^9 M der SeisedeckeD mstoffe Vie öffentliche Lesehalle. „Es gibt feine Presse, die so schlecht wäre, daß die Leute -ms Verzweiflung wieder zu den Massikern griffen; die Zeitungen mögen sinken, aber das Publikum sinkt mit." Wiesen Satz las man in einem Londoner Briefe der „Frankfurter Zeitung" vom 8. April d. I. und Hans Delbrück Hat ihn in den „Preußischen Jahrbüchern" abgedruckt. Tie 'englischen Seufationsblätter verwüsten das .Gewissen und 'i»en Geschmack Ihrer Leser — kann dem Journalismus seine -Verantwortung eindringlicher vorgehalten werden! Aber Erledigt denn eine gute Presse Den Verkehr mit den Klas- jikern? Soll so oder so die Zeitung das Buch verdrängen? Das dürfen wir nicht zugeben. Tie beiden Gebiete der Lektüre sollen nebeneinander wirken und aufeinander. Die Zeitung halte uns wach für den lebendigen Tag und seine Drängende Forderung; das Buch rüste uns für diesen Tag, gerade weil es seinen Lärm verscheucht, weil es zeitlos spricht. 9hin dringt die Zeitung zu viel mehr Menschen als das !Auch. Wie bringen wir das Buch in die Hände aller Zei- Drngsleser, und zwar das klassische, im weiteren Sinne ^Las gute, ernst gemeinte. Such, dessen höchste Form eben Klassizität heißt? Wir bieten billige Bücher zum Kaufe an. Reclam, Meyer, Hendel, die Wiesbadener Volksbücher sind wirklich wohlfeil, aber einmal bricht die hier vertretene Literatur mit dem vorigen Menschenalter ab, Gustav Freyiag, Gottfried Keller, Eonrad Ferdinand Meyer sind noch nicht frei; dann fehlt in diesen Sammlungen das einem erst aufkeimenden Verständnis und Lesebedürfnis angepaßte Schrifttum, jene Romane und Erzählungen, die geschichtliche Bildung nicht voraussetzen und ästhetische Ansprüche erst, wecken wollen. Zum Dritten aber — und das ist der Hauptpunkt — wird die Lust, Bücher zu besitzen, erst dadurch erregt, daß man mehr zu lesen bekommt, als man erwerben mag; fo. wie die Benutzung der öffentlichen wissenschaftlichen Bibliothek dem Gelehrten die Freude am eigenen Bücherschatz mehrt; so wie nur der seine Zeitung würdigt, der andere Zeitungen zu lesen Gelegenheit findet. Gute Bücher können nicht zu billig fein und nicht weit genug verbreitet werden, aber das Angebot solcher Bücher in Läden und durch wandernde Händler enthebt uns nicht der Aufgabe, öffentliche Lesehallen zu unterhalten. Unsere Gießener Lesehalle besteht seit 1898. Ter kleinen Bibliothek von etwa fünftausend Bänden wird rege zugesprochen. Jni verwichenen Jahre sind 27 436 Bände ausgeliehen worden, fast tausend mehr als im Jahre 1907. Das Lesezimmer, zwischen 10 und 10 Uhr niemals leer und gegen Abend saft immer überbesetzt, enthält die Zeitungen aller großen Parteien, die hessischen Lokalblätter, dazu als Ueberleitung von der Tagespresse zum Buche Wochen- und Monatsschriften. Wer sich Über die Mannigfaltigkeit der volkspädagogischen Bestrebungen und über die sozialpolitischen Streitfragen der Gegemvart unterrichten will, findet Broschüren in großer Anzahl und guter Auswahl, Nachschlagewerke und Reiseliteratur stehen den Besuchern zur Verfügung. Werte der vervielfältigenden Künste in Wechselrahmen werden gern betrachtet — in einem weiten lichten Raume käme alles besser zur Geltung. Tas Torhäuschen am Selterstor ist viel zu eng geworden. Die Vermehrung Der Bibliothek stockt, das Ausleihgeschäft wird gehemmt; die Raumnot gefährdet die Blüte des gemeinnützigeil Unternehmens. Mögen dieHinder- niffe bald beseitigt werden, die der geplanten Errichtung eines Neubaues noch im Wege st e h e n. Der Kreis, die Stadt, die Sparkasse unterstützen die Lesehalle mit namhaften Beträgen. Tie Idee Der. Grün- chmg. A. icuide bezüglich btt i eingetragen: Tetz wzn Silomat WebkMg M et bisherigen Firma uni ittrM. Passiven sind ers nicht vorhanden. Di! te Prokura ist erloschen, H | rundet 1883 achtrmg. nachmittags 4 Uhr. Michelbach bei Marbucz sch'schen Wirtschaft w umfaßt 452 ha Feld uni Zahnstation Sterzhausn Im. Md W äW « svA Ter Mvorste^ 159, Jahrgang Dienstag, 6. Juli 1909 Arsch eint k2gHch mH LuLnahnu bti Sonntag«. Die ..Gießener ZamiNenblatter- werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da» „Ereisblatt pH dev Lrei» Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Laodwirtschastttcheo Seit« fragen- erscheinen monatlich zweimal. Eeneral-Anzeiger für Dberhefsen Slihrtftmsbiwf and Derkag der UrUbk^ch«, Uuu>cr|uät5 • Buch- und Gtelnbcudetct» 8L Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei; Schuk« straße 7. Expedition und Verlag: e^@5L Redaktion: 112, Tel.-Adr^AnzeigerlLießen. Deutscher Reichstag. 245. Sitzung, 5. Juli 1909. . x Am Tische Les Bundesrats: Sydow, Frhr. v. Rhek'n- haben. Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Minuten. ---v A Tie Schanknovclle. - * Auf der Tagesordnung steht die zweite Lesung des im Zusammenhang mit der Biersteucr auf Aufforderung des Reichstags eingebrachten Gesetzentwurfs über die Aenderung des Schanlgesetzes. Abg. Neuner (Natl.) beantragt Kommissionsberatung zur Schaffung von U e b e r - gangsbestimmungen. ' Ministerialdirektor Dr. v. Jonquieres warnt vor solchen, da dadurch die Abwälzung der Brau steuer, der Zweck der Vorlage, gefährdet werde. ES wird Verweisung an eine Kommission von 14 Mitgliedern beschlossen. < ty i Zweite Lesung der Finanzresorm. \ < r Tas Erbrecht des Staates. ' z Die Finanzkommission hat diese Vorlage abgelehnt. Don den Freisinnigen Dr. Wiemcr und Müller-Meiningen wird namentliche Abstimmung über den grundlegenden § 1 beantragt. - -v Iiihkäi:- .1 <' Abg. Dr. Junck (Natl.): Wir legen erneut ^Verwahrung ein gegen die Behauptung von der Schädigung des Familiensinns. An der Erbansallsteuer werden wir festhalten und wir stimmen ebenso für diese Vorlage über das Erbrecht des Staates. Dem Jntestatrecht trägt sie durchaus Rechnung. Aber es kommen viele Fälle vor, wo der Erblasser vom Erbe nichts weiter weiß, wo nach seinem Tode öffentliche Aufforderungen ergehen müssen, um festzustellen, ob ein Erbe vorhanden ist. Also von Expropriation oder von Zwang ist gar keine Rede. Wir sind durch den Gang der Angelegenheit leider nicht in die Lage gesetzt, die Verbesserungen, die wir wünschen, hier in der zweiten Lesung an der Vorlage anzubringen. Wir beschränken uns darauf, ihr unsere prinzipielle Zustimmung zu geben. (Beifall links.) ' ’ * ' Abg. Tove (Fr. Vg.): Die freisinnige Fraktionsgemeinschaft stimmt der Regierungsvorlage zu, wenn sie sich auch nicht damit auf alle Einzelheiten der Regierungsvorlage festlegen will. Die alten Römer und alten Deutschen haben das Erbrecht in der jetzigen Weise nicht gekannt und man wird nicht behaupten wollen, daß der Familiensinn, mit dem hier wieder operiert worden ist, erst ein Produkt der späteren Entwicklung des Mittelalters gewesen ist. Derjenige, der gar nicht in einem persönlichen Zusammenhang mit entfernten Verwandten gestanden hat, bot gerade Anlaß, sich der Wohltaten zu erinnern, die er vom Staate erhalten hat. Wenn jetzt der Erblasser gemeinnützigen Instituten etwas vererbt, so sollen erst die entfernten Verwandten abgefunden werden. Das ist eine Ucberspannung des Familiensinns. Der gesunde Sinn des deutschen Volkes wird den richtigen sozialen Sinn in diesem Gesetz erkennen. Man hat auch das Argument vorgebracht, daß man nicht ändernd bereits jetzt in das Bürgerliche Gesetzbuch eingreifen soll. Als cs sich aber darum handelte, die Interessen der Tierhalter hier geltend zu machen, kam man nicht mit diesem Argument. (Sehr gut! links.) Wir halten die Vorlage für weit besser, als manches der Hundstagsprodukte, die wir in der letzten Zeit gesehen haben. (Bei- ■ fall links.) Abg. Ulrich (Soz.): Der Grundgedanke der Vorlage ist richtig, die Vorlage selbst genügt uns nicht. Die ganze Finanzreform legt alle Lasten auf die Schultern des Nichtbesitzenden. In der Kommission sprach ein Herr von der Rechten von E r b r a u b. Die Herren, deren Vorfahren Raubzüge unternahmen und dabei wenigstens ihre Haut $u Markte tragen mußten, haben heute nicht mehr nötig, sich selbst m Gefahr zu begeben. Sie beuten das Volk aus, indem sie von der Gesetzgebung Gebrauch machen. (Unruhe rechts.) Präsident Graf Stolberg: Sie sprechen von Räubern und Raubzügen. Sie meinen doch nicht Mitglieder des Hauses? Abg. Ulrich (Soz.): Nein, selbstverständlich nicht. Ich habe mich ja nicht einmal nach der Glocke des Präsidenten umgesehen. (Heiterkeit.) Man hat versucht, dem Staatssekretär noch mehr Angst zu machen, als er ohnedies schon hat, indem man ihm mit dem Beifall der Sozialdemokraten drohte. Es kann dem Staatssekretär gar nichts schaden, wenn er einmal für einen vernünftigen Gesetzentwurf eintritt, statt immer nur der Kommis der Bürger» lichen Parteien zu sein. Wir werden jetzt für die Vorlage stimmen, behalten uns aber die Stellungnahme für die dritte Lesung vor. Der Redner erhält wegen des Ausdrucks „Kommis der bürgerlichen Parteien" nachträglich einen Ordnungsruf. , Reichsschatzsekretär Dr. Sydow: Die beiden ersten Herren Redner haben für die Vorlage schon die Gründe für die Regierungsvorlage geltend gemacht. Den Gründen des Abg. Ulrich freilich kann ich mich nicht anschließcn. Wenn er glaubt, daß ich aus An g.st vor den Gegnern für diese Vorlage eintrete, so rufe ich die Herren aus der Finanzkom- Mission zu Zeuaen dafür an, daß dies nicht der Fall ist. Wenn ich vor etwas Angst habe, so ist es davor, daß die Regierungsvorlage in einer Weise unterstützt wird, wie sie der Herr Vorredner unterstützt hat. (Lebh. Zust. rechts.) Abg. Gröber (Ztr.): Der große Besitz wird durch diese Vorlage gar nicht getroffen. Es handelt sich aber um ein Prinzip. Die Frage des Privatrechts de? Bürgerlichen Gesetzbuchs steht zur Debatte, nicht die Steuer. Sollen wir so fundamental in das Bürgerliche Gesetzbuch ein» greifen? (Zuruf links: Tierhalteri) Wir lehnen die Vorlage ab. (Beifall im Zentrum und rechts, Lachen links.), Abg. Dr. Ablas? (Freis. 