Nr. 77 Drittes M-rtt 158. Jahrgang Dienstag, 31. März 1908 (MAftn! tSgst- -ntf Vi,?nabm» bei Gonntagt. Die ^Siebener Lamtltenblätter" werden dem ,91njctgere viermal wöchentlich betgelcgt, daS HKrelsblaii tü» 6cn Kreti Gießen" zweimal wöchentlich Der ^tjesstjche Landwirt" erscheint monatltd? einmal Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheßen «otahönSbnn? unb «eriao b« Vrühphchen Unwersuül« 3)ud>- mit ‘Stetnörutferti. fR. Bio j c Bietzen. «Redaktion, Lxveditton xnt Drntferei- Schrr!» ftraße ? Exoed,non ant SKeriiiq LzM 61. Redaktton. 113. XeL-älbf „• UrrzeigerGretzea, Generalleutnant Sixt o. Armin bestätigt das. Abg. v. £ erben (Rpt.): Ick kann nur bedauern, daß Graf Lynar Pension bekommt, und bah Gras Lynar überhaupt die Stirn haben konnte, eine Pension zu beantragen. (Sehr richtig! rechts.) Sein Abschied i|t nickt erfolgt, weil er nicht mehr triegStüchtig war, sondern aus anderen Gründen. Wenn man dann eine Pension beantragt, so -ft das nicht vereinbar mit der Ehre eines Offiziers ''Beirall recgtS.j Menn der Hamburger Rechtsanwalt vom Reserveofnzierkorps ausgeschlossen worden ist, so ist ihm recht geschehen. Abg. Kopsch (frei)'. Vp.): Tie Mannschaften jüdischen Glaubens haben im Heere manche llrrhiHigfcitcn zu erdulden. Jüdische Einjährige hält man bewußt vom Offizierrorvs fern. Dieser Boykott der Einjährigen jüdischen Glaubens ist ein Verstoß gegen die Verfassung. Die Hecresverival. mng behauptet, die Wahl der Reserveoffiziere erfolge ganz unab- 'vir.gig vom Reserveoffiziertorvs. Dann ist es aber die Pflicht der Regierung, dafür zu sorgen, daß nicht oerfassmigswidrige Grund, sätze bei dieser Wahl ausschlaggebend sind. Der Redner führt ver. schiedene Fälle in Berlin und Danzig an, wonach Negimenrskom« 'manbcurc aus ihrer antisemitischen Neigung kein Hehl machten. Der Redner weist auf den Fall des Sohnes des Justizrats Feige in Breslau hin. der wegen seines Glaubens zum Offizierkorps nicht zugelassen wurde, obgleich sein Vater früher selbst Oss.zier war. Es sei tief bedauerlich, daß die Zugehörigkeit zum jüdischen Glauben vom Offizierkorps ausfchließe. Abg. d. CzarlinLft (Pole) führt Veschlverde darüber, daß polnische Rekruten ihre Osterbeichte in deutscher Sprache ablegen mußten. ALg. Erzberger (Zentr.): Meine Angaben stützen sich auf Ausführungen der „Militär- Politischen Korrespondenz". Ich habe keinen Anlaß, an ihrer Richtigkeit zu Zweifeln. Es wird manches dementiert, was sich später doch als wahr herausstellt. Generalleutnant Sixt v. Armin: Detaillierte Angaben über die Vergebung von Lieferungen kann ick im Plenum nicht machen. Es wird bei der Vergebung so verfahren, wie das schon der Kriegsminister hier dargelegt hat. Abg. Hagemann (natl.) bittet, den Arbeitern der Erfurter Gewehrfabriren dieselbe Ortszulage zu geben, wie den Spandauer Arbeitern. Abg. Scheidemann (Soz.): Herr o. Oldenburg hat uns eine hgitere Viertelstunde bereitet. Er hat von Junkern gesprochen; es gibt darunter bösartige und harmlose. Herr v. Oldenburg gehört zu den letzteren. (Heiterkeit links.) Der Vertreter des Kriegsministers sollte sich doch den Abgeordneten gegenüber eines anderen Tones befleißigen. (Beifall links.) Er ist ein sehr schlechter Beobachter, wie jede seiner Reden beweist. Der Ton in unserem Offizierkorps wird immer lächerlicher. Die Art und Weise zu reden, der näselnde Ton, sind ja schon in der ganzen Welt bekannt. Schlimm ist es aber, rvenn schon die Unteroffiziere nachäffen, wie ihre Leutnants sich räuspern und spucken. Der Redner führt De. schwerde über Soldatenmißhandlungen bei den Herbstübungen im Jahre 1006 in der Senne. Die gemeinsten Schimpfworte seien von den Offizieren gebraucht worden. Vor dem Kriegsgericht stellten die Offiziere dies dann in Abrede und behaupteten, es seien nur ganz harmlose Bezeichnungen gebraucht worden, z. B.: „Blöd, sinniges Kamel!" (Heiterkeit.) Es ist tief bedauerlich, wenn im Heere ein Ton sich breitmacht, der in Worten, wie „blödsinnige Hchnmelherde", „Jammerlappen", „Saubande", zarte Schmeicheleien sieht. Die Soldaten, die schon dem Deurlaubtenstande angehörten, werden dazu in schlimmster Weise gepeinigt und überanstrengt. Generalleutnant Sixt v. Armin: sehr viel Mannschaften marode geworden. Es ist aber auch sofort ein allgemeiner Erlaß an die Armee ergangen in dem darauf hingewiesen wurde, daß gerade bei Re- servcübungen die Mannschaften allmählich an schwere Stta- pazen gewöhnt werden sollen. Leider haben einzelne Offiziere in der Tat zu Schimpfworten sich hinreihen lassen. Das ist nicht zu billigen; aber es ist menschlich verständlich, wenn einmal in der Hitze des Gefechts ein harter Ausdruck fällt. Gegen diese Offiziere ist die Untersuchung eingeleitet worden. Es wird alles getan werden, um ähnliche Mißhelligkeiten zu verhindern. (Beifall.) Abg. v. TrcuenfelS (kons.) bittet, die Kontrollplätze auf dem Lande näher zusammenzule^n. Die Herren von der Linken sollen sich nickt zu Vertretern des guten Tones machen. Ihnen stände das am wenigsten an. Der Ausschluß des Hamburger Rechtsanwalts aus dem Reserveofff- zierkorps sei voll berechtigt. ES ist durchaus notwendig, daß feder, der den bunten Nock trägt, auch treu zu Kaiser und Reich Dritte Lesung des Etats. (Dritter Tag.) Die Beratung wird fortgesetzt beim Etat der Verwaltung des Reichsheeres. Abg. Liebermann v. Sonnenberg (wirtsch. Dgg.) beantragt, einen neuen Stabsoffizier als Vortragenden Rat beim Kriegsministerium zu bewilligen unter Streichung einer Stelle eines