Nr. 25 Erscheint täglich mit Ausnahme bei Sonntags. Die ^Stetzener Samiltenblätter* werden dem r9Irtjetger* Dtermal wöchentlich betgelegt, das „Krdsbkrtt fflr bev Krtis Liehen" zweimal wüchenUtiL Der ..hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. 138. Jahrgang Donnerstag, 30. Januar 1908 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhefjen AotalionSdruck mfc Verlag bei Br Üblichen UnwersüülS - Buch, unt Siemdructerel. St Lang,. Dietzen. Redaktion. Epvebtttsu ant Druckerei: Schul- (träfet ? Ätpebitton anb Vertag 5L RedakttowS^llL Del -Slb^ LnzetgerG.efeen. Deutscher Reichstag. 89. Sitzung von Mittwoch, den 29. Januar, 2 Uhr. Am Tische des Bundesrats v. T i r p i tz, Frhr. v. Stengel. Das Haus ist schwach besetzt. Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 15 Minuten mit der Mitteilung von dem Empfang des Präsidiums durch den Kaiser, der die Geburtstagsglückwünsche des Reichstags huldvoll entgegengenommen habe. Mari»reetat und Flottengesetz. E s b e g i n n t d i e z w e i te Lesung des Reichs. Haushaltsetats. Das Flottengesetz enthalt die Verkürzung der Lebensdauer der Linienschiffe von 25 auf 20 Jahre, das ist dieselbe Lebensdauer wie die der Kreuzer. Die Anlage regelt die Ersatzbauten bis zum Jahre 1917. Für daZ Flottengesetz bat in der Budgetkommission, deren Berichterstatter Abg. Frhr. v. Thunefeld (Ztr.) ist, nur die Block- Mehrheit gestimmt. Die Sozialdemokraten haben cs abgelehnt, das Zentrum unter Berufung darauf, daß es erst die Deckungsfrage gelöst haben wollte, sich der Abstimmung enthalten. Scbatzsekretar Freiherr von Stengel war damals verhindert, an den Beratungen der Dudgetkommission teilzunehmen. Die Kommission beantragt eine Resolution, die den Reichskanzler ersucht, dafür Sorge zu tragen, daß tunlichst bald im Marineetat neben den vollen Kosten Sr Armierungen ein der Verkürzung des Lebensalters der Linien, iffe entsprechender höherer Prozentsatz des Wertes der Flotte (bisher 6 Prozent) auf den ordentlichen Etat übernommen werde. Abg. Graf Oriola (nl.): Die Stellungnahme meiner Partei sm den Marineforderungen bat bereits Dasiermann bei der ersten Ltatslesung dargelegt. Auch in der Kommission haben wir unS auf denselben zustimmenden Standpunkt gestellt, der ja auch den Beschlüssen unseres Wiesbadener Parteitages entspricht. Beim Bau neuer Schiffe legen wir die größte Bedeutung darauf, daß unsere Neubauten an Wert denjenigen anderer Staaten gleich- kommen. Wir hätten gewünscht, daß in der Vorlage gleich fest- gelegt wird, daß das Bautempo, das für die nächsten vier Jahre vorgesehen ist, auch in den Jahren 1912 bis 1917 innegehalten wird. Erfolglos sind unsere Bemühungen in der Kommission nicht gewesen; wir haben allseitige Uebereinstimmung gefunden für den Fall, daß die politische und die finanzielle Lage entsprechend ist. Es ist nickt zu verkennen, daß etn Teil unserer Schiffe veraltet und den Schiffen anderer Nationen nicht absolut gleichwertig ist, und dazu rechnen wir auch die Kaiserklasie und die allerdings besieren Schiffe der Wittelsbachklasie. Wir wünschen, möglickst bald eine vollwertige Flotte zu erhalten. Würde das Bautempo, wie es die Anlage enthält, beibehalten werden, so würde das letzte Schiff erst 1918 in Bau gegeben und erst 1922 fertiggestellt werden. Der Staatssekretär konnte mir in der Kommission auf meine Frage antworten, eS ist vollkommen unwahr, daß unsere Schiffe denen anderer Nationen nicht gleichwertig sind, und daß er daS ganz besonders in bezug auf die seit 1900 gebauten Schiffe erklären Jonne.' Diese Erklärung war für und in der Kommission von größter Wichtigkeit und sie ist es für unser Volk; sie erledigt manche übertriebenen Befürchtungen. Wir erwarten, daß auch nack dem Jahre 1912 die Marineverwaltung dafür sorgt, daß unsere Flotte vollwertig erhalten wird. Neuen Forderungen wird die Mehrheit des Reichstages sicherlich ihre Zustimmung nicht versagen. Wir verkennen die großen Verdienste der Reichsmarine- verwaltnng und speziell des Staatssekretärs nicht. Der Staatssekretär hat reiche Arbeit geleistet. Wir sind weit davon entfernt, die taktlosen und über das richtige Maß hinausgehenden Preßangriffe zu billigen. Auf der anderen Seite müßen wir aber doch sagen, daß, wenn Sachverständige und national denkende Männer es für ihre Pflicht halten, auf einen rascheren Ausbau unserer Flotte, auf einen beschleunigteren Ersatzbau hinzuwirken, daß dann in diesem Bestreben die Reicksmarineverwaltung nur eine Unterstützung sehen kann, die ihr willkommen sein muß. (Beifall rechts und bei den Natlib.) Wir erkennen nach wie vor die Verdienste des deutschen Flottenvereins an. Wir müßen es nach wie vor rühmen, daß der Flottenverein es verstanden hat, die Kenntnis von der Bedeutung einer starken Flotte im Volke zu vermehren. Wer weiß, wie gering die Kenntnis über das, was zum Marinewesen gehört, im Volke war, der wird die Verdienste des deutschen Flottenvereins nickt leugnen. (Beifall.) Weil wir diese Verdienste anerkennen, deshalb bedauern wir es lebhaft, daß das Bestehen des Vereins zeitweilig ernstlich gefährdet schien. Wir hatten gehofft, daß die Kaßeler Tagung eine Verständigung bringen wird. Sie ist nicht erfolgt. Es sind schwere Vorwürfe erhoben . worden, und man geriet hart aneinander. Wir hoffen, daß in dem Verein für die deutsche Flotte bald die Erkenntnis sich Bahn brechen wird, daß man fidj wieder vertragen muß. (Beifall.) Wir hoffen, daß es zu einem Ausgleich der Gegensätze kommen wird, und wir wünschen, daß dann der Flottenverein weiterhin Lickt und Klarheit im Volke verbreiten wird zum Wohle des Vaterlandes. (Beifall.) Auf die einzelnen Zwistigkeiten im Flottenverein einzugehen, lehne ich ab. Es ist nickt Sache des Reichstages, sich in solche Dinge zu mischen. (Beifall.) Außer der Frage der Verkürzung des Lebensalters der Schiffe ist noch die der Bau-ert von Bedeutung. Wir haben uns davon überzeugt, daß Deutschland nicht langsamer baut als andere große Staaten, ja, daß es in mancher Hinsich anderen Ländern gegenüber noch im Vorteil ist. Immerhin scheint es uns notwendig, die Bauzeit noch zu beschleunigen. Diese Notwendigkeit wird auch in einem gewissen Maße von der Marineverwaltung anerkannt, und wir hoffen, daß wir wirklich zu einer schnelleren Bauzeit kommen werden. Kein ernster Politiker kann denken, (große Heiterkeit) kann denken, die Bauzeit übermäßig zu beschleunigen zum Schaden der Güte des Baues. Aber unsere Forderungen in dieser Beziehung bewegen sich in außerordentlich maßvollen Grenzen. DaS törichte Gerede von Schwindelsargen ist ja nun ctoÜ sei Dank abgetan. Wir dürfen unsere Mannschaft nur mit Schiffen gegen den Feind schicken, die vollwertig sind, die ihr volle Sicherheit gewähren. Uns kommt es in erster Linie darauf an, eine tüchtige Schlacht, fotte zu haben. Neuere Schriften können uns nicht davon überzeugen,^ daß an Stelle der Hochseeflotte ein Küstengeschwader zu sehen sei. Unsere vorsichtige Marineverwaltung verdient Aner, kennung, daß sie sich nicht übereilt hat, uns zum Bau von Unter, seeboten viele Millionen abzufordern, ehe wir in dieser Beziehung klarsehen. Unser Torpedowesen steht schon jetzt auf einem höheren Niveau als das anderer Länder. Auch den Ausbau unserer Werften und Docke müßen wir uns angelegen sein laßen. Zu erwägen wird sein, ob wir uns für Schwimmdocks oder Trockendocks entscheiden müßen. Dankbar erkennen wir auch die Fürsorge an, die die Marineverwaltung ihren Arbeitern angedeihen läßt. Es ist falsch, wenn man die Zustimmung zu den Forderungen der Marineverwaltung, die durchaus im Jntereße des Landes liegen, von der Lösung der Deckungsfrage abhängig machen will. WaS durchaus erforderlich ist zur Sicherheit und Verteidigung des Landes das muß unter allen Umständen gewährt werden. Und daß wir nicht warten bis die vielleicht recht lange dauernden Verhandlungen über die Steuernfrage erledigt sind. sBeifall.) So denft man auch in weiten Kreisen des deutschen Volkes. Das deutsche Volk hat, zum großen Teil durch das Wirken des Flottenvereins, erkannt, daß ihm, eine starke Flotte not tut. Ick bin der lieber, zeugung, das deutsche Volk erwartet von seiner Volksvertretung, daß sie möglickst einstimmig die neue Marinevorlage entnimmt (Lebhafter Beifall.) Abg. Dr. Wiemer (freis. Vpt.): Bei der ersten Lesung habe ich die Zustimmung meiner Freunde zum Flotiengeseh in Aussicht gestellt, wenn in der Kommission die Notwendigkeit der Herab, sehung der Lebensdauer der Linienschiffe überzeugend nachgewiesen werden sollte. Ick kann anerkennen, daß die Verhandlungen der Kommission diesen Nachweis erbracht hak'en. Der Staatssekretär hat dargetan, daß die Herabsetzung der Dienstzeit der Linienschiffe eine Folge der Diensttecknik »st, und daß wir genötigt sind, der Entwicklung der Technik zu folgen. Nach unserer Neberzeugung ist es ein Hauptfehler, daß die Entwicklung der Flotte überhaupt gesetzlich festgelegt ist. (Sehr wahrl bei den Freisinnigen.) Man bat die Fesilegimg al? eine patriotische Tat bezeichnet. Durch solche sibön. klingenden Namen laßen wir unS von unseren grundsätzlichen An- schauungen nickt abbringen. Auch wir wollen, daß die deuffche Flotte auf der Höhe bleibt und in der Leistungsfähigkeit hinter den anderen Nationen nicht zurücksteht. ES freut mich, daß die Marineverwaltung bestimmt erklärt hat, daß man gar nickt daran denke, den Engländern nachzrckauen, wir wollten nur so stark sein, daß der Kampf mit unS für niemanden eine Kleinigkeit sei. Muß denn auf alle Fälle in einem künftigen Seekriege England unser Gegner fein? Wir wollen Frieden mit England und freuen uns darüber, daß sich die gegenseitigen Beziehungen gebeßert haben. (Lebhafter Beifall.) Jedenfalls