Erstes Blatt 159. Jahrgang Dienstag 6. Juli 1909 bis RotattonröruS und Verlag der Vrühl'schen Uiüv.Gvch- und Steindruckerei R. Lange. Die heuttge Nummer umfatzt 12 Seiten. se7bachtu"gbn Bellet > A Art- Besuches gegeben wäre. Karl Neurath. 4 z 8» ff ee'^ed.r !<*5S i Kcdaltion, Expedition und Druckerei: Schulstratzr 7. S*3fiti (W Nr. 155/ 3?er Siehener anytger erscheint täglich, außer Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich GiehenerZamilienblätter; Zweimal wöchentl.NreiL» blatt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Landwirtschaftliche Seitfragen Fernsprech • Anschlüffe: siir die Redaktion 113, Verlag u. Expedition 51 Lidresse für Depesche«: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeige« Sonnen!^" K.....- GietzellerAilzeigel General-Anzeiger für Gberhessen Jj Prozcnlmönner fest. Xer Achäge ng zurück. m AbanderungsanKagen untiog bet Sozioldcmo. ’i§lo§ toetbcnbet 3§febc von Lr. Sübckum 2pcik.(Zcntr.) namcnt. 192 gegen 139 Stimmen Heuer vertagt, sich da? und Aeiterberatung der rung noch einiger Auftritte, und obschon man sich klar war, daß z. B. die Larenszcne und der rohe Kampf um den verwundeten Varus künstlerische Mißgriffe waren, konnte man nicht davon abstehen. Es ist nämlich für das Wesen des Stückes vollkommen gleichgültig, wie sich Thusnelda an dem verräterischen VentidiuS rächt; daß sie es tut, ist der entscheidende Eharakterzug, und es läßt sich bei aller Hochachtung vor dem Dichter nicht leugnen, daß er in rein künstlerischer Beziehung seiner Dichtung mit der Bärenszene einen ungeheueren Schaden zugefügt hat, wenn sie auch ein Lieblingsanftritt unserer Heldinnen ist. Ebenso ist es mit dem Kamps um Varus. Es tut beinahe körperlich weh, wenn man diese germanischen Fürsten darum streiten steht, wer den schweroerwundetcn Varus „erlegen" dürfe. Da ist gar nichts heldenhaftes, nichts großes; das letzte Ergebnis ist ein Mord, nichts anderes. Die Leitung hatte aus diesem Grunde auch von einer Darstellung des Zweikampfes zwischen den germanischen Fürsten abgeiehen, und nur die Worte gebracht, wodurch besonders Hermann ganz ungemein gewinnt. Die Darstellung selbst war sehr gut; in anbetracht des Umstandes, daß nur Liebhaber spielten, sogar vorzüglich. In den Hauptrollen war nirgends eine Unfertig» feit zu erkennen, und auch bei den meisten Nebenrollen in nur ganz verschwindendem Maße. Es war eine Vorstellung, die wie aus einem Guß geformt war, und die. dadurch noch an Wert gewinnt, daß vollkommen frei, ohne Einbläser, gesprochen wurde. Ten starken Erfolg hätte avcr fein noch so sehr angestrengter Fleiß erringen können, wenn er nicht bei vielen durch ein starkes schauspielerisches Können ergänzt worden wäre, so daß auch ein wirklich gutes Zusammenspiel herauskommen konnte. Bon den einzelnen Darstellern stand an erster Stelle natürlich Hermann, den H. Schellhaas mit straffer Würde zu geben wußte, ohne daß er darauf verfallen wäre, den Helden zu unaunsten des Menschen zu bevorzugen. Gerade die echte Menschlichkeit, mit der er seinen Hermann erfüllte, brachte seine ausgezeichnete, von Thearerolut glühende Leistung, zu einer wirtlich rünstlerischen Entsalzung. Ihm ebenbürtig war die Thusnelda von M. Krüger, die ihre Darstellung in der Bärenszene zu außerordentlicher Wucht zu steigern vermochte, und den künstlerisch sehr schweren Uebergang von dem lieoenüen Weib zur unerbittlichen Rächerin ihrer Ehre mit sehr glücklicher, tief innerlicher „Ter Zentralausschuß der freisinnigen Volkspartei spricht seine Genugtuung darüber aus, daß sich das Zusammenarbeiten der drei linkslibcralen Parteien in der Fraktionsgcmcinschast durchaus bewährt hat, und ersucht die Reichstagssrat'tion, an dieser Gcmcin- schast festzuhalten in der Hofsmmg, daß sic zu geeigneter Zeit zu einem engeren Zusammenschluß der Parteien führen wird. Ter Zcntralausschuß ersucht weiter den gemeinsamen Ausschuß der linksliberalen Fraktionsgemeinschaft, in Verhandlungen darüber einzutretcn, ob und unter welchen Voraussetzungen ein engerer 'Zusammenschluß der freisinnigen Gruppen durchführbar ist." Die freisinnige Vereinigung. Der außerordentliche Parteitag des Wahlvereins der Liberalen (Frs. Vgg.) der am 4. und 5. Juli in Berlin stattfand, nahm bei Anwesenheit von 150 Delegierten aus allen Teilen Deutschlands einen die volle Einmütigkeit der Partei dofumcnlierenden Verlauf. Die Referate der Abgg. Schrader und Mommsen über die allgemeine Lage und die sog. Reichsfinanzresorm brachte den ent,chiedenen Willen der Partei, den Kamps nach rechts energisch aufzunehmen und fortzusetzen, in tlarer Weise zur Geltung. Zur Einigungsfrage lag eine Resolution Altona vor, die den geschäsis- führcnden Ausschuß aufforderte, Schritte zum Zwecke des Zusammenschlusses der freisinnigen Parteien zu unternehmen. Es wurde nach längerer Aussprache von einer eigentlichen Beschlußfassung über diesen wichtigen Punkt Abstand genommen, aber als einheitlicher Wunsch des Parteitages auf Anregung des Vorsitzenden Abg. Schrader ausgesprochen, daß der geschästssührende Ausschuß die geeigneten Schritte zur Anbahnung der Verschmelzung der Parteien unternehmen möge. In allgemeiner politischer Hinsicht wurde die Haltung der Fraktion allseitig gebilligt und das Einrücken dec Freisinnigen in die Opposition als natürliche und gesunde Folge der politischen; Konstellation willkommen geheißen. Es wurden folgende Resolutionen angenommen: Resolution Fegter: „Ter Parteitag begrüßt eine selbständige Bauernbewegung als ein geeignetes Mittel, die berechtigten Interessen der Bauern und damit die wahren Interessen der Landwirtschaft zur Geltung zu bringen." . Resolution Gothein: „Ter Parteitag dankt der Fraktion, daß sie nach Ablehnung der Erbschaftssteuer grundsätzlich jede weitere Mitwirkung an der sog. F i n a n z r e f o r in verweigert hat, die jetzt lediglich eine Gewerbe, Handel, Verkehr und das bewegliche Kapital treffende übermäßige Steuererhöhung ist. Ter Parteitag erachtet jede wirkliche Gesundung der Reichsfinanzen für aus- geschlossem 1. solange nicht das politische Verantwortlichkeitsgcsuhl in allen Schichten des Volkes durch alle Arten des Besitzes gleichmäßig treffende bewegliche Steuern wachgerufen wird, 2. solange nicht mit der Verteuerungspolitik gebrochen wird, die dem Volke ungeheure Lasten zu gunsten des Großgrundbesitzes und einiger weniger konzentrierter Großindustrien auferlegt, 3. solange ein Teil der Steuern zur Subventionierung einzelner Gewerbe durch Liebesgaben verwendet wird. Klar hat sich gezeigt, daß die '.Regierungen keine Schutzwehr gegen die unerhörten Beschluß dar Reaktion sind, daß ihnen der Mut fehlt, durch Auflösung beS Reichstages an das Volk zu appellieren. Ta die Macht der Reaktion nicht auf der Macht der Wählerschaft, sondern nur auf rückständigen staatlichen Einrichtungen beruht, so fordert der Parteitag 1. Stell* einteilung der Wahlkreise und wirksame Sicherung des Wahlgeheimnisses, 2. das Reichstagswahlrecht für Prkußen und ent- sprechende parlamentarische Einrichtungen in den anderen Einzelstaaten, 3. volle Freiheit der politischen Tätigkeit für jedermann, 4. volle Unparteilichkeit der Behörden allen politischen Parteien gegenüber. Sache des Volkes ist es, diesen Kamps aufzunehmen und nach Zusammenfassung aller freiheitlichen Elemente, die Reaktion zu überwinden. An alle Parteigenossen richten wir die dringende Mahnung, unermüdlich zu arbeiten, damit die nächsten Wahlen, den Sieg des liberalen Gedankens bringen." Resolution Tischendörfer-Erkelenz: Ter Parteitag erblickt in der Reichsversicherungsordnung einen sozialen Fortschritt auf dem Gebiet der deutschen Arbeitnehmerversicherung. Andererseits enthält sie jedoch viele Bestimmungen, die dem Recht der Persönlich- -rö e z « g s p r c t s: monatlicti75Pi., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zmeigstelleui monatlich 65 Ps.; burd)* diePost Mk.2.