mitteldeutschen Creditbank, dem Bankhause L. & E» Wertheimber, der RffiiHeldeutschen Creditbank, FiSäaSe Giessen, der Rheinisch-Westfälischen Diskonto-Gesellschaft Köln A.-G., dem Bankhaus© J. H. Stein, der Mitteldeutschen Creditbank, Depositenkasse und Wechselstube Marburg, der Mitteldeutschen Kreditbank, Depositenkasse und Wechselstube Wetzlar, während der bei jeder Stelle üblichen Geschäftsstunden. Der Zeichnungspreis beträgt 801,25 % unter Verrechnung von 4% Stückzinsen. Die Zeichnung erfolgt auf Grund des zu dieser Bekanntmachung gehörigen Anmeldescheins, der von den obengenannten Stellen bezogen werden kann. Jeder Zeichnungsstelle ist die Befugnis vorbehalten, die Zeichnung auch schon vor Ablauf der festgesetzten Frist zu schliessen und den Betrag jeder einzelnen Zuteilung nach ihrem Ermessen zu "bestimmen. Die Zuteilung erfolgt sobald als möglich nach Schluss der Zeichnung. Bei der Zeichnung ist auf Erfordern eine Sicherheit von 5% des Nennwertes in bar oder in marktgängigen Wertpapieren zu hinterlegen. Der Zeichner trägt den Stempel der Zuteilungsschlussnote zur Hälfte- Die Abnahme der Stücke, deren Zulassung an den Börsen zu Berlin und Frankfurt a. M. beantragt werden wird hat in der Zeit vom 18. Juni bis 15. Juli 1909 zu erfolgen. , te and Obi* ( , 11J jabn - ' ' ' , ’pjagnbih® * * i‘‘v Labmeyer. Schlickert- x Berbers eben MÄH' .Ainenk-/88^ Ber^' ' y Berlin n Dresden Frankfurt a. D Giessen Köln Marburg ' m. chtungen ^Eigen-in^iW A Handels?«5, • '!§ ter Bank • ' W Bank • ‘ ,1^ igjat. Bank • gornniandit • ' p- . = J-20,o°C. \6,0^ a[ E. Andcrio», )!eurnt^___ der Bank Für n» Ber?wer\ . enE-8’’ . ’jJj -loyd *;, 11 16 • ' k .iS* i Ä bet „ ynllc W ln Chua Kn Aki. 'Alanten 0^ ktajini i winde?""- ?5 i» ^o-2.3ö, Shi ,, ;lb5«iid)i9e, rote.yiL • 2)1.: 'M er cißc nmbe 2.10-(i, icsbaben; Sfe | rote 0.00. ®i..| e umbe 0.00, & ' 0-00. Rolli:?; iüe ninbe 0.00-..- 80, weihe 0.00-j ierc rate Sorten je umbe 2.80- 10, weiße 0.00-, , nnbere tote t i'jc umbe 2.80-j. 1ig*$(nibt:h 1.00, Magnm kc. ä)igc, blaue (w: inkeiithklM 5-0.00, weifen:.'.1 ote 4.00-00; 10-0.00, f'.iv. :c; 10, weiße ack 'ZK ote 0.00—6.1)0, W i-O.OO, onbat m -0.00, weiße mit: ole 0.00-0.00, weit'. 0, weise niiibe ft 011 >, lueijic 3.P0-0.UÜ ‘ if s\ Aus Patz w nen intim. : Leygues J 'UMntsvMtrch llll°nen Dermot- pntcu ChefM Unterließ ei 9 mit ber Lizch Voranzeige. Montag den 14. Juni veranstalten wir wegen baulicher Veränderungen einen Räumungs-Verkauf mit bedeutend ermässigten Preisen Gebr. 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