inaftwen Offiziers beim Kriegsministerium für die Cxpe. ntion nach Qstasten. AVg. Erzberger (Zentr.): Wir schaffen damit einen Präzedenzfall für eine Eratserhö- hung durch den Reichstag. Ich beantrage namentliche Ab- ftimmung über den Antrag. Die gesetzlichen Vorschriften sind bei der Pensionierung des Majors Graf Lynar nicht eingehakten worden. Es stimmt etwas nicht dabei. Das Offi- zierpcnsionsgesetz ist verletzi worden. Diese Pcnsionsgewährung steckt wie ein Pfahl im Rechtsbewußtsein des deutschen Volks. Mir sind von zahlreichen Offizieren Zuschriften zugegangen, die diese Pensionierung für unbegreiflich halten. Der Redner bedauert, daß für Waffen- und Munitionslieferungen die Firma Krupp und die Deutschen Waffen, und Munitionsfabriken geradezu ein Monopol haben. Dadurch werden die Preise in unverantwortlicher Weise in die Höhe getrieben. Im finanziellen Interesse des Reichs hat die Militärverwaltung die Pflichr, die Lieferungen möglichst zu verteilen. Der Kampf gegen die Monopole muß mit aller Kraft geführt werden. Schatzsekretär Dr. Sydow: Wir halten an dem Grundsatz fest, daß vom Reichstage Erhöhungen der Ausgabepositionen einseitig nicht vorgenommen werden Dürfen. Der Antrag verstößt aber audj nicht gegen diesen Erundiatz. Es handelt sich nur um die Verschiebung einer Stelle vom Exrraordlnarium ins Ordinarium. Wir sind mit dem Antrag einverstanden. Generalleutiiant Sixt v. Armin: Auch wir bitten um Annahme des Antrages. Abg. Singer (Soz.): Wir bitten, die namentliche Abstimmung erst in einigen Stunden., vorzunehmen. Abg. Erzbcrger (Zentr.): Um der Verabschiedung des Etats keine Schwierigkeiten zu machen, ziehe ich meinen Antrag zurück. (Heiterkeit.) Abg. Dr. Paasche (natl.): unbeweisbare Anschuldigung auf das entschiedenste zurück. Diese Offfziere tun ihre Pflicht nach chrem besten Ermessen. Ick muß das als eine unbewiesene und ganz unbeweisbare Verleumdung zurückweisen. Wenn der Abg. Südekum sagt, das sind Ger sichre, ich weiß nicht, ob sie wahr Jir>, dann kehlt mir f ü r die Verbreitung sol- di e r Gerückte in diesem hohen Hause der parlamentarische Ausdruck. Vizepräsident Dr. Paasche: Ich nehme an, daß der Ausdruck „V e r l e u m d u n g" sich auf die Gerüchte bezieht und sich nicht gegen den Abg. Südekum richtet. Abm: bei Gegenständen, die andere Fabriken in genügender Weise auch liefern können, hat die Heeresverwaltung jedesmal die freie Konffirrenz bestehen lassen.. Das wird sie auch in Zukunst tun. SDie ü'irma Ehrhardt ist dauernd von der Heeresverwaltung ebenfalls mit weitgehenden Aufträgen betraut gewesen, und die Firma Ehrhardt hat auf manchem Gebiete sogar den Löwenanteil von Lieferungen erhalten. Die Heeresverwaltung har auch diese Firma durch Rat und Tat bei der Einrichtung ihrer Fabrik, ihrer Schießplätze usw. unterstützt. Tic Firma erlernt daS auch an. Auch bei dem Patent st reitzwischenKrupp und Ehrhardt hat die Heeresverwaltung sich mit keinem Wort und Schriftzeichen weder für die eine noch für die andere Partei ins Zeug gelegt. Wenn Firmen ein Pnient von Geschütztesten besitzen, so suchen wir die anderen STr.lc bei anderen Fir- inen zu bestellen, und setzen dann in unseren Fabriken das Geschütz zusammen. Wer von diesen Dingen etwrs versteht, der wird aber auch zugeben muffen, daß eine zu gr sie Zersplitterung auf diesem Gebiete absolut unmöglich ist. Der deutsche Reichstag hat sich immer auf den Standpunkt gestellt, daß " ie besten W a f- f en und d i e beste Munition dem b . -■ f f dj en Heere in die Hand gegeben werden muß. Darum müssen wir in jedem einzelnen Falle genau prüfen, wie dieses Ziel zu erreichen ift Bei einer zu großen Zersplitterung stellen sich viele Mißstände ein- Die Fabriken nehmen dann, wenn wir nur vorübergehend sie beschäftigen, schon viele Arbeitskräfte an und versehen sich auch mit großen Maschinen. Wenn wir dann wieder abgehen von der Fabrik heißt es, wir haben nun Arbeitskräfte angenommen, haben Maschinen angeschafft, was soll nun werden? Es liegt also int Interesse der Industrie selbst, wenn wir bei der Vergebung der Arbeiten uns nicht zu sehr zersplittern. Wir müssen mit den uns bewilligten Mitteln sehr haushalten und müssen jeden Groschen zehnmal umdrehen, ehe wir ihn aiisgeben. Wie die Sache am praktischsten und am billigsten zu machen ist, danach wird verfahren. Infolgedessen ist das Verfahren in jedem einzelnen Falle verschieden. Von monopolistischen Bestrebungen kann gar ferne Rede sein. , Die Art und Weise der Pensionierung des Grafen Lynar hat m weiten Kreisen der Bevölkerung eine gewisse Beunruhigung jjertorgerufen. _ Es lag kein Grund zur Pensionierung vor. Die Pennonierung soll nach dem Gesetz nur stattfinden, wenn der Betreffende^ dienstunfähig ist. Graf Lynar ist aber pensioniert wor- deii, weil sein Kommandeur ihm erklärte: „Du bist nicht mehr wurmg, Offizier zu sein!" — Ein Monopol bei Waffenlieferungen wünschen wir in keiner Weise. Tie Heeresverwaltung muß für die notige. Konkurrenz sorgen. Auch bei der dcmnächstigen Vergebung von Maschinengewehren darf nicht einseitig eine Bevorzugung einer großen Firma stattfinden. Ich halte mich für verpflichtet, eine Berner- 1 u 119. bic i ch am 3. Dezember v. I. nebenher gewacht habe, z u r ü ck z u n e h m e n. Ich sagte damals, es seien nach meinen Jnsormationen in den Ofsizierlasinos Lieder über den Grase?! Moltke gesungen worden von den jüngeren Herren, und tjabc daraus den Vorwurf abgeleitet, daß der Krtegsintnister nicht genügend orientiert gewesen sei. Ich habe nun nachträglich nicht ermitteln können, daß das, was ich damals gesagt habe, voll- inyaltlich zutrifft. Ich tiehme gar keinen Anstand zu erklären. Oa d lcv damals in meinen Ausführungen z u weit gegangen bin und diese Aeußerungzurücknehme. _ Generalleutnant Sixt v. Armin: .2“* dobe seinerzeit gesagt, daß Graf Lynar mit Pension ver- avschiedet worden war, weil ein Dieustunbrauchbarkeitsattest vor- _[cgt, und ich habe ausgeführt, ob im übrigen an irgend einet ?