Erstes Blatt General-Rnzeiger für Oberhessen btd oo^umgs'w'ul" lrotattonz^niS und Verlag der vrlihl'lchen Unlv.'vuch- und $t»höruuerei H. fange. 158. Jahrgang Nedattlon. Expedition und vrnSerel: 5chnlstra8e 7. A.^.qenien^ H"'v-L Donnerstag 3. Dezember 1908 VezngSvret S: monnHid)75,Ui..Dierte(* ViePoU TIL2.— Diertel* läbrL auofd)L Beilellg. BeilenpreiS: total 15 aus wart» 2U 'lileiintq. betont roorthd) für den pohntdien Teil, füi .^emlleion* und .'Vernüldited*: Ernst yinDcrioii; rät .Stadt u. Vaiib" und.Gendils- Nr. 285 Ter Siebener Anzeiger erichiini läfllid), aiiüer Sonntags. - Beilagen: Diesmal wöchentlich SiebenerZamilirndlälter, itveimnl ivöchentl.Urelr- vlattsurdenUreisGiehen (Dienstag unb^reiinn); Arocimnl nionall. Land- wirlschasilicheLeitsragea Remlpied) - '21)ildüüf|e; für die 'Jlcöatuoii 112, Verlag u. Expedit,on 51 Vdresie rät Tepeichent Anzeiger ®ic6ctu Annahme von Anzeige» Die heutige Nummer umfatzt 14 Seilen. geldzuschuß zuzahlen und die .attpreußische Sparsamkeit" feiert die! die gcmutlick-e uiu> he.cere »hmmung aui, m der iuo der Kaiser glanzendsien Timmphe. unter ftiner Umgebung bewogie. Lei 'JJlonatd) selbst erzählte — Fritz Reuter und die Prager deutschen Studenten. Zu den Mitteilungen, die über die Feier des 60jäl>r Bestehens der Lesehalle der deutschen Studenten m Prag und über die Al,griffe, die das Deutschtlun bei die,er Gclegenheü von den Tichechen erfahren hat, gemacht wurden, bat noch eine Reminiszenz von der ersten Jubel'eier der Lesehalle Interesse, dem 25 Jahr-Jubiläum »n Jahr 1873. Damals harte der Festausschuß unter anderen hervorragenden Mannern aus dem Reiche auch Fritz Reuter geladen und ihn zugleich um eine Gedichiprobe für das Festalbum gebeten. Ter Einladung tonnte der fronte Dichter nicht folgen, aber er schickte für das Album einen Spruch, vielleicht die letzten Verse, die er überhaupt verlaßt hat; sie lauten: .Kem Preis / Ohn' Fielst, / Ohn' Kamps kein Sieg, ! Kern Fried' ohn' Krieg. / Drum kämpfet wacker ihr deutschen Böhmen! / Kem Teuiel soll den Sieg end) nehmen/ Und in dem Briet an den Schriftführer der Lesehalle heistt cs: .Mit hoher Beiriedtgung, ja mit Bewunderung lese ich ab und an in den Zeitungen von dem luatferen und beharrlichen Kampf, den das Häuflein der Deutsch-Böhmen gegen die Angriffe und die Uebcrmacht emes luüften Ezed)enthumö führt, und bin der Meinung, dast Ihre Rede- und Lesehalle dabei and) nicht die Hände in den Schoost legt. — Ja! diese Polen, Ezecheu, Rumänier und dergleichen toeltchier, deren ganzer Patriotismus in nationalen Röcken und Hosen besteht, sind wie die Schulbuben, die ihren Lehrern mit Undank lohnen und sie mit Koth bewerfen/ Stimmungsbilö aus öem Reichstage. Berlin, 2. Des. Miuisterverantwortlichkeit. Tas ganze äußere ia.s und seiner Umgebung zeigte, dast man im Publikum die Bedeutung der heutigen Verhandlungen sehr wohl verstanden lyat; dast es sich nicht mehr die Svmatveiuokccrtie nicht beabsichtige, durch Hinuocripielen de« Verhandlung auf das persönliche Gebiet dem Präsidenten Grund zum Einschreiten zu bieten und die Blockmehrheit fester äuiammetu» zu schmieden. Und in der Tat zeigte sich Herr Leocoour sorgsam uiid mit großem Geschick bemüht, weder Grund noch Vonvand zu bieten, sich ausfchalten zu lasseil. Seine schlagjertigen und drasttschen Antworten auf Zwischenrufe und bei dem schließlich doch uni»ermeidlicl)eii Eingreifen des Präsidenten weckten große Heiterkeit. Die maßvolle Art war anzuerlentten, in der er die Forderung seiner Parteifrennve inhaltlich zum Vortrag brachte, und naturgemäß mußten sich diese Forderungen bis zu einem gewisirn Punkte auch mit denen der vurgerlichen Linien decken. Der Wortführer der Na t io n a l l i b e r a l e n, Tr. I u n k, ließ keine Unklarheit darüber bestehen, wo )id> die Stellung seiner Freunde von der Auffassung t.-cr Sozialdemo traten aber auch der freisinnigen Rachoaru trennt.. Unangenehm ist ihnen die Mitwirkung des Reichstages an der Kriegserklärung. Denn diese loziatdemokeathche Forderung wurde, menn man ihr zu stimme, ein Mißtrauensvotum niclch gegen den Ka.ser, sondern gegen den Bundesrat bedeuten, zu dem man getrost das Zutrauen haben könne, daß er solche folgenschweren Eiitscheidungen nicht treffen werde, ohne in Fühlung mit der Bevölkerung zu sein, uui> der Augenblick einer drängenden Enlicki-eicuma fei nicht gerade geeignet, für mehrstündige Ledeboursche Reden. Die Möglichkeit, ivo wid>- tige Ereignisse es wünschenswert erscheinen tonen, auf die Einberufung dcs ReidStoges hinzuwirken, hatte vorher Graf Miele- zynski als Vertreter des Antrages der Polen in sachticl)cr lllcbc verlangt. Diese Forderung ist auch der natwnalliberalen Partei Ihmtxrthisch^ vorbehaltlich der Regelung im einzelnen. Aber sie schließen sich nicht der von den Freisinnigen echooenen Forderung oerantwortlicrLr Reichsministerien an, soweit man darunter nicht bloße Fachminister versteht, und zwar gerade um des Prinzips der Verantwortlichkeit willen, aus § - ntrat. st - saPunitaris chen Gesichtspunkten heraus, um die Bedeutung und Stärke des Reichs- kanzlecamtes durch die Teilung der s-6irantnrortlidjfcit nicht zu lajQuad^iL Daß die Rationalnoeralen mit aller Eruschiedenzeit für wirktidiL ver,aj)ungsmaftcn eintreten, dafür konnte sich ihr Sprecl)er auf große Traditionen berufen auf den Führer in großen Tagen Dr. v. Benningsen, dessen Entwurf eines Ber- antu-ortlichkeitsgesetzes damals vom Reichstag leider abgelehnt loor- den ist., In dieser wichtigsten Frage besteht volle Esiiniütigkeit bei der gejainlen Linken, mit uns beteiligten sich die National, liberalen isich. an ihrer Verquickung mit der Finanzreform. Von der rechten oeite kam heute Herr v. D i r i s e n im Wanten der Reichspartei zum 23or\ Rur den Zeitpunkt halten seine Freunde für die Forderung eines Ministerver.inuvortlichkeitsgesetzeS nicht für den richtigen, in der Sadfe selbst erklärte er sich mit den Ausführungen seines nationalliberalen Vorredners einverstanden. Aus Stafct und Land. (öi eg en, 3. Dezember 1908. Kauft om Platze: Zit jedem Jahr, ^ieoeryincit >v.r Die dringende Aufforderung, die Einkäufe, die sich vor Weihnachten zu mehren beginnen, ausschließlich den hiesigen Geschälten znzuwenden. Es sollte eigentlich eine Selb ^Verständlichkeit sein, auf die binzuweisen überflüssig sein müßte. Wer aber die Gepflogenheiten mancher streije kennt, die oft kostbaren und mit vieler Arbeit und großen Losten zufammengesiellten Auslagen der einheimtscr)en Geschäftswelt geringer zu achten als die der auswärtigen Geschäfte, große Warensendungen von Häusern zu beziehen, die sie nur dem Namen nach ooer vielleicht auf Emp.ehtung kennen und ost bitter enttäuscht werden, der wiro die,en Mahnruf verstehen und würdigen. Es ist eine schwere Zeit für jeden Staatsbürger, die Büroen von Staat und Gemeinde zu tragen, besonvers in der gegenwärtigen Zeit einer tiefstehenden Konjunktur, wo alles und jedes an Angenehmem und Luxuriösem eingeschränkt wird und der Geschäftsmann in erster Linie den Ausfall zu fühlen und zu tragen hat. Aber trotz dieses Ausfalls muß er die stärkften Anstrengungen machen, um den wirtschaftlichen Wettbewerb auszuhalten, muß Opfer über Opfer bringen, muß leistungsfähig bleiben, Auswahl bieten, seine — iz ranz Josef-Anekdoten. Während seiner langen Regierungszeit ist um Kaiser Franz Josef im Vollsmund