|4 I -i 89 Montag S1. Dezember 1908 158. Jahrgang Erstes Blatt (£. peö. <ü» bcn Nr. 300 Ter Slehener »njtiget fTfd)cmi läglrch, ander EonnlaqS. - Beilagen: viermal wöchentlich GlebenerZam'Ilrvb'älleri iroiunal roodicntl.Kt eir- lattsdrdenlireirGirhen (Tieuslag unDftretiaq), zwennal monntl kand- wlrtschafttlche settfrageo Feruipiech • AnNDlüsjer füt Ott Redaktion 112, Verlag u#6^pcOilton &1 VHrelle tüt Develchenr rruzetger Vietze». Vezng^pret S: monatlich 7öUt, vierteljährlich Dik. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich öd i>i.; durch die Post DU. 2.— viertel- jährt, ausjchl. Bes'.eUg. ZeilenpreiS. lokal ausioartä 20 Piennrg. Berantwortlich tut den oolilijchen Lech für .Feuilleton* uni» -Perniijchles* Ernst Anderjon. rüi »Stadt ieheim Anzeiger Sencral-Mzkiger str Sberheften b« ßofafionsf nid nn6 Verlag öer Brütjl’fdjen Unw.-vuch" un» SteinOniuerel R. Lange. Reöattlon, LxpedMon UN» Druclcrci: Schillstratze 7. !21° lill p S-L bis vormittags iu uyr. 0 • Die heutige Nummer umsaht 12 Seiten. Die Tlrronrede zum 24. Landtag. Die Thronrede zur Eröffnung des neuen Landtags bringt keinerlei Ueberraschung. Sie ist in demselben streng sachlichen, fast geschäftsmäßig nüchternen Ton gehalten, den wir seit Jahren bei den Kammerschlüssen und -Eröffnungen gewohnt sind. Nur ist das ganze SituationS- bild diesmal um eine erhebliche 9hiance tiefer gestimmt. ES zieht ein lautes, wehmütiges Magen durch die scharf abgewogenen Sätze, ein unbehagliches Gefühl überkommt uns beim Lesen darüber, daß die ganze wirtschaftliche Lage im Reich auch Willen und Wollen bei uns im Lande hemmt und daß sie die Hauptschuld daran trägt, wenn der jetzt zur Vorlage gelangte Staatshaushalt für 1909 nur durch Heranziehung des nächsten geschaffenen Ausgleichsfonds mit einem hohen Betrage und nur „unter Aufzehrung der noch verfügbaren Reste aus vorderen Jahren" durchgesührt wer- den kann. Es ist eine wenig erfreuliche Ankündigung, daß „unter solchen Umständen" eine Vermehrung der laufenden Einnahmen in Zukunft durch eine Erhöhung der direkten Steuern nicht zu vermeiden sein wird. Sehr gerechtfertigt erscheint trotz dieser ungünstigen Prophezei- hung und dem Hinweis auf die Ungewißheit über das Schicksal der Vorschläge zur Gesundung der Reichsfinanzwirtschaft die Betonung der Nollvendigkeit einer stärkeren Schuldentilgung und der Befriedigung berechtigter Ansprüche in den Meisen der Beamten und Lehrer. Die Regierung hat in den beiden Vorjahren durch die Wohnungs- geldzuschüsse und die Erhöhung der Lehrer- und Lehrerinnen- gehältcr ihre ehrliche Absicht bekundet, helfend und bessernd einzutreten, so weit es nur irgendwie der so viel beanspruchte Staatssäckel erlaubt. Das Bedauern, daß die Neuordnung dieser Verhältnisse nur erfolgen kann, wenn die Reichs- sinanzreform zu der erwünschten Lösung gebracht sein wird, erscheint daher durchaus aufrichtig und gerechtfertigt. Der angekündigten Vorlage besonderer Denkschriften ujer die Tragweite der begründeten Ansprüche auf Ge- haltSverbesserung darf man wohl mit einiger Spannung entgegensehen. Eine Hoffnung dabei müssen wir aber schon heute zu nichte machen, nämlich die, daß nach dem demnächstigen Abschluß der Grundbuchanlegung jährlich eine Million für diese Zwecke frei werden würde, wie kürzlich behauptet wurde. Zunächst sind die Grundbücher in vielen Landesteilen noch auf eine Reihe von Jahren hinaus nicht fertiggestellt; dann aber beträgt die jährliche Ausgabe für die Grundbücher nicht eine ganze, sondern nur etwa eine Drittel-Million und endlich wird dieser Betrag nicht aus den laufenden Mitteln des Staates, sondern durch Anleihen bestritten. Als die wichtigsten Ausgaben des neuen Landtags hatten wir in unserer jüngsten Betrachtung neben der Einführung des direkten Landtagswahlrechts die Erledigung der Gesetzentwürfe über die Gemeindeumlagenrcform, die Verwaltungeg-setzrevision, die Abänderung derBau- ordnung u. a. m. bezeichnet. Daß von der letztgenannten Materie nur einzelne Telle herausgegriffen werden sollen, erscheint bedauerlich, nachdem schon seit Jahren von allen Interessentenkreisen das dringende Bedürfnis einer gründlichen Neuregelung anerkannt worden ist. Dagegen darf als erfreulich die Mitteilung begrüßt werden, daß den Landständen in Kürze ein neuer Gesetzentwurf über die Gemeindeumlagen zugehen wird. In ihm soll den früher geäußerten Wünschen in betreff der. stärkeren Berücksichtigung des Ertrags bei der Besteuerung von Grundeigentum und Gewerbe entgegengekommen und besondere steuerliche Maßnahmen zum Schutze des Mittelstandes gegenüber bestimmten Formen des Gewerbebetriebes (Warenhäuser, Wanderlager, Konsumvereine) getroffen werden. Auch die besondere Vorlage der Städte- und Landgemeindeordnung und darnach der Kreis- und Provinzialordnung ist zu begrüßen. Diese drei schwierigen und umfangreichen Gesetzentwürfe werden sich in der Kammer voraussichtlich ohne große Schwierigkeiten verabschieden lassen, da sie schon in dem Sonderausschuß für die Revision der Verwaltungsgesetze eine