*?rvCtne Verfehlung zu verzeichnen ist, das ist Sache der gerichtlichen Hnfcrfucfiung. Der Abg. Erzbcrger wundert sich nun vorüber, daß die Untersuchung nirgends eine Unstimmigkeit er- 8eoen haben solle. Ich wundere mich über diese Mit» 1 c i ( u n g a u ch, denn mir i st von einem solchen Ergebnis nichts bekannt. Meines Wissen? schwebt ?JC1 ? Gericht suntersuchung noch. Die Angaben des 3oergev über Lieferung von Firmen sind nicht zu- erlamg. Detaillierte Angaben kann ich darüber nicht machen, ut das die Interessen des Reichs sowohl wie die der deutschen Industrie berühren und eventuell schwer schädigen könnte. Bei oerbebung von Lieferungen sind in jedem Einzelfalle besondere (ruastchten maßgebend. Einmal müssen wir auf Geheim- l ' 0 d chr Anfertigung halten. Bei gewissen Gegen- ander: sind wir an bestimmte Firmen gebunden, weil sie für die ^treffenden Gegenstände ein Patent besitzen. In einem dritten 7 rmcn‘. $n bezug auf die Maschinengewehre be» r.j j ebensowenig ein Monopol wie auf irgend einem anderen Ge- >si ober nicht nur in Deutschland, sondern in der gart» m - bekannt, daß K rupp, was Qualität des Materials und rz” der Arbeitsleistung anbetrifft, an derSpitzemar- Ljr er'• .Das ist auch ganz selbstverständlich bei dem langen Be- wn dieser Firma und bei den Mitteln, über die sie verfügt. Generalmajor v Gcbsattcl: Wir in Bayern haben z. T. eigene Waffenfabriken. Wir laffen aber auch viele Aufträge durch Preußen besorgen, weil das einfacher und billiger ist. Abg. v. Oldenburg (kons.): Es sind sehr heftige Angriffe gegen mich in der Presse erhoben worden, weil ick in der zweiten Lesung erklärt habe,^bei St. Privat hätte die Garde 315 Offiziere auf dem Felde gelassen. Es wurde hervorgchoben, daß auf jeden Junker sehr viele Bürgerliche kommen. Ick habe die gefallenen Gardeoffizicre nur erwähnt, weil die Garde angegriffen worden ist. Ich wollte damit keineswegs andere Regimenter zursickstotzen. Wenn hier z. B. der Anwaltsstand angegriffen wird, bann sollen doch damit nicht alle andern Berufe beleidigt werden. Ich würde dem Ofsi- zierSempfinden ins Gesicht schlagen, wenn ich mich hier hinstellen und sagen würde: Von diesen 315 Offizieren sind 250 Adlige gewesen. Unsere Offiziere fühlen sich als gleich, ob sie nun mit Königszulage in Memel stehen mit bem Gehalt eines Briefträgers, oder ob sie in der Großstadt sind, weil sie bei ber Auswahl ihrer Eltern vorsichtig gewesen sinb. Wenn nun das „Berliner Tageblatt" und Herr Gaebke mich breift der Gesckichtsfälschung zeihen, so können Sie mir glauben, daß diese Gesellschaft mir gleichgültig ist. Abg. Dr. Südekum (Soz.): Die Pensionierung des Grafen Lynar war ein Schlag in ba5 Rechtsempfinden des deutschen Volkes. Graf Lynar war einmal auch in Afrika, aber nicht um dort zu sterben, sondern um dort ohne die Beschränkungen des Strafgesetzbuches zu leben. Er war damals auch schon Offizier in demselben Regiment. Vielleicht erfährt der Kriegsminister auch einmal etwas von den Abenteuern dieses Herrn in Zanzibar, wo er aus ber Deutschen Gesellschaft wegen seiner Zärtlichkeit exklubiert wurde. Lynar ist vor dem Kriegsgericht freigesprochen worden, weil er das Glück hatte, daß alle ihm nachgewiesenen strafbaren Handlungen verjährt waren, und was noch nicht verjährt war, nicht im Sinne des § 175 strafbar war. Ich will nicht darüber rechten, daß man bei diesen Unsauberkeiten die Oeffentlichkeil ausgeschlossen hat. Man soll nun aber nicht den Ausgang dieses Prozesses zur Rechtfertigung eines Menschen verwerten, ber sich doch tatsächlich in schwerster Weise gegen die Gesetze vergangen hat. (Beifall links.) Die eigenartige Monopolstellung ber Firma Krupp ist vorhanben, auch wenn sie bestritten wird. Auch ich habe von Gerüchten über bic Grünbe ber Bevorzugung gehört. Nach bem Jahre 1871 ist b e r F i r m a K r u p p vom Staate unb bem preußischen Kronfideikommiß eine bestimmte Summe zur Verfügung gestellt worben. Nun soll zwar ber staatliche Vor- schuß zurückgezahlt sein, der Anteil des Kronfideikom- misses soll aber noch als werbendes Kapital in ber Firma stehen. Darauf soll nun zurückzuführen sein, baß eine Menge von Mitgliebern ber Waffenprüfungskommission sich für gebunben erachtet, im Zweifel für unb minbestens nicht gegen bie Auftragserteilung an Krupp zu stimmen. (Hört, hört!) Fest steht jeden- falls, daß eine Bevorzugung gewiper Firmen vorliegt. Wenn ber Vertreter bcs Kriegsministers sagt, baß ein Monopol nicht bestäube und auch vermieden würbe, so kommt es ganz darauf an, was man unter Monopol versteht. Es kann ja formal eine Konferenz zugelassen werden und tatsächlich doch ein Monopol bestehen. Nun soll kürzlich der Hamburger Rechtsanwalt Arabandt vom Reserveoffizierkorps ausgeschlossen worden sein, weil er in einer Stichwahl zur Wahl des Sozialdemokraten aufforberte. Das kennzeichnet bie ganze Reserveoffiziersinstitution. Generalleutnant Srxt v. Armin: Das Material bes Abg. Äopsch wird geprüft werben. Wenn ber Ton meiner Ausführungen hier bemängelt worden