Samstag 4. Juli 1908 158. Jahrgang Erstes Blatt Hotaflonsinid und Verlag der vrMschen Unw.Guch- und Sttindruckere!. R. fange, «edattlan. Expedition und Druckerei: Schuistrahe 7. ^“«tnentcti'6 ö.1"”sS Bezugspreis: monatlich 75 ^..vierteljährlich Mt. 2.20; durch Abhole- il Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post ML. 2.—viertel- jährt. au-fchl. Bestellg. ZeUenpreiS: tokct. IbPfa auswärts 20 Pfennig, Becantwortlich für den politifchen Teil: E. Anderfon; f. Feuille- ton und .Veriiiischleö" P. Wittko; für .Stadt u.Land- und «Gerichts- GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen Nr. 155 Der Gtevener Anzeiger erfchernt täglich, außer Sonntag«. - Beilagen: viermal wöchentlich StehenerZamilirndlätterj VDcunol ivöcheutl.UrciS' blatt für den Ureis Sichen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl Land» wtrtlcbottltchrSettfragea Ferniprech • *iln|d)lüfle i für btt Redaktion 112, Vertag u. Expedition 51 ÜlbteMe ifli Depefchen, Bazetger ®:c6etu Lnnaym, von Anzeigen für die LageSnuuiiuer M ovrrnitlags 10 Uhr. Die heutige Nummer umfaßt 16 Seiten. Vie Gesellschaften mit beschränkter Haftung und die Wertzuwachrfteuer. Von Professor Dr. M. Bterrner. In der anregenden Nektoratsrede, die kürzlich anläßlich des letzten Jahresfestes unserer Landesunivcrsität gehalten ivurde, wurde die Frage untersucht, wie weit oas Zwil»cht Einfluß auf das politische und soziale Leben der Nation haben könne. Als Beispiele einer solchen Wechselwirkung wurden der Arbeits- und Dienswertrag und das private Vereinsrecht herangerogen. Die Zahl solcher Fälle läßt sich leicht vermehren. Als Finanzpolititer möchte ich heute auf einen anderen Vorgang, der noch nicht gebührend beachtet worden ist, Hinweisen. Er betrifft das Gesellschaftsrecht und die Möglichkeit, bestimmte Gesellschaftsformen dazu zu benutzen, sich auf formal-legalem Wege einer unangenehmen Steuerlast zu entziehen. Ich denke an die Gesellschaften mit beschränkter Haftung als Mittel für die Umgehung der Wertzuwachs steuer. Es ist ja hinlänglich bekannt, wieviel Scharf- und Spür- simr man von jeher an den Tag gelegt hat, wenn es sich darum handelte, um staatliche und kommunale Abgaben, Steuern und Stempel, im Wege eigenartiger Schiebungen herumzukommen. Eine solche Praxis ist mit der Zeit eine förmliche Spezialität findiger Grundstückspekulan^en und Jmmobilienagenten geworden. Seitdem aber zahlreiche Gemeinden die Umsatzstempel erhöht und Wertzuwachs steuern mit hohen und progressiven Tarifsätzen eingefiihrt haben, ist die „Steuerdrückerei" förmlich ein lukratives Geschäft geworden. Man suchte und fand auch schließlich eine Gesell- zchaftsform, die ihrer Natur nach die Verschleierung spekulativer Manöver erleichterte, denn seit 1892 kennt unser Privatrecht einen solchen Gesellschaftstypus in der berühmten „Gesellschaft mit beschränkter Haftung". Diese originelle Nechtsschopfung hat Juristen und Nationalökonomen schon mancherlei Kopfzerbrechen gemacht. Es kann nicht meine Aufgabe sein, an dieser Stelle in eine Kritik des Reichsgesetzes vom 20. April 1892 einzutreten. Nur das eine will ich hervorheben, daß die Aufsätze und Schriften der Gegner dieser neuen Form von Handelsgesellschaften, wie die des geistvollen Reichsgerichtsrats Bähr, und die Warnungen gewisser weniger ab sprechender Skeptiker, wie die des bekannten Berliner Rechtsgelehrten Ludwig Goldschmidt, noch heute ernste Beachtung verdienen. Es steht jedenfalls fest, daß die Ausbreitung der Gesellschaften m. b. H. einen ganz andern Weg genommen hat, als der Gesetzgeber und die allzu optimistischen Vorkämpfer für dieses System voraus gesagt haben. Ich persönlich habe von jeher auf dem Standpunkt gestanden, daß die neue Rechtsschöpfung etwas Dunkeles an sich habe, und „im Dunkeln läßt sich bekanntlich gut munkeln." Das geht ohne weiteres aus den Gesellschaftsgründungen der neuesten Zeit hervor, auf die ich hier aufmerksam machen möchte. Unsere Grundstück- und Terrainspetülanten machen gar kein Hehl mehr daraus, daß sie nichts unversucht lassen wollen, sich den verschärften steuerlichen Pflichten zu entziehen. In einem Kleine» Feuilleton. — Ibsen als L a n d s ch af ts m a l e v. Nur Wenigen dürste cs bekannt sein, daß der große nordische Dichter sich in seiner Jugend auch im Malen und Zeichnen versucht hat. Immerhin wußte man, daß zwei Aquarelle und zwei größere Gemälde von seiner Hand sich in Prwalbesit; befinden. Wie wir nun im neuesten Heste der interessanten Kunst eitschnst „Meister der Farbe" (Verlag von E. A. Seemann in Leipzig, Abonnementspreis des Heiles mit 6 farbigen Kunstblättern 2 Mk.) lesen, sind weitere sieben Aquarelle und zwei größere Gemälde von Ibsen in einem kleinen nordischen Landstädtchen in Privatbesitz aufgesunden worden. Tie Witwe eines intimen Kunstfreundes des großen Dramatikers hat diese Bilder von «hm geschenkt erhalten. Die Kunstwerke, die fast ausschließlich Fjordlandschaiten darstellen, sollen demnächst in einer Ausstellung der Künstler - Vereinigung in Christiania weiteren Kreisen zugänglich gemacht werden. — Die „Meister der Farbe" stehen nun im 5. Jahrgange und wenden sich besoiiders an jene Kunstfreunde, die begrerig sind, moderne Meister in ihrem Elemente, der Farbe eben, zu studieren. Außer der Fülle uon Kunst- belehrung und Knnstnachrichten, die den Abonnenten übermittelt werden, enthalt jedes Heit sechs mustergiltige, farbige Reproduktionen nach mit Geschmack gewählten Gemälden von Meistern aller Nationen. Tas „Herbstbild" von August Roth und Opsoniers „Klaischbasen" sind Glanzslücke der beiden letzten Heste. Ebenso sind Nagels schöne Landschaft „Letzte