158, Jahrgang Erstes Blatt diePost Mk.2.— otertel- jährt. aus|d)L Befleltg. Zeilenpreis: lokal 15i$U ausioärlS 20 Pfennig, Beranl worl lich tür den polinkchen Teil, Montag 30. November 1908 9vezugSpret 5: monculich7bM., viertel- .4K zk /K Äv A jährlich Alk. 2.20; durch AB ^Ibbole- u. ; 1 V-J) HS £\ hrl "?u^ bt.-l ▼ monatlich 65 Pf.; durch Nr. 282 Ter Lietzener Anzelyer erfchcinl täglich, ander a Sonntags. - Beilagen: » viermal wochenilich jffi Lietzener^amilttnblätter; arocimal roöd'cntl.KrtiS: 5 -'#i blatt fürbtn Kreis ßicfocn g® (Dienstag und Freitags ", zweimal monatl. Lar.hr wirtschaftlicheSeitsragen x/ KJ rJ 'sr Xxz l^eri,sprech - Anfcküüsje: Bl W' A Br für die Redaktion 112, V ^*= SS General-Amelger für Oberheffen si Annahme von Anzetgen V f 6 * • u. Land" und.Gerichts- bis tommagTiö'ut“ «oi«tI»NS^u» UN- Verlag ter vrühl'lchen UnIv.Guch- unt Stcintriiuerel n. fange. Hcöattion, (Erpeöition ur.ö Druckerei: rchulstrabe 7. B^-k. Die heutige Nummer umfaht 14 Seiten. Japan und die vereinigten Staaten. Noch vor einem Jahre war die Stimmung in Amerika mü) Japan sehr kriegerisch. Die Japaner empfanden die amerikanischen Bestiminungen gegen die Einwanderung von Japanern in fJtoröamertfa als schwer beleidigend, und fast schien es, als sollte darüber ein Krieg zwischen Japan und den Vereinigten Staaten entbrennen. Inzwischen hat sich die Spannung zwischen beiden Völkern vollständig vor» loren, und jetzt ist cs sogar zu einem fasst freundschaftlichen Abkommen zwischen Jnpan und den Vereinigten Staaten von Nordamerika getommen. Aus Washington wird anscheinend zuverlässig gemeldet, daß ein Ab kommen zwischen den Vereinigten Staaten und Japan abgeschlossen lvorden ist, lvodurch beide Staaten sich ihre jetzigen Besitz u n g e n im Pacific garantieren und sich zur Wahrung der Jnte- gritätEhinasundzurSicherunggleichcrkoin- merziellerundindustriclierV or teile füralle Nationen in China verpflichten. Auch sind Maßnahmen für die Durchführung des Mkominens vereinbart worden. Zu der Newhorker Meldung über Las zwischen den Vereinigten Staaten und Japan getroffene Abkonilnen erfährt die Petersb. Telegr.-Agentur aus zuverlässiger Quelle, dieser neue internationale Litt fei völlig analog dem im vorigen Jahre zwischen Japan, Nußland und Frankreich abgeschlossenen Ablomnien und diene zweifellos als eine neue Garantie für die Befestigung des Friedens im fernen Osten. Das Abkommen wird daher hier warm ausgenommen. Auf der Berliner japanischen Botschaft herrscht das Gefühl der ausrichtigfteu Befriedigung darüber vor, daß durch das Abkommen nun endlich die Gerüchte von einer dauernden Spannung zwischen Japan und den Vereinigten Staaten abgetan sind. Wenn ihnen auch von Anfang an jede tatsächlich'? Unterlage fehlt, da die Beziehungen zwischen den beiden Regierungen zu keiner Zeit amtlich getrübt ge- wefen sind, so l)aben sie doch an einzelnen Stellen eine unerwünschte Nervosität hervorgcrufen, die speziell die handeltreiocnden kreise schädigte. Auf der Berliner Botschaft der Vereinigten Staaten erblickt man in dem Abschlüsse des Abkommens vor allem eine wertvolle Betätigung des Prinzips der offenen Tür in China, für das die