Samstag Ä7. Juni 1S08
Nr. 149
Drittes Blatt
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Lrschetnl täglich mit Ausnahme des Sonntags.
158. Jahrgang
Rotationsdruck und Verlag der Drühl'schen Universitäts - Brich- und ©teinurucferel R. Lange, Gießen.
Die „Lietzener Zamilienbläller" werden dem »Anzeiger" viermal wöchentlich beigelcgt, das ..Kreisblatt für den Kreis Liehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: 51.
Redaktion: 11.» Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.
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In der Ausstellung in München sind sämtliche Kellner zum zweiten Male in den Streik getreten.
Die nach- Ä Ar!?U8ind Sonntag, 28. Juni, nur von stehenden v 1 Sa l v 12 Uhr mittags biß 12 l hr nachts für dringende Fälle sicher anzutrefl'en: lD27/6
fl>r. Kipper, Wilhelmstr. 2. — Dr. Meyerhoff, Süd-Anlage 7.
Der Laateustand int Deutschen Reich.
Der „Reichsanzeiger" vom 25. Juni veröffentlicht Nachrichten über den Saatcnstand int deutschen Reich von Mille ^uiu dieses Jahres. Wenn 2 gut und 3 mittel bedeuten, ist Winterweizen 2,1 (im Juni des Vorjahres 2,9); Sommerweizen 2,5 (2,4); Winterspelz 2,1 (2,4 ; Winterroggen 2,3 (2,7 >;
äußert. c „ r
Die französisch-englische Freundschaft aber gewinnt trotzdem täglich an Ausdehnung. So heißt es z. B-, daß der Generalinspektor der britischen Armee im September an den französijchen Manövern teiluehmen soll. Ferner ist bemerkenswert, daß der augenblicklich in England weilende frühere französische Minister des Aeußeren Del- eassevonKönigEduardinPrivataudienz empfangen worden ist. Wer weiß, ob nicht eines Tages dieser Mann in Frankreich wieder eine Rolle spielen wird.
In den Vereinigten Staaten von Amerika hat die republikanische Partei nunmehr deii bisherigen Kriegssekretär Tast zum Kandidaten für die im November stattfindende Präsidentenwahl nominiert, und es unterliegt keinem Zweifel, daß dieser Mann, der sich in seinem Vaterlande der größten Sympathien erfreut, die Erbschaft Roosevelts antreien wird. Roosevelt selbst tritt für Taft ein, und damit ist auch die Politik des tünftigen Präsidenten vorgezeichnet. Er wird das Programm seines Vorgängers beibehalten und u. a. f ü r e i n e st ä r k e r e F l o t t e und für die Erhaltung des S ch u tz z o l l s y st e nt s eintreten. Der ehemalige demokratische Präsident Cleveland, der zweimal an der Spitze der amerikanischen Regierung gestanden hat, ist dieser Tage nach längerem Leiden gestorben.
Im persischen Reiche ist die Lage äußerst kritisch. Es ist mehrfach zu Straßeukämpfen gekommen, bei denen die Anhänger des Parlaments unterlegen sind und das Militär die Oberhattd behalten hat. Vorläufig hat der Schah gewonnenes Spiel, die Frage aber ist, wer zuletzt den Sieg davon tragen wird. Durch das skrupellose Vorgehen der Truppen ist auch das Leben der in Teheran wohnenden Ausländer gefährdet. Ter Schah gab nach allen Seiten bin weitestgehende Zusicherungen, nur ist es fraglich, »r üo mirh erfüllen können und — erfüllen wollen. . .
neben der Uneinigkeit in ihren Reihen eine Anzahl Wahl männer Berlin den Rücken gekehrt, andere aus Furcht vor wirtschaftlichen Schädigungen sich der Stimme enthalten oder gar für den gegnerischen Kandidaten gestimmt haben. Es werden auch Stimmen laut, daß die Wahl bean- landet werden soll, weil die Sozialdemokraten unlautere Mittel angewendet hätten, um ihrem Vertreter zum Siege zu verhelfen. Tie sozialdemokratische Partei ist also durch sieben Abgeordnete im neuen preuß. Landtag vertreten.