Sonne" mit ihrer Feinheit der farbigen Stimmung, Telaunois mystisch-dunkles Interieur einer Kirche, Migliaros italienische Marktizene und Guiseppe Eiardis „Lachender Frühling" mit ihrem ganzen Farbenschmelz wieder- gegeben, und wir ernennen aus diesen Werken die volle Eigenart der hier vertretenen Künstler. Tie in „Meister der Farbe" reproduzierten Gemälde stammen meistens von den alljährlich in den europäischen Kunstzenlren stattfindenden Ausstellungen und in dem Bemühen der Zeilschrist, solche Bilder, die nach kurzer Zurschaustellung häusig im Privatbesitz künftig nur sür einen engen Kreis von Bewunderern sichtbar bleiben, dauernd den Kunstfreunden aller Länder im getreuen Abbild zugänglich z»i machen, erblicken ivir ein Hauptverdiensl der schönen Sammlung, aus dre wir gelegentlich wieder zurückkomnien werden. — Die ftille Farbenpoesie, die aus der deutschen Malerei vom Anfang des vorigen Jahrhunderts spricht, tritt uns in ihrem ganzen Farbenreiz aus den neuen Blättern des farbigen Oreproduklionswerkes „Deutsche Malerei des 19. Jahrhunderts" (Verl. v. E. A. Seemann 1 Leipzig; Abonnementspreis des Heftes mit 5 farbigen Gcmäldereproduktionen nebst Begleit- tejt 2 Mark) entgegen, aus oas wir schon iviederholt empfehlend hiugewiesen haben. Daniel Chodowiecki, der Meister des bürgerlichen Rokoko, bezeichnet ungefähr den Ausgangspunkt dieser Kunst, und seine „Parkszene im Berliner Tiergarten", die bter reproduziert wird, versetzt uns ganz in die gemütvolle Zeit unserer Väter. Noch typischer sür den damaligen Stil ist das glanzvolle Bild „Donna Diana", des einst viel gefeierten Karl Sohu. Alle diese Bilder ebenso wie die von Vauticr, Steinle, Eysen, >L>cholderer, Schmitson, .Blechen, die u. a. in den neuesten Heften des schönen mir vorliegenden, von hervorragenden Sachverständigen im Auftrage des „Verbandes deutscher Grundstücks- und Hypo- theken-Maklervereine" jüngst herausgegebenen, „Maklermcr> buch, Handbuch für den gesamten Bau-, Grundstücks- und Hypothekenverkehr" werden unter dem Kennwort „Wert- zuwachSsteucr" ganz offen die Mittel aufgesührt, mit denen Die Steuer zu umgehen ist. Es heißt darin unter anderem: „Die Wertzuwachssleuer ist auch dadurch zu umgehen, daß Verkäufer und ftüufcr eine Gesellschaft m. b. H. bilden, in die die Grundstücke ohne Werterhöhung seitens der Verkäufer inseriert werden, während der Käufer die bare Anzahlung einbringt. Demnächst erwirbt der Käufer vom Verkäufer dessen sämtliche G. m. b. H.-Anteile zu einem Kurse, der die Wertsteigerung des Grundstücks ein- fchließt. Die Stempel- und die Notariats- bezw. Gerichtsgebühren sür Gründungen der G. m. b. H. und den Erwerb ihrer Anteile sind weit geringer als die Wertzuwachssteuer." Wie die Statistik lehrt, macht diese Umwandlung des spekulativen Grundbesitzes in Gesellschaften m. b. H. mit gleichzeitiger Ausbreitung der Besitzwechselabgaben neuerdings ganz überraschende Fortschritte. In der seit Anfang d. I. erscheinenden Berliner Monatsschrift „Die Bank", die sich trotz der Kürze ihres Bestehens schon mancherlei Verdienste um die Ausdeckung eigenartiger Finanztransaktionen erworben hat, fand ich kürzlich eine lehrreiche Statistik: In den ersten fünf Monaten dieses Jahres1 sind nach dieser Quelle im Deutschen Reiche nicht weniger als 174 Gesellschaften m. b. H. gegründet worden, die lediglich die Verwaltung und Veräußerung von Grundstücken zum Zwecke haben. Daß es sich hierbei keineswegs nur um große Terraingesellschasten handelt, ergibt die Tatsache, daß 71 der neuen Gesellschaften nur ein Grundkapital von 20 000 Mark ausweisen. Bekanntlich ist das nach § 5 des Gesetzes von 1892 der Minimalbetrag. Also auch die kleinen Hausbesitzer haben das Zaubermittel der Gesellschaft m. b. H. erkannt und machen von ihm mit Vorteil steuerfreien Gebrauch. Es ist klar, daß durch das Umsichgreifen einer solchen systematischen Steuerumgehung nicht nur die Finanzverhältnisse der Städte ernstlich gefährdet werden, sondern daß auch diejenigen Grundbesitzer, die ihrer Steuerpflicht dem Geiste des Gesetzes entsprechend gewissenhaft nachkommen, sich erheblich benachteiligt fühlen müssen. Selbstverständlich werden diese Transaktionen auch in großem Stile durch l'apitalkräfüge Terraingesellschaften versucht. Ein eklatanter Fall der Art, vorwiegend von holländischen Kapitalisten durchgesühri, ist kürzlich in Berlin aufgedeckt worden. Hierbei sind Zwischengewinne von Millionen gemacht worden und ebenso entsprechende Ersparnisse an Kaufftenrpel und Umsatzsteuer. Hätte in Berlin gar eine Wertzuwachssteuer, die bekanntlich abgelehnt wor- oen ist, bestanden, so hätte jene Terraingesellschaft, wie glaubhaft versichert wird, zwei Millionen Steuern cin- gespart, und dabei verdankten die holländischen Spekulanten den Wertzuwachs hauptsächlich der Errichtung eines vom preußischen Fiskus bezahlten Ringbahnhofs! Hessen ist der erste deutsche Bundesstaat, der durch Landesgesetz die Wertzuwachssteuer der Gemeinden generell geregelt hat, und Gießen ist wiederum die erste hessische Stadt, die von dieser Ermächtigung Gebrauch gemacht hat. Uns Werkes vertreten sind, waren zu ihrer Stunde einmal modern und ftir den Kunstfreund, der die Früchte edler Malerei zu schätzen weiß, sind sie auch heute noch eine Quelle reichen Genusses. Diesen ältereü Werken schließen sich noch zwei frühe Bilder von Meistern an, die in unsere Zeit hineinragen. So ein Damenbildnis von Adolph von Menzel, das 1845 entstand und die „Konservenmacherinnen" Max Liebermanns vom Jahre 1873. Den Reigen der Düsseldorfer, denen ein ganzes Heft gewidmet ist, eröffnet Eduard von Gebhardt, der 70jährige, mit seinen „Klosterschülern", ein beredtes Zeugnis seiner markigen, überlegenen Kunst. Wie er in die schwächliche Heiligenbildmalerei seiner Zeit einen kräftigen Realismus brachte, so setzte Eugen Ducker diese realistische Auffassung an die Stelle der Romantik in der Landschaftsmalerei. In Heft 5 'finden wir außer schon oben erwähnten Bildern noch einen vorzüglichen Thoma (Religionsunterricht), und den Beschluß unserer Reihe — ein weiter Sprung von Chodowiecki — macht Walter Leiftikow mit seinem Dresdner Galeriebitde „Ziegeleien am Wasser". Nach diesen Darbietungen, die wieder auf der vollen Hohe der Technik stehen, dürfen wir hoffen, daß nicht minder reiche Leistungen auch für die Folge au erwarten sind, und wir dann ein Album deutscher Kunst erhallen, wie es zum Hausschatz der kunstsinnigen Familie gehört. sJ)l a x Hesses „Volksbüchere i" zeigt auch in der jüngst erschienenen Reihe das Bestreben, bei wohlfeilsten Preisen gediegene Literatur-Erzeugnisse dem großen Publikum zugänglich zu machen. Levin Schückings Roman „Die Turmschwalbe" (444—446) darf als eine der besten Gaben des fesselnden Erzählers angesehen werden. — Frida Schanz wird sich mit ihrem warmherzigen „Der Armenarzt und andere Erzählungen" (447) neue Freunde erwerben. — In Lotte Gubalkes „Reinhold Stades Liebe und andere Erzählungen" (448—449) tritt uns eine eigenartige, packende Künstlerpersönlichkeit entgegen, die Beachtung verdient. Anton von Persall, der bekannte Verfasser zahlreicher Romane, bietet in „Ein Akkord. — Die Libelle" (450) Proben einer stimmungsvollen Kleinkunst. — Auf Jeremias Gotthelfs dichterische Persönlichkeit noch besonders hinzuweisen, ist kaum nötig. Vielen werden die Einzelausgaben ieiner realistischen, kraftvollen Werke erwünscht sein. „Der Bauernspiegel oder Lebensgeschichte des Jeremias Gotthels" (451—455), „Uli der Knecht" (456—460), „Uli der Pächter" (461—465), „Geld und Geist" (466—470), „Wthi die Großmutter" (471 bis 475), „Die Käserei in der Vehfreude" (476—480) dürfen als die wertvollsten Erzeugnisse des Schweizer Volksschriftstellers angesehen werden. — Kleine K u n st ch ro n i k. „Ein W a lzertr a um bei d e r l n sl i g e n Witw e" nennt sich ein zeitgemäßer Doppelschlager, der z. Zt. alltäglich viele Hunderte von Münchenern nacki Rymphen-- bürg m den Volksgarten führt. — Der bekannte Schriftsteller Dr. Ludwig Fulda in Berlin, der sich von seiner ersten Frau hat scheiden lassen, hat sich soeben mit Fräulein Klara Her m a n n, einer Tochter des verstorbenen Schauspielers Prof. Karl Hermann in Frankfurt, verlobt. I müssen also die Vorgänge in Groß-Berlin und anderen I Großstädten ganz besonders interessieren. Es ist mir mehr als zweifelhaft, ob nach hessischem Recht Schiebungen wie die oben genannten als Eigentumslvechsel, dem allerdings auch die Abtretung des Anspruchs aüf Eigentums- Übertragung gleichgestellt ist, anzusehen sind, womit sic wert- zuwachssteuerpslichtig werden müßten. In den Motiven steht, fo viel ich bei flüchtiger Durchsicht sehen kann, darüber nichts. Indessen will ich diese Streitfrage heute nicht entscheiden. Der Zweck dieser Zeilen ist vielmehr, anzuregcn und eventuell dem Gesetzgeber, bevor es zu spät ist, ein nachträgliches Eingreifen nahezulcgen. Durch Ortsstatut allein läßt sich m. E. nichts erreichen. politische Tagesschau. Monarchenzusammenkünfte. Ausländische Bialter verbreiten unausgesetzt Gerüchte über eine bevorstehende Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm und dem Zaren sowie über eine demnächstige Zusammenkunft unseres Kaisers mit König Eduard. Doch prompt werden sie allesamt offiziös dementiert, womit immer noch nicht gesagt ist, ob sie wahr oder falsch sind. Jedenfalls bleibt eine russische Zeitung dabei, daß Verhandlungen gepflogen werden, die auf eine Begegnung in den baltischen Gewässern während der RordlandSreise des Kaisers hinzielen, und zwar noch vor dem Besuch des Präsidenten Falliöres. Dieser wird am 28. ds. Mls. an der Revaler Reede eintreffen. Am selben Tage findet ein Paradediner auf der Zarenjacht „Standart" statt. Am nächsten Tage wird der Zar einer Einladung zur Galatafel auf dem französischen Kriegsschiff „Gambetta" folgen. Am dritten Tage erfolgt die Abreise. Rach der Entrevue zwischen Kaiser Nikolaus und König Eduard bei Reval wäre es immerhin bedeutungsvoll, wenn jetzt die Begegnung unseres Kaisers mit dem Zaren statifinden und der Besuch Falliöres sich anschließen würde. Es ist indes wahrscheinlicher, daß eine Begegnung zwischen dem Kaiser und dem Zaren erst gelegentlich des Besuches des deutschen Kaiserpaares in Stockholm erfolgen wird. Neber eine Zusammenkunft Kaiser Wilhelms mit König Eduard weiß man gleichfalls noch nichts pofitioes. Ob nun diese Zusammenkünfte stattfinden oder nicht, gar großen Einfluß auf die auswärtige Politik werben sie nicht ansüden; Rtonarchenbegegnungen find heute zu häusig, um Bedeutung haben zu können. Es braucht also deswegen niemand seine Ruhe zu verlieren. Die Verlängerung der Volksschulpfltcht vom 14. bis zum 15. Lebensjahr ist, so meint „Der Reichs- bote", wichtiger und erfolgreicher als die Fortbildungsschule: „Denn m diesem letzten Schuljahr, wo die Kinder noch im vollen Zuge des Unterrichts stehen und ihre Fähigkeiten sich vermehrt haben, würden dieselben mehr lernen als in den ihnen lästigen Fortbildungsschulen, und die sich daran anschließende gewerbliche Ausbildung würde dann rascher und besser vorwärts gehen, so daß diese vielleicht um ein Jahr gekürzt werden könnte. Auch die daran anschließenden gewerblichen Fachschulen würden bessere Crfalge erzielen können, weil sie sich dann nicht mehr mit der