Nr. 72 Zweites Blatt 158, Jahrgang Mittwoch 25. März 1908 Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Eichener ZamiNenblStter" werden dem .Anzeiger' tncrmal wöchentlich beigelegt, das „Krctsblatt für den Kreis Eichen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeitfragen" erscheinen monatlich zweimal. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oderheßen Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitälS - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: 5L Redaktion:S-^112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen. politifcfyc Tagesschatt. Tie Monarchenbegegnung in Venedig. Am heritigen Mittwoch trifft daS deutsche Kaiserpaar in Venedig mit dein Könige von Italien zusammen. Eine Bekanntmachung des Bürgermeisters von Venedig erklärt, der König werde zurBegegnungmitdemdeut- schen Kaiser und der Kaiserin Mittwoch früh um 7i/y Uhr eintreffen. Venedig begrüße die erlauchten Gäste, die es mit ihrer Anwesenheit beehren, bei dieser glücklichen Gelegenheit von neuem mit aller Ehrfurcht. Mehrere italienische Hofwürdenträger haben sich schon gestern nach Venedig begeben, um dort die letzte Hand an die Vorbereitungen zu legen zum Empfange Kaiser Wilhelms. Die Monarchcn-Zusammenkunft wird einen ausgesprochen offiziellen Charakter tragen. Beim Frühstück im Palast werden Trinksprüche gewechselt werden. König Viktor Emanuel teilte Kaiser Wilhelm mit, ct sei glücklich, ihn im Palast zu begrüßen. König Viktor Emanuel wird nach den neuesten Dispositionen zwei Tage in Venedig verbleiben. Anläßlich oer bevorstehenden Einkunft des deutschen Kaisers und der Kaiserin treffen viele Fremde in Venedig ein. In der Staot herrscht ein lebhafter Verkehr. Viele Häuser tragen Festschmuck, der Bahnhof ist mit Fahnen und Blumen glänzend dekoriert; das Bassin San Marco, wo viele deutsche und italienische Schisse liegen, bietet einen herrlichen Anblick. Der Militärattaasö und der Marineattache von der deutschen Botschaft in Rom sind in Venedig eingetroffen. Minister Tittoni wird als Gast des Königs in dem Königlichen Palais wohnen. Die italienischen Blätter halten einstlveilen mit ausführlichen Kommentaren über die politische Bedeutung der Entrevue zurück, ytn Ganzen kann man sagen, daß man ihr hier ohne sonderliche Erregung entgegensieht, aber von Ser Tatsache, daß die verbündeten Monarchen sich begrüßen, befriedigt ist. Nur die V i t a betont heute schon, die Zusammenkunft sei diesmal mehr als nur ein gewöhnlicherHöflichkeitsakt. Sie habe politische Bedeutung und loerde wohl auch politische Folgen haben. Es seien viel zu schwierige internationale Fragen auch hinsichtlich des Dreibundes heute von der Diplomatie zu erledigen, als daß es anders sein könnte. Zn einem Leitartikel über die Zusammenkunft in Venedig lveist die „Tribun,a" auf die Bedeutung desDrerbundesfürdieEnt Wicklung Italiens hin und begrüßt den deutschen Kaiser als treuen Bundesgenossen und aufrichtigen Freund Italiens, den das italienische Volk liebe und bewundere. - ♦ Deutsch-französische Annäherung. In einer am Sonntag im Lauoeshause der Provinz Brandenburg stattgehabten, zahlreich besuchten Versammlung hervorragender Persönlichkeiten von allen Gebieten des öffentlichen Lebens wurde die definitive Konstituierung eines bereits im vorigen Jahre vorbereiteten deutsch-französischen Annäherungskomitees vollzogen. Es wird eine den allgemeinen Interessen beider Stationen dienende Entente angeftrebt, die insbesondere nähere Beziehungen auf wissenschaftlichem, künstlerischem, kolonialem und sportlichem, überhaupt auf kulturellen» Gebiet herbeiführen soll. Zu diesem Zgieck ist der Austausch von Vorträgen hervorragender Parlamentarier, Kolonialmänner, Gelehrten, Künstler, Techniker 2C» in Deutschland und Frankreich in Aussicht genommen. Auch solle»» Zusammenkünfte unb Studienreisen von Parlamentariern, Journalisten, Ge.lehrten, Körperschaften ufro. arrangiert und -unterstützt werden, um so die Staatskräfte beider Nationen einander näher 311 bringen. • Der Herzog von Tevonshire f. In Cannes ist gestern der Herzog von Devonshire im Alter von 75 Jahren gestorben. Er hat in der politischen Geschichte Englands eine hervorragende Rolle gespielt. Unter Palmerston wurde er 1863 Unterstaatssekretär und dann im Ministerium Russell-Gladstone bis 1866 Staatssekretär des Krieges. Als Gladstone 1868 wieder an die Regierung kam, wurde er General - Postmeister und 1871 Staatssekretär für Irland. Als Gladstone nach seiner Wahlniederlage 1874 von der Regierung und im folgenden Jahre auch von der Führerschaft der Liberalen zurücktrat, wurde er ZU seinem Nachfolger als Führer der Liberalen geivöhlt. Zwei Jahre später wurde er im Ministerium Gladstone Kriegsminister. Mil Gladsipne trat- er 1885 zurück. Er wurde der Urheber unb Führer der Sezession. Nach dem Tode seines Vaters trat er 1891 als Herzog von Devonshire in das Oberhaus. Erst im Jahre 1895 trat er als Vorsitzender des Geh. Rats in das dritte Kabinett Saltsbury ein. Besonders beschäftigten ihn. Unterrichtsfragen. Deutsches Reich. Berlin, 24. März. Reichskanzler Fürst Bülow wird dem Vernehmen nach während