—viertcl- jährl. ausjchl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf., auswärts 20 Pfennig. Verantwortlich ;’i für den politischen Teirri E. Anderson; f. Feuilleton und .Vermischtes" K. Neurath; für „Stadt u.Land" und „Gerichts- , sie .’|U Bp.st ' s-riL101 Elchen, ^en,^eiej n. In Verwalluillfskreilm- • Mn. daß für die SJorjii^ c Dividende entfallen werk Hutz'tahlgejcÜichciil (oll b» aqer. bei der allgemein« Vorjahre. Sei dcr ZmE i'ax Bei der Koslhemm s jsl'die AeMigung äubm-4 einer seil mehreren WB liegenden Orders kaum 1 Tcr 2orlmiinber Union rrh fjnc WeiterverrMM I SX und WW'l I «6* ^k-ckiftahUs'TrusiL I Lchissahrls-wlts, ber^ I ^dasSerichMrm I :enb iur lQ5 .g88731 | i 1907 noch ^3cptei|ic:i. Die Tagungen der Liberalen. Die Nationalliberalen. Am Sonntag den 4. Juli, Dorrn. 11 Uhr, fand im Kcriser- 'faal des Mstaurant „Rheingold" zu Berlin nach vorausgegangenem harmonisch verlaufenem Begrüßungsabend am' Samstag der 11. Allgemeine Vertretertag der National- liberalen Partei statt, an dem weit über 600 Delegierte aus allen Teilen des Reiches teilnahmen. Fast alle Mitglieder der Reichsiagsfraktion und der Fraktion des Abgeordnetenhauses waren «egen. Auf den Tribünen wohnte eine große Menge Zuhörer, unter zahlreiche Damen, den Verhandlungen bei Nach Eröffnung des Parteitages, dem eine kurze Ansprache des Vorsitzenden Tr. Bass ermann vorausging, die mit einem Hoch ans den Kaiser ausklang, erfolgte die Wahl des Bureaus, woran sich die Begrüßungsreden der Organisation von Berlin und der Provinz Brandenburg schlossen, für die Tr. Böttg er und Liep - mann sprachen. Das Präsidium besteht aus den Herren Abgeordneten Hieber, Friedberg und Thal. Alsdann nahm der Führer der Partei, Dr. Bassermann, mit jubelnden Beifallsrufen begrüßt, das Wort zu dem Thema „Tie Reichsfinanzreform und die rnnerpolitische Lage". Er führte il a. aus: „In schwerer Stunde habe man sich zusammengefunden; in ganz Deutschland herrsche die größte Erregung über den Ausgang der Finanzreform. Eine wichftge Wendung in unserer inneren Politik sei eingetreten: Ter Block ist gesprengt, der Kanzler gestürzt. Der Block habe durck)- aus segensreich gewirrt; aber die Konservativen hätten auf den Zentrumsköder angebissen und sich vor dem, von den Agrariern errichteten Geßlerhut gebeugt Sodann ging der Redner aus die Entwickelung der Finanzreform ein. Allgemein sei man von der Notwendigkeit neuer Lasten überzeugt gewesen, heute aber herrsche Erbitterung darüber, daß die Begüterten sich von der Tragung der Lasten, die ein nobile officium wäre, sich ausschlössen. Tie Resultate der Finanzreform in ihrer jetzigen Gestalt bedeuten eine schwere Belastung gerade des Mittelstandes. Tie Erbansallsteuer sei gefallen, nur die Konsumsteuern seien Übriggeblieben. Ejne so schädliche Gesetzgebung — so erklärt der Redner unter tosendem Beifall — könne die nationalliberale Partei nicht mitmachen. Alsdann ging der Redner näher auf die Haltung der Fraktron, speziell in der Kommission ein. Tie Vorwürfe der neuen Mehrheit, die Partei handele nicht national, seien lächerlich; würde die Partei zur neuen Mehrheit Übergehen, so wäre dies ihre Todesstunde. Er glaube, daß die Regierung der neuen Mehrheit nicht froh werde, sondern eines Tages würde man doch wieder an die Liberalen herantreten. Tie Partei brauche den Kamps nicht zu scheuen, denn heute stehe sie vollster Einigkeit da, und gerade darin liegt ihre Zukunft. Weiter wandte sich der Redner gegen die Halrung des Bundes der Landwirte und das widerspruchsvolle Auftreten der Regierung, die Autorität der Regierung habe ungemein durch die gestrigen Vorgänge im Reichstage gelitten. Tas Zentrum werde schon seine Quittung präsentieren, ebenso die , Polen. Tann wendet sich Bassermann dem Fürsten Bülow zu und widmete ihm Worte des Tankes wegen seiner Verdienste auf dem Gebiete der äußeren Politik. Auch auf innerpolitischem Gebiete habe er segensreich gewirkt, namentlich durch Heranziehung des Lints- ckiberakismus zur positiven Mitarbeit und durch seinen Kampf । gegen das Zentrum, dem er jetzt leibet weichen müsse. Aufgabe der nationalliberalen Partei sei es, in Einigkeit zum Kampfe sich zu rüsten, getragen vom Bewußtsein, dem Wohle des Vaterlandes zu dienen. Minutenlanger Beifall folgte den Ausführungen Bajser- manns, welchem der Vorsitzende Tr. Hieber den Dank der Versammlung anssprack). Nach einer Pause von 20 Minuten begann eine mehrstündige, angeregte Debatte, worauf schließlich folgende Resolution angenommen wurde: „Ter allgemeine Vertretertag spricht unter voller Billigung der Haltung der nationalliberalen Reichstagsfraktion aufs Neue die Ueberzeugung aus, daß eine befriedigende Gestaltung der Reichs- n d'c..ck.^nn ibr. ZM ‘sä befall Pole): zurück. ltar5 und : °nt tÄ ^iffattnurg. Kunst auSzubauen verstand. Klar und ohne Krümmen gab O. Kracke den Aöarbod. Seine Darstellung des erfahrenen Alten war schon. rein rednerisch eine Musterleistung urtd verband sich mit einem natürlichen, ungesuchten Spiel zu einer ausnehmend einheitlichen Rundung und Fülle. Sehr schön, und in den Liebesszenen von leidenschaftlicher Hingabe war der VentidiuS von G. Mohr, der auch in seiner brünstigsten Liebe die Ueberlcgenheit deS Römers über die „Barbaren" zu wahren wußte. In seinem kurzen Auftritt erzielte K. Kindt als Varus eine erschütternde Wirkung, und fein ausgezeichnetes Spiel brachte die Unzweckmäßigkeit dieser unseckgeu Szene zur besten Geltung; denn niemand wird in diesem Augenblick auf Seiten der Germanen stehen. Auch seine Darstellung des Ehilderich war gut, doch hätte ich hier etwas mehr mutige Ruhe erwartet. Als Luitgar zeichnete sich Georg Krüger durch ein sehr starkes Bühnentemperament aus, das namentlich in dem Auftritt mit Hermann zu schöner Geltung kam. F. Finck entfaltete als^ Attarin. wie auch als Dagobert eine auffallende Gewandtheit in Spiel und Sprache. H. Entze- roth gab sowohl seinem Eginhardt als auch seinem Thuis- komar eine würdevolle, heldenhafte Kraft, und A. Q u e n - teil als Gertrud zeigte in der Bärcnfzene neben einer seinen Beredsamkeit eine klug maßhaltende Leidenschaft. Von den kleineren Rollen sind noch zu erwähnen E. Koch (Wolf), A. Herber (Egbert), W. Berger (Winfried), Herta Sauer (Bertha) und besonders noch die Knaben Hermanns, die von den Brüdern Schmidt allerliebst dar- gestellt wurden. Ter Ehor der Barden hielt sich ebenfalls recht wacker und verdient alle Anerkennung. Der Aufführung voraus ging ein von Frl. Bo ck sehr gut und feingeistig gesprochener Prolog. Ter höchste Preis aber gebührt Pros. Dr. Bernbeck, der sich mit unermüdlichem Eifer und ausdauernder Geduld redlich um das Zustandekommen der Ausführung bemüht hat, wie denn auch die erste Anregung und der weiters Ausbau von ihm ausgegangen ist. Diese Unsumme von Arbeit hat in dem glanzenden Gelingen der ersten Vorstellung ihre vornehmste Krönung erhalten. Hoffeiirlich werden noch rechr viel Vorstellungen nötig. Hauptsächlich aber wäre es zu wünschen, wenn eine Au<- sührung an einem Sonntag veranstaltet würde, damit recht weiten Kreisen unserer Bevölkerung die Möglichkeit eines 19. Jahrhundertfeier der