Erstes Blatt nr Die heutige Nummer umsatzt 24 Seiten. 158. Jahrgang perlet menic:r Arm.n- p^legerv zu einem lyo^^qcLtu staottscheu Etzrenamt er* ijubeti zu haben, gebt i;cl Eio^r,eiD. Tas sogenannte „Eiber- icioer otjiiein" in i Grunoutge unserer modernen bürgerlichen Armenpflege. ~ie Anerkennung die,es Grundfatzes politische Epochen schau. Gießen, den 28. Nov. Um die Reichsfinanzreform steht es sehr schlecht. So könnte man wenigstens meinen, tocnn man sich die Stellungnahme der einzelnen Parteiführer in den bisherigen Debatten vergegenwärtigt. Erbarmungslos ward da das schöngetvundene Steuerbulett des Herrn Sydow zerpflückt. Der Spreckftw der Nationalliberalen meinte zwar, wenil je eine Steuervorlage gut und gründlich burchge- arbeitet war, so sei es diese; aber diese Anerkennung hat selbst Herrn Paasche nicht verhindert, sich gegen die einzelnen Finanzvorlagen auszusprechen, gegen die Tabakbanbe- colensteuer, gegen die Weinsteuer, gegen die J.tseratensteuer, gegen die Gas- und Elektrizitätsfteuer, gegen die Nachlaß- fteucr und gegen die Festlegung der Matrikularbeiträge. Dasselbe tat auch Herr Spahn, vom Zentrum; er sprach sich au Berbern auch »roch gegen die Brausteuer aus. Gegen Die weiften der genannten Steuern nahmen auch die Freisinnigen Stellung. Die K o n s e r v a t i v e n behalten sich ihre Stelluttgnahme zur Tabalbanderolesteuer vor, lehnen aber die Festlegung der Matrikularbeitrüge, Monopole und die Nachlaßsteuer ab. Die Sozialdemokraten sind der Ansicht, da ft der Reichstag keinen Pfennig neuer Steuern bewilligen dürfe, bis er nicht volle Garantie dafür habe, daß alle politischen Unternehmungen nur mit seiner vorherigen Zustimmung begonnen werden. Die Polen lehnen alle Borlagen ab, weil sie zur Regierung nicht das geringste Vertrauen haben. Bemängelt wurde auch von verschiedenen Rednern bi? Höhe von 500 Millionen neuer Stenern, und man stellte eine Nachprüfung dieser Forderung in Aussicht. Der Reichsschatzsekretär müftte geradezu verzweifeln, wenn er aus der bisherigen Finanzdebatte im Reichstage Schlüsse auf das endgültige Schicksal seines Finanzwertes ziehen wollte. Es wird vor allem in den Kommissionen noch viel unb eingehend beraten werden müssen, kns sich die Ansichten über die einzelnen Steuervorlagen geklärt haben. Die Generaldebatte im Reichstage hat nur gezeigt, daft selbst innerhalb der einzelnen Fraktionen abweichende Meinungen über einzelne Steuern bestehen und daß man sich oezüglich der übrigen noch seine Stellung nähme Vorbehalten will. Unmöglich erschein^ cs nun allerdings nicht, daft dtb Weitere Behandlung der Reichsfinanzreform große lieber rafchungcu und Wendungen bringen wird. Die Konservativen und das Zentrum haben es ja deutlich genug verraten, was uns unter Umständen bevorsteht: eine Spreu jung des Blocks und'Bildung einer neuen Mehrheit mit Einschluß des Zentrums. Die Konservativen sind es in erster Linie, die sich gegen eine Verkoppelung von politischen Wünschen mit der Finanzreform wenden, während namentlich die Linke die Meinung vertritt, daß den großen finan stellen Forderungen der Regierung auch eine Gegenforderung des Reichstages entgegengestellt tverben müsse: die Forderung einer wirklichen Ministervcrantwortung. Ob :s geboten erscheint, Finanzreform und Ministerveranlwor ning miteinander zu verquicken, darüber können die Meinun gen auseinandergehen, aber die Konservativen wären wirt sich die letzten, die ein