Nr. 149 Viertes Blatt 158. Jahrgang Samstag 27. Ium 1908 Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. D,e „Etehener ZamiNenblStter- werden dem ,9lnytfler* viermal wöchentlich beigelegt, das „Krctsblatt für den Kreis Giehen" zweimal wöchentlich. Die „randwirtfchaftlichen Seit« fragen" erscheinen monatlich zweimal. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhejsen Rotationsdruck und Verlag der Drühl'schen Universitäts - Bilch- und Sleindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag.' 5L Redaktion:4^ TLl.-AdruAnzeigerGießen. Aus Statt und Land. Gießen, 27. Ium 1908. ** D i e großartige Eilt Wickelung unserer I n d u ftri e wird vielleicht durch nichts besser gekennzeichnet als durch die ununterbrochene Zunahme an Dampfkesseln. Im Jahre 1830 ist im Großherzvgtum Hessen die erste Dampfmaschine in Betrieb genommen worden, nämlich die in der Großh. Münze zu Darmstadt. Sie blieb bis zum Jahre 1838 die einzige. 1840 waren 9 (in Oberhessen 2), 1845 19 (4), 1850 34 (5), 1856 104 (18), 1862 280 (40), 1879 943 (220) und 1899 2408 (614) Dampfmaschinen jim Betrieb, während die letzte im Dezember v. I. vorgenommene Zählung 2969 (772) feststellt, darunter 181 (22) mit Ueberhitzern. Sie besitzen eine Heizfläche der Kessel von 120 570 qm und eine solche der Ueberhitzer von 6959 qm. Bon den oberhessischen Kreisen besitzen Dampfkessel Gießen 243 (Stadt Gießen 76, Landvrte 167), mit 6865 qm Heizfläche, Friedberg 202 mit 5972 qm Heizfläche, Alsfeld 93 mit 2412 qm Heizfläche, Büdingen 91 mit 1890 qm Heizfläche, Lauterbach 75 mit 1991 qm Heizfläche und Schotten 68 mit 1634 qm Heizfläche. Dazu kommen noch bei den 22 Ueberhitzern 685 qm Heizfläche. Von den 772 Dampfkesseln [in Oberhessen sind 322 feststehende, 449 bewegliche und einer ist Schiffsdampfkessel. Bange werks-Berufsgenossenschaft. Am30. d. Mts. findet im Hotel, Großherzog von Hessen", vormittags 10 Uhr beginnend, die ordentliche Delcgierten-Versammlung der Hessen-Nassauischen Baugewerks-Bcrufsgenossenschaft, die das Großherzogtum Hessen, die Negierlmgsbezirke Kassel und Wiesbaden und das Fürstentum Waldeck mnfaßt, statt, sowie am Vorabend, 29. d. Vits., gesellige Zusammenkunft des Genossenschafts-Verbandes, der Delegierten und Mitglieder. Es kommen sehr einschneidende Fragen zur Verhandlung, worauf wir die zahlreichen hiesigen und auswärtigen Mitglieder dieser Genossenschaft Hinweisen. •• Kun st verein. Die gegenwärtige Ausstellung, die — wie schon erwähnt — seit 14 Tagen neu ist, hat sich fortgesetzt eines regen Besuches zu erfreuen, was als Beweis gelten darf, daß die Arbeiten von Corrodi-Nom, I. G. Mohr-Frankfurt, H. v. Volkmann-Karlsruhe und die Original- zeichnungen von Mitarbeitern des Simplicissimus, wie Reznirek u. a., allgemeines Interesse finden. Gleichzeitig sei noch darauf hingewiesen, daß das Gemälde von Volkmann nur noch morgen Sonntag und Montag ausgestellt bleibt und voraussichtlich an Stelle der 1. Serie die 2. Serie Symplicissimus-Originalzeichnungen von Dienstag ab zur AriSflellung gelangt. "Die Sandgrube in Bad Salzhausen. Ein Antrag der Abgg. Dr. Weber und Erk, betr. die Wiederinbetriebnahme der fiskalischen Sandgrube zu Bad Salzhausen, der wegen des Landtagsschlusses nicht mehr zur Verhandlung kommen konnte, lautet: Durch Betriebseinstellung in der Sandgrube zu Bad Salzhausen ist die Beschaffung des erforderlichen Sandes für die umliegenden Dörfer außerordentlich erschwert worden, so daß lebhafte Klagen über die Verteuerung und Transporterfchwerung dieses in der Umgegend von Nidda seltenen Baumaterials von der Bevölkerung geführt werden. Die Großherzogl. Domanial- verwaltung begründet die Einstellung des Betriebes mit der Schädigung des Bades Salzhausen durch Beunruhigung und Störung der Badegäste, sowie mit der Veräußerung und Zerstörung wertvollen Parkbodens. Wenn auch nicht verkannt