cua Die heuLige Nummer umsatzt 10 Seiten Babenhausen Nieder-Namstadt Neu-Isenburg Mühlheim (Offenbach) Bretzenheim Buden heinl zu entfliehen, wurden aber von Schutzleuten durch 9ie- volverschüsse getötet Konstantinopel, 28. Ian. Da der türkisch- montenegrinischeGrenzstreit gütlich Beigelegt wurde, ist der rnonten^r mische Gesandte hierher zurück- gekehrt Sofia, 28. Jan. Man spricht von der bevorstehenden Ernennung eines Ge s ch ä f t s m i n i st e r iu m s mit General Paprikow und Stamtschew. Peking, 28. Jam Ein kaiserliches Edikt ernennt den kürzlich auf zwei Jahre beurlaubten General-Zollinspektor Sir Robert hart zum Staats Mini st er und seinen Adlatus Sir Robert Bredvn zu seinem itellvertretenden Nachfolger. Tokio, 28. Jan. In dem japanischen Abgeordneten- hause teilte Graf tzayaschi, der Minister des Aeußern, mit, daß die F-rage der japanischen Auswanderung nach Kanada endgültig geregelt sei. Japan stimmte einer Beschränrung der Auswanderung in angemessenen Grenzen zu, die schriftlich festgelegt würden. Ver- tragliche Rechte seien indessen von Japan nicht zugestanden worden; sein Prestige habe daher keine Minderung erfahren. Ausland, Paris, 28. Jan. Der Kacdinalerzbischof von Paris, Richard, ist heute früh gestorben. Er war 1886 zum Erzbischof und 1889 zum Kardinal ernannt worden. Geboren 1819 in Nantes, wurde er zunächst Domherr, dann Geueralvikar von Nantes und 1871 Bischof v?".Velley. 1875 tvurde er Koadjutor des Erzbischofs von Paris mit dem Rechte der Nachfolge, indem er zum Trtular- blschof^ von Larissa befördert wurde. Er hat somit beinahe 33 Jahre an der Leitung und 22 Jahre an der Spitze der Erzdiözese gestanden. Odessa, 28. Jan. Der Polizei gelang es, zwei von den an der Explosion auf den Dampfern „Grigori Nerk" und „Ujadag" beteiligten Anarchisten zu verhaften. Ber der Ueberführung in das Gefängnis versuchten sie Deutsches Reich. Berlin, .28. Jan. Das Abgeordnetenhaus begann heute die zweite Beratung des Justizetats. Minister Beseler erklärte gegenüber Wünschen aus dem Hause, es sei eine Ergänzung und Verschärfung der Referendar-Prüfung geplant. Die Zivil-Prozeß-Novelle liege noch beim Bundesrat. Sexuelle Fragen gehörten nicht in öffentliche Versammlungen. Der lveitgeh'ende Wahrheitsbeweis in Beleidigungssachen müsse gesetzgeberisch eingeschränkt werden. Ein dahingehender Gesetzentwurf sei in Arbeit. Morgen werden die Beratungen fortgesetzt. poLitssche Tagesschau. Schluß der Marokkointerpellatiou. Die französische Kammer setzte gestern die Besprechung der Interpellationen über die Marol'koftage fort. Die Tribünen sind weniger stark besetzt als gestern. Der Deputierte H u b - b a r d sprach zunächst die Hoffnung aus, daß Frankreich, das seine Truppen aus Marokko zurückziehe, diese nach der Seeseite und nicht nach dem Innern zurückziehen werde. Redner weist alsdann auf die Algecirasakte hin, in der die Frage eines Thrvnprätendenten von scherifischem Geblüt nicht behandelt werde. Frankreich dürfe nicht in die Lage versetzt werden, sich zu Gunsten des einen oder anderen Sultans auszusprechen; in der Algecirasakte sei nur Abdul Asis anerkannt worden. Die Thronprätendentcnfrage sei für Frankreich sehr heikel und müsse mit großer Vorsicht behandelt werden, um Abenteuer zu vermeiden. — Graf Boni dc Castellane meint, es wäre nützlich, vor allem D e u l s ch l a n o zu sondieren, da die Fassung der Akte von Algeciras besonders auf den Einflust Deutschlands zurückzuführen sei. Uebrigens sei die marokkanische 'Frage sehr ernst, da sie für die auswärtige Politik aller Mächte von großer Tragweite sei. — Denys Cochin ersucht Pichon, nicht zu sehr zu zögern, die notwendigen Verstärkungen nach Marokko zu senden. Der Minister könne sich hierüber mit den übrigen Mächten verständigen. Selbst Deutschland dürfte, so meinte Reb- ner, kein