158. Jahrgang Donnerstag 30. Januar 1 OOS ■® icficiwt AmeiaerM Harntprech - Anschlüffe: N M V ** auäioäris 20 Mennig, KL?** Pt?/ ä* ^Jr Verankwocllich S£S" Seneral-Anzeiger für Oberheffen WZE ß oarmmags io Uhr^ Notationrdruck und Verlag der vrühl schen Un»v.-Vuch- und §teindruckerei. H. Lange. Redaktion, Erpedition und Druckerei: §chu!straße 7. lanl" E. pebi 'ür den ............ । __ ______________ u Anzeigenteil: H. Beck. M*S. UM die Flotte zweifellos dauernde und bleibende Verdienste erworben. Die technischen Privatangestellten haben im Jahre 1907 mit großem Fleiße an dem Ausbau ihrer Organisation gearbeitet. Infolgedessen konnte der Bund der technisch-industriellen Beamten Ende Oktober, nach kaum dreijährigem Bestehen, die Aufnahme des 10 000. Mitgliedes verkünden. Wie nun mitgeteilt wird, hat der Bund in den beiden letzten Monaten noch 1000 neue Mitglieder geworben, so daß er das Jahr 1908 mit einem Bestände von 11000 Mitgliedern beginnt. „11 000 Mitglieder in 3y2 Jahren." Zum ersten Male haben sich hier Ingenieure und Techniker mit Chemikern, Architekten und Grubenbeamten zu gemeinsamer Arbeit zusammengefunden, und dabei sind neben den jüngsten An- gestellten Oberingenieure und andere leitende Beamte vertreten. Der Vorbildung nach dürften die Mitglieder des Bundes fast zur Hälfte akademische Lehranstalten besucht haben, während die übrigen aus technischen Mittelschulen oder direkt aus der Werkstatt hervorgegangen sind. Parlamentarische-. Berlin, 29. Jan. Die BudgetkomMission deS Reichstages begann heute die Beratung des Etats des Neichsamtes des Innern. Der Nachtragsetat, der 400 000 Mk. zur Förderung von Versuchen aus dem Gebiete der Motorlnftschiffahrt fordert sowie die Position des ordentlichen Etats, die 2 150 000 Mk. zur Gewährung einer Ent- poletische Cagcsscharr. Graf Baudifslu, Chef des AdmiralftabeS. Der Kaiser hat den Grasen Friedrich v. Baudissin, der erst am 27. d. Mts. zum Admiral befördert worden ist, zum Chef des A d m i r a l st a b e s der Marine ernannt. Der bisherige Chef des Marineadmiralstabes, Admiral Büchsel, ist unter Enthebung von dieser Stelle zur Versügung des Kaisers gestellt worden. Der neue Chef des Admiralslabes trat im Frühjahr 1867 in den Marinedienst ein. Er war Kommandant der kaiserlichen Jacht „Hohenzollern" in den Jahren 1899 bis 1903, Flugel- adjutant und Admiral ä la suite im kaiserlichen Gefolge. Zu den obersten Marinebehörden war Graf Baudissin bereits mehrfach kommandiert. Er leitete im Reichsmarine- amt die militärische Abteilung und später die nautische Abteilung. Sein letztes Auslandskommando hatte er beim Kreuzergeschwader in Ostasien als zweiter Admiral. 2ki der Hochseeflotte führte er in den Jahren 1905 und 1906 das erste Geschwader und galt seit dieser Zeit schon als der Nachfolger Büchsels, wenn er auch monatelang ohne besondere Kommaiidostellung blieb. Ein Bruder des Grasen B. gehört gleichfalls dem Seeoffizierkorps als Flaggoffizier an. Admiral Büchsel hat nach dem B. T. gegen fünf Jahre ben jungen Admiralstab der Marine geleitet. Er kann als der eigentliche Organisator dieser Behörde betrachtet werden, da er fte weiter ausbaute und die Admiralstabsoffiziere in der Front in eine direkte Fühlung mit dem Admiralstabe brachte. Büchsel hat sich daß es der großen dramatischen Mittel und Mätzchen gar nicht bedarf, um im Gesänge Wirkungen zu erzielen und die Zuhörer mit fortzureißen. Mit Einfachheit und Exaktheit der Stimmengebung und aus dem Herzen kommenden Empfinden wurde hier eine köstliche musikalische Wirkung ermöglicht. Von den Liedern des 18. Jahrhunderts klang besonders schön Joh. Adam Hillers „Er kommt, er kommt", von den des 19. Jahrhunderts Friedrich Aöergners „Christ-Wiegenlied lein". Aus brm preuhischeu Landtage. Jnr PreußischenAbge or d netenhause erklärte gestern Jujuzmnuslcr Beseler, es sei eine falsche Auffassung, wenn innn glaube, daß der § 176 des Gerichtsuerfaffungsgefe^cs der p reise irgend eine Ausnahmestellung bezüglich ».r Zulassung zu den NtchwffeiNUcheii Gerichtsverhandlungen cinräume. Cs nvuise dem Gericht die Entscheidung darüber überlassen bleiben, roen es auf Grund dieses Paragraphen zu den niaMsenllichen Verhandlungen zulassen wolle und wen nicht. Weiter eriläcte der Mmijtcr aus Anfrage, daß die Staatsanwaltschaft in allen Fällen gegenüieKrawallebeiStraßen-Demonstrationen irreng Vorgehen werde. Sie habe es auch schon zweifellos im letzten 0,-alle getan und sich mit ‘ixt Polizei ins Einvernehmen gesetzt. Es sei alleroiugs schwer, d.e Räde.sführer zu sangen, denn sie hielten sich bekantlich im Hintergründe. Wenn man sie aber ergre-se, werde man sie energisch bestrafen. Gegen Tage- gelder für Schöffen und Geschworene habe sich die preußiiche vuegierung nicht ausgesprochen. Die Regierung sei auch bereit, ihnen Fahrgelder zu gewähren. ES kommt ein Antrag zur Erörterung, der die Negierung ersucht, beim Bundvsrat auf schleunige Einbringung eines Gesetzentwurfes hinzuwirien, der das Strafrecht, das Strafverfahren und den Strafvollzug bezüglich jugendlicher Personen regelt. Im lueitcren D^r.aus dec Abgeardneceilbaus-Sitzung erklärte dec Justizminister, daß das Strafrecht hinsichtlich der Jugendlichen entschieden einer Besserung bedürfe. Die Strafprozeßresorm werde aber im Reich bald erwlgen, sodaß es niclst ersprießlich sei, in Preußen abge- >ondert vorzugehen. Der nationalliverale Antrag ^chtsfer, der einen solchen Gcie^entwurs verlangt, wurde d:r Justiz-Kommission übcnoie.en und der Tiiel MinistergehaU lmvilligt. Freitag Weiterberatung deS Justizetats. Tas Herrenhaus hielt heute seine dritte Sitzung ab, die stark beiuci)i war. Vizeprchident Freiherr von Manteuffel widmete dem verstorbenen Prufpenten Fürsten zu In- und Küyphausen einen länger, n warmen Nachruf. Alsoann wurden einige Heinere Vorlagen eciet igt. Morgen steht d.e PräsidentenwaA und die Oiunarken-Vorlage auf der Tagesordnung. schäft erzählte dieser Tage, wie die „üieuzztg." mitteilt, ein bekannter Komponist und Mufiklehrer: „Ich gebe Gesangunterricht üt einem Privatschulzirkel. Zur Wechnachts- feier übte ich mit den kleinen Aiädchen den Choral „Vom Himmel hoch da komm ich der". Die 12jähr. Hilde kannte lein Wort des Textes, und es stellte sich heraus, daß ihr die ganze Weihnachtsgeschichte unbekannt war. Ich mußte sie ihr von einer Mitschülerin erzählen lassen und wollte dann auf den göttlichen Ursprung des Heilandes hindcuten, indem ich Hilde fragte: „Woher wußte denn der Engel, daß der Heiland geboren Jei?" Nach einigem Besinnen erwiderte das Mädchen: „(rr wird es wohl in der Zeitung gelesen haben." Die Gesellschaft lachte laut auf — aber schnell verstummte das Lachen. „Arme Hilde!" sagte die Hausfrau, und alle stimmten mit nachdenklichen Mienen zu. Ein Pfarrer erzählte darauf: „In meiner Gemeinde in Berlin NO. erfahren die Kinder auch wenig von Bibel und Christentum, ehe sie zum Konfirmandenunlerricht kommen. Als ich Minna fragte: „Weshalb wurden Adam und Eva