kann eS nicht unser Ehrgeiz sein, England im Ausbau der Flotte gleichzukommen. Wir haben das stärkste Landheer und können nicht zu gleicher Zeit auch die stärkste Seemacht besitzen. (Sehr richtig! bei den Freisinnigen.) Es kommt uns nur darauf an, nicht als quantite n^gligeable betrachtet, sondern auch in Betracht gezogen zu werden, wenn die Vündnisfähigkeit der Staaten auf dem Gebiete der hohen Politik in Frage kommt. Den Querfr-ibereien des Flottenvereins treten wir entgegen. Der Staatssekretär hat die volle Verantwortung für die Vorlage in miliärischer Beziehung übernommen. Das ist für uns von Bedeutung. Die Aufgabe der Volksvertretung ist es, gegenüber den Fachressorts die notwendige Rücksicht auf die Leistungsfähigkeit der Steuerzahler zur Geltung zu bringen. (Beifall bei den Freisinnigen.) Von den Marineenthusiasten ist die jetzige Vorlage als belanglos hingestellt. Sie erfordert aber, insbesondere in den späteren Jahren, ganz erhebliche Mehraufwände, die nickt auf die leichte Acksel genommen werden können. (Sehr richtig! bei den Freis.) Der Staatssekretär hat erklärt, daß er sich freuen würde, wenn es gelänge, eine Mehrheit für weitergehende Vorschläge zu gewinnen. Tas ist von seinem Standpunkte aus zu verstehen, wenn ich auch eine solche Redewendung nicht gerade als glücklich ansehen kann. (Lebhafte Zustimmung bei den Freis.) Ich spreche hier offen aus, daß wir nicht dafür zu haben sind, über die jetzige Vorlage, für welche die verbündeten Regierungen die Verantwortung übernommen haben, hinauszugehen. (Lebhafte Zustimmung bei den Freisinnigen.) Wir behalten uns für etwaige weitere Vorlagen völlig freie Hand vor. Auf die intereffanten Vorgänge im Flottenverein will ich nicht eingehen, sondern nur meine Genugtuung darüber aussprechen, daß die Marineverwaltung diesen Treibereien energisch entgegengetreten ist. Durch seine ein» seitige, manchmal leidenschaftliche Agitation ist mitunter eine Beunruhigung hervorgerufen worden, während gar kein Grund vorlag. (Lebh. Beifall bei den Freis.) Eine so schwierige Frage, erklärte zutreffend der Staatssekretär in der Kommission, wie die Flottenfrage, kann nicht in einem Verein gelöst werden, sondern nur von den verantwortungsvollen Leitern. (Sehr richtig! bei den Freis.) Ich hoffe, daß sich die Regierung solcher schädlichen (Quertreibereien auch in der Folge zu erwehren weiß. Wir stimmen der Resolution der Kommission zu; in diesem Jahre ist es ja bei der Finanzlage nicht angängig, hoffentlich aber im nächsten Jahre. Wir werden abwarten, welche Vorschläge die Regierung für die finanzielle Deckung machen wird. Wir sind bereit, an unserem Teil an der Besserung der Reichsfinanzen mitzuwirken. Aber selbstverständlich dürfen uns dabei nicht Opfer unserer eigenen Neberzeugung zugemutet werden. (Lebh. Beifall bei den Freis.) Mit Flickwerk ist weder dem Reiche noch den Einzelstaaten gedient., Wird die Finanzreform in Angriff genommen, muß sie auch so durchgeführt werden, daß nicht sofort wieder die Steuerschraube angezogen werden muß und dadurch erneute Beunruhigun. gen in die weitesten Volkskreise hineingetragen werden. (Beifall bei den Freis.) In der Voraussetzung, daß die für diese Vorlage erforderlichen Mittel so aufgebracht werden, wie es der Leistungsfähigkeit der Steuerzahler entspricht, stimmen wir der Vorlage zu. (Lebhafter Beifall bei den Freis.) Abg. Dr. Spahn (Ztr.): Auch meine politischen Freunde er. kennen die Berechtigung dieser Vorlage an und stehen auf ihrem Boden, wenn sie vielleiclst auch weitere Anträge, die an den Reichstag etwa kommen sollten, ablehnen werden. Die Verantwortung für diese Vorlage müssen auch wir dem Reichsmarineamt überlaßen. Die Frage der Verkürzung der Bauzeit hängt mit der Frage der Lebensdauer an sich nicht zusammen; eS ist das mehr eine Frage des Zeitpunktes, wann die Matrosen eingestellt werden sollen. Mit Recht ist in der Kommission darauf hingewiesen worden, daß tatsächlich unsere Bauzeit nicht zurücksteht hinter der irgend eines anderen Staates. Ich habe auch keinen Anlaß, auf den Flottenverein einzugehen. Ich habe seinerzeit betont, daß ßegen eine vernünftige Agitation he5 Flottenvereins nichts zu sagen ist, aber eine exaltierte Agitation ist abzulehnen. Für und ist nun die TeckungSfrage entscheidend. In der Kommission hatten wir eine Erklärung hierüber nickt erhalten, aber unmittelbar vorher erschienen die eingehenden Mitteilungen der „Frankfurter Zeitung" über die Branntweinmonopolvorlage. Das ist deS Reichstags nicht würdig. (Lebhafte Zustimniung im Zentrum.) Wir könnten ja die Verteilung der Steuern vertrauensvoll der gegenwärtigen Mehr, heit des Reichstages überlassen. (Heiterkeit im Zentrum.) Aber " ........... hnr haben stets, 1900 und 1906, das Flottengesetz erst bewilligt, nachdem dte neuen Steuern bewilligt waren. In der Kommission haben wir keine Auskunft erhalten. Ich frage den Staatssekretär, ob er uns jetzt Auskunft geben will. Sckatzsekretär Frhr v. Stengel: Zu meinem lebhaften Ve. bauern machte es mir mein Befinden damals unmöglich, bet Kom. missionSsitzung beizuwohnen. Bei der Beantwortung der heutigen Anfrage bin ich selbstredend nickt in trr günstigen Lage, in der sich die „Frankfurter Zeitung" befinden würde, die nebenbei von meiner Seite und von feiten des Amtes in keiner Wejfe inspiriert, ermäch. tiat war, solche Mitteilungen in die Deffentlickkeit -w bringen, (Hört! Hört!) im übrigen kann ick nur das eine bemerken: es ist ganz erstaunlich, mit welcher Vorsickt, mit welcher Raffinerie die Arveiten in den obersten Reichsämtern von feiten der Preße überwacht werden. (Heiterkeit.) Wehe dem Staatssekretär, der auf einem einsamen Spaziergang etwa bei der AuSklügelnng eines neuen Steuerprojektes betroffen wird. (Troße Heiterkeit.) Nun zur Sacke selbst, was den Stand der Steuervorlagen anlangt, die wir für notwendig erachten. Die Ausfcküße des BundeSratS haben ihre Beratungen in den allerletzten Tagen ab- geschloßen, aber ick bin nickt in der Lage, Ihnen heute eine Mitteilung darüber zu macken, zu welcher Zeit das Plenum deS BundeSratS die Anträge der Ausschüße in Beratung ziehen wird. Ick bin auch nickt in der Lage, Ihnen über den Inhalt dieser Vorlage genauere Mitteilungen zu macken. Ick kann nur im allgemeinen Ihnen das eine sagen, es handelt sich um zwei Steuergesetzentwürfe. Der eine betrifft die Verstaatlichung eines Teils des Zwischenhandels des Branntweins, und der andere Gesetzentwurf befaßt sich mit der Einführung einer (Zuruf: Banderolensteuer auf den Tabak!) — Banderolensteuer auf den Tabak lGroße Heiterkeit), und zwar nach dem Vorbild der Banderolen» steuer in Ansehung der Zigaretten. Aber auf daS Detail der Vor. lagen ietzt in diesem Stadium der Beratung einzuaeben, ist mir nickt möglich. Ich erachte mich dazu nickt als berechtigt. Ich möchte aber sckon heute dagegen Verwahrung einlegen, daß man Reaie- rungSt orlagen, die man noch gar nickt kennt, und die man nicht gesehen hat, einfast hier als Flickwerk kritisiert. Die ReickSver- waltung — und von der kann vorerst nur die Rede fein — ist gemüht, soweit eine Mehrbelastung der Bevölkerung mit neuen Steuern und Abgaben sich nickt vermeiden läßt, wenigstens die- fenigen Lebensbedürfnisse der Bevölkerung zu verschonen, die wir für unbedingt notwendig erachten. Abg. Frhr. v. Rickthofen (kons.): Vorlagen, die erst die Ausschüße des Bundesrats vafsiert haben, sind noch kein Gesetz. Sie ftefien. noch nickt zur Diskussion. Wir brauchen uns also nicht mit diesen neuen Plänen zu besaßen. Wir haben uns hier nicht mit Untersee- und Torpedobooten zu beschäftigen, sondern allein mit der ^Herabsetzung der Lebensdauer der Schfffe, die uns nach den Erklärungen des Staatssekretärs durchaus notwendig erscheint. In absehbarer Zeit werden wir ein Doppelgesckwader haben, wie erforderlich ist. Es muß aber auch mit den modernsten Er- 'ordernißen ausgerüstet sein. Dir wollen keine Augenblickspolitik treiben, wir wollen dauernd dem Vaterland da§ leisten, was das Vaterland von uns ^erlangt. England weiß ganz genau, daß wir mit ihm nicht konkurrieren wollen. Kein vernünftiger Menfch bei uns denkt daran. Aber unsere Marine muß leistungsfähig erhalten werden. Die Verantwortung für den weiteren Ausbau unserer Flofte Rinnen mir nickt auf unsere Sckultern nehmen. Wir müßen sie der Marineverwaltung überlaßen. Der Flottenverein hat, obgleich hin und wieder einzelne Mitglieder in anderer Weise aufgetreten sind, als ich es wohl wünschen möchte, aber doch in patriotischer Gesinnung gehandelt. Deshalb wünsche ich dringend, wenn auch einzelne Ertravaganzen vorgekommen sind, daß der Flottenverein die Schwierigkeiten, in denen er sich befindet, überwinden möge. Wir wollen ober nichts, wa? die Marineverwaltung nicht für notwendig hält und was die finanziellen Kräfte des Reiches übersteigt. Wir haben das Vertrauen zur Regierung, daß sie auch die Deckungsfrage in günstigem Sinne lösen wird. (Beifall rechts.) Abg. Bebel (Soz.): Die Herren Freisinnigen waren schon von Anfang an bereit, sich von der Notwendigkeit der neuen Vorlage überzeugen zu laßen. Ihre Stellung zu den Forderungen für Heer und Marine hat sich gegen früher auffallend verändert. Heute tritt keine einzige bürgerliche Partei mehr gegen bi-? übertriebenen Forderungen auf. Die Nationalliberalen werden es gewiß mit Freuden begrüßen, daß die Freisinnigen mit ihnen nun denselben Weg geben. Der Flottenverein bat die Tendenz verfolgt, die Marineverwaltung zu diskreditieren, indem er erklärt hat, unsere Schiffe seien die schwächsten in der ganzen Welt. Aber leibst wir haben die Neberzeugung, daß die Marineverwal- tung, wenn sie einmal neue Schiffe baut, nur das beste Material dazu