ist, so muß ich erklären, baß ich mich im allgemeinen einer höflichen und ruhigen AuÄirucksweise zu befleißigen pflege. Kann man sich aber wundern, wenn einem Manne, ber mit jeber Faser zur Armee gehört, bei einer gewissen Sorte von Angriffen das Blut in Wallung gerät? (Beifall rechts.) Ich müßte mich vor mir selber schämen, wenn es anders wäre. Die Nachrichten über dieVorfälle in ber Senne sind maßlos übertrieben. Zwei Redakteure sind bereit» deswegen bestraft worden. Es ist nur ein Todesfall vorgekommen. Ich gebe ohne weiteres zu, daß die Anstrengungen bei dieser Hebung sehr groß waren. Die Anstrengungen wurden noch gesteigert durch ungünstige Witterung, durch schlechte Wege und ungenügende Vorbereitung. Auch war ein großer Teil ber Soldaten Fabrikarbeiter, bie weniger leistungsfähig sich zeigten. Große Anstrengungen sollen nach Möglichkeit vermiede:i werden. Nun sind bei dieser Hebung allerdings Der Abg. Südekum habe nur von Gerüchten gesprochen, unb gegen diese Gerüchte richtete sich ber Vorwurf ber Verleumdung. Deutscher Reichstag. 134. Sitzung, Montag, 30. März. Am Tische des Bundesrats: Sixt v. Armin, Dr. Sydow, W e r m u t h, T w e I e, v. Lochow, v. Ballet des B a r r e s, v. Dorr e'.r, v. Salza, v. G e b s a 11 e l. Präsident Graf Stolberg eröffnet bic Sitzung um 11 Uhr 15 Minuten mit der Mitteilung, daß vom Hamburger Senat ein Dankschreiben für bie Belcidskundgebung de? Reichstags au-5 Anlaß de? HinscheidenS bes Bürgermeisters Dr. Mönckeberg einge- gangen ist. Ich hatte bie Absicht, noch einige Herren aus bem Hause sprechen zu lassen, aber bem Herrn Abg. Südekum möchte ich doch sofort entgegnen. Auf die Stellung des Militärkabinetts nochmals ernzugehen, habe ich keinen Anlaß, nachdem ich mich bei ber zweiten Lesung mit genügender Offenheit ausgesprochen habe. Auch auf die Verabschiedung der Grafen Lynar unb Hohenau gehe ich nicht noch einmal ein. Was barüber zu sagen ist, habe ich gesagt. Es liegt auch nicht im Interesse bes Deutschen Reiches, baß immer wieder diese schmutzige Wäsche hervorgeholt wird. (Sehr richtig! rechts.) Der Abg. Südekum hat hier von Beziehungen zu den deutschen Firmen gesprochen. Ich erkläre hier ausdrücklich, baß in i r von Beziehungen b c 5 Kronfideikom misses 6 u der Firma Krupp nichts bekannt ist. Selbst wenn irgend welche Beziehungen bestehen sollten, könnte ber Herr Abg. Südekum daraus nicht den Schluß ziehen, daß Offiziere, Mitglieder ber Waffenprüfungskommission ober sonstige Stellen aus diesem Grunde sich beeinfluffen lassen könnten zugunsten der Firma Krupp. DaS weise ich als eine unbetoiefene und Couverts mit Firma sr Brühl'sche Uiüverfltäts-vruckerÄ tigt werden. Abg. Lehmann (nl.) 50 fall links.) Abg. Znbcil (Soz.) MreteoroloKtfaie Deoonryruugen Wetter Höchste Temperatur Niedrigste Regentropfen Beo. Himmel Regen Bolt Vebel habe ja selbst zugegeben, daß, die Sozialdemokratie die Armee und das Reich bekämpfe, daher könne kein Offizier für sie stimmen. ./M . .. Abg. Werner (Reformp.) bittet die Militärverwaltung, dafür zu sorgen, daß die gewesenen Unteroffiziere in Zivilstellungen nicht zu lange diatarrsch oejcyaft Zweite Sitzung. Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um 3 Uhr Liebermann wird mit 132 gegen 116 Stimmen abgelehnt. Abg. Kirsch (Ztr.) verlangt entsprechend seiner Resolution eine Reform der Vorschriften über Strafrecht, Strafverfahren und Strafvollzug in bezug auf jugendliche Personen. Abg. Dr. Müller (Meiningen, frs. Vp.) erwidert auf die Angriffe RoerenS vom 25. Februar. Wir waren darin einig, daß die bestehenden Gesetze nicht immer ge« nügend angewendet werden, und anscheinend auch darin, daß eine lex Heinze nicht erforderlich ist. In der letzten Zeit ist eine Verschärfung eingetreten dnrch die tendenziöse Hetze einesTeils der Zentrumspresse gegen das Verfahren des L a n d g e r i/h t S I München, dem ich angehöre, und des Schwurgerichts München in derartigen Prozessen. Herr Roeren will keine Nunstsachverstän« dige, ich will gute und gegenseitige K u n st s a ch v e r st ä n d i g e. Eine gewisse Presse erklärt vor aller Welt, Deutschland marschiere an der Spitze der Pornographie I Nein, Deutschland leistet Bewundernswertes auf jedem Gebiete graphischer Kunst, auch der Popularisierung der Kunst, und es wäre nur zu wünschen, dah sie mit Hilfe von Gemeinde, Staat und Reich auch demokratisiert würde. (Sehr richtig I rechts.) Daß da auch Schmutz unterläuft, ist natürlich. Aber bei der Frage der Sittlichkeit kommt doch nicht der Produklions« ort in Betracht,' sondern der Herstellungsart, und die Besteller sitzen in den romanischen Staaten, in Oesterreich, Südamerika, lauter sehr fromme Gegenden. (Hört, hört 1 links.) Lauter Gegenden, die vom Klerikalismns beherrscht sind (Unruhe im Zentrum!, in denen neben den gemeinsten Zotenbildern sehr oft mut) Heiligenbilder ruhen. (Unruhe int Zentrum.) Sie legen großes Gewicht auf Staatsanwalt, Strafrichter und Gendarm und auf formale Frömmigkeit u'w. Schulgottesdienst nach dem berühmten Satz: Natur ist Sünde! Ebenso notwendig wie ein Verein zur Hebung der Sittlichkeit, wäre ein Verein zur Bekämpfung der Verhunzung deutscher Klassiker. ren gehören nicht vor den ©traf» UU)lvv. ~1W Frage der Im. ..dgerichtshöfe ist spruchreif. Es ist die Vermutung laut geworden, daß wieder Preußen daran schuld ist, daß wir zu keinen Justizreformen kommen. Das wäre de» bäuerlich. Wie steht es mit der Reform der Straf» Prozeßordnung? Hoffentlich wird der Entwurf auch der öffentlichen