1>A, Freitag 8. Oktober 1909 Erstes Blatt 159. Jahrgang enerAmei General-Anzeiger für Vberhefsen Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulftrahe 7. $ ü Ved?. Nr. / Der Sietzener erscheint täglich, außer Zonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich DiehenerZamilirnUätter; zweimal wöchentl.Ureir- blütt fürden Kreis (netzen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land wirlschaftliche Zeitfragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gieren. Annahme von Anzeigen für die Tagesm'.mmer bis vormittags 9 Uhr. BezugSprer monatlich 75Pf., viertel- ▲ jährlich Alk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen nwnatlich 65 Pf.; durch ö die Post ivik.2.—viertel- jährl. ausschl. Besiellg. ßM Zeilenpreis: lokallöPs^ Egy auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den volitischen Teil: August Goetz; für „Feuilleton" und „Vennifchtes" K. Neurath; für „Stabt u. Land" und „Gerichts- Die heutige Nummer umfahr 10 Seiten. sich kreuzen könnte. ♦ Genie entgegen... t i>er Spanier in Marokko gegeben Hut. Paris, 7. Okt. Mehrere Blätter erörterten die heute »wöffenilich-e Erklärung des Generals d'Amade itnb äußern sich über dieselbe ziemlich absäl.ig. Der „Temps" 1 siegt, man könne i unb Bedauern les l in, das Messel (der kürzlich verstorbene hessische Baumeister. D. R.> und seine Schüler bauten, können die vornehmsten Architekten Europas lernen. Das einzige existierende Jbsen- thcater besitzt Berlin! Eines Tages wird das morgensrische Berlin schon um der Fülle des Stosses willen einen Romanschriftsteller hervorbringen, der alle uns andere in den Schatten stellen wird. ... Das mächtige Reich sand den Weg zum Meer und über die Meere; es will weiter noch hinaus, hinaus! Der Jubel der tzunderttauscnde, der Jubel der Millionen braust der neuen Eroberung, der Eroberung der Lust durch das ihm die französisch-1pani.schen Vdaroktoabkommen von 190-1 und 1905 vollständig unbekannt seien. Spanien habe bisher seine Rechte nicht überschritten. Wenn G.'neral d'Amade verlange, daß Frankreich möglichst bald intervenieren solle, dann müsse man fragen: Wo, wie und gegen wen? Gegen Spanien oder gegen Muley Hafid? Soll Frankreich Taza, Fez oder gar Melilla besehen? Die Bevölkerung hätte einen bestimmten Rat vorgezogen. Unter diesen Umständen ist die Einmischung des Generals d'Amade vollständig unnütz und bedauerlich. London, 7. Okt. Im Unterhause richtete Dillon (Nationalist) an die Regierung die Anfrage, ob die britische Regierung von der spansichen irgendwelche Versicherungen bezüglich der umfassenderen Operationen in Marokko gegeben habe, ob irgend eine Tatsache zu der Annahme berechtigen könnte, daß Spanien eine Besetzung Tetuans oder eines bedeutenderen, maurischen Gebietsteiles plane, ob die britische Regierung von der spanischen sondiert worden sei und wie sie sich zu derartigen Unternehmungen stellen würde. Parlaments-Untersekretär Mc. Kinnon Wod erwiderte, er müsse alle drei Fragen in verneinendem Sinne beantworten. Als hierauf Dillon weiter anfragte, ob das Parlament in Kenntnis gesetzt werden würde, bevor die britische Negierung irgend einen Schritt zugunsten einer weiteren oder erweiterten Aktion in Marokko tun werde, antwortete Mc. Kinnon Wood: Wir wissen von keiner Absicht Spaniens, die den vertraglichen Verpflichtungen zuwider liefe, oder die in irgendeiner Weise mit den Interessen Großbritanniens Ein Vries vlsmarcks. Zum Jubiläum des Dreibundes veröffentlicht der ungarische Historiker Professor Ed. v. Wertheimer in der Wiener N. Fr. Pr. einen angeblich bisher unveröffentlichten Bries Bismarcks an den Grafen Julius Au- drassy in Angelegenheit des eben abgeschlossenen Bundes. Der Brief ist vom 29. September 1879 datiert und lautet: Berlin, 29. September 1879. Melilla, 7. Okt. Durch Scheinwerfer des Leuchtturmes von Camellos wurden gestern abend im Gebiete der Beni Sitar mehrere Trupps Eingeborene entdeckt, die sich hinter dem Gestrüpp verborgen hielten. Sobald sie sich bemerkt sahen, eröffneten sie das Feuer gegen die Vorposten von Melilla. Die Spanier erwiderten das Feuer und ließen eine Kompagnie einen Ausfall unternehmen. Das Gefecht währte iy2 Stunden. Später fielen nur vereinzelte Schüsse. Madrid, 7. Okt. Nach Depeschen aus Zeluan errichten die Spanier dort um das Schloß Berte i d i' g U n g s w e r c e ; auch > Geschütze schweren Kalibers sollen dorthin geschickt werden. Madrid, 7. Okt. Der Ministerpräsident M a ur a erklärte, er könne die konstitutionellen Garantien in Cat alo nien nicht wiederherstellen, da es seine erste Pflicht sei, für die öffentliche Sicherheit zu sorgen. Der Ministerpräsident gab jedoch Anweisungen, bei der Wahlkampagne das Versammlnngörecht liberal zu handhaben. — VomDeutschenSchillerbund. In der letzten Hauptversammlung des Deutschen Schillerbundes begrüßte Professor Dr. Ed. Scheidemantel (Weimar) die erschienenen Mitglieder, indem er