nimmt Bebel macht eine Berechnung auf, die ihn zu dem Schlüße führt, daß die Lebensdauer unterer Schiffe die kürzeste ist. Die Marinetechnik, sagt der Staatssekretär, erforderte die Vorlage; dabei hat sie aber die Wirkung, unsere Flotte sehr erheblich zu verstärken. Die Unterscheidung in der Bauzeit in den Jahren bis und nach 1911 hat offenbar den Zweck, auf eine neue Vorlage 1911 vorzrrbereiten. Es ist dock sehr frappierend, daß der Staatssekretär erklärt: sckaffen Sie mir eine Mehrheit, bann werden wir eine Mehrheit machen! Das zeigt mir nur, daß er ganz genau weiß, daß man an der entscheidenden Stelle im Deutschen Reich eine bedeutende Verstärkung der Flotte über die jetzige Vorlage hinaus will. Für den Frofckmäirsekrieg im Flsften- verein haben wir herzlich wenig übrig. Aber die Periode 1895 bis 1908 inbezug auf die Floitenftage wird eines der interessantesten Kapffel der künftigen Geschichtsschreibung sein. WaS in dieser Zeit an Umfall von Parteien geleistet ist, steht in der parlamentarischen Geschichte aller Staaten einzig da! Nur eine Partes ist konsequent, sckon seit 48 Jahren, wenn es sich um Militär und Marine handelt — (zu den Nationalliberalen) daS sind Sie! (Lebh. Zustimmung der Nationalliberalen.) UebrigenS hat Fürst Bülow den General Keim im vorigen Jahre w'gen seiner Wahlagitation, wogegen Napoleon III. ein Stümper war lGe- lächtcr), hier ausdrücklich belobt, und der Kaiser hat zum Fürsten Salm gesagt: Famose Dahlen! Gegen wen richtet sich denn unsere Flottenrüstung? Frankreich kann schon heute nicht mehr mit, weder zur See, noch zu Lande. (Lacken und Widerspruch.) ES ist an der Grenze des MensckenmaterialS. Amerika rechnet nicht, Japan auch nicht. Alle Verhältnisse, die hierbei in Betracht gezogen werden, können sich nur auf England beziehen. ES war schon bei jeder Vorlage so, und diesen Glauben können wir England nicht nehmen. (Unruhe und Widerspruch.) Wobl aber, das ist meine feste lieber Beugung, kann der Moment kommen, wo England zu Deutschland ähnlich steht, wie 1904 Javan zu Rußland, wo Japan sich gesagt hat, wenn ich jetzt nicht losschlage, dann geht es überhaupt nicht. Die Gefahr provozieren wir. '(Unruhe und Widerspruch.)' Und nun die Deckung dieser DuS» gaben! Immer wieder die alte Quelle. Immer dieselbe arbeitende Klaffe, die schon heute die Lasten der Flotte trägt. (Widerspruch.) Immer die große Maffe der Nation, während die oberen Klaffen fortgesetzt drangen nach neuen Rüstungen, aber schamlos genug sind, nichts zahlen zu wollen. (Unruhe.) Wenn es gilt, die -Einkommensteuer auch nur um ein Prozent zu erhoben, schreien Sie Zeter und Mordio. (Unruhe und Widerspruch.) Nun gut, hic Rhodos, hic salta, bei den Steuervorlagen können sie e§ je zeigen. Stellen Sie ihnen eine Einkommen, steuer, eine Vermögenssteuer gegenüber, wir sind dabei. Die Hauptsache ist, daß die großen Geldbeutel bluten. Fssr Patriotismus hat bisher immer nur den Eindruck gemacht der Förderung der eigenen Klaffenintereffen. Beweisen Sie, daß es anders ist. aber ich glmibe nicht daran. Ich habe mich so oft in Ihnen getäuscht. (Gelächter.) Staatssekretär v. Tirpitz: .Herr Bebel bat mt5 einer Liste über da? Lebensalter der Kriegsschiffe herausgerechnet, daß unsere Schiffe die kürzeste Lebenszeit haben. Wie er zu der Berechnung gekommen ist, kann ich natürlich hier au? dem Stegreif nicht über- seben. Daß aber die Schiffe, die augenblicklich unsere aktive Flotte ausmachen, eine kurze Lebenszeit haben, das kommt einfach daher, daß wir sa erst vor 6 und 7 Fahren angefangen haben. (Heiterkeit.) Wenn Herr Bebel darüber klagt, wie viele Ersatz- bauten in den nächsten Fahren berankommen, so sind da? alles Schiffe, die er ht seiner Berechnung ausgelassen hat, die Siegfrieds- klaffe usw. Wenn ich nun in der Budgetkomnnssion gefragt worden bin, waS sind denn die Fntentionen der verbündeten Reaierunaen. ist es nicht zweckmäßig, daß wir den Ersah der Kaiserschiff,' und der Wittelsbacherschiffe sofort feststellen — ich mochte die Miwlieder deS Hohen Hauses fragen: wenn von einem Staatssekretär im ReichSmarineamt oder dem .Kriegsminister bei militärischen Fraaen etwas TTiehr angefordert wird, was er dann antworten sollte? '(Heiterkeit.) Ich habe übrigens nicht das gesagt, was der Ada. Bebel hier vorgetragen bat. Ich habe mlr auSgesührt: wenn Sie mir eine Mehrheit schaffen, so will ich meine militärische Unter, stützung gewisiermaßen geben. Das ist eine andere Frage und damit fallen alle Folgerungen fort, die Bebel an diese Antwort gc. knüpft hat. Fch habe mich zum Wort gemeldet, weil ich der Behauptung des Abg. Bebel, daß unsere FloÜenvorlage Unruhe in England erweckt habe und habe erwecken müffen, auf das nachdrücklichste ent- gegentreten möchte. Fch habe bereits diesen Punkt in der Budget- kommission behandelt und habe einige Hauvtstimmen der eng- lischen Presse angeführt. Fch bin durch die Behauptung des Abg. Bebel genötigt, diese Stimmen zu wiederholen. Der „Morning Leader" vom 26. November sagt: ..Bis setzt toar. die offizielle Lebensdauer der deutschen Linienschiffe 25 Fabre, die eines Kreuzers 20 Fahre. Diese Fixierung der Lebensdauer war nachweisbar ein Irrtum. Es gibt keine Linienschiffe von 20 Fahren,^ das nicht auf den Haufen alten Eisens gehörte. Die einschläoige deutsche Bestimmung ist also eine sebr milde Maßregel." Die „Engineering", das erste englische Fachblatt saat: „Fn bezug auf die Bemerkung über das Lebensalter sei darauf hingewiesen, daß in der englischen Flotte kaum noch ein Schiff vorhanden ist, das älter sei als 20 Fahre. Deutschland schließe sich also setzt der englischen M.rrine voll an und rangiere die alten Schiffe früher aus als bisher", sind tatsächlich Preßstimmen, die in England über unsere Flottenvorlage zmn Ausdruck gekommen sind. Es ist mir völlig unverständlich, wie diese Flottenvorlage Veranlassung zu einer Unruhe in England geben könne. Wir haben sa seit 1900 bereits gesagt, was wir für eine Flotte haben wollen, und in dieser letzten Flottenvorlage ist ja keine Vermehrung der Flotte gefordert, sondern es wird ja nur ein Fehler der Berechnungsweise herauskorrigiert. ^Lachen der Soz.) ES ist also unverständlich, daß eine Unruhe dadurch hervorgerusen wird. Wir bauen untere Flotte gegen niemanden. Wir haben auch gar keine Veranlassung, gegen irgend einen bestimmten Staat eine Flotte zu bauen. Wir stehen ganz genau auf dem Standpunkt, den der Referent der französischen Deputiertenkammer in dieser Frage eingenommen hat. Er sagt in bezug auf die Flottenvorlage der französischen Regierung, die auf einmal sechs große Linienschiffe forderte: »Die Beziehungen der Nationen zu einander sind zu wandelbar, als daß man eine Flotte nur gegen einen bestimmten Feind bauen könnte. Die Freunde von heute können morgen unsere Gegner fein." Alle Staaten schaffen sich eine ihren Verhältnissen angemessene Seemacht an, und weiter tun wir auch nichts. Was speziell England anbetrifft, so muß ich sagen, ich bin ja in der Welt ziemlich weit herumgekommen, ich wüßte auf der ganzen Erden- runde keinen Fnteressenkonflikt zwischen England und uns, der es auch nur im mindesten rechtfertigte, daß er durch Waffen ausgetragen werden muß. (Lebh. Zustimmung.) Daß wir etwa mit England konkurrieren wollen, daß wir England gegenüber eine Seemacht schaffen , wollten, die ihm die Seeherrschaft streitig machen könnte, das sind eben nur Phantasiegebilde, gegen die mit Gründen man sehr schwer wird aufkommen können. Man braucht ja nur die absolute Stärke der beiden Flotten in Betracht zu ziehen. England ist tatsächlich mehr als dreimal so stark wie wir und ist in der Lage, sehr viel schneller zu bauen als wir; denn England hat sehr viel mehr Wersten, es ist tatsächlich der Weltproduzent für Kriegsschiffe. Fch habe noch neulich in der Zeitung gelesen, daß eS 3 Dreadnoughts für Brasilien geliefert habe. England ist also in der Lage, uns in der Beziehung vorbeizulaufen, wann es nur will. Wie ist es da möglich, aus unserem Vorgehen, das gar keine akute Bedeutung haben kann, eine Provokation gegen England herauszulesen ! Das ist mir ganz unbegreiflich. Ist denn unsere Armee eine Provokation ? Reizt denn unsere Armee gum Kriege? Der Abg. Bebel würde diese Frage gewiß verneinen, und wenn er es nicht täte, dann wäre er der einzige, der es nicht täte. (Heiterkeit.) Ich wundere mich eigentlich, daß nach den Verhandlungen der Budgetkommission der Abg. Bebel gerade die Seite der Frage hier wieder entrollt hat. Ich hatte mich eigentlich der Fllusion hingegeben, daß meine Darlegungen in der Vudgerkommission, die ja freier sein können als hier im Hause, den Abg. Bebel überzeugt zu haben (Heiterkeit rechts), daß wir tatsächlich eine Flotte bauen, die den Frieden sichern , soll. Ich glaube im Interesse unseres Vaterlandes — und das ist ja auch das Vaterland des Herrn Bebel und seiner Genossen — ist es nicht zweckmäßig, in dieser Weise mit dem Feuer zu spielen. (Lebhafte Zustimmung.) Denn es wird hüben und drüben immer Leute geben, die nicht ein so volles eingehendes Verständnis haben, und bei denen dadurch eine unnötige und recht schädliche Unruhe erzeugt wird (Lebhafte Zustimmung'», und das zu vermeiden, haben luir alle Ursache. (Lebhafter Beifall.) Abg. Arendt (freik.): Beim Beginn der Rede des 9Tbg. Bebel glaubte ich, es geschähen Zeichen und Wunder, Bebel würde eine Rede für die Vorlage halten. Ec trat nut außerordentlich bemerfen?luerrem Pathos gegen die Diskreditierung der M-rineverwaltung ein. Allerdings waren seine Aeußerungen gegen den Flottenverein gerichtet. Bei den Ausführungen des Staatssekretärs in der Budgetkommission hat es sich nicht um einen weitauSschanenden Plan der Regierung gehandelt, sondern