Erstes Blatt 159.Jahrg«»S Dienstag 1. Juni 1909 erscheint täglich, aufer ÄSHV W a Bezu«»prets. Sonntags. - Beilagen: ▼ Cv RH monatlich 75V., viertel- viermal wöchentlich »5 A yÄk AA vj1*. MS a a a a jährlich M?. 2.30; durch StetzenerZamilien'olatter; W ÄV-k O W g3 d Abhole- u. Zweigstellen wiCnviivr ziHuifla wirtschaftliche Sestfragea W W U M K WÄ LZ '<*V U- WÄ W Zeilenpreis: lokal 15Pf. Nernsprech - Anschlüße: W ~ N M ™ ™ M ™ auswärts 20 Pfennig, für die Redaktion 112, __ V^F MJ8r Verantwortlich Berlag u. Expedition 51 G * w zäa < < ** für den politischen Teil: MM General-Anzeiger für Gberheffen MWZ bis vormittag?9^uhr^ krotattons-ruck UN-Verlag -ervrühNschen Univ.-Such- UN- 5tein-ruckerei rr. Lange. Re-attion, Expedition UN- Druckerei: Schulstratze 7. Auzcigen'teü^ H^Beck Regierung und Reichrfinanzreform. Mat unheimlicher Schnelligkeit hat die aus Konser- öatiOert, Zentrum, wirtschaftlicher Vereinigung und Pulen bestehende Rumpfkommissian die Beratungen über die Reichs finanzrefo-rrn am Pfingstsonnabcnd zu Ende geführt. Die einzelnen Vertreter der Regierung ließen es an Warnungen nicht fe^en, aber das irritierte die Herren von der FinanziomMission nicht im geringsten. Man faßte Beschluß auf Beschluß, obgleich die Regierung immer wieder ihr Unannehmbar dazwischen warf. Es scheint, daß die Regierung sich endlich noch in letzter Stunde zu ernstlichem Widerstande aufgerafft hat, nachdem sie wochenlang tatenlos zugesehen hatte, wie sich die Dinge in der Kommission immer nrcfyr zuspitzten. Die Sezession der Nationalliberalen. Freisimrigen und der Sozialdemokraten und ihr Fernbleiben von den weiteren Beratungen der Finanzreform haben ihr wohl endlich die Augen und 'Ohren darüber geöffnet, daß alle Welt endlich eine entscheidende Tat oder doch mindestens eine klare und deutliche Erklärung von der Regierung erwartet. In der FinanzkomMission waren die Einsprüche der Regierung am ^ amstag, wie gesagt, lebhafter und energischer als bisher und die offiziöse „Norddeutsch Zeitung" hat auch inzwischen eine Eicklmmng des Reichskanzlers zur veränderten Lage veröffentlicht. Diese Erklärung lautet: „In der Presse wird behauptet, die Regierung habe die Erbarrfallsteuer fallen gelassen. Das ist vollkommen unrichtig. Die Regierung wird die Erbanfallsteuer einbringen und nach wie vor mit allem Nachdruck für ihre Annahme wirken. Die Verbündeten Regierungen und der Reichskanzler toerben sich ferner keine Steuer aufdrängen lassen, die eine Schädigung van Handel und Industrie na cf) sich ziehen würde." Gewisser maßen als Kommentar hierzu bringt das offiziöse Matt denn noch in seiner Wochenrundschau eine eingehende Erörterung der durch die nunmehr abgeschlossenen Arbeiten der Finanzkommission des Reichstages geschaffenen Lage, bedauert, daß sich die Nationalliberalen, Freisinnigen und Sozialdemokraten veranlaßt sahen, den letzten wichtigen Verhandlungen der Kommission sernzu- bleiben und sagt: Im Interesse unseres gesamten politischen gebens sei es drängend zu wünschen, daß das entstandene Zerwürfnis zwischen den Parteien, die grundsätzliche zur Durchsetzung der Reform mitzuwirken bereit sind, beigelegt anerde, bevor die Verhandlungen im Plenum beginnen. Als« bann geht sie auf das finanzielle Erträgnis der gefaßten Beschlüsse für die Reichstasse ein, schreibt u a.: Seitens der »erblindeten Regierungen ist von vornherein mit größtem Nachdruck betont worden, daß die Finanzreform 500 Millionen tatsächlicher Mehreinnahmen bringen müsse. Das deutsche Reich hat schon eine Reihe von Finanzaktionen erlebt, die eine Finanzreform um deswillen nicht wurden, kieil die Einnahmen schließlich nicht in Wirklichkeit, sondern nur auf dem Papier bewilligt wurden. Cs muß ängstlich Sorge getragen werden, daß es nicht wieder zu solchem Ausgang des Reformwerkes fommt. Betrachtet man die Erträge im einzelnen, so ist es bedauerlich, daß aus den drei großen Steucrobjekten: Bier, Branntwein und Tabak bei weitem nicht die Summen gewonnen sind, die von den verbündeten Regierungen unter Beifall weiter ^Volksschichten angefordert wurden. Hinsichtlich der übrigen indirekten Steuern, so heißt es weiter, habe sich das Bild bi der zweiten Lesung gegenüber den Beschlüssen der ersten Lesung wesentlich verschoben. Gegen den Ausfall der Wein- und Injeratensteuer sei auf Initiative der Kommission eine Erhöhung des Kaffee- und Teezolles eingeführt. Während diese Vorschläge der Kommission im Bereiche der Möglichen Ligen, seien daneben noch zwei andere Projekte, Mühlenumsatzsteuer und Kohlenausfuhrzoll vorgeschlagen und am genommen worden, die jedenfalls in dieser Form nicht Gesetz iverden könnten. Sie gehörten nicht ins Finanz- gesetz, sondern seien ganz überwiegend wirtschaftspolitische Maßnahmen. Lasse man diese beiden Vorschläge aus der Ertragsberechnung aus, so ergebe sich für die indirekten Steuern, aus denen die verbündeten Regierungen 380 Millionen hätten ziehen wollen, nur 320 Millionen Mark. Während so auf Gebiete der indirekten Steuern eine