Nr. 77 Zweites Blatt Erscheint tSglkch mit Ausnahme des Sonntags. Die „Gießener Lamklienblätter" werden dem ^Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Xj „Ureisb'att fflr den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal. Deutscher Neschstag. Abendsitzung vom 30. März. In der fortgesetzten dritten Beratung des Etats beschwert sich beim Etat des Neichsjusti; Verwaltung Zu b eil (Soz.) über gesundheitsschädliche Beschäftigung der Strafgefangenen in den Zuchthäusern und Gefängnissen. . Staatssekretär N i e b c r d i n g vermach- den Beschwerden ncuWigehcn. Auch- auf die Gesundheit i>,r Strafgefangenen müsse Rücksicht genommen.werden. Wölzl (Natl.) pflichtete Roeren bei, der im preußischen Abgeordnctenhause mit der Verurteilung des Schmutzes in Wort und Bild durchaus das Richtige getroffen' hätte. Eine gesetzliche Regelung der Pro.stitutionsfragc dürfe nicht länger hinausgeschoben werden. Roeren (Ztr.) polemisierte gegen Müller-Meiningen. Deutschland marschiere tatsächlich leider an der Spitze der pornographischen Jndusttie. Müller von der Werra mit Müller-Meiningen in eine Parllele zu setzen, sei ihm nickst eingefallen. Wenn letzterer das behauptete, so erkenne man daran seine übergroße Bescheidenheit. Das heutige «Zitat Müller- Meiningen hätte ihn ebenfalls zu dem Verse begeistert: Wer andre tut verklatschen. Der setzt sich in die Patschen, Drum, lieber Dichter Müller, Sei für die Zukunft stiller! (Schallende andauernde Heiterkeit.) Müller-Meiningen (freis. wandte sich gegen Roeven, der nicht einen her vvrgerwachten Fälle hätte toib:.:?gcn Vnnen. Von Roeren würde er sich über Sittlichkeit und Unsitt- lichtkeit nicht belehren lassen. In dem Gedicht Roerens werde er der Denunziation geziehen. Er freue sich, daß die „Germania" ihn verklagt habe. Er Ijabc Gröber nicht bei der Presse denunziert. Er erkläre jeden, der ihn der Denunziation beschuldige, für einen Verleumder und Ehrabschneider. Er sei bereit, dies jeder Zeit außerhalb des Hauses zu widerlegen. Redner schloß: Herr Roeren vom Rhein Träumt nur noch vvm Schwein, nur immer vom Schwein, Das ist ja ein Gvaus, Das hält ja der beste Magen nicht aus. (Lebhafte Heiterkeit.) Roeren (Ztr.) bemerkte, daß Müller-Meiningen schon wiederan sein Wiesbadener Saugedicht angeknüpft hätte. ^Stürmische Heiterkeit.) Bei den Ausgaben für das Reichsgericht bestieg Stadthagen (Sozd.- unter lautem Halloh der Abgeordneten die Rednertribüne und kam auf den Fall Liebknecht zurück. Solche Bluturteile seien nur möglich,'weil nur politisch zuverlässige Richter berufen würden. Staatssekretär Nieberding erklärte, daß während seiner 15 jährigen Amtsführung niemals ein Richter bei der Berufung an das Reichsgericht nach der politischen Gesinnung gefragt worden sei. Er weise die Vorwürfe Stadthagens entschieden zurück. (Lebhafter Beifall.) Darauf wurde der Etat der Reichsjustizverwaltung bewilligt, ebenso, ohne Debatte, Reichsschatzamt, Schutzgebiete, Gesetz über den Haushalt der Schutzgebiete. Bei dem Etat Reichsbolonialamt kam v. Treuenfels (Kvni.) auf die Rede Eichhorns in der zweiten Lesung zurück, der ihm glatte Unwahrheit vorgeworfen hätte, weil er gesagt habe, daß die Sozialdemokratie die deutschen Truppen in Süd-Westafrika beschimpft hätte. Er verweise nur auf die zahlreichen Verurteilungen sozialdemokratischer Redakteure wegen Beschim- fung der Truppen. Eichhor - Soz.) bleibt dabei, daß die Soldaten nicht be- lchimpst wor. seien. Die Gerichtsurteile seien feine Beweise. (Lachen recht.'. - Der Emk des Reichskolonialamts wurde bewilligt, ebenso, ohne Teb- ?, Reichseisenbahnamt, Rechnungshof, Allgemeiner Pen- sionsfondReichsinvalidenfonds. Vc.m Poflxtat lag ein Antrag der konservativen Parteien besetz Gewähriung der Ostmarkenzülage an die Post- und £ele= graph:nbeamten vor. Singer (Sozd.) und Schultz (Rpt.) baten, diese wichtige vrage heute abzusetzen und sie bis morgen zu vertagen. Tas Haus beschloß mit großer Mehrheit die Absetzung. Hus (Sozd.) bemängelte den schlechten Telephonverkehr nach Berlin und ferner die geringe Höhe des Wohnungsgeldzuschusses m den Jndustriebezirken. Weiter sprachen Giesberts (Ztr.) und Staatssekretär !drätke mit Bezug auf die Teilung des Düsseldorfer Bezirks, ebenso Linz (8ipt.). Staatssekretär Krütke erwiderte weiterhin dem Abgeordneten Linz, der bemängelt hatte, daß bei der Auflieferung über» seepcher Güter jeder urkundliche Nachweis fehle; ein Verlust sei tatsächlich sehr selten. m (Wirtsch. Vgg.) bedauerte, daß die Verwaltung das oullge Ortsporto nicht wieder eingeführt habe. Nach weiterer unwesentlicher Debatte brachte Zubeil (Sozd.) erneut der Fall der Entlassung des Post- nnterbeamten in (Sabinen zur Sprache und behauptete, daß der Staalsselretär das Recht gebeugt habe. Präsident Graf Stolberg erklärte diese Bemerkung für unzulässig. Der Etat wurde bewilligt, ebenso der Etat der Neichsdruckerei, NeichsLisenbahnen, Expeditionen nach Ostasien. Beim Hauptetat verwahrte sich Rösicke (Kons.) gegen den Vorwurf Südekums, daß er me Angelegenheit des Brarmtweinsteuergesetzes von der Kvm- unision bis zum St. Nimmersmehrstage hinausschieben wolle. Nach einer kurzen Bemerkung von Arnsberg (Ztr.) wurde der übrige Hauptetat be- «nlügt. Beim Etatsgesetz trat sRr'??'