es waren eben nur soldatische Worte. Ich muß zurückweisen, daß Bebel den Patriotismus des Flottenvereins verdächtigt hat. Es ist eine Beleidigung der deutschen Wähler, wenn Bebel ausspricht, daß sie sich durch die Regierung in ihrer Stimmabgabe haben beeinflussen lassen. (Sehr richtig! rechts, Lachen der Soz.) Mit der Flottenvorlage verfolgen wir keine aggressiven Pläne. Glaubt denn Bebel, daß seine Worte in England kein Gehör finden? Daß er damit nicht den englischen Ehauvinisten Waffen gegen Deutschland in die Hand gibt? (Sehr richtig.) Ich bin gewiß ein Vertreter guter Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich, aber angesichts der letzten Verhandlungen in der französischen Deputiertenkamm.r haben wir doch allen Grund, vorsichtig nach der Westgrenze zu blicken. (Sehr richtig!). Für da? ihnen fehlende Meuschenmaterial suchen sich die Franzosen Ersatz bei den Arabern, lieber die finanzielle Deckung dieser Vorlage heute zu sprechen, ist verfehlt. Fragen, die die internationale Wehrkraft betreffen, müssen trotz aller finanziellen Bedenken schnell erledigt werden. Da stehe ich im Gegensatz zum Zentrumsredner. Fm übrigen habe ich nicht herausgehört, daß er wegen der Deckungsfrage die Flottenvorlage ablehnen will. Die letzten Wahlen haben gezeigt, daß das deutsche Volk in nationalen Fragen eine unbedingte Mehrheit Haden will. Ich freue mich, wenn das Zenttum für die Vorlage stimmen wird, denn je größer die Mehrheit ist, um so wirksamer wird diese Vorlage ein Pfand des Friedens sein. Wäre Deutschland in Flottensachen eine quantitd n^gligeable, dann könnte Bebel mit Recht an die englischen Jingos appellieren, die Deutschland noch rechtzeitig über den Haufen werfen wollen. Ich danke dem Schatzsekretär für seine Opserfreudigkeit. In der ganzen Rede Bebels habe ich jedes Argument gegen diese Vorlage vermißt. Die Herren sind ja grundsätzliche Gegner der Flotte und müssen daher jede Verbesserung derselben ablehnen; ja, wenn es sich um ausländische Flotten handelt, da ist nach dem „Vorwärts" die Flotte kein Kciegsspielzeug, da ist Flottenpolitik großbürgerliche Politik, wegen der ja auch die Junker gegen die gräßliche Flotte seien I Lieber die Steuervorlagen spreche ich nicht, da ich sie nicht kenne. Daß die verbündeten Regierungen keine Steuer bringen werden, die Herrn Bebel gefallen wird, davon bin ich überzeugt; eher wird der Stein der Weifen gefunden. Die Nationalliberalen verdienen Dank, daß sie durch ihren Redner den Standpunkt der Flottensreunde maßvoll und fachlich vertreten ließen, nunmehr wird die auf irrigen Berichten beruhende Erörterung in der Oeffentlichkeit wohl ein Ende nehmen, als ob zwischen meinen politischen Freunden und den Anschauungen der Freunde des Grafen Oriola in dieser Frage ein Unterschied bestände. Den Flotten verein kann man nicht für jeden Zeitungsartikel und jede Rede verantwortlich machen. Daß in der Agitation über das Ziel hinausgeschosfen wird, kommt überall vor; aber Anerkennung verdient der Flottenverein, denn er hat außerordentlich nützlich für die Aufklärung der Flottenfrage gewirkt. Auch meine polnischen Freunde wünschen dringend, daß die Einigung im Flottenverein wiederhergestellt und der Flottenverein seine ersprießliche Tätigkeit ungeschwächt auch in Zukunft fortsetzen möge. Wir haben die große Mehrheit des Volkes hinter uns, sie steht nicht hinter der kleinlichen Polittk Bebels, sondern hinter der großbürgerlichen Polittk, die in der Flotte das Mittel sieht, den Frieden im Volk zu erhalten und zugleich dem Deutschen Reich die angemessene Stellung in der Welt zu sichern. (Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Mommsen (srs. Vgg.): Ich werde weder Herrn Bebel noch Herrn Arendt auf das Gebiet der auswärtigen Politik folgen. Ich stehe ganz auf dem Standpunkt des Staatssekretärs, daß diese Frage lediglich eine technische ist, und wir mit der Annahme der Vorlage eigentlich nur Konsequenzen der Technik ziehen. Die sonst beklagenswerten Vorgänge im Flottenverein sind zu begrüßen, denn sie bedeuten den Bankerott des deutschen'Chauvi- n i s m u s. Herr Arendt hat den Schatzsekretär zu seiner Opferwilligkeit beglückwünscht. Es ist mir in meinem ganzen parlamentarischen Leben noch nicht vorgekommen, daß jemand eine Opfer» Willigkeit darin sieht, daß die Regierung mit neuen Forderungen an uns herantritt. (Heiterkeit.) Man fordert doch enormes Geld von uns, ohne daß man einen Plan ausgearbeitet hat, wie die Kosten gedeckt werden sollen. Die Freisinnigen haben nicht erst seit den letzten Wahlen ihre Stellung zu den Militär- und Marineforderungen geändert. Diese Aenderung ist schon früher erfolgt, weil man immer mehr ein» gesehen hat, daß die ganze Frage der Ergänzung des Heeres und der Flotte immer mehr eine technische geworden ist, die ans der Politik ansscheidet. Wenn uns also die technische Notwendigkeit einer Vorlage bewiesen wird, so stimmen wir dafür. Es ist eine ganz technische Frage, wenn die Lebensdauer der Schiffe herabgesetzt werden soll. Freilich müssen wir sehr ernst darauf Hinweisen, daß wir uns bei Fragen der Vermehrung der Marine durchaus das nüchterne Urteil behalten müssen. Wir brauchen keine Phantasien für die Zukunft an die Wand zu malen. *©ie erschweren uns nur unsere heutige Stellungnahme. Ich mochte entschieden warnen, über die Vorlage hinauszugehen. Die schwierigste Frage bei der ganzen Sache ist die unserer finanziellen Lage. Wenn wir jetzt der Vorlage zustimmen, so möchte ich ausdrücklich bemerken, daß wir uns nicht etwa verpflichten, die Vorlagen die die verbündeten Regierungen möglicherweise zur Deckung des Defizits bringen werden, auch ohne weiteres anzunehmen. Das füllt uns gar nicht ein. Die beiden heule nngelünbigten Vorlagen haben sehr wenig Aussicht, angenommen zu werden. Wir werden keiner Vorlage zustimmen, die unseren Grundsätzen widerspricht. Wir werden uns nicht auf die Steuersuche begeben, sondern werden uns auf unsere Reichsverfassung zuriickziehen unb sagen: wenn ihr keine Slenerobjekte findet, 'so müssen eben die einzelnen Staaten solange Matrikularbeiträge zahlen. (Abg. Gröber (Ztr.) ruft: Bis sie schwarz werden ! Heiterkeit. Abg. M o in nt s e n zum Zentrum: Das möchte Ihnen wohl so passen I Erneute Heiterkeit.) Wenn luir im Reichstag Stange halten und keine unnötige Pump- wirtschaft einführen, dann werden wir bald zu direkten ReichS- fteuern kommen. Wir brauchen uns durch keine Agitation vormachen zu lassen, was für unsere Marine notwendig ist. Vielleicht setzt sich der Staatssekretär einmal mit dem Kriegsminister über einen Austausch auseinander. Wenn man uns sagt, daß ein Armeekorps weniger notwendig ist, als eine Schiffsdivision, dann werden wir gern dieses für jenes bewilligen. Abg. Liebermann von Sonnenberg (wirtfch. Vg.): Der Vorredner hat unter anderem die Einigung der Freisinnigen: der Volkspartei, der Vereinigung und der süddeutschen Volkspartei gestreift; aber er hat dabei wohl gewisse Vorgänge der letzten Zeit übersehen. Wir wünschten allerdings, daß er mit dieser inneren Einigung der Freisinnigen recht hätte, wir wünschen es schon im Interesse des Blocks. Der Redner spricht dann feine Genugtuung über die einmütige Annahme des Flottengesetzes durch alle bürgerlichen Parteien aus. Sollte die Deckungsfrage Schwierigkeit machen, so dürfte daran die Vorlage auch nicht scheitern. Damit schließt die Erörterung. Das Flottengesetz wird mit der Resolution der Kommission gegen die Stimmen der Polen und Sozialdemokraten angenommen. Nächste Sitzung Donnerstag 1 Uhr: Marineetat, Etat der Reichs-Justizverwaltung. Schluß gegen 6 Uhr. Zrhn Zähre deuische Kolonialpoütit in Gstasien. Dem Reichstage ist die amtliche Denkschrift über die Ent- toidlimg des Kinutschougebiets in der Zeit vorn Oktober 1906 bis Oktober 1907 zugegangen. Sie enthalt in einem einleitenden Kapitel einen Üeberblick über die Entwickelung der Kolonie während des ersten Jahrzehnts unter der deutschen Marineverwaltung. Zur treffenden Würdigung des seither Geleisteten wird man berücksichtigen müssen, daß ein erheblicher Teil bei Arbeit dieses Jahrzehnts naturnotwendigerweise Vorarbeiten für jene Entwicklung, d. h. Maßnahmen zur Schaffung der Vorbedingungen für einen Handelsplatz an einer fremden Küste gelten mußte. Die wichtigsten dieser Vorbedingungen waren die Förderung des Handelsverkehrs nach der Sees eite durch rno- berne und groß angelegte Hafeneinrichtungen und die Ausschließung des ausgedehnten Hinterlandes durch künstliche Verkehrswege. Hierzu kamen die mannigfachen und seitraubenden Aufgaben, die mit einer umfangreichen, den Anforderungen nicht nur der Gegenwart, sondern einer künftigen gefunben Entwicklung Rechnung tragenden Stadtanlage an einer bis dahin wenig wirtlichen Küste verbunden waren. In jeder dieser Richtungen war so gut wie alles hu tun. Nunmehr ist anstelle des Torfes Tsingtau und der chinesischen Truppenlager eine nach einheitlichem Plan gebaute, ausgedehnte Stadtanlage getreten. Die Stadtanlage ist mit einem umfangreichen Netze chauffierter Straßen versehen, hat Regen- und Schmutz- wtasserkanalisation, Wasserleitung und elektrische Beleuchtung, kirchliche Gebäude, Krankenhäuser und Schulen für Europäer und für Chinesen, eine Postanstalt, Markthalle und einen allen Anforderungen der Hygiene genügenden Schlachthof. Die Gou- vemementsbchörden sind, soweit für sie nicht am Orte ihrer besonderen Tätigkeit Diensträume notwendig waren, im Gouvernementsgebäude vereinigt. Die Privatbautätigkeit ist durchs Gewährung staatlicher Kreditgelder derart gefördert, daß die Mieten sich aus erträglicher Höhe halten. Besondere Aufmerksamkeit hat die Marineverwaltung einer planmäßigen Aufforstung