gründliche Beratung erfahren haben und die für den neuen Ausschuß zu wählenden Männer wohl sämtlich wiedergewählt werden dürften. Der einzige Satz in der Thronrede über die Reform des landständischen Wahlrechts läßt einerseits erkennen, daß die Regierung gute Hoffnungen auf das endliche Zustandekommen der Vorlage setzt. Es wird kurz und bündig betont, daß eine neue Vorlage nur nach Schaffung der von der Regierung geforderten „Voraussetzung, also der Verständigung über die Verfassungsänderung im Sinne des Glässing schcn Antrages, erfolgen wird. Die allgemeinen Aussichten der Vorlage haben wir schon kurz vor der Kammercröffnung ausführlicher besprochen und dabei auch auf die vielen Strellpunkte hingewiesen, die trotz des Antrags Glässing noch unter den Mehrhellsvarteien in der Kammer durchzukämpsen fein werden. Die Sensationsmeldung, daß der neuen Kammer nur ein kurzes Dasein beschieden und derselben alsbald nach Verabschiedung der Wahlrechtsvorlage ein gewaltsames Ende durch eine Auslosung bereitet werden würde, halten wir für eine Erfindung. Die Verbreiter dieser Äieldung sollten doch wissen. daß eine Durchberatung in beiden Sländekammern bis zum Ende nächsten Jahres so gut wie ausgeschlossen ist. Aber selbst wenn das geschähe, so würde doch die Einführung des neuen Wahlsystems erst nach Ablauf der jetzigen Legislaturperiode erfolgen, wie auch in den früheren Vorlagen als Einführungstermin der Beginn eines neuen Landtags bestimmt worden war. Eine formelle Auflösung der Kammer wird frellich erfolgen müssen, da bei Einführung des direkten Wahlrechts eine vollständige Neuwahl in allen 58 zu bildenden Wahlkreisen das einzig Richtige wäre. — Der neuen Kammer werden in der Thronrede viele schwere Aufgaben zur Erledigxng angekündigt; hegen wir das Vertrauen, daß sie zum Wohl des Landes ihre Lösung finden werden! aus Abänderung des hessischen Staatsschuldbuch-Gesetzes. Nachdem nunmehr 10 Jahre seit den: Erlaß des Gesetzes, die Einrichtung des Staatsschuldbuchs für das Großherzogtum betreffend, vom 27. März 1898 verflossen sind, hat die Großh. Regierung den Landständen einen Abänderungsentwurs zu diesem Gesetze zu- gehen lassen, der darauf abzielt, die bisherige erfreuliche Entwickelung des Schuldbuchs durch Verbilligung und Erleichterung seiner Benützung weiter zu fördern und aus Grund her gesammelten Erfahrungen einige wünschenswerte Vereinfachungen in seiner Handhabung herbeizu- sühren. Es lag nal)e, bei einer Aenderung des nach dem Vorgänge Preußens und des Reiches geschaffenen Gesetzes den Ergänzungen und Aenderungen zu folgen, die durch die Novellen von 1904 zu den dort bestehenden Schuldbuchgesetzen getroffen worden sind und die im wesentlichen in der Befreiung der erstmaligen Umwandlung einer Schuldverschreibung in eine Buch schuld von der Gebühcenpflichi und in der Zulassung der bisher vom Eintrag in bad Schuldbuch ausgeschlossenen ausländischen juristischen Personen bestehen. Dies ist im Entwurf geschehen; man glaubte jedoch, dem hervorgetretenen Bedürfnis Rechnung tragend, auch über die erwähnten Acndenmgen und Ergänzungen des preußischen und des Reichsschuldbuchgesetzes hinaus noch einige weitere Neuerungen vorsehen und namentlich eine stärkere Gebührenbefreiung in Aussicht nehmen zu sollen. So wird bestimmt, daß künftig nicht nur die erstmalige Anlegung eines Schuldbuchkontos, sondern auch alle hierauf erfolgenden weiteren Eintragungen und Löschungen, durch die der Weiterbestand der Buchschuld nicht berührt wird, gebührenfrei erfolgen follen. Besonderer Erwähnung oerdient des weiteren der Vorschlag des Entwurfs, die Begründung einer Buch schuld dadurch zu erleichtern, daß die Anlegung eines Schuldbuchkontos und die hierauf er- folgenden Zuschreibungen bei neu zu begebenden Anleihen auch ohne die Einlieferung von Schuldverschreibungen aus Grund einer Geldeinzahlung stattfinden können. Unter anderem sei schließlich noch darauf hingewiesen, daß zu^ Beglaubigung der Anträge bei nachträglichen Verfügungen über eine eingetragene Forderung künftig auch die Orts- gerichtsvorfteher und die Gerichtsschreiber bei den Amtsgerichten zugelassen werden sollen und daß nach den Liest immungeil des Entwurfs in unbedenklichen Fällen von dieser Beglaubigung ganz abgesehen werden kann. Die dem Bunde der Landwirte angehörenden Mitglieder der zweiten hessischen Kammer traten auf Einladung deö Abg. K o r e l l zu einer Besprechung zusammen und einigten sich in ihrer Stellungnahme aus folgende Grundsätze: Je nachdem wirtschaftliche oder wirtschaftspolitische Fragen zu besprechen sind, sollen die Abgeordneten zusammentreten und Üjre diesbezüglichen Meinungen gegenseitig austauscheu. Die Aussprachen sind unverbindlich für die einzelnen Mitglieder der Fraktionen, jedoch soll das Resultat möglichst bei den Beratungen der Fraktionen Verwendung finden. Zur Berufung und Leitung wurde Abg. Korell (B-B.) und zu feiner Vertretung Abg. Finger (natl.) bestellt. An den Besprechungen werden etwa 26 Abgeordnete teilnehmem Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer, dem der neue Staatshaushalt für das Jahr 1909 vom Präsidium der Kammer zur Vorberatung überwiesen worden ist, wird seine Etatsberatung am Dienstag, 5. Januar, vormittags 10 Uhr beginnen. Die Zentrumspartei hat der Kammer einen Antrag eingereicht, in welchem sie wünscht, die Kammer wolle au die Regierung das Ersuchen richten, bei den neu vorzulegenden Gesetzentwürfen inbetreff der Venvaltungsgesetz- revision bei den Wahlen in Gemeinde, Kreis und Provinz das Proportio nalwahlsy ft em in Vorschlag zu bringen. Deutdche» Keid?