seiner Freude über die gelungenen Festwochen des vergangenen Sommers lebhaften Ausdruck gab. Aus dem Berichte des Schatzmeisters, Kommerzienrats Döllstädt, ging hervor, daß die finanzielle Lage des Vereins äußerst günstig ist, da nach Abzug aller Kosten von den Mitteln des Schillerbundes zurzeit rund 13 000 Mk. zur Verfügung stehen. Trotzdem wurde der Beschluß gefaßt, die Festspiele erst im Fahre 1911 fortzusetzen. — Eine komische Oper von Leoncavallo. Leoncavallo trug einigen Freunden seine neue Oper „Mal- bruk" vor, die im Frühjahr gleichzeitig in Rom und Berlin zur Aufführung kommen wird. Das Werk ist eine burleske Oper. Der Stoff ist Boccaccios „Deka- merone" entnommen und behandelt die lustige Täuschung eines Ehemannes, des Feldherrn Malbruk, durch seinen jungen Vetter. Die Handlung gemahnt stark an den „Ring des Gyges". — Cambridge, 6. Okt. Die Professoren E. Meyer und Otto Gierke, die von der Berliner Universität zur Feier der Einführung des Rektors zur .Havard-Universität abgesandt waren, wurden von dieser zu Ehrendoktoren ernannt. — David Busch, der bekannte, aus Mainz- Kastel stammende Deutschamerikaner, sandte anläßlich dieser Feier aus Langenschwalb ach die telegraphische Mitteilung, daß er seinen Beitrag für das germanische Museum auf 150 000 Mk. erhöhe. Alenres LerrMetoir. — Ein Heine-Denkmal in Italien ist zur selben zi Zett in Vorrereituna, wo die freie und Hansc-Stadt Hamburg ' einen öffentlichen Platz für das aus Korfu verbannte Denkmal I des Dichters verweigert hat. Das Denkmal des großen deutschen Lichters kommt nun in den Lichthof emes großen Geschäftes, J ico es zwischen Heringstonnen und Tabakballen aufgestellt wird. Gleichzeitig aber kommt aus Bagnr dr Lucca, das Heme irr seinen Reiscbildern verherrlicht hat, bie Nachricht, daß bie 1 Meine Gemeinde auf der von Heine so bevorzugten Cypres s en- 1,6 he ein Denkmal errichten wird. Die Ausführung ist einem rnngen, hochbegabten Künstler, Francesco Patrone übernagen worden, der in derselben Provinz ein Dante-Denkmal geschaffen hae. Natürlich haben sich in Deutschland wieder Stimmen geregt, die diesen Man als Reklame brandmarken wollten, c-ser um Deutschland stände es besser, wenn alle seine Bewohner teuf derselben Stufe wie die von Lucca ständen, wo sogar die 'Sauern Dank und Prttarca lesen. Welchen Beifall Lucca aber 11 Italien findet, das beweisen die Worte, mit denen vor einigen Tagen Carlo Menarci in der „T r i b n n a" das Vorhaben d-r Bürgerschaft von Bagni di Lucca kennzeichnete: „Die Bürger non Bagni di Lucca", so sckweibt er wörtlich, „haben recht getan, *i beschließen, Heinrich Heine zum Andenken, an seinen Auf- ccithalt in jenen Bergen und in Anerkennung ferner aufrichtigen Wegeisterung für unser Land ein marmornes Denkmal zu erschien . . . Willkommen sei in diesem Lande die Huldigung, bie Bagni bi Lucca mit der Zustimmung von ganz Italien dem Dndenken einer großen Seele darbringt. Die tfreujeit und die Poesie kennen keine Grenzen." — DieDänenund Deutsch! and. In einem Vortrag, iv>.n der dänische Dichter Hermann Bang in Kopenhagen gehalten. hat, plauderte dr in seiner witzigen Art über )einen 1 mgen Aufenthalt in Deutschland und über das neue deutsche »eich, das den Dänen trotz aller Nachbarschaft so fremd sei. Wir Dänen, so sagte der Dichter u. a., haben viel zu viele sogenannte ttcffende Worte über Deutschland gebildet. Deutschland sei „militaristisch". Jawohl. .Es. trägt eine schwere eiserne Rüstung —, weil es notwendig ist. Aber mit welchem Nutzen! Die deutschen militärisckfen Hochschulen lind me ber- vorragendsten Bildungsstätten der feinsten Gehirne.^— Weiter: Deutschland fei „agrarisch". Ich sah aber die isanbtouften Schlesiens in Wald und Wiese verwandelt, ^as ^and bedarf der agrarischen Zollmauern, um ein Gegengewicht gegen die übermächtige Industrie zu schaffen. — Deutschland fei „ohne Geschmack". Ja, es war ohne Geschmack. Aber fit dem Ber - Das Ausland und der Kampf in Marokko. Vielleicht hat Deutschland in der Tat zuerst die Anregung gegeben, sich von Spanien Aufklärung über dessen Absichten in Marokko geben zu lassen, denn es wird heute gemeldet, daß der spanische Botschafter erst am Donnerstag mittag im Pariser Auswärtigen Amte Erklärungen abgegeben hat. Spanien verkündet, daß es keine Eroberungs- felüste habe. Sv fällt denn ein öffentlicher Vorschlag des 'Generals d'Amade, des bekannten früheren Truppenführers il Marokko, auf einen schlechten Boden. Er hat voreilig >avon gesprochen, Frankreich möge Spanien zuvorkommeu mb marokkanische Gebietsteile besetzen. Damit wird zugleich in famoser Weise enthüllt, was von ben früheren Versicherungen dieses Generals, als er noch im Lande des Äherifen wirkte, zu halten war. Mehrmals war er eigennächtig im Schcrujagebiet vorgegangen, und immer war interner erklärt worden, es handele sich nur um die Her- tellung sicherer Zustände. Es stellt sich also heraus, daß "Amade ein