93p.): Daß das Zentrum aus Prinzip die Vorlage ablehnt, glaube ich, denn das Prinzip der Mehrheit ist: Schonung der Besitzenden, Ausbeutung der Minderbemittelten. (Zustimmung links.) Freilich, mit diesem Prinzip ist die Vorlage nicht zu bereinigen. Ins Bürgerliche Gesetzbuch soll nicht ändernd eingegriffen werden. Beim Tierhalter aber durften agrarische Rücksichten an dem wohlgefügten Bau des Bürgerlichen Gesetzbuches rütteln. (Sehr gut! links.) Wo es sich aber hier darum handelt, den Besitz zu schützen, kommt bei den Herren eine heilige Scheu vor einer Aenderung des Bürgerlichen Gesetzbuches. Abg. v. Oerhen (Rp.): Ich habe namens meiner Freunde zu erklären, daß wir den Gedavken einer Erweiterung des Erbrechts des Staates für ganz berechtigt halten. Wir sind aber der Ansicht, daß die Vorlage zu weit geht. Außerdem gibt sie $u großen Bedenken Anlaß, die leider in der Kommission nicht beseitigt worden sind. Daher werden wir gegen die ganze Vorlage stimmen. (Beifall rechts.), Abg. Raab (Wirtsch. Vg.): Im Prinzip stnd wir mit dem Gesetz einverstanden. Da aber unsere Verbesserungsvorschläge abgelehnt worden sind, werden wir gegen die Vorlage stimmen. Abg. Frhr. v. Richthofen (Kons.): Auch wir sind gegen das Gesetz, weil es der Anfang eines gefährlichen Weges ist, besten Ende wir nicht absehen können. Die Diskussion schließt. Abg. Frhr. v. Richthtzfen (Kons.) zur Geschäftsordnung: Die Frage ist so wichtig, daß sie von einem vollbesetzten Hause entschieden werden muß. Ich bitte daher die Abstimmung von der Tagesordnung abzusetzen. (Stürmischer Widerspruch links.) Abg. Gothein (Fr. Vp.) widerspricht. Das Haus ist durchaus beschlußfähig. Abg. Bastermann (Natl.): Ich bitte, sogleich abzustimmen. Es ist ausdrücklich beschlossen worden, die namentlichen Abstimmungen stets sofort vorzunehmen. Abg. Singer (Soz.): Die Frage ist durchaus spruchreif. Stimmen wir. Abg. Frhr. v. Nichthofen (Kons.): Da soviel Widerspruch laut wird, ziehe ich meinen Antrag zurück. In namentlicher Abstimmung wird das Gesetz mit 191 gegen 136 Stimmen bei" einer Enthaltung abgelehnt. Damit ist das Gesetz in zweiter Lesung endgültig gefallen. Das Weinstcuergesetz. Es folgt die zweite Lesung der Wein steuer. Die Kommission beantragt Ablehnung und eine Erhöhung der Schaumweinsteuer. Vom Abg. Graf Kanitz (Kons.) und Abg. Schultz (Rp.) liegt ein Antrag vor, eine Steuer für Weine und Traubenmost im Werte von mehr als 40 Mk. für das Hektoliter in Höhe von iVi Pfg. pro Liter zu erheben. Für Flaschenwein soll ein Steuer- zuschlag erhoben werden, der durch Verwendung von Banderolen entrichtet wird. Abg. Gras Kanitz (Kons.) begründet den Antrag. Es würde im Volke nicht verstanden werden, wenn der Reichstag am Wein vorübergehcn würde. Weshalb soll der Wein steuerfrei bleiben, während das Bier des armen Mannes verteuert wird? Ich verkenne die steuertechnischen Schwierigkeiten und die mannigfachen Bedenken, die einer Weinsteuer entgegenstehen, durchaus nicht. Aber sie sind zu überwinden. Dazu kommt, daß die Weinsteuer zweifellos eine Verschärfung der Kontrolle mit sich bringen und damit den Weinpantschereien entgegenwirken würde. Ich kann Sie daher nur bitten, meinem Anträge zuzustimmen. (Beifall rechts.) Reichsschatzsekretär Dr. Sydow: Die verbündeten Regierungen bedauern es lebhaft, daß ihr Vorschlag auf Einführung einer Weinsteuer in der Kommission feine Mehrheit gefunden hat. Auch sie sind wie der Herr Vorredner der Meinung, daß. ivenn man Branntwein und Bier, die Getränke der kleinen Leute, steuerlich heranzieht, man an dein Flaschenwein nicht hätte Vorbeigehen sollen. Zu meinem lebhaften Bedauern ist ein Antrag auf Wiederherstellung der Regierungsvorlage nicht gestellt. Dagegen liegt ein Antrag Kanitz auf Einführung einer allgemeinen Weinsteuer vor. Diesem Antrag zuzustimmen, bin ich nicht in der Lage. Er würde auch die kleinen Weine im Werte von 50 bis 60 Pfg. treffen, die nach der Regierungsvorlage frei gelassen wurden. Sodann wuroc die Steuer nach Dem Anträge Kanitz unmittelbar beim Winzer erhoben werden, wogegen wir lebhafte Bedenken haben. Dazu kommt noch die Rücksicht auf die bereits bestehende Weinsteuer einzelner Bundesstaaten, die dann doppelt belastet würden. Insbesondere ist Württemberg zu berücksichtigen, das kein Reser, bat gegenüber der Weinsteuer hat. Württemberg hat sich darauf berlapcn, daß eine allgemeine Weinsteuer im Deutschen Reich nicht eingeführt wird, und diese Erwartung können wir nicht täuschen. So sehr ich es also bebaure, daß die Einführung einer Flaschen- weinsteuer im Sinne der Regierungsvorlage keine Mehrheit findet, so muß ich doch dem Antrag des Grafen Kanitz widersprechen. Abg. Dr. Weber (Natl.) gibt folgende Erklärung ab: *! Der Grundgedanke des Entwurfs einer Weinsteuer, daß, wenn Bier uni Branntwein, die Getränke der minderbemittelten Klaffen, besteuert werden, der Wein, als das Getränk der Wohl- habenden, nicht freibleiben dürfe. Dieser Gedanke hat im Volksbewußtsein tiefe Wurzel gefaßt. Mit Ausnahme der Sozial, demokraten, die jede indirekte Steuer grundsätzlich ablchnen, sind darum in jeder Partei Anhänger einer Weinsteuer vorhanden. Auch bei meinen Freunden. Dem steht die Meinung vieler Sack- lenncr bei uns, wie in anderen Fraktionen entgegen, daß bei der Unmöglichkeit, diese Steuer auf den Konsumenten abzuwälzen, eine den Winzer st and treffende unerträgliche Belastung der Aermsten unter unserer landwirtschaftlichen Bevölkerung die Folge wäre. (Sehr richtig!) In der heutigen politischen Situation werden aber nicht nur die grundsätzlichen Gegner einer Wein- steuer, sondern alle meine politischen Freunde, auch diejenigen, welche sie sonst akzeptieren würden, die Vorlage der verbündeten Regierungen sowohl hinsichtlich der Weinsteuer wie der Schaum- weinsteuer und ebenso den Abänderungsantrag des Grafen Kanitz a b l e h n e n. (Beifall links.) Abg. Graf Kanitz (Kons.): Für den Fall der Ablehnung meines Antrages beantrage ich Wiederherstellung der Regierungsvorlage. (Lachen links.) Abg. Groeber (Zentr.): Der Winzerstand leidet Not. Wie kann da der Graf Kanitz, der doch sonst die Landwirtschaft so in sein Herz geschlossen hat, hier Vorschläge machen, durch die der Winzerstand aufs schwerste belastet wird? Der Winzer wegen lehnen wir die Wein- steuer ab, nicht wegen der Konsumenten. Abg. Lehmann (Soz.): Wenn der Block sich weiter gehalten hätte, wäre die Regierungsvorlage wohl angenommen worden. Abg. Schultz (ReichLp.): Warum haben die Herren, die jetzt so sehr für die Winzer Eintreten, die Winzer nicht geschützt, als cs sich um die Festsetzung der Weinzölle handelte. Wer hat denn überhaupt die Re- gierungsvorlage so abgeändert? Die Nationalliberalen waren rs, die einen Antrag einbrachten, auf den wir uns dann alle einigten; und nun stimmen sie dagegen, nachdem sie uns zu ihrem Anträge bekehrt haben! Wie kann man so seine eigenen Kinder verleugnen! Um die Weinsteuer kommen Sie nicht herum. Das deutsche Volk wird es sich auf die Dauer nicht gefallen lassen, daß Sie das Getränk des kleinen Mannes, Bier und Schnaps,,besteuern, aber das Getränk des wohlhabenden Mannes freilaffen. (Beifall rechts.) Abg. Dr. Blanckenhorn (Natl.): Wir hckben von Anfang an betont, daß die Vorbedingung für die Zustimmung zu den indirekten Steuern eine genügende Besteuerung des Besitzes ist. Unsere Ablehnung der Weinsteuer ist daher ganz folgerichtig. Herr Graf Kanitz, der stets ein warmes Herz für brr Landwirtschaft gehabt hat, will hier merkwürdigerweise die Aermsten der Armen unter den Landwirten, die Weinbauern, derartig belasten, daß ihre Existenz bedroht roirb. Freilich kann man und muß man sogar der Meinung sein, daß der Wein, nachdem man Schnaps und Bier besteuert hat, auch besteuert werden muß. Aber man bedenkt dabei nicht, daß der Winzer diese Steuer allein tragen muß. In Baden hat auch die Regierung anerkannt, daß die Weinsteuer nicht abgewälzt werden kann. Daß Dr. Roencke dagegen ist, erkenne ich an. Der Weinkonsum iit sehr zurückge- qangen. Ueberall wird ja jetzt Limonade und Selterwasser getrunken. Darum: Schutz den deutschen Winzern! stBeifall.), i Abg. Stauffer (Wirtsch. Vgg.) f Wir werden gegen die Steuer stimmen, weil wir fürchten, daß die Steuer den Winzer trifft und nicht auf den Konsumenten abgewälzt werden kann. Abg. Dr. David (Soz.): " Die Weinsteuer würde der Nagel zum Sarge Tausender von kleinen Existenzen sein. Ter Antrag Kanitz ist noch schlimmer als die Regierungsvorlage, weil dadurch auch die billigsten Weine von der Steuer betroffen würden. Wir wünschen, daß der Wem ein Volksgetränk wird. Abg. Dr. Roesicke (Kons.): Obwohl gewichtige Gründe für eine Weinsteuer sprechen, bin ich für meine Person doch dagegen, weil ich in der Besteuerung des Weines eine Besteuerung eines Naturproduktes erblicke, die ich nicht gutheißen kann. Die Diskussion wird geschlossen. In der Abstimmung wird der Antrag Graf Kanitz gegen die Stimmen der Konservativen abgelehnt. Abg. Graf Kanitz (Kons.) zieht seinen Antrag auf Wiederherstellung der Regierungsvorlage zurück. Die Regierungsvorlage wird vollkommen abgelehnt. Darauf wird der Gesetzentwurf über die Erhöhung der Schau Mw ein steuer nach kurzer Debatte angenommen. Darauf vertagt sich das Haus auf morgen 11 Uhr. Auf dis Tagesordnung setzt der Präsident an erster Stelle das Gersten- zollgesctz. Hiergegen erhebt Abg. Bassermann, unterstützt von den Mitgliedern der anderen Parteien der Linken, Widerspruch. Die Mehrheit beschließt aber nach dem Vorschläge des Präsidenten. Schluß 7’4 Uhr. 31ui •‘*«*1 tobt 61 _ ... BZ- „ '-um ufli)ÄFl?.önw.- aeieltt toirb. ^bolun, nÄer’ÄP(Welt&e im iHinbet Wenin1 »erben.0 Es Sh9CNte Kietzen. 11. chün^ " ÄWt tollen am «ntc p.mchävueAnnl aben von nicht linier 50 U I |U haben bis sum 20. Juli Stadt Kietzen. Ä ’ 8 bis 13 Mehren tollen In ; ers 4 Wochen auf dem üanii I ' einem allein liegenden ' mit Preisforderungen fin) erzeichiMen Liirge meisten! H mengen erhältlich sind. [Bti eiiietei Siegen. ei düng dürfen wir aber nüfit vergessen: ein Verein soll die Geschäfte führen unb die Beiträge der Mitglieder sollen den (^runbftocf seiner Einnahmen bilden. Soviel freiwillig' feit auch Staat und Gemeinde während des neunzehnten Jahrhunderts durch den Anteil gewählter .^örperfchasten in sich ausgenommen haben, boncten verbleibt eine reiche Wirtsamkeit „freiwillig.'n gemeinschaftlichen Herannallun gen der Bürger", oencn einst Wilhelm von Humboldt die Propaganda Der Bildung zugewiesen hat. Ter Ausbau der Lesehall«' zu einer bürgerlichen Bibliothek ist die vorgezeichnete Aufgabe des zweiten Jihr- zehnts. Möge der Verein bei ferner Werbung freudiger Einsicht begegnen. 