M Donnerstag 3V. April 1908 Erstes Blatt 158. Jahrgang Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten Formen lunu. (offen itUDg itz: ise: Deutsches Reich. Ter Seniorenkonvenl des Reichstages stellte gestern bcn Arbeitsplan für den jetzt begonnenen Zwischenab- schnitt der laufenden Tagung fest. Die Vertagung auf den Herbst soll am Freitag den 8. Mai stattfinden. In den acht Sitzungen, die bis dahin ftattfinben, soll folgendes erledigt trerdcn: Donnerstag: Postdainpfcrvorlage (Lloyl>Subvention), Stempelabgabe auf Kraftsastozeuge und Teuerungszulagen in erster und zweiter, Drünz- und Postscheckgesetz in zweiter Lefung; Freitag: Versicherungsvertrag, Wechselprotest- und Trerhalter-Ge- setz in zweiter Lesung: Sonnabend: Nechnungssachen, Wahl- prlifungrn und Petitionen: Montag: Befähigungsnachweis sowie Mast- und Gewichtsordnung in zweiter Lesung: Dienstag: 2. Lesung der Kolonialbahnen und Bericht der Budgetkommrsfion iiber die Militäranwärtrr; der Mittwoch bleibt frei für Rückstände. Tie dritte Lesung der genannten Gesetze soll am Donnerstag und Freitag den 7. und 8. Mai erledigt werden. Die W a h l p rü f u n g s k o m ni i s s i o n des Reichstages erklärte gestern die Wahl des Abg. Lehmann-Wiesbaden WMresse schenken müssen. — zurückkehren, um dem Kaiser sein AbberufnngSschreiden zu überreichen. lieber das Eintreffen feines Nachfolgers Hill ist noch nichts näheres bekannt. Preußisch - sächsische Eisen bahngemein fch ast. Tas „Dresdener Journal" schreibt: Ende voriger Woche fanden im Ministerium der öffentlichen Arbeiten in Berlin vorläufige Verhandlungen mit Vertretern des sächfischen Finanzministeriums über den Beitritt der sächsischen Staatseisenbahn- Verwaltung $ um preußischen, später deutschen Staats- bahuwagenverbande statt. Dem Vernehnicn nach machen sich zunächst noch weitere Bereck>nuugen nötig, nach deren Fertigstellungen die Verhandlungen fortgesetzt werden sollen. Das s ä ch s i s ch e Kultusministerium hat beschlossen, von diesem Sommer ab die Ferien der höheren Schulen Sachsens mit den Gerichtsferien zusammenzulegen, auch soll die gleiche Einrichtung bei den Volksschulen angeordnet werden. Die Regierung des Fürstentums Schwarzburg- R u d o l st a d t wlll auf Antrag des Landtags int Bundesrat den Versicherungszwang für Heimarbeiter fordern. Eine Versaminlung der Polen Charlotten- b u r g s im sozialdemokratischen Volkshanse, zu der aber nur Nationalpolen Zutritt hatten, stimmte folgender Resolution zu: Die versammelten polnischen Männer und Frauen geloben, daß sie angesichts der Ausnahmegesetze, die den Polen ihre teuersten nationalen Güter rauben wollen, mit dem glüh end st en Eifer den Kampf mit den Feinden aufnehmen und unausgesetzt mit aller Kraft und Entschiedenheit jeglichem Germanisierungs-Vcr suche entgegen arbeiten werden. Der Arbeitgeberverband im Baugewerbe für Mittelfranken sperrt die am 1. Mai feiernden Arbeiter bis zum 4. Mai aus, ebenso der Arbcitgeberschutzverband im Holzgewcrbe für das rechtsrheinische Bayern jeden Betrieb bis zum 4. Mai, der auch nur teilweise feiert. Stimmungsbild aus dem Reichstage. Berlin, 29. April. Der Zeniorenlotwent hat heute das Arbeitsprogramm für den turzen Zwischenabschnitt der Tagung festgestellt, und als Berta g u n g s t e r m i n d e n 8. M a i in Aussicht genommen. Indes ist das wohl nur als äußerstes Zeitmaß auszufassen: auch diesmal dürfte die Fericnsehnsucht die Arbeiten beschleunigen. Ohne viele Worte erledigte man heute zunächst das Provisorium in der Organisation des Patentamtes, das der überlasteten Anmeldeabteilung die Möglichkeit geben soll, durch Zuziehung geeignet vorgebildeter Hilfsarbeiter die Vorprüfung der Patente zu erleichtern und zu beschleunigen. Wohl um auf die Regierung einen kleinen Druck auszuüben, sich mit der allseitig als dringend anerkannten Umgestaltung des Patentgesetzes und der Verfassung des Reichs-Patentamtes zu beeilen, hat der Reichstag, der den Regierungsentwurf kurzer Hand ohne Komniissionsberatung in allen drei Lesungen verabschiedete, seine Geltung auf drei Jahre befristet. Auch e?2 Novelle zum Gesetz über deck Unterstützungs- Wohnsitz nahm für ihre zweite Lesung verhältnismäßig wenig Zeit in Anspruch. Im milden Klima der Blockära hat die Behandlung dieser Frage die Schärfe verloren, die sie in der geraumen Zeit während deren sie auf der jährlichen Wunschkarte einiger Parteien des Reichstags erschien, in den Erörterungen früher gezeigt hat. Nur die sozialdemokratischen Redner erhoben programmäßig Klage über