N-. 101 «W-U-S Blatt iss. Jahrgang Donnerstag, 30. April 1908 Erschein! tLgNch tnti ffutnä6ntt de» Sonntag». Die ^Siegener Lomtttenblätter- werden dem ,9ln8etger* viermal wSchenlüch beigelegt, das „Kretsblatt fflt den Kreis Glesien" zweimal wöchentlich. Der „fieffifdft Canbrotrt" erscheint aumatlid) etnmaL Siebener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhejjen NataftonSdnrck and Verlag btt Brüh Ischen Unteerfwiti < 0u anfc Cfetnbtudcirt» 8t dangt, Lietzen. RebaTHon, Txpedttioa and Druckerei r Schul- pratzi 1. TrvedMon and Verlag i ey® 6L Redaktionen 112. Tet-Adra AnzetgerGußen. Deutscher Reichstag. 145. Sitzung, Mittwoch, 28. April. Am Tische des Bundesrats: b. B e th m a n n - H o llw e a, Dr. b. Joncquieres, Robolsky. Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15. Minuten. Das HauS ist mäßig stark besetzt. Das Provisorium in der Organisation bc3 Patentamtes. Zunächst steht zur dritten Beratung der Gesetzentwurf über die Beschäftigung von Hilfsmitgliedern im Kaiserlichen Patent, amte. Danach können innerhalb dreier Jahre, bis zum 31. März 191 lz be§ Bedürfnisses Personen, welche die Befähigung zum Richteramte oder zum höheren Verwaltungsdienste besitzen, oder in einem Zweige der Technik sachverständig sind, mit den Verrichtungen eines Mitglieds des Patentamts beauftragt werden. Die dreijährige Befristung ist in der zweiten Lesung eingefügt worden. Eine Kommiffionsberatung hat über diesen Gesetz- entwurf nicht stattgefunden. . , . Abg. Guno (freis. vp.) äußert die bekannten Bedenken über die Stellung der Hilfsarbeiter zu den Mitgliedern des Patentamts. Sei es denn wirklich ange- bracht, für ein dreijähriges Provisorium diese Aenderung in der Organisation zu treffen, die eine Anzahl neuer Stellen erfordere? Auf seine Anregung erklärt Geheimrat Nobolöky daß die Hilfsarbeiter nur in der Nnmeldeabteilung beschäftigt werden sollen. Es würde sich um etwa 20 Hilfsarbeiter handeln. Der Gesetzentwurf wird in dritter Lesung verabschiedet. Die Novelle znm vnterstütznngSwohnfitz. Zur Novelle über den NnterstützungSwohnsitz, die nunmehr in zweiter Lesung beraten wird, liegen drei R e s o l u . t i o n e n vor. Die Kommission beantragt in einer Resolution, den k C a o 3^er 3U ersuchen, nach Möglichkeit dahin zu wirken, daß durch Landesgesetze die Zusammenlegung von mehreren Gemeinden und Gutsbezirken zu OrtSarmenverbänden geregelt wird, um hierdurch möglichst große verbände zu schaffen. Eine zweite Resolution der Kommission betrifft die Grenzarmen, verbände, die durch die Uebernahme von auS dem Ausland ab- geichobenen Deutschen überlastet sind. Der Reichskanzler Wirersucht, dahin zu wirken, daß diesen verbänden die Kosten durch den Staat ersetzt werden. Die wirtschaftliche vereini- g u n g bat eine ResolutionKölle-BehrenS eingebracht, die den Reichskanzler ersucht, 1. Ermittelungen dahin anzustellen, welche Mängel dem öffentlichen Armen- und Fürsorgewesen, insbesondere den Ar- beitshäusern, den Asylen für Obdachlose, Der- pflegungsstationen usw. anhaften, und das Ergebnis darüber dem Reichstag baldigst vorzulegen; 2. eventuell ira Wege der Gesetzgebung schleunigst Abhilfe zu schaffen, insbesondere auch in der Richtung, daß die jetzigen schweren Mißstände, die sich bezüglich der hilfsbedürftigen arbeitsbereiten Wanderarmen vornehmlich aus § 28 des Unterstützungswohnsitz-.