Nr. 285 General-Anzeiger für Oberhessen 1 Uhr Por n 7, UM ide ter ;ebot icei^ de« im ieter iser ser hier t. Der § 15 ist aber kein Ruhmestitel Er liefert für alle Zeiten den Beweis, Sozialpolitik macht. (Lärm im Zentrum, Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um ■36 Minuten. Eingegangen ist der Handelsvertrag mit ruga l. DaS Haus ist sehr stark besetzt. Die Wabl des zweiten Vizepräsidenten der Tinge haben. Wir vergessen nicht, was die Beamten für Staat geleistet haben, aber es besteht eine starke Abneigung Volke gegen eine weitere Vermehrung der Zahl der Beamten. Abg. Freiherr v Richtliofcn (Kons.) Auf Details lasse ich mich nicht ein. Es handelt sich hier |t otattonOrufl enl ftertop bei Ft 0 Uniperiuat? * Bnct> unb BtetnbrudttCL R. Vang«, Götzen, kein sozialpolitisches Gesetz, sondern um ein Geschäftsgcsetz. Tas Provisorium muß verlängert werden. Damit sind rott einverstanden. ffebaffton, €rt>ebttim» and Truderet: ftraße 7. «Srpeötnon and iL Nedaktroru«-SO t 13. teL-s2U>u; 91n4etger(6icBUW Deutscher Reichstag. 3. Sitzung, Freitag, 8. Dezember 1909. Am Tische des Bundesrats: Delbrück, Wermuth, Bahn schaffe, Richter, Caspar. canntLi,J -EngelgeB' irt Christi kl wo AaifW !. Belbig« iS» I teile »« riech ein wi.thch ;bri5tbMm« k-;; mdetnod “®‘| $ Uchte cknnr Mk-L-1 wndtmedesBeN ^aopig.Poittö | nachts kriP' nlider Mf» fibemeche^^- • den nr" k. L35. g bei obiges®^ ■Katalog» wnuerA^- der M laraniie!«• v? Di, „ekfienet fmntltewblätter* merbe* den» Anzeiger' atermal wöchentlich de,gelegt, da« „Kretsblati fß» de» Kreis Ließen- »roetmal Vöwenll'ch. Di« ^Landwirtschaftliche» LeU- fragro* erscheinen monatlich zweimal. 'tcht als erster Gegenstand auf der Tagesordnung. ES wird sofort juc Wahl geschritten- sie findet wie die anderen Wahlen durch Stimmzettel statt. Es werden im ganzen 322 Zettel abgegeben, davon 98, die der Nationalliberalen und Freisinnig een, unbeschrieben. 178 Zettel, die der Rechten und deS Zentrums mit den angrenzenden Gruppen, lauten auf den Erb- Prinzen zu Hohenlohe-Langenburg, 42 sozialdemokratische Stimmen auf Singer. Außerdem haben erhalten 2r. Müller-Meiningen eine (Heiterkeit), Gothein eine (Heiterkeit im Zentr.), Dr. Höffel eine und Erzberger eine. (Große Heiterkeit links.) Abg. Erbprinz zu Hohenlohe-Langenburg (b. L F.) erklärt auf die Frage des Präsidenten: Ich nehme die Wahl'an. (Lauter Beifall auf der Rechten, worauf die Linke mit Gelächter antwortet.) Die Wahl der acht Schriftführer erfolgt in einem Gange, ebenfalls durch Stimmzettel. Da» Ergebnis wird vom Bureau festgestellt und im Laufe der Sitzung bekannt gegeben werden. Präsident Graf Stolberg: Damit ist der Reichstag konstituiert. Ich werde nicht unterlaßen, Se. Majestät oem Kaiser davon Anzeige Beifall links.) Abg. Becker-Arnsberg (Zentr.): Was uns die Linke alles in die Schuhe schiebt, geht auf keine Kuhhaut. Die Zölle kommen nicht bloß den Agrariern, sondern auch den Bauern zugute. TaS ist selbst von sozialdemokratischen Seite anerkannt worden. Wir handeln immer nach dem Prinzip des gesunden Menschenverstandes. (Heiterkeit.) Abg. Ledebour lSoz.): Die Motive des Zentrums verurteilen wir auf daö schärfste. Es wollte mit dem § 15 den ganzen elenden Zolltarif entschuldigen. Abg. Trimboru (Zentr.): So? Haben nicht die Sozialdemokraten damals ausdrücklich erklärt, daß sie für den ..abgeschwächteu Antrag" stimmen würden? Und Herr Ledebour erklärte damals, wer das nicht tue, sei nut ein platonischer Freund der Witwen und Waisen. (Hört, hört! im