?'erniailn (Natl.) für die Freizügigkeit der Noten der ^rrvatnotenbanken, besonders int Interesse der süddeutschen Notenbanken, ein. ÖU hrul^e genehmigt. Schließlich wurde in der qomtabftinwiuns der Etat int ganzen gegen die Stimmen der ^lawemotraten und Polen angenommen. (Damit ist die Etats- D;e Affäre hrll. Seit einigen Tagen liest man in den Zeitungen von der Affäre Hill, dem neuesten politischen Klatsch. Wir haben bisher hiervon keine Notiz genommen, weil die Sache zu un» geklärt war und die Nachrichten widersprechend lauteten; die Begleiterscheinungen aber, die sich im Verlaufe dieser An- gelegenheit entwickelten, sind doch so typisch, daß sie eine Kritik herausfordern. Welche offiziöse Aufklärung auch der Sache gegeben werden mag, das eine ist klar, daß hierbei ähnlich wie bei der Tweedmouth.Affäre, mit welcher der neueste Zwischenfall auch sonst eine gewisse Aehnlichkeit Hat, einflußreiche Persönlichkeiten hinter den Kulissen die Drähte gezogen haben, um dabei ihre Feindschaft gegen Deutschland zu betätigen. Der diplomatische Brauch bestimmt bekanntlich, daß bei der Ernennung von Botschaftern und Gesandten erst vorher bei der betr. Negierung vertraulich angefragt wird, ob der vorgeschlagene Kandidat auch genehm ist, ja man präsentiert oft mehrere Diplomaten, sodaß dann die fremde Regierung den ihr geeignet Erscheinenden sich wählen kann. Es kommt dabei natürlich auch nicht allzu selten vor, daß, wenn nur eine Persönlichkeit vorgeschlagen ist, diese als nicht genehm abgelehnt wird, ohne daß der betreffende Staat oder die vorgeschlagene Persönlichkeit irgendwie darin eine Beleidigung erblicken; handelt es sich doch hierbei meist nicht um die persönlichen Eigenschaften des Betreffenden, als vielmehr um feine politische Gesinnung, wie man beispielsweise vor einiger Zeit in Wi-m Hrn. Deleaffße und Teschanel wegen ihrer ausgesprochenen Dreibundfeindlichkeit abgelchnt hat, ohne daß sich an her Seine auch nur eine einzige verärgerte Stimme erhoben hätte. Herr Hill war von Deutschland akzeptiert worden, hinterher sollen aber Bedenken aufgetreten fein; nach dem üblichen Brauche läge jedoch darin absolut kein unfreundlicher Akt, zumal ja die offizielle Nominierung des Genannten noch in ziemlich weitem Felde stand. DurchJndiskretion dringt etivas von der Angelegenheit in die Oeffentlichkeit und sofort find liebe Freunde dabei, aus der Mücke einen Elephanten zu machen. Man weiß ja, daß die deutschfreundliche Politik Rosevelts gar vielen Leuten in der Union ein Dorn im 2(uge ist, und für diesen war die ganze Affäre, wie man zu sagen pflegt, ein gefundenes Fressen. Sofort sprach man von einer schweren Beleidigung der Bereinigten Staaten lind suchte alles mögliche anzustellen, um die „Volksseele" zum „Kochen" zu bringen. Und nicht vergebens, denn in Dingen, die an die nationale Ehre gehen, versteht der Pankee keinen Spaß, das hat man im Verlaufe der Differenzen mitjIa- pan zur Genüge gesehen. Zweifellos wird eine Verstimmung zwischen Deutschland und Amerika Zurückbleiben, so befriedigend auch die Lösung deZ Zwischenfalles sein mag; die Hetzer waren zu eifrig an der Arbeit, und das war wohl auch in der Hauptsache der Zweck der ganzen Uebung. Nach der „Post" legt man an amtlichen Stellen in Berlin Wert darauf, fesizustellen, daß die „Daily Mail" von deutscher Seite keinerlei Autorisation erhalten hat, eine Erklärung in Sachen Hill zu veröffentlichen. Nach der „Norddeutsch. Allgem. Ztg." ist der deutsche Botschafter in Washington am Sonntag ermächtigt worden dein Präsidenten Roosevelt folgende Erklärung abzugeben: Die bisherigen Darstellungen des Falles Hill in der ausländischen Presse gehen von der irrigen Auffassung aus, daß man in Berlin beabsichtige, das bereits im vorigen Herbst erteilte Agrement für Hill zu widerrufen. Hieran fei niemals gedacht worden. Nachträglich waren allerdings Zweifel darüber entstanden, ob Hill auf dem Berliner Posten sich wohl fühlen werde. Diese-Zweifel sind jedoch behoben worden, so daß einer Entsendung (Hills auf den Berliner Botschafterposten durchaus nichts im Wege stehe. Er ist nach ivie vor, ebenfo wie jeder andere einwandfreie Vertreter, den Roosevelt empfohlen hätte, in Berlin willkommen. Es kann nur bestätigt werden, daß der Botschafter Tower in dieser Angelegenheit in keinem Augenblick von der Linie eines streng loyalen, korrekten Verhaltens gegenüber seiner und derjenigen der kaiserlichen Negierung abgewichen. Abreise des Kaiferpaares von Venedig. Einen ganz unerwarteten Besuch hat der deutsche Kaiser gestern noch kurz vor seiner Abreise von Venedig bekommen. Vormittags um 10 Uhr erschien Fürst Nicolaus von Montenegro an Bord der „Hohenzollern". Er war von Petersburg, wohin er sich am 27. März begeben hatte, direkt nach Triest gefahren und von dort