der Osterzeit dem österreichischen Minister *Baron Aehrenthal einen Gegenbesuch in Wien machen unb sodann nach Rom reisen, um dort einige Tage der Erholung zu widmen. — Die Nachricht, daß die Verhandlungen über die Mahrung des status quo in der Nordsee abgeschlossen feien und die Unterzeichnung einer entsprechenden Erklärung von Seiten der beteiligten Mächte demnächst zu erwarten stehe, wird heute von zuständiger Stelle be (tätigt — Den Morgenblättern zufolge beschloß die Berliner S t a d t v er o r d n et en - V e rs a mm l u n g einstimmig, den Magistrat zu ersuchen, wegen Einführung der fakultativen Feuerbestattung bei Regierung und Parlament zu petitionieren. Hambürg,,24. März. Der präsidierende Bürgermeister Dr. Mönkeberg »vurde gestern nachmittag von einem Schlaganfall betroffen. TaS Bewußtsein »st noch nicht wieder zurückgekehrt, doch hoffen die Aerzte ihn am Leben zu erhalten. Stuttgart, 24. Marz. Die Handelskammer hat einstimmig den Entwurf zur Errichtung von Arbeitskammern als ungeeignet abgelehnt. Hessische LanSwirtschastrkammer. Darmstadt, 24. Die heute vormittag O1/! Uhr vom Vorsitzenden Geh. Rai Haas eröffnete zweite Sitzung genehmigte nodj einige gestern unerledigt gebliebene Restiapitel des Hauptvoranschlags für 1908. Bei dem Schlußkapitel, Reste aus früheren Jahren macht Ministerialrat Dr. Ufinger daraus austnerlsam, daß mast wohl auch die Restsumme des im v. I. übrig gebliebenen Betriebskapitals mit unter die Einnahmen hätte stellen müssen. Geh. Rat Haas erwiderte, ein Ueberschuß vom v. I. könne erst im nächstjährigen Etat gebucht werden. Im übrigen würden sich die in Ansatz gebrachte^ Gebühren wohl noch wesentlich erhöhen. Rach Erledigung des Voranschlags für 1908 stellt Oekonoimerat Walter beit Antrag, die Regierung zu ersuchen, daß der Staatszuschuß für die Landwirtschastskammer in Zukunft in einer Summe erfolge und die Landwirtschaftskammer die Verteilung auf die einzelnen Zweige selber besorge. Ministerialrat Dr. Usinner antwortet: Die Entscheidung darüber könne nicht vom Ministerium des Innern allein, sondern nur vom ganzen Ministerium getroffen werden. Abg. Bähr erklärt sich gegen die Zahlung des Staats-Zuschusses als Pauschalsumme, wenn damit nicht zugleich die Prozentsätze für die Provinzen festgesetzt würden. Geh. Rat -Haas empfiehlt, dem An.rag Walter zuzustimmen, well auf diese Weise eine Uebertragbarfeit der Zuschüsse ermöglicht werde, lieber diese Verteilungsmöglichkeit und die. Wohlhabenheit der einzelnen Provinzen finbet noch eine längere Debatte statt, an der sich die Mitglieder Römer,Fritsch, Hensel,Schmitt- Oppenheim, Breidenbach, Hahn, Keller, Spießheirn, Höhn, M o g k und Walter beteiligen. Ter Antrag Walter wird darauf einstimmig angenommen, ebenso ein Antrag des Vorstandes über die Bestimmung der Wahkkommissäre bei Wahlen der Landwirtschaftskammer. In die P serdezucht kv mm issio n wurden gewählt für Starkenburg Oekonomierat Fritsch-Tillshosen, für Rheinhessen Stauffer- Wachenheim und für Oberhessen M o g k -Gau- Schwalheim. Für bie Beschickung der Wanderausstellungen der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft wurde aus Befürwortung des Generalsekretärs Dr. Müller eine besondere Ordnung angenommen. Es folgt darauf die Beratung des Grundplans zur Förderung der Tierzucht. Prof. Dr. G i se v in s-Gießen legt als geborener Ostpreuße eingehend seine Anschauungen darüber dar und empfiehlt verschiedene Aenderungen. Nach seiner Meinung müßten Kreuzungen entschieden vermieden und der Reinzucht die größte Aufmerksamkeit zugewendet toerben. Tie Kreuzung fei das Hauptübel, das der hessischen Landwirtschaft im Wege stehe. Jedenfalls sollten die Kreuzungen von der Prämiierung ausgeschlossen werben. Oekonomierat Walter empfiehlt, ben vorgelegten Grund- plan anzunehmen, denn er entspreche ben gegebenen Verhältnissen. Beim Rindvieh gehe die Erneuerung einer reinen Rasse nur langsam vor sich und deshalb seien viele Landwirte nicht in der Sage, reine Rassen, sondern nur Kreuzungen zu züchten, wollte man bie letzteren nicht prämiieren, so würden viele Teile des Odenwaldes ganz von der Prämiierung ausgeschlossen werben. Abg. Bauer schließt sich biefen Ausführungen an und macht auf den tiefgehenden Einfluß aufmerksam, den Boden und Klima auf die Rindviehzucht ausübten. Es müsse bei der Feldbereinigung mehr Wcrt auf bie Anlegung von GemerndeweÄ>en gelegt werden, was auch im Interesse der Rassezucht geboten sei. Ministerialrat Tr. U s i n g e r ist dankbar für die letzteren Anregungen uNd erklärt, daß namentlich für die Anlegung von Viehweiden Sorge getragen würde. Leider sei oft schon der gute Wille am Widerstand der Gemeindevorsdände gescheitert. Lb.r»andstallmeiskr v. Wittich erklärt, auch für bie Pferdezucht fei eine gute Weide die Hauptsache; es sollte bei Anlegung von Jungviehweiden auch auf die Fohlen Rücksicht genommen werden. Nach einigen weiteren Reben wird ein Antrag Weil-Laug- Göns, bete, die Errichtung von Zuchteberstationen, ein Antrag Brauer, betr. bie Schaffung von Jungviehweiden und ein Antrag Trautmann, betr. bie Beschaffung von Tummelplätzen angenommen. Darnach