Zentrum, rechts, Lärm der Sozialdemokraten.) Damals haben Sie uns geholfen. (Hört, hört! und Sehr richtig! bei den Freisinnigen, Beifall rechts und im Zentrum. Ledebour ruft: Märchen!) Sie Anhänger des Zukunftsstaats, reden Sie uns doch nicht von Märchen! (Heiterkeit.) Wir haben genommen, was wir konnten, nach unserer altbewährten Taktik, die jetzt allmählich auch von Ihnen angenommen wird (Heiterkeit), daß die allmählich Siegenden die Klügeren sind. (Heiterkeit.), Tas Haus vertagt sich. Ter Präsident teilt das Ergebnis der Schriftführerwahl mit: Es haben erhalten: Abg. Rimvau (nl.) 277, Frhr. o. Thüneseld (Zentr.) 272, Ei'gelen (Zentr.) 249, Rogalla v. Siebentem (Kons.) 243, Tr. Heckscher (Fr. Vg.) 195, Pauli-Lberbarmm (Rp.) 183, v. Tamm (Wirisch. Vg.) 183, Tr. Hermes (Fr. Vp.) 176. Diese acht Abgeordneten sind zu Schriftführern gewählt. Außerdem haben erhalten Navieralsti (Pole) 160, Hagemann -natla 116, Fischer (Soz.) 86, zersplittert 94 Stimmen. Sonnabend 11 Uhr: Weiterberatung, Handelsvertrag mrt Portugal, die Interpellationen. Schluß 6% Uhr. Versicherung die größte Bedeutung bei und wünschen vor allem, daß diese Fürsorge auch tn möglichst großem Umfange auf den landwirtschaftlichen und gewerblichen Mittelstand ausgedehnt wird. Erfreulich ist, daß endlich Die Un. gewißheit über die Reichsversicherung 5 ordnung be- seitigi ist. Wir fürchten allerdings das Schicksal, daß der Termin des Inkrafttretens noch weiter hinausgeschoben werden muffen wird An unserer positiven Mitarbeit werden wir es nicht fehlen laffen. Tie Leffentlichkeit hat an dem Entwurf sehr scharfe Alritif geübt. Zustimmungserklärungen sind eigentlich nur von theoretischer Seite gekommen. Ein starker bureaukralischer Zug geht durch das ganze Werk. Ein neucsHeervon Beamten ioll in Tätigkeit gesetzt werden. Dieses ständige Anwachsen des Beamtenkörpers erweckt starkes Mißbehagen im Volke. Tie Versicherungsträger wollen selbst Einfluß auf die Gestaltung machen. Zu Quästoren werden die Abgg. Bassermann Iatl.) und Schmidt-Warburg (Zentr.) vom Präsidenten ernannt. Dann wird in die sachliche Arbeit des Reichstags eingetreten. Das .Handelsprovisorium mit England. Das bisherige Provisorium läuft am 31. Dezember ab; es soll im zwei Jahre verlängert werden. Ten Angehörigen und den Erzeugnissen deS britischen Reiches werden bis zum 31. Dezember Wil diejenigen Vorteile weiter eingeräumt, die seitens deS Reiches den Angehörigen oder den Erzeugnissen deS meistbegünstigten Landes gewährt werden. Staatssekretär Delbrück: Die verbündeten Regierungen bitten Sie, die Vollmacht deS Bundesrats, unsere handelspolitischen Beziehungen zum Britischen Reich auf der Grundlage der Meistbegünstigung zu regeln, um zwei ©etfere Jahre zu verlängern. Da fcü dem Gesetz 1007 sich in Miseren v ^ndelSbeziehungen zum britischen Reich nichts geändert k., glaube ich ohne eine nähere Begründung der Vorlage Sie Klten zu dürfen, die Zustimmung zu erteilen. Die Vorlage in erster und zweiter Beratung ist ohne Debatte erledigt. Die Hinterbliebenenversicherung. ES folgt die erste Beratung des Gesetzentwurfs Betreffenb die Abänderung der, § 15 des Zolltarifge setz e s. Die xrin ausgesprochene Verpflichtung des Reiches, die Witwen- und Waisenversicherung am 1. April 1910 einzuführen, soll durch die Vorlage um ein Jahr hinauSgeschoben werden, Staatssekretär Dr. Delbrück: Die Bestimmung dieses § 15 verdankt ihre Entstehung einer 'Anregung des Reichstages Als die verbündeten Regierungen ihr ^stimmten, erklärten