ein immergrüner Kranz von Erzählungen und Geschichten geschlungcn worden, die immer wieder von der edlen Herzensgute und der leutseligen FreundliäKit des Herrschers berichten. Wir greifen aus der Fülle der von Allhuber gesammelten „Kaiser-Anetten" einige für die Wesensart oes Monarchen besonders bezeichnende Vorgänge heraus. Als das ölterrcia'jifdK Kaiserpaar im September 188o in Gastein mit Ka iser Wil Helm I. zusarnmentraf, wollte dieser die hol)en Herrschaften durchaus noch em Stück begleiten. Franz Jose, vat jeooch feinen greifen Freund, sich zu schonen und auf dielen Wunsch zu verzichten. Als feaiier Wilhelm aber bei I einer Ab sich: beharrte, nef Franz Josef lächelnd: „Tann befehle ich dir zu bleiben." Der beutfdje Kaiser trug die Uniform eines österreichischen Oberst; er richtete sich daher stramm auf, grüßte militärisch und erwiderte: „Da muß ich freilich gehorchen." — Als Bismarck 1893 am Wiener Hofe weilte, fiel ihm Prag unter öem Standrecht. Gestern mittag i)t über Prag das Standrecht verhängt worden. Trotzdenl ist es aber auch gestern wieder zu verschiedenen Ausschreitungen des tschechischen Pöbels gekommen. Gegen 11 Vs Uhr vormittags wurde eine zwei Manu starke Sicherheitsivacl-e zu Pferde von einem etwa hundert- sünfziglöpfigeu Trupp junger Burschen in der am Rieger- Park vorbeifübrendcn Straße mit Steinen beworfen. Die Wache jagte die Burschen auseinander, die über Zizkow flohen; bie dorthin entsandte Polizei fand die Burschen nicht mehr. In den ersten Vormittagsstunden sammelte sich wieder eine große Menschenmenge, zumeist junge Leute, augenscheinlich zu Ausschreitungen neigende Elemente, auf dem Graben an. Als dann die Couleurstudenten aus dem Kasino herauslämen und ihren Bummel beginnen wollten, entstand ein riesiger Tumult, da die Studenten von der Veranstaltung des Bummels nicht abstehen wollten. Die Gesahr heftiger Zusaininenstöße drohte. Es wurde zur Räumung des Grabens geschritten und nach der Räumung dieser abgesperrt. Erst nach V/a Uhr ümrde der Graben freigegeben. Gleichzeitig mit der Verhängung des Standrechts sind durch Bekanntmachung der Polizeidirektion alle Ansamm- lungen in den Straßen untersagt; auch ist die Schließung der Haupttore von 8 Uhr abenos verfügt worden. Jedes öffentliche Tragen von Vereins- und sonstigen Abzeicl)en ist verboten. Die Grundsteinlegung für die neue deutsche Universität, zu der ja auch die Uuioersitälen des Deutschen Reiches Delegierte entsandt haben, ist infolge der Verhäu- flung des Standrechts aufgeschobeu worden. Aus Erlangen berichtet man uns, daß fünf dortige Studenten, Vertreter der Burschenschaft „Germania" und des Vereins deutscher Stnbenten, gestern nach Prag abgereist waren. 14 Vertreter anderer Korporationen verzichten auf die Reise wegen der neuesten Berichte, zumal da auch vom Kriegsminister ium in München die Mitteilung eingelaufen ist, daß der deutsche Konsul in Drag von der Reise abgeraten hat. Aus Würzburg schreibt man uns, daß der Rektor der dortigen Universität durch einen Anschlag die Universitäts-Studenten vor dem Besuch der Jubiläums-Festlichkeiten der deutschen Lese-Halle in Prag gewarnt habe, da keinerlei Garantie für 2eib und Leben gegeben sei. Aus Breslau berichtet der „Lok.-Anz.", daß Vertreter von 38 Breslauer studentischen Korporationen zur Unterstützung- der deutschen Studenten gegen die tschechischen Uebergrifie nach Prag abgereist seien. Auf dem Breslauer Hauptbahnhofe hatte der Rektor Magni- sicus int Auftrage des Kultusministers durch Pedelle gegen die Fahrt jein Veto eingelegt. Trotzdem reisten die Studenten ab. Katholische und indische Korporationen machen die Fahrt nicht mit Inzwischen ist es auch in Brünn zu Kundgebungen zwischen Deutfchen und Tschechen gekommen, so daß Militär Äur Wiederherstellung der Ruhe herangezogen wurde. Bei den Kundgebungen wurden verschiedeite Wachleute durch Steinwürse, verfchiedene Demonstranten durch Säbelhiebe, einige schwer, verletzt Zahlreiche Verhaftungen wurden vor- genommen. In den späteren Mendstunden war die Ruhe wiederhergestellt feinet Umgebung bewogie. ^er Monarch «eicht erzah gern Witze unö Anekdoten, die er mit ausgezeichneter Pointierung vortrug. „Angeregt durch dies wirklich geieilige Wesen," erzählt der Rei^Skanz.er, „utadM nun au ? ich einige lust.geAbenteuer und Jat)dgeschicl>ten vor, und wenn ich gleich merkte, daß der Witz meiner dem noroischen Leoen entnommenen Anekdoten die Gescliichaft nicl>t so recht ansprach, so waren doch alle, der Kaiser voran, liebenswüroig genug, meinen guten Willen anzuerkennen und mir in reichem Maße Beifall zu spenden, wo ich eher erwartet Hütte, enttäuschten Mienen und verlegenen Aeußerungcn zu begegnen." Von der Lieoenswürdigleit des Kaisers üei einer Audienz erzählt Heinrich Laube, hem ebenfalls als steiferem Nord- beut) anal Franz Josefs lebhafte Piauderkunft au niet Der Herrscl-er tot an ihn immer noch eine neue Frage, während Laube bereits sich zuruckziehen wollte und nach der Tür hmstreöie. Als bei biefen feinen „Rüawürtswnzenlrierungsocrfuc. m" eine ziemliche (Entfernung zwischen dem Kaiser und ihm entstand, eilte ihm plötz- lid; Franz Josef lachend nach, „schliff über das Parkett wie über eine Eisbahn", packte ihn am Arm und hielt ihn so fest, um mit dem „Herrn Dr." weiterzuptoudern. — Ter Monarcl) liebte es bei den großen Manovern, die Truppen früh am '.Norgen unerwartet in den Baracken aufzusuchen. Bei solch einem fast noch Eitlichen Spaziergang findet er einen „Putzer" in bloßem Hemd und breiten ungarsichen Hofen fchon auf, während die ganze Mannsc.)aft twa) fchlief. Der Kaiser spricht den Putzer, der sogleich stcamm stehl, in feiner Muttersprad-e an: „Du vist ein Ungar, lch sehe es an deiner Hose, sag mal, warum trägst du nicht die engen ärarischen .Hosen?" „Majestät", antwortet der Soldat, „uq trage bie breiten Hosen lieber als die engen, und bann halten bie arariiajen nicijt lange; wenn sie zwei- ober dreimal gewaschen werden, sind sie zerri>ien." „Zeige oemen Tornister!" sagte der Kaiser nno ofmetc den Storni lüttes Dianncs, in bem sich tatlachlich ^vei +nar neue ärarischc Hosen fauler zusammengelegt neben blner Virginiazigarre sanden. „Das ist sck-ön von dir", meinte ber Meiler laa,:no, „daß bu für den Staat sparst, solche Soldaten kann der Staat brauten." Und noch am selben Tage erhielt! ber Soldat aus Befehl bes Kaisers hunoert Virgmiaz.garren. m — e ine Chr o n i k aus Kunst u n b Wissenschaft. Prinz Augu,t Wilhelm, der kürzlich in Straßburg promocieric, ist uei ber juristischen FakuN.n in Berlin einge- Ich r ieben worden. — Im Wiesbadener Residenz Theater saiid ,,^as.bißchen Rumn", eine uceiaEtige Kvmödie Port vemz Gordon, bei ihrer Uraufführung einen freundlichen (äfol®, ALrinc» Feuilleton. — Die Schriftstellerin Ilse F r a o a n - A k u n i a n ist einer Drahtnachricht aus Genf zufolge, mit ihrer Freundin Esther M a n de l b a u m freiwillig in den Tod gegangen. Fräulein Mandelbaum erschoß erst ihre Frcundiil und dann sich felvst. Ein hintertossener Brief gibt ein unheilbaresLeiden atö Grund an. Ilse Levien, die sich unter dein Deckmantel Frapan-Akunian einen geachteten Platz in der Literatur errungen bat, stammte von einer Hugenottenfamilie ab und war am 3. Feornar 1852 in Hamburg g:bereit worben. Anfängllck) wirkte sic als Lehrerin in ihrer Vaterstadt, besuchte dann Die