gelangt auch ber Grundplan mit verschiedenen unwesentlichen Abänderungen zur Annahme. Der Grundplan zu Förderung des Obst-, Wern-, Garten- und Gemüsebaues erfordert ebenfalls eine sehr ausgedehnte Beratung. General- fefretar Dr. Ai ü U e r befürwortet die vorn Vorstand vorgesthlagene Fassung und betont besonders bie Notwendigkeit der Arbeitseinteilung auf diesem Gebiete unb bie Notwendigkeit der Mitarbeit ber Fachschulen an der Förderung des Obstbaues. In der Debatte werden namentlich die mit zur Beratung stehenden Maßnahmen zur Bekämpfung der Gelbsucht der Weinberge unb der Bekämpüing der Rebschädlinge mit Ausnahme der Reblaus, sehr eingehend erörtert. Ter Grundplan wird schließlich genehmigt. Die hierzu gestellten Anträge werden angenommen, darunter ein solcher betreffend die Errichtung von Rebschulen. Ein Antrag des Bezirksausschusses L i l b e I betr. die Abhaltung von P f e r b e m u st e r u n g e n geht dahin, baß die Pierbe-- mufterungen geht dahin, paß die Pserdernusterungen nur in ber Zeit vom 10. November bis 1. März (in den höheren Lagen bes Odemoaldes unb des Vogelsbevges vom 1. November bis 15. März) trorgenonnnen toerben sollen. Tie Musterungen sind in jeder Ge- mernbe unb bei solchen Pferdebesitzern, bie 10 unb mehr Pferde besitzen, an £rt und Stelle vorzunehmen. Einzelne Besitzer, die bis 1 Kilometer von der Ortsgemeinde wohnen, sind gezwungen, ihre Pferde zur nächstgelegenen Pferdenmsterung zu bringen. Für mehrere einzelne im Umkreise bis zu zivdi Kilometer liegende Gehöfte ist eine besondere Musterung vorzunehmen, wenn diese zusammen 10 oder mehr Pferde besitzet:. Für Unfälle und Schäden, die infolge ber Abhaltung ber Pserde- musterungcn entstehen, soll die Militärbel-örde haftbar gemacht werden. Oberregierungscat T-r. Heinrichs hält die Wünsche ber Landwirte zwar für berechtigt, aber auf Grund ber Bestim- mungen über Pserdemustcrung unb Aushebung vom Jahre 1902 für schwer annehmbar. — Oekonoinierat Fritsch tritt für Haftbar machung des Staates bei Unfällen auf der Musterung ein. Ter Antrag wird schließlich angenommen. Ein Antrag Dr. Deh- linger-Weilerhof auf Ermäßigung ber Kohleneinsuhr- tarifc und Erhöhung ber Ausfuhrtarife lautet: Die Regierung ist zu ersuchen, mit Nachdruck an geeigneter Stelle dafür einzutreten, daß Maßnahmen gegen die Kohlenteuerung ergriffen werden. Ter Antrag wird nach langer Debatte angenommen. Ohne Debatte bewilligt sodann die Kammer 2000 Mark zur Errichtung eines L i e b i g d e n k m a l s in T a r m st a d t. (Beifall.) Ten letzten Punkt der Tagesoronung bilden Entscheidungen über die Wahlen zur Lanbwiitfchastslämmer. Es haben sich im ganzen 9 Beanstandungen zu Wahlen der Vertrauensmänner ergeben, die sämtlich nach den Anträgen des Ausschusses erledigt wurden. . Tie Wahlen ber Kammermitglieder Höhn-HeppenherM, Mogk-Gau-Schwalhcim unb Valentin Lösch- Wald-UclverSheim werden für ungültig erklärt. Am Schluß bet Hauptversammlung widmet der Präsidettt Haas dem fdjeibenben Generalsekretär Müller roarmc Worte ehreirden Nachrufes und der Anerkennung seiner Verdienste. , Tie Mitglieder erbeben sich zum Einverständnisse damit von den Sitzen. Herr Dr. Müller bittet, ihm ein freundliches Andenken zu bewahren. Daraus wird die Hauptversammlung geschlossen. Ans sraöt itttO Gießen, 25. Marz 1908. • * Tageskalenber für Mittwoch, 25. März. Stadt- lheater: Die Wildente. Anfang 8 Uhr. * • Der heutige Tag ist „Mariä Verkündigung"'» An diesem Tage treffen nach dem Volksglauben die Schwalben aus ihren Winterguartieren im sonnigen Süden wieder bei uns ein, um sich wieder in der Helmat bequem zu machen. Diesmal lächelt sie den graziösen Vögeln einen recht gastlichen Wlllkommengruß entgegen; eine malenwarme Sonne lächelt über den Auen, an den Sträuchern tritt das erste Grün hervor und das Orchester der Amseln, Stare und Fmken musiziert schon munter darauf los und harrt auf den zwitschernden Einsatz der schwalbenschwänzigen Kameraden. Am Sonntag sahen wir auch das erste Storchenpaar dieses Lenzes. Die Ankunft der Störche beweist uns die Dauer des Frühlings. * * Eine neue Gebührenordnung für Hebammen tritt am 1. April d. I. m Kraft. * * Ein neues Anschlußbahngeleis. Dem Fabrikanten Karl Bänninger in Gießen wurde vom Mi- niflerium der Finanzen die jederzeit widerrufliche Erlaubnis erteilt, von seiner Fabrikanlage ein Anschlußgleis an das Hauptgleis der Strecke Gießen—Gelnhausen in km 1,830 anzulegen und durch die Eisenbahndlrektion Frankfurt a. M. mit Lokomotiven betreiben zu lassen, lieber den Betrieb werden noch besondere Bestimmungen erlassen werden. * * Eine 3»bienreife. In der Sektion Gießen des deutschen und österreichischen ÄlpenvereinS sswach am letzten Vereinsabend Chemiler Tr. Renning Über seine im Vorjahr aus- ge führte Reise nach Indien. Der Vortragende, der sich etwa 1 Monate im fernen Wunderland des Ostens auf hielt, hatte während dieser Zeit Gelegenheit, einen tiefen Einblick in das dortige Leben unb Treiben zu gewinnen, ben er nunmehr in Wort und Bild den zahlreich erscknenen.m Sektionsangehörigen vermittelte. T^er auf dem österreichischen Lloyddampser „Vohemia" von Triest aus