Recht hätten, eine solche, von ihnen selbst genugsam geübte Taktik absprechend zu kritisieren. Recht unetireuUd) wirkt es aber, wenn nun auch nichtlonfer- vative Kreise dagegen Stimmung zu machen versuchen, daß cndlich eine genau formulierte Verantwortung des Reichskanzlers gegenüber der Vertretung des deutschen Voltes geschaffen wird. Ter Reichskanzler selbst scheint in dieser Frage ein weit feineres Empfinden zu haben, als diese allzuängsllichcn Vertreter des Volkes. Fürst Bülow will den bevorstehenden Debatten über Ministerverantwortung im Reichstage keineswegs ausweichen, wie schon einige Blätter behauptet hatten. Die Regierung hat viel wieder gut zu tnart^n, unb es tst nur natürlich, wenn sie in einem Augenblicke, da sie mit der Bewilligung von einer halben Milliarde neuer Steuern eine riesige Vertrauenskundgevung Don der Volksvertretung erwartet, auch ihrerseits altes tut, um ein solches Vertrauen zu recht fertigem Unter dem alten Zickzacktürse ist das Reich in Schulden geraten, der neue >turs der Ruhe, der Stetigteit und der Sparsamkeit muß iber äußerlich dadurch zum Ausdruck kommen, daß auch ieder Schein eines unverantwortlichen Regiments vermieden irirb. Tie Regierung braucht das Vertrauen des Volkes unb sie würde es nicht gewinnen, wenn sie einer Erörterung dieser Fragen auswiche. Daß die Person des Kaisers aus diesen Debatten ausscheidet, diese Erivartung ist selbstver- ftänblia), und man muß unseren Parlamentariern schon so viel Takt zutrauen, bag sie bie Situation nicht durch abermaliges Hineinziehen der Person des Monarchen noch unnötig erschweren. Die Berührung mag ja in Anbetracht der letztenVorgänge i:n englischen Oberhause groß fein, bie Debatte über das Kaiserinterview wieder auf leben zu lassen, denn baS was Lord Jtobert-J über eine deutsche Juvaston sagte, stellte sich in der Hauptsache auch nur als eine Folge oer unglückseligen Verössentlichung und beb persönlichen Regiments bar. Es scheint, baß Lord Jioberts nicht nur für seine Person sprach, sondern daß ein großer Teil des englischen Volles seiner Meinung i]r. Rian traut uns drüben nicht, mögen Staijer, Kanzler, Minister und Volksvertreter noch so ü|t eruaren, daß von einer EnglandjeinDschast in Deutschland nicht die Reoe sein tonne uno bag Deutschiand leineriei triegerischen Absichten auf bas großbritannische Jnjelreich haben. A>enn in Die,er Beziehung eine Besierung tintreten und England unseren Friet,en^runt,gebungen glau- Iden soll, so wird ein Minisreroeruntwortungrgesetz viel dazu , ieitrageiu Es wird dem mißtrauischen uusiande »eigen, ü>aß es dem Kaiser, oer Dtegierung un.> dem deutschen Dirtlich ernst darum ist, mit der bi. . jcn ^elitil der Slötzlichketten zu brechen. In ernsten Zeitläuften, wie jetzt, ist es doppelt notwendig, daß Regierung, Parlament und Volt fest zusammen- halten. Nicht mit Unrecht hat der neue österreichische Ministerpräsident Frhr. v. Bienerth jetzt in feiner Programmrede vor dem österreichischen Abgeordnetei'hause darauf hingewiesen, daß die Heranziehung der Parteien zur Regierung das geeignetste Mittel sei, einen innigen Zusammenhang zwischen Regierung und Parlameul herbe.