* Der Kaiser hörte am Samstag vormittag Marinevorträge und den Brrtrag des Reichskanzlers Fürsten von Bülow. PrinzJoachim von Preußen, der jüngste Sohn des Kaiserpaares, hat in Plön mit seinen Mitschülern die Fähnrichsprüfung bestanden. Er wird nach den bisherigen Dispositionen noch bis zum Herbst 1910 die Prinzenschule in Plön besuchen. Direktor im Auswärtigen Amte. Im nächsten Etat soll die Stelle eines neuen Unterstaatsserretärs oder Direktors im Auswärtigen Amt geschaffen werden. Als Direktor soll, wie die ,Hamb. Nachr." zu melden wissen, Geheimrat Hammann in Aussicht genommen sein, während zum Chef der Presseabteilung der Chefredakteur Wilhelm v. Massow ausersehen sein soll. Dem Kapitän a. D. Berger, der vor Jahr und Tag außerordentlich scharfe Angriffe gegen verschiedene Marine-Offiziere erhoben hatte und gegen den deswegen von dem Staatssekretär v. Tirpitz und mehreren der an- gegriffenen Herren vor etwa zwei Monaten Strafantrag wegen Beleidigung gestellt worden war, ist jetzt die Anklageschrift vom Staatsanwalt zugestellt worden. Präsident Castro siedelte gestern vormittag in die Privatklinik des Professors Israel in Berlin über. Boykott tschechischer Biere. Der Verein dev Brauereien für Rheinland und Westfalen fordert zum Boykott der tschechischen Biere auf, weil die tschechischen Brauereien ihre deutschen Lieferanten boykottieren. Die Studentenschaft in Tübingen beschloß, die Sperre über daÄ Pilsener Bier vom 1. Januar ab zu verhängen. Ein alter Streit. 299 Grundbesitzer des vormaligen Amtes AhrenSböck beschlossen gegen das Oldenburger Staatsministerium auf Grund deS Artikels 77 der Reichsverfassung die Entscheidung des Bundesrats anzurufen, weil es trotz des Urteils des Lübecker Landgerichts die Zahlung alter, dänischer Abgaben verweigert, die durch Pfändung beigetrieben werden sollen. Anstand. Die boykottierenden Tschechen. Am 20. Dezember sind in Prag wieder eine Anzahl tschechischer Zeitungen und Wochenblätter wegen Boykottausforderung gegen deutsche Kaufleute und Industrielle konfisziert worden. Der s ch w e i z e r i s ch e M e h l st r e i t. Wie erregt die Stimmung in den beteiligten schweizerischen Kreisen in Sachen des Mehlkonflikts noch immer ist, geht daraus hervor, daß 240 Müller an die Bundesversammlung eine Petition richteten, in der für die schweizerische Mehlindustria ruinöse Zustände konstatiert werden und um beschleunigt« Hülfeleistung ersucht wird. Das Wahlrecht der Frauen. Die belgische Kammer hat bei der Beratung des Gesetzes über Arbeiter-' Schiedsgerichte mit 62 gegen 29 Stimmen den Frauen baäj aktive und passive Wahlrecht bewilligt. MinisterkrisisinPortugal. Der portugiesisch« Ministerpräsident de Amaral hat dem König die Demission des Gesamtcabinettes überreicht. Der Ministerpräsident wird mit allen Parteiführungen Besprechungen haben und sich dann wieder zum König begeben. Ans Staiyt Mitö LanS. Gießen, 21. Dezember 1908. Unsere Armenpflege. 2. Aus der Praxis oer Armenpflege. Aus dem 2. Vortragsabend der evang. GemeindefrauenoereinL suchte Herr Kirchenrat JJ. Schlosser in die Praxis der A:»ren< pflege cinzu fuhren. Bei uns in Deutschlcmo herrscht ün Gegensatz zu England, Das daS System der gesastossenen Armenpflege hat, d. h. Die Versorgung uno Unterbringung der Unterstützungsbedürftigen im Armenhaus, das System Der offenen Armenpflege, d. h. nu cs nur» irgend angängig ist, wird der UlUcrstützungsuedürftige in seinen Verhältnissen glasten; er nnro nicht aus feiner Familie herausgerissen und somit nicht gezwungen, seine Selbständigkeit auf» zugeben. — Eine planmäßige und geordnete Unterstützung bedarf unter düsen Vcrhüitnysen einer Organisation, und in den meisten, deutschen Städte»: ist das Arnrenwesen eingerichtet nach dem so- gcnannL-n Elberfelder System. Lj ist Dies Die Cöiiung, die zuerst' in Deutschland, vor allem auf Betreiben des edlen Daniel von der Heidt in Elberfeld eilige rührt hat. Tie Stadt wird in mehrere Armenbezirke ungeteilt mit je einem Bezirksvorsteher an Der Spitze, und die Bezirke wieder in eine größere Anzahl Ouar- tierc. Damit ist ein Doppeltes erreicht: einmal kann so jeder Fall individuell behandelt werden seiner Besonoerheit unb Ligen- art entsprechend; souann ist Damit eine Dezentralisation erreicht, d. h. man treibt nicht mehr von einer Zenrralsteile aus Armenpflege, die doch immer sä/aolonenmäßig betrieben wird, sondern! dura- eine genügend große Zahl von Armenpflegern, man treibt Armenpflege von Person -n Person. Allerdings ist bei dieser Organisation auch immer eine Zentralstelle nötig, das Armenamt: aber dieses hat nur die Armenstatistrk und dergleichen, Feststellung des Untersiützungswohnsitzes, der Lohnoethällnisse. Es yat aua) festzustellen, ob Vermögensanteile da sind, die eine Unterstützung unnötig machen ufw., aber die eigen!