ausgeführten Seereiie nach Bombay folgte eine Besichtigung ber Stadt, während bie Vorbereitungen zur Landreise getroffen wurden. Tie Stadt ist in die Europäerstadt und die Eingeborenenstadt gefchieden, die bell): eingehend geschildert mürben. Besonderes Jntereße erregte die Schilderung der Begräbnisstätte der Parsen auf Malabar Hill, wo die Leichen in den Türmen des Schweigens Aasgeiern zum Fressen vorgeworfen luerben. Ein weiterer Besuch galt Elepanta mit )einem alten Felsentempel, der ein gigantisches Werk dar stellt. Inzwischen war die Ausrüstung zur Landreis.' fertig geivorden. Auf einem kleinen Küftendainpfer schiffte die Reffe- geiellschaft sich ein, um ch herrlicher Fahrt Goa zu erreichen, in dessen Umgebung unser Reisender nach Erzschätzen forschen sollte. Nach kurzem Aufettthalt in einem sehr schlechten Hotel fuhr man ben Fluß Creek hinauf, welche Fahre Ijerrliebe Landfchaftsbilder bot. Tann folgte ein längeres Zeltleben, das bei anstrengender beruflicher Tätiakeit sehr beschwerlich war, aber auch schöne Einblicke! in die landschaftlichen Reize und das Volksleben Portugiesisch--- Indiens bot, das nicht viel ton Europäern besucht wird. Ten Schftlß des Vortrags bildete die anschauliche Schilderung eines Hindufestes bei den Tcmpelanlagen zat Shroda. Tie Hindube- völkerung ist durch das Nama in die Konfessionen ber Shiwaanbeter lShiwa-Zerstörer) und Vishnuanbeter (Vishnll gleich der gütige Welterhalter) getrennt. Diese beiden Gottheiten treten ebenso wie ihre (Sternafytinnen in vielfältigen Verkörperungen und unter ebenso vielen Namen auf. Um jede bevorzugte Lieblingsgöttin hcriim, ber besonders kräftiger Beistand in allen Lebenslagen zwi geschrieben wird, bilden sich die vielen einzelnen Sekten. Tas Narna- zeickMi der Vishnuiten hat die Gestalt einer römischen V, auf der Stirn angebracht, bei den Frauen ein buntfarbener Punkt an der Nasemvurzel. Die ton alterZher stammende Einteilung in Gesett- schaftsklassen od. Küsten: Brahmanen-Priester u. Gelehrte; Latrijas entsprechend unserem Adels-, Militär- und Beamtenstande; WaishyaL oder Ackerbauer und Gewerbetreibende; Shu- dras niederste Kaste, Arbeiter und Kulis. Unterkasten ober Tjatis üben gleichsam eine private Polizeiaufsicht aus über alle ihr« Angehörigen unb regeln alle K astenangelegenhellen. In dieser Kasteneinrichtung, die die Bevölkerung in unzählige kleine Teile mit besonderen Privatinteressen trennt und in dem Haß ber Hindus gegen bie Moslims liegt die Möglichkeit, daß England mit einer Handvoll Leute das große dichtbevölkerte Indien regieren kann. — Tas Fest galt der höchsten Glücksgöttin Camaxcha Säuerte einige Tage. Trommelschlag unb Flötenspiel verkünbeten den Lln- scmg des Tomaschos (des eigentlichen Festes). Magnesiumbeleuck)- tung (das einzig Moderne) verwandelte die Nacht in gespenster- haften Tag. Tie Gottheit in vergoldetem Thron auf einer Bahre, die von Jünglingen getragen wurde, sah den Tanzenden der Bajaderen, Tempeldienerinnen, Nautchgirls zu Tiefe in kostbaren golddurchwirk- ten Gewändern nrtt gvldnen Ohren- und Nasengehängen, mit goldenen Spangen an Armen und Füßen tanzten und sangen. Graziöses Chassirren mit graziösen Körper- und Handbewegungen zeichnete sie aus, dazu schötrer Wuchs und stolze Haltung. Tiese dtautchgirls gehören zu der Untertafte der Naigrns, sie dürfen nicht heiraten. Nach den Tänzen brachte man die Gottheit in ben Tempel auf vergoldetem Thron, theatralische Aufführungen von 3 Braymancn. Mit Morgengrauen folgte das Ende des Festes, alle von nah und fern herbeigeströmte Hindu legten sick) zur Ruhe in den Tempelvorhof. — Tem durch zahlreiche gute Lichtbilder sehr anschaulich ge- machteir Vorwag folgte lebhafter Beifall. Ten Schlutz )einer ru- tere,faulen Reiseschilderung wird Herr Tr. Reuning an einem der nächsten Sektionsabende vortragen, worauf Interessenten jetzt schon aufmerksam gemacht seien. *• Ration al liberale Versammlungen. Letzten Freitag, 22. l. Mts., sprach O. Riedel an§ Gießen für die nationalliberale Partei in Treis a. d. Lumda über unsere Reichspolllik. Eine Diskussion schloß sich dem Vortrage nicht an. Am Samstag, 23. I. Mts., referierte derselbe Redner m Altendorf a. d. Lumda. Der Bauer'sche Saat war dis auf ben letzten Platz beseht. Lehrer Adam eröffnete und leitete bie Versammlung. Tie Ausführungen des natioualllberalen Redners wurden beifällig aufgenouunen. Rur ab unb zu glaubte einer der Anwesenden Zivischenrufe machen zu müssen. Ihm wurde aber jedesmal sofort von dem Redner gedient, so daß trotz mehrfacher Aufforderung nach Schluß des Vortrags sich niemand zum Worte meldete, obwohl die Versammlung zum weitaus größten Teil aus Gegnern bestand. Auch die Versammlung in Weite rs- hain, die am Sonntag abend im Tbcis'schen Saal stattfand, hatte sich eines überaus starken Besuchs zu erfreuen. In der Diskussion, die sich den Lstündigen Ausführungen des Herrn Riedel über die Politik im Reiche anschloß, konnte Bürgermeister Sann die Behauptung des Redners, daß die wirtschaftliche Vereinigung nur eine Fraktion des persönlichen Ehrgeizes sei, durch naheliegende Beispiele beitätigen. Lehrer Hebermehl bewies