Regierung in Washington von jeher mit größtem Nachdruck eingeiTeten ist. Auch gibt man sich der sicheren Er- wariung tjtn, daß Deutschland einem Schritte bereitwillig zusrimmen werde, der ohne jeden selbstsüchtigen Hirtterge- danlen nur der Sache des friedlichen Fortschritts in Ostasien zu dienen bestimmt ist. Ein Berliner Telegramm der , Köln. Ztg." führt aus, das jetzt bekannt gewordene japanisch-ameritanische Ueber- einkommen bestätigt, daß sowohl Japan wie die Vereinigten Staaten ein einträchtiges Nebeneinanderleben vorziel) en, wovon man wohl überall mit Befriedigung Kenntnis nehmen könne. Was insbesondere Deutschland an langt, so entspricht der Grundsatz der offenen Tür durchaus dem, tvaS man in Deutschland bei den verschiedenen Gelegenheiten für wünschenswert erklärt hat. Ferner ist es von Bedeutung, daß Japan und die Vereinigten Staaten die Jntergrität Chinas sichern wollen. Auch in diesem Entschluß begegnen sie sich durchaus mit den Absichten der deutschen Regierung, der nichts erwünschter sein kann, als wenn China, geschützt von Beunruhigungen von außen, sich dem Werke seines inneren Ausbaues, sowie der Erschließung und Vervollkommnung seiner großen, fast durchweg noch schlummernden Hilfsmittel widmen kann. Neue Siudenlcnaurschreitungen in Prag. In Prag ist c5 am San'.Sm' ;n neuen laueren Ausschreitungen des tuhechisiyen Pöbels gegen bic deutschen Studenten gekommen. Zur Feier des 60 jährigen Jubnünms ber Leie Hal le der deutscl)cn Studenten P>ags war eine Sufialyrt sur deurschcn Universität und Lue deäbsch.n Teä.nik arrangier.' werden. AuS diesem Anlaß hatten sich auf b. mGraben etwa GÜO tsäiechisch: Studenten an^csam- melt, hic die Conseur-Studenten bei der Fahrt auf der Strecke vom Pulverturnc zur BergmannSgassc mit vanba- und Pfuirufen empfingen und sich in die Fahrbahn drängten, wo sie die deutschen Studenten anspeien und insultieren wollten- Die Wache schritt energisch ein und sperrte die Vergmannsgasse ab, so bat, die deutschen Studenten unversehrt in die Aula gelangten und von da zur Technik weiterfahren fonnicn. Als die deutschen Studenien in die Bcreinsräume der Lesel-alle und die Redehalie fuhren und- ihre Wagen den Grauen passiert hatten, begann die dort ange- fammette etwa 2000 Köpfe zählende Menge derartige Ausschreitungen zu begehen, daß Gendarmerie hcrbeigcrusen und die Menge vvm Graben wcgggedrangt werden mußte. Mehrere Verhaftungen wurden vorgcnommcn. Tic L". ;:)].■ gegen rcichsdcutsche Studenten dauerten bis etwa P/4 Uhr mittags. Als die Wagen, in denen sich sehr viele rcichs- deutsche Studenten bcsanoen, die von oem Pöocl beworfen und in der gemeinsten We.se beschimpft und besudelt wurden, von dem Vereinshaus der Lese.