(id)c Armenpflege wird nicht burco das Armenamt getrieben, fonbcrit durch Die ArmLNpfieger. Die Einführung oes „Elberfelder Systems" in den anderen Städten hatte hier die Abnahme dec Zahl der Unterstützungsbedürftigen mc Frage, und ermög.ichte eine gründlichere Hilfe in den eiirzelnen Fällen. sDlan Ijat ganz bestimmte Grundsätze über die üb he der Unterstützung, Die gewährt wird. Aus Arbellerbudgcts hat man festgusteilen »gesucht, wie viel eine Person pro Woae zum Lebensunterhalt nötig hat, und hat das „Existenzminimum" je nach bcn örtlici-en Verhältnisftn wechselnd auf 3 Mk. bis 4,50 Mk. wöchentlich festgestellt. Die Unterstützung wird von 14 zu 14 Tagen bewilligt. Bisher war nur von der gesetzlich gejorberten Armenpflege die 'Jtebc. Neben dieser hat Die Ptii-aiarmenpflcge, sei cs nun organisierte Privakarmenp siege, wie sie hier in Gicßcn der „Allgemeine Verein für Arnien- trnb Krankenpflege" treibt, oder sei es kirchliche Armenpflege, ihre tolle Berechtigung. Die städtische Armenpflege unterstützt mir, um äugen bliaiidjc 9ä)t zu (inDem; aber sie bezahlt keine c-chulden, auch Line rüäständige Miete, sie aoeitet auch nicht vorbeugend für die Zukunft. iDier muß die Privatarmenpiiega eingrcisen, und ihre Hauptaufgabe muß s in, diese torbcugenod Arbeit zu leisten, -Anze.u.e durch eine einmalige Unterstützung vielleicht vor gunziiaut Verarmung zu bewahren, ihnen Arbeit zn schaffen, andere Wohnungen zu sorgen und aeigL Sie hat mchp Gießener Anzeiger entgegen. Verlosung Wett« Bed. Himmel 9 2 + 1,8’C. Portugiesen III 108.20 Berliner Börse, 21. Dezember. Aufangskorse. Jahren 218 70 109.00 Sturzes Beines brachen, haben. hat sic zwei Kopfwunden und eine Verletzung des daoongetragen. Die sechzig Eier waren total zer- Die Bahn wird für den Schaden aufzukommen 4% 396 396 Italien. Rente . . Portugiesen Serie I 143.00 49.30 85.60 63.40 97.95 57 95 58.50 97.30 92.45 Harpeuer Bergwerk Laurahütte . . -.ombarden E. B. N'ordd. Lloyd . . L'iirkenlose . . . Höchste Temperatur Niedriaste 116-50 116.80 186 25 188.26 110 üö 193.10 19400 89.00 91.70 169 00 128 30 240.75 134 50 179.75 147.40 195.70 20. Tez. — 20. , = 194.60 18.3. 143'10 Elektriz. Lahmeyer . . . Elektriz. Scliuckert . . . Eschweiler Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg-Amerik. PaketL Harpeuer Bergwerk. . . Laurahütte ..... N'ordd. Lloyd Obeischles. Eisen-Iudustrie Berliner Handelsges. . . Darmstädter Bank . • . Deutsche Bank . . . . Deutsch-Asiat Bank . . Diskonto-Kommandit . . Dresdner Bank . . . . Kreditaktien Baltimore- und Ohio- Eisen Lahn Gotthard bahn Lombard. Eisenbahn . . Gesten. Staatsouhn . . . I'nnce-Henri-Eisenbahu . Canada E. B. . . . Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . . Tendenz- fest. 18.60 143 40 121.00 Reichsanleihe do. Konsols . < do. . . Hessen . . . findet am 27. Dezember (3. Feiertag) in 4/6% russ.Staatsanl. 1905 4>3% japau. Staatsanleihe 196 Conv. Türken von 1903 Türken ose 196 G riech. Monopol-Anl.. 4% äussere Argentinier . o% Mexikaner . . . 4 >6% Chinesen . . . . Aktien: Bochum Guss Buderus E. W Tendenz: fest 240.60 59 25 147.25 und Industrie. Giessen. Frankfurter Bör*e, 21. Dezember, 1.15 Uhr. alter von 1. mindestens 1 Jahr Mk. 10, 2. b Mk. 15, 3. 5 bis 10 Jahren 20, 4. iibcc 10 Jahren Marl 25, jeder verheiratete Arbeiter und jeder ledige Arbeiter, Man lese den Gießener Anzeiger größte und reichhaltigste Tageszeitung Gberhestens mit de« Beilagen „Hamilienblatter", „Landwirtschaftliche Leitstagen" und dem Kreisblatt für den Kreis Gießen. Auslage über 13000 Expl. RB. Darm stadt, 17. Tez. Dor den^ Kriegsgericht wurde beute ein beiuerfensiuerter Fall von Soldaten-Mitz- Handlung gegen den Untero stzier des Trainbataillons Nr. 18 Bruno Freibode verhandelt, der seit dem Herbst vorigen Jahres Unteroffizier ist uiib sich seither gut geführt bat. Er hat sich am 5. September der Mißhandlung des Rekruten Geuß schuldig gemacht und wiirde da'ür zu 4 4 Sagen Gefängnis verurteilt. Geuß stammt aus einer Familie, öo» der schon verschiedene Alitglieder an Brustleiden gestorben sind. Er ist Rausinaiin und muhte sich seines BruslleidenL ivegen schon mehrmals im Süden aufhallen. Ter Diciist strengte ihn unter diesen Umständen uiehr an als nubcxe, doch war dies bei {einen Vorgesetzten nicht näher bekannt. Er hatte am fraglichen Tage nach 'Meinung des Angeklagten beim Ltalldieust ein Pferd zu langsam geputzt. Ter Unteroffizier ließ ihn zur Straie dafür erst in SUiie- beuge gehen und mit einem halbgciüllten Alistkasten Armstreekungcn machen. Nachdem dies 85 Mal geschehen war, mußte er cs noch 125 Mal mit einem halbgesüllten Eiincr Wasser ausführen, worauf Geuß beim Legtragen s Eimers ohnmächtig zusammenbrach. 