- zuführem Mit der Macht müßten die Parteien auch die Verantwortung übernehmen. Für uns im Deutschen Reiche ist diese Mahnung beherzigenswert. Ja Oesterreich stehen Regierung und Parlament Hettle Veri)ältttissen gegenüber, wie sie schwieriger kaum gedacht iverden können. Das Balkanprvblem ist noch immer ungelöst uno vorlänsig ist auch noch keine Aussicht vorhanden, wann und wie es gelöst werden soll. Die Unterhandlungen mit der Türkei werden durch die Boykottbcwegung gegen die österreichischen Waren auss ernsteste gefährdet. Die kleinen Ballanstaaten, Serbien und Montenegro fahren fort, mit dem Feuer eines Krieges zu spielen, Rußland will eine DislUsiion über die Annexion von Bosnien und Herzegowina aitj der in Aussicht stehenden Balkonkonserenz uno Englaiid sckuirt im geheimen die einzelnen Balkänmächte gegeneina.wör, um sw im gegebenen Momente alle übers Ohr zu hauen. Jft bie Lage Oesterreichs, wie man sicht, nun an sich schon schwierig genug, so wirb sie es noch mehr baburd), baß bie Tschechen und Lingam anfangen, die bosnisch-herzegowinische Frage mit ihren Sonderintcressen zu verquicken. Zu allen übrigen Schwierigkeiten machen nun auch die italienischen Staatsangehörigen der Donaumonarchie mobil, und ihre Stammesbrüder auf dem Apennin unterstützen sic nach Kräs- len, so daß cs sogar zu einer offenen Feindschaft zwischen Oesterreich und Italien zu kommen droht. Mit einer Schlägerei und R e v o l v c r i ch i e ß e r c i der italienischen Studenten der Wiener Uiiiversilüt sing es an und bis zu österreichscindlichcu Demonstrationen in 3 alten ist es in njcnigcit Tagen schon gediehen, so daß uer österreichische Botschafter sich ^gezwungen gesehen hat, der italienischen Regierung ernste Vorsteliuiige.i zu machen. Die Dreibmid- liebe Italiens ist nicht mehr groß. Ja den letzten Tagen hat nun auch Persieic wieder oon fich reden machen. Der Schah, bcfjen Versassungs- sreundlichleit von Anfang an mißtrauisch beurwttt wurde, hat plötzlich die Verfassung wieder au,gehoben- Schon wenige v y-.e-'J) Heck er freilich siefe Bersugung wieder ckusge- hoben, auf einen Truck von London und St. Petersburg hin, wie man meint. Damit ist eine Beruhigung der Meinung über Per.ien allerdings noch nicht herbeigeführt, es scheint vielmehr, daß die per,ischcn Revolutionäre ,ich wieder du energischerem Hundcln aufgerefft haben. Reootution herrscht gegenwärtig auu.; wieder in Amerika. Diesmal ist es Haiti. Wcltbeivcgend ist diese O'pcretten- Rcvo'.uiio.i nun 'tcineswegs, aber unser recht reger Handel mit Haiti rvird schwerlich ganz unberührt von diesen Vorgängen bleiben. E- A. Ardeitstammergesetz. Dem Reichstage ift der Enlwur, eures Arbeitskammergesetzes zugegangen. Er enthält 4ö Paragraphen und be- yandett in sieben Abschnitten 1. Errichtung, Ausgabe und Iusammensetzung der Arbeitskammer, 2. Wahlberechtigung und Wähtbc ricit, 3. Wahlverfahren unb Dauer ber Wahlperiode, 4. KostenauswanD, 5. Geschäftsführung, 6. Beaus- Fchtigung, 7. Schlußbeftimmung. Aus dem I 'halt des Eariwuefes ist hervorzuhcben, daß für bie Arbeitgeber und Arbeitnehmer eines Ecwerbe- zweiges ober mehrerer verwanbter ^werbezivelge aus sachlicher Ärunblage, soweit nach bem istaub ber gewerblichen Interessen ein Bebürfnis besteht, Arbeitskammern zu errichten sind, bie rechtsfähig find. Tie Arbeitskammern finb berufen, den wirtschaftlichen Frieden zu p,legen. Sie sollen Die gemeinsamen gewerblichen unb wtttschafllichen Interessen der Arbeitgeber unb Arbeitnehmer ber in ihnen vertretenen Gewerbezweige, sowie bie auf bem gleichen Gebiete liegenden bejmiberen Interessen der beteiligten Arbeitnehmer wahrnehmen. Die Errichtung der Arbcitsiammern erfolgt durch Verfügung der Laiidcszentralbehörde. Die 