Hermannsschlacht. Die Hermannsschlacht von Heinrich von Kleist. I. Vor etwa vier Wochen habe ich an dieser Stelle schon nachdrücklich auf die große vaterländische Bedeutung der 19. Jahrhundertfeier der Hermannschlacht hingewiefen, die hier in Gießen noch dadurch eine besondere Bedeutung für sich beanspruchen kann, daß damit eine öffentliche Theatervorstellung unter freiem Himmel verbunden ist. Es war von vornherein klar, daß die Bevölkerung diesem Plane herzliche Teilnahme entgegenbringen würde, und so war denn auch die gestrige erste Vorstellung ausverkauft. Alle für diese Ausführung verfügbaren Karten waren abgesetzt worden, und der durch das liebenswürdige Entgegenkommen der Oberförsterei Schiffenberg sinngemäß hergerichtLke Platz war dicht besetzt. Von unserer Studentenschaft waren allerdings nur die Burschenschaften, diese aber in ihrer Gesamtheit vertreten. Schon die Proben hatten die Tauglichkeit des Platzes glänzend bewiesen, und die gestrige Aufführung lieferte den überzeugenden Beweis, daß die an der Aufführung Beteiligten sich keinen leeren .Hoffnungen hingegeben hatten, wenn sie sich einen guten Erfolg versprochen hatten. Vielleicht trägt der glückliche Verlauf sogar zur weiteren Ausgestaltung einer Gießener Naturbühne bei, die sich, nach dem gestrigen Besuch zu urteilen, anscheinend der aufrichtigsten Teilnahme zu erfreuen hätte. Der Aufführung lag der von mir zu diesem Zweck bearbeitete Text zu Grunde, dem aus rein äußerlichen Rücksichten noch einige Auftritte hinzugefügr waren. Ursprünglich bestand die Absicht, vor der Ausführung den Zweck und die Bedeutung der Hermannschlacht in eingehender Mede zu erläutern und nach dem Ausbruch zur .Schlacht, diese selbst als Kriegsspiel darzustellen. Damit Mar der äußere Rahmen der Bearbeitung gegeben, die sich 3nun daraus zu beschränken hatte, zu .Gunsten des wesent- Ilichen und bedemsamen und in Berücksichtigung der für die Ausführung zur Verfügung stehenden Zeit, alles^über- islüssige und unwesentliche 'ueiwerk beiseite zu las,en. Selbft- -oerständtich ohne der Dichtung irgeuowie Gewalt auzutun. 'Als dieser ursprüngliche Plan durch äußere Verhältnisse geändert werden mußte, entschloß man sich zur Eingliede- -----— bei Vaters des Genannter. flü der Vater also bomefa j r fei. Gr sei später niäu j ndc nicht in den Listen bc:| simmzen nur möglich ist, wenn mit der unabweisbaren Heranziehung des Massenverbrauches von Genußmittcln eine allgemeine Besteuerung des Bejitzes verbunden wird. Für diese kann zurzeit noch die Erbanfallsteuer in Frage kommen. Tie willkürliche, einseitig Handel und Gewerbe belastende, den Mittelstand in Stadt und Land schwer schädigende Steuergesetzgebung der konservativ-klerikal-polnischen Mehrheit ist abzMehnen. Uni er Wirtschaftsleben ist zerstört, unser Ansehen im Auslande gefährdet, unser ganzes Staatswesen schweren Erschütterungen ausgesetzt. Für alles das machen wir die konservative Partei und das Zentrum mit seinem polnischen Anhänge vor dem deutschen Volke verantwortlich. Tie konservative Fraktion ist es, welche den Block gesprengt, dem Zentrum den Weg zur alten Macht gebahnt, den hochverdienten Reichskanzler gestürzt hat. Und unter das Joch dieser neuen Koalttion wollen die verbündeten Regierungen sich beugen? Das deutsche Bürgertum in Stadt und Land rufen wir auf znm Widerstand und Kampf." An die Verhandlungen schloß sich am Nachmittag ein Festmahl im Hotel Kaiserhof. Freiffunige Vollspartei. Ter Zentralausschuß der freisinnigen Volkspartei, der aus den Delegierten der Bezirksoerbände und den Abgeordneten der Partei besteht, war am Samstag und Sonntag im Reichstage versammelt. Abg. Tr. Wjemer erstattete Bericht über die politische Lage. Er betonte, daß die Freisinnigen dem Black keine Träne nachweinten, aber auch feinen Anlaß hätten, auf die Periode der Blockpolitik mit Bedauern zurückzublicken, die dem Lweralismus eine Reihe längst ersttebter Reformen gebracht habe. Handel, Industrie und Gewerbe würden nach der Sprengung des Blocks letzt die Wirkungen einer reaktionären Gesetzgebung am stärksten ipüren. Zentrum sei wieder Trumpf geworden. Tas Zentrum zeige allerdings zunächst Samtpfötchen, werde sich aber, was es jetzt an neuen Steuern bewillige, auf anderen Gebieten bezahlen lassen. Nach einer sehr angeregten Diskussion wurde einstimmig folgende von Dr. Oehlle (Breslau) eingebrachte Resolution angenommen: „Ter Zentralausschuß spricht seine volle Zustimmung zur sachlichen und taktischen Haltung der Neichstagsfraktion der freisinnigen Volispartei aus und vertraut daraus, daß die frei- linnige Fraktivnsgemeinschaft wie bisher einmütig uno entschlossen den Kamps gegen agrarisch-klerikale Jntercssenpolitik und win- schafttzpolitische Rückständigkeit für Freiheit und Gemeindewohl führen wird." Bei der Fortsetzung der Verhandlungen wurde eine von dem Abg. Bleck und BuschhauS und dem Vizeadmiral a. T. Hoffmann beantragte. Resolution angenommen, in der die von agrarischem Eigennutz beeinflußte, Handel und Industrie, Handwerk und Gewerbe einseitig belastende Steuergesetzgebung der neuen Mehrheit des Reichstags aufs schärfste verurteilt, die Haltung der Regierung bedauert, und die Anhänger berjrci]innigen Volkspartei, wie das gesamte liberale Bürgertum in, stabt und Land ^zn entschlossewm Widerstand und energischer ^Abwehr aufdeTorDc’rt werden. Insbesondere wird der Erwartung Ausdruck gegeben, daß die liberalen Parteien im Parlament wie int Lande mit allem Nachdruck für eine gründl iche Wahlrechtsreform in Preußen ein» treten werden, damit die Machtstellung des Junkertums in Preußen, wie sein Einfluß auf die Neichsgesetzgebung gebrochen unb liberaler Staatsausfassung volle Gleichberechtigung und Geltung im öffentlichen Leben errungen werde. Reichstagsabg. Fischbeck beleuchtete eingehend das Verhältnis der freisinnigen Volkspartei zu den anderen Parteien und besonders zu der deutschen Volkspartei und zur freisinnigen Vereinigung. Dabei erörterte er auch die Frage der Einigung der drei linksliberalen Parteien, die Gründung des Hansabundes unb des deutschen Bauernbundes. Tie Diskussion über dieses Referat wurde verbunden mit der Besprechung eines Vortrages, den der Abg. Ko p sch auf Grund reicher Erfahrungen unb zahlreicher Mitteilungen aus dem Lande über die Fragen der Organisatton und Agitation hielt. Nach einer lebhaften und eingehenden Ausiprache, die alle in Betracht kommenden Momente beleuchtete, wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: tetr, den Grundsätzen der Sefbuocrivaltung und der Notwendig-- feit ausreichender i ozialer ,"vünorgc nickt völlig gerecht rrerben. Ter 'Sarteitag rriucht daher alle Crtsocrcinc der Partei, der Reichs- hmi(i?crung5oronuTiq ihr lebhaftes 3nteraic imurornbcn und enk- fprcdienoe Beschlüsse der Parteileitung zu übermitteln. Zr nächst - Parteitag soll sich u. a mit der Agrarfrage beschäftigen. Mit Tankcewortcn für die sichere Leitung brr Per Handlungen durch den Äbg. Schrader fand oct Parteitag fein (htoc. » Don besonderer Seite wird uns geschrieben: Aui dem Delcglcrtcntag wurde bei der Diskussion über die nol'.li'ck Lage auch Dessen berührt. Di. Strecker teilte üb' Bifncdiguilg Naumanns, daß der Riß, der dm Block ge'valtrn i'iü, rechts von den Rational iberalen entstanden iet, rooburta Di ie jetzt einmütig mit dem übrigen bürgerlichen Liberalismus gegen die Reaktion ständen. Umso charakteristischer und beoauer reb-.r sei die Situation in Hessen, wo der Ritz durch die Nationen - iib-ralen selbst mitten hindurch gegangen sei. Während sich die Abgeordneten Osann und Haas für btc Erbanfallsteuer ausg.