technische Hochschule in Stuttgart, wo sie mit dem Äesthetikcr Visciser in Berührung trat. Von 1892 studierte sie in Zürich Nalur- wisfeilfchaften und lebte zuletzt in Genf. Ihr starles, aber ungeschultes Talent trat besonders .in ihren mit guter hieben^ bcobacijiiing geschriebenen Romanen uno brovellcn zutage, in denen fie mit Voclieve ihre .Heimat und spiterhin die sindierenbe Frauenwelt behandelte. Von ihren Werken sind die bekanntesten Hamburger 'Jtoßelten (lb87), Visck-er-Eriiinerungen (1889), Ztoisd-cn 61be und Alster (1890.!, Flügel auf! (1895), Wir Frauen hüben kein Vaterland (1899), Arbeit (1903j und das Drama Die Retter ber Dcoral (1905). -h. — Preußifche Sparsamkeit. BülowS berühmte Spar- samkeitSrebe, mit der ich mich bereits einmal beschädigt habe, wird von der prenßijchen Regierung — Fürst Bülow ist in Preußen Ministerpräsident — großartig illustriert durch das Palais, das man dem Negierungspräsidenien in Danzig als Tienslwohuung gebant hak. Mit Untertiattung und Verzmjung tollet dieses Acainieuschloß jährtid) IsOOO 11)it., m Worten adslzehntauseud Ätork. Ten zehnien Teil davon, iiämhd) 1800 9)1 f., eihalt die Acnmienllasie des Regieiungsprasideilten al5 Wohiiungsgeldztischnv Las Gehalt selbst betragt 12 0U0 Alk. Tiefes entzückende Beispiel „Qltpieuüi|d)er Sparsamkeit" — so nennt man Io etivas in ’Jleu- Preußen — gibt einen vortrefflichen Fingerzeig für die Alöglidskeil von Ersparnlsfen allcigrouien Unünngcs, an Sie bisher leider noch tuemanb gedacht z»r haben sdseint: Alan zahle, so sagt der Wärwol' in dem „Verl. T.-B.", den Beamieu überhaupt ferne Gehaller mehr; der Siaat würde dabei viele Hiinderte oou 'JJhthonen sparen unö er würde dennoch bie Beamten auf lange Zeit zuiriedcuslellen. Er braudit ihnen unter Zugrundelegung bes Danziger Exempels nur den neu seilgeietzten Wohmuigsgeldzuschuß und dazu bas Aubert- halb'ache ihres bisherigen Gehalles als .verstärkten" Wohmuigs- wie an beit beiden Kaisertagen um Persönliche Anklagen gegen den Trager ber Reichsgewalt handeln tonn, um eine Kennzeichnung ber Hanblungen und des Verhaltens des Monarchien, sonoern um die sachliche Erörterung der Mittel für oie Sclsaffung versassungs- mäßiger Bürgschaften. Zwar füllten sich die Tribünen zu Beginn der Sitzung und die Hof- und die D o'.omalentoge war fdjon lange vorher von einem eleganten Damcnpublikum besetzt, aber von bem damaligen Sturm auf die Pforten des Hauses war keine Spur, und Sitzungssaal wie Wandelhalle boten kaum das Bild großer Tage. In der Hofloge wohnte einem Teile der Sitzung die Großherzogin von Dlocnuurg mit ihrem Bruder, einem Wal- deckischen Prinzen, bei, der irrtümlicherweise für den Prinzen August Wilhelm gehalten wurde, vermutlich weit man bei bie,em Doktor der Stoatswisfcnschasten ein bcscnheres Verständnis für die heutigen Verhandtunacn voraussctzle. Wie offiziell icoon au» gefnübigt war, ist der Reichskanzler nicht erschienen. Seinen Platz nahm sein Stellvertreter, ber Staatssekretär von Veth mann-Hollweg ein und an dessen Seile der Staats» fcCretär des Reichsjnstizamts; von den anderen Ei>:fs der rlieuchs- dintcr hatte sich nur Herr Dernburg cingefunbcn. Dagegen waren Ete füd- und mitteldeutichen Bundesstaaten in ihren bevollmächtigten Vertretern und Gefandten zur Stelle. Auch die EinleiMng der heutigen Aksion verlief programmmäßig. Herr o. Bethmanu-Hollweg entnahm einer ungewöhnlich umfangreidjen Aktenmappe ein Rolizbtott, und gab eine kurze aber inhaitreichc Erklärung ab, die auf das ganze Haus ersichtlich einen guten Eindruck maujte. Es klang fast wie eine Aufforderung an die Volksvertretung, Untcrlaiiungöfiinixn früherer Jal-rzchnte aut zu machen, als er den bisherigen Mangel einer Initiative bei den Verbündeten Regierungen damit ertturte, daß diese eist feste Beschlüsse des Reick-stoges abgewartet hölten. Seine von vollem Verständnis der ernsten Bedeutung dieser Beratung zeugenden Sckllußworte weckten lauten Beifall nicht nur auf der red/ten Seite des Hauses. Den Antragstellern wurde nach der zeitlichen Reihenfolge der Einoringnng iljrcr Anträge das Wort erteilt An erster Steile dem Vertreter der freijinnigen FraktionsgrmeiiisdMst Dr. Müller-Aieiningen. Er begann denn auch seine Ausführungen mit der Feststellung, daß hie Anträge seiner Freunde nicht erst au5 der 9tot der letzten Wochen geboren, keine Gelegenheitsgesetzmack/erei seien, sondern scyon andertlMlb Jahre der Durckcheratung harren. Die Vorgänge, die ben Anstoß dazu gegeben haben, diese Fragen gerade jetzt auf die Tagesordnung zu bringen, berühre er nur, so weit ihre Heranziehung als Beispiele nidjt zu umgehen war. Nur kurz erledigte er zunächst die Revision der Geschäftsordnung, unter Hinweis darauf, daß die Kaiserinterpellalionen ausgchen mußten wie das Hornberger Sck/ießen, aber daß men üoerhaupt es nicht mdjr nötig haben würde, mit großen Jnterweliationshebatten so verfdgornderifch umzugehen, wenn man nach englischem oder französisdfem Muster jederzeit bei wichtigem Anlaß durch kurze Anfrage die erforderttd^e Klärung jdjahen könnte. Neben der Forderung einer wirksamen Reid)skanzlerverant- .oorttichkcit bc^.'ündcte er Laß Verlangen nach verant- wörtlichen Reid)Sministerien. Den Hauptnack^>ruck aber legte er darauf, daß ber nur moralischen, theoretischen Verantivort- tichkeit überhaupt ein festes verfassungsmäßiges Fundament verliehen und anstelle des ScheinkonstiMtionolismus eine wirklich konstitutionelle Verfassung gesetzt und damit ein dauernder tonstitusioneller Frieden erinöglid)t werde. Mit großer Aunnerksamkeit folgten aud> die Herren auf der Bundcsratsestrabe den Worten des freiftnnigcn Redners, unh auf den „süddeutschen" Bänken konnte man eine beutlidje Geste der Zustimmung wahr- nehinen, als er hervorhob, daß der beutitije Kaiser nach Der Reichs- Derfanung nicht Souverän des deutschen Reiches sei, sondern nur die Prmidialgewalt verkörpere, als Primus inter pares. Zu Zeiten äußerte jica die AntLilnahme ocr Bundesratsoeriretcr derart kräftig, daß der Redner es als Störung empfano und in seiner temperamentvollen Weise sich dagegen auslehnle. Das Zentrum hat sich die Sache leidjter gemacht und sich auf den allgemeinen Wunsch nach einer Festlegung der Verant- tuortlid)tcit besdiränkt; und Dr. Spahn verstand es, in seiner halbstündigen Rede jeder Präzisierung Dieser Forderung im einzelnen auszuweicl-en. Alles weitere erroartet er von der Arbeit ocr verstärkten Geschäflsordnungskommisiion, die Tr. Müller- Meiningen beantragt hatte. Dann betrat Herr Ledebour die Tribüne. Im „Vorwärts" hatte man am Morgen gelesen, daß er-Bessingen bis Münster schwere Material es singen und 5 zöge verkehren, die in dem 11 Meter tiefen Einschnitt bei für den erlittenen Schaden, den ihnen Link in seiner Eigen- chaft als Olotar zugefügt, haftbar zu machen, und wandten sich an verschiedene hervorragende Vertreter des Rechts in Darmstadt. Diese rieten von einer Silage entschieden ab, da eine glatte Klageabweisung die Folge. Wenn auch der 'Art. 78 de§ hessischen Ausführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuche bestimmt, daß für den Schaden, den ein Beamter in Ausübung des ihm anverlrauten öffentlichen Amtes einem Dritten zufügt, der Staat in gleicher Weise wie der Beamte verantwortlich hastet, so schrüukt der Art. 79 diese Haftbarkeit jedoch em. Er sagt: Die Haftbarkeit tritt nicht