Gegner einer energischen Aktion sein, da es eine solche bisher befürwortet habe. — Hierauf erhält der Abg. Jaurös das Wort. Jaurös erklärt, er sei stets gegen eine militärische Aktion in Marokko und ein begeisterter Anhänger des fran- zöfisck)-englischen Einvernehmens gewesen. Niemand könne sagen, ob er sich getäuscht habe; denn die Politik der friedlichen Durchdringung sei ersetzt worden durch eine Eroberungspolitik. Jaurös blieb bei seiner früheren Ansicht, daß eine Annäherung Frankreichs n n d Deutschlands für den Frieden von Europa notwendig sei. Die Würde eines großen Landes erheische es, Uebcrraschungen wie die bei Fa- schoda und Tanger zu vermeiden. Jaurös verlas Briefe des Dr. Mauchamps, in denen dieser von seinen offiziösen Schritten zu Gunsten Muley Hafids Mitteilung machte und am 22. Januar v. Js. erklärte, von Pichon vollständige Erfüllung seines Verlangens, nämlich Garantie für die Person und den Besitz Muley .Hafids, und außerdem das Versprechen eines Geschenkes als Zeichen des Einverständnisses erreicht zu haben. Jaurös schloß daraus, Muley Hasid habe sich unter den Schutz Frankreichs gestellt, weil er den Wachsen fürchtete. Hier unterbrach Pichon den Redner und sagte: Sie fangen an, uns einen Roman zu er >lcn. Frankreich fürchte sich nicht vor einem Kriege; es wolle aber den Frieden, gegen den auch die englisch-fränzöfische Entente sich nicht richten dürfe. Ueberlassen wir die Führung lserer Entente cordiale nicht den Unruhestiftern, nicht denjenigen, tue den wirtschaftlichen Kampf zwischen Deutschland uird 2 n g l a n d mit Kanonen ausfechten wollen. Pichon wiederholte, daß d'Amade die Instruktion habe, sich nicht in bie inneren Angelegenheiten Marokkos zu mischen, un/' keinen Unterschied zu machen zwischen den Stämmen, die ihn bet’ ii’.-ien; fernerhin den französischen Fahnen Achtung zu verschissen uni) _ bic Beruhigung des Schunja-Stammes herbeizu- führen. (Beifall.) Darauf erklärte sich Pichon mit der folgenden Tagesordnung des Abg. Dubief einverstanden: Die Kammer beschließt, daß die Algecirasakte eingehalten und die Verteidigung der Rechte und Interessen Frankreichs in Marotta ohne Einmischung in die innere Politik des Scher ifisch en Rercyes sichergestellt werde. Ferner billigt die Kammer die Erklärung der Regierung und spricht dieser ihr Vertrauen aus. Eie beschließt die Absendung einer Glückwunschadresse der Nation an die in Afrika kämpfenden Offiziere und Mannschaften. Diese Tagesordnung wird mit großer Mehrheit angenommen. Daraus wird die Sitzung geschlossen. ** Lehrerpersonalien. Uebcrtragen wurde dem Lehrer Hch. Rausch zu Groß-Winternheim eine Lehrer» stelle an der Gemeindeschule zu Büdesheim (5tt. Friedberg). Erledigt ist die mit einem evang. Lehrer zu besetzende dritte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Kö n i g. Dem Fürsten uni) Grafen zu Erbach-Schonberg steht das Prüfen- tationsrecht zu. ** Erledigt ist die St eu e r k o m m i s s ä r st e lle des Steuerkommissariats Mainz I. ** Ruhestand sversetzu ng. S. K. H. der Groß. Herzog haben den technischen Assistenten bei der Bade, direktion und dem Tiefbauamt Bad-Nalcheim Bauinspekto^. Zunahme 27.7 Proz. 26.3 „ 24.2 „ 23.5 ,, 23.6 „ 23.0 „ Paris, 28. Jan. Sämtliche Morgenblätter besprechen aus- suyrllch die gestrige Rede Pichons in ber Kammer. Auro re sagt, Pichon hat in seiner Ecktärung bekräftigt, daß bie aus- tür.rtigc Politik gegen Niemanden gerichtet sein dürfe, daß sie Ni emanden isolieren und daß sie nichts anderes bezwecken dürfe, als neue Bande des Frwdcns anzuknüpsen. Radicale schreibt: die klare und loyale Rede Pichons habe die Kammer überzeugt. Das Blatt ist der Ansicht, daß die Rede überall dieselbe Wirkung > haben werde. Humauitä meint, de gestrige Sitzung habe Europa Gelegenheit gegeben, sein nach der Siebe