Samstag 3. Oktober 1908 158. Jahrgang Zweites Blatt Nr. 233 Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Der türkisch-bulgarische Konflikt. M der jeinititut Schauturnen am Nachmittag, sowie Konzert und Lanz am des drei des Die „Siebener Zamllienblätter" werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schw Universitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. an walte tagt heute in Darmstadt. Die Wahl Vorstandes der Anwaltskammer, ans dem satzungsgemäß Mitglieder auszuscheiden haben, findet im Sitzungssaal Oberlandesgcrichts statt. ** Von den oberhessischen Bahnbauten läftsräame ;e wegen < Redaktion, Expedition und Dnickerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 5L Redaktion: 112. Tel.-AdruAnzeigerGießem ' Giessen «nds8Nhr biologischer (feit. on&Cö Visitenkarten 10t. Jonen der Willen»- 1 der hypnotischen 3 °bne Aushebung be'F"$ das Grammophon, Ute gesprochenen Worte sikn. Gesang RL Galerie 60 Psg. Platz 50 Psg. Siebener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhessen bandelt. Bedürftigen Arbeitssuchenden können Freischeine für diel Eisenbahn bis zur Arbeitsstelle ausgestellt werden. **Tageskalender. Stadttheater. Sonntagabend 71/2 Uhr: „Der Kompagnon". Kolosseum. Täglich Vorstellung. Kaiscrpanorama. Programmwechsel am Sonntag: Die ächsische Schweiz. , Kinematographent Heater. Programmwechsel am Samstag. * **DerTaschenfahrplan des Gießener Anzeigers ür den Winter 1908/09 liegt der heutigen Stadtauflage bei. Er erscheint in vergrößerter und verbesserter Ausgabe. Insbesondere sind bei den Hauptstrecken die wichtigsten Anschlüsse beigefügt, auch haben viele seither in unserem Fahrplan nicht enthaltene Züge von rein lokaler Bedeutung nunmehr ebenfalls Aufnahme gefunden. Die wichtigen direkten Verbindungen zwischen Bad-Nauheim und Wiesbaden sind zum erstenmal verzeichnet. Wir hoffen, daß der Fahrplan auch in seiner neuen Gestalt den Beifall seiner Benutzer findet und ihnen ein ebenso lieber und nützlicher Reisebegleiter sein wird, wie es die seitherige kleinere Ausgabe war. — Der Landauflagc wird der Fahrplan in den nächsten Tagen beigelegt werden. L. U. Landesuniversität. Dem Assistenten am physikalischen Institut der Landes Universität Dr. Karl U l l e r aus Mayen wurde die venia legendi für das Fach der Physik erteilt. Seine Habilitationsschrift handelt von der Energiewanderung im permanenten elektromagnetischen Wechselfelde gemäß dem Theorem von Poynting. ** Pfarrpersonalien. Ernannt wurden Pfarrassistent Flöel zu Wöllstein zum Pfarrassistenten an der Petrus- und Pau.lusgemeinde zu Bessungen; Pfarcverwalter Boeckner zu Dietzenbach zum Pfarrverwalter in Schlitz; Pfarramtskandidat Knott zu Bensheim zum Pfarrvikar in Mainz; Pfarrassistent Wahl zu Lindenfels zum Pfarrverwalter in Schlierbach; Pfarramtskandidat Rühl zu Gießen zum Pfarrassistenten in Wöllstein. •* Lehrerpersonalien. Uebcrtragcn wurde dem Schulvermalter Friedr. Held zu Schotten eine Lehrerstelle au der Gemeindeschule daselbst; dem Schulvermalter Wilh. Niebel zu Steinfurth eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Niedec-Weisel. — Erledigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerslelle an der Gemeindeschule zu Allen darf a. d. Lahn. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. •* Hessische Hand Werks kam m er. Mit Rücksicht auf das am 1. Oktober erfolgte Inkrafttreten des Gesetzes über den sogenannten kleinen Befähigungsnachweis beabsichtigt die Handwerkskammer zu Darmstadt auf den 16. Oktober in den Kaisersaal zu Darmstadt eine Versammlung der Prüfungsausschüsse in Hessen, soivie der bisher gesetz- lich geprüften Ai ei st er einzuberufen. Um einen Ueber- blick über die Beteiligung 511 erhalten, ist zunächst eine Umfrage an die Vorgenannten ergangen, die den Nachweis des Bedürfnisses einer solchen Versammlung ergeben hat, denn es hat die Mehrheit der befragten Personen ihr Kommen in Aussicht gestellt. Zu der Versammlung sind auch alle anderen Handwerksmeister willkommen. ** Ein Anwaltstag der hessischen Rechts- r, B-rlm, PlMr. Ms u"d je,««’'. it »TM 20 W Sweater. mit ifenibie. ieu,etn htfelciic“ iubeitj ,üJn Maten Schaufenster einen prächtigen Llnblick. Die Geschäftsräume elbst zeichnen sich durch große Helligkeit aus. ** Hofrat Rothschild wurde heute vormittag in die medizinische Klinik gebracht, wo er zunächst bleiben wird, "* Durchgegangen ist heute vormittag der etwa 20 Jahre alte Strafgefangene Wilhelm Schmidt aus Butzbach, der in der Nähe der Marburger Straße mit anderen Gefangenen arbeitete. •• Preußische Kl a s s e n l 0 t t e r i e. Die Erneuerung der Lose zur 4. Klasse 219. Lotterie muß mit Vorlegung der Lose 3. Klasse spätestens bis ginn 5. d. Alts, geschehen sem. Auch müssen die Freilose zur 4. Klasse gegen Rückgabe der Gewinnlose 3. Klasse bis zum vorerwähnten Termin eingejordert sein. •* Die Ziehung der B a d e n e r (ö e l d Lotterie nuijjte infolge verschiedener Umstände auf den 14. Oktober verlegt werden an welchem Tage sie garantiert stattfindet. ** Süße Grüße überbrachte uns heute vormittag ein Eisenbahner, nämlich ein Sträußchen vollständig reife Walderdbeeren, die er bei Betzdorf gepflückt hatte. § Lollar, 2. Okt. Auch hier ist man zurzeit eifrig mit dem Einernten der Kartoffeln, Dickwurz und Gemüse beschäftigt. Trotz des schlechten Wetters im vorigen Nachommer sind die Kartoffeln gut ausgefallen, faule findet man wenig. Das Kraut und Gemüse entspricht dagegen nicht den angenommenen Erwartungen. Ganze Gärten und Felder sind von den Raupen völlig