- 'orocki!i hätten, wiise man von Criola und Hehl, daß iic keine (irclmbe davon seien. Falls sich die letzteren der Hofinung hin gaben. Durch möglichstes Zuruckhalten ihren Wählern gegenüber di ie Stellungnahme zu verschleiern, und ne bis zur nächsten Wahl öerge -en zu machen, io werde sich diese Rechnung sicher als salich erweisen. (5s iet eine ernste jcit, in der man feine Halben und Mxanten brauchen könne Wenn diese Herren selbst nicht io viel politisches Änstandsgesühl haben sollten, 'ick nun endlich als oas zu bekennen, was sie find, - nämlich konservativ, oder dock nnnbc’tcn-j ireikonservativ — so würde jetzt wohl unter den Wählern allen Anzeichen nach die richtige Erkenntnis oieier Tatsache wach Tiefe Gründung einer konservativen Gr ppc in Hessen, iür die es auch außer den genannten Herren als Führern nicht an (Elementen Z. B. bei den großen Grundbesitzern, bei den positiven Geistlichen, Irt den hohen Beamten usw.l fehle, würde für das voliti'chc Leben in Helfen mit Freude zu begrüßen sein, weil das zur Gc'undung im Sinne der Klarheit uiid Ehrlichkeit beitragen würde. Bei der Ausscheidung bcu konservativen Elemente würde der Natwnal- l'betalismus auch in Hessen manchem liberal denkenden Mann wieder brauchbar erscheinen, dem man es heutzutage wahrlich nicht verargen könne, wenn er den Liberalismus derer um Hehl und 'rtola nickt ganz zureichend fände. Für die Zukunft unseres Vaterlandes fei cs geradezu Bedürfnis, daß zwischen den Extremen zur Rechten und zur Linken eine starke wirklich liberale Mittel- vartri stünde, zu der sich die Freisinnigen mit den noch wahrhaft liüerah ii Nationalliberalen sehr wohl einmal zusammenfinden könnten und müßten. politische Tagesschau. Reichssmauzreform und Kanzlerwechsel. öeflemiber der Meldung, daß die Frage der Rach- folgcschaft des Fürsten Bülow bereits entschieden sei, kann das Berliner Tageblatt mitleiien, daß zuin mindesten bis borgestern abend eine Entscheidung noch nidjl getroffen war. Die größten Chancen scheint nach wie vor der offizielle Kandidat, Herr von B c t h m a n n -/H o l l weg, zu haben, für den man auch in den Kreisen des Bundesrats cintritt. Für Herrn von Rheinbabcn ist von anderer Seite auch stark gearbeitet worden, aber vermut- Ml, ohne Erfolg. Die Ernennung dieses reaktionären Ministers zum Reichskanzler würde Nichts anderes bedeuten als den absoluten Triumph des preußischen Junkertums. Graf Wedel beharrt bisher auf seiner Weigerung. In parlamentarischen Kreisen wird als Nachfolger des in absehbarer Zeit seinen Posten zerlassenden StaatS- sclretars Sydow D c r n b u r g genannt. Bei der Bundesratssitzung, die heute vormittag in An- Wesenheit der eiuzelslaatiichen Finanzminister im Reichs- tagsgebäude stattfindct, nehmen auch alle Kommissare teil, die im Bundesrats-Äusschuß bei den Beratungen der Finanzrcform beteiligt waren. Wie verlautet, liegt es in der Absicht der verbündeten Regierungen, zum Ersatz für die vonl Reichstage in zweiter Lesung bereits angenom-« uienc Kolicrungssteucr eine E 0 upvnsteuer vorzu- jchlagcn. Außerdem steht heute noch ein anderer Steuer- plan zur Beratung, der einstweilen noch geheim gehalten wird. An die Beratung des Bundesrats dürften jidi alsbald die Verhandlungen mit den Führern der neuen Mehr heit des Reichstages anschließen. Die Führer Der freisinnigen Fraktionsgc- mcinlchaft sind übercingekommen, daß gegen das Zustandekommen der Reiches iuauzresorm L-bstruklion nicht angewcudet werden soll. * Die freisinnige Einigung. Die freisinnigen Versammlungen oabt n fidr am Sonntag mit der Frage ihrer Bereinigung, ihrer Verschmelzung, be- schästigl. Wenn diese Verschmelzung eintreten soll,' muß I12 nicht nur die Freisinnige Volkspartei und die Freisinnige Vereinigung, sondern auch die Süddeutsche Volks- Partei umfassen, tb Die Voraussetzungen für die Fusion bereits uorbanben, inwieweit Bedingungen für die Verschmelzung mit begründeter Aussicht, daß sic dauerhafter wird, als die vom 3. März 1884, zu schaffen sind, werden Vertreter der einzelnen Gruppen in näd)|tcr Zeit ge^ n i.ssenhaft m gcmeinsame r Arbeit prüfen. Zu diesen Beratungen find bestimmt die Lbgg. Ar. Wiemer, Tr. Müller- Meiningen, Payer und Schrader. Ausland. Die der Pforte, zu uöerreichenDe Note der vier Sckutz- mäckte Kretas ist ber’üs vorbereitet wt? den Rnbniettm zur ck e n Gebiet c s durch di? russischen Truppe n, sowie die Bildung um-? liberalen 8 adinettes^ gestellt. Die briindv- und die russisch' Gesondtfchait we Den morgen antworten, daß iic zur,ei' wegen der Forderungen Swai'dars beim Schah nichts nntenubmen könnten. Großbritannien, Eeücneitf’ Ungarn und die Bereinigten Staaten haben zur Memunis der dnnemeben Regierung geb tackt, daß sie das russisch chiiieiijche Abkouimen über die Verwaltung der russischen E1 s e n b a h n z 0 n e i n der Mandschurei nicht anerkennen, da die Bestimmungen. ü; das An- sieoelungsrecht internationaler Niederlassmlgen in l1 bma be rühren, aus dem Vertrag der Mächte hervorgehen müßten. Die Prüfung öer vorschuhberechnung der Gber-Noastädtcr Kaffe. tb. '.’iibba, 5. Juli. Ler heute nachmittag vom Amtsgericht "Rrdba anbevaumte Term in in Lacken der ui^Honfurs geratenen L her Machst ädter »lasse, der im Krastschen Saalbau statt fand, war von ca 250 Mitgliedern der Kasse, darunter auch zahlreichen Frauen, besucht Gerichtsassessor L a n z wies als Vertreter des ^onkursgerichts darauf Hin, daß irach § 147 des iRnroisewchaf ts-<^eietz's der Man kursverwalter, nachdem er die Bilanz ausgestellt Hat, eine Var schuß Berechnung vorznlegen Hat und der sich danach ergebende Fehlbetrag durch Zuschus'c der Mitglieder gedeckt werden müsse. Konlursvcnralter Reck rsanwalt S a n d m a n n Hungen legte dar, wie inait seit Juli vorigen Jahres tätig gewesen sei, die naik in Verwirrung geratenen Bücher der ...issc wieder 1:1 CrDnung zu bringen, daß daraufhin die Bilanz für das Jahr 1907 und dann eine solche bis zum 29. Februar 1908 her-gestellt wurde, um danach die Zuschüsse der einzelnen l^enofien zur Deckung b j Fehlbetrages festseien ,m können. Für jedes Mitglied sei ein Betrag von 2500 Mk. zu leisten, womit man aller Wahrscheinlichkeit nach auskommen kann, um all ? Verbindlichkeiten der Genossen - chaster erfüllen zu können. Allerdings könne nicmanb bestimmt zunchern, daß nicht später eilt kleinerer Nachschuß verlangt locrdcn müsse: es sei aber ebensogut möglich, dost die 2500 Mk. zu reidy- lick bemessen seien und sich ein Heiner Uebersckuß ergeben würde, der bann selbstverständlich jedem Mitgliede wieder zufiele. Der Gläubiger Ausschuß und die Konliirsocnvaltuiig waren gerne infam der Ansicht, daß man tunlichst vermeiden müsse, mit einer Nachrechnung ;.i kommen habe ein Teil des Gläubiger-Ausschusses einen Zuschuß von 301)0 Mk. für das Mitglied verlangt, nad) anderer Ansicht glaubte man mit einer geringeren Summe auszuwmmert und so sei denn das Kompromiß entstanden, oatz 230.) bezahl: iverben soll:en. Zur Begründung des verlangten Zuschusses pellte Rechtsanwalt Sandmann folgende Redmiliig aus: Fehlbetrag 373 773 Mk. abzüglich 152519 Mk. doppelt an gemeldeter Wechselforderungen, io daß 421 263 Mk. zu decken find. Hierzu li'nimcn 25 Prozent Aussall der vorhandenernAus Nande mit 336 398 Mk., so Satz der gesamte Ausfall 737 661 Mk. betragen wird. Tic Kasse zählt 423 Gciwifen, von denen sämtliche zur Deckung der Summe von 2300 Mk. herangezogen werden sollen. Dabei sei mit einem Ausfall von 23 Prozent zu rechnen von Mitgliedern, bei denen ent» iier nid t , erlangen sei. Richt berücksichtigt seien Die Außenstände bei Wert - hei nur u. Eo. 1 Büdingen , Fr.