ein bei Handlungen von Beamten, die ausschließlich auf den Bezug von Gebühren angewiesen sind, insbesondere bei Handlungen von Notaren und Gerichtsvollziehern. — Für diese Ausnahme war maßgebend, daß die Tätigkeit dec Beamten hier unmittelbar im Interesse der Beteiligten geschieht, und es hier sich um Beamte handelt, bei denen sich die Partei den ihr Genehmen auSwählen kann (von mehreren Notaren und Gerichtsvollziehern). ** Das Briefporto nach Amerika. Die Reichs" poft Verwaltung traf gestern durch Vermittelung des deutschen Gcschäststrägers in Washington mit dem Generalpostmeister der Vereinigten Staaten von Amerika eine Vereinbarung dahin, daß für Deutschland und die Vereinigten Staaten die au dem direkten Seewege auszutauschenden frankierten Briese vom 1. Januar 1909 ab in der Richtung aus Deutschland eine Taxe von 10 Pfennigen für jede 20 Gramm und in der Richtung aus den Vereinigten Staaten von Amerika eine folchc von 2 Gents für jede Unze berechnet wird, während für unfrankierte Briese das Doppelte dieser Sätze zu entrichten sein wird. X Klein-Linden, 2. Dez. Die erledigte Pfarr- assistentenstelle wurde dem Pfarrverwalter Göttel- mann au§ Vilbel übertragen. Q Holzheim, 2. Dez. In dem hiesigen Buderus-- > ch e n Eisen st einbergwerk herrscht ein reger Betrieb. ES bietet gegenwärtig vielen Arbeitern Beschäftigung, die sonst ausivärts hätten Arbeit suchen müssen. Cijcttbahn-Zcitung. Lokomotivführer, Disziplin und Behörde. Aus der Kommission zur Beratung der Besoldungsoor- läge sind Aeußeruugen des preußischen Eisenbahnmiuisters in die gesamte Presse gekommen, die geeignet waren, den Lolomoiivsührerstand in seinem Ansehen zu schädigen und das Vertrauen zur Tätigkeit der für die Betriebs)rcherheit so wichtigen Beamtentlasse zu beeinträchtigen. Tie Lokomotivführer sollten zur Disziplinlosigkeit neigen und ihre Besoldung deshalb mi. Rücksicht auf die Asu.entenklafse nicht höher gesetzt werden dürfen. Es entstand in Lokomotio- kreisen eine nie dagewesene Erregung. In zahlreichen Orts- versammlungen nahm man Stellung gegen diese Aeuße- rungen, die Deutsche Eisenbahnzeitung wies das Ansinnen der Disziplinlosigkeit zurück, in Berlin fand vor wenigen Tagen eine Massenversammlung statt, die sich in demseloen Sinne aussprach. Ter Minister hat daraus Vertreter des Verbandes Kgl. Vreuft. und Großh. Hess. Lokomotivführer zu sich geladen, um darüber auszutlären, daß seine Aeuße- ruugen entstellt und unrichtig wiedergegcben seien. In der „Nordd. Allg. Ztg." vom 22. d. Mts. finden wir darüber folgende Notiz: „Aus Anlaß von unrichtigen Mitteilungen über Aeuße- rungen des Ministers der öffentlichen Arbeiten, die dieser gelegentlich der Verhandlungen über die Besoldungsvortage in der verstärkten Budgetrommission hinsichtlich der Lokomotivführer der StaatseisenbahnverwallUiig gemacht haben sollte, hatte der Minister die Vorstandsmitglieder des Verbandes der Lokomotivführer zu sich beschieden und ihnen über den tatsächlichen Inhalt seiner Aeu gerungen Aufklärung gegeben. Tie vorgeladenen Lokomotivführer dantten für die ihnen gewordene Mitteilung und versicherten, daß dadurch die durch jene ungenaue Nachricht in die treffe ihrer Kollegen hineingetragene Beunruhigung wieder schwiudeo würde." Tatsächlich hat sich die Erregung durch die Bekanntgabe einer längeren schriftlichen Erklärung des Ministers an die Ortsgruppen gelegt, vor allem auch, weil die Vorstandsmitglieder Gelegenheit hatten, ihre Standeswünsche, auch bezüglich der Be,oldnngsoorlagc, vorzutragen. Aus der Er- lLeitung mögen folgende Sätzc hervorgehoben werden: „Er (ber Minister) tenne aus langjähriger Beobachtung den verantwortungsvollen und aufreibenden Dienst der Lolomotw- führet sestr wohl und wisse, daß von der Zuverlässigkeit ihrer Tiens.ausubung zu einem großen Teil ros Wohl und ’-elje der Re i, enden uv hänge. Was das Verhältnis zu den Eiseubahnaffistcnten anbetreffe, jo habe er niemals den Loko- □ Lich berg ist so £äben auSstatten, von morgens bis abends dem Neuen seine Aufmerksamkeit widmen und jedem Wunsche nachspüren. Und unsere Geschäftswelt und unser Gewerbestand find es aber auch wieder, die der (Gemeinde die Steuerkraft stärken, die produktiven Werke der Stadt durch die Abnahme von Licht und Kraft ertragreich gestalten, einer Unzahl von Angestellten Beschäftigung und Brot geben. Aber sie brauchen Gegenleistung, einen Zufluß, der eventuell nutzlos für sie und wieder letzten Endes für die Gemeinde nach auswärts verrinnt, sie brauchen Anerkennung ihres Strebens und Fleißes, sie brauchen Zuspruch, um all die großen Lasten decken zu können. Und ivas der Geschäftswelt recht, ist dem Handwerk billig. Wir dienen der Gemeinde und damit auch wieder uns selbst, wenn wir den Hauptträgern des Mittelstandes unsere Hilfe angedeihen lassen, die bitter schwer zu ringen haben in schwerer Zeit um ihre Existenz, wo hinter den glänzenden Läden, hinter Flitter und Luxus sehr oft ein verzweifelter Kampf um des Tages Erfordernisse tobt und der ruhige Lichtschein, die glatte Geschäftsabwicklung täuscht. Darum fei auch in diesem Jahre wieder rechtzeitig und eindringlich die Akahnung wiederholt, am Platze zu kaufen, Detailhandel, Handwerk und Gewerbe in Gießen zu schützen und zu stützen! - AuS dem Militär-Wochenblatt. Dem KüiegSgerichtScat Dr. Heß bei der Großh. Hess. (25.) Dw. wurde dec Stellenrang der vierten Klasse der höheren Pro- vinzialbeamten verliehen. *♦ Der Bürgerverein hielt am Mittwoch abend unter der Leitung seines 2. Vorsitzenden, Fabrikanten Horst, eine Versammlung im Einhornsaal ab, in der Amtsrichter Dr. Mahr von Darmstadt über das Thema „Das Baugewerbe und der Gesetzentwurf zur S i ch e r u n g d e r B a u - forderungen — Mittelstand und Vodenrecht —" sprach. Das dem eigentlichen Arbeitsgebiet des Bürgervereins etwas fern liegende Vortragsthema und die gleichzeitige Tagung des Ortsgewerbeoereins mögen wohl verursacht haben, daß die Versammlung nicht so gut besucht war, wie man es im allgemeinen bei den Veranstaltungen des Bürgervereins gewohnt ist. Es mochten etwa 70 Personen amuesend sein, die zur Hälfte aus Parteifieunden des Vortragenden bestanden. Der sehr gewandte Redner verbreitete sich in nahezu zweistündigen Ausführungen über den gegenwärtig dem Reichstag vorliegenden Gesetzentwurf über die Sicherung der Bauhandwerier und sprach sich zustimmend zu den Grundgedanken des Entwurfs aus, der ihm allerdings noch nicht weit genug geht. Insbesondere hält er die Anwendung des Gesetzes auch für Umbauten — der Entwurf spricht nur von Neubauten — erforderlich. Ferner wandte er sich gegen die im Entwurf vorgesehene Bestimmung, daß an die Stelle des Bauvermerkes im Grundbuch — der den Bauhandwer- lern, Arbeitern und Lieferanten die Handhabe zur Erwirkung von Bauhypotheken gibt, die anderen Hypotheken vorangehen — eine Sicherheitsleistung in Höhe von einem Viertel der Baukosten treten kann, sowie gegen den im Gesetz vorgesehenen unbedingten Vorrang der Forderungen des Baustellenhändlers vor den Bauhypotheken der Handwerker ujro. Schließlich bezeichnete er den Entwurf als einen erfreulichen Anfang in der Richtung des Schutzes der werktätigen Arbeit gegen den Kapitalismus. Zn der Diskussion wies Rechtsanwalt Raab u. a. darauf hin, daß durch eine weitgehende gesetzliche Regelung der Döaterie leicht eine Verminderung der Bautätigkeit