'Mitglieder der Arbeiiskantmern müssen zur Halste aus Arbeitgebern, zur S^ulfte aus Arbeiinehmern eninuinmcn werben. Zur Teilnahme an ben Wahlen sind Deutsche beiderlei Geschlechts berechtigt, welche 1. das 25. Lebern, jahr vollendet haben, 2. im Bezirte der Arbeitstammer tätig s.nd, 3. bem- ;enigen Gewerbeziveig als Arbeitgeber ober Arbeitnehmer angehörcn, für welchen bie Arbeitsiammern errichtet jinb. Wähler sind diejenigen Wahlberechtigten, welche 1. das 30. Lebensjahr vollendet haben, 2. seit minDeftens einem Jahr demselben Geiverbezweige als Arbeitgeber ober Lirveid nehmer angehören, für Die die Arbeitsiammem errichtet sind, 3. in oeni der Wahl voraufgegangenen Jahre für sich oder ihre Familien Armenunter,tutzung aus öffentlichen Mitteln nicht empfangen haben. Die Wahlen sind unmittelbare und geyeime. Sie finden nach dem Grunosatze der Verhältniswahl derart statt, daß neben oen Meyrhcits- gruppen auch die Minderheitsgruppen entsprechend ihrer Zahl vertreten sind. Tie MitglieDer der Arbeitskammer iveroen aus sechs Jahre gewichlt. Die erwachsenDen rwftcn sind für jede Arbeitskammer von denjenigen in ihrem Be- zirc gelegenen Geuteinoeu zu tragen, i.i Denen ,ich Betriebs- päticn oer in iljr vertretenen Geiverbezweige be,rnbcn, ober Arbeitneymer biejer Gewerbezweige ueii Wohnsitz Haven. Tie Sitzungen ber Arbeitstamuicrn füib of,enilich. Tic Be>chlu,,c werben durch Stimmenluchrheit ge,a^t. Bei Stimmengleichheit ent-qeLbet die Su.nme des forschenden. Die 2ir. ettstamuieru unterliegen ber Aussicht beteiligen höhere.. Vcrwaliungsb.hoiue, in bere.-. ;■ zute sw itj^en is zu Heitigenstädts Fabrik führt, dürfte die längste unserer Straßen jein und wird später wohl noch bis zum Bergwerkswald fortgeführt werden. Bisher hat man das noch nicht fertige Stück der Straße vor der Fabrik von Heiligenstädt kanalisiert und planiert, sodaß mit der Straßenbefestigung selbst bald vorgegangen werden kann. ** Gießener Industrie. Zur gestrigen Mitteilung betr. Eröffnung der Städt. Badeanstalt in Wetzlar ist noch nachzulragen, daß die hiesige Firma Jean Dem & Co. sämtliche Wandbcklcioungen und Fußbodenbeläge in der Badeanstalt hergcstellt hat. Die Wannen sind in Stampfbeton ausgeführt und innen und außen mit Porzellanfliesen verkleidet. Das Schwimmbassin ist ebenfalls mit Fliesen belegt. Die Brausezellen sind in Spezialsteinen ausgeführt. -e Rödgen b. Gießen, 26. Nov. Der Kriegervevein Rödgen feierte gestern avend den Geburtstag S. K. H. des Groß Herzogs im Saale des Gastwirts Wagner hier. Der Vorsitzende Ernst Inder thal begrüßte die Versammlung, worauf Kamerao Oswald (Bahnschaffner) zu Gießen eine längere Ansprache hielt, die mit einem Hoch auf den Großherzog und das Großh. Haus endete. Hierauf hielt Lehrer Koch eine kernige Ansprack^e, worauf ihm der Vorsitzende inr Namen sänitliä-er Anwesenden seinen Donk aussprach. Noch lange nach Mitternacht weilte man bei den: Gesänge heiterer Lieder beisammen. ----Watzenborn-Steinberg, 27. 