begeisterter Eroberungspolitiker war, und uste hohen Auszeichnungen, die ihm in Paris trotz seines eigenmächtigen, im Ministerium scheinbar nicht gebilligten Borgehens verliehen worden sind, erscheinen heute in .einer neuer. Beleuchtung. Jetzt hat er freilich das amtliche Frankreich arg in Verlegenheit gesetzt. Auch im englischen Unterhause ist die marokkanische .,-rägc aufgerollt worden, aber England hüllt seine Ansichten und Absichten in Schweigen. Paris, 7. Okt. Einer offiziösen Meldung zufolge empfing Minister Pichon heute nachmittag den spani- jchen Botschafter, welcher Wert darauf gelegt habe, ähm persönlich die jüngst dem Direktor im Ministerium des : äußern, Pabst, abgegebenen Erklärungen zu erneuern, daß Spanien an seiner ursprünglichen Absicht festhalte, im Riff- . cbiete nur eine Polizeimaßnahme zu bezwecken und seine ..ttion auf die Züchtigung der Stämme der Umgebung Melillas beschränke. Pichon nahm diese Mitteilungen dankend zur Kenntnis. Paris 7. Okt. Wie die „Agence HavaS" meldet, hat Spanien einen Tag, bevor es einige seiner t toter im Auslände beauftragte, sein Festhalten an dem vorher festgesetzten Programm über sein Borgehen in Marokko zu versichern, durch seinen Botschafter tn Paris denselben Schritt im Ministerium des Aeußeru -tun lassen. Paris, 7. Okt. Der „Matin" gab heute eine angebliche Untererredung mit General d'Amade wieder, worin dieser verlangt, Frankreich solle Spanien zuvorkommen und 2! a z z a b e s e tz en. Falls d'Amade die ihm zugeschriebenen Aeußcrungen nicht dementieren kann, wird er aller Voraussicht nach gemaßregelt werden. Paris, 7. Okt. Der Kriegsminister ersuchte den General d'Amade, der sich gegenwärtig auf Urlaub in Motttauban befindet, um Aufschluß über die Erklärungen, t»ic er dem „Matin" über die militärischen Operationen Verehrter Graf! r , ...v . ~ Ich habe auf einen von Wien aus an Sc. Majestät den der dteielbe ziemlich achalng. Der,,^,?mp-.> Kaiser abgesendeten Feldjäger eine Antwort noch nicht zu er- diese Erklärungen nur mit Ueberraschung langen vermocht. Jnfolgedeistn habe ich Sr. Majestät nicht vor- sen. General o Amade habe gezeigt, daß! enthalten können, daß mein Verbleiben im Amte von der Annahme des von uns beiden in Wien verabredeten Entwurfs ab- bangt. Ich habe diesen meinen Entschluß gestern meinen hrcu- ßischeu Kollegen mitgeteilt und dieselben mit der Tendenz inneres Entwurfes ohne Ausnahme einverstanden gefunden. Graf S l albe rg begibt sich heute als Vertreter des Staatsministeriums nach Baden, um Se. Majestät auch seinerseits und im Namen des Gesamtministeriums nm Annahme meiner Vorschläge zu bitten. Die Brücke, auf welcher mein allergnädigster Herr dergleichen unhaltbare Positionen zu verlassen noch am ehesten geneigt ist, besteht in ciiient unter Vorsitz des Königs abzuhalten-- den Ministerkonseil. Ich gebe die Hofßlung nicht aus, daß Se. Majestät .zu diesem Zwecke demnächst nach Berlin kommen und dem einstimmigen Votum seiner Minister zugänglich sein werde. Sollte cs wider Envarten mißlingen, so würde ich in der Tat Ihrem Beispiel folgen und mein Amt niederlegim. Inzwischen ist mir eine Entscheidung näbergetreten, welche den Beweis liefert, wie richtig die von uns vereinbarte Volittk wirkt. Ich habe direkte Nachrichten aus Livadia, roetebe befunden, daß man dort, auf Grund, wie mir gesagt wird, baiipt- sächlich des Gesamteindrucks der Wiener Publizistik, über unsere Besprechungen ziemlich genau die Wahrheit vermutet. Man setzt voraus, wir hätten einen t er r i to r i a l en G a r a n t i e u - Be r- tr a g geschlossen; das Eigentümliche aber ist, daß diese Nachricht, weit entfernt, mit Empfindlichkeit aufgenommen zu werden, in aller Ruhe als ein satt accompli au^eiebcu wird, mit dein man' ?,u rechnen habe, und daß in der Politik des russischen Kabinetts, insbesondere der des Kaisers Alexander, sich augenblicklich ein volles Revirement zu friedlicher und defensioer Haltung vollzieht. Man stellt wieder die Entente ä träte mit uns beiden in den Vordergrund und scheint bereit, gegenseitige Verpflichtungen auszutauschen für die Aufrechterhaltung d.s Statusguo in der europäischen Türkei, so wie es aus dem Berliner Vertrag herv-orgehi, und für den Grmidsatz, daß territoriale Veränderungen daselbst nur mit Zustimmung der drei befreundeten Kaiserhöse gestattet sein sollen. Man äußert lebhafte Genugtuung darüber, daß durch die vorausgesetzte Verständigung zwischen Oesterreich unb Deutschland die Grundlage des Dreitäiscrverlstiltnisses wiederhergestellt und gesichert sei. Ich darf Ihnen dieses alles bisher nur unter dem Siegel der tiefsten Verschwiegenheit mitt eilen, da meine Quelle eine sehr diskrete ist, aber auch eine sichere.