- und Rcdehalle wieder zurückfuhrcu, wurden sie auf dem Wenzelplatzc von der i'Jtcnge umringt^ Man st.cg sogar von rückwärts auf die Wagen und hieb auf die Jnjasscn oer- setbcn wuchtig darauf los. Alle möglichen Gegensb.iioc, faule Eier, ©teilte, Kartoffeln ufw. wurden gegen die deutschen Studenten geschleudert. Der Xx>t)it>eii-< i>er i^etiLicc wisscitlä)aslliä)en Vereinigung Dr. Löwenthal erlitt eine Verletzung auf,dem Kopfe. So oft sich ein deutscher Couteursruoent auf dem Graben sehen ließ, verstellte iljnt die Menge den Weg. Es bitoeion sich große riniammtungen, aus deren Mitte die dtufe: „ Stoppe herunter" und „Laut ilm!" ertönten. Die Polizei mußte wiederholt einschreitcn und die deutschen Studenten aus dem Pe^Ahaufen hcraushanen. Auf Weisung des auswärtigen 'AmtcS in Berlin hatte sich der S e k re tü r d e s P ra g er dc u t s ch c n G e nc r al- ko n s u l a t s zu Len Vertt'etcrn der „Freien wissenschaftlichen Vereinigung an den Berliner Hochschulen" begeben, um sich eingehend danach zu cdunc-igen, was st.r Vorgänge sich gestern ereignet iMben und ob tatsächlich reichsdeutsche Studenten angegriffen wor- ieien. Nachdem dies bcjahr worden war, wurde sofort fettens des deutschen Generalkvniulats ein ai,sfühclül)er Bericht an das Auswärtige Amt in Berlin ab gesandt. In den Prager Vororten kam cs eoenfalls zu großen Exzessen. Wiederholt wurden deutsa'x: Passanten ongcgriffen und mlßhan- delt. Vor dem Prager Stattl^altercigebäude sammelte sich eine große Rtengc an. Die Exzedenten schlugen die Fristerjchcwen ein. Die ShinbercbunncH nal/men schließlich einen anti-dyna» stischen ClMrancr an. Tie schwarzgclocn Fahnen wurden von dem Gebäude hernntergcholt uno zerrissen und in die 'JJäilbau geworfen. Der Nlackpnütag vcr.ief verhältnismäßig ruhig, Nach Eintritt 6»cc Dunkelheit kam cs wieder ^u KUiidgcbuugcn olync besondere Zivi sch-en satte. Die Menge beschränkte sich au| Singen von Sx blieb em, Psciscn und Johlen. Am yfleigcn Sonntage erneuerten sich die Ausscl)rcitnngen, bei denen nach a:ntiid)cr Mitteilung ein deulsä-er Eouleursttiocnl durch einen Stockhieb am Kopf verletzt und ein Polizeibeainter durch einen Steimvucf getrosfen wurve. Der Graben wurde wegen Andrang der Mensä-enmengc i.t kurzer Zeit von Militär und Polizeimannschafteu geräumt. Einzelne ixinonsbricrende Trupps wurden von der Polizei auscinanbcrgctrieben. Au^areS. Ein türki sch-s c r u i f u>v s Schutzbündnis. Nach einer Meldung des Daily Telegraph st.ht der Aoschluß eines türkischserbischen Schutzbündnisses bevor. Stonienegw luerx vor^ läufig formell nicht cingcjchlvisen, aber für den Fall emes österreichischen A"grifses 5-itse versichert. D.r österreichiiche Konsul in . .grab empfing , Meldungen von dort üeiiicßclic Instruktionen an alle m : neu wohnenxn ösieeauch.schn Re- seroe-Ofjizierc für ben AkovilnrachungSiäll. Scro.cn rüstet weiter. Die öfterc.ichischn MiiiSr-A-rlstüttcu und die Munitionsfabriken in Ungarn arbeiten in möglttlKer Sl.lle Tag und'Nacht. Bulgarische M i n i ste r k r i s i s. An zustuittiger Stelle wird versiert, Mimfterprnnbcnl Milamuv haue die Demission des Kabinettcs cingerciaji. Fuist Ferdinand huoe noch keine Entscheidung getrosscn. 'JJian niin.nt an, das Kabinett werde vorläufig die Gcschüste weitcrsührcn. Die Revolution in ep a 11 i. Bei Anga Veau erfolgte ein schwerer Zusammenstoß zwischen Revolutionären und Jttgie- rungslruppcn unter btni V.riegsininiftcr Eetcttin, wobei die Re- gierungsttuppcn unterlagen. Provinzial-Nusschuf; Der Provinz Cberbcficit. L. Gießen, 26. Äiovember. Elise Freundlieb Witwe zu Friedberg ist um Er- (aubniS zum Betrieb einer Sch ankio irisch ast im Hause Faucrbacher Straße 9ir. 3 eingenommen. Tiotzdcm die Stadt- ocrordneteN-Borfa.n'.nl'.ing d'c Bcdül'ii'frage verre.nte, erteilte der Krcisausjchuß des Kreises Friedberg die nachgesuchle Sion» zession. 