werden soll, daß einem ausgehenden Grubenbetriebe Bedenken entgegengestcllt werden können, so halten sich die unterzeich-1 neten Antragsteller doch für verpflichtet, auf die schwere Schädigung und Mißstimmung der Bevölkerung hinzuweisen, die durch die gänzliche Betriebseinslcllung herbeigcführt worden ist. Sie richten deshalb an die Großh. Regierung die dringende Bitte, den Betrieb der fragt. Sandgrube in mäßigem Umfange für den Lokalbedarf aufrecht zu erhalten und zwar so lange, bis anderweitiger Ersatz gefunden worden ist. Dieser Ersatz dürfte zunächst durch Erschließung anderer Sandlager in der Nähe von Bad Salzhausen herbeizuführen sein, und es möchte sich aus diesem Grunde empfehlen, Untersuchungen nach Anordnung geologischer Sachverständiger anzustellen, um dem bestehenden Bedürfnis dauernd abzuhelfen. —r. Lollar, 26. Juni. Unsere Schule ist seit Ostern fünfklassig und damit ein weiterer Schulfaal nötig geworden. Die Gemeinde hat nun beschlossen, angesichts der immer größer werdenden Schülerzahl, gleich zwei Schulsäle in dem zu errichtenden Neubau unterzubringen. — Bad-9! au he im, 26. Juni. Bis zum 25. Juni sind 12963 Kurgä ste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 6501 anwesend waren. Bäder rourben bis zum 25. Juni 138 499 abgegeben. = B ü dingen, 25. Juni. Von den 75 Gemeinden des Kreises Büdingen erheben an Ge m e indeu m l a gen über 200 Proz. der doppelten Grundzahlen und des ganzen Einkommensteuerbetrags: Rindcrbügen 216,047 Proz. (8000 Mk.), Lorbach 214,592 Proz. (7200 Mk.), Dudenrod 211,416 Proz. (2000 Mk.) und Bösgesäß 203,2 Proz. (1600 Mk.) Weiter erheben 12 Gemeinden zwischen 200 und 150 Proz., 23 Gemeinden zwischen 150 und 100 Proz., 31 Gemeinden zwischen 100 und 50 Proz. und 4 Gemeinden unter 50 Proz., nämlich Gettenau 45,133 Proz. (5000 Mk.), Wenings 42,414 Proz. (4430 Mk.), Bergheim 34,832 Proz. (1000 Mk.) und Himbach 20,124 Proz. (1000 Mk.). Büdingen erhebt 83 300 Mark Gemeindesteuern (109,458 Pcoz.) und Nidda 41 300 Mark (117,852 Proz.). ? Aus dem Vogelsberg, 25. Juni. Vielfach herrscht noch die Meinung, im Vogelsberg seien die Preise der Lebensmittel niedriger als anderswo. Das trifft ebenso wenig zu als der Glaube, auf dem Lande lebe man billiger als in der Stadt. Wenn letzteres der Fall, dann nur deshalb, weil einfacher und schlechter. Während bei uns nach wie vor der vierpfündige Laib Brot 55 Pf. kostet, bezahlt man in der Wettcrau, z. B. in Tauernheim, dafür nur 50 Pf., auch in der Umgegend von Büdingen ist der Brotpreis abgeschlagen. Hier bezahlt man für das Pfund Rindfleisch 75 Pf., in Frankfurt a. M. bekommt man es schon zu 66 bis 70 Pf. Börsen-Wochenberrcht. — Frankfurt a. M., 26. Juni. Wie gewöhnlich um diese Jahreszeit macht sich an der Börse gegenwärtig wieder großer Mangel an Unternehmungslust bemerkbar. Zum Teil mag die gedrückte Stimmung auch in der abgelegenen Woche wieder durch politische Besorgnisse genährt worden sein, wenn dieje auch gegen die Vorwoche an Schärfe verloren haben. In ruhig urteilenden Kreisen macht sich eben doch vorwiegend die Anschauung geltend, daß kein Grund vorliege, den von allen Seiten immer aufs neue ertönenden Versicherungen unveränderter Friedensliebe zu mißtrauen. Andererseils schenkt man aber ixn Nachrichten aus Marokko ernste Beachtung. Man erblickt in der Marokkofrage eines der Momente, welche zu schwierigen diplomatischen Auseinandersetzungen, wie es in der offiziösen Auslassung der „Mrdd. Allg. Ztg." hieß, Anlaß geben könnten, und da auch die mazedonische Frage noch ihrer Lösung harrt, hält man es für angemessen, mit neuen geschästlichcn Transaktionen .was zupückzuhaltcn. Tie Abneigung gegen neue Engagements ist umso größer, als auch die Ausland s m ä r k t e zurzeit wenig Anregung bieten. In Newyork ist der Verkehr bei schwankender Haltung auf ein Minimum zu- sainmengeschrumpst, uni) die