Tclcass^s über- eilt gefälltes, Urteil zu rektifizieren. L' Action schreibt: der Sccoe ^elcasses, bie der Widerhall eines aggressiven Nationalis- nrus Ivar, steht die Rede Pichons gegenüber, als die starke und überlegene Bekräftigung der demonslrativen und friedlichen Politik, die im Wachstum begriffen ist. Die letzte Volkszählung hat wieder einen neuen Beweis dafür erbracht, daß der ländliche Charakter der deutschen Bevölkerung im rapiden Schwinden begriffen ist. Im Jahre 1871 betrug die Einwohnerzahl der ländlichen Gemeinden (d. h. hier immer der Gemeinden von weniger als 2000 Einwohnern) 63.9 Proz., dagegen im Jahre 1905 nur 42.6 Proz. In einzelnen Landesgebieten, z. B. in Westfalen, Rheinland, Königreich Sachsen ist der Anteil der ländlichen Bevölkerung fast bislauf die Hälfte gesunken, in Westfalen B. von 51.2 auf 23.5 Proz. Das ganze starke Wachstum der deutschen Bevölkerung von 1871—1905 bezieht sich auf die In fas, en von städtischen Gemeinden (mit 2000 und mehr Einwohnern). Jrn Groß- herzogtum Hessen sank dagegen der prozentuale Anteil der ländlichen Bevölkerung in den fünfjährigen Zählungsperioden seit 1871 von 64.1 auf 42.8 im Jahre 1905. Während die städtische Bevölkerung von 306 540 im Jahre 1871 auf 696 430, also nm ca. 125 Proz. im Jahre 1905 gestiegen ist, verminderte sich die ländliche in derselben Zeit von 546 354 auf 512 745 Köpfe. Am stärksten war die relative Bevölkerungszunahme in den Kleinstädten und den Hauptstädten Darmstadt, Worms, Mainz, Offenbach und Gießen. Der Anteil der letzteren städtischen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung stieg von 244 pro Mille auf 254, der der Kleinstädte sogar von 96 auf 140. Dagegen sank der Anteil bei den Landgemeinden von 100 bis 500 Einwohnern von 113 auf 103 pro Mille, in den Orten von 500 bis 1000 Einwohnern von 171 auf 156 und in den Gemeiirden bis zu 2000 Einwohnern von 176 auf 162. Entsprechend der Veränderung der Gesamtbevölkerung verschob sich die Bevölkerungsdichte, d. h. die Anzahl der Bewohner pro Quadratkilometer. Diese stieg seit 1871 von 111.0 auf 157.3 pro Quadratkilometer. Natürlich kam dieses Wachstum vornehmlich ebenfalls den städtischen Plätzen zugute. Es waren, abgesehen von den Hauptorten, am dichtesten bevölkert die Kreise Bingen (215.35 Bewohner auf den Quadratkilometer), Bensheim (15a.97) und Oppenheim (140.91), am spärlichsten dagegen die beiden oberhessischen Kreise Lauterbach (54.45) und Schotten (58.72). Im einfrcütcn wiesen das stärkste Wachstum im letzten Jahrfünft folgende Gemeinden auf: Die Verschiebung der §LM- rnö Landbevölkerung in Hessen. Von Alfred Moeglich -Wiesbaden. Nachdruck verboten. Es ist eine feststehende und immer deutlicher zutage tretende Erscheinung, daß die ländlichen Ortschaften ab- uehmeu, die Städte nnb stadtähnlichen Gemeinden dagegen anwachseu, einzelne in besorgniserregender Weise. Die Be- beutnng dieser Tatsache ist bisher viel zu wenig gewürdigt worden. Durch die Verschiebung der Bevölkerung wird die innere Konstruktion des Staatswesens vollkommen verändert. Es ist ein großer Unterschied, ob die Stärke eines Staates in den Städten oder aus dem flachen Laqde wurzelt. Unsere heutige Staatsverwaltung ist noch auf eine Zeit zu geschnitten, in ber die Landbevölkerung gewaltig überwog. Aber nicht nur nach der Kopfzahl, sondern auch nach ihrer sinoglzielleu K'-aft erhält die städtische Bevölkerung immer mehr das Uebergewicht, und das Staatsleben muß dieser Erscheinung Rechnung tragen. Es geht nicht an, daß ein Staat, dessen Bevölkerung überwiegend in den Städten wohnt und arbeitet, von Sa nb jun fern oder von Leuten mit landjunkerlicher Aufsassungsweise regiert wird. Mag da vielleicht auch der beste Wille vorherrschen, so muß es doch zu mannigfachen und schwer schädigenden Mißgriffen kommen, weil niemand