Kritik unterbreitet werden. bill äußert, die seinem verstorbenen Vater angetan ist. (Abg. Roeren ruft: Ich habe ihn ja nur mit Ihnen verglichen! Große Heiterkeit.) Sie scheinen nicht zu verstehen, daß ich an Ihren christlichen Standpunkt appelliere, weil Sie einen Verstorbenen verhöhnt haben. Den Vergleich weise ich zurück, denn ich bin kein derartiger Dichter. (Heitere Zustimmung.) Mein Gedicht vorn „nationalen Schwein" ist ja hier bereits dreimal zum Vortrag gekommen; bei seinem Jubiläum werde ich Herrn Roeren auch die übrigen Strophen dcdizieren. Ich wollte mich von Herrn Roeren auch mit einem Knüttelverse verabschieden. (Heiterkeit. Zuruf: Selbst gedichtet?) Natürlich selbst gedichtet! (Große Heiterkeit.) Ich unterlasse eS aber. (Rufe des Bedauerns.) Die „Kölnische Volkszeitung" und eine andere gewisse Presse würde sonst sagen, daß der Müller-Meiuigen in seiner wahnsinnigen Eitelkeit sogar um den Volksschillerpreis sich bewirbt. (Heiterkeit.) Da will ich zu demVielen, was ich in der letzten Zeit ja sonst peccieren mußte, nicht noch auch in dieser Beziehung in Mißkredit kommen. Ich will mich daher von Herrn Roeren verabschieden mit den Worten eines wirklichen Dichters, und zwar eines ganz großen Dichters; bet seinen großen literarischen Kenntnisien wird Herr Roeren ja wissen, wer es ist. Wir haben Dir Klatsch auf Geklatsche gemacht, Wie schief! Mr haben dich recht in die Patsche gebracht, 2 Wie tief! Mr lachen dich aus! Nun mach' dich heraus! Ade! Und red' ich dawider, so wird daS den Klatsch Nur verschlimmern! Soll mein liebliches Leben im nichtigen Patsche verkümmern? - Schon bin ich heraus: Ich mach' mir nichts drauS! Ade! (Große Heiterkeit.) . < , „ Hierauf vertagt sich daS HauS gu einer Abendsitznng auf 8 Uhr. Schluß 6 Uhr. Minuten. . Die Abstimmung wird, da die Beschlußsahigkeit zurzeit nocy zweifelhaft ist, auf 5 Uhr anberaumt. trag, eS fehlen danach zwei Stimmen an der Beschlußfähigkeit. Die Sitzung wird abgebrochen. Nächste Sitzung nach 15 Minuten. Abg. Kopsch (fteis. Vp.): Auch wir verurteilen es, wenn ein Reserveoffizier wegen feiner politischen Gesinnung gemaßregelt wird. Sollte das Urteil im Fall des Dr. Brabandt endgültig sein, so werden wir Gelegen» Heck nehmen, auf diesen Fall des Näheren später einzugehen. So lange aber die Verhandlung schwebt, läßt sich über die Angelegenheit hier nicht eingehend sprechen. Ich verdiene den Dank des Hauses, wenn ich in bezug auf Herrn Bindewald lediglich das eine feststelle: der Nassenantisemitismus dieses Herrn hat in diesem Hause keine Zustimmung, aber d i e lebhafteste Heiter- keit im ganzen Hause hervorgerufen. (Zustimmung links.) Generalleutnant Sixt v. Armin: Auf die Frage der jüdischen Einjährigen einzugehen, halte ich für überflüssig, nachdem ich bei der zweiten Etats-Lesung dazu Stellung genommen habe und weil nach den Ausführungen des Kriegsministers die Heeresverwaltung keine andere Stellung ein» nehmen kann, da sie auf dem Boden des Gesetzes stehen muß. Ob ein Offizier mildernde Umstände verdient, kommt auf die Sage bek Falles an. Wenn ein Soldat dem Offizier um die Ohren geschlagen hat, so kann ich Herrn Scheidemann versichern, daß ich nicht geneigt sein werde, mildernde Umstände zuzuerkennen. ^Heiterkeit.) Die Aussprache schließt. Abg. Bindewnlb (Reformp., persönlich) : Ich stelle fest, daß die, die vorher gelacht haben, von den Nationalliberalen bis zur äußersten Linken sitzen, daß aber, als Herr Kopsch seine Verbeugung vor dem internationalen Judentum gemacht hat--(Die Glocke des Präsidenten erstickt den Rest oct persönlichen Bemerkung.) Der Antrag Liebermann b. Sonnenberg wird zur Abstimmung gestellt. Es wird ein Hammelsprung er» forderlich. Dieser ergibt 94 Stimmen für, 113 gegen den Anfordert neue Garnisonen für den Weimarer Bezirk Abg. Hermes (freis. Vp.): Der Vertreter des Kriegsministers hat auf die schweren Angriffe des Abg. Kopsch nur die Antwort gehabt, daß er das Ma» ierial prüfen werde. Nun ist die Frage der Zurücksetzung der Juden im Heere gegenüber ihren christlichen Kameraden schon wiederholt im Hause und in her Budgctkommisston behandelt worden. Die Negierung hatte also genügend Zett, sich zu informieren. (Sehr richtig! links.) Wiederholt sind hier solche Klagen vorgebracht worden, es ist aber nichts geschehen, um sie abzustellen. In weiten Kreisen des deutschen Volkes ist darüber eine gewisie Beunruhigung entstanden, weil bet. Grundiatz LesgleichenRechtsfüralle dauernd verletzt wird. (Bei- Landtag den Ständen eine Vorlage über die Kosten dieser baulichen Veränderungen zu machen, damit i>er Neubau noch int Laufe d:ö Sommers 1908 zur Ausführung gebracht werden kann." „ _ . r „ Ter Präsident erklärt hierzu, daß sich das Bureau der Kämmer heute noch zur Besichtigung der diesbezüglichen Pläne versammeln werde. Bei der Hauptabteilung: Ministerium des Jnneru, bespricht Frhr. v. Heyl in längeren Ausführungen die Frage der WohnuugsfürsorgL für Arbeiter, die sich in Hessen ndch wesentlich im Rückstände befinde. Ter Arbeiter müsse 20 bis 30 Prozent seines Lohnes für Wohnungsmiete ausgeben; das sei für feine Verhältnisse zu viel, umso mehr, als, trotzdeui die Drbeiterwvhnungen zumeist schlecht und ungesund seien und somit leicht der Weiteroerbreitung der Tuberkulose Tür und Tor öffneten. Andererseits werde infolge dieses Umstandes auch eine wirksame Bekämpfung der Tuberkulose sehr erschwert, ja teilweise ganz illusorisch gemacht. Redner beklagt dann, daß die an das Wohnungsgesetz für