aufgefressen, meistens ragen nur noch die kahlen Rippen in die Höhe. Dagegen ist die Obsternte sehr gut ausgefallen. Die Dreschmaschine hat dieser Tage, nachdem sie ihre hiesige Arbeit beendet, unseren Ort verlassen. Reiche Fruchtvorräte lagern nun. mehr auf den Speichern. Jedenfalls aber wird der Land- wirt in diesem Jahre bis spät zum Nachherbst zu tun haben, erwartet man doch in den nächsten Tagen nach der seit Jahresfrist stattfindenden Feldbereinigung die Zuteilung der neuen Grundstücke, deren Instandsetzung dem Bauers- manne noch viele Arbeit verursachen dürfte. △ Nieder-Ohmen, 2. Okt. Daß das Aufsitzern kleiner Kinder auf Pfuhlfässer, rote man e&\ manchmal sieht, nicht ungefährlich ist, zeigt folgender Fall.. Das vierjährige Söhnchen eines hiesigen MühlenbeptzLrs saß auf dem Pfuhlfaß eines heimtehrenden Wagens. An der abschüssigen Fahrt in den Hof verlor das Kind das Gleichgewicht, stürzte herab unter den Wagen und zog sich schwere Verlegungen am Kopfe zu, der mehrmals durch den Arzt vernäht werden mußte. = Neu - Ulrichstein, 2. Okt. Die Arbeiter- Kolonie verzeichnet Ende . September einen Bestand von 63 Arbeitslosen, darunter 14 aus Hessen und 9 aus Hessen- Nassau. Nahezu die Hälfte davon, nämlich 31. waren Arbeiter. Im September gingen 28 Stellenlose neu zu, während 33 entlassen wurden. Hiervon gingen 20 auf eigenen Wunsch, während im übrigen zweimal Arbeitsscheu, einmal Krankheit, zweimal Arbeitsunfähigkeit und achtmal schlechtes Betragen die Entlassungsgründe waren. Q Lau bach, 2. Okt. Zu Ehren des von hier scheidenden in den Ruhestand versetzten Aktuars Keil, der in der ihm eigenen bescheidenen Weise von einer geplanten öffentlichen Abschiedsfeier Abstand genommen, hatten sich am Mittwoch abend seine Freunde, das Gerichtspersonal, dessen Bureau er 15 Jahre lang Vorstand, sowie die Bürgermeister des Amtsgerichts im Solmser Hof eingefunden. Dem Scheidenden widmeten Abschiedsworte Oberamtsrichtec Zimmermann und Bürgermeister Jochem hier, die von Aktuar Keil dankend erwidert wurden. — Die städtische Ob st Versteigerung ergab namentlich für Tafeläpfel gute Preise. Das Resultat rvaren 1026 Mk. gegen 222 Mk. im vorigen Jahr. Das beste Jahr im letzten Jahrzehnt war 1904 mit 1300 Mk. w. Nidda, 2. Okt. Heute fand hier die Bürgermeisterwahl statt. Der bisherige Bürgermeister Hermann Roth wurde mit 160 von 163 abgegangenen Stimmen wiedergewählt. Dre Zahl der Wahlberechtigten betrug 382. 1. Ulfa, 2. Okt. Sofort nach der Obstausstellung, die am 10. und 11. Oktober in Laubach stattsindet, soll von dem hiesigen Obstzüchterverein hier eine Lokal-Obstausstellung veranstaltet werden. r. Schotten, 2. Olt. Eine kleine Gruppe von Privatleuten hat die auf städtischem Gelände in der Läunsbach, nahe dem Lehrerheim, befindlichen Teiche zum Teil instand setzen lassen und in Betrieb genommen. Bor etwa hundert Jahren mögen die Teiche noch wasserhaltend gewesen sein, man hat aber zu damaliger Zeit an der Fischzucht das Interesse verloren, wohl weil der Absatz der Fische tncht zu rentablen Preisen möglich. Tie Teichdämme wurdeu also aufgerissen und der Boden zu Miesen verwertet. SLach- dem obige Gruppe Herren die Teiche auf eine Reihe von ■ Jahren gepachtet hat, hat sie mit erheblichen eigenen Mit- . teüi den Damm und eine Schleuse aufgesührt und Fo- ; rellen, Karpfen und Schleien eingesetzt. Bei dem in vor. 1 Woche vorgenommenen Fischzug war das Ergebnis über- , raschend gut. Die Forellen stehen an Güte der Bachforelle nicht nach, waren sehr rasch gewachsen und namentlich auch die Karpfen waren von vorzüglichem Wohlgeschmack, bet , einem Durchschnittsgewicht von 3 Pfund. Allerdings ist ' zu berücksichtigen, daß gut gefüttert worden war; die Kosten ’ des billigen Futters sind aber durch den Ertrag von ca. 1 3 Zentner Fischen in ca. 2 Jahren überreich belohnt. Es föÄrg wohl zu wstnscheu, daß Des zweite,, unmittelba.v &aia,n zu." NM greifen ^ster Fidclitaö. in, I ^«'Heater* Ueber die Stellung der ottomanischen Pforte zu der widerrechtlichen Besetzung der ostrumelischen Bahnlinie durch A-ulgarien sprach sich heute dcr Botschaftsrat Ali Ihsan Bey von der türkischen Botschaft in Berlin einem Mitarbeiter " ß des „B. T." gegenüber in folgender Weise aus: „Die Stel- H lang der türkischen Regierung zu der Besetzung der Orient- bahn durch Bulgarien ist leicht in kurzen Worten unzweideutig zu charakterisieren. Bulgarien hat.einen offenkundigen Rechtsbruch durch die Besetzung der Bahnlinie begangen. Die Türcei ist Eigentümerin der Bahn. Wir müssen ' also verlangen, daß Bulgarien schleunigst seine Truppen mrückzieht. Wenn die Bahn in unsere Hände zurückgelegt ist, läßt sich über den Ankauf reden. Die Sianatarmächte i srehen vollständig auf dem Standpunkte und haben ihn durch _ _ . . " ihren Protest ja auch unterstützt." In Uebereinstimmung OktOvC? mit diesen Aeußerungen wird aus Sofia berichtet, daß auf die wew diplomatischen Kreise die Denkschrift Bulgariens über die WOrientbahnfrage keinen starken Eindruck gemacht habe. Nach dem in diesen Kreisen gewonnenen Eindrücke zu urteilen, dürfte die Denkschrift auf die gegenwärtig zutage tretenden M Stimmungen und Tendenzen der Mächte kaum von nennens- 1 werter Wirkung sein. Das jungtürt'ische Komitee, das bisher die bulgarischen Konflikte mit Gleichmut betrachtet hat, beginnt nunmehr auch, sie mit Ernst zu verfolgen. Das Komitee erklärt zwar, keinen Krieg zu wollen, aber auch Stadttheater Feier vonAFrei*cD «•#&*£** w" •* Ein neues Geschäftslokal, das unserer Stadt zur Zierde gereicht, ist im Laufe