BK Nr. 4 Erstes Blatt 158.Jahraana Montag «. Jammr 1K08 hsss iMi AvAn Ar rill TAI IT Ar =««“•-— SBSX/lvnvllvl 441IJVlUV4 «re« KM General-Anzeiger für Oberheffen WW für Die Tagesnummer Kotafionsbrafl und Verlag der vrilhl'schen Unlv.-Vuch- und LtelndruSerei. R. fange, »-dattlsn. Lxpedition und vruLerei: Schulstratze 7. Anzeigenteil:' H. Beck, brS Dormittoqe 10 Uhr. K're yeuLige Kummer umfaßt 10 Zeiten. sind. und unserer hcssisdstn Heimat. Nach einer Pause von 10 Minuten wurde die Diskussion eröffnet. Zunächst sührte Herr Professor Dr. Bier in er etwa solgcirfrs aus: Taß die Reid)sfinanzrcivriu em verfehltes Werk war, wird allgemein ancrfiutnt, und es ist nicht das emsige: Börsengcsetz war von Grund aus verfehlt. Nachdem der Reichs.ag mit der Reichsfinanzreform sich nicht mit Ruhm be- uedt batte, ist es notwendig, dal; eine neue Reichsfinanzreform von gröbere» Gesichtspunkten getragen wird als die letzte. Wir kennen die Pläne der Regierung nicht genau, wir kennen nur die Umrisse: dem Reiche sollen neue indirekte Steuern ge- ivährt werden. Der Block muß als einzige gesunde Grundlage der Reichspolitik aufrecht erhalten werden. Man muß ihn nicht unpopulär machen und man macht ihn unpopulär, wenn man in die Finanzen der Einzelstaaten eingreift. Jin Gegensätze zu Bassermann stehe ich grundsätzlich auf bem Standpunkt : die Regierung bat Recht, wenn sie sich gegen direkte Steuern wendet. Füfren wir die allgemeine Erbschaftsslcuer ein, so machen wir das Reich zu einer unpopulären Institution; deshalb war die prinzipielle Auslassung des Wortführers unserer Partei zu scharf abgefaßt. Was ist der Block anders als eine Rückkehr zur guten Bismarckschen Politik. Bismarck war stets für Finanzierung des Reiches durch indirekte Steuern. In Betracht lummen letzt Tabak und BrannUvein. Biele Tabolsabri- 6ine neue Spannung zwischen Amerika und Japan. Die Vorfälle in i&ancuuvec, wo es dieser Lage bekanntlich zu einem blutigen Zusammenstöße.zwischen Amerika- nern und Japanern gekommen war, wird recht ernst beurteilt. Man sieht darin den Beginn einer neuen Span- nuna zwischen Japan unb Amerika. Nach einer JJceiüung des Bert, Lotalanz. aus Newyork eilen Hunderte von Javanern aus der Umgegend nach Vancouver, um ihren xtanoteuten für den Fall neuer Unruhen bei^usteyen. 1200 Japaner seren unterwegs von Honolulu. Zusammenstöße würden befürchtet. Ernste Unruyen sind auch tm Staate Utah vorgekommen. Eine Anzahl amerikanischer Arbeiter unternahm einen Angri f s .au f iapatt i s ch e A r b e i t e r, die von einer dortigen Eisenbahngesell- schaft zur Ausführung von (seb arbeiten verwandt werden. Bei dem Zusammenstoß wurden mehrere Personen schwer verletzt. Die Polizei mußte energisch eingreisen, um die Kümpsenden zu zerstreuen. Um diese Vorgänge richtig zu verstehen, muß man an den .Haß und die Verachtung oer Weißen in Amerika gegen die Farbigen deuten, zu denen man dort auch die Japaner rechnet. Besonders verhaßt sind ein- wandernde japanische Arbeiter, bie, sich mit den billigsten höhnen begnügen. Unter diesen Umständen kommt es natar- lich leicht zu bmtigen Zusammenstößen und in Amerika drangt man bereits sehr energisch auf ein besetz gegen die Einwanderung der Japaner. Der spanische ÄolsLi)aster Vicomte Aoki soll bei einer Unterredung erklärt haben, ^apan sei zwar aewillt, die japanische Auswanderung In beschräriten, werde aber jeden Versuch der Vereinigten Staaten, Japaner von ihrem sestländischen oder msularen Gebi't auszuschließen, als feindseligen Akt ansehen. In Rewhork wird einstweilen die Richtigkeit dieser Aeupe- runaen oes Botschafters bezweifelt. llcbngciiy ist auch Roosevelt gegen ein Ausnahmegesetz gegen tue Japaner. Trotzoem wirb man einen gewissen Ernst der rrage nicht ganz igiwrieren dürsui. polkiidK Sagesschar». Natioealltberale Jugend. Die am 5. Januar in Franksurt a. M. unter bem Vorsitze von Dr. Fischer-Köln stattgehabte Besprechung des RcichsverbandeS der Vereine der national- liberalen Iilgend mit den Vertretern der süddeutschen jungliberalen Vereine ergab, daß ein Anschluß de8 bayerischen Landesverbandes an den NeichSverbcmd ans der Grundlage der Kaiserslauterner Beschlüsse nicht durch- zuführen sei. Tie erschienenen Vertreter der bayerischen Ver- eine erklärten jedoch, daß auf Grund ihrer Würzburger Be- schlüsie der Anschluß der einzelnen Vereine an den NeichSoerband nicht gehindert sei, und daß der bayerische Landesverband ein engeres Verhältnis mit dem Neichs- verbande durch gegenseitige Entsendung von Vertretern zu den Vertretcroersainmlungen und in die Vorstände herzu- stellen wünscht. Hinsichtlich deS badischen Landesverbände» ließen die Verhandlungen den Zusamnienschluß auf der Grundlage von Vereinbarungen, die von den Kaiserslauterner Beschlüssen auSgehen, auSsichtsooll erscheinen. Die aus Grund dieser Ergebnisse notivcndig roerbenben weiteren Verhandlungen sind eingcleitet. Ein moderner König. König Gustav von Schiveden hat einem Mitarbeiter des „Astca Bladct" erklärt, oaß der Beschluß, sich nicht krönen zu lassen, seiner eigenen Initiative entsprungen sei. Er halte die Krönung, Die im Grundgesetz nicht vorgescorieben sei, für übe r s lü s s i g, und n i ch t d em Zei tg e i st e ent» svrechend. Die großen damit verbundenen Kosten hatten einen entscheidenden Einfluß auf feine Entschließung gehabt. Ter König teilte ferner mit, daß aus feinen persönlichen Wunsch eine weitgehende Vereinfachung des Zeremoniells bei der Re i ch s t a g s e r ö f s nun g ausgearbeicet werde. Der König erklärte schließlich,, daß er periöniich nichts besseres wünscheii könne, als em e i n s a ch e s und sparsames Leben zu führen.. Daß dieses Prinzip sich nicht durchsühren lasse, beruhe auf der repräsentativen Stelluiig des Regenten. Weder dem Lande noch dem Volke könnte damit gedient sein, wenn der König hei offiziellen Augelegetthei^n die internationalen Sitten und Gebrauche außer acht lasse. Verrt^ches m .yf;n 4 e\an Preußen bringt eine neue *3In» leibe m Döl-e dä ^gcnwärtigen Geldbedarfs zur Ausgabe, h , £ kn Ätra 10 3n6r=ii »i-r Pr°»ent, M dcn wl. ginkn fünf mit 3% unb aiJbunn mit 8*4 Pwz. der- ,uOlich ist: bic paritstischrn Arbeitskam. mern itl ben SOunbSrcgitrungen jur $™huig unb Bkgutachtung »“•Wfölbotf. 