immer- hrn brauchbare Grundlage für die Durchsetzung der Finanz- rrform geschaffen sei, sei auf dem Gebiete der Besitzsteuern fllchLS Ergebni.' nicht zu verzeichnen. Gegen die von der Kommission bestätigten Beschlüsse auf Einführung der so- xmannten Kotierungssteuer, sowie der Reichsumfatzsteuer t>on Grundstücken und der Reichstvertzuwachssleuer be- Wnden so starke Bedenken, daß es nicht anzunehmen sei, sie werden Gesetz werden. Die verbündeten Regierungen seien in Verfolg 'ihres Programms der Finanzreform nach oe vor der Meinung, daß die Besteuerung der Erbschaften die geeignetste Besitzabgabe sei, die für das Reich in Frage bvmme. Zu den in einem Teil der Presse über die Haltung des Reichskanzlers in diesen Fragen geäußerten Anschau- ogen sagt die „Nordd. Allg. Ztg.", diese seien gänzlich ^begründet und fährt dann fort: Der Reichskanzler war m den letzten Woct)en fortgesetzt mit den Verhandlungen Oer die Finanzreform beschäftigt. Er ließ nichts unvei- iticfrt, um eilte Einigung zwischen der Rechten und Linken herbeizufichren. Auch die Vorgänge in der Kommission, kie er aufs lebhafteste bedauert, tönucn ihn keineswegs einer Aenderung seiner ganzen lnShcrigen Haltung bc- lo-igeu. Der Reichskanzler wird, wie wir hören, die näenfte Seltenheit im Reichstage benutzen, um seine Stellung vor dem Lande klarzulegen. Hoffen wir, daß das dann mit nötiger Deutlichkeit .geschieht, damit das konservativ-llerikal-polnische Kartell zu der Erkenntnis kommt, daß es im deutschen Reiche doch ruoch nicht fernen Willen in allen Dingen durchsetzen kann. Proftffor viermal und Sie Agrarier. Als Professor Biermer seinerzeit mit einer Broschüre in die bekannten Offenbacher kommunalpolitischen Entgleisungen cingriff (der Fall Düllo), kam es zu einem kleinen Zusammenstoß zwischen ihm und mir vor allem lvegen der verschiedenen Gesichtspunkte, unter denen Biermer als Nationalökonom und ich als Historiker und Ethiker die Tinge betrachteten. Daß auch die Ethik eine „Wissen- fdjaft" ist, ebensogut wie die Nationalökonomie, daß auch sie nicht bloß als theoretischer Gedankenschatz in den Köpfen einiger toerriger Gelehrten existieren darf, das scheint Biermer, so viel sich aus seinen oft recht geringschätzigen Bemerkungen nach dieser Seite tynt schließen läßt, zu verkennen. Vielleicht, daß er sich auch unter „Ethikern" Leute vorstellt, die nur bloß in „Idealen" schwelgen, ohne sich praktisch um die schwierigen Wege Mr kümmern, die uns Menschen ihnen näher bringen. Die Kluft zwischen Ethik und Leben, und also auch zwischen Ethik und Nationalökonomie darf nicht unüberbrückbar sein, es sei denn, daß jedes Wort von einer besonderen Würde des Menschen in der Welt nichts als leeres Geschwätz wäre. Ob ich mich nun mit Professor Biermer über alle Fragen, die mit Parlament und Wahlrecht zusammenhängen, so bald würde verständigen können, weiß ich nicht. Er scheint mir die, ich möchte sagen sozial-pädagogische Seite dabei zu unterschätzen. Ich meinerseits würde ihm freilich das Zugeständnis gern machen, daß die heutige Zusammensetzung unserer Parlamente keine besonders erfreuliche ist. Vielleicht, daß auch der Unterschied nur darin liegt, daß wir die praktischen Möglichkeiten der Gegenwart verschieden ein sch ätzen. Auf dem Gebiet aber, das Biermers Spezialfach ist, kommt er selbst dem Standpunkt des Ethikers an vielen Stellen so weit entgegen, daß man da erfreulicherweise eine weitgehende Verständigung nahe liegen sieht. Es sind zwei Veröffentlichungen, die mich zu diesen Betrachtungen anregen. Es ist Professor Biermer als unerschrockener Vorkämpfer gegen die einseitige Rücksichtslosigkeit des Agrariertums, der mir so viel Anerkennung abnötigt, daß ich im Ausgleich zu meiner früheren Polemik (Demokratie und Sozialismus» hier meine freudige Zustimmung aussprechen nwchte. Tas eine ist die Veröffentlichung der stenographischen Aufzeichnungen aus Biermers Proreß gegen die wissenschaftliche Stütze des Bundes der Landwirte, gegen den bekannten Professor Ruhland. Das andere ist ein Schriftchen über die Nach la ßst euer, das sich übrigens auch gegen eine wissenschaftliche Stütze des Agra- riertum», Prof. Ehrenberg in Rostock, wendet. (Beide erschienen im Verlag Roth, Gießen; das erstere 2 Mk., das zweite 60 Pfa.). Die Prozetzaufzeichnung gibt zunächst die Vorgeschichte, die Angriffe auf Biermer und seine etwas „energische" Abwehr, für die er allerdings die Deckuna des $ 193 nötig hatte. Der Verlauf des Prozesses aber ist inhaltlich ein köstlicher Triumph für Biermer. Schon wie er den geistigen Rettern des Agrariertums das „kolossale Mißverständnis" nachweist, daß der von ihnen auf den Schild erlwbeue Quesnay in Wirklichkeit für die Gewerbefreibeit, gegen die Fideikommisse, ein Schrittmacher der französischen Revolution 20. gewesen ist, liest sich recht ergötzlich. Und dann erst die Enthüllungen des Prozesses.' Schließlich muß das richlerlick>e Urteil die Vorwürfe Biermers gegen Ruhland tatsächlick) als erwiesen ansehen (S. 264—266). Also