9chv. Zur Feier des Geburtstages S. K. H. des Großherzogs fanden sich gestern abend die Mitglieder des Kriegervereins in ihrem Vereinslokale ein. Der Präsident Leicht eröffnete und erteilte nach einigen einleitertden Worten dem Ehrenmitgliedc des Vereins, Psarrer Sommerlad, das Wort. Dieser gab in längerer Rede einen Ueberblick über die gegenwärtige politische Lage und ging dann auf die Bedeutung Hessens ein, das, im Zentrum unseres Kaiserreiches gelegen, keine geringe Rolle spiele, zumal an seiner Spitze ein Regem stehe, der sich der Pflichten, die der gegenwärtige Ernst der Lage an ihn stelle, vollkommen bewußt sei. Unser geliebter und nicht jnur in unserem engeren Vaterlande, sondern auch in ganz Deutschland geachteter Herrscher, unter dessen Regierung Hessen einen solchen Aufschwung auf allen Gebieten, besonders auf dem Gebiete der Kunst, erlebt, habe bisher alle Erwartungen, die bei seinem Regierungsantritt an ihn gestellt wurden, weit übertroffen. Zuletzt sprach der Redner ilvch die Hoffnung aus, daß das bis jetzt noch ungetrübte Vertrauen des Hefsenlandcs zu seinem Herrscher auch fernerhin nicht gestört werden möge und schloß mit einem begeistert crusgenom- mcnen Hoch auf unseren Landesherrn. Komisch Vorträge und fröhliche Lieder würzten die Abendstunden und hielten die Kameraden bis lange nach Mitternacht in fröhlicher Stimmung beisammen. -m- Steinbach, 27 Nov. Im verflossenen Nachwinter bildete die Lich er Straße innerhalb des Gießener Stadtwaldes für die zwischen hier und Gießen verkehrenden Fuhrwerke einen wahren Schrecken. Der ganze Fahrdamm war damals in Bewegung, und tiefe Geleise bezeichneten die Spuren der sich mühsam durcharbeitenden Lastwagen. Dank der Bemühungen der Baubehörde scheint es in diesem Winter besser zu gehen. Die Straße ist eben trotz der nassen Witterung in leidlichem Zustande, man hört wenigstens auf dem größten Teil der Strecke die Fuhrwerke wieder „rollen". Tie Befestigung mit Kleinpftaster in der Nähe der neuen Jrrenklinil ist anscheinend vorzüglich Gelungen, und auch der iveitere, anfänglich so schlecht befahrbare Neubau ist durch abermaliges Eindecken und Abwalzen in besseren Zustand versetzt. Nur der mehr im Innern des Waldes gelegene Teil läßt noch zu wünschen übrig, doch wird auch hier bald die bessernde Hand angelegt werden. — Unser Ortsgeistlicher, Pfarrer Haacke, der schon eine längere Reihe von Jahren bei uns wirkt, wird nach Büdingen übersiedeln, um die Stelle eines Religionslehrers am dortigen Gymnasium auzunehmen. [1 Mnschenheim, 27. Nov. Seit mehreren Jahren besteht hier eine V o l k s b i b l i ot h e k, die von Pfarrer Köhler und Lehrer Günther geleitet wird. Sie umfaßt heute nahezu 400 Bände aus den verschiedensten Gebieten. Die Gemeinde- initgliebec machen recht häufigen Gebrauch von dieser Einrichtung; es wurden nämlich im Winter 1906/07 über 1100 Bände, und im Winter 1907/1908 über 1300 Bände aus- gegeben. Die Lesezeit dauert vom 1. November bis zum 31. März. x Ettingshausen b. Grünberg, 27. 9!ov. Der Ge. sangvercin beging am Dienstag aberu> bei Gastwirt Sommer in Gemeinschaft mit dem ba&u_ eingelademn Orlsoor stände die Feier des Geburtstages S. K. <£). des Großherzogs. Nachdem der Dirigent des Vereins, Lehrer Kra u s ha a r , in einer kurzen Ansprache als Singer und Mensch die Verdienste unseres Landcsherrn gewürdigt hatte, erinnerte er an die Ckburr des zweiten Hessenprinzen und brachte bann auf das Großh. Haus ein dreifaches Hoch aus. Hierauf sang der Verein eine Anzahl von Liedern, die aber mit, gemeinsamem Gesänge von Vaterlandsliedern angenehm abwechselten. H Aus dem llsatal, 27. ^iov. Schon seit etwa 5 Jahren beschäftigt sich die Bewohnerschaft unseres Tales mir den Plänen einer Usatalbahn von Bad-Nau. heim bis nach Usingen. Endlich haben in den lebten Wochen die Absteckungsaraeiten seitens der Firma Lenz u. (io. stattgefunden. Die