Vorbildung, welche die Bolksschiile jetzt nur in unzureichendem Maße leisten kann, zu plagen brauchten. Ebenso könnte in der Befestigüng der christlich-sittlichen Lebensanschauung und Charakterbildung dieses letzte erweiterte Schuljahr Bedeutendes loiften, zumal dann auch der Konsirinandenunterricht reifere und besser vorbereitete Schüler vor sich hätte. In Schleswig'Holstein, wo diese längere Schulzeit schon längere Zeit besteht, hat sie, soviel uns bekannt ist, für eine reifere Volksbildung gute Früchte getragen, und wir glauben, daß sich das gewerbliche Leben besser damit befreunden würde, als mit der schwer emzngliedernden obligatorischen Fortbildungsschule. Tie Jugend würde dann besser gerüstet sein gegen die Verlockungen dec Sozialdemokratie und leichter den Eintritt in die bürgerlichen Turn- iind Singvereme finden. Aber es ist leider fanin daran zu denken, daß es zu einer solchen Verlängerung der Volksschulpflicht kommen wird; viele ärmere Eltern, die jetzt schon sehnlich darauf ivarten, bis ihre Kinder vom Schulzwang befreit sind und zur Erhaltung der Familie mit Geld verdienen oder im Haushalt mithelfen können, würden dagegen fein. Seit sich aber die wirtschaftlichen Verhältnisse des arbeitenden Volkes erheblich verbessert haben, hat dieser Einwand gegen die Verlängerung des Schuljahres an Gewicht verloren. Auch für die Lehrer würde es eine Freude fein, noch ein Jahr lang die reiferen Kinder in Unterricht zu haben, während sie jetzt sie entlassen müssen, wo sie im besten Zuge sind." . . . * Streikstatistik. Im ersten Quartal dieses Jahres sind im Deutschen Reiche 211 neue Streiks begonnen worden. Die meisten entfielen auf Brandenburg inkl. Berlin, nämlich 33. Die nächstgrößten Ziffern weisen auf: Sachsen mit 29, Rheinland mit 27 und Bayern mit 26 Streiks. Es entfielen ferner auf Hannover 18, auf die Provinz Sachsen 15, auf Baden und Hamburg je 14, auf Westfalen 12, auf Braunschweig 8, auf Schleswig-Holstein 7, auf Schlesien 6, auf Ostpreußen und Westpreußen je 4, auf Hessen-Nassau, Württemberg, Ko- burg-Gotha und Reuß j. L. je 3, auf Hessen, Weimar- Eisenach, Oldenburg, Posen, Anhalt, Rudolstadt, Lübeck, Bremen und Elsaß-Lothringen je 2 Streiks, auf Pommern, Meiningen und Reuß ä. L. je 1 Streik. Von neuen Streiks blieben nur verschont Mecklenburg - Schwerin, Mecklenburg- Strelitz, Sondershausen, Waldeck und die beiden Lippe. Beendet wurden im ersten Quartal dieses Jahres 255 Streiks. Bon diesen hatten 139 gar keinen Erfolg, 87 hatten nur teilweisen und von den 245 hatten nur allein 29 vollen Erfolg. Deutsches Resch. Die beiden Abgesandten Malay Hafids, des marokkanischen Gegensnltans, haben Berlin verlassen und sich nach Wien begeben. JUnö zertrümmert. Tie Trümmer fingen en voll Vermischtes. * Ein Eisenbahnunglück, '.'lach einer Meldung ouy Newyork ereignete sich bei Knvbnöfter im Staate Missouri ein furchtbares Eisenbahnunglück. Bei Nacht und Nebel, welcher die Signale nicht deutlich erkennen ließ, ft i e 6 c 11 zwei Schnellzüge zusammen Beide wur- 2tus Stadt und tLand. Gießen, 4. Juli 1908. - TageSkalender. Kinematographentheater: Programrmvechsel am Samstag. Kolosseum: Sonntag : Austreten des Opernsängers Plate- Frankfurt. ** Aus dem M i l i tä r w o ch e nb l a t t. v. N i e b e r, 'Gen.-Major und Kommandeur der 25. Feldart.-Brig. (Grvßh. Hess.), in Genehmigung seines Abschiedsgesuches, unter Verleihung des Charakters als Gen.-Lt., mit der gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt. — N o e l d e ch e n, Oberst und Kommandeur des Neumark. Feldart^Regts. s??r. 54, mit der Führung der 25. Feldart.-Brig. (Großh. Hess.) beauftragt. ♦* Militärische Besichtigung. Ter Brigade- Kommandeur General v. F-rancoiS besichtigte gestern nach- mittag die Mannschaft deS Bezirksrommandos, woraus eine Revision der sonstigen Dienstführung vorgenommen wurde. •• DaS Bezirkskommando soll am 1. Oktober nach dem Hause des Herrn OSkar Gutmann, West-Anlage 31, Erdgeschoß, verlegt werden. DaS preußische Kciegßministerium hat dem mit Herrn Gutmann abgeschlossenen Mietsvertrag bereits zugestimmt. Wegen der Aufteilung bezw. lieber- lassung dcS Geländes des alten Bezirkskommando-Grundslücks Selteröweg 55, das Eigentum des hessischen Staates ist, werden neuerdings mit den Anliegern wieder Verhandlungen gepflogen. " Eine Sitzung deS Provinzial-AuSschusseS findet am SamStag, 11. dö. Mts., vorm. 9 Uhr mit folgender Tagesordnung statt: 1. Reklamation gegen die Beige ordnete niva hl zu Hochweifel; 2. Gesuch des Heinr. Berg zu Weickartshain um Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft; 3. desgleichen deS Adam Karle zu Ehringshausen. ilengelder emgezahlt und durch die Borwiegelung von Spekilläliousverlusteii einen 'Jlicicnid)rombel ausgeiührt hat." £b diese 9lachrichl, die für die Gläubiger Rothschilds ja recht erfreulich wäre, den Tatsachen entspricht, können wir nicht kontrollieren, umvahrschemlich genug sieht sie ja immerhin aus. "Ein Kind von Zigeunern geraubt? Rach einer von der Polizeiverwaltung ^llzcy an das Frankfurter Polizeipräsidium gerichteten Depesche treibt sich in der dortigen Gegend eine Zigeunerbaude umher, bie ein fünf bis sechs Jahre alles Kind bei sich führt, daS angeblich aus der Stadt Frankfurt a. M. oder deren Umgebung stammen soll. In den letzten Tagen ist dec Frankfurter Polizei ein Kind von diesem Sliter nicht als vermißt gemeldet worden, doch ist nicht ausgeschlossen, daß in der Rachbarschast ein ArdeiterbeweguriA. — Ueber eine Demonstration von Mctzcr Maurern berichtet die bortiae „Bolksztg.": Etwa 300 Maurer protestierten gegen die Zgstänoc in den Mserncnneubautrn am Elisabethsort. Dort besänftigt der Bauunternehmer Heller aus MannlÄm nur nichtorganijierte Maurer aus.Dieburg und zwar nidü zu den Tariibcbingungm. Nach Annal/me einer Resolution formulierten die Versammlungsteilnehmer einen Demonstralrons- zug nach dem Elffabethfort. Don Halle sich ein Schutzmannsauf- gebot ausgestellt. 