-Schreiber Hanau, und bei d.r Firma Thoniae 02387 Ml. aus. Um d.eien 'Betrag zu beden, genüge eine Zahlung von 1300 Mk., er stelle den Antrag, btc Aufstellung in dem von ihm angegebenen Sinne zu berichtigen und ben verlangten Zuschuß zur Deckung der Ver vilid-tungen aus 1300 Mk. sestzusetzen. Reich: der Betrag ipoier »idji au.-, so tonne man ja nod) einen Rach sä uß emforoern. Notar M etz- Ribba erklärt namens oes Güiubiger Ausschusses, baß unter allen Umständen der Zuschuß von 2500 Mk. gefordert werden müsse. Das Gesetz verlange diese Deckung und man habe einstimmig diese Summe im Gläubiger Ausschutz beschlossen, die gleiche Ansicht habe der Konkursverwalter vertreten. Eine Herab letzung liege gar nicht int Interesse ocr GeiMsscn, da dann jp.iter bock ein Ji’adridjuB verlangt werben muß mib ivätcr Schwierigkeiten erwachsen, diesen Nachsckmß von der Dl hrs t i beijubringcii. Rechtsanwalt S 0nthcimer Gelnhausen ist als Vertreter eines Teils der Mitglieder der Kasse der gleichen Ansicht wie Bürgermeister Birkenst«5 Er erhebt ben Einwand, daß eine Zahlung von 2500 Mk. aie.ckbedeutend sei mit rin-'r AuUagenehmung von Kapitalien, die ,ur D-crkunr des Fehl- derragrs nicht nötig sind Der Vorschlag der lötn Mk. oder einer nicht viel höheren Summe scheint ihm annehmbar. Er müsse entschieden eine Hthrmtng der (kmonen reNan-ren, selbst au> die Geiadc eines Rachsch'isses hm Die Mehrzahl der (neiwücn werde frei einem Verlangen von 2500 Mk w'rtscka'tlick nnnirr-, wäHrenb eine Zahlung von 1.500 Äk. jidi eher möglich mccheit lasse. Mon^ solle dock daran denken, daß die Mehrzahl der üiniu auch noch Schuldner der Kasse seien Karl .H c. Dauernheiw ist der Ansicht, daß augenblicklich der Fehlbetrar ia nod) gar nuln sc st steh c, er halte daher die Vor- idniEbendytung im lepigen Stadium des RorJuric-o rür verfrüht und beantrage, sie später, wenn mehr Klarheit über die eutylnet Posten gefctarfeii sei, neu auizumacben. iverickUsasfessor Lanz bemerkt, daß der Konkursvernmlter vcrpflicktct sei, die Bilanz nach Ausstellung der Vorickußberechnung auszumachen. Er verkündet als Konkursricktrr Beschluß, daß der Einwand Heck zu verwerfen sei. RcchtsamvaU Sandmann crETärt, baß er beabsichtige, von dem bis zum Herbst cingeqangcnni Gelde eine teilweise Be- fncinguug der Gläubiger vorzuiictmien Er sei als Kontur»* i-erweiter rerptlidnct, nicht nur das Interesse der Schuldnci. sondern auch dos her Gläubiger zu wahren, es handele 'ich bei den lc| tcren teilweise um sehr große Summen, man wu'>e audi den Leuten gerecht zu werden ,'ud«i. die an Zinsen mehr ocrlwrer.. als hier von dem einzelnen Gcnosüm Derlangt w.«d Ct wolle: nöglich beenden. .'.Ern werde den 3u- 'ckuß in Raten leisten könncir. iveiut es nölig sei, und aichcro -.assen in Anspruch nehmen, um den Leuten die V^öglichkerL der Erilienz zu belassen. Rcd:tsanwalt Metz-Nidda verweist auf die gesetzlichm Bestimmungen und die dazu gegebenen stonrmentarc. Rechtsanwalt 5ontbcimer verweist darauf, daß mefentliehe Teile des Vermögens tu der Äbrrchnimg, hie b,7 Vorfcwißdercch- nun-i zugrunde liegt, fehlen, daher fei die Bilanz nach kauf- ntänniidKn Begriffen nicht richtig und führe zu ialidien Sastüjfcn, cs gehe daher nicht an. den Zuschuß her Genoffen anr 2300 Mk. scstjusctzen Dröhnender Bcuall folgt dicicn Ausführungen. Gcrichtsaffeffor Lanz erklärt, man befinde sich hier nicht in einer Volksvcrfammlung, fonden, cs handle sick um einen gerichtlichen Termin, in dem er barlrgcn mußte, daß cs ernst zu- gchc. Das Vorgehen des MonhirdVeriDaIter-5 entfprecke dem (Gesetz. Der Konkurs der Mafic fei ein großes ll 11 glück, icbcr, der in dem Verfahren mit zu wirken hat, habe hie Pflicht, alles zu tun um btc Interessen der Genossen .yt wahren. Er iei überzeugt, haß ber Montur»ucrivaltci bei Einziehung ber Zuschüsse nickt rigoros Vorgehen werbe und in jedem einzelnen Falle bestrebt sein werde, ben Genosien die Epistenzm.'glichkeit zu wahren Rechtsanwalt M c i l Büdingen, Mitglied beS Gläubiger Ausschusses, verweist darauf, daß bisher 1)0 000 Mark ".luBCufUinbc cingcgaiigen find. Diese werfen bod) nicht erhebliche Zmien ab, um io weniger als die Summe bald verteilt werden foll Die Zufchüfsc der Mitglieder werden auch nicht fo prompt geleistet werden, fo daß aurij hierfür große ZinSeinnnahmen ntdu zu erwarten fein werden. Gerichtsaffessor Lanz veranlaßt den Gläubiger Ausjchuß, zu beraten, vb man nickt mit einem geringeren Betrage als 25m Mark ben Vonei uß ber Genossen bemessen kann. Rackbcm der Gläubiger Aussckiuß längere Zeit beraten hat, teilt Rechtsanwalt M c tz mit, obgleich man vor wie hart) ber An - fickt ist, baß 2500 Mark nötig finb, daß man ben verlangten Zuschuß auf 2300 Mark ermäßigen will Bürgermeister Birken stock unb Recktsanwait Spntheimer erklären übereinstimmend, baß sic im VcrgHichswegc bereit feien, einer Vorschußsumme von 2<)00 Mark ihre Zustimmung zu geben. Rachbcni Gerichtsaffessor Lanz vergeblich verfuckst hat, bic Parteien zu bewegen, »ich auf 2200 Mark zu einig n. verkündet: er ben Gerichtsbeidstuß, baß Bilanz unb Vorfchußb, rccknnng zur Berichtignug 1111b Prüfung an ben Konknesoerwalter zuruckzuver- weifen feien unb später ein neuer Termin anzusetzen in. Auf Auffvrdermig erleben eine ganze Reihe von "L’cnmv u Ctnrociu bungen wegen ihrer Zugehciigkeit als Mitglied zur Cb. r Mvck- ftätter Kasse. Aus Stadt imö Land. Gießen, 6. Juli 1909. ** Bestätigung. S. K. H. der Großber.zog yat die Wiederwahl des feityerigeu unbejoicctcn Beigeordneten, OrtSgerichtsvorstehers und Kaufmanns Reuidurd M n i c - c 1 c m und die Wahl des L rtsgcritytsmanns und Kauf-- manns Bernhard Lentz zu Bad Rau heim zu uubefol- deten Beigeordneten ber Siadt Berd Aauhcun bestätigt. ** N c u c F 0 rftmcifrcr. S. K. H der Großycrzog hat dem Oberförster und iorfncdmifdicti Beamten bei bem F0rslvermeff 11 ngs- und Taxationsbureau, Dr. Karl ll r- U a d t zu Darmstadt, beni Cbcrförfter ber Cbcriörflerci Groß-Stcinbeini, Wilhelm Fuchs, bem Cbcrförfter der Cberfärftccei Beerfclbcn, Georg Kammer, oem Cb. 1* " erster ber Lberförsterei Lampertheim, Wilhelm Schaaf, bem Oberförster ber Overförfterei Wahlen, ugo Kiraj^ n cr, dem Cbcrförfter ber Cbcrföritcrei Aindlauien, Ernst Mettenheimer zu 'jiomrob, ben Eharalnc als „Forstmeister" verliehen. ** Erledigte Lchrcrstellc. Erledigt ist die mit* einem tatholischcn Lehrer zn beictzcnoe Lci/rerftelle ^u Trais. Mit Ber Stelle ist Crganincndtenst verounden. ** Der Reichstagsabgeordnete Graf C riola veröffentlicht in der Deutschen Tageszeitung eine- Erklärung, worin er beaauert, daß ourdi die Reichsfinanz- reform eine Krise zwisdien den Rationalliberalen und denr 2Ucittcs Feuilleton. — 21 n l ä 6 l i co bei Festlichkeiten z u Ehren der 4 0 0. Wieder ke h r des Geburtstages des R e f 0 r - m a t 0 i -j Ealvln fand im Reformatlonssaale in Genf eine F estsitzung statt, in der Aboidnungcn aller bürgerlichen und ■ Vertretungen aller pro icitantifd 11 K11 cheii der Wci: tcilnahnfcn. Unter anderen hielt ber Vorsit lide d Cberfirdjenratd ber coaiigclisckeii Kirchen Preußens, Ezzcllen; Tr. Voigt, eine Ansprache namens der Zeiitralkoinmisiion ber proleslantifchen MirdKn Dcutschlmids. — - Anläßlich bei Calvin Z-eier entaiuuc bic Uniüeiniat Bern den P fairer Schlosser in Wiesbaden zum El)rcn- b 0 f 10 i. — Richard Muther hat, wie bem B. T. mitgeteilt wird, Noch^ wenige Wochen vor seinem Tode ein Werk vollendet, bas btc Summe feiner Lebcn-.e> beit bilbeit sollte: eine umiaiienbe neue Geschickte der gesamten Malerei vom Auftommen be-.