- Ebenso darf ich Ihrer freundschaftlichen Verschwiegenheit den Eindruck unter trauen, der mir gegenüber diesen livadifchen Nachrichten, ,die fortdauernde Sorge meines attergnädigsten Herrn im Betteff russischer Eruptionen über unsere Verständigung machen muß. Ich bin sehr angegriffen unb ruhebedürftig unb beschränke mich auf diese wenigen Zeilen, die ich aber doch für Notwendig hielt, um Ihnen Gewißheit zu geben, daß ich fest an unserer! Abrede halte und das Gesck>äft nicht aufgebe. Ich bedauere, daß die Schwierigletten, denen ich begegne, zeitraubend sind und (Sie uiio mich m einer, mir wenigsten^ schwer erträglichen Ungewißheit in suspenso erhalten. Das Ergebnis wird aber, wenn auch nicht prompt, doch meiner- Ueberzeugung nach das von uns ersttebte sein. Nur bitte ich Sie, nickt iurzer Hand die (j>ebulb zu verlieren; hohes Alter und räumliche Trennung wollen ihr Recht haben. Mit der Bitte, mich 'der FraN Gräfin zu Gnaden zu empfehlen, in freundschaftlicher Verehrung der Ihrige v. Bismarck." Neun Tage später, am 7. Oktober, hatte Kaiser Wilhelm den Bündnisvertraq unterzeichnet. Die russische Politik, die bis dahin Deutschland keineswegs immer freundlich gesinnt war, schwenkte plötzlich um, und so war der deutsch-österreichische Bund tatsächlich gleich von Anfang an eine Bürgschaft für den Frieden. * Aus Rom meldet man: Die „Tribuna" stellt in einem Artikel über das 30jährige Bestehen des deutsich- österreichischen Bündnisses mit Genugtuung fest, daß man in Berlin und Wien Italien als par interpares im Dreibunde ansehe. Sie betont weiter, daß der Dreibund eine strategische Position ersten Ranges zugunsten des Friedens sei und daß es seinem Bestehen auch zu verdanken sei, wenn der Zweibund einen immer friedlichen Charakter bewahrt habe. Dies sei ein Faktum, das nicht nur historische Ledeutting habe, sondern auch fttr die kunft von Wichtigkeit sei. Eme neueVerkehrLserbindurg von Europa noch Indien. Bremen, 7. Okt. Der Norddeutsche Lloyd hat mit Sir John B. Ellerman Bart, Eigentümer der Eller- man Lines os Steamers und der City and Hall Lines, einen Verbandverkehr von Europa nach Indien eingerichtet, d. h. beide Linien geben von jetzt an ermäßigte Durch fahr karten aus, welche einerseits zur Benutzung der Lloyddampfer von Bremen, Hamburg, Rotterdam, Antwerpen, Gibraltar, Algier, Genua oder Neapel Port Said oder Suez oder von Mauseille oder Neapel nach Alexandrien, anderseits zur Benutzung der Dampfer der Ellerman- Linie von Port Said oder Suez nach Bombav, Karachi Colombo, Madras und Kalkutta und umgekehrt berechtigen. Die Hin - und Rück fahr i art en, bei denen eine Unterbrechung der Reise und ein Uebergang von einer Linie auf die andere in Aegypten vorgesehen ist, haben zweijähr. Gültigkeit. Auf Grund der Hin- und Rückfahrkarte kann indes auch die ganze Reise von Europa nach Indien mit dem Reichspostdampser des Norddeutschen Lloyd und die aanze Rückreise mit dem Dampfer der Ellerman-Linie und umgekehrt unter Nachzahlung bezw. Rückvergütung der je- weiligen Preisdifferenz ausgefüyrt werden.______________ vom meckieilburgisch-fchwerinischen yos. Den „Mecklenburgischen Nachrichten" geht „von zuständiger Stelle" nachstehende Erklärung zu: Ein Artikel der „Rheinisch-Westfälischen Zeitung", in dem der mecklenburgisch-schwerinische Hof als Element der Begünstigung partitularistischer und welfischer Bestrebungen geschildert wird, hat in einer größeren Anzahl Blätter^ u. a. in den „Hamburger Nachrichten" und dem „Hannoverschen Kurier" Aufnahme gefunden und wird in der Presse teilweise noch weiter m gehässiger Weise 'kommentiert. Es erübrigt sich, auf die Einzelheiten näher cinzugehen. Wir wollen nur konstatieren, das; die Fürsten und Regierungen Mecklenburg-Schwerins allezeit treu zu Kaiser und Reich gestanden und auch diese Gesinnung stets betätigt haben. Ten Bestrebungen, wie denienigen der Rechtspartei, welche übrigens im Lande nur ganz vereinzelt, am S?ofe aber niemals geltend gemacht worden sind, ist stets auf das Entschiedenste entgegengetreten worden. Hierin ist auch in neuester Zeit kein Wandel eingetreten. 2!us Statt rrnd Land. föieucn, 8. Oktober 1909. •• DaS Großherzogspaar bei Zeppelin. Am Mittwoch morgen gegen 11 Uhr begaben sich der Groß- herzog, die Großherzogin, Prinz und Prinzessin Heinrich von Prell ßen und die Prinzessin Dorothea zu SolmS-Lich mit der Hofdame Fräulein von Oertzen an Bord deS Z III, stiegen um II Uhr 15 Mm. auf und landeten nach etwa 3 stündiger Fahrt. In den Gondeln befandeil sich noch Geheimrat Friedländer anS Berlin. Geheimrat Müller aus München, Graf Zeppelin sen., Oberingenieur Dürr, Kapitän Lau und vier Monteure. Das GroßherzogSpaar ist am Donnerstag vorniittag 8 Uhr 40 Minuten von Friedrichshafen nach Jagdschloß Wolfsgarten abgereist. Der König von Württemberg gab seinen Gästen daS Geleite zum Bahnhofe. Auch Prinz Heinrich von Preußen hatte sich zur Verabschiedung auf dem Bahnhöfe eingefunden. Er selbst verließ kurze Zeit darauf Friedrichshafen im Automobil. • • Ordensverleihung. Se. Königs. Hoh. der Großherzog hat dem Oberpostschaffner Hch. Gerbig in Gießen daS