aus dem Paradiese vertrieben?" erhielt ich die Antwort: „Sie konnten wohl die Miete nicht bezahlen." Auch diese Antwort leuchtet wie ein Blitz in traurige soziale Zustände. C. K. Ein Murillo für 100 M k. Aus Madrid wird uns berichtet: Ein Maler in Bilbao hat soeben ein Bild von Murillo für 100 Mk. von dem Besitzer eines Hauses erstanden, das früher einer alten spanischen Adelssamiiie gehörte. Photographien des Gemäldes sind bereits nach London, Paris und Berlin gefanbt worden. — Kleine Kunftchr»uik. SladNheater ,u Dlainz wurde am 27. Januar Oie Feswper .Figaros Hochzeit« zu Au'nug des dritten Aktes dadurch unterbrochen, daß luiotge eines Roh r» b r u ch e s der Wasserleitung der eiserne Vorhang heradglns und nicht mehr autgezogen werden konnte. — Eine Humperdinck - P r e m i s r e wird wohl im nächsten Wuuer im könial. Opernhaufe zu Berlin stallftnden. Es handelt sich um die gänzliche Neugestaltung der Märchentomödie ,S)ie Kömatzlmder', zu der Adelheid Wette den unlängst in b. Auflage bei S. Fischer in Bcrlm erjchienenen Text schrieb. Tiefes Werk hat Hunu inet jetzt ganz durch jutompomeren sich entschlossen, so daß das . rochene Wort von nun an gänzlich fortiäüt und aus dem eh? ualigen Schauspiel eine wirkliche Oper wird. — DasneueBerlinerHebbel-Theater wurde am 28. Januar eröffnet Die Hauptfront, unweit des Anhalter Bahnhofes nach der Königgrätzer Straße zu, zeigt ein unsicheres Stilgemisch in der Figurenausführung fast plump. Ueberrafchend wirkt dagegen der Jnnenraum des Hauses in der braunen Mahagonitäfelung und Vergoldung der Wände, die von blassem Ebenholz umrahmt sind, mit seinen weichen, kostbaren Teppichen und lang herab fließenden stilistischen Vorhängen. Man gab Hevbels „Maria Magdalena". Das schauspielerische Ensemble des neuen Theaters machte einen vortrefflichen Eindruck, ohne daß die Aufführung sonderlich gelungen gewesen wäre. Der Eindruck der Gesamtaufführung wurde durch allzu große Retardierung beeinträchtigt, doch wirkte der künstlerische Ernst, der überall hervortrat, sympathisch und verhetßungs- volt C.K. Ein neues Prachttheater in London. Wie uns aus London berichtet wird, plant der Theaterunternehmer Lyons die Errichtung eines neuen großen Theaters in Haymarket, das zu den großartigsten und vmnkvollsten in ganz Europa gehören soll. Das Gebäude, das in einer Breite von SO Fuß und einer Liese von 110 Fuß nach den Zeichnungen von Runtz und Ford, den Erbauern des neuen Gaiety-Lheaters, aufgeführt werden oll, wird in seiner Fassade und im Innern mit karrari- chem Diarmor bekleidet und in imposanten Formen gehalten ein. Auch der Zuschauerraum des Theaters, das zwei Ränge erhalten wird, soll eine prächtige Ausstat.iing erhalten. — Berliner Kinder. In einer Berliner Gesell- Cvangclischer Kirchengesangvcrein Gießen. Die Geistliche Mu s t kau f s ü hr u n g des Leipziger Quartetts für Kirchenmusik in unserer Stadtkirche bot einen gaiu einzigartigen musikalischen Genuß, ja mehr noch als das, es war Andacht, es war Gottesdienst. „Lasset uns fingen von der Gnade des Herrn!" So lautete das Motto auf dem Programm, und es waren auch gottbegnadete Sänger und Sängerinnen, die uns die Meisterfänger deutsch-evangelisck)er Kirchenmusik vom 16. bis zum 19. Jahrhundert zu Gehör brachten. Nach einem von Herrn Organisten O. Gör lach, Gießen, gespielten Präludium trat das Solo-Quartett vor ben Altar und sang zunächst drei Lieder aus dem 16. Jahrhundert, als erstes ein Lied von Martin Luther „Ich lag in tiefer Todesnacht", dann ein Lied von Praetorius und eine Melodie aus dem 12. Jahrhundert. Wie hier die Führung der Stimme wechfelte, welche feine Nuancierung, welche Empfindung das Ganze beherrschten, das läßt sich schwer schil- dem. Man horcht schon bei den ersten Takten erstaunt auf, so fremdartig mutet einen zuerst der Gesang an. Wie, ist das wirklich deutsch-evangelischer Kirchengesang? Aber je länger man zuhört, um so inniger bringen dem Zuhörer diese Töne und Worte zu Herzen und sie versenken ihn in die religiöse Stimmung jener Zeit. Ja, so jauchzte das Christentum jener Tage der Sonne zu, die tiefster Todesnacht Licht, Leben, Freud und Wonne gebracht hat. So jitbelte man über die Geburt des Heilands, so freute man fiel) der Auferstehung des Herrn. Die Melodien sind ein» fad) und ungekünstelt, aber doch von hoher musikalischer Schönheit und aus ihnen spricht die große deutsche Ge- mutstiefe und echte Frömmigkeit dieser Zeit. Wie so ganz anders wirkten die drei folgenden Lieder dem 17. Jahrhundert. In ihnen finden wir schori hohe künstlerische Form und Reflexion. Das ,,£) fröhliche Stunden" von Thom. Selle, dem auch heute noch viel zu wenig gewürdigten Hamburger Ntusikdirektor, gehört wohl unzweifelhaft zu dem schönsten, was die deutsch-evangelische Kirchenmusik hervorgebracht hat. Welche Kraft liegt m feiner Komposition, aber wie prachtvoll brachten die Sanger auch das „Trotz Feinden! Trotz Teufel! Trotz Hölle! iLrotz Tod!" zum Ausdruck. Und man lernte wieder einmal. bte Signatur der ganzen heutigen Aussprache. Es war Herrn Bebel Vorbehalten geblieben, in chauvinistischer Hetze zu machen, wenn er sie auch für sich unb seine Partei ablehnte. Die überzeugenden Nachweisungen ber Marine- Verwaltung in der Kontmission, ja selbst die Erklärungen der englischen Presse und der boriigen verantwortlichen Stellen hielten ihn nicht davon ab, von einer Bedrohung Englands durch die deutsche Flotte n rüst ung zu sprechen. Da war es nicht überflüssig, daß nicht nur der Leiter des Reichsmarineamis scharf Verwahrung einlegte gegendiesesSpiel mit dem Feuer, daß er so deutlich unb eindringlich tote möglich bekundete, daß das deutsche Vorgehen eine Provokation gegen niemand in der Welt bedeute, daß es nirgends in der Welt auch nur einen Punkt gebe, in dem ein Jnteressengegetisatz mit England einen Austrag mit den Waffen erforderte, — sondern daß sämtliche Redner, die nach Bebel das Wort nahmen, mit gleichem Nachdruck die Flottenvorlage als ein P.and des Friedens bezeichnen. Ein Phantasieaebilde nannte Herr v. Tirpitz die Meinung, daß wir im Ausbau der Flotte irgeiiömte mit Englano konkurrieren könnten. Die Deckungs frage blieb auch heute ungelöst. Dr. Spahn warf die Frage auf, mit einem kurzen Wort, ohne Eifer und ohne sich darüber zu äußern, wie seine Partei sich zu ihrer Lösung verhalten werde. Gcaf O r i o 1 a, Dr. Arendt und Frhr. v. R i ch t h o f e n erklärten, die Vorlage ber Regierung abwarten zu wollen und mit dem Abg. Momrnse n betonte Dr. Wieiner, daß seine Parteifreunde sich ihre Stellung bollfomnien vorbeyielten unb ein Opfer ihrer Ueberzcugang nicht bringen würden. Die Frage bes Dr. Spahn hatte eine Antwort vom Bundesratstische erhalten, aber eine Antwort, die mit freundlicher Heiterkeit quittiert werden konnte. Herr v. Stengel war in der Lage, dem Reichstage die Neuigkeit mitzuteilen, daß Spiritus- und Tabakvanderoleusteuer in Vorbereitung sind. Das Nähere verschwieg des Sängers Höflichkeit. Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten. Stimmungsbild aus dem Reichstage. Berlin, 29. Januar. Das Flottengesetz. Die Tage ber ersten Lesungen und der Jmtervellationen sind vorüber. Heute begann bie langwierigste und wichtigste Arbeit ber gegenwärtigen Tagung, bie zweite Lesung bes Reichshatishaltsetats. Sonst hatte stets ber Etat des Reichsamts des Innern ben Anfang gemacht mit ber bieltägigen sozialpolitischen Aussprache beim Gehalt bes Staatssekretärs, weil biefe einer kommissarischen Zubereitung nicht bebarf; diesmal ist es möglich gewesen, dem Plenum des Hohen Hauses zunächst ein kompakteres Gericht vorzusetzen, bie Bnbgets ber Marine- und He"res- benoaltung, bie mitsamt dem Flottengesetz bie Budget- kommission bereits passiert haben. Die heutige Sitzung war dem Flottengesetz gewidmet. Ruhig, leidenschaftslos und fachlich war seine Beratung und einmütig hernach die Zustimmung des Hauses. Denn die ablehnende Haltung der beiden Oppositionsparteien saus Phrase, Sozialdemokraten und Polen, war nur dazu angetan, die Einmütigkeit aller übrigen Parteien des Reichstages iwch zu unterstreichen. In ber Kommission hatte sich bas Zentrum unter Führung des Dr. Spahn in den Schmollwinkel gestellt unb unter Berufung auf bie noch ungelöste Deckungsfrage sich der Abstimmung enthalten. Heute hütete ber Zentrums sichrer sich, wie man voraussehen konnte, wohlweislich, bie Verantwortung für den Ausbau der Flotte lediglich ber Blockmehrheit zu überlassen. Daß bie eigentliche Verantwortung beim Reichsmarineamt liegt, darüber herrschte im ganzen Hause keine Meinmigsverschiedenheit. Mit Ausnahme Bebels betonte ein jeder der Diskussionsredner, daß die von der Regierung geforderte Verkürzung ber Lebensbauer ber Linienschiffe einzig unb allein eine Frage ber Diensttechnik ist unb man einfach die Folgerungen aus der technischen Entwickelung zu ziehen Hat- Wohl keiner ber zurzeit amtierenben Minister hat sich außerhalb bes Parlaments einer so scharfen Gegnerschaft zu erfreuen, wie Herr von Tirpitz; aber von allen Staatssekretären bes beutschen Reiches ist gerabe er es, der feine Vorlagen mit der größten Sicheryeit unb Zuverlässigkeit durch bie parlamentarischen Klippen hinburch- zusteuern weiß. Die Frage des Bautempos wurde ebenso ruhig verhandelt, wie die Vorgänge im Flottenverein. Man hielt sich in erster Linie an die zur Beschlußfassung stehende Forderung. Die Nationalliberalen und Konservativen äußerten ihre weitergehenden Wünsche in Form einer Vertrauenserklärung an die verantwortliche Verwaltung der Kaiserlichen Marine, und auf Seiten des Freisinns und auch des Zentrums behielt man sich alles weitere vor. Man hatte eigentlich erwartet, daß die stürmischen Verhandlungen ber Kasseler Tagung auch bei ber Flottenberatung bes Reichstages Wellen schlagen würden. Aber die Parteien begnügten sich damit, ihre Auffassung von der Tätigkeit des Flottenvereins in kurzen Sätzen neben» bei zu skizzieren und der Hoffnung auf ruhigere Verhältnisse Ausdruck zu geben. Die Sprecher der Freisinnigen, Dr. Wiemer und Mommsen, äußerten ichre Genugtuung über den Verlauf ber Angelegenheit insofern, als sie in dem Ausgang ber Kasseler Tagung einen Bankrott des deutschen Chauvinismus erblickten, und die Bekämpfung des Chauvinismus hüben und drüben war Schädigung an den Grafen von Zeppelin und zur Erwerbung der beiden von ihm erbauten Luftschiffe fordert, wurden bewilligt. Die Kommission bewilligte ferner u. a. 440000 Mk. zur Einrichtung des wcttertelegraphischen Dienstes und 36 000 Mk. zur Fortführung des Griinm'schen deutschen Wörterbuches. _______________________ Heer rrrrd Flotte. — Der zum General der Kavallerie und kommandierenden General des 17. Armeekorps ernannte Generalleutnant v. Mackensen ist einer der bekanntesten Offiziere der preußischen Armee. Er war seinerzeit der erste bürgerliche Flügeladjutant des Kaisers und der erste Kommandeur der Totenkopf- (Leibhusaren-) Brigade in Danzig-Langfuhr. General v. Mackensen, der einer niedcrsächs. Bauern- familie entstammt (sein Bruder ist Gerichtsvollzieher in Nordhausen. D. Red.), trat 1869 als Einjahrig-Freiwilliger in das 2. Leib-Husaren-Regiment ein, wurde während des Feldzuges gegen Frankreich, in dem er sich das Eiserne Kreuz 2. Klasse erwarb, Reserveoffizier und trat 1873 als aktiver Offizier in das 2. Leib-Husaren- Regiment ein. 1882 kam er unter Ernennung zum Hauptmann in den Großen Generalstab. Nachdem er 1897 zum Obersten aufgerückt war, wurde er 1898 zum diensttuenden Flügeladjutanten des Kaisers ernannt. Geadelt wurde er am Geburtstage des Kaisers 1899. General v. Mackensen ist Verfasser einer Geschichte der beiden Leibhusarenregimenter und gilt als hervorragender Kenner der preußischen Geschichte. _________________________ Dir Eröffnung der engfffchen Parlaments. London, 29. Jan. Das Königspaar begab sich heute vom Buckingham-Palast zur Eröffnung des Parlaments. Als der königliche Zug das Parlamentsgcbäude verließ, warf eine Anhängerin des Frauenstimmrechts ein Schriftstück, offenbar eine Petition mitten auf die Straße vor den Wagen hin. Sie wurde von mehreren Polizeibeamten zurück gerissen. Die Thronrede, mit der die Tagung des Parlaments eröffnet wurde, erwähnt in erster Linie den Besuch des deutschen Ka i s e r p a a r e s. Der begeisterte Empfang, der dem Kaiserpaar durch die Bevölkerung zuteil geworden sei, habe bewiesen, daß die Annäherung zwischen beiben Ländern eincTatsacheist. Es wird dann das Ableben des Königs von Schweden bedauert. Die Thronrede erwähnt weiter das Abkommen mit Rußland über Persien, Afghanistan und Tibet, sowie ferner das Abkommen mit Deutschland, Frankreich und Rußland zur Sicherung der Neutralität Norwegens. Sie erwähnt daun die Haager Friedenskonferenz und die Kongoangelegenheit. In Bezug auf die letztere wird die Hoffnung ausgedrückt, daß die Besprechungen und Unterhandlungen ^u einem befriedigenden Ergebnis führen mögen. Die Thronrede beschäftigt sich dann mit verschiedenen Gesetzesvorlagen, die das Parlament zu beraten haben wird.' Unter den neu angetüudigten Gesetzen befinden sich die Entwürfe eines Altersoersorgungsgesetzes, zur Hebung des Elementarunterrichtes in England und Wales, zur Regelung der Arbeitszeit für die unterirdische Beschäftigung in den Kohlenbergwerken, zur Verbesserung der Vorschriften für Heimarbeiter, zur Erzielung einer Ausbreitung der Universitätsbildung in Irland, zu Verbesserungen in der irischen Landkaussakte u. a. Derrtßsde» Berlin, 29. Jan. Im Weißen Saale des Schlosses fand heute abend der e r st e H o f b a l l statt. Gegen 9 Uhr betrat der Kaiser, in der Uniform des 1. Garderegiments zu Fuß, mit der Kaiserin, die eine lichtgrüne Schlepprobe trug, den Saal. Es folgten die anwesenden Fürstlichkeiten. Die Kaiserin wandte sich zuerst zu den Fürstinnen, den Damen der obersten Hofchargen, den Gemahlinnen der Botschafter und zu diesen selbst. Sie nahmen dann den Platz auf dem Thron ein. Ter Kaiser begrüßte zunächst