- Ehiisten runiv bis zur Gegenwart, bic in brci Bänden mit enva 230«) Ab- Vilbungcn in Konrad Grcttstcms Verlag in Leipzig ersckeinen wirb. - Die Reife ins Paradies. Ein Reiseboku-- utent ganz mcehöfirbiger An wurde, nach der Bad Landes-Ztg.. den.Besucherinnen bei MäbckcnhandclSschnle m Feldkirch von Klosterfd ivcstcril kürzlich in die L»aud gedruckt Tie Zettel hatten folgenden Inhalt: ..Billette für bic Reife ins Para dies! Zeit ber Abfahrt: Iebc Stunbe gebt ein Schnellzug. Ankuiiit: Wenn Gott will je uadjbcni. Preise bei Plätze: 1. Kiastc: Unschuld obci Buße unb Crdenspwfeß nm ben v>c lübben bei Ai mut, bei Keuschheit unb des Gehorsams. II. Klasse : Buße unb Vcitrauen aus Gott mittels eines frommen unb keuschen Leben-.. 111. Klasse: Vollkommene Reue unb Ergebmig ui den gelt licken Wille,'. 'Beobachtung der Gebote Gottes und imülhing ber 2tanbi‘pflid^it im Ehe ober Witwenstanbe. B.iierk- u 11 g e n 1. Retourbitlcns 1 verben keine aitogeg-ben. 2. Vci gnügungszüge gehen nicht ab. 3. Kleine unvernünftige Kruder bezahlen nichts, wenn sie sich nur im Mutterschoße Indien Kirche) befinden. 4. Die Passagiere werben gebeten, Lin anderes Gepäck, als gute Werke mit sich zu nehmen, nenn ue nicht ben Zug versäumen ober auf ber vorletzt n Station. Feg feuer genannt, wo tebcs anbere Gepäck abgelegt weiden muß, eine un liebslnne Verzögerung erleiden wollen. 3. Reifende werden auf allen Stationen ber ganzen Lime ausgenommen. 6. Icbes Billett muß bcu^ Stempel her heiligmachenden Gaab, tragen, entweder seit der Taufe, ivcun verloren, durch das !>!. Bu'':sa'ramem neu visiert. 7. Jeder Reisende kann während des Weges, ivemi er einen größeren Preis nachzahlt, von einer niederen in eine höhere Klasse umiteigcn, hingegen mutz das Uiintcigen in eine nicbcrv Klasse — als kbcn-ogefubrlid) — burdiaue- mißraten werben." Dieses Kulturbokument, bas sich audi burd) seinen Stil aus- seid:nct, ist im Jahre 1909 in der Bonifaziu^ Druckerei zu Paderborn facrgcitcilt worben. - Eine mitfühlende Seele Em Meister der Reklame i'i offenbar ein Gastwirt, der, dem B gangsportale des Friedhois eines Heinen, natürlich amerikanischen Ltäbtchens in Riescniettern den Besuchern der Rithenätte ihrer Toten btc tröftlidje Rachrickt m komm en läßt: „Für ^y'.ternDc! Ten verehrten Herrschaften, bic oen Vertust eines lieben «nmitlien- mitgliebeß ober eines Freundes zu beklagen haben, erlaube ich mir in meinem Hotel, das in nächster Mhe des Friedhofs gelegen ist, bcionfcic Zimmer anzubieteu. wo fie sich ausruhen und ungestört von Iniäfngelü-en, neugierigen Blicken ihrem Schmerze nadil)üngen können Diverse -Aeme und Liköre!" Wer denkt da nickt an Wtihelni Buschs „fromme Helene", „iver Sorgen bat, hat auck Likör?" Jedenfalls zeigt dieser HotetwiN eine raffinierte (^csckicklickketi, Freud und Leid des Lebens für fich aus.'.mutzeii unb eme ntd't unbeträchtliche Menn tu i des menfcklickcn Herze.ts — Tic „traurige n 'W 11 roc n". Bei dee ■»<’. Ausführung brr „Lustige,^ Witwe ' in Lissabon erleb! • das Publikum ein eigenartiges Schauspiel Ter Eintritt ivar^ fret und o<-Haus überfüllt. Als nach der CuDcrlüic un Trmbalc Thcatcr iki Vorhang auiginq, jähen die uberrafd trn Zu.dxruer auf ocr Buhne eine lange Laiel, an der lünjig alte schioarz'icklc,hetc Frauen ängstlich und verschüchtert burd) die ungcirohnte UmgeJuiig »atzen: traurige Witwen, ötc nun durch die berühmte „Luitigc" eine Freude erleben sollten. Die Larfleller beschenkten btc armer »rrouen mit Geld unb aller lei Gegenständen, das Publtkuin luibm, daran teil und erst nach Ausübung dieser unprootiirrten Milt>- tätigten lngann das Spiel. — Diehnmori st ischen Spartaner. 5t3.irr hat mart bic alten Spartaner traouiondgcnui! jur hocku ernsthafte unt> raube Herren gehalten All cm wie hu nunmehr beendeien Ausgrabungen dcs englifcken archaologucken Instituts im Tempel» bezirk der Artemis Lrthia zur - antifen Bewohner bei Nasfiickc-n Stadt nicht wenig 2um jur leichtes Spiel, zierliche Kunstübungen unb guten Humor. Man. hat nicht weniger als fied-igtaufend Blcingurckwn auiflcTunben, die Göttinnen. Kricgcr, Sphinxe, Kentauren >cnnc Kranze. Bweige- Sd-nollcn unb zahlrcicke (Gegenstände roribitdi.-n Schmuckes oar- ftcllen. Auck btc aurgehmbrnfn Tonmasken bfiincm sich auf mehrere Tausende, manche find so klein, als wenn sie für ein Puppen: In ater bestimmt geiorjcn wären. Reben den ernsten Maöieil bilden die kornnckjen, »ehr rcalnnsch gehaltenen die Mehrzahl; hier tritk brr herbe Humor der Spaitencr besonders lebhaft hervor. Schließlich wurden noch, wie die „Antiquitäten Rundsck." muteil!. Hundert von Vasenteilen und gegen taufend Basrclirß. auf Knocken, (iiienbcin und Bronze luogegrohnt. Tie Funde finö> für die Kunst- und Kulturgefchichtc der alten Spartaner höchst wichtig. - Eigenartige Bedingungen stellt das Gut Tcscken- dort Kreis Labes- seinem Racktn-äckter. wie iofgenDe» Inserat in der Kreis (fcuung zeigt ..Tom. Tesck ndors sucht einen nuch- tcnnn Rachtn ick.tcr Derirtbc darf mindestens des Aackis nicht selber vedlen, keine vunr nuenidlen und iitdit den anderen Svttz« buben bkini Wegfchafjen tkr genohlrncn Sachen bchu l.ch jeuk'4- Zweiter Lehr zang: Lt. v. Reichenau, Hess. F.-R. o. 101.2 Uhr er- Tie für heute vorgesehene Eröff- L i ch — Ettingshausen — Grün- luerbcn, da infolge des anhaltenden Karl Behling 41., 42., 48. meter lang. — Lich, 5. Juli, nung der Bahnlinie Gießener Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung für Hessen am Mittwoch dem 7. Juli: Veränderliche Bewölkung. Regenschauer. Mäßig warm. Westliche Winde. Wittibe der Smibmirte ausgebrochen sei, so daß rhrn die Möglichkeit zu weiterer Tätigkeit genommen sei, da die Fraktion gemeinsam abstimme. Auf eine Mitteilung des Bundesvorstandes hin, wonach seine Stellung als Vor- s-ncnder siir Hessen mit seiner Zugehörigkeit zur natincü- Iiberaten Partei unvereinbar sei, sehe er sich gezwungen, -ii seinem lebhaften Bedauern ans der nationalliberalen ihraltion auszujcheiden, mit der ihn die herzlichste Freund- Ichaft verbände und der er so lange angehört habe. . , ** Nach Berlin. Staatsminister Ewald und ,Finanzminister Gnauth haben sich heute zu den Bera- Hingen des Bundesrates über die Reiä)ssinanzreform nach Merlin begeben. •• Aus dem Militärwochenblatt. Zum Besuch ■?cS ersten Lehrganges zur Feld-Artillerie-Schießschule kommandiert: die Obersts, v. Strzcmi e czny, v. demKnefe- 'b eck im F.-R. 25. — Zum Besuch der Lehrgänge 1909/10 üc Leutnants zur Feld-Artillcrie-Schießschule kommandiert: :t. Baron v. der Recke, Hess. F.-R. 25. Zweiter Lehr- Vcrnrrschtes. * Zum Eulenvurg-Prozeß. Uebermorgen soll der Eulenburg-Prozeß in zweiter Auflage beginnen, und program mäßig kommt heute die Meldung, daß seit vorgestern in dem Befinden des in seiner Berliner Wohnung befindlichen Fürsten Philipp zu Eulenburg eine bemerkenswerte Verschlimmerung eingetreten sei. Der Fürst, der in den letzten Tagen täglich Ausfahrten unternommen l>atte, konnte Samstag und Sonntag das Bett nicht üer> lassen und Hal mebrsach schwere Herzkrämpfe und Ohn- machtsanfälle erlitten. Medizinalrat Dr. Hoffmann ist gestern an das Kreusteulager Eulenburgs gerufen worden. Äugenbliälich sei das Befinden des Fürsten so schlecht, daß er, wenn feine Besserung eiutriit, übermorgen kaum an Gerichtsstelle wird erscheinen können. jileinc Tageschronik. Ter Awtor des Ftugavparates Orvillc Wrights versagte bei Jovi Wi i), c v plötzlich und die Flugmajchlne stürzte zur Erde. Cvvilic Bright tarn icoodj nut leichteren Verletzungen davon. 