überhaupt eintreten könne und verwies aus den Weg, durch genossenschaftlichen • Zusammenschluß der Handwerker selbst zum Bauunternehmer zu werden. Prof. Luley sprach sich zustimmend zu den fadjlidjen Ausführungen des Referenten aus, bemängelte aber, daß er in parteipolitischer Hinsicht die Tatsachen etwas entstellt wiedergegeben habe. Er habe zwar von der Tätigkeit der deutschsozialen Abgeordneten in der Sad)e öfters gesprochen, aber von der der ilationalliberalen Partei, die sid) seit langer Zeit darum bemühe, nichts günstiges berichtet. Der die Sache vom bodenreformerischen Standpunkt aus behandelude Herr Mols Schmidt stimmte den gruudsätz- lidjen Bestimmungen des Entwurfs ebenfalls zu und erhofft von dem Gesetz die Ablösung des Bauunternehmertums durch Selbsterbauer von Häu,ern und soroert die Erleichterung des Hypothekarkredits für bebaute Grundstücke. Auch Bibliothekar Dr. Koch stimmte dem Entwurf im allgemeinen zu und gab seiner Freude Ausdruck, daß der Bürgervereiu Gelegenheit gebe, fich mit solchen Fragen zu beschäftigen. Nach einem Schlußwort des Referenten, in dem er sich dagegen verwahrte, die Sad)e parteipolitisch aus- genützt zu haben, schloß der Vorsitzende um 12i/2 Uhr die Versammlung. — Vortrag von D r. Strecker. Im Verein für Frauenstimmrecht hielt Herr Dr. Strecker aus Bad°9tauheun gestern abend in einer gut besuchten Versammlung einen Vortrag über das Thema: .Wie konunen wir Aläuuer zur Forderung des Frauen- ftimmreebte ?" Redner suchte zunächst die Emmeuduugen zu eur- krä'tcn, die gegen die politische Betätigung der Frau gemacht werden. Man müsse sich baruler klar werden, was Rolnik sei Münster die Basaltsteine holen. Diese werden entweder f$t die Hochbauten der Strecke dienen oder über Lich verfrachtet. Oestkich von Lich wurden zwei Brücken errichtet, eine über die Bahn Gießen—Gelnhausen und eine über einen Feldweg. Wie verlautet, kann die Teilstrecke Lich—Münster schon am 1. Februar eröffnet werden. Die Bahnhofgebäude sind auf allen Stationen im Bau begriffen. Von Münster über Ettingshausen bis Qucckborn sind Oberbau und Packlager größtenteils fertiggestellt. Tie Arbeiten an der Bahnstrecke bieten gegenwärtig mehr als 2UÜ Leuten lohnende Beschäftigung. Man ist hier dec Uebeczeugung, daß die neue Bahnstrecke in die Gegend Industrie bringen ivird, ist sie doch reich an Eisensteinen, Basalt, Braunkohlen und Holz. Die Eröffnung der Strecke soll am 1. April 1909 erfolgen. d. Bad - Nauheim, 2. Dez.Tas Rhein-Mainische VerbandStheatec spielte hier gestern abend im Sprudet- hotel ein Drama von Max Halbe, dec neben Gerhart Hauptmann wohl als einer dec bedeutendsten naturalistischen Dramatiker der letzten Jahrzehnte heroorzuhebcn wäre. Und zwar gelangte zur Aufführung ,S)er Strom*, der als Stimmungsbild aus dem deulsch-slavischen Leben dec Heimat des Dichters unstreitig von poetischem Wert ist. Die Darstellung des Stückes war vorzüglich, man kann sie von den bis jetzt gegebenen diesjährigen Aufführungen des Wandertheaters als die am besten gelungene be$eid)nen. -s- Groß-Felda, 2. Dez. Alte Leute finden sich auch in unserer Gemeinde; es sind dies zwei achtzigjährige Greise, die noch beide letzthin zum Abendmahl gingen, ja der eine von ihnen, ein Schneider, ist noch so rüstig, daß er in jeder Woche noch einen Anzug fertigt. — In dem benachbarten Ermenrod erhängte sich gestern em in den sechziger Jahren stehender Landwirt. Was den Lebensmüden zur Tat getrieben hat, ist unbekannt. Büdingen, 1. Te-. In dein Streü bet Stadt Tübingen mit dem Fürsten von Isenburg-Büdingen wegen dessen zum Nachteil der Stadtgemeinbe fortgesetzt ausge- suhrten Lanberankäufen hat Kreisrat B ö ck m a n n die Vermittlung übernommen. s. Darmstadt, 2. Dez. Auch die Darmstädter Studentenschaft Hot 511 den Feierlichkeiten der Grund- sleinlegung der Universilätsneubaiiten in Prag ihre Vertreter entsandt. Außer dem Vorsitzenden des StudentenvcrbandeL cand. ing. Otto Siebert ist von den Burschenschaslcu Germania, Friesia, Rheno-Gucstfalia und Markoniaiiia je ein Vertreter nach Prag gereist. R-B. Darmstadt, 2. Dez. Die Vereinigte Ortskrankenkasse hielt gestern abend im Hotel Heß ihre halbjährliche Hauptversammlung ab, zu der 8 Arbeitgeber und 32 Arbeitnehmer zugegen waren. Es wurde zuerst eine Anzahl neuer Vorstandsmitglieder gewählt. Aus Vorschlag des Vorstandes wurde sodann beschlossen, die Beamten der Bereinigten Ortskrankenkassen dec jüngst durch Gesetz errichteten iianlliclien Fürsorgelasse anzuschließen, was eine einmalige Ausgabe von 2773 Alk. erfordert. Ter Vorsitzende erstattete alsdann Bericht über die verschiedenen Kongresse des ocr- siossenen Jahres, worauf als Vertreter dec nächsljährtgen Uongreffe die Herren Stadtv. SameS (Arbeitgeber) und Bierbrauer Böhm (Arbeitnehmer) gewählt wurden. Dann wurde noch eingehend über die jüngst von der hiesigen Gastwirte- tind Böcker-Innung ins Leben gerufenen freien Hilfskassen debattiert und einstimmig eine Resolution an das 9)hnifktium beschlossen, worin mit aller Entschiedenheit gegen diese HilfS- faffengründungen Stellimg genommen wird. (:) Waldgirmes, 2. Dez. Der' Gastwirteverband von Krofdorf-Rodheim unb Umgegend hat in seiner jüngsten Versammlung bei Gastwirt Feth-Wißmar auch für diesen Winter eine Festlichkeit beschlossen. ES wurden bisher in Nodheim, Krofdorf und auf Burg Gleiberg solche Winterfeste gefeiert. Um auch den Mitgliedern m den entlegenen Orten Rechnung zu tragen, soll es diesmal hier und zivar Mittwoch, 13. Januar, in den Näunien von Gastwirt Rabe abgehalten werden. 2. Dez. Dec Bahnbau Lich — Grün weit gediehen, daß von hier über Nieder Reife, und so soll es auch bei der Frau fein. Die Aussichten für die Erlangung des Frauenstimmrechts seien, so meinte der Redner, heute sehr günstig. Tie Bewegung »ad) dieser Richtung hin fei außerordentlich lebhaft gewordcn. Ter Vortragende wicS noch kurz auf die guten Er'ahrnngen hin, die man in anderen hochsteheirden Kulturländern mit der politischen Betätigung der Frau gemacht habe, und dieses alles spräche dafür, daß man den Frauen das Ltinnnrecht nicht länger voreuthallen dürfe. •• AuS der Frauenbewegung. In dem 511 diesem Zwecke freundlichst überlassenen Härsaal des physikalischen Instituts hielt auf Einladung dec Frauen-Rechtsschntzstelle Gießen Frau Life Ramfpeck aus Tarmsiadt am Ticnstag einen Vortrag: „Aus dem Arbeitsgebiet der organi- ierten Frauenbewegung.