des Sommers durch den teilweisen Umbau des I. Pfeffer'schcn Hauses am Marktplatz entstanden. Unter Beibehaltung des alten gefälligen Baustils hat das Aeußere des Hauses eine gründliche Auffrischung erfahren und nimmt sich jetzt in seinem hellen Au- 'trich, der durch das dunkle Balkenwerk wirkungsvoll unterbrochen wird, sehr freundlich aus. Im Erdgeschoß find riesige moderne Schaufenster eingebaut worden, deren größtes dir Ausdehnung eines Ladens hat und eine KostümauLstellung ermöglicht, wie sie selbst in großstädtischen Kaufhäusern kaum vorhanden ist. Namentlich bei Beleuchtung gewähren die Firma Lenz & Co. ist die Linie Lich-Grün berg jetzt ein Jahr im Bau begriffen. Die Erdarbeiten sind zwischen Lich und Grünberg fast erledigt, nur zwischen Queckborn und Grünberg ist noch viel zu tun. Von den Hochbauten ist das Stationsgebäude Queckborn seit 14 Tagen, das zu Ettingshausen seit dieser Woche im Bau begriffen. Die Eröffnung der Linie ist zum 1. April 1909 zu erwarten^ Eine teilweise Eröffnung Lich bis Ettingshausen erscheint nach neueren Erwägungen ausgeschlossen. Die Wettcrtalbahn Griedel- Ba d -Nauheim wird bestimmt noch diesen Herbst begonnen und zwar von Griedel bis Rockenberg in etwa 14 Tagen. Die Inangriffnahme der Strecke Butzbach — Pohl-Göns — Ebersgöns wird nicht vor Frühjahr erfolgen. Von beiden Linien fand vor einigen Tagen die landespolizeiliche Abnahme der Projekte statt. Da nennenswerte Anstände nicht erfolgten, kann in Bälde mit dem Grunderwerb begonnen werden, lieber das Projekt Mücke-Ulrichstein schweben jetzt die letzten Verhandlungen, es wird in einigen Monaten endgültig festgelegt werden. *• D ie Gewerbebank begeht am Samstag, 10. Okt., in festlicher Weise den Gedenktag ihres 50jährigen Bestehens. Die Feier beginnt um 12^/z Uhc mit einem akademischen Festakt, woran sich um 2 Uhr ein Festessen schließt. Am Abend ist ein Festkommers in Aussicht genommen, der, ebenso wie die anderen Feierlichkeiten, in Steins Saalbcu> stattsindet. ** Aus dem Bureau des Stadttheaters Auf zahlreiche Anfragen, auch von auswärts, fei mitgeteilt, daß am morgigen ersten Sonntag der Spielzeit eine Fremdenvorstellung am Nachmittag noch nicht stattsindet, um Zeit für die Vorbereitung eines abwechslungsreichen Spielplanes zu gewinnen. Es ist morgen nur die Abendvorstellung (L'Arronges „Eompagnon"). Die regelmäßigen Fremdenvorstellungen am Sonntag, jeweils nachmittags 3% Uhr, beginnen mit dem 11. Oktober und finden von da ab ausnahmslos an jedem Sonntag nachmittag statt. •* Der Turnverein hält morgen fein diesjähriges Ab turnen ab. Es besteht aus Wetturnen am Vormittag, vrrmittlungsstellen sind schon inst in allen Gemeinden (meistens plis den Bürgermeister- oder Landratsämtern) eingerichtet oder zur 3cit im Entstehen begriffen. Arbeitgeber erhalten von den Ar- leAsnachweisstellen Karlen für die Bestellung von Personal kostenlos zugesandt. Wo einem Arbeitgeber bte nächste Arbeilsnach- wcksstelle nicht bekannt ist, erteilt der Mitteldeutsche Arbeitsnach° wusverbanb in Frankfurt a. M., Saalhof, kostenlose Auskunft. Lie durch die dem Mtttelbeutscheu Arbettsnechiveisverbande ange- hörenden Arbeitsvermittlungsstellen vermittelten Arbeiter unb Arbeiterinnen erhalten auf sämtlichen Sl aatsb ahnen eine Fahrpreis-Ermäßigung zum Kilometerjatz von 1,5 Pfg. i überall da, roo es sich um einen Weg uoii mehr als 25 Kilometer 1 Aveno. leine Rechtsverletzung zu gestatten. Wenn eine solche cr- ||folgt sei, würde man auch vor einem Kriege nicht zürück- schrecken. I Aus Stadt uad Land. Gießen, 3. Oktober 1908. Der Mitteldeutsche Arbeitsnachwersverband. Tie Interessenten seien nochmals darauf hingeiviesen, daß im ICpril v. I. auf Anregung und unter Vorsitz bes Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau der Aiitteldeutsche Arbeitsnachweisverband mit dem Sitz in Frankfurt a. 3)1. gegründet worden ist. $>tr Verband erhält seine Mittel außer ans den Beiträgen der litmeinben und kreise, die sich ihm angeschlossen haben, durch Subvention der preußischen und hessischeii Ministerien und Pro- vinzialverbände. Hauptziel deS Verbandes ist die Einrichtung von öffentlichen kostenlosen A r b e i t s n a ch iv e i s e n au tunlichst vielen, dazu geeigneten Orten des Verbandsgebietes (Provinz Hessen-Stassau, Großherzogllun Hessen, Fürstentum Waldeck) unb benachbarter Gebiete, um em möglichst engmaschiges Netz von II einen Arbeitsnachweisen auszuspannen, deren Hauplaiügabe der filr b e i t § n d) id c 15 5 u G u n st e n der kleineren Ge- iite i n b e n , insonderheit die Vermittlung l a n b iu i r i f d). stlrbeitspersonals ist. Ties soll dadlirch erreicht werden, bay überall, wo Bedarf an Arbeitskräften vorhanden ist, in erster |3 i u i e telephonisch bei den übrigen Vermittllmgsstellen an= gefragt wird, ob geeignete Arbeitskräfte vorhanden sind. Tie hier- öexd) entstehenden Kosten werden kleineren (Semeinben vom Verben be ersetzt. Tie Gesuche der Arbeitgeber, die fick) nicht auf diese Mt ohne weiteres erledigen lassen, werden durch besondere land w. Va k a n 3 e n l i ft e n im Verbandsgebtet an allen geeigneten Stellen wöchentlich bekannt gegeben. Bei der Organisation dieser oßjentlichen Arbeitsnachweistatigkett wird Wert darauf gelegt, alles ;u vermeiden, was den planlosen Zuzug von Arbeitern m die I>oßen Städte zu fördern geeignet ist. Die Vermittlungstätigkeit er- neckt sich auf alle Arten von Arbeiter und Arbeiterinnen, be= 0 nders aber auf land w. Personal (landwirtschastllche Arbeiter, Kneck)te, Dlägbc, Schweizer, Taglöhner ec.) Nur