sie sich zunächst grundsätzlich bereit eine Versorgung der Witwen und Waisen auf reichsgesetzlicher Grund age einlreten zu laffen Sie übernahm aber gleichzeitig die Ver- -slichtung. die 2>. r t, wie diese Witwen- und Waisenversorgung regeln sei, in einem bis zum 1. Januar künftigen Jahres zu acrabichiedendeu Gesetz festzulegen. Sie sind r ast los b c. müht gewesen, die ihnen durch § 15 auferlegten Aufgaben zu lösen und die bei der Verabschiedung des Gesetzes emgegangenen Verpflichtungen zu erfüllen. Daö war aber nur unter der Vor- LiSsetzung möglich, daß die für die Finanzierung zur Verfügung gestellten Einnahmequellen mit einer gewissen Stetigkeit und in einem gewissen Umfange vor- Händen seien, so daß man darauf eine nach festen gesetzlichen Vrundsätzen aufzubauende Versorgung der Witwen und Wallen Anfuhren könnte. Tie Voraussetzung hat sich Nicht erfüllt. tm •We 1906 haben sich für die Zwecke der Hinterbliebenenver srrgung nicht Mittel ergeben 1908 ebenfalls nicht, nur 1907, so daß mit Zinsen noch nicht 2% Millionen zur Verfügung ftiben. ES liegt aber klar auf der Hand, daß mit dieser Summe eine Witwen- und Waisenversorgung nach festen Grundsätzen nich! darchzuführen ist. „ .. Eine feste finanzielle Grundlage kann nur erreicht werden, trenn zu den Dotationen des Reiches a u ch B e i t r a g e d e r Arbeitgeber unb Arbeitnehmer hmzukommen Man rar sich klar darüber, daß nicht minder wichtige Aufgaben der SoRialpoIitil Dabei ihrer Lösung fprren, nämlich die Aus - dehnung Der Krankenversicherung au f da e Sesinde, auf die Hausarbeiter und landwirt- shaftlichen Arbeiter. Daö ist aber nur möglich, wenn das Reick sein Verhältnis zu den Einzelstaaten übersehen kann Tie Arbeiten dafür werden einen solchen Umsang annehmen, daß «ich in eine weitere Regelung Der bezügli^en Organisa.'.onen eingetreten werden muß. Damit ergab jtdb Die «Steuunp Der ber= kündeten Regierungen von selbst. DaS Ergebnis ist die Reichv- ve rsicheru ii gs- Ordnung gewesen, von der ein vorläufiger Entwurf bekannt geworden ist. Dieser Entwurf konnte nicht so rechtzeitig an Den Reichstag gebracht niercen, dag Liefe ^plante Versicherung am 1. Januar 1910 in Kraft treten kann. Tie gestellten Verbegerungs-An'räge haben es unmöglich gemacht, k>.' Reichöversicherunqsordnung fertigenden, und io unb die verendeten Regierungen genötigt. Den Termin b i s zum 1. a p r 11 W11 hinanSzufchieben, was hoffentlich gelingen wird, damit Die Fertigstellung noch in dieser LegiSlaturperwde zu Ende gebracht lrird. Abg. Tr. Jnnck (Natl.): Tie Hoffnung, daß sich durch die Ansammlung dieses Fonds schon eine fühlbare Unterstützung Der Hinterbliebenen ermogl ) l-ffen werde, ohne daß weitere Beiträge notwendig find, hat |ich nckst erfüllt. Man sieht, daß es falsch rst W e ch | e la uf M 8uUnf t auszustellen. Wir legen der Witwen- und ^aqen- Abg. Dr Mugdan (Fr. Vp.)? Tie Sache ist wichtig genug, hier eingehend behandelt zu werden. Wir vergeuden damit die Zeit nicht. Hätten Sie von der Rechten vorgestern gewußt, wer zweiter Vizepräsident wird, dann hätten wir einen Arbei'stag mehr gehabt. (Heiterkeit links.) Die Philippika des Herrn Trimborn war ganz unberechtigt. Diejenigen, die gegen die exorbitant hohen Getreidezölle sind, sind keine Feinde der Landwirtschaft. Auch ich bin ihr Freund. Und es wird noch Die Zeit kommen, daß diese Zölle nicht aufrecht erhalten werden können. Welche Regierung werde eS wagen, sie beizubehalten, wenn zweimal scklechte Ernten auf einander folgen? Diese