* Die Rednerin führte ungefähr auS: Die Frauenbewegung ist über die sogenannte Frauenemanzipation hinausgewachien. Zur Förderung gemeinsamer Intereffen sind in verschiedenen deutschen Staaten Fcauenverbände entstanden; auch in Heffen wünsckst man einen solchen Verband zu gründen und ihn dem AUgeineinen deutsd;en Frauenverein anziigliedern. Dieser bezweckt gemein- amc Arbeit dec Frauen auf wirtschaftlichem und geistigem Gebiet, konfessionell und geistig hält er sich neutral. Als Delegierte des Allgemeinen deutschen Frauenvereins nahm die Rednerin an dein diesjährigen Verbandstag des Biindes deutscher Frauenyereine in Breslau teil. Dec Bund zählt >50 000 Mitglieder, indem er 28 Verbände und 231 Emzel- oeteine umschließt. Die Schilderung der Breslauer Tagilng gewährt zugleich die beste Einsicht in Ziele und Älusgaben oer Frauenbewegung. Besondere Anregung brachte dort, was Gertrud Bäumer und Alice Salomon vor einer Versammlung junger Mädchen über Lebensziele üorlrugen. In jedes- mal acht- biö neunstündiger angestrengter Tagesarbeit mürbe Stellung genommen zu Strasrechts- und Mädchensdpil- rcsorm, wurde beraten über Arbciterinnenschutz und ünderschutz, Geiliemdewahlred)t und Gefängniswesen. )ie Dienstbotenfrage fand eingehende Behandlung, und der Sittllchkeitskonimifiion wurde neue Arbeit zugewiesen. In einer von 2000 Personen besuchten Versammlung sprachen Else Kilickeuberg, Helene Lange und Else Luders über Frauenstimmrecht. Es ist nicht möglich, hier auf die zahlreichen Arbeitsgebiete näher einztigehen, die Frau Ramfpeck in ihren wertvollen Ausführungen zu klarster Darstellung brachte. Tas lebhafte Interesse, mit dem die Zuhörerschaft gefolgt war, kam zum ^lusdriick in der anschließenden Diskussion, die sid) um die speziellen Ausgaben der Frauen in Heffen drehte. Das Bedürfnis nach eingehender Behandlung der angeregten Fragen zeigte sich darin, daß der Wunsch nach gelegentlicher Forlsetziing des RteinungsauStaiischeS rege mürbe. ** Das Kolosseum hat diesmal ein sehr schönes Programm aujgcstelltz das allseitig großen Beisait findet. Ta ist zuerst Fräulein Melanie, eine niedliche Soubrette, die vor ihren vielen Kolleginnen nicht nur manches, fonbern sogar viel voraus hat. Fames |inb ihre Nachahmungen vonden auf minderwertigen Tingeltangels betonnten Soubretten. Sehr echt ist auch dec tomische Trahtieilakt des Original Zaras, der durch seine TrikS vielfach verblüfft unb große .Heiterkeit erregt. Ein fein guter Hunwr.st ist Heriuann Kuntze, der mit einer Anzahl von neuesten Schlagern aujlrat und immer unb immer wieder gerufen wurde. Das Gesangs- unb Tanz-Duett von Riebl - Heidl erntete ebenfalls starken Veisall. Den .Hauptanziehungspunkt bildet aber der italienische Verwandlungsichauspstcer Fnzzo, der durch seine blitzsdmellen Verwandlungen unb seine Stimmmodu- lation jeden in Erstaunen seht. Er spielte zuerst eine Posse in einem Akt, in der ec 7 Personen sehr gut darstellte, danach eine große dieüiic in 2 Szenen. In der 1. ermöglichte es Frizzo Dem Publikum durch eine Trausparentbekoratiou seine Verwandlungen zu beobachten, bann spielte er in dec 2. bas ganze Programm eines Spezialitätentheaters herunter, indem er nacheinander einen Chinesischen Gaukler, Schellenvirtuosen, Zauberkünstler, berühmte Komponisten, Scrpenlintänzerinu u. v. a. darstellt, was ihm unaufhörlichen Beifall eintrng. ' Tas Programm bleibt wie gewöhnlich bis zum 15. Dezember bestcherr. ** April-Einjährige. Tie vor kurzem erlassene Bestimmung, daß bei dem hiesigen Regiment nur noch Mediziner unb Pharmazeuten am 1. 2lpril als Einjährig-Freiwillige eintreten konnten, ist auf die Vorstellungen des Ziekiorals der Landes-Universität und dec Stadtverwaltung hin wieder aufgehoben worden. Es können also in Zukunft wie seither alle Studierende der Universität ihre Militärbienstzeit am 1. April beginnen. ** Keine staatliche Haftpflicht. Einige von den durch die begangenen Veruntreuungen des früheren ÄtotarS Link-Dieburg geschädigten Landleute glaubten den Staat Unb was die Frau sei. Tie Politik betrifft nicht nur wirtscha'ttiche Ziele und Fragen der nationalen Wehrmacht, sondern die Politik hat fultnrelle Ausgaben und ethische Ziele Au sotcheu politischen Ausgaben ist auch die Frau in hohem Maße mlereffiert. Alan deute nur an die Gesetzgebung in Bezug ati'Kiiidererziehuug. Gerade die Frau als IMhuicr wird doch durch diese Fragen berührt. Redner erwähnte ferner die Alädchenschulre'orm, auf die doch auch die Frau Emsiutz haben müsse, da cs ja gelte, das derauwachseilde Mädchen ebenso zu eurer Persönlichkeit zu erziehen, ivie den Heranwachsenden Stnaben. Daß die heutige Mädcheuerziehuug in diesem Vunkte unzulänglich ist, bedarf keiner weiteren Tarlcgiing; sie gibt dem jungen Mädchen con allem nur cme oberflächliche Kenntnis, die wohl für cm flüchtiges Gespräch im Tallfaal genügt, doch für eine ernstere Unterhaltung nicht ausreidst. Es wird vielfach an- qeftihrt, Oie Frau würde durch cme politische Betätigung dem Haiise entfremdet. Aber das Haus steht doch cbenfo werng wie etwa das Wirtshaus — wo der Mauu seine Politik vorivicgeub ausübt — außerhalb des Staates. Ter Staat ist doch kein bestimmter Ort, sondern der Staat das sind Oie Menschen, die darin wohnen und sich betätigen. Im Mittelalter, da luar das Hau» allerdings »üt sich abgeschlnsseu, da waren es gerade die Frauen, die sich un Hause vollauf betätigen konnten. Es galt zu weben, 311 spinnen u. s. w. Heutzutage haben Alaschiuen uuO Fabriken dem Hauie diese 'Jlvbeucn abgenommen. Es sind Arbeitskräfte un üanje frei geworden. Für diese Arbeilskräue, die jetzt die Zeil mit Klatsch und Tändelei oeruböclu, gibt eS doch so viele neue unb ernste Wirkungsgebiete unb Beschönigungen. Der Alaun gestaltet das Leben nut so vielen harten, brutalen Mitteln aus, da kairn die Frau bejänftigend und ergänzend Mitwirken. Ww sind heute keine Jndividueii, sondern soziale Aleiischeu. Wir leben von der Erbschaft der früheren Zeiten unb bet Mitarbeit unserer Nebemncuschen, imb es ist unsere Pflicht, hier auch an unserem Sed mitfiuarbeiten für die Menschheit. Redner wünscht, daß Mann und Frau sich m geistiger und politischer Beziehung besser verstehen lernen und et hofft hiervon auch eine vollkommenere Basicher Ehe. Alle gesunde Betätigung der Frau un Staate ist aber nicht möglich, solange sie nicht das Sliuunrecht hat, dem, dieses gibt erst die Alacht, wünschenswertere Rctotmen burclizusetzeu Auch der Alaun bat bas Stimmrecht nicht am einmal ' elommen, et hat es fiel) schwer erkämpfen müssen, unb c<- gtbi beute auch noch manche Männer, bie für das Stimmrecht volit ' ineswegs reis sind. Aber das Wahlrecht ist für sie em Erziehungsmittel zur cr Wetter o S ev R 4.3 । Nebel 1,8 4,4 Höchste Temperatur Niedrigste 1,4 • C. 2. 2. 3. 98 1U0 96 2« 9« 7» 2 2 2 TaglohnerS Friedr. Delp I I. von Webern wurde am 24. Nov. bas Konkiirsverkahren eröffnet. Rechtsanwalt Tr. Eckhard in Steinheim wiirde zum Koickiiisvevwaller ernannt. Konkurs- 'ordrrungen sind bis giun 14. Dez. bei dem Amlsgerickt Stein« beim ansumclbcn. — lieber das Vermögen des Kau'manns Heinr. r l t; e t von Ober-Eichbach ivurde am 23. Nov. das Kon- kursverkahrcii eröffnet. Bürqermeisier F r i h e l m Ober-Eschbach ivurde zum Konkursverwalter ernannt. KonkurSiorderungen sind big zum 15. Tez. bei dem Amtsgericht Vilbel anzumelden. — Im heutigen Anzeigenteil unseres Blattes macht die Mitteldeutsche E r e d i l b a n k, Filiale Gießen be- kaunt, daff Jnlereffenteu ihre P o st k a r l e n - S ch e ck i o r m u- l a r e zur Ber'ügung stehen. An den Kassen der Baut werden hniorinaiioncn über deren Verwendung gerne erteilt. — Die Frachtsätze t u r K o h l e » a ui dem Rhein vom Ruhrgebicle ab, die au< 9 Pfg. per Zentner genießen waren, ind bei dem ftcigcnbcn Wasser aus 6 bis 6*/, Pfg. zurück- gegangen. am 1. bis ° 1. ,, r>atiöcL — Konkurse in H es, en. lieber das Vermögen des Gastwirtes Wilhelm Schä'er IX. in Sprendlingen wurde am 14. Nov. das Konlursver'ahren eröffnet. Gerichlstaxalor Friedr. Küster zu Laugen wurde zum Koukursverivalter ernannt. Kou- kurssordertlngen sind bis zum 5. 