a. u. überzeugend, daß die Kohlenbarone durchaus nicht mit der nationalliberalen Partei identisch seien, wie die Antisemiten erzählten. "Das Kaiser-Panorama führt unS in dieser Woche in daZ Salzkammergut. Es sind bekannte, vielfach schon von Jugend auf vertraute Rainen, die uns hier entgegentreten: Ischl und Gastein erinnern uns an den ersten Kaiser des neugeeindeten deutschen Reiche? und an seinen Verbündeten, den Herrscher Oesterreich-Ungarns. Hallstadt, Hallein, Zell am See, Traunkirchen und wie die Städte und Flecken im lieblichen Salzkammergut alle heißen mögen, sie alle wecken in uns Erinnerungen. Seebilder und romantische Flußlandschaften wechseln mit hochstrebenden, gigantischen Gebirgsszenerien und sonstigen interessanten Partien. Kurz und gut, es ist eine Freude, im Raturgenuß schwelgen zu können und befreit von den Mühseligkeiten, die sonst eine solche Alpenfahrt im Gefolge hat. -|- Staufenberg, 23. März. Dem. hiesigen Unteroffizier in der Schutztruppe für Deutsch-Süd-West-Afrika Wilh. Stephan wurde das Militär-Ehrenzeichen II. Klasse verliehen. x Lich, 23. März. Die Anzahl der Schüler der Großh. Präpa rande n anstal t betrug im verfloffenen Schuljahr 132. Vor einigen Jahren erfolgte die Teilung der Anstalt in 4 Klaffen. Die Anmeldungen laufen auch in diesem Jahre in normaler Zahl ein. Zurückweisungen wegen Ueberfüllung, von denen in verschiedenen Blättern zu lesen war, haben bis fetzt keine stattgefunden. Ebensowenig wird eine Zurückweisung weiterer Neuanmeldungen aus obigem Grunde stattfinden. § Lißberg, 24. März. Gegenwärtig erhält das Gleis der Nebenbahn stärkere Schienen und Schwellen. Der Umbau soll bis zum 1. Mai d. I. beendet sein. Von diesem Zeitpunkte an findet ein Maschinenwechsel in Gedern nicht mehr statt. Es verkehren nur schwere Maschinen zwischen Gedern und Lauterbach. — Der Bahnhof Hirzenhain wird durch neue Gleisanlagen bedeutend erweitert. ----- Sch litz, 24. März. Dem hiesigen Nie de rt oris ch e n Bankverein ist vom Großh. Ministerium die Rechtsfähigkeit verliehen worden. ^Wetzlar, 22. März. Von Jahr zu Jahr lichten sich die Reihen der Kämpfer immer mehr, die in den Kriegen 1864, 1866 und 1870/71 für unseres Vaterlandes Einheit gestritten haben. Der Kreiskriegeroerband Wetzlar hat daher beschlossen, alljährlich die Namen der verstorbenen Mitglieder zu veröffentlichen. Dieses Verzeichnis bringt neben dem Namen und Wohnort auch den Truppenteil, Feldzüge und Alter der verstorbenen Krieger. Die Totenliste des Vereinsjahres 1907 weist aus unserem Kreisverband 33 der Verstorbenen auf. Unter diesen haben 5 alle drei Feldzüge mitgemacht und 4 nur den Krieg gegen Oesterreich. Im Kriege gegen Frankreich waren 21 der Verstorbenen beteiligt, darunter 20 gegen Oesterreich und jene 5 gegen Dänemark. Gießener Strafkammer. Gießen, 24. März. Die Beigeordnetenwahl in Branerschwend. Die Staatsanwallschaft legt dem früheren B ürgerinei - si e r I. Sch. von Branerschwend zur Last, bei der im vorigen Jahr erfolgten Bcigeordnetrnwahl ein unrichtiges Ergebnis herbeigeführt bezw. das Ergebnis verfälscht $u haben. Bereits im Frühjahr vorigen Jahres hatte die Wahl emes Beigeordneten stattgefunden, in der von dem Gastwirt Roth der Sieg davongetragcn wurde, während sein Gegenkandidat, der seitherige Beigeordnete Reibling untwlag. Infolge Rettanratwn wurde bic Wahl für ungültig erklärt, weil von dem Gewähllen Getränke spendiert worden waren. Es kam deshalb zu erneuter Wahl, bei der sich die nämlichen Kandidaten gegenüberltanden. Ter Angeklagte, der als Wahlvorsteher fungierte, entnahm der Urne die Stimmzettel und verlas die Namen, während ein Beisitzer die Lifte führte und der andere die Stimmzettel auf der Rückseite numerierte, aber ohne jegliche Kontrolle auszuübcn. Tas Resultat war Stimmengleichheit, weshalb zur Losziehung geschritten wurde, bei der der seitherige Beigeordnete siegte. Beim Bekannllverden des Wahlresultats war sich die unterlegene Partei einig, es müsse nicht mit richtigen Tingen zugegangen sein, da sip ein anderes Resultat als bei der vorhergehenden Wahl nicht erwartete. Es wurde deshalb Beschwerde beim Kreisamt erhoben und da 43 Wähler behaupteten, Roth gewählt zu haben, dieser nach dem Ergebnis aber nur 41 Stimmen hatte, wurde eine Untm'uchung eingeleitet, die die Anklage wegen Wahlfälschung nach sich zog. Von den 56 Zeugen gaben 43 unter Eid an, den Gastwirt Roth gewählt zu haben. Es sprach weiter gegen den Angeklagten, daß zwei Stimmzettel das Aussehen haben, als sei an ihnen eine Amderung vorgenommen worden und der Beisitzer, der die Zettel numerkrrte, erklärte, die darauf befindlichen Nummern rührten nicht von seiner Hand her. Es wurde auch feftgeftellt, daß der Angeklagte in sehr ungehöriger Weise für den Kandidaten Reibling agitiert hat und zwar unter Mißbrauch seiner Autorität als Bürgermeister. Auch die Verlesung eines Briefes aus dem unzweideutig hervorging, er sei berell, gegen Gewährung einer Vergütung pflichtwidrige Handlungen vorzunehmen, sprach zu seinen Ungunsten. Trotz schweren Verdachtes hielt das Gericht die vorliegenden Beweise nicht für ausreichend, da sich unter den