die Gemahlinnen der Botschafter und Gesandten, sodann die Herren des diplomatischen Korps und zog weiter in immer gleicher Frische und Lebhaftigkeit zahlreiche Herren ins Gespräch. Inzwischen begann der Ball. In den Carres am Thron tanzten sämtliche jüngeren Prinzen und Prinzessinnen mit. — Die Ddeldung des „Berl. Tagebl.", daß der erste Staatskommissar der Berliner Börse, Hemptenmacher, zum Präsidenten der Seehandlung in Aussicht genommen sei, wird dem Depeschenbureau Herold an unterrichteter Stelle als unrichtig bezeichnet. — Die „Boss. Ztg." meldet aus Halle a. d. Saale: Gestern abend legten die städtischen Gasarbeiter die Arbeit nieder, nachdem der Magistrat die sofortige Zusage einer Lohnerhöhung abgelehnt hatte. Ersatzmannschaften hielten in den beiden städtischen Gasanstalten notdürftig den Betrieb aufrecht. Leipzig, 29. Jan. Reichsgerichtsrat Johs. Haas ist g e st o r b e n. Ausland, London, 29. Jan. Nach einer Meldung der „Times" aus Teheran sind große Unruhen in Täbris vorgekommen. Es kam zu Straßenkäinpfen, wobei 20 Personen getötet wurden. Die Unruhen sind eine Folge von Streitigkeiten zwischen der Reformpartei und den Gegnern des Parlaments. Auch in anderen Städten in Nordpersien sind ähnliche Unruhen vorgekommen. In Täbris stockt der Handel. Petersburg, 29. Jan. Die „Nowoje Wremja" schreibt dem finnländischen Staatssekretär General Langhof die Drohung zu, falls die von Rußland geplante Einverleibung Wyborgs stattfinde, werde eine Erhebung in Finnland geplant. Notwendig sei die Auflösung des finnischen Landtages und die Verhängung des Belagerungszustandes über Helsingfors. Sofia, 29. Jan. Das neue Kabinett ist soeben gebildet worden. Malin ow übernimmt das Präsidiuni und das Bauteiiministerium, Paprikow das des Aeiißcrn, Takew das Ministerium des Innern, Muschanow den Unterricht, General Nikolaem das Kriegsportefeuille, Salabascheio die Finanzen, Ljaptschew den Handel, und Krstew, ein 42jähr. Rechtsanwalt in Philippopel, die Jiistiz. Aus Stadt und Land. Gießen, 30. Jan. 1908. *♦ I. K. H. die Großfürstin Sergius von Rußland (Prinzessin Elisabeth von Hessen) inußte sich n. d. „Darmst. Ztg." am 21. d. Mts. einer Operation unter- ziehen, die aut gelungen ist. Das Befinden der Patientin ist den Umständen entsprechend zufriedenstellend; die Heilung nimmt einen normalen Verlauf. ** Fürst Gustav zuErbach-Schöiiberg f. Der Senior des standesherrlichen Hauses Erbach, Fürst Gustav Ernst zu Erbach-Schönberg ist gestern abend nach längerem Leiden im Alten Palais zu Darmstadt gestorben. Der Fürst ist am 17. Aug. 1840 auf seinem Stammschloß Schönberg a. d. B. geboren worden, er folgte seinem Vater am 18. Aug. 1863 als Graf zu Erbach-Schönberg, Herr zu Breuberg und Wildenstein und vermählte sich am 29. April 1871 mit Prinzessin Marie von Battenberg, der ältesten Tochter des Prinzen Alexander von Hessen. Aus dieser Ehe stammen drei Kinder, Erbprinz Alexander, Prinz Viktor (Leutnant im 1. Garderegiment zu Fuß und kommandiert zur Kais. Botschaft in Wien) und Prinzessin Elisabeth. Bei seinem 40 jährigen Jubiläum als Inhaber der Standesherrschast wurde Graf Gustav von S. K Subern Großherzog in den Fürstenstand erhoben. Der nunmehr verstorbene Fürst war Mitglied der ersten hessischen Ständekammer, hessischer Oberst ä la suite und machte als Johanniter-Ritter die Feldzüge von 1866 und 1870/71 mit. Neben vielen anderen Auszeichnungen erhielt er damals auch das eiserne Kreuz. Als ältester der hessischen Standes- herren stand er S. K. H dem Großherzog besonders nahe. Er verlebte die Wintermonate ständig in Darmstadt, wo ihm der Großherzog im Alten Palais ein Absteigequartier eingeräumt hatte. Die Sommermonate verbrachte er in der Regel auf seinem Schloß Schönberg, das allen Besuchern der Bergstraße wegen seiner wundervollen Lage in Erinnerung sein wird. — Die Trauerfeier findet am Samstag nachmittag im Alten Palais in Darmstadt und die Beisetzung voraussichtlich am Montag in Schönberg statt. * * Landesuniversität. An die Stelle des zum 1. April d. I. nach Halle berufenen ordentlichen Professors in der theologischen Fakultät D. Drews wird Lic. theol. und Dr. phil. Martin Schian treten. Prof. Tr. Schi an ist 1869 in Liegnitz geboren, war von 1896—1902 Pfarrer in Dal kau i. Schl., von 1902—1906 Pfarrer in Görlitz und ist seit 1906 Pfarrer an St. Bernhardin und Privatdozent an der Universität in Breslau. Der neue Professor unserer Landesuniversität hat eine überaus fruchtbare wissenschaftliche Tätigkeit entwickelt. Er schrieb die Ebet-Jahwe-Lieder in Jes. 40—66; Die Sotratik im Zeitalter der Aufklärung; Friedr. Nietzsche und das Christentum; Unser Christenglaube; Das kirchliche Leben der evangelischen Kirche der Provinz Schlesien; Freussens Roman Jörn Uhl, seine Wirkung und sein Wert; Besteht ein Gegensatz zwischen dem Christentum und der modernen Frauenbewegung?; Die evangelischen Kirchen und der Staat; Der deutsche Roman seit Goethe; Fragen der Zeit, Predigten; Die Predigt. * * Zeugniszwangshaft. Das Großh. Ministerium der Justiz hat an die Beamten der Staatsanwaltschaft folgendes Ausschreiben erlassen: Der Herr Reichskanzler hat in einem an Großh. Staatsministerium gerichteten Schreiben auf die Tatsache hingewiesen, daß im Strafverfahren von der Befugnis, zur Erzwingung des Zeugnisses die Haft anzuordnen, mitunter in Fällen Gebrauch gemacht werde, in denen die Anwendung des Zwangsmittels nach der Lage des Einzelfalls weder zu der Bedeutung der Sache, noch zu dem voraussichtlichen Ergebnisse der Maßregel in dem richtigen Verhältnisse stehe, und daran die Bemerkung geknüpft, daß es ganz im Sinne des Gesetzes liege, wenn die Gerichte von ihrer Befugnis nur da Gebrauch machten, wo es nach den Umständen Des einzelnen Falles unerläßlich erscheine. Ter Herr Reichskanzler hat weiter die Meinung ausgesprochen, daß in jeder Weise dahin gewirkt werden sollte, daß niemals ohne gebieterischen Anlaß von dem durch das Gesetz zur Verfügung gestellten Zwangsmittel Gebrauch gemacht werde. Obwohl auf Grund sorgfältiger Erkundigungen angenommen werden darf, daß in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen, solange die jetzige Strafprozeßordnung in Geltung ist, und in der Provinz Rheinhessen jedenfalls in den letzten zehn Jahren ein Fall der Zeugniszwangshaft in Straf- oder Disziplinarstrasverfahrens nicht uorgeiommcn ist, so glauben wir doch, um auch für die Zutunck die Beibehaltung der seitherigen vorsichtigen Praxis tunlichst zu sichern, der Anregung des Herrn Reichsiauzlers folgend, die Beamten der Staatsanwaltschaft darauf Hinweisen zu sollen, ihrerseits bei etwa vor kommenden Zeugnisverweigerungen hinsichtlich Der Stellung von Anträgen auf Anordnung der Zwangshaft die blsyer beobachtete weise Zurückhaltung zu üben und auch den Gerichten gegenüber die Bedenken, die gegen die Anwendung der Maßregel nach Lage des Einzelfalls sprechen, regelmäßig geltend zu machen. * * Die Bahn Alsfeld — Hersfeld, die von den Bewohnern