158. Jahrgang Drittes Blatt 9h*. 28 Grlchelni täglich mit Ausnahme deS Sonntags. General-Anzeiger für Gberheffe« Etat des Reichs- Abg. EnberS sfreis. Vp.) führt lebhafte Klage darüber, daß die thüringischen Staaten an den gewaltigen Ueoerschüsscn der preußischen Staatscisenbahnver- Eisenbahninspcktor seine Arbeiter auf- sozialdemokratischen Verein beizutreten. wandt haben, wenn der gefordert hätte, einem (Sehr gutl rechts.) deutsche Volk wünscht Ncichseisenbahnen, preußnng der Bahnen. Damit schließt die Aussprache. Der eisenbahnamtZ wird erledigt. Auf der Tagesordnung stehen dann 28 Berichte der Abg. Hue (Soz.) bespricht den Wagenmangcl im Ruhrgebiet. Es fehlen nicht nur die Wagen für die Gruben, auch für die Eisen- und Stahlwerke, die Maschinenfabriken usw. Sollte es etwa an Betricbsmaterial fehlen, so ist jetzt bte richtige Zeit, die Bestellungen zu machen. Die Elsen- und Stahlwerke dürften geradezu darnach. Es werden jetzt schon Arbcitercntlasiungcn vorgenommen. Ter Redner erörtert weiter die Lohn- und Gehaltsverhältnisse, die der Verant- PetltionSkommission. Im Saale sind 23 Abgeordnete anwesend. Die Petitionen, betreffend den Unlerstützungswohnsitz, die Sicherung der Bauforderungen und die Vereinfachung des Wechselprotestes werden an die betreffenden Spezialkommissioncn überwiesen. Sämtliche Petitionen, zu denen keine Wortmeldungen vorliegen, werden nach den Anträgen der Kommission erledigt. Sobald aber eine Wortmeldung vorliegt, schlägt der Präsident Absetzung von der Tagesordnung vor und „das Haus" stimmt dem zu. Es ünd dies Eingaben betreffend die Abänderung bc3 § 91 des H G. B., Aenderung des Münzgesetzes, des Elsaß-Lothringischen Berggesetzes, ferner betreffend die Rechtsvcrhältnisie der Bureaubcamten bei den Rechtsanwälten usw., die Rechtsver- bältniffe de§ Gesindes, die Aufhebung der Stcmpclabgabe auf Erlaubniskarten für Kraftfahrzeuge und schließlich die Petition Redaktion, Expedition unb Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: bl» Redaktton:^^ 112. Tel.-Adr.: AnzelgerGleßen- Mg. b. Bieberstein (lonf.): Die Löhne sind gerade bei der Eisenbahn so hoch, daß ein Ab- stromen der Arbeiter von der Landwirtschaft stattfindet. Diese erleidet dadurch großen Schaden. Auch wir stehen auf dem Standpunkt, daß die Streckenarbeiter und Bahnarbeiier unbedingt ange- messen bezahlt werden müssen. Sicherlich vertritt der preußische Eiscnbahnminister denselben Grundsatz. Denn er hört, daß irgend, wo die Löhne sehr schlecht sind, so wird er mit freudigem Herzen dafür sorgen, daß sie bester werden. (Beifall rechts.) Abg. Dr. Reumann-Hofer (freis. Vgg.) führt Klage darüber, daß die Eisenbahnbeamten, die nicht in Preußen wohnen, in anderen Staaten das Wahlrecht zum. Landtag verlieren. Sie werden dadurch zu Unrecht eine? wichtigen bürgerlichen Rechtes beraubt. Bedauerlich ist, daß der Präsident kein Wort für die Wünsche der thüringischen Staaten. gehabt hat. Diejenigen deutschen Einzelstaaten, die noch selbständige Bahnen haben, sollten sich doch allmählich in den Standpunkt hin- einlebcn, denSvurenderHcssenzufolgen. Das kann nur zum VorteU dcS ganzen Eisenbahnbetriebes sein. Wenn wir im ganzen Reich nur eine Eisenbahngemeinschaft haben, dann wird die Kompetenz deS Präsidenten allmählich wachsen, und da§ hätten wir im Interesse des Verkehrs nicht zu bedauern. (Beifall.), Abg. Tr. Jager (Ztr.) fordert das R-stchseisenbahnamt auf, die Interessen der Aktionäre der St. Gotthardbahn wahrzunehmen gegenüber der von der Schweiz beabsichtigten Verstaatlichung. Abg. VchrenS (W'rtsch. Vgg.): Schweden wird sehr bald uns in der Versorgung unserer Eisenhütten die größten Schwierigkeiten machen. Da hat Deutschland alle Veranlassung, seine eigene Eisenbahnpolitik so cinzu- richten, daß das Sicgcn-Rastauer Erzrevier durch Bahnverbindungen nach der Ruhr genügend aufgeschlossen wird. ?lbg. Köhler (Wirtsch Vgg.) nimmt Bezug auf die Verhandlung der Interpellation int umanitären Komitees Dte ,.(Sichertet Zamiltenblatter" werden dem ,Vin#etQcre viermal wöchentlich betgelegt, das „Itmsbloti für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeit- tragen" erscheinen monatlich zweimal. Montag 3. Februar* 1908 Rotationsdruck un» Vertag der Brühl'ichm > jav Unwersitäts - Blich- und Stemdnickereu R. Lange, Gießen. d e S wissen betreffend Aufhebung des § 175 des StrafgeseAuches. Der Abg Kirsch (Ztr.) hatte in der Annahme, daß feine Wortmeldung vorliege, die Abstimmung beantragt, Singer sSoz.) und Dr. Mugdan (freis. Vp.) erhoben aber dagegen Einspruch, letzterer unter Androhung des Zweifels an der Beschlußfähigkeit deS Hauses. Montag 2 Uhr: Militäretat. Wörtlichkeit keiiiesfalls entsprechen, und ersucht das Dieid denen» ' chnamt, für schleunigen Ausbau der Gleise im Ruhrgebiet zu sorgen. Er fordert die Kollegen zu einer Spritztour in daL rheinisch-westfälische Jndustrieegbiet auf, um die dortigen Bahnhöfe kennen zu lernen. Ein sehr hoher Eisenbahnbeamter hat sie geradezu als