4. Mim hiesigen Amtsgericht wurde auÄ b‘>:0nVex«eilnng'fAfiug = nbIid). Au- g e f la g tc blNgcrichtrt,Präsident der Generrilbirektion der l nunmehr fein Abfchi duj Berufung des aus dem Reichs- 8MST®S SÄ Mw lc 3ung des 9. Dragon r wird im Zusammen- man sich geint bat, s» sind eben auch die Abgeordneten nicht unfehlbar. Jedenfalls war die Steuerkommission der Meinung, daß man die schwächcvm Schultern entlasten solle, und freier Gedanke muß auch in der neuen Finanzreform zum Ansöruck kommen. Es ist v.rfrüht, von dieser Vorlage zu spreckien, Mange sie bem Reichstage noch nicht zugegangen ist. Trotzdem haben bie Parteiführer sich darüber au2öeiprod)cn, wie sie sich zu bieser Reform stellen werben. Aus Tabak unb Branntwein meint bie Regierung erhebliche Summen herauszuschlagen.Ja) will nickst vergreisen, nur bas eine bars ich wohl lPrvoristbcn, baß Die Ratio nolliberalen bie Tabaksteuer für ein geeignetes Oviett nicht halten. Tenn bie kleineren Betriebe mit wenig Kapital uns wenigen Arbeitern, würben burch die Tabaksteuer erorosselt nietfrn zu Guiisten der Großindustrie. . t ,r Wie bie Branntweinsteuer sich gestalten wirb, ist noch nicht zu übrrieben. Vom Plano pol scheint man ab gekommen zu sein. Die Kardinalfrage bei ber Finanzreform ist, ob man aua> zu birukd.il rjleick/ssteuern übergehen kann, ober ob biese, wie die Etnzel-Filianzmmistrr tooLen, den Einzelstaaten überlassen bleiben foLen. Unser Führer, Bassermann, hat Üfr liir direkte Reichssteuern, Reichser b schaftssteucr unb Oiuchs- Virmögeiissteuer ausgesprochen. Eine Neid)s-Dcrniig^ns- steuer kami man durchsühren, unb bie Veranlagung öarjclcgt hat. Beim man bie Reick)soermogcnsstcuer nur von irögcreu Vermögen erhebt, von 50—100 000 Mk. auswärts, so ist lie möglich. In bei Reichserbschajtssteuer haben wir schon eine ö.rette Steuer. Man gibt es nur nicht zu. Auch bie Jtanticmeiu» Steuer ist eine birenc Einkommen-Steuer. Uns ist cs^ganz cuikTici, ob bereite ober inbirefte Steuern, wenn sie nur bieijiittci geben, bie Ausgabe» bes Reichs zu beeten.. Eine Neichsvernwgeii- ,teuer haben wir bis jetzt nicht. Im lstssischen Lanbtag ist ei-enso ivie im preußischen bie Regierung barüöer interpelliert worocn, ivie sie sich zur Iieichsvermägenssteuer stellt. Unser Fmanzminiiicr hat sie abgelchnt. Es ist bei Vorschlag gemaagt wvrden, in den Einzelstaaten höhere Steuern einzuführen unb de» höheren Betrag Dem Reicks zu überweisen. Nu», wenn wir bie Vermöge»äeuer nicht anbers bekommen, nehmen wir sie auch so. Bei der Reichserbschaststeuer, wonach auch Anfälle von Eltern au Kmder unb zwischen Ehegatten besteuert werben solle», wirb namentlicy in länblicheii Kreisen eutschiebener Wiberjpruch zu finden sein. Aber auch bei freier Steuer will unsere Partei bie sozialen Gesichtspunkte in bin Virbergrunb stecken und kleinere Vermögen von solck-er Steuer frei halten. Wemi ber Block zusammen halten soll, so Hai bas Reich bie Verpflichtung, seinen Wünschen entgegen zu kommen. Wir smd in ein.r Md^n FinanLklernme, daß wir neue Mittel haben musien, und wenn bie neuen direkten und indirekten Steuern, w gestaltet iuerben, baß sie nur bie stärkeren Schultern bcla|ten, so kann das keinen Wifrn:spruch finden. . . .t. Auf bem Gebiete der SvLialPolitck wollen wir in richtiger Weise voraiiscürecken, die bet ber Bevölkerung Anklana ftnoet. Wir haben bie Veckicherung, baß, nachdem Posabowsä) abgegangen ist, ber bie Sozialpolitik zum Ruhme Deutschlands in dcr ganzen Welt geleitet hat, der neue Staatssekretär auch bieitiuen Wege wandeln wirb. Jm> Reichstag sind in nächster Zeit die schwierigsten tragen zu erledigen. Kritik üben ist leicht, Verantwortung za tragen i schwer. Das größte was Bulow geleistet hat, ist, daß er un Bwck ' Konservative und Nationalliberale zusanimengebrachr hat, und daß er auf diesen Weg auch bie linlsliberalen Parteien gedrängt hat, die früher kritisch beiseite standen, wenn es galt, ge,etz- gcberiiüje Reformen in Angriff zu nehmen. Früher wurde über bie Komprvmißsreunblichkeit der Nationalliberaleu gezL.-nr, aber wer nur fein Parteiprogramm, woraus er eingeschwvren ist, ansieht, wird nichts erreichen. Mmi muß es anertennen, daß sich bas Verantwortlichkeitsgefühl auch in ben freisinnigen Parteien immer mehr eingeitellt hat. Daß man bemüht ist, seine Grunbsätze, aber auch ben Block aufrecht zu er« halten, zur gesunden Entwicklung des deutschen Reiches. Die hessische Politik, auf die ich zum Schluß rwck kurz eingehen will, wird jetzt besonders in ben Vordergrund treten, weil wir im Lause dieses Jahres Landtagswahlen baben._ Poii- tioe Leistungen der hessischen Politik können wir im versw,lenen Landtage nickst ausweisen. Wir haben uns in ziemlich unfruchtbarer Weise in diesem Landtage beschäftigt und doch war« vvr allem ein Gesetz, die Walurechtsreform, wert gewesen,, erledigt zu werden. Ich bin überzeugt, baß die WahlrechiS,rage in den nächsten Jahren gelöst werben muß unb daß bie indirekten Wahlen nickst aufrecht erhalten werben können. Aber es wer- ben Kautelc» geschaffen toerben müssen, bamit frrs Wahlrecht nicht allzu sehr sozialdemokratisch wirb. Von der Einführung bcS Reick)stagSwablrechts bei uns kann keine Rebe sein, ben» cm so weitgcl)endes Wah.vecht, wie es für baS Reich wohl rtcfrig ist, ist für unser Lanb nicht richtig. Wir müssen bie Garantie haben, baß frr Wahlberechtigte auch Interesse l»r unier^Land hat und zu seinen Kosten beiträgt. Wir ioollen bie Lwzial- bemokratcn nicht unterbrücken, aber wir wollen bas Burger- tum schützen unb ber Landwirtschaft geben, was ihr gebührt. Wir wollen nicht nur sozialdemokratische Vertretung haben, sondern daß auch bas gebildete Bürgertum zur Geltung Eomme. Wir haben eS mit freudiger Genugtuung erlebt, batz unser politisches Leben einen Aufschwung genommen hat, wie wir es nicht gcbacht hatten. Redner schloß mit ber Bitte an die Versammlung, mitzuarbei- ten an dem Blühen unb Gedeihen des deutschen Vaterlandes Kie im K tche und in K ften. Ter National liberale Verein Gießen veranstaltete am gestrigen Sonntag in Stems Garten eine öfientlidx Versammlung, in ber ber Reichs- unb Landtags-Abgeorbnete Dr. Osann aus Tarmstabt einen Vortrag freit über bie Politik un Reiche unb in Hessen. Tie Versammlung war sehr gut besucht nnb es warm sogar zahlreiche natioualiiberale Partciireunde aus Wetzlar, Siegen, Friebberg, Lauterbach unb Alselfb auweieud. Rachdeni Derr Rechtsan.valt Tr. Kaufmann bie Versammlung ordnet unb Dettn Tr. Osann das Wort erteilt hatte, führte freier etwa |ol- 9 Derr Kommerzienrat Heyligenstaebt hat leibcr nicht Gelegen- । beit gefunden, in ben Reichstag zu gehen, sonst wurde er an > meiner Stäle hier stehen uno Jfrie» über die Politik ,im Reiche unb in Denen berichten. Ich bin bcr Meinung, bau bie Ab- gcotbiK'tcn mit ihren Wählern in Kduiiex bleiben mü))cu, um ifrt politisd)e Aufgabe ganz zu ersül.en. , . ., Tie Zenrrums-artei hat im Dezember 1905 abgewirtschaftet und bie Regierung konnte ben Truck nicht mehr ertragen, ,dcn diese Partei ausübie. Es würde damals zur Rcick-stagsau|io|ung nicht gctvninun sein, wenn nicht soviel Zünbitvsf oorfrinbcii gc> »vesen wäve. Wir hier in Dessen sind ja durch bas Zentrum tn feinet so bebrückteu Lage, weck es hier immerda> nicht iq stari ist und mit seinen Mackstgclusten nicht so frroorgctceicn i|t, wie im Reichstage. In bcr Beoöckeruiig fand es einen levhfrten Wiberhall unb großen Ank.ang, als bic Reick-Sregierung cudlicl, einen Weg geiunoen hatte, sich vorn Drucke dcs Zentrums zu bcsreicn, indem sie zur Auslösung bes ReickBtages idjcilt.. Es gelang, bie bamalige Majorckät burch andere Parieien zu erietzen. Tas Zentrum kehrte zwar in alter Stärke zurück, aber bie -^oztal- benu)Cratic