nach Venedig. Der Kaiser begrüßte ihn mit großer Herzlichkeit und blieb 20 Minuten mit ihm allein. Dann stellte er den Fürsten seiner Familie vor. Der Fürst verließ die Kaiserliche Jacht um 11 Uhr. Bei der gestrigen Abreise des Kaiserpaares um 2 Uhr nachmittags war die Riva degli Schiavoni von Menschen umlagert, die jubelnd Hüte und Tücher schwenkten und unermüdlich Hochrufe ausbrachten. Die Hauser und Paläste waren in den Nationalfarben geflaggt. Die Goiidclii der Aristokratie umgaben die kaiserliche Jacht. Der Bürgermeister mit dem Gemeindeausschuß, die Gräfin Morosini und der deutsche Konsul Rechsteiner waren erschienen, um den Kaiser bei der Abfahrt zu begrüßen. Der Kaiser salutierte von dem Verdeck der jubelnden Menge zulächelnd. Die Kaiserin und die Prinzessin winkten mit Tüchern. Von den italienischen und deutschen Kriegsschiffen wurden Salittschüsse abgefeuert. Der Donner der Geschütze scheuchte die Markustaubcn auf, die in dichten Schwärmen hin und her flogen. Die deutsche Vereinigung Venedigs gab dem Kaiser noch ein Stück Wegs das Geleit auf einem beflaggten Dampfer. Zwei Schiffe der englischen Mittel- me er flotte sind unterwegs, um den Kaiser in Korfu Dienstag 31. März 1908 i. M Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schsn UnioersitätS - Buch- und ©tembructerei, R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e=^5L Redaktion: ^^112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen- du begrüßen. Dagegen erwartet man entgegen früheren Nachrichten keine österreichischen Kriegsschiffe. Fürst Bülow in Wien. Reichskanzler Fürst Bülow wurde gestern mittag vom Kaiser Franz Josef in ^stündiger Audienz empfangen und unternahm nachmittags in Begleitung des deutschen Botschafters eine Spazierfahrt nach dem Prater. Abends soupierte der Kanzler beim bayerischen Gesandten und um 9.4O Uhr trat er mit der Nordwestbahn die Rückreise nach Berlin an. Viel bemerkt wird, daß bei dem gestrigen Diner im Ministerium des Aeußcrcn als einziger fremder Diplomat der italienische Botschafter Herzog Avarns eingeladen ivcir. In Regieruttgskreisen verlautet, daß sowohl bei der Konferenz mit Aehrcnthal als auch beim Diner die Aussprache eine völlige Uebereinstimmung in allen grundlegenden Fragen der auswärtigen Politik ergeben hat. Fürst Bülow trat bei dem gestrigen Diner auch mit dem Ministerpräsidenten Beck und Wekerle in Fühlung. Die Beamten tinb das Publikum. Von einem Freunde der „Voss. Ztg." wird geschrieben: Bet der Debatte int Abgeordnetenhause über die Höflichkeit der Be^ amtetr im Verkehr mit dem Publikum wurde von mehreren Rednern auf französische Gepflogenheiten hingewiesen. Ich halte mich seit langen Jahren viel in Frankreich auf und bin des öftern auft Angenehmste von der großen Liebenswürdigkeit und Dienstwillig- kett der Beamten aller Rangstufen und von den feinen, verbind" ltchen Formen des schriftlichen Verkehrs mit dem Publikum be- rührt worden. Die Beamtenschaft ist dort offenbar bestrebt, dem Volkern der Höflichkeit und Artigkeit ein Vorbild zu fein. Abet das i|t nicht nur bei den Franzofen so, ähnliches findet man aua) bei unseren englischen Vettern. Die Grobheit ist also feint Eigentümlichkeit des ganzen Germanentums. Ich bin mit engl Freunden an deutschen Unternehmungen beteiligt, da erhalten wir öfters Zuschriften von deutschen Behörden. Anfangs waren dis Ausländer entsetzt über die offenbare Geflissentlichkeit, mit welcher l.eder Ausdruck der Achtung vermieden wird und konnten nicht fassen, daß man sich bei uns einen solchen Kommandoton gefallen lasse. Jetzt amüsieren sie sich nur noch darüber, was für mich noch beschämender^ ist. In England Beginnen alle Beamten, einschließlich der Staatsminister, jeden amtlichen Brief an einen Bürger mit „Mein Herr" oder „Gnädige Frau" und fchließen ihn „Ich verbleibe, mein Herr (gnädige Frau>, Ihr gehorsamen Dtener . . ." Wir würden in Deutschland mit weniger zufrieden sein, aber etwas sollte endlich geschehen. Berlin, 30. März. Tas Preußische H er r e n h a u ä hat heute in sechsstündiger Sitzung die Etat-Berätting fortgesetzt und eine Reihe von Etats erledigt. Morgen Weilerberätung. — Henke mittag sand eine K o n s e r e n z d e r p r e n ß i s ch e n R e s s o r t min i fi er statt, in der die Frage des Schlusses der LaudtagSsessiou erörtert wurde. Wie verlautet, beabsichtigt die Regierung, den Landtag v or Oste rn, etwa am 9. Aprt zu schließen. Deretsches Reich. München, 30. März. Der Besuch der deutschen Fürsten in Wien zum Negiernngsjubiläum des Kaisers Franz Joses findet nunmehr, wie aus jetzt zugegebenen Verhandlungen zwischen den deutschen Höfen hcruorgeijt, bestimmt statt. ES heißt, daß 16 deutsche regierende Fürsten mit Kaiser Wilhelm an der Spitze dem greisen Btindesgenosseit Tentschlands ihre Reverenz erweisen werden. Um zeremoniellen Schwierigkeiten zu begegnen, oll der Besuch einen völlig familiären Charakter tragen, so daß damit atich jede Strapaze für Kaiser Franz Joses in Wegfall kommt. Aus der Sastwttte-Aussteiiuiig. Die