Mausefallen bezeichnet. In bezug auf Einfachheit, Enge, Beschränktheit der Bahnhofanlagen steht das Ruhrgebiet oben an. Eine Beschleunigung der Umbauten ist dringend er forderlich. Abg. Ulrich (Soz.): Die Kompetenzen des Reichsciscnbahnamtes scheinen ja sehr gering zu sein. Rach unserer Ansicht hat c5 aber die Pflicht, allo Klagen zu prüfen und die Einzelstaaten zu veranlassen, ja zu zwingen, Mißständen abzubelsen. Nach § 52 unserer Verfassung ist da? Amt verpflichtet, dafür zu sorgen, daß alle deutschen Eisenbahnen einheitlich verwaltet werden, und nach § 43 muß cs für Instandhaltung der Bauten und des Materials sorgen. Das Reichseisenbahnamt hat aber stet? eine Bescheidenheit gezeigt, die für unseren Verkehr geradezu gefährlich su werden beginnt. In Offenbach zum Beispiel herrschen auf dem Bahnhofe die schlimmnen Zustände, und das Reichstisenbahmt kümmert sich nicht darum. Es werden immer Prüfungen zugesagt, aus denen man nicht her. auskommt. Das Amt verletzt seine Pflichten, wenn cs nicht für Vermehrung bes Materials und für die Sicherheit des Betriebes sorgt. (Beifall links.) Präsident Schulz: Die Zuständigkeit des Reichkeisenbahnamts erstreckt sich nicht' auf die Besoldung der Beamten und der Arbeiter. Ich habe übrigens in zahlreichen Fällen Gelegenheit gehabt, auf die Er. Weiterung und den Umbau von Bahnhöfen hinzuwirken. Ich habe auch die vermehrte Beschaffung von Betriebsmitteln angeregt. Die Zustände in Dffenbach sind sehr schwierig. Es sind bereits Pläne zum Umbau fertig gestellt. Auf einmal kann nicht alles erreicht werden, es wird schon viel getan auf diesem Gebiete. Preußen hat allein im letzten Jahre 254 Bahnhöfe umgebaut. Da§ sind hohe Leistungen. Abg. Earstens (freis Vpt.): Ich bitte, die eingeleiteten Untersuchungen recht gründlich zu betreiben. Der Oberbau mutz immer vollständig sichergestellt sein. Was nützen die schönsten Vorschriften, wenn sic nicht befolgt werden. Es ist Pflicht des Präsidenten, dafür zu sorgen, daß die Bahnmeister gute Arbeiter erhalten; dazu ist aber eine Aufbesserung bc3 Lohneerforderlich. hessischen Landtag über die Eisenbahnpolitik. Das ganze ...... " aber nicht eine Ser* Etat des ReichSeisenbahnamteS. Die gestern abgebrochene Beratung wird fortgesetzte Abg. Dr. Wetzel (nall.): Es ist bedauerlich, daß unsere Hoffnungen auf eine möglichst einheitliche Gestaltung unseres Eisenbahnwesens noch immer der Erfüllung harren müssen. Wir warten immer noch vergebens auf eine deutsche Eisenbahn-Betriebsmittelgemeinschaft. Immer noch fehlt die Einheitlichkeit und Großzügigkeit des Betriebs, die wir fordern muffen. Zurzeit scheint die Arbeit für eine vollkommene Reichseisenbahngemeinschaft auf einem toten Gleise angelangt zu sein. Nun sind wenigstens Verhandlungen zwischen den vcrschie. denen Verwaltungen im Gange wegen einer gemeinsamen Be. Nutzung des Wagenmaterials und der gemeinsamen Beschaffung von Materialien Erst in den lehren Lagen fanden in dieser Richtung Konferenzen der in Betracht kommenden Bahnverwaltungen statt. Ich begnüge mich damit, dem Zustandekommen dieser allerdings sehr bescheidenen Gemeinschaft einen raschen und glücklichen Erfolg zu wünschen. Ich sehe darin den ersten Schritt zu einem höheren Ziele. Ich hoffe, daß aus diesem bescheidenen Anfänge heraus durch die Logik der Tatsachen sich mit der Zeit das zu erstrebende nationale Transportsvstem, die Reichsgemeinschaft auf dem Gebiete des Verkehrs entwickeln wird. (Beifall.) Abg. Stolle (Soz.) beklagt sich über die ungenügenden Auskünfte auf seine gestrigen Beschwerden. Daß eine Unmenge Vorschriften bestehen, habe et schon selber gewußt. In Sachsen hat man sogar eine neue Ge- sinnungSordnung erlassen. (Hörti Hört! bei den Soz.) Da wird den Beamten vorgeschrieben, welche politischen Gesinnungen sie hegen und pflegen sollen. Aus der Oberlausitz wird berichtet, daß der Eisenbahninspektor seinen Beamten gegenüber erklärt hat: Hier ist ein konservativer Verein gegründet, ich erwarte von meinen Beamten, daß sie alle diesem Verein beitreten, ich will annehmen, daß sie eine konservative Gesinnung hegen. (Hört! Hörti bei den Soz.) Präsident des Reichseisenbahnamts Schulz: In früheren Jahren hat das Reichseisenbahnamt wohl mitunter Veranlassung gehabt, die Eisenbahnverwaltungen an die Vermehrung des Betriebsmaterials zu erinnern. Ta aber jetzt bei allen Eisenbahnverwaltungen der feste Wille besteht, den Wagenmangel zu beseitigen, liegt für das Reichseisenbahnamt keine Veranlassung mehr vor. Tie Verhältnisse auf dem Bahnhof Stern- schanze dürften sich wohl durch den Umbau der Bahnhöfe in Hamburg und Altona erklären, der nicht möglich machte, einen Bau in Sternschanze gleichzeitig in Angriff zu nehmen. Tie Verhält, nisse auf dem Bahnhof Elmshorn werde ich untersuchen lassen. Die Besoldung und Löhnung der Beamten und Arbeiter geht nach der Verfassung das Reichseisenbahnamt nichts an. Sächsischer Bundesratsbevollmächtigter Dr. Fischer erwidert dem Abg. Stolle, daß, wenn