beteiligten Gemeinden haben schon vor ca. 2 Jahren Geländestellung und Uevernahme von Obligationen beschlossen. Die neue Linie soll vom Bahnhof Bad-Nauheim nordwärts auslaufen, etwa 600 Meter der Mainweserbahn folgen und dann nach dem Usatal führen, über Nieder-Mörlcn, Ober-Mörlen, Langenhain-Zicgcnbeeg und Wernborn wird sie dann nach Usingen geführt uno dort an die Bahn nach Weilburg angesa-lvijen. Dadurch wäre eine direkte Verbindung, zwischen dem Aad Nauheim, dem mittleren Taunus und dem Lahntal hergestellt. 8. Marburg, 27. Nov. Bei der Ersatzwahl in der ersten Wählerklaffe toiiröe heute Prof. Leonhard zum Stadtverordneten gewählt. — In einer stark besuchten Versammlung der Ortskrankenkasse sprachen sich bet• Vorsitzende sowohl, wie auch ein Redner betreffs der Reform des KrankenversicherungLgcsetzes für Beibehaltung der Selbstverwaltung aus. ’* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Karl Schauermann V. in Ober- Lais ist als Beigeordneter dieser Gemeinde gewählt und bestätigt worden. — Der in Mieslnden verstorbene ehemalige Ravell- meister am Hoftheater in Kas, el, Reiß, hat dem dortigen Theater-Pensionsfonds 50 000 Mt. vermacht. — In Weiters- hausen im föxife Marburg ging gestern nacht die Scheuer des Landwirts A. Schneider in Flammen auf. Auch eine Dreschmaschine verbrannte mit. GericHrsHaaL. Gießener Schöffengerichtssitzung vom 27. Nov. B e a >n t e n b e l e i d i g u n g. Ter Ingenieur W. W. in Gieße», der früher bei dem hiesigen Elektrizilätsiverke als In- üallatiousmeister tätig war und als solcher pensioniert luuröc, halte sich wegen Beauitenbeleidiguiig zu veraulmorteu und zwar iviirde er beichuldigt, in Zeitungsblätlern und Flugblätter» den Betriebsleiter des Elektrizirätsiverkes der Stadt Gießen A. St. beleidigt zu haben. Ter Angeklagte gab eine öffentliche Erklärung dahin ab: daß er die von ihm im Januar 1908 in dem ucrbreiteie» Flugblatte, überschrieben mit ^Gleiches Recht iür Alle" gegen Herrn St. erhobenen Vorwürie und Beleidigungen unter dem Ausdrucke des Bedauerns als ihm gegenüber unbegründet zurück nehme; daß er Herrn St. den Borryuri des Äcin- eidcs nicht inache und auch nicht gemacht habe. Fenier übernahm der Angeklagte die Kosten des Beriahrens und die Kosten der 'jjet- öffenllichung obiger Erklärung, die m der „Oberhcssischen Volkszeitung" und „Gießener Anzeiger" zu erfolgen hat. Ter Beleidigte, der auch als ölebcnfläget auffrat, nahm hierauf seinen Straf- ant rag im Eiuverständmsfe seiner vorgesetzten Behörde zurück, woraus Die Einstellung des Strafverfahrens erfolgte. Sachbeschädigung. Der S ch reiner I. Sch., z. Zt. hier, hatte in der Herberge zur Heimat aus Zorn, iveil er fei» Bier verabreicht bekam, eine Fensterscheibe zertrümmert. Er wnrde luegen Sachbescnädignng und Hausfriedensbruch zu 3 Woche» Gefängnis und wegen Ruhestörung zu 3 Tagen Hast verurteilt. ♦ L Hanau, 27. 9kov. In einer bis 11 Uhr nachts währenden Sitzung des Schwurgerichts wurde gegen den 24 Fahre allen Zigeuner (Schirmflicker) Friedrich Ebender aus Usenborn ve» handelt, der am 25. August d. 