-s ergeben, beseitigt werden. Im übrigen sind Anträge zu dem Gesetz nur von den Sozialdemokraten eingegangen, deren wesentlichster ein. heitliche Provinzialarmenverbände bezw. einheit. liche Staatsarmenverbände bei den kleineren Bundesstaaten ver. langt. Ein weiterer Antrag setzt die Hälfte des ortsüblichen TagelohnS als Mindestgrenze der Unterstützung fest. Berichterstatter der Kommission ist der Abg. Horn- Neuß (natlib.). Abg. Dr. Belzer (Zentr.)' spricht die Zustimmung und Genugtuung seiner Freunde aus und erläutert die übrigens nicht sehr erheblichen Aenderungen, die die Kommission am Gesetzentwurf vorgenommen hat. Abg. Stolle (Soz.) klagt über den agrarischen Eharakter des Gesetzes und spricht im Sinne des sozialdemokratischen Antrags. Abg. Krcth (kons.): Wir haben auf Erfüllung von Wünschen verzichten muffen, wir wollten das Gesetz nicht gefährden. Wir haben aber den großen ! Vorteil erreicht, daß die Betriebsgemeinden, soweit e§ berechtigt ist, zu den Lasten herangezogen werden. Wir nehmen Abstand davon, unsere Anträge aus der Kommission wieder einzubringen. *'eil wir glauben, daß die Herabsetzung der Armenmündigkeit die wesentlich, sten Schäden beseitigen wird; sollte sich das nicht als zutreffend Herausstellen, so wird später Zeit fein, eine weitere Novelle zu fordern. Der Redner wendet sich gegen Stolle, der von schlechter Behandlung der Landarbeiter gesprochen hatte. Es können doch nur ausnahmsweise vielleicht krankhafte Naturen ihren eigenen Vorteil so weit verkennen; diese Leute geben wir gern preis. Es gibt ja auch Rechtsmittel, und aus eigener Erfahrung weiß ich, daß ; die Gerichte das verständige Bestreben haben, etwaige übertriebene Schärfen der Arbeitgeber herabzumildern. Neues kann zu dem Gesetz hier nicht mehr gesagt werden. Wir werden für die Kommissionsresolutionen stimmen, dageg'n die Resolution der wirt, schaftlichen Vereinigung ablehnen weil wir es nicht für richtig halten, eine fo wichtige Materie kur,erhand ohne KominissionSbera, tung zu erledigen. Wir sind aber iem bereit, sie in einem veson. deren Gesetze im Sinne der Resolu.-ion zu regeln. Abg. Horn (Reuß, natl.): Wir halten das Gesetz durchaus nicht für ein agrarisches, wie es die Sozialdemokraten tun. Ihrer Nesolutton können wir nicht zustimmen, da sie weit über den Rahmen dieser Gesetzesnovelle hin. ausgeht, nämlich einer Entlastung der kleinen ländlichen und der Vorortsgemeinden auß Kosten der Industrie, und Zentralgemein- den. Wir können die sinanziellen Wirkungen dieser sozialdemckra. tischen Resolution nicht übersehen; ihre Tendenz ist uns ober durch. miS sympathisch. Der Redner'äußert sich über die bekannten Gründe für die Herabsetzung des Mundigkeitsalters und der Aufent- hallsftist für Erwerb und Verlust des Unterstützungwohnsitzes. Abg. KSlle (wirtsch. Vgg.): Wir werden für die Vorlage stimmen. Die Behauptung des Abg. Stolle, daß sie von einseitigen agrarischen Jntereffen dittiert sei, ist durchaus unrichttg. Wenn die jungen Leute auf dem Lande, sobald sie erwerbsfähig werden, in die großen Städte gehen, so ist es auch recht und billig, daß diese die Armenlasten tragen. Der Redner weist auf die großen Verdienste hin, die Pastor Vodel. schwingh auf dem Gebiet der Armenfürsorge sich erworben hat. Die sozialdemokratische Resoliition lehne seine Partei ab. Abg. Törksen (Rpt.): Wir halten eine gerechtere Verteilung der Armenlasten für erforderlich und werden dem Gesetz in der Fassung der Kommissions. beschlüsse zustimmen. Die Resolution Kölle, deren Tragweite wir nicht übersehen können, werden wir ablehnen. Abg. Cuno (freis. Vp.): Die Verteilung der Armenlasten ist nicht die Hauptsache, das Wichtigste ist, den Armen Hilfe zu bringen. Wir werden dem Ge. setz, wie es aus der Kommission gekommen ist, zustimmen, weil es uns einen Schritt vorwärts bringt. Es bringt uns die Rechtsein- heit auf dem Gebiete des Armenwesens. Von einem agrarischen Gesetz kann man hier nicht reden. Man glaubt eben, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse sich so entwickelt haben, daß heute schon beim 16. Lebensjahre eine wirtschaftliche Selbständigkeit vorhanden ist. Gewisse Mängel