es sich mit dem Eisenbahninspektor so verhalte, wie er vorgetragen habe, eine Amtsüberschreitung vorliege und ja eine Beschwerde an die vorgesetzte Behörde gehen könnte. Würde aber Stolle sich so sehr dagegen ge- schens'.uert sei, heute die Wngelcgenljeiten einer frcmi>en Macht zur Diskussion zu bringen. Der erst: Herr Delegierte Tr. K'ra-> marez hat meine Haltung als zu wenig energisch bezeichnet und gemeint, er hätte in eine Frage der inneren Poli*, tik Preußens eingreisen wollen. Ich bin aber der lieber- zeugung und auch der geehrte Herr' delegierte Graf Latur hat dies gesagt, das wäre eine deplacierte Energie gewesen, die auch nicht zum Ziel geführt hätte. Ich spare mir aber diese Energie bis zu dem Augenblick, in dem von irgendeiner anderen Seite der Versuch gemacht roerben sollte, sich in unsere inneren Angelegenheiten einzurnischcn, ein Fall, der hoffentlich nichts eintreten wird. Bezüglich Italiens verwies öcc Minister dann auf sein Exposö und betonte, daß die ir.edentistischen Tendenzen I in einem Teil der italienischen Bevö.kerung schon vor der Alliance bestanden haben, sichtlich aber im Abnehmen begriffen [mb, und daß das Verständnis für die Bemühungen zur Herstellung freundschaftlicher Beziehungen in immer weiteren Kreisen Emgang nnbet. Es ist richtig, daß Italien rüstet und seine I Flotte iLrlt, aber daraus kann ihm lein Vorwurf gemacht werden. Die geographische Situation Italiens, feine Iangg> den Gleici^ewichlcs. Das war vom Drechundo )d)on früher bekannt ; es gilt aber auch von anderen Gruppierungen des politischen Systems. Die gegenwärtigen Gruppierungen der Mächte erwecken überall das Gesühl der Sicherheit, deshalb soll man an dem gegenwärtigen Zustande nichts ändern, man soll es deshalb nick)t, weil Aendcrungen in diesem System Machtverschiebungen und als weitere Folgen Gefahren und Konflikte mit sich bringen müßten. Im Rahmen unserer Bündlitspolttlk aber besitzen wir die Freiheit unserer politischen unb wirtschaftlichen Entschließungen. Tcr Minister verweist auf die Entente nut Rußland, die schon.über zehn Jahre bestehe. Jnbezug aus unsere Haltung in der marokkanischen Frage bewnt der Minister, daß nach dem Beispiel von Frankreich und England [ehr wohl Staaten mit verschiedener innerer Politik dauernd Bündnisse eingeben können, und fahrt dann fort: Es ist Ijeutc die innere Politik eines anderen Staates in die Debatte gezogen worden. Ick) habe bereits in einer Sitzung der österreichischen Delegation betont, daß wir d.es für eine gefährliche Methode halten und daß ick), was die Steckling der Regierung zur Frage anbelangt, an denn Grundsatz festhalten muß, daß es nicht wün-- Dreibunddebatte in Oesterreich. n. Ter Minister Freiherr v. A ehren thal erklärte: er könne sich von dem Standpunkt der Gefühle oder nationalen Empfin-- oiingen nicht leiten lassen, er müsse sich direkt an die Staats- raison halten. Er erblicke seine Ansgabe darin, die von der Leitung der auswärtigen Angelegenheiten seit einer Reihe von Jahren innegehaltene Linie fortzusetzen, und er glaube, daß wir allen Grund haben, mit dem System unserer auswärtigen Politik zusrwden zu sein. Wir haben sc i t n a he z u dr c i ßi g Jahren das Bündnis mit dem deutschen Reiche und als weitere Folge das Bündnis mit Italien. Tiefes Ulliane^ Verhältnis hat unserem Interesse entsprochen und bekanntlich zur Erhaltung des allgemeinen Friedens beigetragen. Durch konsequentes Festhalten an uen Bündnissen und unserer loyalen Haltung nehmen imt eine eminente Vertrauensstellung m Europa ein, und zwar nicht nur bei den befreundeten und verbündeten Kabinetten, sondern überall. Alle Gruppierungen konvergieren nach einem Punkte: nach der Erhaltung des bestehen- toaltung. zu denen sie an ihrem Teile beitragen, nicht teilnehmen. Die thüringischen Kleinstaaten sind unter die Räder des preußischen Staatswagens geraten. Hinzu kommt noch die Steuerfreiheit der Bahnbcamten in Thüringen. Konservative Politiker, wie der frühere Abg. v. Kardorff und der Abg. Frhr. v. Zedlitz, haben es auch als eine Ehrensache Preußens hingestellt, den Kleinstaaten entgegenzukommen. " (Beifall.) Abg. Qunrck (nl.) schließt sich diesen AuSfübrungen vollkommen an. Hier handelt c5 sich um eine wirklich deutsche Frage. Die thüringischen Staaten sind kaum in der Lage, die Matrikularbeiträgc aufzubringen. Die Personentrifreform ist nicht nur ein Schönheitsfehler, sie ist geradezu gefährlich. Sogar die Reise" der Ferienkolonien und die Schülerfahrten hat man verte rt. Unsere Stadtkinder müssen aus dem Staube der Straßen, ans den dumpfen Schulräumcn in die frische Luft gebrockt werden. Man sollte daher ihnen die Fahrt nicht verteuern. Durch den neuen Personentarif ist aber die Arbeit der Vereine für F" '^.iluturien erschwert und belästigt worden. . Dieser Rückschrsi: ist äußerst schmerzlich. Auch wir bedauern jeden Unfall, der den geringsten Arbeiter trifft Auch wir haben Respekt vor dem Arbeiter und den Opfern der Arbeit und