'I. in der Nabe von Romerz bei ftulba den Gendarmerie-Wachtmeister Schenk au» Flieden durch einen Revolver schuß in den Rücken getötet hat, als dieser, mit der Beaufsichtigung der Zigeuner betraut, ihn abhalten wollte, einen Waldweg zu benutzen. Der Hergang war der folgende: Als der Gendarm den Zigeuner und die in seiner Begleitung befindliche weibliche Person mit 3 otiübern von dem Waldweg ad- weisen wollte, leistete die Frau tätlichen Widerstand und mußte, als sie sich wie eine Wütende benahm, schließlich gefesselt tverden. Sie zerbiß jedoch den Fesselriemen und hing sich aufs neue an Oeu Beamten und an den Kinderwagen. Der Zigeuner Eöendeo sprang hinzu, hob einen aus idem Wagen gefallenen Revolver auf und gab zwei Schüsse auf den Gendarmen ao, die nicht trafen. Der Gendarm zog den Säbel und suchte Deckung vor den Schüssen, wobei er einen SckMß in den Rücken erhielt. Als der Geudarmt zusammenbrach, entriß iljm der Zigeuner den Armeerevolvcr und setzte ilym diese Tßaffc auf die Brust. Da er jedoch den Mechanismus nicht kannte, mißglückte das beabsichtigte Schießen. Nunmehr zog der Zigeuner mit Weib und Kindern nach Hauswurz, woselbst er am anderen Tage verhaftet wurde. Dock> auch bei dieser Gelegenheit versuchte er wieder von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Ter Gendarm erlag einige Tage darauf an: den Folgen der erhaltenen Verletzung. Der verhaftete Zigeuner hatte jedvck) noch mehr auf dem Kerbholz. Es stellte sich beraub, daß er sich bisher unter falschen Namen (Wagner und Pleske) umhergetrieben und steckbrieflich verfolgt wurde. Er war an dem 1905 aut. dem Pferdemarkte zu F-ritzlar vorgekommenen Auftritte beteiligt, bei dem sein Biller erschossen wurde. Er wurde fluclchig und rauchte unter dem Namen Pleske im September 1907 bei Paderborn auf. Da er mit feinen Papieren niclü übereinstimmende Angaben machte, wurde er von der Gendarmerie festgenommen. Als ihn dann der Gendarm Frank aus Lichtenau nach Paderborn transportieren wollte, 'benutzte er bei heran- brechcnder Dämmerung eine günstige Gelegenheit, um feinen verborgen gehaltenen Revolver zu ziehen und einen Schuß auf den zu Pferde sitzenden Gendarmen abzugebeir. Der Schnitz trat, verletzte aber keine edleren Organe. Allerdings gelang es bis heute noch nichts die Kugel aus der Schußwunde zu entfernen. Bei dieser Schießasjiäre gelang es dem Zigeuner, querfeldein zu entfliehen. Nun hat ihn das Sckficksal ereilt. — Siach dem Walnspruche der Geschworenen wurde auf Mord erkannt und Darauf die Todesstrafe ausgesprock^'n. Die Geschworenen beschlosscü, ein Gnadengesuch für ihn an den Kaiser abzusenden. Heidelberg, 27. Nov. Universitäts-Fechtmeister Lor- bcr, der bisher ein Jahreseinkommen von rund 20000 Mk. bezog, wurde heute von der Berufungsinstanz wegen Unterschlagung von F-ockttutensilien zu einer Geldstrafe von 6U0 Mark verurteilt. Salzburg, 27. Nov. Das hiesige Landesgericht verurteilte den prall. Arzt Dr. Josef N ie bcro f e r wegen Fr ucht- abtreibung zu 8 Nronatcn schweren Kerker. Spenden für Radbod. Die Sammlung des Gießener Anzeigers: Bisher quituei t: 1810.15 Pik., K. Haupt 2.-, Dl. 1.—, Ungenannt 10.—, 1. Klasse der Schule zu Ro'dyeun a. B. 12.-. Zu- jammen 1835.15 Mk. Gießener Wetterdienst. Boransstchtlichc Wittcrn»lg für Hoffen am Sonntag den 29. November: Trüb und neblig. Geringer Regen. Temperatur wie heule. •teilte TageSchronU. Jin Zkrmrfenhause -u Hamm sind gestern drei Bergleute tiom Grubermnglück in Radbod gestorben. Hannover war durch einen neuerlichen Kurzschluß gestern abend wieder stundenlang ohne elektrische Beleuchtung. Auch die Theatervorstellung mußte wiederum ausfallcn. Die Unterschlagungen bei den städtischen Gas- werken in Berlin belaufen )ich auf etwa 20 000 ML, die bei der Aktiengeiellschast Koppel auf