der gewerbfleißigen Stadt Alsfeld schon lange gewünscht wird und für einen größeren Teil des nördlichen Oberhessens von großem Wert fein würde, hat nunmehr Aussicht auf baldige Verwirklichung. Wie wir vernehmen, werden bereits in den nächsten Tagen Vertreter des hessischen Ministeriums in Alsfeld mit den am Bahnbau interessierten hessischen Gemeinden wegen der Geländestellung usw. verhandeln. Die neue Bahn wird über Schwarz führen, also eine gerade für Die hessischen Gemeinden recht vorteilhafte Linienführung erhalten. * * Hessische Handwerkskammer zu Darm- st a d t. Die Einholung mündlicher Auskünfte auf dem Sekretariat der Handwerkskammer hat sich derart gesteigert, daß eine Regelung der Einrichtung als notwendig erscheint. Die Auskunfterteilung erfolgt nunmehr durch den besonders dazu beauftragten Beamten des Sekretariats. Zur Vermeidung von Störungen in dem Geschäftsbetriebe erscheint es indes dringend notwendig, die Aus- lunftserteilung nicht über die gesamten Geschäftsstunden zu erstrecken. Es ist deshalb die Zeit von 9 —IIV2 Uhr 0 u Sprech st unden der Auskunftsstelle bestimmt. Die Auskunftsuchenden werden deshalb in ihrem eigenen Interesse dringend ersucht, nur zu dieser Zeit vorsprechen zu wollen, da ihnen zu anderer Zeit die Einholung einer Auskunft nicht immer ermöglicht werden kann. "Aus dem Militär-Wochenblatt. Am 27. Jan. befördert im Beurlaubtenstand: Zu Leutnants der Res.: die Vizefeldwebel, bezw. Vizewachtmeister: Delp (Frankfurt a. d. O.), des Leibgarde-Jnf.-Rgts. (1. Großh. Hess.) Nr. 115, Hanicl (Düsseldorf), des Leib-Drag.-Rgts. (2. Großh. Hess.) Nr. 24, Fuchs (Koblenz), des Jnf.-Leib- Regts. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, Greiß (Rheydt), des Jnf.-Ngts. Prinz Karl (4. Großh. Hess.) Nr. 118, Stahn (Mainz), Beck (Worms), Kreck (Höchst), des 2. Nass. Jnf.-Regts. Nr. 88, Reiß (I Darmstadt), des 1. Oberrhein. Jnf.-Ngts. Nr. 97, Ha st er (I Darmstadt), des Leibgarde« Jnf.-Ngts. (1. Großh. Hess.) Nr. 115, Hellwig, Kühn (Gießen), des Jnf.-Ngts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) 9tr. 116, Schmoll (Gießen), Wagner, Muhl, Peppier (I Darmstadt), Bechtel (II Darmstadt), Seiler, Becker (Worms), des Jnf.-Ngts. Prinz Karl (4. Großh. Hess.) Nr. 118, Heyl (Friedberg), Becker (I Darmsiadt), des 5. Großh. Hess. Jnf.-Ngts. Nr. 168, de Bary (Wiesbaden), des Garde- Drag.-Rgts. (1. Großh. Hess.) Nr. 24, Gail (Gießen), des Hus.-Negts. König Wilhelm I. (1. Rhein.), Nr. 7, Heynn (1 Darmstadt), des Thür. Ulan.-Rgts. Nr. 6, Plstor (1 Darmsiadt), des Gr.Art.-Korps, 1. Gr. Hess. Feld-Art.-Ngts. Nr. 25. Vogt (Friedberg), Angelberger (Gießen), Joseph (I Darmstadt), des 2. Großh. Feldart.-Rgts. Nr. 61, 'Maier (Worms), des 2. Nassau. Feldart.-Rgts. Nr. 63 Frankfurt, Ehrhard (Mainz), des 3. Lothr. Feldart.-Rgts. 9tr. 69, Curschmann (1 Darmstadt), des Eisenbahn-Rgts. Nr. 2. Als Rest-Offizier zu den Kraftfahrtruppen versetzt: Lt. d. R. Gaedtke (Düsseldorf), des Leibgarde-Jnf.-Rgts. (1. Großh. Hess.) Nr. 115. ** Wie das oberhessische Bauernhaus iv seiner inneren Ausstattung eine große Veränderung gegen Die großväterische Zeit erfahren, so verliert es auch immer mehr sein typisches Aeußere: seine Bauart und feine Bekleidung. Eine Bearbeitung des Balkenwerkes, überhaupt einen Holzreichtum, wie ihn die alten Bauernhäuser aufweisen, findet man nicht mehr. An Stelle des Holzbaues ist der Steinbau getreten, zu dem Ziegel- unb neuerdings Schlacken- unb Tuffsteine bas Material liefern. Daß diese mobernen Bauernhäuser keinen Vergleich. aushalten gegen bie geschmackvollen Fach werke früherer Zeit, bebarf keiner Beweise. Sinb biese Steinkästen nun alles anbere als Zierben eines Bauerndorfes, so wenbet man neuerbings eine Schinbelung ber Bauernhäuser an, bie ben Gipfel aller Geschmacklosigkeit bilbet; es ist bies bie Bebeckung ber Hausflächen mit Blechschinbeln. Ein solches Blech- kleib verleiht einem Hause ein so blechernes Aussehen, baß es aussieht — nun wie Blech. * * Em allgemeiner Handlungsgehilfen tag für Hessen und Hessen-Nassau, ber 4. dieser Art, findet, wie uns von der hiesigen Ortsgruppe des deutschnationalen Handluiigsgehilfenverbandes mitgeteilt wird, am nächsten Sonntag, 2. Februar, vormittags 11 Uhr, im Walhalla-Saal zu Wiesbaden statt. Auf der Tagesordnung stehen drei Vorträge. Herr I. Schellin-Frankfurt a. M. spricht über die Forderungen der Handlungsgehilfen an die Gemeinden, Herr Karl Feyerabend-Frankfurt a. M. behandelt die Pensionsoersicherung der Privatangestellten, und Herr Bruno Braun-Kassel legt die Forderungen zur »Kon- kurrenzklausel im Handelsgewerbe" dar. Die wichtigen Verhandlungsgegenstände lassen die Mitteilung als richtig er- scheinen, daß es eine bedeutsame Kundgebung der Handlungsgehilfen werden wird, da nicht nur viele Vertreter der kaufmännischen Angestellten aus allen Teilen der Provinz und des Großherzogtums angemeldet sind, sondern auch ver- ichiedene Behörden, Parlamentarier und sonstige einflußreiche Persönlichkeiten mit Namen von Klang ihr Erscheinen zu- gesagt haben. * * Das Ueberschwein. Aus Ulfa, 29. Jan., wird uns geschrieben: Heute schlachtete ber hiesibe Lanbwirt unb Schreinermeister Johs. Weber ein zweijähriges Schwein mit bem respektabeln Gewicht von 6 50 Pfb. Trotz ber gewaltigen Körperfülle hat das Tier Die nicht unbebeutenbe Strecke von seinem Lckall nach ber Gemeindewage zu Fuß zurückgelegt. Der Transport des Schweins sowohl, als auch Das Wiegen besselben verursachte einen Volksauflauf. Drei Vertreter Der Metzgerzunft waren aufgeboten zur Verarbeitung des Tieres. An Schmalz lieferte es nicht weniger als 40 Pfb., unb Die Speckschicht am Rückgrat war nahezu 15 Ctrn. bick. Seit Menschengebenken ist ein Schwein von solcher Schwere hierorts nicht geschlachtet worben. * * Tages kalenber. Heute abenb finben hier brei öffentliche Vorträge statt. In Der Oberh. Gesellschaft für Natur- unb Heilkunde spricht Privatbozent Dr. W. Sch m i bt über Rabioaktivität (abenbs 81/2 Uhr im Hörsaale des Physikalischen Instituts), in bem Vortragszyklus des Kaufmännischen unb bes Ortsgewerbevereins Dr. Walter aus Sunb über eine Reise Durch Norwegen undLapp- lanD (mit Lichtbilbem — abenbs 81/2 Uhr im Neuen Saalbau) unb in ber neuen Universitätsaula veranstaltet um 8 Uhr das Theater „Urania" aus Düsselbors einen Licht- bilbervortrag über Die Feuergewalten bes Erb- b alles. a. Klein-Linben, 28. Jan. Am Sonntag hielt bei hiesige Kaninchen-Zucht-Verein im Saale bes Gastwirtes Hinterlang eine öffentliche Versammlung ab, zu ber bie Mitglieber sowie Freunbe bes Vereins zahlreich erschienen waren. Nachbem bie Tagesorbnung erledigt unb neue Mitglieber ausgenommen, fanb ein Preisschießen statt, nach bessen Schluß bie glücklichsten Schützen ihre Preise in Gestalt von Rassekaninchen in Empfang nehmen konnten. Man trennte sich erst in vorgerückter Stunbe. Diese Veranstaltungen haben im allgemeinen ben Zweck, bie Geselligkeit auf dem La^rde zu pflegen, im befonberen aber, um