außer- 2tuisck)e Saisonarbeiter sind vom Nachiveis ausgejd)lossen. Die Vermittlung selbst ist für Arbeitgeber ivie Arbeitnehmer d 011 ft ä n b i g t 0 ft e n f r e i. Derartige in Verbindung mit dem I öättelbeutfdien Arbeitsnachweis - Verbände arbeitende öffentliche Apolitische T«rgesseliarr. England unb Deutschland. In Crawshawbooth sprach der erste Kommissar im Mi- ! Mysterium für Arbeiten Harcourt über das deutsche Flotten- prograinm. Er sagte, es verteile sich auf mehrere Jahre, rlgleick) dies Englands wegen nicht nötig wäre, und sei voll- twrnmen vernünftig, klar und ehrlich. Nur krankhafte Einladung könne in einem solchen Programm eine offene 'Bedrohung des Weltfriedens erblicken. Neben England uiüßten auch die anderen Länder auf ihre Verteidigung b edacht fein, und sie seien in ihrem volleit Recht, alle hierzu erforderlichen Schritte zu tun, solche Maßnahmen berührten England erst dann, wenn sie Englands Vorherrschaft zur See zu gefährden drohten. Erst dann, toentt dies eintritt, müsse England seine Vorkehrungen treffen und das Mini- inunt von Schiffen bauen, die zur Aufrechterhaltung der Igegenwärtigen Ueberlegenheit zur See nötig seien, einer lleberlegenheit, die England- auch in Zukunft zu wahren entschlossen sei, um zu vermeiden, die andern Nationen iu V-ersuchung zu führen, die andernfalls ihnen geboten würde. „Aber nachdem ich dies gesagt," fuhr .Harecourt fort, „laffen Sie mich ihnen versichern, daß nicht ein Schatten von Begründung für den jüngst in der gelben Presse erhobenen hdb feigem, halb chauvinistischen Lärm vorliegt. Innerhalb der letzten zehn oder ftinfzehn Jahre hat es keine Zeit gelben (und ich spreche mit Wissen und Bewußtsein meiner bellen Verantwortlichkeit), in welcher unsere Beziehungen -Azrt Deutschland in komwerzieller, kolonialer, politischer und dhnastischer Hinsicht auf festerem und freundschaftlicherem gewesen sind als heute. Von persönlicher Feindschaft : zwischen den Herrschern, den Regierungen und Völkern ist leine Rede, und wenn in beiden Ländern eine kleine Schicht bim fs^tblizisten vorhanden ist, die infolge sebftsüchtiger und unpatriotischer Absichten den Wunsch hegen, die Nationen zu entzweien, so sind sic die Straßenräuber der Politik imb die Feinde des Menschengeschlechts. Halten Sie den Kropf kühl, die Flotte bereit, die Zunge höflich, und Sie brauchen das Gekläffe dieser Pariahunde nicht zu fürchten, Ii»elche die Hütte beschmutzen, in der sie wohnen." von Bieber- Forderung Das, was .. Die Beweisaufnahme vor den Geschworenen ergab mit aller der Angeklagte in beiden Fällen objektiv falsch geschworen hat. Crombach sowohl- wie Marstcller bekundeten tlipp und klar, das; cs ihnen ganz und gar nicht eingefallen sei, bei Hartmann eine Bestellung zu machen. Hartmann habe aber sich nicht int Zweifel darüber befinden können, daß sic seine Offerten abgelehnt haben. Andere Zeugen unterstützten die Aussagen der Hauptbelastungszcugcn. Die früheren Chefs des Angeklagten er- klarten, als Zeugen vernommen, sie seien mit H. zufrieden gewesen; er hatte |td) Mühe gegeben und habe ihres Wissens nie fingierte Aufträge eingesandl. Differenzen rämen ja öfter int Handel öor und seien auch bei den Geschäften, die Hartmann gemacht hat, vorgckommen, aber es habe sich dabei meist nur um Mcinia- ketten gehandelt. Der Inhaber der Firma Voß u. Co., Kaufmann Monhetmer, erklärt, er sei anfangs mit Hartmann sehr zufrieden geweieil und könne auch nicht sagen, daß bei des,en vielen Geschäften hausig die Sache niclit glatt gegangen wäre. Zu den unter Anklage stehenden zwei Füllen komme noch ein weiterer Fall, in dem er auch habe klagen müssen. Dieser Prozeß ging verloren, weil es ,td) ebenfalls um einen fingierten Auftrag gehandelt hat. Kfctsassistcnzarzt Dr. Lange rin an it erklärt, daß der Angeklagte Epileptiker sei, also an der Fallsucht leide. Sein Zustand ,ci aber nicht derart, daß Hartmann nicht voll verantwortlich zu machen sei für das, was er getan hat. Den Geschworenen wurden die Fragen vorgelegk, ob der Angeklagte des wissentlichen falschen Eides in zwei Fällen schuldig >ei, und ob die Angabe der Wahrheit diesem hätte eine Verfolgung wegen einer begangenen Straftat hätte zuziehen können. Auf Antrag des Verteidigers wurden auch die Fragen nach fahrlässigem Eid gestellt. Staatsanwalt R e u ß führt aus, es sei durch Zeugen bewiesen, das; Crombach in Bieber dem Angeklagten erklärt habe, er bestelle nichts, ia, er habe diesem noch eine Postkarte geschrieben, worur er sich ausdrücklich dagegen verwahrt, etwas bestellt zil haben, ^rotzdern hat Hartmann in Gladenbach unter Eid behauptet, die Bestellung sei gegeben worden. Marstellcr in Grü- nlngen hat ebenfalls keinen Auftrag gegeben. Es ist dargestellt da» Marsteller ausdrücklich erklärt hat, er kaufe seinen künstlichen Dünger nn Konsumverein. Hartmann will nun später den ins Feld fahrenden Marsteller getroffen und bei dieser Gelegenlicit das Geschält. zum Abschluß gebracht haben. Marsteller versichert unter Cid, dies sei unwahr, er sei dem Angeklagten zwar begegnet habe aber Nicht einmal mit seinen Tieren gehalten. H. habe ihm zloar etwas zugerufeir im Borübergehen, aber dessen Aitgabe, GerichtsiaaL. rb. 2 a r m st a d t, 2. Okt. Der Fall Grebe, der int vorigen Frühjahr in Offenbach entdeckt wurde, fand in der Hauptsache heute vor dem Schwurgericht seinen Abschluß. Der 1845 in Offenbach als Sohn des früheren Stadtrechners geborene Wilhelm Grabe war angeklagt und geständig, sich seit Jahren der Unterschlagung ihm anvcrtrauter städtischen Gelder