eine neue agrarische Liebesgabe, aber der Ton war gedämpft, und so konnte auch Herr 5d:eth seine Erwiderung ohne jeden störenden Zwischenruf Vorbringen. Obgleich das Gesetz unbestritten eine Belastung der Jndustrie- gegenden und Großstädte bedeutet, erkannte mit den Nationalliberalen, für die Herr Horn, Berichterstatter der Kommission und Vertreter eines industriellen Wahlkreises, das Wort führte, auch der freisinnige Oberbürgermeister von Hagen, Herr Cuno, die Notwendigkeit an, den Heimatgemeinden auf dem platten Lande eine Erleichterung zu bringen. Mit dem Wunsche nach größeren uni) dadurch lei st ungs fähigeren Armenoerbänd e n , sowie einer Entschädigung der durch die Uebernahme aus dem Auslande abgeschobener Reichsanpehörigen ungerechtfertigt belasteten Grenzbezirke verband der Reichstag die Anregung zu verstärkter und einheitlicher Fürsorge für die arbeitslustigen Wanderarmen. Am längsten hielt man sich beim Vogelschutzgesetz auf. Die Kommission hatte ungeachtet des lebhaften Widerspruchs der Regierung das Verbot des Krammetsvogelsanges im Dohnen stieg eingefügt. Umsonst bemühte sich der Forstmann Freiherr v. Wolfs-Metternich mit einer Reihe anderer Anhänger dieses Jagdsports ober Bratens das Verbot aus dem Gesetzentwurf wieder zu entfernen. Der Kreuzzug des Dr. Varenhorst gegen „mittelalterliche Barbarei" endete siegreich. Als Freund der Sänger jeglicher Art nahm sich der Zentrumsabgeordneto Pfeiffer ebenso wirksam des beflügelten Völkleins im Walde an, wie gestern des Chorpersonals aus der Bühne, und nach einer sachverständigen Rede des Antisemiten Vindewald über den Gimpelfang schloß die Beratung mit unveränderter Annahme der Kommissionsbeschlüsse. erstatlers ergänzt und berichtigt werden. So heißt es in der Zuschrift u. a.: „Die vom Vorstand beantragte Resolution! wurde nicht angenommen, sondern unter großen Debatten wie folgt dahin abgeändert und angenommen: Die Generalversammlung des Verbandes deutscher Handlungsgehilfen billigt den Versuch einer sozialpolitischen Verständigung mit dem Deutschnationaten Handlungsgehilfenverband und hofft, daß auch mit den anderen kaufmännischen Organisationen eine sozialpolitische Verständigung zu erzielen tst. Die Generalversammlung erwartet unbedingt, daß die endgültige Entscheidung einer Generalversammlung des Verbandes Deutscher Handlungsgehilfen Leipzig zur Genehmigung unterbreitet wird. — Diese Resolution hat durch das im ersten Teil eingefügte Wort „sozialpolitische" einen ganz anderen Sinn als wenn dies Wörtchen weggelassen worden wäre, ebenso ist der zweite Teil der Resolution von großer Wichtigkeit und bitte ich Sie, nochmals einen entsprechenden Artikel zu geben." In der Zuschrift wird ferner Wert darauf gelegt, daß bei der Debatte über die Erhöhung des Beitrages von 6 auf 12 Mk. große Stimmung für 12 Mk. vorhanden gewesen sei. Nach längeren erregten Debatten sei ein Antrag auf Bei- tragserhöhungvonb auf 10 Mk. mit Erhebung eines Eintrittsgeldes von 1 M k. angenommen worden. Was den Verbandtag betrifft, so findet dieser nicht im September in München statt, fonbent im Lause des Sommers 1909 in München. Die Neuwahlen zum pretch. Abgeordnetenhause. Am 3. 3uni finden in Preußen die Urwahlen zum Ab- zeerdnetenhause statt, die eigentlichen Abgeordnetenwahlen aber :rft am 16. Juni. Je naher nun diese Termine heranrücken, 1 Eso eifriger sind die einzelnen Parteien bestrebt, ihre Kräfte 3 in sammeln, und wohl selten war die Wahlbewegung so lebhaft 4 nie biesesmal. Das erklärt sich aus ber großen Bedeutung, die : bett neuen preußischen Abgeordnetenhause bei ber bevorstehenben >1 Lösung der Wahlrechtsfrage zukommt. Auf die zukünftige Zu- ammenfebung des preußischen Abgeorbnetenl>auses kommt es an, 4 ob der größte deutsche Bundesstaat endlich ein zeitgemäßes Wahlrecht erhält ober nicht. Bleibt eine solche konservative Mehrheit, nie bisher, im neuen preußischen Abgeordnetenhause bestehen, I bann ist von einer Aenberung des Wahlrechts wenig erfreuliches Usll erwarten, denn den Konservativen ist „bas elendeste aller j Wahlrechte", bas preußische Landtagswahlrecht auch heute noch bas „Alte unb Bewährte". Unsere Gegner so heißt es in dem i !onservativen Wahlaufrufe — wollen unser bewährtes Wahlrecht beseitigen unb durch eine anderweite Einteilung der Wahlkreise das politische Gewicht des platten Landes 7 unb der Kleinstädte verringern unb zugleich auch den letzten Ein- , liiß, den der Mittelstand heute in der Volksvertretung noch besitzt, schmälern unb im Interesse der Großstädte