bas Interesse ber Öffentlichkeit auf bie Vereinsbestrebungen zu lenken. In aller Kürze wirb ber Verein ein öffentliches Kaninchen-Effen mit anschließenbem Fa- mHienabenb in Szene fetzen, bei welcher Gelegenheit Herr Georg Dönges über bie Erlebnisse seiner 20jährigen Kaninchenzucht sprechen wirb. Gegenwärtig werben in bett größeren Ortschaften bes Kreises Gießen von Herrn Fritz Pannecke-Klein-Linben Vorträge gehalten über: „Die Be- beutung ber Kaninchenzucht im wirtschaftlichen Leben", unter befonberer Berücksichtigung ber Fleischteuerung zwecks Grünbung neuer Vereine. Die Kaninchenzucht findet immer mehr Anhänger in unferm Oberhessen. Allenthalben entstehen neue Vereine, bie alle bem Ziel zustreben, daß Kaninchenfleisch, ein Volksnahrungsmittel werben soll. = Großen-Linden, 29. Jan. Der Kriegerverein feierte am Sonntag im Saale von H. Fischer Wwe. Kaisers Geburtstag. Der Vorsitzende Dr. Platz begrüßte die Anwesenden und brachte nach längerer Rede ein Hoch auf S. M. den Kckiser aus, welches begeistert ausgenommen wurde. Dann sang die Versammlung das Lied ,Heil dir im Siegerkranz", darauf gab Dr. Platz Lehrer Keil von Klein-Linden das Wort, der einen .Vortrag hielt über eine Lehrer fahrt nach Hamburg, Kiel, Kaiser Wilhelm-Kanal, Helgo land, Nordsee und Bremen. Der Vortrag fand allgemein Beifall. Ter Gesangverein Harmonie trug einige schöne Lieder vor, die viel zur Verschönerung des Abends beitrugen. Zum Schluß feierte Lehrer Keil die Veteranen und brachte ein Hoch auf sie aus, wofür ihm der Vorsitzende dankte. In heiterer Stimmung trennte man sich in später Stunde. X Lollar, 29. Jan. Die hiesige, 465 Hektar große Feld- und Waldjagd, die seither 710 Mark Jahrespacht brachte, hat bei der Neuverpachtung auf sechs Jahre als bestes Gebot einen jährlichen Pachtpreis von 800 Mark erzielt. Seitheriger Pächter war Rechtsanwalt Dr. Jung- Gießen. Bestbietender blieb Rentner Sch m all-Gießen. dl Mainzlar, 29. Jan. Wie die Jagdpreise steigen, sieht man in unserer Gemeinde. Während seither die Jagd nur 525 Mk. kostete, hat sie jetzt Dr. Wagner-Londorf für 905 Mk. gepachtet. x Lich, 28. Jan. Zwanzig Jahre sind es, daß Herr Heinrich Erb als Fuhrmann bei der Brauerei I. H. Jhring hier in Diensten steht. Von seinen Kollegen wurde dem Jubilar ein Diplom überreicht, das im Schaufenster des Glasermeisters Scherf ausgestellt ist. Q Harbach, 29. Jan. Die Untersuchung über da§ angebliche SittlichkeitSoerbrechen hat ergeben, daß die Anschuldigung grundlos erfolgt ist. Das Mädchen hat die Behauptung, der K. S. habe sie vergewaltigt, vollständig grundlos erhoben, so daß der zu Unrecht Beschuldigte, der übrigens nicht verhaftet, sondern nur zur Vernehmung nach Grünberg gebracht worden war, auf freien Fuß gelassen wurde. x Oppenrod, 29. Jan. Gestern fand die Verpacht u n g unserer Gemeindejagd statt. Der seitherige Pächter, Schreinermeister Weichel von Gießen, blieb mit 600 Mk. Höchstbietender und erhielt den Zuschlag. Seither betrug der jährliche Pachtpreis 510 Mk. <£> Kirch-Göns, 29. Jan. Obwohl unsere Haltestelle an der Main-Weser-Bahn erst vor etwa fünf'Jahren errichtet wurde, hat sie bereits einen so starken 'Verkehr zu verzeichnen, daß die Bahnbehörde nunmehr beschlossen hat, vom 1. Mai ab auch noch den letzten Persvnenzug von Gießen hier halten zu lassen. "Friedberg, 29. Jan. Die Handelskammer für die Kreise Friedberg, Büdingen und Schotten wählte in der 1. Sitzung dieses Jahres zum Vorsitzenden wiederuni Kaufinann Wilhelm Fertsch (Friedberg), zum 1. Stellvertreter Hotelbesitzer Ferdinand Sprengel (Bad-Nauheiin), zum 2. Stellvertreter Fabrikant Otto Schäfer (Büdingen) und zuw Rechner Fabrikant Julius Kann (Friedberg). — Zu dem Gesetz über die Aenderung des Gerichtsverfassungsgesetzes, der Zivil proz eßord uung usw. wurde nach längerer Beratung folgender Beschluß gefaßt: I. Die Kommission erkennt an, daß der Entwurf eines Gesetzes, betr. die Aenderungen des Gerichtsoersassungsgesetzes, der Zivilprozeßordnung, des Gerichtskostengesetzes und der Gebührenordnung für Rechtsanwälte einige Bestimmungen enthält, die die Beichleunigung und Bereinsachung des Verfahrens bezwecken. Dazu gehören: 1. Die Erweiterung des Kreises in Feriensachen. (§ 202 und 204 G. V. G.) 2. Die grundsätzlichen Zilstellungen uiid Ladungen von Amts- wegen. (§ 141, 496, 497 Z. P. O.). 3. Die Einführung der gleichen Eiiilassiingsfrist für fogenmmte Nachbarorte, (tz 499, 604 Z. P. O.) 4. Die Herbeischaffimg von Beweismitteln vor der mündlichen Verhandlung — jedoch nicht die Ladung von Zeugen und Augenscheinseinnahme — (§ 501, 509 Z. P. O.) 5. Tie Verweisimg eines Rechtsstreits im Falle örtlicher oder sachlicher Unzuständigkeit an ein anderes Gericht durch unanfechtbaren Beschluß (§ 505 Z. P. O.j. 6. Dre vorgesehene Vereiniachung und Abkürzung des Mahn- verfahrens. (§§ 693-700 Z. P. O.) 7. Die Erhöhung der Zuständigkeit der Aintsgerichte von 300 Mk. auf 800 Mk. II. Falls die vorgeschlagene Zuständigkeitserweiterung eingeführt wird, wünscht jedoch die Bersammliing, daß für die jetzt den Kammern für Handelssachen zugenuesenen Sachen im Werte ooii 300—800 Mk. Kammern für Handelssachen air den Amts- gerichten ohne Anwaltszwang eingerichtet iverden. III. 1. Die Versammlung spricht sich entschieden gegen eine Beschränkung der Berufung auf Gegenstände über 50 Mk. aus. (§ 511 a Z. P. O.), 2. sie verwirft desgleichen ebenso energisch die in § 48 G. V. G. vorgesehene „Strafgebühr" für Termine, welche nach dem 4. Termin jtattsinden, 3. fie wendet sich endlich gegen durch eine falsche Pauschalierung der Schreibgebühreir vorgesehene Verteuerung. Es wurde ferner eine Kommission gebildet, bestehend aus dem 2. stellvertretenden Vorsitzenden, den Herren Ritter, Donnecker, einem von dem Detaillistenocrein Friedberg zu delegierenden Mttgliede und dem Sekretär zwecks Beratung des Gesetzentwurfs, betr. die Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs. Sodann ivurde eine weitere Kommission gebildet, die sich mit dem Reichs-Apothekengesetz beschäftigen soll, bestehend aus dem Präsidenten, dem Mitglied Hinkel und dem Sekretär, und es soll der frühere Apothekenbesitzer Georgi und je ein Apothekenbesitzer von Friedberg, Bad-Nauheim und Nidda ersucht werden, sich bei den Beratungen dieser Kommissionssitzungen zu beteiligen. _ -t- Friedberg, 29. Jan. Angehörige, Meister und Gesellen, des Bäckergewerbes aus der Provinz Oberhessen hatten sich auf ergangene Einladung gestern im Saal „Zu den drei Schwertern" dahier versammelt, um über die Gründung einer Bäckerinnung zu beraten. Wie das vorauszusehen war, waren die zu lösenden Aufgaben so vielseitig und schwierig, die Erschienenen zum Teil auch ungenügend vorbereitet, so daß es zu einer endgültigen Beschlußfassung nicht kommen konnte. Vielmehr wurde nach allseitiger, angeregter Aussprache und nach längerer beratender und belehrender Diskussion eine in nächster Zeit stattfindende erneute Tagung beschlossen. Da ein großer Teil der