Unbemittelte geknüpften Erwartungen nicht erfüllt wurden; dasselbe Hütte, auch durch ein Ausschreiben des Ministeriums des Innern eine erhebliche Ein- schraulung erfahren. Bei Besprechung der Fürforgefrage bedauert Redner and}, daß die Landeskreditkaffe entgegen der Abficht bei ihrer Begründung fo wenig z-ur Förderung der Wohnungsfürsorge beigetfagen habe, ja fast vollständig fruchtlos geblieben fei. So habe dieselbe 1906 nur 76 000 Mk. und 1*307 sogar nur 25 000 Mk. für Wohnnngszwccke hergegebeu. Tem Minister Brann wolle er dabei gern zugestehen, daß er einer der tüchtigsten Sozialpolitiker fei. Die sozialdemokratischen Gewertschaftsverbände hätten zwar große Gewerkschasts- häufer errichtet, aber für die Arbeiterwohnungen hätten sie bisher nichts getan. Minister Braun sagt zu, in Erwägung ziehen §u wollen, ob der bisherige zurückhaltende Staubbunti der Landeskredit- taffe tn Zukunft eine Abänderung erfahren könne. Bei Kap. 36 Landesuniversität spricht Geh.-Rat Prof. Dr. Schmi tt der Regierung Dank aus, für die auch in diesem Jahre in den Etat eingestellten erheblichen Mittel für die Landesnuiversüät. Tann bespricht Redner kurz die Frage des Frauenstudiums im allgemeinen und bittet eine Erweiterung des Frauenstudiums, für das ja in den letzten Jahren schon viel geschehen fei, an der Universität Gießen in Erwägung ziehen zu wollen. Bei Kap. 38 Gymnasien rc. fragt Graf Solms-Lau- bach, bez. des Gymnasiums in Laubach an, worauf Minister Braun erwidert, daß der Regierung von Veränderungen ober gar von einem Eingehen des Gymnasiums zu Laubach nichts bekannt sei. Frhr. v. Heyl macht bei dieser Gelegenheit auf die Notwendig leit größter Sparsamkeit aufmerlfant und weist dann auf die Schädigung einer Anzahl Oberlehrer hin, die lange Zeit auf etatsmäßigen Stellen mir provisorisch verwendet wurden. Redner befürwortet dann den Ausschußanrrag, „die Regierung zu ersuchen, in Fällen, wie den bot liegenden, wenn die Verzögerung der Anstellung auf die Maßnahme der Regierung zu- rückzuführen ist, aus Billigkeitsgründen eine Anrechnung der Besvldungsvoroienstzeit auch dann einer eingehenoen Prüfung zu unterziehen, wenn dcv betr. Beamte dadurch den Höchstgehalt schon vor der Vollendung seines 55. Lebensjahres erreiche» wurde". Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Bei Kap. 49 Römisch-Germ an isch es Z en tralinu« seum, wofür 15 900 Mk. angefordert und bewilligt werden, ersucht Oberlandesgerichtspräsident Lippold um möglichst baldige Auszahlung dieser Summe. _ Minister Braun erwidert, daß sofort nach Erledigung des Budgets die Auszahlung diefer Summe erfolgen werde,. d« übrigen Positionen dieser Hauptabteilung wurde ohne wesentliche Debatte genehmigt. . r m Bei Beratung des Justizetats bespricht Geh. Rat JJroj. Dr. Schmitt eingehend die Anstellungsverhältnisfe der M- richtsassesforen und ersucht den Justizminister, den Asiessorm bei den Prüfungen zu gestatten, für die Auslegung von Gesetzen die Texte derselben zur Hand zu nehmen. Staatsminister Ewald gibt eine kurze Statistik über ote jetzige Beschästigungsweise der Assessoren bekannt unb bebauen dann, dem letzteren Wunsche des Vorredners nicht nachkommen, zu können. , . , , . „ Frhr. v. Heyl und Graf Erbach-Erbach iprechen sich gleichfalls für Erfüllung dieses Wunsches.aus. Aach einigen weiteren unwesentlichen Debatten werden auch die übrigen pitel des Justizetats und darauf der ganze Rest des Ums nach den Beschlüssen der Zweiten Kämmer angenommen. genehmigt das Haus ohne Debatte den Entwurf des tfinaitfr» gesetzes für das Etatsjahr 1908, womit die Etatsberatung em- gültig erledigt ist. . , t Es wird sodann noch der Gesetzentwurf betr. btc xsci etnigung der Stadt K aftel mit der Stadt Mainz und bi Regierungsvorlage, betr. bie Abänderung des Gesetzes, die Juup* gehaltsverhältnisse und die Versorgung der Hinterbliebenen ocr im Hessisch-Preußischen Gemeinschaftsdienst angestellten staats- eisenbahnbeamten vom 26. März 1897 ohne Debatte angenommen. Die Beratung wird darauf um ’ 2 2 Uhr abgebrochen uno die nächste Sitzung auf morgen vormittag 10 Ufrr jiubcraunm Es ist nicht wahr, daß die Juden schlechter m der Armee be- handelt werden. Das deutsche Volk ist von Haus aus kr-egstuch- tiger als das jüdische. (Lachen links.) Die Juden sind viel wohl- habender, besuchen höhere ©datiert, das Verhältnis ihrer Einjährigen zu den Gemeinen ist ein stärkeres./ Es würde also keine Gleichberechtigung, sondern Bcvorrechtung sein. (<2t*J‘?— Auf Nassen und Volkstum kommt es an, nicht auf Religion und Konfession. (Lachen links.) Wir sind für das Volksheer und verlangen, daß die, die das Heer fuhren, der indogermanischen Rasse angehören. (Gelächter.) Wir verlangen von dem Offizier, daß er die fremdrasfigen Elemente der Juden sich innerhalb seiner vier Wände vom Leibe hält. Nur dann haben wir Vertrauen zu unserem Offizicrkorps, wenn wir wissen, daß es von deutschem Blute ist. Der Jude hat anderes Blut in seinen Adern. (Großes Gelächter.) bespricht einen Fall von Soldatenmißhanblung. Abg. Schcidemann (Soz.): Wenn man gegen einen Reserveoffizier vorgeht, weil er erklärt, man solle lieber einen Sozialdemokraten wählen als einen rückständigen Antisemiten, nun so lasse man doch die Sozialdcmü- fraten überhaupt aus der Armee heraus; damit wären wir ganz einverstanden. Wenn sich ein Offizier gegen einen Gemeinen vergeht, dann erhält er mildernde Umstände. Ich frage den Vertreter des Kriegsministers, ob er auch einem Gemeinen mildernde Umstande