36. Gauturnsest öcs (5aue$ Hessen. ii. F~i Marburg, 5. Juli. Vergangene Nackt hatte es »ast den Ansd-^iii, als ob der kpte Tag oes ttzamumfenes tu LNtner rcerben wollte, denn ein (Gewitterregen oebmc_ sich bis in die Morgenttunoen aus. txiitc idneti icdoch öie Sonne jo prächtig, bah das Programm zu Ende geführt werben konnte. Zahlreich Turner besuchten den llaiscr Wilhelms-Turm auf Lpiegelslutt und betrachteten sich das oöcrhenifdK Berg- und Hügelland Um 4 Uhr traten etwa 500 Mädchen und Ä.naben ut Tumenrackt an uno machten zunächst Freiübungen und anschluhend ("Geräteturnen. Ttc Zuschauer spendeten diesem wohl mit fdwnftcn Teil des festes stürmischen Beifall. Lberrealsduillehrer T-r. H n a b c sprach alsdann den t, insbesondere auch dem (Gauvorstand, den Tank der Zestgäste aus. Abends führte die Tamen-Ab- ttilung der Turngemeinde, oic als 'JJüfl'teniege einen Preis bc lonnncn hatte, von der Tribüne aus noch einmal Keulenübungen vor und dann wurde nur noch dem Tanz gehuldigt. Ter iGau Hessen und Marburg kann mit Befriedigung aus das Fest zurückblicken. TaS Ergebnis der 78 M u st e r r i e g e n,' die ebenso wie die.Freiübungen unb das Einzelwettturnen unter bet Eberleitung dcS 'auturnwarts Will- (Ließen standen, ist solgendes: (Gießen (M.-T.-V.), Barren 37'/, Punkte; Wetzlar, Reck 85%; Bad-Bauhenn, etnijhmttcl 34* */,; Butzbach, Stützhantel 34% ; Alsield, Barren 33",',; Marburg (M.-T.-B.), Barren 33"/,; Gießen (T.-B.), Säbel 32'/,; Butzbach (Zöglinge), Reck 327,; Ridda, Pi erb 32; Lang-Göns, Pferd 32; Friedberg, Reck 317,; Großen- Linden, Reck 31%; Marburg (T.-V.), Männerriege, Keulen 31%; Eber-Mörlen, Barren 317,; Marburg (T.-G3, Tameu-Abteilung, Meiden 31; Marburg (T.-B.), Reck 30%; Wetzlar-Niedergirmes, Barren 30'/,; Grünberg, Langstäbe, 30'/,; Torn-Assenheim, Stabsechten 307; ; Bad-Nauheim, Florettechten 307,; Münzenberg (Zöglinge), Pferd 29 /,; Holzheim, Pferd 297,; Kirchhain, Keulen 29% ; Ltch, Barren 29%; Marburg (T.-B.), Zöglinge, Barren 29%; Nlarburg (M.-T.-B.), Zöglinge, Picrd^297,; Wehrda, Barren 297,; Schlitz, Barren 29%; Marburg (A. T.-P.), Barren nut Sdjioiing- breit 29; Hochelheim, Barren 287,; Heuchelheim (Zöglinge), Pferd 287,; Biedenkopf (Zöglinge-, Barren 28%; Marbach (Zöglinge), Barren 28%; Estheun, Pferd 28* ,; Grüningen, Barren 28; Urankenberg, Reck 28 ; Gießen (M.-T.-V.), Sabel 28; Eckers- Hausen, Reck 27%; 9iaunheini, Barren 27%; Biedenkopf, Barren 27 % ; Eckershaufen, Barren 27% ; Lang-Gons (Zöglinge), Barren 27",; Treis a. d. Lmnda, Reck-Barren 27%; Gießen (T.B.), Barren 27%; Großen - Linden (Zöglinge), 27*/,; Watzenborn (T. - B. „Gut Heil'), Barren 37'/,; Münzenberg, Barren 27%; Alarbach, Reck 277,; Hörnsheim, Barren 277,; Allen- dori a. L. (Zöglinge), Barren 27; Steinfurt, Reck 27; Griedel, Reck 26%; BurgfolmS, Reck 26'/.; Leihgestern (Zöglinge), 26°/,; Sck)otteu, Pferd 267,; Nieder-Weifel, Reck 267,; Tudenhofeii, Barren 26%; Steinberg (G. H.) 257,; Aiarburg (T.-G.), Stab- übungen 25%; Gladenbach, Barren 257,; Allendorf a. L., Pferd 257,; Ruttershausen, Pferd 257,; Marburg (T-G.), Zöglinge, Keulen 25%; Rodheim (Al.-T.-V.), Barren 217,; Marburg (T.-G.), 2 Barren 217,; Wetter, Barren 24%; Klein Linden, Barren 34*, ,; (sappel, Reck 247,; Lützellinden, Barren 247,; Annerod, Barren 24. Außerdem erhielt der A.-T.-V. Marburg für. Fußball die Note ,Recht gut'. Vermischtes. * Gin tragikomischer Borsall. Tom ,L.-B." wird folgendes mitgctcilt: Tie Frau Pfarrer eines kleinen Ortes unweit der Großstadt kehrte ans dieser mit dem letzten Zuge zurück und mußte aus der .Haltestelle den Erl der Notwendigkeit benutzen, dessen Türe sich nun von innen nidtt össnen ließ, als sie den Ort verlassen wollte. Alles Rusen und Sdwcien hals aud) nichts. Tie Lichter der Station waren gelöscht, der Berwalter der Haltestelle in seine Wohnung nach dem Torfe zurückgekchru Nach langem .Harren nähern sich nach etwa einer Stunde endlich Schritte und ans wiederholtes Stufen kommt aud) der Nachtwächter heran, öffnet die Türe, leuchtet hinein und ruft erstaunt: „Aber Fran Pfarrer, wie kommen Sie denn hierher?" — Als nun die erlöste Frau ihr Ung cm ad) erzählt und ihre vergeblichen Bemühungen, den Scknappriegel von innen zurückzuziehen schildert, erwidert der Wachter der Nachts „Aber Frau Pfarrer, das ist dock) ganz ein- sack!" schlagt die Tür zu und — auch all sein Mühen, den Riegel zurückzuziehen, bleibt vergeblich! Fetzt sitzen beide drin und können nicht raus. — Erst als zum ersten Frühzug der Weichensteller 1. Klass' und Stationsvorsteher den Turnst antritt, befreit er auf ihre Rufe die beiden aus der unfreiwilligen Sooft, wobei natürlich alle über den unangenehmen Vorfall tiefstes Schweigen geloben. - Aber nach etwa 11 Tagen kommt int Pfarrhause em Gerichts schreiben an, das der Herr Pfarrer öffnet und ut welchem zu seinem Erstaunen die Frau Pfarrer zur zeugeneidlicben Vernehmung darüber vorgeladen Wirb, wo der seine Pflickt nicht erfüllt badende Nachtwächter in der fraglichen Nacht gesteckt habe! • Ein schwerer Berus. Tas Berliner Tageblatt ver össentlichte kürzlich folgenden humoristischen Notschrei, der dir besonderen „lokalen" Schwierigkeiten h.