der Umgebung Tsingtaus zugewendet, eine Ausgabe, welche nicht nur für das landschaftliche Bild, sondern auch für die Hebung der gesundheitlichen Verhältnisse der Stadt von großer Wichtigkeit ist; gerade aus diesem Gebiete der Verwaltung sind benwrkenswerte Erfolge erzielt worden. Die Hafenanlagen rechnen jetzt auch nach fremdem Urteile zu den besten Ostasiens. Zur Verbindung der Hasenanlagen in Tsingtau mit dem Hinterlande dient die mit deutschem Kapital durch deutsche Bauleiter erbaute und unter deutscher Leitung betriebene Schau- tung-Eisenbahn. In erster Linie als Kohlenbahn zur Ausbeutung der von ihr durchichniktenen lilvhlenfclder gebaut, hat sich die SchaMung-Eisenbahn rasch als ein für den wirtschaftlichen Aufschwung der deutichen Niederlassung und der Pro- piM SchanLung gleich wichtiges Verkehrsmittel entwickelt. Soeben — Januar 1908 — ist der Vertrag der chinesischen ^Regierung mit einem deutsch-englischen Finanzkonsortium vollzogen worden, durch den nach langjährigen Verhandlungen der Bau einer chinesischen Eijcnbahn von. Tientsin pach dem Dangtse gesichert ist. Diese Linie wird Anschluß jffi die Uchantun^Etserwähn erhalten und dadurch auch dem Handel Tsingtaus ein weiteres, umfangreiches und wichtiges Wirtschaftsgebiet erschließen. Auf dem Gebiete der Handels- und Zollpolitik mußte den besonderen, durch die geographische Lage des Schutzgebietes und seine wirescyastlichen Beziehungen zu dem chinesischen Hinterlande gegebenen Bedürfnissen Rechnung getragen werben. Ties ist durch das Zollabkommen mit der chinesischen Regierung geschehen, durch welches gleichzeitig dem Schutzgebiete eine erhebliche Einnahme erschlossen ift, Durch das feit dem 1. Juli 1899 in Tsingtau zugelassene chinesische Seezollamt wird zugleich eine genaue Statistik des Handels des Schutzgebietes geführt. Ein Bild dieser Entwicklung geben die in der Denkschrift mitgeteilten statistischen Angaben, von denen hier nur die Hauptziffern angegeben werden sollen. Der Wert des Handels weist Einfuhr nicht Einfuhr chinesischen chinesischen Ursprunges Ursprunges l.Oktober Dollar Dollar 1899/1900 945 000 3 333 000 1905 06 22 269 067 6 796 528 1906/07 27 239 941 9 208 650 folgende Steigerung auf: Dollar Dollar 1 650 000 5 928 000 10 385 375 39 450 970 15143 847 51592 440 Er hat also im Berichtsjahre rund 103 Mill. Mk. betragen. Es ift hierzu zu bemerken, daß infolge des veränderten Zollabkommens seit dem 1. Januar 1906 auch der bis dahin zollfreie und statistisch nicht gefaßte eigene Verbrauch der Kolonie von seeseits eingeführten Waren einbegriffen ist. Indessen steht fest, daß das Anwachsen der Ziffern zum erheblichen Teil durch eine Steigerung des Durchgangshandels nach und von dem weiten chinesischen Hinterlande verursacht ist. Im Hafen von Tsingtau legten im Jahre 1899/1900 182 Dampfer und 10 Segelschiffe mit 226152 Tonnen Raurn- gehalt an, im Jahre 1906/07 dagegen 498 Dampfer und ein Segelschiff mit 546 843 Tonnen Raumgehalt. Die Schantung-Eisenbahn hat bei einer Betriebslänge von 436 Kilometer im Jahre 1906/07 883 231 Personen und 390125 To. Güter befördert. Während sie für das Geschäftsjahr 1905 nur 3 \\ v. H. Dividende auf das Aktienkapital von 54 Mill. Mk. verteilen konnte, sind für das Geschäftsjahr 1906 bereits 44/4 v. H. Dividenden verteilt worden. Auch der Poft u. Telegraphenverkehr zeigte bei 2 877 914 Briefsendungen und 32 657 Telegrammen einen erheblichen Umfang. Von Interesse ift auch das Resultat der VolksMlungen in den letzten Jahren. Während mit Ausnahme des Militärs im Jahre 1902 nur 688 Europäer im Schutzgebiete wohnten, ist ihre Zahl im Jahre 1907 auf 1484 gestiegen (996 männliche, 488 weibliche Personen; davon 271 Kinder unter 10 Jahren). Auch die chinesische Bevölkerung hat mit 14 905 Personen im Jahre 1902 gegen 31 509 im Jahre 1907 einen erheblichen Zuwachs erfahren. In der letzten Zahl sind 26 452 Männer, 3334 Frauen, 1723 Kinder unter 10 Jahren enthalten. Förderung der Scheck- und Uederweisungrverkehrr. Zur Förderung des Scheck- und Ueberweisungsverkehrs find nunmehr n. d. „Darmst. Ztg." die Gr.oßh. Bezirkskaffen I und II zu Darmstadt ermächtigt worden, zur Zahlung von Staatsgefällkn linnerhalL ber Fälligkeitstermin? auch Schecks auf die Reichsbank oder mit dieser im Giroverkehre stehenden Bankgeschäften in der Stadt Darmstadt anzunehmen. In den Schecks auf die Reichsbank muß als Zahlungsempfänger bezw. als Konto, welchem der Betrag gutgeschrieben werden soll, Steuerkonto in Darmstadt, in den Schecks auf andere Bankgeschäfte in der Stadt Darmstadt dagegen als Zahlungsempfänger diejenige Bezirkskasse, an welche die Zahlung zu leisten ist, also die Großh. Bezirkskasse Darmstadt I oder II, angegeben sein. Die Zahlungen werden erst, nachdem die Schecks provisionsfrei eingelöst worden sind oder ihr Betrag auf Ersuchen der Großh. Hauptstaatskasse durch das betr. Bankgeschäft dem Girokonto der ersteren bei der Reichsbank überwiesen und darauf gutgeschrieben worden sind, als geleistet angesehen. Da eine bare Einlösung' der Schecks nicht stattfinden soll, empfiehlt es sich, dieselben mit Ausnahme der roten Schecks auf die Reichsbank vor der Abgabe an die genannten Bezirkskasfen auf der Vorderseite mit dem Vermerke „Nur zur Verrechnung" zu versehen. Soweit sie diesen Vermerk nicht enthalten, wird er noch durch die Bezirkskassen mittelst Stempel aufgedruckt werden. Wird ein Scheck nebst dem Steuer- oder Anforderungszettel persönlich an einer der Bezirkskassen abgegeben, so kann von dieser sofort Quittung erteilt werden, es wird aber alsdann unmittelbar unter dem Quittungsvordruck noch durch Stempelaufdruck die Bemerkung hinzugefügt: „Ungültig, falls der in Zahlung gegebene Scheck nicht eingelöst wird", und es wird die Zahlung erst, nachdem der Scheck eingelöst oder sein Betrag gutgeschrieben worden ist, als geleistet angesehen. In den Fällen, in denen den Bezirkskassen die Schecks durch die Post zugehen und zugleich der Steuer- oder Anforderungszettel und ein Freikuvert zur Rücksendung der Quittung beigeschlossen ist, wird nach Richtigbefund seitens der Bezirkskassen ebenfalls alsbald Quittung mit dem vor- angegebenen Vorbehalte erteilt und dem Schuldner mittelst des Freikuverts übersandtz Von dem Beischlusse des Steueroder Anforderungszettels kann abgesehen werden, wenn der Schuldner bei Uebersendung des Schecks ausdrücklich erklärt, daß er auf Quittung verzichte unb zugleich Bezeichnung ber Schuld, Nummer des Hebregisters, Namen des Zahlungspflichtigen, Ziel und Schuldbetrag gemäß der in dem Steuer- usw. Zettel enthaltenen Angaben mit* teilt, in welchem Falle alsdann von der Ausfertigung einer Quittung abgesehen wird. Diejenigen Schuldner, welche über eine Zahlung mittels Scheck, der durch die Post einer Dezirkskasse übersandt wird, Quittung erhalten wollen, ohne ein Freikuvert zu deren Zusendung beizufügen, müssen die Quittung bei der Bezirkskasse abholen. Statt durch Abgabe von Schecks können die Zahlungen von Staatsgefällcn an die genannten Bezirkskassen innerhalb der Fälligkeitstermine auch durch direkte Ueberweisung der Schuldbeträge auf das „Steuerkonto" bei der Reichsbank oder auf das Konto der Großh. Bezirkskassc Darmstadt I bezw. II bei der Bank für Handel und Industrie in Darmstadt erfolgen. Hiervon ist die Bezirkskassc, an welche die Zahlung zu leisten ist, gleichzeitig unter Ueber- sendung des Steuer- oder Anforderungszettels oder unter näherer Bezeichnung der Schuld mit Angabe der Hebregisternummer usw. zu benachrichtigen. Bezüglich der Erteilung von Quittungen wird in gleicher Weise, wie dies vorstehend hinsichtlich der Uebersendung der Schecks mit der Post angegeben, verfahren, jedoch mit dem Unterschiede, daß erst, wenn feststeht, daß die Ueberweisung tatsächlich erfolgt ist, eine Quittung ausgefertigt wird und dagegen der Vorbehalt der Ungültigkeit wegfällt. Direkte Ueberweisungen auf andere Bankgeschäfte als die Reichsbank und die Bank für Handel und Industrie zu Darmstadt sind vorerst nicht zulässig. Um das Verfahren bei der Entrichtung der direkten Steuern noch weiter zu vereinfachen und für die Pflichtigen möglichst bequem zu gestalten, ist ferner angeordnet worden, daß durch Bankgeschäfte Steuerzahlungen für mehrere Auftraggeber an die beiden Bezirkskassen innerhalb der Fälligkeitstermine auf Grund von zielweise aufzustellenden Verzeichnissen, in welchen die Namen der Pflichtigen, Gemeinde der Besteuerung, Hebregisternummcr, Ziel und Steuerbetrag der einzelnen Schuldner anzugeben sind, besorgt werden können, ohne dnß es der Beifügung der Steuerzettel bedarf. Nach Prüfung und Empfang des Gesamtbetrags eines Verzeichnisses in bar oder Schecks haben die Bezirkskassen die erforderlichen Buchungen vorzunehmen, entsprechende Bescheinigung auf dem Verzeichnisse zu erteilen und letzteres zurückzugeben. Es empfiehlt sich, daß diejenigen, welche ihre Steuern durch Bankgeschäfte in dieser Weise zahlen lassen wollen, alsbald zu Beginn eines Steuerzicls bezw. unverzüglich nach Empfang eines Steuerzettels dem betreffenden Bankinstitute entsprechenden Auftrag hierzu erteilen. LJ J_ _ ----- hessische Zweite Kammer. R. B. Darmstadt, 29. Ian. In der vom Präsidenten Haas um 91/4 Uhr eröffneten Sitzung wird zunächst eine Anzahl „zur vorläufigen Beratung im Plenum" gestellter Positionen dem zuständigen Ausschuß überwiesen. Zur Beratung kommt sodann der Gesetzentwurf, betr. den Verkehr mit Fahrrädern und Automobilen auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen. Die Vorlage bezweckt, die Geltungsdauer des Gesetzes, den Verkehr mit Fahrrädern und Automobilen vom 26. März 1904 auf unbestimmte Zeit zu verlängern. Dieses Gesetz hat die Negierung ermächtigt, den