18., 34. Wilhelm Scharmann 30., 31., 46. Hünermund 32., 47. Die durchflogene Strecke mar 204 Kilo- Sechs von den Deserteuren von Casablanca, deren Angelegenheit vor mehreren Monaten das Schiedsgericht im Haag beschäftigl Hal, wurden gestern mittels! eines Transportschiffes von Easablanco r.afh Cran gebrächt. Der siebente der Deserteure, namens Fritz Reber, stürzte^ bei der Einschiffung in Cn ja binnen so unglücklich hin, bay' er schwer verletzt in Easaolanca zurüctgetassen werden mußte. Zn dem Orte Greil (Tepaitement Life) st a r b c n von einer , niis 8 Personen bestehenden Familie nach dem Genüsse von' Pilsen 5 Personen. Ter Zustand der übrigen 3 ist hoffnungslos. Gestern nachmittag gegen 5 Uhr hat eine Springflut in • P a r in a großen Schrecken hervorgeriiien. berg mußte verschoben RcgemvetterS noch einige Arbeiten unterbleiben mußten. Rach Mitteilung der Firma Lenz & Eo. findet nunmehr die Der Nleiderluxu; des Mittelalters in Deutschland. Von A. K. Ein sehr selten gewordenes Schristchen: „Trenhertzige War- nung, Wieder die Hofsertige und überaus ungestuttc Mlcibunj, jtziges Weibs und Manns Personen. Jefaias XIII. E. • Gedruckt zu Erffordt durch Martin Wittel, wohnhästig zum gülden Engel. 1586." Drei Bogen in Quart fassend, gibt uns Nachrichten über die Modc und den Kleiderluxus gegen Ende des sechszehnten Fahr- Hunderts, wogegen damals öffentlich, und besonders auf den Kanzeln, leider vergebens, gekämpft würbe« i Es ist für unsere Zeit mit ihrer übertriebenen Modesucht interci’ant und lehrreich, die Mode der damaligen Zeit kennen zu lernen. Gilt doch das Urteil des anonymen Verfassers — natürlich modifiziert — teilweise auch noch heute. So mögt denn ein kurzer Auszug — nur in der Rechtschreibung geändert — zur Unterhaltung und Belehrung der Leser folgen: Asto wollen wir ein wenig mustern und betrachten die Kleidung der Weibspersonen. Tie haben jetzt von Welschland hcrübergckommene kleine samattne Hütlein, nicht zu bedecken das Haupt, sondern allein zur Zierde und Hoffahrt: die sind so klein, daß sie nickst, den vierten Teil des Hauptes bedecken mögen, uitb sieht aus, als wenn ein Weib einen Apfel auf den Kopf setzte und spräch: Das ist ein Hut. Darnach, um auch Hoffahrt zu treiben mit dem Haar, machen I Die Weiber daraus einen Säuhag. Tenn die Haare müssen über sich gezogen werden, über einen Draht, gleich wie man in den Säuhagen die Ruten über die Tremel zieht: und das soll hübsch fein! Möchte man doch ein Kreuz schlagen, wenn man so etwas sieht, wie gegen ein Gespenst. Tas nennen die Weiber aber eine Orsginal-Drahtmelduiigen. Neustadt, 6. Juli. Ter vom Bund der Landwirte und von den Nationalliberalcn ausgestellte Reichstags-Kau- bibat Buhl ist von seiner Kandidatur zurückgetreten. An seiner Stelle kandidiert Dr. Gustav Oe hier t. Niel, 6. Juli. Der niederdeutsche Dichter Joachim Mahl ist gestern im Alter von 82 Jahren in Segeberg g e st o r d en. London, 6. Juli. Die Firma Henry ^chrodeL stiftete 20 000 Pfund St zur Errichtung einer Prosejsuv für deutsche Sprache an der Universität zu Eam-, ** Großfcuer. Gestern abend gegen tönte Feuerlärm und gleichzeitig sah man weithin über )ent Zentrum der Altstadt eine glühende Lohe zum Himmel chlagen, die durch einen Funkenregen belebt wurde. Bon il(cn Seiten der Außenstadt kamen Ströme von Menschen ,ur Brandstelle. Wenn man vom Seltersweg her sich dem ircuzplatz näherte, hatte man einen Anblick, den man so eicht nicht vergessen wird. Tie Giebel und Dächer der itten Hauser des Platzes wurden durch das Feuer in der iahen Rittergasse magisch beleuchtet. Gegen 3 dl Uhr beraten wir die Brandstätte in der engen Rittergasse. Ein Eröffnung der Teilstrecke Lich—Bessingen—Münster— Ettingshausen—Harbach—Oucckborn am 15. Juli und bei Reststrecke Queckborn—Grimberg am 1. Augn st statt. § Ruppertenrod, .5. Juni. Gestern hat unsere Gemeinde ein schönes „G ustav Adolfs-Fest" gefeiert. Ter Ort prangte im Festschmuck und ebenso reich war das Innere der Kirche geschmückt. Um ’ ?2 Uhr begann der Festgottesdienst. Tie Kirche vermochte nicht alle Besucher aufzunehmen. Den Allaroienst versah Pfarrer I u n g- Lber-sOhmen, die Festpredigt hielt Pfarrer S t a u b a ch Groß-Eichen. In der eindrucksvollen Rede schilderte der Festprediger die Arbeit des Gustav-Adotf-Bereins. Chor- geiaug der Oberklasse der Schüler verschönerte den Fest- gottesdienst, an dessen Schluß Pfarrer Schmidt-Grünberg beit Rech enjchaftsber ich t des Vereins verlas. Um 4 Uhr begann in dem Garten der Brückenmühte, einem idealen Festplatze, die Nachfeier, zu der sich eine sehr starke Zahl von Besuchern eingesunden hatte. Ein Ehorgesang der Schüler unter Leitung des Lehrers Strack eröffnete die Nachfeier. Ein geschichtlicher Ueverblick zu Gustav Adolf von Pfarrer Jung leitete über zu Einzeivorträgen von Schülern der Oberklasse, die wie ihre Gesänge allgemeinen Beifall fanden. Tann hielt Pfarrer Bolt aus Galizien eine über eine Stunde dauernde Rede. Darin zeichnete er ein kulturelles, religiöses Bild voll so interessanter Einzelheiten und schilderte die Not der Evangelischen in Galizien mit solchem Feuer der Begeisterung, daß jedermann gekannt ihm zuhörte. Eine Ansprache des Dekans Wagner-Grünberg, worin er in herzlichen Worten der Gemeinde dankte, die cd verstanden, in solch schöner Weise ein Gusiav-Adols-Fest' zu feiern, und der Gesang der Fest- gemeinde schloß die Feier. Auf welchen fruchtbaren Boden das Fest gefallen ist, zeigte die Kollekte von 164.14 Mk., sie wurde zum Teil für Rockenberg, zum Teil für Galizien iltes, nicht mehr als solches benutztes Lagerhaus der Firma Zakob Heilbronner brannte, ein uraltes Lehmfachwerks- zebäude, in dem Kohlen und Kisten sowie altes Berpackungs- nalerial aufbewahrt wurden. Tie Feuerwehren, die gestern wend Ucbung hatten, waren sehr schnell zur Stelle, und nenn die Mannschaften wegen der Straßenbahnarbeiten auch !vohl ihre Last hatten, die Schläuche au die Wasserleitung ^nzubringen, so wurde doch rasch auch diese Schwierigkeit überwunden. An dem brennenden Gebäude war nicht viel -u retten. Es galt die Nachbarschaft zu schützen, und mit "lufgeboi unendlicher Wasser mengen — lö Schläuche gaben ärmliche Fluten auf ben Brandherd ab — gelang es in '..stündiger harter Arbeit, das Feuer zu dämpfen, während 3 Mann der Feuerwehr noch mehrere Stunden in Tätig- leit blieben, um ein Aufflammen der Gluten zu vcrhin- iijern. Interessant war es, mit welcher Schnelligkeit ein Klad)bargebäube des Hofwhnkutschers Huhn ausgeräumt Hvurde. Der betreffende Fachwerksbau stand in Gefahr, tont Feuer erfaßt zu werden. So schnell und prompt inie heule nacht die Schlitten ans diesem Bau herausgeholt limrbcn, ist es wohl nie, selbst beim größten ersten Schneeball geschehen. In der ganzen Rittergasse, die wie für ein großes Schaden,ener angelegt ist, herrschte Furcht wegen Ausbreitung des Brandes. Ein junger Mann hatte viel Mühe, einen wertvollen Bernhardiner ans einer Stallung icrauszubetornrnen. Das Tier war durch die Menschen und den Lärm so aufgeregt, daß es wütend bellte und schwer ■ ii regieren war. Aber auch humorvolle Szenen gabs. In »er Marktstraße war ein Schlauch geplatzt, gerade als ein j.mges Mädchen darüber stand. Das Mädchen schimpfte, »während ringsum alles lachte. Beim Feuer erschien ein bekannter Oberkellner aus einem Hotel in tadelloser