Allgeineine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Dienste" verliehen. • • Lehrerpersonalien. Der Großh erzog hat dem Lehrer Konr. Wahl zu Arnshain au§ Anlaß seiner Nlihestandsoerschung die Krone zuni Silbernen Kreuz deS Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. — Bestätigt wurde der von dem Fürsten zu Stolberg-Wernigerode- Gedern auf die erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ranstadt präsentierte Lehrer Georg Lehr daselbst. Ueber- tragen wurde dem Schulamtsaspiranten Otto Lack aus Dorheiin die zweite Lehrerstelle an der Geineindeschule 311 Ettingshausen. — Erledigt sind: Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle zu Heusenstamm. Dein zu ernennenden Lehrer können die Funktionen eines Hauptlehrers gegen besondere Vergütung übertragen werden. Je eine Lehrerstelle an den Gemcindeschulen zu AngerSbach und zu Maar. • • Vom Gießener Konzertverein wird un§ geschrieben : Indem wir auf unser nunmehr veröffentlichtes Winterprogramm und die Abonnements-Einladung Bezug nehmen, gereicht es uns zur ganz besonderen Freude, alle Freunde guter Musik darauf Hinweisen zu können, daß es nach sehr- schwierigen Verhandlungen insbesondere gelungen ist, Prof. Henri Marteau zusammen mit Prof. Max Reger zu einem gemeinsamen Konzerte zu verpflichten. Das Konzert findet bereits am 14. November 1909, nachmittags ö1/^ Uhr, in der neuen Aula der Universität statt. Marteau, der erste Geiger der Gegenwart, Nachfolger Josef Joachims an der Berliner Hochschule für Musik, vereint sich hier mit seinem Freunde Max Reger neben R. Strauß, dem bedeutendsten zeitgenössischen Komponisten Deutschlands, zugleich einem Klavierspieler allerersten Ranges. Reben unseren Klassikern werden unS Kompositionen Max RegerS geboten werden, deren Klavierpart der Komponist selbst ausführt. ** Stadtt Heater. Zum Gesamtgastsviel Adele Sand- rock mit einem Ensemble Berliner Bühnen Künstler am Mittwoch, 13. Oktober, wird aus Berlin geschrieben: „Gabriele d'Annunzio, dessen „Gioconda" ihm durch die berühmte italienische Tragödin Eleonore Tuse die Bühne eroberte, ist ein gewaltiger Sprachkünstler und glühender Sinnenmensch. Er sieht farbig und löst diese ^arbeit in musikalische Klänge aus, die vvn berau- jchender Wirkung sind. Sv geschah es, daß Eleonore Düse selbst vor einem Publikum, das fein Wort italienisch verstand, dennoch eine tiefe ergreifende Wirkung auszuübeu vermochte, daß der Dichter zu Menschen zu sprechen vermochte, denen seine Laute fremd waren. Wie viel stärker ist aber die Wirkung, wenn diese innere Klangmunt in der Dichtung durch eine deutsche^Künstlerin vom Range der Dnse zum Ausdruck kommt. Adele Sandrock ist in Wesen und Ausdrucksform der Düse durchaus ebenbürtig mrd wird daher vielfach die „deutsche Tuse" genannt." ** Alice Schule Der Unterricht beginnt in allen Abteilungen am Montag den 11. Oktober morgens 8 Uhr. Weitere Anmeldungen an den Kursen können noch am Samstag im Schulhonse, Kirchstr. 20 (Oswaldsbergl, bei Frl. Möser und im Schulhaus, Stcinstraßc 10, bei Frl. Deutsch erfolgen, andere auf Oswaldsberg von den Teilnehmerinnen an den K'nrsen für nwibliche Handarbeiten und für Handarbeitslehrerinnen, dagegen in der Steinstraße von solchen, die die Koch- lind Haushaltungsschltle besuchen, oder sich speziell zu Haushaltnngslehrerinnen ansbilden wollen. Für diese Kurse liegen bereits zahlreiche Anmeldungen vor, ein Beweis, wie notwendig ihre Einrichtung war. • • Turnerisches. Die Turnvereine in Ebsdorf, Her» monnftein, Münchholzhausen und Burlhards sind dem ©au Hessen beigetreten. ” Zur .Parseval".Landung werden wir um die Mitteilung ersucht, daß noch Karten zum Einlaß in den LandungSraum zu 60 Pfg. ausgegeben werden, die in den bekannten Vorverkaufsstellen unb am Sonntag auf dem Trieb zu haben sind. • • Die Sonntagsverkaufszeit. Am nächsten Sonntag ist wegen der ,Parseoal"-Landung die Verkaufszeit für daS Handelsgewerbe ausnahmsweise auf die Zeit von 2 bis 6 Uhr nachmittags verlegt worden. * * Eine allgemeine K aninchen - A u s st e l lang findet vom 9—11. Oktober auf der Liebigshöhe statt, &u der von nah und fern und and) aus dem Ausland — den Niederlanden und der Schweiz — zahlreiche Anmeldungen ergangen sind. Alle Arten von Kaninchen wer den vertreten fein und in einer besonderen Abteilung wird gezeigt werden, was alles ans den Kaninchenfellen gemacht werden kann. Bei der 'wachsenden Ausdehnung und Bedeutung der Kuninchen.uicht kann ein Besuck) der Aus ftcUung bestens empfohlen werden. -t- Lang Göns, 7. Oki. In den Gemeinden unseres Landwirischaitstammerbezirks fand eine Prämiierung von Zuchtrindern irnd Zuchlschweinen statt. J-n Gruppe Zucht schweine erhielten Preise: L. K'. Lich- Lang-Göns und W Weber Lang vwns 20 Mk. K I. Düringer-Oberhörgern Iß Mk., W Weil Lang Göns 15 Mk., A K'. Stoll Lang Göns und A. Müller Lang Göns 12 Mk.: in Gruppe Rindvieu (10- 20 Tierei: 1. Preis, 40 MI . Bürgermeister Holler Oberhörgern, 30 Mt, PH. Müller und >?. c^oriadp Oberhörgern, 3., je 20 Mk., S?. Wen Holzheinc und K. Wald schmidt-Leihgestern; in Gruppe Rindvieh (5—9 Stück Lieb : 1. Preis, 30 Mk., H. Lotz-«Oberhvrgern, 2., je 20 Mk., G. Langsdorf 3.