'Auf Veranlassung der Großh. Bürgermeisterei Fried» berg legte der Vorsitzende des SireiSauäschusseS gegen diese Entscheidung Rekurs an den Provmzial-Ausschuß ein, der aber von diesem heute aus joiniellcn Gründen jucud» gewiesen wurde. Die Sache: Faselvieh zu Oden Hausen wurde auf Antrag des Vertietcrs der Gernemde ausgesetzt, um zu einem demnächüigen Termin noch emen Aeteiliglen laden zu können. — Ebenfalls ausgesetzt wurde die Verhandlung übei die Bürgermeister wähl zu 2t u l en die bach, da sich die tziotweiidigkeit der kornmissarifchen Verriehmung einer Zeugin ergab. Aus 5ia0i LasrS. Gießen, 30. 'Jioocmber 1908. ** Tagest a le n der. Wohltätigkeits-Konzert des B a u e r ' i ct> e n G c j a n g v e c c i n s zum Besten c er durch die Nadbodcr Slaiasirophe ui Rttllcibeu>cha't Gczogeiien. iNoutag abend 8 Uhr im Stadttheater. • • Vorn zweiten Hess enprinzen. 21 ni Samstag rourbe folgendes Bulletin ausgegeben: Die Genesung I. K. H. der Frau Großherzogin, sowie die Elitivickckung des Prinzen zeigen bie erfreulichsten Fortschritte. Tr. Happel. • ’ Hofjagb. Sim Fieilag fand, n. d. „Tarmn. Zlg.", in Slmvesenhcit des Großhcrzogs von 10 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags im Kranichsleiner Park Jagd auf Sauen statt. * * Für Rabb ob. Sc. Kgl. Hoh. ber Groß Herzog hat zmn Besten der Verunglückten unb Hinterbliebenen au» Grube Radbob den Betrag von 500 Mark geipenbet unb die Summe an die Sammlung eines Darmstädter Blattes ad- führen lassen. * ♦ Handels i'ammerwahl. Bei der Hanbcls- kammerivahl im Wahlbezirk £ a u ; e r b r. ■: wurde.i die seitherigen Vertreter,.Herrn, nn Dürbeä und Leonhard 5)o o s mit 31 Stimmen einstimmig wiederg.wählt. * * N e u e N e g i e r u u g s b a u m e i st e r. Ernannt wurden die Rcgierungsbauführcr Otto Zang aus Darmstadt, Fricdr. Detter aus Worms, Gust. Ulrich aus Wörlitz, Will). Bach aus Eßlingen, Rud. H o s m a n n aus München, Adols Pfeiffer aus Darmstadt, Günther ,üugcrmei|iembureau offen. Rüddiagshaustu, den 30. November 1908. ggjg Großh. Bürgermeisterei. Braun. 13,6 Kilometer unb auf den Reg.-Bez. Kassel bezw. den Kreis Fraukenberg 5,2 Kilometer. Ein Interessengebiet mit über 100 000 Einwohnern. Abgesehen davon, daß die Bahn den Weg für den Personenverkehr nach Hessen abträgt, kommen die Vorteile besonders für den Güterverkehr in Betracht. Vorläufig verkehren auf der Gesamtstr ecke Bestwig—'Frankenberg vier Züge. Die Baukosten der letzten Strecke dürsten rund 500 000 Mark betragen. Limburg, 28. Nov. Der hier um 7.12 Uhr norm, fällige D - 3ug Berlin — Metz fuhr heute früh bei Grafen eck unterhalb Weilburg in einen Güterzug. Um 7.33 Uhr fuhr ein Hilfszug von hier nach der Unfallstelle, wo festgestellt wurde, daß glücklicherweise Personen nicht verletzt wurden. Dagegen sind mehrere Wagen von bem Güterzuge beschädigt. Mit zweistündiger Verspätung traf der l)-Zug hier etn. Die Ursache des Unfalles dürfte auf den starken Nebel