Ausstellung, die andauernd bet Laien ujtb in Fachkreisen großes Interesse erregt, bietet so viel des Schönen und Lemertens- toerten, daß es nicht möglich ist, auf einmal alles genügend zu besichtigen. Es sei daher im nachstehenden auf eine Anzahl der Ausstellungsobjekte etngegangcn, ohne durch die Reihenfolge, die ganz ohne Absicht gewählt ist, dem Urteil des Preisgerichts vorgreisen zu wollen. Zunächst seien die Arbeiten der auf praktisch-hauswirtschaftliche Ziele gerichteten Bestrebuugeit mehrerer gemeinnütziger Jnstüutt genannt, die die Ausstellung benutzt haben, um ihre Bestreu düngen größeren Kreisen vor Augen zu führen. Die K o ch s ch u l s der hiesigen A l i c e s ch u l e hat eine vollständige Küche eingerichtet, in der eine Anzahl nett gekleideter Kochschüler innen unter sachverständiger Anleitung täglich ein Mittagessen für Ausstcllungs- besucher bereitet. Außerdem bieten sie Frühstücksfchüsseln, belegte Brote usw., alles nett und appetitlich, sowie Eingemachtes. Die K r e i s h a u s h a l t u n g s s ch u l e des Kreises Friedberg zeigt vorwiegend sogen, praktische Schüsseln, während die des Kreises Gießen besonders täglich hccgestellte Braten, Salate, Torten, Brote, Nudeln, Eingemachtes usw. zeigt. Eine hervorragende Ausstellung hat unser einheimisches Nahrungsmittelgewerbe zusammengebracht. Nebeneinander finöen wir die Ausstellungen von Ernst Ludwig Sack, der feine Fleisch- und Wurstwarctt in großer Auswahl und in fehr appetitlicher Ausmachung vorführt, und Friedrich Schreiner, der wohl sämtliche Produkte des Metzgereigewerbes in wahren Prachtstücken vor Augen führt, bis zunt Ochfenntaulfalat. Beide Aussteller haben in der Zubereitung und Auswahl der Ausstellungsobjekte ganz Außerordentliches geleistet und in der geschmackvollen Anordnung und Verzierung der Waren gezeigt, daß auch bei der Metzgerei die Kunst ihren Einzug gehalten hat. In ihrer Nähe hat Bäckermeister Fritz Schreiner die verschiedensten Backwaren zur Schau gestellt, wohl zwei Meter lange Brote, Brötchen, Zwieback verschiedener Art usw. Weiter finden wir eine recht umfangreiche Sammlung von Konfervert allerlei Art, lebenden und frischen Fischen, Krebsen usw., die die Firma I. M. ^chulhos mit großem Fleiß zusantmcngesügt hat. In der Nähe ist in einem freundlich ausiehenden Häuschen eine vollständige Kühlanlage, System Litt, untcrgebracht, dte von der Firma Frankfurter Kühl- und Gefrier-Anlagen G. m. b. H. ausgestellt ist. Die interessante Anlage erregt namentlich bei den Fachleuten viel Auftncrlfamkeit, aber auch der Laie nimmt gern die Gelegenheit wahr, sich von dieser mobernen technischen Errungenschaft ein rtchtigeö Bild machen zu können. Tie Anlage ist in ständigem Betrieb, die darin aufvewahrten Waren rühren von E. L. Sack her. Sie befinden sich in der Kühlanlage in einer -Temperatur von 1—5 Grad. Durch die sinnreiche Luft- zirkulatton hängen die Waren in reiner, trockener Luft und erfordern zur Frischhaltung nur geringen Eisverbrauch. Daneben finden wir Beerenweine, Saft, Beerenweinsekte ustv., die bie bekannte Frankfurter Firma Fromm ausgestellt hat. Es sind durchweg angenehm mundende Getränke, imd namentlich I. Hafer (- 1) (- 5) (+ 3) VermißchSes. • Ein neuer Hau-Prozeß in Sicht. Die Verwandten des zum Tode verurteilten und dann zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigten Dr. jur. Karl Hau hoffen, in Kurze ein Wiederaufnahmeverfahren des Hau-Prozesses durchzusetzen und wollen vor allen Dingen den Verkehr zwischen Hau und Olga Molitor in dem zweiten Prozeß völlig auf- klären. Zurzeit werden in Oldenburg auf Veranlassung der Oberstaatsanwaltschaft Karlsruhe Erhebungen darüber angestellt, wie und in welchem Sinne sich Frau Lina Hau während ihrer Anwesenheit in Oldenburg über ihre Schwester Olga Molitor und über deren Beziehungen zu ihrem Manne ausgelassen hat. Frau Lina Hau weilte in Oldenburg kurz vor ihrem freiwilligen Tode, den sie im Züricher See fand, bei einer ihr befreundeten Familie. Frau Hau hatte auch wenige Tage vor ihrem Tode einen Brief an ihren Mann gerichtet, der sich mit der Schuldfrage beschäftigte und von Verzweiflungsworten über die Katastrophe erfüllt war. Der Brief schloß damit, daß Frau Hau ihren Selbstmord ankündigte. — Tie Erinnerung an den Hau- Prozeß wurde bisher durch die Beleidigungsprozeffe des Fräuleins Olga Molitor wachgehalten. Wie aus einer jüngst erfolgten Erklärung des Rechtsbeistandes des Fräuleins Molitor, des Rechtsanwalts Dr. v. Pannwitz-München zu ersehen war, kommt es Fräulein Olga Molitor sehr darauf an, in ihren Beleidigungsprozessen als Zeugin unter Eid aussagen zu dürfen, daß ihre Beziehungen zu ihrem Schwager Karl Hau völlig einwandsfreie waren. Kleine Tageschronik. Die belg. Gerickststehörden haben in Thollembeck eine Untersuchung cingeleitet, wo die Wohnung des Bürgermeisters mitDynaMit in die Lu f t g e s pre n g t tvorden ist. Das Attentat erfolgte aus Rache gegen den Bürgermeister, der die Schließung der Wirtshäuser um y» 12 Uhr Abends verfügt hatte. Infolge