Ruhland hat tatsächlich Bauern gefegt; für das Zentrum geschrieben, daß der Papst auch in wirtschaftspolitischen Fragen höchste Autorität sei; eine Liga gegen den Bund der Landwirte gründen wollen um kaum ein Jahr sMer in seinen Dienst zu treten; sich den Professortitel auf eigenartige Weise erworben usw. Zum Sck)luß aber läßt Biermer noch einmal dem Gegner das Wort. Er druckt das „Am- nestiemanifest" des Bundes ab, der denn schließlich doch keine so große Auswahl unter den Vertretern der Wissen» icijaft hat, als daß er seinen Professor Ruhland fallen [affen, könnte. Für jeden benfenben Menschen von einigermaßen anständiger Gesinnung ist aber die „wissenschaftliche" Bedeu- beutuug Ruhlands nach diesem Prozeß kein Geheimnis mehr und Biermer verdient unfern Dank, daß er da einmal die Arbeit auf sich genommen und den Schleier gelüftet hat. begreift auch durchaus den Standpunkt des Bundes der Landwirte, wenn er am Ende seines Amnestiemanifestes schreibt: „Im übrigen steht der Vorstand des Bundes auf dem Standpunkt, daß die Entscheidung über wissenschaftliche Probleme und politische AuffEungen nicht vor das Forum der ordentlichen Gerichte gehört." Er hat also wohl selbst das Gefühl, daß sein ganzer langer Rei.noaschunasversuch gegen die Mrkung eines solchen Gerichtsurteils nicht rochl aufkommen kann. Kämpft Biermer hier einen mannhaften Kampf für den „ethiscl)en Wert" der Wahrhaftigkeit, so in der zweitgenau nt en Schrift für den der Gerechtigkeit, und zwar in zweifacher Hinsicht. Einmal inbezug auf die Parteien. Wenn man den Liberalen zumute, gegen ihre Prinzipien 400 Millionen indirekte Steuern bewilligen zu helfen, dann sei es wohl nicht unbillig, von den Konservativen auch einmal die Zustimmung von 100 Millionen direkter Steuern zu verlangen. Sodann inbezug auf die Bevölkerunas- chichten. Wenn man den Konsum der Masse so ausgiebig belastet, darf auch wohl dem Besitz einmal ein verhältnismäßig noch recht bescheidenes Spftr zugemutet werden. „Die Sozialdemokratie gewänne ungemein an werbender Kraft und an Anhang in der Wählersck>ast, wenn es unseren Agrariern wirklich gelänge, die Naclstaßsteuer zu Fall zu bringen. Denn bann würde man rvirllich mit Fug und Recht sagen können: Tie besitzenden Klassen belasten nur die Massen und nicht sich selbst.' Sie treten das Gebot „nohlasse oäiiße", aber richtiger „nchesse odlige" rÄcMchts-I los mit Füßen. Sie finb jebern sozialpolitischen Fortschritt unzugänglich." Mit den hohlen pathetischen Phrasen von der gestörten Majestät des Todes, von oem gefährdeten deutschen Familiensinn, von dem Beginn einer kommunistischen Wirtschaft räumt Biermer gründlich auf. Er spricht von dem „tages- pol-itisch befangenen Schwarzseher, der an die immer noch zugkräftige Furcht vor der Sozialdemokratie appellieren will". Den „Steuer- und LLirtschaftsreformern", der bekannten Hilfstruppe der Agrarier, bei denen der konservative Professor Wagner selbst lvegen seiner Fürsprache für die Erbschaftssteuer so unanständig behandelt wurde, schreibt Biermer das Folgende ins Stammbuch: „Es zeugt übrigens nicht von besonderer nationalökonomischer Ausbildung, — die verehrten Herren wissen überhaupt viel zu wenig — wenn man über den Gedanken, daß der Staat bei ganz entfernten Verwandtschaftsgraden selbst als Erbe auftreten solle, sich so weidlich entrüstet und gleichzeitig erllärt, für „ein den deutschen Sitten entsprechendes Erbrecht" ein treten zu wollen. Letztere For-. berung steht klar und deutlich in dem Statut der „Bereinigung der Steuer- und Wirtschaftsreformer", wie es in der konstituierenden Versammlung vom Februar 1876 beschlossen worden ist. Die jetzige Regierungsvorlage der Reichsve- gierung über das Erbrecht des Staats sieht ja gerade, wie schon hervorgehoben, eine Rückkehr unseres Erbrechts von römischen zu deutschen Grundsätzen vor. Die ursprünglichen Satzungen der Vereinigung der Steuer- und Wirt- fchaftsreformer sind auch nad) anderer Richtung hin interessant. Tenn dort war ausgesprochen, daß bas Renteneinkommen höher zu besteuern sei als das Arbeiiseinkomm-en, und daß Steuerhinterziehungen durch wirksame Sicherheitsmaßregeln verhindert werden müßten. Beide wichtigen Ziele erreicht man am besten gerade durch eine allgemeine Erbschaftssteuer." Im übrigen wird der Charakter der Nachlaßsteuer (resp. Erbschaftssteuer) als intermittierender Vermögenssteuer, ihre Zahlbarkeit als zwanzigjährige Rente und so manches andere eingehend erörtert, worüber die „Aufklärung" der agrarischen Seite meistens nichts zu sagen pflegt. Was die Aussichten der Nachlaßsteuer betrifft, so äußert sich Biermer zunächst skeptisch über die Nationalliberalen: „Von meinen Parteifreunden, den Nationalliberalen, spreche ich hier lieber nicht. Bon ihnen gilt das Wort: „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun". Als Störenfriede sind sie freilich ungefährlich, denn sie niachen schließlich doch mit, was der Kanzler und seine Mehrheit will." Es sollte uns nur freuen, wenn er darin nicht Recht