zurückzuführen sein. ’* Darmstadt, 30. Nov. TaS Kriegsgericht verhandelte in einer u t ch t ö s s e n t l i ch e n Sitzung gegen einen Hauptmann, ber auf dem Truppenübungsplatz Mannschaften unb einen Soldaten hin und her geschüttelt hat. Er wurde zu 7 Tagen Stubenarrest verurteilt. R.B. Darmstadt, 28. Nov. Einer großen Zahl von Straftaten hatte sich ber 40 jährige Rechtsanwalt unb Notar Link aus Dieburg schuldig gemacht, ber heute vor ber Strafkammer stand. Als er im Jahre 1896 eine arme Jugendliebe heiratete unb sich in N idda als Rechtsanwalt niederließ, brachte er bereits eine Schuldenlast von 18 000 Mark mit. Das junge Ehepaar verstand auch nicht, sparsamen Haushalt zu führen, denn trotz einer durchschnittlichen Jahrcscinriahme von 5000 Mark war Links Schuldenlast, als er am 1. Oktober 1905 seine Praxis nach Dieburg verlegte unb ihm das Notariat übertragen wurde auf 40 000 Aiark angewachsen. Um sich au# der Verlegenheit zu helfen, begann ber Angeklagte nach feinem eigenen Geständnis im De-ember desselben Jahres seine Straftaten, die eine ununterbrochene Kette von Verbrechen bildeten und erst mit seiner Verhaftung im Februar 1908 ihren Abschluß farmen. Die schlimmsten Vergehen ließ er sich in seiner amtlichen Eigenschaft als 9iotar zuschulden kommen: er unterschlug die ihm anbertrauten Depots, behielt die von ihm cing exogenen Hypothekengelber für sich, machte falsche Beurlünbungen über unterschlagene Stempelgebühven, unterschlug als Konkursverwalter unb Testamentsvollstrecker zahlreiche Betröge und wanbte überhaupt bie raffiniertesten Schwindeleien an, um in den Besitz vieler Gelder tzu gelangen. Trotzdem der Angeklagte nach eigener Angabe ein Einkommen von 7000—8000 Mark im Jahre in Dieburg hatte, brachte er das Kunststück fertig, feine Schuldenlast während feines dreijährigen Aufenthaltes daselbst von 40 000 auf 80 000 Mark .zu erhöhen. Die Gesamtsumme ber Unterschlagungen beziffert sich gleichfalls auf ca. 4OOÜOMk. unb er hat in etwa 40 Fällen kleine Arbeiterfamilien unb Landleute in Nieder-Roben, Gnnbernhausen, Dieburg usw. meist an den Ruin gebracht. Wie der Konkursverwalter mitteilte, verbleiben an Aktiven nur ein Paar Tausend Mark, so daß die armen Gläubiger höchstens 5 Prozent aus der Masse'erhalten werben. Ans welche Weise bas Linksche Ehepaar die großen Summen durchgebracht hat, ist in der langen Verhandlung nicht völlig aufgeklärt worden. Es bat 'toar gut gelebt und häufiger kleine Reisen gemacht, aber nach bell Zeugenaussagen keinen besonderen Aufwand getrieben. Ter Vertreter ber Anklage, -Oberstaatsanwalt v. Hessert, beantragte in Rücksicht auf die hohen Summen, bie Gemeinheit ber .Handlungsweise, ber zahlreichen Urkundenfälschungen unb der vielen geschädigten ExishciHen eine Gesamtstrafe von 6 Jahren 4 flJionatcn Gefängnis unb 5 Jahre Ehrverlust. Das Urteil lautete auf 4 Jahre Gefängnis, abzüglich 6 Monat für Untersuchungshaft unb ZJahreEhrverlust. Der Angeklagte nahm das Urteil sofort an. Spenden für Radbod. Die Sammlung des Gießener Anzeigers: Bisher quittiert: 1835.15 Alk., Z. Haubach, Hotel Kühne 5.—, von Lehrer Becker, Sammlung in Holzheim 62.25, Hch. Jhring jun., Braneietbcsitzer in Lich 50.