5-crncr hatten Soldaten mit dem Gewehr un Arm das Gelände zu übmvadjen. Es wurde der Be- sehl „Laden zum Schuß" erteilt. Die oiyamucrtcn Maurer zogen, itad;bem sie ein Hoch auf ihre GewerkschaU ausgebracht, wieder ab. Parma, 3. Juli. Da die Ackreitgeber die Aussoerrung weiter sortzusctzen beschlossen haben, erklärten die Landarbeiter ihrerseits den Kampf bisaufSäußer sie fortsetzen zu wollen. rlusland. Unter den AdmiralenEnglands herrschen derartige Feindseligkeiten, daß man für die Disziplin der Flotte überhaupt ernstlich fürchtet. Tie Offiziere nehmen für oder gegen den einen oder anderen Admiral Partei, und es kommt vor der Mannsdiast zu ungehörigen Auseinander,etzungen. Tie Aomirali- täl scheint sid) vor Disziplinarmaßregeln zu fürchten, da jeder Betroffene eine Untersuchung durch ein Kriegsgericht verlangen könnte imb dadurch der Skandal nur noch größer werden würde. Zum Kommandanten und zum Kapitän des neuen belgischen Schulschiffes „Avenir" sind zwei ehemalige deutsche M a r i n e o s s i z i e r e ernannt worden. xu)e Ernennung hat in belgischen Seemannskreisen bö,es Blut gemacht. Berschiedene Marineverbände haben an das Marineniiniiterium Protestnoten eingebracht: sie erblicken in der Berufung em Mißtrauensvotum gegen die belgischen Offiziere. Ter f r a n z ö s i s ch e M a r o k k o - G e n e r a l d'A m a d e hat am 29. Juni ohne Schwertstreid) Azemur besetzt. Er zog mit den französischen Truppen in die Stadt ein, die bis zur Aiikunsl der marokkanischen Truppen von den Franzosen beietzt gehalten Werden soll. Die „Agenee HavaS" bemerkt, d'Amaüe habe die Expedition unternommen, Weil infolge der von dem hasidischen Pasd-a von Azemur zwisd)en den Schtuna und Schiad- mad angezettelten Unruhen die Pazifizierung dieses Teiles des Schaujagebietes nicht mehr sicher crsch.iue. Das'Parsec „I urual" macht daraus ausmerksam, daß Azemur aup-rhalb des Schauja- gebietes und der sranzösisck)en Aktionssphäre liege. Tie sranzv). Regierung hat Veranlassung genommen, den General daraus hin- zuiveiseii, daß seine Jnstruttionen ihm nicht erlaubt hätten, den Uber Webia zn überschreiten. Es genüge auch nicht, wenn er feine Truppen aus Azemur wieder zurückziehe, sondern er hätte sid) bis zu der Operationsbasis zurückzubegeben. Tie französische Kammer erörterte die Gesetzesvorlagen betressend die Abschaffung der T o d e s st r a f e. Rei- nach sprack) sich für die Aushebung ber Strafe aus und wies aus die Gefahr hin, die in der Anwendung nicht mehr wieder gut zu machender Strafen liege. Für die Zunahme bet Totschläge machte Reinach den A l k o.h o l i s m u s verantwortlich. And) in der r u s s i f cf) c n D u m a brachten 103 Deputierte einen Antrag auf Abschaffung der Todesstrafe ein. Im österreichischen A b g e o r d n e t c n h a u s e führte ber Ackerbauminister Tr. Ebenhoch ans, er habe in sämtlichen Teilen des Staatsgebietes umsassende Erhebungen wegen der m- tolflc der herrscheiiden Dürre der Land wirt sch ast drohenden Ges ähren eingeleitet. Er könne seststellen, daß tat jächlich in weiten Landstrichen äußerst empsindlick)« Wirkungen der Dürre und Futternot zutage getreten seien. Der Minister versicherte, er werde nichts unterlassen, nm sofort die der Land wirtschaft drohenden sck)weren Nachteile zu beseitigen. (Lebhafter ' Beifall.) Tie Lcmberger rnthenische Stndcntcnschaft be - schloß sür den Wegen dec Ermordung des Statthalters zu.ii Tode verurteilten Studenten Siczynski eine S Y m P a t h r c k u n d- g e b u n g!!____________ Die Reoohition in Persien. Wie Reuter erfährt, ist cs in Täbris zil neue n Straß en- k a in p i e li geEommen. Nack) einem Telegramm aus Tiflis sind bei den Käiiivfcn in Täbris am Sonntag 3 7 0 P er fönen getötet und 700 verwundet worden. — Tie Reiter Schudlhai . Nifains, der 511111 Siadlhauptmann von Täbris ernannt roorDen ist, zerstorlcn daS Tlidshucmen - Gebäude. Ter Fidal-Amührer Sala Khan organisierte eine Bande, um energischen Widerstand 511 leisten. W !enbeit, v . Schere ’C,t r . et 58 Will 'Li'z '«labeüm, Zb-ch/L l«)on eif $! "Mi S' '«nn. _ o '1 = *n»,„ä ,7 2°öh ! i“ »lieben 'n1*11« Sus,’ t)tt nicht )uhnii6ben>etbetn ?S> Tag ile, °lle 4 Schul. ml 87 Kindern - ^dtverord« 'euerimElek. daß der lCL rurch L,s, :tt nächste Woche Melden Müde lhort, hnb bici rooibtn, den juni i&djcin auf Ellen und den bel l,r nach mch, Manheim ab- Mn abend beim "Macher Äic, Orb "rn Tarmstadt lgeiahren. Er > eines Kindes aikaminer tjenle Elijabeih Diehl in 7 teils alteren, teils Morden, die Mutter, 4 von den Kindern, lie in Berghofen im er deren Tochter zur i die Eliiabeth jcljr ö griff sie gierig auj ichweiuen öfters das puren idjroew 'M- le zusehends ab unb Mer/'iichinr^ Vt’iXXt )ig mit den cpuren wurden auch Blut- Wagt war, leugnete t Bruder hätten das ieiigesiellt, daß das iFretspreüning ne, wer der Lchul- icht verwari die iidl von der „Bei- Landgericht Berlin I lilor zu neun Rohre alte Diensitnechl am 16. März ferne Ä und ermordet hat, tonen, wurde gestern Cohn vom Luxem- rho.t sich an Beamten dem dortigen Gerecht [t worden. chtt«. .,.. übel wnd, roirb M irtftion 6=3 **™ n 3u Imem Auch' ■l««1“ “Kleines cd- flU§S ber W r Universität oer iW ® “u?en 9i< hie «'S teSss 6",01 «ei'N15 6,-55* „ Metzer \»; Etwa aus q und zwar C*W“KS Feuer unb brannten mit erschreckender Schnelligkeit. Bisher fand man 8 Leichen. Es scheint aber sicher, daß noch viele Passagiere, welche sich bei der Katastrophe in den Betten befanden,unter den Trümmern begrab en sind. Erst später wird es möglich sein, den genauen Umfang der Katastrophe festzustellen. 