3^e/e 356 W!. 356 3M7o 94.50 85.25 94.45 85.05 92.90 92.00 98 05 97 70 92.70 3>67<> Oberhessen . . . Oesterr Goldrente. 47,56 Oesterr. Silbejrente 456 Ungar Goldrente . . am 19. bis . 19. .. Mereotologr-me ^-eov.rchruugen der Station Gießen. ** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben "den Ministerialsekretär in dein Ministerium des Innern Ernst Pi stör auf sein Nach such en mit der Aussicht auf spätere Wiederanstellung aus dem Staatsdienst entlassen und den Kreisamtmann bei deut Kreisamt Groß-Gerau Hermann Pfeiffer zum Ministerialsekretär in dem Ministerium des Innern, den Kreisamtmann bei deut Kreisamt Bensheim Wilh. Schön zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Mainz, den Kreis am rin ann bei dem Kreisamt Büdingen Dr. Karl L ö s l e i n zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Bensheim, den Kreisamrinann bei dem Kreisamt Alsfeld Tr. Otto Phil. Michel zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Groß-Gerau, den Polizeiamtmann bei dem Polizeiamt Darmstadt Paul Emmerling zum Kreisamtmcmn bei dem Kreisamt Alsfeld, den Regierungsassessor Rud. Lauteschlager aus Darmstadt Zum Polizeilommissär bei dem Polizeiamt Darmstadt mit dem Titel „Polizeiamtmann" und dem laufenden Rang eines Kreisamtmanns, den Re- ^erungsassessor Osk. Frölich aus Darmstadt zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Büdingen, den Regierungsassessor Theodor Reinhart aus Worms zum Vorstand des Polizeiamts Gießen mit dem Amtstitel „Polizeiamtmann" und dem laufenden Rang eines Kreisauttmauns ernannt. **Lehrerpersonalten. Ernannt wurde die prob. Zeichenlehrerin an der höheren Mädchenschule zu Mainz Hedwig Klein zur Zeichenlehrerin an dieser Schule unter Belassung in der Kategorie der Volksschullehrerinnen. — Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Mich. Arnold aus Rohrbach (Kreis Erbach) eine Lehrcrstelle an der Gemeindeschule zu Reinheiur. Kirche und Schnle. Lauterbach, 19. Dez. Auch von dem Dekanat Lauterbach ist ein von sämtlichen Geistlichen, soweit sie nicht schon vom Vorsitz im Schulvorstand befreit mären, unterschriebenes diesbezügliches Gesuch an das Ministerium gerichtet worden, das folgenden Wortlaut hat: „Die unterzeichneten Geistlichen des Dekanats Lauterbach sehen sich veranlaßt, Großherzogliches Ministerium des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten, um Entbindung vom Vorsitz im Schulvorstand gehorsamst zu bitten. Tie Gründe, die sie dazu veranlassen, sind: 1. Das in Lehrerkreisen außerordentlich verbreitete herrschende Mißtrauen ^gegen die Pfarrer in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende des schul- vorstandes und die dieses Mißtrauen bekundenden immer wiederkehrenden Verdächtigungen der Pfarrer in öffentlichen Versammlungen und namentlich in der Presse; 2. die Schädigung und Beeinträchtigung der amtlichen Tätigkeit, die den Pfarrern durch Konflikte der Lehrer mit den Gemem- den erwachsen, sofern sie in dieselben einzugreifen genötigt sind; 3. die absolute Bedeutungslosigkeit der Befugnisse, die dem Vorsitzenden im Schulvorstande im übrigen obliegen, und die im wesentlichen im Absenden, Empfangen und Ueberntitteln von amtlichen Schriftstücken bestehen. Aus diesen Gründen machen die Unterzeichneten Gebrauch von der Verfügung Grotzh. Oberkonsistoriums vom 31. August lf. Js., nach der die Geistlichen ermächtigt sind, da, wo sie es für angemessen halten, eine Befreiung vom Amte des Vorsitzes int Schulvorstand nachzusuchen, und die ihrem längst gehegten Wunsch entgegenkommt." Gerichtssaal. Schöffengerichtssitzung Gießen vom 18. Dez. 1908. Telefonische Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel ** Der Evang. Arbeiterverein veranstaltet am 3. Januar in der Stadtlirche für seine Mitglieder und Freunde des Vereins eine Geistliche Musikaufführung, die nach den getroffenen Vorbereitungen einen schönen Verlauf zu nehmen verspricht. Außer der Konzertsängerin Frl. Stammler hier wird die Gesangsabteilung und der Kinderchor deS Vereins mitwirken; auch haben eine Anzahl Fretutde ihre Mitwirkung in Aussicht gestellt. Die Weihnachtsfeier des Vereins, bestehend in GesangSvorträgen, Theater, Märkte. Gießen, 19. Dezember. Marti vericht.Aus heutigem Wocbeil' markte kostete: Putter pr. Pfd. 1.20—1.25 Mk., Hühnereier 1 St. 8—9 Psg., Käse pr. St. 6—8 Pf., Käsematte 2 St. 5—6 Pfo., Erbsen p. Pfd. 18—24 Pfq., Linien o. Pid. 25—40 Psg., Taubai pr. Pr. 0,80—1,00 Mk., Hühner pr. St. 1,00—1,60 Alk., Lahne pr. Stück 0,80—1,80 Mk., Gänse vr. Pfd. 60—70 Pf., Enten pr. Stück 1,80 bis 2,20 Dik., Ochjenfleisch pr. Pfd. 76—84 Pig., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 60—80 Psg., Schweinefleisch pr. Pfund 80—90 Psg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pid. 90 Psg., Kalbfleisch pr. Pid. 70—78 Psg., Hammelfleisch pr. Pid. 60—80 Psg. Kartoffeln pr. 100 Kg. 5.50—6.00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 6,0fr— 8,00 Mk., Diilch per Liter 20 Psg., Weißkraut per Stück 10—15 Psg., per