und der Verdeckung dieser Unterfchleife durch unrichtige Buchführtlng schuldig gemacht zu haben. Der Angeklagte war mit Vollendung seines .14. Lebensjahres in Mdtische Dienste getreten und am 1. August 1876 als Stadtrcchuer verpflichtet worden. Mit dem Aufschwung der Stadt wuchs auch die Arocitslast des Stadtrcchners, es wurden ihm weitere Kassen übertragen, so die Gymnasial- und Realschulkasse, die Witwenkasse, die Verwaltung verschiedener Stiftungen usw. Grebe sah sich infolgedessen genötigt, verschiedene Hilfsbücher einzurichten, die von seinem Sohn Adolf Grebe und dem Gehilfen Dammel geführt wurden. Die Abschlüsse dieser Hilfs-- kassenbücher übertrug der Angeklagte dann in sein Haupüiuch, durch das mithin sämtliche Rechnungsposten unter seiner alleinigen Verantwortung liefen. Zu den Kassen gehörten auch zwei staatliche Kassen, und aus biefent Grunde unterstanden Grobes Ge- samtkässen der Prüfung durch die Großh. Oberrechnungskamutcr, Die auch in den Jahren 1883, 1889, 1895, 1901 und 1907 Visi--^ tationen vornehmen ließ. Obwohl Grebes Unterschlagungen eingestandenermaßen bis 1883 zurückdatieren, verstand er es stets,' die Entdeckung zu verhüten. Erst die Visitation im November 1907 führte zur Entdeckung eines Fehlbetrags von 18 000 Mar! in der Kasse Adolf Grebes und die weiteren Nachforschungen ergaben, daß ein weiterer Fehlbetrag von 47 000 Mark vorhanden' war, den er bisher durch falsche Zinsrouponbuchungen verdeckt hatte. Ferner wurde noch ein Manko von 14 000 Mark auf* gefunden, so daß d'as Gesamtdefizit auf 79 870 Mark berechnet werden muß. Ter Angeklagte gab zu seiner Entschuldigung an, er habe mit seiner kinderreichen Familie und infolge der mangelnden Wirtschaftlichkeit seiner Frau mit 3200 Mark von 1876 bis 1884 /und dann mit 4200 Mark bis 1899 nicht auskommcn können und sei genötigt worden, ca. 1500 Mark jährlich aus der Stadtkasse zu, entnehmen. Die „unständigen Einnahmen" aus Straßcnbaukosten usw. seien nie kontrolliert worden. Der mir Schwrsrgeröcht. lh. Gießen, 3. Oktober. _ . Gestern verhandelte das Schwurgericht gegen den Reisenden Heinrich H a r t m a n n, der am 12. März 1889 zu Kloster Allen- dorf (Meiningen' geboren ist und zuletzt in Gießen seinen Wohnsitz hatte. Es handelte sich um eine Meineidsanklage in zwei Fällen. Die Anklage vertrat Staatsanwalt Reuß, die Verteidigung führte Rechtsanwalt Dr. Jun g. In der Sache waren 18 Zeugen und als Sachverständiger Kreisafsistenzarzt Dr. Langer- mann zu hören. liegende Teich ebenfalls instand gesetzt itnb zur Fischzucht verwendet wurde, möglichenfalls läßt die sehr geeignete Lage noch weitere Aussichten zu, doch müßte bei Errichtung einer völlig rationellen Anlage auf lveiteres Entgegenkommen der Stadtverwaltung zu rechnen sein. n. Schotten, 2. Okt. Die Nachricht, daß der Hessische Landes-Lchrcrverein von dem Lehrerheim sich losgesagt 'habe, beruht auf einem Irrtum. Auf der letzten Vertreter- Versammlung wurde lediglich der jährliche Beitrag des Hauptvereins an das Heim von 400 auf 200 Mk. herabgemindert, und zwar mußte diese Maßnahme einzig und allein gemäß der finanziellen Lage des Hess. Landes-Lehreroereins getrosten werden. Das nun bereits über zehn Jahre bestehende Hemp hat sich auch im letzten Vereinsjahre gut entwickelt. Die Zahl der Mitglieder ist auf 1740 angewachsen, und es konnten außer der regelmäßigen Amortisation bei der Lcmdes-Hypo- thekenbank in Darmstadt auch einige Anteilscheine L 50 All. ausgelost und zurückgezahlt werden. Der Besuch des Lehrerheims war während der Sommermonate ausgezeichnet, besser dem in allen Vorjahren. Die nenerbaute Wasserleitung spendet nach wie vor vorzügliches Quellwaster. — Leider muß dec 1. Vorsitzende des Vereins, Lehrer Hotz-Nrdda, aus Gesundheitsrücksichten sein Amt niederlegen, so daß schon die am 7. Oktober stattfindende Hauptoersamnilung durch den 2. Vorsitzenden, Lehrer Dern-Offenbach, geleitet werden muß. Von verschiedenen Firmen wurden auch im letzten Jahre dem Erholungsheim Hess. Lehrer Zuwendungen gemacht, so auch von der Möbelfabrik Th. Brück und der Firma Jul. Bach in Gießen. — Bei dem prächtigen Herbstwetter steht ein recht zahlreicher Besuch der Generalversammlung in Aussicht. R. B. Darmstadt, 2. Okt. Zu einer großen Trauerkundgebung gestaltete sich die heut nachmittag erfolgte Bestattung des Geh. Justizrats Dr. O s a n n. Eine nach Tausenden zählende Menge hatte sich eingefunden, darunter .Staatsminister Dr. Ewald, Minister des Innern Dr. Braun und viele andere Regierungsmitglieder und behörliche Vertreter, ferner die Reichstagsabgeordneten Frhr. Hehl zu Herrnsheim, Dr. Bassermann, zahlreiche Kollegen, Stadtverordnete uff. Am Grabe hielt Pfarrer Seite ein Gebet, da sich der Verstorbene eine längere Grabrede verbeten hatte. Desto größer aber war die Zahl derer, die bei der Niederlegung von Blumenspenden herzliche Nachrufe widmeten. Zuerst sprach Oberbürgermeister M o r n e w e g, der dem Dahingeschiedenen den .Scheidegruß der Stadt zurief und seine Verdienste um das Wohl der Stadt in trefflichen Worten pries. Dann feierte ihn .Stadtverordneter Müller namens des Finanzausschusses und Justizrat Gallus namens des Anwaltskammervorstandes. Reichstagsabg. Bas- ssermann legte namens des Zentralvorftandes der Nationalliberalen Partei und der Reichstagssraktion einen Lorbeerkranz nieder. Für die nationalliberale Kammerfraktion sprach Abg. Reinhart, für die nationalliberale Partei Darmstadt Pros. Dr. N e ß l i n g. Ferner sprach noch Landgerichtspräsident L i p p o l d namens der Gerichte, mit