—, M. K. 1.—, O. H. 1.—. Zusammen 1954.49 Mk.______________ Lnslschiffahrt. Der Parsevalballon hat am Samstag mittag seine vierte Probefahrt vom Tegeler Schießplatz bei Berlin angetreten; sie gilt diesmal ber Fahrgeschwindigkeit. Das Luftschiff umkreiste den Platz, um bann bie Richtung nach Spanbau einzuschlagen. Um 2 Uhr 40 Min. kam er zurück unb landete dort glatt gegen 3 Uhr. Der Lenkballon ,Ville de Paris" machte mit vier Insassen in Verdun einen Aufstieg über das Maastal. Er manövrierte zunächst anderthalb Stunden unb nahm bann in einer Höhe von etwa 1000 Metern unter kriegsmäßigen Be- bingungen eine Erkunbung des Lagers von Verdun vor, die zwei Stunden dauerte. Ei» neues Grubenunglück. Aus der Zeche Marianna in Pennsylvanien iiub 250 Bergleute infolge einer Gruben-Explosion im Kohlenbergwerk eingeschlossen. Die Grube ift in Brand geraten. Tie Rettung?crrbeiten, an denen 500 Mann tätig find, stoßen auf große Schwierigkeiten, da allenthalben Trümmer den Zugang zur Zeche versperren. Ja der Nähe des Schachtcinganges wurden unter den Trümmern zahl,, reiche Leichentelle gefunden. Ter Inspektor ber Grube erklärte, daß tvenig Hoffnung vorhanden fei, von den Eingeschlossenen auch nur einen zu retten. — Wegen der großen Hitze gehen die Rettungsarbeiten nur langsam vorwärts. Die Be> Hörden schätzen die Zahl der Eingeschlossenen auf 270 bis 280. Bisher wurde nur einer lebend gerettet. 125 Leichen sind zutage gefordert. Die meisten der Opfer sind Italiener. Die Urfache der Katastrophe ift noch unbekannt. Kleine TagcSchrontk. Die Zeche Raooo c ist il..ii uauiuiiüig unter Wasser gesetzt worden. Die Oberfläche steht 500 Meter unter Tage, das ist 200 Meter über der oberen Sohle. Die Aktiengesellschaft Arthur Koppel in Ber. lin teilt mit, daß sich die U n t c r s ch l a g u n g e n des Buch. Halters Kluge auf 401121 Mark belaufen. Eine Revision ber Moskauer Stadthauptmann, schäft förderte haarsträubende Uebelstände zutage. Gegen den früheren Moskauer Stadthaupt mann General- major Reinbot wurde das Kriminalverfahren anhängig gc, macht wegen Drohung, Erprefsung, Dokumenten, f ä l s ch u n g und Willkür. In Odessa schlug ein Schutzmann auf offener Straße eint Frau. Zwei vorübergehende Offiziere stellten ihn deswegen zur Siebe, worauf ber Schutzmann beide Offiziere erschoß, ebenso einen Zollbeamten, der ihn beruhigen wollte. Spielplan der vereinigten granffurter Siadtthealer. typeniqaus. Montag den 30. Nov., abends halb 8 Uhr: „Die luftige Witwe.* Dienstag den 1. Dez., abends 7 Uhr: „Die Judin." Schauspielhaus. ; Montag den 30. Nov.: „Was ihr wollt." Dienstag den 2. Dez. „Hamlet/ Awang jedeSmal abends 7 Uhr. Markte. fc. Frankfurt a. M., 3U. 9iov. (Orig.-Telegr. des „Gieß Anz?) Änuliche9!otlerungen bei heutigen Fruchtmarktpreise. Weizen Alk. 20 00—20.50, Kurhessischer Mk. 20.25—20.50, La Plata Mk. “3.60—24.75, Kansas 9)if. 23.00—23.50, Roggen (hiesiger) Alk. 17.75—18.00 Gerste (Wetterauer) Alk. 20.50—21.75, ^raufen- selber Mt. 20.75—21.75, Hafer 16.00—17,50, Alais Mk. 17.75—18.00. Weizenmehl Alk. 31.50—32.00, 00—00, 2. Qualität Alk. 30.50 bis Kik. 31.00, 3. Qualität Pik. 29.00—30.25, 9ioggenmehl g Mk. 27.75—^8.00,1.Qualität Pik. 26.75—27.00, Weizenkle'ie Pik. 10.50 bis Pik. 10.75, Iioggenkleie Pik. 11.00—11.25, Mcnskeime Pik. 13.00 bis Pik. 13.25, Franken, Pfälzer, Ried Pik.00.00—00.00. 