Zentner Mk. 2.50—3.00. — Aepsel per Ztr. 8—10 Mk., Birnen per Ztr. 10—15 Mk. Nüsse 100 Stück 40—00 Psg., per Ztr. 0—00 Mk. Marktzeit von 8—2 Uhr. als Schonrevicr erklärt, so daß ein Fischen nicht ntehr statthaft ist. Tas Gericht gelangte zur Freisprechung unter Belastung der Staatskasse mit den Kosten, einschließlich der der Verteidigung. Widerstand und Gefangenenbefreiung. Der Arbeiter fr. F., Dienstntann Chr. F. und der Arbeiter I. F., alle in Gießen hatten sich wegen Widerstand bczw. Gesallgenenbefreiung zu verantworten. Zwecks Verbüßung einer mehrstündigen Arrcst- strase wurde der Mrgeklagte fr. I. durch einen Schutzmann, der Bezirksschule zugeführt, wogegen er sich sträubte, mit den Füßen trat und um sich schlug. Tie beiden Mitangeklagten Chr. ft. und I. F. befreiten dabei den Arrestanten aus ber Gewalt des Schulmannes. Erst nachdem der Vallr des fr. ft. erschien und den Auftrag des Schutzmannes billigte, konnte die Vorführung erfolgen. Das Gericht verurteilte den fr. ft. mit einem gerichtlichen Verweis. Chr. ft. zu 2 Wochen Gefängnis und I. ft. zu 10 Tagen Gefängnis. Körperverletzung. In der lliacht vom 18. auf 19. Oktober l. I., als der Nachtwächter in Garbenteich einen Streit schlichten wollte und Ruhe gebot, schlug der Weißbinder fr. D. diesem mit der Faust in das Gesicht, so daß ihm Nase und Mund blutete. Als der Nachtwächter unter den Streitenden auch Verheiratete gewahrte, sagte er zu diesen, es wäre doch Zeit für diese, daß sie sich Leim ?,u ihren Weibern legten. Der Angeklagte wurde zu 30 Mk. Geldstrafe ev. 6 Tagen Gefängnis verurteilt. Unterschlagung. Der Omnibuskutscher fr. S. hier, eignete sich ca.19 Mk.rechtswridrig an. Am l.Nov.l.J. benutzte ein Schlosser aus Wieseck, vom hiesigen Lahnhof aus, den Omnibus und zahlte unbemerkt unb infolge der herrschenden Dunkelheit mit einem 20 Markstück. In der Meinung, dem Kutscher 1 Mark gegeben zu haben, ließ er sich 90 Pfg. zurückgeben. Bei dem zu frause erfolgten Kassensturz bemerkte der Fahrgast den Verlust des Geldstückes. Als hierauf dem Kutscher Vorhalt gemacht wurde, bestritt er dies, auch noch bei seiner auf der Polizeiwache erfolgten körperlichen Untersuchung. Erst nachdem man in feiner Mütze versteckt, ein Portemonnaie mit 22 Mk. vorfand, über dessen iSriDcro er sich nicht ausweffen konnte, ließ er sich au einem Geständnis bewegen. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hielt 40 Mark Geldstrafe für angebracht, das Gericht erkannte auf 30 Aiark ev. 6 Tage Gefängnis. Duldung von Gluasspielen. Dem hiesigen Wirte E. A. K. K. war zur Last gelegt, als Inhaber eines o if entlidfon Versammlungsortes einer Wirtschaft, mehrfach Glücksspiele, das sogenannte Mauscheln geduldet zu haben. Da der Angeklagte geständig war, so nmrde von VernelMung der Zeugen Abstand gelte atmen. Der Anklagevertreter beantragte 35 Mark Geldstrafe. Das Gericht erkannte auf 25 Mark ev. 5 Tage Gefängnis. O Laubach, 20. Dez. In vergangener Woche wurde vor unserem Amtsgericht die Schieß affäre, die bereits zu Pfingsten in Gonterskirchen stattgefunden und über die bereits in damaliger Nummer berichtet worden, zum Austra g gebracht. Es handelte sich mehr um einen „Dummen- jungenstreich" als um ein ernstliches Vergehen, deshalb war die Angelegenheit zwischen dem Täter R., der augenblicklich bei dem Militär eingezogen ist, und dem geschossenen G., der die Nevoloerkugel noch im Halse stecken hat, im Weg der Privatklage erledigt worden. Der Vater des R. erklärt sich bereit, 150 Mk. Schadensersatz an G. zu zahlen, vorbehaltlich eines iioch entstehenden gesundheitlichen Nachteils, und übernimmt die etwa ebenso hoch koinmenden Kosten. — Wetzlar, 19. Dez. Heute gelangte die von bet Generalversammlung der Buderusschen Eisenwerke zilf Verfügung gestellte Weihnachtsbelohnung von 60 000 Mk. an die Arbeiter dieses Werkes zur AuS- zahlimg. Es erhielt jeder ledige Arbeiter bei einem Dienst- welcher als Ernährer seiner ftamilie gilt, bei einem Dienst- alter von 1. mindestens 1 Jahr Mk. 15, 2. 2 bis 5 Jahren Mk. 20, 3. 5 bis 10 Jahren Mk. 25, 4. über 10 Jahren Mk. 30. hie iw rübc r ge Hand en ft alle in die franb $u nehmen. <Ät. kamt aber nur dann wirklich erfolgreiche Arbeit leisten, wenn ite nut Der städtischen Armenpflege Hand in Hand arbeitet. Vor allem ein Grundsatz aber muß bei der Privatarmenpftege im Vorder- arund stehen, das ist der, fördernd und hebend durch bte Unter» ftüfcung einsunirren: die städtische Armenpflege tragt, nur nach der' Bedürftigkeit, nickft aber narb der Würdigkeit. - Pie, er Grundsatz hat feine Berechtigung. Die Privatarmenpftege kaim aber nach der Würdigkeit des lluterstützungsbedurrtigen..nagen, und hier eveiituell durch Verweigerung der Unterstützung iittUd) hebend nnb fördernd einwirken. Steins Garten statt. ** Telephon arbeite r. Das Telegraphenamt teilt mit, daß die Telegraphenarbeiter verpflichtet sind, int Dienste Dienstmützen mit vorgeschriebenen Dienstabzeichen zu tragen, und daß jeder eine Äusweiskarte mit sich führt, die er dem Hauseigentümer