Zeugen einige befanden, deren Zuverlässigkeit beanstandet werden mußte.' Dazu kam noch, daß erfahrungsgemäß nie so viel mit Unwahrheiten umgegangen wird, als bei den Wahlen und es nicht ausgeschlossen ist, es habe einer oder der andere Wähler, der die Zettel beider Parteien bei sich trug, versehentlich den auf den Gegenkandidaten lautenden Zettel abgegeben. Ta sich das Gericht von der geplanten Weiteren Untersuchung keinen Erfolg versprach, ließ es mangels Beweises Freispruch ergehen. <ßered?t$faaL Posen, 23. März. Vom Kriegsgericht wurde der Sergeant Janisch vom Infanterie-Regiment Nr. 47 wegen Mißhandlung Untergebener zu 4 Wochen Mittelarrest verurteilt. Er hatte einen Musketier hintereinander fünfzigmal Kniebeuge machen und hierbei jedesmal einen gefüllten Kohleneimer strecken lassen. • Essegg, 24. März. Im Nachtschn ellzuge Agram- Br od kam es zu einem Kampf zwischen Gendarmen und mehreren im Zuge fahrenden Dieben. Diese, drei an der Zahl, wollten einen allein reisenden Passagier ausplündern, lvurden jedoch von 2 zufällig itn Zuge fahrenden Gendarmen überrascht. Zwei Gauner sprangen aus dem Zuge. Einer wurde verhaftet. Die Diebe scheinen einer internationalen Bande anzugebören. "Zur Verhaftung des Pariser Millionendefraudanten Rochette wird noch berichtet: In der Banque de France wurden 3*/, Millionen Francs beschlagnahmt, welche Rochette dort für Rechnung der von ihm gegründeten Banque franco espagnole deponiert hatte. Man sucht weitere Depots, die Rochette, wie man annimmt, unter Decknamen hinterlegte. Angestellte Rochettes versichern, er besitze ein Guthaben von 10 Millionen bei der Banque de France. Tie Erregung über die Verhaftung ergreift weite Kreise, sowohl in Paris als auch in den franz. Prooinz- städten und selbst in Spanien, wo sich Zweigniederlassungen dieser Bank befinden. In allen Zweiggeschäften ziehen die Personen, welche dort Geld deponiert hatten, ihre Einlagen zurück. Mau spricht von über 100 Millionen, welche Direktor Rochette veruntreut haben soll. In der Banque Franco-Espagnole sowie in anderen Gründungen Rochettes sollen auch bedeutende spanische Kapitalien engagiert sein. Die „Siberte“ berichtet, daß Rochette bereits vor 3 Wochen 3 Tage lang in Haft gewesen, jedoch infolge Intervention politischer Persönlichkeiten gegen eine Bürgschaft von 2 5 0 000 Fr. wieder freigelassen worden sei. lieber eine der Gründunqen Rochettes roitrbe von einem radikalen Deputierten bereits im November eine Jntervellatien angekündigt. Den Zeichnern der betreffenden Aktien wurde 24. Stunden später von der Banque Franco-Espagnole das Geld zurückerstattet. Ter französische Handelsmmister Cruppi, der von Pariser Zeitungen mit der Affäre Rochette in Verbindung gebracht worden mar, läßt erklären, daß er mit Rochette, den er gar nicht kenne, niemals Begehungen unterhalten habe. Ter mit der Untersuchung gegen Rochette betraute Richter beschlagnahmte 9 Millionen Francs, die m verschiedenen Banken hinterlegt waren. Kleine Tageschronik. Im Hauvtbahnhoie zu München-Gladbach wurde in einem Abteil 3. Klasse der Student Vossen aus Ratheim mit einer Schußwunde in der Herzgegend schwer verletzt aufgefunben. Es scheint ein Selbstmordversuch vorzuliegen. Kleines Feuilleton. — Die erste Hochschule für G e w e r b e - H y g i e n e. Aus Frankfurt a. M. wird uns geschrieben: Zur ersten deutschen Hochschule für Gewerbe-Hygiene ist Frankfurt a. M. ausersehen. Im unteren Maintal und in der benachbarten Manu- heimer Gegend hat sich die chemische Industrie zu einer solchen Blüte entwickelt, daß man von dieser Spezies als der bedeutendsten der Welt sprechen darf. Wir erinnern nur an die Riesenbetriebe von Leonhard n. Eo., Easella u. Eo., Oehler Griesheim-Elektron, die Tr. Rößlersche Gold- und Sllber-Scheideanstalt, Höchster Farbwerke, an die Mainzer cf)em. Großindustrie und an die Mannheimer Rieseufabriken Hemshof, Wohlgelegen und Rheinau. Tie genaue Kenntnis der Wirkung der Gute auf den Organismus der fabrizierenden Arbeiter ist von besonderem Interesse. Auf den Universitäten wird das durch toxikologische Vorlesungen zu erreichen versucht. Auch in Frankfurt ist in der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaft ein derartiger Kursus eingelegt, der von Chemikern der umliegenden Fabriken besticht ist. Ader es fehlte immer die experimentell instruktive Gewerbehygiene. Maßgebende Kreise der chemischen Großindustrie haben nun beschlossen, in Frankfurt eine Zentrale für diese zu schaffen und dabei das Entgegenkommen des Ministers für Handel und Gewerbe und des Kultusministers gestruden, die sich, beide in dem vorderhand gebildeten „großen Rat" durch Beiräte vertreten ließen. 