waren auf dem Lande vörbanden. Wenn die Armenverbände ihre Pflichten erfüllen sollen, müssen sie möglichst groß gestaltet werden. Abg. Hug sZtr.) empfiehlt die Resolution über die Grenzarmenverbände. Nach einer Erwiderung des Abg. Kaden (Soz.) auf Kreth wurde der Antrag der Sozialdemokraten abge- lehnt, der Gesetzentwurf in der Fassung der Kommissions« beschlüsse nach kurzer Erörterung seiner Einzelbestimmungen an« genommen, ebenso die beiden Resolutionen der Koni« Mission und die Resolution der wirtschaftlichen Vereinigung. Der Vogelschutz. Zur zweiten Lesung des Vogelschutzgesetzes liegen mehrere An- ttäge vor. Die Kommission, für die der Abg. Fuhrmann (nl.) den Bericht erstattet, hat die Regierungsvorlage u. a. auch in einem wesentlichen Punkte geändert, indem sie das Verbot d e ö KrammetSvogelfangs im Dohnen stieg ausspricht, den der Entwurf der Regierung wie bisher für oie Zeit vom । 21. September bis 31. Dezember zuläßt. Der Abg. Feldmann , (kons.) beantragt mit einigen Abgeordneten des Zentrums und der , Rechten in dieser Beziehung die Wiederherstellung der Regierungsvorlage, ebenso der Abg. Engelen (Ztr.). Das Gesetz verbietet im t übrigen den Vogelfang nicht durchaus, sondern führt nur eine 1 Schutzfrist ein, die vom 1. März bis zum 15. Seplember reicht. Abg. Dr. Varenhorst (Rp.) beantragt mit Mitgliedern sämtlicher Parteien, eine Hinausschiebung deS Herbst- termins auf den 1. Oktober mit Rücksicht darauf, daß die Zeit nach dem 15. September die eigentliche Zugzeit der Vögel ist in der sie den Vogelstellern massenhaft inS Netz gehen. Dieser Antrag wird angenommen. Die Kommission hat innerhalb der Schutzfrist in Erweiterung der Regierungsvorlage die Ein-, Aus- und Durchfuhr nicht nur von lebenden, sondern audr von toten Vögeln der in Europa einheimischen Arten, sowie dev T^a ns Port solcher Vögel zu Handelszwecken untersagt. Für Meisen, Kleiber und Baunüänfer erstreckt sich das Verbot auf das ganze Jahr. Ein Antrag der Abgg. B i n d e w a l d und Werner (Ref.-P.), den Handel und Transport von in der Gefangenschaft gezüchteten Gimpeln (Dompfaffen) auch innerhalb der Schutzftist zu gestatten, wird abgelehnt. Die Haupterörterui"> dreht sich um den KrammetS- vogelfang. Abgg. Dr. Engelen (Ztr.), Feldmann (kons.) und Frhr. v. Wolff-Metternich traßen gewidmet werden kaiin. Voranschlags- mätzlg kommt dies dadurch zum Ausdriick, daß für Erbannng, bezw. Wiederherstellung von Straßen, Wegen und Aiilagen die,es- nial 426 241 Alk. eingestellt sind gegen nur 141530 All. im Vorjahr. Auch für die lausende StraßenumerhaUung werdeii rund 25 000 Alk. mehr verwendet iverden ioie im Vorjahr. So bietet der diesjährige Voranschlag em durchaus günstiges Bild, das um jo erfreulicher ist, als viele anderen heisijcheii ^.läoie in diesem Jahre ihre Stellern beträchtlich erhöhen mußten (Djfen- bach, Darinsiadt). Zieht man aus den Zahlen des Voranschlags einen Rückschluß auf die Gestaltung der ivirlschaulichen Em- wickelmig Gießens, so kann gesagt werden, daß sie trog mancher bedenklicher und unerfreulicher Erscheinungen sich m durchaus gesunden aufwärts gehenden Bahiien beivegt. Auf einige interessante Einzelheiten des Voranschlags werden wir noch näher elngehen. ** Ve rloren gegangene Hausindustrien. Das Interesse, das man neuerdings dec Heunatbeschäsltgung enl- gegenbrmgt und das die Ausstellung der Produtte der Heim» Industrie gezeitigt, offenbart die Wandlungen, die dieser Erwerbszweig durch den Geist der Zeit erfahren. Tadel zeigt es sich, daß mehrere Hausindustrien, die hauptsächlich während des Winters getrieben wurden, gänzlich oerloren gegangen sind. Ein Hauptzweig der Hausindustrie war die Leinweberei; sie stand früher tn hoher Blüte. Im Vogelsberg gab es fast kein Haus, in dem