beseitigen. Vir stehen gegenüber allen Angriffen fest auf den christlichen unb religiöser Grundlagen unseres Volkslebens und msbesondere nid) in unserer Volksschule. Auch wir Konservativen wollen einen Fortschritt auf allen Gebieten unseres Wirtschaftslebens und un- lerer Kultur, aber wir wollen nicht das Alte, Bewährte Mohne zwingenden Grund umstürzen in dieser unruhigen >: .,cü, sondern wir wollen erhalten, was der Erhaltung wert ist - unb wollen darum unter voller Wahrung der verfassungsmäßigen g Siechte des Volkes eintreten für die Erhaltung der immer mehr ■ i’iminbenben Autorität in Haus, Wirtschaft, Gewerbe, Regierung i mb Staat." Bewähr hat sich das preußische Wahlrecht für die Kon- q invaliden in der Tat, beim es gibt ihnen mit seiner Dreiklassen- rj tiitamg, mit seiner ungerechten Abgrenzung der Wahlkreise und K out seiner indirekten und öffentlichen Stimmenabgabe von vorn- ■ geeilt ein Uebergcwicht. Und doch darf man hierin nicht die W mtgigen Gründe für das Unterliegen des Liberalismus im preuß. 4 Kiseordnetenhaufe erblicken. Anders als im Reichstage ist bas .1 i! rhältnis ber einzelnen Parteien zueinander im preußischen Ab- Wgeorbnetenhause. Im Reichstage Halle bas nationale Moment Umngend gewirkt, dort haben die Blockparteien nur nach einer ' vnt §n kämpfen, hier stehen die Liberalen, einschließlich die r s.alionalliberalen, nach mehreren Seiten hin in Verteidigungs- 5 ictlung gegen Konservative, Zentrum und Svzialdew^'rat' - BSirum wird den Liberalen _>ei Wahlkampf schwierig werden, zum kleinmütigen Verzagen hat er dennoch feinen Grund. I Sie Situation hat sich für den Liberalismus in Preußen ent- n . toben gebessert, mögen die sozialdemokratischen unb die Zen- 1 timöblätter auch noch so sehr bas Gegenteil behaupten. Schon S R Einigung ber brei Parteien ber bürgerlichen Linken, wie sie B auch in ihrem gemeinsamen Wahlaufrufe rum Ausdrucke I 'Eint, wirb nicht wenig bazu beitragen, bas Vertrauen ber U Wählerschaft ihnen zu gewinnen. In mehr als einem Punkte 1 Ifit fich bieser freisinnige Wahlaufruf mit dem von uns vor I mrigeu Tage: mitgeteilten nationalliberalen, unb fchvn baaim Mmd Freisinn unb Nationalliberale diesesmal mehr denn je in ber • ?cge, sich im Wahlkampfe bcizustehen, bamit bie bisherige kon- tativ-klericale Mehrheit des Abgeordnetenhauses verschwindet. Im einzelnen verlangt der freisinnige Wahlaufruf, daß die ■ tlrimbgebanfcn der Reichspolitik auch im größten deutschen Bun- I' üSltaate Geltung finden. Vor allem verlangt dieser, Wahlaus- K i'f, daß die geltenden, aus der schlimmsten Reaktionszeit stam- ■ nenbcit Wcchlrechtsbestimmungen burd) bas allgemeine, direkte D-vid geheime Wahlrecht ersetzt werden, und daß eine,Neueinteilung I 1:6 Wahlkreise den Bevölkerungsverhältnissen entsprechend vor- Btlinommen werde. Vereinfachung des Verwaltungsapparats, Er- I teilerung der Selbstverwaltung ber Gemeinben, Verstärkung bes Bkirislusses ber bäuerlichen Bevölkerung, Zurückweisung ber Bevorff iugung bes Abels usw. sind bie weiteren Forderungen ber §rei- BInnigen Wie ber nationalliberale Wahlaufruf, so fordert end) ® lec freisinnige Freiheit ber wissenschaftlichen Forschung unb Lehre " mb religiöse Toleranz. Die Förberung bes Mittelstanoes in mbhurt, Gewerbe unb Lanbwirtschaft haben Freisinn unb Na- | ioicltiberaU in gleicher Weise auf ihre Fahnen geschrieben. Die H Liderung bes Mittelstandes wollen allerdings auch bte Kon- DDlkativen sich angelegen sein lassen, aber cs ist schlechterdings H nebt zu begreifen, wie ein solches Versprechen mit ver Ver- Blfciiigung des bisherigen Wahlrechts zu vereinigen i|t. Will nan den Mittelstand wirklich fordern, dann muß man ihm bocy J)i allen Dingen die Möglichkeit geben, seine Wünsche im Par- irrcnre laut werden zu lassen. Diese Möglichkeit gibt aber Was bisherige preußische Wahlrecht nicht. So verschieden nun auch die Verhältnisse im Reichstage und i M preußische Abgeordnetenhause sind und so wenig ^s auch - m Frirh- tii-k bei dem deutschen Botschafter ein und befua)te nach- "'niitags die Prinzessin Helene Georgiowna von Sachsen- Alenburg. Der Großherzog und die ^o^orzogm von Hessen frühstückten gestern beim deutschen Botschafter^Orafen Pourtalös. Der Grohherzog trug russische Uniform. (Soz.) für gültig. Ein Erlaß gegen die Feuerbestattung hat das erzbischöilid>e Ordinariat in Münden in färntlichen katholischen Kirchen Ri.