-Leihgestern und K. I. Düringer-Oberhöraern, 3., je 10 Mk, W. Alles-Oberhörgern, Joh. Heß 21. Leihgestern, G. Will 5.-Leihgestern, K. .H. Knöpper-Dorsgill und W. Seipp-Oberhörgern. - Lich, 7. Okt. Forstmeister Schwörer ist auf seinen Wunsch von Lrch nad) Jagersburg versetzt worden. Eine Deputation des hiesigen Gemeinderats begab sich heute in die Wohnung des Forstmeisters Schwörer, um ihm für seine in hohem Maße der Stadt Luch in entgegenfommenber Weise geleisteten ersprießlichen Dienste den Dank der Gemeinde -u übermitteln. Daran schloß fid) eine Abschieds sei er, wozu sich sämtliche Bürgermeister der £berförfierei Lich im Holländischen Hof versammelt hatten. Bürgermeister Börmer von Lich hielt eine Ansprache, worin er im Auftrage der Bürgermeister dem scheidenden Forstmeister für seine um die Gemeinden in ganz besonderer Weise erworbenen Verdienste, dankte. Forstmeister Schwörer dankte und empfahl den Bürgermeistern, ihren Waldungen, als ihrem hauptsächlichsten Vermögen, auch ferner die äußerste Aufmerksamkeit zuzuwenden. Ter Weggang des Forstmeisters Schwörer wird in Lich und den anderen beteiligten Orten lebhaft bedauert. L. Rieder-Wöllstadt, 7. Okt. Bei der gestern hier vorgenommenen Bürgermeisterwahl wurde der langjährige Bürgermeister H. Weith IV. mit 135 Stimmen einstimmig wiedergewählt. Rennerod (Westerwald), 7. Okt. Bei einem nächtlichen Wortstrelt auf der Landstraße schnitt der 20jährige Grubenarbeiter Ernst Molsberger au§ Bretthausen dem 45jährigen Maurer Jung den Hals ab. Der Ermordete war Vater von acht unmündigen Kindern. Worms, 7. Okt. Die Kreiswohnungsinspektorin für den Kreis Worms, Frl. Dr. Conrad, hat n. d. Frif. Ztg. ihr Amt wegen ihrer bevorstehenden Verehelichung niedergelegt. □ Dutenhofen, 7. Oft. Unser Hauptlehrer Eberhardt, der fast seine ganze Lehrertätigkeit in unserer Gemeinde verbracht hat und seit Mitte der 60 er Jahre hier wirkte, ist in oen Ruhestand versetzt worden. Er blickt aus eine fast 50 jährige Amtstätigkeit zurück. s. Marburg, 7. Okt. Am 15. Oktober beginnt das Wintersemester an der Universität und gleichzeitig nehmen auch oic Immatrikulationen ihren Anfang. Tie Einführung des neuen Rektors für das Amtsjahr 1909 10, Prof. Dr. M a a ß, findet am Sonntag, 1. Okt., in der Aula der Universität statt. Frankfurt a. M., 7. Okt. Abends kürz nach 7 Uhr brack) auf der Reuen Zeil Rr. 21 Gr 0 ßfeuer aus. Tas Feuer tarn in dem im Hause befindlichen Spielwarenlager zum Ausbruch und fand durck) die leicht brennbaren Zelln loid- und Gummiwaren, sowie den vielen Karlonnagen reidp liche Nahrung sand. Ter Brand wurde mit sechs T am pst spritzen betämpft und die Feuerwehr tonnte des Feuers erst einigermaßen Herr werden, nad)bcm der Dachstuhl und die beiden übrigen oberen Stockwerte eingestürzt waren. Ta die Feuerwehr bei Beginn ihr Hauptaugenmerk auf die Rettung der Nachbarhäuser richtete, konnte das Feuer sich nicht weiter ausbreiten. Die Löschungs- und Aus räumungsarbeiten werden die ganze Rächt in Anspruch nehmen. Wiesbaden, 7. Okt. Eine ungewöhnliche Anerkennung hat die A u s st e l l u n g s l e i t u n g der Presse zuteil werden lassen. Sie hat sämtlichen Zeitungsredaktionen, die das Unternehmen unterstützt haben, Ehre n- diplome verliohen. Es ist dfts wohl der erste Fall saldier Anerkennung journalistischer Tätigkeit, der umso bemerkenswerter ist, als eine amtlidie Körperschaft, die Handwerkskammer, die die jetzt geschlossene Ausstellung arrangierte, der Presse dies Zugeständnis macht. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Rad)barstaaten. Bei der Posthilfstelle in Bannerod ist eine Telegraphenanstalt mit- öffentlicher Fernsprechstelle und Unfallmeldestelle eingerichtet worden, — Der Beigeordnete H. Reuning in Götzen ist zum Bürgermeister gewählt und bestätigt worden. — Gustav Mols E Wald zu Ass en he im wurde zum Bürgermeister dieser Gemeinde gewählt und bestätigt. — Im Mainzer Krematorium sanden im 3. Quartal 1909 83 Einäscherungen statt. Von diesen waren 34 aus Wiesbaden, 16 aus Mainz, 8 aus Köln, 3 aus Düsseldorf, je 2 aus Bonn, Elberfeld und Gießen usw. Der Religion nach waren 55 evangelisch, 15 katholisch, 1 freichristlich, 7 israelitisch, 4 Dissident und 1 Atheist. Itirdie und Schule. "Eine Konferenz positiv g e s i u u t e r R e l i g i 0 n s - lehrer aus Oberhessen, soll am 27. Oktober zn Friedberg begründet werben. In der an diesem Tage stallfindenden Versammlung werden Vorträge halten P'arrer Liz. Tr. Dieckmann aus Rodheim (Was ivir wollen) und Mehrer Debus aus Ruppertsburg (Tie einheitliche Gestaltuug des Religionsunterrichts). Geriebt-saal. M ünster i. W., 8. Okt. Tie Strafkammer verurteilte die Radbodwitwe Dora wegen