begrüßen jeden technischen Fortschritt, der dazu dient, von dem Eisenbahnarbeiter nickt bloß den Druck der Not des Tages zu nehmen, sondern der auch die Unruhe vermindert, in die er durch die ständige Lebensgefahr, in der er sich befindet, geraten muß. Es gibt aber Dinge, die außerhalb des menschlichen Willens liegen. Wir danken dem Präsidenten des Neichseiscnbahnamts, daß er innerhalb feiner begrenzten Kompetenz das mensckenmöglichste getan hat, um die Unfälle zu verhindern. (Beifall.) Abg. Dr. CarstcnS (freis. Vp.): Ick kann mein Bedauern über dos Viele, waS vom Reicks- eisenbahnamt nicht geleistet worden ist, nicht unterdrücken. Der Präsident hat sich auf viele dringende Anfragen, die an ihn gerichtet wurden, völlig auSgeschwiegen. Er gebt von der lieber- zeugung auS, daß die meisten dieser Fragen nicht zu seiner Kompetenz gehören, und daß er gegen den starken, aber nicht den besten Bruder, Preußen, nichts onzufangcn weiß. (Heiterkeit.) Er handelt so in dem Gefühl einer gewissen Ohnmacht. Er hat uns tröstliche Aussichten gemacht in bezug auf die Beschaffung von Material. Ich will nicht dankbar anerkennen, daß man nun endlich einmal den Brunnen zudecken will, nachdem das Kind ertrunken ist, und nachdem Handel und Verkehr in schwerster Weise geschädigt worden sind. Nein, man hätte Vorsorge treffen müssen, daß solche unglaublichen Zustände, wie sie der Mangel an Material gezeitigt hat, überhaupt nickt vorkommen konnten. Die Unfälle sind trotz des gesteigerten Verkehrs geringer geworden. Ick gebe zu, daß sie nie ganz vermieden werden können. Der Präsident hot erklärt, daß eingehende Vorschriften vor den Unglücksfällen schützen. Es kommt aber nicht auf Reglements an, sondern auf den Geist, der in der Verwaltung herrscht, und der preußische Geist, der jetzt in der Verwaltung herrscht, ist nicht der richtige. (Beifall links.) Auch die Besoldungsfragen gehören zur Kompetenz des Reichseisenbabnomts, weil es nach der Verfassung istr die Instandhaltung der Stationsbauten und für die Beschaffung guten Materials zu sorgen hat. Ter Redner schildert die Verhältnisse auf der Station Sternschanze bei Hamburg und Elmshorn als geradezu trostlos. Tort lauere die Gefahr der Eiscnbahnkatastrophen. Die Verhältnisse der Streckenarbeiter sind sehr traurig. Videant consulesl Möge das Reichseisenbahnamt dafür sorgen, daß die falsche Sparsamkeit nicht zu einem Ende mit Schrecken führt und es nickt erst eines großen Eisenbahnunglücks bedarf, um Abhilfe zu schaffen. (Lebhafter Beifall.) Aeuycher Reichstag. 92. Sitzung von Sonnabend, den 1. Februar, 11 Uhr. Am Tische des BundeSrat?: v. Bethmann-Hellweg, v. Soeben, Dr. Schulz, Wackerzapp, Twele. Das Haus ist stark besetzt. Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 15 Minuten. Eine Rechnungssache wird erledigt und nach dem Brauch des Hauses die Genehmigung zur Einleitung eines Privatklagever- fahrens gegen den Abg. G e r st e n b e r g e r (Ztr.) wegen Beleidigung des Vorstandes des deutschen Metallarbeiterverbandes, sowie zur Vernehmung der Zeutrumsabgeordneten Dr. Pichler unb Schefbeck als Zeugen für die Dauer der Tagung versagt. Dann wird namentlich abgestimmt über die gestern verhan- beite Resolution der Budgetkommission, betreffend die Vergebung der Arbeiten für die Marineverwaltung. Aus Antrag der Sozialdemokraten findet auch die Abstimmung über ihren Abänderungsantrag, namentlich der nicht die Arbeiterausschusse, sondern die Arbeitero rganifationen zu Trägern der Verhandlungen mit der Werftverwaltung über die Einrichtung des ArbeiterverhältniffeS machen will, statt. DieserAntrag wird mit 166 gegen 114 Stimmen bei einer Stimmenthaltung abgelehnt. Nit der wirtschaftlichen Vereinigung stimmt auch das Zentrum für oen Antrag Der Sozialdemokraten. Dann wird die Resolution der Budgetkommission — Tarif- Verträge und Arbeiterausschusse — mit 213 gegen 67 Stimmen angenommen, bei einer Stimmenthaltung. Ter Zeppelin-NachtrngSetat. Zur zweiten Lesung steht sodann der Nachtragsetat, der in seinem Hauptteile 400 000 Mark angefordert zur Förderung von Verbuchen auf dem Gebiete der Molorluft- s ch i f f a h r t. Dieser Betrag soll die für 1907 bewilligten 500 000 Mark, die durch den Bau bet Ballonhalle unb die bisherigen Versuche vollständig verbraucht sind, ergänzen und dem Grafen Zeppelin die Mittel zur Fertig st eil ung des zweiten Luftschiffes unb zur Fortführung des Betriebes bis Ende Mai, zur Verfügung stellen. Erne weitere Position deS Nachtragsetats ist bestimmt zur Ergänzung der Mittel, die zum Grunderwerb für die spätere E r- w eile r ung deS Bahnhofes Mülhausen-Nord- R i x h e i m in Elsaß erforderlich sind. Abg. Vogt-Hall (wirtsch. Vgg.): Wir begrüßen jede Unterstützung der Luftschiffahrt durch das Reich. Mag man über die Vorteile des starren Systems einig fein ober nicht, w sind wir im Süden doch über den gelungenen Aufstieg des Grafen Zeppelin sehr erfreut. Er kann der Anerkennung von feiten der Bevölkerung sicher