Verkehr mit Fahrrädern und Automobilen auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen im Wege der Verordnung zu regeln. Die Geltungsdauer des Gesetzes ist bis 1. April 1908 erstreckt worden. Eine gesetzliche Regelung dieser Materie ist zurzeit nicht möglich, wie die Begründung der Vorlage dartut. Mit dem 1. April 1908 würde für die bestehenden Verordnungen die Grundlage fehlen, woraus sich die Notwendigkeit dieser Vorlage ergibt. Ter Ausschuß beantragt kurz die Annahme der Vorlage und das Haus stimmt dem Antrag nach unwesentlicher Debatte zu, nachdem ein Antrag Bähr aus Zurückstellung der Beratung abgelehnt worden ist. Es entspinnt sich nun wieder eine längere Hundesteuer-Debatte über die Vorstellungen des Mühlenbesitzers Reutzel zu Kefenrod, Phil. Schneider III. zu Mordach, Jakob und Konrad Schmidt zuH 0 lzhau-sen und Müller König zu W 0 l f. Abg. Wolf bemerkt, um die vielen endlosen Hundesteuerdc- batten in der Kammer zu vermeiden, sollte man dock einfach: die betreffenden Vorschriften über die Hundesteuer in liberalerer Weise hairdhaben. Abg. Dr. Osann äußert sich in ähnlichem Sinne und weilt darauf hin, daß die Kosten für die. Feststellung resp. Prüfung der Vorstellungen das Erträgnis der Steuer vielfach überstiegen. Der Begriff „einsame Wohnung" sei ja sehr verschieden auszulegen: es wäre aber besser, wenn man sich nicht immer nur auf den rechthaberischen Standpunkt stellte, sondern die Gesuche in liberalerer Weise erledigte. Ministerialrat Tr. Becker bemerkt, er könne den Ausführungen des Vorredners bezüglich der Kosten wohl zustimmen. Es handle sich auch für die Regierung nicht urit den geringen Steuererttag, sondern um die Befolgung des üoit der Kammer selbst geschaffenen Gesetzes einschließlich der Bestimmung des einsamen Wohnens. Es wäre dringend zu wünschen, daß diese Vorstellungen int Hause keine Berücksichtigung mehr fänden, denn die Gesuchstellcr hielteit cs überhaupt nicht mehr für nötig, den Instanzenweg cinzuhalten, sondern fänden es für besser, sich immer einfach direkt an die Kammer zu wenden. Es sei ihm sogar versichert worden, daß wenigstens eins dieser Hundesteucrgcsuchc vom Abg. Bähr selber verfaßt worden fei. (Hört, hört.) Er habe für diese Behauptung keine Beweise und würde sich freuen, wenn sie widerlegt würde. Abg. B ä h r geht in einer sehr umständlichen Rede aus die Behandlung der Hundcsteuervorstellungen im allgemeinen näher ein und gesteht dann u. a. zu, daß er nicht nur eins, sondern sogar drei Gesuche selber abgesaßt habe. (Rufe: Hört, hört.) Nach Beendigung dieser Rede schlägt Präsident Haas vor, in der Handhabung dieser Vorstellungen insofern eine Aen- derung cintrcten zu lassen, daß alle Gesuche, die den ordnungsmäßigen Instanzenweg nicht eingehalten haben, ohne Umstände zurückgewiesen werden. Dazu bedürfe es aber einer Abänderung der Geschäftsordnung. Er werde der Kommission für die Geschäftsordnung eine diesbezügliche Anregung in Vorschlag bringen. Der Ausschuß beantragt Berücksichtigung aller vier vorliegenden Vorstellungen und die Kammer beschließt demgemäß. Eine längere Debatte ruft dann noch die Vorstellung der Bürgermeisterei und der Gemeinde Pfeddersheim über die Errichtung eines Steuerkommissariats in Pfeddersheim hervor. Abg. Finger begründet die Vorstellung sehr eingehcird und ,ucht auf einein aufgestcllten Situationsplan die Berech- Ugung der Forderung nachzuweisen. Abg. Reinhart wendet sich gegen die Ausführungen des und befürwortet den Ausschußantrag, der dahin geht, die Vorstellung für erledigt zu erklären. Der Abgeord- uktc scr mit der Vorstellung seiner Gemeinde zu spät gekommen, die Errichtung des entsprechenden Steueramts sei bereits in erfolgt und könne doch nicht mehr rückgängig gemacht werden. Abg. Bähr suchte nachzuweisen, daß hier wieder ein Fall vorliege, in dem das Land benachteiligt werde. .Rimsterialrat Dr. Becker entgegnet, daß man doch im vorliegenden Falle wirtlich, nicht einen Gecrensatz zwischen Stadt und Land konstruieren könne. Die Regierung habe, wie bei den Kommissariaten Dieburg, Seligenstadt re., sich bemüht, auch bei dem Kommissariat Worrns-Land der ländlichen Bevölkerung Rechnung zu tragen. Der Versuch mußte aber als ergebnislos ausgegeben werden, als auf der anderen Seite von Heppenheim rechtsrheinische Orte mit in Betracht kamen. Wäre die Frage des Stcuerkommissariats nicht in der jetzigen Weise geregelt worden, so hätte noch ein neuer Beamter angestellt werden müssen, da dann sowohl in Pfeddersheim, wie in Lampertheim ein neues Steuerkommissariat notwendig geworden wäre. Der Bezirk Pfeddersheim umfasse nur 5400 Steuerzahler, kaum mehr, als die beiden kleinsten Steuerbezirke Beerfelden und Homberg, die Berkehrsve-hältnisse von Worms seien aber so günstige, daß man unter alttn Umständen von der Errichtung eines neuen derartig kleinen Steuerbezirks absehen könne. In einer darauf stattgehabten, etwa anderthalbstündigen Pause fand eine Sitzung des Seniorenkonvents statt. In der erst um 3A1 Uhr wieder aufgenommenen Sitzung wünscht 9lbg. Seelinger, im Falle die Errichtung eines Steuerkomwissariats Aussicht auf Verwirklichung habe, daß man auch den großen Steuerbczirk Lampertheim entsprechend berücksichtigen wolle. Abg. Hauck meint, es wäre nicht notwendig gewesen, die rechtsrheinischen Orte in den Steuerbezirk mit aufzunehmen, wenn man das Amt nach Pfeddersheim gelegt hätte. Im übrigen bemerkt Redner, daß das Land den -größeren Städten gegenüber vielfach in den Hintergrund gestellt würde, namentlich bei Errichtung neuer Schulen. Abg. Finger entgegnet auf die Ausführungen vom Regierungstische und führt gus, daß viele Steuerbezirke nicht mehr Steuerpflichtige besäßen, als Pfeddersheim. Mg. Bähr macht längere umständliche Msführungen und meint, man hätte in Hessen manchmal zu viel, manchmal zu wenig Beamte. Redner erwähnt im Anschluß daran, das plötzliche Mleben eines Darmstädter Steuerbeamten. Ministerialrat Dr. Becker weist auf die verschiedenen Widersprüche hin, in die sich Abg. Bähr auch heute wieder verwickelt habe. Er muffe sehr bedauern, daß der Abgeordnete auch das plötzliche Ableben eines Beamten zur Sprache brachte. Er hätte es für passender gehalten, wenn sich der Abgeordnete, bevor er über den Fall sprach, genügend darüber informiert hätte. Tie Regierung habe schon im Dezember eine volle Aufklärung in der Darmstädter Zeitung gegeben. Die Stenerverwaltung treffe keinerlei Mitverschulden. Wenn die Kammer zu einer Entschließung käme, die eine weitere Vermehrung der Steuerkommissariate zur Folge haben müßte, so würde er es sehr bedauern. Abg. Bähr meint, daß die Regierung, wenn sie nur wolle, auch dem Falle Pfeddersheim Rechnung tragen könne und ersucht das Haus, den Ausschußantrag abzulehnen. Abg. Reinhart erhebt entschiedenen Protest gegen die Unterstellung des Abg. Bähr, als hatte er im Interesse der Stadt Worms für die Errichtung in Worms gestimmt. Er habe lediglich im Interesse des Staates gehandelt. Redner wirft dem Vorredner auch mangelndes Verständnis vor. Er könne über die Frage gar nicht mitreden und habe auch schon der Regierung Sottisen an den Kopf geworfen. (Präs. Haas bemerkt, daß man das nicht von einem Abgeordneten sagen dürfe.) Das Steuerkontmissariat fei in Worms und werde auch dort bleiben. Es ist inzwischen i/2 2 Uhr geworden und da die noch zum Wort gemeldeten Äbgg. Finger und Bähr trotz Ersuchens nicht auf das Wort verzichten, muß der Präsident noch für morgen früh 9 Uhr eine Sitzung anberaumen. * R. B. Darmstadt, 29. Jan. Ueber die heutige Sitzung des Seniorenkonvents wird offiziös berichtet: Der Seit iorenkonvent hatte Gelegenheit genommen, mit dem Staatsminister die weitere Behandlung der Wahlrechtsvorlage zu erörtern. Man war allgemein der Ansicht, daß eine vollständige Erledigung aller Gesetzesvorlagen auf diesem Landtage unmöglich sei. Der Seniorenkonvem wünschte, daß sofort bei Beginn des nächsten Landtags eine neue Wahlrechtsvorlage erfolge, daß aber die Verhandlungen der beiden Ausschüsse der Kammern ruhig weitergeführt werden sollten um zu sehen, ob eine Verständigung zu erzielen sei. Der Staatsminister konnte auf diese Anregung eine definitive Antwortnicht g_c 6 e n, behielt sich vielmehr vor, nach einem Beschluß des Staatsministeriums endgültige Antwort zu geben.______________ Die Verlegung der Haltestelle Garbenteich. Tie bereits erwähnte Eingabe der Gemeinde Grunina en an die 2. Kammer lautet: Grüningen liegt zwischen den Bahnstrecken Gießen— Frankfurt a. M. und Gießen—Gelnhausen, etwa zehn Kilometer südlich von Gießen und hat infolge dieser Lage niemals Hoffnung aus eine direkte Bahnverbindung. Tie Statwn Lang-Göns liegt 5—6 Kilometer, die Station Schiffenberg 6—7 Kilometer und die Haltestelle Garbenteich 4 Kilometer von hier entfernt. In Bezug des Güterverkehrs sind wir ausschließlich auf die Verladestelle Lang-Göns angewiesen. Grüningen zählt über 700 Einwohner. Es besitzt eine weit ausgedehnte Feldgemarkung, die von 8/io der Bewohnerschaft bewirtschaftet wird. Jede Zeitersparnis bedeutet für uns einen oft nicht zu schätzenden Gewinn. Nun nimmt uns sowohl der Import von Köllen, Handelsdünger, Futierartikein, Baumaterialien, Dielen, landw. Produkten rc., als auch der Export von landwirtschaftlichen Produkten viel Zeit hinweg, eben weaen der schon erwähnten weiten Entfernung der weiten Güterverladestelle zu Lang-Göns. Wenn aber die von der Prenß.