erlitt einen Schlag, wie er nicht schimmer gebucht werden kann. Tas hat eine befreiende Wirkung auf das ganze Volk ausgeübt. Schon im Wahlkampfe wuroe bcr Uiiterichiei zwischen ben einzelnen Parteien nicht m-ckn so hervorgcfr'bcn wir irüber, baburch hoben wir eine neue Niajorität un dieichstagi bekommen: bic Aloäpartci. Sie vereinigt, bie extrcmstcil Anhänger ber Linken unb ber Rechten — aast Parteien, und b..s eütigeitbe Vanb ist bie Gegner,chast gegen fris Zentrum unb gegen bie Sozialbeuivkratie. Manchmal mag man es bebauen haben, baß eine so bedeutsame Partei wie das Zentrum, vollständig aus beit Geschäften des Reichstages cntnrnt ist. 3m Zentrum sind eine ganze Reihe konservativer und natwnalei Elenvente enthalten. Daraus sollte man wie Bulow einmal gesagt Itat, crC.nuen, briß ein Zusammenhalten trotz aLer Divergenz möglich ist. Wir hoben im Block acht. Parteien:, konierva- tive, freikonscrvative, wirlsd-afllickst Verciuigung, Rciormpartei, R'otionallibcrale unb drei frei,innige Parteien. Aus ben ersten Blick ist bas ein Gebilbe, das nici/r zum Auseinaufrrsaiün, als zum Zusammenhalten geschafsen zu sein scheint.. Es ist abir gclumjcii, bieser Black zusomaESul-d. eu unb was iyu äusamrncu- hält ist bcr Geboule, wie es wohl sein wirb, wenn der Bloa lfrtt bis jetzt im Reichstage wenig politische Aufgaben zu leisten gehabt. Im November hat es manche Stimmen gegeben, die das baldige Ende dcs Blocks vorycr sagten. Seckst- oerstänblick) werben bie extremen Konservativen ihre politi|chen Grundsätze und wirtschostlichen Gedanken im Jnterc,se dcs Bloas nickst aufgeben und sich etwa auf die linke Seite begeben. Ebensowenig wie bie Linke sich etwa auf bie rechte Seite stellen konnte. Aber es gibt Zweckmäßigkeits-Ziagen, in benen man große Ge bauten in ben Vordergrund rüden kann. So hat man ,td) bis letzt eigentlich nur lavierend verhalten. In den nächsten Monaten aber wirb cs sich zeigen, ob bcr Block von xa»«T ’Ü- -ü>tr Nationalliberale haben im Block bis angenehmste Stellung, indem wir ber mittleren Linie folgen. Unb neulich hat em Politiker gesagt, daß gegemudriig ber politische Aequotor burch die Person ^Ein burckstius politisches Gesetz, das Gesetz über bas Vereins- und Versammlungs-Nedst liegt bem Reichs.age schon vor unb ein wirtschaftliches Gesetz wirb ben Reichstag demnächst beschäftigen : eine erneute Finanzreform, na-ck-dem die Finanzrciorin von 1906 sich als unzulänglich erwiesen hat., Bei dem Ge,ctz über das Vereins- und Verfanimlungs-Redst müsscu wir mit einem nassen Auge dabei stehen, tveil wir io mit Württemberg die aller,reieste Dändhabung hoben. Wir haben Vereins- und Der- , sammluniisirciheit, aaer nickst durch geiefridje Besttinrnuna, sondern burch bie polizeiliche Daubhabung; ganz andeis sielst e- aber in Sachsen unb Preußen aus. Nun will man ein emfritttcksts Reickssgesetz haben. Wir Haven 37 Jahre aus em solches Gesetz gewartet und wir sehen wie schwer es ist, bcu lioeralen Subcn und ben reaktionären Norden zusriedcn zu stellen Was in Preußen ein Fortschritt ist, kann bei uns ein Rückschritt scm, beim man will natürlich von Freiheiten, bie man seit 1848 in Dessen genossen Ijat, nicksts M/geven. Aber wA» man °us frestrn Standpunkt steht, länn man sich bcr politischen Mitarbeit cnthaltin. Deute scheinen auch bie freisinnigen Parteien bereit zu sein, nut zu arbeiten und bic sübdeutsd)e Freiheit, wenn moglia), aufrecht zu erholten. Wenn es gelingt, auf bie)cr Grunfrage eine Diistänbigung mit ben Linksliberalen zu landen, so^modsti man bie Danb zu biesem Gesetze bieten iin ^nieresie frr rl^eihcit und dcr anderen Staaten, bie die,e Freiheit noch nicht staben. Wir haben bie beste ©Öffnung, oaß burch Nachgcben frr ReickB- vcgicrnrcg etwas gebet hl ids-es im Vereins- unb Verfammlungsredst acidiafim werben kann. . . . . . - Diese Frage wirb kid)ter zu lösen fein, als bie rz-inanzrcform. Wir finb in politischen Dingen bock) schon weiter vorgeschritten als srühcr unb müssen frr Wählerschaft auch nut neuen ysteucni gegenüber treten. Die politische Einsicht pes Volkes ist gewachsen. Wir müssen zunädstt prüfen, ob fre Ausgaben bes Reiches, wie ne uns im Etat vorgelegt werben, burck>aus notivenfrg sind. Und müssen bann auch für bie Einnahincn des Rcia-s soigcn crx für Emnahinen eintreten, bic das Reich notwenbig hat. 1906 haben wir eine Finanzresvrm gehabt, bei bcr bic Regierung 220 Millionen gcsorbert fritte. 3» bei Finanzkommifsion würben aber Dbstrickst gemacht, fobaß man nur Öauf 180—190 Millionen kam. Man hat sich getauscht, man bat sich «auch über bie Höhe ber Ertrage gclausast. Man hat gc- fthen, wie aud) das Rufen unb Schreien gegen bie neuen^Steuern grundlos gewcicn ist und wie die Brau- und Zigarcttcn-Jnbustc i nickst verringert warben ist, unb wie bcr Koni um, nicht iurück- gcgangcn ist! Was anseelstbar m bieier Steucrrcsorin war, bic FahrLartcn-Steiicr, hat statt der 40—50 Mittwnen, bie man erwartet hatte, nur 30 Millionen ergeben. TanvalS hat sich eine Majorität für diese Steuerreform gefunden, unb wenn tonten haben mir gesagt, daß es undenkbar sei, die Fabrikat- steuer auf Zigarren einzuführen. Warum ist es in anderen Ländern möglich? Die Banderole steuer auf Zigaretten hat keinen Koüsumnachlaß zur Folge gehabt; das Zigarcttenrauchen nimmt lit. Die Zigarette soll ein Luxusartikel sein, aber das Zwarettcn- c auch en nimmt auch in denjenigen Kreisen zu, die nicht zu den bemittelten gehören. Tie Taballteuer ist auf derselben Grundlage möglich, aber sic muß gewisse Sicherheitsventile haben. Meine feste wissenschaftliche Ueberzeugung ist es, wenn die Tabakfabrikatssteuer richtig eingeführt wird, ist sic möglich. Die Steuer muß so gestaltet sein, daß die Zigarre 1 Pfennig teurer wird. Ich fürchte auch nicht für den Konsum. Wir dürfen in die Steuern der Einzelstaaten nicht eingreifen, aber die große Masse der Steuerzahler kann sehr wohl tut beut)eben Reiche stärker herangezogen werden bei Tabak. Zn keinem Lande der Welt raucht man besser und billiger als in Deutschland. Ich glaube den Tabakfabrikanten nicht, daß die Steuer nicht durchführbar sei. Ich fürchte allerdings, daß die kleinen Betriebe leiden werden; jede indirekte Besteuerung hat die, e Wirkung. Redner erinnert an die Biersteuer in Bayern, wo viele kleine Brauereien eingegangen sind. Eine solche Erscheinung ist un- vernteidlich. Redner glaubt, daß die nationalliberale Partei )ich diese Frage noch überlegen werde. Der Block sei gefährdet, wenn er an verschiedenen Strängen ziehe; die Kvnservatwen ließen sich auf direkte Steuern nicht ein. Bis jetzt fei ber Block nur von nationalliberaler Seite gefährbet worden. Ich war überrascht, so führte Prof. Biermer weiter aus, als etn national- liberaler Führer den Kampf mit einem hochangesehenen preutz. Minister vom Zaune brach. Im Augenblick, wo bei dir eben Steuern der Block auseinandergeht, ist der tertius gaudeus das Zentrum, das sich die Tabaksteuer leisten kann ohne befurchten zu müssen, Mandate