aufgetauchten Fragen, wie: Vertretung in den gesetzgebenden Körperschaften, Wahrung der Interessen des Gewerbes bei den Lokalstellen für Versicherungswesen und Polizeiverordnungen, Regelung des Gehilfenwesens nach den Anforderungen der Humanität und dem Verkehrswesen der Neuzeit, einheitliches Vorgehen bei öffentlichen Vergebungen, ebenso gegenüber dem Müllerring und dem Zwischenhandel, und noch vieles andere, in einer alle befriedigenden Weise nur im geschlossenen Verband zu lösen sind, ist das Zustandekommen der Innung wahrscheinlich. Für eine humoristische Abwechslung im trocknen Ton der geschäftlichen Verhcmd- lungen sorgte ein von Frankfurt erschienener sozialdemokratischer Agitator, von dem niemand sagen konnte, daß er ihn gerufen hätte und der auf die ihm in freundlichster Weise erteilte Anregung ebenso schnell verschwand, wie er erschienen war. x Groß-Eichen, 29. Jan. Anfangs Februar d.J. kommt unsere Gemeindejagd wieder zur Verpachtung. Da unsere Gemarkung kaum 4 Km. von dem Bahnhof Mücke entfernt liegt und die Jagd durchaus guten Wildbestand aufwcist, so eignet sie sich besonders für Liebhaber aus Städten; der Pachtpreis war seither sehr billig. + Heblos, 29. Jan. Der seit 15. Dezember 1880 im Dienste unserer Gemeinde stehende Beigeordnete Hrch. Schneider III. wurde bei der kürzlich vorgenommenen Wahl einstimmig wiedergewählt. — Unsere Gemeinde wird mit Beginn des neuen Rechnungsjahres eine Telegraphen an st alt mit öffentlicher Fernsprechstelle erhalten. ++ Nieder-Moos, 29. Jan. Dem hiesigen Kriegerverein wurde vergangenen Sonntag die ihm von dem Kaiser verliehene Fahnenschleife durch Kreisrat v. Bechtold feierlichst überreicht. A Kaulstos, 28. Jan. Die hiesige Schulglocke, aus der früheren Friedhofskapelle zu Schotten stammend, wird durch eine neue ersetzt. Heute wurde die Glocke photographiert, da sie dem Landesmuseum in Darmstddt etn- verleibt werden soll. Sie ist eine Stiftung Schottener Bürger und trägt folgende Inschrift: »Anno 1764 goß mich Johann Georg und Johanse Schneidewind in Frankfurt. — E. E. Kraft u. E. L. Leumng, I. C. Sohn, G. Spanier, Joh. Sohn dessen Eheweib Anna Margareta geborene Pröschein Slisteren der Glocken". --Büdingen, 28. Jan. Der Veteranen- und Militärverein beging gestern abend unter starker Beteiligung der Bürgerschaft im altehrwürdigen Rathaussaale die Feier von Kaisers Geburtstag. Nach Begrüßung durch den Vorsitzenden Oberlehrer Dr. Krämer brachte der Fürst zu Isenburg den Trinkspruch auf den Kaiser aus. Amtsrichter Klietsch zog eine Parallele zwischen Kaiser und Großherzog, ersteren als den Mann, der das Schwert stets geschliffen halte, Deutschland den Frieden zu sichern, diesen als treuen Landesvater, als wahren Schirmherrn und Förderer der Kunst feiernd. Sein Hoch galt dem Großherzog. Sodann toastete Schulrat Scherer auf Heer und Flotte, in seiner Rede hervorhebend, daß ein Heer nur dann leistungsfähig sein könne, wenn es aufgebaut sei auf die Fundamente: Volksbildung und Volksgesittung. Zwischen den einzelnen Reden wechselten Gesänge mit lustigen und ernsten Weisen der Kapelle Krenkel ab. Verschönt wurde der Abend namentlich noch durch die Liedervorträge der Gesangvereine „Liederkranz" und „Sängerluft", sowie durch humoristische Vorträge des Herrn Roth hier, und des Landwirts Gottfried Nagel aus Lorbach. Namentlich letzterer, der ein ständiger Gast bei patriotischen Festlichkeiten in Büdingen ist, erfreute die Versammlung wieder durch eine packende Ansprache voll urwüchsiger Gedanken, gewürzt mit köstlichem Humor, die in einem Hoch auf die Veteranen ausklang. Erst in vorgerückter Stunde fand die gemütliche Feier ihren Abschluß. Bingen, 29. Jan. Das Schiff „Genius" eines Binger Eigentümers, das gestern morgen im Anhänge eines kleinen Schleppdampfers den Binger Hafen pasjierte, um talwärts zu fahren, geriet in der Höhe der Nahemündung in den hochgehenden Eisschollen der Nahe so stark ins Schwanken, daß ein Schiffer über Bord fiel und ertrank. Das Schiff riß sich los und trieb in das Fahrwasser des Binger Lochs, so daß dieses versperrt wurde und der Verkehr gehemmt ist. Limburg, 28. Jan. Die Handels!munter hat sich für den Bau einer Bahn ausgesprochen, die von Weidenau nach Haiger und von da über Driedorf, Mengerskirchen führen und bei Löhnberg in die Lahn- bähn einführen soll. Diese Bahn würde für das Siegerland und einen erheblichen Teil des Westerwaldes die kürzeste Verbindung nach Süddeutschland Herstellen. h. Hanau, 29. Jan. Ter in den 20er Jahren stehende, von seiner Frau getrennt lebende Arbeiter Georg Engel drang heute in die Wohnung seiner Frau ein und versuchte sie z u ermorden. Er brachte ihr lebensgefährliche Stiche in die Brust und Schläfe mit einem Küchenmesser bei. Nachdem brachte er sich mit demselben Messer mehrere Stiche in den Hals bei. Die beiden Schweroerwundeten wurden in dos Krankenhaus verbracht und wird an dem Auskommen der Frau gezweifelt. Tie beiden Eheleute standen seit einiger Zeit im Ehescheidungs- Prozeß, 'heute sotlle der erste Termin statt, inden. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Wohnbach hat sich der Taglöhner Konrad Sack erschossen, als er wegen Blutschande einem Verhör unterzogen werden sollte., — In A r n s h e i m starb der langjährige Gemeinderechner K. Hch. V ö l z i n g im 82. Lebensjahre. — In Mainz herrschte gestern nacht gegen 1 Uhr Sturm und ein heftiges Gewitter von kurzer Dauer. Auf der Strecke Mainz- Worms bis Guntersblum und Osthofen ist ziemlich starker Schnee-, fall niedergegangen. Köln, 29. Jan. Vor der Strafkammer hatten sich hier heute sechs A n a r ch i st e n wegen Verbreitung von Druckschriften zu verantworten, in denen aufgefordert wurde, im Kriegsjalle auf die Offiziere zu schießen. Das Urteil lautete gegen zwei der Angeklagten auf je zehn Monate Gefängnis; ein dritter erhielt wegen Begünstigung zwei Monate und ein anderer wegen Beihilfe fünf Monate Gefängnis. Zwei Angeklagte wurden freigesprock>en. Rovereto, 29. Jan. Im Prozeß gegen die Irredentisten setzten gestern die Angeklagten ihre Taktik des unbedingten Leugnens fort. Mehrere Angeklagte behaupteten, ohne böse Absicht deuwnstriert zu haben, andere bestritten ihre Teilnahme überhaupt, obwohl glaubwürdige Zeugen, Beamte und Gendarmen das Gegenteil bestätigten. Heute vormittag begann das Zeugenverhör. Ein bei der Demonstration schwer verletzter Schlosser aus Berlin verlangt Schadenersatz. Dermifdttes» • Ehrengericht gegen den Grafen Hohenau. Badener Blätiern zufolge hat der Kaiser die Einleitung des ehrengerichtlichen Verfahrens gegen den Generalleutnant z. D. Grafen Wilhelm von Hohenau anbefohlcn. Graf Hohenau wurde wie erinnerlich, vom Kriegsgerichte in Potsdam zwar freigcsprochen, jedoch stellte das Kriegsgericht fest, daß der Graf ohne Zweifel sich schwerer sittlichen Verfehlungen schuldig gemacht habe. Kleine TageSchrouik. In S ch ö u e b e r g bei Berlin wurde der Staatsanwalt Dr. Schweich ler in seiner Wohnung bewußtlos aufgeiunden. Tas Schlafziuimer war vollständig von Gas angefüllt, das zwei nicht zugedrehten Gashähnen entströmt war. Ein Arzt bemühte sich mit Erfolg um den Bewußtlosen und ordnete seine Ueberst'ihrung nach dem Krankenhause an. In dem Beleidigungsprozeß des Fräulein Olga Molitor gegen den Chefredakteur der „Badischen Presse" in Karlsruhe, Albert Herzog, ist dec Termin der Hauptverhandlung vor der 4. Strafkammer zu Karlsruhe auf den 27. Februar an- gejetzt. In K o b l e n z erschoß der Dachdecker Ad. Ackermann, der seit einiger Zeit mit einer Frauensperson zusammenwohnt, sein fünfjähriges Töchterchen aus Wuc darüber, daß man seine angeüi-.UjC Frau wegen Geistesgestörthcit in einer Irrenanstalt unt rgebrackst hatte. 