Börsen von Wien, Paris und London zeigen ebenfalls nur geringes Animo. Dazu kommt, daß die Berichte über die Lage und Aussichten der Industrie uaclji wie vor wenig geeignet erscheinen, den allgemein herrschenden Mißmut zu bannen. Die Nachrichten aus der Eiseilindustrie lauten besonders entmutigend; täglich werden neue Preisherabsetzungen gemeldet aud) das Roheiscnsyndikat hat ^sich nunmehr zu Preiskonzessionen entschlossen — und überdies stößt die Verlängerung des Roheisensyndikats und anderer Verbände auf Schwierigkeiten. Gibt man sich auch der Hoffnung hin, daß die Verbünde schließlich doch nicht in die Brüche gehen werden, so zeigt sich doch int Hinblick auf die ungeklärten Verhältnisse nur geringes Interesse für Industrie Papiere. Auch das Geschäft in feftperzinslichjen Anlage - werten, dem sonst die am Semesterwechsel aus Coupous- eiugängen erfolgenden Kapitalzuflüsse zustatten kommen, wird zurzeit etwas benachteiligt, insofern, als die Bankwelt gegenwärtig mit Hochdruck arbeitet, .ine Menge neu geschaffener Papiere an den Mann zu bringen. Durch diese Bemühungen, die ein günstiges Börsenwetter zur Voraussetzung haben, erklärt sich aber einesteils die Widerstandskraft, die im allgemeinen die Kurse erkennen lassen. Eine wesentliche Stütze bildet dabei allerdings jetzt die Flüssigkeit am Geldmärkte, der selbst die derzeitige Hochflut der Emissionen bisher nichts anhaben konnte. Auch das herannahende Monats- und Quartalsende mit seinen erhöhten Bedürfnissen bat die Geldsätze am offenen Markte bis jetzt nicht wesentlich beeinflußt, diese verharren vielmehr auf ihrem ermäßigten Stande, zumal die fortgesetzten bedeutenden Goldimporte den Status der Rcichsbank noch weiter gekräftigt haben. Trotzdem dürften die nächsten Monate dem Geldmartt schwerlich noch eine weitere Erleichterung bringen. Die dcmnächstige Gestaltung der Geldverhältnisse wird jedenfalls viel von Amerika, vom heimischen Anleihemarkt, von der Entwickelung der industriellen Lage und nicht zum wenigsten vom Ausfall der Ernte abhängig bleiben. In letzterer Beziehung können die Aussichten bis jetzt als günstig bezeichnet werben und dies ist einer der wenigen Lichtblicke, welche der wirtschaftliche Horizont zurzeit aufzuweisen hat. Geht es der Landwirtschaft gut, dann wird auch die Industrie bald Nutzen daraus ziehen und m Nachwirkung davon wird sich auch das Geschäft an der Börse wieder beleben. In der abgelaufenen Woche waren die Umsätze eng begrenzt. Heimische Fonds neigten zur Schwäche, namentlich die 3- und 31 - Prozentigen Werte, die vielfach im Tausch gegen die zur Emission gelangenden höher verzinslichen, Staats- und Jndustriepapiere abgegeben wurden. Fremde Fonds sind wenig verändert. Banken teilweise matter, auch S ch i f l a h rr s w e r t e aogeschwächt. Von B ahne n waren Baltimore stärker gedrücki, Westsizilianer dagegen befestigt auf den in Aussicht stehenden Vergleich mit der Regierung. Am Montanmarkte haben Konkordia ihre vorwöchige Avance wieder cingebüßt im Zusammenhang mit der geplanten Käpitalserhöhung und dem Dementi der Verwaltung bezüglich der Gerüchte über Verkaufs- und Jmsionsverhandlungen. Andere Industrie- Papiere blieben vernachlässigt. Privatdiskonto 3 i/i Prozent. Werkstätten für Handwerkskunst Georg Ehrhardt & Söhne Möbel-Fabrik ■ ■ ■ = Darmstadt Feldbergstraße 36 (hinter dem Hauptbahnhof) Etablissement für gediegene vornehme Wohnungseinrichtungen <■ ■ - Besichtigung der - ..... -■■■- f'l r «r Ausstellung fertiger Musterräume und der mustergültigen Fabrlkatlonsanlage erbeten. Man versucht schädlich. Zu haben In den bekannten Geschäften. ss- die Hausfrau Hühnerauges. Bienenhonigs (Es Hande« sich «m ihren Kaffee! per -I zu genau, sie werft, daß beabsichtigt wird, sie lasse sich durch andere Kasfee- Zusätze voll ersetzen. 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