-Hessischen Eisenbahn-Gemeinschaft in Aussicht genommene Errichtung einer Güterverladestelle südlich von Garbenteich zustande tarne, jo wäre Grüningen nur 1/2 Stunde davon entfernt und hätte einen bequemen Weg ohne Steigung zur Ausladestelle. Die Steinbacher Bittsteller regelt in ihrer Eingabe freilich von „einem tiefen Tal" und „einem hohen Berg", welche beide „in einem weiten Bogen" erst chanssiert werden könnten. Wenn die Phantasie der Steinbacher in der Hitze dss Gefechtes übermäßig lebhaft geworden ist, so wollen wir solches gern verzeihen, besonders darum, weil die wirtlichen Bedingungen zur Anlage einer Straße zwischen Grüningen und Garbenteich sehr günstige sind, und die Behauptung der Steinbacher, daß die Waggonbezüge der Gemeinden Grüningen, Torf-Güll und Watzenborn—Steinberg geringfügig seien, weisen wir entschieden zurück, da unser Ort nachweislich jährlich 50—60 Waggonladungen importiert und sich der Export bei Obstjahren noch um 25 bis 30 Waggon steigert. Mich in stellen sich die Gesamtverladungen auf 85—100 Waggon, so daß unser Güterverkehr nicht gering- Üügig genannt '.imfctm kann. "Außerdem liegt an der projektierten Straße Grüningen—Garbenteich ein Steinbruch von bedeutender Mächtigkeit, der ganz vorzügliche Bausteine liefert. Ta er nur 20 Minuten von der vorgesehenen Ausladestelle bei Garbenteich liegt, so stünde eine Ausbeute dieses wertvollen Stcinlagers und somit ein ausgedehnter Export von Bausteinen in Aussicht. Dieser Eingabe schließt sich die Gemeinde Dorf-Güll mit folgenden Ausführungen an: Wir, die Gerne in p.verttetung von Dorf-Güll, unterstützt durch die in hiesigem Orte Gelegene Molkerei der Gebr. Grieb, schließen uns den Ausführungen der Gemeinde Grüningen im wcsentlickwn an. Wir wollen nicht unerwähnt lassen, daß die projektierte Haltestelle für den Waggonverkehr (etwa 80 Stück jährlich) durch ihre Nahe viel günstiger und vorteilhafter für uns gelegen ist, als die für uns jetzt in Bettacht kommende Haltestelle der Butzbach— Licher Eiienbahu. Tie neue projektterie Ausladestelle Garbenteich liegt etwa 2,5 Kilometer von unserem Orte, mit bester Sttaßenverbindung, cuifcrnt, und würde unsere Balmverbindung mit der für unseren Verkehr in höchstem Maße in Bettacht kommenden Stadt Gießen unter Vermeidung des Umwegs über Hos- Güll und Lich um zirka zehn Kilometer Bahnweg abkürzen. Hierzu wird uns aus Grüningen noch geschrieben: Den Verfassern der vielen Eingesandts int G. A. möge hiermit einmal die Verlegung der Haltestelle Garbenteich und ihre Notwendigkeit klar gemacht werden. Tie Rentabilität einer Haltestelle, insbesondere Güterver- ladcstelle, wird nicht allein durch Sonderinteressen, sondern durch das Gesamtinteresse der Bevölkerung gesteigert. In diesem Falle kann es jedoch nicht ankommen auf die Rentabilität hinzuweisen, da die Frachteinnahmen durch den hessisch-preußischen Eisenbahn- gemeinschaftsverttag in einen Beutel fließen: trotzdem will man nicht unerwähnt lassen, daß die Bequemlichkeit nicht allein den Arbeitern, sondern auch der Landwirtschaft als größte Steuer sahlcrin am Herzen liegt. Durch die Verlegung des Bahnhofs Garbenteich und Errichtung eniner Güterverladestelle auf die sog. Wasserscheide wäre speziell unserem Orte die Möglichkeit gegeben, in viel kürzerer Zeit und ohne Berg und Tal in 2,5 Kilometer den Güterbahnhof zu erreichen, als jetzt in 5 Kilometer nach Langgöns. Dem Verfasser in Steinbach wäre anzuraten, sich die Generalstabskarte einmal zur Hand zu nehmen und das Projekt einer zu bauenden Sttaßc zu studieren, um zu ersehen, daß die Sttaße ohne Steigung den neuen Haltepunkt erreichen könnte, als die jetzige Sttaße Langgöns—Grüningen mit 6,9 % Steigung. Im ferneren war es eine kühne Behauptung, von einem kleinen und 700 Einwohnern zählenden Grüningen zu reden, da in Bezug auf den Güterverkehr statistisch nachgewicsen werden kann, daß in Grüningen lährlich 100 Waggons im- unb exportiert werden. Bei Errichtung des Güterbahn Hoss würde der Export noch gehoben werden, da zwei Lungsteinbrüche etwa 15 Minuten von der geplanten Stelle liegen, deren Steine sehr begehrt werden und deren Ausbeutung nur wegen dem/ Transport eine mindere war. Ebenso nahe liegt Torsgill mit direkter Sttaße und der nicht unerwähnt zu bleibenden Molkerei der Gebr. Grieb. Die Orte Grüningen und Torfgill dürsten den Güterbahnhof Garbenteich nvehU föetuegen, als das große Ste.nbach, das noch nicht groß zu nennen ist; auch dürfle der BchnLeldbeutel durch diese Orte mit Güterverkehr voller werden, als durch die Arbeiterfahrkarten: letztere kommen nur im Winter in Betracht, da im Sommer die Fahrräder das Transportmittel bilden. Ich schließe auf diesem Wege ein für allemal: Zum Wohl der Bevölkerung darf die neu zu errichtende Güter- Verladestelle und Verlegung des Bahnhvfs Garbenteich nicht anders als auf bie Wasserscheide, in die Nähe, wo die Sttaße Dorfgill—Garbenteich die Bahn kreuzt, gelegt werden, und dann erst kommt der Straßenbau, wodurch bei einiger Berücksichtigung Grüningen, Torfgill, Watzenborn und sogar Steinbach nur 2,5 bis 3,5 Kilometer von der Haltestelle zu liegen fommm und somit näher ttnb bequemer als d'e jetzigen Verbindungen. Vermischte*. * 93 int er ft ür nie. In Halle a.S. ist infolge Sturmes das Baugerüst einer Papierfabrik eingestürzt. Vier Zimmer- leute wurden unter den Trümmern begraben, der Polier war sofort tot, ein Zimmermann starb auf dem Transport ins Krankenhaus, bie beiden anderen sind schwer verletzt. — Infolge Stürme geriet das aus Wilhelmshaven kommende Linienschiff „Kaiser Wilhelm II." im Nordostseekanal auf Grund, konnte aber mit geringen Anstrengungen durch zwei Kanalschlepper wieder flott gemacht werden. 'Attentat auf ein Pfarrhaus. In Carden (Rhl.) wurde bei einer Feier nachts ein Anschlag auf das katholische Pfarrhaus unternommen. Als der Pfarrer, dessen Schwester und die Magd sich zur Ruhe begeben wollten, wurden unaufhörlich Schüsse auf die Schlaf- zimmer der drei Personen abgegeben, die in die Hinteren Räume flüchteten, aber auch dort von den Buben verfolgt wurden. Insgesamt sind 17 Fensterscheiben durch Schüsse zertrümmert, die hölzernen Fensterladen sind zersplittert, und in den Zimmern sind durch die einschlagenden Kugeln große Verwüstungen angerichtet worden. Die Insassen des Pfarrhauses schwebten bis zum frühen Morgen in Lebensgefahr. Dann verschwanden die Attentäter, von denen keine Spur anfzusinden war. * Asiatische Räuberei. Am 28. Jan. überfiel eine Bande von 100 Afridis das Haus. eines reichen eingeborenen Bankiers in Peschawar (Indien) und raubte bie Kaffe uub Juwelen von bedeutendem Werte. Zwei Polizeibeamte wurden von ihnen getötet und vier verwundet. — In Schanghai erbeuteten Räuber bet einem Raubanfall Silber im Werte von 15 000 Doll. Beim Dampferdienst zwischen Schanghai und Hangtschon wird jetzt jedes Boot von 15 Soldaten begleitet. Meteorologische Beobachtungen der Stativ» Gießen. Höchste Temperatur am 28.—29. Januar — + 4,8 0 C. Niedrigste „ , 28,-29. „ = 4- 0,9 0 C. Januar 1908 Barometer nut 0° reduziert Temperatur der Lust Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter 29. 216 738,1 2,4 5,0 91 W 4 Sero. Himmel 29. 9’b 741,1 1,4 4,6 91 NNW 2 Bed. Himmel 30. 736 747,6 0,8 4,3 89 WSW 2 ■ • Telefonische Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank fllr Handel und Industrie. Giessen. Frankfurter itör*< 3>$0/0 Reicbsanleihe . . 93.25 0% do. . . 88.50 3>5% Konsols .... 93.70 6% do. .... 83.50 ö^70 Hessen 91.95 3>6°/o Oberliessen . . . 92.00 4^6 Uesterr. Goldreute. . 98 90 4*/6% Uesterr. Silberrente 99.90 4?0 Ungar. Goldrente . . 94 50 4% Italien. Bente . . . 104.35 356 Portugiesen Serie 1 —.— 3% Portugiesen „ III 63.40 4Ji°/e russ.Staatsanl. 190o 94 80 4>s u/0 japan. Staatsanleihe 89.6a 4% Conv. Türken von PJU3 96.00 Türkenlose 148 80 4 % Griecli. ilonopol-Anl. . 49.50 4 % äussere Argentinier . 86.00 ö°/0 Mexikaner .... 65.40 4>ä°/0 Chinesen .... 96.80 Aktien: Bochum Guss 198.50 Buderus E. W 112.00 Tendenz: behauptet. Berliner Börse, 3( Canada E. B 157.50 Darmstädter Bank . . . 127.20 Deutsche Bank .... 236 70 Dortmunder-Union C. . . 57.00 Dresdner Bank . . . 139.50 Tendenz: ungleichmässig. , 30. Januar, 1.15 Uhr. Elektnz. Lahmeyer . . . 123.00 Elektriz. Schuckert . . . 106.00 Eschweiler Bergwerk . . 206.90 Gelsenkirchen Bergwerk . 184.90 Hamburg-Amerik. Pakett 117.00 tiarpener Bergwerk. . . 201.25 Laurahütte 219.50 x\ordd. Llojd . ... 104.60 Ubeischles. Eisen-Industrie 98.00 Berliner dandelsges. . . 159.30 Darmstädter Bank . . . 127.20 Deutsche Bank .... 236.80 Deutsch-Asiat Bank . . 143.40 Diskonto-Kommandit. . . 174.70 Dresdner Bank .... 139.70 Kredituktien 204.00 Baltimore- und Ohio- Eiseulahn 87.70 Gottliardbahn —.— Lombard. Eisenbahn . . 26.50 Uesterr. Staats bahn . . . 145.60 i'niiee-Heun-Eisenbahn . 118.50 Januar. Anfangskurse. llarpener Bergwerk. . . 201.80 Laurahütte — Lombarden E. B. ... —.