fein. Bei einem etwaigen Kriege wird gerade die Luftschifsahrt uns große Vorteile bringen. Wenn also das ganze Volk dankbar ist für diesen Erfolg, fo sind besonders w i r im Süden stolz auf unseren Landsmann, auf die Erfolge des Grafen Zeppelin. Gerade die Energie und Ausdauer des Militärs sind es gewesen, die den Grafen Zeppelin immer wieder veranlaßten, seine Versuche wieder aufzunehmen. Ich führe seinen Erfolg auf eine soldatisch militärische Erziehung zurück. Möge es ihm bei seiner nächsten Tat gelingen, an dem im voraus bestiikMken Platze zu landen, selbst wenn das vor dem Schloß in Berlin fein sollte. (Heiterkeit.) Ich freue mich über die allseitige Zustimmung zu diesem NachtragSetat, die schon in der Budgetkommission zum Ausdruck gekommen, ist. (Lebhafter Beifall.) Abg. Hug (Ztr.) schildert als Augenzeuge eine der Probefahrten über den B o d e n f e e. Am 26. September hatte Graf Zeppelin beschlossen, seiner Vaterstadt Konstanz etnen Besuch abzustatten. Es war ein herrlicher Herbsttag, blauer wolkenloser Himmel wölbte sich über dem See, der von den Strahlen der Sonne beleuchtet wurde. Zwischen ein und zwei Ubr nachmittags stieg das Luftschiff in Manzell auf, vom Graten in südwestlicher Richtung nach Konstanz gelenkt. Um ein halb drei begrüßte in Z^onstanz ihn der brausende Jubel der Menschenmenge, die sich im Stadtgarten am User des Sees^ausgestellt hatte. Ruhig und sicher — maieffätifd) schwebte das Schiff über der Stadt dahin, vorbei am Munsterturm und lenkte seinen Flug nach dem Rhein, herüber auf die linke Seite gegen Schloß Castell, über Gierberg, das Gut des Grafen v. Zeppelin, auf den Döbelsplah, wo cs elegante Schwenkungen ausführte. Tann ging der Flug über die Altstadt zurück auf die See. Nach vierstündiger Fahrt erfolgte in Manzell tadellos der Abstieg und das Schiff wurde in der Ballonhalle untergebracht. Hocherfreut und^ stolz sind die Konstanzer darüber, daß die Lösung dieses Problems, das die Menschheit seit Jahrhunderten beschäftigt hat, einem Sohn der Stadt gelungen ist. (Lebhafter Beifall.) Der Nachtrckgsetat wird in seinen beiden Teilen einstimmig genehmigt. sstreckte Küste sowie her Em stutz der starken Position anderer Mittelmsermächte lässt diese Rüstungen begreiflich erscheinen. Nach Ansicht des Ministers hat Italien keine aggressiven Pläne, so wenig wie Oesterreich mit der Verstärkung seiner Flotte solche Plane verfolg.-. Wenn Oesterreich sich zu stärken suche, so geschehe dies uidjt nur zum Schutze seiner Küste, sondern auch, um dem österreichischen sandel, der in letzter Zeit sich erfreulich entwickelt habe, zu Hülse zu kommen. Was Italiens Stellung im Balkan gnüetrisft, so wurde der Verwunderung Ausdruck gegeben, daß Ztali.-n dort eine solche Rolle spiele. Ta handelt cs sich offenbar um« ein Mißverständnis; denn alle Signatar- Mächte des Berliner Vertrages haben ein gleiches Recht, sich mit diesen Angelegenheiten, bezüglich deren wir trotz Russtand die Initiative ergriffen haben, zu beschäftigen. Gemäß dem Mürz- stcger Programm werden auch alle einschlägigen 'Angelegenheiten in der Konferenz sämtlicher Botschafter der Signatarmächte behandelt. Tie Rührigkeit Italiens auf dem Balkan könne er, der Minister, nicht in Abrede stellen; man könne jedoch nicht daraus einen Vorwurf machen, sondern vielleicht eher uns wegen unserer Saumseligkeit tabcai. Was Mazedonien betreffe, verweist der Minister neuerlich aus die grotzen Schwierigkeiten, die Nationalitäten auseinanderzuhalten und die Bauernbewegung niederzuwerfen. Ter Minister erhofft in dieser Beziehung, datz die Türkei ihre volle Energie anwenden werde. Bezüglich der Ausweisungen aus Preußen teilte der Minister Taten mit, auf Grund deren er mit Befriedigung feststellep kann, datz die Intervention des Ministeriums des Aeutzeven in dieser Beziehung doch immerhin einige Erfolgs aufzuweiseu habe. Es sind im Laufe von mehr als -einem Jahr nur 24 Fülle borgekommen, bei denen als einziges Motiv der Ausweisung die Verhinderung unerwünschten Zuzugs landfremder und fremdsprachlicher Elemente, speziell in die östlichen Provinzen Preußens, angegeben und bei denen trotz eingetretener Verw'endung die Ausweisung aufrecht erhalten wurde. Auch in diesen Fällen ist aber immer im Hinblick auf die eingetretene Verwendung den Ausgewiesenen von der preußischen Regierung eine längere Frsst zur Ordnung ihrer Angelegenheiten benü tngt worden. Ter Minister schloß seine Ausführungen mit einer eingehenden Betraui- Lung der aus dem jüngst abgeschlossenen Ausgleich zwischen Oesterreich-Ungarn resultierenden staatsrechtlichen Fragen, und gab der Ueberzeugung Ausdruck, datz dieser Ausgleich nicht der letzte war, daß vielmehr die wirtschaftliche Zusammengehörigkeit, ohne welche cr sich eine gedeihliche, einheitliche auswärtige Politik nicht vorstellen tonne, auch in Zukunft aufrechter- halten bleiben werde. (Lebh. Beifall.) Kolitisehe Lagsr^aW. Amtswüdigkeit des Frerherrn von Stengel. Der mehrfach angekündigte