Falscheides bei der Ablegung des Ofsenbarnngseides 51t 10 Wochen Gefängnis. Ter Staals- airwalt hatte 9 Monate beantragt. Schwere Lisenbahnunsälle. Der gestrige Donnerstag hat mehrere, schwere Eiscnbahn- unfälle aitszuwcisen, bei denen zum Teck sehr schmerzliche Folgen zu verzeichnen sind. Zwei Unfälle, von denen enter für das Zugpersonal verhängnisvoll wurde, werden allem aus Bayern gemeldet. München, 7. Okt. Ter Schnellzug Trieft—Berlin ist bei Reum ar kt an der Rott in Oberbayern gestern infolge Nichtbeachtung des Aussahttsignals einem Gütcrzug in b i c Flanke gefahren. Vier Dagen des Güterzuges entgleisten: die Maschine des Schnellzuges wurde so schwer beschädigt, daß sie ersetzt werden mußte. Ter Schnellzug erlitt eine Verspätung von 11-2 Stunden. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Bedeutend schlimmer gestaltete fid) der zweite Unfall, über den folgende amtliche Meldung vorliegt. Würzburg, 7. Olt. Heute früh stieß in der Station Karlstadt ein Güterzug auf einen anderen Güterzug Der Zugführer Gebhardt wurde tödlich, der Bremser Biber schwer und der Bremser Vitzmann I c id) t verletzt. Der Materialschaden ist erheblich. Tie Ursache des Zusammenstoßes ist noch nicht mit Sicherheit festgestellt Tazu wird ims von anderer Seite noch gemeldet, daß von dem einen Zug die Maschine und 12 Wagen entgleisten und zum Teil zertrümmert wurden. Ungleich sckiverer gefialtetc fick) ein Unfall auf der Strecke Halifax Montreal, bei dem mehrere Eisenbahnbeamten getötet und etwa 20 Aabrgäite durck) biejn Brand geratenen krümmer erheblich verletzt wurden. Das Schicksal einer großen Anzahl weiterer Fahrgäste ist noch unbekannt: man fürchtet, daß sie den Tod in den Flammen gefunden haben. Folgende Einzelheiten liegen bis jetzt vor. New York, 7. Okt. Einem von Halrsatz nach Montteal lährenben Personenzug kam am der Strecke ein mit Schnellzugs geschiriudigLit strhrvnder Sonderzug entgegen. Bevor eurer der beibat Lokomvtivfuhver bremsen vermochte, prallten die beiden Maschinen zusammen. Tie vor besten Wagen wurden vollständig ineinandergeschoben. Tie beiden Zug» sü hrer und Heizer waren aus der Stelle tot. Ebenso wurden die Begleitbeamten der Gepäckwagen getötet. Bevor noch fcx Passagiere wußten, was geschah, fing einer der Wagen Feuer, und in kurzer Zeit brannten beide Züge lichterloh. Zwanzig Passagiere haben schwere Brandwunden erlitten. Tie Ausräumungs- arbeiten haben unter der immer noch glimmenden Trümmermasse noch nicht begonnen werden können. Man fürchtet, daß dreißig bis vierzig Passagiere verbrannt sind. vermischtes. * Ein pflichtvergessener Briefträger. In der Wohnung des Landbriefträgers Isidor Meurice bei Armen- tieres, wo man schon lange über schlechten Postdienft geklagt hatte, wurden 900 Kilogramm unbestellter Postsachen in wüstem Durcheinander gefunden. Vier Zimmer waren mit Briesen, Drucksachen und Zeitungen angefüllt. Ter Briefträger, der festgenommen wurde, er Härte, er habe den über mäßigen Mißbrauch der Poft durch die Briefschreiber nicht unterstützen wollen. Bon den Postsachen war vielxs durch die Hühner, Kaninchen unb Hunde des pflichtlosen Beamten stark beschädigt worden. Was noch eine leserliche Aufschrift trug, stammte teckweise aus dem Jahre 1900. Die Poft ließ es sich angelegen fein, diese Sendungen den Adressaten nachträglich zu bestellen. * Die internationale Konferenz zur Bekämpfung des Mädchenhandels nahm eine Entschließung an, nach der sich die Nationalkomitees vervflichtrn, eine Sammlung aller in Gesetzen und Verordnungen ihrer Staaten enthaltenen, sich auf den Mädchenhandel beziehenden Besttmmungen Zusammen zustellen. Tie nächste Zusammenkunft findet im Mai 1910 in Madrid statt. * Das Schwurgericht inDortmund sprach am Mittwoch im Wiederaufnahmeversahren den Kaufmann Karl Rosenkranz aus Bochum von der Anllage der versuchten Notzucht frei, nachdem er vor sechs Jahren zu vier Jahren Zucht baus verurteilt worden war, die er bereits verbüßt hat. * Der verbotene Schornstein Eine verwaltungs- gerichtliche Entsck)eidung, die im Großherzogtum. B a de n gesollt wurde, ist für die Heimatschutzbewegung von großem Interesse. Ein Fabrikant, der BesitzLr einer sehr schönen Sck.loßruine, die bat Stolz und die Zierde der ganzen Gegnid bildtt, batte die Absicht, dich» daneben einen 45 Meter hohen Schornstein für seine Fabrik ?.u errichten. Tie Erlaubnis hierzu wurde ihm von der Bau- bcl.