ufnx unaufgefordert vorzuzeigen hat. Tie Dienstabzeichen bestehen aus Messingbuchstaben T. A. Nr. ... (b. l Telegraphcnarbeiter Nr. . . .) oder T. B. . . . . (b. :i, Telegraphenvorarbeiter). X Wetterfeld, 19. Dez. Gestern abend ronrbe der oerheiratete 54 jährige Verwalter der hiesigen Po st Hilfsstelle L. verhaftet und in das Untersuchungsgefängnis nach Laubach gebracht. Der Verhaftete steht in Verdacht, sich gegen § 174 des Strafgesetzbuches vergangen zu haben. ? Ruppertsburg, 19. Dez. An der Talsperre des oberhalb an der Horloff liegenden Gonterskirchen haben bereits die Arbeiten begonnen; in dem unterhalb gelegenen Villingen sind diese für die nächste Zeit vorgesehen. + Freienseen, 19. Dez. Die Eierfrau I. kam mit ihrem Einkauf von Weickartshain. Als sie hier aussteigen wollte, fuhr der Zug schon nach Laubach ab, sie selbst fiel das Trittbrett hinab und wurde von dem Stationsassisteten und einem Bediensteten aufgehoben. In den Wartesaal ver. bracht, blieb sie über zwei Stunden bewußtlos. JnfolcW des Körperverletzung. Der ftuhrknecht fr. D. in Gießen fing mit feinen Kollegen auf dem Hofe einer hiesigen Steueret .Händel an, wobei er einem ftuhrknechte mittelst eines Messers Stiche in den Rücken und Kopf versetzte, so zwar, daß der Verletzte, wäre der Stiche um ein .Haar breit tiefer gewesen, fein_ Leben Einbußen hätte müssen. Das Gericht hielt eine hohe Gefängnisstrafe für angebracht und erkannte auf sechs Monate. Diebstahl. Einem hiesigen ft-uhrmann stahlt der Arbeiter fr. ft. in Gießen ein ftahrrad und verkaufte dieses an einen l;iefigen Wirt für 40 Mk. Das Gericht erkannte auf 3 M o n a t e. Ter Angck.agte ist dem blauen Kreuz beigetreten unb will sich bessern, er soll zur bedingten Begnadigung vorgeschlagen werden. Haus.sriedensbruch Der Händler H. B. in Gießen stand unter der Anklage, in das eingefriedigte Besitztum des städtischen Elektrizitätswerkes hier, an der Lahn widerrechtlich eingedrungen zu sein und dort trotz Aufforderung des Betriebsleiters, das Gebiet zu verlassen, feine ftolge geleistet zu haben. Der Angeklagte behauptet, er sei mit ftischen beschäftigt gewesen, ! und habe auch zwei Reußen nahe an dem Werke gelegt, wogegen "der Betriebsleiter bcjxnticrt, dieser habe auf dem Gebiet gestanden, das Eigentum des städtischen Elektrizitätswerkes sei. Einer der Zeugen bekundet, der Angeklagte habe das Gebiet von dem offenen Ufer der Lahn betreten, während der Betriebsleiter erklärte, dieser müsse durch das Tor des Elektrizitätswerkes sich Eingang verschafft haben. An dem fraglichen Platze will ein Zeuge früher einmal gefischt haben, dabei sei er von dem Be- triebsleiter angeschrien worden, wie man, dies nicht bei einem Hunde zu tun pflegte, weshalb er das ftischen an diesem Gebiet unterließ. Von der Verwaltungsbehörde wurde dieses Gebiet Alle Briefträger, unsere Zweigstellen und die Geschäftsstelle der Gießener Anzeigers nehmen Lestellungen aus den Wetzlar, 17. Dez. Ein Preßprozeß gelangte gestern vor der Strafkammer zur Verhandlung. Angeklagt waren der G e n e r a l s e k r e t ä r R. in Essen und der R e d a k r e u r £. von Dillenburg. Im Juni d. Js. erschienen in den christlich, sozialen Organen „Nassauischer Volksfteund" in frerhorn und „Dillenburger Nachricht, u" Artikel, in dem cm angeblich „linksliberaler" Pfarrer „Schlingel ans Dreitansendfelden" mit ziemlich scharfen Worten kritisiert wurde. Nicht nur das seelsorgerische Wirken des betreffenden Geist'ichen war einer abfälligen Beurteilung unterzogen, sondern auch seine Lebensgewobnhstten, besonders aber seine Tätigkeit bei der Wahl in dem. Lichte scharf fathrischer Betrachftmg dargestellt. So war u. a. gejagt, daß der „moderne Priester" dem (StKiuffeur_ciner Berliner „Stinkdroschke" gleiche, auch behauptet, „Plärrer Schlingel" sei einmal in einer Wahlversammlung ar. die Luft gesetzt worden und bergt mehr. Durch den betreffenden Artikel, welcher ersichtlich durch die Mb tisck-e Gegnerschaft des angegriffenen Ol^istlichen veranlaßt war, fühlte sich der als Vertreter liberaler Anschauungen bekannte Pfarrer B. tiou Dreifelden beleidigt unb stellte Strafantrag. In der heutigen sehr ausgedehnten Verhandlung wurde die Unwahrheit beziehungsweise Uebertreibung einer Reihx der in dem Artikel ausgestellten Behaupruugen erwiesen. Die Strafkammer kam infolgedessen zu einem Urteil, bei welchem die stellenweise über das Maß des Erlaubten beträchtlich hinausgehende Schärst des Artikels erschwerend in Betracht gezogen wurde. Das Er- kenntnis lautete gegen Generalsekretär R., als den Verfasser des infriminierten Artikels, aus 6 Wo dien Gefängnis, während Redakteur O. mit 150 Mk. Geldstrafe beleg? mürbe. Dem beleidigten Pfarrer wurde außerdem die Publikation^ befvanis zugesprocheu. Der Staatsanwalt hafte gegen R. 400 Mk/gegen Ö. 200 Mk. Geldstrafe beantragt. Das Gericht fühlte fick nach Lage der Sache jedock veranlaßt, bei dem ersten An^ geklagten über das beantragte Strafmaß hinauszngehen und rott oben angegeben .zu erkennen. X Hanau, 17. De, Der kürzlich