2llles per 100 Kg. ad hier. !c. Frankfurt a. M., 30. Nov. (Telegr. Orig. - Bericht bei „Gieß. Anz.".) Llrntlichc 9?oticrungcn der heutigen Vieh in arkl- p reif 8. Zum Verkaufe standen: 417 Ochsen, 85 ans Oesterreich 44 Bullen, 0 auSOcstcrreich, 915Kühe, Fersen, Stiere unb Wntber; 334 Kalber, 4 ü3 Schaie unb Hammel, 1688 Schweine, 00 Ziegen, 0 Ziegenlämmer, 00 Schwlcimmer. Bezahlt wurden für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen: 1. Qualität 60-00 Pik., 2. Qualität 73—74 Pik., 3. Qualität 60—63 Mk.; Bullen: 1. Qual. 66—63, 2. Qual. 62-64; Kühe 1. Qualität 68-70 Pik., 2. Qual. 60—62 Pik., 3. Qual. 48—50 Pik., 4. Qual. 00—00 Pik., 5. Qual. 00—00 Mk. Bezahlt wurden für bas Pfund Schlachtgewicht : Kälber 1. Qualität 92 bis 95 Psg., Lebeiidgewicht 55—56 Pfg., 2. Qualität 82—90 Psg., Lebendgewicht 48-52 Psg., Schlachtgew. 70—00 Psg.; Schafe: 1, Qual. Schlachtgem. 70 bid 72 Pfg., 2. Qual. 50—54 Pfg. Schweine: 1. Qual. 71—72 Pf., Lebendgewicht 56,5—00 Pf., 2. Qual. 69—70 Pi., Lebendgewicht 55,5—56,5 Pfg., 3. Qu al. 65—00 Pfg., Lebeiidgcivicht 00—uO Pfg. Geschält bei Hornvieh gedrückt, bei Kleinvieh unbedeulend. Boi nnssichtlichc Witterung für Hessen am Dienstag den 1. Dezember: Nebel, Trocken. Temperatur wie heute. Meist windstill. OrrginaL-DrerhtmeLdungen. Laibach, 3J. Nov. Ti.' stoweiuicyen Vereine KrainS beschlosjen, nach den Vorgängen in Prag auch in Laibach keinerlei deutsche Aufzüge und deutsche Versammlungen mehr zu dulden und mit dem Recht der Maforität unmöglich zu machen. Paris, 30. sJ(od. „Parisien" schreibt zu der Nachricht, daß zwischen Italien und Rußland ein Abkommen über den Balkan getroffen sei, es halte allerdings ein Meinungsaustausch stattgefunden unb beibc Mächte feien gewillt, für Niontenegro unb Serbien einzutreten, aber ein regelmäßiger Vertrag sei nicht abgeschlossen worben, ba Rußland sonst Frankreich, seinen Verbänbeten, davon verständigt hätte. Konstantinopel, 30. )cov. Tas Ko m i te e b er Bal- kanstaaten will in Verbindung mü den Jungtürken einen Bund ber kleineren Baltanstaatcn ins Leben rufen. Newyork, 30. Nov. Es verlautet, daß die Anregung zu den Verhandlungen zwischen Amerika und Japan von Japan ausgegangen seien und daß Emgland diesem Vorgehen nicht fern stehe. HheiinNcnes - 1,11 “ ■ Wl ~ Technikum Eingen Welte-Mignon Reprodyktions-Piano Preis: Mk. 3000.— NotenroHen von 6 bis 50 Mk. Das Piano gibt die Vorträge der ersten Künstler wie Engen d Albert, Busoni, Carreno, Grünfcld, K’adcrenski, Kelsenaner, Sauer etc. etc. in vollendet täuschender Weise wieder. Vorführung des Pianos täglich in meinem Klavierlager. Programm in dieser Woche: 1. Bach, Präludium u. Fuge G-moll . Raoufp^tguo V°n' 2. Beethoven, op. 13, Sonate path6tiqxie L Satz.....Fröderic Lamond 3. Schumann, Variationen F-moll über ein Thema v. Clara Wieck . Annette Essipoff 4. Brahms. Lngar. Tanz Nr. 1 . . . Prof. A. Nikisch ;>. Grieg, Aus Peer Gynt.....Olga Samaroff 6. Liszt, 10. Rhapsodie......J. J. Paderewski Zum Besnchc lade ich verehr!. Interessenten höfl. ein Kudoäph Hoflieferant GIESSEN Seltersweg 01. Bekttttrrtmachrrng. Der Voranschlag der Gemeinde Ruttcrshäuscn für daS Rechnungsjahr 1909 liegt vom 2. Dezember an 8 Tage lang zur Einsicht der Interessenten auf *dem Amtszimmer unterzeichneter Bürgermeisterei offen. Ruttershausen, den 28. November 1908. Großh. Bürgermeisterei Ruttershausen. 