denen der Verstorbene ein geradezu ediales Verhältnis Pflegte, namens des Wahlkomitees des Reichstagswahlkreises Gießen-Grünberg-Nidda Oberlehrer Dr. Krausmüller u. a. m. Die Zahl der sonst noch niedergelegten Kränze und Blumenspenden war Legion. — Ter Familie sind aus der Bürgerschaft und von Nah und Fern die herzlichsten Beileidssendungen zuteil geworden. II. a. sandten Staatsminister Dr. Ewald und Minister Dr. Braun, sowie zahlreiche auswärtige Staatsmänner, Fraktionsgenossen 1 und andere Politiker Kondolationen. Namens des Zentral- 1 Vorstandes der Nationalliberalen Partei sandte Abg. Bassermann folgende Kundgebung: „Aus Anlaß des Ablebens i Aires hochverehrten Herrn Vaters spricht Ihnen der Zen- i tralvorstand der nationalliberalen Partei herzliches Beileid : aus. Die Verdienste, welche sich Ihr Herr Vater in seiner ' rastlosen politischen Tätigkeit um die weitere Ausgestaltung unseres Vaterlandes und um unsere Partei erworben hat, ' die Pflichttreue, mit welcher er vorbildlich wirkte, und die ' vaterländische Begeisterung, welche sein ganzes Handeln \ beseelte, werden ihm für alle Zeiten das herzlichste Gedenken i sichern. i wie die Bestellung zustande gekommen sei, sei erfunden. Hiernach stehe fest, daß die in Rede stehenden Eide falsch waren. Der Staatsanwalt führt weiter aus, daß cs sich in beiden Fällen um wissentlich falsche Eide handelt. TaS Motiv der Tat liege offenkundig. Die Firnta Voß u. Co. hatte einen Prozeß verloren und dem Angeklagten gedroht, daß sie ihn wegen Betrugs zur Anzeige bringen werde. Hierauf mußte der Angeklagte mit feinem Eide dafür Eintreten, daß nicht noch weitere Prozesse und zwar die gegen Crombach und Marsteller fchloebenden zu ungunften der Firma entschieden wurden. Er wußte, daß er sonst verantwortlich gemacht werden würde für die Kosten, und um sich dagegen zu zu sichern, hat er die Meineide geschworen. Es sei selbstverständlich, daß in beiden Fällen die Angabe der Wahrheit gegen Hartmann eine strafrechtliche Verfolgung wegen Betrugs hätte l>erbeiführen können, deshalb müßten die Geschworenen außer den beiden Fragen wegen des Meineids auch die an sie gerichteten beiden Milde- rungSfragen bejahen. Von Fahrlässigkeit könne keine Rede fein, es handle sich um wissentlich falsche Depositionen, die unter Eid abgegeben feien. Der Verteidiger Dr. Jung ist mit dem Vertreter der An- 1 klage darüber einig, daß cS sich um objektiv falsche Bekundungen unter Eid handelt. Damit aber sei wenig getan, cs muß von der Anklage der Nachweis erbracht werden, daß die Eide wissentlich falsch abgegeben seien. Aus dem Vorleben des Angeklagten gehe nicht hervor, daß er jemals leichtfertig mit der Wahrheit umgegangen ist. Die früheren Chefs geben Hartmann ein gutes Zeugnis, er war tüchtig und Anstände bei seinen Geschäften haben sich nicht ergeben. Es sei nicht ausgeschlossen, daß der Ai'^eklagte das Opfer eines Irrtums, einer Verwechslung und einer Ecdächt- schwächc infolge feiner Krankheit geworden. Sein Klient fei Epileptiker, es könne ein Zustand vorgelegen haben, der seine geistige Kraft gemindert oder gar ausgeschaltet hat, so daß das I Erinnern an gewisse Vorfälle gemindert war, als er seine Aussagen machte. Diese Frage sei von den Geschworenen zu prüfen und wenn sie bejaht werde oder nur ein Zweifel darüber obwalte, so müßte die Jury den Angeklagten" freisprechen. Zweifellos aber- reiche die Beweisaufnahme nicht zur Bejahung der Frage nach Meineid hin. Es könne im vorliegenden Fall nur die Rede davon sein,^daß Hartmann fahrlässiger Weise gefehlt habe, und in diesem Sinne bittet der Verteidiger, wenn die Geschworenen nicht zu einem Freispruch kommen, zu entscheiden. Nach kurzer Beratung verkündete der Oomaun, Professor Fromme-Gießen, den Spruch der Geschworenen dahin: Der Angeklagte ist schuldig int Fall Marsteller, des wissentlich falschen Eides. Tie Frag ., ob die Angabe der Wahrheit dem Angeklagten tote Verfolgung wegen, einer strafbaren Handlung zuziehen konnte, wurde bejaht. Im Fall Crombach wurde die Frage wegen Meineids verneint, dagegen die wegen fahrlässigen Falscheides bejaht. Das Urteil lautete auf 1 Jahr 4 Monate Gefängnis. r Vermif^USe * Eine Sch ü l e r w a n d e r u n g von Westfalen nach Wien, lieber Schülerivandenmgen wird der „Hag. Ztg." aus Wien geschrieben: Die Hasper Realschüler, die in den vorigen Sommerferien nach Berlin gewandert sind, haben in diesem Jahre einen Tourenmarsch von noch größerer Ausdehnung ausgef/ihrt. Unter Führung des Direktors und eines Oberlehrers wandertetl 15 Schüler von Haspe aus durchs Sauerland nach Wildungen und Eisenach, von da durch den Thüringer Wald und das Fichtelgebirge nach Eger und Marienbad. Daun wurde der Böhmerwald durchquert und nach 28tägigem Marsche Wien erreicht. Die ganze Wanderung von Haspe bis Wien wurde zu Fuß zuruckgelegt. Dabei wurde täglich von den Schülern selbst abgekocht. Je zwei hatten einen Spirituskocher und Kochgeschirr bei sich und bildeten eine Kochgemeinschaft. Es wurde Griesbrei, Reis oder Haferflocken mit Obst gekocht. Rühret, Pfannkuchen, Pilze, Maggisuppen, Mondamin ober ähnliches. Geschlafen wurde in B.iuernhäusern, meist auf Stroh, so daß die ganze Wanderung vec^alrmsmäßig sehr Mainz, 2. Okt. Das Verlangen der Eisen bahn- direkt ion nach Sitz und S tim ine in der Stadt- verordnetenversaminlung als höchstbesteuertc Grunb- besitzerin wurde vom Kreisausschuß für begründet erklärt Der Kreisausschuß führte in seinem Urteil aus, baß der Eisenbahnfiskus auf Grund des noch bestehenden Gesetzes von 1858, das