aus seiner Haut heraus tarnt. Daß dem so ist, beweisen ja die Verhältnisse täglich. Die Rechte der Stadioevölterung werden immer wieder zurückgedrängt gegen die Bevorzugung des flachen Landes. Ein Gutes hat diese ungleichmäßige und ungerechte Behandlung ja insofern gehabt, als dadurch die Selbstkraft in den Städten zur Blüte gebracht wurde. Es geht den Städten, wie den Menschen; je weniger man ihnen von außen Hilst, je mehr man sie aus die eigene Kraft verweist, desto mehr bef innen sie sich auch auf diese eigene Kraft, erproben sie und bringen sie zur Geltung und Fruchtbarkeit. Umgekehrt ist es da, wo überall der Staat als fürsorgender Vormund, ja als Amme auftritt. Da wird die Selbstentwicklung mit Gewalt unterbunden. Nr. 24 Der Gießener Anzeiger rrichernl täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich Lietzener§amiUenblätler; iwe!nialwöchentl.Krei5> , la« für den Ureis Gießen ÄZ Verantwortlich Gemral-AMger für Oberhessen WZ aotfltionsOriKt und Verlag derVrühl'schen An.s.-Vuch- und Steindruckerei. R. Lange. Redaktion. Erpedition und Vruckerei- SLuIktrake ?. mi ->°n ‘ 1 u Anzetgenteil: H. Beck. 1900 1905 2255 2862 1604 2021 8045 9938 4378 5418 3810 4697 1830 2250 Burkhard i bei auf sein Nachsuchen unter Verleihung des Charakters als Baurat in den Ruhestand versetzt. *♦ Die letzte Sitzung des Hessischen Landwirt- schaftsrats sand am Dienstag in Darmstadt unter dem Vorsitz des Geb. Regierungsrats Haas statt. Der Vorsitzende konstatierte, das; die Organisation ea. 36 Jahre im Interesse der Landwirtschast gearbeitet habe. Im Prinzip war die Auslösung schon früher beschlossen, es galt nur noch den Termin zu bestimmen, nachdem die Rechnung abgeschlossen war. Der Wert des Vermögen? ist Mk. 9209. Als erster Punkt der Tagesordnung wird dann durch den Generalsekretär Dr. Müller die Rechnung für die Landwirtschaftliche Landes- und Jubiläumsausstellung in Main; festgestellt. Tie Einnahme beträgt Mr. 203 757.85, die Ausgabe Mk. 192 027.13, so daß ein lieber,chuß von Mk. 11 730.62 verbleibt. Hierzu kommen noch einige, em- gegangene Posten, so daß ein Gesamtüberschuß von Mk. 13 138.82 vorhanden ist. Es wird beschlossen, nach Abzug der Regierungsvorlagen von Mk. 2662 den Rest an die Provinzialvereine gleichmäßig zur Verteilung zu bringen. Ein Antrag, den Prvvinzial- vereinen nahe zu legen, daß die ihnen überwiesenen Beträge von der Landwirlsckmftskammer zu beftimmten Zwecken, wie Ausstellungsfonds, Versicherungsfonds usw. Verwendung finden, wird gegen 4 Stimmen abgelehnt. Es folgt die Vorlage der Rechnung für das Jahr 1L06/07. Diese wird einstimmig genehmigt, ^ür die noch zii erledigenden Gegenstände wurde eine Kommission gelvählt, die aus dem Vorsitzeirden, bent Vizepräsidenten Oekv- nomieret Dettweiler und de:n Vizepräsidenten für Oberhellen Abg. Korell besteht. Hierauf wird die definitive Einstellung, der Tätigkeit der Landwirtschaftskammer beschlossen. Zum Schluß spricht der Präsident allen, die im Interesse des Landwirt- schaftsrates mitgearbeitet haben, Dank aus. Oekonomierat W a I - rher dankt dem Präsidium und insbesondere dem Präsidenten Haas für seine umsichtige Leitung der Geschärte. Prof. Dr. Gisevius dankt int Namen des Landwirtschaftlichen Jnrtituts. Oekonomierat Göthe spricht ebenfalls seine Freude über die Tätigkeit des Landwirtschaftsrats aus. Oberregierungsrat Dr. Heinrichs sprach dankende Worte im Namen der Negierung. "Die fa Ischen Elektrizitätszähler. Herr Jn- stallationsmeister i. P. Wille schickte uns vor einigen Tagen eine sogen. Richtigstellung zu unseren Ausführungen über seine Eingabe an die Stadtverordneten-Versaminlung, deren Abdruck wir ablehnten, weil wir der behördlichen Untersuchung der Sache nicht vorgreifen wollten und die Darstellung des Herrn Wille fehr einseitig und nicht objektiv mar. Herr