nicht em männliches Glied das Leinweben erlernte. Aber auch alle übrigen Glieder der Haushaltung waren mit dieser Industrie beschäftigt, insonderheit der weibliche Teil der Bevölkerung. Das Brechen, Schwingen, Hecheln, Spinnen und Haspeln geschah lediglich durch ihn. Die billige Baumwolle ließ den Flachsbau veröden und die Leinweberel zu Grunde gehen. Heute erinnert nur noch das Wort „Spinnslube" an diesen ehemals blühenden Zweig der Hausindustrie, Spinnrad und Webstuht sind verschwunden. In Ober-Ohmen betrieb man früher sehr stark als Heimarbeit das Messerschmieden. Die m Ober- Ohmer Werkstätten erzeugten Messer gingen nach Solingen und von dort als „edjtc Solinger" in alle Welt hinaus, heute fristen nur noch ein paar Reste des Messerschmiede- gewerbes ihr Dasein. Aehnlich blühte früher in Groß-Felda die N a ge l sch m i e der ei, d. h. das Schmiedeu von Schuhnägeln. Auch diese Hausindustrie steht auf dem Aussterbeetat. x Nidda, 29. April. Gestern waren es 25 Jahre, - daß Lehrer Küfer in den Schuldienst und zugleich in das Lehrerkollegium der damaligen „Erweiterten Volksschule", jetzigen „Höheren Bürgerschule" eintrat. Schon der Uinstand, daß bet dem häufigen Wechsel der Lehrer an solchen kleinen Schulen Herr Küfer stets an der Schule blieb, war für diese von hohem Wert. Noch mehr verdankt die Schule dem, was er an ihr geleistet hat. Außer den Realie, durch den Besuch des Gießener Gymnasiums unter Schiller bis Ober- Sekunda befähigt, Griechisch, Lateinisch und Französisch zu unterrichten, hat er in den 25 Jahren die Schule in die Lage versetzen helfen, einer Anzahl junger Leute die Vorbildung zu ihrem späteren Studium zu geben. Herr Küfer ha durch Selbststudium sich immer weiter gefördert, und die Höhere Bürgerschule kann sich beglückwünschen, einen solchen Lehrer zu besitzen. Wir wünschen Herrn Küfer eine noch recht lange, gesegnete Wirksamkeit. Marburg, 29. April. In einer stark besuchken Mitgliederversammlung nahm gestern der Liberale Volksverein Al a r b n r g (Ortsgruppe der Freisinnigen ^Bereinigung) Stellung zu den Ergebnissen des F r a n k s u r t e r P a k e i t a g e s. Nach iebhaster, mehrstündiger Debatte gelangte nachstehende Resolution einstimmig zur Annahme: „Der Liberale Volksverem Mar- bürg, durch seine Beziehungen zu Herrn v. Gerlach als ehemaligem Reichstagabgeordneten und seuberigem Reichstagskandidaien des Diarburger Wahlkreises an dem Konflikt besonders interessiert, spricht sein lebhaftes Bedauern aus über den auf dem Frankfurter Parteitag erfolgten Bruch. Er steht k e t n e n G r u n d, aus diesem Anlaß jein altes Ver trauensverhä ltniS zu Herrn v. Gerlach zu lösen, da die polnische lleberzeugung des Herrn v. Gerlach die gleiche geblieben ist wie zuvor. Er will aber anch seine o rg a n i s ch e V e r b i nd u ii g mit Dem L i b e r a l en Wahl- verein nicht aufgeben, in dem Vertrauen, daß der Liberale Wahlverem bezw. tue Freisinnige Vereinigung nach der Frankfurter Katastrophe erst recht das Programm eines entschiedenen Liberalismus vertreten und verfolgen wird. Was bei dieser Stellungnahme zu beiden Teilen an Schwierigkeiten der inneren Lage für"ihn zu überwinden bleibt, stellt der Liberale Voiksvereiu Warburg der zukünftigen Entwicklung anheim, die unter dem Truck der öffentlichen Gesamtpolitik bald weitere Klarheit bringen muß." () Mar.vurg, 29. April. Tw im lehren Winter mit so großer Beteiligung zum erfienmal ar-gehaltenen studenti - scheu Unterrichtskurse für Arbeiter und fiemc Beamte sollen in diesem Sommer ihre Fortsetzung finden. Die Sradtveroroneien stellten aus Antrag ein Schuttoral zur Verfügung. X Weidenau, 29. April. In der Mädchenschule entstand durcy eine Ratte eine Panik. Das Tier kroch einem Kinde unter die Röcke uno biß sich