Die Regierung zu Berlin hat erklären lassen, daß sie infolge der M onarch e n z u s a mm e n ku n ft in Rev a l mit einer anderen Konstellation der Mächte rechne, daß aber Deutschland nach wie vor, gestützt auf Heer und Flotte, allein diejenige Politik verfolgen werde, die es im Interesse des Volkes für die richtige halte. Wir wollen das Beste hofsen, haben aber leider durchaus keinen Grund zu sonderlichem Optimismus nach dieser Richtung hin. In der offiziösen Auslassung wurde auch hekvor- gehoben, daß die vielbesprochene Döberitzer Kaiserrede sich nur aus dienstliche und militärische Angelegenheiten uyd nicht etwa auf politische Tagesfragen bezogen habe. ,Ge- wissermaßen als Fortsetzung dieser Regierungserklärung ist die Ansprache anzusehen, die der Kaiser in Bruns- büttelkoog hielt. Er betonte, daß Handel und Verkehr überall in Deutschland immer weiter emporblühen und daß unser Heer und unsere Marine die beste Gewähr dakür seien, unter dem Schutze eines ehrenhaft bewährten Friedens den Handel auch weiterhin zu fördern. Auch auf die Reichsfinanzreform spielte der Kaiser in feiner Rede an, ohne indessen näheres darüber mitzuteilen. Wir haben von anderer Seite mehr und keineswegs Erfreuliches darüber erfahren.
In Frankreich ist man an offizieller Stelle anscheinend von der Friedensliebe Deutschlands durchaus überzeugt, wenigstens hat die Regierung dies mehrfach durch ihre Preßorgane erklären lassen. In/ der Kammer hat Minister Pichon die Erklärung abgegeben, daß Frankreich vorläusig noch an seiner Politik festhalt. Wesentlich versöhnlicher noch hat sich in einem Zeitungsartikel der einflußreiche und angesehene Abg. Gervais ge-
Auszug a. ö. Stanöe$amt$regiftern der Statt Sietzen.
Aufgebote.
Juni. 22. Christian Martin Lamo, Wagenwärter dahier, mit Anna Elisabeth Kraft in Guxhagen. 23. Hermann Heinrich Ferdinand Hofmann, Poslassislcnt dahier, mit Marie Hosniann in Freien- jeeit 23. Gustav Sander, Staufmauu dahier, mit Louise TiederichS in Bockcneni. 25. Ferdmaiid Slugust Hermann Wilhelm Lagreze, Reichsbankassistenl dahier, mit Elise Ottilie Schmidt in Alsfeld.
Eheschlichungen.
Juni. 22. Richard Rosenthal, Kcustniann in Biitzbach, nut Paula Katz dahier.
Geborene.
Mai. 28. Dem Chemiker Dr. Wilhelm Orlb eine Tochter, Luise. Juni. 17. Dem Pferdeburschen Gregorius Robertns Linde eine Tochter, Karola Erna Katharine. 17. Dem Prokuristen Wilhelm August Best em Sohn, Wilhelm Heinrich Ludwig. 18. -teni Metzger Leonhard Wagner ein Sohli, Leonhard. 18. Dem Kantz- mann David Stern em Sohii, Hans Jakob. 19. Tein Muller Liidwig Biedenkopf ein Sohn. 19. Dem Hilfsbremser Ludwig f)lrnold eine Tochter. 19. Dem Kunst- und Handelsgärtner Wilhelm Moser eine Tochter, Margarete Henriette. 19. Dem Esten- dreher August Muller eine Tochter, Martha Hedwig. 21. Dem Kaufmann Theodor Bandel ein Sohn, Philipp Jakob Ludwig Ernst. 23. Tein Ingenieur August Pascoe eine Tochter, Auguste Amue Elisabeth.