ünchens anschlagen lassen. Es wird nicht nur aus das kirchliche Verbot der Feuerbestattung hingewiesen, sondern auch vor dem Beitritt ztim Verein für Feuerbestattung gewarnt. Tas Ministerium des Innern beruft sich angesichts ber wachsenben Agitation und mit Rücksicht au) feine schwierige parlamentarische Lage auf bie alte Polizeiverorbnung für das Begräbniswesen, in ber die Feuerbestattung nicht vorgesehen unb beshalb unzulässig sei. Ter am er i taiiische Botschafter C har le mag ne Tower begibt sich heute mit ssjner Familie zu längerem Auf- Schweiz. Ende Mai wird er nach Berlin Zum Teutschcu Haublungsgehilfentage in Leipzig. ,Zu unserem Bericht über den Deutschen Handlungs- Mlfentag in der letzten Dienstagsnummer ist uns von unern Teilnehmer der Leipziger Versammlung eine Zu- ------ .. Hnift zugegangen, worin einige Angaben unseres Bericht-1 enthalte nach ber Nr. 101 Set Gießener Anzeiger nfdjemt täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SießenerSamilienblätter; ^iveimal roöchentl.Kreis» Mattfürben Kreis Gießen (Dienstag und Frei lag); iioetmal monatl. Land- olrtichaslliche deitfragen Fernfprech - Anschlüsse: jut die iRebatlion 112, Örrlag u. Expebuion 61 Äbrctle liit Depeschen; Rnietger Gtcßcu. Mnahme von Anzeigen rüi. bie Taqesnuinnier MB oormUtags 10 Uhr. Arrsles Herausgebers scharf Stellung zu nehmen. Aber hier handelt es sich weder um die Person des Fürsten Eulenburg noch um die des Herrn Harden, sondern lediglich um die Sache. Eine Rechtspflege, die das Vertrauen aller Schichten der Bevölkerung gleichmäßig besitzt, ist eine der erhaltenden Grundlagen eines großen Staates. Wie verhält es sich nun damit im Falle Eulenburg-Harden? Es ich nicht richtig, daß hier Eid gegen Eid steht, vielmehr stehen drei Eide von Männern, die bisher von den Richtern, vor denen sie geschworen haben, als glaubwürdig befunden worden sind, gegen einen Eid des Fürsten Eulenburg! Dazu kommt, daß Fürst Eulenburg in seinem eigenen Interesse gefcEnwren hat, während die Zeugen gegen ihr eigenstes Interesse Zeugnis abgelegt l^ben, indem sie, um einen Meineid zu vermeiden, Ehre und Reputation opferten. Der Zeuge Boll- hardt hat, das ist doch unvergessen, eidlich bekundet, ein Eulenburg habe an den ekelhasten Orgien in der Adlervilla teilge- twmmen, und in dem Bilde des Fürsten Philipp Eulenburg diesen Äilenburg wiedererkannt! Die Konfrontation konnte nicht stattfinden, weil Fürst Eulenburg sich damals weigerte, sich von dem Zeugen Bollhardt betrachten zu lassen. Die Zeugnisse von Riedel und Ernst vor dem Münchener Schöffengericht sind in aller Erinnerung. Ter Verdacht, daß Fürst Eulenburg etwas beschworen hat, was er unter dem Eide nicht verantworten kann, ist sehr stark, besonders stark, wenn man bedenkt, daß von Justiz- lat Bernstein noch vier weitere Tatzeugen in Aussicht gestellt sind. Die Staatsanwaltschaft meint, sie müsse erst die Akten des Münchener Prozesses abwarten. Diese Argumentation kann ich nach meinem Iiechtsgefühl nicht für stichhaltig halten. Wir haben Telegraph und Telephon. Hätte die Staatsanwaltschaft sich mit dem Vorsitzenden des dldünchencr Gerichts, dem Oberlandesgerichts rat Mayer, telegraphisch und telephonisch in Verbindung gesetzt und sich von ihm nur die Glaubwürdigkeit der beiden Zeugen Ricdei und Ernst bestätigen lasset!, so hätte sie bereits am Tage nach dem Prozeß in München einschreiten tonnen. Jetzt sind achi Tage vergangen, ohne daß aus der durch den Münchener Prozeß geschaffenen Rechtslage die einzig mögliche Konsequenz gezogen wäre. Unzweifelhaft hätte man sich der Person des schwer verdächtigen Fürsten ohne Säumen versichern müssen. Eine sofortige Haussuchung beim Fürsten Eulenburg sowie bei dem ihm bis in die letzte Zeit intim befreundeten Fischermeister Ernst in Starnberg war die Maßnahme die allgemein und mit Recht erwartet wurde. Tenn § 112 der Strasprozeßordnung bestimmt, daß Fluchtverdacht die Untersuchungshast bedingt und der Verdach. der Flucht keiner weiteren Begründung bedarf, wenn ein Verbrechen vorliegt. Tie Verdachlsgründe gegen den Fürsten Eulenburg sind durch die beschworenen Aussagen die allerdringendsten; Gerüchte, Fürst Eulenburg wolle sich ins Ausland begeven, sind mehrfach ausgetaucht. Wenn Fürst Eulenburg falsch geschworen hat, so liegt ferner die Gefahr vor, daß die Spuren seiner Taten vernichtet, daß Zeugen oder Mitschuldige zu falscher Aussage verleitet werden können. Der 8 112 spricht aber ausdrücklich von der Gefahr, daß sich der Angeschuldigte der Strafverfolgung entziehen oder seine^Machtmittel benutzen könne, um Kvllusiou (Verdunkelung des Tatbestandes- hcrbeizusührcn. Um die Be- weissicherteng