am Körper fest. Der Lehrer ve,rette das Mädchen, das ohnmächtig wurde, und brachte es zum Arzt, der mehrere Bißivunden feststellte. Ter ausgezeictmete Ehirurg und Direktor des Aioabiter Krankenhauses zu Berlin Geh. Aledlzuialrat Pros. Eduard Sonnen- bürg ist zum ordentlichen Honorarprosesjor m der medizinischen Fakultät der Universität Berlni ernannt worden. — Ter befannie Proießor des Siacusrechis an der Universität Straßburg Paul L a b a u d feiert am 2. Mai fern 50jahnges Toktorjubiläum und am 24. Mai feinen 70. Geburtstag. Tie Universität gibt ihm am 2. Mai ein Festmahl. — Im Oktober wird die erste ägyptische Universität nach europäischem Vor bilde m Kairo eröffnet. Eingeborene Großgrundbesitzer haben das Gelände unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Tie Vorlesungen werden sich zunächst erstrecken auf tranzosische, englische unb arabische Literatur, sowie am arabische und allgemeine Geschichte. Tie Vorlesungen sind unentgeltlich. Bisher sind 2oO 000 Alk. für den Universilats'onds zusammengebracht worden. Tie Lehrer werden aus Frankreich, England, der Schweiz und Teutschlaiid gewonnen. Rach Pans, Oxford, Cambridge und und Leeds sind bereits einige Studenten zur Ausbildung als spatere Universitätslehrer gejandi worden, Außerdem werden noch die Universitäten Berlin und Bern in Erwägung gezogen. Die Gründung der ägyptischen Universität erfchemt Ketmern des Landes nicht zweckmäßig. Vermischtes. * Der deutschen Marine ist wieder einmal ein sehr bebau er hdjer schwerer Unfall zugestoßen. Aus Kiel meldet W. T. L. vom 29. April: Bei einer Sprengübung vor deut Schiffe „E l s a B" gestern abend 8 Uhr in der Kieler Bucht wurde durch kleines LeuiUeton. zu braten und zu verspeisen, den er daraus bt rnst von Wolzogeu, Der bcumiite Literatur-Baron, bet geistige Vater des prächtigen „Krasimayr'tz dieses höchst lustigen und unterhaltsamen Romans aus Weimars Liszt-Periode, der Schöpfer der emzigeu deutschen liirrarisaMN Posse, des lange nicht nach Gebühr gewürdigten „Lumpengesindelsder wirkungsvollste Propagandist des nun hingst selig entschlummerten Ueberbrettels, hat sich bekanntlich seit Jahr uno Tag Hessens Landeshauptstadt zum Wohnsitze erkoren. Häufig begegnet man ihm seitdem als geiftreichem Feuilletonisteii in der „Franks. Zig.", gelegentlich auch einmal in der „Jugend"^dem „Literarischen Echo", „Nord und Süd" usw. Mit größeren Sachen ist er aber in der letzten Zeit seltener als früher ausgetreten. Seine neuesten fKomane sind betitelt „Die Großherzogin a. T." und „D erBibelhas e". Ter erstere erscheint zurzeit im „Verl. Tageblatt", und der andere kam vor kuvzeni in Eugelhvrns Ironianbwlivthek heraus. Es ist schade uin das reiche, einst so viel versprechende Talent, das lich leit wahren in Nichtigkeiten verzettelt und den schmalen Weg zur Höhe nun wohl sür immer verpaßt Hal. 'Nicht daß „Ter Bibelhast" etwa eine langweilige ^ajariete ober ein trostloses Machwerk vom 'Range bei Ohnets und vieler anderer mit Recht bei allen alten Tanten beliebten Lieferanten von K'mstejchwcster- rornanen sei. Diese kuriose „Begebenheit aus der Fridericianischen Zeit" ist vielmehr ganz amüsant erzählt, mit der sorgws zwang- loseti Frische uno Unbekümmertheit, die man dem Verfasser seit seiner tolltunen „Glortalwsc' nacyzurühmen hat. Und ein Kapitel, das des Abivrens der lieblichen „Heldin" des Romans, dcsDors- pfarrerStöchtercheiis, in das gewitter,chwüle Wawesdicticht verbotener Liebe, ist von so inniger Zanheic und lyrischer Stim- mungsft^st bei aller Leidenscha,ttichreit, oaß man an oiücie von unser,ii besten Novellisten erinnert wird, 'etuch Wolzogens ernst io keruirischer Humor bricht sich hier und da durch matte, er* ftndungs^ruie, bllllwse „Begeoenyims' -Schlloerungen siegreich Bahu. -oin ganzen genommen aber beoeutei „Ter Bwelhaje ' doch nur erne Bereicherung Der überreiaien Bravellut-VerDauungstekiüre Xer Oberprasident Gommerns, Frhr. v. Acalizahn-Güttz, ent= wüte in ben Kirchenaiten irgend eines hinterpommerschen Törtchens eine KabinetrsorDve Friedrichs des Großen, in der es heißt, daß der leweittge boctige Torfpfarrer das 9tea)t haben solle, jeden Hasen für sich zu behalten, zu braten und zu verspeisen. Den er auf dem Ei'liesauer mn ।