behielte. Freilich unsere hessischen Nationalliberalen wiften ia zu drei Viertel schon jetzt, was sie tun, daß sie nämlich von vornherein mit den Agrariern gegen die Erbschaftssteuer gehen. Biermer setzt seine Hoffnungen auf den Bundesrat und auf Bülow: Hoffentlich bleiben wenigstens unsere verbündeten Regierungen, die seit 38 Jahren die treuesten Wächter oes Reichstagsgedankens gewesen sind, fest und lassen sich von ihrem ursprünglichen Reformplane durch Zufallsmehrheiten nicht abbringen. Jetzt hat der Reichskanzler das Wort. Wenn auch er fest bleibt und an den Patriotismus b^s Blocks appelliert, wird das nicht vergeblich sein. Alle wohlgesinnten Kreise der Nation stehen hinter ihm, und ich hoffe, daß wenigstens ein Teil der Konservativen, bevor es zu spät ist, einlenkt und auch diesmal oas von Preußen geführte Reich nicht im Stich läßt. Das 'Nachlaßsteuerproblem hat sich zu einer nationalen Frage ersten Ranges ausgewachsen. Wer das nicht einsieht, verkennt den Ernst der gegenwärtigen Situation.'* Wir könnten nur von Herzen wünschen, daß Biermer sich in dieser vertrauensvollen Voraussicht nicht täuschen möge. Wir unsererseits wollen dann gern zu beiten gehören, die das Reich in der gegenwärtigen ernsten Situation nicht im Stiche lassen. Wir würdigen auch die Mahnung, mit der Biermer seine Broschüre schließt: „Diese weltweise Mahnung sollten auch unsere Liberalen mehr als bisher beherzigen. Denn sie dürfen nicht dulden, baß wir in Steuerfragen wieder in den alten unglücklichen Gegensatz zwischen Regierung und Ständen, ber unserem Vaterlande so unsägliches Unglück gebracht hat, zurückfallcn. Unsere politische Entwickelung drangt auf eine este und dauernde Mehrheitsbilduna im Parlament, auf eine Parteigruppierung, auf die sich die Reichsregierung m ihrer großen Politik verlassen kann. Me früheren Zu- allsmehrheiten haben bei uns, wie anderswo, die unge- )edte Ausgabenbcwilligung und Schuldenmacherei, die wir jetzt zu büßen haben, in erster Linie verschuldet; denn sie haben das Verantwortlichkeitsgesühl in der Volksvertretung bedenklich geschwächt." Es ist ein ethisch wirklich sehr wichtiger Hinweis, daß die Zufallsmajorität bas Verantworllichkeilsgefühl schwächt. Ist aber nun eine bauembe Mehrheit unter Einschluß her Agrarier und der Majorität unserer Konservativen möglich? Tas ist es, inoran ich im Gegensatz zu Biermer immer gezweifelt habe. Wem wirb bie erste Probt aufs Exempcl, bie Nachlaßsteuerfrage Recht geben? Dr. Strecker. Die gestaffelte Mühlenumlatzfteuer? Tie konservativen Mitglieder der Finanzkommisfion haben als neue Stenervorlage einen Antrag auf Einführung einer gestaffelten Mühlenumsatzsteuer ciugebracht, unter Freilassung der .Aeinmuhlen mit einer Einengung ms zu 500 Tonnen. Der Antrag geht dahin, dem Gesetz- eiitwurf über die Z-rnanzreform folgende Bestimmungen als Artikel VII emzusugen: § 1. Tas im Jickande vermahlene ^trewe unterliegt einer m die Reichskaffe fließenden Steuer (Muhlenumsatzsteuer). § 2. Getreide, das zu Mehl tietcvcDfctiet wird, welches ins Ausland ausgeführt wirb blerbt nach näherer Bestimmung bes Bunbesrats von der Besteuerung frei, sofern die Mehlausfuhr sich aus allen Ausbeute klas fort in rnHtyrerfiertbein 3>rWi!tm^ aufnimneir» setzt. S 3. 3ur Entrichtung oer Steuer find tue Jnijabrr »nn Mühle nbeirieHen rwrpilühtet. * I Für Oie hohe Der Steuer ist die /Longe des in eincin Mndlendorrrede im Vomf ex* Betrieb smhres tycrniatHenn Wrtr’ibe» mar.qehenh. > Mehrere einem Besitzer gehörende« IRnüim betriebe gelten a*5 ein Betrieb, rornn ine (hrnmrung zwischen rhnen nicht mehr als 10 Hilomeier betragt K t> Muhten betriebe, in denen nicht mehr als .500 Tonnen m dem Betrmbs,ahre vermahlen ftnb, blcifimt von der steuer frei. **trfibe, das Fulterfchrot verarbeitet roiro, vleibt außer Ansatz Getreide, da« frtrr flkobmüllerci verwendet werd kommt mir ;nr Hälfte in 2lnsatz. Tic Steuer betragt jür diejenigen Mühlenbetriebe, in denen mehr als 500 Tonnen 7000 je l'5 Pfg, bis ^000 je 30 Psg, bis 9000 je 40 Big. bis )00f>0 je .50 Pfg, bis 1KXO je 70 Big., bi« HOOO je 90 Pjg, bis IhOUO je 1.20 'M, bis 18000 je 1 50 Mk, bi« 20 000 ,e 2 Mk, bis 25000 ,e 50 Mf, bis .<0000 je 3 M, bis 35000 je 3.50 Mk, bis 10 000 je *, Mk, bis 13 000 150 Mk, bis 50000 je 5 iVtt, bi« je 8 Mk., bis 800(Xi ,e 9.50 Mk., bis 90 000 je 11 ML, ron dem Neste über 90000 Tonnen je 12.50 ML § 8. Die Mühlenbetrichc unterliegen nach näherer Bestimmung des Bundesrat der Beausfiänigung durch die Steuerbehörden Insbesondei find die Inhaber non Mühlenbetrieben ver pflichtet, ein Mahlbuch au führen, in das die Menge und ‘•trt des in die Mühle cinqebrachlen und dort verarbeiteten «Getreides und der barau Id sucht Wiener,,Mcmtag revue" ivill aus außerordeuilicher Quelle die 910(1111(1)1 über große R ü st u n g c n R u ß l a n d s erhalten haben Tic dleldnot in Petersburg sei zwar groß, aber die Bestellungen auf Waffen und Munition erfolgten mit langen iahinngsteiininen, nnd man hofft in der Zwischenzeit m Frankreich und England die nottvendigen Anleihen abschließen zu können Tatsächlich befänden sich rnffifdie Gelbagenten in London, wo man auf die Unter stütztmg der Negierung rechne Tic besonderen Abmach ungen zwischen 'Htifolmih und England einerseits und Serbien anderseit ' ließen icdenfall« ans eine Aktion der genannten Milchte schließen Man will das Spiel aus dem Balkan offenbar nod) nicht verloren geben. Die Rosten in ff rin. Die als Rubeätrur mut* Per" en ; *Mnwnni runnchen Truv- gnx ’dxiltrr imb maMm. ofi m-nn l^rfien bereit» cm ruifödx'.