bei Schaffung der Städteordnung von 1874 nicht .ausdrücklich aufgehoben wurde, das Recht habe, einen Vertreter für die Stadtverordneten-Verfaminlung zu ernennen. )( Ki r ch h a i n, 2. Ott. In Anwesenl)cit des Oberpräsidcntcn Hengstcnberg wurde heute hier bic 9. Kurhessische Bezirks- Obstausstellung eröffnet. X Hanau, 2. Okt. Der evang. Marienkirchen- gemeinde dahier schenkte der Rentner Hermann 91 c u b e r ein Kapital von 1 6 7 0 0 0 M k. Nach den Bestimmlingen sind hiervon bei seinem Ableben 45 000 Mk. als Luise Neuber-Stiftung zur Unterstützung von Lehrerinnen, Konsir- manden und Kranken der Gcmeiiide, sowie zu Beihülfen für würdige Töchter der Geineinde zwecks Ausbildung als Lehrerinnen abzusondcrn, 30 000 Mk. an den evang. Verein für Innere Mission in Hanaii, 3500 Mk. an die evang. Diakonissenftation in Hanau 511 zahlen und der Rest zum Bau einer weiteren evang. Kirche in Hanau zu verwenden. I*, Kleine Mitteilungen ans Hessen und den Lr^aa^cn-.- 3« Frankfurt a. M. stürzte sich der 19 Zahrc alte Drogist Georg Angcrrnaycr aus dem 4 Stock des Hauses Holzgrabcu 18 auf bic Straße und erlitt so schwere Verletzungen, daß er kurz darauf st a r b. - - Tic T o ch t e r des Bahnwärters Engel in Kelsterbach war mit Kartoffelaus- machen beschattigt, als sie einen epileptischen Anfall erlitt uub mit dem Gepcht zu Boden stürzte. Bei den krampfhaften Zuckungen wühlte sich das Mädchen derart in die friichaufgehackte Erde cm, daß cs crftirftc. — In Witzen hausen ist in einer zyanuhc der Typhus ausgebrochcn. Zwei Mitglieder dcrselb"n .Artige Krankenhaus transportiert worden. — In xJftbofen ist idüe Papierfabrik abgebrannt, wodurcki km schaden von 160000 Mark entstanden ist. Die Unkrautgefahr und Unkrautbekamvsuna. Dr-. GGeviilS hielt geicgentlia) der Be- «rrts-Au^stellung ui Lich einen Vortrag über das Thema „Uiikrautgefahr und llnfrautbcfärnpfuiig", über den etwa mit geteilt sei. ^cr Redner kommt chileitenb auf einen früheren Vortrag in —ich zu sprechen über die Sortenwahl im Getreide- der Führung des Kontrollbuches beauftragte Stadtverordnete habe Die Eintragungen stets nach den ihm von Grebe gemachten Angaben und Belägen bewerkstelligt. Da der Angeklagte geständig war und mit tränenerstickter Stimme reumütig jede gewünschte Auskunft gab, ihm auch durch die Offenbacher Mißwirtschaft die günstige Gelegenheit zu derartigen Unterschlagungen geboten wurde, beantragte der Staarsamvalt Hoos selber Die Bewilligung mildernder Uiustälidc. Das Urteil des Gerichts lautete auf 2 I ahr q 9 Monate Gefängnis, abzüglich 7 Atonale Untersuchungshaft. Auch von einer Strafe auf Ehrverlust wurde abgesehen, tro^- dem der Staatsanwalt 3 Jahre 6 Monate Gefängnis und fünf Jahre Ehrverlust beantragt hatte. Der Angeklagte nahm die Strafe an. s Marburg, 2. Okt. Wegen Beihilfe zum Wucher verurteilte heule die Strafkammer den Handelsinamr A. Nathan aus Lohra zu z iv e i W o ch e n G e f ä n g n i s und 200 Mark Geldstrafe. Ihm ivurbc zur Last gelegt, in Gemeinschaft mit dem' Haiibelsmami S. Oppenheim aus Gladenbach, der bereits dafür be-, straft ist, einen damals nicht ganz zurechnuilgsiähigen Bruder des hefsischeu Volkäschriftstellers 9launmnn ans Ronshausen dadurch beivuchert zu haben, daß O. diesenr sein Erbteil für 1250 Mk. ab- kaufte und nachher 2200 Mk. verlangte. Leipzig, 2. Oft. Das Reichsgericht verwarf die Re-^ visioii des Slaalsamvalts gegen das Urteil des Landgerichts Biele- feld voni 2. Juni d. I., dlirch ivelches der Diener des (äebeim- rctts Hinzpeter, Jofef Aittoine, voii der Slnklage des Diebstahls ir e i g e s p ro ch e >i ivurde. Antoine hatte sich einen Brief des Kaisers, eine Photographie des Kaisers mit seiner Unterschrift und eine Glückwunichfarte des Prinzen Heinrich angeeignet. Tas Bewußtsein der Rechtswidrigkeit ivurde neuienit. bau, der zur Folge hatte, daß in Oberhessen und dann in ganz Hessen Saatbaustellcn errichtet wurden. Bei einem zweiten Vortrag referierte Redner über die ländlichen Fortbildungsschulen, und heute schon ist in der Hälfte der Fortbildungsschulen des Kreises der Unterricht in ein neues Fahrwasser geleitet worden. Diese Fortbildungsschulen sind jetzt so geleitet, daß die Landwirte des Kreises Gießen von ihr einen großen 9cutzen haben werden. Auch bei dem heutigen Vortrag besteht die sichere Hoffnung, daß er von bleibendem praktischem Erfolg begleitet sein wird, denn auch die Laudwirtschaftsrammer hat die Absicht, gegen das Unkraut, speziell gegen den Hederich, zu Felde zu ziehen. Die Untrautgefahr besteht darin, 1. daß die Unkräuter den Kulturpflanzen Licht, Raum, Wasser und Nahrung entziehen, 2. daß sie die Bestellungsarbeitcn, z. B. Hacken, Pflügen, Eggen usw. wesentlich hindern, 3. daß das Unkraut eine Brutstätte für allerhand Schädlinge ist, z. B. für Pilze, Rost, ferner für tierische Schädlinge, z. B. den nobeligen Schildkäfer, 4. daß manche giftig find, z. B. Herbstzeitlose, Schierling und 51vrnrade, 5. daß manche die Güte der Ernte herab- mindern, z. B. Knoblauchsamen, Kornrade. Landesokonomie- rat Beseler hat durch einen praktischen Versuch den hohen Schaden bewiesen. Er bestellte drei Morgen Land mit Hafer; den ersten Atorgen ließ er in verunkrautetem Zustande wachsen, den zlveiten jätete er, den dritten hackte er. Auf dem zweiten erntete er 2 Zentner Getreide, auf dem dritten ös/i Zentner mehr als auf dem ersten. Tas Jäten kostete 5 Mk., das Hacken 6 Mk. pro Morgen. Ein Sprichwort in der Metterau besagt: Hederich jäten kostet viel Geld, aber Hederich uichtjaten kostet noch mehr Geld. Leider