23on bekannten Persönlichkeiten gehören dein großen Rat an: Tr. Adickes, Geh. Rat Ehrlich, die Professoren Reißer, Lepsius, Rehm, Knoblauch u. a. Finanziell ist das Unternehmen gesichert. Es ist vorderhaitd in der Form einet Genossenschaft m. b. H. gedacht. Als Fonds sind ICO 000 Alk. gezeichnet. Vorderhand wird man noch das Institut an eines der in Frankfurt bestehenden Institute, etwa an die Akademie oder an den Physikalischen Verein anschließen und sich die nötigen Räumlichkeiten dort stellen lassen. Zuerst würde ein Archw und eine Jachbibliothek zu gründen sein. Die für Gutachten mb sonstige Aufträge notwendigen Untersuchungen werden im Namen des Gewerbehygienischen Institut von dem Laboratorium des Frankfurter Physikal. Vereins ober benachbarten Unioersitäts- kaboratorien, evenl. auch von PrwatlaboratoriM vorzunehmen sem. Das Instlliic soll anfänglich mehr in instruktivem Sinne ausgebaut werden. Es müßte im Anschluß an spezielle Fälle, die aus der Praxis bet Fabriken selbst ober bet Gewerbemipeklion dem Institute gemeldet merben, experimentelle Untersuchungen ausführen, wie die Hygiene der torischen Gefahren im Betriebe möglichst para» lysieren kann, und diese Erfahrungen durch Aufklärungen in liter. Erzeugnissen oder durch Fingerzeige und sogar direlte Anordnungen allen Interessentenkreisen zugänglich machen. Weiter beabsichtigt bas Institut, in ausgebehinen Vorlefungskursen aaisichtsführenden Chemikern, Ingenieuren und sonstigen Belriebsbeamlen Gelegenheit zu geben, hygienisch, physiologisch und toxikologisch ihren Fabrik- bienst genauestens kennen zu lernen. Erfahrene Gewerbeinfvektions- beamtc und Betriebschemiker müßten in diesen Vorlesungen ihre reichen Erfahrungen offenbaren. Tie Organisation ist noch nicht gänzlich abgeschlossen. Tas Institut für Gemeinwohl, daS den Anstoß zu dieser Neurichtung gegeben hat, wird die Leituiig vorderhand übernehmen. Ter Handelsminister ist damit einverstanden, daß Gewerberat Dr. Leymann als leitende Persönlichkeit des Gewerbehygiene-Jnstituts von Wiesbaden nach Frankfurt übersiedelt. — Fran Irene Triesch hat am 21. d. M. im Schauspielhause zu Köln ein mehrtägiges Gastspiel als E l g a und in Hartlebeus „Sittlicher Forderung" begonnen. Der Rezensent der „Köln. Ztg." nennt nad) dem Vorgänge vieler Berliner Kritiker Hauptmanns „Elga" eine „gruselige Schauermär." Jeder Unbefangene jedoch, der das Vorbild Hauptmanns, Gr'llparzers sog. Novelle „Tas Kloster bei Sendomir", und die bei S. Fischer ui Berlin erschienene dramatische Studie Hauptmanns miteinander vergleicht, muß u. E. zur vollen Bewunderung der Hailptmannschen Kunst gelangen. — Verband deutscher Kunstgewerbevereine. Man schreibt uns aus Hannover, 24. März: Tie deutschen Kunft- gewerbeoereine hielten hier am Montag ihreil 18. Telegiertentaq ab, vorn Verbandsorsitzenden Geh. Regierungsrat Tr. ing. H. Mulhesius geleitet. Im Auftrage des preußischen Ministers für Handel und Gewerbe war der Geh. Oberregierungsrat Dönhoff eUdnenen. Namens der Bayerischen Regierung begrüßte Professor Pfeiffer den Verbandstag, für die Hessische Regierung sprach Pros. Scharvogel, re. Der Verbandstag wählte sodann Geheimrat Tr. Muthesrus^ (Berlin> zum Vorsitzenden, Prof. Dr. Haupt (Hannover) zilm Stellvertretenden Vorsitzeiiden. Alis Aiiregung des Fabrikanten Steffler (Pforzheim) wurde beschlossen, daß der 23erbaut) den Versuch machen solle, Wanderausstellungen neuer deutscher kunstgewerblicher Erzeugnisse, insbesondere aus den kunstgewerblichen Lehrstätlen ins Leben zu rufen. Direktor Tr. Pabst (Leipzig) berichtete über die technische Arbeit als Erziehungsmittel. Die Ausführungen des Referenten rourben in folgender Resolution niebergelegt: „Tie technische Arbeit ist eines der wichtigsten Erziehungsmittel auf allen Entwicklungsstufen bes Menschengeschlechts gewesen und wirb auch für jeden einzelnen Menschen die Bebeutung eines solchen beibehalteir. Deshalb muß eine sorgfältige Ausbildung von Auge und H a n b s ch o n l m K i n des a l t e r durch technische Arbeiten (H a n di e r l i g u n g s u n t er r : ch t) angestrebt unb spater auf allen Stufen der Erziehung fortgesetzt merben. Insbesonbere sind die Vertreter von Kniist unb Gewerbe von ber Wichtigkeit biefer Forderung überzeugt, unb ihr Deleqiertentag beschließt, bei den maBflcbcnben Behörden dahin vorstellig zu werden, daß ber Hand- fertigfeüsimtcrricl)t ähnlich wie m den anderen Staaten in allen .Schulen gefordert uno möglichst obligatorisch etnge- I führt werde". Eine schreckliche Ehetragödre bitt sich in 2acea (Italien) ereignet. Ter 27 jährige Kaufmann Lascar ermord e t e seine ihm vor 8 Sagen angetrante Gattin durch Dolchstiche. Zwischen dem Mörder unb seinem Opfer muß ein schrecklicher Kampf stattgefunden haben. Durch arte 8 Zimmer seiner Wohnung trieb ber Mörder die Unglückliche, die sich an die Möbelstücke anklammerte. Die Wohnung zeigte gräßliche ■ Spuren des Kampfes. Lascar tötete sich durch zwei Dolchstiche und wurde sterbend neben der Leiche seiner Frau aufgefunben. Ein Automobil-Unfall ereignete sich im Walde von Montmorency (Frkr.). Ein Ehauffeur, der einem Motorrad ausweichen wollte, machte eine so plötzliche Wendung, daß ber Wagen in den Graben stürzte. Ein Herr, eine Tarne und ein kleines Kind, die sich in dem Wagen befanden sind schwer verletzt worden. Der Chailsseur, der unter das Automobil geriet, wurde buchstäblich zermalmt. In New-Pork richtete die Zeitung „World" eine Spielhöhle mit Erlaubnis der Polizei ein unb wies dann nad), baß die Polizei gegen Bestechung den Betrieb erlaubte. Eine Untersuchung ist im Gange. ..... - - —--------—* Universitäts-Nachriehten« Das 5 0 0 jähr. Jubiläum ber Universität Leipzig findet im nächsten Jahre statt. Zur Vorbesprechung der Frage einer Beteiligung ber Schweizer am Jubiläum Leipzigs hat in Zürich eine zahlreich besuchte Versammlung sich dafür au5- gesprochen, es solle der Universität eine Dedikation gemacht werben von ber Gesamtheit der ehemaligen Leipziger Studenten ber Schweiz. Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise am 23 März 1908. . Meteorologische Beobachtungen der Station Gieken. Höchste Schlachtoiehpreise in F r a n k f u r t a. M. Fleischpreise in Gieße n Ochsen Kälber Schweine 50 Kg. Schlachtgewicht 74—76 Mk. l/, Kg.Schlachtgew. 92—94 Pf. 7, „ „ 58 -00 „ '/, Kg. 76-84 Pfg. 7, g 70—76 , 7. „ 60-76 „ Getreibepreise in Mannheim Brotpreise in Gießen Werzen 100 Kg. 22.25-00.00 Alk. Roggen 100 Kg. 20.25-00.00 Mk. Weißbrot 2 Kg. 62 Pig. Schwarzbrot 2 Kg. 58 Pfg. März 1908 Barometer auf 0° reduziert Temperatur ber Luft । Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter 24. 2» 750,1 10,5 5,1 53 N 2 Sonnenschein 25. 9“ 752,3 2,2 3,9 74 ESE 2 Klarer Himmel 25. 724 754,2 — 0,5 3,6 81 NE 2 Sonnenschein Höchste Temp eratur am 2l 1.-24 März --- + 10,5 6 C. Niedrigste , , 22 .-24. tt = 0,0 6 c. Telefonische des Giessener Anzeigers, mitge und Industi Frankfurter Hör 3J4°/O Reichsanleihe . . 92.00 3% do. . . 82.25 3^e/0 Konsols . . ,. 91.90 3% do 82.25 3^°/o Hessen —.— 3*^°/0 Oberhessen . . . 92.00 4% Oesterr. Goldrente. . 98 85 4l/s% Oesterr. Silbenente 99.25 4% Ungar. Goldrente . . 91.70 4% Italien. Rente ...-- 3% Portugiesen Serie I 60.70 3% Portugiesen „ III 61.70 4/4°/o russ.Staatsanl. 1905 94 85 4%°J0 japan. Staatsanleihe 88.60 1 % Couv. Türken von 1903 95.30 Türkenlose 150 40 k% Griech. Monopol-Anl. . 49.50 \% äussere Argentinier . 85.70 3% Mexikaner . . . 87.50 4>i°/0 Chinesen .... 95.75 Aktien: Bochum Guss 201.00 Buderus E. W 111.20 Tenden*: fest. Berliner Börse, 2 Cauada E. B 150.90 Darmstädter Bank . . . —.— Deutsche Bank .... —.— Dortmunder-Union C. . . —.— Dresdner Bank . . . 138.90 Tendenz: fest. Kursberichte teilt von der Bank fllr Handel le, Giessen. 25. März, 1.15 Uhr. Elektriz. Lahmeyer . . . 120.00 Elektriz. Schnckert . . . 103.00 Eschweiler Bergwerk . . 205.00 Gelsenkirchen Bergwerk . 185.10 Hamburg-Amerik. Paket!. 110.60 Harpener Bergwerk. . . 196.00 Laurahütte 210.50 Nordd. Lloyd . ... 97.00 Obeischles. Eisen-Industrie 97.00 Berliner Handelsges. . . 160.10 Darmstädter Bank . . . 124.75 Deutsche Bank .... 239.70 Deutsch-Asiat Bank . . 137.50 Diskonto-Kommaudit. . . 177.20 Dresdner Bank .... 13895 Kreditaktien 202.50 Baltimore- und Ohio- Eisenlahn 82.80 Gotthardbahn 174.70 Lombard. Eisenbahn . . 25 50 Gesten. Staatsbahu . . . 144.90 Pnnce-Henri-Eisenbahu . 118.00 5 Mäuz. Anfangskurse. Harpener Bergwerk. . . 196.60 Laurahütte 210.90 Lombarden E. B. ... 25.50 Nordd. Lloyd 97 60 Türkenlose 150.70 Bel wird ZlMrmut H. MichMcht als Kräftigungsmittel tausendfach ärztlich empfohlen. Nur echt in blauen Kartons ä. 1 Mk., niemals lose. tetpg M* Berreoganlerobe nach Mass- Erstklassige Verarbeitung. Tadelloser Sitz. Grosses Stofflager. au/s J. Pfeffer, Marktplatz. 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Lehrlinge: 1 Spengler, 1 Schmied, 1 Schreiner, 1 Bäcker. Es suchen Arbeit: Bs/3 3 Installateure, 3 Heizer, 1 Steinmetz, 1 Glaser, 1 Schmied, 1 Schneider, 2 Schlosser, 2 Kellner, 1 Schreiner, 2 Weihbinder, 1 Hausbursche, 1 Mchchinenarbeiter, 5 Arbeiter, 2 Hausdiener, 1 Zeilungsträgerin, 3 Lauffrauen, 1 Laufmädchen, 1 Haushälterin._____________________________________________ Nutzholz-Versteigerung Winnerod Nächsten Freitag den 27. März sollen im Distrikt Petersgrund versteigert werden: Fichten-Stangen von 8—13 cm Durchm. 1958 Stück mit 177,79 Fstm. Inhalt, Lärchen-Stangen von 8—13 cm Durchm. 154 Stück mit 15,57 Fstm. Inhalt. Die Stangen eignen sich ju Leiterbäumen, Spalierlatten, Dachsparren :c. Zusammenkunft vormittags 121O Uhr auf der Chaussee Winnerod-Saasen am Petersgrundwald. Winnerod, den 23. März 1908. d^/o Dienstag, den 31. März 1908 nachmittags 2 Uhr soll die Jagd der Gemeinde Langsdorf, bestehend aus ca. 440 Hektar Wald und zirka 723 Hektar Feldjagd auf hiesigem Nathaussaal öffentlich verpachtet werden. Die ~ Gemarkung ist in 4 Jagdbezirke eingeteilt und jeder Bezirk einzeln verpachtet. Weitere Bedingungen werden vor der Versteigerung bekannt gegeben. (1976 Großherzogliche Bürgermeisterei Schiel. Die Geburt eines prächtigen Mädchens zeigen hocherfreut an 02343 Bäckermeister Zimmer und Frau Lina geb. Weinert. Fnftt liir leitete. (Medizinische Klinik, Klinikstraße) Sprechstunde: Jeden Donnerstag abend 0—7 Uhr. - Unentgeltliche Untersuchung von Lungenkranken und Angehörigen von Lungenkranken. (D'^/g Ausgabe von Attesten für Aufnahme in Heilstätten. Ratschläge für Kranke und ihre Angehörkgen zur Vermeidung von Ansteckung. Volt. Von der Reise zurück bin ich für Auswärtige wieder Wochentags vormittags zu sprechen. Vorherige Anfrage ist empfehlenswert (Telephon - Amt Katzenfurt Nr. 1). Dr. med. 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