dieser Verfügung war es in einer Wirtschaft zu Krawallen gekommen. .Die Wirtschaft mußte von Gendarmen geräumt iverten. Die Gäste leisteten Widerstand, worauf die Gendarmen von ihren Waffen Gebrauch machten. Mehrere Schüsse wurden abgegeben. Einer der Unruhestifter wurde tödlich verletzt und starb auf dem Transport nach dem Spital. Die Explosion beim Bürgermeister erfolgte frwci Stunden nach dem Krawall. Ans Innsbruck wird gemeldet: Vom Mont Ehegai sind ein Zollbeamter und ein Kaufmann ans Trient abgestürzt und lebensgefährlich verletzt aufgefunden worden. — Von der Henscheu- spitze ist eme Lawine nieder gegangen, die eine Schar Holzarbeiter verschütlele. Einer wurde getötet, die übrigen konnten sich retten. Rach Depeschen aus Denver in Colorado sind die Unruhen unter den Bergarbeitern, tue im Herbst zu fo vielen Geivalt- talen und Tynamitanschlägen geführt haben, noch nicht vorüber. Jetzt erfolgte em neues D y n a m i t - A t t e n t a t gegen einen der verhaßtesten Bergwerksdirektoren, General BulklyS-Wells. Alan versuchte die Vorhalle von Wells Wohnung, in der er zu schlafen pflegte, in die Xliüt zu sprengen. Wells kam nut einigen Verletzungen davon. DaS Gebäude ist ziemlich stark beschädigt. Getreide-Wochenbericht der Preisberichtssielle des Deutschen Landwirtschaftsrats vom 24. bis 30. März 1908. Die Bcrichtswoche brachte am Tage warmen Sonnenschein, während der Rächte Frost bis zu 10 Grad. Für die Saaten bunten diese Temperaturschwankuugen, namentlich in den östlichen Landesteilen, nicht ohne nachteilige Folgen geblieben sein. Weder i.r noch in Amerika fanden mit dem Saatenstand zu- sammeiitzängende Befürchtungen sonderliche Beachtung. Andere Anregungen, die geeignet gewesen wären, dem Getreidegeschäft etwas mehr Lebhaftigkeit zu verleihen, lagen von keiner Seite vor, vi lmehr wird die Unternehmungslust dauernd durch den Unifai.'. der argentinischen Exporlleistungen, besonders aber durch l ic enttäiychenoe Konsumnachfrage unter Druck gehalten. Am ichurfsten brachte fick) die ungünstige Geschäftslage während der abg^tausenen Woche aus den deutschen Märkten zum Ausdruck. Den Hauptgrund für die allgemeine Zurückhaltung bildet nach wie vor der schleppende Absatz von Mahlprodukten, der die Mühlen zu einer Einschränkung ihrer Erzeugung veranlaßt hat und das Unterkommen des Warenangebots infolgedessen zu einem außer- ordentliu) schwierigen gestaltet. Weizen wird vom Inlaute nur wenig angeboten und es hat den Anschein, daß sich von diesem Artikel Line größeren Quantitäten in erster .Hand befinden. Dagegen lag in Roggen stärkeres Angebot vor, das aber umso schwerer anzubringen war, als es sich dabei meist um geringe Qualitäten Aus Stadt imö Land. Großen, 31. März 1908. * * Tageskalender für Dienstag, 30 März. Stadttheater: Der große Tag. Gastwirtsgewerbe- ttnb Kochkunst-Ausstellung in der Turnhalle. Geöffnet von 9 Uhr morgens bis 9X/S Uhr abends. Tue mouf-ier.-hbfn sind von ganz eigenartigem liebliMU. Geschmack, der zum'Teil an echten Sherry erinnert. ■ ■■ . - - „ „ • Gegenüber findet man ein allerliebstes oberhessyches Bauer n- häuschcn, in dem ein Hessenmädchen die Liköre und Branntweine der hiesigen Firma I. Kann Söhne zum Ausschank bringt Auch sie findet viel Zuspruch. Das gleiche gilt von der Firma Christ. Jnderthal, der in einem schmucken Kiosk int Biedermeierstil feinste Tafelliköre eigener Herstellung, französischen Kognak usw. zur Schau gestellt hat und ebenfalls Proben verabreichen läßt. Einen Hauptanziehungspunkt der Ausstellung bildet unstreitig der Maggi-Pavillon. „Ein guter Lern in schöner Schale" kann man hier sagen. Lenkt einerseits der geschmackvolle Aufbau jedes Auge auf sich, so ist anderseits die Vorzüglichkeit der Maggi- Produkte ja weltbekannt. „Maggis Suppenwürze", in braunen Fläschchen, „Maggis Suppenwürfel", „Maggis Bouillon-Kapseln" sind heute in jedem Haushalt zu finden. Sich selbst übertroffen hat die Maggi-Gesellschaft mit ihrem neuen Fabrikat „Maggis Gekörnte Fleischbrühe^. Einige Körner ergeben, mit kochendem Wasser übergossen, sofort eine Bouillon von tadelloser Qualität. Die stets liebenswürdigen Vertreter überreichen jedem Besucher Proben. Auch die übrigen Maggi-Erzeugnisse werden erklärt und praktisch vorgeführt. Die Preis Verteilung wird, dem Wunsche des Aus- stellungskomitees zufolge, voraussichtlich erst am nächsten Sonntag nachmittag vor sich gehen. Die Publikation der Preisträger wird demnach wohl erst am Montag erfolgen können. t&r Wtjfli Mtntgf r1 wuer [JioiBeit *Nen ,v Ni tie9 Jlicen ? Tr1 Md W . Coni W 9 gJltidite für "Haien,; Nt Reistlarnmer ütepyauvl ast dem Konkurs beteiligt ist, handelt es sich um- geringfügige Ersatzforderungen für Jnventar- schaden, wie ste bei jedem Pachtwechsel vorkamen. Eine irgendwie erhebliche Schmälerung der Gläubiger-Dividende ist durch sie nicht zu erwarten. ** Sßie sie ausbezahlt. Eine Frau hatte sich bei einem Althändler ein Bett und andere Möbelstücke auf Abschlagszahlung erworben. Da die Zahlung nicht eingehalten wurde und der