vorn Schwurgericht zum Lode verurteilte Zigeuner Ebender erhielt heute wegen intellektueller Urkundenfälschung von der Strafkammer 1 Tag Halt. Er hatte vor Gericht eine falsche Namensangabe gemacht, wodurch eine unrichtige Eintragung ins (frefanaenenreaiÜer bewirkt wurde. Spieiplcm der vereinigten Rranifurter Stadttheater. Gvernhaus. Montag den 21. Tez. geschlossen. Dienstag den 22. Tez. „Mignon/ Mittwoch den 23. Tez., abends halb 7 Uhr: „Sonnen- ouckchen." Donnerstag den 24. Tez. geschlossen. Freitag den 25. Te,., nachmittags halb 4 Uhr: „Sonnenguckchen." Abends 7 Uhr: „Sann- Häuser/ Samstag den 26. Dezbr., nachmittags halb 4 Uhr: „Sonnenanckchen " Abends 7 Uhr: „Prima-Ballerina/ Sonntag den 27. De.,., nachmittags halb 4 Uhr: „Sonnenguckchen/ Abend; 7 Uhr: „Figaros Hochzeit/ Montag den 28. Dez., nachmittaq? halb 4 Uhr: '„Sonnenguckchen/ Abends halb 8 Uhr: „Ein Walzer- träum/ Dienstag ben 19. Dez., nachm. halb 4 Uhr: „Sonnen- guckchen/ Abends 7 Uhr: „Joief und seine Brüder/ Mittwoch den 0. Dezbr., nachm. halb 4 Uhr: „Sonnenguckchen/ Abend- halb 8 Uhr: „Prima-Ballerina/ Schauspielhaus. Montag den 21. Dez/): „Maria Stuart/ Dienstag btn 22. Dez.: Zum ersten Male: „Tie Tür ins Freie/ Mittwoch ben 23. Dez.: „Die Liebe wacht/ Donnerstag den 24. Tez. geschloffen. Freitag den 25. Dezbr., nachmittags halb 4 Uhr: „frcimat/ Abends halb 8 Uhr: „Ein Sommernachtstraum/ Samstag den 26. Tez., nachm. 3 Uhr: „Tie Liebe wacht/ Abends 7 Uhr: „Die Tür ins Freie/ Sonntag den 27. Dez., nachmittags halb 4 Uhr: „Ter kleine Landprediger/ Abends 7 Uhr: „Tic Tür ins Freie/ Montag den 28. Tez.: „Die Stützen der Gesellschaft." Dienstag den 29. Dez.: „Wallensteins Tod. Mittwoch dm 80. Tez.: „Die Tür ins Freie/ *V~Aniang, wenn nicht ander? bemerkt, abend? nm 7 Uhr. * Iltieinim lies !Technikum Bingen ' 7? Chan »feurtuirse. Dezember 1908 Barometer aui 0° reduziert TemperaUlr der Lust Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung 20. 915 756,0 1,3 4.6 92 SSW 20. 9 n 7; 6,6 1,6 4,9 94 sw 21. ?15 756,8 2,5 5,2 94 WSW ««»J. mb btt L"F,K Seituto^ yKtlich 'D-.M AW&! T^lunq iüurta p* '.emer SReÄ^ ü’cicn. l*'. MMEer bewirkt^ tihirter$ia)fti|tt Dienstag den 22. t>, enb? halb 7 Uhr: ,6t» WÜen. Freitag den 25' len/ Abends 7 Uhr: £ nachmittags halb 4: briina-Ballerina." 6o: »Soimengnckchen.' K I den 28 Tez., nadjtr- bi halb8Ubr: ,Lin V- i>m. halb 4 Ubr: .Leid seine Bruder/ 'iilir.- „Connenguclchen.' AK ts. ria Stuart/ Tiensitt, Tür ins Freie/ Tlin- Tonnerstaq den 21: , nachmittags halb 4'. ,6in Sommevnadjtsfrr.- ,Tie Liebe wacht/ Sb- g den 27. Tez., nachnii.- r." Abends 7 Uhr: .: .Die Stützen der ßr. ensleins Tod, Mittwoh unevft. abends um 7II iritfitSluf heiiligtni $odt -1:25 M., biilmr 1 & Mfematte 2 et. 6-6 o. W. 26-40 Tar 4,00-1 MM., W D-70^.,6ntm»x.6lüt!: Pid. 76-84 B'g, ' -80 Big, Schweiz ine» g°M.P^ Mq„ Haniinelslench vr. >■ 550-6.00 2KL, 8*: ler 20 Big, 'LeihlnÄ: Alk. »100 etudW" ^on^^r. _ zeövächimigev Gießen. «ti Wett« =111!. Led.his 9 2 z 20. 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XIll van Dyck Lhde-llappe,------- V» agner, KichM Briefe an Minna Wagner, . V\ egener. Das nächste Geschlecht- kart- 2.- U oilT, Shakespeare, Der Dichter u. s. Werk Prof. 3iax Paner schreibt: Der Apparat „Mignon hat meine hochgespannten Erwartungen derart übertroffen, dass ich nur sagen kann: Man muss das Wunder gehört haben, um es zu glauben. Es schien mir uicht denkbar, dass ein Apparat eine „Seele haben könne; und doch habe ich mich belehren lassen müssen. Viel ist schon über Mignon geschrieben worden, ich beschränke mich darauf zu saken, dass das scheinbar unmögliche durch ciese geniale Erfindung zu glänzender Wahrheit geworden ist Bo man e, Novellen, Erzählungen: Bock, Alfred, Hessenluft (JhrlMtallcr, Aus niederen Hütten Eruiet, öeuiper der Jüngling i inckh. Rapunzel - - - - - Hauptmann, Griechischer Frühling Heer, Euubgewmd . . - - - - - - - - - , - - • • Hermann, Henriette Jacoby, Jettchen Geberts Ebegesch. HcBoe, Nachbarn. Novellen Holzamer, Vor Jain1 und Tag . . . * Lageriöf, Wunderbare Reise, d Bde. Lüieucrun, Knegs-Novehen, Tasch.-Ausg. --, Leben und Luge IHUlenholT, Was aus ihnen wurae. Novellen .... Honegger, Peter, Alpensommer Scuieuer, Alle guten Geister isciimittlienncr, Das deutsche Herz - - speri, Die bohnc des Herrn Budiwoj, Volksausg. . . Suueriuaun, Das hohe Lied • V leuig, Das tägl. Brot, Volksausg ----, Dar, Kreuz im Venn. . - . . . - - - - • - - IV aesermunn, Caspar Hauser, oder die Trägheit des Herzens - Zahn, Die da kommen und gehen! Zimmcr ° Eiurichtungcn sowie Einzklmöbcl Gardwev, Teppiche rc. lOf. Rabatt bis 1. ooaucr. [7155 Carl Zimmermann 'Möbel - Anöttattnugs - Geschäft Neuen Baue 15. Eugenlose Trauringe Goldene Brillen u. Pincenez empfiehlt Emil Schmidt Welte-Mignon Reproduktions-Piano " Preis: Mk. 3000.— Notenroilen von 6 bis 50 Mk. Das Piano gibt die Vorträge der ersten Künstler wie Eugen d'Albert. Bunoni, Carreno, Grünfeld, Paderev.wki. Reisennucr. 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