Zubilligen will, wenn dieser als Antwort dem Offizier um die Ohren schlägt. Aog. Bindewald (Reformp.) t Staatssekretär Dr. Niebcrding: Meine Ausführung aus der zweiten Lesung, baß eine Steigerung der Kriminalität der Jugendlichen nicht eingetreten sei, ist vielfach angegriffen worden. Ich halte sie aber vollständig aufrecht. Von 1882 bis 1892 war eine erhebliche, zum Teil sehr auffallende Steigerung zu bemerken, aber in den letzten 16 Jahren ist keine Steigerung eingetreten. Die Kriminalität ist im selben Prozentsatz stabil geblieben. Ich habe im Februar erklärt, daß da? Reichsjufttzamt den Entwurf einer Strafpr0zeß0rdnnng abgeschlossen hat und er der Vorprüfung oer preußischen Staats- regierung unterliegt. In der Presse ist diese Bemerkung beanstandet worden, weil dadurch der preußischen Staatsregierung eine Stellung eingeräumt werde, die ihr nach der Verfassung nicht zustehe. Tas ist durchaus unrichtig. So ist stets verfahren. Nach der Verfassung ist nicht die Neichsverwaltung, sondern, nur die Bundesregierungen sind in der Sage, gesetzgeberische Vorschläge on den Bundesrat zu richten. Ich weiß nicht, wie wett die preußische Regierung mit dieser Prüfung zurzeit gediehen ist; das ist ein Internum der preußischen Verwaltung. Ich habe aber keine Veranlassung, anzunehmen, daß die Prüfung irgend eine in der Sache nicht begründete Verzögerung erfahren habe. ^Jch nehme tote im Februar an, daß es möglich sein wird, im nächsten Winter mit der Strafprozetzordnung an den Reichstag §u fommen. Der Reichskanzler hat allen Grund, die Arbeiten zum Abschluß zu beschleunigen. Der Entwurf wird auch der Öffentlichkeit unterbreitet to er bett; -em Entwurf von so großer Bedeutung würde sowieso nicht geheim- gehalten werden können. Eine feste Zusicherung kann ich nicht erteilen, aber was an mir liegt, wird geschehen, daß auch dieser Entwurf tote alle anderen aus dem Justtzdienst der Oeffcnilichkett zugänglich gemacht toird. Es toird jetzt die Abstimmung toiederholt, die vorher zur Feststellung der Beschlußunfähigkeit des Hanfes geführt hat. Auch diesmal toird ein Hammelsprung not- 1 wendig. Das Haus ist beschlußfähig. Der Antrag am 29.—30. März — + 10,a ” 0» „ 29.-30. „ = 4- 1.3 0 6. hessische Erste Kamm«. Darmstadt, 30. März. Am! Mcknstcrtifchsi: Finanz muttster Gnauth, Minister deH Bnnern Braun, Geb. Staatsrat K'rug v. Nidda, Geh. Rat ehr. v. Biegeleben, Ministerialräte Dr. B e ck e r , S ü r T er t Nach Eröffnung der Sitzung unii 10 Vi Uhr durch _ den Prüf identen Graf Görtz-Schlitz teilt dieser mck, batz Fürst Alexander zu Erbach-Schönberg, der schon feit Jahren als Vertreter feines Vaters dem Haufe augehürte, nun fett dessen Ableben aus eigenem Recht der Kammer angehört. Das Haus tritt darauf in die Beratung und Abstimmung über den Hanptvoianfchlag für 1908 In der allgemeinen Debatte darüber führt Geh. Rat Prof. Dr. Schmidt aus, es sei bei den Etatsdebattcrn fat der Zwecken Kauckner allgemein die Notioendigkeit der Nmi- tegelung der Besoldungsordnung anerkannt worden. Er sei aber gleichfalls der Meinung, daß die Revision bis zur Regelung 'der Finanzen im Reick> zurückgestellt toerben müsse, bet Zweiten Kämmer habe man den Tank der Beaucken für die «folgten Gehaltsoerbeiserunaen vermißt, er wolle demgegenüber feststellen, daß ein großer Teil Oer Beamtenschaft einen EinbIm in die schwierigen Verhältnisse des Staates l)abe. Bei einer bevorstehenden Revision der Besoldungsordnung, dürfe man nicht nut einzelne Beamtenkaregorien herausgreifen, fonbern man nmi)e bestrebt sein, Licht und Scharten gleichmäßig zu ti erteilen. Eine baldige Abänderung müsse namentlich da ermattet werden, wo Fehler gemacht wurden, wie z. B. bei der Gehaltssestsetzung der Ertraordinarien. Die Inhaber dieser Stellen hätten jetzt nut ein Gehalt von zusammen 25000 Mk., die im Laufe von 20 Iahten nur 4000 Mk. sich steigertLN; bie Gehälter biteben hinter denen der akadeniischm Beamten wesentlich zuruch Auch die Wittven- und Waifenverforgung müsse eine baldige Revision erfahren, denn sie fei noch entschieden rückständig. Sie gewähre nur 30 Prozent des Gehalts, während Preuven und das Reich bis 40 Prozent zahle. Das Haus genehmigt darauf die ersten Etatsposttionen. Beim Käpckel W e 1 u b a u d 0 m ä n e spricht Frhr. von Heyl 5er Regierung feinen Tank aus dafür, daß sie nicht nur auf mögliDe Veredelung der Gewächse, sondern auch aus, rationelle Verbesserung der Besvirtfchafwng bedacht ist. EL stehe fest, daß sich die hessischen Domänenweine besonders m Tcoto» deutschland einer steigenden Beliebtheit erfreuten. Damit eröffneten sich auch iüd die Weinbau treibende Bevölkerung Hessens sehr erwünschte Aussichten unb Wege für die Zukunft. Finanzminister Gnanth dankt dem Vorredner aufrichtig für die Anerkeunung bet Bemühungen bet Regierung; sie werde darin eine Ermutigung erblicken, auf dem bisherigen Wege fortzuschrLtton. Er fei übrigens in der erfreulichen Lage, Mitteilen zu können, daß sich oic von der Regierung gegebene Berechnung über die Rentabilckät noch günstiger.stelle. Tie jüngste Versteigerung der 1905 er Erescenz habe eine wesentlich höhere Einnaisine gebrachr, nämlich rund 200 000 ML Beim Käp. Landstände beantragt der Finanzausschuß: „Hohe Kämmer wolle Gtoßh. Regierung ersuchen, nach Fest- ftellung bet Plane für bie Vergrößerung des Sitzungssaales, die Verlegung des Ausschußzimmers, sowie sät die Herstellung der Känzleitäume bet Ersten Kammer noch auf diesem Abg. Döhle (Soz.) führt Klage über angebliche Mißstände bei den Straßburger M!