Wäsche imb im Frack als Pslichtfeuerwehrrnann, ein Koch war in neißer Jacke üftb" Mütze direkt vorn Herd weg goto armen, vm als Feuerwehrmann seine Pflicht zu tun. Das Ebelsche 8)aus mußte im Dachgeschoß geräumt werden, da die Hitze das Verweilen von Menschen unmöglich machte, lieber LO Kinder, die im Schlafe gestört waren, brachte man in rer Nachbarschaft unter. Das Restaurant Felsing in der Marktstraße glich einem Althändlerladen, denn nach hier Tattcn in der Angst und Bestürzung einzelne Bewohner «ns der Rittergasse Teile ihrer Habe gebracht. Ein Glück, Laß das Feuer bei Windstille und nicht mitten in der Nacht <11111 Ausbruch kam, denn dann wäre das. Unglück groß »eworden. Einem Mann, dessen Möbel auf die Straße gebracht und teilweise geworfen wurden, ist erheblicher Schaden entstauben, da er nicht versichert war. — Aus bringt sie an den Bettelstab. Aber auch d i c M a nn s p c r s o n e n .. sind ganz in der Hofsart ersoffen. Um die Hüte tragen sic güldnc Spangen mit Rinken, wie die Weibergürtel. Dadurch geben fie । zu verstehen, daß sie ein weibisches Herz haben, das chr Manucs- herz vertrieben hat. Tie Haare müssen also gcstrobelt sein, wie bei einer bösen Sau, und hinten sind sie zottig, als hätten die • kleinen Katzen daran gesogen. Sehen aus wie ein polnud)ec' Bauer, der Morgens aus dem Stroh kriecht. Tazu tragen |ie auch Weiber-Krösen, und darüber hängen goldne Halsketten herab, als^ müßte cs so sein. Tic Aermci aber wurstig und dick, datz sie aussehen wie die Kommiß-Säcke. trugen sic sonst die Narren, und eine Schelle daran. \ Und wie abscheulich sehen dic hätzlichcn, langen ausgefulltcn Gänscbäuche aus, die oben unter dem Halse anfangen und herab- hängen bis unter den Bauch, welche die Menschen so häßlich oer- stcllcn und deformieren, daß es nicht zu beschreiben ist. Tie Mäntel reichen kaum bis auf den Gürtel, und aut; Pantoffeln fchlirfen und klappern sie einher, wie die Weibsbilder. Sagt mir nur, was ich davon halten soll? Das kann zu nichts^ Gut^m sühren, und kann nichts Gutes werden. Der HERR behüte) alle teine Ehristen, und führe sie nicht in Versuchung zu solchen^ Greuel und Unwesen! usw. j Märkte. 7 m , J le. Wiesbaden, 5. Juli. Viehmarkt. Zum Verkauf; standen: 48 Ochsen, 39 Kühe, 348 Schweine, 64 Kalber, (Darunter 00 Mastkälber, 64 Landkälber), 55 Hammel und Schate., Bezahlt wurde für 50 Kilogramm Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qual. § 75,00-77,00 Mk., 2. Qual. 73,00-75,00 Mk^ Kühe 1. Qualilat^ 64,00-66,00 Alk., 2. Qual. 00,00—00,00 Mk. Bezahlt wurde sur 1 Kilogr. Schlachtgewicht. Schweine, vollfleischige, 1,38—1,40 WH., Sauen 0,00-0,00 Alk., Eber 0,00-0,00 Mk.: Kalber: Mastkalber 0,00-0,00 M., Landkälber 1.42-1.58 Mk.: Hammel und Schafe 1,48 bis 1,56 Mk. — Rinder notierten: 00-00 Mk., Ferkel das Stuck: 00—00 Alk. Geschäft bei Hornvieh mittelmäßig, Ueberstand unbedeutend,bei Kleinvieh mittelmäßig, Ueberstand unbedeutend. ~ie Zufuhren stammten aus den Kreifen Wiesbaden-^.and, Uuter^ tahnkreis, Limburg (145 Schweine imb 24 Kälber) und Lauterbach in Obeihesfen (51 Schweine und 16 Kälber). Ms Hag be «Ubafcx Jaltc her ß bc- ^Urii KMr ^^esse 'Unmei., K£.N bet §langi üjub a^ren, 5"- Mw volle S nötig * * Wg 1 bic L ^Aerech- ühre $u ^ach laus- sria- lÄ« W Mark jlubcnftänbc ii man ben verlangten Zu- Rcchisaiiivalt Lpniheimer ürglcichswcgc bereit seien, 1 Ijre Zuslirnmung zu geben, ergeblid) Dcriudjt Hai, bie i ’arf zu einigen, üerfünbet i b Lorschußbercchnimg zur ’ !iirsoematter zuiüäzuver- : ■miit munWii fei. Äus von Kriorreu Crilwcn- Diitglicb zur Ovn-NoL j • • 19. Jahrhundertfeier derHcrmannsschlacht. r5ie zweite Aufführung der Hermannsschlacht am Mittwoch «habet in Rücksicht auf dic Tagung des Gustav-Adolf-VereineS «ist um 71/2 Uhr statt. ♦* V o nt Intime n Theater M a n n h e i m, das ,,zurzeit nur noch wenige Tage im Kolosseum gastiert, wird 'mitgeteikt, daß Frl. Meta Marfelli, Konzertsängerin zu Frankfurt a. M., heute mit ihrem Gastspiel begonnen hak. Der yier mir so Diel Beifall aufgenommene Schwank: „Sie -oat keinen Geliebten", wird Yente znm letzten Male zur ..ufftthruug gelangen, um dem in Wien und Berlin bei D0 ausverkauften Häusern gegebenen Schwank: „Der Geldbriefträger" Platz zu machen. Tic Vorstellungen beginnen mit dem heutigen Tage erst um i »9 Uhr. • • Ortsgerichtliches. Anstelle des verstorbenen Rentners Keller wurde Stadtv. Troß zum Ortsgerichtsmann -ernannt; ferner Rentner Leo zum stellv. Ortsgerichtsmann. • • Schülerkonzert Kruse. Der eine m dem gestrigen Bericht erwähnte Solist heißt Bingel (nicht Brügel, wie es infolge eines Druckfehlers heißt). ** Kleine Ursache, große Wirkung. Gestern abend passierte ein älterer Herr den Lindenplatz und sah, wie ein Kino an einer sog. E'swafsel aß. Ta er dies für gesundheitsschädlich hielt, nahm er dem Kinde es ab und io!! es weggewvrfen Haven. Andere Kinder und Frauen protestierten dagegen und im Nu war ein ganzer Men- |d)enauflauj vorhanden. Als zwei Schutzleute hinzukameu :.iitb die Leute zum Auseinaudergehen aufforderteii, zeigte lieft ein Arbeiter derart renitent und fortgesetzt lärmend, daß er schließlich, um der Sache ein Ende zu bereiten, ieftgenommen werden mußte. " Ter B r icf tau beutln b Gießen veranftalleke kürzlich ein W e t l f l i e g c n von Sangerhausen aus. Von zwöli l'litglieDcin fliegen 147 Taubsn auf. Es gab 49 Preise. Ter tluflaö erfolgte morgens 7 Uhr 55 Min. Tie eilte Taube kam il Uhr 3 Aliu. an, Die letzte Preislaiibe 4 Uhr 21 Alm. Am erstell ^age kamen 56 Tauben an. Preise erhielten: Heini. Tewel 4'43 icfect) 1-, 2., 4., 22., 27., 49. Karl Wessertte 3., 5., 10., 11., 14., 15., 20., 25., OG., 40., 43., 44. Heinrich Henlcl G., 37. Hans Kari '( leiser 7., d., 12., 19., 23., 24., 29., 39., 45. Geoig Han back) 9., 16., 27., 26., 35. Karl Rculmg 13., 21., 2ti., 33., 38. Konrad Reujch Land. eyen, tz.Juli 1909. der lüroßherzog hat die sollctcii Beigeordnete^ INNS äleinharb Knie- ciastsmanns und .haus- Nauheim zu unbcsol- 5ab Manheim bestätigt. . t H. dec Großherzog ischcn Beamten bei dem [jureau, Tr. M'l llr- pritcr der £bcr|or|terei dem Oberförster der jammer, dem Ober- M, Lilhelm Lchlen, W. terei Windhaustn, m ii (fharültcr als „6^1^ c Erledigt ist die nut cnende Üeijreritclie zu inendicnst verounden. LASS 'd,löar$9i maüuiig laßkn: icurohiste ^9^ ,, cuie berühmte er beichenA KZHer Hel rta st! nW -SPÄSi i«1111“ Mb I» »liS » M bringe. uu ju Dcrm.etm [37S 3 Zimmer Vi-uMadt 1 ' . Telephon 165. 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Igl Preus, kürt Ziehung I. Kl. exn 9. und 10. Jali XIX. Jahrhundertfeier der Schlacht im Teutoburger Walde Die Hermannsschlacht Einem vielfach ausgesprochenen Wunsche zufolge haben wir uns entschlossen, nächsten Donnerstag den 8. Juli eine Schüler-Aufführung zu ermäßigten Preisen zu veranstalten. Preise der Plätze im Vorverkauf nur bei Herrn L h a l l i e r: Sitzplatz 40 «fg. Stehplatz SO Pfg -2- An der Haffe erhöht sich der Preis um je 10 Pfg. Bei Besuch ganzer Schulen bezw. Klaffen unter Leitung dec Herren Lehrer zahlen Schülerinnen oder Schüler für den Stehplatz 20 Pfg. Karten hierfür sind nur im Vorverkauf bei Herrn Cha liier zu haben. Die Aufführung beginnt um 4Vs Uhr und dauert etwa l1/, Stunden. fette trtdufluci. m. «Vite, rntfiir. herrichastliche, sehr modern auo nc'hittcieb—10-8imtncr-2i.'0bnuna mit Ballon u. Veranda, durchweg Vtnolcutnbööcn, elcttwdj. Vitbi# eingertchlete» Bad. OeifjiDC'ier« ülnloge ufto. per 1. 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