-r dortigen Anwälte iHuth irrt: „Berbandlunasrciiende werden wir Berliner Anwälte fetzt nicht mit Unrecht genannt, da man uns unmer mit den schweren Aitenmappen, die oic neuesten „Muster" *är Angriffs und Ber t'.oigungsmittri im Prozeß enthalte», haltig von einem der fielen für Berlin zuständigen Gerichte auf das andere eilen sieht. W>r gleich: ;tig vor den einzelnen Gerichtsabteilungen das Land geridjt I und Amtsgericht Berlin Mitte in der Grun.ntraße üblen allein 1 l»>, sage und schreib, cinhundert'echsund' i’h isig Prvzcßabteilungen erscheinen, ,:m Oort da», was die Richter ohnehin schon aus den Schrtnsatzen wiifrn, nochmals „auizusagcn". Tie „mündliche" Perhanolung beschrankt iick bahtr in den allermeisten {yäüen darauf, daß nnr, vom Rennen und Trepp, npeigen ganz außer Atem, die gentrollen Worte hervor bringen: „Wir haben nichts neues an zu führen. ' Ithe nur aber dazu kommen, ergibt sich foigcnocr Klimax: Ern ftnbet man seinen Gegner nickt, hat man ihn gefunden, ist eö nicht Oer nd)tigc; ist es der richtige, so hat er keine Robe; hat er eine Robe, >o wird er von einem anderen Kollegen weggeschleppt; wird er nick: weg- geschleppt, so findet man die Gerichtsabteilung gerade anderweck beschäftigt; ist sie frei, so fehlen di' Gerichtsakten; find die Gcrichtsakten zur Stelle - so verliert man den Prozeß. * TaS bedrohte Venedig Aus :Rom 'chreibt man den M. N. N.: Es wird immer ia>oncr. Nun »oll auf einmal schon Venedig bedroht sein' Tas „Ctiornalc d Italia" behauptet es und nagelt voll patriotischer Entrüstung fest, datz die „teuivnicke Rasse" ' im Begriff fei, auch die ftömqin der Adria vollends zu erobern Wo man dort auch gehe und stehe — immer hörc man nur deutsch, deut'ck und nochmals bcutfdi' An die»es Lamento bezw. diesen Mriegeruf knüpfen sich allerlei Erörterungen, die ben italienischen Nationalstolz gegen uns Barbaren auistackeln sollen. Natürlich vergißt daS Blatt über Venedig nicht den schwer gefährdeten Gardasee, wobei es zu dem etwas lomüdxn Mittel rät, die Bahnhöfe, Hotels, Toinpfer uiw.~ mit riesigen Plakaten zu bekleben, worauf man in deutscher Sprache die Verherrlichung Italiens und der italienischen Mriegotatcn bis Magenta und Sol ferino, sowie die Schandtaten der foagnau und der übrigen Oester reicher verzeidmet finde. Vermutlich hofft das Giomale, die Tedescki werden sich dadurch wegärgern lassen und es kalkuliert vielleicht nicht einmal so schlecht. Zn einem dritten langen Briese aus Gardone der Brief ist nicht weniger als 2* ■> ganzseitige Spalten lang) ergießt das Gtornale von neuem die Schale feines Zornes über die teutonische Invasion des Gardasees, lagt, die Italiener und die italienische Sprache feien dort höchstens noch geduldet; von 10 000 Fremden feien nur ... 1 Italiener als ob das die Schuld der Barbaren wäre!. Ter Gardasee sei von deut'chen Aerzten überschwemmt, die ohne gesetzliche Erlaubnis ihre Praxis in Italien ausüben und keine Steuern zahlen gewisse bieier „Aerzte" seien überhaupt keine Aerzte, sondern gewöhnliche Mur Pfuscher, die deutschen .Hoteliers ließen all ihre Lebensrnittel - sogar Gemüse und Eb|‘t! — aus Tjuti'ckland und Ecftcrrcid) kommen, die Leiter der deutschen Sanatorien trieben „in diesen sakrosankt italienischen Gefilden ganz offen allbeutidjc Propaganda". Und was desgleichen Nonsens mehr ist, der in der italienischen Presse selbst einmal eine gehörige Zurückweisung verdiente. Ta die italienische Presse aber schweigt, so ist zu hoffen, daß fid) doch . . . französische oder englische Blätter der Fremden d. h. „Teutonen") am Gardasee annehmen werden. Tas würde in Italien noch am meisten Eindruck machen. Meine Tagcschronik. Tie Frau des Eiseiibahn-Afsistenten Röfeiier in Charlotten- burg tarn gestern mit zwei Knaben so unglürflid) nieder, datz sowohl Platter wie Kinder während der Entbindung starben. Ter telegraphisch herbeigernfene herzleidende Baler erlitt beim Anblick der Leichen einen Schlaganfall und war sofort t o t. Zwischen Altenessen und (9elfcn(ird)cii wurde die Leiche der Ehefrau eines "Arbeiters vollständig verkohlt aufgefunden. Ter in Eisenach abgehaltene deutsche K r i c g c rb u n d e S» t a g sprach sich sur den schärssteii Kamps gegen die Sozialdemokratie aus. In der Jungfernheide in der Nähe des PlötzeuseeS fand ein Gendarm drei bewußtlose Knaben auf, die augenscheinlich Sch > e r- l i n g gegessen hatten. Er brachte sie in ein Krankenhaus, wo ein Knabe bereits g c ft o r b c n ist. In einem Kohlenschachte bei Eharleroi in Belgien sind vier Bergleute durck; zusammenbrechendes Gestein vcrschnllct worben: Zwei von ihnen sind tot, die leiden anderen fmd tödlich verletzt. Literarisches. — „Stuß im Jus." Ein lustiges Buck von Juristen u n d s ch w e r e n P e r b r e ch e r n. X)crauogegcbcn von A l c r a n - de r Moszkowski. Verlag der Lustigen Blätter, Dr. Ensler u. Eomp, Berlin Preis 1.50 Mark. ‘2er Herausgeber der „Unsterblichen Stifte" bietet mit seiner foeben erschienenen Sammlung der Lesewelt eine neue Kiste, die sid) an Inhalt und Packung sehr wohl mit der ersten messen darf. „Stus; int Jus!" unter diesem Schlagwort vereinigt Alexander M os ; k o iv s k i alles was ihm auf dem weiten Held der Juristerei an komischen Blüten erreichbar war; und in der Art, wie er diese Bereinigung darbietet, offenbart er sein bewahrtes redaktionelles Geschick der Anordnung und der Glossierung, die alle Pointen zu drastischer Wirkung bringt. — (Wricbcnö Reiseführer Bd. 109: Mittel- meer führten und E r i c n t r c i f c n. 2. Auslage mit 22 Sorten. Neubearbeitet von Tr. B. Hochstetler Ti* zweite Auslage dieses Reiseführers stellt in mebnartwr Äinfickt eine Ber-^ bei'ernng der ersten bar. N u hinzugelommen sind vor allem die Abschnitte über Spanien, hie Ballearen. über Landausslüge \n' Algerien und Tunis, Sardinien unb Moriih, Griechenland unb Kleinasien, über hie griechischen Inseln und über Talmatten, io daß : t sämtliche Lana r und die frinppon id-ftcn Eric und Inseln d s Mittclmeers bebaudelt sind Auck die Marten und unt 22 vermehrt worben Eine weitere gründ.rche Arnberpng besteht dar»n, daß nicht nur die Reisen mit ^pezialdampfcrn berücksichtigt; find, sondern auch den B.'