Gestorbene.
Juni. 20. Philipp Bicbricher, Schmied, 65 Jahre alt, Schifsen- derger Weg 54. 21. Karl Plank, Metzger, 41 Jahre alt, Bleich- straße 29. 25. Wilhelm Schraub, Postjekretär, 59 Jahre alt,
West-Anlage 28. 26. Heinrich Nahrgang, Kanzleidiener i. P.,
81 Jahre alt, Roonstraße 44.
politische Wochenschau.
Gießen, 27. Juni.
Der 33. h e s s i s ch e L a n d t a g ist heute vor acht Tagen geschlossen worden. Bor seinem Wiederzusammentritt zur 34. Tagung wird sich die Hälfte der Abgeordneten einer Neuwahl zu unterziehen haben, die diesmal eine um so größere Bedeutung hat, als, was freilich auch schon vor dem Zusammentritt des letzten Landtages, wenn auch vergeblich, erhofft wurde, voraussichtlich der kommende Landtag die endgültige Entscheidung über die Reform des Landtagswahlrechtes wirklich bringen wird. Man hat ja allerdings diese Hoffnungen nachgerade so oft enttäuschen gesehen, daß der rechte Glaube an ihre Erfüllung in weiteren Volkskreisen arg getrübt ist. Zurzeit aber ist die Lage doch wenigstens im wesentlichen geklärt. Ter Großherzog hatte in der von ihm verlesenen Thronrede daraus hingewiesen, daß von den Ausschüssen der beiden Kammern für die Wahlrechtsfrage die Grundlage zu einer Verständigung über die streitigen verfassungsrechtlichen Fragen gefunden worden sei. Diese Verhandlungen in den Ausschüssen sollten unter Ausschluß der Öffentlichkeit geführt werden. Es sickerte aber doch das Wesentlichste durch und man erfuhr, was dem hessischen Volke in seltener Einmütigkeit der Parteien zugedacht war. Die ausschlaggebenden Parteien haben sich tatsächlich auf das direkte Wahlrecht sestgelegt. Das ist ein ganz außerordentlich großer Fortschritt gegen früher, und so dürfen wir nun endlich mit besserem Grunde als je auf dessen Bescherung hoffen. Allerdings will man der Erst-en Kammer für die Zustimmung zur Einführung des direkten Wahlrechts eine Erweiterung ihres Bud g e tre cht es und ihrer g e s e tz g e b e r i s ch e n B e s u g n i s s e zugestehen. Das ist keineswegs sonderlich erfreulich, und es fragt sich, • ob das hessische Volk das direkte Wahlrecht durch Preisgabe wichtiger Rechte der Zweiten Kammer zugunsten der Ersten Kammer sich wird erkaufen wollen. Damit das Volk die Stellung sämtlicher F-raktionen im Landtage zur Wählrechts- reformfrage kennen lerne, damit es nicht durch beruhigende Vertröstungen über die Wahlen hinaus hingehalten werde und ihm volle Klarheit zuteil werde, durchbrach ein von der gesamten Linken ausgehender, von unserm Abg. Dr. Gutfleisch mit großem Geschick und ruhiger Würde, trotz der Gereiztheit seiner sämtlichen Gegner, vertretener Antrag noch am letzten Berhandlungstage die bisherigen Heimlichkeiten. Der Antrag bezweckte eine Festlegung der Zweiten Kammer für die Einführung des direkten Wahlrechts unter völliger Wahrung der verfassungsmäßigen Recht e. Die Debatte über diesen Antrag wurde abgebrochen, da der Landtagsschluß auf i/2l Uhr festgesetzt war und diese Zeit durch die Diskussion beinahe erreicht war. An dem Volke liegt es jetzt, seine Entscheidung bei den Wahlen zu treffen, ob ihm die Erlangung des direkten Wahlrechts oder die Preisgabe eines Teiles seiner gegenwärtigen Rechte
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