zu verbürgen, wäre cs entschieden auch sehr wertvoll gewesen, wenn bereits am Mittwoch voriger Woche die Korrespondenzen des Fürsten, sein Geldverkehr usw. durch Haussuchung festgestellt worden wäre. Wichtige Resultate wären wohl auch bei gleicher Maßnahme bei dem Fischermeister Ernst crrcicijt worden. Zweifellos liegt hier eine für die Rech.spflege in hohem Maße bedauerliche Untätigkeit der Staatsanwaltschaft vor. Mir ist unter anderem gesagt worden, dem Oberstaatsanwalt Jsenbicl werde es sehr schwer fallen, seine irrtümliche Beurteilung der Person des Fürsten Eulenburg zu korrigieren. Tas halte ich für vvllkonimen ausgeschlossen, denn es matte natürlich für den Berliner Oberstaatsanwalt sehr viel peinlicher, wenn ihm dieser Irrtum erst noch von anderer Seite nachgewiesen würde. Sucht rr dagegen mit allen ihm verfügbaren Mitteln das Recht und findet er es im gegenteiligen Sinne jeinec früheren Auffassung, so kann er sich dadurch nur die allgemeine Anerkennung und der Staatsanwaltschaft wirtlich den Ruf erwerben, daß sie die objcktlveste Behörde der Welt ist. Ganz verkehrt, so schließt die Auslassung, ist aber der Glaube, dem man vielfach begegnet, als wünsche der Kaiser seinen früheren Freund geschont zu sehen. Fürst Eulenburg wäre, soweit ich unterrichtet bin, auch ohne den Mlutchener Prozeß niemals vom Kaiser wieder angesehen worden. Außerdem ist der Kaiser nicht der Mann, jemand zu schützen, der so schwer gefehlt hat. * Wenn übrigens das Ermittelungsverfahren in der Mcineids- sccche gegen den Fürsten Eulenburg, wie nach den letzten Aussagen in München ziemlich sicher ist, in für den Fürsten ungünstigem Sinne abgeschlossen sein wird, beabsichtigt die Staatsanwaltschaft, sofort die Voruntersuchung zu erössnen, die dann von einem Berliner Richter zu führen >väre. In München ist außerdem ein weiteres Ermittelungsverfahren eingelcitct, da dringende Verdachtsmomente dafür Vvrliegen, daß an dem Zeugen Fischermeister E r n st der V er such einer Beeinflussung seiner Aussage (§ 159) stattgefunden hat. In den zu erwartenden Prozessen soll, wie man sagt, auch mit dokumentarischem Material gearbeitet werden. Vielleicht handelt es sich um Teile des Briefwechsels zwischen dem Fürsten Eulenburg und dem verstorbenen Horst von Fahrenheit und um schriftliche Aufzeichnungen des früheren Privatsekretärs, jetzigen Schwiegersohnes des Fürsten, Jarolimek. Aus Statt und Land. Gießen, 30. April 1908. •• Regimentsbesichtigung. Zur Besichtigung mtseres Infanterie-Regiments, die in den nächsten Tagen stattfindet, sind der Divisionskommandeur Generalleutnant von Strantz und der Brigadetominandetir Generalmajor von Francois heute hier eingetroffen. Beide haben im Hotel „Großherzog von Hessen" Wohnung genommen. Der kommandierende General, General der Infanterie von Eichhorn, der morgen hier emtrifft, wird ebenfalls im Hotel Großherzog absteigen. ''Der Landesausschuß der hessischen Zen - krumspartei tritt heute, Donnerstag, zu einer Sltznng m Mainz zusammen. Die bevorstehenden Landtagswahlen bilden den Hauptpunkt der Tagesordnung. ** Weitere O-Züge und durchgehende Wagen. Die deutschen Eisenbahnverbindungen werden nut dem Inkrafttreten des Sommerfahrplans durch zahlreiche O-Züge und durchlaufende Wagen verbessert. So sind u. a. folgende Neuerungen eingetreten. Die vor 2 Jahren eingerichteten Nachtschnellzüge von Berlin über Nordhausen, Cassel und Frankfurt nach Basel und zurück, ab Friedrichstraße 9,38 abends, an 7,49 früh, werden aus der Hauptstrecke seit ihrem Bestehen als O-Züge gefahren. Tie Anschlußzüge von Gießen über Koblenz nach Metz waren dagegen bisher gewöhnliche Schnellzüge. Sie werden jetzt ebenfalls als V-Züge eingerichtet. Sie gehen von Gießen früh 5,56, von Koblenz 8,38 und sind 12,11 in Metz. Der Zug von Gießen nach dem Westen erhält auch den durchlaufenden Wagen Gi eß en - Lux em b urg, an 12,11. Von Berlin au5 hat man bis Trier, an 10,27, Gelegenheit zum Umsteigen in den Wagen nach Luxemburg. Während die Züge Berlin-Basel nur 1. und 2. Klasse haben, führt der Anschlußzug von Gießen nach Metz und Luxemburg auch die 3. Klasse. ** Pädag. Ku rS. Die Anmeldungen für den Darmstädter „Pädagogischen Kursus" sind so zahlreich eingelaufen, daß eine Anzahl Meldungen zurückgestellt werden mußten. An dem diesjährigen Kursus beteiligen sich 80 Abiturienten höherer Lehranstalten, die alle nach Absolvierlmg ihrer Ausbildungszeit im Volksschuldienst Verwendung finden. Wenn die Beteiligung für die Dauer in diesem Maße anhält, bann kann von