zu verlieren. Das möge sich die national- liberale Partei wohl überlegen. Ich bin mit meiner Ansicht in sehr guter Gesellschaft, denn sämtliche deutsche Finanzmmifter teilen sie. Der nächste Redner war Herr Redakteur Vetters. Er Bemängelte es, daß Herr Dr. Osann sich nicht noch energi)d}cr gegen das neue Vereins- und Versammlungsrecht ausgesprochen habe. Er bedauert es ferner, daß die schönen Versprechungen Osanns hinsichtlich ber Tabaksteuer von Prof. SSiermer so ohne weiteres und brutal über den Haufen geworfen seien. Er)l heißt es, so führte er aus, die stärkeren Schultern sollen belastet werden. Das verrieten wir auch. Professor Biermer aber sagt, ber Konsument, bie große Masse, muß bezahlen. Unter der Zollpolitik haben wir eine Teuerung bekommen, unter ber die Masse ganz bedeutend leidet. Redner fuhrt dann die Wehrsteuer an, die auch zur Verbesserung der Fi>l...lzen eingeführt werben solle und auch nur eine Belastung ber weniger Bemittelten barsteile. Dr. Osann lagt, es sei notwendig, das Verantwortlichkeitsgefühl zu stärken und das billige ich. Das sollte aber auch bei Ausgaben der Fall sein, wie die ber Kolonial- politik. Redner kritisiert bann ferner die Ausführungen Dr. Osanns über bie Wahlrechtsfrage. Die Liberalen hätten alle Veranlassung, für bie Einführung des Reichstagswahlrechts in den Einzelstaaten einzutreten. Nach einigen kurzen Bemerkungen des Herrn Jnderthal, ber sich zustimmend zu ben Ausführungen Osanns äußerte, nahm Herr Abg. Dr. Osann noch einmal das Wort und führt etwa solgenbes aus: Herr Professor Biermer steht auf einem anderen Standpunkte als ich und ber größte Teil ber Partei. Bereits in den 80 er und 90 er Jahren ist auch von uns betont worben, baß man einen Ausgleich zwischen birekten jmb indirekten Steuern suchen müsse, wenn man durch indirekte Steuern die Minderbemittelten belaste, dann müsse man zum Ausgleich die Bemittelten durch direkte Steuern stärker heranziehen. Wir haben jetzt in Hessen die größte Progression, ob es möglich ist, sie in Hessen noch höher zu gestalten, ist fraglich. Wenn wir nur auf indirekte Steuern angewiesen werden, so wird gesagt werben, daß wir nur die Minderbemittelten belasten. Diesen Vorwurf müssen wir der Sozialdemokratie aus der Hand nehmen. Einen Ausweg bietet bie Reichserbschaftssteuer. Ich glaube nicht, baß der Patriotismus erschüttert werben könne, wenn man die Erbschaftssteuer stärker heranzieht. Das wäre sonst ein trauriger Patriotismus. Es sollen keineswegs alle Erbschaften besteuert werden, sondern nur größere. Wenn wir bezüglich ber Tabaksteuer auf andere Staaten blicken, so sehen,wir, welche enrrmen Summen aus dem Tabak erzielt werden. Aber aus Rücksicht auf die Sozialpolitik und aus Schonung der kleinsten Fabrikanten haben wir g rnint, daß der Tabak zur Steuer nitit heran g 53gen werden dürfe. Wir haben ein Interesse an ber selbständigen Erhaltung der kleinen Fabrikanten und des Mittelstandes, ber ein Bollwerl abgibt gegen die Sozialdemokratie. Maßgebend ist nicht allein, was aus einer Steuer tzerausgezogen werden kann, sondern daß auch viele kleine Existenzen dabei vernichtet werben. In den Kreisen großer Fabrikanten wirb die Steuer beifällig aufgenommen, weil sie ihnen die Konkurrenz vom Halse schafft. Wir wollen auch bie Heimarbeiter weiter erhalten, wollen sie nicht brotlos machen und sie wieder den Fabriken Angewiesen sehen, denn fte bilden den mittleren Bürgerstand. Zur Affäre P a a s ck e, die Professor Biermer kurz erwähnt hatte, bemerkte Abg. Osann, daß sie so schlimm nicht fei, wie Prof. Biermer sie euffaffe. Wir haben, so führt er ans, es in unserer Partei zum großen Teil bedauert, daß Kriegsminister v. Einem angegriffen werden mußte, weil er für bie Angelegenheit Hohenau und Lynar verantwortlich ist. Der Angriff galt eigentlich einer andern Stelle, dem Militärkabinett, bas ihm ja gar nicht unterstellt ist. Redner ging bann auf die Ausführungen des sozialdemokrat. Redners ein und sagte hinsichtlich des Vereins- und Versammlungsrechts, daß er sich mit aller Entschiedenheit für eine freiheitliche Ausgestaltung dieses Gesetzes ausgesprochen habe. Wir haben bis jetzt keine gesetzlichen Bestimmungen, icnbern nur eine freie Handhabung. Bekämen wir einmal eine reaktionäre Regierung, dann stünden wir noch schlechter da als Preußen und Sachsen Was die Teuerungsverhältnisse anlangt, )o sind auch von sozialdemokratischer Sette ganz andere Ansichten geäußert als vom Vorredner. Die Teuerung ist nicht erst durch den Zolltarif gekommen, sondern war schon längst vor unsrem Zolltarif im Anzuge. Oder hat unser Zolltarif vielleicht auch bie Teuerung in Oesterreich, Rußland und der Schweiz hervorge- rufeu? Es hat mich gewundert, daß bar Vorredner die Wehrsteuer als Krüppelsteuer bezeichnet hat. So unsozial sind wir doch nicht, daß wir die armen kranken Krüppel noch besonders belasten wollen. Alljährlich werden über 100 000 Militärpflichtige wegen des Präsensstandes nicht angenommen. Es sind gesunde, riajtigc Leute unter ihnen, die nur das Glück haben, durch bie Losung freizukommen. Ist es da nicht gerechtfertigt, daß sie für diesen Vorteil gegenüber ihren Kameraden wenigstens zu einer Steuer herangezogen werden. Die Wehrsteuer hat sich in Oesterreich sehr gut bewährt, ebenso in der Schweiz, dem Eldorado der Sozialdemokraten. Warum sollen wir sie nicht auch bei uns ein führen? Zum Schluß kam der Redner noch einmal auf die Tabak- befteuerung zurück und wies auf den bedeutenden Unterschied in der Fabrikation der Zigarette und der Zigarre,hin. Die Zigarette werde maschinell hergestellt in ganz großen Betrieben und wenn ihr Konsum sich nicht gemindert habe, so fei das noch kein Grund, daß ber Zigarrenkonsum sich nicht vermindern werbe. Das mache für den Einzelnen recht viel aus, menn er 1 Pfennig pro Zigarre mehr bezahlen müsse. Die ganz kleinen Fabrikanten müßten erhalten bleiben. Redner schloß seine Aus- lührungen mit den Worten: Wir werben die Sozialdemokratie auch weiter überwinden, wenn es gelingt, unsere Sozialpolitik sortzusetzen. Der tzejsische für 1908. Auf Grund des Voranschlags zum neuen Staatshaushaltsetat ist mit Genugtuung die Tatsache konstatiert worden, daß derselbe für die direkten Steuern, also Einkommen- und Vermögenssteuer, bei aller Vorsicht in der Beurteilung der augenblicklichen wirtschaftlichen Verhältnisse um 612 000 Mk. höher gegen das Vorjahr angesetzt werden konnte. Im Etat für 1907, in welchem der Finanz- Minister ausdrücklich die „fortdauernde Besserung unserer Erwerbsverhältnisse" hervorhob, betrug die auf Grund der Steuerveranlagung berechnete Mehreinnahme einschließlich der Wandergewerbesteuern 651000 Mk., deren Ertrag im neuen Voranschlag um verschiedene Tausend Mark niedriger eingeschätzt werden mußte. Es erhellt daraus, daß trotz der „drohenden Rückschläge im Erwerbsleben", auf welche der Minister im vorliegenden Finanzbericht hinweist, eine annähernd gleiche Mehreinnahme aus den direkten Steuern für 