20 Schwerverletzte wurden aus den Trümmern hervorgezogen. * Ein 82jähriger Bräutigam. In Baden bei Wien hat sich der älteste Schauspieler des Burgtheaters, der 82jährige Hofschausvieler Bernhard Baumeister mit seiner 29 jährigen Verwandten Rosa Pischinger vermählt. Man behauptet, daß, als vor einigen Wochen die Nachricht von den Heiratsabsichten des vielfachen Jubilars zum erstenmal auftauchte, er das Gerücht mit den Worten dementierte: „Es ist nicht wahr, aber auf eine gute Idee haben mich die Leute gebracht." Kleine Tageschronik. In Gotha ist der Direktor der Feuervcrsicherungsbank Geh. Füranzrat Döbel g e st o r b c n. Aus unglücklicher Liebe ist in Berlin ein 15- jähriges M ädchen in den Tod gegangen; des Lokomotivführers Ebing er älteste Tochter Margarete. Sie hatte im Ki.chen- chor einen gleichalterigen Mechaniker kennen gelernt. Die Eltern machten ihrer Tochter, die ständig mit dem jungen Manne zusammenkam, Vorwürfe. Die Folge war, daß das Mädchen Gift trank, dessen Wirkungen es trotz aller Gegenmittel erlegen ist. Am 3. Juli begab sich ein Hamburger Schüler bei Kügel- bake ins Watt; er wurde von der Strömung ersaßt und ertrank. Ein Hamburger Lehrer, der ihm zur Hilfe eilte, kam gleichfalls ums Leben. Aufsehen erregt ein Ermittelungsiverfahren gegen ein Ehepaar in Gählenau (Bezirk Breslau-, das im Verdacht steht, von seinen elf Kindern acht vorsätzlich getötet zu haben. Tie Kinder starben stets auffallend schnell. Vor wenigen Tagen erfolgte wiederum die Beerdigung eines unter verdächtigen Momenten plötzlich verstorbenen mehrere Monate alten Kindes dieses Ehepaares. Auf Veranlassung der Staa.sanwaltfchast ist das Kind ausgegraben und obduziert worden. Unter dem Verdacht der versuchten Verleitung zum Meineid ist Dr. Hans Sigismund Jaspis, herzoglicher Leibarzt in Hannover, verhaftet worden. Der Affäre liegt eine Familientragödie zugrunde. Dr. Jaspis soll ein Verhältnis mit einem Mädchen unterhalten haben und deshalb in Ehescheidung geraten sein. In dem Ehescyerd'.nmsprozeife war dieses Mädchen als Zeugin geladen, vor ihrer Vernehmung soll Jaspis sie brieflich aufgefordert haben, vor Gericht das Verhältnis in Abrede zu stellen. Der Brief ist xur Kenntnis der Behörde gekommen, sein Inhalt bildet den Gegenstand der Untersuchung. Die „Erste internationale Ausstellung von Automobil für die Landwirtschaft" wird in Bourges in Frankreich stallfinden. Für die da'ür zugelassenen Gerate, Erzeugnisse und sousligen Gegenstände haben die franz. EisenbahngefelsichaUcn'e ne Frachtermäßigung um die Hälfte in der Weise bewilligt, daß sie für Güler nach Bourges die volle Fracht und für den Rücktransport keinerlei Fracht berechnen werden. In Paris bat ein D.egenduell zwischen dem Chefredakteur des „Matin", Jouvenel, und Paul de Cassagnae statt- gesunden. Jonvenel wurde am rechten 2Ir.it verletzt. — Demnächst soll ein Duell zwischen dem Anwalt Labori und Jouvenel statt- finden. In der Umgegend von Tiflis wurde eine von vier Schutz- leutcn begleitete Po st von einer Anzahl Räuber überfallen, die drei Bomben tvarsen und Schüsse abgaben. Ein Postbeamter wurde getötet; ein zweiter Beamter und der Kutscher wurden schwer DiT.uunbet. 20 ODO Rubel fielen den Räubern in die Hände. Die Schutzleute töteten einen Räuber und verhafteten einen anderen. In Haidhausen (Bayern) stieß ein Radfahrer mit einem Straßenbahnwagen zusammen und wurde getötet. In der polnischen Jndustrieitadt Lodz wurde der Fabrikant Steigert aus dec Straße in feinem Wagen von drei Bewaffneten über'allen und es wurden ihm 1100 Rubel geraubt Die Banditen ließen ihn aus dem Wagen steigen und entkamen mit demselben. Nach einem Kabelbericht aus Newhork wird der Herzog der Abruzzen Katherina Elkins, die Tochter des Bundessenators für Birginien, nicht heiraten. Ter Grund des Scheiterns soll im Widerstand des italienischen Hofes liegen. handel. "Konkurse in Hessen. lieber das Vermögen des Schneidermeisters Peter BÜrner in Mainz, Lotharstraße 3, ist am 13. Juni das Konkursverfahren eröffnet worden. Anwaltsbureauvorsteher Peter Winh in Mainz wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 5. Juli bei dem Amtsgericht Mainz anzumelden. D i e N o m o s - U h r e n, die von der Nomos-Uhren- Gesellschaft in Glashütte vertrieben werden, werden nicht in G l a s h ü 11 e, sondern in der Schweiz hergestellt, woraus aus Wunsch von Jnteressenkreisen aufmerksam gemacht sei. ** TerJahresberichtderHandelskammerWctz- lar besagt über die Lage im Kammerbezirk u. a.: In unserem letzten Bericht haben wir auf die Tatsache hingewiesen, daß dem hiesigen Bergbau von den rheinisch-westfälischen Erzverbrauchern erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt wird, die in umfangreichen Ankäufen von Eisensteingruben an der Lahn und Dill durch die Hüttenwerke am Niederrhein in die Erscheinung tritt. Auch im vergangenen Jahre hat der Erwerb von Grnbenseldern durch Hochofenwerke weitere Fortschritte gemacht. Eine weitere erfreuliche Erscheinung ist darin zu erblicken, daß im vergangenen Jahre die Grubenbesitzer Unlersuchungs- und Ausschlußaroeiten in größerem Umfange als bisher in Angriff genommen haben. Hierbei ist wahrzunehmen, daß die Neigung vorherrscht, die Gruben sowohl unter wie .