der Errrichtung eines vierten Lehrerseminars in Hessen Abstand genommen werden. ** Groß-Brauereien und Wirte. Der letzte Bierkrieg hat zu dem Zusammenschluß der Brauereien geführt, was nach Schlichtung der Differenzen für eine Reihe von Wirken heute noch nachteilige Folgen hak. Von allgemeinem Interesse ist daher folgende Resolution, die der 25. Delegierten- tagdesRhein-Main-Gastwirteverbandesam Dies- tag beschlossen hat: „1. Die Erhöhung der Bierbezugspreise hat alle hessischen Wirte in den Städten und Bezirken schwer geschädigt, in denen der Bierausschankpreis nicht oder nicht entsprechend erhöht werden konnte. Der Delegiertentag fordert daher die Brauereien auf, in solchen Bezirken, in denen die Bieraus- fchankpreise nicht erhöht werden konnten, den Wirten die früheren Bierbezugspreise, wie sie vor der Erhöhung bestanden und auch jetzt noch in manchen Orten bestehen, vom 1. Juli 1908 ab wieder zu berechnen. 2. Der durch die Verträge der zu einem Verband vereinigten Groß-Brauereien der einzelnen Brauerei gewährte sog. Kundenschutz hat sich in zahlreichen Fällen als ein schwerer Eingriff in die persönliche Freiheit des Wirts erwiesen und auch in vielen Fällen große Schäden und Nachteile dem Gastwirtestand zugesügt. Abgeschlossene Verkäufe von Wirtschasts- anwescn mußten rückgängig gemacht und Wirtschaften konnten nicht anderweitig verpachtet werden, weil die durch den unter den Brauereien bestehenden Vertrag geschützte Brauerei, der die Bierlieferung gesichert war, auf die Bierlieferung nicht verzichten, aber auch das betr. Wirtschaftsanwesen nicht weiter mieten bezw. nicht kaufen wollte. Es erscheint daher als eine ernste Pflicht des hessifchen Gastwirtestandes, mit alten erlaubten Mitteln für die Beseitigung dieses Kundenschutzes der Großbrauereien einzutreten, um das Gastwirtgewerbe vor ferneren schweren Benach- tcüigungcn zu bewahren. Der Delegiertentag fordert zugleich sämtliche Verbandsmitglieder und alle Verbandsvereine dringend auf, mit allen Kräften und Mitteln dazu beizutragen, daß diese berechtigten Forderungen baldigst erfüllt werden. Der Verbandsvorstand soll zu dem Zweck eine schriftliche Aufforderung an die in Betracht kommenden Brauereien ergehen lassen und ferner, wo ausführbar, große allgemeine Wirteversammlungen einberusen. Sollten die Brauereien auf das Ersuchen der Wirte nicht eingehen, so wird hiermit der Verbandsausschuß beauftragt, einen außerordentlichen Delegiertentag einzuberufen, in welchem die weiteren Schritte beraten werden sollen. Zu diesem Delegiertentag sind auch die Vertreter sämtlicher Wirte-Brauereien einzuladen, wenn möglich auch ein Vertreter der allgemeinen Zentralstelle in Berlin, damit auch an die Errichtung eigner Brauereien oder der Anschluß bezw. der Bierbezug von bestehenden Wirte- Brauereien ins Auge gefaßt werden kann, wenn die Brauereien die berechtigten Forderungen der Gastwirte nicht erfüllen sollten. Tie hessischen Wirte bedauern, daß sie durch das Verhalten der Brauereien gezwungen sind, in dieser Weise vorzugehen, um die Existenz vieler Wirte von einer schweren Bedrückung zu befreien, und um die Freiheit der Wirte über ihre Anwesen inbetreff Bierbezug (Kundenschutz) wieder herzustellen, wie es früher zum Vorteil von Brauereien und Wirten der Fall war." ** Mit dem Schlüsse des letzten Schuljahres u't für manchen Knaben die scböne Zeit vorbei, in der er mit gleichalterigen Schulkameraden die freie Zeit beim Spiel im Freien verbringen konnte. Jetzt kommen die Lehrjahre, in denen der weitaus größte Teil des Tages in der Werkstatt, der Fabrik, der Schreibstube ober bem Laden zugebracht werden muß. In dieser Zeit, die mit der Entwicklung des menschlichen Körpers so eng verbunden ist, ist es doppelt wichtig, daß die jungen Leute nach der meist einseitigen Berufstätigkeit die Feierabeudstunden richtig, b. h. ihrer Gesundheit dienlich ausnutzen. Es ist deshalb eine sittliche Pflicht der Eltern und Lehrherrn, dahin zu wirken, daß ihre Pflegebefohlenen durch körperliche Ucbungen die Kraft und Gesundheit ihres Körpers sich stählen und erhalten. Der Satz: „9lur m einem gesunden Körper wohnt em gesunder Geist!", dessen Richtigkeit schon im Altertum bekannt war, sei dabei von jedermann besonders beherzigt. Die Gelegenheit, Körper und Geist zu üben und zu stählen, bietet sich heute in allen der deutschen Turnerschaft angehörigen Turnvereinen, die es übernommen haben, jüngere Leute im Alter von 14—18 Jahren als Zöglinge auSzubilden und sie so einmal an Zucht und Ordnung zu