1908 zu erwarten ist, die S t e u e r k r a f t des Großherzogtums sich also noch in einer erfreulichen gleichmäßigen Steigerung und Entwicklung befindet. Um so betrübender gestaltet sich dagegen der Ausblick auf die materiellen Anforderungen, die das Reich auch im neuen Jahr an Hessen, wie an alle übrigen Bundes- staaetn stellt. Das Kapitel „Verhältnis zum Reich", das übrigens in unserem Etatsvoranschlag stets die ominöse Nummer 13 führt, gibt darüber näheren Aufschluß. Der Herr Finanzminister ist gewohnt, bei der Verabreichung bitterer Pillen den Patienten möglichst schonend zu behandeln. Er tut das au'ch hier wieder und iveist zunächst darauf hin, daß bei der Aufstellung des Voranschlags, da der Reichsetatsentwurf für 1908 noch nicht vorlag, der Anteil des Großherzogtums an der Einnahme des Reichs aus den Branntweinsteuern und den Reichsstempelabgaben und die an das Reich zu zahlenden Matrikularbeiträge in Anlehnung an die Festsetzungen des laufenden Reichsetats eingestellt wurde mit einer Spannung, die der durchs das Reichsgesetz vom 3. Juni 1906 seftgelegten vorläufigen Belastung der Bundesstaaten von 40 Pfg. auf den Kops der Bevölkerung entspricht, wonach sich die Einnahme auf 4 035 340 Mk. und die Ausgabe, auf 4 519 000 Mk. stellt; die Mehrforderungen des Reiches an die Bundesstaaten werden dann stets bis zum Juli des drittfolgenden Jahres gestundet. Nun ist aber schon eine solche Mehrforderung von 560639 Mk. aus dem Jahr^ 1906 vorhanden und für 1907 ist eine solche voranschläglich im Betrage von rund 1314 000 Mk.. festgestellt, wovon laut Etatsgesetz der auf Gewährung von Teuerungszulagen an die mittleren und unteren Reichsbeamten entfallende Betrag, insoweit er in der Reichsrechnung für 1907 keine Deckung findet, den Reichsausgaben für 1909 zugeschlagen wird, der Rest, rund Gieszener SLadttheater. Gießen, 6. Januar. Der gestrige Sonntag abend brachte ein älteres Fabrikat der bekannten, nun erloschenen Firma Blumenthal u. Kadel- burg, einen Schwank in drei Aufzügen, benannt »Die Orientfahrt." Selbstverständlich ist der Ausgangspunkt dieser merkwürdigen Reise das moderne Berlin W. Die drei Aufzüge spielen tn dem eleganten Salon Robert Fiedlers, des Besitzers einer chemischen Fabrik. Fiedler unternimmt auf Ansliften seines Teilhabers Hans Brückner mit seiner jungen Frau, Henny, eine Orientreife. Henny will aber schon in Dresden nicht mehr mithin und reift nach Berlin zurück, während ihr Gatte die Reise allein fortsetzt. Die auf den Namen Hennys ausgestellte Rundreisckarle wird dem Dresdenei Hoteldiener zum Weiteroerkanf übergeben. Eine Künstlerin mit dem schönen Namen Sarah Bartholdy erwirbt diese Karte, fahrt mit demselben Zuge, den Fiedler benutzt, und kommt selbstverständlich auch ihm gegenüber im gleichen Avteil zu sitzen. Dieser Umstand und die Vorschrift der Unübertragbarkeit von Rundreisekarten geben die Voraussetzung zu einer Reihe von Verkettungen, bie geschickt mit allerlei Witzchen ausgestattet sind. In der Türkei wird der Zug von Räubern überfallen, ausgeraubt und ein Teil ber Fahrgäste wird zur Erpressung eines Lösegeldes entführt. Natürlich befindet sich auch Fiedler unter diesen Geiseln. Und nun arbeitet der Telegraph. In Berlin jagen sich die Extrablätter und verkünden die grause Tat, die dadurch dort besonders interessant wird, daß ein Berliner dabei ist, und zwar, wie es heißt, mit feiner jungen Frau. Was doch alles der unerlaubte Verkauf einer Rundreise- Zarte verschuldet ! Im Hause des Kommerzienrats Herbig, des Schwiegervaters Fiedlers, der als ganz unglaublicher Trottel und Pantoffelheld gezeichnet ist, wirken diese Nachrichten wie eine Bombe. Marianne, die energische Frau des Kommerzienrats, glaubt dem öffentlichen Skandal dadurch^ vorzubeugen, daß sie Henny ihrem Gatten nach dem Orient entgegenschickt, um wenigstens eine gemeinsame Ankunft des Ehepaares in Berlin herbeizuführen. Die Abreise Hennys wird aber zunächst durch allerlei Zwischenfälle erschwert, vornehmlich durch einen Preßbanditen, eine auch für einen Schwank ganz unmögliche Figur. Endlich aber kommts zur Abreise. Doch die von Frau Marianne erhoffte Wirkung bleibt aus. Ein edler Türke, namens Mitrovics, ein Reisegefährte Fiedlers, hat sich in dessen vermeintliche Frau, die schöne Sarah, bis über beide Ohren verschossen und kommt eine halbe Stunde später als das Fiedlersche Ehepaar in dessen Wohnung an, um in Gestalt der falschen Frau Fiedler seinen Harem mit der sechsten Gattin zu zieren. Zum Schluß ist Sarahchen so liebenswürdig, ebenfalls rechtzeitig im Hause zu erscheinen und alles bestens aufzuklären. Und endlich empfehlen sich, nach alterprobtem Rezept, als Verlobte Frl. Thea Fiedler und Herr Hans Brückner. Steht dieser Liebesroman auch in keinerlei innerem Zusammenhang mit ber übrigen dürftigen Handlung des Stückes, so ist er doch recht nett gemacht. — Der Abend bedeutete einen Erfolg. Besonders auch für die Regie, die Reimer-Schlegel führte, der gleichzeitig den trotteligen Kommerzienrat mit viel Humor und Erfolg darstellte. Luise Bonä stand ihm als seine Gattin würdig zur Seite, während Dorle M a i f a r t h als beider Tochter einen ganz entzückenden Backfisch gab. Frl. M o r e 11 als Henny war wohl ein wenig zu ernst für diese Schwankfigur, van der Becke als Fiedler und Roden als Brückner fanden den rechten Ton und damit auch den Beifall des Publikums. Von Goll wurde der Türke, von Sachs der üble Federfuchser und von Gar eis der Konsul Bock angenehm dargestellt. 800 000 Mk., aber mit dem sich rechnungsmäßig ergebenden Betrag im Jahre 1910 der Reichskasse erstattet werden soll. Dann aber sagt der Finanzbericht: „Das Ergebnis 190 7 wird sich voraussichtlich sehr viel un«i günstiger stellen, indem einmal das Soll der Ueber- weisungen jedenfalls nicht erreicht werden wird, was die Herauszahlung für 1907 erhöht, und indem weiter in der eigenen Wirtschaft des Reichs sich insbesondere durch Mindereinnahmen ein erheblicher Fehlbetrag ergeben wird, der seinerseits wieder ungünstig auf den Abschluß des Reichsetats 1909 einwirken muß. Inzwischen ist nun auch der Reichsetatsentwurf 1908 dem Reichstag vorgelegt worden. Er schließt ab mit einem Fehlbetrag von 124 Millionen, wovon 24 Millionen von den Bundesstaaten gleich zu zahlen wären — von Hessen also der im Hauptvoranschlagsentwurf vorgesehene Betrag (nämlich 584 468 Mk.) —, der Nest aber bis 1911 gestundet bliebe. Trotz der Neichsfinanz- reform von 1906 wachsen also die Ansprüche des Reichs an die Bundes st aaten in einem geradezu Besorgnis erregenden Maß." Dre Minister gibt im Anschluß daran der Hoffnung Ausdruck, daß es dem Zusammenwirken der gesetzgebenden Faktoren gelingen möge, unter Schonung der den Bundesstaaten zur Erfüllung ihrer eigenen Ausgaben dienenden Einnahmequellen in den Haushalt des Reiches baldigst die unerläßliche gründliche Ordnung zu bringen. Wenn der Finanzbericht dann zum Ählusse meint, für Hessen könne wenigstens der Umstand einigermaßen