Rücktritt des Reichs schätz sekretärs Frhrn. v. Stengel wird, wie die „Bert. N. N." zuverlässig erfahren haben wollen, nunmehr tatsächlich erfolgen. Es sei jedoch durchaus irrig, den Entschluß des Staatssekretärs mit den Kommissionsbeschlüssen in der Frage der Zuckerkonvention in Verbindung zu bringen, da die internationalen Verhandlungen über die Verlängerung der Brüsseler Zuckerkonven- tion ohne Mitwirkung des Frhr. v. Stengel geführt worden sind. Man darf vielmehr annehmen, daß die großen .Schwierigkeiten, denen die Durchführung der Pläne des Staatssekretärs zur Reichsfinanzreform begegnet, die Veranlassung zu dem Rücktritt sind. „Interessant ist die Frage", so meint das „Berl. Tagebl.", „was für einen .Einfluß der Rücktritt Stengels auf die Stellung des preußischen Fincnrzministers v. Rheinbaben ausüben wird, der ebenso wie Herr v. Stengel für die indirekten Steuern schwärmt und direkte Reichssteuern verwirft. Fürst Bülow scheint sich mit einem Wechsel im Reichsschatzamt bereits vertraut gemacht zu haben. Es verlautet, daß der Reichskanzler mit dem Oberbürgermeister A d i ck e s, der wegen der Herrenhaussitzungen in Berlin weilte, eine längere Besprechung gehabt hat, und Adickes sich wegen Hefter- nähme des Reichsschatzamtes Bedenkzeit ausgefteten hafte." Erwartet mau abermals aus Frankfurt a. M. das Heil wie in den Tagen, als Johannes Miquel das preußische Finanzportefeuille übernahm? Heer unfo Flotte. Berlin, 1. Febr. Tie „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Der Kriegs Minister, der sich von seiner Erkrankung im November vorigen Jahres nicht völlig wieder erholt und mehrfach an Rückfällen gelitten hat, ist am 25. Januar an einem neuen heftigen Jnfluenzaanfall erkrankt, der ihn ans Bett fesselt nnft ihn zwingt, sich von den Geschäften fernzühalten. Auf dringendes Anraten der Aerzte wird er sobald als möglich zur Wiederherstellung der Gesundheit einen längeren Urlaub nach dem Süden antreten. Hannover, 2. Febr. Generalleutnant v. Fe st en- fterg-Pakisch, der Ehef des königlichen Militär-Reit- institutes, ist gestern abend an einer Brustfell- und Lungenentzündung gestorben. Deutsches Reich. Berlin, 1. Febr. Das Lehrerbe soldungs- gesetz beschäftigt gegenwärtig das preußische Staatsministerium, nachdem es das Kultus- und Finanzministerium passiert hat. In etwa vierzehn Tagen dürfte es an den Sanhtag gelangen, wo es der KültusMinister 2r. Holle mit einer Erklärung überreichen wird. Minister Holle will bei dieser Gelegenheit auch zur Frage der se x u e l l e n Au f- klärung in den Schulen ausführlich Stellung nehmen. Die Erhebungen des Ministers über diese Frage nähern sich jetzt ihrem Abschluß. — Bei der Unterrichtsverwaltung finden Erwägungen darüber statt, inwieweit im Schulinteresse eine Vermehrung der Mittelschulen angezeigt erscheint. — Der Reichstagsaft g. Gothein, der eben erst von einem langjährigen hartnäckigen Jschiasleiden wieder einigermaßen hcrgestellt war, ist loiebcrmn schwer erkrankt, diesmal an Blinddarmentzündung. Die gestern in der Klinik des Geheimrats Körte vorgenommene Operation ist günstig verlaufen, der Kr.äftezustand indes zurzeit wenig befriedigend. — Die Direition der deutschen Waffen- und Munitionsfabrik, die gestern etwa die Hälfte der Arbeiter ausgesperrt hatte, hat heute früh die Aussperrung auch über die übrigen Arbeiter ausgedehnt, sodaß der ganze Betrieb ruht und etwa 2500 Mann betroffen sind. — Das Abgeordnetenhaus hat heute das Gehalt des Handelsministers ftewilligt. Montag wird die Beratung des Etats der Handels- und Gewerbe-Verwaltung fortgesetzt. Außerdem steht der Etat der Berg-, Hütten- und Salinen-Verwaltung aus der Tagesordnung. Asrsland. Paris, 1. Febr. Die Beisetzung des Kardinal- Erzbischofs Richard fand heute vormittag unter großer Beteiligung statt. Teheran, 1. Febr. Die persische Regierung sandte eine ProtestnoteanalleGesandtschaften, die sich gegen das türkische Vorgehen wendet. Es wird darin der Tatbestand festgestellt, daß die Türken um Saudschbulag Kanonen auffahren ließen und dann durch ein Ultimatum den Prinzen Ferman-Ferma zwangen, nach Miandoab zurückzugehen. K a p st a d t, 1. Febr. Heeriman ist mit der Neubildung des Kabinetts beauftragt worden. Man lese öen Gichemr Anzeiger größte und reichhaltigste Tageszeitung Oderhessens mit den Beilagen .Lamilienblötter" „Landwirtschastliche Zeitsragen" und dem Kreisblatt für den Kreis Gießen. Auslage über 15000 Expl. Hile Briefträger, unsere Zweigstellen und die Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers nehmen Bestellungen auf den Gießener Hnzeiger entgegen. Aus Stadt uud LauS. Gießen, 3. Febr. 1908. DcrRachdrnck uuscrcrDriginalnachrichteu ist nur mit deutlicher Quellenangabe — Gieß. Anzeiger — gestattet. ** Lehrer kn rse für Handwerkerschulen. Vom 13. bis 25. Januar d. I. fand in den Räumen der Zentralstelle für die Gewerbe der alljährlich sich dreimal wiederholende Lehrerkursus für die Lehrer an den hessischen