° litiärinitituten. Abg. Dr. Becker (Köln, Zenit.) tritt für Besserstellung der Vatterieschreiber und anderer Beamten» kaiegorien ein. Abg. GicLbcrtS (Zentr.) regt eine Revision der Strafbestimmungen für Vergehen im Kriege an. Wegen geringfügiger Taten seien Afrikaktieger außerordentlich schwer bestraft worden. General Linde: Vergehen im Kriege müssen hart bestraft werden. Wir werden aber gern mildere Vergehen der Gnade des Kaisers empfehlen. Damit ist der Militärtetat erledigt, ebenso 'der des Reichs» militnrgendit§. bis auf die ausgesetzte Abstimmung. Am Tische des VnndcsralS hat sich Staatssekretär von T i r P i tz mit zahlreichen Kommissaren eingefunben. Er zieht aber sogleich wieder höchst vergnügt davon, da der M a r i n e e t a t ohne jede Disluft sion erledigt wird. Es folgt die Beratung des I u st i z e t a t S. Abg. Dassermann (natl.) weist auf die verschiedenen Mißstande auf dem Gebiete des Strafrechts anv des Strafvollzuges hin. Der Straft Vollzug tollte reichsgesetzlich geregelt werden. Die Bestimmungen über dasehrengericktlickeVerfahrengegenRechts- art m alte seien reformbedürftig. Der Redner kommt auf ferne jur werden. K'nder (Lachen links.) I richtet. Die Frc Mär» ’ Barometer aui 0° reduziert Temperatur ‘ der Lust ! Absolute ! Feuchtigkeit • Relative Feuchtigkeit Windrichtung 5 Windstärke 908 30. 2” 748,6 1 9,2 6,9 80 8 4 ! 30. 9” 747,8 ! 6,7 6.8 93 NNW 2 1 *• 1 31. •pt. 741,8 7,3 6,4 85 S 6 1 166 8t« -s s = s E D E N S e G- ° iP-O - ~ c L € ö © s V S & a Ä liß x s Mgaufk^'- eN-s«Äo ’*■* x E§$ eaE d L E Ü SZX X-2’w ß-s ZR £ ZE § X o xv ’S .L x x"3 £ 2 £ 3 5^2 N E E? s Q £ TZ 2 SS Z :cq CM X« E 2.1=.- s t & L) KL !S SL 5 NL L £*8^e t-VD r- - «.E> © s E dL i r sy r -SL U O s E 2 K 'S L K x fD ,ä -o Ztt^ p^ = L L§ es e e 3 Hl Es l=s SS = 3 o ■e Ee R « tz säge : EcSqS- '^S. 3.2 'es Z£ © <5? S G ~ £ =L O 2 -2 c 6? o E a>e £ E tt « s 2 ♦» © O CO d •5 Z M ÄE w -2 s ä e *69 co t- 2) U OD S CD C *2 K° O.<Ä « Z « « E 5 L Z t: © S Z. ö CB d :?2’« S£§ = = ä x SS - NZ e « £ X ■§£. y 3 ,, 5< c< ® * c< <_ S = 6-6 § s £ E'ff 3 2>3 2 3 b3Sä "3 Efci-B X KWZDZ E « ZZ E c? 3 2ZZZZZZ M - y Cv' - — oü_; OZ> c _ _ = -i@B = ,, = VD O ° c 2 x -o T.© ’o (§ *C Ex> s NZ r^Ä L£T- ■l=:s üQ .Br: . tl -. m.4? O «i KZL- .5 X'3 e Ä « „- ZZK ZZZ *3 y Ä 'S <3 o Ä«ÄS CQ'S U£ Z s L .-'S gSc L 5L74»" - xd ^2» äE^SS« §-2 _ .=: »i^-3 o J2 ° hflK !s "y" v © s Z L O - _^ = §^ E •- L « OD s g 2L y OC y -u o x*3 K2.E ©ÄS !?*fa, b,l«l Hj =ss .5 X M'S 5 3 « «34s Z-§M^ ^2E^S ä€ q T-< X X © 2- S ^Z.2 « « w S.2 *: ^•00,0 - x 2 E X & &2H -^3^ .21 cx®^ y «Ä vd x _, r H ».•§- = Eo5- E X--3* x vd X ~ —-263^3 -r> - c T ran X y!sC: *« voco K 3cö L ««. Sit »inmet«. . böB eine «leiftbet :U*t! i ?>Ui fdibtrltäit, Unbiqt Mini . Miet «t, !' Nbn lett, bag fu :pert toürbe. J n°türli6, -r°bu!iioni< je Seiten« öübamerila, ort! linti.) nb (Unruhe «n sehr Ort ,e9en fltofeei m uiib auf berühmten ein Lettin aut Be« NassUe, &ten, bann olle Freiheit uns üi Freiheit, nen, naMH at. (Heiler- kennen, (n ibrenboltoiat Roeren nie* : einen Bries über bie Un< angetan ist. n vergüten I ich an Fhren iorbenen ner* . ich bin fein n Gebiiht :eiti btemal Herrn Raeren ch von Herrn (Heilerfeil. etl (Stoßt Bebauern;.) ewisse Press! toa'anpnnigtn (Heitcrfeil.) er letzten auch in biesn er von Hem chen Dichter?, groben litt* et e- ist. icht, x „2 2 i-* vr.^ K Z>d " y -03 g ■=»" = © X§ M 233- ZK§ ZK y L FHÄ X,.ÄS) ? x sS “2.2 <= •§«© E$o <3 -~Lq ■2^x 5 5 g -S.2 « . ° X 3 o aE"3» X-2' 3 «o — e o^N « lä§ sg- o .2. X JL OK X S*«3“ X? (TC. Cf C;' O e!^3^ E'c o «' M ’ rbc ohtlk 15 *»!*> erbäll^ Iter, »5 NW " r >e,64'^ w L'^zZ 0 WB jtw" , „W __ ._ X kü^WÄA rxÄ en ~ fco , 3 L « 2 X 33,*- "2-c «■ocs2 »«LS© <2- 2g ZZK 'S" x aö S " o »* s g ■2r25?E‘=3'B 8ZL^A^?K -2Z 3^35 JZZEZ ZLLM a?c^ g ® x- S 'S 33^-sgs c» «j a X t= “8'x s'^51 x 5 §.o E.S 2 L O -o« _ .” OK S_£ 3 O ^"ö 'S^E 3<=q S. gs s|®eS-§ ux j3 -dE-2.2 x.o 2 >=^>OÄC^ x.y X Q X g- Sto Z«JxB"Z e) c x = . x«£ Sd«ArX 2 E ° «A^-S 2 _ _ 2 ., E S ä"2 .-2 E ■g p **& _ C.y^ S EN E © P 5 2 8 iv Z x S •sö ß- f "c Z Uhr Nachmittag- Uhr Vormittag- Uhr Nachmittag- Uhr Vormittag- Uhr Nachmittags llhr Vormittag- Uhr Nachmittag- n. © CM or CM a» 9G Ersahresrrvisten. Dir oben unter Nr. 1 Ansgeführten aller Ja I' t E l p> = E X a urg,a.ufzahvjaA rsguv 0061 668l >901 1902 außer Ersatzrefervisteu 1903 1904 außer Ersatzrcservistcn 1905 1906 1907 Ersatzreservisten sowie nur Ersatzreser visten der Ja 1905, 1906, 1907. 9tur Ersatzreservisten 1895 1896 1897 1898 1899 1900 1901 1 außer L X <3 Stunde 9 Uhr Vormittag- 2 Uhr- Nachmittag- 9 Uhr Vormittag- 2 Uhr Nachmittag- 9 Uhr Vormittag- Tag 3. April *e 4. April * 6. April Platz HofderZeughaus* kaserne am Laud- grafPhilipp.Platz s t * Ort der Kontrollversannnlung Gießen fc r r p K «• Gemeinden dazu gehörenden Mühlen und $ Deueru .Burkhardsfelden titööqcn Trohe einschließlich der Annerod Allendors a. d. Lahn Alten-Bnseck Großen-Linden Großen-Buseck Hausen Heuchelheim Klein-Linden Lang-GonS Leihgestern Oppenrov Watzenborn Steinberg Wieseck DA*« Jo -«ße Z .SX’S. Xe3> S“2 o x o -uä Ü Ss S o>vS‘ ora c □ouNx a ®SS>^3 L - «KX, y 5 •“=---*> tx kL 5.5 rs c ^^5 00 ^3.® G)~a tOcii; 2 SC 9 x2Wl ™äta d s p>i D32E s=8 t» ö Go S Gü 2 rZ -X Sß H r a -- Di « ä = cos" ne ÄS' 2 &?roa$ Z-'s er öh S-5 <*> ß U» sn5 i»r,3 SLsK W r= W D<» 9 2 D S?5 WE: o ** ** ess to tSUoI Ä aß E-^.s-a ßu»^ r* >ju r* x ß Z 2 ß® aö^. 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