9iad> vollbrachter Tat erschoß er sich selbst. Zn veidgraben (Scyll-wig) durchfchnitt der Schuhmacher Wagner seiner von ihm getrennt lebenden 20 jährigen Frau den Hals, woaß sie sofort tot war. Alsdann verletzte sich Wagner jcibft tödlich. Ju Bremer hüben sind aus dem Gerichtsgefängnis in der Nacht vierUntersuchungSgefangcnc entwichen. Mit einem eisenbeschlagenen Stuhlbein durchbrachen sie die Mauer und ließen sich an Bettüchern, die sie in streifen zerrissen und anemander geknotet hatten, auf die Straße hinab. Nach einer Meldung aus Loitdon hat die Königin von England auf d.r Zn^et Corfu em Besitztum angekauft, auf dem sie ein Schloß zu erbauen gedenkt. Bekanntlich besitzt seit kurzem der deutiche Kaiser das Schloß Achilleion auf Conu. Fürst Albert von Monaco läßt erkläret, daß er für «einen Sohn aus erster Ehe, Louis, der eine ausreichende Appanage beziehe, keineSchulden bezahle. Veranlaßt ist diese ErZürung durch einen Zeitungsartikel über einen zwischen dem 50 jährigen Prinzen LouiS unb seiner Geliebten entstandenen Streit, worin es sich um unbefried.gtg Geldansprüche der Tame handelt. Diese Erklärung des Fürsten erfolgte am 29. dS. Mts., an dem er in feierlicher Audienz oom Präsidenten Fallieres empfangen wurde. handel. Berliner S t a d t a n l e i h e. Es verlautet, daß jetzt eine neue Stadtanleihe von insgesamt 186 Mill. Mk. in Aussrckst steht. Ihre Ausgabe soll nach Bedarf, speziell für Verkehrs- und Bau- zwecke erfolgen und sich über die ganze Bauzeit erstrecken. U. a. soll das Projekt der Untergrundbahn Moabit-Nixdorf, deren Baukosten auf 66 Mill. Mk. veranschlagt sind, einbezogen werden. l u f s ch l i e ß u n g f i s k a l i j ch e r S t e i n k o h l e n f e l d e r. Der dem preußischen Abgeordnetenhaus zugegangene Entwurf eines Gesetzes betreffend die weitere Ausschließung des staatlichen Besitzes an Steinkohlenfeldern ermächtigt die Staatsregierung zur Herstellung von drei Doppelschachtanlagen im Oberbergamtsbezirk Dortmund. Für die erforderlichen Betriebsmittel im Betrag von 55 Mill. Mk. soll eilte Anleihe ausgenommen wer dem Märkte. w. Frankfurt a. M., 30. Jan. (Tciegc. Orig.-Bericht de- »Gieß. Änz.".) Amtliche Notierungen der heutigen Viebmarkl- greife. Zum Verkaufe standen: 29 Ochsen, 0 aus Oesterreich 0 Bullen, 0 aus Oesterreich, 79 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 732 Kälber, 216 Schafe und Hämmel, 1044 Schweine, 2 Ziegen, 0 Ziegenlämmer, 0 Cchastämmer. Bezahlt wurde für das Pfund Schlachtgewicht: Ochsen: 1 Qualität 79—81 Mk. 2, Qualität 74—16 Alk., 3. Qualität 62—66 Mk.: Bullen 1. Qual. 69—71, 2. Qual. 64—66; Kühe 1. Qualität 70-72 Alk., 2. Qual. 65—67 Alk., 3. Qual. 48—50 Mk., 4. Qual. 00—00 »Mk., 5. Qual. 00—00 Alk. Kälber 1. Qual. 92—95 Pfg., Lebendgewicht ■j4—57 Pfg., 2. Qualität 74—82 Pfg., Lebendgewicht 42—48 Pfg., Schlachtgew. 60—63 Pfg.; Schafe: 1. Qual. Schlachtgew. 80 lstz 00 Pfg., 2. Qual. 70—00 Pfg. Schweine: 1. Qual. 58—61 Pf., Lebendgewicht 47,0—48 Pf., 2. Qual. 00—00 Pf., Lebendgewicht 00,0—00 Pfg., 3. Qual. 50—53 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. Geschäft bei Hornvieh gut, kein Ueberstaud, bei Kleinvieh gut, geräumt. Limburg a. d. L., 29. Jan. Fruchtmarkt. Durchschnittspreis« vro Blatter. Jiotct1 Weizen (nass.) 18,36 Alk., weißer Weizen 00,00 Atk., Korn 15,00 Alk., Gerste 11,10 Alk., Hafer 8.00 Alk., Erbsen 0,00 Alk., Kartoffeln 5,00 Alk. kirchliche Nachrichten. Donnerstag den 30. Januar, abends 8 Uhr, im Markus- saal, Kirchstraße: Bibelstunde. (1. Pelr.-Brief, Kap. 4.) Pfarrer Schwabe. Israelitische Neligionsgemeiude. Hottesdicul in der Synagoge (Südautage). Samstag den 1. Februar 1908: Vorabend 5.15 Uhr. Morgens 9.00 Uhr. Nachmittags 3.30 Uhr. Schriftcrkläruug. Sabbatausgang 6.10 Uhr. Israelitische Religiousgesellschaft. Gottesdienst. Sabbalfeier am 1. Februar 1908: Freitag abend 4.55 Uhr. Samstag vormittag 8.30 Uhr. Predigt. Nachmittags 3.30 Uhr. Sabbat-Ausgang 6.10 Uhr. Wocheugotlesdiensl: morgens 7.00 Uhr, abends 8.00 Uhr. Gießener Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung für Hesse» am Freitag den 31. Januar 1908: Wechselnde Bewölkung. Zunächst trocken, später Ntederschäge. Nachts Frost, am Tage milder. Westliche Winde. ®riginabZ)ral?tmeifcungen« Berlin, 3o. Jan. Nach den visi/ecigen ^orvesprechungen wird vorausfickstlich der Nachfolger des Fürsten zu In und K n y p h a u s e n im Präsidium des Herrenhauses der bisherige Vizepräsident Freiherr von Manteuffel werden. An dessen Stelle soll der zweite Vizepräsident Becker treten und für diesen wird der ut letzter Zeit als Gründer der deutschen Vereinigung viel genannte Freiherr Ignatz von Landsberg vorgeschlagen werden. Haag, 30. Jan. Der Senat ratifizierte gestern abend die Brüsseler Z u cker-Konvention. R o m, 30. Jan. Es bestätigt sich, daß der Z a r int Laufe des Monats März nach J-talien kommen wird. Die Zarin werde wegen ihres leidenden Zustandes schon vorher eintreffen. London, 30. Jan. Tie außerordentliche schwedische Gesandtschaft, bie beuustragt ist, dem Könige von England die ^yronoelteigung G n st a v V. anzuzeigen, ist gestern abend hier eingetrofscn und wird i?:utc int Biwiugham-Palast von König Eduaro in Audienz empfangen werden. Petersburg, 30. Jan. Das Befinden der Zarin hat sich wesentlich gebessert. Tanger, du. Jan. Aus Eingeborcncn-Quellen wird mit-l geteilt, daß Mulch Hafid an der Spitze einer bedeutenden Mahallci eine Tagereise von Settat steht. Nach aus Fez cinge^ trosfencn Nachrichteu bestätigt es sich, daß Leute aus Mediuna erngetrossen sind und massenhaft in die Stadt cindriugen, um! den Pascha wegen seiner angeblichen Beziehuugeti zum Mpghzen gefangen zu setzen. BCaB@sseum liessen Sängerkranz Als Aerzte sind tätig 91 Telesou 644 et Samstag, den I.Febr. 1908, abends 8 Uhr Premiere des ersten Giessener Apollo-Theaters 89. roend, Süd-ob. Westan l., Goetheftr. । ©tyi'ijtl. Angeb. m.Preisangabe unter 060!) an den Gieg. An?,, erb. s Klein- Franlfurter Str. 96. angefertigt [0598 32] Klein, Geyer, ha 0540) Lieienmeg 13. Nvrd-Anlage 20, II. 33] sikiik IHiüiHüriofffin UNd [672 Eingang Wcstanlaae. Babubofstratze 48 II. (6$ eingetroffen. [674 L Avril zu vermieten. (213 gesucht. 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