ördc verweigert mit dem Hinweis auf die im Orte qd • tenten baupolizeilichen Vorschriften, denen zuiolge die Erlaubnis zu einem Bau, dec oas künstlerisch. Owsamtbild der Ofcgcnb störe, verweigert werden könne. Der Fabrikam gab sich hierinit nidtf zufrieden, sondern wandte sich an den badischen Denvaltungs- gerichlshof. Das Bcrwckltti.ngsgericht schloß sich aber der Auslegung der OttsbcHürde an. Diese Enn'dxidung ist die erste ihrer An und von roritretd/enber Bedeutung, weck zum ersten Riale Fünft» lerischä ft hietischeRück sicht en aufossizielkem Wege den Sieg über rein industrielle Interessen davon- getragen haben. Kleine Tnaeschronit. Ein Lehrling der Firma H i l l g ä r t n c r in Pankow verlor auf dem Wege nach Hanse sieben Weck)i?l im Werte von 1000 Matt, die alle aus den Namen Westfalen lauten. Tas Äüvett, in dem sie sich befanden, wurde zerrissen unb leer aus' gesunden. Ter in Wien durch Selbstmord aus dem Leben geschiedene Millionär Albert Pulitzer hatte bet bei Westminster- Bank in London unb bei einer Wiener Bank onberthalo Mil- lwnen. Alles, was nach Auszahlung des Legates an seinen als Publizisten in Amerika lebenden Sohn und Niger anderer Legale übrig bleibt, erhält die R e 11 u n g s - G c s e l l s ck a s 1 in Wien. Unter den Acrzten der Wiener Spitäler macht sich wegi-n der schlechten Z a h l n n g s - Be d i n g u n g e n eine starke Bewegung geltend. Falls ihre Forderungen nicht bcnnllifu werden, wollen sämtliche Svitalürzte am 13. November kündigen , so baß dann am 15. T lember alle Wiener Spitäler ohne Aerzte sein würben. Ter C h e s d e r R e g i e r u n g s g e st u t e im Gouvernement Charkow, General Baron Baggo Huv Wudd, ein persönlicher Bekannter unb Günstling des Gr 0 ßsü r st e n T i- m i t r i Konstantinowitsch, itnir bc wegen bcbcutcnbrr Unterschlagungen verhaftet. Eine Revision ergab einen jährlichen Fehldcttag von 300 000 Rubel, der in die Taschen BaggoS gewandert war. Tie beruntreute Summe beläuft sich auf einige Millionen. (EittgcfaitöL (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion ocm Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Als ich kürzlich nach längerer Pause wieder einmal Gießen besuchte, sah ich zu meinem großen Erstaunen, daß man eben daran ist, das Universitätsgcbäude zn verputzen, eeiner» zeit hat man den bedeutenden Alchraulwand, den die Bleiidsieini bedingen, nicht gescheut, um der steten Reparaturen überhoben zu sein, die der Verputz mit sich bringt; setzt wird das kostspielige Vlaucrwett hübsch übertüncht. In 25 Jahren, wenn sich der Geschmack wieder geändert hat, kratzt man sicherlich den Verputz wieder ab. So betätigt man in Hessen die Sparsamkeit, deren man dce Steuerzahler immer wieder versichert! D. Gießenco Wetterdienst. Boranöftchtlichc Witterung für Hessen am SamStag dem 9. Oktober: Fortdauernd trüb und regnerisch; kühl. Griginal-vrahtmeldungen. Reutlingen, 8. Ockt. Vermntlid) durch Infektion durch die Wasserleitung tritt hier der Typhus in erheblichem Umsang auf. Petersburg, 8. Ott. Ta die Pforte in der Frage derDurchfahrtrusfischerKriegsschiffe durch die Meerenge absolut kein Eittgegcnkommen zeigt, tvirb, wie im Ministerium des Aeußern mitgeteilt wird, die Rrije des Zaren auf dem Landwege, unb zwar über Oesterreich, erfolgen. In der Begleitung des Zaren wird sich Iswolski befinden. Der italienische Hof nmrde bereits von den veränderten Reise-Dispositionen des Zaren in Kenntnis gesetzt. Livad 1 a, 8. Ott. Gestern abend empfing der Kaiser die türkisck)c Sondcrgesandtschast m feierlicher Audienz.' ***** ****** *** ******* rucksachen aller Art liefert in Jeder gewünschten Ausstattung preiswert die BrühPsche Universitäts-Druckerei, Schulstr. 7 :icftr5ger . "urie- bei A?" ‘ Mofa"1 *”«« *«.taS** ** «Ar^ 's Sünttnlunc LrPL nDct ,m Mai 19io in Wb ’ptQ^Qm Niü- ^uhnann Karl )£ Achten NotzuchtL ?QArcn3u4t« c bereits tmbüfet ln- ®ne vcrlvaltMgs- Zogtum. Baden gefallt ^großem Jnteresst ’m ddjloBnrine, die bei batte die Absich, für seine Wik rd- ihm von der Bou- 5 aus die im Orte grj- 11 »ufolge die Erlaubnis Eild der Gegend flott, l gab sict> hiermit nich .badischen Bemaltung-- 5 sich aber der Auslegung I ist die erste ihrer Än um ersten Male fünft» sossizielleniWegt e Interessen davonffi ''l»t 6t t!et,i»»agcn,ni’ ' b>as Qfi?? 9t: h= ■ Tie babeq ^^N9s- :a” fhft1** nit tner in Pankolv De? echsel im Werte lvr Westfalen lauten. Te- zerrissen und leer auj- :d aus ÄM Sehen gt- tOf ki bei Stfimito-' Aank anderthalb M- - Legates an seinen als »einiger anderer Lege!: settschasi in Wie: ! Spitäler mad)t hi Bedingungen ci» rderungen nicht bciviliiS rite am 15. N-veicki :zernber alle Wieiui en. slütc im Gouvcrncintr qqv Hut' Wudd, eu es Großfürsten ii- > jpcgen bedeutend^! 'c Revision ergab rum Orr in die laichen i beläuft sich «ul einig' : Rubrik siebten Me km gegenüber W-. I wieder einmal M tzUL W? hon Berv'ch wic^ eldE^W iC9§ eigt ien^milbieN Vi 8«*® >tsch’/» Etävt. ElcctriäitätSwerk (Sieben. Rundkopf, elegant, schick garniert „ Hochelegante Formen mit Bandgarnitur „ Kinderhüte in vielen neuenFormen Pfg. 58, 98, Mk. J.75, 2.25, Filzformen und alle Putz-Zutaten ausserordentlich billig. Ttigung von Hüten im eigenen Atelier unter sachkundiger Leitung. *^2® Modernisieren von Hüten von 50 Pfg. an. »•/,, „ 6.50 Damenhüte, reich garniert Mk. 4.95 Damenhüte mit Phantasie- und Versteigerung neu MHenMrltMen. 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