ürfnissrn derjenigen Reisenden, die auf eigene nault rcrrcücn, Rechnung getragen ist — T c .! t f ck e Alpen. Zweiter Tcll^ Salzburg Berchtesgaden, Salzkammergut, » lielababn, >>ohe Tauern. UntcrinntaL »hilfrutl, V»ennrrdnhn. Punertal uno Tolomit n, Bozen Zehnte Auflage. '.Nit 29 Murten, 7 Plänen und 10 Panoramen M e n e r s Ret > - bnckc r.) Verlag des Bivliographischen Instituts in Leipzig und Wien. Tie der Erschließung der Alpenwelt io förderlich gewordenen Aloenbahnen ei holten m diesem Sommer einen bedcimwa:vollen .-hnvacks durck die Tanernvalui, die eine neue, n^ientiid) kürzere Verbindung zwischen Süddeulidiland und Trieft herstellt und erheblich dazu beitragen Wird, die idienen Gebiete Ziarntens dein Touristenverkehr näher zu bringen. Zinsen diese eine ausinhrlilde und iackttuidige Beschreibung im dritten Bande von Mepers „Teutitb'* Alpen", am den wir hierbei empfehlend hinzuweisen nicht unterlassen wollen, io ist die Tauern bahn ,anu ersten Molo im Zusammenhänge dargestellt in dem ioeben in 10. Auflage erschienenen zweiten Bande die,es in drei Telle angelegten Führers durch die Ostalpen. Er behandelt mit der bei „Mener" gewohnten Genauigkeit die mittlere Partie der den sichen Alpen und geleitet den Touristen durch die Täler und .vohen zwi'chen der BrennerbaHn und der Linie Lin Villad». Tie von einem trefflichen Kenner dieses Gebietes mit Unterstützung der alpinen Vereine und tüchtiger Bergsteiger aufs sorgfältigste neu burdigearbätele Auslage läut ben Ansprüchen dec Bergsteiger sowie den Beittebungen der Alpenverelnc besondere Berücksichtigung zuteil werben und schenkt auch dcm in den Alpen immer nubr aaifontmenoen Wintersport eingehende Beachtung. In erbeblid) oeränöerter norm erscheint das der neuen Tolomitenstraße Bozen-Cortina 4oblad) und ihrer cinbrudevolien Umgebung gewidmete Kapitel Auch der durchweg gründlich revidierte Martenavoarat iss erweitert worden durch die neuen starten „(ibiemfecgebirge unb StiRbühlcr Alpen", „Berchtesgadener Bergland" unb „Sal Uimmergnt", ourd» Plane von Reichenhall i nd Berck: verdient rückhaltloseste Empfehlung Rändel ttnö ZJerFcbr, Dolkswirtfcvaft. - Tcrnburgs T i a m c n t c n t>o I i 11 L In einer Besprechung mit einigen Parlamentariern hat Staatssekretär Tern« bürg einen eingehenden Bericht über unte Tiamank nvolttik erstattet Es ist daraus hervorzuhcben, daß nach u..i n imnigen der Tiamantcnrcid;tum Südwcstafrilas am ungiiabr em -Milliarde- angenommen wirb. Tas weientlichst - der Teriibnrgfck. n Tia- mantenpolitik besteht darin, daß er die 400 ■>'■•<) Tiamauten- interefienten zu einer ioahtwn zufammeNs. chlo' en hat. Deren BcdeuUing wohl am besten daraus hervorgeht, daß bald nach dem Bekanntwerden bieier Tatsache ein Vertreter ß i den Tiaiuanten- markt beherridlendcn Te Beeis Coinpoim an - n St-ia: iretär mit dcm Anerbieten heraiigetrctcn ift, ein pemujeuiges Vri .-tariell abzuschließeii. Ter Staalsiekretär hat bitte Aiierbuun abgelehnt, da er nach dem gegenwärtigen Slanoe Der Tinge m Sudn wfnka in der Lage zu icin glaubt, diese Preise iiitabhanqig von oer T^ Beers Eo. sestzusetzen und sic ihr nötigenfalls diktieren u tönncit. ssss fit *** £***i bleicht und reinigt die Wäsche! oboe Reiben und Bürsten! Garantiert unschädlichl Grösste Schonung! Kein Nicbgelben der Wischei Bennennte Wanliinetbode Limburg irtt’ä Seifen- 0. cbem.-teebn. Fabrik. A Kuverts mit Firma ------o liefert billigst -- BrühHdie UniDerHtäts-Drucfterai • Gisfien persische Weisheit. Unter bem Titel „Sinnspruchc OmarS des Zelt- macherS' gibt der derzeitige deutsche Gesandte in Tanger, Friedrich Rosen, eine Ausivahl der Vierzeiler deS großen persischen Tichters E in a t Khajja m (t 1123) in vortrefflicher Ucbersetziing heraus. Wir entnehuien dein kleinen Buch, das m ebenso origineller wie geschmackvoller Ausstattung soeben bei der Teutschen Verlags-Anftalt, Stuttgart, eijdjicncn ist, die folgenden für den Gedankenreichtum und die poetische Schönheit bezeichnenden Proben: Geschlechter sind erglicht wie Helle Funken, yabcii gelebt, geliebt, gehaßt, getrunken; Sie leerten hier ein GlaS und sind verlöscht, Sind in den Staub der Ewigkeit versunken. • Als du das Leben schufst, schufst du da4 Sterben; UnS, beme Werke, weiht'st du dem Verderben. Wenn schlecht dein Werk war, sprich, wen trifft die Schuld? Und war es gut, warum schlägst du'S in Scherben? * Ter Welt Geheimnis wirst du nicht ergründen, Ta# Wort,, da# keiner sand, wirst du nicht finden. Schass dir mit Wem cm Erdenparadies! Eb*5 dort ein Paradies gibt, wird sich finden. * Ich trinke nicht aus bloßer Lust am Zechen, Noch um des Korans Lehre zu durchbrechen, Nur um des Nichtsein# kurze Illusion! — Da# ist der Grund, au5 dem die Weisen zechen. An federn Tag nehm' ich mir vor auf# neue, Taß ich das Trinken lasse und bcicnc, Tod) nun voll Rosendust erjckiencn ist Ter holde Lenz — bereu' ich meine Reue. • Rach Regeln der Vernunft zu leben, Ist zwar em ganz vergeblich Streben, Loch Pleister Schicksals stinke Hand Schlägt tüchtig zu und lehrt uns leben. Laß Weise nur und Edle in dein pauß. Nimm vor den Toren meilenweit Rcipau.