hohen Zölle sind auch für die Landwirtschaft selbst das größte Unglück. Herr Trimborn stellte sich selbst als sehr klug und weise hin. ' für die Zentrumspartei. E wie schlecht das Zentrum Sozialpolitik macht. angehört haben. Zurzeit des Blocks hieß eS von den Freisinnigen: Wir treiben prahifcfie Sozialpolitik, nicht wie das Zentrum papierene Sozialpolitik. Ja, was haben Sie nun geleistet? Gar nichts! Wir haben die Witwen- und Waisenversicherung nicht zum Agitationsmaierial in den Zolltarif hineingebracht, sondern von vornherein erklärt: ohne Witwen- und Waisenversicherung kein Zolltarif! Nicht hinterlistig wie Intriganten haben wir diese Versicherung zu Nebenabsichten in den Zolltarif hineingebracht Ich bade schon damals gesagt: Manches muß späterer Zeit vor behalten werden. Das war sehr vernünftig. (Große Heiterkeit.) Wir muffen die Vorlage der Regierung über Die Witwen- und Waisenversicherung abwarten. Bis dahin ist es klug und weise sich vorsichtig zurückzuhalten. (Erneute Heiterkeit.) Wir haben den Zolltarif in den Hafen gebracht mit Hilfe dieses Paragraphen Sie von der Linken haben das Schiff gefährden wollen. Häßliche Worte hat man gegen uns gerichtet. So hat man von „politischer Hochstapelei" gesprochen. Ich weiß nicht, wer eS war, Herr Stadthagen könnte es gewesen sein. (Stürmische Heiter- leit, lärmeiibe Zurufe von den Sozialdemokraten. Vizepräsident Erbprinz zu Hohe n lohe-Langenbur g bittet den Redner nicht zu unterbrechen.) Am Beginn einer Session sollten wir doch gute Vorsätze haben, vor allem den, daß wir hier nicht über Tinge debattieren, Die noch gar nicht vorliegen. Warten Sie doch ab, bis die Versicherung kommt. Beim Zolltarif haben Sie sich auch als falsche Propheten gezeigt. Nach dem Zolltarif ist es der Landwirtschaft gut gegangen. Wenn also nicht so viel aus den Zöllen sich ergeben hat, dann sollten Sie sich doch freuen. Aber baß paßt nicht in Ihr System. Wäre beim Zolltarif nicht der § 15 festgelegt worden, so wäre niemals der Anfang zur Witwen- und Waisenversicherung gemacht worden. Darum haben Sie, falsche Propheten (ßeiterleit), fein Recht, mir Vorwürfe zu machen. (Beifall im Zentrum und rechts.) Staatssekretär Delbrück: ES ist uns zum Vorwurf gemacht worben, daß wir nicht die LandeZoersicherungSanslalten veranlaßt haben, mit Den Mitteln des § 15 eine Witwen- und Waisenversicherung ins Leben zu rufen. Tas war den Anstalten nicht möglich, weil keine finanziellen Unterlagen für die Renten Vorlagen. Ich bitte dringend im Interesse der Witwen und Waisen, nicht Dem sozialdemokratischen Rcne zu folgen, und das Gesetz abzulehnen. Tenn wenn Sie da§ tun, dann erwirbt im besten Falle die einzelne Witwe einen Anspruch auf 5 Mark jährlich. Cb er klagbar ist, ist sogar noch fraglich. Nehmen Sie aber unsere Vorschläge an, dann besteht die Aussicht, daß in nicht allzu langer Zeit ein Gesetzentwurf verabschiedet wird, der den Witwen und Waisen eine, wenn auch nicht hohe, so doch ansehnliche und durch Rechtsanspruch festgelegte Rente liefert. Nehmen Sie unsere Vorschläge an, dann handeln Sie sozialpolitisch richtig. Tic Frage der rückwirkenden Kraft ist ziemlich schwierig, sie kann jedenfalls erst gelöst werden, wenn die Form der Versicherung festsieht. Etwaige Vorschläge in dieser Hin,lcht werde ich im gegebenen Zeitpunkt gern prüfen. (Beifall.) Abg. Linz (Rp.): An der Tatsache, daß am 1. Januar 1910 die Witwen, unb Waisenversicherung nicht in Kraft treten kann, ist nichts zu ändern, unb Darum ist es zwecklos, die