Hand- merker-Sonntagsschulen statt. Der Kursus wurde von dem Direktor der Landesbaugcwcrkschule, Architekt Wienkoop, unter Assistenz einiger Lehrer derselben Anstalt abgehalten. Besonderer Wert wurde auf die Ausbildung der Lehrer in den verschiedenen Zweigen des Fachzeichnens gelegt. Indern zehn verschiedene Bauhaudwerke in einzelnen Abteilungen von verschiedenen Herren dlirchgenoinmen wurden, gelang es, Dank dem überaus eifrigen Arbeiten der Besucher des Kursus, in jedem Fach einen Stoff zu bewältigen, der dem Teilnehmer des Kursus eine genaue Richtung und gute Stoffe für den Unterricht an den Handwerker-Sonntagsschrilen verschafft. Es rourbe bei der Besprechung der einzelnen Handwerke ganz besonders Rücksicht darauf genommen, daß die Schüler der Handiverkerschule zum Verständnis ihrer Handwerkezeichnung erzogen und ihr Geschmack in gute zeitgemäße Bahnen gelenkt rvürden. Den Schluß des Kursus bildete eine Ausstellung sämtlicher Zeichnungen, fomie eine Beurteilung derselben durch den Referenten des Ministeriums des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gerverbe, Herrn Oberregierungsrat Dr. Wagner. Er sprach bei dieser Gelegenheit dem Veranstalter des Kursus, dein Vorstand der Zentralstelle für die Gewerbe, sowie dem Leiter, Direktor Wienkoop, und seinen Lehrern, insbesondere aber auch den überaus fleißigen Teilnehmern den wännslen Dank und die Anerkennung der Regierung aus und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Lehrerkurse im Interesse der Hebiing unseres heiniischen Handiverkes möglichst zahlreich besiicht würden. ** S) i e Premiere des Gießer Apollo-Theaters. Zu diesem Ereignis hatte der Säug er kränz am Samstag abend seine Angehörigen nach dem Neuen Saalbau eingeladen und zahlreich waren sie der Einladung gefolgt. Die karnevalistische Abendunterhaltung, die der Verein damit bot, nahm einen äußerst amüsanten Verlauf, trotzdem die Vorstellung nicht etwa eine Parodie, sondern eine getreue und wohlgelungene Kopie eines modernen Großstadt-Varietes war. Zunächst kamen die üblichen drei Musikstücke der Hauskapelle und dann sang ein gut zusammengesetztes Doppelquartett einige heitere Lieder, die lebhaften Beifall sanden. Dann kamen the four sisters Hellstern, vier niedliche aber schon ausgewachsene Babys und tanzten so hübsch, wie eben nur junge Damen tanzen können, wenn sie sich dieser schönen Kunst ganz hingeben und einen so tüchtigen Leiter haften, wie es Uni- verjitätscanzlehrer Will ist. Dann sang temperament- und gefühlvoll Miß Franeoni einige nette Lieder, von denen eines so gefiel, daß man seinen Refrain den ganzen Mend überall hörte. Zwei gelungene äußerst humorvolle Parterre-Akrobaten, the Dayton Brothers boten sodann recht beachtenswerte Leistungen auf gymnastischem Gebiete, worauf ein moderner Humorist, Herr Fred Knutsch, einige aktuelle und mit großem Jubel aufgenommene Couplets fang. Den Schluß der ersten Abteilung bildete ein naturgetreu wirkendes T Y r oler Doppelquartett, das bei Zitherbegleitung älperische Lieder fang und dazu so naturecht jodelte, wie es die Münchener und Dachauer, die sonst hier als Tyrolerinnen und Tyroler auftreten, auch nicht besser können. lleftrigcnS wußten die Madele und Buabe auch in den Gießener und besonders den Sängerkranz-Verhältnissen guten Bescheid. Die zweite Abteilung eröffnete ein schneidiger Reckturner, Herr P o n t e ch i, der einige halsbrecherische Hebungen elegant und sicher ausführte. Eine amerikanische Sängerin, Lady Smith, sang einige englische Lieder sicher und in so gutem Englisch, daß man fast an die Echtheit glauben konnte. Tann kam ein Fesselkünstler, Mister Houdini, der mit seinem Unsinn viel Heiterkeit erregte und daran anschließend Tannhäuser als Bajazzo, der mit schöner Stimme und im Brustton der Ueberzengung immer wieder versicherte, daß er ein Mensch und kein Bajazzo fein wolle. Ein schnurrbartgefegneter Schusterjunge erzählte, dann mit Humor und Gefühl feine Schusterbuben-M-emoiren.' Als einzige „echte" Nummer zeigten dann Fräulein Ha- mann's dressierten Kakadus und .Hunde ihre Künste, die allgemein lebhaft gefielen. Olympische L>piele wurden dann höchst natürlich wirkend in Gestalt von plastischen Marmorbildern gezeigt. Hiermit war die gelungene Vorstellung beendigt. Um rhr Zustandekommen hat sich außer dem Herrn Direktor namentlich der rührige Dirigent des „Sängerkranz", Herr Kasten, hervorragende 'Verdienste erworben. Es war infolge des reichhaltigen Programms sehr spät geworden, bis mit dem Tanz begonnen werden konnte, aber das hielt jung und alt nicht ab, ihm noch eifrig zu huldigen. ** Der Bezirkszuchtverein für Vogelsber« ger Vieh im Kreise Gießen hielt am Samstag im Eafe Ebel seine Hauptversammlung unter dem Vorsitz des Negierungsrats Dr. Merck ab. Der Vorsitzende teilt den Rechnungsbeschluß mit, wonach die Einnahmen 106.67 Mark, die Ausgaben 68.18 Mark betrugen und das Kapitalvermögen auf 1442 Mark angewachsen ist. Auf Antrag des Bürgermeisters Volk