-. Reicht dir ein Weiser Gift, so trink's getrost, Reicht Gegengift ein Tor dir, gieß cs aus! ♦ Gestern zerschlug ich meinen Krug mit Wein In meiner Trunkenheit an einem Stein. Ta sprach des Slrugcs Scherbe: .Wie du bist. War ich, und wie ich bm, wirst du einst (cm.* Der Jugend Buch ist an-- — und war dock) kaum begonnen! Kaum hat der Lenz geblüht, ist er auch schon verronnen! Ich merkt' nicht, wie sie kam, noch wie sie flog davon, Tie holde Nachtigall, die Zeit der Jngendwonuen. C weh um jenes Herz, in dem kein weiter brennt, TaS nicht die hehre Glut der LiebeSionne kennt, Wer einen ganzen Tag ohu' Liebe hmgebrackst, Tut recht, wenn jenen Tag er ’nen verlornen nennt. In Kirchen unb Moscheen und Synagogen Wird man um ferner Seele Ruh' betrogen. Tock dem, der der Natur Geheiiiinis ahnt. Wird ferne Angst norm Jenseits vorgelogen. Hock überm Firmament sucht' ich die Eucfle Von Vorbestimmung, Paradies und Holle. Ta 'prach mein weiter stehrer: „yrennö, in dir Allem sind KiSmei, Paradies und Hölle.' • Der ganzen Schövfimg letzter Zweck sind wir, Im Wellenauge sind die cehkra't wir. Tie gan;e Seit vv wie ein großer Ring. Wir sind der Edelstem, deä Ringes Zicr. Ter Tropfen weint: .Wie bin vom Meer ich weit!' Ta4 Weltmeer lacht: .Vergeblich ist den» fcib! Sind wir doch alle eins, ftnD alle Gott — Und trennt ja nur das wtnz'ge Pünktchen.Zett' -- Z u Äeinrich a 11 e m c r v I ut). Geburt ' age. In der deutschen Philologie wirb heule allenthalben da .Indenken an Heinrich Hat lern er, den hochveroienten «"crmaiuften, wad), der in teiltet kurzen, aber überall- etiyrieBhd>er Tätigkeit Wiffenickan aeweien ist. Hatlemer, der vor blinden ,,aliren, anfangs Juli IbU9, in 'N a i n z'geboren war, halle sich m 1 • icbch inner Osann und cdunttibenner zum Jhilologcn .'v-ra,. . bildet, (rtner C'nr.uianalcrofei’ur ui Darmstadt g n \ er ans i ottiischen Gründen verlustig und fand int Jahre Ibdß ein '.'.fist m der Schiveiz, an der Kautonsschule zu St. "'«allen. Spater, von IH42 bis 184y, ivar er l.'aletnpiülefioi ar.i '1 logiimnofiuni -u Brcl, bis ihn das 7eoolulionsiahr m die deutsche Hei mal unter die «>abne der Freiheit Aurüdricf. Tic .'liiftetbimgcn Sc-, JUmp uns die bittere Enttäuschung über lernen scht .evltcke i ‘JluOgam; n ire» schuld an seinem frühen Tode, der kurz nach dc. tkehr in die Schweiz am 41. November 1MU ihn täi) auv en em f.hofieusiroh« Leben riß An die b)cidnd)ie bir gerinonlsusckien W'b. nchast ist öcinrich ^attemer» Name mr immer geknüpft. Mit all bat Tuinnern, unter deren tanger Mnaibell die ceuffdjc t:*i!jlogie nd) rasch zu einem selbständigen, neben den übrigen r'yuologischen ^ehttachern gleichberechtigten ^.stfieusjiveige cniwidelieu, mit (hl» maller, ßrominann, Jakob Grimm, Hofmann ooii Jallcrsledech Waßilianu, Wackernagel, l?fe:ner, stand er in legem Gctftes- aiiStausche. Sein dreibändiges vanptwerf, die Ausga' v be; all» deutschen Sprad'schatzc dc: Stistsl'bltothet von St. ballen(»Tenk» male, de» 2)1111 clallet*' 1M2 -4K . ji et i: b (md) Cic Soll» 'lanöigleii und diulomauschc Genauigke.t et. .,eboiencn 2'iatenatt einen dauernden Platz in der germai -llschen -itciatur ge ckett. In feiner .Teutschen Sprachlehre' (luchte Hatlemer, wenn aud) mir mit geringem Erfolge, ali einer bei ersten di üx'.cb» mfie der Forschungen Grimm» für ben - chnlnnter .ichi find):bat zu ks gegen die Ansicht Jakob GillNiiu« Niste, rie , tdc c.nel I c [üBsf bürg ..toin. Fabrik. M Heal chl chorwngl Wäsche! olkswirtschast. )n einer Be- 9Qt ÄEikkretSr Tern- ^iGmcntcnMlit er- B >ico) neuen ctMngeit uj ungeiähr eint Mlliardt dcr 5trnbiirgid)cn Tia- c 400-500 Xinmanten* meilgt'chioije» Hal, bereit >rflc!)t, bnü. bülb nach beut feier her ben Tianianlen« it!) nn den ÄaaisieKtlär i gegcniciliges PreisKtriell eles Anetbielen abgelchnl, 't Tinge in Lüdlveslairika : unabhängig von ber Te GllS bihiertn ;u tonnen. ktttr. rHrZk ^"otdnifn'l ^-hnle ^test bcritS? fut^e < 2« er- 11 We «•WieMenb ntbata2 TÄiiett d-i MtÄ"“ 9>= J »»««berta jä“ : Kapitel. Auch be° ”‘V»eitert iDorben * “Jb Siäublcr Aloen" . "feignt-, durch t Umgebung. Ter 'M 7iüo. Gern'anistrn, aus elfter jungen cm lli-v .w,i, an- c vor W'KLießen vor» haue W ' gilbet , -'-pilologci ,j,jjchrr. ' w**w*i?t i i ,,,- aclnup '«htloloL° iS "•’JSws «n» <> W ti. werk, d b Äiille>k 'Hx, 1,0 S qebole» , rsichkll ; „.IC Haue» ’tv cr!>e".!,chlbal p ;if> ij.nneii ilf jicbeiib16’ id) lll‘ üriPtll""Lii ■ ...... I I &? •19 0 <9 .19 :2 (95? *2 L W ec«'c£ o ■-> § -O ' ^7 H»uu^ c"C>=> y L 5 S.L L °d? <9^5 E E "2 .-E - 5 <9 2 CT ' 'S.«® E>JE E 2^'C E EE> <9 E LZMZ'-Z» —' -ZD •Ä.Q ~E a E S/5 2 EL- CEE .5 -C? e r: e e1''’1 E 2.2 £ ,Ä. .€ e - » 2C 2 e o .:H d e. 2. <9 Z ä' c => E E L.E —Z.— — Oft — «S ? ~ “ o ’S-s SO E P ^£*e e e (9 2 I E E a°E O E -r 6-?' 6i cd 6 Q (9 ’E) e-v 69 tn 0 =e> e> m o er e —' D-'o *E — e: 33 ^<9 Z eS o.E zr "S iE.?? NZ Ev o 2 = E S ® E »:, — o E E e *0.5 CJ ZD E >2 o Z « — 69-- , E cj "Q — KL a« =? -o a« *ä S A --N-2 o E CO iO ♦ . T-« a o äcouO *^5"* - c .. — c e? 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