- «»e!U>nwem-7n wäre. W«e ort Pett-sdurger TckqraDben 4irntur «:' der , ?am. i.ifi eine kl-wc an Herste llmig txr Ccluumq bortb1. h»whlenc nni.’dy Adi tun ein, yritfcr.f cmiae 9amf«0en une befchid^nahmte viele äanni Ti* peritf dien Notronaliüen in labt ? beflürn 'ich brtln über die von den Nun'en norgeiwmmrnrn Ber hast un gen nnd ^norce Uefccrgnffc 2a:rar Hban und die übrigen ^.'ihrcr, btr n. r. rbcniall- trrhaitet .u we sen. Jcbr n k urkt'chen^ *lrn'u!at Zuklucht, nachdem das englische Reni do: ibntm fiten Sch.rn rt weigcrf Die Ruifen befdj.ihnt ndi bereits Material, un- un vorzüglich den Bmi der BaKn von Tidjulrä nach Hiansbab und EmiOfbulaq zu beqnuten. Ttc muselmännische und christliche Br völkerung dreier Crtr ist schutzlos Bulgarien nnb die Pfsrte Ueber die Orientbahn rst es noch immer zu feiner endgültigen Berftändrgung wi'chen Bulgarien und der Türkei gekomtnen, und in Soita ist man drob mehr als verstimmt. lieber dir Redaktion der angekundigten Note an die Pforte in Sachen der Crientbabnen wurden in den letzten Tagen in Sofia Ministerberatungen abgehalten Schließ, lich soll, Ivie in amtlichen greifen verlautet, eine mildere ?rorm für die Note beschlossen worden sein. Tie Pforte wrrd zu einer baldigen Berständigung mit der Crirntbahn mtfgejordert, weil die bulgarische Regierung im sralle einer weiteren Verschleppung der Angelegenheit bic Pforte für die aus der Berschleppi>ng erwachsenden Verluste vorn Tage des Abschlusses des türkisch-bulgarischen Abkommens an ver antwortlich machen würde. Bel einer weiteren Ver;ögerung sei die bulgarische Regierung entschlossen, eine Lösung der Eutschädigimgsfragc unmittelbar mit der Ortentbostn und ohne Zustimmung der Pforte zu suchen. Die Note soll der Pforte bereits übersandt sein Aufstände in Amerika. Wie aus Lima gemeldet wird, bat dort ein Trupp ^Aufständischer unter Führung Pierolas das Rcgierungs- gebaubc angegriffen und sich der "Person deS Präsidenten der Republik ^equia bemächtigt, nm ibn zur Abdankung zu zwingen. Tic der Regierung ergebenen Truppen befreiten Vefluia und feuerten auf die Aufständischen, von denen über 40 getötet wurden Ter Ausstand in Peru ist damit niedergemorfeu. — Die die „Franks. Ztg." auS AewäPork meldet, haben die "Revolutionäre auf San Domingo die Regierungstruppen bei Salcedo geschlagen und (^uanubin eingenommen Deutsches Neich. Ter Kaiser bat gesten den türkischen Botschafter Aicsamn Pascha zur Ueberreichung seines neuen B-glaubi guugsschrcibetiS cmpsanqeu — „Taitn Erpreß" erfährt, daß ;>vischeu der deutschen Botschaft in London und dem Head land-Hotel in Rewguav an der Nordküste von Eornwall Verhandlungen betreffs des Aufenthaltes 8 a i f r r Wilhelms und der kaiferlid)cn Familie im Sevlcinber oder Oktober fchtvebeu. Tie Prinzessin Rupprecht von Dahern tvurde Sonntag nachmittag vott einem Prinzen glücklich ent bunden. Ter General der Infanterie v 8esfe! ist als Nadtfolger des zurücktretenden i^eneralfeldmarfclwll von Hahnke zum Gouverneur von Berlin ernannt worden Tas Befinden des Fürstbischofs Kardinal v. Kopp ist dauernd sehr besorgniserregend. Tie katarrhaU schen Ersdieinungen sind fast gänzlich verschwunden; die Herzschwäctie dauert aber unvei-minderi an. Der Kaiser hat zum Piingstfeste neuerdings seiner andatierndeii Teilnahme dnrch die lleberjendung einer wnndervollen Blnmenspende und dem Wunsche für Besserung dos Patienten Ausdruck gegeben. Generaloberst v d Goltz soll aufs neue in türkische Dienste treten Nad) einem im Otfncralfommanbo angeblich eingetrossenen Irade soll nach den deutschen Ma növern C-k'ueraloberft v d. t^oltz auf vier Monate nach ocr 7urlci bcurlanbt iituvii_____________________________ Zlusland. Ungarn und bic italienische ubiläumSaus ftcllunq Die „Bud Korr " meldet Hinsichtlich per Beteili IClcitio Feuilleton. — .TaS llt beb er recht brr bildenden Künstler Aus Pans wird berichtet' Unter dem Borfitz von Alben B> naib hielten eine Ama bl angesehener bilde ndei .itunfllfr soeben eine Virpiium'.ung .e 7vrnnc briduiftifitc, in mcl(her AKeije die Wnstter an brn Preis fietaennbicu bit Weit, rverkäusen tbrrr Werke beteiligt werden könnten. Gerab- in ben letzd u Iaqen imb in die Auqen fallend Bei,viele von Riesenpr'ucn mr Büder bekannt qciporben. bic bei heutigen Verkamen erzielt merben, nm breitb ihre Tdiopfri sich mir nwntacn „uihru*buten mit cm paar himbert Frans. b> «uuiqnt ntußten MtllctS „Angelus" 400 000 Mk, de'selben ,,Ghnifrti*r 1**1 -11^ o ■ -■ beihmmten Pro zent »atz an der Preissteigerung beteiligt merben miitzteu. Die Zeitung des Zaren Trr Zar bat eine eigene Zeitung, die nur Ni .mein Eranvlar endh’int und ben Tuet mhit ,,'Keiumö bei ZnwrinaNonen vvm 'Bohunbcparteninu“ Tic’e 3ettuuq ui. wie bet G«l Blas id)reibt, dandschriftlüt) beiarflrllt nnb wirb trou ben Mitgliedern des Äontttcr? der ausländischen cnmebmcit imb unter der Leitung des Mtniltere be< Fnneien arbeiten Tiefer bat die Entscheidung banibcT. nwtdK Fnfor ntiitmneit aufgenonmien nn*rbcn ,ollen ö'S werben zehn bi? Leuen umfassen Zebc 'ihimnur imrb umächft von bem Zaren tntb schließlich iron dem ('‘leiienrliibiutantm Hesse, bent Manne, der am meisten in der Na Ire des Samt ist Aiuqc Exemplare ,.' 