Wille hat nunmehr seine „Richtigstellung" in der „Oberhess. Volkszeitung" veröffentlicht. Wir teilen hierzu mit, daß wir keine Veranlassung haben, von unserem oben gekennzeichneten Standpunkt abzugehen. ** Der Verein der Hausbesitzer hielt gestern abend im Hotel Schütz seine ordentliche Generalve-r- sammlung unter der Leitung seines 1. Vorsitzenden, Fabrikant Jnderthal, ab, die recht gut besucht war. Nach einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden, in der er betonte, daß der Hausbesitzervcrein nicht Sonderinteressen, sondern beit Interessen der Allgemeinheit dienen^ wolle und den Wohnungsnachweis empfahl, erstattete der Schriftführer Kaufmann Ringel den Jahresbericht. Nach ihm wurde der Verein am 23. Januar v. I. gegründet. Es wurden 16 Vorstandssitzungen äbgehalten, in denen die Vereinsinteressen kräftig gefördert wurden. U. a. wurde ein Mietvertrag und eine Hausordnung ausgearbeitet und ein Wohnungsnachweis eingerichtet. Der Verein leistete beim Universitatsfest durch seinen Wohnungsausschuß Dienste. Ter Bericht erwähnte die Beteiligung bei der Stadtverordnetenwahl und bei der Entwickelung der Kanal- gebührenfrage, bei der die Tätigkeit des Vereins nicht ganz vhne Erfolg geblieben sei. Die Mitgliederzahl ist nunmehr ,-cruf 286 angewachsen. Die Mchmmgsablage ergab, wie !errn Passermann in Essen adressiert war und diesem mitteilt, daß er sich vor Bomben in Acht nehmen solle, wenn er nicht 3000 Mk. sende. Ein ähnliches Schreiben war an Herrn Thyssen in Mülheim a. Rh. gerichtet. Der Gutsbesitzer Henryk Werner wurde auf seinem Gute Bielins .bei Tomassow (Polen) von einer Banditenbande mitsamt seiner Frau und seinem sechsjährigen Söhnchen getötet. Die Banditen verwundeten die Dienerschaft, beraubten das Wohnhaus unb entkamen. „ InBoston erhielt eine Gasthansmagd namens Georgine Smythe von einem Rechtsamvalt die Nachricht, daß ihr eine Erbschaft in Höhe von 200000 Dollar zugeiallen sei. Ihr Anspruch aui diese Erbjchait gründet sich darauf, daß sie ein Nachkomme des engt. Königs Georg IV. aus dessen morganatischer Ehe mit der Fitzherbeit ist. Neichsgerichtsbries. Nachdruck verboten! I. S. Leipzig, Januar 1908. Von der Aufsichtspflicht der Eltern über die Kinder. Ein bedauerlicher Unfall ereignete sich am 4. Juni 1905 in Berlin dadurch, daß der mit einem Tesching spielende 15- jährige Sohn der Bäckerssrau P. eine achtjährige Schulkameradin durch einen Schuß in den Kopf verletzte. Die Kugel war durch das Kleingehirn gedrungen, und an der andern Seite des Schädels sitzen geblieben. Dies hatte bei der Verletzten Sprach- und Schstörungen zur Folge, wofür sie den P. und dessen Mutter auf Schadloshaltung in Anspruch nimmt. Tie Klägerin fordert außer Sckfadloshaltung für den ihr erwachsenen Schaden noch ein Schmerzensgeld in Höhe von 1000 Mk. Tas Landgericht Berlin ertminte die Schadensersatzansprüche der Klägerin dem Grunde nach für gerechtfertigt an und verurteilte den P. und defsen Mutter auch zur Zahlung ber geforderten 1000 Mk. Schmerzensgeld. Die Mutter habe ihre Aufsichtspflicht insoweit verletzt, als sie den Knaben, der mit Knall- büchsen zu spielen gewohnt war, und damit schon andere Kinder bedroht halte, dies nicht untersagt und ihn in dieser Beziehung nicht genügend beaufsichtigt habe. Auf die Berufung ber Beklagten wurde das Urteil des Landgerichts vom Kanmier- gericht zu Berlin nur inbezug auf den minderjährigen P. bestätigt, dagegen die gegen Frau P. aus Grund der Beaus- sichtigungs pflicht gerichteten Ansprüche ab gewiesen. Tas Kämmergericht stellt fest, daß der Knabe biSIjer nur mit ungefährlichen KNallbüchsen, die mit Papier geladen waren, gespielt habe, die beklagte Mutter aber nicht habe wissen können, daß er an dem Unfalltage sich ein Tesching zulegen würde. Tarin, daß sie den Knaben mit langen Pansen habe