— Nordd. Lloyd 104.50 l'ürkenlose 148.70 Cbautfeiirkiirsr. Technikum Rinnon Maschinenbau,Elektrotechnik, KLIIIimum UmqeriAutomobi|baUi Brückenbau. —. .... Amtlicher Heil. 668 Stämme von über 60 Bauholz mittl. Durchm. mit 2,26 Fm. Stämme von cm Holzversteigerung 3uiammcu I MerlauAtzenhain Gründers B *>/, 21,65 37,78 9,36 7,09 3 17 19 1 2 23 47 15 15 50—59 40—49 30—39 b. 50—59 40—49 30—39 25—29 20-25 Jagd-Verpachtung. Mittwoch, den 5. Februar l. I., nachmittags 3 Uhr, wird im Rathause dahier, die der Gemeinde zustehende bei uns eingesehen werden. Londorf, den 29. Januar 1908. Großherzogliche Bürgermeisterei Londorf. Auma nn. station Hungen in 15 Minuten zu erreichen. Langd am 28. Januar 1908. Großberzogliche Bürgermeisterei. Meyer. von Station Neustadt M. W. B. zu erreichen. Kirtorf, den 29. Januar 1908. Großherzogliche Bürgermeisterei Kirtorf. Wolf. Jagd-Verpachtung. Samstag, den 15. Februar d. JS^ nachmittags 31/« Uhr soll die der Gemeide Kirtorf zustehende Wald- unb Feldjagd in zwei Bezirken auf weitere 6 Jahre in der Wirtschaft bei Haustein, dahier, verpachtet werden. Der Jagdbezirk 1 von der Staatsstraße Lehrbach-Ober- gleen Südlich, besteht aus 318 Morgen Wald und 1000 Morgen Feld, er ist 4 Kilometer von Station Ehringshausen gelegen. Der Jagdbezirk 2 von der Staatsstraße Lehrbach-Ober- gleen Nördlich, besteht au5 912 Morgen Wald und 1200 Morgen Feld, beide Bezirke haben einen guten Rehbestand, auch ist im 2. Bezirk Auerwild vorhanden, er ist 5 Kilometer Die Angebote sind pro Fm. sowie getrennt nach Sortimenten und Klassen, verschlossen mit der Aufschrift ,Holz- submissiion" bis spätestens Freitag, den 7. Februar l. Fs., nachmittags 2 Uhr, bei uns einzureichen, woselbst alsdann die Eröffnung der Angebote in Gegenwart dec etwa erschienenen Bieter erfolgt. Die Bedingungen sind die gewöhnlichen und können 1 q z; ♦ »etr.: LveiSabdeckerei Gießen. Gießen, 29. Januar 1908. Das Grossherzogliche Kreisamt Gießen au die Großh. Bürgermeistereien des Kreises und an Großh. Polizeikommistariat Arnsburg. Sie wollen alsbald unter Hinweis auf die im Kreis- blatt Nr. 3 von 1908 erschienene Polizeiverordnung nebst Anhängen vom 3. Januar 1908 ortsüblich bekannt machen lassen, daß die Dreis ab deckerei Gießen bei Garbenteich am L Februar 1908 in Betrieb tritt und alle nach Ablauf des 3L Januars 1908 geschehenden unter obige Derord- nung zu rechnenden Anfälle behufs Abholung durch die Anstaltsfuhrwerke bei der Fernsprech stelle Garbenteich durch die Besitzer der gefallenen Diere telephonisch, sowie zugleich bei Ihnen anzumelden sind. Mit nächster Post gehen Ihnen Formulare zu. Wir machen Ihnen die sorgfältige Ausfüllung der 4 ersten Spalten derselben zu besonderer Pflicht. Wir werden die ausgefüllten Formulare am 1. April 1908 einziehen. Demnächst erhalten Sie zu Ihrem Dienstgebrauch von uns eine Polizeiverordnung nebst Anhängen in Heftsorrn. Dieses Heft ist sorgsam aufzubewahren. I. D.: Welcker. Jagdverpachtung. Freitag, den 7. Februar d. F., nachmittags 1 Uhr soll im hiesigen Rathaus die der Gemeinde Langd zustehende Feld- und Waldjagd, bestehend in zwei Bezicken auf weitere 6 Jahre verpachtet werden. Das Jagdgebiet ist von der . Bahnstation Trais-Horloff in 10 Minuten, von der Bahnern mittl. Durchm. mit 3,79 , . , , 1<78 , , , , 14,35 . u , , —.60 itfl, den 28. Januar 1008. Groß-. Oberjörfterci 3iieber-£)&meu. Schneider. Für die Stadtkasfc Gießen wird ein Gehilfe gesucht, der im GemeinderechnungSweseu durchaus erfahren fein muß. BOT/i Bewerber wollen ihre Gesuche unter Beifügung von Zeugnissen über seitherige Beschäftigung und mit Angabe der Gehalts- anfprüche bis zum 20. Februar d. FS. an mich gelangen lassen. Gießen, den 29. Hanuar 1908. Doepfer, Stadtrechner. Freitag dcu 7. Februar 1908 werden auS den Distrikten Sinnes, Slammerroalb und Erlen der Forstwartei Lebnheim ver- ficigert: Stämme: 10 Eichen 5. Kl. — 4 Fm., 8 Eichen 6. Kl. = 2 Fm. 1 Buche 2. Kl. (50 cm) — 1 Fm., 10 Luchen 3 Kl. (40—49 cm) = 10 Fm., 3 Buchen 4. Kl. (30—39 cm) — 2,5 Fm. 2 Linden 4. Kl. (33 cm) = 1,29 Fm. 1 Kiefer 1. Kl. (Schnittholz) — 3^ Fm. (56 cm). 4 Kiefern 2. Kl. (40—4!) cm) =- 6 Fm. (Schmtcholz). 46 Kiefern 3. Kl. (30—39 cm) — 46 Fm. (Schnitt- und Bauholz), 77 Älesern 4. Kl. (25—29 cm) — 45 Fm. (Bauholz). 41 Kiefern 5. Kl. (unter 25 cm) — 15 Fm. 3 Lärchen 5. Sil. — 1,13 Fm. 7 Fichten 3. Kl. (30—39 cm) --- 14 Fm. (Schnittholz), 22 Fichten 4. Kl. (25—29 cm) = 27 Fm. sSchnitt- und Lauholz), 177 Fichten 5. Kl. (unter 25 cm) , — 82 Fm. «Lauholz). Fichtcudcrbftangen: 110 1. Kl. (11—14 cm) ! — 12 Fm., 133 2. StL '7—10 cm) =- 9, 25 Fm. Zuiammcukuuft. vorrnittags 91/» Uhr auf der Kreisslraße ~ ' ' tarn Waloeingann, von Merlau kommend. Eichen-Stammyolz-Submisfion. Aus den Waldungen der Gemeinde Londorf soll nachverzeichnetes Eichen - Stammholz auf dem Submissionswege vergeben werden: a. Schnittholz Wald- und Feldjagd auf weitere 6 Jahre verpachtet. Lechgestern, am 24. Januar 1908. Großh. Bürgermeisterei: Keß. Inhalt etai e' die Ar Mm leigen reu Leri die 3t« sich R Marine! mit bei als er im Bai foafo at von F Meta wie D fache I hasligk Kvtego lung II iräiueije; eiiuiben Ctaatssc scheinen brädlii gönnen den Au und d auch n der dl 2S**5! erfreut die ba nicht 1 ganzen er die Flotte vor dc ersten: scharfen Lolkspo Struo zur Spi von jeh & Henn etats, der To als Le Sir. $««* ersch^ virrwa iiti dA' da A * bin SÄ'1 (Dutbe 1 iUt ans miet Diamant (am me Geich zählen. ® Paris »hm A beigelea) । R solch landen: Wand MunM, l?1 .Dot P nitfjti > dah e>n tim» 4 «nut, jjj Men. K 108/07 B^i DomrcrStaa. 1«. Srdruar 1908 uachmittaaS 8 Uhr, wird in onfeiern Ämlszturmrr die den Löb Grünewald Eheleuten gehörige Parzelle Flur I Nr. 848 .vofreite in der Schepveneck = 419 qm, öffentlich versteigert. Auswärtige Bieter haben chre Zahlungssähigkeit nachzuweiseu. Gießen, 31. Dezencher 1907. Großh. Ortsgericht. ______I. A.: Thomas.______ K 4/08 Bl«A Donnerstag, dcu 27. Febr. 1908, nachmittags 3 Uhr, wird auf hiesigem OrtSgericht die vor den Namen des Heinr. Diergardt und Ehefrau geb. Dörnemann stehende Parzelle der Gemarkung Gienen: 1/1244,7—503 qm Hofreite auf dem Gartseld, öffentlich meistbietend versteigert werden. AuSlvärtige Dieter haben sich über ihre Zahlungsfähigkeit durch ein Zeugnis ihrer Heimalsbe- hörbe auszuweisen. Gießen, den 15. Januar 1908. Gr. OrtSgericht Gießen. Gros. K2/08 IB«/, DonncrStag, den 27. Febr., 190ö, nachmittags 3 Hör, werden bie dem Heinrich; Geiß und Ehefrau geb. Lenharbt i in Gießen gebt riflen Grundstücke der Gemarkung Gießen: 18/1—149 qm Grabgarten neben der Grünverger Chaussee, 18/2=629 qm Hofreite daselbst, 18/24—297 qm Grabgarten das., 18/2,7=206 qm Grabgarten das., 18,'S—374 qm Hosreite daselbst, 18/3,5=1108 pm Grabgarten bas., auf hteftgem Ortsgericht öffetullch meiitbteicnb versteigert. Auswärtige Bieter haben sich über ihre Zahlungssähigkeit burch ein ZeugiitS ihrer Heimats- bebörde auSzmvetsen. (tiieucn, den 15. Fannar 1908. Großh. Ortsgericht Gießen. GroS. B-fi KJ 3/08 21/15,2/io=2t»2 Wilh. Montanus Marktstr. 34 Marktstr. 34 9 1400 Gießen, 29. Jan. 1908. H. Adami. 671 644 Verein Contentia 645 Sonntag, den 2. Februar LpMMII 666 95 114 2500 14 27 10 19 12 7 Uhr. die Le- Anfang in Heegruh. Bau- und Nutzholz: Fichten-Derbstangen, 4,86 Fm. Reisstangen, 1,63 r Brennholz: Buchen-Scheiter Elchen-Scheüer Hambuchen-Rundscheiter Buchen-Knüppel Hambuchen-Knüppel Eiche Linde Buchen-Stöcke. Bedingungen auf weitere 6 Jahre verpachtet werden. LangSdorf, den 27. Januar 1908. Großherzogltche Bürgermeisterei LangSdorf. I. V.: Pauli, Beigeordneter. Großherzogliche Bürgermeisterei LangSdorf. I. V.: Pauli, Beigeordneter. 280 12,3 6 5,5 2-7 70 0,8 in sämtlichen Räumen von Steins Garten (Saalbau). Richtmitglieder können nur durch Mitglieder eingeführt werden. Eintrittskarten sind zu haben bei dem L Vorsitzenden und bei Herrn Friseur Zutt, Ludwigstraße. v”/i Aufschrlft sind bis zum 5. Februar, nachmittags bet unterzeichneter Stelle cinzurelchen, woselbst auch dingimgen bekannt gegeben rverdcu. Großherzogliche Bürgermeisterei Leihgestern. Heß. Holzversteigerung in dem Gemeindewald Langsdorf. Mittwoch, den 12. Februar 1908, vormittags 10 Uhr, Sch-nMriiq. Dienstag den 4. Febr., morgens 10 Uhr, versteigere ich im „Körnberg* bei der Ganseburg: Jagdverpachtung. Samotag, den 15. Februar 1908, nachmittags 2 Uhr soll die der Gemeinde LangSdorf zustehende Feld- mit zirka 720 Hektar und 450 Hektar Wald-Jagd auf hiesigem Rathause unter den bet der Versteigerung bekannt zu machenden K9/08 B*k Donnerstag, den 12. März 1908, nachmittags 3 Uhr werben auf hiesigem Ortsgericht bie vor dem Namen der August Helsenbein Ehefrau stehenden Parzeüen der Gemarkung Gießen: 2/164,*/io==507 qm Hofreite links der Chaussee, daselbst, öffentlich metstbieienb versteigert werben. Auswärtige Bieter haben sich über chre Zahlungsfähigkeit auf Verlangen auszuweisen. Gießen, 29. Januar 1908. Großh. Ortsgericht Gießen. GroS. u JohVaillanrRemscheid BedeutendsteSpeciollobrikfürGas-Badeölen.-- Ä Ä&IFlkfePBl MHx Wiederverküufer „ -a Donnerstag, den 5. Marz 1908, nachmittags 3 Uhr, wird auf hiesigem Ortögencht bte der Peter Mmke Ww. zustchende Parzelle der Gemarkung Gießen: 38/81^=479 qm Hofreite am Hamm, öffentlich meistbietend versteigert. Gießen, 29. Januar 1908. Großh. Ortsgericht Gießen. Gros. 21/15,i/io=262 qm Grabgarten rechts des Wiesecker Wegs, 21/15,6/io=2496 qm Hofreite bas., 21/15,8/i6=1053 qm Grabgarten Eber-Verkauf. Der abgängige Gemeindeeber soll auf dem Wege des schriftlichen Angebots verkauft werden. Angebote mit bezügl. Buchen-Wellen Rm. Buchen-Scheiter , , Prügel , , Stöcke „ Eichen-Prügel Stck. Eichen-Stämme— 3,96 Fm. Stck. Kiefern- u. Kirschbaum-Stämme — 1,80 Fm. Stck. Ftchten-Stamm- u. Stangenholz = 102 Festmeter. Heute und morgen Knbflcifch 40 Psg._________B^/i Einige selbstgefertigte, bessere Hodeidünke, mit Ulmer Zangen, evtl, auch eine gebrauchte, habe ich abzugeben. Ferner empfehle: Meßlatten, Bisterstäbe, Visierkreuze, Nivellierlatte». Emen Posten geaichter Meßlatte» II. Qualität gebe tch ganz billig ab. (0646) Jod. Lenz. Lebendsrische Schellfische ausgesucht, allcrfeinfte Ware find beute ciugctroffen bei Georg Wallenfels nur Marktplatz 21, gegenüber der Engelapotheke. Fernsprecher 46. [259 Total-Ausverkauf! Wegen vollständiger Geschäftsaufgabe verkaufe ich von heute ab das gesamte Lager in Kurz- und Manufaktur - Waren zu bedeutend ermässigten Preisen. 670 Als besonders preiswert empfehle: | Das Neueste iinil ipartt in Ball-Schaben. | Damen-Stiefel in ßox, ßoxcalf und Chevreaux Mk. 7.50, 8.50, 9.50, 10.50, 12.50, 14.50 und 16,50. Herren-Stiefel in ßox, ßoxcalf und Chevreaux Mk. 8.50, 9.50, 10.50, 12.50, 14.50 und 16.50. 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