3 larmsausn l.uni tm Jahre 1911 ist e ne B, neguns im ,Ui-, eine •.rngerudi» Er ov'itmn >ti (ngonhirrtn. ielbtt. wenn eine ofli Helle ?rtrabine Ceilenrch» und Ungarns nicht ecolgm lollte Ter xanbe»pcrbanb ungar, cher Fnbrilindnstrieite: bat ve Mloi'en >ich am 3. 3uni in einer Versammlung mu bietet .nage tu br itbamgcn. Italien, ffteta unb ber T r e । b u n b Tte Tribuna icbr-tbt Mehrere Biatter melden daß Fiat'cn eie Lobten Hatton au*
t b r c n Tas ' - a n *« di 11 cbe 3chitfabrisgei'ek k'chnlca als Asiistenien tätig u sein Tic- bmqc mit bem UrbemnL'mmen AiPtidi n England, Preußen unb ? 1 inkrcichs berrr1'' be> Au. t auf (fie4 von B 0 l k c i ch u l l e v i e. n lutammen Tte br^i R gierungcn steuern 60(> Mark taarltch 'ür eben Lehrer unb lebe Lehrern als Beitrag Aum Lebensunrerhalt bei. Ter neuerwdhlte finnische Lanblag tritt em 1 Juni zusammen Ter russische Botschafter in Madrid. Graf Eas'M', wurde infolge fernes AbichiebSgesuches feines Amtes enthoben • • außerordentlichen Schutzes in Baku ist um cm weiteres Halbiabr. dtS »um 19. De« mder 1109. verlängert worben Ter russische Minister beS Aeußern 3Swol»kv ist am 1 Piingsttag von seinem Utlnub, ben er tm AuSlande »er ■ seinem Posten nerblcib«-n Auch 7 chartkow wirb noch c-ntge Doch«-n tn St Petersburg verweilen, ehe er ben Bofchaiter- »nftrn in Aonstantinovel antritt. Erst nach seiner Abreise nmb ein biplomalöcheS Rwirement erwartet. Parlamentarische» an» Hessen. Tte Oberreal schulen zu Heppe 11 b •• i m unb AIS - selb imb Dort Rcichsamt bes Innern als 'Oderr a'.fchul« mt 3ume bes s 90. 2a ber Dcororbuting amtkannt worben 3« einer Rcgueungsvorlage wirb beniennprrftrenb beantragt, he Stellen der Direktoren unb PebeUen beibn Annallen tn die em sprechenden Gr bat tskl at'sen nnAurahen. Für 1909 entstehen be» burdi 3.30,60 Mk Mehrausgaben. 3um 'Hf mrinbelt euer Wefebcnt Wurf branhn: Aba Ulrich die Streichung der Bestimmung, durch bie Ledens mittel -icmimmerrtne mu >t1einverkaii'»stellen von der tn 8 vorgesehenen ^teurrbeir iung onsa ichloifen mrrrwn 'ollen Ter heniubc Lanbesrc.ein für 7 otencinäfdieruug nhe 3aierbeitnttimnorcTnnr Mainz, Cncnbacfi und Dorms baut xr cmer an die 3weite Hammer gerichteten Borste!Iung, on I des 3euerl?.swttuiigsgeietzes fa au andern, daß dec B-itathmiS Pflichtige dre Leiche -iv Berstorbencn cinaichern lassen kann, w- tern feine gegenteilige WillrnSäußerung d^s Toten vorlieai tret' . wird in bei Borstellurui um einen 3utam «n A 9 her Au^ubrim-s- firftimmungen bM Gesetzes über das BeerbtamtaStoe'en natfigeustu baß bie Ausficllung b-*i Lctchenpäi'e om rrt(*pi>lu«br>wi*e übertragen wirb, wenn sich ber Stcrbefall tm Bezirk einer Vanb* gemeinde zugetragen hat LI ] beu t iefieu r r a u r n n r < eins, CrttMjnippe Tnrnu'rabt unb Gießen, ktsw -rfuefit um Erlaß eines Gesetze über Omfühnma des *ärbct tfAroange* t r Hessen liegen arbeiksicheuc imb ncibTp»fiauicnfteni ob m -' man bas Ausstellen und Aushängen von Waren hinter i'>"" Val tu na heontraal der Ausschuß nriter, bie BoNtellung der Crt qrurpe Gießen des Tttitjdntatmnalm Berbandes. sic um - (fbinmg ber Regienmgsvorlgge itadiiudne, für erlebtgt ui erfU^i Au» Stadt und ltan^. Gteßcn, 1. Juni 1909 • • TageSkalenber für Ttenitag, 1. Juni: Konzert tzalz Edel. Einfang TU Uhr. ''Ordensverleihung. S. Ä. H. der Gro ß her zo z haben bem Pravinztaldtrcktor der Provinz Rheinheffc" und Ätcifirat deS Äreifefl Mainz Fritz 0. Hont bet gk z> Bach in Mainz das flomturfreii» 2. ÄI. bei Verdienstatbens Philipps bes Großntültgen verliehen, ferner baß ülbetrc streuz beS VerbienftordenS Philippi bei Großmüttqen dem ieithcngen Wachlmcüter und ElattonSführer Ludwig T oll tm Großh. GenbarmeriekorpS. • • In Audienz empfangen wurde van Er. »* Hoheit dem Großherzog am 6ainitag u. a. Oberlehrer Prof. Dr. Erb von Gießen. • • Berwallungigenchtihof. S. H. der Graf Herzog Haden den nortragenben Rat im Mtnntenum bn Finanzen, Abteilung für Fmanzwiilfchaft und (htenbahe- roefen, Geheimen Oberfinanzrat Dr. Ferd Rohde zum M^- glted des DerwaltungSgerichtihofi ernannt. Di« Freie Vereinigung der ftranfenfafff* un Graßherzogtum Hessen hält am 13. Juni 1909, -ocb. 10 Uhr, tm Hotel .