umher laufen lassen, anstatt ihn zu beschäftigen, liege eine Vernachlässigung der Aufsichtspflicht nicht. Tie von der Klägerin gegen das kammergerichtliche Urteil eingelegte Revision hatte keinen Erfolg und wurde vom 6. Zivilsenat des Reichsgerichts zurückgewiesen. Das Reichsgericht führt aus, daß eine Haftpflicht ber Frau schon deshalb nicht eintreten könne, iveil auch bei gehöriger Aufsicht dieser Schaden nicht vermieden worden wäre. Daß an einem Sonntag nachmittag der Knabe beim Ausgehen sich mit seinen Kameraden ein Pistol kaufen und ehe er nach Haufe kommt auf ein Mädchen schießen werde, habe die beklagte Mutter beim besten Willen nicht verhüten können. Wenn der Junge bisher oft mit Knallspiel- zeug umgegangen sei, so sei das was ganz anderes und könne die Beklagte deshalb nicht wegen Vernachlässigung der Aufsicyts- Pflicht verantwortlich gemacht werden. Uileversitäts-NachrLchtr-L. — Ter Professor der Stgglswissenschaileii nn ber Universität Straßburg Wittich bat den an ihn ergangenen Ruf als ordentlicher Professor an der technischen Hochschule in M ü nchen endgültig a b g e l e h n l. Mrche smfc Schule. Schweidnitz, 25. Jan. Aus Anlaß ber 200jährigen Jubelfeier des hiesigen Gymnasiums fand heute em Festakt statt, zu dem auch der frühere Kultusminister Dr. v. Studt erschienen war. Ein Ober-Regierungsrat überreichte als Jubelgabe ein großes Bild des Kaisers. Im Namen der ehemaligen Schüler überreichte Direktor Tamm aus Montabaur eine Jubel- gäbe von 2527 Mk. zur Beschaffung einer Orgel für die Aula. handel. — Heizwert der K ohle n. Ein Vorschlag zu einer Uingeftaltung des Kohlenhandels wird von der seuerungstech- nischen Abteilung des Berliner Instituts für Gärungsgewerbe gemacht. Zahlreiche Kvhlenanalyfen aus den letzten Jahren, verglichen mit solchen aus früheren Jahren, zeigen, daß durchschnittlich die KvblenaualitLten hernulergegangen sind, so daß es sehr wohl möglich ersck>eint, daß die so enorm erhöhten Ausgaben für Llvhlen nicht nur durch die gesteigerten Preise bedingt sind, fonbern daß auch die verminderte Qualität der Kohlen daran Schuld trügt Es wird nun aufgefvrdert, daß künftig die Preisbemessungen bei Kohlen nicht nur nach der Sortierung geschehen dürfen, die keinerlei Gewähr für den inneren Wert der Kohlen, den Heizwert, bietet, sondern daß der Würmepreis, z. B. der Preis für 100 Millionen Wärmeeinheiten in Förderkohle als Grundlage für die Preisfestfetzung dienen soll. Ter Preis von Kohlen wird dann von Fall zu Fall aus der Analyse berechnet, die von einem zwisckien Abnehmern und Lieferanten vereinbarten Laboratorium vorgenommen würde. ♦* Konkurse in Hessen. Uebcr das Vermögen der Georg M e r b IL Witwe, Henriette geb. Habicht, in Schlitz wurde am 16. Januar das Konkursverfahren eröffnet. Orts- gerichtsvvrsteher Habicht in Schlitz wurde zum Konkursverwal- tcr ernannt. Kvnkursforderungen sind bis zum 5. Februar bei dem Amtsgericht Schlitz, anzumelden. — lieber das Vermögen des Landwirts Lorenz Becker H. von Ensheim, z. Zt. unbekannt wo, wurde am 23. Januar das Konkursverfahren et«. oinict. Notariaisgehilfe Jakob Streuber von Nieber-Saul> heim wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konknrsfor- bcruitgen find bis zum 25. F-ebruar bei dem Amtsgericht an» zumelden. — Uebcr das Vermögen des Landwirts JakobWein- Heimer m M o n s hc i m wurde am 23. Januar das Konkurs- verfahren eröffnet, da d.e Ueberschuldung des Schuldners und seine ZahlungsnnfüHigkeit dargetan ist. Notariatsgehilfe H i tz e 1 in Pfeddersheim wurde zum Konkursverwalter ernannt. Kon- kursiorderungen sind bis zum 26. F-ebruar bei dem Amtsgericht Pfeddersheim anzumelden. — lieber das Vermögen des Metzgers und Fuhrmanns Christoph Peter Knaus von Tüdels- h e i m wurde am 25. Januar das Konkursverfakwen eröffnet Rechtsanwalt Fritz Ko ch