wird dem Rechner Entlastung erteilt. Nach dem Jahresbericht beträgt die Zahl der zahlenden Mitglieder rund 400, sie verteilen sich auf neun Ortsvereine und zahlreiche Einzelmitglieder. Im bevorstehenden Jahr soll ein engerer Zusammenschluß der Einzelmitglieder angestrebt werden, damit man den Mitgliedern mehr bieten könne. Die Vogelsberger Rindviehzucht ist nicht im Rückgang begriffen, wie viele glauben. Ortsvereine befinden sich u. a. in Mlendorf (Lahn), Beltershain, Großen-Linden, Steinbach, Grünberg und Watzenborn. In Lauter ist ein weiterer Verein int Entstehen begriffen. Im Bezirk Hungen-Lich scheint die Simmentalerzucht immer mehr vorzudringen. Im Körftezirk- wurden 55 Vogelsberger Bullen angekört, davon 34 int Bezirk Gießen, 20 im Bezirk Grünberg, nur einer in Hungen-, Lich. Ins Herdbuch eingetragen wurden 75 Tiere, der eigentliche Zuwachs ist aber bedeutend höher. Das Ergebnis der Ortsschauen ist folgendes: 1. für Bullen: 1. Preis Gemeinde Grünberg, 2. Preis Keßler-Gr.-Lmden, L. Hofmantt-Grüttberg, Stoll-Gr.-Linden. 2. Aelterc Kühe: K. Keil-Grünberg, Keßler-Gr.-Lindett, Jorel-Grün- berg, Wagner-Gr.-Lindett, L. Menges-Gr.-Linden, Großhaus-Grünberg, Volk-Großen-Linden, Hofmann-Großen-Lin- den, Henkel-Grünberg, Voneiff-Grünfterg u. a. m. Die Gesamtzahl der Preise bei den Stallschauen in Grünberg und Großen-Linden betrug 425 Mark. Von besonderer Bedeutung und großen Erfolg für die Vogelsberger Zucht war der Besuch der Ausstellung in Düsseldorf, und mit Genugtuung können die Züchter auf dieses Ergebnis zurückblicken. Es kamen in den Bezirk Gießen allein 570 Mark an Preisen, davon erhielt der Bezirk selbst einen 2. Preis 200 Mark, Julius Zimmer-Burgmühle einen 2. Preis 150 Mark, derselbe einen 3. Preis 50 Mark, Christ. Pitz-Lauter einen 1. Preis 120 Mark, derselbe einen 3. Preis 50 Mark, die Getneinde Steinbach einen 1. Preis 150 Mark, der Verband ofterhessischer Herdbuchgesellschaft einen Sam- melpreis 180 Mark. Der Vorsitzende ermahnt, auf dem eingefchlagenen Weg weiter zu wirken. Er teilt mit, daß das Zusammenwirken des Zuchtvereins mit der neuen Lartdwirtschaftskammer recht gut gewesen fei und hofft weitere Förderung der.Vogelsberger Zucht von der Kammer. Für ein ausgeschiedenes Mitglied zu Homberg wird einstimmig Bürgermeister Aff-Lauter gewählt. Bezüglich der Verwendung der Mittel und der Zurückhaltung von zehn Prozent bei Preisverteilungen für die Vereinskasse soll am seitherigen Gebrauch festgehalten merben. Stallschaucn sollen nur da gehalten werden, wo Vereine sind. Der Bürgermeister von Lindenstruth teilt mit, daß dort die Gründung eines Zuchtvereins bevorstehe. Der Bürgermeister von Beltershain lvünscht, daß die Stallschauen früher gelegt würden, etwa in Anfang Juni zwischen Heu- und Fruchternte. Von besonderem Interesse war zum Schluß die Mitteilung des Vorsitzenden, daß das Reichskolonial- amt durch Vermittelung des Oekonomierats Schlenke-Fried- berg Vogelsberger Rassevieh für Südwestafrika an- gekanft habe, um den Versuch zu machen, ob diese Geftirgs- rasse für Klima und Bodenfteschaffenheit Südwestafrikas geeignet ist. WmWkMe MWKM b-i altem husten, chron. Verschleimung, Asthma, Atemnot, vronchialkatarrh, Rachentatarrh etc. wurden in der letzten Zeit mit einer neuen, aus Sud-Amerika stauuneuden, bisher in Europa noch völlig unbekannten, giftfreien Hellpflanze, der Punaria ascochingae erzielt. Wir haben es unternommen, diese eigenartige Droge, die in ihrer Heimat schon lange in dem Rufe eines Spezifikunis gegen Asthma und chron. Bronchitis stehl, in Dcutschlcuid einzusühren und sie zu dicsent Zwecke zuvor von einer ganzen Anzahl ärztlicher Autoritäten auf ihren therapeutischen Wert hin prüfen lassen. Die erzielten Resultate waren in vielen Fällen geradezu verblüffend und übertrafen selbst die höchsten Erwartungen. Auch von feiten zahlreicher Patienten liegen bereits Aeußerungen vor, aus denen die Zufriedenheit über die gehabten guten Erfolge hervorgeht. 9kicht selten wird uns hierbei über Fälle berichtet, die jahrelang jeder Behmrdlung trotzten und deren Heilung bei Anwendung der Punaria ascochingae in kürzester Zeit herbeigeführt wurde. Im Interesse der schnellen Einführung des MÜtels und in Erwägung oes Unlstandes, daß ein von bem Patienten selbst au gestellter Versuch roeit mehr zu überzeugen vermag, wie alle empfehlenden Worte, haften wir uns entschlosten, eine größere Anzahl kostenfreie Proben an alle diejenigen zum Versand zu Bringe«, die sich für die Sache interessieren. Wir senden jedem, der uns seine Adresse einschillt und seinem Briefe 20 Pf. in Briefmarken für Porto beifügt, eine solche Probe und fügen derselben nebst der Gebrauchsanweisung eine Anzahl ärztlicher Gutachten und Anerkennungsschreiben von Patienten bei. Möge jeder, der an einem chron. Katarrh rc. der Ülturungsorgauc erkrankt ist, in seinem eigenen Interesse den ihm kostenlos gebotenen Versuch machen,- er wird denselben nie bereuen. Vrochaus & Go., Verlin-Halensee.