Althändler Geld nicht erlangen konnte, begab sich die Frau des letzteren gestern zur Schuldnerin, jedoch auch diese kam schlecht an. Bereits auf der Treppe wurde sie von der Schuldnerin mit den Worten: „ich will Dir Geld geben* empfangen und mit einem langen Besenstiel derart verhauen, daß sie die Treppe hinunterstürzte. ** Diebstähle. In der Nacht auf Montag wurde aus dem Keller eures Hauses in der Liebigstraße ein Fäßchen Wein und eine Flasche Sekt gestohlen. Die Diebe hatten das Eisengitter am Kellerfenster herausgerissen und das Fäßchen zum Fenster heraus gebracht. Das halbgelecrte Fäßchen sand sich heute in einem Garten am Bahndamm öor._ — Am verflossenen Samstag abend wurde in der Sonnenstraße ein Fahrrad, das der Eigentümer vor einer Wirtschaft ausgestellt hatte, gestohlen. ** D i e gefundene Schürze. Vor einiger Zeit kamen auf einer Bleiche verschiedene Wäschestücke abhanden. Die Bestohlene bemerkte nun gestern, daß eine Fran eine der abhanden gekommenen Schürzen auf der Straße trug und stellte sie zur Rede. Sie gab die Schürze zurück mit dem Bemerken, sie habe sie gefunden. Die Polizei, die anderer Meinung war, hat sich Der Sache angenommen und wird sie näher aufllären. ** Der abgewiesene Freier. Ein junget M a n n aus Klein-Linden hatte die Bekanntschaft zweier hier wohnenden Schwestern gemacht und nahm beide am 24. l. Mts. mit in das Kolosseum. Als er sie nachts nach Haus begleitete, erschien oer Barer Der Mädchen mit noch drei handfesten Burschen, und der Liebhaber wurde regelrecht verprügelt. Da ihm das Schul- ter gelenk ausgerenkt war, mußte er sich acht Tage lang in der Klinik behandeln lassen. ** Körperverletzung. Ein taubstummer Schneide r g e h ü l f e wurde in verflossener Nacht angeblich von mehreren Burschen am Lindenplatz überfallen und erhielt dabei einen Messerstich in das Gesäß. Anzeige wurde erstattet. — Villingen, 30. März. Der am Samstag abend verunglückte Fuhrmann Bender von hier ist in der Gießener Klinik bald nach seiner Ankunft seinen schweren inneren Verletzungen erlegen. Der so traurig ums Leben gekommene war em braver, arbeitsamer Mensch. handelte, die den ^iejerungoüecingungen nicht eatüirüuum. D« Besitzer derartiger Waren sahen sich daher veranlaßt, diese Boden zu nehmen, sofern sie sich mit den niedrigen Geboten der Mühlen nicht abfinden wollten. In der Hoffnung, den Roggen durch Bearbeitung in den für kontraktliche Erfüllung nötigen Zustand, bringen zu können, wurden gegen die unverkaufte Ware Lieferungsabgaben vorgenommen, die den Maipreis seit der letzten Woche um 9 Mk. herabdrückten. Auch im Hafergeschäft haben sich die Absatzverhältnisse keineswegs gebessert, so daß die etwas erhöhten Forderungen der Provinz beim Handel auf Widerstand stießen. Futtergerste war billiger käuflich, doch stell, der Konsum nur sehr bescheidene Ansprüche. Auch für Mais, dessen Forderungen fest geblieben sind, ist das Interesse nur gering. Es stellten sich die Preise für inländisches Getreide am letzten Markttage: " La n des Universität. S. K. H. der Groß- Herzog haben den Pfarrer und Privatdozenten Lic. theol. efc Dr. phil. Martin Schian in Breslau zum ordentlichen Professor in der evang.-theologischen Fakultät der Landes- universität Gießen ernannt. • • Personalien. S. K.H. der Großh erzog haben den Steuerkommissär des Stencrkommissariats Seligenstadt Herrn. May zu Seligenstadt in gleicher Diensteigenschaft in das Steuerkommissariat Hungen versetzt, den Oberlehrer an dem Wolfgang Ernst-Gymnasium zu Büdingen Dr. Ludw. Fahz auf sein Nachsuchen aus dem Staatsdienste entlassen und Wilh. Motz von Büdingen zum Kulturtechniker ernannt. Uebcrfrngen wurde dem Lehrer Maximilian Probst zu Uffhofen, eine Lehrerstelle an der Gemcindeschule zu Ockstadt. Ernannt wurde der Gefangenwärter am Landeszuchthaus Marienschloß H. Zubrod zum Gefangenaufseher an dieser Anstalt. ** Dienst-Jubiläum. Man schreibt uns: Morgen kann bet König!. Ober-Bahnassistent Peter Mar golf hier auf eine 50jährige Dienstzeit zurückblicken. Am 1. April 1858 trat P. Margols als Freiwilliger in das Großh. Hess. Leivgarde- Regt. (jetzt Nr. 115) ein. Als einige Jahre später das Turnen bei den hessischen Truppen eingeführt wurde, ward M. zum Vorturner und bamt zum Fechtmeister ausgebildet. Den Feldzug von 1866 machte er als Sergeant mit und nahm! an den Gefechten bei Frohnhofen, Gerchisheim und Wirzburg teil. Nach diesem Feldzuge in das 2. Hess. Jägerbataillon versetzt, kämpfte M. im Kriege 1870/71 mit bei Grav.'lotte, dioisseville, Artenay, Orleans, Beaugency; ebenso nahm er tätigen Anteil an den Gefechten bei Briare und Blois, sowie an der Belagerung von Metz. Für seine mehrmals bewiesene Tapferkeit vor dem Feinde wurde M. mit dem Eisernen Kteuzo 2. Kl. und mit dem russischen St. Georgs- orden 5. Kl. ausgezeichnet. Am 10. Mai 1872 trat M. in den Eisenbahndienst ein und erhielt eine Assifteiitenstelle bei ter Güterabfertigung am Bahnhofe zu Gießen, wo er noch heute tätig ist. Wie Herr Margols als Soldat stets auf seinem Posten war, so ist er auch immer ein eifriger und pflichttreuer Beamter gewesen, der sich durch fein besonnenes und freundliches Wesen nicht nur die Achtung seiner Vorgesetzten, sondern auch die Liebe seiner Kollegen in hohem Maße erworben hat. Aber auch in dem Gießener Kriegerverein ist M. stets ein gern gesehener Gast und geachteter Kamerad, zumal er an den Bestrebungen dieses Vereins immer regen Anteil nimmt. Ebenso blicken die hiesigeir Männer-Turner mit Stolz auf ihren „Peter", ter schon seit der Gründung des Vereins (1885) bis heute dem M.