über Tage mit den modernsten und technisch vollkommensten ' Einrichtungen für Gewinnung, Aufbereitung und Transport auszugestalten, um auf dies Weise die Leistung zu erhöhen und die Gestehungskosten zu verringern; in früheren Jahren ist nach dieser Richtung manches versäumt worden. Inzwischen sind auch die Arbeiten für die Anfertigung einer geologischen Karte des hiesigen Kreises von der Staatsregierung in Angriff genommen woroen. Ter Knappschaftsverein war vor die Aufgabe gestellt, seine Verfassung und seine Einrichtungen mit den Bestimmungen der neuen Novelle zum Berggesetz vom 19. Juli 1906 in Einklang zu bringen. Der Absicht des Gesetzes, die Leistungen der Knappschaslsvereine dauernd zu sichern, ist zuzu- stimmen. Jedoch hat sich ergeben, daß die Besttmmungen der Novelle, die eigentlich nur auf die Verhältnisse der Kvhkenreviere zugeschnitten ist, die anders und eigenartig liegenden Bedürfnisse des Erzbergbaues, insoesoirdere unseres Bezirks nicht genügend berücksichtigt. Trotz der hieraus entstehenden Schwierigkeiten haben die Werkbesitzer an der Auffassung festgehalten, daß die Leistungen des Vereins auch jetzt in keiner Weise verkümmert werden dürften. Tas hatte zur Folge, daß die sowohl von den Werisbesitzern wie von den Kassenmitgliedtrn zu leistenden Beiträge nicht unbeträchtlich erhöht werden mußten. Für die WerksOesitzer kommt hinzu, daß sie seit dem 1. Jan. d. I. von den Krankenkassenbeiträgen statt des bisherigen Dritteils die Hälfte zu tragen haben. Durch diese Mehrleistung der Werksbesitzer vermindern sich naturgemäß entsprechend die Leistungen Der Kassenmitglieder, so daß dadurch die Erhöhung der Knappschaftsbeiträge für sie ungefähr ausgeglichen und die durch das Gesetz geforderten Mehrleistungen tatsächlich von den Werksbesitzern getragen werden. Vom Wetzlarer Knappschaftsverein ist die Verschmelzung mit dem Allgemeinen Knappschastsverein Nassau-Diez-Weilburg, angeregt worden, doch kann iwch nicht gesagt werden, ob sie sich durchführen läßt. Schließlich wollen wir nicht unterlassen, noch auf ein für die Geschichte der Gewerbetättgkeit unseres Bezirks bedeutsames Ereignis hinzuweisen. Wahrend des Berichtsjahres hat das 100000. Mikroskop die Werkstätten der Firma Ernst Leitz verlassen. Wir geben der Hoffnung Ausdruck, daß unserer, sich heute schon eines Weltrufes erfreuenden Wetzlarer optischen Industrie auch weiter eine an Erfolgen reiche Zukunft beschieden sei. Di^ gesamte wirtschaftliche Entwickelung unseres Bezirks kann als befriedigend angesehen werden. Unsere Auffassung über die Aussichten für die nächste Zeit geht dahin, daß der Tiefpunkt ber Abwärtsbewegung noch nicht erreicht ist, daß aber die inneren Verhältnisse der deutschen Volkswirtschaft so gesund sind, daß auf ein Ueberstehen der wirtschaftlichen Krise ohne die nachteilige Folgeerscheinung eines langdaueri'den Siechtums wohl mit ziemlicher Sicherheil zu hoffen ist. Tie Wiederkehr geregelter Verhältnisse auf dem Geldmärkte würde freie Bahn für eine Besserung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage schaffen und erscheint deshalb in erster Reihe wünschenswert; doch bleibt zu beachten, daß es stets längerer Zeit bedarf, bis eine Besserung auf dem Geldmärkte auch in den Ergebnissen gcwcrolicher Tätigkeit ihren Niederschlag findet. — K r a n k e n k a s s e n - I u b i l ä u m. Auf daS 25 jährige Jubiläum einer für seine Mitglieder segensreich gewordenen sozialen Tat kann in diesen Tagen der Verband Deutscher H a n d l u n g s g e h ü l f e n zu Leipzig zurückblicken. Er schuf 1883 eine mit Freizügigkeit ausgestatlete Kranken- undBc- g r ä b n i s k a s s e, die sich schnell zur größten tauimännischen Krankenkasse enlwickeUe. Sie umsaßt heute über 42 000 Mitglieder, j die Hälite aller Mitglieder des Leipziger Verbandes. In ihren 6 Klassen zahlt sie Krankengeld von täglich 1 bis 5 Alk. bis 511; einem vollen Jahre, freie ärztliche Behandlung für 26 Wochen, außerdem Begräbnisgeld von 50 bis 300 Mk., sie übertrifft daher in ihren Leistiingen bei weitem die fogeiiaiuucu Zwangstrankenkassen, dabei erhebt sie fast durchiveg ivesentlich mebrigcrc Beiträge als diese. Auch bei den Prinzipalen findet die Kasse immer mehr Beachtung. Zahlreiche Firmen übernehmen für ihr männliches Personal die Beiträge ganz oder wenigstens zu einem Drittel (wie bei den Ortskrankenkassen) und verhelfen ihren Angestellten bei einer eigenen gleichzeitigen klemen Ersparnis dadurch zit einer günstigeren, wertvolleren Krankenversicherung. Ter Mitgliederzugang der Leipziger Kasse betrug im letzten Jahre 6529, die SDhtgliebcr verteilen sich auf 3018 Orte, von denen m 510 Orten Veiwaltungs- oder Zahlstellen bestehen. Das Kassenvermögen beträgt über 850 000 Mark. Rach dem letzten Jahresberichte entfielen auf je lOu Per-! fönen 102 Erkrankungen überhaupt, von bene» 24,5 Erwerbs-lln-l sähigkeit zur Folge hatten. Arbeitsunfähig krank waren 34 Mit-; glieöer über 52 Wochen lang, 132 über 26 Wochen, 296 über 13 Wochen und 703 über 6 Wochen. Tie Auszahlungen für Kranken- unterstützungen erforderten 979 384.80 Alk. und für Begräbnisgeld 24 864.50 Pik, die Kasscnleistungeu haben also eine Million jähr-. lich überschritten, ärztliche Behandlung, Arznei mib Heilmittel erforderten eine halbe Million. Die Gefamtausmhluugen nirKrankcn- iiiiterstützuiigen und Begräbnisgelder feit Bestehen der Kasse betragen mehr als neun Millionen Mark. Gießener Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung für .ycfielt am Sonntag den> 5. Juli: Meist wolkig. Geringer Regen. Temperatiir ivie heute. Mnllcr'sche Badeanstalt. W a f f e r io ä r m e der Lahn 19 °R. OrigLttaL-DrahLmeldungeu. Linz, 4. Juli. Im Selztal wurde em Kutscher von! einem Automobil des Barons Maximilian Berg über-i fahren und sofort getötet. Fiume, 4. Juli. Die Kapitäne und Maschinisten] der ungarisch-kroatischen Schiffahrtsgesellschaft beabsichtigen! wegen Nichtbewilligung von Forderungen in den Streik zu treten. Budapest, 4. Juli. Gestern abend ging über diel Stadt und Umgegend ein schweres Unwetter nieder,! welches bedeutenden Schaden anrichtete. Der Blitz tötete- ein neunjähriges Mädchen und mehrere Personen wurden! lebensgefährlich verletzt. fÄQ* sstamiead 'billig Ausverkauf. Frarf; änrtea* Schuhlager G iessen Mäusburg 12 Telephon Ö39 BEF'. I HUI MM8WII Hill I <11 Beachten Sie die Schaufenster! Zum Jugendfest empfehle elegante Kiuderkleider in weitz Seidenbatist,Wollbatist,Mouffeline, Marine, Wolle und Leinen in grotzer Auswahl zu sehr billigen Preisen. Auch laste dieselben chic und geschmackvoll in kürzester Zeit anfertigeu. « 4119 8. Samet, Bahnhofstr. 