gewöhnen, zum anderen aber auch sic den gefährlichen Lockungen schlechter Gesellschaft zii entziehen. Wir empfehlen daher den jungen Leuten den Eintritt in die deutschen, d. h. vaterländischen Turnvereine. Für Gießen kommen der Turnverein und der Männer-Turn- vcrein in Betracht. (Siehe die Anzeige des Männer-Turn. Vereins im Anzetgeteil.) "'Preußische Klassenlotterie. Die Schlußziehung der 218. Lotterie beginnt demnächst und währt vom 6. Mai bis 3. Juni. Die Erneuerung zu eben dieser Klasse hat biö spätestens zum 2. Mai, abends 8 Uhr bei Verlust des Anrechts bei dem Einnehmer planmäßig zu geschehen. ** In dem Konkursverfahren über das Vermögen der Firma Max Wertheimer u. Cie. steht am 2. 'J)t a i l. I. Prüfungstermin. Wie uns der Konkursverwalter, Rechtsanwalt Keil in Büdingen, mitteilt, kann mit Rücksicht darauf, daß sich die Bücher und die zur Prüfung der angemeldeten Forderungen erforderlichen Unterlagen bei dem von dem Untersuchungsrichter mit der Erstattung eines Gutachtens beauftragten Bücherrevisor befinden, in dem Prüfungsterimn eine Erklärung nicht abgegeben werden. Die Forderungen werden in dem Termin weder anerkannt noch bestritten, und eine Vertagung desselben wird eintreten müssen. Es empfiehlt sich unter diesen Umständen, in dem Prüfungstermin vom 2. Mai nicht zu erscheinen. ** Zur Osterkonsirmation. Man schreibt uns vom Lande: Da dem Wunsche, die Konfirmation möge am 2. Ol'terfeiertage stattfinden, bis heute noch nicht allgemein Rechnung getragen wurde, so haben sich manche Eltern, die den Besuch von Paten aus den Städten nur auf die Öfter» feierfape zu erwarten hatten, in der Weise geholfen, baß sie die Familienfeier bereits am 2. Oflerfeiertagc abhielten, während der Konfirmationstag am vorigen Sonntag still oorüberging. Dadurch wird aber keinesfalls der eigentliche Charakter dcr Konfirmation gehoben. Bad-Rauhei n;, 29. April. Die Babe Häuser 11, LV, V, VIIIS. und bas Inh alatorium werben am 1. Mai in Betrieb genommen und sind die Badezeiten von diesem Termin ab von 7 Uhr vormittags bis 6 Uhr nach, mittags. DaS Jnhalatoriiim ist von 9—1 Uhr und von 3—5 Uhr geöffnet. — Nächsten Samstag feiert Privatier Adrie mit seiner Gattin, geb. Korner, mit der er in zweiter Ehe vermählt ist, sein goldenes Ehejubiläum. w Büdesheim (Kr. Friedberg), 30. April. (Tel.) Bei den auf dem hiesigen Hofgut befindlichen russischen Arbeitern wurde gestern ein neuer Blatter »fall konstatiert. Die davon betroffene Arbeiterin wurde nach Gießen in die Klinik gebracht und vom Kreisarzt in Friedberg die umfassendsten Desinfektionsmaßregeln angcorbnet. Die Behörde nimmt an, daß nunmehr kein weiterer Blatternfall mehr zu befürchten ist. 8 A u s d e m O l) m t a l, 29. April. Der Kuckuck ist eingetroffen ; sein Ruf erschallte vorgestern zum erstenmal in unseren Waldungen. Mil seinem Kommen hat sich, wie auch der Volksglaube besagt, endlich wärmeres Welker eingeftcllt; gestern war der erste warme Frühlingstag in diesem Winterlenz. ---- Alsfeld, 29. April. Die Stadt Alsfeld erhebt vom 1. Mai ab eine Besitz wechsel-^Abgabe, die auf die Hälfte des staatlichen Stempelbetrags festgesetzt wurde. W. Darmstadt, 29. April. Als Kreisrat Wal. lau von Groß-Gerau sich heute mittag im Automobil von Groß-Gerau nach Darnistadt begab, fuhr das Automobil auf der Griesheimer Chaussee beim Ausweichen gegen eine Telegraphenstange und wurde vollständig zertrümmert. Die Insassen wurden hcrarisgeschleudert. Kreisrat Wallau wurde nicht unerheblich verletzt. Nachdem er in dem in der Nähe gelegenen Schießhaus verbunden worden war, wurde er nach Groß-Gerau zurückverbracht. Q Frankenbach, 29. April. Ganz nach demselben Plan wie im benachbarten Fellingshausen haben auch wir jetzt eine neue stattliche Schule, die im Laufe dieses Sommers ihrer Bestimmung übergeben werben soll. Die Gemeinde Frankenbach ist in der angenehmen Lage, ohne jeglichen Zuschuß die Schule erbauen zu können, da sie übet vortreffliche Einnahmequellen verfügt. Mir Eröffnung der neuen Schule wird die zweite Lehrerstelle errichtet, zumal wir schon seit Jahren 100 und mehr Schüler haben. b. Frankfurt a. M., 29. April. Der auf der Ex- preßsteile im Hauptbahnhofe beschäftigte Arbeiter Jakob Scheel wurde verhaftet, weil er dringend verdächtigt ist, die dort lagernden Pakete aufgemacht und verschiedene Gegenstände aus denselben entwendet zu haben. In feiner Wohnung wurden Schuhe, Felle und verschiedene andere wertvolle Gegenstände vorgefunden. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. — In Bergheim bei Ortenberg wurde Ziegeteibesitzer König mit großer Majorität zum Ortsoberhaupt gewählt. — Ter Gesangverein „Eintracht" in Lind he im leiert am 13. Juli fein 25jähriges Jubiläum. 45eridH»$aaL Mainz, 29. April. Vor dem Provinzial-Ausschuß kam gestern folgender Fall zur Entscheidung: Bei der Stadtverordneten wähl in Worms im vorigen Jahre waren in zwei Bezirken die Stimmen nicht zu Gunsten des Kandidaten Heizte gerechnet und infolgedessen Notar Schwarz als gewählt crtlärt worden. Hiergegen wurde beim Kreis« Ausschuß in Worms Beschwerde erhoben, dieser kassierte die Wahl des Notars Schivarz und Hetzte trat an dessen Stelle. Die Beschwerde hat Rechtsanwalt Sotdan-Mainz vertreten. Der Kreis-Ausschuß verurteilte die Stabt Worms nur zu der vom Rechtsanwalt eingereichten Kostenrechnung von 20 Mk., während die Reisekosten des Rechtsanwalts in Höhe von 29,96 Mk. gestrichen wurden. Der Kreis-Ausschuß war der Ansicht, daß die Sache auch von einem Wormser Rechtsanwalt hätten vertreten werden können. In der gestrigen Rekursinstanz handelte es sich nur um die verweigerten Reisekosten. Rechtsanwalt Soldan führte aus, daß die Beschwerdeführer sich an einen auswärtigen Rechtsanwalt hätten wenden müssen, weil die Wormser Rechtsanwälte sich geweigert hätten, gegen ihren Kollegen Notar Schwarz aufzutreten. Der Provinzial^Ausschuß verurteilte die Stadt Worms auch zur Zahlung der Reisekosten und in die Kosten des gestrigen Termins. Berlin, 30. April. Dem „Vorwärts" zuiolge land gestern vor dem Ehrengerichte der Berliner 'Anwaltskammer der Berhandluiigstermm erster Instanz in der Tisziplmarfache gegen den Rechtsanwalt L i e b t n e ch t statt. Tie Verhandlung endete mit Freisprechung. Märkte. th. Gießen, 30. April. Ter dieSwöck>entliche Viehmarkt hatte einen Auftrieb von ca. 900 Stück Großvieh, 350 Stück Jungvieh und Kälbern und 750 Stuck Schweinen. Tie steigende Tendenz der Pr-este für Rindvieh hat im Handel nicht angedauert, die allgemeine Lage läßt eine Besserung des Vieh- gesastifts nicht austomnien. Der Milchviehmarkt war bei etwas gefallenen Preisen flau, ebenso verhielt es sich mit Fettvich- Tas Geschäft in Jungvieh war trotz der Aussichten auf ein gutes Futterjahr wenig animiert. Kälber gingen gegen den letzten Markt wieder im Preise zurück. Ter Handel mit Schweinen zeigte das Bild der letzten Märkte: schleppender Handel bei niedrigen unveränderten Preisen. Gehandelt wurden frischmelkende und tragende Kühe 1. Qualität 475—530 Mk., 2. Qual. 400—450 Mk., 3. Qual. 275—350 Mk. pw Stück. Jungvieh wurde zwischen 120—220 Mk. je nach Alter und en. auf der 6p Arbeiter W verdächtig! i; chiedene Gegk°> seiner Wohmg ibere nirrtrü Wams auch i; ;n des gestn-- D'e °A mehr • lltf,udiU ?°l 'N unift; 1 war bei (r\ AlSfelb echtz \bc, bie eie^t wurde lsrat 92üil hitomobil ^utotnobi, cn gegen ei eltrümniei> 'eisrat n er in ds worben wt rnbrati ^T.e "v nes ^.'5' ik 111,1 »'* t[,c unbT !c? N :er -nN: Ul Ni. "IWtitit S Men KLk- erhandluns01 >inzialerts mit Firma Germania Drogerie, vrüdl'lche UniverMätr-Druckeret. Sieben. aus aus Bluse, Nr. 435, Bluse, Nr. 400, Bluse, Nr. 436, Bluse, Nr. 439, Bluse, Nr. 455, Bluse, Nr. 438, Bluse, Bluse, Bluse, Bluse, Bluse, liefert billigst Ordnung befindliche Stücke mit einem versehen werden können. 3.75 4.00 4.50 5.00 5,50 6.50 Nr. 406, aus weissem englischen Batist, reich mit Stickerei. Nr. 443, aus gemustertem Satin, mit Pique - Kragen und Manschetten. 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Bekanntmachung Behufs Vornahme von Rcvisionsarbcitcu in der elektrischen Zentrale ist am Sonntag, den 3. Mai d. d»e St.omticfcrung für das gesamte Kabclneh in der Zeit von vormittags 11 Uhr bis nachmittags 6 Uhr unterbrochen, was wir hiermit öffentlich zur Kenntnis bringen. B l< Gießen, den 20. Avril 1908. Städtisches Elektrizitätswerk Greßen. Hamburger Engros Lager Donnerstag, den 21. Mai 1908, werden aut hiesigem Ortsgericht die vor dem Namen der August Helfenbein Ehefrau in Gienen stehenden Parzellen der Gemarkung Gießen: 2/lf>4,4=50< qm Hosreite links der Chaussee, 21/15,2 — 262 qm Grabgarten rechts des Wiesecker Wegs, 21/15,5=2496 qm Hosreite das., 21/15,8=1053 qm Grabgartcn, öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 15. April 1908. Gr. Ortsgericht Gießen. Gros. Donnerstag, den 21. Mai 1908 nachm. 3 Uhr, werden auf hiesigem Ortsgericht die vor dem Namen des Johanii van gen Hassend stehenden Parzellen der Gemarkung Gießen: 13/47=951 qm aus d. 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