beruhigend sein, daß es seinen Teil an ungedeckten Matrikularbeiträgen vorerst zu Lasten seines Ausgleichsfonds zahlen könne und somit der Abschluß von Etat und Rechnung von der ungünstigen Finanzlage des Reichs zunächst wenigstens unberührt bleibe, so ist das angesichts der vorerwähnten Mehrforderungen für 1906 und 1907 doch nur ein recht bescheidener Trost! Der A u s g l e i ch s f o n d s, auf den der Finanzminister hinweist, hat zurzeit einen Bestand von 5 919 487 Mk., also nahezu die erwartete Höhe von 6 Millionen. Aber die im Vorjahre gehegte weitere Annahme, daß er aus den Einnahmen des Jahres 1907 einen weiteren Zuwachs von 1483 300 Mk. erhalten werde, wird sich leider nicht erfüllen, da, wie schon erwähnt, die Einnahmen aus dem Eisenbahnbesitz nicht in dem erwarteten Maße gestiegen sind. Das wird auch die unerwünschte Folge haben, daß die für 1908 der Schuldentilgung gleichzuachtende Abführung an den Ausgleichsfonds nicht die bei Beratung des vorjährigen Voranschlags erwartete Höhe (3/6 Proz. der Staatsschuld) erreicht. Aus dem Kapitel Nachträge ist endlich noch zu erwähnen, daß analog den Gehaltsaufbesserungen im Vorjahre im neuen Etat auch zur Aufbesserung der Vergütungen an die Assessoren, Kreisamtsbureaugehilfen, Gerichtsschreibergehilfen und Finanzaspiranten ein Betrag von 17 000 Mk. und zur Bestreitung eines Umlagebeitrags zur Fürsorgekasse für bie Beamten der Landgemeinden usw. ein Betrag von 31526 Mk. eingestellt worden ist. Im zweiten Teil des Etats, beut Vermögen steil» in erben im ganzen für bauliche usw. Herstellungen unb sonstigen Beschaffungen 14 447 000 Mk. angeforbert. Darunter befinbet sich eine Forberung von 200 000 M k. zur Bekämpfung ber Reblausgefahr, auf welchen Betrag sich voraussichtlich bie Kosten für Beseitigung ber Reblausherbe in ben Gemarkungen Kempten unb Wöllstein-Gumbsheim belaufen werben. Für Neu- resp. Erweiterungsbauten im Bereich bes Ministeriums bes Innern werben 1375 732 Mk. verlangt, barunter Bauraten für bie Lanbesbaugewerkschule Darmstadt, bas Schullehrerseminar unb bas Kreisamtsgebäude zu Bensheim, bie Einrichtung ber Irrenanstalt Alzey, für Einrichtungen im Gymnasium Offenbach usw. Beim Justizministerium entfallen von ber Gesamtanforderung von 1699 944 Mk. auf bie Anlegung neuer Grundbücher 1371370 Mk., auf Bauraten für das Justizgebäude Mainz, die Amtsgerichtsgebäude Ober-Ingelheim unb Nidda, das Justizgebäude und das Amtsgericht zu Gießen die übrigen Summen, während im Bereich des Finanzministeriums von den insgesamt 10 468800 Mk. auf Beschaffung von Betriebsmitteln der Eisenbahnen, erste Nuten für die Bahnhöfe zu Bensheim, Grünberg unb Wiebelsbach-Heubach, bie Bahnhofs- Die Aufführung bürste noch mehrere Wieberholungen erfahren. B. Watteau als Nachfolger Joachims. Es wird sicherlich auch unser Gießener Publikum intereffieren zu hören, daß der bisherige Leiter des Genier Konservatoriums uns hier durch sein vorlrefstiches Violinspiel bestens bekannte Henri M a r t ea u als Nachfolger Joachims an die Berliner Hochschule iür Musik berufen worden ist. Wie es heißt, soll Joachim selbst sich noch kurz vor seinem Tode für die Ernennung Marteaus zu seinem Nach- olger ausgesprochen haben. Ueber Leben und Bedeutung Marteaus sind den Lesern des Gießener Anzeigers erst kürzlich, anläßlich des ersten Konzerts des hiesigen Könzertverems, ausführliche Wüteiluugcn gemacht worden. Marleau, der tn diesem Konzert spielte, gehört zu den berühmtesten Geigern der Gegenivart. B r a u n s ch w e i g, 4. Jan. Im herzogl. Museum fand heute Mittag im Belsem Wilh. Raabes eine Ehrung des Dichters statt. Der Herzog-Regent hatte eine vom Bildhauer Müller in Eharlottenburg gefertigte Büste des Dichters dem Museum über- wiesen. Der HerzogMegent richtete eine Ansprache an Raabe, in der er unter anderem sagte, daß er die Büste dem Museum schenke aus Hochachtung vor dem Dichter, den er seit langer Zeit kenne und schätze. Der Dichter dankte mit kurzen Worten. kleine Kun sich ronik. Karl Gold marks dreiaktige Oper v.W l n t e r m ä r ch e n" hatte bei der Uraufführung an der Wiener Hoioper großen Erfolg. Am besten ist der zweite Akt, der mr sich eine kleine komische Oper bildet, worin der 78jährige Komponist rn einer Fülle heiterer Melodien schwelgt. Auch in den übrigen Akten, m Liedern, Chören, Märschen, Tänzen ist die Musik überaus graziös, entbehrt aber auch in den ernsten Partien nicht großer Kraft und Wucht. — Für einen T h e a t e r n e u b a u, verbunden mit einer Festhalle, bewilligten die Stadtverordneten in . 6 u 600 000 Mk. Bon der Bürgerschaft wurden an einem Tage etiva 80 000 Btt. gezeichnet. — Der Galle der Gräfin Montignosv, o s e l l i aus Florenz, wird am 16. Jan. in der Philharnionie zu -ü er 11 n em einziges Konzert veranstalten, das elfte in Deutschland. - bekanntlich bereute mi vorigen Jahre der französ. Schriftsteller 3mes Huret Lcutschland und veiöfsenllichte zahlreiche amüsante Feuilletons darüber im „Figaro", von denen wir wiederholt Notiz nahmen. Jetzt hat H. diese Aussätze gesammelt als Buch herausgegeben und von der sra>izös. Regierung ivurde ihm das Rttlerkrem der Ehrenlegion dafür verliehen. Hauptwerk! entnähme in diesem Winter für etwas über 500 5DII ver Nidda uitb I lauft habe. umbauten zu Darmstadt, die Erbauung einer 11. Buchacker, (Lnirssea, Neuen Baue Ersatz soll nur em Bataillon eines anderen Regiments nach Hanau kommen. Die Kaserne des aus zwei Bataillonen bestehenden Regiments genügt hinsichtlich ihrer Räume nicht den Anforderungen, so daß einige Kompanien schon seit längerer ßeit m Baracken uniergebracht sind. hätte Darmstadt, Erweiterung der Bahnhöfe zu Nidda Stockstadt, sowie auf die Bad-Nauheimer Bauten, Steuer- -- Steinbach (St-r. Gießen), 5. Ian. Auch in unserem Orte macht sich eine lebhafte Bewegung gegen die beabsichtigte Verlegung der Station Garbenrercy bemertbar, die nunmehr zur Einreichung einer von l.ö Interessenten unterschriebenen Vorstellmrg an die 2. he,siscye Kammer geführt bat. In der Eingabe wird u. a. ausgc,üyrt, daß mit dieser Verlegung Skeinvacy semer Pcrsvnenhalie,teile ein,ad) verlustig geye, trotzdem es zu dem Bahnbau 10 uOO Mk. beige» steuert habe uno nod) jährliche Beitrage zu zahlen habe. Der jetzt 31/2 Kilometer lange Weg von Siejtbaci) zum Bahnhos Garbenreia) werbe um 2—2\ 2 Kilometer verlängert und auch die Bahnfahrt uad) G.eßen werde damit um 2 Kilometer länger und auch teurer, |o baß die mehr als 100 in Gießen tätigen Arbeiter in Zukunft auf die Eisenbahn verzichten müßten. — Zahlreiche Bewohner von Atbach haben stch in einer besonderen Eingabe an die 2. Kammer gewandt. -l. Watzenborn, 6. Jan. Am gestrigen Sonntag wurde die Dekanatsschwester durch den Vertreter des Detauats, Pfarrer Schwabe aus Gießen, in unserer Gemeinde eingesührl. Bei der Feier, die um 10 Uhr in der Kirche ftattiand und von Dekan Strack in Lechgestern geleitet wurde, waren auch mehrere Dekanatsschwestern der Umgegend anwesend. -t- Friedberg, ö. Jan. Zahlreiche