Schuldfrage hier zu er* örtern. Wir wünschen, daß Die Frage Der Hinterbliebenenver- l'orgung gleichzeitig rfitf Der Reichsversicherungsordnung gelöst wird, und wir sind deshalb Damit einverstanden, daß der Termin verlängert wird, in Der Hoffnung, daß bis dahin die Reichsversicherungsordnung verabschiedet sein wird. (Beifall rechts.) Abg. Molkenbuhr (Soz.): Der Abg. Trimborn hat gesagt, ohne Den § 15 hatten wir feine Witwen- und Waisenversicherung bekommen. Ja, haben wir sie denn schon? Das einzige, was bis jetzt die Witwen und die Waisen haben, ist teures Brot, teures Fleisch und schlechte Wohnungen, lieber vlatonische Erklärungen ist das Zentrum nie hinauSgekommen. (Beifall links.) Abg. Dr. Mugdan (Fr. Vp): Wir wissen noch gar nicht, wie die Reichsversicherungsordnung aussehen wird. So ohne weiteres können wir daher das vorliegende Gesetz nicht annehmen. Wir verlangen Beratung in einer Kommission von 21 Mitgliedern. Tie beigegebene Begründung ist eigentlich keine. Wie ist die lex Trimborn vom Zentrum ausgeschlachtet worden! Herr Erzberger erklärte noch vor Jahres- frist emphatisch, die Blockmehrheit solle nicht tragen, an Der lex Trimborn zu rütteln und daS vorhandene Geld für Heer und Marine zu verwenden. Graf Posadowsky hatte eine Denkschrift über diese Frage in Aussicht gestellt. Wo ist sie geblieben? Jetzt, wo das Volk unter ungeheuren Lasten seufzt, di« das Zentrum und die Konservativen ihm auferlegt hoben unter Abl.hnung jeg- lieber wirklichen Besitzsteuer (Lhol rechts und im Zentrum; Sehr richtig! links-, will man noch die Wohltaten für die Armen und Aermsten auf weitere Jahre hinausichieben. (Sehr richtig! links.) Wer garantiert uns auch, daß nicht eine Vertagung später wieder eintritt! Warum ist aber der lleberschuß aus Den Zöllen so gering, daß die Witwen- und Waisenversorgung noch nicht ver- wirklicht werden kann? TaS liegt an Der ganzen Regelung der Einfurhscheine (Sehr richtig!) Wir fönnen den Entwurf nicht annehmen, sondern wünschen lleberroeifung an eine Kommission. (Beifall links.) Staatssekretär Tr. Delbrück: Der Vorredner hat Einzelheiten des Entwurfes der Reichs- versicherungSordnung kritisiert und mich dadurch in eine überaus schwierige Situation gebracht. Ich bin nicht in der Sage, einen Entwurf vertreten zu können, der den Bundesrat noch nicht passiert haf. Ich bin der Meinung, daß die Verabschiedung dcs vorliegenden Gesetzentwurfes mit Der Reichsversicherungsordnung nichts zu tun hat. Ter Abg. Trimborn hat meines Wissens 1902 angenommen, daß bet Ertrag aus den Ueberi'chüssen der Zölle auf etwa 30 Millionen zu bemessen sei. (Zurufe rechts: 91 Millionen ) Sagen wir also 91 Millionen Mark. _ Mit diesen 91 Millionen Mark wäre e§ annähernd möglich gewesen, ohne Heran- ziehung der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, rein aus Reichs- mitteli. für die Hinterbliebenen das zu tun, was in dem Entwurf seinerzeit vorgeschrieben war. Daß Die Mittel diese Höhe nicht err-'ichen werden, dafür können die verbündeten Negierungen nicht verantwortlich gemacht werden. (Abg. Trimborn: Ich auch nicht!) Herr Trimborn, ich habe Die auch gar nicht verantwortlich machen wollen, das läge ja auch nicht in meinem Interesse. (Lebhafte Heiterkeit.) Im übrigen würden sich die Zuschüsse des Reichs auf durchschnittlich 27!6 Millionen Mark stellen, wenn diejenigen Bestimmungen Gesetz werden, Die in dem vorläufigen Entwurf enthalten sind. Sie würden damit also den bisherigen tatsächlichen Turchschnittsertrag eines