einem Bivelouche zu Tode zu schmeißen im- ftaiiDe >ei. T>es joiaic ;)ici!ribi des huiuoroolten und apiiiri-inV-H f ------ (uilriyi des hu.lwroolten und geistreichen großen Pre.,,,entou,gs fl.ln Der Oberpräsrdent Wolzogeu zu, der /'-ug Geschichte uont „Bibelhasen" frei ge ttaueu u.. uiui ... iS, oau Wal zogen cs fa,t ganz unterlassen hak, die bainai.icien jammer Kien sozialen Verhältnisse des norb- deutscher: < (iiiex.iu:. at anschaulichen SchilderutiÄn darzu- Sellen, wozii treffliche Gelegenheit gegeben war. Dadurch hätte der Roman auch an luerariictjem Werre, ganz angesehen vom kulturellen, we,entsteh gewinneit können, zumal Wvkzvgen sehr wohl dte Gabe zuzukrauen ist, daß das in vollkommen unauf- brrnglicher, durchaus geiajmaauoller, küustlerisü-er Form hätte ge- fchehen können. Doch Wolzogen toiro lewer als künstlerischer Gestaller immer flüchtiger, oberflächlicher. Im wogenden Groß- ftaDt.rubel^ Münchens und Berlins zersplitterte, zerflatterte fein xaknt. Im stillen Darmstadt wuchsen ihm feine neue Flügel. Mau luiro sich mll der Tatsache absinden müssen, daß von Wvlzogen Bleibenbes nicht mehr zu erwarten ist. Die Ausstattung des qe-. bunbenen Buches durch die Verlagsbuchhandlung ist übrigens erstaunlich altmodisch. — Ein Großfürst a l s R o m a ,i s ch r i f t st e 11 e r. Ans Loiidon ivird uns berichtet: Großfürst Michael von Rußland der wegen jeiiier Heirat mit der Gräsin Torby seiner 8eit aus Nußlaiiü verbannt wurde, der V e 11 e r des Zaren läßt soeben m London einen Roman erscheinen, in dem er die'Geschichte einer Liebe und seiner Eriahrungen im Exil in künstlerncher Verhüllung niederlegt. Tas Blich führt den Titel „Mever bay Die“ unö in ihm erscheint der Großfürst als ein deutscher Prinz ber unter jemem Stande heiratet und nun gegen die Femdjchait aller feiner Angehörigen zu ringen Hal. Lieber die Tendenz des Werkes das die Widmung „Alemer Frau" trägt, gibt ein Vorwort Auf- 1(4)1119, ui dem es heißt: „'Als Angehöriger eines Kaiferhaujes mochte ich der Welt beiveisen, wie falsch die Alemung der Allgemeinheit ist, nach der wir die glücklichsten Gefchöpie dieser Erde sind. Gewiß leiden wir an äußeren Glucksgüiern feinen Mangel «bei ist Reichtum das einzige Glück am der Welt? Alan möge bedeuten, wie viel äußere Pflichten mit unserer Stellung verknüpft sind, ivie viel mehr als gewöhnliche Sterbliche ivrr der onem- Udjen Alemung ausgesetzt sind. Was ist das größte Glück m öieiei- UiSelt? Gewiß die Liebe zu einer Frau — die Wahl unjerer funmgen Gaitm. Und selbst hierin besitzen wir nicht die ftreibeu des Privatmannes." ° J ~ 1 e drahtlose Telegraphie i m Die n ft ber x C V,er £ lLn ö e* der letzten Sitzung der Parijer Akademie der Wlsienschaiten hat Professor Vigourdan vom Objervatorimn einen imeiessamen Vorschlag emgebracht, der die Lücke m der Wetter- funöe beseitigen soll, die dadurch emsteht,daß über die meieorologlscheii Eischeulmigen Mi Gebiet des Atlaniifchen Ozeans regelmäßige Berichte iehlen. Die mit drahtlosen Apparaten ausgeriineien Schnelldampfer sollen künftig über alle Sturm- oder Winderscheümnaen denen sie wahrend ihrer Fahrt begegnen, den tontientalen meteoro- la'Ichen Stationen Nachricht geben unö so Befchlemngung der Berechnungen ermöglichen. H 9 — Kleine Ehronik aus K u n st u n d