Eisfuhr e u bringen zurzeit die Ernte des Winters ein, die nicht gesät wird und doch ein sehr begehrter und unentbehrlicher Handelsartikel geworden ist; dem Vernehmen nad) wird der Zentner mit 20 Pfg. bezahlt. Die frühere Rechtsanschauung, die eine Eisfläche als herrenloses Gut betrachtete, hat sid) vollständig geändert. „Der Herbst, die Jagd, der Markt ist nid)t mehr mein", und von dem Ock- städter Gänsweiher hört man, daß die Gemeinde die Eis- ** Der steigende Verkehr auf der Oberhessischen Bahn Gießen-Fuloa erfordert usiausgefetzte Erweiterungen d e r B a h n h ö f e. So werden gegenwärtig die Bahnhöfe zu Reiskirchen und Ze l l - R 0 m r 0 d wieder vergrößert uno auf den kleinen Stationen Ehringshausen und Maberzell sollen Kreuzungs- und Ueberholungsgleise angelegt weroen. Eine bedeutende Erweiterung soll der Baynyos Nieder-Ohmen erhalten. ** Berufung. Wie aus Halle a. S. gemeldet wird, tritt der 0. Professor der praktischen Theologie an der dortigen Universität, Konfiftorialrat Dr. theol. Hermann Hering mit Schluß dieses Semesters vom Lehramte zurück. Als sein Nachfolger hat der 0. Professor an unserer Laudes-llnivernkät Dr. theol. Paul Drews einen Ruf erhalten. Wir geben diese Hallenser Meldung mit dem Ausdruck der Hoffnung wieder, daß es gelingen wird, den ausgezeichneten Gelehrten der hiesigen Universität zu erhalten. ' _ ** Stadttheater. Sudermanns um einen, den ersten und spannendftcn Akt gekürzt zur Ausführung kommender Em- atterzyklus „Rosen" beginnt morgen mit „Margot", es folgt ' ,Der letzte Besuch" und den Schluß bildet das Werk heitern Eharakters „Die ferne Prinzessin". Im letzten Stück liegen die Hauptrollen in den .Händen des Frl. Shiva und des Herrn Roden. Im „letzten Besuch" stehen int Vordergrund der Handlung Frl. Eardung, Frl. Ormont, Roden und Gsell. „Margot" wird von den Atollen der Frl. Shiva und Schumann und des Herrn Goll getragen. — Es zeigt sid; lebhaftes Jnkereffe für die Sudermann-Premiere. ** U n 1 u g. In verflossener Nacht wurde von einem Unbekannten in den 9ceiien Bauen mittelst eines 9 Mm.-Re- volvers durch das Fenster in eine Wohnung geschossen, die Kugel fand fich im Zimmer vor. Selbst wenn der Schuß auch nid)t absichtlich nad) dent Fenster geridftet gewesen sein sollte, lag immerhin eine Gefahr für die Bewohner vor. Das Tragen der Revolver wird in letzter Zeit so Sitte bei jungen uno unerfahrenen reuten, daß die Frage gestellt werden muß, ob nicht das Tragen die,er Waffe zu verbieten und unter Strafe zu stellen ist, wie dies aud) in anderen Bundesstaaten geschieht. frankreich ist eingestellt. • Der neueüe Eisenbahnunfall. Am 4. Jan. abends fuhr auf Bahnhof Weißenturm ein von Koblenz kommender Eilzug infolge Uebecfahrens des Haltesignals nut einem entgegenkommennen Güterzuge zusammen. Reisende des Eilzuges wurden nicht verletzt. Bom Personale des Güterzuges 6504 wurde ein Beamter schwer, zwei andere leicht verletzt. * Erdbeben. Seit dem Erdbeben, welches das süd- itaL Städtchen Ferruzzano" zerstörte, nehmen die Anzeichen einer erneuten Tätigkeit des Vesuv zu. £iiige|anOu (Für Form und Inhalt alter uiuet Die,er Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gießen, 6. Januar 1908. Ter verehrliche Vorstand des Eisvereins wurde gewiß vielen Besuchern der Eisbahn eine Freude macheli, wenn er an gut sichtbarer Stelle eine Uhr anbringen ließ. — Namemlich luürben öie Eileen der zahlreichen schlittschuhiaufenden Kinderschar diese Neuerung dankbar begrüßen. 8. <ßerid?t$iaal. Berlin, 4. Jan. Harden hat g.g:n feine Verurte lung Revision angemeldet. Sie wird begruiwet mit Fo m e.hern während der Hauptre.h n.lung, soui. ui.g se..la,er Bes..rank. ng der Verteidigung b.i ter Vew.isaufn hme. — G.af K n? Acoltu weilt noch m Berlin und nurd er,t he^te abend ob r nur e 1 rüh mit seiner Schwester, der Gräsin TanckAmann, nau Br.s au fahren. Dem Grafen sind fdt gestern abend zah r.iv t. cgr. und briefliche G.ückwünsche zug:gang-n. — Wie ve.lastet, s .l gegen den Chefredakteur Dr. iiiman wegen feiner Z.ug.n- aussage im Hardenprozeß, die sich in teiLovifem Wider pruch mit früheren Bekundungen bewegt hat, Schritte untern mmtn werden. Harden hat gestern nach Verkündigung des Ritter spruches die Anklagebank b^lo wieder mit de.n Krankenlager vertauscht. Nach der ungeheuren Ne.v.nrn p.mming bc: letz.en Tage trat gestern bei dem Patienten ein hef. ger Rucksch.c.g ein, der sich in nahezu völligem Verfall der N.rveu auß rte. Die Nacht, bis zu deren Einbruch eine Anzahl Sympach e-, Depeschen aus allen Tellen der Welt in d.r Grunewallvil.a ein- lief, hat Harden voliständig schlaf.os verbracht. Königsberg (Preußen^, 4. Jan. Die Strafkammer her- urtellte heute den Redakteur der hiesigen „Volkszeitung", M ar k- wald, Verfasser eines Artikels über das Memeler National- denkmcll, des sog. Schändsäulen-Artikels, wegen Maje- stätsbeleidignng und Beleidigung des Denkmals-Komitees zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis und sofortiger Verhaftung. Gegen Stellung einer Kaution wurde der Angeklagte jedoch vorläufig auf freiem Fuße belassen. Der mit-- angeklagte frühere Redakteur Marchienni, der am 21. September verantwortlich z.ichnele, wurde freige prochen. Cronberg, 5. Fan. Aus der neuen Rodelbahn in der Nähe von Cronbera ereignete sich heute abend ein schwerer Unfall. Zwei Rodler stürzten vom Schlitten, wöbet dec eine einen Schädelbruch davontrug, während der andere ein Bein brach; beide wurden nach dem Viktoria- Krankenhause in Cronbera verbracht. ? Aus demKreiseWetzlar,5. Jan. In diesen Tagen wurde die Generalversammlung der Herdbuch ge- sellschaft für das Vogelsberger Rind nbgehalten. Aus dem Geschäftsbericht sei entnommen, daß der Verein 483 Mitglieder zählt. Eingetragene Tiere waren vorhanden: 109 Bullen, 169 Rinder und 492 Kühe. Zur Düsseldorfer Ausstellung waren von der Herdbuchgesellschaft 7 Tiere entsandt, welche mit einem 1. Preis zu 100 Mk., einem 4. zu 50 Mk. und 3 Anerkennungen bedacht wurden. Außerdem entfiel eine lobende Anerkennung auf die Sammlung. Die Vermitllungsstelle für den An- und Verkauf von Herdbuchtieren wurde im abgelaufenen Jahre recht fleißig benutzt. Die Jahresrechnung schließt in Einnahme und Ausgabe mit 826.72 Mk. ab; der neue Haushaltsplan steht eine Einnahme lutb Ausgabe von 882.48 Mk. vor. Das Ergebnis der Vorstandswahl war folgendes: Wieder- resp. neugenmhlt wurden Pfeiffer-Krofdorf, Schultheiß Tasch-Atzbach, Bork - Hochelheim, Haupt-Aßlar und Schlaback)-Wetzlar. X Hanau, 6. Jan. Wie verlautet, besteht die Absicht, das hier garnisonierende Infanterie-Regiment Nr. 166 in absehbarer Zeit nach Bitsch zu verlegen. Als I Seit dem 23. Dezember werden hohe Aschenaarben und Xia- I Pillen emporgeschleudert, die von dem Winde hin und her getrieben wurden. Am 4. d. M. wurden am südöstlichen Abhang über dem berüchtigten Atrio del Cavallo mehrere Oeffnungen ivahrgenommeit, aus denen mit wechselnder Heftigkeit Rauch und feiner Sand herausquillt. — Aus ^wyork wird gemeldet, daß auf Jamaica ein neues Erdbeben großen Schaden anrichtete. Die Stadt Kingston und die ganze südliche Küste wurden schwer heimgesucht. Die Kirche in Stewardstown wurde z e r st ö r t. Unter der Bevölkerung^ brach eine Panik aus. Kurz vorher hatte man eine Sönnern finsternis beobachtet. vermischte». * Die Untersuchung gegenHauptmannvonGö- 6 en ist abgeschlossen und die Akten sind bereits dem Kriegsgericht ansgelüsert worden. Es ist fraglich, ob die beiden Prozesse gegen von Güven und die (yrctu Acajor von Schönebeck zu gleicher Zeit werden stattsinden können, da die Untersuchung gegen Frau von SciMeveck iwch im Gange i|t Insbesondere scheint sich die Beyörde noch nicht schlüssig zu jem, wie sie sich zu den Wahnsinnsanzeichen bei per Der falteten Iran stellen jod, da xme bestimmte klare amtlidje Acilleuung über den angeblichen Wahnsinn der Frau von Schönebeck noch nicht vorliegt. Tas Gerücht, Frau von Schönebeck sei in eine Irrenanstalt zur Beobackitung ihres Geisteszustandes gebracht worden, ist falsch. Sie befiuoet sich noch im Al.cnstetner Gefängnis, wo sie keineswegs eine besondere Niedergeichlagenheck an den Tag legt. Nach einer behördlichen Mitteilung hat das Ermllulungsversahren gegen Frau von Schönebeck bisher leinen bestimmten Anhalt an der Ermordung ihres Aiannes er- aeben * Von der Kälte. Die strenge Kälte hält im ge- samten west- und mitteldeutschen Gebiete an. In einzelnen Bezirken, in der höher gelegenen Eifel, sowie in den oberrheinischen Disinlten siel das Thermometer um 20 Grad. Eine Anzahl der Rhem-Rebenflüsse ist zugefroren, außer unserer Lahn, Otccfar, Wupper usw. Im Ruhrkohlen, gebiete sind die größeren Kohlcnkipper wegen Eisganges gesperrt. Die Rhemschlffahrt ruht vollständig. Das Frosl- wetter hatte zahlreiche Unglücksfälle im Gefolge. Eine westfälische Familie, SDiutter, Tochter, Sohn und die Braut des letzteren, wollten auf Schlittschuhen eine Tour über die zu- gefrorene Leda nach Leer machen, wobei alle vier Personen einbrachen und ertranken. In Borken wurde ein. alter Herr, der den letzten Zug verpaßte und den Weg nach Hause zu Fuß angetreten hatte, morgens erfroren auf der Landstraße anfgefunden. In Thüringen waren am 4. d. M. 30 Grad Kälte verzeichnet. 3 Handwerksburschen, 2 Fabrikarbeiter und 1 Stuhlflechter, ferner m Gera das alleinstehende etwa 50 Jahre alte Geschwisterpaar Haupt erfroren und verhungert anfgefunden. — Em ungenannter Berliner Bürger überwies dem Oberbürgermeister Kirschner 10 000 Mark mit der Bitte, den Betrag zur Beschaffung von Brennmaterialien für bedürftige, würdige Berliner Familien zu verwenden. Wegen ungewöhnlich starker Kälte ist auch die Kanalschiffahrt zwischen Holland und Antwerpen sowie im Innern Bel- g iens eingestellt, der Bahnverkehr dort vielfach unterbrochen. Die Papierfabriken Belgiens feiern wegen Wassermangels. Gs werden aus Belgien 7 Todesfälle durch Erfrieren ge- melbet — Auch aus Frankreich laufen immer noch Meldungen von der ungewöhnlich starken Kälte cm. Zahlreiche Personen sind erfroren. Die Schiffahrt in ganz Rord- lommiffariat I unb Bezirkskaffe I zu Darmstadt, die (Steuer» fommiffariatc zu Fürth und Beerfelden, Verbesserung des Fahrwassers im Rhein bei Ginsheim, des Schiffahrtskanals im Oppenheimer Altrhein und des Floßhafens bei Kostchcim entfallen. Aus Stadt und Land. Gietzen, 6. Jan. 1908. * * Ordensverleihung. S. K. tz. der Großherzvg haben zum 2. Januar (seinem 50jährigen Dienstjubiläum) dem Kreisrat des Kreises Schotten Geh. Regierungsrat Karl Theobald Sd)önfeld das Komturkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. * * V 0 m O b e r k 0 n s i st 0 r i u m. S. K. H. der Großherzog haben den seither kommissarisd) zum weltlichen Mitglied des Oberton,ästoriums bestellten Kretsamtmann Dr. Wilh. Bernbect zu Darmstadt zum weltlichen Mitglied des Oberkonsiftoriums mit dem Titel und Rang eines -^berkon- sistorialrats ernannt. * * F ü r d i e Ge r i ch t s s ch r e ib e r e i e n an den Amtsgerichten ist ab 1. Januar eine neue Geschäftsordnung einge,ührt worden, ähnlich der im vorigen Jahre bei den prcutz.sck,en Amrsgertujten eoigesührten. Gießener Wetterdienst. Boraussichtlichc Witterung für Hefje» am Dienstag ben 7. Januar 1908: Meist trüb. Trocken. Frost. Noch ciwas milder. Allfsrijchende südliche Wmde. Märkte. ie. Frankfurt a. M., 6. Jan. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz.") Amillche lüotierungen der heutigen Fruchlutarktpreise. Weizen All. 22 00—22.25, Ziurhessischer All. 22.00—22.25, La Plata Alk. 25.00—27.00, Kansas Alk. 25.00—27.00, Roggen (hiesiger) Mk. 20.25—20.75, Gerste (Wetterauer) Alk. 20.75—21.75, ßranten- selder Alk. 21.00—22^0, Hafer 17.00—18.50, Alms Alk. 16.00—16.25. Aoeizeumehl All. 33.50—33.75, 00—00, 2. Qualität Alk. 32.50 bis Alk. 32.75, 3. Qualität Alk. 31.00—31.25, Roggeumehl 0 Alk. 32.00—32.50,1. Qualität Alk. 31.00—31.50, Weizeuklele Alk. 11.25 Ins Alt. 11.50, Roggeiülcte Alk. 13.00—13.25, Aialskeime Alk. 11.75 ins Alk. 12.25, Franken, Pfälzer, Ried All.00.00—00.00. Alles per 100 Kg. ab hier. fo. Franifurt a. M., 6. Jan. (Telegr. Lrig.-Bericht des 2lnz."j. Amtl. sJiotiex-ungeu der heutigenViehmarktpreife. Zum Berkauie staudeu: 394 Lchsen, 93 aus Lesterreich, 33 Bullen 11 aus Oesterreich, 0 auS Dänemark, 773 Kühe, Fersen, Stiere und Rmder, 0 ans Dänemark, 428 Kälber, 315 Schale und Hänunel, 00 Schate ans Lesterreickt, 00 Ziegen, 2002 Schweme. Bezahlt würbe lür 100Pfund Schlachtgewicht. Ochsen 1. Qualität 80—83 Alk., 2. Qual 7.x—74 All., 3. Qual. b2—64'lhf.; Bullen l.Qual. 67 bis 69 Alk., 2. Qual. 63—65 All.-, Kühe l.Qual. 70—72 Alk., 2. Qual. 66—68 Alk., 3. Qual. 48- 52 All, 4. Qual. 00—00 Alk., 5. Qual. 00—00Alk. Kälber: 1. Qual.92—95 Pfg., Lebendgewichts—57 Pf., 2. Qual. 80—88 Pfg., Lebendgewicht 46—52 Ptg., Schlachtgewicht 64— b8 Psg. Schafe: 1. Qual. 78—00, 2. Qual. 60—64 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg.; Lchweme 1. Qual. 62—63 Ptg., Lebdgem. 49,5—00.00 Pfg., 2. Qu. 61 - 00 Ptg., Lebeudgew. 48,05—0,0 Pfg., 3. Qual. 53—56 Pfg. Lebeudgew. 00 P'g. Geschält bei Hornvieh gut, bei Kleiitvieh gedrückt. Markt Ueberstaud unbedeutend. Uebeutanb bei Kälbern und Schoten keiner, bei Schweinen er- hebllch. a i-O r cr y t in e tSu n gen. Al len stein, j. Jan. Zu dem Morre wird gemeldet, daß Frau v. Schönebeck bezüglid) ihres geistigen Zu- standes erblich belastet sein durste. Ihr Vater ist cm Jrrenhause gestorben.______________________________________ Königliche Preußische Mafien-Lotterie Ziehung I. Klasse 218. Lotterie am 10. und 11. Januar. 1/10 1/8 __________ vro Mk. 4, Mk. 5, Mk. 10, Mk. 20, Mk. 40, Ktastc > find zu beziehen durch den . Komgl. Vrcu»r,chen Lotteicr Etnuchmcr Versteigerung. Dienstag, den 7. Jan. d. Js., nachmittags 2 Uhr, versteigere ick, Ncuttadt 53, dahier gegen Barzahlung: I. 2 Bellen u. 1 .Vrleidertchrank, II. 2 Lreacks, 1 .Halbverdeck, zirka 1000 Dielen u. 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