Jahres, der sich auf ungefähr 14 Millionen Mark stellt, beinahe um das Doppelte überschreiten. Ich würde, ohne in die Einzelheiten der Versicherungsordnung einzugehen, auch der Kommission nicht mehr zu sagen vermögen, als ich hier gesagt habe, und wenn der letzte Herr Redner der Ansicht war, daß dem Staats- fefreiöi des Innern unter allen Umständen ein Vorwurf ge- macht werden muß, so habe ich zu erwidern, daß wir, die wir seit Jahren an dem Entwurf gearbeitet haben, nicht in der ~-',e ge wesen sind, ihn so rechtzeitig fertigzustellen, daß er noch vor dem 1. Januar 1910 Gesetz werden könnte. Taß der Abgeord- ncte D r. Mugdan es vermocht hätte, will ich absolut nicht bezweifeln. (Heiterkeit rechts.) Aber ich hoffe, daß es uns dank seiner Hilfe möglich sein wird, das Gesetz hier bis zum 1. April 1911 zu verabschieden. (Erneute Heiterkeit rechts, Unruhe links.) Abg. Molkenbuhr (Soz.): Der vorliegende Gesetzentwurf muß rundweg abgelehnt werden. Dann haben wenigstens am 1. Januar die Witwen und Waisen ein klagbares Recht auf die Rente. TaS feierlich gegebene Versprechen ist gebrochen Tie in Aussicht ge- nominellen Renten für die Wilwen sind ganz jämmerlich. Eine Witwe bekäme ein Sechstel von dem Armengelde, das z. B. in Schöneberg gewährt wird. Tie Versicherung soll vertagt werden auf das nächste Jahr. Glauben Sie denn lzur Rechten und zum Zentrum), daß Sie im nächsten Jahre weniger habgierig sind? (Heiterkeit und Zustimmung links.) Abg. Trimborn (Zentr.): Warum werde ich Denn angegriffen? Auf meinen Antrag hin fiith 40 Millionen für die Witwen- und Waisenversicherung vor- Händen. Deshalb werde ich nun angeftagt! Taß es nicht mehr sind, daran bin ick doch wahrhaftig nicht schuld! Ich kann doch nicht Dafür, daß wir so reiche Ernten gehabt haben! Die Linke hat mit Ausnahme der Nationalliberalen jede Objektivität vermissen lassen. Wir werden Dem Entwurf zustimmen und behalten uns vor, zu beantragen, Der Witwen- und Waisenversicherung rückwirtende Kraft vom 1. Januar 1910 zu geben. Eine Korn- Missionsberatung dieses Entwurfs hier ist überflüssig, da es sich nicht um materielle Bestimmungen handelt, sondern nur um eine Hinausschiebung des Termins. Wie konnte nur diese einfache An- gelegenheit Die Linke so aufregen, daß sie mich harmlosen, gutmütigen Mann mit wahrer Berserkerwut angreift (Heiterkeit.- DaS bringt mich aber nicht aus Der Fassung, denn wer so erregt ist, zeigt, daß er im Unrecht ist. (Zuruf links: Sie sind ja auch erregt!) TaS Zentrum ist natürlich an allem schuld. (Zustimmung links.) Nein, der alte Block, dem doch die Freisinnigen Fntisied 159, Jahrgang Samstag, 4. Dezember 1909 --------— Allier Anzeiger Verlag von Emil Roth in Giessen. Paletots jSchachenmayr’s ||ödd }feine ^Wollene Drei-: 40 0t« «reis: 40 Sfe. Grauschild ck in grösster Auswahl Kuder & Sonneborn j für Strickmaschinen L vorteilhaft Neuenweg 17 ibt noch ein Wundci ■ «reis Mt. 1 gebundr» Ml 1.50, Umarbeitung id>lcd)t finrobtr Otedige 613 400 WNj »46 711 Sie !» 169"-' MT 800 730 7» Ml 8* 167llo ■■ 410 *1 (1'0.-) wo 7i ' -ne. 18 >47 373 377 6IR 168:13 4 » 16o * i» jOu| :» »7 17 347 37S i ~ B M3 180« 7T 4.1, 7*> 181- 171 tu -4J 183'. Sil) 333 ! 1 114 (IIWOJ r - 49 48-r 13 .*04 ?O (JflOC) 94 l«n 4» 3ts «3 (3on) 440 491,6 »10 sie 347 55w 6Ooji 67 .177 «'M 76» 'M SM 68154 v: s <3# 2 1 7 •11 »01 4 <04 ZU« ' *<»> 91 (>*oi m > . 72 11000] *J 2260 .»n •* N 218 2 Um; 230* 221 I 232h "«1 740 •r 1 21S*- 246ü :•« «3 t,? 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