in Büdingen wurde zum Konkursvn> Walter ernannt.! Kontursforberungen sind bis zum 17. F-ebruar bei bem Amtsgericht Büdingen anzumelden. Märkte. •th. Gießen, 23. Jan. Aui bem heutigen Rindvieh- marft waren zwischen 900—1000 Stück Großvieh und 150 Kälber ausgetrieben. Der Vorinarll Halle schon 'JJhtte ber vorigen Woche eingesetzt unb gute Unnütze in ostfriesljchen Milchkühen gezeitigt, die wie immer hoch bezahlt wiirben. Wider Erwarten war der Handel in Milch- und Zuchtvieh auf dem eigentlichen Marlt recht lebhaft, besonders m solchen Tieren, die der Mmel- und Kleinbauer braucht, doch trat gegen den letzten Markt eine Preissteigerung nicht em. Junge Zuchlrinder und Stiere, bie gesucht waren, fehlten am Markt io gut wie ganz. Für Fellvieh waren Käufer genug am Platze, doch mangelte es an ber rechien Kauflust, jo daß z. B. erstklassige Rinder, um unlerzukonimen, mit 9)1 f. 3 — für den Zentner A b s ch l a g verkauft wurden, so daß auch bei den größeren Tiefen ein Preisnachlaß nicht ausbleiden lomue. Ter Kalbermartt war schlechter ivie jck.lechl. Tie Frankfurter Einkäufer waren die ein- zigen Kunden, die für Kälber, ober nur bei sehr billigen Prellen Interesse hatten, so daß bc|le Ware teilweise mit 62 Mk. der Zentner Schllichtgewicht gekauft wurde. Ter heute Kälbermarkt zeigte erneu Tieflland des Preises, wie er seit Jahren nicht da war. Es wurden gehandelt das Stück Milchkühe 1. Qual. 480 —530 Alk. einzelne schwere Stücke bis 560 Mk., 2. Qual. 370—430 Mk', 3. Qual. 275—330 Mk. Bezahlt ivurden per Zentner Schlachtgewicht : Fette Rindcr 1. Qual. 67—69 Alk., 2. Qual. 64—66 Mk.' lette Kühe 1. Quai. 62-63 Mk., 3. Qual. 58—60 Mk.: Kälber I Qual. 59—63 Mk., 2. Qual. 55—57 Alk., 3. Qual. 52—54 Mk. stelle Ochsen kosten in der Gegend der Zentner Schlachtgewicht 76-77 Mk. in bester Ware. Tic Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch-- nnd Brotprcise am 27. Januar 1908. Höchste Schtachtviehpreise in Frankfurt a. 9)1. Fleischpreise in Gießen Ochsen Kalber Schweine 50 Kg. Schlachtgewicht 75—81 'Mk. ‘/, Kg.Schlachtgew. 92—95 Pi. 7? »_______u_____58—61_, '/, Kg. 82-88 Pfg. V, , 70—80 , V, , 70-84 , Getreidepreise in Mannheim Brotpreise in Gießen Weizen 100 Kg. 23.25—00.00 Alk. Roggen 100 Kg. 21.25-0 ,.00 Alk. Weißbrot 2 Kg. 62 Plg. Schwarzbrot 2 Kg. 58 Pfg. Gießener Wetterdienst. DoranHsichttiche Witterung für Hesten am Donnerstag den 30. Januar 1908: Zeitweise aufheilernd. Geringer Schnee. Nachls Frost. Ain Tage Teniperalur wie heute. Westliche Windei R. B. D armstabt, 29. Jan. Tie Zweite Stände- f a m m e r wird in ihrer heutigen Sitzung die noch spruchreifen Gegenstände der Tagesordnung so weit fordern, daß sie alsdann ihre Plenarberatungen einstellen kann, um von Donnerstag ab den verschiedenen K a m m e r a u s s ch ü s s e n für die Erledigung ihrer Arbeiten das Feld allein zu überlassen. Als erster wird der; Finanzausschuß feine Etatsberatungen wieder aufnehmem — Der Finanzausschuß der Ersten Kammer wirh gleichfalls am Donnerstag, 30. Jan., mit seinen Etatsberatungen beginnen. — Ferner nimmt am nächsten Donnerstag vormittag auch der S o nd e r au s sch u ß für die Verwaltungs-» g e sehr e form seine Beratung über die Regierungsvorlage/ die Städteordnung betr., wieder auf, um sie endgültig! sertigzustellen. An eine Verabschiedung der Landgemeinde- und ber Stöbteordnung noch in der gegenwärtigen Kammertagung, wie man es früher stark erhofft hatte, wird indessen trotzdem kaum noch zu denken sein. Mannheim^ 29. Jan. Der Rhein uitb der Neckar sint» seit gestern in beständigem ©teigen begriffen. Der Rhein iffc von 1.78 Mtr. auf 2.73 Mtr. gestiegen, der 92edar von 2.10 Mtr. auf 3.43 Mir. München, 29. Jan. In der bayerifchen Abge-i^ ordnetenkammer erklärte bei Beratung des Militäretatss der Stellvertreter des K r i e g s m i n i st e r s , Generakmajor Freih.