2e$. bei dem Amtsgericht Laugen anzumelden. — lieber das Vermögen des unbekannt wo abwesenden (inzwischen verstorbenen) Aktuars Wilhelm Molker von Schollen wurde am 19. Nov das Konkursverfahren eröffnet. RechlSanwall Zimmer m Schotten wurde zum Konkursvei- ivaliet ernannt. Konkurssorderungeu sind bis zum 18. Dez. bei dem Amtsgericht Schollen anzumelden. — lieber das Vermögen des dum ©rubeunglüd auf Rabboö. Von den fchwerveriepten x^ig.eaieii ist ium eines gestorben; der Zustand einiger der übrigen 21 Schwerverletzten ist derart, daff man fürchtet, das Unglück roetbe noch weitere Opfer fordern. Die vom Landtagsabgeordneten L e i n e r t benannten Zeugen sind in den letzten Tagen sämtlich eidlich vernommen worden, darunter auch der Bergarbeiter Lewandowski, der als Mitglied der Arbeitevordlmng vor dem Prinzen Eitel Friedrich erschienert war. Tas Gemeindelolleg von Nürnberg erhöhte die vom Magistrat bewilligte Spende von tausend auf fünftausend Mark. Gicßcucr Wcttcrvieust. Voraussichtliche Witterung rür vcüeu am Freitag bcn 4. Dezember: Trüb und neblig. Temperatur wie heule. Keine erhebticheil Niederschläge. Veränderliche Winde. Micteoioiogtsttre ^eoun$^$uiigeii Der Station Gieße». Dezember । 1908 Briefkasten der Uedaktion. (Auonyme Tlusragen bletbcn unberuasichttgt.) M. vrenuStggsabg. Lunt ist Raissyudüus m kliosloa i. M. .... ........... । 2. Dez. = + 2- „ = - Markte. fc. Frankfurk a. M., 3. Dez (Tetegr. Orig. - Bericht deS ^Gieff. Anz.".) Amtliche Slolierrmgeu der heutigen Viel, m arkt- preise. Zum Vertause ftanben: 30 Ochsen, 6 aus Oesterreich 4 Bullen, 0 aus Oeiterreich, 82 Hube, Fersen, Stiere und Rinder, 831 Halber, 2v7 Schaie und Hammel, 891 Schweine, 00 Ziegen, 0 Ziegenlämmer, 00 SchaÜämmer. Bezahlt wurden iür 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen: 1. Qualität 80 -00 Alk., 2. Qualität 73—74 Mk., 3. Qualität 60—03 Mk.; Bullen: 1. Qual. 66—68, 2. Qual. 62—64; Hübe 1. Qualität 68-70 Mk., 2. Qual. 60—62 -Mk., 3. Qual. 48—50 Mk., 4. Qual. 00—00 Akk., b. Qual. 00—00 Akk. Bezahlt wurden für das Pfund Schlachtgewicht : Kälber 1. Qualität 92 bis 95 Big., Lebendgewicht 55—56 Psg., 2. Qualität 82-90 Psg., Lebendgeivicht 48 - 52 Pfg., Schlachtgeiv 70-00 Psg.; Schafe: 1. Qual. Schlachtgew. 70 bis 72 Pfg., 2. Qual. 50—54 Pfg. Schweine: 1. Qual. 71—72 Pf., Lebendgewicht 56,5—00 Pf, 2. Qual. 69—70 P'., Lebendgeivicht 55,5- 56,5 Pfg., 3. Qu al. 65—00 Pfg., Lebendgeivicht 00- 00 Pfg. Geschäft bei Hornvieh gut, Ueberftanö unbedeuie.id. 757,6 -0,6 Verschulden, sondern auch das ihrer Angestellten zu vertreten habe. Die Beklagte bestreitet zwar, daff der mit der Führung der Auwrnobildroschke vertrante Chauffeur die im Vcrlehr er- vrderliche Sorgfalt'auffer acht gelassen habe. Tie Fahrlässigkeit des Chauffeurs erhelle jedoch, schon daraus, daff er auf 5—6 Meter Entfernung oas Äuwuwbil nicht hade zum Stehen bringen können. Wenn die Beleuchtung der Chaussee so schlecht gewesen sei, daß cr den Sandhaufen in dieser Entfernung nickst habe erkennen können, so hätte er langsamer fahren müssen, da er damit rechnen muffte, daß plötzlich ein Hindernis ihm entgegcmreten könne. Daraus aber, daff er auf 5—6 Meter die Schnelligkeit des Automobils nickst mehr bis zu einem ungefährlick)en Teinpo ermäßigen konnte, ergebe sich feine Fahrlässigkeit und das die Haftung der Beklagten begründende Verschulden. Gegen dieses Urteil hacke ine Beklagte Revision beim Reichsgericht eingelegt, aber ohne Erfolg. Der 7. Zivilsenat des höchst.n Gerichtshofes erkannte auf Zurückweisung der Revision. • Das erste Plädo yer einer Frau in Deutschland bat am 31. Oktober im Jugendgerul lshof in Altona stattgefunden. Zn Gegenwart des LatrdgerickstspräsidLitten Rasch, des Chefs vom Gemeinde-Waisenratsamt Senator Dr. Hcröieck, der Vorstände und einer Anzahl Mitglieder der beiden daran inierejfierten Vereine: zum Sckst'.tze der Kinder vor Ausnutzung und Mißhandlung und Zentrale für private Jugendfürsorge, vollzog sich ein Akt von weit- tragenber Tedeutung: Frl. Tr. jur. Anna Schultz, der hinzugezogene weiolichc Rechtsdeiftand, plädierte a.5 Veriewiger für die angeklagten jugendlichen Zünder und tonfete durch die Art ihres Plü- doyers die Sympathien des Gerichtshofes und der Anwesenden ick' zu gewinnen. Es war mterejsant, zu beobachten, wie ein bekannter Jurist nach dem andern, alle in ihren Amtsroben, für kurze Zeit den Gerichtshof betrat, um Zeuge dieses interessanten, man möchte sagen, für die Frauen historischen Ereignisses zu sein. Ter Erlaß des bayerischen Ministers, daff in Bayern künftig Frauen als Verteidiger un Strafverfahren gegen Jugendlich zuzulassen seien, ist also — so schreiot das Zentralblatt des Bundes deutscher Frauenvereine —, dank der Initiative des Altonaer Landgerichtspräf identen, in der Praxis schon überholt worden. * Romantische Verlobung. In Irtan bei London soll am 19. Dezember die Hochzeit von Mr. George Westing- kwuse, dem einzigen Sohne des berühmten Erfinders der nach ihm benannten Bremse, mit Miß Evelyn Violet Brocklebank, der Tochter des englischen Baronets Sir Thomas Brocklebank auf Jrton Hall in Cuntderland stattfinden. Miff Brocklebank wurde bei einem Besuch in PittSburg die berühmte Fabrik von Westinghouse gezeigt. Ein junger Mann in einem Arbeitert.ttel, ben sie für einen Fabrikarbeiter hielt, führte sie durch das Unternehmen; feine Erscheinung und Intelligenz gefielen ihr außerordentlich Beim Fortgehen nahm sie nach einigem Zögern davon Abstand, ihm ein Trinkgeld zu geben. Ihre nächste Begegnung fand in einem Londoner Salon statt, wo ihr der angebliche Arbeiter als Mr. Westinghouse junior vorgtstellt wurde. * „Was, der Graf, der soviel auf sein blaues Blut gibt, hat sich mit einer bürgerlichen Dame verlobt?" — „Nicht wahr: Reine Blutvergiftung!" Kleine TageSchrsnik. Ter 69jährige Pastor Stoltenhoif von der reformierten Gemeinde m Elber' eld stürzte bei j)cr Wiederherstellung der Turmuhr der Sophienklrche infolge eines S ch w t n Ü et an f a t l es a b und war sofort tot. Bei der Feslbelenchtiing anläßlich der Jubelfeier in Wie n sind vier Ai e n I ch e n 'an Herzschlag gestorben. Anffer- dem ereigneten sich 10 4 Ri ppenvrüche. Aieldnngen atis Reggio del Calbri berichten über heftige Erdstöße, die in Aiileta (Italien) verspürt worden sind. Ter Bevölkerung bemächtigte sich große Panik Aus T a p i r a in der Provinz Algarve (Portugal > werden heftige S t ü r in e , verbunden mit Regen und Hagelschlag gemeldet, die U e b e r s ch w c m m n n g e n bis zu einem 'Dieter verursachten, sodaß der Eisenbahnverkehr gestört ist und mehrere Häuser eingesiiirzt sind. Im Geschäitsviertel von New-York überfielen Banditen nachts zwilchen 3 und 4 Uhr einen Straßenbahnwagen, m dem eine große Gejellschau von einer Festlichkeit heunfnhr. Sie raubten etwa 2000 Dollar Baargeld und Juwelen un Werte von 5000 Tollar. die fernere Behandlung der Besoldungsvorlage zugunsten der Lokomotivführer beeinflußt wird. Tas Anfangsgehalt der Lokomotivführer ist seit 27 Jahren nur um 200 Mk., das Endgehalt in demselben Zeiträume bis zur Besoldungsvorlage nur um 400 Mk. erhöht worden. Die Regierungsvorlage sieht nur eine Erhöhung des Endgehalts i.tn 200 Mk. vor. Daß diese Erhöhungen in keiner Weise der Verteuerung der gesamten LebensvcrHaltnisse entsprechen, dürfte jeder einsehen. Auch Ijaben alle Abgeordnete durch ihr Vorgehen in der Kommission das Bedürfnis weiterer Erhöhungen anerkannt. Auch erwartet man, daß die zum Lokomotivführer geprüften Anwärter, die vielfach den Dienst der Lokomotivführer