6857 Klinket. Familie neibertsbausen. Lollar, den 30. November 1908. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahnie bei dein Hinscheiden unserer Liebsten sagen tiefgefühlten Dank [6856 Danksagung. Felix Mottl «chreibt: Die „Welte-Mi#monu ist eine < unbedingt, geniale Erfindung und hat einen hoben künstle- I rischen W eit. Ich habe selten eine so schöne und trendige L'cberraschung erlebt, wie heute, wo ich dieses prächtige 5 Instrument kennen gelernt habe. i_________________________________________________________________________________ Colosseum Giessen Tclcvbon 641 Ihv»/ ttassel wenden. schlafen ist. Giessen (Riegelpfad 18a), den 28. November 1908. (09836 Es ladet ergebens! ein MWMM-iliMSil am v">/ Bad-Nauheim, den 28. November 1908. ToiaiMusvSikaüi 5 Zimmei Em braves Dienstmädchen 4 Zimmer Alle Herren ‘2 Zimmer | Verschiedene | Xovllät! Novität! Phil. Weiler. [b\, NurförWiederverkäuferl MuWvürclfv DMMiMMes WkWWWe (Offene Strllfii y-räulcni Strack, Ludwigstr. 44 sucht 09ö33 Die trauernden Hinterbliebenen Familie Heinrich Schneider io wie xu haben bei den durch Plakate kenntlichen Verkaufsstellen. Wiederverkäufer gesucht. Kaffee! Hervorrag. rein schmeckende Lorten v. 1.00 bis 1.80 Mk. Bei 8 Gutscheinen 1 ‘4>funb 5906 Würfelzucker bei 20 Gutscheinen */i Pfund Kaffee «ar gratis, n» t Steinhäuser, yieucn Baue 17. SelterSwea 27. Schwarzer Gehrock-2ln,ug, weine Weite u. Turnhose obAu- geben. Steinslrahe 88, II. [09813 Mehrere Mädchen suchen Stelle für sojort. 09833 Frau Derr, Sonnenstr. 6 A. R&ppmann, Dir, u.7)nb. d. verein. Keto>scuin-Tbeaier Fraiikfurt a M. u. Gietzen. .'ü-b.jnng. Gklqättsiiur^e (Radfahrer) gesucht. [6863 o. M. Schuwoi, Marktür. 4. Ziehung am 3.-5. Dezember 1908 In Giessen: Rich. Buchacker, F< itr Flimm. Köuigl. Preuss Lott.-Einn., J. Dany, Paul Müller, Wilh. Semmler, Todcs-Anzelge. Gestern nachmittag verschied nach kurzem, mit Geduld ertragenen Leiden meine geliebte Gattin, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester und Tante Fm Elisabeths Lotz, geb. Mr im Alter von 69 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen Familie Lotz. Wieseck, den 30. November 1908. Die Beerdigung findet Dienstag den 1. Dezember, nachmittags 3 Uhr statt. 16872 Kuchen, Torten u. f. w. täglich frisch. (6770 Gemütliche Kaffezimmcr. Ä.Salomon&Cie. Kalender. 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Dortrag von Herrn Dr. Strecker aus Bad-Nauheim: „Wie kommen wir Männer znr Forderung des Frauenstimmrechts?" D"/“ Mittwoch den 2. Dez. 1908, abend» 8 Uhr im H-t-l Großherzog von Hessen.__________________Eintritt frei. _ ^ec ^iadtauflage der heutigen Nummer liegt ein Prospekt über zusammenlegbare Kuchen- l«nd -£iocfen|iänöec von Heinrich Schön, Gieße« Liebigstraße bo bei. 0664