-T.--V. als Vorstandsmitglied angehört. Möge es nun Herrn Margols auch vergönnt sein, sich noch recht lange einer solch' guten Gesundheit und Rüstigkeit wie seither zu erfreuen und noch viele glückliche Jahre im Kreise feiner Lieben zu verleben. Das sei unser herzlichster Wunsch zu seinem 50 jährigen Dienstjubiläum. — Wie verlautet, soll zu Ehren des Jubilars am nächsten Samstag im Lenz'schen Felfen- keller eine kleine Feier stattfinden, die von dem Verein der mittleren Eisenöahnbeamten, dem Kriegerverein und dem Männcr- Turnverein wird veranstaltet werden. • • Fünf Generationen. Gestern morgen 5 Uhr wurde dem Hilfsheizer Hch. Reh ein Mädchen geboren, das das Glück hat, noch seine Ururgroßmutter begrüßen zu können. Die Großinutter des Kindes heißt Frau Lina Wagner, geb. Landon, hier, die Urgroßmutter Frau Marg. Wagner geb. Walter, hier und die Ururgroßmutter Frau Marie Walter geb. Damm, wohnhaft in Großen-Buseck. Letztere ist 93 Jahre und die Urgroßmutter ist 72 Jahre alt. ** Die gestrige Abschiedsfeier für den seitherigen Generalsekretär der hessischen Landwirtschastskammer, Cehniomierat Dr. Mülle r, in dem Hotel zur Traube zu Darmstadt gestaltete sich zu einer großartigen Ehrung für den Scheidenden. Nahezu 100 Teilnehmer hatten sich zu der Feier eingesunden. Von der Regierung war Landesökonomierat Müller erschienen, ferner der Vorsteher der landwirtschaftlichen Versuchsstation Geh. Hofrat Wagner und der Nachfolger Müllers, Defonomierat Leithiger. Die erste Ansprache hielt Geh. Regierungsrat Haas, der die Verdienste des Scheidenden um die Landwirtschaft und speziell um die Bildung der Landwirtschastskammer betonte. Es folgten bann Ansprachen der Borsiveuoen der Provinzial-Ausschüsse, Ltew- romierat Lichtenstein für Rheinhessen, Walther für Starkenburg und Korell für Oberhessen. Weitere Ansprachen hielten hierauf der G e f e i c r t c, ter besonders seinen Mitarbeitern dankte, sowie Abg. Köhler-Langsdorf, der zuerst Müller als National- Ökonom feierte und dann der am bäuerlichen Herde waltenden Frauen gedachte. ** Eine Sitzung des Provinzial-Ausschusses findet am Samstag, 4. April d. Js., vormittags 9 Ufo mit folgender Tagesordnung statt: 1. Gesuch des Johs. Bohl zu e-ollar um Genehmigung zum Betriebe einer Schankwirt- fdjaft 2. Enteignung von Gelände in Gemarkung Utphe oiir Anlage eines Hochbehälters. 3. F e l d b e r e i n i g u n g in Gemarkung Utphe; hier Melioration der Wiesen links ter Horloff. * * S)ie Kunftausstelluug im Turmhaus av: Stand i|i wegen vollständigen Wechsels der Gemälde auf 4 Tage geschlossen. **Z" dem Zionkurs des Pä! ierS der Oberseener- hofeS wird uns von der Gräsl. Reni .nmer milgcieilt, daß Pachtgelder überhaupt nicht rückständig sind. (Soweit die ct IA r-s.At 189 Aus, !ü7.üt 189 ro'.A 19Ü I18.2W 190 In 8.31t 190 dS.A 1901 reiei i-S.M Iah' i 63 mir 1» stell durc d Buifjen 1 Msetzie Bert tiin. LJc iA auf S.Ti iw Nr 3. Di lÄe, Zch 5. Ti Äageö li Teui! ®ro licet (Steuer Weltmarktpreise: Weizen : Berlin Mai 202.75 (— 3.75), Budapest April 193.95 (- 3,35). Pans April 181.90 (4- 1.35). Liverpool Mai 156,25 (— O.OU). Chicago Mai 144.70 (— 0.35). Roggen: Berlin Mai 191.75 (— 9.00). Hafer: Berlin Mai 159.75 (- 4.75) Mk. OrigittaL-DrahtmeLSungen. Darmstadt, 31. März. Das Prinzenpaar von Wales ist heute früh 9r/4 Uhr nach Paris abgereist, woselbst ein 14tägigcc Aufenthalt genommen wird. — Der Landgerichtsdirektor i. P. W. Köhler ist gestern hier im 87. Lebensjahr gestorben. Der Verstorbene stammte aus Altenstadt und verbrachte den größten Teil seiner richterlichen Tätigkeit in Darmstadt. Am 1. Januar 1896 trat er in den Ruhestand. Mannheim, 30. März. Oberbürgermeister Beck ist der /Reuen Bad. Landesztg." zufolge heute nacht 11 Uhr infolge Herzschlages gestorben. Freilassing, 31. März. In dem benachbarten Sorr- heim kam es in der letzten Nacht zu einer förmlichen Schlacht zwischen Bauern und Arbeitern. Zwei der Beteiligten wurden getötet und mehrere schwer verletzt. Wien, 31. März. Die „Neue Freie Presse* schreibt: In hiesigen diplomatischen Kreisen wird der Anwesenheit des Fürsten Bülow in Wien große Bedeutung zugeschrieben. In den Konferenzen zwischen Bülow und Aehrenthal habe die mazedonische Frage die Hauptrolle gespielt. Der deutsche Reichskanzler habe wiederholt seiner Befriedigung darüber Ausdruck gegeben, daß Oesterreich- Ungarn dem russischen Reform-Vorschläge für Mazedonien zugestimmt habe, da dieses Projekt der traditionellen Orientpolitik