verrichten, aus der Klasse der Berufshetzer herausgehoben, als Reserveführer eine besondere Klasse bilden und als solche in die Gehaltsklasse der gehobenen Unterbeamten eingereiht werden. SSW ; SSW SSW fc. Erbach, 2. Dez. Die Klage des Grafen Georg Albrecht zu Erbach-Erbach und Wortcnbcrg-Roth als Vertreter seines entmündigten Sohnes, des G-rbgrafen Erasmus, wider die Sohne seines verdorbenen Bruders, des Grafen Arthur, die Grafen Konrad, Eberhard und Alexander wegen Aufhebung des am 2. Dezember 1907 im „Englischen Hof" zu Frankfurt a. M. von einem Austragalgerickft gefällten Schicbsger ichtsspruch, der den Erbgrafen wegen Umgebung der Hausge,etze vorn Genüsse des reichen Erbach Erbachfchen Haus- und Stammvermögens aus- ickloff, wird von neuem das Landgericht in Darmstadt beichäftigen. Bekanntlich ist wenige Tage nach der ersten Verhandlung in der Sache, die am 5. Juni d. I. am Landgericht Darrnstabt statt- faub, Graf Arthur zn Crback^Erbach plötzlich gestorben. Seitdem ruhte der Sncceffivnsstreit. Nunmehr hat Graf Georg Albrecht die Wciterfiihrung des interessanten Prozesses angeorbnet München, 2. 'Dez. Im Prozeß des Konzertbureaus Gutmann gegen Professor Schillings wurde heute Schillings verurteilt, dos vereinbarte Konzert int MeFter-Tirigenten- zvttus sowie die Proben zn leiten. Professor Schillings weigert sich trotzdem, das Konzert zn dirigieren. Danzig, 2. Dez. Tas Sa/ wurgericht verurteilte den Gymnasialpwsessor Wippcrtmann aus Prenffisck)-Stargard wegen Verbrechens im Amte unter Zubilligung mildernder Umstünde zu einem Fahre Gefängnis. Wipvertrnann hatte amtliche Gelder in Höhe von 23 000 Mark unterschlagen und Bücher gefälscht. Hafer-Kakao wird bei Blutarmut uniä ßkidisucbt alsKräfti^i.mosmitteltausendfach ärztlich empfohlen. Mui echt in blauen Kartons für 1 Mk., niemals lose. Motivführern Disziplinlosigkeit vorgeworsen, weder im all-1 die Verpstichtung übernommen hatte, den Kläger nach^Berlin zu gemeinen, noch in ihrem Verhältnis zu den Assistenten." Der befördern. Temnachsei fte anläffttchdes emgegangemm L.ransvort- onfnmntihfiifirerff-nnh nnm Minister ausdrücklich als I Vertrages für den Schaden haftbar, den bei; Klager durch ihr fahr- MH »«ÄS »» nung htn, daß nach btejen Aussprachen des Mtntfters auch Verschulden, sondern auch bas ihrer Angestellten zu vertreten Rcichsgcrichtsbricf. Nachdruck verboten. J- S. Leipzig, Nov. Schadensersatzanfpruchauseinemr-lutomobtl- Unfall. Als ein Chauffeur her tc^ogiun Automobilgesellschast eines Sonntags einen trunkenen Grunewaldbesucher naeo Berlin bringen sollte, fuhr er auf einen auf der Chaussee liegenden Sandhaufen und sodann noch gegen einen Baum. Infolge dieier r5ehckahrt war bet Automobügast aus dem Fahrzeug geschleudert und verletzt worden. Er hatte nun auf Grund des Transportvenragcs Ersatzansprüche geg^n die Auwmobilgesellschaft erhoben, mft denen er auch durchdrang. , nrr Das Laiwger^it Berlin hatte zwar ent auf Abwehung der Klage erkannt, weil die Beklagte kein Verschulden treffe. Der Kraftwagen fei in Ordnung gewesen und den Chansseur selbst trefre bei der Fahrt kein Verschulden, denn der. Sandhaufen fei auf bet dunklen Chaussee nicht zu [eben gewesen. Auf bie Berufung des Klägers erkannte aber das Kainmergertckft zu Berltn den Klageanspruch dem Grunde nach für gerechtfertigt an. Das Kammergericht legt bar, da» die Bekwgle Ocrid?t»faaU Schöffengerichtssitzung vom 1. Dezember 1908. Beamteubeleidigung. Ter Fuhrmann A. K. dahier, beschädigte durch Befahren das Bankett der Kreisstraße Gießen— Steinberg. Bei Feststellung feiner Personalien nannte er ben Krcisstcatzenwart einen Lügner. Wegen der Uebertretung Wurde er zu einer Geldstrafe von 2 Mark eo. 1 TagHaft und bezüglich der Beleidigung zu einer solchen von 30 Mark en. 6 Tage Gefängnis verurteilt. Außerdem wurde dem Beleidigten die Publi- katlonsöesugnis zugesprochen. Körperverletzung. Die Taglöhu-n: H. G., H. D. Arbeiter W. Sch^ und der »§chreiner L. St., alle von G a r beute i ch, mißhandelten im Juli l. I. &u Steinbach den Nachtwächter und den Polizeidiener. Sämtliche Angeklagten wurden wegen Körperverletzung zu Geldstrafen verurteilt und zwar G-, Sch. und B. zu je 15 Mark cv. 3 Tage Gefängnis und St. zu 25 Mark cd. 5 Tage Gefängnis. Beamteubeleibigung und Bestechung. Die Berg, arbeitet K. G. und S. R. hier, beleidigten zwei Schutzleute, in- bem sie hinter den Beamten Herzogen und diese mit den gewöhnlichsten Ausdrücken belegten. Bei ihrer Verhaftung machte der Mitangeklagte R. einen Bestechungsversuch. Die beiden Angeklagten wurden zu je einer Geldstrafe von 25 Mark ev. 5 Tage Gefängnis verurteilt. Außerdem erhielt R. wegen Bestechung eine l§eldstrafe von 10 Mark ev. 2 Tage Gefängnis. Lotterie-Berge Heu. Der Lotterie-Kollekteur F. O. in Leivzig verkaufte an einen hier ansässig gewesenen Kaufmann ein Los der Kgl. Säckffischen Lanbeslotten'e. Dieserhalb wurde er wegen Verstoß gegen das Hess. Gesetz betreffend Spielen in außer^ssischen Lotterien, zu einer Geldstrafe von 30 Mark ev. 6 Tage Gefängnis verurteilt. Sachbeschädigung. Der Kommis K. B. in Gießen beschädigte zwei städtische Gaslatenten in dem Schiffenberger Weg und auf dem Torpfeiler der llniversitäts-Bibliathek. Er wurde zu einer Geldstrafe von 50 Mark ev. 10 Tage Gefängnis verurteilt. (PrigütaböratyimclOutigen« Prag, 3. Dez. Hier zirkulieren mit großer Hartnäckigkeit Gerüchte von einer unmittelbar bevorstehenden KriegsertlärungOesterreichsanSerbien. Die Ben- Hängung des Standreosles und die eventuelle Verstärkung desselben durch den Ausnahmezustaub wird allgemein darauf zurückgeführt, baff man die hiesigen Serbovhilen mit aller Energie in die Schcan- ten weisen will. Es heißt, daß heute in Wien ein Kriegsrat ein- berufen werben soll, von dem bas Ultimatum an Serbien gestellt werben soll. Die großen böhmischen Garnisonen sind teilweise von ihren Truppenbestunden entblößt. Gestern abend trafen hier Prioatmeldungen ein, wonach ein großes Gefecht stattgcfunden habe, bei dem 40 österreichische Soldaten gefallen sein solleit. Sofia, 3. Tez.- ani^iuj o.r aeuerrciu^ang enter Adresse durch Ci ne Avorönung der Sohr-ache sagte König Ferdinand: Ich glaube fest an die Erhaltung des Friedens. Sollte jedoch Oestecreickf gezwungen werden, gegen die Türket zu den Waffen zu greifen, müßte Bulgarien dasselbe tun. In einem eventuellen! Kriege Oesterrcichs gegen Serbien würde Bulgarien neutal bleiben. Belgrad, 3. Dez. Das serbische Kr ie g§m ini« Zerium hat in Rufflano 2UUJ Lastpferde kaufen lassen, die es über RunQnien nach Serbien transpvrneren taffen wollte. Die rumänische Regierung hat indessen die Durchfuhr nicht gestattet und daher roiro der Transport über Bulgarien geleitet werben. Tas Vorgehen Rumäniens hat in Seroten eckte gewisse Mißstimmung hervorgerufen. 756,6 j —1,8 7öj,0 —2,4 j 3,7 Nachdruck verboten. daß wir nur Ware verkaufen. die das Geld wert ist, was Giessen, Ba’ nho’strasse 58. * AN Mel": Evattgezischer Bund. Sonntag, den 6. Dezember, abends 8'/< Uhr Fnmiiien-Abeud in Lteins iZurlkN. Lonrag des Herrn Proi'effors D. Dr. Schiau-Gieffen: „’&ex Friede zwifchen ben Koniessioneu." Musikatische Darbietungen bes flemiiehten EvorS und des Frauen» chors des eoang. Arveiter-Bereins und ^nffrimlentalvorträge unter Lcllung bes Herrn wluntleyrcrs Gernhardt. 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