Äroßherzog van Hessen' hier ihre Gene- r alversamml ung ab. Die Tagesordnung lautet: 8. Ballon nahm bann seinen Weg über Halle, Eisleben, Würzburg, Heilbronn, Stuttgart, wo er um 9.10 Uhr erschien. In eleganter Wendung fuhr er über das Weichbild Stuttgarts, umkreiste den Turm der Hospilalkirche und zog hinter das kronprinzliche Palais, auf dem die ganze Familie des Herzogs Albrecht versammelt war und dein Grasen begeistert zujubelte. Er flog an dem Königs bau, hundert Meter über den Häusern, in sausender Fahrt vorbei und überflog die Anlagen. Bet Unter turkheim fuhr der Luftkreuzer nur wenige Meter über den Wiesen, so daß die Landung bevorzustehen schien. Plötzlich erhob er sich wieder und entschwand den Blicken, neckaranswärts fahrend. Ilm 11.20 UH stieß „Z 2" auf einer Höhe 6c t Göppingen gege.n einen Banm, wodurch die Spitze eingedrückt wurde, lieber die Ursache des Unsalles wird folgendes betannt: Auf den in. der Nähe liegenden Ratskellerwicsen war eine Landung beabsichtigt, weil der Benzinvorrat völlig auf die Neige gegangen jnar. Bei der Landung wurde ein Birnbaum von dem Steuer manne des sehr niedrig fahrenden Luftschiffes übersehen. Die Spitze des Ballons verfing sich in den Aesteu des Baumes. DaS Aluminium wurde auf etwa 30 Meter völlig zerdrückt und auch das vordere H ö h e n ft c u e r zer - ft ö r 1. Jetzt wird unter Verkürzung des Ballons eine aus- hilfsweife Bailonfpitze aus dem zerstörten Aluminium her- gestellt. Zeppelin ist nach Friedrichshafen zurückgetehrt. Der Besuch der Reichstugsmitgliedcr wird wahrscheinlich verschoben werden müssen. Um 5 Uhr nachmittags traf eine Kompagnie des Grena- dierregimeuts Nr. 123 aus llfm in Göppingen ein und sperrte die Landungsstelle in weitem Biogen ab. Zur Sicherung des Luftschiffes werden von Pionieren tiefe Schächte gegraben, um eine wirksame Verankerung durch- zuführen.' Gegen 5 Uhr kamen Direktor Eolsmann und Graf Zeppelin iuu. sowie eine Abteilung des technischen Personals der Propellerwerft in Automobilen. Das Luftschiff liegt auf einer hügeligem für eine Landung äußerst ungünstigen Stelle. Während die zertrümmerte Spitze den Erdboden berührt, erhebt sich der Hintere Teil infolge des ungünstigen Geländes etwa 20 Meter hoch in die Lust. Meterlange Alumini'.lmstrangcn liegen zertrümmert vor dem Baiim, der den Unfall veranlaßte. Da um 1 Uhr eine kräftige Brise eingesetzt hatte, wurde das Luftschiff, um es vor dem Winde zu schützen, unter allgemeiner Mitwirkung des den Landungsplatz zahlreich umstehenden Publikums gedreht. Die Unglücksstelle, die näher bei Jebenhausen, wie bet Göppingen liegt, gleicht äußerlich ungefähr dem Echterdinger Landungsplatz. Ein Teil des Personals des Grafen Zeppelin, das übernächtigt und abgespannt ist, beschäftigt sich bainit, bic Aluminiumträger zu en rfcrn.cn. Der Verkehr auf ber Chaussee, die nach bem Unfallplatzc sührk, ist gerabezn lebensgefährlich. Zu dieser ausgedechiten Fahrt wirb von ber Zcppelin- Luftschisfahrtsgcse! lschaft noch folgenbes erklärt: Die Fahrt war als eine Zeitfahrt gebucht: sie sollte so lange wie möglich ausgcbehnl werden. Ein bestimmtes Ziel für die Fahrt war zunächst nicht in Aussicht genommen. In Leipzig faßte ber Graf beit Entschluß, nach Berlin zu fahren. Ungünstige Windverhältnisse nötigten ihn jedoch, die Richtung zu ändern. Drahtnachrichten. Berlin, 1. Juni. Der Kaiser sandte an den Grasen Zeppelin ein Telegramm, in bem er seiner, seiner Familie und der Berliner Bevölkerung großer Enttäuschung über die unerwartete Umkehr des Grafen Ausdruck gab, nachdem er seine bevorstehende Ankunft beim Luftschifsbataillon gemeldet hätte. Gras Zeppelin telegraphierte an den Kaiser, er Habs niemals davon gesprochen, nach Berlin au kommen und er bitte eine Untersuchung annistellen, wer das g e s ä l i ch t e Telegramm an daS Luitschifserbataillon gejrhial habe. Er hoffe, sich in etwa 6 Wochen mit dem wiederhergestellten Luttschiff beim Kaiser melden zu können. An den Reichslag sandle Graf Zevpelin ein Telegramm, daß ber Unfall des Z. 2 einen Aufschub der ergangenen Einladung erforderlich mache. Stuttgart, 1. Juni. Ter Unfall ist sehr ernst. Das Luftschiff wurde vom W i u b c gegen einen Baum geschleu den. Die Sp'tzc des Luftschiffes wurde zertrümmert und bic Umhüllung in einer Länge pon 30 Meter auf gerissen. Ein Telegramm Zeppelins besagt, daß die Wiederherstellung 6 Wochen in Anspruch nehmen werde. Friedrichshafen, 1. Juni. Zeppelin ip um *41 Uhr nachts im Automobil hier cingetrossen. Sein langes Ausbleiben hatte Besorgnis erregt und Tausende erwarteten vor dem Deutschen Hause seine Ankunsl. Der Gras kehrt heute wieder nach Göppingen zurück. (Göppingen, 1. Juni. Die Ausbesserungsarbeiten nehmen raschen A-ortgenq. Zur Ausbesserung der Hülle muß das Luft- schiss z. T. ouscinandergenommen werden. Es soll ein Verschluß angebracht werben, durch den es möglich sein wird, das Luftschiff nach Friedrichshafen zu bringen. Tic Fahrt dürfte rückwärts vorgenommen werden. Die Steuerung ist nicht beschädigt. Gerrehtsferal. Rheims, 31. Mai. Der Anlimililarist Grimbert hatte gelegentlich des Vorbeimarsches einer