sieht mau links und rechts der Wetterauer Bahnen viel gelbe Felder und Wiesen. Oberhessen hat in der Unkrautbekämpfung noch eine große Aufgabe. Wie soll das Umrani bekämpft werden? Tie Herbstzeitlose und das Moos auf den Wiegen müssen durch Entwässerung beseitigt werden. Redner zeigt bann auch einige Apparate, z. B. Herbstzeittosestecher und Distelstecher vor. Moos tarnt auch durch Egge und Eisenvitriol beseitigt werden, ebenso der Schachtelhalm. Tie Distel muß tief auSgestocheu werden. Löwenzahn und Huflattich müssen im Frühjahr mehrmals abgemaht werden, gegen Klee,eide schützt Uingrabcn. Reben Eisenvitriol — man nehme etwa <-4 Zentner auf den Morgen — schadet auch Kainit den Unkräutern. Alle Mittel zum guten Wuchs der Kulturpslege drängen das Unkraut zurück. Ter Redner besprach dann näher die sehr guten Erfolge, welche bei der Hederichvertilguug durch Ciseuvitriollösungeu erzielt wurden. — Ter Vortrag erntete lebhaften Beifall der Versammlung. 1 "Dem Angeklagten wird zur Last gelegt: 1. am 16. April 1907 vor dem Amtsgericht Gladenbach in der Sache Botz u. Eo.-Frankfurt n. M. und Philipp Crombach u.. wegen Forderung, und 2. am 18. Mai 1907 vor dem Amtsgericht Gießen in der Sache Voß u. Co.-Frank- furt la«. M. und Marstellcr von Grüningen wegen ' willentlich falsch geschworen zu haben. »Ter Angetlagte bestreitet entschieden seine Schuld, er beschworen habe, sei in allen Punkten wahr. Der Tatbestand der Anklage war: Hartmann, der gelernter Maler ist, hat sich verschiedentlich außer in diesem Gewerbe als Repender und Agent ernährt. In den Jahren 1905—1906 war der Angeklagte, der in Gießen wohnte, für die Frankstirter Fcrnia Voß u. Co., die mit Futterkalk und Mischdünger handelt, tätig, ,hm waren die Provinz Oberhessen und die angrenzenden Gebiete als Arbeitsfeld überlassen. Anfang August überschrieb der Angeklagte seiner Firma einen Auftrag, wonach der Schrciner- mclster Crombach in Bieber ihm Futterkalt zur Lieferung bestellt habe. Der Kalk wurde von Voß u. Co. geliefert, von Crombach in Bieber aber Die Annahme der Sendung verweigert. Es tarn zwilchen den Parteien zu einer Klage und hierbei beschwor der Angetlagte, daß Crombach den Auftrag erteilt habe. Jin Lause des Prozeßes traten Zeugen auf, die das Zeugnis des Hartmann erschütterten, und nach dem Crombach den ihm richterlich auferlegten Eid geleistet hatte, daß von ihm dem Hartmann nichts bestellt worden sei ging der Prozeß für Voß u. Co. verloren. In ähnlicher Weue ging es auch in Grüningen mit dem Landwirt Mar stell er. Dieser sollte 10 Sack Düngekalk bei Voß u. Co. bestellt haben. Es kam wegen dieser Sache zum Prozeß, in Dem der Angeklagte beschwor, Marsteller habe ihm den Auftrag erteilt, aber trotz dieses Eides wurde die Firma Voß u. Co. mit ihrer .ülage abgeioicscn, da das Gericht durch andere Zeugen zu der Ucberzengung gekommen war, daß tatjächlich Marsteller nichts bestellt habe. ektiv der An- i bN'S getan, ^^"gen daß die Ejdc 5 1)011 IPII Sa: n, VlDC iDl IfntCx 'en des An,L?^"ich R'aSs °lung und eincrÄtc >rden. eci t ??cba(i)t- Wegen L fr >' holtet liat .otV? vor, als er feil0«?, b°6- Lejahung abct "b" M Äg Ä *«*• -bcr -mann, Professor fopa dahin: m llMachellcr, des ivjssein- die Angabe der Wahren x*ckncf, ^sbarcn Hand- Crombach mürbe dangen die wegen sahr- ctl lotete aus 1 81» fall Grebe, der im vorigen . land in der Hauptsache n-n Abschluß. Te?18°b ladlrechners geborene Wil- adig, sich seit Jahren der ichen Gelder und der Per- hligr Älchsührnng schuldig m mit Vollendung seine- getreten und am 1. August )en. Mit dem Aufschwung s Stadtrchners, es wurden Gymnasial- und Realschul- g verschiedener Stiftungen nötigt, verschiedene Hilfs- ihn Adolf Grebe und dem le Abschlüsse dieser Hilfs- dann in sein Hauptbuch 'len unter seiner alleinigen ytjöxtm. auch M Kiat- Mterftanden &ttfä @e*. M rA.mM/rgsiamwx, M LtiUL und 1M Bisi- UnlerschlLgantzM ein- :en, verMd er es stets, Visitalivn im Novmbcr betrags von 18000 Mail innen Aachsorschungeil tv, n 47000 Mark vorhanden isrouponbuchungen verdat !o von 14000 Mark W- •uf 79 870 Mark berechne- Hiner Entschuldigung an, e und infolge der mangeln’. 3200 Mark von 18ieb|Mb Mite li» Äjrft * gstfn-* ____ S •••JS'M gingen tvl.ro , blC in 2 S^g>A«! Unter -Heiler Mlde v brrelcht- , »»«S&X ÄÜK-D» yg ibi”0” 'lto;tf9c °iihi. ! || iUI(l-,n I i ’*&ä: ä'Wfcten 2'»mst '*WSb Ä «?tata s... billig wurde. Augenblicklich sind die Hasper in Wien, von luo sie mit der Bahn heimkehren werden. * Ein tüchtiger Fcldsoldat. Der „TLgl. Rundsch." schreibt man: Der Musketier Müller war das Schmerzenskind der Kompagnie, denn bie suche UnuWeWse Offene stellen I. Kahn Schneidermeister-. Tüchtiges Mädchen in kleinen Haush. ges. Liebigstr. 83 p. [5842 5903] Sch. 4 Zim. m. Klav. vart. u. 2. Stck. z. verm. Wilhelmstr. 3. 1 Beletage, Alicestrahe 11, schöne 7-Zimmcr - Wohnung ver sofort oder später. ~ [4564 Näheres daselbst II. Stock. Motorrad, Neckarsulmer, 3 PS., modernes Fabrikat, langer, niedriger Bau, Umstände halber änderst billig abzugeben. ,... „lo80o Wo? sagt die Geichaftsstelle des Gießener Anzeigers. Junger ZikMboik 'S' Appenzeller, zu verkaufen. [08092 Schneider Hahn, Hattenrod. 08263] kset). möbl. Zimm. sof. zu perm.Plockstr. 8III. atmübnget UKn>tr°b°^U iloioiHic AdllMti' 20—30 Mann, sof. gesucht. (5878 Meldung bei Ingenieur R. Derlich, Wetzlar. (Lasthof ober Wirtschaft suche direkt zu kaufen. Platz egal. Hohe Anz. Oss. u. K. 9 Rudolf Mossc, Frankfurt a. M. (hv3/10 1 n. ungebr. u. 1 gebr. 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