W i s s e n f cß a f t ^^öpenbageu ift am 29. Aprll der dän. Romanschrätsteller V. F. E w a l d, 86 Jahre alt, gestorben. Versehen in der Bedienung eine Sprengpatrone, die in einer als Sprengboot dienenden Dampspinasse lag, vorzeitig entzünde' Durch die Explosion der Patrone wurden getütet: der Tor- pedobootsmannsmaat Gustav Löwe, der Torpedooberuiatrose Wciu,-- lafs und der Oberheizer Wurm. Schwer verwundet mürben- die Torpedoobermatrosen Tamcrow und Mütter III und bet Torpedomatrose Skcnzingcr. Leicht verwundet inurben der Fähnrich z. S. Jürgens und der Maschinistenmaat Grooth. * Ein ne unfad)er Morder. In Oberndors dem bekannten thüringischen Kurorte, ist nach dem „Apoldger Tagebl.", das uns ein in ?lpolba lebender „alter Gießener" freundlichst zusendet, ciii verhängnisvoller Fund gemacht worden, und zwar ans einem Acker, den früher jener Koch bewirtschaftete, von dem wir bereits meldeten, daß ihm zwei Morde nachgewiesen morden sind. Es fa n dort ein Frauen-Haarschops zutage, der teilweise geflochieii war und in dem sich noch Haarnadeln besanden. Weiter kamen angekohlte menschliche Knochenresre an die Oberfläche. Inzwischen hat die Gendarmerie eine Fülle von Anhaltspunkten ermittelt, die es zweifellos erscheinen lassen, daß Koch noch eine ganze Reche von Mordtaten begangen hat- I. Die Witwe Lutse Müller hcelt sich voin Juni vis August v. I. in Apolda auf. Dann ging sie zu Koch als Wirt- schasterin. Sie ist seitdem verschwunden. 2, Frau Schütze aus Apolda ist im Januar vorigen Jahres ungefähr 2U Tage bei Koch als Wirtschafterin tättg gewesen und ebenfaibi verschwunden. 3. Von der HandelSfrau Clise Fuß ,rehf es mit aller Bestimmtheit fest, daß jic sich am c>. August v. I. zum Verlaus von Stlbcrsand uach Oberndorf begeben hat. Ihr Äerschsvinden luiTO Koch aufs jtonto gesetzt. 4. Im Oktober 1905 verschwand die Handelsfrau Schmidt, deren Leichenresre nach einem halben Jahre in der Ilm gefunden wurden. 5. und 6. Die Ermorviuig seiner dritten Frau und der Frau Zeise aus Apoida hat Koch cin- gestauden. 7. uud 8. Von der zweiten Frau Kochs und dem blinden Sohne Kochs wird vermutet, day er sie umgebracht hat. 9. Schon vor 30 Jahren scharrte in Oberiidorf eine Katze einen avgeschltittenen Men,chenfuß ans. lieber diese Tatsache, die an die Ennoroung der dritten Frau Kochs erinnert, konnte nichts ermittelt werden. Koch hat also wohl schon daina.s sein Morvhandwerk betrieben. Au, eine die|ic Bkuttacen dnr,te auch noch fütgeiiver Fand zuräetzusuhren sein, den man im Sominer vorigen Jahres machte und in dem man einen Studenten-revek vermutete. Beim Fischen im Mühlgraben zwischen Suizoach und Obernoors fand man auch das Skelett einer menschlichen Ha na im Netz. * Brände. Em Braud, dem ein Aienscheiileben zum Opfer gefallen ist, hat das ponim. Tors Karzig hcuugeiucht. 8 Wohn- yäufer soivie 6 Scheuilcll und Ställe mürben eingeäschert. Tie öjaljiige Tochter des Besitzers Popilka kam m den Flammen um, 13 Familien sind obdachlos. — In Al o ll a n bei Leipzig ,,l die biühniafchlneniabrll Robert Klehle zinn Teil nieöergebrainn. 'älainenlllch der Alodell- und Pollersaal wliröen voin Feuer oev- 1111'1)161. * SS o m Aetna. Vorn Observatorium aus dem Aetna wird gemeldet, daß wieder dichter Rauch aus dem Mittelkrater aus- Iteigt. Am Mitnvoa) begannen um 5.30 llhr srüh die Instrumente ein lokales Erdbeben zu verzeichnen. Lieber den Ortschaften Battbttbove uiit> Trifoglieko lagerten sich Massen schwarzen Rau^s. In Lmguaglofsa, Zapparana und Santavenerina würben mehrere Erdstöße verspürt, üerbunben mit unterirdischem Getose und starkem Aschenregen. Am Aetna öffnete sich in der Richtung nach Ballcdelbove ein neuer Krater, aus dem jetzt auch eine hohe Rauchsäule aufsteigt und heißer Afcheregen herniederfälll. Die Bevvlferung ist sehr beunruhigt; man befürchtet ähnliche Verwüstungen wie bei dem letzten Ausbruch. Die großen Rauch- mcngen lassen vermuten, daß sich noch ein neuer Krater an anderer Stelle bilden könne. der Station Gießeu. April 1908 Weller Q - C c Ä 29. 