8. Kreis Mittelrhein. Deutsche Tnrnerichast. Gau Hessen. Turnverein Lang-Göns. Programm zu dem am 4., 8. und 6. Juli 1908 stattsindenden 10jährigen Stiftungs-Fest verbunden mit __ __ Banner - ELeihe. Samstag, den 4. Juli: Nachmittags von 7 Uhr ab: Empfang der auswärtigen Gäste. Abends b*/i Uhr: Aufstellen des Fackelzuges und Umzug durch den Ort nach dem Festplatz. Bon 0 Uhr ab: Akademische Jeter aus dem tzestplatz, BegrützungS- Ansprache, Konzert, Gesangsoortrage und turnerische Aus- sührungen. Sonntag, den 5. Juli: Morgens 6 Uhr: Weckruf. Bon 7 Uhr ab: Empfang der auswärtigen Gäste. Bon 11 Uhr ab: Konzert aus dem Festplatz. '/,2 Uhr: Ausstellung deS Festzugeö in der Niederhoferstraste und Umzug durch die Stratzen des JestorteS nach dem Festplatz. Begrüstungs-Ansprache, Festrede, Ueberrcichung deS von den Frauen und Jungfrauen der Gemeinde geitifleten Banners, Gesangsvorträge der hiesigen Vereine, Stabübungen, Muster- riegenlurnen der auswärtigen Beretne, Konzert, Tanz-Vergnügen, Volksbelustigungen. 6 Ubr: Aufführung von Trachten-Reigen. 7 Uhr: Verteilung der Ehrentafeln. Bei eintretender Dunkelheit: Marmorgruppen, Pyramiden. Montag, den 6. Juli: Vormittags 10’/. Uhr: Frühschoppen-Konzert auf dem Festplatz. Nachmittags 2 Uhr: Festzug. Auf dem Fejtplatz: Schauturnen. Allgemeines Volksfest. 4101 Die Fest-Musik wird auögeführt von der Kapelle des 2. Grohh. Hess. Drag.-RegtS. „Kaiser Nikolaus II" Str. 24 unter persönl. Leituilg des Herrn Ptusikdtrekt. Rühlemann. Eintritt 20 Pfg.Dauerkarte 30 Pfg. Tnrnverein Grossen-Buseck. Samstag, den 11., Sonntag, den 12. und Montag, den 13. Juli l. IS. Feier des 9jährig. Stiftungsfestes verbunden mit Fahnenweihe. W* Festplatz: Festwiese am Babnbof. ES ladet ergebenst ein 4113 Ter Fcstausfchutz. Zu vorstehendem Feste halte ich mich als Festwirt bestens empfohlen.__________________________________Heinrich Brück. Lcihgcstmm Kirchweihfest. Am 5. und 6. Juli auf der Rindsmühle Tanzmusik int Freien und im Saale. 'Es ladet ergebenst ein der Wirt 4102 H. Seipp. Sonntag, den 5. und Montag, den 6. ds. Mts. findet Kirchweihfest in Leihg estern statt, wozu ergebenst einladet Philipp Arnold, Leihgestern, Gasthaus zum Löwen. Für gute Speisen und Getränke wird bestens gesorgt. ff. Friedel & Asprion Bier. - - ■ »- -------- Bauer scher tiesang-Verein. Der laut Karte auf den 12. Juli bestimmte Fainiiiknausftug nach bttSaulbiirg u. fjomtori) findet bereits am 5. Juli statt. Abfahrt 62± vormittags. Ter AuSstug findet bei jeder Witterung statt, für Nachzügler Hotel „Zum Römer", Homburg. Die Mitglieder werden, gebeten, sich möglichst frühzeitig an der Fahrkartenausgabe emzunnden. vi/7 ________________________________Der Vorstand. LitkSss | MÄW gegr. 1837. Hoflieferanten. gegr. 1837. Filiale Giessen, Seltersweg 58 Bleu eräff awn g. Niederlage Schulstraste 5 igegenüber von Salomon & Eo s 4120 Deutsche, Havana- u. Manill>i-Cigarren, Cigaretten Importen. Lthlitisliitr WohliiillgsilachivciS töicjjtn. Gartcnstratzc 2, Zimmer 2. tGeschästoilunden uou 8—1 und vou 3—C Uhr.) 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Es iliwcn Aroeit: r „ BVt 1 Buchbinder, 1 Heizer, 2 Installateure, 2 Eifendreher, 3 Bausch tosser, 1 Maschinenschlosser, 1 Mechaniker, 1 Polsterer und Tapezierer, 1 Hausdiener, 6 Arbeiter, 3 Lau ffrauen, 1 Waschfrau. Lehrlinge: 1 Schlosser. Um mein Lager in Strobbüren, Listcrröckcu und Loden zu räumen, gebe ich die Sachen zum Einkaufspreis ab. Versäume daher Niemand diese günstige Gelegenheit. Job. Borneck, Löwengasse 20, VcrMtei^ernng. Montag, 6. d. Dl., nachm 2'/.Ubr sollen dahier Walllorstratze 6 «Darmstädter Haus) 1 Marmorplatle, 2 Stämme Werkholz, 1 Dtille Zigarren, 5 Pferdegeschirre, 8 Handkoffer, 8 Dutzend Strohhüte, 1 Ladeneinrichtung, 1 Warcnschrank, 1 Warenreal, 1 Kastenwagen, 3 Pferde, 1 schott. Schäferhund, 1 Holzschneiderei- flauer, 1 Piano, 1 Säbel in. Stahl- scheide, 15Bande,WagnersLericon 1 Handbuch f.Kaufleute,2Bieriuft- pumven,13Dtz.Messinflwaflschalen 3 Handelswagen, 2 Drehbänke, 1 gr. Partie nbosstra»,e62. II e r k ö u f r Gut erhaltener Pctroleumberd zu verkaufen. 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Stfnagrap^n=Drnin Zlchc-Zckrry, Öit^tn. Abfabrt zum Bezirksiest in Herborn Sonntag vormittags 6." und 10 " Ubr. (v«/r Dienstag abend wichtige Besprechung. Z.ahlreicheBetetligung dringend erwünscht. ____________Ter Vorstand. F- G. F. Montag, d. 6. Juli 1908. abends präzis 8'/, Uhr, Hanptnbnng. ve/J Das Kommando. KuWereio Meo. Sonntag den 12. Juli, nachmittags von 3 Uhr ab, Grstzes Mcnjeji in den Gartenanlagen des Hrn. Beiz, Zum Pfau, Neustadt, verbunden mit Mnnjert unü ian» im ßfrcicn. Grotzes Preiswerfe« abends grofic Illumination bei Gartens. (v4/, Eintritt pro Person 20 Pfg^ Militär 16 Pfg. Um zahlreichen Besuch bittet Ter Vorstand. mtHjj-MuiiSiu n Vf’h)