Deutschlands, die Integrität der Türkei und daS persönliche Prestige des Sultans zu wahren, völlig entspreche, während der englische Vorschlag geeignet sei, die Em- psindnngen des Sultans zu beleidigen. Wien, 31. März. Wie die Neue Freie Presse meldet, werden die Trassierungsarbeiten für bie Sandschak-Bahn, nachdem der Sultan das betreffende Jrade unterzeichnet hat, Mitte April beginnen. Die Arbeiten werden von einer österreichischen und einer türkischen Kommission geleitet werden. Paris, 31. März. Trotz offizieller Noten, in denen bie Freilassung Nochettes als unmöglich bezeichnet wurden, sprach eine Abordnung ter Aktionäre Rochette'schcr Gründungen bei dem Untersuchungsrichter vor und verlangte dessen vorläufige Freilassung für wenige Stunden, damit er der demnächst stattffn- tenten Generalversammlung beiwohnen könne. Der Richter erwiderte kurz und himdig: „Nicht eine Minute". Die Aktionäre wollen gegen diese Entscheidung an die Anklagekammer appellieren. Petersburg, 30. März. Eine eigenartige Demo list r a t i o n wurde vor dem Winterpalais, in dem der Minyter- präfident Stolypin wohnt, veranstaltet. Auf dem fashionablen Sonntagslvrso am Palastquai erschien auf einmal ein splitternackter Student, der gemalt]am vmachte, durch die Equ^ Pagenreihen und Pie zaylreich Port promenierenpen eleganten Damen ins Winterpalais zu bringen. Die Polizei hinderte ihn an semem Vorhaben, doch erregt: feine Verhaftung, eine langdoucrnde Slanvalq f freue. Es 'bi 12 al di IClchics Feuilleton. — Zuin Gießener Tr i e s ch - G a st s p i e l am Freitag den 3. April schreibt man und: Am 27.Januar waren vier Jahre verflossen, seit Irene Triesch in der Aula der Universität eine Re» zitaiion hielt, die vornehmlich biblische Stücke zum Gegenstand halte und eine starke Wirkung auf alle Zuhörer ausübte. Sie fand, wie das Programm aussagte, „Zmn Besten des Theater- 9lcubanes" statt. Damals beianb sich die Künstlerin auf einer vierwöchigen Gastspielreise, auf der sie an jedem Abend zu spielen hatte, mir ein Abend war ihr frei geblieben, und diesen opferte sie, ein früheres Versprechen emlösend, um auch ihrerseits ein Schers- lein zum Bail eines Theaters in Gießen beantragen. Dieses Scherflein wurde aber zu einer sehr ansehnlichen Gabe, denn Fr. Triesch oerzichlete auf jegliches Honorar, sie wies die ganze beträchtliche Einnahnie beut Theaterbaufonds des Theateroereins an und eröffnete so den Reigen der Stifter für unser neues Stadttheater. Ihre Absicht, auch der (StöffnungSieicr im vergangenen Sommer ihre künstlerische Mitwirknng zu leihen, ließ sich leider infolge Krankheit nicht verivirklichen, aber nun freut sie sich, wie sie schreibt, herzlich darauf, ihre Kunst im neuen Hause ausüben zu dürfen, in dem sie eines herzlichen Empsanges sicher sein bart. Die Rolle ber Elga, bie sie zunächst spielen wird, ist eine ihrer vorzüglichsten, „die macht — wie eine hochaiigesehene und selbst dte Eloa spielenbe Künstlerin einmal gesprächsweise äußerte — ber Triesch so leicht keine nach", und die Triesch besitzt auch, wie ber Kritiker ber „Köln. Ztg." gelegentlich ihres Kölner Gastspiels unlängst schrieb, eine Berechtigung sie zu spielen, in ihrer eigenen geistreichen Art, Franencharattere zu bilden. Den Schluß beS Abends macht bann Hartlebens Einakter „T i e sittlicheFor- b e r u n g", in welchem sie die Sängerin Rita Revera gibt. Von dieser Rolle schreibt bie „Köln. Ztg.", baß sie von ber Triesch zu einer allerl iebsten Spielerei barstellenber Kunst gemacht sei. „Das war alles so federleicht, so hingehaucht, wie man es sonst nur französischen Schauspielerinnen zumutet und wurde dadurch zu einer Tändelei, bie bas Halbwellhafte mit drolligem Humor um- Heibete." Voraussichtliche Witterung für Heffen am Mittwoch den 1. April: Fortdauer der trüben regnerischen Witterung. Tempera tur wenig verändert. Starke wcstliche Winde. 1 w>tn)Qj iS" eiNi ! S 4 IQ fe & »tz Slot «QU (- 3) (- 1) (- ) (- ) (- 2) Königsberg 215 । (— ) 180 I 6) 148 Danzig 216 1 ) 186 ( 2) 152 Stettin 209 ( 4) 183 ( — 4) 154 Posen 216 I 2) 184 i r— 5) 148 Breslau 213 (- 3) 190 (- 5) 155 Berlin 203 i (- 3) 185 1 9) 170 Magdeburg 202 i 1) 192 < — 3) 162 Halle 202 ( 1) 195 ( ’ — 3) 165 Leipzig 207 ( ’ — 1) 196 ( —. 4) 161 Hamburg 206 ( - 2) 190 ( 2) 170 Haiinover 209 < ;4~ 3) 196 ( — 2) 160 Braunschweig 204 ( 1) 195 ( — ) 168 Dusieldori 212 ( 3) 192 ( — ) 170 Frankfurt a.M. 21? ( 2) 200 ( — ) 177'/- Mannheim 2P ( 2) 202 ( 2 ) 174 Straßburg 220 ( ) 207'/, ( — ) 195 Stuttgart 227’/2 - (- ) 190 München 233 ( 2) 203 ( — 2) 188 U der GaMspriista in der Mulle ii tag » Bekanntmachung s u. 8 Schul- u. Pensionatsräume in imposantem Neubau. Gute Verpflegung u. 3 gewissenh. Beaufsichtigung. Ausführl. Prosp. d. d. Direkt A. Harr. U. Continental u. u. hv«/« M. Ellas. Tapeten Linkrusta Schanzenstrasse 6 11750] Telephon 326 Blendend weisse Wäsche B «/. DüTHOMPSON'S Mittwoch, den L April 1908, vormittags s CSE1FENPULVER A....... • wV./, W; ______________________-_______:_____________________________ I -NKWMMW „