^ von Speidel, daß versuchsweise bei sämtlichen bayerischen Truppenteilen die graue Felduniform mit Liegekragen und Halsbinde Angeführt werben soll. Wesentliche Aenderungen im Schnitt erfolgen nicht. Rom, 29. Jan. Tis vatikan-offiziöse Correspondetuüi Romana veröffentlicht einen Artikel, der auf eine tiefe Verstimmung der leitenden Kurienkreise über gewisse Kreise des deutschen Katholizismus schließen läßt. Zunächst zieht das Seibci-gan des Kärdinal-StaatssekretärÄ Merry del Val über den päpstlichen Hausprälaten Professor Ehrhardt in Straßburg her, dann bemerkt es aber, daß der Ehrhardt-Skandal noch verdoppelt werde durch die Berliner „Germania", die sich der glorreichen Tradition ihrer Begründer immer unwürdiger erweise. Jetzt setze die „Germania" aber ihrer zweideutigen Haltung gegenüber dem heiligen Stuhl die Krone auf, indem sie unter chmeichelhaften Worten für Ehrhardt den tadelnswertesten Teil von seinen Ausführungen abdruckt. Die Korrespondenz chließt: Diese Meuterei von Dilettanten der mehr oder weniger modernistischen Wissenschaft muß aufhören. Herein oder hinaus, die einfache Ehrlichkeit tierlangt das. Mailand, 29. Jan. Ter P ar i ser Co rresPo u den t des Blattes (Sortiere della Sera sendet diesem folgende Information: Ich bin in ber Lage, Ihnen die Erklärung zu übermitteln, bie ein Vertreter einer Großmacht, die ich nicht näher bezeichnen kann, aber nicht Italien ist, über die marokkanische Frage vor einigen Tagen gemacht hat, nämlich: Wenn Frankreich innerhalb 14 Tagen nicht ein vorsichtigeres! System eingeschlagen habe, so werde Deutschland Frankreich darauf anfmerffam machen, daß es sich nicht mehr imt Rahmen ber Akte von Algeciras halte und daß Deutschland eine neue marokkanische Konferenz einberufen werde, um die marokkanische Frage zu losen. Teutsch-^ land werde auch eine Konferenz einberufen, falls Mnley Hafid aus dem Kampf gegen Abdul Hafis als Sieger l-ervorgehe. Der Korrespondent fügt bmzu, daß er für die Richtigkeit feiner In-, örmation zu jeder Zeit cinstehen kann. Petersburg, 29. Jan. Die Angehörigen dec regierungsfreundlichen Dumapariei haben eine Einladung zum Zaren nach Zarskoje Selo erhalten. Angeblich wird der Zar denselben persönlich seine Wünsche mitteilen. Die Manne-Vorlage dürste vermutlich von der Duma, bewilligt werden. 655 Heuchelheim, den 28. Januar 1908. Die Beerdigung findet Donnerstag, nachmittag 4 Uhr statt. Todes-Anzeige. Verwandten, Freunden und Bekannten die schmerzliche Mitteilung, daff beute nachmittag 5»/, Uhr uiifer lieber Sohn, Bruder und Enkel Arthur Freitag nach kurzem, aber schweren Leiden im Alter von sechs Jahren sanft entschlafen ist. Um fülle Teilnahme bitten W Die trauernden Hinterbliebenen: W Familie L»arl Freitag Familie Wilh. Hofmann I. M Hochfeinste Nordsce-Schrlififche 1—Zpfündig per Pfund 45 Psg., feinste Norweger Angel- LchsUfische' per Pfund 38 Psg^ frische Brassen per Pfund 48 Psg., hochfeinen Cststim; gh»t Kexf tn ganzen Fisch v. 6—10 Psund, per Pfund 26 Psg., im Auöschn. 30 Pf., frischen Ämm per Pfund Mk. 1.00, frische Rotznngen per Pfund 40 Psg., Brat-Schellsrsche per Pfund 20 Psg., grüne Heringe, ;nm Kacken und Kröten per Pfund 14 Psg. empfehlen GtkMer Btrtox Bahnhofstraße 27. STMEELÖfTELAUF EINE TASSE HEISSE!! WASSERS. Geschäfts - Empfehlungen üetert dilliast BrW'sche Univerfitgtr-Druckerei, Gr'etzen. F e i b a n k. Heute und morgen Kuhfleisch 48 Psg. Schweinefleisch 46 Psg._______ Prima geräucherte Bücklinge zum Rohesten soeben frisch einge- troffen bei 660 August Wüllesfels 15 Marktplatz 15. mit Erat vernichtet radikal Rademachers Goldgeist. Patentamt!, gcsch. No. 75198. Geruch- u. farblos. Reinigt d. Kopfhaut von Schuppen, befördert den Haarwuchs, verhütet Zuzug von Parasiten. 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