Kompagnie deS 132. Jnfanteric- regiments eine iranzösische Fahne aut dem Mist Hanken im Hoke iciiies Hauses anfgevflanzk. Der Führer der Komvagnie, Leutnant Basson, ließ bic Fahne entfernen, woraus Grinibert den Offizier bclcibigte. Gegen Grimbert wurde infolgedessen ein gerichtliches Strakvcrfahren eingeleitet. In der Vcrhaudlmig ivurbe Grimbert kieigesvrochen. In bet' Begründung des Urteils heißt es, daß der Oisizier keinerlei Polizeigeivalt halte und baß somit keine Be° leibigimg gegen einen Vertreter ber öffentlichen Gewalt in Ausübung seines Anil es Vorgelegen habe. Kleine Tageschronik. Das große Los der preußischen Klassen-Lotterie siel auf die Nummer 265 205. Am Samstag gegen 31/2 Uhr nachm. wanben zwei Damen in einem Abteil erster Klasse des E il zngs Rr. 19 Köln Berlin zwischen den Stationen Kamen und Nordboeggc von einem Mann überfallen, der während ber Fahrt das Abteil bestiegen hatte. 2er Täter sprang, nachdem der Zug durch die Notbremse int Bahnhof Nordvocggc gestellt war, vom Zuge, und entfloh. Auf seine Ermittelung wurde eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt. Auf dem Truppenübungsplätze Elsenborn bei Aachen stürzte der Major Schulz vom 29. Infanterieregimente mit dem Pferde und bohrte sich beim Fallen den Degen in die Seite. Er War sofort tot. In Petersburg sind drei Fälle von Beulenpest und zwei Don Aussatz vorgekommen; hin und wieber sinb auch Cholerafälle zu verzeichnen. M cI)r cr c Erdstößc sind am Samstag in Griechenland verspürt worben. Der Schaden ist geling. In mehreren Orten Südchinas ist die Beul en pest aufgetreten, besonders bösartig in der Nähe von Amoy; jeden Tag sterben etwa 50 Menschen an ber Seuche. In ber Stadt Zephyr in Tex as wurden durch röten Wirbelwind über 30 Personen getötet Eine Feuersbrunst vollendete das Zerstörungswert. Auch'in dem Staate Oklahoma wurden durch den Sturm 22 Personen getötet und öO verletzt. Märkte. fc. Frankfurt a. TL, 1. Juui. (Telegr. Orio. - Bericht des „Gieß. Änz.".) Amtliche Notierungen der heutigen B i e b m a r kl- preise. Zum Verkaufe standeu: 361 Ochsen, 70 aus Oesterreich, 24 Bullen, 0 aus Oesterreich, 582 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 245 Kälber, 106 Schake und Hammel, 1583 Schweine, 2 Ziegen, 00 Ziegenlämmer, 0 Schaklämmer. — Bezahlt wurden für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen: 1. Qualität 76 —78 Mk., 2. Qualität 69—72 Mk., 3. Qualität 58—62 Mk.; Bullen: 1. Qual. 61—63, 2. Qual. 57-59; Kühe 1. Qualität 70-72 Mk., 2. Qual. 58-60 Mk., 3. Qual. 46-48 Mk., 4. Qual. 00-00 Alk., 5. Qual. 00—00 Mk. Bezahlt wurden für das Pfund Schlachtgewicht: Kälber 1. Qualität 95 bis 98 Psg., Lebeudgewicht 57—58 Pfg., 2. Qualität 86—94 Psg., Lebendgewicht 50—55 Psg., Schlachtgew. 00-00 Pfg.: Schafe: 1. Qual. Schlachtgew. 80 bis 00 Psg., 2. Qual. 70—74 Psg. Schweine: 1. Qual. 68—69 Pf., Lebendgewicht 53,5—54,0 Pf., 2. Qual. 67—00 Pk., Lebendgewicht 53,0 —00,0 Pfg., 3. Qual. 60—66 Pfg., Lebendgewicht 00-00 Pfg. Geschäft beij Hornvieh mittelmäßig, Ueberstand unbedeutend, bei Kleinvieh gut, kein Ueberstand. Oxrginal-DrahtzrreL-uitgen. Turin, 1. Juni. Infolge bet Bäcker-Ausstandes war Turin gestern ohne Brot. Tie Militärbehörden errichteten öffent- licbe Brotverkaufsstellen und ließen auch aus den umliegenden Ortschaften Brot nach Turin schaffen. Anger, 1. Juni. Gestern fanden hier die großen Feste der Turnvereine und militärischen Vorbereitungs-Gesellschasten Frankreichs ihren Abschluß. Dabei kam es zu einem Zwischenfall. Als ber Kriegsminister nach bem Bahnhof abfahren wollte, um nach Paris zurückzukchrcn, stürzte sich ein Tlann vor die Ehreu- Eskorte und rief wiederholt: „Es lebe der König !" Hieraus stürzte er sich auf einen Oberst, den er anscheinend für den Minister hielt, imb riß ihw unter dem Ruie: „Nieder mit Pieguart, bem aus ber Armee ausgestoßeneu Offizier!" deu Feberbusch vom Helm. Ter Augreifer unb zwei zu ihm gehörenbe Personen ivurden verhaktet. Der Minister setzte ohne Aufregung die Reise nach Paris unter Hochruken der Menge fort. M 0 ntpelicr, 1. Juni. Bei den Schießübungen des 142. Infanterieregiments im Lager von Larzae griffen Rcsc r- Pisten Unteroffiziere an, über bic sie sich besagten. Sic stießen drohende Rufe gegen die Vorgesetzten aus und ergriffen die Flucht, als Offiziere hmzukamen. Die Namen der Kundgeber, die revolutionäre Lieber fangen, wurden fcftgcftellt. London, ,1. Juli Der neue überwälsigenbe Rekord des Z c p V e l i n f ch c n Luftschiffes wirb hier viel besprochen unb /erregt allgemeine Bewunderung, namentlich der Umstand, daß er es wagte, bic Rückfahrt anzutreten, ohne nieder*,ugehen. cf)önc Lomm. Malta Kartoft'., spwie üoKfcftigcr, eaner Emmen t)ater Käke bei: (3117 Job. Seibel, Lndwigsviab. HlUlsPäne 2.75 Mark S Klemqrschn. Abfallhoi; 3,25 Mark. I. WeUböfer. 5 Eaaransfall Lchuvven verhindert.Armouto' ff. Arnckahaaröl, Flaichc 50 Psg. । Mdfer-Med.-Drogerie. Otto Schaaf. 1 M. Haas III. 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