2»6 747,0 8,9 6,3 74 NE 2 Regen 29. 926 750,5 8,4 7.5 92 NNW 2 Klarer Himmel 30. 754,6 5,9 6,1 88 SW 2 Sonnenjchein Höchste Tempi? Mtuc a 11 28. bis 29. Apr t( = 10,2 6 C. 9liedrigste „ „ 28. „ 29. „ - -j- 7,2 " 0- Teietonescaie des Giessenei Anzeigers, mitge und Indnsli Frankfurter itori 3^°/0 Reichsanleihe . . 91.25 0-6 do. . . 81.70 3>ä°/0 Konsuls .... 91.05 do 81.75 u/4u/0 Hessen 90.60 3>6U/O Oberhessen . . . 91.50 •i>o Uesterr. Goldrente. . 98 70 4l/6 % Uesterr. öilberrente 09.40 4zo Ungar. Goldrente . . 93.35 4>0 Italien. Rente . . . .— 3>'o Portugiesen tierie I 60.80 3-6 Portugiesen „ UI 62 00 ■1>5v/8 russ.btaatsanl. 190o 94.70 uy0 japau. Staatsanleihe 86.70 4% Conv. Türken von 1du3 65.50 Türkenlose 149 60 i-6 Gneeh. Konopol-A.nl. . 49.0u äussere Argentinier . 85.00 0% Mexikaner . . . 66.40 4>äu/o Chinesen .... 95.30 Aktien: Bochum Guss 218.50 Buderus E. W U2.7i» 1 enden ü : behauptet. berliner morse, 3< Canada E. B 153.30 Darmstadter Bank . . . lub.iu Deutscue Bank .... 232.4t) Dortmunder-Union C. . . Dresdner Bank . . . 138.2t Tendenz: unentschieden. üuirsi9er V,1 Htern mfolgc Ucberanstrengung zeitweise reajt angegriffen .tnnV -°.neifc’.lunlef berttgeu Kopnannerzen zu leioen Atem Zu- wahrend oes Gebrauches von Bioson ganz mefeniüd) gebefsert und fetzte ich deshalb Die Kur fort. Fch verivreche mir SÄS Äxau£t) ?°.encr den beiten Erfolg uub habe nicht unterlassen, hoV- tat tm itrci,c. meiner Kollegen 1111b yeiamiten auf Grund ^Nvkge beiten- zu empfehlen. Mit vorzüglicher Sochachiung. Karl Wurst, Realiaiuliehrer. Uiitcvidirnt uegiaubisiD Wltzenoanien, 28. Juki WO/. Klingelhöfer, Moiugi. 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Die Listen zur Ein Uesen bei.Turnwarl Heuser, btreuzplap 5, und in der gunnern 6 Bei rechtzeitiger Anmeldung besondere Bergnnsii Der Vorstand. * | 1) Freiübungen und Riegenturnen am Dienstag und Freitag, 2) Kürturnen und Turnen der Vorturner am Mittwoch, 3) Die akademische und Männer - Riege am Dienstag, 4) Die Frauen-Abteilung am Donnerstag, 5) Die Riegen der Studenten nm Montag und Mittwoch. „ ..Das volkstümliche Turnen beginnt an allen Abenden um 71/- Uhr, das andere Turnen um 8'/- Mir pünktlich in der Turnhalle des Realgymnasiums Ecke Ludwigslrahe und Bismarckstrabe. Anmeldungen werden schriftlich durch den 1. Sprecher Rcchts- nnroSP Kaufmann und den 1. Schriftführer Uarl Lang sowie an den Turnabenden durch die Turnwarte entgegen genommen. Der Voranschlag für 1908/09 liegt bei rk. Lang vom 1. Mai bis zum 8. Mai 1908 zur Einsicht offen. Die Aumeldelistcu für das deutsche Turnfest in Frankfurt ließen tn der Turnhalle und dem Veremslokat zum Ei »zeichnen cnen. ____________Der Vorstand des M.-T.-B., Gießen. sowie gleichzeitig zur Mgimg des lilgemeiuMes und Hebung des Appetits infolge ihrer anerkannt rationellen Zusammensetzung hervorragend geeignet Guajacose Eierteig-Waren von Rivoire u. Carret, Mühlhausen, Lion. Gemüse« WeSn, Graupen, Ringe, Faden, Mörnchesu per Pfd. 60 Pfg. Echte Eierteig-Waren aus bestem Hartgries und frischen Eiern zubereitet, garantiert ohne Farbzusatz Gemtisenudein, Haarfaden, Graupen, Ringe und Hörnchen per Pfd. 50 Pfg. Pa. Gemüse-Nudeln, Hörnchen, Ringe, Faden per Pfd. 38 Psg. ffff. gelbe Gi,ies-Sudeln Gemüse-Nudeln, Faden, Ringe und Hörnchen per Pfd. 28 Psg. Maccaroni m Vi und Va Pfund-Paketen, von Nevoire und Carret, Mühlhausen, Lion, per Pfund 50 und 60 Pfg. per Pfd. 32 Pfg. Gebr. 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