nahezu 500 000 Mk. Die Sparkasse von Marc-ali (Ungarn- wurde einer halben Million beraubt. Die Hungersnot in Britisch-Uganda hat seit Anfang des Jahres etwa 10 000 Menschenleben gefordert. Märkte. Sieben, 28. November. Martlvericht.Auf heutigem Wochen- markte kostete: Buller pr. Pid. 1.00—1.10 Dlk., Hühnereier 1 St., 8—9 Big., Käse pr. St. 6—8 Pfa Käsemalte 2 St. 5—6 Pfg., Erbsen p. Pld. 18-24 Psg^ Linsen p. Psd. 25-40 Psg., Tauben pr. Pr. 0,80- 1,00 Alk., Hiihner pr. St. 1,00—1,60 DU., Hähne pr. Stück 0,80—1,80DU., Gänse pr. Psd. 60—70 Ps., Enten pr. Stück 1,80 bis 2,20 DU., Lchsenfleisch pr. Psd. 78—86 Psg., Kuh- und Nindfleisch pr. Pfund 74—76 Pfg^ Schweincfleisch vr. Piund 68—80 Psg., Schweinefleisch, gesalzen, vr. Psd. 84 Psg., Kalbfleisch pr. Psd. 70—80 Plg^ Hammelfleisch pr. Psd. 60—80 Psg. Kartoffeln pr. 100 Kg. 6.50—6.00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 6,00—8,00 9)1f., Dlilch per Liter 20 Psg., Weißkraut per Stück 10—15 Psg., per Zentner Mk. 2.50—3.00. — Aepiel per Ztr. 5—8 Mk., Birnen per Ztr. 5—10 DU. Nüsse 100 Stück 40—00 Pfg., per Ztr. 0—00 DU. Marklzeil von 8—2 Uhr. 1'e. Fr a n kf u r t a. M., 27. Nov. Vom Viehmarkt. Die letzten Dlärkte in Fulda und Hers'eld waren mäßig befahren und der Handel gedrückt. Ein Zurückgehen der Preise aus der ganzen Linie war die Folge, ganz besonders saiiken dieselben in Rmdoich — ivemg gilt enlwickelie jüngere Kühe und Färsen. — Ebenso flau gestaltete sich der Schweuieniarkt m Hcrsield, trotz der Baisse kamen Geschäfte kaum zum Abschluß. — Aus Anlaß der am 1. Dezember dss. Js. slatlftndenden außerordentlichen Viehzählung sind die folgenden aui diesen Tag fallenden DIärkle verlegt morben:_ Der Schweinemarkt in Hersfeld auf den 16. Tezenibcr, der in Hürücld aus den 9. Dezember, der bedeutende Viehmarkt in Kirchhain an1 den 3. Dezember d. I. Vriginal-Drahtmel-ungen. fc. Friedberg, L3. Nov. In der gefangen Vorstands- sitzung der landwirtschaftlichen Hauptgenossenschäft wurde Direktor Hirsches seines Postensenthoben, nachdem einige Vvrftin>3mitgltcbcr Vorhalt darüber gemacht hallen, daß er scholl für die „Bereinigten Landwirte von Fwankfurt und Umgtgenb". tätig gewesen sei. Hirsch:! erwiderte, er fei dem Vorstand hierüber,' keine Rech-cnschaft schuldig und verließ die Sitzung. T u r i n, 28. Nov. Kaufleute und Industrielle der Stadt? beschlossen in einer gestern abend abgehaltenen Versammlung, den Boykott über österreichische Waren z u v e r h ä n g e n. Ja zahlreichen Berkansslädcn und Han-- delshäusern sind Plakate angebracht, in denen mitgeteUt] wird, daß die Inhaber sich weigern, österreichische Waren zu verkaufen und die Vertreter'österreichischer Firmen zu. empfangen. Bari, 28. Nov. Hier haben sich schwere Krawalle zugetragen. Die Volksmenge halle die Anwesenheit eines österreichischen Dampfers im Hasen bemerkt und schillle sich an, ihn yd stürmen. Nur durch die Kaltblütigkeit eines Makros.n, der den Steg zit dem Schisse entfernte, wurde der Plan vereitelt. Mmge begnügte sich bannt, das Schiss mit allerlei Geschossen zu bombardieren. Der Kapitän ließ infolgedessen die Anker vor der beabsichtigten Zeit lichten. vwvu - wrnrrrwiju.' I ■ a» ra rufen. Lollar, den 27. November 1908. Die Beerdigung findet Sonntag, den 29. d. Mts., 2 Uhr nachmittags, statt. Todes-Anzeige lElu Phil. Weiler. Das .Kommando ,28^11 6842 MslalMra 6845 Ecke Klinik- u. 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